Montag, 12. April 2021

Abschied von Elsa F. hl

Liebe Angehörige von Elsa F., liebe Trauergemeinde,

heute und morgen nehmen wir Abschied von zwei bemerkenswerten Frauen aus unserer Gemeinde. Morgen von Rosi B., heute von Elsa F. Beide haben den guten Geist in den Dörfern T. und K. entscheidend mitgeprägt, ohne dass sie das wollten oder dass ihnen das bewusst gewesen wäre.

Frau F. war, was man in der Stadt eine vornehme Dame nennt. Aufs Dorf passt dieser Ausdruck nicht. Und es hätte ihr auch nicht gepasst, sie so zu nennen. Aber was damit gemeint ist, trifft auf sie zu.

Streichen wir also das Wort Dame. Aber das Wort „vornehm“ will ich nicht streichen. Nein, sie hat nicht nach außen hin vornehm getan. Aber sie war von vornehmer Geisteshaltung und vornehmer Herzensbildung. Ihre inneren Qualitäten waren das, was ihre Familie, auch die Enkel, geschätzt haben. Aber ebenso ihre Freundinnen und Nachbarn und alle, die sie näher gekannt haben.

Dabei hat sie durchaus auch auf ihr Äußeres geschaut. Sie hat sich bis zuletzt nicht gehen lassen, sondern war darauf bedacht, das ordentliche Leben, dass sie geführt hatte, zu Ende zu bringen. Und dabei haben ihr ein großes Maß Selbstdisziplin und Energie geholfen, womit sie ihr Leben so gestaltete, wie sie es für richtig hielt. Allein dafür, wie sie bis zuletzt ihre Wohnung in Ordnung hielt und mit Familienfotos und Blumen schmückte, kann man vor ihr den Hut ziehen. Aber noch bemerkenswerter war ihre Toleranz und Großzügigkeit, ihre Gastfreundschaft und Güte. Davor will ich meinen Hut ziehen, vor ihrem großen Herzen, das sie nicht nur für ihre Angehörigen, sondern auch für andere hatte.

So hat sie sich in T. und darüber hinaus Achtung erworben. Das zeigten auch die vielen Trauergäste, die an der Aussegnung teilgenommen hatten. Das zeigt ihr, die ihr heute zu ihrer Trauerfeier gekommen seid und ihr die letzte Ehre erweist.

Doch das Schicksal schien zunächst eine andere Richtung einzuschlagen. Sie kam am 1930 als uneheliches Kind in S. zur Welt. Das war damals eine Hypothek, die Mutter und Kind zu tragen hatten. Da war die Selbstgerechtigkeit und Empörung und die nicht immer ehrliche Moral in den Dörfern noch groß. Aufgewachsen ist sie dann als Elsa S. in T. und hat schon als Kind mit ihrem offenen und liebenswürdigen Wesens bald die Herzen erobert. Zur Familie gehörten noch zwei Brüder, von denen einer schon verstorben ist.

Geschenkt hat sie ihr Herz aber keinem Einheimischen, sondern einem Flüchtling aus dem Sudetenland. Auch damit hat sie wohl wieder allerhand Gerede auf sich gezogen. So war das damals, wenn sich ein Mädel in einen Fremden verliebte, zumal in einen Flüchtling. Und so ist das bis heute geblieben. Diese Erfahrungen haben sie geprägt, haben sie tolerant gemacht gegenüber ihren Kindern und Enkelkindern. Sie hat sich gehütet, über andere schlecht zu reden oder sie zu verurteilen.

Mit ihrer Geisteshaltung und Herzensbildung hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass in T. alles in allem ein guter Geist herrscht und es eine gute Dorfgemeinschaft gibt. Oft ist es nur eine Hand voll Menschen, die das öffentliche Klima in einem Dorf positiv prägen. Frau F. gehörte dazu. Dazu passt auch ihr Konfirmationsspruch aus den Seligpreisungen Jesu, wo es heißt: »Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.« (Matthäus 5,8)

Hatte sie denn ein reines Herz? Nein. Niemand kann sich in dieser Welt ein reines Herz bewahren, völlig unbefleckt von Versagen und Schuld. Doch darum geht es nicht. Der hat ein reines Herz, wer zu seinen Mitmenschen aufrichtig ist, wer Mitgefühl zeigt, hilfsbereit ist und dessen Herz kein Neid trübt, kein Groll, keine Gemeinheit und kein Hass.

Elsa F. gehörte zu T. beinahe möchte ich sagen wie der Kirchturm zur Kirche. Sie nahm rege am öffentlichen Leben teil zum Beispiel sang sie im Kirchenchor mit, war Mitglied im Brieftaubenverein, bei den Landfrauen, bei der IG Maibaum und hat, solang sie konnte, bei der Kirchweih bedient und danach den Kartoffelsalat gemacht. Auch im Gottesdienst und im Seniorennachmittag war sie regelmäßiger Gast. Und darum fehlt sie nicht nur ihrer Familie, sondern auch ihren Freunden und Nachbarn.

Zuletzt war es gut, dass Gott sie nach 90 Lebensjahren wieder heimgeholt hat. Aber nur die letzten Tage waren noch einmal besonders schwer. Bis dahin hat sie mit geistiger Frische am Leben ihrer Familie teilgenommen und hat im letzten September noch einmal so richtig ihren 90. Geburtstag gefeiert. Von diesem Ereignis, von dieser Freude hat sie bis zuletzt gezehrt. Kurz vor ihrem Tod haben wir dann noch einmal im kleinsten Kreis an ihrem Sterbebett Abendmahl gefeiert. Das hat sie noch mitbekommen. Und ich hoffe, dass sie das gestärkt und getröstet hat.

Und so möchte ich als Resümee von ihrem Leben sagen: Else F. war ein von Gott gesegneter Mensch. Er hatte sie mit Lebensfreude, Tatkraft und einer angenehmen Leutseligkeit gesegnet. Er hatte ihr die Kraft gegeben, auch Krisen zu überstehen und Leid zu tragen. So ist ihr Mann schon vor bald 40 Jahren gestorben. Sie hatte nicht nur ihre Kinder und zum Teil auch Enkel zu erziehen, sondern pflegte auch die Urgroßmutter, die Schwiegermutter und den Vater. Daneben hat sie dann mit Heimarbeit noch dazuverdient.

Gott hatte sie aber auch mit drei Töchtern gesegnet, mit vier Enkeln, von denen einer in jungen Jahren schon gestorben ist, und sieben Urenkeln. Und er hat sie mit Freude gesegnet an ihrer Familie, an der Musik, am Garten, an Blumen und damit, dass sie eine hervorragende Köchin war.

Ja, Elsa F. war eine bemerkenswerte Frau, keine Dame, aber trotzdem vornehm, nicht nach außen hin, sondern im Geist und im Herzen. Nun soll sie schauen, was sie geglaubt hat. Nun soll sie Gott schauen im Angesicht ihres Erlösers Jesus Christus. Und er wird sie anstrahlen und sagen: Nun komm, Elsa, es ist Zeit. Du warst lange genug auf der Erde. Jetzt gehe ein in meinen Frieden. Da bist du geborgen.

Wir, liebe Trauergäste, verneigen uns vor diesem Leben und nehmen von Elsa F. Abschied in Frieden und Dankbarkeit. Amen

Sonntag, 11. April 2021

Schatz und Herz hl

Losung: Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Psalm 62,11 

Lehrtext: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Matthäus 6,21 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

"Schatz", so sagen manche Paare zueinander. Ich finde diesen Kosenamen eigentlich ganz schön. Sagt man doch damit, dass man den anderen liebt und schätzt. Jedenfalls ist so ein „menschlicher“ Schatz nicht mit Geld oder sonstigem Vermögen aufzuwiegen.

Manche aber hängen sich an ihren Besitz, weil er ihnen Sicherheit verspricht. Sie glauben, dass Geld ihr Ansehen erhöht und sie gut durch schwierige Zeiten kommen lässt. Es stimmt schon, ein gewisses Vermögen macht finanziell unabhängig und beruhigt. Doch es kann dir auch wieder zwischen den Fingern zerrinnen. Liebe und Geborgenheit aber kannst du nicht kaufen. Du bekommst sie nur geschenkt. Und du kannst sie einem anderen schenken.

Gott schenkt sie dir, sagt die Bibel, sagen Menschen, denen ihr Glaube kostbar ist. Sagt, wer die Erfahrung gemacht hat, dass er ganz und gar von Gott abhängig ist und alles von ihm bekommt. Vielleicht muss man dazu erst einmal erlebt haben, wie flüchtig und zerbrechlich das eigene Leben ist, wie wenig man im Grunde sich selbst in der Hand hat.

"Schatz", so sagen manche Paare zueinander. Schön, wenn sie das auch so meinen. Doch zu Gott sage ich das nicht. Warum? Vielleicht weil ich einen Kosename für ihn unpassend finde. Gott ist mir dazu einfach zu wichtig und wertvoll, weil er mir heilig ist. Und doch stimmt es für mich: Er ist mein größter Schatz und ich seiner. So wie du. 

Gebet: Herr, auch wenn ich alle materiellen Güter wieder verliere, du bleibst mir. Du bist das zuverlässige Fundament, auf dem ich Halt finde und mein Leben bauen kann. Du bist bei mir auf der grünen Aue und im finsteren Tal. In diesem Glauben gehe ich getrost meinen Weg weiter. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Samstag, 10. April 2021

Das Windlicht hl

Losung: Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde. Psalm 71,9

 

Lehrtext: Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. 2.Korinther 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch in einem alten Windlicht mit Sprüngen und Macken brennt die Kerze und macht es hell. Vielleicht hast du eins von deinen Großeltern oder Eltern geerbt und hältst es in Ehren. Sooft du es an einem warmen Sommerabend auf dem Balkon oder im Garten anzündest, denkst du an sie. Dieses Windlicht hatte für sie eine schön Abendstimmung auf den Tisch gezaubert und jetzt tut es das für dich. Das Windlicht ist alt, die Flamme aber ist jung. Dem Gefäß sieht man die Jahre an. Dem Licht nicht. Es leuchtet heute so strahlend wie in vergangenen Zeiten.

Solange Oma ihre Enkel liebevoll anschaut, sind ihnen ihre Falten egal. Gott interessiert meine äußere Erscheinung sowieso nicht, doch er freut sich, wenn ich ein Licht für andere bin, egal in welchem Alter. Dann gebe ich es wie ein Fackelläufer an sie weiter.

Gebet: Herr, gib Acht auf das Licht des Glaubens in mir, dass es nicht verlösche, sondern mir den Weg durchs Leben bis zu seinem Ende zeige. Bis es verblasst im Licht deiner Herrlichkeit. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Freitag, 9. April 2021

Atme durch und fürchte dich nicht. hl

Losung: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1 

Lehrtext: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Römer 8,31 

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Losungswort gestern hat sich Adam, der Mensch, vor Gott gefürchtet. Zurecht, denn die Strafe folgte auf dem Fuß. Weil er Gottes Gebot übertreten hatte, wurde er mit Eva aus dem Paradies vertrieben. So steht es am Anfang der Bibel. Von nun an muss der Adamsmensch, müssen du und ich "jenseits von Eden" leben, außerhalb des Paradieses in der Welt, wie wir sie kennen. Wer nicht hören will, muss fühlen. Das ist die unerbittliche Sprache des Gesetzes.

Im Losungswort heute sagt Gott zum Menschen: "Du lebst getrennt vom Paradies. Aber ich bin in dieser ganz und garnicht paradiesischen Welt bei dir. Ich lasse dich nicht im Stich. Du musst dich nicht erst noch vor mir bewähren. Du gehörst ja mir. Alles ist gut. Atme durch und fürchte dich nicht."

Das ist es, was ich hören muss. Das macht mich zuversichtlich und lebensmutig. Das ist das Evangelium, die frohe Botschaft. Sie gibt mir Orientierung und Sinn.

Gott, die große Macht im Himmel und auf Erden, ist für mich (Lehrtext). Heute und morgen. Es gibt Tage, da fällt es mir schwer, das zu glauben. Wichtiger aber ist, dass er tut, was sein Wort sagt.

Gebet: Herr, ich nehme dich beim Wort. Weil du mein Vater bist, kannst du mich nicht täuschen. Weil du mein Gott bist, kann ich auf dich vertrauen. Weil du mich erlöst hast, muss ich mich nicht fürchten. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Donnerstag, 8. April 2021

Nachdenken über den Menschen hl

Losung: Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt. 1.Mose 3,9-10 

Lehrtext: Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen. Hebräer 4,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Adam, - auf Deutsch: Gottes Menschengeschöpf – Adam wird von Gott angesprochen. Er wird von ihm einer Frage gewürdigt, weil der Schöpfer seinem Geschöpf zutraut, dass es ihm antworten, dass es sich ver-antworten kann.

Du bist von Gott angesprochen: „Wo bist du? – Wo ist dein Herz? Wo sind deine Gedanken? Wo ist dein Glaube?“

Adam lügt. Er fürchtet sich nicht wegen seines Nacktseins. Er hat ein fürchterlich schlechtes Gewissen; denn auch er hat von der verbotenen Frucht gegessen. Jetzt weiß er, was gut und böse ist. Jetzt weiß er, was ein schlechtes Gewissen ist.

Damit beginnt sein Versagen. Und nun wird es immer schlimmer: Erst duckt er sich weg, dann die Lüge, dann drückt er sich um seine Verantwortung und beschuldigt Eva und schließlich beschuldigt er auch noch Gott selbst: „Die Frau, die DU mir gegeben hast…“ (1. Mose 3)

So ist der Mensch, sagt die Bibel damit. So ist er von Anfang an: feige, furchtsam, unaufrichtig, verantwortungslos, gemein zu seinem Mitmenschen und frech zu Gott.

So ist der Mensch? - Was meinst du? Stimmt das? Bist du so?

Die Folge aus diesem Menschenbild ist, dass der Mensch Gebote und Verbote braucht, Gesetz und Gericht, Urteil und Strafe. Der Mensch muss beaufsichtigt werden, er muss erzogen werden. Man darf ihn nicht gewähren lassen. So sehen das Menschen, die sich an diesem Menschenbild orientieren.

Es gibt aber noch eine andere Sichtweise, die göttliche. Ja, der Mensch ist schwach und versagt. Doch ihn bessern nicht Gebote und Strafe, kein Liebesentzug, keine Drohungen mit ewiger Verdammnis. Ihn bessert einzig Gottes Liebe in Jesus Christus. Sie kann ihn heilen von den seelischen Wunden, die er sich allzu oft selbst und anderen zufügt. 

Nein, ich bestreite nicht, dass ich so ein Mensch bin, wie die Bibel sagt. Ich vermute, dass ich theoretisch zu allem fähig wäre, wozu ein Mensch fähig ist. Es müssen nur die Umstände so sein. Sie haben schon viele gebrochen.

Aber weil ich so ein zerbrechlicher Mensch bin, darum brauche ich umso mehr Gottes Hilfe. Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sagt Jesus, sondern die Kranken. Nicht die Gerechten, sondern die Sünder. Nicht die Frommen, sondern die Kleingläubigen und Ungläubigen. Für sie lag er in der Krippe. Für sie hing er am Kreuz. Für sie ist er auferstanden. Und damit für die anderen auch. 

Gebet: Herr, heile mich. Du kennst meine Krankheit und meine Wunden. Du kennst meine Schwächen und meine Not. Deine Barmherzigkeit bringt mir Frieden und deine Liebe macht mich gesund. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Mittwoch, 7. April 2021

Auf mich kommt es nicht an hl

Losung: Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein. Jesaja 53,12 

Lehrtext: Jesus: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich, liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Lukas 6,27+28 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hoffe sehr, dass du inzwischen nicht überdrüssig bist, wenn in meinen Losungsauslegungen schon wieder von der Feindesliebe die Rede ist. Aber darum geht es nun mal im heutigen Lehrtext.

Dazu diese Gedanken: Jesus verlangt von mir nichts, wozu er nicht bereit ist. Ich soll ihm, so gut ich kann in meinem Leben nachfolgen und nicht er mir. Hundertprozentig schaffe ich das sowieso nicht. Aber wenigstens soll und will ich in der richtigen Richtung unterwegs sein und seinen Weg nachgehen.

Denen, die mich hassen, Gutes tun, das ist viel verlangt, sehr viel. Die mich verfluchen, segnen, - das ist auch viel verlangt, geht aber schon eher ebenso wie für die bitten, die mich beleidigen oder „für Übeltäter eintreten“ (Losung). Aber diese Dinge sind es nun einmal, die mich zu einem Christen machen.

Hingegen die lieben, die einem mehr oder weniger sympathisch sind, das kann auch ein Atheist. Selbst, dass einer sein Leben für seine Freunde lässt, kommt vor, wenn auch selten, bei Christen wie Muslimen, bei Juden wie Buddhisten … und Atheisten.

Doch das kann ich auch als Christ nicht und ich weiß auch von sonst keinem, der das könnte: das Leben für seine Feinde hingeben. Das weiß ich nur von Jesus. Und darum, und nur darum weiß ich auch, dass seine Liebe bedingungslos ist und ausnahmslos allen Menschen gilt. Keiner, kein einziger ist verloren, ob mir das gefällt oder nicht.

Ich jedenfalls hätte, wie gesagt, nicht die Kraft und die Größe zu so einer Liebe. Ich könnte Kinderschändern, die die Seele ihrer Opfer für ein ganzes Menschenleben beschädigt haben, nicht vergeben. Und denjenigen, die Kinder systematisch umbringen oder mit Bomben und Drohnen töten, auch nicht. Doch auf mich kommt es Gott sei Dank nicht an, sondern auf den, der selbst gefoltert und am Kreuzgalgen umgebracht worden ist. Seine Gerechtigkeit ist entscheidend und nicht, was ich davon halte.

Gebet: Herr, es fällt mir schwer zu glauben, dass du wirklich alle Menschen ohne Ausnahme liebst. Aber das erst macht mich gewiss, dass du auch mich liebst. Zum Dank will auch ich zu denen freundlich sein und denen helfen, die ich nicht mag. Das fällt mir noch schwerer. Aber ich will mich bemühen und vertraue dabei auf deine Kraft. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Dienstag, 6. April 2021

Worte für dich hl

Losung: Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten empor. Hiob 5,11

Lehrtext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis. 2.Korinther 1,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Losung und Lehrtext werden täglich von zahlreichen Menschen weltweit in vielen verschiedenen Sprachen gelesen. Und vielleicht machst auch du immer wieder die Erfahrung, dass dich diese Bibelworte manchmal persönlich ansprechen als seien sie zu dir gesagt. Und sind sie das nicht? Du bist doch gemeint mit dem, was die Bibel zu sagen hat. Wer denn sonst?

Und so ist es auch heute: Da sind viele, die sich erniedrigt fühlen oder gerade großen Kummer haben. Die lesen nun, dass Gott »die Niedrigen erhöht und den Betrübten aufhilft«. Und von diesen wiederum fühlen sich heute viele durch diese Worte ermutigt, gestärkt und getröstet. Sie vertrauen darauf, dass stimmt, was sie da lesen. Sie fühlen sich nicht mehr im Stich gelassen, sondern glauben, dass Gott ihre Situation kennt, ihre Gebete hört und hilft.

Wenn du heute zu diesen Menschen gehörst, dann kannst du vielleicht auch so ähnlich beten wie der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther (Lehrtext) geschrieben hat:

Gebet: Ja Herr, ich danke dir, dass du mich durch dein Wort und meinen Glauben tröstest. So spüre ich deine Kraft gerade dann, wenn ich kraftlos bin und deinen Trost, wenn ich trostlos bin. Du bist ja meine Hoffnung und mein Halt, wenn ich Kummer und Sorgen habe. An dich wende ich mich nicht vergebens. Du richtest mich wieder auf. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Montag, 5. April 2021

Gott und das Unglück hl

Losung: Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan? Amos 3,6 

Lehrtext: Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Lukas 24,26 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

„Gott ist nicht das Gute, sondern das Ganze“, so lautet ein Zitat von Thomas Mann, das für meinen Glauben aufschlussreich geworden ist. Schon immer hätten wir Menschen Gott am liebsten nur mit dem Guten und Hellen, dem Heil und dem Glück in Verbindung gebracht. Aber in der Losung heißt es klipp und klar, dass auch das Unheil mit ihm zu tun hat. Und das ist ja auch nachvollziehbar. Denn was soll schon ohne oder sogar gegen seinen Willen geschehen? Doch ich kann mir noch so den Kopf zermartern, warum Gott auch Unglück zulässt – ich werde darauf keine Antwort finden. Manche Fragen muss ich einfach offen lassen. Manche Dinge muss ich einfach hinnehmen, ohne sie zu verstehen.

Ich kann dazu nur zwei Dinge sagen:
Erstens, Gott sieht weiter als ich. Ich sehe nur, was im Augenblick ist, kann aber nicht sagen, was daraus werden wird und wozu es dient. Rückblickend kann ich sagen: Ohne die Hölle der Nazidiktatur und des Zweiten Weltkrieges wäre die Welt eine andere als sie ist. Ob besser oder schlechter, sei dahingestellt. Ohne diese Vergangenheit gäbe es vermutlich den Staat Israel nicht, wo Juden endlich eine sichere Heimat haben. Ohne diese Vergangenheit gäbe es dich und mich nicht, weil sich vermutlich unsere Eltern oder Großeltern nicht kennengelernt hätten. Und so weiter und so fort. „Gott“, so Dietrich Bonhoeffer, „kann auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen“.
Zweitens, da nichts ohne Gott geschieht, bin ich auch in den finsteren Tälern des Lebens nicht ohne ihn. Ich weiß nicht, warum ich da hinein muss. Aber ich vertraue darauf, dass er auch dort bei mir ist und sein „Stecken und Stab mich tröstet“
(Psalm 23,4). Er hat die Macht und die Kraft aus der Finsternis Licht zu schaffen und aus dem Tod neues Leben zu wecken. Er hat die Macht und die Kraft, dass nach dem Karfreitag der Ostersonntag kommt.

Zum Lehrtext: Ob Christus wirklich leiden musste? Die meisten meinen, dass dies im Sinne Gottes gewesen sei, weil er nur so uns Sünder vor dem Todesurteil hat retten können. Ich denke so nicht. Ja, er musste leiden, aber nicht weil Gott es so wollte, auch nicht weil er es selbst so wollte, sondern weil es die Mächtigen in Staat und Kirche so wollten. Doch damit haben sie nichtsahnend gezeigt, weswegen Christus in Bethlehem geboren ist und auf Golgatha am Kreuz gehangen hat. Denn selbst Folter und Tod haben ihn nicht davon abbringen können, alle Geschöpfe Gottes, seine Freunde und auch sie, seine Feinde, bis zum letzten Atemzug zu lieben.

Gebet: Herr, ich bitte dich, dass du mich vor Leid und Unglück verschonst. Doch wenn es mich trifft, sei du ganz nah bei mir, dass du mich hindurchträgst und bewahrst, damit ich nicht darin untergehe. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Sonntag, 4. April 2021

Steck den Kopf nicht in den Sand (Osterpredigt hl)

Oster-Gottesdienste 2021 in Sommersdorf und Thann. Predigtwort: Lukas 24,34

Liebe Freunde,

der arme Vogel Strauß! Ihm sagt man zu Unrecht nach, dass er seinen Kopf in den Sand stecken würde, wenn Probleme auf ihn zukommen. Irgendein Europäer glaubte, das in Afrika beobachtet zu haben. Und seitdem ist bei uns daraus ein Sprichwort geworden.

Also, stecke auch du nicht den Kopf in den Sand. Aber stecke auch nicht den Sand in den Kopf, wie Lothar Matthäus, der letzte deutsche Weltfußballer, gesagt hat.“ Beides ist nicht gut. Lass an diesem Osterfest den Sand deines Zweifels, deiner Bedenken, deiner Probleme und deiner Angst auf dem Boden liegen. Trage den Kopf hoch, trage ihn höher, nicht aus Stolz, sondern um weiter zu sehen. Um über all das Negative in deinem Leben und in dieser Welt hinaus zu blicken auf den, den Gott von den Toten auferweckt hat. Ihm zu Ehren feiern wir Ostern. Und das wollen wir nicht halbherzig tun. Das tun wir mit ganzem Herzen und sagen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Und jetzt noch einmal, ich den ersten Teil dieses Satzes und ihr den zweiten: „Der Herr ist auferstanden!“ (Alle:) „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Vielleicht denkt der eine oder die andere von euch jetzt: „Also das mit der Auferstehung, wie das zugegangen sein soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen.“ Das, liebe Freunde, kann sich niemand vorstellen. Es war ja niemand dabei. Und darum überlasse ich diese Sache Gott. Er weiß, wie er Jesus von den Toten auferweckt hat. Und ich weiß, dass es mir ein großes Bedürfnis ist, jedes Jahr aufs Neue Ostern zu feiern und die Lieder der Hoffnung zu singen. Ich will auch heuer wieder die Geschichte hören, wie die Frauen das Grab leer fanden und wie eine überirdische Freude die Jünger ergriffen hatte, als sie erlebten, dass Jesus wieder in ihrer Mitte war.

Und wenn du mich jetzt fragst, „Warum ist dir das so ein großes Bedürfnis?“, dann sage ich, weil ich spüre, wie mich das alles innerlich aufrichtet, wie ich meinen Kopf aus dem Sand ziehe und hoch und höher trage, um aufzublicken auf den, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und wenn du mich jetzt fragst, „Warum glaubst du das?“, dann sage ich, weil ich das glauben will. Weil ich nichts anderes kenne, das mir immer wieder so viel Hoffnung gibt und Lebensmut macht. Und weil mich Jesus für sich eingenommen hat. Denn in ihm begegnet mir Gott, auf dessen Hilfe ich vertraue.

Ich brauche diese Zuversicht gerade jetzt, da wir nun schon zum zweiten Mal Ostern mit den Einschränkungen der Pandemie feiern. Wenigstens können wir uns heuer zum Gottesdienst treffen und gemeinsam dieses Fest feiern.

Und vielleicht fragst du mich nun ein drittes Mal: „Sag mir doch, wie geht das denn mit dem Glauben?“ Das will ich mit der Fernbedienung des Fernsehers verdeutlichen. Sie ist nur ein Gleichnis, ein Vergleich. Und wie du weißt, hinkt jeder Vergleich und hat auch seine Schwächen. Aber vielleicht kann ich doch damit zeigen, was es mit dem Glauben auf sich hat.

Wenn du es dir heute Abend vor dem Fernseher gemütlich machst und von einer Sendung unterhalten werden willst, dann wirst du den Einschaltknopf auf der Fernbedienung drücken. Wenn nicht, bleibt der Bildschirm schwarz. Doch sobald du den Knopf drückst, öffnet sich eine bunte Welt und zieht dich in ihren Bann. Da fesselt dich ein Krimi oder eine Komödie amüsiert dich, eine Show unterhält dich, Nachrichten informieren dich.

Mit dem Glauben ist das ähnlich. Der Knopf, auf den du da drücken kannst, trägt die Aufschrift „Ich will”, ich will glauben, ich denke, dass mir das gut tut. Doch einen entscheidenden Unterschied zum Fernsehprogramm gibt es doch. Gott will auch etwas von dir. Er will dich nicht als Zuschauer, sondern will dich mit hineinnehmen in seine Welt. Er ist für dich ständig auf Sendung. Er hat Dir die Möglichkeit gegeben, dass du seine Botschaft empfangen kannst. Er hat dir dafür Augen, Ohren und ein Herz gegeben. Nur eines sollst du selbst tun. Du sollst den Knopf drücken, dich selbst auf Empfang schalten, sollst den Wunsch haben zu glauben.

Aber d.h. auch: Du und ich, beide sollen und können wir über unsere Schatten springen: über den Schatten des Zweifels, ob es Gott gibt und Jesus von den Toten auferstanden ist; über den Schatten der Bequemlichkeit, dass wir etwas für unseren Glauben tun, also mit Gott im Gespräch bleiben. Glauben heißt, dass ich über den Schatten der Gleichgültigkeit springe und „ja” sage: „Ja, Herr, komm in mein Leben. Zeige mir Deine Welt.”

Aber wie springt man über seinen Schatten? Ich kann nur sagen, wie ich das mache. Also, ich bete. Gut, das ist nichts Besonderes. Das tun viele hier. Aber ich bete auch dann, wenn ich keine Lust dazu habe, wenn ich zweifle, wenn ich müde bin, wenn ich mich quäle mit Sorgen und Enttäuschungen oder wenn es mir nicht gut geht. Dann sage ich zuerst zu mir selber. „Hans, egal, wie es dir gerade geht, egal ob du jetzt glauben kannst, fang einfach an.“ Und dann bete ich etwa so:

„Mein Gott, höre mich, auch wenn mein Herz noch nicht so weit ist, das zu glauben, was ich dir jetzt sage. Du weißt ja, was mir auf der Seele liegt und was mich beunruhigt. Aber zuerst sage dir danke. Danke, dass ich leben darf. Danke für die Menschen, die mir nahe stehen und dass du auch für sie da bist. Danke dafür, dass ich satt bin und ein Dach überm Kopf habe, für den Frieden in unserem Land und die gute medizinische Versorgung. Danke, dass du mich bis heute behütet hast. Und danke auch dafür, dass du mir um Jesu willen immer wieder vergibst und mich liebst. Ich liebe dich auch. Lass mich spüren, dass du jetzt für mich da bist und komm zu mir mit deinem Frieden.”

Liebe Freunde, ja, manchmal sollte man im Gebet bereits sagen, was man noch gar nicht glauben kann. Und dann machst du die wundersame Entdeckung, dass du danach nicht mehr derselbe bist wie zuvor. Du bist zwar noch derselbe Mensch. Auch deine Situation hat sich nicht geändert, aber deine innere Einstellung. Du siehst dich selbst im Zusammenhang mit Gott. Du weißt, dass es bei allem, was dir nicht gefällt, trotzdem vieles gibt, wofür du danken kannst. Das macht das Herz wieder leichter. Darum warte ich mit dem Beten nicht, bis ich dazu in Stimmung bin, sondern fange einfach damit an, gerade dann, wenn ich keine Lust dazu habe.

Wenn ich so bete, drücke ich sozusagen den Knopf der Fernbedienung, schalte ich den Glauben wieder ein. Dann bin ich nicht nur in der Welt, in der wir alle sind, die wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen. Dann bin ich zugleich in Gottes Welt. Mein Glaube ist die Tür, durch die er zu mir kommt.

Und durch den Glauben wird auch für mich die Botschaft wahr, dass Jesus auferstanden ist. Ich muss das nicht beweisen. Es soll mir genügen, dass es so ist. Diese Botschaft enthält für mich eine Hoffnung, die mir kein anderer geben kann. Wem sonst, als Gott allein, will ich glauben, dass der Tod besiegt ist und mich in Ewigkeit nichts mehr von seiner Liebe trennen kann?

»Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!« – Diese Nachricht kann vieles verändern. Manche Nachrichten drücken einen nieder. Diese Nachricht richtet auf. Darum sage ich: Drück den Knopf, schalt den Glauben ein, geh auf Empfang, damit die Kraft, mit der Gott Jesus auferweckt hat, auch in dir wirkt.

Liebe Freunde, wenn schon der Vogel Strauß seinen Kopf nicht in den Sand steckt, dann du erst recht nicht. Wenn schon Lothar Matthäus „den Sand nicht in den Kopf steckt“, dann du auch nicht. Nein, wir haben keinen Grund weder das eine noch das andere zu tun. Wir haben aber allen Grund, den Kopf hoch zu tragen, um weiterzusehen, um darüber hinauszusehen, was uns bedrückt, ängstet und den Lebensmut nehmen will.

Lasst uns nicht auf die Dunkelheit unserer persönlichen Probleme oder auf die Schatten der Pandemie starren, die sich über unsere Seele legen wollen. Sie dürfen uns die Lebensfreude nicht nehmen. Nicht die Finsternis hat das letzte Wort, nicht der Tod ist das Ende. Christus ist die Ostersonne, die nach dem Schatten der Nacht in ihrer Pracht aufgeht. Er ist das Licht, das die Dunkelheit in dir vertreiben kann. Er ist das Ziel, dem wir entgegengehen.

Sein Angesicht leuchte über dir, seine Liebe brenne in dir. Er sei dein Hoffnungslicht auch an trüben Tagen. Er segne dich mit seiner Freude, dass du allen Widrigkeiten zum Trotz auch heuer wieder sagen kannst: Frohe Ostern! Amen

Samstag, 3. April 2021

Er ist der Herr des Verfahrens hl

Losung: Er ist der HERR, unser Gott, er richtet in aller Welt. Psalm 105,7

Lehrtext: Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führe. 1.Petrus 3,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Als wollte er belohnen, so richtet Gott die Welt“, schreibt Jochen Klepper 1938 in seinem Weihnachtslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ (EG 16 Vers 5). Damit ist im Grunde schon alles gesagt, was es aus der Sicht des Evangeliums zur Losung zu sagen gibt. Sein Richtspruch lautet: „Ich richte mich nicht nach dir, Mensch, wenn ich dich richte, sondern nach meinem Sohn Jesus Christus. Auf deine Ungerechtigkeit kommt nichts an, aber alles auf seine Gerechtigkeit. Auf dich kommt dabei nichts an, sondern alles auf ihn, was er für dich getan hat und tut. Darum verurteile ich dich nicht. Darum bestrafe ich dich nicht. Du bist frei!“

Zum Lehrtext: Als Christus gelitten hat, war er nicht wie sonst bei uns Menschen das Opfer. Er wusste, was er tat. Er ist vor dem Leid und dem Tod nicht davongelaufen wie alle seine Jünger (Markus 14,50). Er wollte an seiner Liebe festhalten und hat das getan. Er hat damit dich und mich festgehalten, hat uns bei Gott gehalten und ihn bei uns (siehe die Auslegung gestern: Karfreitagspredigt) und alle anderen Menschen auch - ausnahmslos.

Vielleicht sollte es im Lehrtext besser heißen: Christus hat das in erster Linie um seiner Liebe willen getan und so die Macht unserer Sünden, unseres Versagens gebrochen, weil nun nichts mehr auf unsere Vergangenheit ankommt, nichts mehr auf unsere Schwäche und Schuld, sondern alles auf ihn.

Wer ständig auf seine angeblichen oder tatsächlichen Sünden oder die seiner Mitmenschen fixiert ist, droht darüber Gottes Liebe in Jesus Christus aus den Augen zu verlieren. Der nimmt letztlich sich selbst wichtiger als ihn. Mit diesem Vorbehalt sollte man meines Erachtens auch die Bibel lesen und alles, was in der Kirche und sonst zu diesem Thema gesagt wird.

Gebet: Herr Jesus Christus, in diesen Tagen will ich besonders auf dich achten, damit ich mich nicht verliere. Karfreitag und Ostern zeigen mir, dass alles auf dich ankommt und nichts auf mich. Du bist und bleibst der Herr, der Herr des Verfahrens, der Herr der Welt und auch mein Herr. Du allein handelst für mich und zu meinem Besten. Dafür danke ich dir. Ich will dir durch meine religiöse Betriebsamkeit nicht ins Werk pfuschen. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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Freitag, 2. April 2021

Wo die Not am höchsten, sei das Vertrauen am tiefsten (Karfreitagspredigt hl)

Bibelworte: Lukas 23,34; Markus 27,54-56; Römer 8,38+39

Liebe Freunde,

den ersten Weihnachtsfeiertag 2003 werde ich nicht vergessen. Alle, die Hildegard kannten, mussten schon seit längerem damit rechnen, dass sie bald sterben würde. Dann war es soweit. Ihre Freundin wurde aus einem Nürnberger Krankenhaus angerufen, dass heute die Maschinen abgestellt werden, die sie zuletzt noch am Leben erhalten haben. Zu dritt sind wir nach Nürnberg gefahren, um noch einmal bei ihr zu sein, für sie zu beten und sie beim Sterben zu begleiten. Wir hatten noch etwas Zeit, mit ihr im Sterbezimmer allein zu sein. Dann kam der Arzt und fragte, ob er jetzt die Apparate abschalten könne. Einer nach dem anderen verstummte. Nur das Elektrokardiogramm, das die Herztöne aufzeichnet, lief weiter und piepste bei jedem Herzschlag. Auf dem Monitor konnten wir die Kurven sehen.

 Einspielung der letzten Sekunden eines Menschenlebens (EKG flatline YouTube ab sec 55)

Und dann war da plötzlich keine Kurve mehr. Die Linie war nur noch flach. Der Monitor schlug Alarm mit einem durchdringenden Dauerton. Doch niemand konnte mehr helfen. Das Herz hatte aufgehört zu schlagen. Hildegard war tot. Aus dem Weihnachtsfeiertag war für uns damals Karfreitag geworden.

Den Freitag vor dem Passafest im Jahre 30 haben ein paar Frauen auch nicht vergessen. Sie hielten unter dem Kreuz aus, solange Jesus noch verzweifelt um Atem rang, solange noch sein Herz schlug. Sie hörten noch, wie er sagte: „Vater, vergib, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Noch eine kleine Zeit Keuchen und Stöhnen, dann war er erstickt. Der Kopf fiel auf die Brust. Kein Atemzug mehr. Kein Herzschlag mehr. Jesus war tot. Da blieb vor Schmerz auch Gott das Herz stehen. (Altarkreuz auf die Kanzel mitnehmen und bei den folgenden Sätzen in der linken Hand halten)

Für die Frauen und seine Freunde brach die Welt zusammen. All die Hoffnungen, die sie auf Jesus gesetzt hatten, - tot. Das Wunder, dass Gott ihn in letzter Sekunde retten würde, blieb aus. Auch auf dem Monitor des Glaubens nur noch ein Strich, kein Anzeichen von Leben mehr.

Jesus starb den Tod eines Menschen, denselben Tod wie Hildegard und alle, die vor uns gegangen sind. Und alle sind sie denselben Tod gestorben, den Jesus gestorben ist und den auch wir hier sterben werden: Herzstillstand, Atemstillstand, Ende. Uns Menschen, dich wie mich verbindet unser Leiden mit seinem Leiden, unser Tod mit seinem Tod. Ihm waren unsere Schmerzen und Todesängste nicht fremd. Er kann mit uns fühlen. Er ist uns in den schwersten, letzten Stunden nah. Und wir können mit ihm fühlen.

Die Frauen verstanden Gott und die Welt nicht mehr. Sie konnten in Jesu Tod keinen Sinn sehen. Sie waren nur noch traurig. Sie hatten nur noch den Toten vor Augen. Doch einer war damals dabei, so erzählt es der Evangelist Markus, einer, der tiefer, der hinter die Dinge sah, der ein Licht sah, wo für alle anderen nur Nacht war. Und dieser Eine war ausgerechnet ein Heide, ein römischer Hauptmann. (Alterkreuz in die rechte Hand nehmen, gelbe Ostersonne hinten ans Kruzifix heften):

Er wusste auch nicht, was dieses Sterben und dieser Tod zu bedeuten hatte. Aber er hatte eine Ahnung. Er sagte, als Jesus nicht mehr atmete: „Dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn“.

Er ahnte, was andere nicht ahnten. Er spürte, was sie nicht spürten, dass da etwas ganz Außergewöhnliches geschah, was er nicht für möglich gehalten hatte, was nicht in diese Welt passte. Der da am Kreuz starb, war nicht das Opfer seiner Henker wie alle anderen, die so sterben musste. Jesus gab selbst als ein Machtloser am Kreuz die Fäden nicht aus der Hand gab. Er handelte und erfüllte seinen Auftrag. So machte er die, die scheinbar über ihn triumphierten, zu seinen Erfüllungsgehilfen:

Der Hauptmann staunte, dass dieser ihm fremde Mensch nicht im Hass auf seine Mörder starb, dass er sie nicht verfluchte, sondern für sie um Vergebung bat. Er sah, dass ihre Lügen, ihre Grausamkeit, ja selbst der Tod Jesus nicht davon abbringen konnte, seine Feinde zu lieben. Das war seine Mission. Die hat er sich nicht nehmen lassen. Dafür wurde er in Bethlehem geboren. Dafür hat er gelebt. Dafür hat er gelitten. Dafür ist er gestorben.

Als der Hauptmann das sah, traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz: Nein, so stirbt kein gewöhnlicher Mensch. Das ist nicht menschlich, sondern göttlich. Dass einer für seine Freunde stirbt, ja, das kam vor, wenn auch selten. Dass aber einer für seine Feinde stirbt, für seine Henker und Mörder. Das war unerhört, unglaublich, unfassbar. Und, liebe Freunde, das ist es bis heute.

Nicht sein Blut, nicht sein Opfer, nicht sein Tod erlöst uns Menschen aus den Fängen des Bösen und des Todes. Seine Liebe ist es, die auch vom Leiden und Sterben nicht ausgelöscht wird. Sie heilte, befreite und erlöste damals seine Mörder unterm Kreuz. Wenn aber die schon von ihm gerettet wurden, wie viel mehr dann nicht du und ich? Sind wir doch nicht seine Feinde, so sehr wir vielleicht auch versagen und uns schuldig machen.

Seitdem, seit jenem Freitag im Jahre 30 ist das die Botschaft eines jeden Karfreitags bis heute: „Höre und glaube: Weder Leid noch Angst, weder Sünde noch Schuld, keine Macht auf Erden und keine im Himmel, ja nichteinmal der Tod kann dich scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.“ So hat es der Apostel Paulus geschrieben (Römer 8,38+39). Auf dieses Wort vertraue ich. Und ich bitte dich: Tu es auch. Denn wo die Not am höchsten, sei dein Vertrauen am tiefsten! (Altarkreuz abstellen)

Wenn du nachher aus dem Karfreitagsgottesdienst nach Hause gehst, sollst du mit einem frohen, leichten Herzen heimgehen können. Von nun an musst du dich nicht mehr fürchten, weder vor dem Leben noch vor dem Tod, weder vor deinem Scheitern noch vor deiner Schuld, weder vor dem Jüngsten Gericht noch vor Strafe, weder vor der Hölle noch vor Gott.

Und es wäre schön, wenn du ihm dafür danken könntest, indem auch du zu anderen freundlich und gütig bist, selbst zu denen, die du nicht magst. Du kannst das. Schließlich bist du nicht irgendwer, sondern Gottes geliebtes Geschöpf.

Einmal wird auch aus deinem Herzschlag nur noch ein Strich wie damals bei Hildegard und seitdem bei zahllosen anderen. Doch was für uns ein Ende ist, ist für Gott ein Anfang. An Ostern hat Jesu Herz neu zu schlagen begonnen, ist Jesus von den Toten auferstanden und zur Hoffnung geworden für alle Welt. An Ostern hat Gottes Herz neu zu schlagen begonnen – für dich. Hab also keine Angst. Sieh her: Hinter dem Kreuz leuchtet die Sonne. (Noch einmal wird das Altarkreuz mit der Sonne gezeigt). Der dich geschaffen hat, wird dich nicht verlassen. Der dich liebt, wird dich nicht vergessen. Der dich kennt, bleibt dir treu. Amen

Donnerstag, 1. April 2021

Wie Gott redet. Was Jesus sagt. hl

Losung: Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Hiob 33,13-14 

Lehrtext: Jesus antwortete dem Hohenpriester: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Johannes 18,20-21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Angehörigen stehen auf der Palliativstation hilflos um das Bett des Vaters, der inzwischen ins Koma gefallen ist. Das sagt einer: Was soll denn noch der Glaube, wenn Gott die Gebete nicht hört und nicht hilft?

Ich kann den, der so spricht, gut verstehen. Und doch möchte ich etwas einwenden: Der Patient hat drei Jahre länger gelebt, als die Ärzte vermutet hatten. Er wurde medizinisch gut betreut und bekam, als es nötig war, die entsprechenden Schmerzmedikamente. Er lag in einem Krankenhaus, wo er gut versorgt war. Ärzte und Pflegepersonal waren für ihn da. Er hatte dort ein sauberes Bett, ein warmes Zimmer, das passende Essen, das Zimmer wurde regelmäßig geputzt, und was es sonst noch an angemessener Versorgung gab.

Ist das etwa nichts? Ist das nicht auch eine Hilfe Gottes, eine Weise, wie er spricht? Nur hilft er oft »auf eine Weise, die man nicht beachtet.« (Losung) Vielleicht sollten sich diejenigen, die verständlicherweise mit Gott hadern, mal ein Krankenhaus im Kongo ansehen.

Jesus wiederum hat in seinem Erdenleben »frei und offen vor aller Welt geredet«. Wer wollte, konnte ihn hören. Was sollte also beim Verhör die Frage des Bischofs (Hohenpriesters) nach seiner Lehre? Wenn ich die Evangelien an dieser Stelle richtig verstehe, dann ging es den Mächtigen in der damaligen Kirche auch gar nicht um Jesu Lehre, sondern nur darum, wie sie ihn erst aufs Kreuz legen und dann ans Kreuz nageln konnten. Denn so viel war damals klar und ist heute klar: Die Botschaft Jesu lässt sich mit einer hierarchischen, religiösen Organisation, in der Macht und Geld eine besondere Rolle spielen, nicht in Einklang bringen. Seine Worte stellen den Religionsbetrieb bis heute grundsätzlich infrage. 

Gebet: Herr, deine Worte stellen auch mich infrage. Auch ich muss mich fragen, inwiefern mein Leben mit ihnen in Einklang zu bringen ist. Darum will ich zuerst auf mich schauen und mich jeden Tag aufs Neue bemühen, dir und deinem Wort zu folgen. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr                                       

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