Sonntag, 4. April 2021

Steck den Kopf nicht in den Sand (Osterpredigt hl)

Oster-Gottesdienste 2021 in Sommersdorf und Thann. Predigtwort: Lukas 24,34

Liebe Freunde,

der arme Vogel Strauß! Ihm sagt man zu Unrecht nach, dass er seinen Kopf in den Sand stecken würde, wenn Probleme auf ihn zukommen. Irgendein Europäer glaubte, das in Afrika beobachtet zu haben. Und seitdem ist bei uns daraus ein Sprichwort geworden.

Also, stecke auch du nicht den Kopf in den Sand. Aber stecke auch nicht den Sand in den Kopf, wie Lothar Matthäus, der letzte deutsche Weltfußballer, gesagt hat.“ Beides ist nicht gut. Lass an diesem Osterfest den Sand deines Zweifels, deiner Bedenken, deiner Probleme und deiner Angst auf dem Boden liegen. Trage den Kopf hoch, trage ihn höher, nicht aus Stolz, sondern um weiter zu sehen. Um über all das Negative in deinem Leben und in dieser Welt hinaus zu blicken auf den, den Gott von den Toten auferweckt hat. Ihm zu Ehren feiern wir Ostern. Und das wollen wir nicht halbherzig tun. Das tun wir mit ganzem Herzen und sagen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Und jetzt noch einmal, ich den ersten Teil dieses Satzes und ihr den zweiten: „Der Herr ist auferstanden!“ (Alle:) „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Vielleicht denkt der eine oder die andere von euch jetzt: „Also das mit der Auferstehung, wie das zugegangen sein soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen.“ Das, liebe Freunde, kann sich niemand vorstellen. Es war ja niemand dabei. Und darum überlasse ich diese Sache Gott. Er weiß, wie er Jesus von den Toten auferweckt hat. Und ich weiß, dass es mir ein großes Bedürfnis ist, jedes Jahr aufs Neue Ostern zu feiern und die Lieder der Hoffnung zu singen. Ich will auch heuer wieder die Geschichte hören, wie die Frauen das Grab leer fanden und wie eine überirdische Freude die Jünger ergriffen hatte, als sie erlebten, dass Jesus wieder in ihrer Mitte war.

Und wenn du mich jetzt fragst, „Warum ist dir das so ein großes Bedürfnis?“, dann sage ich, weil ich spüre, wie mich das alles innerlich aufrichtet, wie ich meinen Kopf aus dem Sand ziehe und hoch und höher trage, um aufzublicken auf den, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Und wenn du mich jetzt fragst, „Warum glaubst du das?“, dann sage ich, weil ich das glauben will. Weil ich nichts anderes kenne, das mir immer wieder so viel Hoffnung gibt und Lebensmut macht. Und weil mich Jesus für sich eingenommen hat. Denn in ihm begegnet mir Gott, auf dessen Hilfe ich vertraue.

Ich brauche diese Zuversicht gerade jetzt, da wir nun schon zum zweiten Mal Ostern mit den Einschränkungen der Pandemie feiern. Wenigstens können wir uns heuer zum Gottesdienst treffen und gemeinsam dieses Fest feiern.

Und vielleicht fragst du mich nun ein drittes Mal: „Sag mir doch, wie geht das denn mit dem Glauben?“ Das will ich mit der Fernbedienung des Fernsehers verdeutlichen. Sie ist nur ein Gleichnis, ein Vergleich. Und wie du weißt, hinkt jeder Vergleich und hat auch seine Schwächen. Aber vielleicht kann ich doch damit zeigen, was es mit dem Glauben auf sich hat.

Wenn du es dir heute Abend vor dem Fernseher gemütlich machst und von einer Sendung unterhalten werden willst, dann wirst du den Einschaltknopf auf der Fernbedienung drücken. Wenn nicht, bleibt der Bildschirm schwarz. Doch sobald du den Knopf drückst, öffnet sich eine bunte Welt und zieht dich in ihren Bann. Da fesselt dich ein Krimi oder eine Komödie amüsiert dich, eine Show unterhält dich, Nachrichten informieren dich.

Mit dem Glauben ist das ähnlich. Der Knopf, auf den du da drücken kannst, trägt die Aufschrift „Ich will”, ich will glauben, ich denke, dass mir das gut tut. Doch einen entscheidenden Unterschied zum Fernsehprogramm gibt es doch. Gott will auch etwas von dir. Er will dich nicht als Zuschauer, sondern will dich mit hineinnehmen in seine Welt. Er ist für dich ständig auf Sendung. Er hat Dir die Möglichkeit gegeben, dass du seine Botschaft empfangen kannst. Er hat dir dafür Augen, Ohren und ein Herz gegeben. Nur eines sollst du selbst tun. Du sollst den Knopf drücken, dich selbst auf Empfang schalten, sollst den Wunsch haben zu glauben.

Aber d.h. auch: Du und ich, beide sollen und können wir über unsere Schatten springen: über den Schatten des Zweifels, ob es Gott gibt und Jesus von den Toten auferstanden ist; über den Schatten der Bequemlichkeit, dass wir etwas für unseren Glauben tun, also mit Gott im Gespräch bleiben. Glauben heißt, dass ich über den Schatten der Gleichgültigkeit springe und „ja” sage: „Ja, Herr, komm in mein Leben. Zeige mir Deine Welt.”

Aber wie springt man über seinen Schatten? Ich kann nur sagen, wie ich das mache. Also, ich bete. Gut, das ist nichts Besonderes. Das tun viele hier. Aber ich bete auch dann, wenn ich keine Lust dazu habe, wenn ich zweifle, wenn ich müde bin, wenn ich mich quäle mit Sorgen und Enttäuschungen oder wenn es mir nicht gut geht. Dann sage ich zuerst zu mir selber. „Hans, egal, wie es dir gerade geht, egal ob du jetzt glauben kannst, fang einfach an.“ Und dann bete ich etwa so:

„Mein Gott, höre mich, auch wenn mein Herz noch nicht so weit ist, das zu glauben, was ich dir jetzt sage. Du weißt ja, was mir auf der Seele liegt und was mich beunruhigt. Aber zuerst sage dir danke. Danke, dass ich leben darf. Danke für die Menschen, die mir nahe stehen und dass du auch für sie da bist. Danke dafür, dass ich satt bin und ein Dach überm Kopf habe, für den Frieden in unserem Land und die gute medizinische Versorgung. Danke, dass du mich bis heute behütet hast. Und danke auch dafür, dass du mir um Jesu willen immer wieder vergibst und mich liebst. Ich liebe dich auch. Lass mich spüren, dass du jetzt für mich da bist und komm zu mir mit deinem Frieden.”

Liebe Freunde, ja, manchmal sollte man im Gebet bereits sagen, was man noch gar nicht glauben kann. Und dann machst du die wundersame Entdeckung, dass du danach nicht mehr derselbe bist wie zuvor. Du bist zwar noch derselbe Mensch. Auch deine Situation hat sich nicht geändert, aber deine innere Einstellung. Du siehst dich selbst im Zusammenhang mit Gott. Du weißt, dass es bei allem, was dir nicht gefällt, trotzdem vieles gibt, wofür du danken kannst. Das macht das Herz wieder leichter. Darum warte ich mit dem Beten nicht, bis ich dazu in Stimmung bin, sondern fange einfach damit an, gerade dann, wenn ich keine Lust dazu habe.

Wenn ich so bete, drücke ich sozusagen den Knopf der Fernbedienung, schalte ich den Glauben wieder ein. Dann bin ich nicht nur in der Welt, in der wir alle sind, die wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen. Dann bin ich zugleich in Gottes Welt. Mein Glaube ist die Tür, durch die er zu mir kommt.

Und durch den Glauben wird auch für mich die Botschaft wahr, dass Jesus auferstanden ist. Ich muss das nicht beweisen. Es soll mir genügen, dass es so ist. Diese Botschaft enthält für mich eine Hoffnung, die mir kein anderer geben kann. Wem sonst, als Gott allein, will ich glauben, dass der Tod besiegt ist und mich in Ewigkeit nichts mehr von seiner Liebe trennen kann?

»Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!« – Diese Nachricht kann vieles verändern. Manche Nachrichten drücken einen nieder. Diese Nachricht richtet auf. Darum sage ich: Drück den Knopf, schalt den Glauben ein, geh auf Empfang, damit die Kraft, mit der Gott Jesus auferweckt hat, auch in dir wirkt.

Liebe Freunde, wenn schon der Vogel Strauß seinen Kopf nicht in den Sand steckt, dann du erst recht nicht. Wenn schon Lothar Matthäus „den Sand nicht in den Kopf steckt“, dann du auch nicht. Nein, wir haben keinen Grund weder das eine noch das andere zu tun. Wir haben aber allen Grund, den Kopf hoch zu tragen, um weiterzusehen, um darüber hinauszusehen, was uns bedrückt, ängstet und den Lebensmut nehmen will.

Lasst uns nicht auf die Dunkelheit unserer persönlichen Probleme oder auf die Schatten der Pandemie starren, die sich über unsere Seele legen wollen. Sie dürfen uns die Lebensfreude nicht nehmen. Nicht die Finsternis hat das letzte Wort, nicht der Tod ist das Ende. Christus ist die Ostersonne, die nach dem Schatten der Nacht in ihrer Pracht aufgeht. Er ist das Licht, das die Dunkelheit in dir vertreiben kann. Er ist das Ziel, dem wir entgegengehen.

Sein Angesicht leuchte über dir, seine Liebe brenne in dir. Er sei dein Hoffnungslicht auch an trüben Tagen. Er segne dich mit seiner Freude, dass du allen Widrigkeiten zum Trotz auch heuer wieder sagen kannst: Frohe Ostern! Amen

Kommentare:

  1. Ja Halleluja, »Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!«
    Lasst uns auf der Fernbedienung den richtigen Knopf drücken. Lasst uns die Ostersonne sehen und im Licht weitergehen, hin zu Gott
    Frohe Ostern
    Elisabeth

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  2. Ich schalte gerne mit ein. DANKE

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