Donnerstag, 17. August 2017

Mit Problemen leben hl

LosungDer Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Psalm 34,20 

LehrtextPaulus schreibt: Als wir zuvor gelitten hatten und misshandelt worden waren in Philippi, wie ihr wisst, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu sagen in hartem Kampf. 1.Thessalonicher 2,2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Lösung ist vielleicht interessant, hat aber mit meinem Leben nichts zu tun. Nicht jedes Bibelwort betrifft mich. In diesem Fall kann ich sagen: Ich bin weder ein Gerechter noch hatte ich bisher wegen meines Glaubens viel zu leiden. Aber ich kann auch sagen: Aus meinen sonstigen Problemen hat mir Gott durchaus heraus geholfen. Nicht aus allen. Manchmal ist es offenbar besser, auch mal mit einem Problem zu leben und nicht immer gleich eine Lösung zu wollen. Nicht zuletzt sind es die Schwierigkeiten, an denen man wachsen und reifen kann.
     So scheint es auch bei Paulus gewesen zu sein. Die Schwierigkeiten, die er hatte, haben ihn letztlich im Glauben und in seiner Sendung nur gestärkt. Er ist den harten Kämpfen nicht aus dem Weg gegangen, sondern hat seinen Kopf für die Gute Nachricht von Jesus Christus hingehalten. Hätte er es nicht getan, wäre die Geschichte und die Kirchengeschichte anders verlaufen. Und wer weiß, wann und ob überhaupt wir im nördlichen Europa Christen geworden wären.
     Und so will ich beten:
Herr, ich bitte dich nicht, dass du mir alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumst. Aber ich bitte dich, dass du mir so viel Kraft gibst, dass ich sie tragen kann. Und wenn ich leiden muss, dann soll es kein sinnloses Leiden sein, sondern schließlich und endlich zu etwas Gutem führen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 16. August 2017

Der Bach, der nie versiegen darf hl

Losung: Gott spricht durch den Propheten Amos: »Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Gottesdienste (Versammlungen) nicht riechen und euer Geld (= fettes Schlachtopfer) sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag deine Musik (Harfenspiel) nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.« Amos 5,24 

LehrtextDer aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 2.Korinther 9,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele tun die Bibel als ein belangloses Buch ab. Manche meinen sogar, sie enthalte nur Lügen und Märchen. Nun ja, manche meinen auch, die Erde sei eine Scheibe. Gegen Dummheit ist halt kein Kraut gewachsen. Aber für mich ist und bleibt sie das Buch der Bücher, weil sie mir den wunderbaren Gott nahe bringt, der mich segnet, liebt und mir hilft. 
     Aber es gibt noch andere Gründe, weshalb ich stolz auf dieses Buch bin. Es bringt mir auch den Gott nahe, der von den Mächtigen in Staat und Kirche Recht und Gerechtigkeit für die kleinen Leute einfordert. Es ist einzigartig in der gesamten Weltgeschichte, dass bereits vor 2700 Jahren einfache, machtlose Menschen wie Amos im Namen dieses Gottes den Religionsbetrieb verurteilt und Richter wie Pfarrer wegen Korruption angeklagt haben und ebenso die politischen Machthaber wegen Ausbeutung der Landbevölkerung. 
     Die Frage der Kultkritik und der sozialen Gerechtigkeit ist also keine Erfindung der Neuzeit, sondern Kirchenkritik, Sozialpolitik und Rechtsstaat haben ihre Wurzeln in der Bibel. Dieses Buch ist keineswegs nur ein Erbauungsbuch für die einzelne fromme Seele, sondern fordert auch dazu auf, sich mit den ungerechten Zuständen in dieser Welt nicht abzufinden.
     Den Kritikern damals, die man Propheten genannt hat, weil sie im Namen Gottes sprachen, ist diese Kritik oft nicht gut bekommen. Sie wurden verfolgt, eingesperrt und auch getötet. Jesus selbst sieht sich in der Tradition der Propheten. Sie sind seine Vorläufer. Und so wusste er, dass ihm wohl ein ähnliches Schicksal blühen würde wie jenen, wenn er sich mit den Mächtigen in Staat und Kirche anlegt.
     Der Lehrtext sagt dazu: Gott hat in das Herz eines jeden gläubigen Menschen den Wunsch eingesät, dass Gerechtigkeit sein möge im Kleinen wie im Großen, in der Familie wie in Staat und Gesellschaft. Keiner soll den anderen übervorteilen oder unterdrücken. Niemand soll erniedrigt und verachtet sein. Doch es soll nicht nur bei einem Wunsch bleiben. Aus dem Samen sollen Früchte wachsen, damit es wenigstens dort, wo Christen leben, gerechter zugehe. Damit der Bach der Gerechtigkeit ströme und nicht versiege.

Gebet: Herr, wie kann ich dich anbeten und zugleich vor den Zuständen dieser Welt die Augen verschließen? Du forderst mich heraus, da, wo es angebracht ist, den Mund aufzumachen und für die einzutreten, denen Unrecht getan wird. Gib mir dazu den Mut und die Kraft. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Matthäus 23, 29-34. Jesus spricht: Weh euch, Theologieprofessoren (Schriftgelehrte) und fromme Bürger (Pharisäer), ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut und schmückt die Gräber der Märtyrer (Gerechten) 30 und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! 31 Damit bezeugt ihr von euch selbst, dass ihr Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.
32 Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll! 33 Ihr Schlangen, ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen? 34 Darum: Siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern.

Dienstag, 15. August 2017

Gerecht ist das nicht hl

LosungGott spricht: Als du mich in der Not anriefst, half ich dir heraus. Psalm 81,8 

LehrtextEs kam zu Jesus ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein! Und alsbald wich der Aussatz von ihm und er wurde rein. Markus 1,40-42 

 Liebe Leserin, lieber Leser, 

wer ist es, der einem Christen, einem Muslim, einem Juden, einem Ungläubigen oder sonst irgendeinem Menschen aus seiner Not hilft? Wer macht die Guten und wer macht die Bösen wieder gesund? Wer hilft den Unbescholtenen und wer den Schuldigen? Den Gesetzestreuen und den Kriminellen? Dem Terroristen und seinem Opfer?
     Jesus sagt zum Ärger vieler seiner Zuhörer: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.«“ Sagt er das auch zu deinem Ärger?
     Es soll Menschen geben, die sich von Gott abgewandt haben, weil ihr ungläubiger Nachbar, den sie nicht leiden können, gesund geworden ist, sie selbst aber noch immer krank sind. In solchen Fällen kommt man schnell an seine Grenzen und fragt sich: Ist Gott nicht ungerecht?
     Ja, Gott ist auch ungerecht. Er ist das nach unseren menschlichen Maßstäben. Ich jedenfalls würde an seiner Stelle anders handeln. Ich würde zum Beispiel den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un und den amerikanischen Präsidenten Donald Trump gemeinsam in einen Käfig sperren bis sie endlich Vernunft angenommen haben. Klar würde ich das tun! Oder ist das vielleicht doch keine so gute Idee? Oder sollte ich lieber …? Ja was genau würde ich nun tun? Ich bin mir da doch nicht so ganz sicher. Und du?
     Vielleicht ist es besser, dass ich Gott machen lasse. Ganz bestimmt ist das so. Und auch wenn ich manches von dem, was geschieht, nicht verstehe, so will ich doch so beten:

Gebet: Herr,ich verlasse mich darauf, dass du weißt, was du tust. Du hast den großen Überblick, kennst Anfang und Ende von allem. Du weißt um jede Wirkung, die eine Ursache hat. Dir vertraue ich mich lieber an als irgend einem Menschen und sei er noch so weise und intelligent. Amen

     Gott sei Dank ist Gott kein Mensch und handelt nach menschlichen Maßstäben. Seine Maßstäbe heißen Gnade und Barmherzigkeit, Vergebung und Güte, Treue und Liebe. Wenn's anders wäre, wenn er nach menschlichen Maßstäben handeln würde, nach dem, was man zur Zeit für gut und gerecht hält und was morgen vielleicht schon wieder anders ist, - wenn Gott also nach menschlichen Maßstäben handeln würde, wie würde es mir dann wohl gehen?
     So aber können mir alle, die hinter meinem Rücken tuscheln, die Gerüchte verbreiten und schlecht über mich reden, egal sein. Was gehen mich ihre Maßstäbe und Urteile an? Sollen sie doch vor ihrer eigenen Tür kehren! Ich aber schaue auf den, der mir in meiner Not hilft, egal ob ich es verdient habe oder nicht. Ich schaue auf Jesus. Er hatte Mitleid mit dem Aussätzigen. Er wird auch zu mir sagen „Ich will's tun“, wenn ich Hilfe brauche. Er hat auch Mitleid mit denen, die ihn nicht bitten und nicht kennen und hilft auch noch dem größten Verbrecher. Nein, gerecht ist das nicht, aber göttlich.
     Und was ist jetzt mit Kim Jong-un und Donald Trump? Es muss ja kein Käfig sein. Eine Gummizelle würde vielleicht auch reichen. Aber Gott hört ja nicht auf mich.

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 14. August 2017

Nichts geht über die Liebe hl

LosungAchtet genau darauf, dass ihr den HERRN, euren Gott, liebt und wandelt auf allen seinen Wegen. Josua 22,5 

LehrtextPaulus schreibt: Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi. Philipper 1,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Ja“, so möchte ich die heutige Losung auslegen, „liebt den Herrn, euren Gott. Er liebt euch auch dann, wenn ihr so lebt, wie es ihm nicht gefällt. Ihr müsst ihm auch keinen Gefallen tun, sondern euch selbst. Denn wenn ihr euch nicht nach seinen Geboten richtet und ihm nicht die Treue haltet, so schadet ihr euch und nicht ihm. Denn nicht Gott ist es, der euch straft, sondern ihr selbst straft euch mit den Folgen eures Fehlverhaltens. Darum liebt ihn nicht, weil er es von euch fordert, sondern weil er euch von jeher liebt!“ 
     Im Lehrtext bringt Paulus einen ganz ähnlichen Gedanken, wenn er schreibt: »Ich bete darum, dass eure Liebe immer reicher und tiefer wird und dass ihr immer mehr Einsicht und Verständnis erlangt. So lernt ihr entscheiden, wie ihr leben sollt.« Soweit, so gut. Doch dann schreibt er noch diesen Nachsatz: »damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi.« Also doch wieder Druck von außen, um Christus zu gefallen? Die weitaus meisten Christen sehen das wohl so. 
     Ich habe aus der Bibel gelernt, ihre verschiedenen Aussagen daraufhin zu überprüfen, ob sie in Übereinstimmung sind mit dem, wie sich Gott uns in Jesus gezeigt hat und zeigt. Und darum glaube ich, dass Paulus mit anderen Aussagen näher an Jesus ist, wenn er zum Beispiel sagt, dass uns auch zukünftige Dinge nicht mehr von Gottes Liebe trennen können (Römer 8,39) oder »Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.« (2. Kor. 5,19) Nein, ich werde nicht perfekt sein für den "Tag Christi", für sein Gericht. Ich bin und bleibe ein Sünder, wie Luther gesagt hat. Aber zugleich bin und bleibe ich perfekt (gerecht) nicht aus mir selbst, sondern aus Christus. Durch ihn kann ich bestehen.
     In alledem kommt es nicht auf die richtigen theologischen Gedanken an, nicht auf dogmatische Sätze, nicht auf moralische Zeigefinger, sondern auf die Liebe. Sie ist es, durch die Gott die Welt wieder zurecht bringt. Sie ist es, die mich zu ihm Vertrauen fassen lässt. Denn nichts, gar nichts geht über die Liebe.

Gebet: Herr, was auch immer geschieht, wie sehr ich auch immer versagen mag – daran halte ich fest, dass du mich in jedem Augenblick meines Lebens liebst, in jedem. Darum kann ich auch zu dir beten und darauf vertrauen, dass du mir hilfst und mir treu bleibst. Darum kann ich mich dir ganz und gar öffnen und dich bitten, zu heilen, was gesund werden soll. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 13. August 2017

Ein Wort, das aufrichtet hl

Losung: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Psalm 34,19 

LehrtextHananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. Apostelgeschichte 9,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob du glaubst oder nicht, so oder so kannst du ein zerbrochenes Herz haben und niedergeschlagen sein. Dafür gibt es viele Gründe und vermutlich hast du schon den einen oder anderen kennengelernt. Doch dem, der glaubt, kann das heutige Losungswort helfen. Sagt es ihm doch, dass er sich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf seiner Verzweiflung ziehen muss, sondern dass Gott ihm nahe ist und hilft. 
     Gut, das ist nur ein Satz. Mehr nicht. Aber manchmal entscheiden Sätze und Worte darüber, ob ein Mensch wieder auf die Beine kommt oder völlig erledigt ist. Und es sind gerade die Worte der Bibel, die schon so viele wieder aufgerichtet haben, weil sie nicht nur von Menschen reden, sondern von Gott, dessen Möglichkeiten gerade dann beginnen, wenn wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind.
     Und so glaube ich, dass unter den vielen tausend Menschen, die heute die Losung lesen, einige sind, die durch dieses Wort neuen Lebensmut fassen und neue Hoffnung schöpfen. Sie können dann sagen, was du vielleicht auch schon gesagt hast: „Ja, das stimmt, Gott hat mir aus meinem Loch wieder herausgeholfen. Sein Wort hat mir neue Kraft gegeben. Ich weiß jetzt wieder, dass ich nicht allein bin, sondern es mit ihm durch die Feuer der Leiden und die Wasser der Angst schaffe.“
     Der Lehrtext erinnert an die Zeit als der spätere Apostel Paulus noch Saulus hieß. Er hatte sich in seinem religiösen Eifer verrannt und die ersten Christen blutig verfolgt. Plötzlich, so die Bibel, ist ihm Jesus erschien und hat sein Leben geändert. Doch dazu musste Paulus im wahrsten Sinn des Wortes erst von seinem hohen Ross stürzen und drei Tage blind herumtappen. Wie ihm da wohl zumute war, ihm, der eben noch die Macht hatte, Angst und Schrecken zu verbreiten? Er, vor dem die Christen in Damaskus zittern mussten, war mit einem Mal hilflos. Und nun geschah das eigentliche Wunder, von dem der Lehrtext erzählt: Hananias nennt das Ungeheuer Saulus 'Bruder' und heilt ihn im Auftrag Jesu. 
     Saulus war mit seinem bisherigen Leben am Ende, aber Jesus ermöglichte ihm einen neuen Anfang. Vielleicht standest auch du schon mal vor einer Wand und hast nicht mehr gewusst wie es weitergehen soll. Und dann hat Gott dir durch einen anderen Menschen plötzlich eine Tür aufgetan...

Gebet: Herr, manchmal bin ich himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt. Dann gilt alles nicht mehr, was bisher gut war und mir Freude gemacht hatte. Dann sehe ich für mich nur noch schwarz. Doch immer wieder ist es hell geworden. Immer wieder ging es weiter und sind wieder gute Tage gekommen. Das habe ich dir zu verdanken. Auf deine Hilfe konnte ich mich verlassen. Das will ich auch künftig tun. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Samstag, 12. August 2017

Worte, die zutreffen hl

LosungHERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit. 2.Samuel 7,28 

LehrtextJesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Lukas 21,33 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Maßstab dafür, ob etwas wahr ist, ist die Praxis und nicht die Theorie, also ob etwas auch wirklich zutrifft oder nur geschrieben und gesagt worden ist. Das gilt auch für Gottes Wort. Solange ich nicht erlebe, dass das, was in der Bibel steht, für mein Leben heute wichtig ist, bleibt es bedeutungslos. Aber dann ereignet sich etwas, was mich staunen lässt und ich kann wie König David sagen: „Herr, du bist Gott und deine Worte sind Wahrheit.“ 
     Je länger ich mich mit Gottes Wort beschäftige, desto mehr mache ich die Erfahrung, von der David in unserer heutigen Losung spricht. Dazu gehört, was auch der Titel dieser Losungsauslegungen ist, nämlich das „Nachdenken über die Bibel“. Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, was hat dieses Wort mit meinem Leben zu tun? Oft finde ich dann auch eine Antwort und kann sagen: ‚Ja, das was ich hier in der Bibel lese, stimmt für mich.‘ 
     Den Lehrtext verstehe ich so, dass Jesu Worte ein Stück Ewigkeit sind in dieser vergänglichen Welt und Zeit. Er redet ja nicht das, was ihm gerade einfällt, sondern durch ihn spricht Gott zu dir und zu mir. Das gibt mir Orientierung und Halt.

Gebet: Herr, wie viele Worte werden nicht täglich gesagt und gedruckt. Oft widersprechen sie sich oder stellen sich schon bald als unzutreffend heraus. Und wie viele Falschmeldungen und Lügenworte werden nicht täglich veröffentlicht! Wie soll man sich da noch zurechtfinden? Ich halte mich an dich und dein Wort. Darauf kann ich mich verlassen. Das habe ich bisher so erlebt und das wird auch so bleiben. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 11. August 2017

Mit der Schöpfung versöhnt hl

LosungGott sprach zu Noah: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier, dass hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. 1.Mose 9,9-10.11 

LehrtextGott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 2.Korinther 5,19 

Liebe Leserin, lieber Leser

seit Menschengedenken ereignen sich schreckliche Naturkatastrophen. Und manchmal haben Menschen in den Gebieten, die betroffen sind, Angst, dass eine böse Gottheit sie für immer vernichten will. Auch hinter der Erzählung von der Sintflut steckt offenbar die Erfahrung von einer gewaltigen Katastrophe. Davon wird in einigen frühen Religionen überall auf der Erde berichtet. Aber, soweit ich weiß, setzt nur die Bibel eine Verheißung dagegen, die wir in der heutigen Losung finden: Gott wird das, was er geschaffen hat, nicht mehr vernichten. Er ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes. Ein Gott der Versöhnung und nicht der Feindschaft (Lehrtext). Ein Gott der Barmherzigkeit und nicht der Grausamkeit. Dieser Gott ist dein Gott und meiner. Vor ihm muss ich keine Angst haben. Im Gegenteil. Bei ihm finde ich Geborgenheit in meiner Angst.

     Anders ist es mit dem Menschen. Vor meinesgleichen muss ich auf der Hut sein. Zu viel hat der Mensch dem Menschen schon angetan, als dass man ihm trauen könnte. Der Mensch hat es in der Hand, Gottes Schöpfung und damit sich selbst wieder zu verderben. Und unsere Generation ist auf dem „besten“ Weg dazu. Das ist die traurige Wahrheit. Dahinter steckt die grenzenlose Gier der Banken, der Auto- und Rüstungsindustrie, der Konsumgüterproduktion, der Landwirtschaft... Die Gier der Menschen, die in diesen Bereichen jeweils tätig sind und die Gier der Konsumenten.

     Und was folgt aus dieser Einsicht? Dass ich zuerst auf mich selbst schaue: Kann man mir denn trauen? Oder was kann ich tun, damit ich für andere vertrauenerweckend bin? Und wie steht es um meine Gier? Was und wie viel möchte ich haben, was im Grunde überflüssig ist, was nur noch mehr Ressourcen verschlingt und dessen Produktion, Gebrauch und Verbrauch das Klima weiter schädigt?

     Mit Gott liege ich deswegen nicht im Streit. Sein Wort der Versöhnung gilt (Lehrtext). Es heißt Jesus Christus. Aber vielleicht liege ich ja mit mir selbst im Streit und mit der Schöpfung. Vielleicht wäre das auch meine Aufgabe, mit Gottes Schöpfung Frieden zu schließen, mich mit allem, was lebt, zu versöhnen, damit es von mir und meinesgleichen nicht mehr bedroht ist.

Gebet: Herr, an dir liegt es nicht, dass wir sorgenvoll in die Zukunft blicken müssen. Du willst, was du erschaffen hast, erhalten. Aber die Menschen sägen kräftig an dem Ast, auf dem sie sitzen und ich säge mit. Ja, ich möchte meinen Lebensstil noch mehr ändern, um mit der Schöpfung versöhnt zu leben. Gib mir die Kraft wenigstens zu kleinen Schritten. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 10. August 2017

Was der Seele schmeckt hl

LosungSchmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Psalm 34,9 

LehrtextJesus spricht: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Johannes 6,51 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß nicht, wie es dir gerade geht. Aber vielleicht kannst du zurzeit im Großen und Ganzen halbwegs zufrieden sein. Wenn das zutrifft, dann erlebst du ein Wunder. Ich jedenfalls kann das von mir so sagen. Niemand aus meiner Familie ist derzeit ernstlich krank. Keiner hat gegenwärtig große Probleme. Und auch einer, der mir recht nahe steht, hat seine Operation neulich gut überstanden und die Genesung macht Fortschritte. 
     Ich weiß noch, welche Angst er vor dem nicht ganz einfachen Eingriff hatte. Und so kam er davor mit seiner Frau noch einmal in den Gottesdienst, um zu beten und Trost zu bekommen. Ich habe dann auch ihn zusammen mit den anderen Gottesdienstgästen mit den Worten der heutigen Losung zum Abendmahl eingeladen. Und jetzt, da er alles gut überstanden hat, würde er, wenn man ihn fragte, wohl sagen: „Ja, ich habe es selbst erlebt, wie freundlich Gott zu mir ist. Mir hat es gut getan, dass ich mich ihm anvertraut habe. Das will ich auch künftig tun.“
     Nein, das alles ist nicht selbstverständlich. Ich weiß ja, wie zerbrechlich das Leben ist und dass plötzlich dunkle Schatten auf einen Menschen fallen können. Und doch ging es mir und den meisten, die zu meinem familiären Umfeld gehören, die längste Zeit unseres Lebens gut. Ja, auch ich habe es selbst erlebt und geschmeckt, wie freundlich Gott zu mir ist. Und du?
     Aber wie schmeckt denn nun Gottes Freundlichkeit? Bestimmt nicht bitter und auch nicht sauer. Vielleicht wie ein Bissen Schwarzbrot ohne Butter, Wurst oder Marmelade. Einfach nur wie pures Brot. Mir jedenfalls schmeckt frisches, fränkisches Schwarzbrot mit einer knusprigen Rinde ausgezeichnet. Leider gibt es das nur selten beim Abendmahl. Meistens werden dann kleine, dünne Hostien ohne besonderen Eigengeschmack ausgeteilt. 
     Doch so recht will mir der Vergleich mit dem Schwarzbrot nicht gefallen. Denn Gottes Freundlichkeit soll zuerst meiner Seele schmecken und nicht meinem Gaumen. Ich frage mich also, in welcher Verfassung ich wieder zurück in die Kirchenbank gehe, nachdem ich im Abendmahl das Brot des Lebens und den Wein der Versöhnung bekommen habe, nachdem in diesen Gaben Jesus selbst bei mir ist so nahe als es nur irgend geht. Ich bin dann ruhiger, gelöster, zufriedener. Bin getröstet und ermutigt, gestärkt und weiß mich geliebt. Das, so glaube ich, ist der Geschmack von Gottes Freundlichkeit. Dazu muss ich nicht zum Abendmahl gehen. Aber da bin ich meinem freundlichen Gott (Titus 3,4) besonders nahe.
Im Lehrtext sagt Jesus von sich, dass er das lebendige Brot ist. Das verstehe ich so: Wer dieses himmlische Brot im Glauben zu sich nimmt, hat schon einen Vorgeschmack vom Himmel.

Gebet: Ewiger, heiliger Gott, vor dir muss ich nicht in Ehrfurcht erstarren oder sonstwie auf der Hut sein. Vor dir kann ich ganz und gar der sein, der ich bin. Denn du verstehst und kennst mich besser als ich mich. Und das ist auch der Grund, weshalb du mich liebst. Du weißt, dass ich deine Freundlichkeit und Liebe brauche, damit es mir gut geht. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 9. August 2017

Sein Geist – meine Hoffnung hl

LosungDer HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht. Sprüche 2,6 

LehrtextJesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa und die Kunde von ihm erscholl durch das ganze umliegende Land. Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen. Lukas 4,14-15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Jesus für die Leute damals zu einem besonderen Menschen gemacht hat, war nicht seine gesellschaftliche Stellung, nicht seine Leistung, nicht sein Erfolg, waren nicht Geld und Macht, Titel und Ehren, – es war seine Persönlichkeit, seine natürliche Autorität, sein Charisma. Es war die Kraft des Geistes, in der er auftrat und die Menschen überzeugte. - Dieses Charisma, dieser Geist wirkt in seinen Worten durch viele Jahrhunderte bis heute: 

# Sein Geist bewegt Menschen, lässt sie ihr Leben ändern und motiviert sie, anderen zu dienen. 
# Sein Geist gibt Weisheit, Erkenntnis und Einsicht (Losung) wie wir miteinander umgehen sollen im Kleinen wie im Großen.
# Sein Geist weckt Vertrauen und braucht keine Kontrolle. 
# Sein Geist ist der Geist der Gnade und nicht der Gesetze, der Geist der Vergebung und nicht der Strafe, der Geist des Friedens und nicht der Angst.
# Sein Geist ist der Geist der Gewaltlosigkeit anders wie der Geist des kriegerischen Mohammed oder der Geist politischer Ideologien.
# Sein Geist ist der Geist der Hingabe und nicht der Raubgier eines alles verschlingenden Kapitalismus.
# Sein Geist ist demgegenüber der Geist der Demut und der Zärtlichkeit zu allem (!) Lebendigen, das Gott geschaffen hat. 
# Sein Geist, davon bin ich überzeugt, ist die einzige Hoffnung für eine menschliche Zukunft und die zukünftige Menschheit. 

Er wollte und will von denen, die sich auf ihn berufen und in ihm Gottes Liebe erkennen, dass sie lieber Unrecht leiden als Unrecht tun. Ein Blick auf sein Kreuz sagt alles.

Gebet:  Herr, ich bitte für mich und alle Menschen: Schenke uns deinen Geist. Wir brauchen ihn so nötig wie ein Verdurstender Wasser und ein Verhungernder Brot. Ohne deinen Geist gibt es keine Hoffnung mehr. Ohne deinen Geist gehen wir an uns selbst zugrunde. Gieße aufs Neue deinen Geist aus, damit Glaube, Frieden und Liebe wachsen und alle Menschen auf deiner Erde gemeinsam eine lebenswerte Zukunft haben. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 8. August 2017

Frei sind wir, ja zu sagen oder nein hl

LosungZu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! Jesaja 65,1 

Lehrtext: Der Knecht im Gleichnis sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer ist Gottes Volk? Die Juden sagen: wir! Die Muslime sagen: wir! Die Zeugen Jehovas sagen: wir! Was sagen die Katholiken? Was die Protestanten? Was sagst du?
     Die Bibel sagt, Gott ist für jeden Menschen da, den er geschaffen hat, egal ob er den richtigen Glauben, die richtige Religion, das richtige Bekenntnis hat oder ob er gar nicht glaubt. So jedenfalls verstehe ich die heutige Losung. Und auch in dem Gleichnis von Jesus, aus dem der heutige Lehrtext kommt, geht es darum, dass alle eingeladen sind erst recht dann, wenn die, die zuerst gebeten wurden, nicht kommen wollen.
     Jeder ist willkommen in seinem Haus, jeder ohne Ausnahme. Gott lädt alle ein, aber er zwingt niemanden. Er lässt  uns die Freiheit, ja zu sagen oder nein, zu kommen oder zu gehen.

Gebet: Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.
Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen.
Frei sind wir, ja zu sagen oder nein. Amen
Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 7. August 2017

Das Geheimnis der Welt hl

LosungGott offenbart, was tief und verborgen ist. Daniel 2,22

LehrtextDer Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Johannes 14,26 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich glaube, dass Gott das Geheimnis der Welt ist, der großen und meiner kleinen. Und ich glaube, dass ich dieses Geheimnis aus der Bibel kenne. Es heißt: Gott hat die ganze Welt und dich und mich aus Liebe geschaffen. Hinter allem und in allem und vor allem und nach allem steht eine gute Macht, die wir Gott nennen und die sich uns in Jesus Christus gezeigt hat. Kein blinder Zufall, kein böses Schicksal, keine ungünstigen Sternenkonstellationen, keine kalte Notwendigkeit ist das Geheimnis der Welt, sondern der Gott der Liebe.
     Und das lässt mich auf diese Welt und auf mich selbst und meine Mitmenschen ganz anders schauen, als wenn eine andere Macht das Geheimnis wäre. Auch gegen alle schlechten Erfahrungen glaube ich, dass am Ende das Gute gewinnt und dass dieses Gute Gott heißt und jetzt schon in der Welt und in meinem Leben wirkt. Das macht mich trotz aller Sorgen und Ängste zuversichtlich. Das gibt mir Freude und Energie. 
     Mögen andere diese Welt und diese Zeit und die Zustände nur noch negativ sehen und ohne Hoffnung dahinleben. Ich höre nicht auf das, was sie sagen. Ich höre auf das, was die Bibel zu Gottes Welt, zu dir, zu mir und damit zu seiner Schöpfung sagt: »Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.« (1. Mose 1,31)
     Das war so, das ist so, das bleibt so. Dafür sorgt Gott selbst, der sich seine Schöpfung nicht verderben lässt, sondern sie vollenden wird. Daran will ich festhalten allen schlechten Nachrichten aus den Medien zum Trotz. 
     Ich glaube an die gute Nachricht, das Evangelium von Jesus Christus. Und das, liebe Leserin, lieber Leser, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Das lehrt mich und dich der Heilige Geist (Lehrtext), der uns an Jesus erinnert und durch den alles gut wird.

Gebet: Herr, damit ich deine gute Nachricht glauben kann, brauche ich deinen Heiligen Geist. Er sagt mir, dass du das Geheimnis der Welt bist. Durch ihn sagst du mir, dass alles, was du geschaffen hast, gut ist. Und im Geiste Jesu vertraue ich, dass nicht das Böse triumphiert, sondern die Liebe. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 6. August 2017

Gesucht und gefunden hl

LosungEs freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen! Psalm 105,3 

LehrtextAm ersten Tag der Woche, als wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus. Apostelgeschichte 20,7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

für die meisten Menschen ist jetzt Wochenende. Für Christen war und ist der Sonntag aber „der erste Tag der Woche“ (Lehrtext). Denn an einem Sonntag ist Jesus auferstanden. Und so haben wir diesen Tag als Feiertag und nicht den Freitag wie die Muslime oder den Samstag (Sabbat) wie die Juden. Feiertag? Wie sieht denn dieser Tag für dich aus? Unterscheidet er sich noch von einem Werktag?
     In der Apostelgeschichte lesen wir, dass sich die ersten Christen am Sonntag versammelt haben, um im Gedenken an Jesus Abendmahl zu feiern und eine Predigt zu hören. Sie brauchten dazu kein Kirchengebäude, keine Orgel, keinen bezahlten Pfarrer, keine besondere Liturgie und was sonst alles einen traditionellen Gottesdienst bei uns ausmacht. Sie brauchten nur einen Raum in irgendeinem Privathaus, etwas Brot, etwas Wein, ein paar Lieder und jemand, der über das Leben im Licht des Glaubens an Gott und Jesus Christus sprach. Vor allem aber hatten sie, soweit man weiß, Freude an Gott (Losung). Sie freuten sich nicht so sehr, weil sie Gott suchten (Losung), sondern weil sie hörten und darauf vertrauten, dass er sie gesucht und gefunden hat wie der gute Hirte sein verlorenes Schaf. 
     Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und wenn ich einen Gottesdienst besuche,
# dann möchte ich keine komplizierten theologischen Abhandlungen hören, keine Moralpredigten, keine langweiligen Erörterungen, was zur Zeit der Bibel alles war.
# Dann möchte ich hören und darin bestärkt werden, dass es um mich geht, um meinen Glauben und mein Leben in meiner Zeit.
# Dann möchte ich hören, dass auch ich von Jesus gesucht und gefunden bin, weil ich es Gott wert bin, dass er mich nicht achtlos irgendwo liegen lässt, sondern mich bei sich trägt.
# Dann möchte ich anders wieder heimgehen können als ich gekommen bin: ermutigt, entlastet, aufgerichtet und gestärkt.
Dieser Glaube ist dann keine laute, äußere Freude, aber er macht mich innerlich froh. So wie ich froh sein kann, eine Familie und Freunde zu haben, die für mich da sind.
     Das ist es, was ich an einem Sonntag – und nicht nur da – erfahren möchte. Und dabei ist mir beides recht, ob dies in einer Kirche in einem traditionellen Gottesdienst geschieht oder in einem anderen Raum mit neuen Formen.

Gebet: Herr, ich bitte dich für alle, die Verantwortung für die Gottesdienste und Predigten haben, dass sie sich um die Menschen heute und ihren Glauben bemühen, damit du durch dein Wort und deinen Geist wirkst und hilfst. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Samstag, 5. August 2017

Herausgefordert von der Bibel hl

LosungEs sei Gutes oder Schlechtes - auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, werden wir hören. Jeremia 42,6 

LehrtextDen Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. 1.Thessalonicher 5,19-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt einen anonymen Leser (vielleicht auch Leserin) dieser Losungsauslegungen, der sie offenbar täglich liest und in bestimmten Fällen im Internet-Blog (www.glaubenswachstum.blogspot.de) einen Kommentar abgibt. Er kann dann eines von diesen drei Kästchen ankreuzen: a) glaubensstärkend, b) lesenswert, c) nichtssagend. Und wenn ich dann versuche, eine politische Aussage der Bibel (!) zum Thema Waffen- und Gewaltverzicht, Menschlichkeit gegenüber Ausländern und Flüchtlingen oder soziale Gerechtigkeit in unsere Gegenwart zu übertragen, dann weiß ich schon im Voraus, dass ich den Kommentar „nichtssagend“ bekommen werde. 
     Ob mir diese aktualisierende Übertragung immer gelingt, sei dahingestellt. Aber nun kommen halt hin und wieder auch politische Themen in Losung und Lehrtext vor, und ich muss und will mich dazu verhalten. Aber ebenso kommen auch andere Themen vor, die für mich eine Herausforderung sind. Ich denke da zum Beispiel an die beißende Kritik der Propheten und von Jesus an der religiösen Institution ihrer Zeit. Übertragen auf heute ist das die Kirche. Und jene Kritik an den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Kultpriestern damals ist heute eine Infragestellung der Bischöfe und Dekane, Theologieprofessoren und Pfarrer wie ich einer bin.
     Oft genug werden wir alle von Losung und Lehrtext herausgefordert, wenn es darum geht, ob wir Gott und unseren Nächsten lieben wie uns selbst, ob wir ganz und gar auf unseren himmlischen Vater vertrauen so, wie er sich in Jesus gezeigt hat, und dabei ganz und gar darauf verzichten, mit unserer religiösen Geschäftigkeit bei ihm etwas erreichen zu wollen.
     Darum die Frage: Können wir das Gleiche sagen, was damals die Leute dem Propheten Jeremia geantwortet haben als er zu ihnen sprach: »Ich werde euch alles sagen, was der HERR antwortet.« Und die Leute antworteten ihm: »Ganz gleich ob uns seine Antwort gefällt oder nicht, wir wollen auf den HERRN, unseren Gott, hören, zu dem du in unserem Auftrag betest. Wir wollen tun, was er sagt, denn dann geht es uns gut!«? (Losung) Die Antwort auf diese Frage muss jeder von uns selbst geben.
     In eine ähnliche Richtung geht der heutige Lehrtext. Da heißt es in einer neueren Übersetzung: »Lasst den Geist Gottes ungehindert wirken!  Wenn jemand unter euch in Gottes Auftrag prophetisch redet, dann geht damit nicht geringschätzig um. Prüft jedoch alles und behaltet das Gute!«
     Der Maßstab, an dem sich jede Glaubensrede messen lassen muss und mit dem ich sie prüfe, ist Gottes Wort. Die Bibel sagt, dass es in Jesus Mensch geworden ist. Nur was auf ihn verweist, was ihn zum Leuchten bringt (auch im Alten Testament), ist es wert, dass man darauf achtet und es behält.
     Dass jemand fromm daherredet, sagt noch gar nichts und wenn er dabei noch so mit den Augen rollt und mit den Armen fuchtelt und wenn er noch so viele Titel hat und noch so schöne Talare und Roben trägt. Jeder, und sei er noch so hochgestellt, muss sich von jedem, und sei er nach weltlichen Maßstäben noch so bedeutungslos, an Gottes Wort messen lassen wie es uns in Jesus begegnet.

Gebet: Himmlischer Vater, mir fällt es nicht leicht, deine Stimme aus den vielen Stimmen herauszuhören, die an mein Ohr dringen. Aber egal ob mir dein Wort gefällt oder nicht, ich will darauf hören, weil es zu meinem Besten ist. Dazu soll dein heiliger Geist in mir wirken, der Geist deines Sohnes Jesus Christus, meines Herrn. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr


Freitag, 4. August 2017

Kämpfen wie David hl

LosungDavid sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth. 
1.Samuel 17,45 

LehrtextPaulus schreibt: Ich bitte Gott, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit beschenkt und euch durch seinen Geist innerlich stark macht. Epheser 3,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der große Goliat hatte sich auf seine schwere Rüstung und starken Muskeln verlassen. Eigentlich ganz vernünftig. Denn so ähnlich glauben ja die meisten Männer bis heute, dass sie sich damit behaupten könnten. Männervernunft eben. Das glaubten auch die Israeliten mit ihrem König Saul, als sie dem kleinen David die große Rüstung des Königs anzogen und ihm die schweren Waffen in die Hand gaben. So sollte er gegen Goliat kämpfen. Nur David glaubte das nicht. Er wusste, dass er in dieser Rüstung und mit diesen Waffen keine Chance haben würde. Und deshalb glaubte er etwas anderes, glaubte an Gott und daran, dass er ihm beistehen werde. Und dann tat er, was er konnte und kämpfte mit seinem Glauben, seiner Schleuder und einem Kieselstein gegen den Rüstungsgiganten.
     Wie die Geschichte ausging, wissen wir. Aber wie kämpfst du mit deinem Goliat, zum Beispiel mit einer Krankheit oder mit einem anderen großen Problem? Kämpfst du mit den üblichen Waffen also mit Arztbesuchen, Medikamenten, Krankenhausaufenthalten, Therapien und Rehabilitationen? Gut, wenn dir solche äußeren „Waffen“ zur Verfügung stehen. Aber ich persönlich möchte mich nicht ausschließlich darauf verlassen. 
     Es war sein Gottvertrauen, das David Mut machte, den Kampf zu wagen. Es machte ihn zuversichtlich, ihn auch zu gewinnen. Schleuder und Stein waren schon noch wichtig. Aber ohne diesen Mut und ohne Zuversicht hätten sie ihm nichts genützt. Da bin ich mir sicher. Und darum meine ich, dass Ähnliches auch für die Kämpfe gilt, die ich vermutlich noch einmal ausfechten muss. Egal worum es geht, egal welche äußeren Mittel mir dann zur Verfügung stehen werden. Entscheidend wird meine innere, meine mentale Stärke sein (Lehrtext). Und die hat mit meinem Glauben zu tun. So hoffe ich, dass auch ich dann in einem solchen Fall zu meinem „Goliat“, wer und was immer das sein wird, sagen kann: „Ich trete gegen dich an im Namen des Herrn. Auf den verlasse ich mich. Er wird mir die Kraft geben, dich zu besiegen.“

Gebet: Herr, dein Wort heute macht mir Mut, nicht gleich klein beizugeben, wenn es schwierig wird. Und so will ich die Herausforderungen dieses Tages und auch der kommenden Zeit in deinem Namen angehen wie David, auf dich vertrauen und das, was ich kann, auch tun. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 3. August 2017

Wo ist dein Glaube? hl

LosungVerlasst euch auf den HERRN immerdar; denn Gott der HERR ist ein Fels ewiglich. Jesaja 26,4 

LehrtextJesus sprach zu den Jüngern: Wo ist euer Glaube? Lukas 8,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon bevor der Prophet Jesaja dieses Wort aus der heutigen Losung gesagt hat, haben Menschen angesichts manch schlechter Erfahrungen gezweifelt, ob auf Gott Verlass ist. Das war auch zur Zeit Jesu so. Und ist bis heute so geblieben. Viele fragen gar nicht mehr danach, ob man sich auf  Gott verlassen kann. Sie sind an ihm schlicht und einfach nicht interessiert: „Gott? Sonst noch was?“
     Aber dir ist er nicht gleichgültig, sonst würdest du das hier nicht lesen. Trotzdem wirst auch du dir schon mal die Frage gestellt haben, ob du dich auf ihn verlassen kannst. Ich finde, man kann diese Frage nicht einfach so mit Ja oder Nein beantworten. Ich will vielmehr mich selbst fragen, ob meine Zweifel und schlechten Erfahrungen so groß und bedeutend sind, dass sie mir Gott nehmen könnten. Vielleicht geschieht das noch einmal. Ich kann für meinen Glauben nicht die Hand ins Feuer legen. Doch bisher ist das nicht der Fall. Ich frage mich vielmehr: Was wäre denn die Alternative, wenn ich mich nicht mehr auf Gott verlassen wollte? Auf wen denn sonst: auf mich? Auf einen anderen Menschen? Auf ein anonymes Schicksal? Auf den Zufall? Auf nichts und niemand?
     Ich wäre arm dran, würde ich mich nicht mehr auf Gott verlassen auch wenn mir schlechte Erfahrungen den Blick auf ihn vernebeln. Ich weiß doch, dass jedes Menschenleben voll Licht und Schatten ist, voll Freude und Leid. Aber ich weiß auch, dass mein Glaube nicht stärker ist als der von den Jüngern (Lehrtext). Jesus wird auch in Zukunft immer wieder allen Grund haben mich zu fragen: "Hans, wo ist dein Glaube?"
     Ich hoffe nur, dass ich dann diese Frage nicht überhöre. Sie führt mich wieder auf den Felsen, auf dem ich sicher bin (Losung).

Gebet:  Ja, Herr, wo ist mein Glaube, wenn du mich nicht danach fragst? Wo ist mein Vertrauen, wenn du es nicht stärkst? »Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.« Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 2. August 2017

Der alles schafft und alles gibt hl

LosungSo spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der HERR, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde festmacht ohne Gehilfen. Jesaja 44,24 

LehrtextGott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Apostelgeschichte 17,24-25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich die beiden Bibelworte heute zusammenfasse, dann sagt mir Gott Folgendes: 
»Ich bin der Herr, der alles schafft. Niemand muss mich unterstützen (Lehrtext). Ich wohne nicht in Tempeln und nicht in Kirchen, nicht in Domen und nicht in Kathedralen. Ich brauche keine „Diener Gottes“ und keinen „Stellvertreter auf Erden“. Was ich will, geschieht auch ohne Synagogen, Moscheen und Kirchen. Ich gebe jedem alles (Lehrtext). Wie sollte da mir jemand etwas geben können? Wenn du mir dienen willst, dann diene Menschen, die dich brauchen. Ich möchte nur zwei Dinge von dir, der du dein Leben von mir hast: liebe mich und vertraue mir. Ich will das nicht für mich, sondern für dich. Denn ich brauche dein Gottvertrauen und deine Gottesliebe nicht, aber du. So kann deine Seele Frieden finden und du kannst dir selbst vertrauen. So kannst du ohne Sorgen leben und ohne Furcht. Denn "ich bin bei dir, dass ich dir helfe" (Jeremia 30,11).« 

Gebet: Herr, verzeih mir, dass ich dir mit meinen guten Absichten im Wege stehe. Du brauchst nicht meine Religion, sondern willst meinen Glauben. Aber selbst den schenkst du mir, weil alles, was ist, von dir kommt. Ich brauche nichts zu tun, damit du mich liebst. Und selbst, wenn ich wollte, was könnte ich dir schon geben? Doch, das kann ich dir geben: meine Sorgen und meine Angst, mein Versagen und meine Schuld, meine Zweifel, meine Unruhe und dass ich dich sooft vergesse. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 1. August 2017

Springst du mit? hl

Losung: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Psalm 18,30

LehrtextUnser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 1.Johannes 5,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

genau das kannst du auch, was in der Losung steht. Du bist mit Gottes Hilfe schon früher über manche Mauer gesprungen. Warum soll das jetzt oder in Zukunft nicht möglich sein? Denke bitte mal nach, vor welchen Mauern du schon gestanden hast. Vielleicht fällt dir wieder ein, wie du dich gefragt hast, ob du da jemals drüberkommst über die Prüfungsmauer, die Genesungsmauer, die Schuldenmauer, über die Mauer eines Vorstellungsgesprächs, einer schlechten Angewohnheit, über die Mauer der Angst... Du musst ja nicht allein drüber. Gott springt mit. Seine Nähe und dein Vertauen beflügeln dich, dass du es schaffst.
     Im Lehrtext heißt es, dass unser Glaube die Welt bereits besiegt hat. Wohlgemerkt, es heißt nicht, dass wir die Welt bereits besiegt haben, sondern unser Glaube. Wir hier müssen noch oft genug unter und in der Welt leiden und am Ende auch noch sterben. Von einem Sieg keine Spur. Aber da ist etwas in dir und in mir, das nicht klein beigibt. Etwas, das gegen allen Augenschein trotzdem weiterkämpft. Da ist der Glaube, der oft so schwach zu sein scheint und doch auch Berge versetzen kann. Und das ist nicht der Glaube an die eigene Kraft, sondern an die Kraft Gottes, die sich in Jesus gezeigt hat. Er sagt: »In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden« – für euch (Johannes 16,33b). 
     Darauf vertraue ich und will mich darum von der Welt und allem, womit sie mich einschüchtert, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Also, wo ist die nächste Mauer, dass ich mit Gott drüber springen kann? Und du, springst du mit?

Gebet: Herr, ich weiß wohl, dass mir oft Zuversicht und Mut fehlen, die Mauern zu überwinden, die mir im Weg stehen. Aber du ermutigst mich im Glauben, mit dir gemeinsam Anlauf zu nehmen und es einfach zu versuchen. Also halte ich mich an dein Wort und laufe los und springe so gut ich kann und vertraue darauf, dass du mir drüberhilfst. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 31. Juli 2017

Die Richtung kennen hl

LosungIch will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. Sacharja 3,9 

LehrtextChristus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. 1.Petrus 2,24 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mach doch bitte mal den Selbsttest. Frage dich, wenn du den Lehrtext gelesen hast, ob das auf dich so zutrifft, frage: „Bin ich für die Sünde tot (abgestorben) und lebe ich so wie es Gott gefällt (Gerechtigkeit)?“
     Nun, dem ersten Teil kann ich vorbehaltlos zustimmen, wo es heißt: »Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie am eigenen Leib zum Kreuz hinaufgetragen« (HFA) ein für alle Mal und an einem einzigen Tag (Losung). Nicht nur die „Sünde des Landes“, sondern der ganzen Welt (1. Joh 2,2). Der zweite Teil aber trifft auf mich nicht zu. Weder bin ich für die Sünde tot noch sie für mich. Und ich lebe auch nicht so, wie es Gott gefällt. Ich bin kein Heiliger und kann auch keiner sein. Und ich kenne auch sonst niemanden, der einer wäre, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Stattdessen bin ich, was Martin Luther in der Bibel entdeckt hat: einer, den Christus für Gott recht gemacht hat und zugleich einer, der immer noch sündigt und versagt. 
     Diese Einsicht kann mich vor Selbstgerechtigkeit und Hochmut bewahren, aber auch vor Selbstentwertung und Höllenangst. Und darum verstehe ich den schwierigen Satz aus dem Lehrtext so: Christus lebt für mich wie es Gott gefällt. Und ich kann ihn mir als Beispiel nehmen, um ihm ähnlicher zu werden. ‚Ähnlicher‘ – das heißt, ich werde nie werden wie er, aber ich will mich an ihm orientieren. Dann weiß ich die Richtung, in die ich gehen will.

Gebet:  Herr Jesus Christus, ich danke dir für alles, was du für mich getan hast und dass ich durch dich vor Gott gerecht und gut sein kann. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 30. Juli 2017

Worte und Taten hl

LosungVerlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: »Hier ist des HERRN Tempel/Kirche, hier ist des HERRN Tempel/Kirche, hier ist des HERRN Tempel/Kirche!« Sondern bessert euer Leben und euer Tun. Jeremia 7,4-5 

LehrtextDas Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft. 1.Korinther 4,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass es in unseren Dörfern und Städten Kirchen gibt und Kirchengemeinden, besagt noch gar nichts. Das sind erst mal nur Gebäude und Organisationen sowie auch andere Verbände Gebäude und Organisationen haben. Das, worauf es allein ankommt, ist, was Kirchen und Kirchengemeinden bewirken, was sie ausstrahlen. Kurz und gut: Tragen sie dazu bei, dass Menschen ihr Leben von Grund auf ändern! (Losung) Dass sie gut und gerecht miteinander umgehen und nicht, wie wie es weiter in der Bibel heißt, die Ausländer und Flüchtlinge unterdrücken und anderen Göttern nachlaufen, womit sie sich bloß selbst schaden? (Jeremia 7,5+6)
     Man sollte es schon an unserem Verhalten merken, dass wir Christen sind und auf Gott vertrauen, dass wir das Liebesgebot Jesu befolgen und auch Fremden helfen. Einfach ist das nicht. Aber was ist schon einfach. Sich Augen, Ohren und Mund zuhalten, um nichts bemerken, sagen und tun zu müssen.
     Im Lehrtext bekräftigt der Apostel Paulus, dass schöne Worte zu wenig sind und seien sie in den schönsten Kirchen gepredigt. Es geht um Gottes Kraft, die auch in den Schwachen mächtig ist und in dieser Welt etwas zum Besseren ändern kann.

Gebet: Herr, bevor ich andere kritisiere, will ich erst mein eigenes Leben und Tun bessern. Bevor ich nur schöne Worte mache, will ich anpacken, wo es nötig ist und etwas zum Besseren wenden, wenn es möglich ist. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Samstag, 29. Juli 2017

Nachdenken über Vergänglichkeit hl

LosungSiehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Psalm 39,6 

LehrtextJesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Johannes 17,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon manchen Wind hat die alte Linde am Sommersdorfer Schloss kommen und gehen sehen. Dann haben ihre Blätter geraschelt. Und wenn ein großer Sturm kam, ist auch mal ein Ast abgebrochen. Man sieht die Bruchstellen noch heute. Die Winde sind verweht. Die Linde ist geblieben und steht, bis auch ihre Zeit gekommen ist.
Wie ein Wind nach dem andern so wehen auch die Menschengeschlechter über die Erde. Manchmal brauen sie sich zu einem vernichtenden Sturm zusammen. Dann erinnert noch eine Zeit lang eine Schneise der Verwüstung an sie wie vor 70 Jahren. Manchmal sind sie wie ein friedlicher Sommerwind, der kaum eine Spur hinterlässt. So wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder gegangen, alle. Wir wissen nicht viel von ihnen. Wir kennen nicht einmal unsere Vorfahren, die vor 150 und mehr Jahren gelebt haben. Vielleicht steht hie und da noch ein Name auf einem vergilbten Papier. Aber sonst?
     König David wusste das. Und darum hat er gebetet: »HERR, lehre doch mich, / dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sie gehen daher wie ein Schatten / und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich
     Stimmt das? Gehören auch wir, gehören du und ich zu denen, die sich viel vergebliche Unruhe machen? Worüber habe ich mich nicht schon alles aufgeregt in meinem Leben. Und was ist davon geblieben? Manchmal meint man, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, dass die Welt unterginge, vielleicht nicht die große, aber die eigene kleine. Und dann? Dann ebbt die Aufregung ab, die Gefühle beruhigen sich. Und irgendwann hat man vergessen, worüber man sich aufgeregt hat. Und der ganze Stress, – hat der sich gelohnt? Nun, ohne Aufregung und Stress geht es auch nicht. Aber vielleicht könnte es ein bisschen weniger sein und dafür etwas mehr Liebe zu denen, die einem nahe stehen, zur Natur, zur Kunst und - zu Gott. 
     Wenn ich mal am Ende meines Lebens zurückschaue, werde ich nicht sagen, ich habe alles richtig gemacht. Werde ich nicht sagen, ich bereue nichts. Solche, die nichts bereuen, sind mir ohnehin verdächtig. Dann werde ich wohl die Zeit bedauern, die ich auf die eine oder andere Weise vergeudet habe, aber mich hoffentlich auch über das freuen, woran ich mich gern erinnere. Und das werden nicht unbedingt die zahllosen Stunden sein, die ich allein am PC verbracht habe, sondern die, in denen ich mit anderen etwas unternommen habe. Und vielleicht komme ich dann auch zu diesem Ergebnis und sage: »Es war, was es war und es ist, was es ist, - sagt die Liebe.«  (nach Erich Fried)
     Vielleicht können wir alle gar nicht so sehr viel anders leben als wir es tun. Doch darüber nachzudenken, ist ein weites Feld und sprengt den Rahmen dieser Auslegung. David jedenfalls, immerhin ein bedeutender König, sagt, nachdem er über die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit von allem nachgedacht hat: »Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.« Er, der ohne mein Zutun mit allem begonnen hat, wird auch ohne mein Zutun alles zu einem guten Ende bringen. Darauf hoffe auch ich und das beruhigt mich.
     Im Johannesevangelium betet Jesus (Lehrtext) für die Menschen, die Gott ihm gegeben hat, nicht, dass er ihnen die Welt erspart und damit auch Schmerzen und Leid, Angst und Tod. Aber er bittet, dass sie darin nicht untergehen, sondern durch das Böse hindurch bewahrt und erlöst werden. Und genau das sagen wir ja auch im Vaterunser, wenn wir beten „und erlöse uns von dem Bösen“. Wir bitten nicht, dass uns böse Erfahrungen erspart bleiben. Sie gehören zu diesem Leben in dieser Welt und in dieser Zeit dazu. Aber wir bitten, daraus erlöst und befreit zu werden. Jetzt schon und auch dann. Mitten im Leben und an seinem Ende, wenn Gott vollenden wird, was er mit uns begonnen hat.
     
Gebet: Herr, mach du mich gewiss, dass mein Leben ein Ziel hat, damit ich nicht ziellos und planlos dahinlebe. Damit ich eine Hoffnung auf ein gutes Ende habe. Doch schenke mir auch jetzt den Glauben, dass du mein Gott bist, der mich behütet und mir hilft. So kann ich mich an deiner Schöpfung und an meinem Leben freuen und dir danken. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 28. Juli 2017

Gott und die Tiere hl


Losung: Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben? Hiob 38,41

LehrtextDer Herr ist reich für alle, die ihn anrufen. Römer 10,12 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du egozentrisch? Bist du der Nabel der Welt, nachdem sich alles richten soll? Diese Frage stelle ich mir selbst im Hinblick auf Gott. Und ich kann sie auf zweierlei Art beantworten: Ja, im Glauben bin ich egozentrisch. Ich glaube, dass Gott für mich da ist und die Welt für mich geschaffen hat und dass Jesus für mich geboren und gestorben ist und dass Gott mein Hirte ist und ich das Schaf bin, um das sich der Hirte ganz besonders kümmert. Das soll ich auch so glauben. Aber du sollst das genauso glauben. Auch du sollst im Hinblick auf Gott egozentrisch sein. So ist es gut.
     Aber so ist es nicht gut, wenn ich dabei andere übersehe, deren Hirte Gott ebenfalls ist. Und damit meine ich jetzt nicht nur andere Menschen, sondern die Tiere insgesamt. Sie spielen in meinem Glauben eine viel zu geringe Rolle. Die Menschenwelt, ja die, die ist in meinem Glauben ständig gegenwärtig. Und die Tiere? Sind sie nicht auch Gottes Geschöpfe? Hat er sie nicht auch gesegnet? Kümmert er sich nicht auch um sie? Hat Gott nicht allen seinen Geschöpfen, allen (!), also auch den Tieren die Hoffnung gegeben, dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, herrlichen Leben befreit werden? (Römer 8,21)
     Das will ich nicht vergessen: Auch die Tiere sind seine Geschöpfe. Wohl bin ich als Mensch über sie gesetzt (1. Mose 1,26), aber nicht, um sie zu schinden und zu quälen und nach Belieben zu töten. Als „Mitarbeiter Gottes“ habe ich eine ganz besondere Verantwortung auch für sie (1. Mose 2,15). Und es rächt sich bitter, wenn wir Menschen diese Verantwortung nicht wahrnehmen.
      Nachdem in den letzten Jahren und Jahrzehnten so viele scheinbar nutzlose Pflanzen und Insekten totgespritzt worden sind, hat nun auch das Vogelsterben begonnen. In diesem Jahr wurden dramatische Zahlen veröffentlicht, was den Rückgang vieler Vogelarten betrifft. Wie wird es wohl weitergehen?
     Losung und Lehrtext sprechen davon, dass Gott seine Geschöpfe nicht ausrottet, sondern am Leben erhält. Er nährt die Vögel unter dem Himmel (Jesus in der Bergpredigt), füttert die Raben (Losung) und gibt allen, die ihn anrufen. Sollte er nicht auch die Jungvögel hören, die aus dem Nistkasten nach Futter rufen? Sollte er nicht auch die Fische in der Tiefe des Meeres hören und den Pfiff der Murmeltiere auf den Berggipfeln?
     Im Psalm 145  Vers 15 heißt es dazu: 
Tisch-GebetAller Augen warten auf Dich, Herr; Du gibst uns Speise zur rechten Zeit. Du öffnest Deine Hand und erfüllst alles, was lebt, mit Segen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr