Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wo bist du? hl

LosungGott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt. 1.Mose 3,9-10 

LehrtextWeil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! Galater 4,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Adam, wo bist du?“ – Das war und das ist die erste Frage, die Gott dem Menschen stellt.  Und da Adam auch für dich und für mich steht, stellt er diese Frage auch dir und mir. Adam, der Mensch schlechthin, hat die Tendenz, sich vor Gott zu verstecken. Ihn plagt ein schlechtes Gewissen, weil er spürt, dass er dem Anspruch seines Schöpfers nicht gerecht wird. 
     Und so versteckt sich der Mensch am liebsten in seinem Unglauben und behauptet, dass es keinen Gott gäbe. Aber Gott findet ihn auch im Unglauben. Und wenn er sich nicht im Unglauben versteckt, so versteckt er sich in seiner Gleichgültigkeit oder in allerlei Geschäftigkeit und behauptet, keine Zeit für ihn und sein Wort zu haben. Egal, der Mensch findet immer ein Versteck, wo er hofft, von Gott in Ruhe gelassen zu werden. Aber Gott lässt ihn, lässt mich und dich nicht in Ruhe. Er ruft: Hans, wo bist du? Er geht mir nach wie der Hirte seinem verlorenen Schaf. Er sucht mich und findet mich. 
     Warum tut er das? Weil ich ihm nicht egal bin. Er fragt mich und würdigt mich damit einer Antwort. Er fragt mich nach meinen Mitmenschen: ‚Wie kommst du mit ihnen aus?‘; nach seiner Schöpfung: ‚Gehst du pfleglich mit ihr um?‘; nach meinem Glauben: ‚Vertraust du mir?‘. Er traut mir zu, dass ich mich ver-Antwort-en kann. 
     Nein, ich muss nicht stumm bleiben. Muss vor ihm keine Angst und kein schlechtes Gewissen haben. Ich bin sein Kind und, wie es im Lehrtext heißt, in mir lebt der Geist Jesu. So kann ich vertrauensvoll zu ihm sagen: 
Gebet: Abba, lieber Vater, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ 

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Äußeres Zeichen, innere Einstellung hl

LosungIch gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen. Hesekiel 20,12  

LehrtextBewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt. 2.Timotheus 1,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche Zeichen deines Glaubens hast du? Bei mir sind es mehrere Bibeln in meinem Bücherregal. Nun gut, ich bin ja auch Theologe. In unserer Diele hängt über der Tür ein Kreuz. Meine Tochter hat eine Halskette mit einem kleinen Kreuz. Sie hat sie von ihrer Patin zur Taufe geschenkt bekommen. Diese Zeichen des Glaubens „kosten“ uns nichts. Wir können sie offen zeigen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Der junge Ägypter an der Rezeption eines Hotels in Sharm El Sheikh am Roten Meer hat direkt unter der Handwurzel ein kleines tätowiertes Kreuz. Das weist ihn als Kopten aus, als ägyptischen Christ. Für ihn ist das nicht ungefährlich, da die Kopten immer wieder mal von radikalen Muslimen angegriffen werden.
     Juden haben als äußeres Glaubenszeichen den Sabbat (Losung). Für sie ist der Samstag, was für uns der Sonntag ist. Das ist schon so seit der Zeit ihres erzwungenen Exils in Babylon vor ungefähr 2500 Jahren. So wie uns Christen das Kreuzeszeichen, so unterscheidet sie die Feier des Sabbats von anderen Religionen und Glaubensgemeinschaften. Zugleich aber gehen die Gläubigen in wohl allen Religionen davon aus, dass die religiösen Zeichen sie mit ihrer Gottheit  verbinden.
     Aber diese äußeren Zeichen sind ja nur ein Hinweis auf die jeweilige innere Einstellung, auf den Glauben. Nicht auf das Kreuz über unserer Dielentür kommt es an, sondern auf den Glauben von einem jeden in unserer Familie; auf das, was der Apostel in seinem Brief an Timotheus schreibt (Lehrtext)Lass dich von dem Glauben und der Liebe leiten, die wir in Jesus Christus haben. Bewahre diese kostbare Gabe, die dir anvertraut ist. Die Kraft dazu wird dir der Heilige Geist geben, der in uns wohnt.

Gebet: Herr, in einer Welt ohne Glauben und Liebe möchte ich nicht leben. Doch ich muss selbst einen Teil dazu beitragen, dass Glaube und Liebe bleiben. Dazu brauche ich die Kraft deines heiligen Geistes. Darum bitte ich dich heute. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 12. Dezember 2017

In Licht getaucht hl

LosungMeine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht. Psalm 119,172 

LehrtextLasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Kolosser 3,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ehrlich gesagt, zunächst leuchtet es mir nicht ein, warum ich besingen soll, dass Gottes Gebote gerecht, also richtig sind. Wenn ich schon singe, dann aus anderen Gründen, zum Beispiel dass ich ihm dankbar bin und mich freue über das, was er mir geschenkt hat. Aber vielleicht darf ich bei der heutigen Losung nicht zuerst an die Zehn Gebote denken, sondern an sein allererstes, sein wichtigstes Gebot überhaupt, wovon ganz am Anfang der Bibel die Rede ist: »Und Gott sprach: Es werde Licht!« (1. Mose 1,3)  
     Dieses Gebot überstrahlt alles weitere, was sonst noch in der Bibel steht. Alles ist in sein Licht getaucht, die ganze Schöpfung, das Leben der Menschen und auch mein Leben bis heute. 
     Doch dann sagt Gott sein Gebot noch einmal auf andere Weise, um seine Menschen zu erleuchten, damit sie verstehen, was genau dieses Licht meint. Durch seinen Engel sagt er zur jungen Maria: »Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben!« (Lukas 1,31). Warum ist das so wichtig, wie das Kind heißen soll? „Gott hilft!“, so heißt der Name 'Jesus' auf Deutsch, so heißt dieses Licht, das von Anbeginn der Welt scheint. 
     "Gott hilft!" - dieser kurze Satz ist das göttliche Wort schlechthin, ist das, was er dir und mir durch Jesus zu sagen hat. Und das ist Gottes größtes Gebot, dass diesen Satz alle Menschen hören sollen. Denn er ist die Antwort auf ihre zahllosen Gebete in zahlreichen Sprachen und Religionen. Nun liegt es an mir, ob ich dieses Licht sehen, diesen Satz hören und ihm Glauben schenken will.
     Gott hilft! – das klingt anders als ‚Kopf hoch‘ oder ‚es wird schon wieder‘. Diese zwei Wörter sind keine Vertröstung, kein billiger Optimismus, sondern eine feste Zusage, die nicht ich gebe, sondern die Gott gibt, indem er seinen Sohn so nennt. Dafür steht Jesus mit seinem Leben ein.
     Alle, die das annehmen, können besonders an Weihnachten „Gott dankbar in ihren Herzen“ singen (Lehrtext). Da liegt das göttliche Wort in der Krippe und taucht die Welt und dein Schicksal in das warme Licht seiner Gnade. 

Gebet: Herr, gib mir Augen, die diese Welt und mich selbst im Licht deiner Gnade sehen können. Gib mir Glauben, um dein Licht in der Krippe zu finden. Gib mir Hoffnung, dass du auch künftig helfen wirst wie du bisher schon geholfen hast. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 11. Dezember 2017

Du bist gesegnet hl

LosungDer HERR segne dich und behüte dich. 4.Mose 6,24 

LehrtextSegnet, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 1.Petrus 3,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit den Worten aus der heutigen Losung beginnt der Segen, der am Schluss eines Gottesdienstes gesprochen wird. Ich weiß von einem, der hauptsächlich wegen dieses Segens in die Kirche kommt. Alles andere wie Predigt, Lieder oder Gebete kommt für ihn erst danach. Er möchte als ein von Gott Gesegneter in den Sonntag und in die neue Woche gehen. Aber nun frage ich dich: „Hand aufs Herz, kannst du sagen, was das Wort ‚segnen‘ bedeutet?“
     Ich halte mich daran, was segnen auf Lateinisch heißt: benedicere. Der Vorname ‚Benedikt‘ kommt zum Beispiel daher. Übersetze ich dieses Wort wortwörtlich zurück ins Deutsche, so heißt segnen ‚Gutes sagen‘. 
     Das Losungswort heißt also: ‚Der Herr sage Gutes zu dir …‘ Das ist schon mal ein schönes Gefühl, wenn ich weiß, dass Gott mir Gutes sagt und gut mit mir spricht. Doch was könnte dieses ‚Gute‘ sein? Dazu fällt mir ein, dass das Evangelium wortwörtlich ins Deutsche übersetzt ‚Gute Nachricht‘ heißt. Wenn ich das nun alles zusammensehe, dann heißt segnen, dass Gott mir die gute Nachricht von Jesus Christus sagt so wie sie der Engel zuerst Maria und dann den Hirten von Bethlehem gesagt hat. Ich bin also gesegnet mit seiner Zusage, dass Jesus mein Heiland ist („Denn euch ist heute der Heiland geboren“...) und mein Herr (...„welcher ist Christus, der Herr“ siehe Lukas 2,11) . In diesem Kind begegnet mir Gott und dir auch. 
     Aber Segen hat auch eine kreatürliche Komponente. Im Alten Testament ist damit Fruchtbarkeit und Wachstum gemeint, Wohlstand und äußerer Friede, ein langes, zufriedenes Leben unter Gottes Schutz. Als einer, der so gesegnet ist, kann ich, kannst du auch für andere ein Segen sein (1. Mose 12,2), kannst ihnen Gutes sagen und tun. Dazu sind wir beide berufen (Lehrtext). 

Gebet: Der Herr segne mich und behüte mich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über mir und sei mir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 10. Dezember 2017

Von Abraham lernen hl

Losung: Abraham sprach zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. 1.Mose 13,8 

LehrtextEs sind viele Glieder, aber der Leib ist einer. 1.Korinther 12,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

von Abraham kann man lernen. Er war ein verträglicher Mensch. Ihm lag daran, mit seinem Neffen gut auszukommen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie ja verwandt waren. Doch so etwas klappt nur, wenn ich zum Kompromiss bereit bin. Wenn es mir gelingt, dass für beide Konfliktparteien eine WIN-WIN-Situation entsteht, also jeder etwas davon hat, dass man sich  verträgt und sich keiner auf Kosten des anderen durchsetzt..
     Oft werden die billigen Siege in einem Streit teuer erkauft. Du hast dann zwar zweifach „gewonnen“. Hast gegen deinen Kontrahenten gesiegt. Aber gleichzeitig hast du einen Feind gewonnen. Oft stellt sich das dann als Verlust heraus, der schwerer wiegt als der Sieg. Denn wenn ich mir einen Feind geschaffen habe, bleibt die eigene Seele davon nicht unberührt. Es herrscht dann eine permanente Spannung zwischen mir und ihm. Das ist ähnlich einer langwierigen Entzündung, die nicht weggehen will. In einem Dauerstreit zu leben, tut einfach nicht gut, selbst wenn der andere weit weg wohnt. Und nicht selten kommt es vor, dass dann einer von beiden stirbt, ohne dass der Streit zuvor beigelegt werden konnte. Ob das dann für den, der zurückbleibt, so ein tolles Gefühl ist?
     Von Abraham kann man lernen, dass das Gemeinsame wichtiger sein soll als das, was im Augenblick trennt. Natürlich gibt es immer wieder Streit nahezu überall. Aber er müsste nicht eskalieren, wenn beiden Seiten bewusst wäre, dass sie ein und denselben Gott haben. Oder, wie Paulus im Lehrtext schreibt, dass wir Christen Glieder an dem einen Leib sind, dessen Haupt Christus ist. Gott sei Dank sind wir unterschiedlich, sonst könnte der Leib nicht leben. Ein Körper kann nicht nur Hände oder Füße oder Augen haben. Sondern die unterschiedlichen Glieder wirken für das Ganze zusammen und bilden so eine Einheit. Sie alle aber werden vom Kopf regiert, genauer, vom Gehirn. Wenn die Verbindung  von einem Glied zum Gehirn aber abgerissen ist, dann ist etwas faul. Dann ist etwas krank. Dann ist der ganze Leib in Mitleidenschaft gezogen.
     Von Abraham kann man lernen, dass man im Konfliktfall miteinander redet. Und dass der Ton die Musik macht. Dafür gibt es das schöne alte deutsche Wort „begütigend“. Ja, so möchte auch ich kommunizieren: Nicht Öl ins Feuer gießen, sondern begütigend miteinander reden, so, dass der andere sein Gesicht wahren kann und den Streit beilegen. Immer klappt das wohl nicht. Aber doch ziemlich oft, wenn ich mich darum bemühe.
     Und wenn man dann doch streitet, gibt es immer noch die Möglichkeit, nach einer gewissen Zeit dem anderen zu verzeihen und selbst um Verzeihung zu bitten.

Gebet: Herr, wenn ich mit jemand anderem im Streit liege, misch dich bitte ein. Nicht, damit du mir Recht gibst, sondern die Augen öffnest. Damit ich den anderen und seine Motive besser verstehe und ich vom Baum meiner negativen Emotionen wieder herunterkomme. Ich will mir an dir ein Beispiel nehmen, der du mit den politischen und kirchlichen Autoritäten deiner Zeit gestritten, sie aber nicht verdammt hast. Du bist nicht im Hass auf sie gestorben, sondern hast den Vater im Himmel gebeten, ihnen zu vergeben. Wie viel mehr kann ich bereit sein zu vergeben, den Ausgleich zu suchen und zu verzeihen. Habe ich doch weit weniger zu erdulden als du. Aber ich will auch selbst für manches unbedachte Wort um Verzeihung bitten und ein verträglicher Mensch wie Abraham werden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 9. Dezember 2017

Selbstsicher werden hl

LosungDen Demütigen wird der HERR Gnade geben. Sprüche 3,34 

LehrtextSeid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht. Philipper 2,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Selbstvertrauen? Kannst du in der Öffentlichkeit selbstsicher auftreten? 
Ja? Dann lass dir dein Selbstvertrauen von niemandem infrage stellen. 
Nein? Dann stelle dich infrage: 'Warum habe ich so wenig Selbstvertrauen und bin ich anderen gegenüber oft so unsicher?' 
     Muss das so bleiben. Nein, muss es nicht. Natürlich sind manche von Natur aus selbstsicherer als andere. Das hat viel mit Erziehung zu tun und damit, wie du dich von anderen behandeln lässt. Aber es hat meiner Meinung nach auch mit dem Glauben zu tun.
     Manche kriegen ein schlechtes Gewissen, wenn sie an Gott denken, weil sie meinen, seinen Ansprüchen nicht zu genügen. Dann fühlen sie sich schlecht oder gar sündig. Aber was soll das dann für ein Gott sein? Jedenfalls nicht der, der sich uns in Jesus Christus zeigt, von dem die schwangere Maria sagt: "Mir, seiner Dienerin, hat Gott Beachtung geschenkt, und das, obwohl ich gering und unbedeutend bin." Ja, "gering und unbedeutend" so urteilten die Leute damals über Maria, dieses junge, dumme Ding. Und so hat sie sich wohl auch selbst gesehen. Doch jetzt fährt sie fort: "Von nun an und zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen, denn er hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist!"  Und weiter: "In alle Winde zerstreut er, die stolz und hochmütig gesinnt sind. Die Mächtigen stürzt er vom Thron und erhebt die Geringen.(Lukas 1, 46-52)
     Gott erhebt die Geringen, nicht nur diese eine Geringe. Er hat Maria ausgewählt, Jesus zur Welt zu bringen, dessen Name auf Deutsch heißt "Gott hilft". Er hat sie für dich ausgewählt, damit auch du wissen sollst: "Ich bin von ihm nicht vergessen. Ich bin für ihn wertvoll und einzigartig. Bin seine Tochter, bin sein Sohn, was immer auch andere von mir denken mögen. Er ist der König über alle Könige und ich bin seine Prinzessin, sein Prinz. Warum? Weil ich eine Schwester, ein Bruder von Jesus bin." So sagt es die Bibel, nicht ich. So kannst du es glauben.
     Und in diesem Glauben kannst du dich neu sehen. Mit diesem neuen Selbstvertrauen kannst du unter die Leute gehen. Und wenn dich jemand von oben herab behandeln und dich herabsetzen will, dann frage ihn "Wer sind Sie, dass Sie so mit mir reden?" Oder dann denke dir wenigstens: "Ich weiß, wer ich bin. Er kann mich nicht klein machen. Er macht sich auf diese Weise nur selbst klein. Ich sollte mich von ihm nicht beleidigen lassen, sondern Mitleid mit ihm haben."
     Der Glaube kann dein Selbstwertgefühl stärken, denn vor Gott steht niemand höher als du. Aber auch niemand tiefer. Demütig im Sinne der Bibel sind nicht die, die von sich selbst nichts halten, sondern die darauf verzichten hochmütig zu sein; die nicht immer nur an sich selbst denken, sondern die auch den anderen mit seinen Bedürfnissen im Blick haben und sich bemühen, ihn zu verstehen. Die wie Jesus gesinnt sind oder es wenigstens versuchen. Denn er, der Höchste, hat die Menschen nicht klein gemacht, sondern ist in Bethlehem selbst klein geworden, um dich und mich groß zu machen, um dir und mir zu dienen und nicht uns herumzukommandieren.
     So stärkt er im Glauben deinen Selbstwert, damit du selbstsicher sein kannst. Und wenn du dich wieder mal schlecht fühlst oder selbst schlecht machst, dann stell dich vor den Spiegel und sage: 'Man mag mich vielleicht nicht. Ich mag mich gerade nicht. Gott mag mich. In seinen Augen bin ich wertvoll. Darum lasse ich mich von niemandem abwerten, auch nicht von mir.'

Gebet: Herr, du übersiehst niemanden und siehst auf niemand herab. Denn du bist in Jesus gekommen, um denen, die in dieser Welt wertlos sind, ihren Wert zu geben, um die Erniedrigten wieder aufzurichten, um bei denen zu sein, die ganz unten sind. Wo sonst ist und wer sonst wäre ein Gott wie du, der du mitfühlend bist und dich deiner Menschenkinder erbarmst. Gemeinsam mit Maria preise ich dich, weil du so groß bist, dass auch die Kleinen für dich wichtig sind, weil du so vollkommen bist, dass du auch den Versagern vergibst. Ich will mein Leben lang nicht  vergessen, dass ich dir gehöre und dein Kind bin. Das gibt mir eine Würde, die mir niemand nehmen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 8. Dezember 2017

Vom freien Willen und vom eigenen Glauben hl

LosungErfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Psalm 51,14 


LehrtextDie Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Lukas 17,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

stimmt, wir haben einen freien Willen. Oder nicht? Die Wissenschaft ist sich darüber nicht einig. Und in der Bibel stehen Sätze wie das heutige Losungswort oder auch das Wort von Jesus „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“, oder das von Paulus »Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.« Und dann steht in der Bibel natürlich dieses große Wort aus dem Vaterunser: „Dein Wille geschehe“. Ihmzufolge kommt es auf meinen menschlichen Willen gar nicht an. Oder doch? 
     Jedenfalls ist die Sache mit dem Willen ein bisschen verwirrend, auch wenn man sich selbst beobachtet. So viel ist mir inzwischen klar: Ich brauche Gottes Hilfe, um etwas Gutes nicht nur zu wollen, sondern auch zu tun. Das ist meine Lebenserfahrung. Und darum finde ich auch die Gebetszeile aus dem Psalm 51 (Losung) so wichtig.
     Gleiches gilt für den Glauben. Einerseits ist der Glaube meine Sache. Andererseits, wie soll ich glauben, wenn Gott mir nicht Glauben schenkt? Das war auch den ersten Christen klar. Deshalb heißt es im Neuen Testament im Brief an die Hebräer: »Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebräer 12,2). Nicht einmal der Glaube ist also mein Verdienst. Sondern alles ist Gnade, Geschenk. Alles. Darum soll man den Glauben eines jeden Menschen achten, auch wenn er mit den eigenen Glaubensvorstellungen nicht übereinstimmt. Wer bin ich denn, dass ich einem anderen den Glauben absprechen dürfte! Schließlich will ich auch nicht, dass mir einer den Glauben abspricht.
     Und das ist meine Grundüberzeugung zu diesem Thema: Glauben heißt vertrauen und nicht irgendwelche Dinge fürwahrhalten. Denn der Glaube, das ist meine persönliche Beziehung zu Gott und Jesus Christus, ist das Vertrauen, dass er mich liebt und mir das Geschenk macht, ihn und meinen Nächsten wiederzulieben wie mich selbst. Daran will ich festhalten, was auch immer geschieht. Und dazu brauche ich seine Hilfe.
Gebet: Herr, mancher möchte glauben können und kann es doch nicht, weil er sich mit seinen Zweifeln selbst im Weg steht. Ich bitte dich, dass du diesen Menschen zum Glauben hilfst und ihnen andere über den Weg schickst, die für sie eine Hilfe sein können. Ich bitte dich auch für mich, dass du meinen Willen und meinen Glauben immer wieder stärkst, und ich nicht an meinen Grenzen scheitern muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Geben und nehmen hl

LosungHERR, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote. Psalm 119,64 

LehrtextDient einander - ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat - als gute Haushalter der vielfältigen Gnade Gottes. 1.Petrus 4,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Menschen haben lange gebraucht, bevor wir endlich anfangen zu begreifen, wie alles mit allem zusammenhängt und aufeinander einwirkt. Das Leben insgesamt ist ein fein gesponnenes, buntes Gewebe, in dem wir Menschen, in dem du und ich eine Faser sind genauso wie Gräser und Bäume, Kleinstlebewesen und Tiere. Wenn es zerrissen wird, sind wir alle betroffen. Darum tue ich gut daran, mir bewusst zu machen: Nichts, was geschieht, nichts was ich fühle, denke, sage, tue oder unterlasse ist belanglos und folgenlos. Das gilt im Bösen wie im Guten. Die heutige Losung bringt mich dazu, auf das Gute zu schauen, auf die Güte Gottes, die unsere Erde erfüllt.  
     Ich sehe sie in meiner Familie; in einem Wolkenloch mitten an einem grauen Novembertag, durch das die Sonne scheint; im gut gefüllten Kühlschrank; in der schneebedeckten Landschaft um unser Haus. Ich erlebe Gottes Güte in meiner Freude an der Musik und daran, dass ich glauben kann. Gerade meinen Glaube erlebe ich als ein Geschenk des gütigen Gottes, das mich bereichert. 
     Der zweite Teil der heutigen Losung heißt: »Herr, lehre mich, deine Gesetze zu verstehen«.  Zu diesen Gesetzen gehört, dass ich zufriedener sein kann, wenn ich dankbar bin; gelassener, wenn ich auf Gott vertraue und fröhlicher, wenn ich ihn mit einem Lied oder einem Gebet lobe für das, was er mir Gutes tut. Dazu gehört auch, dass es ein schönes Gefühl ist, anderen Gutes zu tun (Lehrtext). Wenn es mir gelingt, nach diesen Gesetzen zu leben – und das gelingt mir leider nicht immer –, dann geht es meiner Seele gut. Doch dazu muss ich jeden Tag von neuem bewusst und aktiv gestalten, auch bewusst und aktiv glauben. Das fällt mir mal leichter und mal schwerer, je nachdem, wie es mir gerade geht.
     Der Lehrtext ist ein Gebot des Apostels, wie ich mit meinen Gaben umgehen soll. In einer neueren Übersetzung heißt es: »Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielfältigen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie richtig ein.« Das Zusammenleben ist ein stetes Geben und Nehmen, so selbstverständlich wie das Ein- und Ausatmen. Wer hauptsächlich nimmt, beschädigt die Gemeinschaft. Wer hauptsächlich gibt, verausgabt sich. 
     Das Leben ist ein fein gesponnenes, buntes Gewebe, das trägt und hält, wenn alles im Gleichgewicht ist, wo keiner auf Kosten anderer lebt und vor allem wir Menschen nicht auf Kosten der Natur. Es wird Zeit, dass ich dieses Gesetz Gottes endlich begreife und danach lebe.

Gebet: Herr, ich habe so viel Gutes von dir bekommen und bekomme es jeden Tag neu. Dafür danke ich dir. Ich möchte davon wieder etwas zurückgeben an meine Mitmenschen und an meine Mitgeschöpfe, die Tiere. Doch auch das gelingt mir nur, wenn du mir dabei hilfst. Amen

Herzliche Grüße

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Es ist nicht egal, wie es zugeht hl

LosungIch will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll. Hesekiel 34,22

LehrtextChristus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben. Epheser 5,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du mit unserer Regierung zufrieden? Wahrscheinlich kannst du einige Dinge nennen, die besser sein könnten. So geht es mir auch. Und allmählich wird es auch Zeit, dass wir endlich wieder eine handlungsfähige, stabile Regierung bekommen, damit wichtige Entscheidungen getroffen und Reformen durchgeführt werden können. Vor allem im Bereich der Landwirtschaft herrscht dringender Handlungsbedarf, wenn ich an das viele Pflanzengift und die Gülle-Mengen auf Feldern und Wiesen denke Dadurch hat die Artenvielfalt bei den Blühpflanzen dramatisch abgenommen und ein folgenschweres Insekten-  und Vogelsterben eingesetzt. Wir erleben das auf dem Land hautnah. Unser 'Tropfen auf den heißen Stein' sind viele Nistkästen, die wir in unserem naturnahen Garten aufhängen. Und jetzt im Winter füttern wir fleißig die Vögel. Da aber ihr Nahrungsangebot im Sommer durch die industrielle Landwirtschaft drastisch zurückgegangen ist,  werden wir sie nun ganzjährig füttern, vor allem während der Brutzeit. 
     Auf diesem Politikfeld hat unsere Regierung bisher keine gute Arbeit gemacht. Es wird höchste Zeit, dass sich das ändert. Sonst wird weiter aus kurzsichtigen Profitinteressen an dem Ast gesägt, auf dem wir alle sitzen. Denn das große Sterben macht bei Bienen und Vögeln nicht halt. 
     Andererseits gilt aber auch, dass wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch immer gut dran sind. Unsere Demokratie funktioniert, ebenso unser Rechtsstaat. Das war zur Zeit des Propheten Hesekiel anders. Und bis heute werden viele Menschen vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika schlecht regiert. Auf ihre politischen Führer trifft weitgehend zu, was der Prophet zu den Regierenden seiner Zeit gesagt hat:
     Wieder empfing ich eine Botschaft vom HERRN. Er forderte mich auf: »Du Mensch, richte den führenden Männern von Israel diese Worte aus! So spricht Gott, der HERR: Wehe euch, ihr Führer Israels! Ihr solltet für mein Volk wie Hirten sein, die ihre Herde auf eine gute Weide führen. Aber ihr sorgt nur für euch selbst. Die Milch der Schafe trinkt ihr, aus ihrer Wolle webt ihr euch Kleidung, und die fetten Tiere schlachtet ihr (= ihr legt ihnen eine drückende Sreuerlast auf). Aber um eure Herde kümmert ihr euch nicht! Stattdessen herrscht ihr mit Härte und Gewalt. Ich, Gott, der HERR, schwöre, so wahr ich lebe: Jetzt ist Schluss damit!  Anstatt euch um die Herde zu kümmern, habt ihr nur an euch selbst gedacht. 
     Darum lasst es euch gesagt sein, ihr Hirten: Ihr bekommt es mit mir zu tun! Ihr sollt nicht länger ihre Hirten sein. Ich lasse nicht mehr zu, dass ihr nur für euch selbst sorgt; ich rette die Schafe aus euren Klauen, damit ihr sie nicht mehr auffressen könnt!« Denn so spricht Gott, der HERR: »Von nun an will ich mich selbst um meine Schafe kümmern und für sie sorgen. Ich rette meine Schafe vor euch und eurer rohen Gewalt« (Losung).
     Dieser Abschnitt aus dem Prophetenbuch ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es Gott nicht egal ist, wie es seinen Menschen geht, wie sie behandelt und regiert werden. Und deshalb haben die Gläubigen bis heute den Auftrag, die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft mit ihrem Gebet, aber auch mit Kritik zu begleiten, damit diese die Missstände beseitigen und zum Wohl des Landes regieren. Nein, wir können uns nicht raushalten, weil wir es nicht dürfen.
     Im Lehrtext heißt es, dass Jesus seine Gemeinde geliebt und sein Leben für sie gegeben hat. Der Apostel nimmt das als Beispiel, dass Männer ihre Frauen wie das eigene Leben lieben sollen. Es ist eben nicht egal, wie es im alltäglichen Zusammenleben, wie es in der Partnerschaft und Familie zugeht. Geht es im Kleinen gut, wirkt sich das positiv auf das Land im ganzen aus, denn auch „das Private ist politisch“ (Parole der Frauenbewegung)

Gebet: Herr, ich bitte dich für alle, die unser Land regieren, für die Politiker in Berlin genauso wie für die Bürgermeister und Gemeinderäte in unseren Dörfern: Gib ihnen deinen Geist, dass sie sich besonnen und verantwortungsbewusst für das Wohl der Menschen einsetzen, die du ihnen anvertraut hast, dass sie die Schöpfung bewahren und unsere Lebensgrundlagen erhalten, dass sie der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen. Segne du ihre Arbeit. Segne aber auch unsere Bemühungen, wenn wir im Kleinen unseren Teil für das große Ganze tun. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 5. Dezember 2017

Worte, die wirken hl

LosungMose sprach: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben. 5.Mose 32,46.47 

LehrtextEs war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Johannes 1,6.8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vorgestern erzählte mir eine Frau, dass ihr Mann nach einer schweren Operation zu ihr sagte: „Ich habe das große Licht gesehen.“ Viele, die ein sogenanntes Nahtod-Erlebnis hatten, können Ähnliches berichten. Die Medizin versucht zu erklären, wie in einer extremen gesundheitlichen Situation durch biochemische Prozesse im Gehirn solche Lichterscheinungen entstehen. Astrophysiker können inzwischen ziemlich genau erklären, wie die Welt entstanden ist. Aber beide können nicht erklären, was das bedeutet und welchen Wert es für einen Menschen hat. 
     Und genau darum geht es in Losung und Lehrtext heute. Der Patient, von dem ich oben geschrieben habe, konnte nach seiner Operation bezeugen, dass es so war, dass er dieses große Licht gesehen hatte und daraufhin tief getröstet war. Er kann das nicht beweisen. Ich kann ihm das nur glauben. Er ist sozusagen sein eigener Zeuge. 
     Mose hat den Israeliten bezeugt, dass es Gott war, der zu ihm gesprochen hatte und dass diese Worte für sie lebenswichtig seien. Er konnte das nicht beweisen. Sie konnten ihm das nur glauben. Sie fragten sich: War Mose bisher normal? War er bisher ein verständiger, kluger Mann? Konnte man ihm bisher trauen? Wenn ja, dann wollen wir ihm auch sein Zeugnis glauben.
     Auch Johannes der Täufer hatte davon gesprochen, dass er das große Licht gesehen hatte. Aber nicht irgendeins, sondern ein ganz bestimmtes. Es leuchtete für ihn auf in der Person des Menschen Jesus von Nazareth. Er konnte das nicht beweisen. Die Leute damals konnten ihm nur glauben. Dieses Erlebnis vor anderen zu bezeugen, war der Auftrag, den Johannes von Gott bekommen hatte. Wir heute haben die Möglichkeit, ihm 2000 Jahre später ebenso zu glauben wie die Menschen damals.
     Du und ich, wir können wählen, ob die Worte der Bibel für uns einen Wert haben oder nicht. Ob wir ihnen Glauben schenken wollen oder nicht. Wenn wir ihnen aber Glauben schenken, dann verändern sie unser Leben wie sie das bisher schon bei zahllosen Menschen getan haben. Und vielleicht hast ja auch du schon die Erfahrung gemacht, dass dich die Worte der Bibel heilsam verändern.

Gebet: Herr, was ich von dir aus der Bibel weiß und was andere von ihrem Glauben erzählt haben, das hat auch mich verändert. Dein Wort hat eine starke Wirkung. Das kann ich bezeugen. Aus ihm leuchtet das große Licht, das du zu uns nach Bethlehem gebracht hast, damit niemand mehr einsam und ohne Hoffnung leben muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 4. Dezember 2017

Nach vorn schauen hl

LosungSiehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. Jesaja 65,17 

LehrtextSeid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten. Lukas 12,36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wer Visionen hat , soll zum Arzt gehen“, sagte der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, dieser nüchterne Hanseate. Er war ein pragmatischer und realistischer Politiker. Das sind keine schlechten Eigenschaften in einer Welt, die sich schnell über dieses und jenes erregt und es morgen schon wieder vergessen hat. Andererseits steht in der Bibel „Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.“ (Sprüche 29,18) Eine gute Vision zeigt eine bessere Zukunft als die Gegenwart ist. Sie gleicht einem Leuchtturm, der Schiffen im Sturm den Weg in den sicheren Hafen weist. 
     Als es dem Volk der Israeliten schlecht ging, war der Prophet Jesaja für sie ein solches Licht. Er sah nicht nur das Elend um sich her. Im Glauben sah er weit darüber hinaus. Im Glauben hörte er Gottes Wort von einer neuen Welt, die alles in den Schatten stellt, was war und was ist. Und so sagte er: "So spricht der Herr: »Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. Freuet euch über das, was ich schaffe. Denn ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagen... Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem  heiligen Berge.« 
     Mit dieser Vision vor Augen richtete der Prophet Jesaja die Israeliten wieder auf, gab ihnen Kraft, in den schweren Zeiten durchzuhalten und flößte ihnen neue Hoffnung ein. Wohlgemerkt, er sagte nicht ‚Wir schaffen das schon‘. In seiner Vision war es Gott, der diese neue Zukunft schafft, den neuen Himmel und die neue Erde. Natürlich wussten die Israeliten, dass es in ihrer damaligen Welt nicht dazu kommen würde, dass die Stimmen des Weinens und Klagens verstummen, Wolf und Lamm beieinander weiden und Löwen Stroh fressen. Und doch hatten sie jetzt eine Zukunft vor Augen, die weit über die Gegenwart hinausreichte. Sie schauten wieder erwartungsvoll auf Gott, der die Macht hat, nach dieser alten Welt und Zeit etwas Neues zu machen. Er würde auch in dieser vergänglichen Welt wieder die Sonne scheinen lassen. Er würde die Umstände, in denen seine Menschen klagen, so ändern, dass sie wieder Grund zum Jubeln hätten und die, die jetzt weinen, wieder Grund zur Freude. So ließ der Prophet seine Mitmenschen damals wieder nach vorn schauen in eine bessere Zukunft, auf Gott. 
     Auch Jesus  richtet seine Gemeinde nach vorn aus, wenn er sagt: »Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten (Lehrtext). Wenn er zurückkommt und klopft, können sie ihm schnell öffnen. Ja, glücklich schätzen können sich alle, die der Herr so antrifft! Er wird sie bitten, am Tisch Platz zu nehmen, und er selbst wird sich eine Schürze umbinden und sie bedienen
     Ich verstehe das so: Die zu ihm gehören, sollen in der Gegenwart nicht aufgehen, sich nicht endgültig einrichten in dieser Welt. Wir alle haben von Gott noch etwas zu erwarten. Plötzlich kommt von ihm eine Gelegenheit, die mein Leben zum Guten ändern kann. Plötzlich kommt er selbst und lässt mich seine Nähe spüren. Schade, wenn ich dann nicht darauf vorbereitet bin. Ich jedenfalls nehme mir vor, weiterhin damit zu rechnen, dass Gott mich auf gute Weise überrascht. Allerdings tut er das zu seiner Zeit und nicht dann, wenn es mir passt. 

Gebet: Herr, viele würden es auf dieser Welt nicht mehr aushalten, würden sie nicht darauf hoffen, dass du ihre Lage zum Besseren wendest. Du wirst niemanden enttäuschen, der auf dich hofft. Du wirst für jeden einen Weg finden, der durch diese alte Welt in deine neue führt, auch wenn ich diesen Weg jetzt nicht sehen kann. Denn einmal wird alles gut, alles. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 3. Dezember 2017

befreit hl

LosungSinget dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm an den Enden der Erde. Jesaja 42,10 

LehrtextZacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk. Lukas 1,67-68 

Liebe Leserin, lieber Leser,

sitzt du im Gefängnis? Ist die Partnerschaft für dich ein Gefängnis oder der Beruf, eine Krankheit oder die Einsamkeit, eine Sucht, eine schlechte Angewohnheit oder die Trauer um einen Menschen? Manche sitzen im Gefängnis ihrer Vorurteile und Unwissenheit, ihres Hasses auf alles Fremde und ihrer Hartherzigkeit. Und so gibt es noch viel mehr Gefängnisse, in denen Menschen ihr Leben zubringen wissentlich oder unwissentlich, aus eigenem Verschulden, aus Fremdverschulden, weil sie keinen Ausweg sehen oder sogar freiwillig.
     Hast du schon mal darüber nachgedacht, was dich gefangen nimmt? Und wenn es so ist, hast du schon mal darüber nachgedacht, ob du aus Angst vor Veränderung im Gefängnis bleibst oder weil du dafür bemitleidet wirst? Ja, auch die Freiheit kostet ihren Preis, und viele sind nicht bereit ihn zu zahlen.
     Vielleicht sitzt du aber gar nicht im Gefängnis, sondern fühlst dich in deiner Haut und in deinem Leben wohl. Dann möchte ich dir gratulieren. Vielleicht warst du früher in irgendeiner Weise gefangen und bist jetzt frei. Und vielleicht hat das auch damit zu tun, dass dein Glaube dich frei gemacht hat. Wenn das so ist, kannst du dein Klagelied vergessen, kannst "ein neues Lied singen" (Losung) und mit Zacharias (Lehrtext) sagen: 

Gebet: „Herr, ich lobe dich und freue mich, dich zu kennen. Denn du bist zu mir gekommen und hast mich befreit. Du hast das Gitter der Angst zerbrochen und mir die Tür in die Freiheit geöffnet. Und wenn ich auch äußerlich eingesperrt bin, so bin ich doch innerlich frei; denn du bist bei mir und wo du bist, da ist Freiheit (2. Kor. 3,17b). Amen

Sitzt du im Gefängnis? Nimmt dich irgendetwas gefangen? Dann finde dich nicht damit ab. Warte nicht, bis sich irgendwas oder irgendwer ändert. Ändere dich selbst, indem du dich an Gott hältst. Von ihm kommt die Kraft, dich zu lösen aus dem, was dir schadet. Er hat die Macht, Türen zu öffnen und Fesseln zu sprengen.  Er wird das für dich tun, mit dir, zu seiner Zeit. Und du wirst ihn preisen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 2. Dezember 2017

Bekehrung – was, wie, warum? hl

Losung: Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken. Jeremia 25,5 
Lehrtext: Bringt Früchte, die der Umkehr entsprechen! Lukas 3,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

also wenn ich im Internet Beiträge zum Thema „Bekehrung“ lese, wird es mir meistens blümerant (also 'unwohl', um dieses schöne alte deutsche Wort mal wieder zu verwenden). Gerade in frommen Kreisen spricht derjenige, der dieses Wort in den Mund nimmt, selten von sich selbst, sondern fordert andere auf, sich zu bekehren und „ein Leben ohne Sünde“ zu führen. Aber wer sich zum Thema Bekehrung äußert, sollte meines Erachtens davon reden, dass er das selbst nötig hat und zwar nicht nur einmal, sondern ständig. 
     Im heutigen Losungswort ist es der Prophet Jeremia, der andere dazu auffordert. Doch ich bin kein Prophet und auch kein Apostel und ich mag es auch nicht, wenn sich andere zu Moralaposteln über mich erheben. Bei ihnen habe ich zu oft erlebt, dass das Losungswort von gestern zutrifft: „Hochmut kommt vor dem Fall“. Was haben manche von ihnen nicht über Schwule hergezogen und waren dann bestürzt, als das eigene Kind sagte: „Ich bin schwul“. Wie haben manche von ihnen nicht über Geschiedene die Nase gerümpft und dann wurden sie selbst oder ihre Kinder geschieden...
     Nein, was Bekehrung betrifft, stehen wir alle auf gleicher Stufe; muss jeder vor seiner eigenen Tür „kehren“ und sich um den Balken im eigenen Auge kümmern (Matthäus 7,3-4). Was Bekehrung betrifft, muss ich erst mal die eigenen Früchte (Ergebnisse) zeigen, die meiner Bekehrung entsprechen (Lehrtext). Und dazu gehört, von anderen nicht Bekehrung zu verlangen, wenn ich verschweige, dass ich sie selbst zuerst nötig habe. 
     Aber was heißt „Bekehrung“? Heißt das, auf schlechte Angewohnheiten zu verzichten, sich selbst zu beherrschen, diszipliniert zu sein...? Das alles sind meiner Meinung nach mögliche Folgen der Bekehrung. Doch zunächst heißt es, dass ich mich zu Jesus Christus hin"kehre", mich ihm zuwende, ihm vertraue und ihn liebe. Und das nicht, weil ich das muss, sondern weil ich das will; aus dem Grund, weil er sich mir zuwendet und mich liebt. Und wenn sich dann einer daran ein Beispiel nimmt, umso besser.

Gebet: Herr, du weißt, auch wenn ich mich dir zuwende, bin ich kein besserer Mensch. Ich muss nach wie vor mit meinen Unzulänglichkeiten kämpfen. Aber weil du dich mir zu wendest, muss ich darüber nicht verzweifeln, muss ich nicht verbiestern. Ich lebe ja davon, dass du mir vergibst. Das hilft mir, an mir zu arbeiten. Das macht mich trotz meiner Schwächen unbeschwert. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 1. Dezember 2017

Absturzgefahr! hl

LosungWer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall. Sprüche 16,18 

LehrtextWenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben. Galater 6,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das mit dem Stolz und mit dem Hochmut ist eine Lebensweisheit, die seit biblischen Zeiten bis heute gilt. Nicht umsonst ist der zweite Teil der heutigen Losung zu einem bekannten, deutschen  Sprichwort geworden. Das Problem ist, Stolz und Hochmut fallen mir an anderen eher auf als an mir selbst. Da kann man sich leicht selbst betrügen (Lehrtext), wenn man seinen berühmten, blinden Fleck nicht wahrhaben will; das also, was alle anderen an einem sehen können nur man selbst nicht. 
     So will ich beherzigen, was der Lehrtext sagt: »Wer sich jedoch einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben
     Hochmut, Stolz, Überheblichkeit und das Bedürfnis, andere herabzusetzen – das sind Charaktereigenschaften, die ich mit Jesus nicht zusammenbringen kann. Er ist in meinen Augen das genaue Gegenteil von alledem. Er ist demütigt und bestrebt, andere aufzurichten, zu ermutigen und ihren Selbstwert zu stärken, dass sie einzigartige Kinder des himmlischen Vaters sind. Ihm kann ich vertrauen ebenso wie Mitmenschen, die sich an ihm orientieren.
     Das Bedürfnis aber andere schlecht zu machen und herabzusetzen, haben nur die, die etwas Besseres sein und größer erscheinen wollen als sie sind. Sie sind bei allem Hochmut und Stolz im Grunde genommen arm. Man sollte sie bemitleiden statt sich über sie zu ärgern. Doch, wie gesagt, ich soll auch "mein eigenes Werk prüfen", meine Gedanken und mein Verhalten.

Gebet: Herr, ich weiß, ich habe es nicht nötig hochmütig oder stolz zu sein, weil ich doch in deinen Augen längst wer bin. Ich habe es nicht nötig, aus mir viel machen zu müssen, weil du mich gemacht hast. Du schenkst mir die Freiheit, der zu sein, der ich bin. Du schenkst mir die Gelassenheit, auch mit meinen Grenzen zu leben. Du gibst mir aber auch die Kraft, meine Möglichkeiten zu entfalten. »Ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich.« (Psalm 139,14) Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 30. November 2017

Mose, Maria oder ich? hl

LosungDer HERR sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. 2.Mose 33,17 

LehrtextDer Engel kam zu Maria hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Lukas 1,28 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mose müsste man sein. Mit ihm hat Gott geredet. Er kannte ihn mit Namen, hatte ein besonders enge Beziehung zu ihm. Er war der "Promi" unter den Israeliten.
Nein, Mose möchte ich nicht sein. Denn er hatte Gott auf eine Art und Weise erlebt, die mich eher befremdet: Teilweise gnädig, teilweise zornig. Teilweise vergebend, teilweise strafend. Teilweise fürsorglich, teilweise hart. Nein, so möchte ich Gott nicht erleben. Und so muss ich ihn auch nicht erleben. 
     Maria müsste man sein. Mit ihr hat Gott durch seinen Engel geredet. Er kannte sie mit Namen und schenkte ihr die große Gunst, die Mutter von Jesus zu werden.
Nein, Maria möchte ich nicht sein. Wäre ich eine Frau, möchte ich nicht unter solch erbärmlichen Umständen ein Kind gebären müssen. Wäre ich eine Mutter, möchte ich mein eigenes Kind nicht am Kreuz verbluten sehen.
     Ich möchte ich selbst sein und kein anderer Mensch. Mit mir redet Gott durch das Wort der Bibel. Mit mir redet er, wie ich glaube, im Gebet. Mit mir redet er auch durch andere Menschen und durch seine Schöpfung. Er kennt mich mit Namen, da es in der Bibel heißt: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.« (Jesaja 43,1) Er hat eine besondere Beziehung zu mir, denn er ist mein himmlischer Vater und ich bin sein Kind, das er liebt. 
     Aber muss ich nicht auch leiden und sterben? Ja, doch das ist keine Strafe, sondern der Preis des Lebens. Aber ist Gott nicht auch fern, manchmal bis zur Unkenntlichkeit? Ja. Und manche Fragen, die ich Gott stelle, bleiben ohne Antwort. Doch ich glaube und vertraue darauf, dass auch für mich stimmt, was er durch den Engel Maria gesagt hat: »Der Herr ist mit dir!« (Lehrtext) Und ich glaube und vertraue darauf, dass das auch für dich gilt.
     Ja, Gott kennt mich mit Namen und dich auch. Er heilt und tröstet. Aber er fordert uns auch heraus.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mich kennst und dass ich mit dir persönlich reden kann. Durch Jesus kann ich ein besonderes Vertrauensverhältnis zu dir haben. Ich gehöre dir. Das tut mir gut und gibt mir Kraft. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 29. November 2017

Der Segen von Willow Creek hl

LosungBessert euer Leben und euer Tun, so will ich euch wohnen lassen an diesem Ort. Jeremia 7,3 

LehrtextSie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Apostelgeschichte 2,45-47 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es war im Herbst 1972, als ein 20jähriger Amerikaner in einer theologischen Ausbildungsstätte die Worte aus dem heutigen Lehrtext hörte. Da fragte er sich und seinen Professor, ob es denn auch heute möglich wäre, eine Gemeinde auf diesen Prinzipien aus Apostelgeschichte Kapitel zwei aufzubauen. Sie kamen überein, es zu versuchen. Am 12.10.1975 fand dann der erste Gottesdienst der protestantischen Willow Creek Gemeinde in einem gemieteten Kino nahe bei Chicago statt. Es kamen 125 Besucher. Heute kommen an jedem Wochenende 25.000 zu den Willow-Gottesdiensten im Großraum Chicago. Bill Hybels, so heißt der Gründer dieser Gemeinde, hat mit unglaublicher Hingabe an Gott, mit Charisma, Begabung und Selbstdisziplin die Gemeinde 42 Jahre geleitet und legt nun die Leitung in jüngere Hände. 
     Er engagiert sich aber weiterhin in den weltweiten Leitungskongressen, die er ins Leben gerufen hat und mit denen er alljährlich 400.000 Gemeindeleiter in 130 Ländern erreicht. Sie bekommen da Impulse für ihre Arbeit zu Hause und erfahren für sich persönlich Ermutigung und Motivation. Auch aus unserer Gemeinde nehmen in den letzten zwölf Jahren die Leitungsverantwortlichen in den Kirchenvorständen an diesen Kongressen teil. In unserer Gemeindearbeit profitieren wir enorm von den Impulsen von Willow Creek, insbesondere in der Arbeit für Kinder und bei den zeitgemäßen Lichtblick-Gottesdiensten. Auch diese Losungsauslegungen gehen auf eine Anregung zurück, die ich einer Studie der Willow Creek-Gemeinde entnommen habe. 
     Bill Hybels ist nach meiner Kenntnis der mit Abstand bedeutendste Impulsgeber für evangelische Gemeinden weltweit. Seine bahnbrechende Arbeit würde auch unserer evangelischen Landeskirche aus ihrem geistlichen Niedergang  heraushelfen, wäre man nur bereit, diese Impulse aufzunehmen und umzusetzen.
     Auch die Willow Creek Gemeinde hat den Satz aus Apostelgeschichte zwei (Lehrtext) nicht wortwörtlich umgesetzt. Aber die Menschen, die sich zugehörig fühlen, richten ihr Leben an diesen Prinzipien aus, suchen die Gemeinschaft in Kleingruppen, feiern regelmäßig gemeinsam Gottesdienste und setzen sich darüber hinaus mit einem erstaunlichen Engagement für Menschen in Not ein, sei es im Großraum Chicago oder in den Katastrophengebieten dieser Welt. Nein, sie verkaufen nicht alle Güter und Habe. Aber sie spenden in einem Ausmaß, das wir uns in Deutschland nicht vorstellen können. Allerdings wird ihnen auch nicht automatisch die Kirchensteuer abgenommen, sondern sie geben gern und freiwillig, nicht nur 8 % von der Einkommensteuer wie bei uns, sondern ein Vielfaches, nämlich regelmäßig 10 Prozent von ihrem Einkommen.
     Bill Hybels genießt weltweit ein hohes Ansehen, besonders in den USA. Er war unter anderem persönlicher Berater der Präsidenten Clinton und Obama und mischt sich auch jetzt in die Politik ein, wenn es darum geht, für die Sache der Armen und Schwachen Partei zu ergreifen.
     Und wie kam es zu alledem? Da hat ein junger Mann die Bibelworte aus unserem Lehrtext ernst genommen und angefangen, sie in unserer heutigen Zeit zu verwirklichen. Der Segen, der auf dieser Arbeit liegt, spricht für sich selbst. Ich bin dankbar, dass auch wir in unserer Gemeinde etwas davon erleben.

Gebet: Herr, ich danke dir für Bill Hybels, durch den du so viele Menschen und Gemeinden segnest, auch uns. Segne du weiterhin die Arbeit der Willow Creek Gemeinde, denn sie ist eine Ermutigung und Hoffnung für so viele Gemeinden überall auf der Erde. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 28. November 2017

Wir Kainskinder hl

LosungIst's nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. 1.Mose 4,7 

LehrtextBefreit von der Sünde, seid ihr in den Dienst der Gerechtigkeit gestellt worden. Römer 6,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 »Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der HERR zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht so: Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie. Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.« 
(1. Mose 4,5-8)  
     Da, so möchte ich fortfahren, verstummte der Gesang der Engel im Himmel und Schweigen legte sich über die Erde wie ein Leichentuch. Denn der Damm war gebrochen. Von nun an sollte der Bruder den Bruder erschlagen, der Menschenbruder den Menschenbruder überall auf der Erde bis heute, ohne Aussicht darauf, dass das Morden und Kriegführen je ein Ende nehmen wird. Von nun an würde das Blut der Erschlagenen unablässig zum Himmel schreien. Und einmal würde der Mensch gegen Gott selbst die Hand erheben. Würde den Menschensohn erschlagen, Jesus, in dem Gott auf die Erde kommt, um uns Kainskinder zu retten. Denn Abel hatte keine Kinder. Aber Kain, Adams und Evas Sohn.
     Das ist der Spiegel der Wahrheit über uns Menschen, den uns die Bibel vorhält. Ich kann davor die Augen verschließen. Ich kann das bestreiten. Kann mir selbst in die Tasche lügen und sagen: ‚Aber ich bin doch ganz anders.‘ Wirklich? 
     Das ändert nichts daran, dass es sich so verhält. Denn Adam und Eva, Kain und Abel sind keine Figuren der Vergangenheit, sondern leben jetzt. Jetzt lassen sie sich in Versuchung führen. Jetzt schiebt einer die Schuld auf den anderen. Jetzt sehne ich mich, wie Kain, nach Anerkennung und zerfrisst mich der Neid, wenn sie anderen zuteil wird. Jetzt bin ich wütend auf Gott, wenn er anscheinend andere bevorzugt und mich übergeht. Wie weit ist es dann noch, bis ich zu meinem Menschenbruder sage „Du bist für mich gestorben!“? Wie weit, bis ich ihn verletze? Wie weit, bis ich ihn töte? - »Wenn du jedoch Böses planst, so lauert die Sünde schon vor deiner Tür. Sie will dich zu Fall bringen, du aber herrsche über sie. Du aber beherrsche dich selbst!«
     Wie aber könnte ich Gott unter die Augen treten, wenn ich Böses für meine Mitmenschen plane, um ihnen zu schaden? Wenn ich es unterlasse, ihnen zu helfen, obwohl ich es könnte?  - Jesus kann es, der von meinesgleichen Erschlagene, der, beladen mit der Schuld seiner Menschengeschwister, vor Gott steht und sagt: »Vater vergib, denn sie wissen nicht was sie tun.(Lukas 23,34a)«  Ja, »das Blut Abels, der von seinem Bruder umgebracht wurde, schrie nach Rache, aber das Blut von Christus spricht von der Vergebung.« (Hebräer 12,24b)
     Und ich? Wie steht es um mich? »Jetzt aber bin ich von der Herrschaft der Sünde frei geworden; nun kann ich Gott dienen und tun, was ihm gefällt« (Lehrtext). Ja, das kann ich und du auch. Aber tue ich's auch?
 
Gebet: Vater im Himmel, führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen Und vergib mir meine Schuld wie auch ich denen vergebe, die an mir schuldig geworden sind. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 27. November 2017

Was die Welt im Innersten zusammenhält hl

LosungDer Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt. 1.Samuel 2,8

LehrtextGott hat den Sohn eingesetzt zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort. Hebräer 1,2-3 

Liebe Leserin, lieber Leser

     ha, erwischt. An der Losung sieht man doch, dass die Bibel nicht recht hat. Jedes Kind weiß, dass die Erde kein Fundament hat, auf dem sie ruht, sondern von der Schwerkraft der Sonne in ihrer Bahn gehalten wird und mit 108000 km/h um die Sonne rast.
     Na gut, wer so denkt, soll die Bibel wieder zuschlagen und sich von Goethes Mephisto (Teufel) im Buch Faust sagen lassen: »Original, fahr hin in deiner Pracht! – Wie würde dich die Einsicht kränken.« (Faust II, Kapitel 20)
     Zugegeben, Hanna, aus deren Gebet die heutige Losung stammt, konnte zu ihrer Zeit nicht wissen, was wir heute wissen können. Aber ist deswegen das, was sie sagt, falsch? Überglücklich dankt sie Gott, dass er ihr den Samuel geschenkt hat, den sie von ihm erbeten hatte. Überglücklich dankt sie ihm, dem Schöpfer der Welt. Aus Sicht des Glaubens hat Hanna damit natürlich recht. Hätte sie nicht geglaubt, hätte sie Gott auch nicht um ein Kind bitten können, wäre sie womöglich auch nicht schwanger geworden. Denn auch in dieser Hinsicht wirken Leib und Seele erstaunlich zusammen. 
     Aus Sicht des Glaubens hat sie aber auch mit dem, was im Losungswort steht, recht. Nein, die Erde steht nicht unbeweglich und unverrückbar im Mittelpunkt des Universums. Nein, sie ist auch nicht im Wortsinn auf ein festes Fundament gegründet. Aber im übertragenen Sinne schon. Mag die Erde auch durch die Teleskope der Astronomen betrachtet ein unbedeutendes Staubkörnchen an einem unbedeutenden Ort im riesigen Universum sein. Für Gott ist sie der Mittelpunkt seines Interesses, das Werk seiner Liebe, gemacht durch seinen Sohn (Lehrtext). Und du bist sein Augenstern. Sie ruht nicht auf Pfeilern, die in die Unterwelt hinabreichen. Aber sie ist gegründet auf Gottes Wort, durch das er Himmel und Erde gemacht hat. Das gibt ihr mehr Halt als alle Fundamente und Naturgesetze dieser Welt. Der Lehrtext sagt das noch präziser: »Jesus Christus ist ganz und gar Gottes Ebenbild. Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall zusammenhält.« (Übersetzung: HFA) 
     Und was fange ich jetzt damit an? Ich finde, es macht schon einen Unterschied, ob ich glaube, dass das Universum und mit ihm die Erde und auch ich aus purem Zufall entstanden sind. Ob das vielleicht das Werk irgendeiner Macht ist, deren Absicht ich nicht kenne. – Oder ob ich glaube, dass ein gütiger und liebender Gott das alles geschaffen hat, der mir sein Wesen in Jesus Christus zeigt. Bin ich ein Zufallsprodukt, ist alles nur Zufall. Dann könnte alles, was ist, auch ganz anders sein. Was hat es dann für einen Wert? Was hat es dann für einen Sinn? Oder herrscht sogar über und in allem eine dunkle Macht? Wie soll ich mich dann zu ihr verhalten? Muss ich dann nicht Angst vor ihr haben und ihr Opfer bringen, um sie gnädig zu stimmen?
     Gott sei Dank ist es anders. Gott sei Dank lebe ich in einer Welt, die von ihm gesegnet ist. Gott sei Dank bin ich sein Geschöpf, von ihm gewollt, von ihm behütet, von ihm geliebt. Das ‚stärkt mir den Rücken‘. Das macht mir Mut zum Leben. Das gibt mir die Freiheit, mich vertrauensvoll anderen Menschen zuzuwenden, statt mich misstrauisch von ihnen zurückzuziehen. Diese Welt gehört Gott und nicht dem Teufel. Sie ist aus Liebe gemacht und nicht aus Zufall entstanden. Sie ist gesegnet und nicht verflucht. In diesem Glauben schaue ich sie mit anderen Augen an als viele sonst diese Welt anschauen. In diesem Glauben sehe ich auch mich anders. In diesem Glauben ist das Leben – trotz allem – lebenswert. 

Gebet: Herr, die Physiker sagen, dass alle Materie durch die Schwerkraft gehalten wird. Doch du hältst auch die Physiker und die Materie und die Schwerkraft in deiner Hand. Du bist es, der auch meiner Seele Halt gibt. Deine Kraft ist stärker als alle Schwerkraft. Deine Kraft ist die Liebe, mit der du alles hältst und trägst - auch mich. Danke.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 26. November 2017

Alte Wundergeschichte oder aktuelle Glaubensgeschichte? hl

LosungWir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir. 2.Chronik 20,12 

LehrtextLasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Hebräer 12,2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kriegsgeschichten der Israeliten aus dem Alten Testament vor 2500 und mehr Jahren sind ganz interessant zu lesen. Aber im Grunde bedeuten sie mir nichts mehr. Sie haben mit mir heute nichts zu tun. Oder vielleicht doch? Es kommt wohl darauf an, wie ich sie lese. Und deshalb möchte ich einmal die heutige Losung in ihrem Zusammenhang abdrucken:
     König Joschafat betete: »Herr, uns bedrohen die Ammoniter, die Moabiter und die Edomiter vom Gebirge Seïr! Unser Gott, bestrafe du sie! Wir selbst können nichts ausrichten gegen dieses riesige Heer. Wir sehen keinen Ausweg mehr, doch wir vertrauen auf dich! (Losung)« Plötzlich kam der Geist des HERRN über Jahasiël, einen Leviten, und er rief: »Hört, ihr Leute von Juda, ihr Einwohner Jerusalems und du, König Joschafat! So spricht der HERR: ›Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht vor diesem großen Heer! Ich werde gegen sie kämpfen, nicht ihr! Und ihr werdet sehen, wie ich, der HERR, euch rette.‹ Habt also keine Angst, verliert nicht den Mut! Der HERR wird euch beistehen
     Man kann das als Wundergeschichte aus der Vergangenheit lesen. Ich lese es als Glaubensgeschichte für die Gegenwart. Denn auch ich war schon einmal in einer ausweglosen Situation und werde vermutlich wieder dahin kommen, dass ich nicht weiß, wie es weitergehen wird. Auch ich war mit Problemen konfrontiert, die mir unlösbar schienen, mit Schwierigkeiten, die für mich unüberwindbar waren. Und dann habe ich das alles Gott im Gebet vorgelegt und etwa Folgendes zu ihm gesagt:
     Gebet: Herr, ich bin jetzt am Ende meiner Möglichkeiten. Aber ich will nicht verzweifeln. Ich lege alles in deine Hand und hoffe darauf, dass du die Dinge so regelst, dass es wieder weitergeht. Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Aber ich vertraue darauf, dass du mit deiner großen Kraft für mich kämpfst. Wie auch immer das Ergebnis sein wird, ich nehme es an, weil es aus deiner Hand kommt. Amen
     Und dann ging es tatsächlich wieder weiter. Dann war plötzlich eine Tür, wo vorher nur eine Wand war. In einem solchen Gebet fühle ich mich Jesus verbunden, der damals im Garten Gethsemane unmittelbar vor seiner Verhaftung ähnlich gebetet hatte. Ihm verdanke ich es zu allererst, dass ich an Gott glauben und ihm vertrauen kann. Er soll auch der Beschützer meines Glaubens bleiben, dass ich nicht aufhöre weiter auf Gott zu vertrauen, was auch immer geschieht.

Herzliche Grüße

Hans Löhr