Freitag, 21. August 2020

Wie ein rollender Stein - Like A Rolling Stone hl

Losung: Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Jesaja 47,13 

Lehrtext: Die Jünger traten zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Matthäus 18,1-3 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

die heutige Losung und ihr Kontext (=Zusammenhang), erinnert mich an den laut diverser Musikmagazine wichtigsten, weil einflussreichsten Rock- und Pop-Song des 20. Jahrhunderts. Der spätere Empfänger des Literatur-Nobel-Preises, Bob Dylan, hat ihn 1965 geschrieben. Und so lange kenne ich auch dieses Lied: "Like A Rolling Stone".

Man muss die Musik und die Stimme von Bob Dylan mögen. Kein Zweifel aber besteht über die Qualität seiner Texte. In „Like a rolling stone“ singt er über eine ehemals arrogante junge Frau, die der Liebling der Schickimicki-Gesellschaft war und schließlich in der Gosse gelandet ist:

Okay, Miss Einsam, du warst vielleicht auf der besten Schule.
Aber da hast du nur gelernt, wie man sich volllaufen lassen kann.
Wie man auf der Straße lebt, das hat dir da keiner beigebracht.
Und auf einmal musst du dich damit abfinden.

Wie fühlt es sich an
Wie ist es denn jetzt
so ohne Heimat zu sein
so total heruntergekommen
wie ein rollender Stein?
 

So ähnlich spricht auch im Namen Gottes der Prophet Jesaja von Babylon, dem einstmals mächtigsten Großreich des Alten Orients, das auch Jerusalem zerstört, den Tempel niedergebrannt und die Oberschicht ins Exil verschleppt hatte:

»Schon immer hast du dir mit deinen vielen Beratern Stress gemacht. So lass sie nur kommen die Sterndeuter. Sollen sie dir doch helfen, die dir jeden Monat die Zukunft vorhersagen! Doch sie machen sich aus dem Staub und lassen dich hilflos zurück.« 

Ja, Hochmut kommt vor dem Fall, heißt es in der Bibel (Sprüche 16,18). Davor waren auch Jesu Jünger nicht gefeit mit ihrem blöden Gerangel, wer denn bei Gott nun der Größte von ihnen sei. Jesus weist sie zurecht und sagt mit anderen Worten: „Aufgeblasene Erwachsene können Gottes Nähe (Himmelreich) nicht spüren. Da müsst ihr euch schon ändern und wie die Kinder werden. Die brauchen keine Titel und Ämter, keine Orden und Ehrenzeichen, kein Statussymbole wie große Häuser, schicke Autos und dicke Bankkonten. Die brauchen keine Papstkrone, keinen Kardinalshut, keine Bischofsmütze und kein Amtskreuz. Die brauchen und lieben nur eines, ihren Papa, dem sie alles Gute zutrauen, bei dem sie sich sicher und geborgen fühlen, auf den sie hören, der für sie der Größte und Stärkste ist, der alles weiß und kann … und ihre Mama brauchen sie mindestens ebenso sehr.“ 

Gebet: Mein lieber Gott und guter Vater, ich vertraue voll und ganz auf dich. Du hast mich durch gute und schlechte Zeiten gebracht. Du wirst das auch weiterhin tun. Das macht mich zuversichtlich und lebensfroh. Und wenn sich doch Zweifel in mein Herz schleichen, so wirst du mich deine Nähe spüren lassen und ich werde mich wieder auf dich verlassen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 20. August 2020

Liebe, Scham und Umkehr hl

 Losung: Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu. Sprüche 10,12 

Lehrtext: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Johannes 13,35 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie geht es dir mit der Losung? Kannst du zustimmen? Ich habe ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits geht es nicht ohne verzeihende Liebe wo Menschen zusammenleben in der Partnerschaft, in der Familie, auch in der Nachbarschaft und vielleicht auch am Arbeitsplatz. Andererseits darf auch die Liebe schreiendes Unrecht und Gräueltaten nicht zu decken. Schwere Vergehen müssen aufgedeckt werden. Schwere Schuld verlangt Sühne. Die Wahrheit muss ans Licht. Der Verbrechen der Vergangenheit muss man sich erinnern, damit sie sich nicht wiederholen. Mahnmale und Gedenkstätten sollen die Erinnerung auch für spätere Generationen wachhalten.

     Nein, die Kinder und Enkel der Täter und all derer, die die Verbrechen zugelassen und schweigend hingenommen haben, müssen weder Schuldgefühle noch ein schlechtes Gewissen haben. 

Das große Schämen 

     Aber zum Beispiel wir Deutschen, auch die Nachgeborenen, sollten Scham empfinden über das, was im Namen des deutschen Volkes im Nationalsozialismus verbrochen worden ist. Und ebenso die Japaner im Hinblick auf die Kriegsverbrechen, die von ihnen im Zweiten Weltkrieg in Fernost verübt worden sind. Und ebenso die Spanier wie die Amerikaner beim Gedenken des Völkermordes an den indianischen Ureinwohnern, des jahrzehntelangen Rassismus oder der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Und ebenso sollten sich die Russen, die Chinesen und die Kambodschaner der entsetzlichen Verbrechen schämen, die unter Stalin bzw. Mao Tsetung und Pol Pot in ihrem jeweiligen Land verübt worden sind. Und ebenso sollten sich die Erben der Kolonialmächte und der Sklavenhaltergesellschaften schämen, die Briten, die Franzosen, die Holländer, die Portugiesen die Muslime, wenn sie an die Verbrechen ihrer Vorfahren denken. Und nicht zuletzt sollten auch wir Christen uns schämen, wenn wir uns daran erinnern, wie viel Leid in 2000 Jahren durch die Kirche über die Menschen gekommen ist. Eines aber habe ich noch vergessen. Die Menschheit insgesamt sollte und muss sich schämen angesichts dessen, was sie seit weit über 10.000 Jahren bis heute den anderen Tieren antut. Und damit auch ich. Mir gelingt ein völliger Verzicht auf Fleisch und Fisch einfach nicht. Vier bis fünf vegetarische Tage in der Woche schaffe ich gerade. Aber vielleicht geht so eine Umstellung tatsächlich nur Schritt für Schritt, zumindest bei mir.

     Das alles, was ich im letzten Absatz geschrieben habe, darf die Liebe nicht zudecken, wenn es wenigstens eine kleine Chance geben soll, dass aus der Geschichte ein bisschen gelernt wird und wir unser Verhalten ändern.

     Scham und Verhaltensänderung dürfen aber auch nicht selbstgerecht von anderen eingefordert werden. Da muss jeder selbst den ersten Schritt tun. Auch hier gilt, mit Liebe kommt man weiter als mit Druck. Und genau das ist es ja auch, was uns der Lehrtext ans Herz legt. 

Gebet: Herr, ich wundere mich, dass du uns angesichts dessen, was wir Menschen im Lauf der Jahrtausende einander und den Tieren angetan haben noch immer am Leben lässt. Deine Geduld ist unbegreiflich und deine Liebe grenzenlos. Wenn sich bei uns etwas ändern soll, musst du bei mir damit anfangen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 19. August 2020

Trostgeschichten ja, Absolutheitsanspruch nein hl

 Losung: Mose sprach zu dem HERRN: Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist. 2.Mose 33,13 

Lehrtext: Paulus schreibt: Gott hat euch berufen durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt. 2.Thessalonicher 2,14 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

welche Bedeutung hat die Bibel für dich? Sagt sie dir, was du tun und glauben und wie du leben sollst? Vermittelt sie dir die Werte, nach denen du heute die große Welt und deine kleine bewertest? Ist sie für dich eine moralische Instanz, nach der du dich richtest?

     Das alles hat seine Bedeutung. Doch die wichtigste Bedeutung der Bibel ist für mich eine andere. Erstens zeigt sie mir den liebevollen Gott, wie er mir in Jesus begegnet. Zweitens weckt und stärkt sie mein Gottvertrauen. Drittens spendet sie Trost. Auf diese Weise ist die Bibel für mich eine Quelle der Kraft, der Zuversicht und der Freude. Das wiederum ermöglicht mir, dass ich Gott, meine Mitmenschen und mich selbst lieben kann.

     Die vielleicht meisten Geschichten vor allem im Alten Testament sind Trostgeschichten. Sie wurden höchstwahrscheinlich von Priestern verfasst und überliefert, um das kleine, oftmals geschundene und in seiner Existenz bedrohte Volk der Israeliten zu ermutigen und zu motivieren, allen Katastrophen zum Trotz am Glauben festzuhalten.

     Die biblischen Verfasser hatten nicht die Absicht, Geschichte zu schreiben so wie heute die Historiker (Geschichtsschreiber). Sondern sie schrieben, wie gesagt, Glaubens- und Trostgeschichten für die Menschen ihrer Zeit. Auch unsere heutige Losung stammt aus einer solchen Trostgeschichte, die erzählt, wie Mose mit Gott spricht, damit er bei seinem Volk bleibe und es führe.

     Die Israeliten damals wussten durchaus, dass sie ein winziges, unbedeutendes und ohnmächtiges Völkchen waren ohne Chance, etwas gegen die Großmächte ringsum, gegen die Assyrer, Babylonier, Perser, Ägypter, Makedonen und Römer ausrichten zu können. Sie waren und blieben immer nur Spielball der anderen. Auch dass sie selbst einmal unter einem König David groß und mächtig gewesen seien, war und blieb ein Mythos, der die gedemütigten Israeliten und später die Juden auf sich selbst stolz machen sollte.

     Und zu diesem Mythos gehört auch, dass nur die Israeliten Gottes auserwähltes Volk seien und dass der Schöpfer und Herr des gesamten Universums nur die paar zehntausend Hebräer begünstigen würde. In diesem Zusammenhang steht auch die Losung, in welcher Mose zu Gott sagt: »Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist.« Und drei Verse weiter heißt es: »Woran soll erkannt werden, dass ich (Mose) und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, dass du mit uns gehst, sodass ich und dein Volk erhoben werden vor allen Völkern, die auf dem Erdboden sind?« (2. Mose 33,16) Soweit ich weiß, ist das noch heute die Ansicht der orthodoxen Juden.

     Aber so ganz falsch ist das Losungswort auch wieder nicht. Vom Evangelium her gelesen stimmt es durchaus, dass die Israeliten Gottes Volk waren und die Juden heute es immer noch sind. Nur trifft das auf alle anderen Völker dieser Erde ebenfalls zu. Auch sie sind ja alle seine Geschöpfe. Warum sollen sie dann nicht auch seine Völker sein? Es wird höchste Zeit, dass die Völker und Religionen ihren Exklusivitäts- und Absolutheitsanspruch und damit auch ihren Nationalismus ablegen und zu der Erkenntnis gelangen, dass sie heute nur noch miteinander eine Chance zum Überleben haben.

     Ähnliches trifft auch auf den Lehrtext zu. Auch Paulus, der zunächst pharisäischer Jude war bevor er Christ wurde, hat für die jungen Christengemeinden sofort wieder einen Absolutheitsanspruch reklamiert. »Ihr«, so schreibt er ihnen, »seid durch unser Evangelium dazu berufen, die Herrlichkeit Christi zu erlangen« (Lehrtext). Das sind seiner Meinung nach alle anderen Menschen auch, aber nur, wenn auch sie Christen werden.

     Ganz ähnlich denken leider Gottes auch die Muslime von sich und die Anhänger anderer Religionen. Auch die Atheisten tun das auf ihre Weise. Doch dieses Absolutheitsdenken führt meines Erachtens unweigerlich und unaufhaltsam in die große Menschheitskatastrophe.

     Und was könnte uns retten? Aus meiner Sicht ist es die Einsicht, dass wir alle auf dieser Erde Gottes geliebte Kinder sind, dazu bestimmt, im Frieden miteinander auszukommen und die gemeinsame Erde zu bebauen und zu bewahren. Gerade wir Christen könnten und sollten als Bannerträger dieser Einsicht vorangehen und versuchen, alle anderen ebenfalls dafür zu gewinnen, ohne dass diese ihren Glauben aufgeben müssen. 

Gebet: Ja, barmherziger Gott und Vater, darauf kommt es heute mehr denn je an, dass du mit uns gehst, mit uns Menschen und allen deinen Geschöpfen. Und genau das hast du ja auch versprochen und in Jesus gezeigt. Lass mich im Glauben immer wieder erfahren, dass du dabei bist in meinem Leben und auch im Leben der anderen. So finden wir gemeinsam den Weg zum Frieden in eine menschenwürdige Zukunft. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 18. August 2020

Das ganze Evangelium in einem Satz hl

 Losung: Der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für. Psalm 100,5 

Lehrtext: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig - nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit. Titus 3,4.5 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

kannst du mit einem einzigen Satz sagen, was du glaubst und was das Evangelium dir sagt? Ich hätte da einen solchen Satz für dich: den heutigen Lehrtext. Mit ihm ist im Grunde alles gesagt. Er fasst das ganze Evangelium, die frohe Botschaft Gottes in sieben grundlegenden Aussagen für uns Menschen zusammen:

1. Unser Gott ist ein freundlicher Gott (siehe auch Losung)
2. Unser Gott liebt Menschen, also dich und mich und die anderen auch.
3. Das ist sein Wesen, das in Jesus ein für allemal offenkundig wurde (erschienen ist).
4. Unser Gott ist in erster Linie "Heiland”, Helfer, und bleibt das auch.
5. Damit macht er uns selig, also glücklich und froh.
6. Das alles schenkt er uns (= Gnade) ohne Gegenleistung und Bedingungen,
7. weil er barmherzig ist, also ein Herz für uns hat, und niemand ihm gleichgültig ist. 

Wenn wir in der Bibel von Gott lesen oder von ihm hören, dann ist das immer nur dieser Gott und kein anderer. Ansonsten ist er nicht unser Gott, nicht der Vater Jesu Christi und auch nicht dein und mein barmherziger Vater, den wir gar nicht anders als lieben können. Den wir manchmal nicht begreifen, wenn uns eigenes oder fremdes Leid erschüttert. Dem wir aber trotzdem vorbehaltlos vertrauen können, dass er weiß was geschieht und zu seiner Zeit tun wird, was gut ist. Er ist unser Vater und Hirte, Retter und Freund*. Von ihm können wir sagen: 

Gebet: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

*  Wer Gott an und für sich ist, weiß niemand und kann niemand sagen. Wer er für uns ist, hat er uns in Jesus gezeigt. Wir können nur in Gleichnissen und menschlichen Bildern von ihm reden. Er ist immer nur "wie", also wie ein Vater (eigentlich und zutreffender: wie ein guter Papa), wie ein Hirte, wie ein Freund. Er kann darum auch wie eine Mutter (eine liebevolle Mama: siehe Jesaja 66,13) sein. 

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Montag, 17. August 2020

Gemeinsam im Glauben wachsen hl

 Losung: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist. Sacharja 8,23 

Lehrtext: Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Apostelgeschichte 2,46-47 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

so, sagt der Prophet Sacharja, so wird es sein, wenn diese Weltzeit zuende ist und die Heilszeit beginnt, »dann werden zehn Männer aus allen Sprachen der Völker einen jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.«
     Und so, sagt der Lehrtext, so war es zur Zeit der ersten christlichen Gemeinde. Da lebten und glaubten die frühen Christen gemeinsam, weil sie davon ausgingen, dass Jesus in allernächster Zukunft wiederkommen würde. Und die Gemeinden blühten auf.
     Wir leben nicht in der Heilszeit und glauben auch nicht, dass in den nächsten Tagen Christus wiederkommt. Wir müssen und wollen uns in dieser Welt und Zeit, in der wir geboren wurden, leben und sterben werden, so gut es geht arrangieren. 

Hauskreise gründen 

     Von diesen beiden Bibelworten könnten aber auch für uns wichtige Impulse ausgehen, indem wir so anziehend glauben, dass andere das auch möchten, weil sie an unserem Verhalten sehen, dass Gott mit uns ist (Losung). Und zweitens, dass wir als Christen mehr zusammenwachsen, mehr Gemeinschaft pflegen und mehr miteinander Gott loben (Lehrtext).
     Aber einer oder zwei oder drei müssten dazu die Initiative ergreifen und andere dazu einladen. Hauskreise sind ein guter Schritt in diese Richtung. Doch es braucht Initiative, Mut, Energie und Zuversicht, Hauskreise zu gründen und neue Leute einzuladen.
     Ich selbst bin seit etwa 12 Jahren in einem Hauskreis. Inzwischen sind wir zu einer vertrauensvollen Gemeinschaft zusammengewachsen. Wir tauschen uns aus, was ein jeder in der letzten Zeit erlebt hat, wir lesen die Bibel oder diskutieren Themen. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir können jedes Mal mit- und füreinander beten. Wir singen hin und wieder, freuen uns an den kleinen Gaumenfreuden, die bereitstehen und lachen viel.
     Mir verhilft so ein Hauskreis im Gespräch über biblische Texte und Glaubensthemen zu neuen Einsichten. Aus allen diesen genannten Gründen möchte ich ihn nicht mehr missen. 

Gebet: Herr Jesus Christus, du hast versprochen, mitten unter uns zu sein, wo zwei oder drei in deinem Namen zusammenkommen. Segne du alle, die das tun und lass sie im Glauben wachsen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Sonntag, 16. August 2020

Jesus und die Kriminellen hl

Losung: Der HERR dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewiglich. Psalm 136,23 

Lehrtext: Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt. Hebräer 13,3

Liebe Leserin, lieber Leser, 

mit das Wichtigste, was Kirche tut, ist ihr Dienst an den Gefangenen unabhängig von der Schuldfrage. Denn, und das ist nach üblichen, menschlichen Maßstäben völlig abwegig, in ihnen begegnet uns Christus selbst (Matthäus 25,36+40). Er begegnet uns auch in Menschen hinter Gittern, die andere schwer geschädigt oder gar umgebracht haben. Er begegnet uns nicht in Verbrechern, sondern in Menschen, die in der Vergangenheit ein Verbrechen begangen haben und dafür jetzt nach menschlichem Recht büßen. Sie behalten in unserem Rechtsstaat ihre Menschenwürde. Und erst recht behalten sie ihre Würde, die Gott ihnen verliehen hat. Denn sie sind auch seine Geschöpfe, seine Kinder, ob mir das gefällt oder nicht. Und damit sind sie auch meine Brüder und Schwestern. 

Beten für Täter und ihre Opfer 

     Christus begegnet uns in jedem Geschöpf, das unsere Liebe braucht. Das seine Liebe braucht. Und wir können und sollen sie unseren Mitgeschöpfen entgegenbringen. Leider lehnen manche von den Gefangenen jeden Kontakt mit einem Seelsorger ab. Ich selbst habe das bei einem ehemaligen Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) erlebt, der in Straubing eine langjährige Haftstrafe verbüßte. Aber wenn ich ihn auch nicht erreichen konnte, so hat doch Christus auf seine Weise Möglichkeiten ihn zu erreichen. Das glaube ich, auch wenn ich nicht sagen kann, wie das geschieht. Meine Aufgabe ist es dann, wenigstens für solche Menschen zu beten – und immer auch für die Angehörigen ihrer Opfer.

     Die Losung bringt eine Erfahrung zur Sprache, die schon viele Christen in Vergangenheit und Gegenwart gemacht haben und machen. Sie sind in der Haft nicht zusammengebrochen, weil sie sich im Glauben von Gott gesehen wussten. Manche, wie Dietrich Bonhoeffer, haben sogar noch unter dem Galgen an ihrem Glauben festgehalten. Andere haben durch diese seelische Kraft die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis in Deutschland und Osteuropa, die Straflager der Stalinisten in der UdSSR, die Gefängnisse der Ayatollahs im Iran oder der Diktatoren Nordkoreas überlebt. Und das ist nur eine Auswahl. 

Möglichkeiten, an Gefangene zu denken 

     Aber wie denke ich nun an alle diese Gefangene? Zuerst einmal kann ich für sie beten. In speziellen Fällen kann ich ihnen schreiben und sie besuchen oder ihnen gemeinsam mit anderen ein Zeitungsabo spendieren. Das wäre zum Beispiel mal eine Idee, sich zum Geburtstag statt irgendwelcher Geschenke einen Zuschuss zu so einem Abo zu wünschen. Du kannst aber auch die Gefangenenhilfsorganisation „amnesty international“ mit einer einmaligen oder regelmäßigen Spende unterstützen oder da Mitglied werden.    

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist auch dort, wo ich nicht gern hingehe. Du bist auch bei den straffällig Gewordenen und in ihnen, auch wenn sie selbst das nicht wissen. Aber ich weiß das aus deinem Wort, und darum will ich über sie nicht lästern, sondern sie segnen mit meinem Gebet, mit meiner Zuwendung, mit meiner Unterstützung. Du begegnest mir in den Verachteten und Ausgegrenzten. Darum will ich auf sie zu gehen, statt mich von ihnen zu distanzieren. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Samstag, 15. August 2020

Seelsorger für Rechtsradikale? hl

Losung: Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge und Armen! Sacharja 7,10 

Lehrtext: Was gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt. 1. Korinther 1,28 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Und die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht.
Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.*«
     So lautet eine Verszeile von Bert Brecht. Leider hat er recht. Aber nicht, was Gott betrifft. Er sieht auch die im Dunkeln, die Macht- und Mittellosen, die Geringen, die Unbedeutenden, die Ausländer und Flüchtlinge, die Menschen am Rand der Gesellschaft. Sie alle stehen unter seinem besonderem Schutz. Sie alle würdigt er, seine Kinder zu sein. Er will auch uns die Augen öffnen für sie.

     Zurzeit kann man in den Medien lesen, dass Antisemitismus, Ausländerhass und Rassismus stark zunehmen. Das beste Heilmittel dagegen wären Wissen und Nachdenken, die Bereitschaft, sich in andere einzufühlen und ihre Würde zu achten sowie Abstand von Hetze und Hass. Und was ist mit dem Glauben? Sollte der uns nicht automatisch vor solchen negativen Einstellungen schützen?

     Ich mache mir klar: Der Jude Jesus ist das uneheliche Kind eines etwa 15-jährigen, völlig unbedeutenden Mädchens in einem Kaff in der hintersten römischen Provinz. Er wurde in einem stinkenden Stall geboren und als Verbrecher hingerichtet. Er ist zu den Kranken in Dauerquarantäne („Aussätzige“) gegangen und hat sie berührt. Er hat mit Huren und allerlei Gesindel gegessen und gefeiert. Hatte keine Berührungsangst vor Frauen und kleinen Kindern. 

     Er hat die Auseinandersetzung mit den Mächtigen in Staat und Kirche nicht gescheut. Und hat auch die Antisemiten, Ausländerhasser und Rassisten geliebt und erlöst. Vielleicht wäre das die Botschaft, die den einen oder anderen unter ihnen nachdenklich machen würde. Vielleicht sollte die Kirche gerade zu ihnen speziell ausgebildete Seelsorger mit dieser Botschaft senden. Seelsorger für Rechtsradikale - Ob das geht? Einen Versuch wäre es wert.

     Wenn ich schon sage: Jesus ist mein Herr! Welche Konsequenzen hat das für meine Gefühle und mein Denken, für mein Reden und Handeln? Und welche Konsequenzen hat das für dich? 

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist in der Nacht von Bethlehem geboren. Du kennst die Nachtseiten unseres Menschenlebens. Du siehst die, die viele nicht sehen wollen. Öffne mir die Augen, dass ich sehe, wie du siehst. Und wenn ich im Dunkeln bin, sei du mein Licht. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

* Bert Brecht, Die Moritat von Mackie Messer.

Siehe auch die Auslegungen vom 20. Juli 2016 und vom 22. August 2016

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Freitag, 14. August 2020

Wohin dann? hl

Losung: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Psalm 73,25 

Lehrtext: Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. Johannes 6,67-69 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele haben Jesus verlassen, damals (Lehrtext) wie heute. Die Versuchung ist groß: Ich würde dann seinetwegen und wegen meiner Liebe zu ihm nicht mehr belächelt werden. Ich würde auch zu den Vernünftigen gehören, zu den Gebildeten unter seinen Verächtern. Ich würde nicht mehr identifiziert mit der „Kriminalgeschichte des Christentums“ und der Kirche. Mir könnten seine Werte und Gebote egal sein und ich könnte tun und lassen, was ich will ohne jemals nach ihm zu fragen.
     Aber, aber, liebe Leserin, lieber Leser, wohin sollte ich dann gehen? Wer öffnet dann eine Tür, wenn ich keinen Ausweg sehe? Wer ist mein Licht, wenn es in mir finster wird? Wer ist meine Kraft, wenn ich schwach bin, mein Trost, wenn ich untröstlich bin, meine Freude, wenn ich traurig bin? Wer gibt meinem Leben Sinn und wer liebt mich auch dann, wenn ich nicht liebenswert bin? Wer ist bei mir noch auf meinem letzten Weg?

     Was die Losung dazu sagt, möchte auch ich sagen: Gott hat mich. Und ich möchte ihn auch haben. Ich bin sein. Und er soll auch mein sein. Was auch immer geschieht, er hält an mir fest. Und ich will auch an ihm festhalten können, selbst wenn der Himmel über mir einstürzt und die Erde unter meinen Füßen zerbricht. Wenn ich vergehe, soll mein Glaube bleiben. Wenn ich sterbe, soll meine Hoffnung leben. 

Gebet: Herzlich lieb hab ich dich, o Herr.
Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern
mit deiner Güt und Gnaden.
Die ganze Welt erfreut mich nicht,
nach Erd und Himmel frag ich nicht,
wenn ich nur dich kann haben.

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 13. August 2020

Vom Vater geschlagen? hl

Losung: Durch seine Wunden sind wir geheilt. Jesaja 53,5 

Lehrtext: Jesus sollte sterben für das Volk und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. Johannes 11,51-52 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

warum musste Jesus so leiden und so elendiglich sterben? Warum wurde er so grausam gefoltert und am Kreuz zu Tode gequält? Der Evangelist Johannes, der erst 60 bis 80 Jahre nach Jesu Tod über dieses schreckliche Ende nachgedacht hat, meinte, dies sei von Gott so gewollt.
     Und so schreibt Johannes diesen Satz aus dem heutigen Lehrtext: „Jesus sollte sterben...“ Dem Oberpriesters Kaiphas zufolge sollte Jesus sterben, um das Volk nicht zu verderben. Gott zufolge sollte er sterben, um das Volk, um uns alle zu retten. So wird noch heute in den allermeisten Kirchen gepredigt. Aber wovor sollte er uns retten? Vor dem ewigen Tod, der der Preis der Sünde ist, wie Paulus schreibt. Welcher Sünde? 
     Also der Reihe nach: Gott verhängt über uns Menschen wegen unserer Sünden, wegen unserer Verstöße gegen die 10 Gebote oder eines unmoralischen Lebenswandels die Todesstrafe. Das ist sein Gesetz, seine Gerechtigkeit.

Wie sich Menschen Gottes Gerechtigkeit vorstellen

     Um die Strafe nicht vollstrecken zu müssen, lässt er seinen Sohn Jesus für uns foltern und qualvoll umbringen. Demzufolge wird Gott von seiner eigenen Gerechtigkeit gezwungen, das zu tun. Nun ist seiner Gerechtigkeit Genüge geleistet und wir sind begnadigt, sind gerettet. Oder? 
     Nein, noch nicht. Jetzt muss ich noch "mit meinem Mund bekennen: Herr ist Jesus - und in meinem Herzen glauben: Gott hat ihn von den Toten auferweckt" (Römer 10,9). Wenn diese Bedingungen alle erfüllt sind, dann, aber erst dann bin ich gerettet. Ist das Gnade?
    Und ist das Gerechtigkeit? Ich frage dich, was ist das für ein Gott, der so handelt? Ist das noch der barmherzige Vater des Jesus von Nazareth, der will, was sein Sohn erleiden musste?
     Vielleicht sagst du jetzt: 'Aber das ist doch alles für mich geschehen, damit ich nicht in den Feuersee geworfen werde (Offenbarung 21,8) und wie die Hexen brennen muss.' So? Was hast du denn Böses getan, dass du so hart betraft werden müsstest und dass Jesus so schrecklich leiden musste, um dich durch seine Qualen zu retten? Bist du wirklich so schlimm?
     Diese schwarze Theologie hat in der Vergangenheit weithin den Glauben unserer Vorfahren geprägt. Und noch heute leiden Menschen darunter. Selbst in unserem aktuellen Gesangbuch stehen Lieder, die so ein Zerrbild von Gott vermitteln. Zum Beispiel:

Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen,
Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen:
für deine Seelenangst, für deine Band und Not,
für deine Geißelung (=Folter), für deinen bittern Tod.
Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet,
was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet.

Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan;
o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan?
Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen;
durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen;
durch deine Bande, Herr, bind uns, wie dirs gefällt;
hilf, dass wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.

 (Evangelisches Gesangbuch Nummer 87)

Dieser Glaube ist nicht mein Glaube. Dieser prügelnde Sado-Gott ist nicht mein Gott. Ich werde mich auch hüten, Jesus dafür zynisch zu danken, dass er Angst hatte, leiden musste sowie gefoltert und grausam hingerichtet wurde. Und ich habe das auch nicht verschuldet. Nein, meine Sünden haben ihn nicht gekreuzigt. Das waren die Mächtigen in Staat und Kirche damals, die ihre Macht durch ihn gefährdet sahen und ihn deshalb auf diese Weise beseitigt haben.
      Und ich werde auch nicht durch sein Kreuz mein „Fleisch“, also mein leibliches Leben und auch nicht diese Welt „kreuzigen“. Mein Leib und diese Welt sind für mich ein Geschenk Gottes, dessen ich mich freuen darf und nicht schämen muss.

Jesus bleibt sich und darum auch dir treu

     Ja, sein Tod am Kreuz bedeutet auch für mich Erlösung. Aber er hat mir nicht erst durch sein Leiden und Sterben die Sünden vergeben und mich mit Gott versöhnt. Das hat er schon vorher getan. Das ist bereits geschehen, als Gott in ihm als der gute Hirte zu mir auf die Welt gekommen ist.   
     So hat er weggenommen, was mich von ihm trennt, um bei mir zu sein. Sein Tod am Kreuz heißt für mich, dass er sich, allen Widerständen zum Trotz, bis zuletzt treu geblieben ist und seine Liebe zu uns Menschen nicht verraten hat, ja nicht einmal die Liebe zu seinen Feinden.
     Da ist in letzter Konsequenz deutlich geworden, was schon immer gilt. Was seit Bethlehem offenkundig ist und was später der Apostel Paulus sagte: "Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist" - auch nicht meine Sünde. Doch nicht erst sein Tod beweist seine Liebe. Sondern seine Liebe widerlegt den Tod. Sie gehörte vor Ostern wenigen. Jetzt gehört sie dir und mir und den anderen auch.

Gott schlägt nicht zurück

     Nein, nicht Gott hat ihn so geschlagen, sondern er hat sich in Jesus von den Menschen schlagen lassen, ohne selbst zurückzuschlagen. So hat Gott das Böse mit Gutem überwunden. Das ist das große Geheimnis des christlichen Glaubens. Das unterscheidet ihn von allen anderen Religionen. Das erlöst mich von aller Gottesangst. Nun kann ich ihm vertrauen wie ein Kind seinem guten Vater.
     Eine Kindergartenleiterin erzählte, dass ein kleiner Bub weinte und als sie ihn fragte warum, sagte er: "Mir tut mei Popo so weh." "Was ist denn passiert?" "Mei Papa hat mi g'haut. Er hat immer 'Gehorsam' g'sagt. Aber i weiß doch gar net, was des is." Der Papa ist Pfarrer einer schwäbischen Gemeinde und hält sich selbst für bibeltreu ... - Du kleiner Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen.

Gebet: Gütiger Gott, geliebter Vater, du bist in Jesus in die tiefsten menschlichen Abgründe hinabgekommen und hast da unser Leiden, unsere Schmerzen und Angst geteilt. Du hast gezeigt, dass deine Liebe stärker ist als der Tod, stärker als der Hass, stärker als alle Sünde und Schuld. So heilst du mich, dass ich nicht länger gottesblind bin. Dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

PS: Diese Auslegung ist eine Einladung zum Austausch. Ich bin auf Ihren / deinen Kommentar gespannt.

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Mittwoch, 12. August 2020

In Jesu Namen hl

Losung: Lass deine Augen offen sein für das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, dass du sie hörst, sooft sie dich anrufen. 1.Könige 8,52 

Lehrtext: Jesus spricht: Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Johannes 14,14 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

     ich kann sehr gut verstehen, dass zum Glauben auch das Bittgebet gehört. Seit jeher und in allen Religionen bitten Menschen Gott oder sonst eine höhere Macht um Hilfe (vergleiche Losung und Lehrtext). Ich selbst bitte auch darum, besonders, wenn ich in einer Notlage oder in Bedrängnis bin. Ich hab das von Kind auf so mitbekommen und darum tue ich das heute noch. Doch inzwischen meine ich, dass ein Gebet noch etwas anderes ist als bitten und danken. Denn jeder Bitte haftet doch auch der leise Zweifel an, dass ich nicht weiß, ob Gott sie erfüllen wird oder nicht.

     Im Lehrtext lässt Johannes Jesus sagen, dass die Bitten schon erfüllt würden. So soll der Zweifel ausgeräumt werden. Aber wir wissen doch auch, dass längst nicht jede Bitte erfüllt wird. Wie soll ich dann den Lehrtext verstehen?

     Ich glaube, der Schlüssel zur Antwort sind die drei Wörter »in meinem Namen«. Ich könnte Gott ja auch einfach so bitten. Aber dann wäre das eine Bitte, die ganz und gar von meinen menschlichen Interessen geleitet wäre. Bitte ich aber in Jesu Namen, dann muss auch er hinter meiner Bitte stehen, sie sozusagen unterschreiben oder sie sich gar zu eigen machen können. Und so wird meine Bitte anders ausfallen, wenn mir das bewusst ist als wenn ich ihn übergehe. Dann kann ich zum Beispiel so bitten: 

Gebet: Gütiger Gott, du weißt ja, was ich brauche, noch ehe ich darum bitte. Und ich weiß, dass nicht meine Bitten entscheiden sind, sondern dein Wille. Er soll geschehen, damit alles ein gutes Ende nimmt, auch ich. Du hast deinen Plan und überblickst das große Ganze. Du weißt, wie alles zusammenhängt und kennst jeden einzelnen Mosaikstein in deinem großen Bild. Darum glaube ich: Du wirst jede meiner Bitten erfüllen, wenn sie in deinem Sinn ist. So  lege ich alles in deine Hand, meine Wünsche und Sehnsüchte, meine Nöte und Leiden, meine Freude und meine Angst. Ich hoffe auf dich. Mein ganzes Leben gehört ja dir. Du hast es mir gegeben. Du hast es mir bis hierher erhalten. Und du wirst mich wieder zu dir nehmen, wenn es an der Zeit ist und vollenden, was unvollkommen geblieben ist. Das sage ich dir in Jesu Namen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 11. August 2020

Freude, die aus dem Glauben kommt hl

Losung: Die Gerechten freuen sich und sind fröhlich vor Gott und freuen sich von Herzen. Psalm 68,4 

Lehrtext: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

hast du schon mal deinem Briefträger auf eine Tasse Kaffee oder ein Eis eingeladen? Vielleicht ist das für Frauen schwieriger als für einen Mann. Und was mich vor Missverständnissen schützen könnte, würde ich auch mal eine Briefträgerin einladen, wäre vermutlich mein Alter. Nun ist es mir besonders leicht gefallen, meinen langjährigen Briefträger einzuladen, weil er eben auch super freundlich und entgegenkommend ist.

     Seine Tour war zu Ende. So hat er die Einladung zum Eis angenommen. Wir haben auf der Gartenbank ein paar Minuten miteinander geplaudert, und dabei habe ich ihn noch etwas besser kennengelernt. Mein Eindruck war, dass er sich über die kleine Geste gefreut hat. Und das hat wiederum mich gefreut.

     Aber hat das denn wirklich etwas mit unserem heutigen Lehrtext zu tun? Ich denke schon. Denn der darauffolgende Vers heißt schließlich: »Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren.« (Philipper 4,5)

     Nun muss man kein Christ sein, um den Briefträger mal zu einem Eis einzuladen. Aber wenn man schon im Glauben an Jesus Christus (= im Herrn) zu leben versucht, sollte einem das leichter fallen. Und das Ergebnis ist, wie gesagt, dass Freude, die man schenkt, wieder zurückkommt. 

Glauben und Freude – die fröhlichen Geschwister 

     In der Losung heißt es sinngemäß, dass die, die auf Gott vertrauen, sich von Herzen freuen können. Und das hat auch damit zu tun, dass Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit zwei Seiten derselben Medaille sind.

     Überhaupt geht es ja im Glauben, im Unterschied zur landläufigen Meinung, ganz viel um Freude. Beide sind Geschwister. Das Wort ‚Evangelium‘ von Jesus Christus heißt auf Deutsch frohe Botschaft. Der Weihnachtsengel verkündigt uns Menschen »große Freude«. Zachäus hat sich gefreut, wie ich in der Predigt vom letzten Sonntag gesagt habe. Die Frauen und später die Jünger haben sich gefreut als sie den Auferstandenen gesehen haben. Und alle, die Jesus geheilt und denen er ihre Sünden vergeben hat. Die Theologieprofessoren (Schriftgelehrten) aber und die von der JDU/JSU (Konfessionspartei der Pharisäer), und die Bischöfe (Hohenpriester) und nicht zuletzt der Präsident (König Herodes) – die haben sich damals nicht gefreut. Vielleicht tun sie's heute.

     Und du? Ist der Glaube für dich eine Last oder eine Freude? Ich meine, ein Glaube, der Druck und ein schlechtes Gewissen macht, bei dem es um Zwang und Angst geht, wo alle immer nur ernst und feierlich dreinschauen und Freude nur zur Schau gestellt wird – ein solcher Glaube ist schlechter als gar keiner.

     Wenn ich mich „im Herrn“ freue, dann freue ich mich meines Lebens auf alle mögliche Weise (= allewege, siehe Losung). Dann spüre ich, dass Gott mir nahe ist und bin dankbar.    

Gebet: Mein menschenfreundlicher Gott, du bist die Quelle meiner Freuden. Und dazu hast du mich ja auch geschaffen, dass ich mich des Lebens freuen kann, das du mir geschenkt hast. Und dazu hast du mir auch den Glauben geschenkt, dass ich das erkenne und nicht irgendwelchen engherzigen Moralaposteln auf den Leim gehe. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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