Sonntag, 2. August 2020

Zum Blühen bringen (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblickgottesdienst am 02.08.2020

Liebe Freunde, 

ich hätte nicht gedacht, dass ich mal mit einer Gießkanne predigen würde. Aber manchmal überrascht man sich selbst. (HL nimmt Gießkanne) Nein, ich werde nicht über die Kunst des Gärtnerns sprechen. Dafür ist hier nicht die passende Gelegenheit. Und dafür kenne ich mich zu wenig aus. Aber da ich in den letzten Monaten um mein Häuschen in Sommersdorf einiges gepflanzt habe, weiß ich immerhin, wie wichtig gerade an heißen Tagen das Gießen ist. Sonst kann nichts grünen und schon gar nichts blühen. Und damit bin ich schon beim Thema für diese Predigt: „Zum Blühen bringen“. Und das geht eben, wie gesagt, nur, wenn man die Pflanzen gießt, wenn man ihren Durst nach Wasser stillt.

     Gleiches gilt auch für Gott und uns Menschen. Auch er hat eine Gießkanne, eine große, eine ziemlich große. Und damit gießt er seine Geschöpfe und auch uns Menschen, dass wir nicht verkümmern, sondern uns entfalten, öffnen und seelisch aufblühen wie die Blumen in diesem Strauß. Er gießt dich mit seinem Segen, mit seiner Freude und seiner Liebe. Das hat er schon viele Male in deinem Leben getan. Aber hast du dir dann auch klar gemacht, wer dich mit deinen kleinen oder großen Freude glücklich gemacht hat und erblühen ließ? Du freust dich über einen anderen Menschen, über sein gutes Wort, über seine nette Geste, über sein Lob. Schön, wenn du ihm das dann auch zeigst. Aber zugleich kannst du dich auch über Gott freuen. Er ist es, der auch durch die Freundlichkeit deiner Mitmenschen zu dir spricht.

     Erinnerst du dich, wie es war, als du verliebt warst und du dein Mädchen oder deinen Freund nach längerer Abwesenheit wieder gesehen hast? Da lacht doch selbst uns eher zurückhaltenden Franken das Herz im Leibe und unsere Augen strahlen vor Glück. Da fließen auch mal Freudentränen und die Seele blüht auf. Klar denkt man in einem solchen Augenblick nicht unbedingt an Gott. Aber wer sonst steckt dahinter als er? Wer sonst hat dir damals dieses Geschenk der Liebe gemacht und macht es vielleicht heute noch?

     Vor ein paar Wochen schrieb mir eine Frau in einer WhatsApp, ich möge für sie beten, da sie eine Tumordiagnose bekommen habe und nun auf den Befund warte. Ein paar Tage später schrieb sie dann: „Ich bin voll dankbar. Der Befund war: gutartig.“ Aus dem, was sie sonst noch geschrieben hat, ging deutlich hervor, wie schlecht es ihr zunächst ging und wie sie dann nach der guten Nachricht regelrecht aufgeblüht ist.

     Ja, ich weiß, es gibt auch schlechte Nachrichten, die uns runterziehen. Wie der Glaube auch dann trösten kann, ist ein anderes Thema. Aber lasst uns heute von den guten sprechen, damit es auch uns gut gehe. Gott hat schon viele Male auch in dein Leben Segen und Freude gegossen. Nicht zuletzt kommst du auch deshalb in den Gottesdienst, um ihm hier dafür zu danken und ihn mit deinen Liedern zu preisen.

     Wie war das zum Beispiel vorgestern am späteren Abend? Wo warst du da? Was hast du da gemacht? Du hast doch bestimmt gespürt, was das für ein wunderbarer, warmer Sommerabend war und hast ihn genossen. Ich bin in der warmen Nacht im Mondlicht spazieren gegangen. Um mich herum war es still. Nur aus weiter Ferne drangen leise Motorengeräusche an mein Ohr. Und dann war es wieder da, das Gedicht „Mondnacht“ von Eichendorff, wo es heißt:

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst

Die Luft ging durch die Felder
Die Ähren wogten sacht
Es rauschten leis die Wälder
So sternklar war die Nacht

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus
Flog durch die stillen Lande
Als flöge sie nach Haus.

(Hier in der Vertonung von Robert Schumann, gesungen von Friedrich Fischer-Dieskau. klick: Mondnacht) 

     Ich sog die warme Nachtluft ein, atmete tief durch, war glücklich. Mit einem Wort, ich blühte auf und sagte „Danke, guter Gott, dass du mich so beschenkst“. 

     Vielleicht fragst du jetzt, ob es denn in meinem Leben nicht auch Probleme gibt und wenn ja, warum ich dann danken kann? Du hast recht, Probleme kenne ich auch. Ich will sie hier jetzt nicht ausbreiten. Doch nur ein kleines Beispiel. Während des Spaziergangs hat mir mein Bein weh getan. Ich musste meinen Fuß behutsamer aufsetzen als sonst. Aber soll ich mich denn davon gefangen nehmen lassen? Soll ich nur noch auf die Schmerzen achten und nicht mehr auf die Wunder Gottes, die zur gleichen Zeit um mich her geschehen? Und so habe ich, als ich mich über die Vollmondnacht freute, das Unangenehme vergessen. Es sollte mich nicht daran hindern, in Gottes Gegenwart seelisch aufzublühen.

     Ja, Gott bringt mich immer wieder zum Blühen, mein Leben lang, und dich auch. Oft denken wir nicht daran, dass er das durch andere Menschen und alle möglichen Anlässe tut. Aber wie gesagt, wer steckt denn sonst dahinter als er?

     Die Bibel erzählt, wie Jesus den unsympathischen und darum verachteten Zöllner Zachäus zum Blühen gebracht hat. Als er ihn versteckt auf einem Baum entdeckte, sagte er zu ihm: „Komm runter, Zachäus. Ich will heute dein Gast sein.“ Wow, dachte sich Zachäus, Jesus will mein Gast sein? Er kommt wirklich zu mir? Da blühte seine Seele auf. Und er kletterte eilig den Baum hinunter und nahm Jesus voller Freude bei sich auf. (Lukas 19,2-6)

     Die Bibel erzählt auch, wie sich am Ostermorgen die Frauen am Grab freuen, als sie den Auferstandenen sehen. Da überflutet sie das Glück und ihr von Leid verkümmertes Herz blüht auf. Und vielleicht geht es ja dem einen oder anderen von euch an Weihnachten so, wenigstens ein bisschen, wenn ihr wieder den Engel hört: »Fürchtet euch nicht in dieser Welt, siehe, ich verkündige euch allen große Freude. Denn für euch ist heute der Retter geboren, Christus, das Kind im Stall, das euch Gottes Liebe bringt und von allem Bösen erlöst.«    

     Für mich heißt das, dass auch ich andere zum Blühen bringen kann, dass ich Jesus die Gelegenheit geben möchte, durch mich zu wirken. Merkwürdigerweise können wir das alle wunderbar, wenn wir es mit kleinen Kindern zu tun haben. Wir schauen sie freundlich an, lächeln, sagen aufmunternde Worte, loben, streicheln und beschenken sie. Jedem gesunden Menschen geht das Herz auf, wenn er kleine Kinder sieht.

     Aber kaum sind sie älter und größer ändert sich das allmählich. Und dann ist aus einem entzückenden kleinen Mädchen die schwierige Nachbarin geworden und aus einem süßen kleinen Bengel ein muffiger Arbeitskollege. Aber vielleicht bin ich ja in ihren Augen selber schwierig. Gäbe es nicht auch dann Möglichkeiten, diesen oder jene zum Blühen zu bringen? Was kostet es mich denn schon, nett zu sein? Vielleicht eine kleine Überwindung. Was kostet mich schon ein Gruß und ein Lächeln? Was ein freundliches Wort oder eine kleine Aufmerksamkeit? Muss ich immer erst damit warten, bis der andere beginnt? Nur gut, dass Gott in Jesus zuvorkommend ist, mir mit seiner Zuneigung zuvorkommt und nicht damit wartet, bis ich auf ihn aufmerksam werde und ihm mit meinem Leben eine Freude mache.

     Er ist ja der große Gärtner, der sich darüber freut, wenn seine Menschenblumen blühen mehr noch als ich kleiner Gärtner mich freue, wenn meine Hortensien blühen. Emil Nolde hat dieses großartiges Bild von ihm gemalt. Die Bibel erzählt, wie Gott nach der Hitze des Tages in seinem Paradiesgarten spazieren geht, um sich an seinen Pflanzen und Tieren zu erfreuen, bis sich eines Tages Adam und Eva vor ihm verstecken und ihr Fehlverhalten alles verdirbt. Doch das ist ein anderes Thema.

     Jesus erzählt, wie einem Vater der Sohn davongelaufen ist, um anderswo das Leben in vollen Zügen zu genießen, statt auf dem Hof mitzuarbeiten. Da sieht er ihn nach längerer Zeit von weitem zurückkommen, zerlumpt, zerknirscht und abgemagert. Schwillt ihm da die Zornesader? Nein. Ihm schwillt das Herz in der Brust und er rennt seinem Kind entgegen, schließt den Sohn in die Arme und freut sich über die Maßen. So, sagt Jesus, so ist Gott. Er hat sich uns zugewandt und bleibt uns zugewandt und er blüht auf, wenn wir uns ihm zuwenden.

     Ja, Gott ist nach wie vor der große Gärtner mit einer großen Gießkanne voll Segen und und Freude. Daran ändert sich auch nichts, wenn ich ihm die kalte Schulter zeige und von ihm nichts wissen will. Ich bin und bleibe trotzdem sein Geschöpf, seine Blume und du auch. Er freut sich, wenn wir uns unseres Lebens freuen und blühen, statt zu kümmern. Und er blüht selbst auf, wenn ich mit meiner kleinen Glaubensgießkanne ihm danke und sage, dass ich ihn liebe. 

Ich schließe mit Versen aus Psalm 16 und bete:

Gebet: Gott, bei dir suche ich Zuflucht!
Ich bekenne: Du bist mein Herr und mein ganzes Glück!
Du bist alles, was ich habe; du gibst mir, was ich zum Leben brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft. 
Bei dir, HERR, bin ich in Sicherheit. Ich gehöre ja dir.
Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir; aus deiner Hand empfange ich unvergängliches Glück. Psalm 16 (Auswahl)

Amen


Kommentare:

  1. Amen und Gottessegen mit Ihnen.

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  2. Danke für diesen guten Morgen, Danke für jeden neuen Tag. Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.
    Einen gesegneten Sonntag wünscht uns allen
    Elisabeth

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