Samstag, 9. Januar 2016

Helfen und geholfen werden hl

Losung: Der HERR ist des Armen Schutz, ein Schutz in Zeiten der Not. Psalm 9,10

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich bin guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen. 2.Korinther 12,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch heute lässt mich die Losung wieder fragen: Stimmt das denn? Wie schützt denn der Herr die Armen? Allgemeines Spekulieren führt da nicht weiter. Ich muss mich vielmehr fragen, was dieses Bibelwort mit mir zu tun hat. Und da lautet die Antwort: Gott schützt die Armen auch durch Menschen, die barmherzig sind und sich schützend vor sie stellen. Und das sind hoffentlich diejenigen, die sich von Gott etwas sagen, sich von ihm ins Gewissen reden lassen und sein Wort in der Bibel ernst nehmen. Denn da ist immer wieder davon die Rede, dass die Armen für Gott und auch für Jesus ein Herzensanliegen sind. Ich hab also, wenn ich Christ sein will,  gar keine andere Wahl als ihnen gegenüber ebenfalls barmherzig zu sein.
Es ist wie so oft: Wenn ich danach frage, was Gott tut und wie er es tut und ob er es tut, so muss ich zugleich mich fragen, was ich in seinem Namen tue. Schließlich soll ich da, wo ich lebe und Verantwortung übernehmen kann, sein Mitarbeiter sein. Wie das geschehen kann, muss ich von Fall zu Fall neu entscheiden und du auch.
Es gilt ja auch das Umgekehrte, dass ich, wie Paulus im Lehrtext, in eine Situation geraten kann, wo ich schwach bin, misshandelt werde, Not, Verfolgung und Angst leide auch um meines Glaubens willen. Dann wäre auch ich froh, wenn sich Menschen im Namen Gottes für mich einsetzen würden oder einfach auch nur deswegen, weil sie menschlich sind.

Gebet: Herr, du hast gesagt, dass du selbst mir in den Armen begegnest, die meine Hilfe brauchen. Und du willst auch mir zu Hilfe kommen, wenn ich deine Hilfe und die anderer Menschen brauche. Darauf verlasse ich mich und versuche meinen guten Mut zu behalten auch wenn es schwierig wird. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 8. Januar 2016

Auf ein Neues! hl

Losung: Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! Hosea 10,12

Lehrtext: Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Römer 12,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie viele Jahre wohnst du schon in dir? Hast dich in dir eingerichtet, mit dir arrangiert oder gar in dir verschanzt. Wie viele Jahre schon lässt du nichts an dich heran, was dich herausfordern könnte, anders zu leben als du es tust? Wie viele Jahre hast du schon deine politischen und religiösen Einstellungen, denkst du immer wieder dieselben Gedanken, verteidigst dieselben Werte, behältst dieselben Angewohnheiten, ob sie gut sind oder schlecht? Wie viele Jahre bist du schon so wie du bist, unverändert, vielleicht auch stur und starr?
Erstarrung ist tödlich für den einzelnen Menschen genauso wie für die Gesellschaft, für die Kirche, für die Wirtschaft, für den Staat. Natürlich ist es einerseits gut, am Bewährten festzuhalten und nicht jeder neuen Mode nachzulaufen, die sich gerade aufplustert wie ein Truthahn. Andererseits ist es ein Prinzip des Lebens, flexibel zu bleiben, auf unterschiedliche Herausforderungen zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich zu reagieren.
Der sicherste Weg in den Bankrott für einen Bauern, einen Handwerker, einen Geschäftsmann ist, an alten Konzepten festzuhalten, die früher vielleicht mal gut waren, sich inzwischen aber überlebt haben.
Das gleiche gilt auch für die Kirche und die Gemeinde. Dort, wo alles so bleiben muss, wie es schon immer war, stimmen vor allem jüngere Menschen mit den Füßen ab und verabschieden sich schleichend und leise aus einer sterbenden Institution.
Und dabei heißt es doch an vielen Stellen in der Bibel ganz ähnlich wie in der heutigen Losung: »Pflüget ein Neues!« Oder in einer neueren Übersetzung: »Fangt ganz neu an wie ein Bauer, der ein brachliegendes Feld zum ersten Mal wieder bestellt! Denn die Zeit ist da, mich, den Herrn, zu suchen..
Nun aber geht es im heutigen Lehrtext besonders um dich und mich. Paulus fordert uns darin auf: »Passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch, indem ihr euch von Gott neu ausrichten lasst. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt
Ich weiß nicht, in welchen Bereichen du dich ändern und neu ausrichten lassen sollst. Aber ich weiß, wo das bei mir nötig ist. Ich weiß aber auch, wie schwer das ist, vor allem je älter man wird. Und trotzdem, gerade im Glauben darf und will ich nicht erstarren. Gott wünscht sich einen lebendigen Glauben von mir und einen solchen brauche ich auch. Und das heißt doch, dass ich mich selbst daraufhin prüfen muss, was von dem, das ich fühle, denke, sage und tue Gott gefällt. Ich glaube nicht, dass ich mich ihm zuliebe ändern muss, sondern mir selbst und meinen Mitmenschen zuliebe.

Gebet: Ja, Herr, richte mich neu aus und gib mir die Kraft, die Dinge an mir und in mir zu ändern, die ich ändern muss und kann. Ich will nicht auf darauf schauen, wie andere leben, sondern darauf, wie du willst, dass ich lebe. Denn ich vertraue darauf, dass das für mich so am besten ist. Amen

Herzliche Grüße 

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 7. Januar 2016

Ein Geschenk, das heilt hl

Losung: Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren. Psalm 86,9

Lehrtext: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Titus 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

von dem, was die Losung heute sagt, sind wir weit entfernt. Ob es jemals dazu kommen wird, dass alle Völker zusammenkommen, um Gott zu ehren? Wenn die Repräsentanten der Völker zusammenkommen, wie in der UNO in New York, dann meistens, um zu streiten, keinesfalls aber, um gemeinsam Gott anzubeten.
Nun, das war damals, als das heutige Losungswort entstand, nicht anders. Trotzdem hatte man an dieser Utopie festgehalten, an der Vorstellung, dass sich irgendwann in der Zukunft etwas ereignen wird, was jetzt in der Gegenwart noch ‚keinen Ort‘ (= Utopie) hat.
Doch dann ändert sich etwas grundlegend. Statt dass irgendwann alle Menschen zu Gott kommen, kommt er zu ihnen. Er schenkt sich uns in seinem Sohn Jesus Christus. Er liegt in Gestalt eines Kindes im Stall, als Zeichen, dass du und ich, dass wir nicht vergessen und verloren sind in Menschenkälte und Finsternis. Er hängt in Gestalt des Mannes Jesus am Kreuz, als Zeichen, dass du und ich, dass wir mit Gott versöhnt sind und erlöst von der zerstörerischen Macht des Bösen und des Todes. Jetzt ist »die heilsame Gnade Gottes« keine Utopie mehr. Jetzt hat sie einen Ort in unserer Welt: Bethlehem und Golgatha. Jetzt sucht sie ein Zuhause und fragt an, ob sie auch in dir und in mir wohnen kann.
Diese Gnade, dieses Geschenk gilt ausnahmslos allen Menschen unabhängig von Rasse und Geschlecht, Religion und sozialem Status. Seine Gnade hat die Kraft zu heilen, wie der Lehrtext sagt. Sie heilt die Wunde der Enttäuschung und das an Rachsucht leidende Herz. Sie befreit vom Zwang zu negativer Kritik und von dem Druck, sich ständig selbst behaupten zu müssen. Sie heilt zerbrochene Liebe und eine geknickte Hoffnung. »Die heilsame Gnade Gottes« ist in Jesus allen Menschen erschienen und darum auch dir und mir.

Gebet: Herr, ich bin froh, dass ich dich nicht suchen muss, sondern dass du mich gefunden hast. Du bist zu mir gekommen nicht, um mich zu verletzen, sondern zu heilen, nicht um mich niederzumachen, sondern aufzurichten, nicht um mir Lasten aufzuladen, sondern sie mitzutragen. Dafür ehre ich dich, mein Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus, meinen Herrn. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 6. Januar 2016

Mit Liebe gebacken hl

Losung: Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen. Psalm 89,12-13

Lehrtext: In Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Kolosser 1,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Tag sind Sie / bist du hier eingeladen, mit meiner Frau oder mit mir über die Bibel nachzudenken und damit auch über den eigenen Glauben, mehr noch: über Gott und die Welt und das eigene Leben. Jeden Tag ein paar Minuten. Manchmal fällt das etwas leichter und manchmal, so wie heute, etwas schwerer.
Denn heute steht im Lehrtext eine überaus kühne Aussage, die selbst Glaubende oft nur schwer nachvollziehen können, die für Zweifler, Nichtgläubige oder Mitglieder anderer Religionen gänzlich unverständlich ist: »In Christus ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist…«
Ist das so?
Natürlich ist das keine wissenschaftliche Aussage, die auf irgend eine Weise bewiesen werden könnte. Es ist eine Aussage des Glaubens, die uns helfen soll, unsere kleine und die große Welt mit anderen Augen zu sehen als man sie sonst so sieht. Doch was bedeutet der Lehrtext aus dem Brief an die Kolosser?
Ich verstehe das Bibelwort so: Es soll Frauen geben, die zu ihrem Mann, der das Essen zubereitet hat, sagen: »Schatz, du hast mit Liebe gekocht, darum schmeckt es so gut.« Das gleiche gilt für alles, was Gott „gekocht“ hat, für die Galaxien, die Gestirne und Planeten, für unsere Erde, für Flora und Fauna, für dich und für mich: Er hat das alles geschaffen aus Liebe zu seiner Schöpfung, aus der tiefen und starken, reinen und beständigen, leidensfähigen und verzeihenden Liebe, die in Jesus Christus erschienen ist. Das ist es, was evangelische Christen heute an Epiphanias, am Fest der Erscheinung von Gottes Herrlichkeit in Jesus Christus feiern.
Aber kann ich alles, was ist, nicht zuletzt mich selbst, daraufhin ansehen, dass es mit Liebe „gebacken“ ist? Falls ja, dann könnte ich diese Welt in einem guten Sinn noch mehr genießen.
Natürlich fallen mir jetzt alle möglichen Einwände dagegen ein. Was ist denn mit all dem Negativen, das es gibt und das uns zu schaffen macht? Ich kann darauf keine schlüssige Antwort geben. Nur so viel: Wie kann ich etwas als positiv erleben, wenn ich nicht auch die negativen Seiten des Lebens kenne? Und weiß ich überhaupt, ob das, was mir jetzt negativ erscheint, aufs Ganze gesehen nicht doch auch positive Folgen hat? Die ganze Schöpfung ist auf dem Gegensatz und Zusammenwirken von negativ und positiv aufgebaut, so zum Beispiel der positiv geladene Kern und die negativ geladene Hülle eines Atoms, des Grundbausteins aller Materie.
Wie sollte das auch schlecht sein, was Gott aus Liebe zu seinem Sohn und durch ihn für uns gemacht hat? Mit all den guten Eigenschaften, die wir mit Jesus verbinden, hat er die Schöpfung ‚gewürzt‘: Neben der Liebe auch mit Barmherzigkeit, neben der Freude auch mit seinem Leiden, neben der Gnade auch mit Erlösung…
Die Bibel nennt das alles zusammen ‚Segen‘. Ja, so will ich das mit den Augen des Glaubens sehen: Die ganze (!) Schöpfung ist von Gott mit Jesus Christus gesegnet, mit allem, was er für seinen himmlischen Vater und für uns irdische Menschen bedeutet. Und du und ich, wir sind ebenso gesegnet, auch jetzt in diesem Augenblick an dem Ort, wo wir gerade sind. - Und die anderen auch.
Puh, einfach ist das nicht, so zu glauben, aber schön. Denn Himmel und Erde und alle Geschöpfe gehören ihm (Losung), von dem die Bibel sagt, »Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.« (1. Joh. 4,16) Ich jedenfalls will diese Welt und mich wenigstens für ein paar Momente am heutigen Tag so sehen: als von Gott geschaffen und gesegnet, als von Jesus geliebt und erlöst.

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist das Geheimnis der Schöpfung und somit auch das Geheimnis meiner Existenz. Deinen Segen will ich immer wieder aufs Neue entdecken in allem was ist. Und ich will mir immer wieder bewusst machen, dass ich zusammen mit allen anderen lebe von deiner tiefen, leidensfähigen und verzeihenden Liebe. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 5. Januar 2016

Allen Grund, fröhlich zu sein hl

Losung: Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Psalm 90,14

Lehrtext: Alles Volk machte sich früh auf zu ihm, ihn im Tempel zu hören. Lukas 21,38

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein Geschenk, was für eine Gnade, dass die meisten von uns fast an jedem Morgen ohne Schmerzen erwachen, dass unser Kühlschrank voll ist, im Land Frieden herrscht, wir ein Dach über dem Kopf haben und Geld genug, um uns alles in allem ein gutes Leben leisten zu können! Was für ein Geschenk, was für eine Gnade, dass wir in dieser Zeit in diesem Land leben können! Keine Generation vor uns hatte diese Gnade. Und wie es bei den nachfolgenden Generationen sein wird, wissen wir nicht. Deshalb hätten und haben wir allen Grund, jeden Morgen Gott ein Loblied zu singen und uns zu freuen über unser Leben.
Warum tun wir das nicht? Warum machen wir uns Sorgen, die im Vergleich zu anderen Menschen in anderen Ländern oder zu unseren Vorfahren oft so überflüssig sind? Warum ärgern wir uns wegen Kleinigkeiten, streiten uns aus nichtigem Anlass, sind schlecht gelaunt, wenn nicht alles genauso geht, wie wir uns das vorstellen?
Wir sind undankbare Geschöpfe! Und wenn du jetzt meinst, dass das alles auf dich nicht zutrifft, dann spreche ich von mir und sage: Ich bin ein undankbares Geschöpf, leider, viel zu oft. Ab und zu weiß ich, wie sehr ich Gott gegenüber dankbar sein kann, nicht zuletzt auch für meinen Glauben. Doch dann holen mich diese unnötigen Dinge wieder ein, mit denen ich mich herumschlage.
Darum nehme ich mir fest vor, bevor ich heute Abend einschlafe und wenn ich morgen früh aufwache Gott erst einmal zu danken und mir klar zu machen, dass ich ganz viele Gründe habe, um fröhlich zu sein. Vielleicht magst du dir das ja mit mir zusammen vornehmen.

Gebet: Herr, du hast mich in meinem Leben bis heute reich beschenkt. Gut, dass ich das ab und zu so sehen und dir dafür danken kann. Ich danke dir für Jesus Christus, durch den du mir zeigst, wer du für mich bist. Auf ihn will ich hören. Du bist so ein wunderbarer Gott, der Tag und Nacht für mich da ist, mich segnet und begleitet, mir vergibt und mich beschützt. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 4. Januar 2016

Herzuntersuchung hl

Losung: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Psalm 139,23-24

Lehrtext: Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen. Epheser 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der heutigen Losung traut sich einer selbst nicht über den Weg. Er ist sich unsicher, ob das, was er fühlt und denkt, vor Gott Bestand hat. Und so lässt er sein Herz von Gott untersuchen. Doch um herauszufinden, ob das Herz in Ordnung ist, braucht Gott keinen Herzkatheter wie ein Kardiologe. Er erkennt ein Herz auch so. Er weiß, was ich vorhabe, womöglich noch bevor mir das selbst bewusst ist. Wie gut, wenn ich dann eine solche Instanz habe, die rechtzeitig eingreift und die Weichen meiner Gefühle, Gedanken, Worte und Taten stellt, damit ich wieder aufs richtige Gleis gerate.
Im Lehrtext wünscht Paulus den Christen von Ephesus wie auch uns heute, dass Christus in unserem Herzen wohne, dass er es ausfülle und die problematischen Gefühle und Gedanken darin keinen Platz mehr haben. Christus in meinem Herzen – das heißt doch auch: Die Wahrhaftigkeit in meinem Herzen, die Bereitschaft anderen zu vergeben, und nicht zuletzt die Liebe zu denen, die mir begegnen.
Manchmal bin ich einfach schlecht drauf und ich weiß nicht warum. Vielleicht sind es biochemische Prozesse in mir, die meine Gefühlslage bestimmen. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Wenn ich mir meiner schlechten Laune rechtzeitig bewusst werde, kann ich gegensteuern. Dann kann ich Gott bitten, mich auf einen anderen, besseren Weg zu leiten. Dann kann ich außerdem mir Lobpreislieder anhören oder ein paar Suiten von Bach oder einen Spaziergang machen oder zu anderen so lange freundlich sein, bis ich wieder freundlich werde.

Gebet: Herr, du kennst meine Stimmungsschwankungen. Doch du hilfst mir auch, dass ich ihnen nicht ausgeliefert bin. Regiere du mein Herz und lass mich rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, die mich wieder erträglich und verträglich machen. Amen

Herzliche Grüße und eine gute neue Woche!


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 3. Januar 2016

Von Kerzen und Kometen hl

Lichtblickpredigt von Hans Löhr.

Liebe Freunde, liebe Kometen Gottes,

zu dieser ungewöhnlichen Anrede gleich mehr. Doch zunächst frage ich, was für ein Gefühl haben Sie / hast du am Anfang dieses neuen Jahres? Ist es so, wie wenn du in eine unbekannte Gegend hineingehst, die du nicht kennst? Ist es so, dass du etwas bang drauflos läufst, weil du nicht weißt, wohin dich dein Weg führt und wo er endet?
Ich denke, die meisten von uns haben wohl eine solche Vorstellung, spüren eine gewisse Unsicherheit. Doch unser Glaube legt uns etwas anderes nahe. Freilich kennen wir den Weg nicht, den wir in die Zukunft hinein gehen, egal, ob wir glauben oder ungläubig sind. Aber für den, der glaubt, ist jeder Schritt in die Zukunft zugleich ein Schritt nach Haus.
So jedenfalls sehe ich mich: Ich komme von Gott, bin von ihm geschaffen und dazu bestimmt, auf dieser Erde und in dieser Zeit zu leben. Und wenn meine Zeit zu Ende ist, gehe ich wieder zu ihm zurück in seine Armen, dorthin, wo alles begonnen hat, .
Im Licht des Glaubens ist mein Leben hier auf der Erde im Grunde nichts anderes als ein Heimkommen. Ich weiß zwar nicht, was mich auf dem Weg nach Haus erwartet. Ich glaube aber zu wissen, wer mich erwartet. Ich kenne den Weg zwar nicht, aber das Ziel.
Ende der sechziger Jahre hat die Rockgruppe Creedence Clearwater Revival dieses Gefühl auf ganz weltliche Weise zum Ausdruck gebracht in ihrem vielleicht schönsten Lied: „Long as I can see the light“ - Solange ich das Licht sehen kann. Darin heißt es auf Deutsch:

Stell eine Kerze ins Fenster, weil es mich wieder heim zieht. Und obwohl ich gehe und gehe, werde ich doch bald heimkommen solange ich das Licht sehen kann. [Bild einblenden und den ersten Teil des Songs einspielen bis Minute 1,44] 
Und obwohl ich gehe und gehe werde ich doch heimkommen solange ich das Licht sehen kann. In Kriegszeiten war das manchmal so und ist es vielleicht noch immer, dass die Mutter für ihren Sohn und die Frau für ihren Mann eine Kerze ins Fenster stellt. Und wo immer er ist und wie immer es ihm auch geht, er weiß, dass daheim dieses Licht für ihn brennt, dass er da erwartet wird und willkommen ist.
Und nun, liebe Freunde, denken wir wieder an das vor uns liegende Jahr und an die Jahre, die vielleicht noch kommen werden und dass wir als Weggefährten unterwegs sind durch die Zeit. Steht auch für uns ein Licht im Fenster? Ja, ich glaube fest daran. Gott stellt uns ein Licht ins Fenster seines Hauses, von dem wir einst ausgegangen sind und zu dem wir zurückkehren. So gilt auch für mich und für dich, wo immer wir sind, wie immer es uns geht, wie lang unser Lebensweg auch sein mag: Im Haus unseres himmlischen Vaters brennt ein Licht. Da leuchtet seine Herrlichkeit für dich und für mich. Da werden wir erwartet. Da sind wir daheim.
Manchmal erzählen Menschen, die wegen eines Unfalls bereits klinisch tot waren und dann doch noch in dieses Leben zurückgeholt worden sind, von einem solchen Licht. Sie wurden nicht von der Finsternis verschluckt. Ihnen leuchtete vielmehr ein überirdisches Licht, das sie mit großer Freude erfüllt hat. Manche waren deshalb sogar enttäuscht, als sie wieder in diesem Leben erwachten.
Von diesem Licht heißt es am Schluss des Vaterunsers: »Dein ist die Herrlichkeit!« Sie ist das göttliche Licht, das alles überstrahlt und aus der Ewigkeit in unsere Zeit leuchtet. Die Bibel spricht an vielen Stellen von diesem Licht der Herrlichkeit. So heißt es im heutigen Lehrtext, im ersten Petrusbrief: »Gott hat euch berufen von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.« Und im Brief an die Hebräer heißt es: »In Jesus Christus zeigt sich die göttliche Herrlichkeit seines Vaters, denn er ist ganz und gar Gottes Ebenbild. Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall zusammenhält.« (Hebräer 1,3)
Zum besseren Verständnis möchte ich das Licht von Gottes Herrlichkeit, die sich in Jesus zeigt, mit unserer Sonne vergleichen. Ihre Kraft hält unsere Erde in der Bahn. Ihr Licht lässt uns leben. Es leuchtet und wärmt uns.
Damit sind wir bei der ungewöhnlichen Anrede, mit der ich die Predigt begonnen habe, als ich zu euch sagte: »Liebe Kometen Gottes«.
Alle Kometen, die wir durch unsere Fernrohre, Teleskope oder auch mit bloßem Auge am Himmel sehen können, gehören ebenfalls ins Kraftfeld unserer Sonne. Sie laufen um sie herum auf einer lang gezogenen, elliptischen Bahn und wir sehen sie das nächste Mal erst wieder nach vielen Jahrzehnten. Es ist die Sonne mit ihrer Schwerkraft, die diese Himmelskörper anzieht. Wenn sie dann nahe um sie herumgeflogen sind, fliegen sie von ihr neu beschleunigt wieder hinaus an die Grenzen des Sonnensystems. Sobald der Schwung nachgelassen hat, werden sie wieder von der Sonne angezogen. Eines Tages aber kommen die Kometen der Sonne so nahe, dass sie in sie hinein fliegen und mit ihr verschmelzen.
So, liebe Freunde, verstehe ich auch unser Leben mit Gott. Jedes Lebewesen, jedes Geschöpf, lebt innerhalb seines Kraftfeldes, von ihm gehalten und von ihm angezogen. Manchmal wird ein Komet von anderen Himmelskörpern leicht abgelenkt. Aber die Schwerkraft der Sonne setzt sich auf die Dauer genauso durch wie sich die Kraft Gottes bei seinen Geschöpfen durchsetzt. Wie heißt es noch mal in der Bibel: »Sein Wort ist die Kraft, die das Weltall zusammenhält.«
Und selbst wenn wir uns wieder von Gott entfernen sollten, so wie sich auch Kometen auf ihrer Bahn wieder von der Sonne entfernen, bleiben wir doch in seinem Einflussbereich, in seinem Reich. Wir sind Kometen Gottes. Wir kehren, von ihm angezogen, wieder zu ihm zurück bis unsere Reise zu Ende ist und wir in seine ausgebreiteten Arme laufen. Dann sind wir für immer bei ihm, für immer daheim.
Für die Kometen ist die Sonne so etwas wie die Kerze im Fenster, und für uns ist es Gottes Herrlichkeit. Long as I can see light – solange ich dieses Licht sehen kann, weiß ich, wo mein Ziel, wo mein Zuhause ist.
Daran denke ich, sooft ich das Vaterunser bete, das mit dem Satz schließt: »Denn dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit«. Das ist auch mein Ziel. In diesem Licht beten wir das Vaterunser bei der Taufe und preisen angesichts von Gottes Herrlichkeit das neue Leben. In diesem Licht beten wir das Vaterunser bei der Konfirmation und preisen Gott für den Glauben der jungen Leute. In diesem Licht beten wir es bei der Hochzeit und preisen Gott für die Liebe. In diesem Licht beten wir das Vaterunser am offenen Grab und preisen Gott, dass er uns erlöst hat aus Schuld und Tod. Ja, auch bei einer Trauerfeier leuchtet für den, der mit den Augen des Glaubens sehen kann, Gottes Herrlichkeit über dem Friedhof, das Licht im Fenster, das uns den Weg nach Hause weist.
Doch auch jetzt schon, am Anfang dieses Jahres, soll dir Gottes Licht den Weg zeigen. Und wenn du gerade den Kopf hängen lässt, soll es dich aufschauen lassen zu ihm aus allem, was dich im Augenblick niederdrückt und was dir Sorgen macht. Er kann dir helfen, dass im Licht seiner Herrlichkeit das, was dir weh tut, an Wucht und Schwere verliert und es dir wieder leichter wird.
Natürlich nimmt jeder von uns auch seine Lasten vom alten ins neue Jahr mit hinüber, es seien Krankheiten oder Enttäuschungen, Einsamkeit oder andere Sorgen. Doch du nimmst auch deinen Glauben mit hinüber. Ich wünsche dir, dass du daraus neuen Lebensmut schöpfst und Kraft für die Zeit, die vor dir liegt.

Wie auch immer es dir gerade geht, auch in deinem Leben sind so viele wunderbare Dinge, in denen sich Gottes Herrlichkeit spiegelt. Dafür wollen wir ihn gemeinsam preisen, wenn wir nachher das Vaterunser beten und ihm danken, dass bei ihm auch für uns eine Kerze im Fenster steht. Amen

Samstag, 2. Januar 2016

Wege im neuen Jahr hl

Losung: Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Psalm 23,3

Lehrtext: Jesus Christus spricht: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir. Johannes 10,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Welt wird unübersichtlicher. Zumindest ist das mein Eindruck. Ich kenne in meiner Umgebung niemand, der sich zum Beispiel komplett mit seinem Smartphone auskennt, der weiß, welche Funktionen er verwenden und von welchen lieber aus Datenschutzgründen die Finger lassen soll. Die Globalisierung macht es immer schwerer, sich in der Welt der Politik, der Wirtschaft und der Technik zu orientieren.
Jedem von uns werden in der Werbung, in Filmen und Zeitschriften zahllose Möglichkeiten angeboten, sein Leben zu leben. Doch bei wichtigen Entscheidungen fühlen sich viele überfordert und alleingelassen. Da ist das heutige Losungswort aus dem Psalm 23 ein gutes Angebot. Auch in unserer schnelllebigen Zeit halten sich nach wie vor viele Menschen daran. Besser, sie halten sich an Gott, achten auf sein Wort in der Bibel und vertrauen sich seiner Führung an.
Ich meine, mit diesem Wort kann man an den vielen Wegkreuzungen im neuen Jahr die rechte, die richtige Straße finden. Das heißt nicht, dass ich nicht auch einmal Fehlentscheidungen treffe und einen Irrweg gehe. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mich wieder auf die Straße zurück bringt, die gut für mich ist. Er hat das bisher getan. Er wird das auch im neuen Jahr tun. Er spricht zu mir durch die Worte, durch die Stimme von Jesus. Und zu dir auch. Folgen wir ihm doch gemeinsam, dann sind wir in leichten und in schweren Zeiten auf einem guten Weg.

Gebet: Herr, ich vertraue darauf, dass du an meiner Seite durch dieses Jahr gehst und darauf achtest, dass ich mich nicht verliere. Und selbst wenn mein Weg in ein finsteres Tal führt, „fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir“. Amen

Herzliche Grüße
und behüt' Sie / dich Gott auf Ihren / deinen Wegen im neuen Jahr!


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 1. Januar 2016

Hinhören, hinschauen, wahrnehmen. ebl

Losung: Sie alle, vom einfachen Volk bis zu den Einflussreichen, wollen nur eines: Gewinn um jeden Preis! Auch die Priester und Propheten betrügen das Volk, weil sie seine tiefen Wunden nur schnell verbinden. ‚Es ist nur halb so schlimm, es wird alles wieder gut!‘ sagen sie. Nein, nichts wird gut! (Jeremia 6,13-14  nach der ‚Hoffnung für alle‘)

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich suche nicht, was mir, sondern was vielen dient, damit sie gerettet werden. (1.Korinther 10,33)


Liebe Losungsgemeinschaft,
bevor ich mir Jeremias Strafpredigt vornehme, wünsche ich uns allen erst einmal das Beste für das neue Jahr, das vor uns liegt! Gottes Segen, viele Anlässe zur Freude oder sogar Ausgelassenheit, Halt im Glauben in Krisenzeiten und eine Hand voll guter Freunde, auf die wir uns verlassen können.

Zu Jeremia nur soviel: Die Muster, die zum Niedergang einer Gesellschaft führen, bleiben einander immer irgendwie ähnlich. Was er den Leuten in Jerusalem vorgeworfen hat, ist auch 2016 von Bedeutung: Wo Menschen nur ihre eigenen Interessen sehen und die Gier das alles beherrschende Prinzip ist, da wachsen die Probleme in den Himmel. Wenn sich dann noch die Kirche damit begnügt, gefällige Predigten zu halten, statt die Probleme schmerzhaft deutlich beim Namen zu nennen, verschlimmert es die Schieflage noch.

Paulus schildert den Christen in Korinth bei der Frage nach einem gelingenden Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen die Lebenseinstellung, die ihn persönlich leitet: „Ich versuche, allen in jeder Beziehung gerecht zu werden. Dabei geht es nicht um mich, sondern darum, dass möglichst viele Menschen gerettet werden.“ Diese Einstellung spricht mich an, weil Paulus erst einmal hinhören und genau schauen und wahrnehmen möchte, um dem Einzelnen gerecht zu werden. Darin sehe ich auch eine prima Hilfe in der Herausforderung, viele Menschen verschiedenster Prägung in dem Jahr, das gerade erst begonnen hat, in unserem reichen Land zu integrieren. Hinhören, hinschauen, wahrnehmen. Und dann handeln.

Gebet: Herr, wir gehen mit dir ins neue Jahr. Du hast uns durch das alte begleitet und wir vertrauen auf deinen Schutz auch im neuen Jahr. Was auf uns zukommt, ahnen wir nur. Es gibt die dumpfen Hassprediger, aber sie dürfen nicht die Oberhand gewinnen, Herr. Wir werden als ganze Gesellschaft herausgefordert sein, Fremdes kennenzulernen, uns darauf einzulassen und Platz zu machen für Menschen, die daheim in Lebensgefahr waren. Nächstenliebe hat schon viel Positives in unserem Land bewirkt – hilf uns, bei dieser Haltung der Hilfsbereitschaft zu bleiben. Amen.


Auf ein behütetes Jahr 2016!
Deine / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr







Donnerstag, 31. Dezember 2015

Dein Reich komme. ebl

Losung: Für euch aber, die ihr mir treu gewesen seid, wird an diesem Tag die Sonne aufgehen. Sie wird euer Recht an den Tag bringen  und alle Wunden heilen.
Maleachi 3,20 nach der ‚Gute Nachricht Bibel‘

Lehrtext: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Matthäus 6,10


Liebe Leserin, lieber Leser,
die heutige Losung spricht ein Thema an, das sehr kantig ist: Es geht um die Vorstellung von Gottes Gericht über unsere Welt. Maleachi denkt sich das ganz schlicht so, dass Gott dann scharf unterscheidet zwischen denen, die sich an seinem Willen orientiert haben und denjenigen, denen Gott, salopp formuliert, völlig egal war. Die einen kommen an Gottes Seite (siehe Losung), die anderen „verbrennen wie Stroh“ (Maleachi 3, 19).

Was mache ich mit solchen Aussagen? Zwei Dinge kommen mir dazu spontan. Zum ersten: Zu lange wurde mit solchen Drohungen den Leuten, die in den Kirchenbänken saßen, Angst gemacht. Gott als der, der rechtet, der jedes Wort auf die Goldwaage legt und mich am Schluss unbarmherzig beurteilt. Was resultiert aus dieser Darstellung anders als ein schrecklicher Druck auf diejenigen, die Gottes Wort für ihr Leben ernst nehmen wollen?

Zum zweiten: Mit Jesus Christus sind die Karten vollkommen neu gemischt worden. Er ist derjenige, der mich ‚recht‘ macht in Gottes Augen. Er ist derjenige, der mir den Weg zu Gott über die Brücke der Vergebung baut.

Daher bitte ich heute Gott ohne Angst: „Dein Reich komme, Vater. Ich habe keine Angst davor, sondern ich freue mich darauf, wenn dein Wille, wenn dein Liebesgebot überall gilt. Dein Wille geschehe, denn er ist das Beste, was unserer Welt passieren kann. Geh du mit uns ins neue Jahr, Herr. Wir freuen uns auf das Schöne, das vor uns liegt und vertrauen darauf, dass wir das Schwierige mit dir schaffen werden. Amen.


Gottes Segen für dich – Gottes Segen für Sie!
Deine/Ihre
Elfriede Bezold-Löhr



  

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Wunden heilen. ebl

Losung: Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Psalm 147,3

Lehrtext: Am Abend brachten sie viele Besessene zu Jesus; und er trieb die Geister aus durch sein Wort und machte alle Kranken gesund.
Matthäus 8,16


Liebe Leserin, lieber Leser,
Jürgen ist noch keine sechzig Jahre alt, als seine Frau an einem Samstag Abend stirbt. Scheinbar völlig gesund, erleidet sie in ihrem Fernsehsessel einen Herzinfarkt. Der Notarzt kann für sich nichts mehr tun. Was dann für Jürgen folgt, nennt er heute im Rückblick die härteste Zeit seines Lebens. Alles schien zu Ende. Das gemeinsam Aufgebaute hatte plötzlich keinen Wert mehr. Was kann da noch trösten? Alkohol vielleicht? Oder die Ablenkung durch weite Reisen?

Eine Zeit lang war das Leben für Jürgen nur ein eisernes Durchhalten. Leben von einem Tag zum anderen, dableiben für die Kinder, die ihren Vater vielleicht doch noch brauchen könnten. Ganz langsam nur wurde es wieder heller um ihn. Es dauerte Monate, bis er wieder zum ersten Mal eine Einladung angenommen hat, ausgegangen ist und sich in fremder Gesellschaft wieder wohlgefühlt hat. Aber letztlich kommt Jürgen durch. Ist heute ein Mann, der das Geglückte seines Lebens wieder sehen kann und oft lacht. Das Vertrauen in Gott als denjenigen, der das letzte Wort über Leben und Tod hat, hat bei Jürgen die Oberhand behalten. Er macht um seinen Glauben keine großen Worte, doch sein stilles Vertrauen auf Gott und das Annehmen dessen, was einfach nicht mehr zu ändern ist, haben sein Herz wieder heilen lassen.

So erlebe ich Gott als ‚Arzt‘, wie die Losung ihn beschreibt. Den Allmächtigen, der seelisch und körperlich Schwerstkranke spontan heilt, habe ich noch nicht kennengelernt. Doch auch dem Herrn, der Wunden langsam heilen lässt, bin ich dankbar.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du Menschen hilfst, in Leidenszeiten nicht aufzugeben. Danke, dass du uns ermutigst und tröstest durch biblische Berichte, die von deiner Heilkunst erzählen. Lass unser Vertrauen in deine Möglichkeiten wachsen, Vater, wenn wir selber krank sind oder uns um Kranke sorgen, die wir lieb haben. Hilf uns, dass unsere Hoffnung auf dich nicht zerbricht – und zeige deine Macht als Arzt, Herr, wo wir dich darum bitten. Amen.



Herzliche Grüße aus Sommersdorf schickt dir und Ihnen
deine / Ihre
Elfriede Bezold-Löhr







Dienstag, 29. Dezember 2015

Begabungen hl

Losung: Gott gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand. Daniel 2,21

Lehrtext: Werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Epheser 5,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

was kann ein Kind für seinen begrenzten Verstand, das geistig behindert auf die Welt gekommen ist? Natürlich nichts. Und was kann ein brillanter Wissenschaftler, ein Physiker oder Philosoph, ein Chemiker oder Mediziner für seine tiefe Weisheit und seinen großen Verstand? Hm. Natürlich hat ein solcher Mensch hart gearbeitet, um große Leistungen zu vollbringen oder gar mit dem Nobelpreis geehrt zu werden. Er hat Abitur gemacht, ein Hochschulstudium abgeschlossen, promoviert und sich habilitiert. Doch mit Fleiß allein kann man in der Welt der Wissenschaft nichts Großes vollbringen. Dazu gehört auch eine große Begabung. Und wie das Wort schon sagt, ist Begabung nicht etwas, was man sich selbst verschaffen könnte, sondern was einem Menschen von Geburt an mitgegeben ist. Auch große Künstler wie Anna Netrebko, auch große Sportler wie Thomas Müller sind solche ‚Ausnahmebegabungen‘. Sie üben und trainieren hart, um an die Spitze zu kommen. Aber das Sprungbrett dazu ist ihre Begabung und Menschen, die sie dabei gefördert haben.
Zu allen Zeiten werden solche Stars hofiert und verehrt. Viele lassen sich das gern gefallen. Aber es gibt auch ein paar wenige, die bescheiden bleiben und darauf verweisen, dass sie für ihre Begabung dankbar sind, dass sie Gott dafür danken, statt alles als eigene Leistung auszugeben. David Alaba ist so einer.
Gleiches gilt auch einige Etagen tiefer für uns Normalsterbliche. Ein jeder von uns hat Begabungen mitbekommen, kann bestimmte Dinge besonders gut. Es ist schön, dass es so ist. Und man darf sich darüber durchaus freuen. Aber man darf dafür auch Gott danken.
Im Brief an die Epheser, im heutigen Lehrtext, werden die Christen damals, genauso wie wir heute, aufgefordert, verständig zu werden, zu verstehen, was der Wille des Herrn ist. Gleich darauf heißt es dann in der Bibel: »Seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.« Weisheit hat demzufolge auch mit dem Lebenswandel zu tun, damit, dass ich mich am Willen Gottes orientiere. So kann ich Irrwege vermeiden, die ich später womöglich bereuen muss.
Manch Großer, der mit seinem Ruhm nicht klar gekommen ist, ist über die eigenen Füße gestolpert: Elvis Presley, Michael Jackson, Amy Winehouse… Leistung und Begabung ist eben nicht alles. Ein gewisses Maß an Weisheit und Verstand hilft, mit dem eigenen Leben zurechtzukommen - erst recht, wenn mir bewusst ist, wem ich es verdanke und wem gegenüber ich verantwortlich bin.

Gebet: Herr, bewahre mich vor Hochmut und Undankbarkeit, damit ich dich nicht aus dem Auge verliere und mich nicht in meinem Leben verirre. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 28. Dezember 2015

Ab in den Alltag. ebl

Losung: Wir wollen dem HERRN, unserm Gott, dienen und auf ihn hören.
Josua 24,24

Bleibt fest und unerschütterlich in eurem Glauben! Setzt euch mit aller Kraft für den Herrn ein, denn ihr wisst: Nichts ist vergeblich, was ihr für ihn tut.
1.Korinther 15,58

Liebe Losungsgemeinschaft,
ich bin froh, dass sich nach den Feiertagen diese sogenannte ‚Zeit zwischen den Jahren‘ anschließt. Da räume ich ein bisschen im Büro auf und denke langsam in Richtung Silvesterpredigt. Doch diese Zeit genieße ich auch, um die Eindrücke und Anstöße des Heiligen Abends und der Feiertage zu verarbeiten. Ich freue mich noch immer an dem Wiedersehen mit so manchem, den ich längere Zeit nicht gesehen hatte und dem doch die Verbindung zur Gemeinde – und letztlich hoffentlich zu Gott als dem, der uns zusammenbringt, am Herzen liegt.

Wir haben in den letzten Tagen wieder neu begriffen, dass Gott um unsretwillen Mensch geworden ist und sich für ein Leben mit uns entschieden hat. Jetzt ist es dran, dass wir unser alltägliches Leben langsam wieder aufnehmen und dieses Wunder möglichst oft durchscheinen lassen. Tauchen wir wieder aus dieser ganz besonderen Zeit auf und leben unseren Glauben alltäglich. Wie zu Lebzeiten von Paulus kann uns auch heute die Gemeinschaft von Christinnen und Christen helfen, an diesem Vorhaben dranzubleiben und im Glauben persönlich zu wachsen.

Gebet: Herr, wir danken dir für viele Gottesdienste im ganzen Land, in denen du in den letzten Tagen intensiv zu Wort gekommen bist. Halte die Gedanken, die wir von dort mitgenommen haben, auch im Alltag in uns wach. Lass uns in unseren Gemeinden zusammenwachsen, damit wir eine gesunde und tragfähige Gemeinschaft entwickeln können, die Platz für ganz unterschiedliche Leute bietet. Danke, Herr. Amen.


Einen guten Start in diese neue Woche, die ja durch den Neujahrstag wieder ‚versüßt‘ wird.

Ihre / eure Elfriede Bezold-Löhr







Sonntag, 27. Dezember 2015

Sich die Weihnachtsfreude nicht verderben lassen hl

Losung: Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Jesaja 49, 13.

Liebe Leserin, lieber Leser,

rühmet, was heute der Höchste getan!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!

So beginnt das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Und so konnte man es vor und an Weihnachten viele Male weltweit hören. Ist Ihnen / dir auch nach Jauchzen und Frohlocken zumute oder eher nach Zagen und Klagen? Gründe dafür, das Jauchzen sein zu lassen, gibt es genug und hat es schon immer gegeben: Zur Zeit der Bibel, als Jesus in Bethlehem geboren wurde, zur Zeit von Johann Sebastian Bach und in unserer Zeit. Und du kannst deine persönlichen Gründe beisteuern, wenn du das möchtest.
Du kannst aber auch trotzalledem in diesen wunderbaren Auftaktchor des Weihnachtsoratoriums einstimmen und mitsingen oder mitsummen oder dich wenigstens mitnehmen und mitreißen lassen von dieser herrlichen Musik.
Ich jedenfalls, liebe Leserin, lieber Leser, lasse mir die Weihnachtsfreude nicht verderben, erst recht nicht von mir selbst. Ich halte daran fest, was das Bibelwort für den Monat Dezember 2015 sagt, dass Gott seine Menschen tröstet und sich derer erbarmt, denen es nicht gut geht. Ich hab's ja selbst immer wieder erlebt, wie er mich aus mancher Verzweiflung wieder herausgeholt und getröstet hat. Meistens fing das ganz leise und unmerklich an. Doch dann habe ich gespürt: Jetzt hat sich bei dir etwas geändert. Du hast das Tief überwunden. Besser gesagt: Er hat mein Tief überwunden.
Und was für mich im Kleinen gilt, gilt auch für die Welt im Großen und Ganzen. Auch der Krieg in Syrien wird ein Ende haben. Die Menschen werden in ihrer Heimat bleiben und viele werden wieder dorthin zurückkehren. Natürlich kann ich auch das Gegenteil behaupten und sagen, dass alles immer nur noch schlimmer wird. Aber damit mache ich nichts besser.
Ich vertraue auf den Frieden stiftenden Geist von Weihnachten, auf den Geist der Versöhnung. Er geht von dem Jesuskind im Stall aus mehr als aus allen Regierungssitzen und -palästen dieser Erde. Aber manchmal wird auch jemand, der Regierungsverantwortung hat, von diesem Geist angesteckt und geht einen neuen Weg.

Gebet: Herr, auch wenn die Nacht noch finster ist, wird es doch Tag werden. Auch wenn die Waffen noch lärmen, müssen sie doch eines Tages schweigen. Auch wenn ich unglücklich bin, wirst du doch mein Unglück wenden. Denn du lässt mich nicht in Stich und auch nicht diese Welt, die du geschaffen hast. Dafür bürgt das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz, Jesus, die Hoffnung der Welt. Dafür rühme ich dich und bin fröhlich über dir, mein Gott. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 26. Dezember 2015

Unverzichtbare Bibelkritik hl

LosungDer Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen. Jeremia 8,7

Lehrtext: Wir sollen desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Hebräer 2,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute ist in besonderer Weise das Nach-Denken über die Bibel gefragt. Vielleicht ist ja dafür am zweiten Weihnachtsfeiertag ein bisschen Zeit:

Was ist »das Wort, das wir hören« und auf das wir achten sollen, wie es im Lehrtext heißt? Für einen gläubigen Christen ist es immer ein und dasselbe Wort, das ihm nur in verschiedenen Gewändern erscheint. Und dabei kommt es nicht so sehr auf die Gewänder an, sondern darauf, was bzw. wer in ihnen steckt.
Von dem Wort, das wir hören, von dem einen, alles entscheidenden Wort, neben dem alle anderen Worte nichtssagend sind, heißt es im Johannesevangelium: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alle (!) Dinge sind durch dasselbe gemacht.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Wort ward Mensch (Fleisch) und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.« (Johannes 1)
Jesus Christus ist dieses eine Wort Gottes. Alle anderen Worte der Bibel sind seine Gewänder. Sie haben nur dann eine Bedeutung, wenn sie durchscheinend sind auf ihn, wenn ich ihn in diesen Worten finde: Seine Liebe, seine Wahrheit, seine Barmherzigkeit, seine Vergebung und seinen Anspruch. Als Christ lese ich die Bibel deshalb anders denn als Jude, Moslem oder Atheist.

Martin Luther hat es so ausgedrückt: »Darin stimmen alle rechtschaffenen (biblischen) Bücher überein, dass sie allesamt Christum predigen und treiben. Auch ist das der rechte Prüfstein, alle Bücher zu tadeln (kritisieren), wenn man sieht, ob sie ihn, Christum, treiben (zum Vorschein bringen) oder nicht. Sintemal (zumal) alle Schrift (die ganze Bibel) Christum zeiget und der Apostel Paulus nichts denn Christum wissen will. Was ihn, Christum,  nicht lehret, das ist nicht apostolisch (die reine Lehre der Apostel), wenns gleich S. Petrus oder Paulus lehret. Wiederum, was ihn, Christum, prediget, das wäre apostolisch, wenns gleich Judas, Hannas, Pilatus oder Herodes lehrt

Ich meine, es lohnt sich, diesen Satz Luthers genau zu lesen und ihn sich einzuprägen, dann hat man einen Maßstab, wie man als evangelischer Christ die Bibel verstehen soll. Dann lässt du dich von anderen, die anderes sagen, nicht so leicht verunsichern. Doch dazu gehört, dass ich Jesus kenne, das, was er gesagt hat, und was im Neuen Testament, besonders in den Evangelien von ihm berichtet wird. Man findet nicht in jedem Bibelwort Jesus wieder. Deshalb hat Luther zum Beispiel den Jakobusbrief nicht gemocht. Deshalb sind viele Gesetze und Bestimmungen besonders aus dem Alten Testament für uns ohne Bedeutung.

In der heutigen Tageslosung ist vom „Recht des Herrn“ die Rede. Christus ist in seiner Person auch das „Recht des Herrn“. Besonders deutlich wird das an dem Gebot, Gott und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst. Es findet sich bereits im Alten Testament und Jesus hat es später an die erste Stelle aller Gebote gesetzt.
Storch, Turteltaube, Kranich und Schwalbe haben den natürlichen Instinkt, zu tun, was für sie wichtig ist. Wir Menschen haben einen solchen Instinkt in Bezug auf Gott und sein Wort nicht. Wir müssen uns immer wieder neu entscheiden, ob wir sein Wort hören und es wissen wollen; ob wir auf Jesus vertrauen und ihm folgen wollen, durch den uns Gott begegnet.

Gebet: »Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege« (Psalm 119,105). Amen

Herzliche Grüße und einen ruhigen, besinnlichen zweiten Weihnachtsfeiertag!


Ihr / dein Hans Löhr

Ergänzung:
These 1 des Barmer Bekenntnisses von 1934: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen
.“

Freitag, 25. Dezember 2015

Die Hauptperson an Weihnachten hl

Weihnachtspredigt von Hans Löhr Lesung = Predigttext: Lukas 2,15-21. 

Liebe Gemeinde,

wer sind eigentlich für Gott die Hauptpersonen an Weihnachten? Die Engel? Die heiligen drei Könige? Maria und Josef? - Die Hirten sind‘s, jene Männer, die damals in der Nacht von Bethlehem auf dem Feld die Schafe hüteten.

Für sie hat Gott seinen Sohn Jesus auf die Welt kommen lassen.
Für sie hat er die Engel singen lassen: »Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren, euer Retter, der König und Herr der Welt«.
Und jetzt frage ich euch: Seid auch ihr bereit mit den Hirten zum Stall von Bethlehem zu gehen, zum Jesuskind?

Seid auch ihr bereit, heute mal so etwas wie jene Hirten zu sein, ganz normale Leute, die in der Welt nicht so viel gelten, die aber ein Herz haben für das Kind in der Krippe?

Denn die Botschaft der Engel gilt auch für euch, für jeden einzelnen: »Dir ist heute der Heiland geboren als Zeichen, dass Gott dich liebt.« Das ist die Nachricht des Tages.

Soweit ist alles bekannt. Aber wer die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel genau hört, dem fällt vielleicht etwas auf. Der entdeckt, dass auf vielen Bildern und in vielen aufgebauten Krippen in den Kirchen und wo auch immer, etwas dargestellt wird, was so in der Bibel nicht steht.

Die Hirten-Figuren in den Krippen sind’s. Mit ihnen stimmt was nicht.  In der Bibel steht: Die Hirten sehen sich das Kind an und reden von dem, was ihnen die Engel erzählt haben. Das war's auch schon. Mit keinem Wort ist davon die Rede, dass sie dem Jesuskind Geschenke gebracht oder gar vor ihm gekniet und es angebetet hätten wie das Sklaven tun.

Ist das so wichtig? Ich denke schon. Für mich ist das ein Hinweis, dass Gott in diesem Kind zur Welt gekommen ist, nicht um sich dienen zu lassen, wie es die Herren dieser Welt tun, sondern um uns zu dienen.

»Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein« heißt es in einem alten deutschen Weihnachtslied. Und als Jesus erwachsen geworden war, sagt er selbst: »Ich bin nicht gekommen, um mir dienen zu lassen, sondern damit ich diene und mein Leben hingebe für viele.«

Anders gesagt: Alles, was von Jesus in der Bibel erzählt wird, seine Geburt, sein Leben, sein Sterben und Auferstehen hat nur einen einzigen Zweck und der bist Du. Für dich ist das alles geschehen – für wen denn sonst? Für die Mächtigen und Reichen, für die Stars und Berühmtheiten? Ja, auch für sie, wenn sie sich demütig in die Schar der Hirten einreihen möchten.

Doch erkennbar ist Gott zu allererst den kleinen Leuten erschienen, denen, die sonst immer hinten anstehen.  Denen man über Steuern und Abgaben das Geld aus der Tasche zieht. Die von den Gerissenen an den Hebel der Macht, in den Chefetagen der Konzerne und Banken übers Ohr gehauen werden. Die es als erste auszubaden haben, wenn die Regierung versagt. Für die kleinen Leute, für die Hirtenmenschen, wenn ich mal so sagen darf, ist es zuallererst Weihnachten geworden - damals in Bethlehem und heute da, wo du bist.

Vielleicht ist es ja so, dass Gott in diesen Tagen zu seinen Engel sagt: „Los, lasst uns den Menschen auf der Erde dienen, nicht nur den großen, nicht nur den braven. Du Engel gehst zu denen, die die Ehe brechen und du zu denen, die immer wieder mal lügen. Du gehst zu denen, die dauernd Streit suchen. Du gehst zu denen, die rücksichtslos sind. Du zu den Lieblosen und Gleichgültigen. Du zu Geizigen und Egoisten. Du gehst zu den Atheisten und du zu den Scheinheiligen. Und ihr restlichen Engel geht zu den Schlimmsten, zu den vielen, die glauben etwas Besseres zu sein als andere Menschen, zu den Eingebildeten, den Selbstgefälligen und Selbstgerechten, die abfällig über andere reden und sie herabsetzen, um auf ein bisschen größer zu erscheinen.“

Da sagen dann die Engel: „Warum ausgerechnet zu denen, zu diesen Menschen? Hast Du nicht angenehmere Kundschaft für uns?“ 

Und Gott antwortet: „Ihr fragt warum? Es gibt keine anderen. So sind sie nun mal die Menschen. Alle. Auch die Präsidenten, Kanzler, Minister und Konzernchefs sind so, auch die Professoren und Doktoren und ebenso die Pfarrer und Pfarrerinnen, auch die Bischöfe, die Mönche und Nonnen, auch der Papst, auch die, die jetzt im Gottesdienst sind und die dort predigen. Sie alle sind so. Ich kenne sie alle. Ich sehe ihnen allen ins Herz.

Doch, ihr Engel, hört gut zu, sie sind auch meine Kinder. Sollen wir sie denn den Mächten der Finsternis überlassen? Sollen wir sie verloren geben, ausgerechnet an Weihnachten?

Wisst ihr Engel noch, was ihr damals bei der Geburt meines Sohnes den Hirtenmenschen gesagt habt? »Fürchtet euch nicht, siehe ich verkündige euch große Freude, die allen Menschen widerfahren wird, allen, ohne Ausnahme! Denn für euch ist heute der Retter geboren, Christus, nicht als Belohnung, sondern weil ihr ihn braucht.«

Das habt ihr Engel damals in Bethlehem gesagt und das gilt noch heute. Denn überall, wo jetzt Weihnachten gefeiert wird, sind Menschen, die diese Botschaft brauchen. Niemand soll über diese Erde gehen, der nicht hört dass ich, Gott, ihn liebe. Und noch eins, ihr Engel. Ich habe meinem Sohn einen Namen gegeben: Jesus, das heißt: Gott hilft! Nun wollen wir gemeinsam diesem Namen Ehre machen und tun, was er bedeutet.“ -

Ja, liebe Freunde, ich meine gerade heute am Weihnachtstag spricht Gott so zu seinen Engeln, damit er im Namen seines Sohnes Jesus uns dient, jedem so, wie er’s braucht. Von dir aber will er nur das Eine, dass du ihm vertraust und seine Hilfe annimmst.

Wer ist eigentlich für Gott die Hauptperson an Weihnachten? Damals in Bethlehem waren das die Hirten. Heute bist es du! Denn du bist der Mensch, der ihm am Herzen liegt und für den Jesus geboren ist.

Frohe Weihnachten! 

Amen

Glaubensgefühle hl

Losung: David aber und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten. 1.Chronik 13,8

Lehrtext: Die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Lukas 2,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Leben ohne Gefühle ist kein Leben. Und dasselbe gilt auch für den Glauben. Schon immer drücken Menschen ihre Glaubensgefühle durch Musik, Lobpreis ja sogar Tanz aus. Wir in Franken tun uns mit dem Tanzen zu Gottes Freude schwer. Bestenfalls wiegen wir uns ein bisschen im Takt. König David und die Israeliten aber tanzten mit Hingabe (Losung), so wie auch heute noch die Menschen in den schwarzen Kirchen der USA. Die Filme „Sister Act“ oder „Blues Brothers“ geben einen kleinen Einblick.
Dass unsere Kirchen so steif sind, bekommt dem Glauben nicht gut. Er droht, eingezwängt in einen traditionellen Agende-1- Gottesdienst, zu verkümmern. Doch Gott sei Dank gibt es eine Gegenbewegung. Die Hillsong-Gemeinden, die in Australien entstanden sind und in aller Welt wie Pilze aus dem Boden schießen, feiern Konzert-Gottesdienste in großen Hallen mit hunderten, ja tausenden von jungen Leuten und einer Musik, die Menschen tief berührt und von den Sitzen reißt. Hier zwei Beispiele.
Ach wie sehne ich mich danach, dass Gottes Geist auch unsere Gemeinden wieder belebt und Menschen, ob jung oder alt, sich neu begeistern können für unseren wunderbaren Gott  und dass wir in unserem Land mehr als nur eine schwache Ahnung davon haben, warum wir an Weihnachten Gott mit den Hirten loben und preisen. Ich jedenfalls weiß keine andere Hoffnung für mich und die Welt als Jesus, das Kind im Stall und den Mann am Kreuz.

Gebet: Herr, berühre du heute mein Herz, dass ich tief in mir deine Liebe empfinde und deinen Frieden spüre. Denn ich bin dein und du bist mein. Amen

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten!

Ihr / dein Hans Löhr


Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. Sie werden auch in einem Internet-Blog veröffentlicht (klick): Nachdenken über die Bibel

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Retter im Nebel hl

Losung: Eure Sünden haben des HERRN Angesicht vor euch verdeckt, so dass er nicht hört. Jesaja 59,2

Lehrtext: Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Matthäus 1,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich wünsche Ihnen und dir einen besinnlichen Heiligen Abend. Es wäre schön, wenn heute diese Botschaft der Engel durch Stress,  Erwartungsdruck und Trubel zu dir durchdringen könnte: »Denn euch, denn dir ist heute der Heiland (Retter) geboren, welcher ist Christus, der Herr.« Du findest ihn in dir. Da steht seine Krippe heute. Da will er zur Welt kommen.
Aber noch ist es im Lehrtext nicht so weit. Zuerst muss noch Josef auf die bevorstehende Geburt vorbereitet werden. Auch er soll erfahren, was sich da nun bald ereignen wird. Und damit kein Missverständnis aufkommt, wird die Wahl des Namens für das Kind nicht Menschen überlassen. Gott selbst hat den Namen für seinen Sohn ausgesucht, denn dieser Name ist Programm: Jesus – auf Deutsch: „Gott hilft!“
Und das heißt doch: Ich bin mir nicht selbst überlassen. Ich irre nicht ziellos umher im Nebel meiner Sünden (Losung), meines Versagens, meines Zweifels. Gott selbst kommt in Jesus durch diesen Nebel zu mir, zu dir, damit es hell wird und wir im Gesicht des Sohnes die Liebe des Vaters erkennen (Losung).
„Gott hilft!“ – Nimm diese Botschaft, nimm ihn, der so heißt aus den Weihnachtstagen mit ins neue Jahr hinüber. Er soll dich begleiten durch gute und durch schlechte Zeiten!

Gebetslied über Jesus, die Christ-Rose:

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß,
mit seinem hellen Scheine
vertreibt's die Finsternis:
Wahr' Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

Frohe Weihnachten!

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Liebe stärker als Stolz hl

Losung: Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist. Jesaja 65,2

Lehrtext: Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Lukas 15,20-21

Liebe Leserin, lieber Leser,

‚Sollen sie doch in ihr Unglück laufen, wenn sie so verbohrt und eigensinnig sind!‘ – So würden wohl nicht wenige Menschen von solchen denken, die nicht hören wollen. Vielleicht würde auch ich so denken, wenn ich Gott wäre. Bin ich aber nicht. Gott sei Dank.
Gott sei Dank ist Gott kein Mensch. Ihn kann man nicht beleidigen. Seine Liebe ist stärker als sein Stolz. Und wenn es darum geht, barmherzig zu sein, ist ihm seine Würde egal. Dann rennt er seinem unglücklichen Menschenkind entgegen, statt wie ein Ölgötze mit verschränkten Armen auf seinem Thron sitzen zu bleiben.
Davon erzählt Jesus in seinem Gleichnis vom ‚Verlorenen Sohn‘. Und der heutige Lehrtext-Vers daraus ist für mich auch der wichtigste. In den meisten Predigten, Auslegungen und Erklärungen wird allerdings folgender Satz hervorgehoben: »Da ging er (der eigensinnige Sohn) in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!  Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße
Genau genommen will er seinem Vater nicht die Wahrheit sagen. Er schiebt als Motiv seiner Heimkehr ein Sündenbekenntnis vor, wo er doch eigentlich nur sagen will: „Vater, ich habe Hunger.“
Dem Vater ist es egal, aus welchem Grund sein Sohn heimkommt. Es jammert ihn, er hat Mitleid als er die Elendsgestalt sieht, die doch sein Sohn ist und bleibt. Und so geht, nein, so rennt (!) er ihm entgegen, fällt ihm gleich um den Hals und küsst ihn, noch bevor der Sohn irgendeine Erklärung sagen kann.
Eigentlich müsste man Jesus wegen dieser Geschichte aus der Kirche ausschließen. Denn so geht es doch nicht! Wo bleibt denn da die Moral? Wo bleiben Reue und Zerknirschung? Selbsterniedrigung und Sündenstrafen? Dazu setzt er dem Ganzen die Krone auf, weil seine Geschichte ein Gleichnis für Gott selbst ist; dafür, wie er sich zu denen verhält, die sich ihm gegenüber unmöglich benommen haben.
Nun ja, auch deshalb wurde Jesus von den Religionsführern seiner Zeit ans Kreuz gebracht. Dostojewski und sein Großinquisitor lassen grüßen! [Hier die Geschichte zum Nachlesen]
Fazit von Losung und Lehrtext heute: Statt beleidigt die Arme zu verschränken, streckt Gott wehmütig seine Hände nach dir aus, wenn du ihn verlässt und eigene Wege gehst, die nicht gut für dich sind. Und er geht, nein, er rennt dir entgegen, sobald du einen Schritt auf ihn zu tust. Dieser Gott ist an Weihnachten Mensch geworden für dich und für mich und für alle anderen auch.

Gebet: Himmlischer Vater, du hast alles für mich getan, was gut für mich ist. An dir liegt es nicht, wenn ich falsche Entscheidungen treffe und in mein Unglück renne. Es liegt an mir, mich darauf zu besinnen, dass ich dein Kind bin und bleibe und darauf zu vertrauen, dass ich dir jederzeit willkommen bin, jederzeit und unter allen Umständen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Wie Christus hl

Losung: Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben. 3.Mose 19,33

Lehrtext: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Römer 15,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

in jedem Land der Erde leben Fremde, Ausländer. Zurzeit sind viele von ihnen Flüchtlinge. Ich weiß, dass das nicht wenigen unter uns Sorgen macht, manchen auch Angst: Was wird das wohl für unser Zusammenleben bedeuten? Wie wird das weitergehen? Welche Schwierigkeiten kommen da möglicherweise auf uns zu?
Solche Fragen sind berechtigt. Und alle, die Verantwortung tragen und die sich engagieren, sind aufgerufen, das Beste aus der Situation zu machen. Aber trotz aller Bedenken: Es ist nun einmal so, dass die Gebote Gottes und die darauf basierenden Gesetze unseres Landes in dieser Sache eindeutig sind.
Aufgrund der katastrophalen Erfahrung mit dem Nationalsozialismus wurde 1948 auch das Grundrecht auf Asyl in das Grundgesetz aufgenommen. Von der Bibel an bis in das heute geltende Recht genießen Fremde, Angehörige von Minderheiten und Flüchtlinge einen gewissen Rechtsschutz. Sie zu denunzieren oder gar zu unterdrücken (Losung) verbietet sich deshalb von selbst. Sie sind ebenso Gottes Geschöpfe und Kinder wie ich, mit gleicher Würde und gleichem Lebensrecht.

Eines der zentralen Gebote für uns Christen steht im Brief des Apostels Paulus und im heutigen Lehrtext. Es ruft mich auf, andere anzunehmen, nicht nur Angehörige oder Freunde, sondern, wie es Jesus Christus getan hat, auch Fremde, Kranke, Menschen mit zweifelhaftem Ruf und Alte…
Das ist eine echte Herausforderung, die einem durchaus etwas abverlangt. Aber so sind nun einmal die Gebote der Bibel. Sie helfen, dass grundverschiedene Menschen zusammen leben können und der Frieden in unseren Familien und in unserer Gesellschaft gewahrt bleibt. Dazu ermutigen uns auch die Weihnachtsengel, die damals in Bethlehem gesungen haben und für diejenigen, die dafür Ohren haben, auch heute noch singen: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!«

Gebet: Herr, ich danke dir für die vielen Menschen in unserem Land, die trotz aller Mühen und Probleme sich den Flüchtlingen zuwenden, um ihnen bei uns ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Denn mit jedem, den wir hier aufnehmen und annehmen, nehmen wir dich bei uns auf. Segne du alles Bemühen und allen Einsatz für die Menschen in Not, sie seien Einheimische oder Fremde. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr