Sonntag, 17. September 2017

Vom Tränenkrug zum Trostkrug hl

Losung: Ich will rühmen Gottes Wort. Ich will rühmen des HERRN Wort. Psalm 56,11 

LehrtextJesus spricht: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Johannes 6,63 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Gott wohl gesagt hat, dass David in der heutigen Losung sein Wort „rühmt“, sich darüber freut? So wie ich die Bibel kenne, könnte er gesagt haben: 
     »Ja, David, du bist zwar König, aber noch immer ein Mensch. Dazu gehört alles, was dein Leben reich hell und schön macht. Dazu gehört aber ebenso, dass es auch für dich in dieser Welt ohne Leiden und Angst, ohne Schmerzen und Enttäuschung, ohne Trauer und Versagen nicht abgeht. Frage nicht, warum das so ist. Du wirst die Antwort noch nicht verstehen. Was auch immer du erlebst, es ist, was es ist. Und ob du es glaubst oder nicht, du findest darin meine Liebe. Du findest sie nicht nur in den frohen Tagen. Du findest sie auch in der Finsternis. Gerade da wirst du mein Licht sehen, das dich tröstet und sagt: ‚Keine Angst, ich bin da!‘ Gerade wenn du schwach und am Boden bist, wirst du meine Kraft spüren.«
     So spricht Gott aus den Worten der Bibel auch zu dir. Darüber können wir uns heute noch freuen. Doch anders als David kannst du wissen, dass er sein Wort bereits eingelöst hat. „Jesus“ heißt dieses Wort, mit dem sein Versprechen für dich in Erfüllung gegangen ist. Bist du bereit, es zu hören und dich darauf zu verlassen?.
     David hat sich darauf verlassen und hat unmittelbar vor unserer heutigen Losung zu Gott gesagt:»Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. Das weiß ich, dass du mein Gott bist. Auf dich hoffe ich und fürchte mich nicht.« (Psalm 56,10)
     Was für ein schönes Bild! Gott kommt zu den Traurigen und sammelt ihre Tränen. Keine Träne soll umsonst geweint sein. Kein Kummer soll vergeblich gewesen sein. Er hat sie alle gesammelt und sammelt sie noch, die Tränen deiner Kindheit und Jugendzeit, die heimlichen und verstohlenen Tränen, die du als Erwachsener weinst. Jede einzelne ist gezählt! Er allein weiß, warum du sie geweint hast. Und er wäre nicht unser warmherziger Gott, wenn ihn das nicht berühren würde. Wenn er nicht auch das eine oder andere Mal mit dir zusammen weinen würde über deinen Kummer und dein Leid. Wie auch Jesus geweint hat um uns Menschen und das, was uns erschüttert und was wir uns selbst und einander antun.
     Doch dabei bleibt es nicht. Wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt, so verwandelt der dreieinige Gott das Wasser der Tränen in den Wein des Trostes. Aus dem Tränenkrug wird das "Herzkrüglein", von dem mitten im 30jährigen Krieg Johann Heermann gedichtet hat:
.....
Du (Jesus Christus) bist die lebendige Quelle, 
zu dir ich mein Herzkrüglein stelle.
Lass mit Trost es fließen voll,
so wird meiner Seele wohl.
     Alte Worte aus alter Zeit. Und doch berühren sie auch heute noch den, der ihnen nachlauscht und sie in sich nachklingen lässt. Ich glaube, auch die Worte der Bibel wären längst nur noch jenen bekannt, die sich für antike Schriften interessieren, wenn sie nicht das wären, was Jesus sagt: „Geist und Leben“ (Lehrtext). Sie bewegen heute noch die Herzen vieler Menschen, weil sie die Kraft haben zu trösten und aufzurichten.

Gebet: Herr, dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet (Psalm 119,105). Es ist wie der Morgenstern, der den Tag ankündigt, obwohl es noch finster ist. So schenkst du mir neuen Lebensmut. Darüber freue ich mich und darauf verlasse ich mich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 16. September 2017

Wie wir beten können hl

LosungSei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein. Prediger 5,1 

LehrtextHerr, lehre uns beten. Lukas 11,1 

Liebe Leserin, lieber Leser,

betest du? Betest du auch frei oder sprichst du immer wieder dieselben Gebete, die du mal als Kind gelernt hast? 
     Ich habe mitbekommen, dass sich mehr Menschen als man denkt nicht frei zu beten trauen. Sie wissen nicht, wie das geht. Sie haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Sie schämen sich deswegen vor Gott. Und wenn sie dann überhaupt beten, sprechen sie solche Gebete wie „Breit aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude“ oder „Müde bin ich geh zur ruh, schließe meine Augen zu“ oder auch das Vaterunser... 
     Gegen solche Gebete ist nichts einzuwenden. Habe ich sie doch selbst lange Zeit gebetet. Aber dabei läufst du Gefahr, dass du sie bald nur noch mechanisch abspulst und gar nicht mehr weißt, was genau du eigentlich betest. Und dann versäumst du, dass Gott bereits etwas zu deinen Gunsten tut, während du ihn noch darum bittest.
     Darum möchte ich dir Mut machen, mit deinen eigenen Worten zu beten und Gott das zu sagen, was du auf dem Herzen hast: Deinen Dank für das, was in deinem Leben gut ist und deine Bitten für das, was dir wichtig ist. Fang einfach damit an. Auch wenn du stecken bleibst, dich versprichst oder stammelst – Gott ist nicht dein Deutschlehrer, sondern dein Vater. Er freut sich über jedes deiner Gebete. Und sei beim Beten bloß nicht zu bescheiden! Geh groß ran. Bitte gegebenenfalls auch für das, was im Augenblick noch unmöglich scheint. Gott freut sich auch darüber, wenn du ihm Großes, ja Unmögliches zutraust.
     Was von der heutigen Losung ist mir nur der letzte Satz wichtig. In einer neuen Übersetzung heißt sie: »Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten!« Ja, beim Beten muss man nicht viele Worte machen. Jesus sagt, dass Gott sowieso schon weiß, was man braucht. Deshalb genügt es ihm zufolge, dass man so lange und so viel betet wie ein Vaterunser (Lehrtext). 
     Doch nicht einverstanden bin ich damit, dass man erst nachdenken soll, bevor man betet. Natürlich soll man mit Herz und Hirn beten. Soll klar werden, worum man bittet, wofür man sich bedankt. Und je genauer ich sagen kann, was ich von Gott will, desto besser kann er darauf eingehen. Doch bevor man vor lauter Nachdenken überhaupt nicht zum Beten kommt, ist es besser, einfach mal anzufangen. Ich habe die gleiche Erfahrung wie der Apostel Paulus gemacht, wenn er im Brief an die Römer schreibt: »(Manchmal) wissen wir nicht, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt! Deshalb tritt Gottes Geist für uns ein.« (Römer 8,26) Ja, manchmal muss mir Gott selbst noch beim Beten helfen. Und er tut es dann auch.

Gebet: Herr, wenn einer weiß, was ich brauche und was mir gut tut, dann du. Darum wende ich mich mit meinen Anliegen auch an dich. Ich müsste das nicht, weil du sowieso für mich da bist. Aber wenn ich bete, fühle ich mich dir besonders nahe. Dann wird mir klar, was genau ich von dir will und welchen Beitrag ich selbst dazu leisten kann. Du hast es nicht nötig, dass ich zu dir bete. Du brauchst auch mein Lob und meinen Dank nicht. Aber ich. Denn meine Gebete sind wie Inseln im Strom der Zeit, wo ich mich ausruhen kann und darauf besinnen, wie es weitergeht. Wo ich mich vergewissere, dass ich nicht allein unterwegs bin, sondern du mich begleitest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 15. September 2017

Sprudelnde Quelle, leises Klopfen hl

LosungVersiegen die laufenden Wasser aus sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen. Jeremia 18,14-15 

LehrtextSiehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer immer auf meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und das Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir. Offenbarung 3,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist ein Christ? 
Eine Quelle ist eine Quelle, wenn Wasser aus ihr hervorquillt. Manche Quellen sprudeln seit Menschengedenken. Andere versiegen in trockenen Zeiten, manchmal für immer. Dann sind sie keine Quellen mehr.
Ein Christ ist ein Christ, wenn aus ihm Vertrauen zu Gott quillt, der ihm in Jesus begegnet. Ein Papier, eine Computerdatei, eine Konfession macht einen Menschen zu einem Kirchenmitglied. Aber erst sein lebendiger Glaube, sein Gottvertrauen macht ihn zu einem Christen. 
Ein Mensch ist ein Christ, wenn er sich von Gott geliebt, gesegnet und behütet weiß und anderen als ein solcher begegnet: freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend. Wenn er das, was andere ihm Gutes tun sollen, ihnen zuerst tut.
Ein Christ ist ein Mensch mit Schwächen, der in seinem Christsein immer wieder einmal versagt und sich das auch eingesteht. Der deshalb aber nicht verzweifelt, sondern aus Gottes Vergebung lebt und neu anfängt.
Ein Mensch ist kein Christ mehr, wenn sein Gottvertrauen und sein Glaube versiegen und im Sand der Zeit versickern.
Aber er bleibt ein Kind Gottes, von ihm geschaffen, von ihm geliebt, von ihm gefunden. Denn Gottes Liebe hängt nicht von meiner Glaubenskraft ab. 
Gottes Geschöpfe bleiben seine Geschöpfe. Gottes Volk bleibt sein Volk (Losung). Ich bleibe sein Kind, sein Sohn, und du auch. 
Denn Gottes Treue bleibt Gottes Treue.
Doch er drängt sich mir nicht auf. Er klopft an die Tür meines Herzens. Er sagt: „Ich bin's!“
Ich rege mich über etwas schrecklich auf. Er klopft.
Ich habe Angst. Er klopft.
Ich bin im Stress. Er klopft.
Ich habe Kummer. Er klopft.
Ich benehme mich daneben. Er klopft...
Ich überhöre sein Klopfen. Immer wieder. Bin zu beschäftigt mit mir selbst. Höre zu viel auf den "Lärm der Welt". Und dann höre ich es doch. Nicht immer. Viel zu selten. Aber ab und zu. Und ich höre, wie er sagt: „Ich bin's. Mach auf! Was nimmst du dir das alles so zu Herzen? Ich bin doch da und helfe dir.”
Wer ist ein Christ? Wer nicht alles mit sich allein ausmachen muss, sondern darauf vertraut, dass Gott da ist.“

Gebet: Herr, du bist die Quelle allen Lebens. Die Quelle meines Lebens und meines Glaubens. Aus dir, von dir, mit dir und in dir lebe ich. Manchmal dürste ich nach Trost wie in der Wüste nach Wasser, dürste nach Lebensmut und Zuversicht. Manchmal suche ich danach an den falschen Quellen, deren Wasser ungesund sind und versiegen. Aber sobald ich dich wieder höre, lebe ich auf. Amen

Herzliche Grüße  

Hans Löhr

Donnerstag, 14. September 2017

Er hat das letzte Wort hl

LosungMeine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16 

LehrtextLasst uns wachen und nüchtern sein. 1.Thessalonicher 5,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Zeit und alle Zeit – wer hat sie in der Hand? Wer hat darüber bestimmt, wann sie begonnen hat und wer wird darüber bestimmen, wann sie endet?
     Es beruhigt mich in einer Zeit, da, wie in Nordkorea, wieder Atombomben getestet werden, dass nicht der dortige Diktator Kim Jong-un über mein Leben bestimmt, auch nicht über die Zukunft des Lebens auf der Erde. Auch der amerikanische oder russische Präsident bestimmt nicht darüber. Gott, der auch die Zeit geschaffen hat, bestimmt darüber - allein. Er ist der Souverän in Zeit und Ewigkeit.
     Wann immer ein Mensch, ein Politiker, ein Arzt, ein Nachbar oder du selbst sagst, dass es vorbei ist mit dir, mit dieser Welt, womit auch immer, bedenke: Erst wenn Gott sagt, dass es vorbei ist, ist es vorbei. Er hat das letzte Wort.
Ich kann das nicht beweisen, nur glauben. Aber was heißt da schon „nur“? Was für eine Chance, dass ich das glauben kann! Das ist das beste „Heilmittel“ gegen Panik und Hysterie. 
     Nein, ich muss aus Angst vor dem Ende nicht meinen Kopf in den Sand stecken, um nichts mehr mitzubekommen. Muss mich nicht betäuben mit medialer Dauerberieselung, Alkohol, Aktivismus und wie die modernen Drogen alle heißen. Muss nicht meine ohnmächtige Wut hinausbrüllen, meinen Hass in Internetforen ausscheiden und Andersdenkende beschuldigen, nur weil ich mit meinem Leben nicht zurechtkomme. 
     Ich kann in alledem wachsam, nüchtern (Lehrtext) und gelassen sein, weil ich nicht selbst alles im Griff haben muss, sondern in Gottes Hand bin. So kann ich jetzt an meinem Ort und im Rahmen meiner Möglichkeiten für eine lebenswerte Welt tun, was ich für richtig halte auch wenn ich nicht viel bewegen kann. Manches muss man um seiner selbst willen tun, unabhängig vom Erfolg.     

Gebet

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Tages Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten. (Jochen Klepper)

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 13. September 2017

Geh deinen Weg! hl

LosungDer HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Psalm 32,8 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Navigationsprogramm „Maps“ auf meinem Smartphone führt mich auf schnellstem Weg ans Ziel. Das ist praktisch, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Wenn ich Motorrad fahre, möchte ich natürlich auch ans Ziel kommen, aber unterwegs auch etwas sehen und erleben. Deswegen lasse ich mir da mehr Zeit und fahre winzige Straßen in abgelegenen Gegenden. Auch dafür habe ich ein Navigationsprogramm.
     Gottes Navi für mich finde ich in der Bibel, zum Beispiel meinen Konfirmationsspruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.« (Johannes 6,68+69) Das ist kein Wort für den schnellsten Weg, sondern gerade auch für manchen Umweg und Irrweg in meinem Leben, wenn ich mich wieder neu orientieren muss. Ich möchte auch gar nicht, dass mein Leben eine Autobahn ist ,auf der ich vom Start bis zum Ziel durchrase. Ich finde es auch nicht schlimm, dass ich manchen Umweg gehen musste und dass sich mancher Weg als Holzweg herausgestellt hat. Gerade auf solchen Abschnitten habe ich dazugelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht.
     Der Weg auf dem ich unterwegs war und bin hat einen Namen. Er heißt nicht "Route 66", nicht A8 und nicht "Tour des Grandes Alpes".  Der, von dem es in meinem Konfirmationsspruch heißt, dass mir in ihm Gott begegnet, der sagt von sich: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14,6) Und wenn ich den Namen „Jesus“ zusätzlich ins Deutsche übersetzte, dann bin ich auf dem „Gott hilft!“-Weg unterwegs.
     Damit man mich nicht falsch versteht, ich gehe nicht auf diesem Weg, weil ich so fromm wäre und mich ständig nach den Verbotsschildern richten würde, von denen man meint, dass sie dort aufgestellt wären. Nein, das tue ich nicht. Mein Weg, oder „My Way“ wie Frank Sinatra singt, das ist meine ganz persönliche Art und Weise zu leben mit allen Vor- und Nachteilen, mit dem, was schön ist und mit dem, was schwer ist, mit manchen Risiken und manchen Überraschungen. Auf diesem Weg habe ich Freunde gefunden und wieder verloren, Menschen erfreut und verletzt, habe mir die eine oder andere blutige Nase geholt, aber wurde deswegen auch gemocht. Auf diesem Weg bin ich manchmal gestolpert und hingefallen und wieder aufgestanden. 
     Aber immer ging es irgendwie weiter, weil mein Weg diesen Namen hat: „Jesus – Gott hilft“. Wenn es finster wurde, war er bei mir (Psalm 23, 4). Wenn ich mich verlaufen hatte, ging er mir nach und brachte mich wieder zurück (Lukas 15,4-7). Wenn ich am Ende war mit meiner Kraft, hat er mich wieder gestärkt und mir neuen Lebensmut eingeflößt (1. Buch der Könige 19,4-8). So habe ich es erlebt. Und darum will ich in diesem Gottvertrauen meinen Weg weitergehen bis es einmal heißen wird: „Hans, jetzt ist es genug. Jetzt bist du am Ziel.“ 
     Du gehst einen anderen Weg als ich. Aber dein Weg hat denselben Namen. Es kommt nicht darauf an, den einfachsten und schnellsten Weg zu finden, sondern den, auf dem du einen Weggefährten hast und auf dem du die Wahrheit erfährst über dich und dein Leben (Lehrtext), nämlich dass du als sein Jünger frei bist mit ihm zu gehen, wohin du willst. Geh deinen Weg, gehe ihn in Gottes Namen!

Gebet
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und darum (!!!) liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.


Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

Dienstag, 12. September 2017

Worte, die gut tun hl

LosungFürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1 

LehrtextGottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag. Apostelgeschichte 26,22 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung gehört zu meinen Goldenen Worten der Bibel. Sie macht mir Mut, tröstet und stärkt mein Gottvertrauen.
     Nun könnte jemand sagen: „Das sind doch bloß Worte. Woher willst du denn wissen, dass das stimmt?“ Ich will ihm antworten: „Ich weiß das daher, besser ich spüre, dass das stimmt, weil mir diese Worte gut tun. Sie lassen mich nicht kalt. Sie berühren mich und wenn ich sie höre, fühle ich mich bei Gott geborgen.
     Aber dass diese Worte stimmen, weiß ich noch aus einem anderen Grund. Ich weiß, dass für mich stimmt, was im Lehrtext steht. Ja, bis zum heutigen Tag habe ich Gottes Hilfe erfahren, sonst gäbe es mich schon längst nicht mehr. Erst vor ein paar Stunden kam mir in einer Kurve ein Auto auf meiner Fahrspur entgegen. Das war vielleicht knapp. Offenbar hatte der Fahrer auf sein Handy geschaut. Ich bin heftig erschrocken und hab ihn erst mit einem bösen Wort bedacht und dann meinen Dank zum Himmel geschickt. Gott ist ja nicht nur mein Schöpfer. Er ist, wie die Bibel sagt, auch mein Hirte, der mich begleitet und bewahrt. Das gibt mir Sicherheit und macht mich dankbar.
     Natürlich erlebe ich wie jeder andere Mensch auch schwierige Zeiten. Gerade in ihnen stärkt mich ein Bibelwort wie die heutige Losung. Gerade in solchen Zeiten lerne ich etwas über Gott und über mich und  wächst mein Glaube. Es sind Zeiten zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zuversicht und Verzweiflung, zwischen Angst und Vertrauen. Doch wenn mein Leben wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät, habe ich neue Erfahrungen gewonnen, auf die ich dann nicht mehr verzichten möchte.

Gebet: Herr, wie gut tut es mir zu lesen, dass ich dir gehöre und nicht irgendeiner anderen Macht, auch nicht dem Zufall oder ausschließlich mir selbst. Wie gut tut es mir zu lesen, dass du mich persönlich kennst und kein anonymes Schicksal bist. Vom ersten Augenblick meines Lebens an hältst du deine schützende und segnende Hand über mich. Du wirst das auch weiterhin tun. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 11. September 2017

Wer ist ein Gott wie du? hl

Losung: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Micha 7,18

Lehrtext: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Kolosser 2,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt?“ – So spricht verwundert der Prophet Micha angesichts des Versagens seines Volkes und auch seines eigenen Versagens vor dem Heiligen Gott. Aber was für eine Art Versagen, was für eine Sünde ist es denn, von der in der Bibel die Rede ist und die Gott vergibt?      Ich könnte jetzt viele Sünden aufzählen, zum Beispiel die Missachtung der Zehn Gebote und vor allem die Missachtung des Liebesgebotes von Jesus, wenn er sagt: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹« Aber ich will anhand eines einfachen Beispiels einmal grundsätzlich darüber nachdenken, worum es dabei geht:     Mit Gottes Vergebung verhält es sich so, wie wenn ein Kind an der Hand seines Vaters an einem Bach entlang geht, sich losreißt und ins Wasser fällt. Der Vater rettete sein Kind, zieht es heraus und sagt ihm eindringlich, dass es nicht zu nah an den Bach gehen darf, weil das gefährlich ist. Die beiden gehen weiter, und es passiert das gleiche. Wieder gehen sie weiter, und wieder passiert das gleiche. Und wieder und wieder und wieder.     Und was genau passiert? Ich trenne mich von Gott (=Sünde), mache eigen-sinnig Dinge, die seinen Geboten zuwiderlaufen. Das hat zur Folge, dass ich mich in Gefahr bringe und leide. Aber Gott überlässt mich nicht mir selbst, sondern rettet mich wieder und wieder ohne mir mein Fehlverhalten, meine Dummnheit nachzutragen. Er vergibt, um das gestörte Verhältnis zwischen ihm und mir wieder ins Lot zu bringen. Er rettet mich, weil er mich liebt und nicht verlieren will. Und er tut das nicht nur einmal, sondern siebzigmal siebenmal (Matthäus 18,22), also immer. Dieser Gott begegnet mir in Jesus und nur in ihm. Er ist einzigartig und unvergleichlich:

Gebet:
Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld
Du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld
Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer
Du wirfst all meine Sünde tief hinab ins Meer
Wer ist ein Gott wie du
Der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt
Wer ist ein Gott wie du
Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn,
denn du liebst es gnädig zu sein. (Albert Frey)

Aber, liebe Leserin, lieber Leser, was geschieht, wenn ich nicht auf ihn hören und mich auch nicht von ihm retten lassen will? Wenn mir die Gottes- und Nächstenliebe egal sind? Wenn es mir nur um mich geht, um meine Bedürfnisse und Interessen, um meine Gier und meinen Egoismus? Gott vergibt mir meine Sünden. Das stimmt. Aber mit den Folgen meines Fehlverhaltens, meiner Dummheit muss ich leben.

Herzliche Grüße
Hans Löhr

Sonntag, 10. September 2017

Negativer und positiver Glaube (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr am 13. Sonntag nach Trinitatis in Weidenbach 

Liebe Gemeinde,

in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Der Handel hat sich darauf schon eingestellt. In den Supermärkten kann man be lls ja, wird er wohl noch in irgendeiner Weihnachtskiste auf dem Dachboden verpackt sein. In meiner Kindheit hatten wir sozusagen als Christbaumspitze einen Rauschgoldengel vom Nürnberger Christkindlesmarkt. Als den meine Eltern gekauft haben, war ich total fasziniert. Umso größer war die Enttäuschung, als ich ihn näher untersuchte. Er hatte nur einen schönen Wachskopf und ein goldenes Papierkleid. Doch unter dem Kleid war nichts, gar nichts...
Heute haben wir einen Weihnachtsengel für die Krippe. Ich befestige ihn jedes Jahr am Krippengiebel, sodass er über der ganzen Weihnachtsszene mit Maria, Josef und dem Kind, den drei Königen und den Hirten schwebt.
Aber warum braucht es denn überhaupt einen Weihnachtsengel sei es als Rauschgoldengel oder als Krippenfigur? Darauf gibt es nur eine einzige Antwort, nämlich den Satz aus dem Weihnachtsevangelium, wo es heißt:
»Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.« (Lukas 2,9-11)
Der Weihnachtsengel soll also nicht nur ein dekorativer Schmuck sein. Er hat uns etwas zu sagen, nämlich jenen Satz. Und daran sollten wir im Idealfall denken, wenn wir ihn am Christbaum oder in der Krippe sehen.
Weißt du jetzt noch, mit welchen Worten der Engel seine Botschaft einleitet? Er sagt „Fürchtet euch nicht!“ Was du aber bestimmt nicht weißt, ist, wie oft denn dieser Satz „Fürchtet euch nicht bzw. fürchte dich nicht!“ in der Bibel vorkommt. Ich musste auch erst nachzählen und bin auf 120 Treffer gekommen. 120 mal heißt es da „Fürchte dich nicht!“. Das kann doch nur den Grund haben, dass sich die Menschen damals ganz schön gefürchtet haben. Doch Gott sagt zu ihnen: „Dazu habt ihr keinen Grund. Ich bin doch bei euch und helfe euch auch.“ Und was Gott zu den Menschen der Bibel sagt, das sagt er auch zu uns heute, zu mir und auch zu dir, jetzt in diesem Augenblick.
Wahrscheinlich hatten die Menschen damals ganz ähnliche Sorgen und Ängste wie wir heute. Sie hatten Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Tod, Angst vor schlimmen Krankheiten, Angst vor Krieg und Katastrophen, Angst vor Armut, vor einer Prüfung, vor bösen Mächten usw. Da hat sich bis heute nicht viel geändert.
Aber deswegen kommst du doch auch hier in den Gottesdienst, deswegen glaubst du doch auch an Gott, um hier gestärkt und getröstet zu werden, neuen Lebensmut zu schöpfen und Kraft zu bekommen für die neue Woche. Der Glaube soll uns nicht zuletzt helfen, mit unseren Ängsten fertig zu werden, um unbeschwerter leben zu können.
Aber nun ist Furcht ja auch so eine Art Glaube, ein negativer Glaube, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Manche sind wahre Meister darin, ständig an irgendwelche bevorstehenden Katastrophen zu glauben. Und warum tun sie das? Vielleicht deshalb, um innerlich irgendwie vorbereitet zu sein, wenn sie tatsächlich eintreten. Aber dieser negative Glaube ist extrem gefährlich. Er ist so etwas wie eine schlechte Prophezeiung, die sich von selbst erfüllt. Wer immer nur Schlimmes erwartet, dem wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Schlimmes passieren.
Eine Frau fürchtete jeden Abend, wenn sie ins Bett ging, dass ein Einbrecher unten in der Küche sei. Deshalb musste ihr Mann vor dem Einschlafen immer noch mal ins Erdgeschoss, um nachzusehen. Erst wenn er glaubhaft versichert hatte, dass kein Einbrecher da war, konnte sie schlafen. Das ging nun schon 30 Jahre so.
Eines Abends war es wieder so weit. Die Frau sagte: „Du, ich habe etwas in der Küche gehört. Bestimmt ist der Einbrecher gekommen. Etwas unwillig und schon etwas schlaftrunken tappte ihr Mann die Treppe hinunter. Als er die Küchentür öffnete, schaute er in die Mündung eines Revolvers: „Keinen Laut!“, sagte der Einbrecher. „Rücken Sie alle Wertsachen raus dann passiert ihnen nichts.“ Der Mann tat wie ihm geheißen. Als der Einbrecher seine Beute hatte, wollte er wieder verschwinden. „Halt!“, sagte der Mann, „so einfach können Sie nicht gehen. Kommen Sie erst noch mit nach oben zu meiner Frau. Die wartet schon 30 Jahre auf Sie und möchte sie kennen lernen.“
Aber leider ist das mit der Furcht nicht immer so lustig wie in dieser Geschichte. Sie ist, wie gesagt, ein negativer Glaube. Setze dagegen den positiven Glauben! Vertraue darauf, dass Jesus zurecht sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Ja es stimmt, er hat diesen Satz zu Jaïrus gesagt damals vor 2000 Jahren. Aber solche Sätze stehen doch gerade deshalb in der Bibel, weil sie noch heute gelten, weil sie dir und mir gelten.
Wenn also die Furcht oder ihre Schwester, die Sorge, an deine Tür klopft und in dein Leben will, so lass deinen Glauben antworten und sagen: „Für dich ist hier kein Platz. Du bist nicht eingeladen und nicht erwünscht. Also schleich dich!“
Setze den positiven Glauben gegen die Furcht. Rüste dich mit Worten der Bibel und sage zu dir selbst: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27)
Er ist es doch, der Himmel und Erde geschaffen hat, der allmächtige Gott, den du an deiner Seite hast und der dir sagt: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ich helfe dir auch.“ (Jesaja 41,10) Genau dazu haben wir doch die Bibel, dass aus ihr Gott zu uns spricht und uns im Glauben stärkt. Lass also deine Gedanken nicht um das kreisen, was du fürchtest, sondern was Gott zu dir sagt. Denn der erste Platz, auf dem wir unseren Kampf gegen die Furcht verlieren, ist unser Kopf, sind unsere Gedanken. Darum müssen darauf achten, was wir denken. Denn das, worauf ich in Gedanken fixiert bin, lade ich in mein Leben ein und erlaube ihm, Wirklichkeit zu werden. Genauso wie du dich gedanklich in Furcht hineinsteigern kannst, sodass sie dich immer mehr besetzt, genauso kannst du deine Gedanken auch auf dein Gottvertrauen lenken und sagen: »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal meiner Sorgen und Probleme, fürchte ich doch kein Unglück; denn du, Gott, bist bei mir und tröstest mich.«  (Psalm 23,4)
Wer in der Haltung der Furcht lebt, dem geht es wie einem, der mitten in einer kleinen Nebelbank steckt. Er sieht nicht, dass ein paar Meter vor ihm und über ihm bereits die Sonne scheint. Er sieht keinen Ausweg. Er kann sich nicht orientieren. Er ist im Nebel sozusagen gefangen. So ist es auch mit der Furcht. Sie nimmt einem Lebensfreude und Zuversicht. Sie will dir weißmachen, dass es außer ihr nichts mehr in deinem Leben gibt. Aber der Glaube hilft dir, dass du nicht in der Haltung der Furcht gefangen bleibst. Gott macht dein Leben wieder hell und freundlich und sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“

Liebe Freunde, in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Wenn dann die Feiertage wieder vorbei sind, so packe doch dieses Mal den Weihnachtsengel nicht weg. Lass ihn in deiner Wohnung. Gib ihm einen schönen Platz und denke, sooft du ihn siehst, daran, was er dir sagt. Und wenn dir eine kleine Gedankenstütze hilft, dann leg einen Zettel daneben, auf dem steht: »Fürchte dich nicht, ich verkündige dir große Freude. Für dich ist der Heiland geboren, Jesus Christus, dein Retter und Herr.« Amen

Samstag, 9. September 2017

Von Eigensinn und Feuer hl

LosungSo schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Jesaja 63,15 

LehrtextJesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Aber ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollendet ist! Lukas 12,49-50 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich will den Bibelabschnitt, in dem das heutige Losungswort steht, mal in die Gegenwart übertragen als das Gebet eines Einzelnen, der in eine selbstverschuldete Notlage geraten ist. Dann liest es sich etwa so:  

Gebet: »Herr, schau doch herab vom Himmel! Warum setzt du dich nicht mehr mit ganzer Kraft für mich ein? Warum hältst du dich zurück? Schlägt dein Herz nicht mehr für mich? Ist deine Liebe erloschen? Du bist doch mein Vater und Helfer! Das war doch auch früher so. Warum lässt du mich vom richtigen Weg abirren? Warum hast du mich so eigensinnig werden lassen, dass ich keine Ehrfurcht mehr vor dir habe? Bitte, wende dich mir wieder zu! Ich bin doch immer noch der Mensch, der dir gehört.« (vgl. Jesaja 63 15-17)

So ähnlich kann ich auch heute noch beten und sollte es auch tun. Sollte mir meine Gottvergessenheit eingestehen und ihn an seine Liebe erinnern und daran, dass er mein Vater ist, wenn ich seine Nähe nicht mehr spüre. Schließlich habe ich doch keine Alternative. An wen sonst sollte ich mich denn wenden? Wer sonst könnte mir denn helfen?

Der Lehrtext gehört für mich zu den schwierigsten Worten von Jesus. Er sagt unmissverständlich, dass sich am Glauben an ihn die Geister scheiden werden. Bis in die Familien hinein wird es seinetwegen Streit geben, heißt es im Anschluss an das heutige Bibelwort. Denn er ist, wenn man ihn ernst nimmt, kein Trostpflaster, sondern selbst das lodernde Feuer, in dem alles religiöse Getue verbrennt und nur noch das Gold des Glaubens übrig bleibt. Dass es sich so verhält, darunter leidet er am meisten. Denn wer ist schon gern Feuer? Wer ist schon gern Anlass zu Streit? Wer will schon, dass man ihm aus dem Weg geht oder aus dem Weg räumt, weil er radikal und kompromisslos ist? 
Und wo brennt dieses Feuer heute? In wem? Ich sehe viel Asche. Ob darunter noch Glut ist?

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 8. September 2017

Hinter welchem Busch versteckst du dich? hl

LosungAdam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 1.Mose 3,8 

LehrtextSelig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Matthäus 5,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Adam und Eva, Kain und Abel – das sind in der Bibel die Repräsentanten, die Stellvertreter für alle Menschen. Auch für dich und für mich. Was von ihnen gesagt ist, ist von uns allen gesagt, dass wir Gottes Geschöpfe und gesegnet sind, dass wir unsere Würde von ihm haben, weil wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, dass er uns versorgt und beschützt. Aber auch, dass wir versagen, die Schuld auf andere schieben, lügen, uns schämen, neidisch sind, Gottes Gebot missachten und uns verstecken. 
     Adam und Eva haben sich hinter einem Busch im Garten Eden (=Paradies) versteckt, um der Wahrheit über sich und ihr Verhalten nicht ins Auge, in Gottes Auge sehen zu müssen. Wo ist dein Busch? Wohinter versteckst du dich? Hinter Konsum, Schminke, Alkohol, Tabletten, Arbeitswut, Hobbies, Social Media, Fitness, Büchern, Fernsehserien, Youtube-Videos, Rastlosigkeit, Erfolg, Besitz, Statussymbolen, Klamotten...?
     Nichts von allem ist grundsätzlich schlecht. Die Frage ist nur, wozu das, was ich mache, wirklich dient. Tue ich das, weil es mir Freude macht, mich erfüllt, mir und anderen gut tut? Oder lenke ich mit alledem von mir selbst ab, laufe von mir selbst davon, meide wichtige Fragen, die ich mir stellen müsste, gehe einer ehrlichen Bestandsaufnahme aus dem Weg? Mit einem Wort: Verstecke ich mich vor mir selbst und vor Gott?
     Vor Gott kann ich mich nicht verstecken. Er sieht mir ins Herz. Und das ist gut, weil er so weiß, was mir fehlt und wie er mir helfen kann. Aber will ich mir auch von ihm helfen lassen? Habe ich die Größe, mein Versagen einzugestehen und ihn um Vergebung zu bitten? Habe ich die Größe, auch meine Mitmenschen um Vergebung zu bitten, wo ich ihnen nicht gerecht geworden bin? Habe ich die Größe, denen zu verzeihen, die mir nicht gerecht geworden sind?
     Nein, mein Herz ist nicht rein. Zu viele widerstreitende Gefühle rauben mir den inneren Frieden. Darum bete ich mit der Bibel (Psalm 51,12):

Gebet: Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Amen 

Mit ihm, aber nicht ohne oder gar gegen ihn gelingt es mir, ehrlich zu mir selbst zu sein und den Weg zu prüfen, auf dem ich mich befinde. Mit ihm, aber nicht ohne oder gegen ihn gelingt es mir, das eine oder andere in meinem Leben zu korrigieren, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Er lässt mich nicht hinter meinem Busch sitzen und versauern, sondern holt mich hervor ins Licht vor seinem Angesicht (Psalm 90,8), damit ich erkenne: Ich bin sein Kind. Ich kann frei und ohne schlechtes Gewissen, erhobenen Hauptes und voll Gottvertrauen mein Leben führen.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 7. September 2017

Mit oder gegen Gott hl

LosungGott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? Hiob 9,4  

LehrtextDenk daran, wie du die Botschaft empfangen und gehört hast, bewahre sie und kehre um! Offenbarung 3,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

an einer Universität hat ein Student an die Tafel geschrieben „Gott ist tot!“ Und darunter den Namen des Philosophen, der diesen Satz so populär gemacht hat: Friedrich Nietzsche. Es dauerte nicht lange, da schrieb ein anderer Student an diese Tafel: „Nietzsche ist tot!“ Und darunter: Gott. Nun, ob Gott tot ist, da kann man so seine Zweifel haben. Aber dass Nietzsche seit 117 Jahren und 13 Tagen tot ist, das steht nun mal fest.
     Vielleicht ist das die größte Kränkung aller Kritiker Gottes, dass sie sterben müssen, dass auch für die größten Geister der Satz gilt, den Gott der Bibel zufolge zu Adam und Eva und damit zur Menschheit insgesamt gesagt hat: „Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden!“ (1. Mose 3,19)
     Der Schöpfer von Himmel und Erde, von dir und mir ist zugleich der Herr über uns Lebende und unsere Toten. Sein Wille geschieht und nicht meiner. Er kennt die Zukunft und nicht ich. Er ist ewig, ich aber bin sterblich. Er hat Macht über den Tod; der Tod aber hat Macht über mich. Darum ist es für mich absurd, mich Gott in den Weg stellen zu wollen (Losung). Um so mehr tröstet es mich, dass er meinen Weg mit mir geht. Von ihm lasse ich mich gern begleiten und führen.
     Diesen Glauben habe ich mir nicht selbst zusammengebastelt. Ich habe die Botschaft von Gott und Jesus von anderen Menschen empfangen (Lehrtext), von meiner Mutter zuerst, dann von Religionslehrerinnen, von meinem Konfirmandenpfarrer, auch aus Büchern… Ich bin dankbar für die Menschen, die diese Botschaft an mich weitergegeben haben. Und ich versuche sie nun an meine Kinder und Enkel weiterzugeben. Ob mir das gelingen wird? Vielleicht dann, wenn an meinem Leben sichtbar ist, dass mir das Evangelium heute noch wichtig ist und ich bereit bin, mich vom ihm immer wieder neu herausfordern zu lassen.

Gebet: Herr, es kann sein, dass ich in einer schwierigen Situation mit dir hadere, dir Vorwürfe mache, an dir verzweifle. Aber ich will mich dir nicht in den Weg stellen, weil ich glaube, dass es dein Weg ist, der mich aus meinen Schwierigkeiten wieder herausführt. Amen

Herzliche Grüße,

Hans Löhr

Mittwoch, 6. September 2017

Dem Einzelnen gerecht werden hl

LosungWir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18 

LehrtextWir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden. Apostelgeschichte 15,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Sei halt barmherzig und lass den Buben mit auf die Fahrradtour seiner Freunde, auch wenn das Zeugnis schlecht war.« Ich kann mir vorstellen, dass manche Mutter das in den zuende gehenden Sommerferien zu ihrem Mann gesagt hat. »Sei halt barmherzig!«
     In der Arbeitswelt spielt Barmherzigkeit kaum eine Rolle. Da geht es um Leistung und Verdienst. Wer seine Leistung bringt, kriegt den vollen Lohn. Wer nicht, muss damit rechnen, entlassen zu werden. Und die Kinder machen in der Schule ähnliche Erfahrungen: gute Leistung – gute Noten; nicht so gute Leistung – schlechte Noten. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist sozusagen Gesetz.
     Wenn es aber nur nach Recht und Gesetz gehen soll, braucht es keine Barmherzigkeit. Dann mag zwar alles korrekt sein. Aber man wird dem einzelnen Menschen nicht mehr gerecht. Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. In diesem Dilemma steckt der Gesetzgeber (Parlament). In diesem Dilemma steckt jeder gute Richter. Und Gott? Manche meinen, er würde streng darauf achten, dass seine Gebote genau befolgt werden. Aber wie sagt Jesus: Der Mensch ist nicht für die Gesetze und Gebote da, sondern sie sind für den Menschen da. Gott ist es wichtiger, jedem einzelnen Menschen gerecht zu werden als alle über einen Kamm zu scheren und aufzupassen, dass sich nur ja jeder korrekt verhält. Deshalb ist er barmherzig und auch, weil er weiß, wie schwach wir sind.
     Bei ihm müssen wir keine Fleißpunkte sammeln. Keine Rabattmarken kleben. Keine guten Noten ergattern. Keine Prüfungen bestehen. Keine Leistungsnachweise vorlegen. Er wendet sich uns in Jesus voraussetzungslos und bedingungslos zu. Die Bibel nennt das Gnade (Lehrtext). Dafür, dass wir „selig werden“, dass wir in seiner Liebe bleiben für immer, hat er längst gesorgt. Aber eine Sache bleibt uns dennoch, dass wir ihm dafür dankbar sind.

Gebet: Herr, wärst du nicht barmherzig, würde ich nicht glauben. Denn dann müsste ich erfahren, dass ich deinen Ansprüchen nicht genügen kann, müsste ständig mit einem schlechten Gewissen und mit einem enormen Druck leben. Aber das wäre kein Leben und auch kein Glaube. So aber bist du ein Gott mit offenen Armen und einem großen Herzen. So aber bin ich ein Mensch, der unter deiner Gnade lebt und von deiner Vergebung, den du suchst und den du liebst. So aber ist es etwas Wunderbares, an dich glauben und dir vertrauen zu können. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 5. September 2017

Die Welt in deinem Kopf hl

LosungHERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen. Psalm 8,2 

LehrtextGott hat Christus Jesus erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind. Philipper 2,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie ist die Welt an und für sich? Wetten, dass du diese Frage nicht beantworten kannst? Niemand kann diese Frage beantworten, kein Naturwissenschaftler, kein Philosoph, kein Geschichtsprofessor und auch sonst niemand. Denn die Welt ist immer das Bild, das du dir von der Welt machst, abhängig von deinen Sinneswahrnehmungen, Erfahrungen, Gefühlen, von den Einflüssen anderer und deinen Kenntnissen. Die Welt ist immer nur deine Welt und nicht identisch mit der Welt eines anderen. 
     Die Welt entsteht in unserem Kopf. Schallwellen beispielsweise treffen auf unser Ohr und werden erst im Gehirn zu unterschiedlichen Tönen verrechnet. Nehmen wir die Musik: Ob du Volksmusik hörst, Popmusik oder eine Wagner-Oper, - es sind jeweils die gleichen Schallwellen, die auf unsere Ohren treffen. Aber wie unterschiedlich werden sie „bewertet“! Volksmusik- und Popmusikfans finden die Musik von Richard Wagner zumeist entsetzlich. Vom Komponisten Richard Strauss heißt es hingegen, er hätte ein ganzes Lebensjahr drangegeben, wenn es ihm statt Wagner gelungen wäre, die vier Noten des Tristan-Akkords F H Dis Gis zu komponieren. Aber auch die Fans von Volksmusik und Popmusik sind sich nicht grün und verstehen nicht, wie nur dem anderen seine Musik gefallen kann.
     Wie die Welt für dich ist, hat auch ganz viel mit deinem Glauben zu tun. Wer gar nicht glaubt und meint, dass alles nur Zufall sei, auch die Entstehung des Universums und damit er selbst, wer meint, dass alles wieder im Nichts versinkt, sieht sich und die Welt anders, beurteilt sie damit auch anders als zum Beispiel der Mensch, auf den das heutige Losungswort zurückgeht. Auch dieser Mensch hat mit Sicherheit nicht alles verstanden, was zu seiner Zeit passiert ist und warum er gerade dies und kein anderes Schicksal hatte. Aber er hat an seiner Glaubensüberzeugung festgehalten, dass Gott die alles bestimmende Wirklichkeit ist, die alles beherrscht und regiert. Das hat ihn getröstet und beruhigt. Und im Lehrtext ist es die Glaubensüberzeugung des Apostels Paulus, dass Christus der Herr und König der Welt ist, von Gott dazu erhöht.
Ich folge in meinem Glauben diesen beiden Bibelworten und sage: Wer glaubt, dass der dreieinige Gott alles in der Hand hat, kann nicht pessimistisch und verzweifelt sein. Vielleicht kurzfristig, wenn ihn negative Gefühle überwältigen. Aber dann muss sich infolge dieses Glaubens auch wieder das Vertrauen durchsetzen, dass ein gnädiger und barmherziger Gott alles regiert und zu einem guten Ende bringen wird, alles!
     Wie die Welt an und für sich ist, weiß ich nicht. Wie sie für dich ist, weiß ich auch nicht. Für mich aber ist sie Gottes Welt und nicht des Teufels. Ich vertraue darauf, dass diese vergängliche und widersprüchliche Welt erlöst und vollendet wird und und mit ihr auch ich. Das wird geschehen, weil sie von Gott aus Liebe geschaffen ist zu seiner himmlischen Freude. So wie du auch. Ich jedenfalls lasse mir lieber von der Bibel sagen, wie die Welt ist und wer ich bin als von irrtumsfähigen Menschen oder gar von profitorientierten Medien. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, wie die Welt entstanden ist. Darauf antwortet die Evolutionslehre. Es geht darum, wie sie gesehen und bewertet werden kann. Darauf antwortet der Glaube.

Gebet: Herr, wenn ich ratlos, unruhig oder depressiv werde, so finde ich im Glauben an dich wieder Geborgenheit. Nicht ich muss diese Welt auf meinen Schultern tragen. Nicht von mir hängt ab, was aus ihr wird. Du bist es, der alles regiert. Nur du weißt, was sein wird. Dir vertraue ich mich an mit allem was ich bin und habe. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 4. September 2017

Großzügig tut gut hl

LosungDie Israeliten, Männer und Frauen, die ihr Herz dazu trieb, brachten freiwillige Gaben zu allem Werk, das der HERR durch Mose geboten hatte. 2.Mose 35,29 

Lehrtext: Jesus sagt: Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen. Lukas 6,38 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das mit dem Geben ist so eine Sache. Ich denke, jeder möchte eigentlich großzügig sein. Wer lässt sich schon gern nachsagen, dass er geizig ist? Aber auch in diesem Fall sind wir Menschen recht unterschiedlich. Mancher ist von Natur aus unbekümmerter und kann darum auch leichter großzügig sein. Ein anderer hat eine eher ängstliche Natur und tut sich mit dem Loslassen und dem Geben schwerer. Und darum kann für den Ersten ein 50 Euro Schein etwas kleinlich erscheinen und für den Zweiten ein 20 EUR Schein eine erstaunliche Selbstüberwindung zu mehr Großzügigkeit bedeuten. 
     Um eine Spende einzuschätzen zu können, kommt es also auch darauf an, wie sehr sich der eine und der andere dazu überwinden musste. Doch am Ende machen wohl beide eine ähnliche Erfahrung, dass man eine freiwillige Spende selten bereut. Aber umso mehr bereut man, wenn man nichts oder nur wenig gegeben hat.
     Manchmal bringen mich die Bettler in den Städten in einen inneren Konflikt. Ich frage mich dann: 'Braucht der wirklich das Geld? Wer weiß, vielleicht kauft er sich dafür Zigaretten oder Alkohol? Wer weiß, wie viel er so am Tag zusammenbettelt. Könnte er nicht auch auf andere Weise etwas verdienen als sich mit dem Betteln selbst zu beschämen?' Je mehr ich mir solche Fragen stelle, desto weniger bin ich bereit etwas zu geben und desto mehr ärgere ich mich dann hinterher über mich selbst, über meine negativen Vermutungen und meinen Geiz.
     Manchmal überliste ich mich aber, indem ich mir das passende Kleingeld schon vorab in die Taschen stecke. Dann bin ich schon vorbereitet und muss nicht mehr erst lang überlegen. Ich denke mir dann: 'So oft werde ich nun auch wieder nicht angebettelt. Und so furchtbar viel Geld werde ich auf diese Weise auch nicht los. Und wenn sich der Bettler dann eine Flasche Bier kauft – was soll's, ich gönn sie ihm. Ich trink doch auch mal gern ein Bier. Und bin ich vor Gott nicht auch ein Bettler, wie Martin Luther sagt? Wenn ich bei ihm auf seine Großzügigkeit für mich hoffe, wie kann ich dann einem Menschen gegenüber engherzig und knauserig sein?
     Wie gesagt, der eine tut sich mit dem Geben leichter als der andere. Aber alles in allem glaube ich, dass einer, der gibt, auf verschiedene Weise wieder mehr zurückbekommt als er gegeben hat. Und sei es das gute Gefühl, dass er sich nicht vor sich selbst schämen muss.
     Ein Mann träumt, er stehe hungrig vor einem Marktstand und möchte sich etwas kaufen. Er sucht sich die gewünschten Nahrungsmittel aus. Dann will er zahlen und zückt seinen Geldbeutel. Doch der Verkäufer sagt: „Ihr Geld ist hier bei uns nicht gültig. Wir akzeptieren nur das, was Sie zuvor anderen geschenkt haben.“ Der Mann ist geschockt. Wie soll er jetzt etwas zu essen bekommen? Da nimmt der Verkäufer die Tüte mit den Nahrungsmitteln und drückt sie ihm in die Hand: „Hier, nehmen Sie. Ich wünsche Ihnen guten Appetit.“

Gebet: Herr, schon immer hast du mir mehr gegeben, als ich zurückgegeben habe. Und ist nicht alles, was ich geben könnte, sowieso deine Gabe? Ich habe nichts in diese Welt gebracht und werde auch nichts hinausbringen. Darum will ich mit warmen Händen geben, solange ich lebe. Danke für deine Großzügigkeit mir gegenüber. Sie soll mir helfen, selbst etwas großzügiger zu werden. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 3. September 2017

Wer willst du sein? (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr anlässlich einer Beerdigung am 2.9.17

Liebe Frau Ringler, liebe Angehörige des Verstorbenen, liebe Trauergäste,

vor dem Haus vom Thanner Schmied steht eine Bank. An ihrer Rückenlehne ist ein kleines Messingsschild angebracht. „Lore und Hans“ steht darauf. Ich weiß nicht, wie oft beide darauf gesessen sind. Und wenn, dann hat Johann Ringler zumeist seine Pfeife geraucht. Ob er dann auch auf manche Begebenheit aus seinen 82 Lebensjahren zurückgeschaut hat? Auf seine Kindheit, die er im selben Haus verbracht hat zusammen mit seinem Bruder Erwin und seiner Schwester Luise? Er wird wohl auch an seine Schulzeit hier in Thann gedacht haben und an seine Gesellenjahre in Oberbayern. Ob er auch an seinen Vater gedacht hat, den alten Schmied von Thann, der die Schmiede wiederum von seinem Vater übernommen und sie später an seinen Sohn Johann weitervererbt hat? Vielleicht hat er sich, wenn er den Hof vor sich gesehen hat, der Pferde erinnert, die er da selbst noch beschlagen hat. Er war ja nicht nur Schmiedemeister, sondern auch gelernter Hufschmied, ja sogar Installateur. 
     Vielleicht hat er auch daran gedacht, wie vieltausendmal die Einwohner aus Thann und den Dörfern ringsum zu ihm gekommen sind, Erwachsene wie Kinder, um bei ihm etwas zu kaufen oder reparieren zu lassen, einen Traktor oder ein Fahrrad, einen Wasserhahn oder eine Sämaschine, einen Tacho oder einen Rasenmäher. Vermutlich hat er auch an die Zeit gedacht, als seine drei Kinder in diesem Hof gespielt haben, Bernhard, Karin und Jochen. Und wahrscheinlich hat er sich dann auch still über seine Enkelkinder Valentin und Annabell gefreut. Er wird sich der Familienfeiern erinnert haben, als man 1948 in der Stube seine Konfirmation feierte, als sich elf Jahre später vom Hof aus der Hochzeitszug zur Kirche in Gang setzte oder als er da viele Jahre später als Rauenzeller Schützenkönig gefeiert wurde. Und noch frisch in Erinnerung wird ihm sein 80. Geburtstag gewesen sein, als sein geliebter Posaunenchor für ihn gespielt hat. Das alles und vieles mehr mag ihm durch den Sinn gegangen sein, wenn er mit seiner Lore oder allein auf der Bank vor seinem Haus saß und an seiner Pfeife zog.
     Die Schmiede gibt es schon lange nicht mehr. Aber er ist bis zuletzt der Thanner Schmied geblieben. Und wenn etwas gerichtet werden musste in Haus oder Hof, dann konnte man nach wie vor zu ihm kommen, dann hieß es: „Johann, könntest du nicht mal dies oder das reparieren, ich krieg das nicht hin.“
Auch für unsere Kirchengemeinde war er immer wieder unentgeltlich tätig, wenn auf dem Friedhof oder in der Kirche oder im Gemeindehaus sein Geschick gebraucht wurde. Und geschickt war er, einer, der sein Handwerk verstand und der bis zum Ausbruch seiner Krankheit Freude daran hatte, sich in seiner alten Schmiede zu beschäftigen und zum Beispiel den Kramer-Traktor wieder tipp topp herzurichten. Ich sehe noch den Stolz in seinem Gesicht, als er mir das historische Schmuckstück zeigte.
Aber Johann Ringler hatte noch andere Qualitäten. Er war musikalisch, hat zu Hause auf seiner Heimorgel Choräle gespielt und 50 Jahre treu und zuverlässig im Posaunenchor mitgewirkt ob in den Gottesdiensten oder bei anderen Gelegenheiten und natürlich bei den Beerdigungen. Heute nun spielen seine Bläserkameraden ihm den letzten Gruß. Für sie hat er auch die Fische aus seinen Teichen geliefert für das jährliche Karpfenessen des Chores.
Johann Ringler war Ortssprecher von Thann, Wasserwart in Rauenzell, Kirchenvorsteher, Mitglied der Feuerwehr, im Taubenverein, im Schützenverein und hat regelmäßig seinen Stammtisch besucht. Er war gesellig und hilfsbereit, in der Öffentlichkeit präsent und weit über Thann hinaus bekannt. Der Johann, der Thanner Schmied, war in seinem Dorf eine Persönlichkeit, eine prägende Gestalt.

     Wenn mich jemand fragt, was denn das ist „Gottes Segen“, dann kann ich sagen: Schau dir das Leben von Johann Ringler an, die 82 Jahre, die 58 Jahre mit seiner Frau, seine drei Kinder, seine zwei Enkelkinder, sein Ansehen in unseren Dörfern, seine Begabungen und all das, was er geschafft hat und was ihm gelungen ist. Das alles zusammen ist Gottes Segen.
Aber etwas fehlt noch, und das ist sein Glaube. Johann Ringler ist Zeit seines Lebens Gott treu geblieben, weil er erlebt hat, dass Gott ihm treu war. Er hatte in der Kirche seinen Stammplatz oben auf der Empore direkt vor der Orgel. Für mich gehörte er sozusagen zum Inventar. Jedesmal, wenn ich auf der Kanzelstand, saß er mir gegenüber. Es gibt wohl keinen anderen Kirchenbesucher als ihn, den ich beim Predigen sooft angeschaut habe. Und jetzt fehlt er auch da.
     Weit über tausendmal war er in seiner Peterskirche. Hier wurde er getauft, konfirmiert, getraut. Hier hat er die Taufen seiner Kinder gefeiert und deren Konfirmationen. Hier hat er zahllose Male Weihnachten, Ostern und Erntedank gefeiert. Hier hat er in den Trauergottesdiensten von vielen Abschied genommen, die vor ihm gegangen sind, von Eltern, Nachbarn und Freunden. Und heute nehmen wir hier von ihm Abschied.

     Wir tun das mit dem Bibelwort, das er 1948 zu seiner Konfirmation bekommen hat. Es steht im Evangelium des Johannes Kapitel 14 Vers 6 und heißt: »Jesus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“« Und er fügt hinzu: »Wenn ihr mich kennt, so kennt ihr auch meinen (und euren) Vater.«
Das, liebe Freunde, ist unser Glaube. Genau das. Denn wir glauben nicht an irgendeine dunkle Schicksalsmacht, die man Gott nennt. Nicht an eine höhere Idee, nicht an ein unbegreifliches geistiges Wesen, nicht an den Zufall, nicht an eine anonyme Kraft oder irgendetwas Geheimnisvolles, von dem wir nicht genau wissen, was es ist. 
     Als Christen glauben wir an den Gott, der sich uns in Jesus gezeigt hat, der uns in ihm nahegekommen ist, an den gnädigen und barmherzigen Gott, den Schöpfer aller Dinge und den Vater der Menschen. Er ist die Macht und die Kraft, die alles bewegt. Er ist es, der dich ins Leben gerufen hat, der dich durch gute und schlechte Zeiten bringt, der dein Leben bis heute erhält. Er sorgt dafür, dass dein Herz schlägt ob du wach bist oder schläfst. Er hält seine schützende und segnende Hand über dir bis zu diesem Augenblick in der Kirchenbank. Und noch etwas, das Wichtigste: Dieser einzige und einzigartige Gott, der das ganze unermessliche Universum regiert, er liebt dich, weil du sein Kind bist und bleibst. Und er tut das nicht, weil du so gut wärest, so brav, so tüchtig, so fromm. Er tut das nicht, weil du so liebenswürdig wärst, sondern weil du seine Liebe brauchst. Diesen Gott und nur diesen hat uns Jesus so gezeigt wie er zu den Menschen war: barmherzig und gütig, freundlich und voll Geduld.

Und nun liegt es an dir, wer du sein willst.
- Ob du ein Mensch sein willst, der halt so dahin lebt, weil er meint, dass sowieso alles nur Zufall sei. Der sich nach dem richtet, was andere von ihm halten und danach, wie sie leben.
- Oder ob du ein Mensch sein willst, der morgens die Augen aufschlägt und sagt: „Ich bin geliebt. Ich bin von Gott geliebt. Er schenkt mir diesen Tag und alles was ich bin und habe. Er vergibt mir mein Versagen und nimmt alles weg, was mich von ihm trennt. Er ist bei mir, auch wenn ich allein bin. Er geht mit mir in diesen Tag und alle Tage meines Lebens bis er mich wieder zu sich ruft dorthin, wo es mit mir begonnen hat und wo er mich vollenden wird.
     Es liegt an dir, wie du dich selbst sehen willst, was du von dir selbst hältst, wie du dich achtest und wie du anderen begegnest.
- Willst du der sein, der sich halt so durchschlägt durchs Leben, der auf Gedeih und Verderb anderen Menschen ausgeliefert ist, ihren Meinungen und Urteilen und so lange funktioniert, bis alles aus ist für immer.
- Oder willst du der sein, der ein Sohn, eine Tochter des Höchsten ist, der seine Menschenwürde von Gott hat, einer, der gesegnet ist, behütet und geliebt? Es liegt an dir, welcher von beiden du sein willst. Du hast die Wahl. Johann Ringler hatte seine Wahl getroffen. Er hat sein Leben im Licht der guten Nachricht von Gott gelebt. Aus dem Glauben hat er Freude und Energie geschöpft. Sein Glaube gab ihm die Kraft, die Herausforderungen dieses Lebens zu bestehen.

Ein Dorf, eine Gemeinschaft von Menschen braucht solche wie ihn, auf die man schauen, an denen man sich orientieren, die man sich zum Beispiel nehmen kann. Und damit meine ich nicht seine Leistungen, seine Erfolge und seinen Lebenswandel. Auch Menschen, die nicht glauben, auch Atheisten können Großes vollbringen und ein achtenswertes Leben führen. Und umgekehrt gilt, dass auch Johann Ringler keineswegs vollkommen war. Auch er hatte seine Schwächen und ist manchen etwas schuldig geblieben. Auch er hatte und hat es nötig, dass man ihm verzeiht so wie auch ich es nötig habe, dass mir verziehen wird. Nein, nicht der Mensch Johann Ringler ist ein Vorbild, sondern der Christ, der in zahllosen Gottesdiensten zahllose Male mit anderen zusammen gebetet hat: „Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben!“ Denn jeder, der bewusst Christ sein will, steht dafür, dass er von Gottes Vergebung lebt und dass er sich darum bemüht, auch anderen zu vergeben.

Vor dem Haus vom Thanner Schmied steht eine Bank. An ihrer Rückenlehne ist ein kleines Messingsschild angebracht. „Lore und Hans“ steht darauf. Der Hans wird künftig nicht mehr auf dieser Bank Platz nehmen und Pfeife rauchen. Aber es wird andere geben, die sich hin und wieder zur Lore auf die Bank setzen und ihr damit zeigen: Wir lassen dich nicht allein.

Amen

Samstag, 2. September 2017

Der entscheidende Doppelpunkt hl

LosungEure Sünden halten das Gute von euch fern. Jeremia 5,25 

LehrtextDer Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Lukas 18,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

niemand von uns allen hat das Recht, Gott unter die Augen zu treten. Wir können nichts vorweisen, was uns erlauben würde, zu ihm Zutritt zu bekommen. Ihm, dem Heiligen, sollten wir nicht zu nahe kommen. Sonst geht es uns wie Ikarus. Er kam mit seinen künstlichen Flügeln, trotz der Warnungen seines Vaters Daedalus, der Sonne zu nahe. Da schmolz das Wachs, mit dem die Federn an den Flügeln befestigt waren, und Ikarus stürzte in den Tod.
     Der Prophet Jeremia weiß schon, was uns von Gott fernhält. Nicht er hält uns auf Distanz, sondern unsere Sünden trennen uns von ihm (Losung). Und auch der Zöllner in Jesu Gleichnis weiß das. Darum steht er "ferne" und drängt sich nicht vor (Lehrtext). In den Augen der frommen Juden galt sein Beruf als unehrenhaft, als mit dem wahren Glauben nicht vereinbar. 
     Damit wäre schon alles gesagt, wenn man das Evangelium, die gute Botschaft außer acht ließe. So aber kann man hinter den beiden heutigen Bibelworten einen Doppelpunkt setzen und sagen:
     GebetJa, Herr, unsere Sünden halten uns fern von dir. Aber sie halten dich nicht fern von uns. Du kommst in Jesus zu uns, gerade weil wir Sünder waren und sind, weil wir nicht deiner Strafe, sondern deiner Liebe bedürfen. So heilst du uns. Amen
     Nein, wir sollten uns nicht selbstgerecht an Gott anwanzen und uns dabei etwas einbilden auf unsere Frömmigkeit. Aber wir sollten ihm auch nicht selbstgerecht den Rücken kehren nach dem Motto: Ich brauche Gott nicht. Ich komm doch ganz gut allein zurecht.
     Stattdessen will ich immer wieder staunen über Gottes Gnade, dass er sich bedingungslos und voraussetzungslos mir zuwendet und mich einlädt, mit ihm zu leben.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 1. September 2017

Gotteskind mit Lebensmut hl

LosungHerr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Psalm 90,1.2 

LehrtextWir haben doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm. 1.Korinther 8,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann hast du das letzte Mal das Losungswort gehört oder gelesen? Möglicherweise bei einer Trauerfeier. Denn der Psalm 90, aus dem es stammt, gehört zu den Bibelworten, die bei Trauerfeiern gelesen werden. Warum? Weil dieses Wort einen großen Horizont aufmacht. Angesichts des Todes haben wir die Chance, den Kopf zu heben und über die Alltäglichkeiten hinauszuschauen. Wir können sozusagen über den Rand der Zeit blicken auf die Ewigkeit und uns bewusst machen, in welch großem Zusammenhang unser kleines Leben eingebettet ist. 
     Wir können uns bewusst machen, dass es der allmächtige und ewige Gott ist, zu dem wir Zuflucht nehmen können zu jeder Zeit; der Gott, von dem wir in der Bibel lesen, von dem wir reden und hören, an den wir glauben. Er war vor uns. Und er wird nach uns sein. Alles vergeht. Er bleibt.
     Doch der Schöpfer von Erde und Welt, von Gebirgen und Meeren ist zugleich dein und mein Schöpfer. Die Bibel sagt, dass wir ihm wichtig sind, sein Herzensanliegen. Er zeigt uns das damit, dass er in seinem Sohn Jesus Mensch geworden ist, um nicht unnahbar zu sein, sondern uns nahe zu kommen.
     Jemand, der nicht glaubt, hält es für ausgeschlossen, dass ein Gott, wenn es ihn denn überhaupt gibt, für einen kleinen Menschen Interesse haben könnte. Aber das ist ja gerade das Wunderbare, dass er es tut. Denn Gott ist ja nicht nur Gott. Er ist, wie der Lehrtext sagt, unser Vater. Auf ihn hin sind wir von ihm geschaffen. Und ich Mensch bin ja nicht nur Mensch, sondern zugleich Kind des Vaters im Himmel. Und nicht nur ich. Ich glaube, jeder Mensch ist als Gotteskind geschaffen. Jeder! 
     Es ändert mein Selbstverständnis, wenn ich höre und glaube, dass ich ein Gotteskind bin. Und es ändert mein Verhältnis und Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen, wenn ich höre und glaube, dass auch sie Gotteskinder sind. 

Gebet: Herr, du bist mein Vater und ich bin dein Kind. Du breites deine Arme aus, dass ich jederzeit zu dir kommen kann, wenn ich dich brauche. Du hast mich in diese Welt gesetzt. Du erhältst mich am Leben. Und einmal wirst du mich wieder heimtragen zu dir. So bist du für mich und um mich Tag und Nacht, mein ganzes Leben. Das macht mir Lebensmut. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr