Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mein Glaube braucht Geschichten hl

Losung: Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. Psalm 44,2 

Lehrtext: Was soll ich noch mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzählen sollte von Gideon und Barak und Simson und Jeftah und David und Samuel und den Propheten. Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, des Feuers Kraft gelöscht, sind der Schärfe des Schwerts entronnen, aus der Schwachheit zu Kräften gekommen. Hebräer 11,32-34 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Glaube braucht Geschichten. 
In erster Linie biblische Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament. Aber auch Geschichten von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart, die von ihrem Glauben erzählen, von dem, was sie mit Gott erlebt haben. Und wie ein roter Faden zieht sich durch die meisten dieser Geschichten, wie Menschen »durch den Glauben aus der Schwachheit zu Kräften gekommen« sind (Lehrtext).
Ich kann mir meinen Glauben nicht selbst ausdenken und will das auch gar nicht. Ich brauche glaubwürdige Zeugen, Menschen, denen ich abnehmen kann, dass sie nicht umsonst geglaubt haben.

Mein Glaube braucht Erfahrung. 
Ich achte darauf, was andere mit Gott erfahren haben und was ich selbst. Ich denke daran, dass ich mein ganzes bisheriges Leben nicht umsonst geglaubt habe, sondern dass mir der Glaube immer wieder Lebensmut, Energie, Trost und Orientierung gegeben hat.
Ich weiß aber auch, dass das nicht automatisch so bleibt, sondern dass der Glaube jeden Tag neu gelebt sein will, am besten indem ich einigermaßen regelmäßig bete und immer wieder über Worte und Geschichten aus der Bibel nachdenke. So sehe ich meine Welt und mein Leben im Licht der guten Nachricht von Gott.

Mein Glaube braucht Nachhaltigkeit. 
Sie trägt dazu bei, dass ich mich von Gott geliebt und geborgen weiß, auch wenn ich nicht an ihn denke. So wie tief in mir auch die Gewissheit verankert war, dass mich meine Eltern geliebt haben, auch wenn ich als Erwachsener nicht mehr so oft Kontakt mit ihnen haben konnte. Als sie dann kurz hintereinander gestorben sind, hat mich gerade auch das traurig gemacht, dass ich von ihnen jetzt nicht mehr geliebt werden konnte.
Gott aber lebt. Auf ihn kann ich vertrauen. Dieser Glaube gibt mir innere Stabilität und Sicherheit; gibt mir Rückhalt, wenn ich mich den Herausforderungen meines Lebens stelle. Diesen Glauben stelle ich für mich nicht mehr infrage. Dafür ist er mir zu wertvoll geworden.

Mein Glaube braucht Geschichten. 
Sie sind wie Wasser für Pflanzen. Ohne die Glaubensgeschichten der Bibel und anderer Menschen würde er verdorren. Ich lebe von dem, was in der Bibel von Jesus erzählt wird und was er selbst erzählt wie die Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ (Lukas 15, 11-32). Ich lebe davon, dass mir darin Gottes große Menschenliebe begegnet. Das berührt mich. Das prägt mich. Das hält mich.

Gebet: Herr, ich danke dir dafür, was andere mir von dir erzählen, für ihren Glauben und die gute Nachricht von deiner Menschenliebe, die sie weitergegeben haben. Ich danke dir, dass ich dadurch selbst zum Glauben gekommen bin und nun schon so viele Jahre im Vertrauen auf dich mein Leben führen kann. Erhalte mir meinen Glauben auch in Zukunft und schenke auch anderen die Möglichkeit, auf dich zu vertrauen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 3. Oktober 2017

Immer ist es die Liebe hl

Losung: Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Psalm 107,3.8 

Lehrtext: Es hat Gott gefallen, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch das Blut am Kreuz. Kolosser 1,19-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     immer ist es die Liebe, die erlöst und meistens sind es Frauen. In zahllosen Mythen, Märchen und Legenden opfern sich Frauen für den Mann, den sie lieben. Besonders ergreifend hat dieses Thema der dänische Regisseur Lars von Trier in seinem Film „Breaking the waves“ von 1994 dargestellt. Da ist das christliche Erlösungsmotiv mit Händen zu greifen. Die junge Bess opfert sich auf dramatische Weise für ihren gelähmten Mann. Bei ihrer geheimen Seebestattung läuten die Glocken des Himmels, während der Pfarrer auf dem Friedhof den Sarg voll Sand verflucht, in dem vermeintlich die Tote liegt. Er und auch sonst kaum jemand hat ihr Opfer verstanden. 
     Immer ist es die Liebe, die erlöst und einmal war es Gott. Er hat sich in seinem Sohn Jesus für die Menschen geopfert, die er liebt. Für alle. Wer hat je dieses Opfer verstanden?
     Unglaublich, wozu Liebe fähig ist. Und darum glauben auch so viele diese Erlösung nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil sie das der Liebe nicht zutrauen und ihre Tiefe und Kraft nicht kennen.
     Was man wissen kann, ist, dass vor 2000 Jahren ein gewisser Wanderprediger mit Namen Jesus von Nazareth auf Betreiben der damaligen Kirche von der römischen Militärmacht am Kreuzgalgen hingerichtet worden ist. "Blut am Kreuz", nennt das der Lehrtext.
     Was man aber nur glauben kann, ist, dass dieser Tod eine Bedeutung hat, die jeden Versuch, sie mit dem Kopf zu begreifen, sprengt. 
     Aber warum soll Erlösung sein?
Ich glaube, Gott hat jedem die Freiheit gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Doch wir Menschen, wenn ich das einmal so pauschal sagen darf, entscheiden uns immer wieder für uns selbst.
     Vielleicht siehst du das anders. Darum schreibe ich jetzt von mir: Statt mich ganz und gar auf ihn zu verlassen, wirklich ganz und gar, klammere ich mich an mich selbst. Auch jetzt, auch morgen, so wie ich es auch gestern getan habe. Im Kopf, ja da weiß ich schon, wie das mit dem Glauben, mit dem Gottvertrauen geht. Aber wenn es darum geht, das, was ich weiß und was ich als richtig erkannt habe, auch zu leben und zu glauben, wenn es also ums Herz geht und nicht nur um den Kopf, dann wirken die alten Reflexe. Dann geht es wieder nach der Strategie, wie ich zum Gefallen der Menschen lebe, was ich tun muss, um ihnen recht zu sein. Und wenn es brenzlig wird, geht es darum, wie ich mich aus der Affäre ziehen und meine Haut retten kann. Doch mich ganz und gar auf Gott zu verlassen, das, so fürchte ich, schaffe ich nicht.
     Ich glaube, er muss mich aus mir selbst erlösen, aus meiner Angst vor dem Tod, aus meiner Furcht, dass da gar kein Gott ist, aus dem Erschrecken, dass alles sinnlos sein könnte und aus der Kehrseite von alledem: aus meiner Selbstgerechtigkeit, aus dem, was ich mir selbst und anderen vormache, aus Egoismus und Lieblosigkeit. Er muss mich auch mit mir selbst versöhnen, damit ich mit ihm versöhnt sein und in Frieden leben kann. (Lehrtext)
     Denn das ist das größte Wunder, „das er an den Menschenkindern tut“ (Losung), dass sie ihm nicht gleichgültig sind. Dass er mich nicht mir und auch dich nicht dir selbst überlässt. Er ist in dem Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz gekommen, um dich und mich aus einem Leben ohne Gott zu erlösen, aus ewiger Einsamkeit und Lebensangst.
     Immer ist es die Liebe, die erlöst. Immer.

Gebet:  Herr, seit jeher danken dir Menschen für die Güte und Wunder, die du an ihnen tust (Losung). Ich danke dir heute für das Wunder, dass du uns alle liebst und wir einmal für immer bei dir in Frieden leben werden. Schenke mir dazu schon heute den Glauben und lass mich etwas von diesem Frieden spüren. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 2. Oktober 2017

Mosaiksteine für Gottes Plan hl

Losung: Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Jesaja 42,6

Lehrtext: Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12 

Liebe Leserin, lieber Leser,

könntest du vielleicht mit dem heutigen Losungswort gemeint sein?
     Die Bibelwissenschaftler rätseln schon seit langem, von wem da im Losungswort die Rede ist. Beim Propheten Jesaja gibt es mehrere solcher Worte, die zu dem sogenannten „Knecht Gottes“ gesagt sind. Manche Theologen meinen, das sei ein Ausdruck für das Volk der Israeliten, andere, dass es sich hierbei um eine unbekannte Einzelperson handele. Doch Christen haben diese Worte schon immer als einen Hinweis auf Jesus Christus verstanden, der ein paar Jahrhunderte nach dem Propheten Jesaja gelebt hat.
     Oder bist am Ende vielleicht doch du gemeint?
In einer neuen Übersetzung heißt das Losungswort: »Ich, der HERR, habe dich berufen, meine gerechten Pläne auszuführen. Ich fasse dich an der Hand und helfe dir, ich beschütze dich. Durch dich schließe ich einen Bund mit den Menschen, ja, für alle Völker mache ich dich zu einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt.«
     Was für dich spricht, ist, dass du in Gottes Plänen genauso eine Rolle spielst wie die Menschen der Bibel. Du lebst nicht einfach nur so für dich oder deine nächsten Angehörigen. Du hast von Gott darüber hinaus eine Aufgabe bekommen. Du bist berufen, bei der Ausführung von Gottes Plänen mitzuwirken. Du sollst und kannst an deinem Ort, wo du lebst und arbeitest, deine kleinen Mosaiksteine dazu beitragen, dass Gottes Plan oder Bild immer mehr Gestalt annimmt. Du sollst und kannst dafür sorgen, dass es wenigstens ein kleines bisschen gerechter, liebevoller, ehrlicher, barmherziger und friedlicher in deiner kleinen und somit auch in der großen Welt zugeht.
     Das ist vielleicht nicht immer ganz einfach. Aber im Losungswort verspricht er dir, dass er dich dazu an der Hand nimmt, dir hilft und dich beschützt. Denn auch du kannst ein Licht sein, das anderen Menschen den Weg zu Gott weist. Du musst dazu gar nicht groß reden. Es genügt, dass du durch dein Verhalten zeigst, wie man in dieser Welt auch leben kann, wenn man an Gott glaubt. Denn wer sich selbst an Jesus Christus, am „Licht der Welt“ orientiert, wird auch für andere zum Licht und trägt dazu bei, dass es in ihrem Leben heller wird. (Lehrtext)

Gebet: Herr, dein Wille soll geschehen und dazu willst du auch durch mich wirken. Und dazu will ich mich auch von dir gewinnen lassen. Ich selber wünsche mir ja, dass es in der Welt gerechter, liebevoller, ehrlicher, barmherziger und friedlicher zugeht. So nimm mich an der Hand und hilf mir, dass auch ich meinen Beitrag dazu leisten kann.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 1. Oktober 2017

Silberstreif am Horizont (Predigt) hl

Erntedankfest 2017

Liebe Gemeinde,

wir hatten im Sommer in unserem Pfarrgarten noch nie so viele Insekten, Vögel und seltene Tiere wie dieses Jahr: Noch jetzt schwebt um den blühenden Asternbusch eine Wolke von Schmetterlingen, hauptsächlich Pfauenaugen und Füchse. Als die Linde blühte und später der Majoran und der wilde Wein summten tausende von Bienen ihr Lied. Hummeln und Wildbienen bevölkerten die kleine Blumenwiese, die wir für sie angelegt haben. Erstmals seit vielen Jahren ließen sich wieder Laubfrösche blicken. Ein Laubfrosch-Baby saß sogar tagelang in einer Rosenblüte. Über den Gartenteich und den Mühlbach, der durch den Garten fließt, schossen pfeilschnell die Eisvögel oder verharrten sekundenlang wie Kolibris in der Luft, um nach Beute Ausschau zu halten. Auch andere Vögel zwitscherten, trällerten und sangen von den Bäumen und Dächern ihre Lieder. Alle Nistkästen waren belegt, manche sogar mehrmals.

Doch die große Freude über die in den letzten Jahren zunehmende Lebensvielfalt in unserem Garten hat leider auch eine bittere Kehrseite. Denn der Grund, warum sich so viele Insekten und Vögel bei uns haben blicken lassen, ist einfach und erschreckend: Unser Garten ist für sie ein Zufluchtsort, eine Oase inmitten einer grünen, lebensfeindlichen Wüste. Selbst die Städte sind inzwischen zu Rückzugsorten vieler Tierarten geworden, die auf dem Land nicht mehr überleben können. Kiebitz, Lerche und Rebhuhn haben in den Altmühlwiesen dramatisch abgenommen. Auch die Schwalben sind auf dem Rückzug, um nur ein paar Vogelarten zu nennen, deren Bestand bedroht ist. In China müssen inzwischen die Obstblüten mit dem Pinsel in der Hand bestäubt werden, weil es an Insekten fehlt. Ansonsten gäbe es bereits Engpässe beim Obstanbau.
So viel ist bis jetzt bekannt: Je weniger Wildblumen, desto weniger Insekten, desto weniger Vögel. Oder anders gesagt: Das große Sterben hat begonnen. Wie wird es weitergehen?

Früher war das Erntedankfest ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Wir alle konnten es unbefangen feiern ohne dass man besorgt nachfragen musste, wie denn die Ernte zustande kam, wie die Felder bewirtschaftet wurden, wie gedüngt wurde, was gespritzt wurde, ob genverändertes Saatgut ausgebracht wurde.
Mit dieser Unbefangenheit ist es vorbei. Je schöner das Obst im Supermarkt, desto mehr Spritzmittel werden eingesetzt. Je billiger die Milch, desto mehr Gülle kommt auf die Wiese, desto mehr Nitrat gelangt ins Trinkwasser, desto mehr Silage wird verfüttert, desto mehr Hochleistungskühe werden dafür in Massen gehalten und mit Arzneimitteln behandelt.

Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist längst im Supermarkt angekommen. Wer mag schon noch Eier essen von Hühnern, die in Legebatterien gehalten werden? Wem schmeckt noch das minderwertige Fleisch von Tieren aus der Massentierhaltung? Offenbar kapieren immer mehr Menschen, dass Geiz und Gier sie krank machen und ihnen zum Verhängnis werden.

Und darum lasst uns heute am Erntedankfest Gott wieder danken für seine Segenskraft, die in der Natur steckt. Denn es sind ja nicht nur Sonne und Regen, die unsere Nutzpflanzen wachsen und gedeihen lassen. Mindestens genauso wichtig sind die zahllosen Kleinstlebewesen, die Mikroorganismen in den gesunden Böden, die für Fruchtbarkeit sorgen, die Bakterien und Amöben, die Geißel- und Wimperntierchen, Asseln, Pilze, Springschwänze und nicht zuletzt der Regenwurm, der Helfer des Menschen in Gärten und Feldern.
In dieser Hand voll Erde leben 100 Insekten, 110 Gliederwürmer, 250 Springschwänze, 250 000 Fadenwürmer, 7 500 000 Urtierchen oder Einzeller, 12 500 000 Algen, 100 000 000 Pilze 125 000 000 Bakterien. Das alles in nur einer Hand voll gesunder Erde. Das macht unsere Böden fruchtbar. Das, liebe Freunde, ist Gottes reicher Segen, den wir so oft übersehen. Wir können dafür gar nicht genug danken. Und darum werde ich nachher diese Hand voll Erde auf den Erntedank-Altar legen.

Ja, heute danken wir für die Früchte des Gartens und der Felder. Wir sagen zwar, wir würden sie produzieren. Aber das stimmt nicht. Wir produzieren die Feldfrüchte und Nutztiere genausowenig wie unsere eigenen Kinder. Denn alles, was wir sind und haben, ist Gnade, ist Gottes Geschenk. Darum sollten wir ihm auch für die Voraussetzungen danken, dass diese Früchte wachsen und wir davon leben können: Für Sonne und Regen, Hitze und Frost, für ein intaktes Klima, für die zahllosen Kleinstlebewesen, die unsere Böden fruchtbar machen und schließlich auch für die Arbeit des Menschen. Das alles zusammen ist Gottes Segen. Wir alle müssen gemeinsam darauf achten, dass wir diesen Segen nicht verpfuschen und zerstören. Denn die Folgen sind nicht nur für die Tiere, sondern auch für uns Menschen verheerend. Wir werden doch nicht weiter an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Wir werden doch um Gottes willen und um unsertwillen künftig klüger, verantwortungsbewusster, demütiger und dankbarer sein als bisher. Das hoffe ich.

Und auch das macht mir Hoffnung: Die Zahl der Menschen, die den großen Zusammenhang in der Natur versteht, in den auch wir eingebettet sind, nimmt zu. Immer mehr werden sich der Verantwortung für die Natur und das Klima bewusst, die jeder von uns hat. Nicht nur die Zahl der Insektenhotels in den Vorgärten ist sprunghaft angestiegen. Die Gärten selbst werden naturnäher. Die Blumenwiese löst allmählich den sterilen Rasenteppich ab. Die für Insekten nutzlosen Edelrosen werden durch nahrungsreiche Wildrosen ersetzt. In den Gartenwinkeln liegen inzwischen Ast- und Laubhaufen. Immer mehr Nistkästen werden aufgehängt und Futterstellen für Vögel eingerichtet. Mein Eindruck ist, dass die Menschen nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten zunehmend den Reichtum und die Schönheit der Natur entdecken und dass sie aktiv etwas dafür tun wollen. Das ist ein weiterer Silberstreif am Horizont.
Diese Entwicklung gilt es zu stärken und zu stützen. Da kann jeder einzelne von uns im Kleinen etwas dazutun. Jeder hier kann an seinem Ort einen Beitrag für eine gesunde Natur leisten, in der Mensch und Tier auch in Zukunft zum gegenseitigen Nutzen zusammen leben. Jeder von uns kann an der Fleischtheke und im Gasthaus fragen, woher das Fleisch kommt, das er essen möchte und ob die Tiere auch artgerecht gehalten werden.
Denn nicht nur der Mensch, sondern auch die Tiere, nicht nur die, die man streicheln kann, sondern auch die, die unsichtbar im Boden leben sind Gottes Geschöpfe. Sie gehören nicht uns, sondern ihm. Er hat sie und die gesamte Natur uns anvertraut, damit wir pfleglich damit umgehen, die Erde bebauen und bewahren und diesen schönen Lebensort auch unseren Kindern und Kindeskindern vererben können. Auch deshalb feiern wir heute Erntedank.

Amen

Hans Löhr 

Samstag, 30. September 2017

„… so bist du des Herrn“ hl

Losung: Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan? Amos 3,6 

Lehrtext: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: Wir leben oder sterben,  so sind wir des Herrn. Römer 14,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

‚Wenn schon – denn schon.‘ Wenn Gott schon die alles bestimmende Wirklichkeit ist und ohne ihn nichts geschieht, was geschieht, dann haben auch meine negativen Erfahrungen mit ihm zu tun: Unglück, Leid, Trauer … Aber wie er damit zu tun hat, das weiß ich nicht. Lässt er es geschehen oder tut er das Unglück selbst, wie der Prophet Amos in der heutigen Losung sagt?
     Immer wieder liest man in der Zeitung von Scheußlichkeiten, die Menschen einander antun. Ich kann und will das nicht mit Gott in Verbindung bringen.  Sonst würde ich vielleicht am Glauben irr werden. Frühere Generationen sprachen dann von dämonischen, finsteren Mächten oder vom Satan. Aber auch diese Figuren, die der Mensch auf der Bühne des Welttheaters auftreten lässt, um sich die Herkunft des Bösen zu erklären und Gott damit gleichsam zu entschuldigen, – auch diese Figuren überzeugen nicht. Sollten denn die bösen Mächte Gott Paroli bitten können? Und wenn sie das nicht können, wenn er auch sie in seiner Gewalt hat, warum lässt er es dann zu, dass sie sich austoben?
     Fragen über Fragen, auf die es keine zufriedenstellenden Antworten gibt. Ich glaube für mich ganz persönlich, dass Gott das Unglück, das geschieht, auch wieder wenden kann. Ich glaube weiter, dass Gott nicht das Gute ist, wie wir Menschen uns das vorstellen, sondern das Ganze, ohne dass ich das begreifen kann. Ja, alles hat mit ihm zu tun, Licht und Finsternis, Hitze und Kälte, Krankheit und Gesundheit, Freude und Leid, Glück und Unglück, Leben und Tod, Kreuz und Auferstehung. Ich aber halte mich nicht an die rätselhafte, dunkle Seite Gottes, sondern an das Licht seiner Gnade, das mit Jesus in die Welt gekommen ist. Ich glaube, dass das Licht siegt, und nicht die Finsternis, dass das Gute siegt und nicht das Böse, dass das Leben siegt und nicht der Tod. Auch wenn Gott das Ganze ist, so zielt sein Wille und sein Wirken doch auf ein gutes Ende von allem. 
     Der Lehrtext bestärkt mich in dem Glauben, dass Gott mein Gott bleibt und ich ihm gehöre, was auch immer geschieht. Gerade in den dunklen Stunden ist er für mich da. Und wenn es einmal mit mir zu Ende geht, ist er immer noch da und bleibt da, wenn sich Menschen längst von mir verabschiedet haben.
Wenn schon – denn schon. Wenn Gott schon der Schöpfer und Vater von allem ist, was lebt, dann bleibt er das auch. Dann gibt es nichts, was mich von seiner Liebe trennen kann, auch nicht Unglück und Tod.

Gebet: Herr, du bist nicht nur ein Gott der guten Tage. Du kommst auch in Unglück und Leid zu mir. Gib mir dann die Kraft, am Glauben festzuhalten und auf dich weiterhin zu vertrauen, was auch immer geschieht. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 29. September 2017

Die tägliche Herausforderung hl

Losung: Gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre. 5.Mose 8,2

Lehrtext: So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus. Epheser 5,15-16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich ziehe die beiden Bibelworte heute einmal zusammen und lege sie dir vor mit der Bitte, darüber nachzudenken, ob sie so auch auf dich zutreffen:
»Erinnere dich an den langen Weg, den der HERR, dein Gott, dich bis hierher geführt hat, gerade an die schweren Zeiten. Er ließ dich in Schwierigkeiten geraten, um dich auf die Probe zu stellen. So wollte er sehen, wie du dich entscheiden würdest: ob du nach seinen Geboten leben würdest oder nicht. Achtet also genau darauf, wie du lebst: nicht wie ein Unwissender, sondern wie ein weiser Menschen. Nutzte die Zeit, so gut du kannst.« (Übersetzung: HFA)
     Siehst du das genauso? Ich meine, da ist einiges dran. Oft sind es gerade die eigenen Schwierigkeiten, die einen zur Besinnung bringen und einem helfen, sein Leben neu auszurichten. Viele haben ihre problematischen Lebensgewohnheiten erst dann geändert, als sie zum Beispiel durch eine schwere Krankheit dazu gezwungen wurden. Manche sind erst dann zum Glauben gekommen, als sie ihr Leben nicht mehr in den Griff bekamen oder durch katastrophale Ereignisse im eigenen Leben oder in der Familie. Aber muss es erst soweit kommen?
     Ob das dann Gott war, der sie damit auf die Probe gestellt hat, der sie erst ins Unglück hat geraten lassen, damit sich bei ihnen etwas ändert, weiß ich nicht. Ich jedenfalls erlebe ihn nicht so. Ich möchte ihn auch nicht für meine Schwierigkeiten und mein Leid verantwortlich machen. Oft genug bin ich selbst dafür verantwortlich. Aber das glaube ich schon, dass man manchmal eben nur „auf die harte Tour“ aus Fehlern lernt. Hauptsache, man lernt wirklich daraus und lebt sein kurzes Leben bewusster als zuvor.
     »Kauft die Zeit aus!« – sagt der Apostel im heutigen Lehrtext. Also „nutze die Zeit, so gut du kannst.“ Das kann der eine besser als der andere und das hängt von vielen Faktoren ab. Auch das, so meine ich, ist Gnade, wenn ich die Möglichkeit habe, zu arbeiten und mich sinnvoll zu beschäftigen und dabei vielleicht anderen noch etwas Gutes zu tun. Denn wenn einer erst mal durch ein gravierendes Ereignis aus der Bahn geworfen worden ist, durch eine schwere gesundheitliche Krise, eine Scheidung, Arbeitslosigkeit usw. kann ein tragfähiges Lebensgerüst schnell zusammenbrechen. 
     Es sind mehr Menschen, vor allem Männer, als man denkt, die mit sich allein nicht mehr zurechtkommen und auf eine erschütternde Weise dahinvegetieren. Ich verachte sie nicht. Ich gebe ihnen für ihre Situation auch nicht die Schuld. Sie tun mir nur leid. Ihr Schicksal mahnt mich, nicht passiv zu werden, mich nicht gehen zu lassen und mich in maßvoller Selbstdisziplin zu üben. Dazu gehört und dabei hilft mir auch mein Glaube und das tägliche Gebet zu dem, der mir Kraft und Hilfe ist, der mir die Energie gibt, die ich brauche.

Gebet: Herr, du weißt, welche Kraft es mich kostet, gegen die tägliche Trägheit anzukämpfen und die Herausforderungen eines jeden neuen Tages wieder neu anzunehmen. Gib mir dazu auch künftig die Energie, die ich brauche. Du gibst mir die Einsicht, was gut für mich und andere ist. Gib mir auch die Kraft, nach dieser Einsicht zu leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 28. September 2017

Selbstverantwortung für den Glauben und das Leben hl

Losung: Wen der HERR liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn. Sprüche 3,12 

Lehrtext: Wir haben nicht Ehre gesucht von den Leuten, weder von euch noch von andern - obwohl wir unser Gewicht als Christi Apostel hätten einsetzen können. Wie eine Amme ihre Kinder pflegt, so haben wir Herzenslust an euch. 1.Thessalonicher 2,6-8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

so kann man es sehen und so  haben es viele gesehen, dass Gott den, den er liebt auch straft. Und wie? Manche meinen, dass Krankheit und Leid, Unglück oder andere negativen Erfahrungen „Zurechtweisungen“ (Losung) Gottes seien. 
     Ich sehe das nicht so. Mein Gottesbild finde ich nicht im Alten Testament, sondern in den Evangelien, wo Gott mir in Jesus Christus begegnet. Ich fühle mich Gott gegenüber auch nicht als kleines Kind, sondern als ein erwachsener Mensch, der für sein Verhalten und für seinen Glauben Verantwortung übernehmen kann. Aber zugleich bin ich auch sein Sohn so wie du sein Sohn oder seine Tochter bist, und von ihm geliebt.
     Wenn aber nun der Apostel Paulus im Lehrtext schreibt: »Niemals wollten wir persönliches Ansehen gewinnen – weder bei euch noch bei anderen Leuten. Als Apostel von Jesus Christus hätten wir bei euch doch auf unsere besondere Autorität pochen können; stattdessen gingen wir liebevoll mit euch um wie eine Mutter, die für ihre Kinder sorgt.« - wenn Paulus das schreibt, dann qualifiziert er mit diesem Vergleich uns nicht als kleine Kinder, sondern beschreibt sein Selbstverständnis als Apostel. Und dabei macht er deutlich, dass er lieber eine fürsorgliche und dienende Rolle einnehmen möchte statt mit seinem Amt aufzutrumpfen und andere einzuschüchtern. 
     Seine Autorität besteht nicht darin, dass er den Titel "Apostel" führt, sondern darin, was er von Jesus zu sagen weiß, wie er damit den Glauben stärkt und seine Gemeinden tröstet. So wie er sein Leitungs- und Predigtamt verstanden hat, so müssen auch heute die Leitungspersonen und Prediger in den Kirchen ihr Amt verstehen egal, welchen Titel sie beanspruchen. Und darum meine ich, du solltest nur dann auf sie hören, wenn sie dir etwas zu sagen haben, was dich stärkt, aufbaut, tröstet und dir neue Lebensperspektiven eröffnet.

Gebet: Herr, du entmündigst mich nicht, sondern lässt mir meine Selbstverantwortung für meinen Glauben und mein Leben. Du willst mich nicht strafen, sondern mir helfen. Denn du bist kein Mensch. Du kennst keine negativen Gefühlen, bist nicht zu beleidigen, bist nicht arrogant noch autoritär. Dir muss ich nicht gehorchen wie ein Hund, sondern kann dir vertrauen als dein Kind. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 27. September 2017

Ein guter Rat hl

Losung: Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Prediger 3,14 

Lehrtext: Der Wahrhaftige hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, und der zuschließt, und niemand tut auf. Offenbarung 3,7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Vater ist 1912 geboren und 2010 gestorben. Wenn ich mir klarmache, was sich zu seinen Lebzeiten alles ereignet und geändert hat, wird es mir schwindelig. Auch zu meinen Lebzeiten gab und gibt es enorme Veränderungen, ich denke an den Einzug des Fernseherapparats in die Wohnungen und Häuser, an die Verwendung des Computers und an das nahezu alle Lebensbereiche beeinflussende Smartphone. Ich denke an die Raumfahrt, aber auch an die atemberaubenden Entdeckungen im Bereich der Biologie und der Medizin. Die Welt hat sich für meine und die nachfolgenden Generationen geweitet, wie man sich das zuvor nicht hat vorstellen können. Wo wird das alles noch hinführen? Ich weiß es nicht.
     Ich verstehe aber, dass das nicht wenigen Angst macht. Sie finden sich in dieser digitalen Welt immer schlechter zurecht. Sie fühlen sich abgehängt, ausgegrenzt und entmündigt. Auch ich frage mich, wie lange ich das rasante Tempo der Veränderungen noch mithalten kann. 
     In diese Situation hinein spricht die Bibel einen zeitlos gültigen Satz: »Alles hat seine Zeit.« Und gleich darauf kommt der Abschnitt, in dem das heutige Losungswort steht: »Der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen. So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk. Ich begriff, dass Gottes Werk für immer bestehen wird. Niemand kann etwas hinzufügen oder wegnehmen.« (Prediger 3,11-14)
     Fällt es uns schon schwer, das, was Menschen tun, „voll und ganz zu begreifen“, so ist es unmöglich zu begreifen, was Gott tut . Und daraus zieht der „Prediger Salomo“ zwei Konsequenzen: Zum einen fühlt er sich geborgen in der ewigen Ordnung Gottes. Er glaubt, dass alles vorherbestimmt ist und dass alles den Gang nimmt, den es nach Gottes Willen nehmen soll. Warum also sich groß aufregen, warum sich groß Sorgen machen, warum sich abhetzen und stressen, wenn ohnehin letzten Endes nur das geschieht, was geschehen soll? Alles, was wir Menschen in der Zeit tun, hat auf die Ewigkeit keinen Einfluss. Darum der Rat des Predigers: Genieße das Leben jetzt, iss und trink, feiere, freue dich mit anderen und „an den Früchten deiner Arbeit“, denn auch die Arbeit, die nicht vergeblich ist, ist ein Teil der Lebensfreude. Hm, ob ich das kann? Ob du das kannst? Von allem Rat für ein gutes Leben ist der des Predigers Salomon nicht der schlechteste.
     In der Losung wird der Gedanke von Ewigkeit noch einmal auf andere Weise aufgenommen: Jesus Christus ist der Schlüssel zu allem. Er allein hat die Schlüsselgewalt, Türen zu öffnen und Türen zu schließen, Möglichkeiten zu eröffnen und Möglichkeiten zu beenden, ja zu sagen und nein. Er hat das letzte Wort, so sagt es das neue Testament. Darum tue ich gut daran, auf ihn zu hören und nicht auf die aufgeregten Wörter von aufgeregten Menschen in aufgeregten Zeiten.

Gebet: Herr, dein Wille geschieht. Und darin fühle ich mich geborgen. Denn du weißt, welchen Sinn alles hat, gerade das, was ich nicht verstehe. Du weißt, wohin alles führt. Denn du hast den großen Überblick über Raum und Zeit und Ewigkeit. Ich vertraue dir, dass du weißt, was du willst und dass du alles zu dem guten Ende bringst, das du für deine Geschöpfe und auch für mich vorgesehen hast. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 26. September 2017

Beten für Menschen in Not hl

Losung: Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat. Nehemia 9,32 

Lehrtext: Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich! Markus 10,48-49 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     Deutschland hat gewählt. Das Ergebnis führt zu vielen aufgeregten Diskussionen. Aber inmitten aller Aufregung möchte ich doch festhalten: Uns hat kein Elend getroffen, wie das die Israeliten zur Zeit Nehemias von sich sagen mussten (Losung). Und es sieht auch nicht danach aus, dass das Elend demnächst an unsere Tür klopft. Alles in allem bin ich froh und dankbar, in diesem Land leben zu können, in einer funktionierenden Demokratie, in einem Rechtsstaat, in einem wohlhabenden Land. Und diejenigen, die alles nur noch kritisch sehen können, möchte ich fragen: In welchem Land wollt ihr denn dann leben? Wo, meint ihr, ginge es euch besser? Selbstverständlich ist nicht alles gut bei uns. Selbstverständlich kann und sollte manches besser werden und dabei denke ich beispielsweise an das Thema Altersarmut oder an den Klimaschutz, also an Themen, die verschiedene Generationen betreffen. Da sind jetzt die neu gewählten Politikerinnen und Politiker in der Pflicht. Und wir Christen sollten sie mit unseren Gebeten unterstützen.

Beten für die Erdbeben- und Sturmopfer

     Aber unsere Gebete brauchen auch andere, die zur Zeit wirklich großes Elend getroffen hat. Eine Leserin der Losungsauslegungen hat mir aus Mexiko geschrieben:
»Nach dem, was wir hier in Mexiko-Stadt durchgemacht haben, brauche ich Trost. Vor allem die Nächte sind schwierig... die Angst, es könnte wieder beben, die Alarmsirene, immer muss man auf Abruf sein, fast ein kriegsähnlicher Zustand. Ich hoffe und bete jeden Abend, zusammen mit meinem Mann, dass jetzt keine starken destruktiven Beben mehr kommen und Gott uns die Zeit gibt, die wir brauchen, um umzuziehen. Ich würde mich sehr freuen und es ausserordentlichst schätzen, wenn Sie, Herr Pfarrer Löhr, bitte für uns hier in Mexiko-Stadt beten könnten; dass Gott uns beschützt vor weiterem Unheil, dass es bitte, bitte nicht mehr zu weiteren starken Erdbeben kommt.....«
     Ja, das will ich tun und bitte auch dich, die Erdbebenopfer in Mexiko und die Sturmopfer in der Karibik nicht zu vergessen. Es ist so wichtig, dass es rund um unseren Erdball ein Gebetsnetz gibt, das diejenigen auffängt, die zur Zeit in großer Not sind. Gemeinsam können wir ein paar Maschen in diesem Netz sein und an Gottes Treue festhalten gerade mitten in der Angst.
     Auch der blinde Bartimäus aus dem Lehrtext schrie seine Not hinaus, schrie um Hilfe, als er mitbekam, dass Jesus vorüberging. Der blieb stehen und rief ihn zu sich. Und diese Botschaft aus der Bartimäusgeschichte möchte ich an die Menschen in Mexiko weitergeben genauso wie an alle hier in unserem Land, denen es zurzeit nicht gut geht und die darauf angewiesen sind, dass Gott ihnen hilft. Ihnen, euch und gegebenenfalls auch dir möchte ich sagen: »Sei getrost, er ruft dich.« 
     Nein, er überhört kein Gebet. Von diesem Glauben lasse ich mich nicht abbringen. Aber er fragt auch wie er den blinden Bartimäus gefragt hat: »Was willst du, dass ich dir tun soll?« Ich soll ihm also genau sagen, was ich will und alle meine inneren Kräfte darauf ausrichten. Soll ihm sagen: „Herr, ich möchte… Und ich vertraue darauf, dass du mir helfen wirst, weil ich sonst nicht zu dir beten würde.“ Dann kann Jesus auch zu mir sagen oder zu dir: »Dein Glaube hat dir geholfen.« (Markus 10,52)

Gebet: Herr, ich bitte dich für Janina aus Mexiko, ihre Angehörigen und alle Menschen dort, die vom Erdbeben betroffen sind: Beschütze sie vor weiterem Unheil und tröste sie in ihrer Angst. 
Ich bitte dich für Markus, dem eine schwere Gehirnoperation bevorsteht, dass ihm durch die Kunst der Ärzte geholfen werden kann. 
Ich bitte dich für Peter, dass er sich von seinem Zusammenbruch wieder erholen kann. 
Ich danke dir für Robin, dass du die vielen Gebete für ihn erhört hast und er seinen schweren Unfall überlebt hat. Ich danke dir, dass er wieder bei Bewusstsein ist. Begleite ihn weiterhin auf dem schweren und langen Weg der Genesung. 
Und ich bitte dich für die neu gewählten Politikerinnen und Politiker, dass du sie mit deinem Geist leitest, damit sie unser Land zum Wohl von allen regieren, die hier leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 25. September 2017

Nie wieder ein schlechtes Gewissen hl

Losung: Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. Psalm 30,6 

Lehrtext: Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat dir die Religion schon mal ein schlechtes Gewissen gemacht oder Angst? Ist es vielleicht heute noch so, dass du dich mit Blick auf Gott manchmal nicht wohlfühlst, weil du seine Missbilligung zu spüren meinst oder gar seinen Zorn? Dann frage dich, wem dein schlechtes Gewissen tatsächlich nützt. Gott, wie er mir in Jesus begegnet, hat jedenfalls kein Interesse daran. Er hat es nicht nötig, dass du dich seinetwegen schlecht fühlst. Warum auch? 
     Aber mit Religion und schlechtem Gewissen wurden schon immer Geschäfte gemacht. Denn damit haben Religionsführer die Gläubigen in der Hand. Man kann dann auf sie Druck ausüben, sie manipulieren und beherrschen. Man kann ihre Ergebenheit erpressen und damit auch ihr Geld. Und man kann dann die Gläubigen damit wieder zufrieden stellen, dass man ihnen einredet, sie wären Mitglieder der einzig wahren Religion oder Kirche oder Glaubensgemeinschaft. Sie würden zu den Erwählten gehören, zu den Geretteten, zu denen, die auf der richtigen Seite sind.
     Gott sei Dank wendet sich das Blatt. Immer mehr fragen sich, welche Art von Verkündigung, Gottesdiensten oder Seelsorge hilft mir und tut mir gut. Immer weniger fragen danach, ob sie das dürfen, nämlich dorthin zu gehen, wo sie Brot statt Steine bekommen, wo ihre Seele statt wird statt hungern zu müssen egal um welche Konfession oder um welche Kirchengemeinde es sich handelt. Du bist gegenüber deiner Kirche, deinem Bekenntnis, deiner Gemeinde und deinem Pfarrer / deiner Pfarrerin frei. Du hast keinerlei Verpflichtung, irgendwo dabei zu sein oder mitzumachen, wo es dir nicht gut geht. 
     Nicht du hast eine Bringschuld, sondern deine Kirche oder Gemeinde. Sie hat die Pflicht und Schuldigkeit, dir den liebenden Gott nahezubringen, an den zu glauben und mit dem zu leben eine Freude ist. Sie hat die Aufgabe, dir das Liebesgebot nahezubringen, demzufolge du Gott und deine Mitmenschen lieben sollst wie dich selbst. Und wenn du das nicht tust, musst du dich nicht vor einer göttlichen Strafe fürchten, sondern über dich selbst ärgern, dass du dir die Folgen selber eingebrockt hast.
     Schon im Alten Testament ist das Verhältnis von Gottes Zorn zu seiner Gnade das von 'Augenblick' zu 'lebenslang' (Losung) Wie lange dauert wohl einen Augenblick: Eine Zehntelsekunde? Eine Sekunde? Oder auch zwei? Und wie lange dauert ein Leben? Heutzutage kann es in unserem Land 90 und mehr Jahre dauern. Vergiss also das Gerede von Gottes Zorn. Es hat seine Zeit gehabt. Halte dich an seine Gnade. Sie ist teuer. Sie hat Gott seinen Sohn gekostet. Und du bekommst sie von ihm geschenkt. 
     Der Lehrtext sagt ein weiteres Mal mit aller wünschenswerten Deutlichkeit: Nicht deine moralischen Bemühungen sind es, nicht deine religiösen Anstrengungen, nicht deine Leistungen und Erfolge, womit du auf Gott Eindruck machen könntest, um sein Wohlwollen zu gewinnen. Es ist einzig allein seine Sache und einzig allein sein Geschenk, dass er dein Vater ist und du sein Sohn / seine Tochter - und das für immer. Deine Sache ist es, das vertrauensvoll anzunehmen und in diesem Glauben zu leben.
     Darum lass dir nie wieder von einem Papst, einem Bischof, einem Dekan, einem Pfarrer, einem Gemeinschaftsleiter oder Hauskreisleiter im Hinblick auf deinen Glauben und dein Leben ein schlechtes Gewissen oder gar Angst machen. Halte dich lieber gleich an Gott, der dir in Jesus begegnet, an den barmherzigen und gnädigen, an den, der ermutigt, tröstet und vergibt.

Gebet:  Herr, du zwingst mich nicht, an dich zu glauben und dich zu lieben. Du freust dich aber, wenn ich aus freien Stücken zu dir komme. Du hilfst mir gerade da, wo ich versagt habe. Du liebst mich gerade da, wo ich deine Liebe brauche. So machst du mir Mut zum Leben und schenkst mir Freude am Glauben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 24. September 2017

Gottes Wahlempfehlung hl

Losung: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst. 5.Mose 30,19 

Lehrtext: Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben. Johannes 10,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wirst du heute noch wählen? Du solltest dieses Recht wahrnehmen, damit du nicht zuletzt die Freiheit stärkst, zwischen verschiedenen Parteien wählen zu können. 
Ich geb dir keine Wahlempfehlung. Und doch frage ich dich: 
     Was wirst du wählen - im Sinn der heutigen Losung? Leben oder Tod? Segen oder Fluch? Gott gibt eine eindeutige Wahlempfehlung, da er sagt: »Wähle das Leben, dass du am Leben bleibst, du und deine Kinder!« 
     Diese Wahlempfehlung ist weit über 2000 Jahre alt. Damals ging es um die Frage, liebe ich Gott und höre ich auf ihn oder diene ich anderen Göttern? Und heute? Heute ist diese Frage noch immer aktuell. Woran hänge ich mein Herz? An wem orientiere ich mich? Wem diene ich? Gott ist noch immer derselbe. Nur die anderen Götter haben inzwischen andere Namen und Bedeutungen. Nicht nur heute in der Wahlkabine, sondern jeden Tag habe ich die Wahl, mich für meine Gier, meine Angst, meine Enttäuschung zu entscheiden ODER eine verantwortungsbewusste Wahl zu treffen. 
# Ich kann wählen zwischen dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und meiner Verantwortung für meine Kinder und Enkelkinder, dass auch sie in einer lebenswerten Welt leben können. 
# Ich kann wählen zwischen dem großen Gott, der alles Leben geschenkt hat und der großen Gier, die alles Leben wieder verschlingt: die Gier nach Profit um jeden Preis und sei es um den Preis des Lebens. 
     Ich lebe auf dem Land. Ich habe täglich vor Augen, wie den Insekten und Vögeln der Lebensraum genommen wird. Flächenfraß, Monokulturen, Pflanzen- und Insektengifte, Vernichtung der Artenvielfalt, Überdüngung, ... Das große Sterben hat begonnen. Wer ist nach den Insekten und Vögeln dran?
# Ich kann wählen zwischen Leben und Tod, Segen und Fluch, zwischen dem lebendigen Gott und einer tödlichen Gottlosigkeit. 
     Und das ist nicht nur eine Wahl an einem bestimmten Tag zwischen verschiedenen Parteien mit verschiedenen Programmen. Das ist eine Wahl, die ich jeden Tag treffen muss, die Wahl zwischen einem verantwortungsvollen Lebensstil und einem unverantwortlichen Konsum, zwischen Zufriedenheit und Gier, zwischen dem barmherzigen Gott und dem unbarmherzigen Menschen, der sich selbst zu Gott macht.
     Im Lehrtext sagt Jesus, dass er uns „Leben in Fülle“ bringt. Und das sind nicht Waren, die man für Geld kaufen kann, die doch nicht satt machen, sondern nur noch unersättlicher. „Leben in Fülle“ hat, wer sich von Gott geliebt und in ihm geborgen weiß; wer ihm seine Angst und seine Sorgen geben kann und dafür seinen Frieden empfängt; wer Verantwortung übernimmt für sich, seine Mitmenschen und die Schöpfung.

Gebet: Herr, ich gestehe, wir Menschen haben versagt. Wir sind dem Auftrag, den du uns gegeben hast, dass wir die Erde bebauen und bewahren, nicht gerecht geworden. Wir strafen uns selbst mit den Folgen, die das schon hat und die das noch haben wird. Ich will versuchen, an meinem Platz einen kleinen Beitrag für deine Erde zu leisten. Aber das reicht nicht. So bitte ich dich: Herr, erbarme dich über uns Menschen, erbarme dich über deine Schöpfung. Bleibe du uns freundlich zugewandt und rette uns vor uns selbst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 23. September 2017

Was die Bibel sagt, wer ich bin hl

Losung: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Psalm 8,5 

Lehrtext: In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Epheser 1,4-6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es darum geht, was die Bibel von dir und von mir hält, wird immer auch der Psalm 8 zitiert, aus dem das heutige Losungswort kommt. Doch um dieses Wort verstehen zu können, will ich es noch einmal in seinem Zusammenhang bringen. Da heißt es: 
     „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“ (Psalm 8,4-7)
     Das scheint auf den ersten Blick eine widersprüchliche Aussage über den Menschen zu sein. Einerseits heißt es, dass der Mensch angesichts des Universums winzig und unbedeutend ist. Andererseits, dass Gott sich trotzdem seiner annimmt, ja, dass er mit Gott fast schon auf einer Stufe steht.
     Was stimmt nun? Ich denke, dass der Lehrtext uns bei der Suche nach der Antwort hilft.
Nein, als Mensch bin ich keineswegs „wenig niedriger als Gott“. Ich bin unvollkommen, fehleranfällig, sterblich. Im Vergleich zu den Tieren habe ich ein Gehirn mit erstaunlichen Fähigkeiten. Doch mit Gott möchte ich mich gar nicht erst vergleichen. Er ist nicht höher als ich bin. Er ist komplett anders: einzigartig, unvergleichlich, unfassbar. Er ist die Macht, die alles schafft. Die alles bestimmende Wirklichkeit. Er ist und bleibt für mich als Mensch unzugänglich, unbegreiflich, unerreichbar.
     Aber nun gilt, was der Lehrtext sagt: »In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus.« Ich bin und bleibe Mensch, ein winziges Staubkorn im Vergleich zur Größe des Universums. Doch Gott bestimmt mich dazu sein Kind zu sein.
     Wenn es also im Psalm 8 heißt, dass er den Menschen wenig niedriger gemacht hat als sich selbst, dann ist das keine Qualität, die mir als Mensch zueigen wäre. Sondern er erhebt mich sozusagen in den Adelsstand der Gotteskindschaft, weil er es so will, weil sein Sohn Jesus Christus mich und dich Bruder oder Schwester nennt und so zu Kindern Gottes macht.
     Das ändert gar nichts an meiner ganzen Hinfälligkeit, an meinem Versagen, an meiner Schuld. Ich bleibe der, der ich von Natur aus bin und brauche mir nicht im geringsten einzubilden, Gott auch nur im entferntesten ähnlich zu sein. Doch zugleich nimmt er mich als sein Kind an und gibt sich mir als mein Vater zu erkennen, weil ich seine Liebe brauche. 
     Das also hält die Bibel von mir und von dir, dass wir, dass alle Menschen Gottes Kinder sind im umfassenden Sinn und mit allen Konsequenzen. Es ist gut, wenn wir das selbst von uns halten. Denn das stärkt unser Selbstbewusstsein, unsern Lebensmut und unsere Zuversicht.

Gebet: Herr, niemand außer dir bestimmt, wer ich bin. Auch ich selbst nicht. Du willst, dass ich lebe. Du willst, dass ich dein Kind bin. Du willst, dass ich dich und deine Liebe in Jesus Christus erkenne. So erfahre ich, wer ich bin: von dir grundlos und bedingungslos geliebt, weil ich deiner Liebe bedürftig bin. So kann ich mich nun selbst neu verstehen und als dein Mensch, als dein Sohn leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 22. September 2017

Hinsehen und hinhören hl

Losung: Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR. Sprüche 20,12 

Lehrtext: Prüft aber alles und das Gute behaltet. 1.Thessalonicher 5,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum nicht mal einen Witz erzählen: Geht ein Schwabe zum Optiker. Sagt: „I hätt gern a Brill." Die Verkäuferin: "Kurzsichtig? Oder Weitsichtig?" Sagt der Schwabe: "Hm, am liebste durchsichtig."
     Aber was meint nun die heutige Losung? 
- Ich denke, hier geht es um ein Auge, das nicht nur sieht, sondern genau hinsieht, wie es in dieser Welt zugeht. Nein, nicht die Liebe macht blind, sondern die Gleichgültigkeit. Wirkliche Liebe hat keine rosa Brille auf, sondern sieht, was anderen weh tut. 
- Und es geht in der Losung um ein Ohr, das nicht nur hört, sondern genau hinhört - auf Gottes Wort wie auf die Schreie von Menschen in Not.
     Einfacher wäre es, sich Augen und Ohren zuzuhalten oder wegzusehen. Diese „Kunst“ beherrschen viele. Aber die „Kunst“ hinzuhören und hinzusehen ist offenbar nicht sehr verbreitet. Es kommt dann noch hinzu, dass ich auch mein Herz nicht verschließe und meine Hand nicht zurückziehe. *
     Der Lehrtext sagt: „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge“ braucht auch wer prüft, was er für sich annehmen und wonach er sich richten will. Und, so möchte ich hinzufügen, er braucht ein weites Herz. Das befähigt ihn, auch von anderen zu lernen und Gutes anzunehmen, von denen, die anders sind, fremd und eigen-artig. Ich jedenfalls habe für meinen Glauben auch von Christen in Tansania und in den USA gelernt. 

Gebet: 

1 Herr, gib uns Mut zum Hören
auf das, was du uns sagst.
Wir danken dir,
dass du es mit uns wagst.

2 Herr, gib uns Mut zum Sehen
auf Menschen in der Not.
Wir danken dir,
durch uns gibst du das Brot. *

3 Herr, gib uns Mut zum Reden,
was hilfreich ist und wahr,
wir danken dir,
dein Wort ist stark und klar.

4 Herr, gib uns Mut zum Glauben
an dich, den einen Herrn.
Wir danken dir,
denn du bist uns nicht fern.

(Verse 1 und 4 Kurt Rommel. Verse 2 und 3 HL)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

* Erdbebenopfer in Mexico. Sturmopfer in der Karibik

Donnerstag, 21. September 2017

Seinen Freunden gibt er es im Schlaf hl

Losung: Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Psalm 127,2 

Lehrtext: Mein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus. Philipper 4,19 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du ein Freund Gottes? Du überlegst? Doch, du bist einer. Denn das hängt nicht von dir ab, sondern von ihm.
     Viele aber wissen nicht, dass sie Gottes Freunde sind und werden es vielleicht auch nie erfahren. Schade, denn es würde ihnen helfen, gelassener und zuversichtlicher zu sein. Stattdessen meinen sie, ihr Leben ausschließlich selbst in die Hand nehmen und es mit viel Einsatz und Stress so hinbiegen zu müssen, wie es die gesellschaftliche Anerkennung fordert. Dabei sind nicht wenige zu großen und bewundernswerten Leistungen fähig. Aber ein solches Leben kostet seinen Preis. Die hohen Anforderungen, die heutzutage In Ausbildung und Beruf gestellt werden und die man an sich selbst stellt, übersteigen nicht selten die eigenen Kräfte. Das geht auf Kosten der Gesundheit und der Beziehungen.
     Freunde Gottes haben die Zusage, dass man selbst nicht alles geben muss, sondern dass auch Gott etwas dazugibt. Es ist schon gut, wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten meinen Teil dazu beitrage, die mir gestellten Aufgaben zu erfüllen. Es ist aber auch gut, wenn ich meine Grenzen kenne und dann auch einmal Ruhe gebe. Und dann, so sagt es das heutige Losungswort, kann ich darauf vertrauen, dass auch Gott vieles zu meinen Gunsten fügt. Und warum soll das auch nicht gerade dann geschehen, wenn ich schlafe?
     Vielleicht erkenne ich seinen Beitrag nicht immer sofort. Vielleicht verschließt er mir auch einen Weg, den ich unbedingt gehen will, weil er nicht gut für mich ist und er stattdessen einen besseren weiß. Aber niemals bleibe ich ohne seine Hilfe. Das sagt auch der Lehrtext, der darauf hinweist, dass ich nicht perfekt sein muss, sondern das, was mir abgeht von Gott bekommen werde.

Abendgebet: Herr, alles was der Tag heute gebracht hat, lege ich nun zurück in deine Hand. Das, was mir gelungen ist, was mich gefreut und was mir gut getan hat, - ich lege es zurück - und was ich versäumt habe, woran ich gescheitert bin, was mich enttäuscht und mir weh getan hat. Alles was mir durch den Kopf geht, – ich lege es zurück. Alle meine Sorgen, - ich lege sie in deine Hand. Du aber schenke mir einen erholsamen Schlaf, dass ich neue Energien tanke und füge alles, was ich dir gegeben habe, zu meinem Besten. Amen

Was heute war, gehört, Herr, nun dir.
Ich gebe es ab. Gib du mir dafür
den Trost des Schlafes, den Frieden der Nacht,
in der dein Engel treu bei mir wacht.
Freude und Sorgen - nimm du sie hin.
Wandle zum Segen nach deinem Sinn,
was ich dir schuldig geblieben bin.
Alles, was ich nicht zuende gebracht,
bring du zuende in dieser Nacht.
Auch meine Lieben vertrau ich dir an.
Sei für sie da wie ich es nicht kann.
Das, wozu ich nicht imstande bin,
du wirst es fügen, du bringst es hin.
Hülle mich in deinen Segen ein,
lass mich bei dir geborgen sein. (HL)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 20. September 2017

Geist und Ungeist hl

Losung: Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Joel 3,1 

Lehrtext: Petrus sprach: Da Jesus nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr seht und hört. Apostelgeschichte 2,33 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein Geist herrscht eigentlich in unserem Land? Ein Geist des Friedens und der Mitmenschlichkeit? Ein Geist der Freundlichkeit und der Dankbarkeit?
     Angesichts dessen, wie gut es uns allen in Deutschland geht im Vergleich zu den Menschen in anderen Ländern, könnte man meinen, dass ein solcher guter Geist in unserem Land herrschen müsste. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch etliche gibt, die auf der Schattenseite unserer Gesellschaft leben. Aber in welchem Land würden sie das nicht? Das ist kein Grund, sie zu übersehen und zu vernachlässigen. Sie bleiben eine Herausforderung für unser Land, dass auch ihr Schicksal erträglicher werde. Doch die weitaus meisten Menschen hier hätten allen Grund, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.
     Mein Eindruck ist ein anderer. Mich erschreckt, was man in Internetforen für hasserfüllte Kommentare liest zum Beispiel zu Meldungen von tagesschau-online oder was über das Verhalten mancher Leute auf den Marktplätzen unserer Republik berichtet wird, die ihre Wut und ihren Hass gegen Politiker und Minderheiten hinausbrüllen. Was für ein Geist ist nur in sie gefahren? Woher nur diese Aggressivität?
     Ach dass doch die Zeit schon da wäre, von der in der Losung die Rede ist, die Zeit, in der Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießt, über alle ohne Ausnahme. Aber haben nicht längst alle, die an Jesus Christus glauben und sich haben taufen lassen den Heiligen Geist empfangen? Petrus legt das zumindest nahe, wenn man die weiteren Bibelworte liest, die auf den heutigen Lehrtext folgen. Ich will das auch glauben. Aber ich weiß doch auch, wenn ich in mich hineinschaue, dass da immer auch noch ein anderer Geist ist. Er kommt nicht von Gott, sondern aus dem, was mich aufregt und treibt, aus einem gefährlichen Gemisch aus Gier und Furcht, Abneigung und Vorurteilen, Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit. Und so liegt in mir der eine Geist mit dem anderen im Streit. Welcher wird gewinnen? Der, den ich füttere, dem ich in mir Raum gebe und freien Lauf lasse.
     Jedenfalls kann und will ich von mir nicht sagen, dass ich den Heiligen Geist gepachtet hätte. Und ich bin auch allen anderen gegenüber höchst skeptisch, die von sich den Eindruck erwecken als hätten sie ihn gepachtet. Kein geweihter katholischer Priester, kein ordinierter evangelischer Pfarrer besitzt den Heiligen Geist. Wir alle zusammen können nur immer wieder neu darum bitten, dass wir ihn empfangen, wenn der Ungeist in uns wütet und nach Alleinherrschaft schreit.
     Offenbar verhalten sich Geist und Ungeist wie eine Flüssigkeit, die alles durchdringt. Der Heilige Geist ist wie frisches, klares Quellwasser, das Gott "ausgießt", das den Durstigen belebt. Der Ungeist aber ist wie Meerwasser, das den Durst nicht löschen kann, das nur noch durstiger macht, den Organismus vergiftet und tötet.
     Und so führt mich die Frage, was für ein Geist in unserem Land herrscht zuerst zu mir. Was für ein Geist herrscht in mir? Wes Geistes Kind bin ich? Welchen Gefühlen und Gedanken gebe ich in mir Raum? Was sind meine Maßstäbe? Woran orientiere ich mich? Was hilft im Zusammenleben mit anderen und was schadet? Was stärkt meinen Glauben und was schwächt ihn? 
     Einmal wird Gott seinen guten Geist ausgießen über alle (!) Menschen. Bis dahin liegen Geist und Ungeist noch miteinander im Streit: in der Welt, in unserem Land, in mir. Bis dahin kann ich mich täglich neu entscheiden, welchem Geist ich folge.

Gebet: Herr, ich bitte dich um deinen Heiligen Geist, dass mein Glaube wachsen und meine Liebe zu dir und meinen Mitmenschen blühen kann. Ich bitte dich um deinen Geist für alle deine Menschen, dass sich der Friede durchsetze und die Freundlichkeit siege. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 19. September 2017

Kein Zwang, keine Gewalt! Ein Wahlaufruf hl

Losung: Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen und ihm einträchtig dienen. Zefanja 3,9 

Lehrtext: Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

würde es dir auch gefallen, wenn endlich mal aller Streit in den Familien begraben wäre, die Gräben zwischen den politischen Lagern zugeschüttet wären und die Feindseligkeit zwischen Staaten und Völkern sich wie ein Unwetter für immer verzogen hätte? Ich denke, viele tragen in sich die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Harmonie, wo die Menschen, die bis jetzt in verschiedene Fraktionen, Religionen und Konfessionen gespalten sind, endlich einmal einträchtig lebten und zum Wohl aller zusammenwirken würden.
     Aber wenn man nur ein bisschen weiter denkt, kommt man aufgrund geschichtlicher Erfahrung schnell zu dem Ergebnis, dass das alles andere als ein erstrebenswertes Ziel ist. Es hat viele Versuche in der Geschichte der Menschen gegeben, Einheit im Denken und Handeln herzustellen. Und alle diese Versuche endeten in einem menschenverachtenden Totalitarismus, wenn Diktatoren, Parteien oder Religionsführer ihre Ideen, ihre Sichtweise, ihre politischen und religiösen Ziele für die einzig wahren ansahen und daneben nichts anderes mehr duldeten: 
     Im Alten Ägypten galt nur das Wort des Pharao. Mohammed war nur anfangs tolerant und als zum Beispiel die Juden seine Religion nicht annehmen wollten, wurde er gewalttätig. Karl der Große zwang die heidnischen Sachsen mit brutaler Gewalt, sich taufen zu lassen. Im Dreißigjährigen Krieg schlugen sich Protestanten und Katholiken gegenseitig die Köpfe ein. Hitler ebenso wie Stalin in der Sowjetunion, wie Pol Pot in Kambodscha und Mao Tse Tung in China opferten vor wenigen Jahrzehnten Abermillionen von Menschen auf dem Satansaltar ihrer Ideologie. Sie maßten sich an, allein herrschen und bestimmen zu wollen, was sein darf und was nicht. Alle diese Gräueltaten begannen damit, dass abweichende Meinungen nicht mehr geduldet und oppositionelle Kräfte ausgerottet wurden.
     Es ist schon fast ein Gesetz, dass man es Menschen nicht erlauben darf, diktatorisch und totalitär zu werden. Ausschließlich Gott darf das Recht haben, die Völker zu einen, dass alle ihm einträchtig dienen (Losung) und bekennen, wem allein alle Macht und Ehre gebührt (Lehrtext). Wehe aber, wenn Menschen sich erdreisten, dem ein bisschen nachhelfen zu wollen. Es bleibt unsere Aufgabe, zu ertragen, dass wir unterschiedlich sind, abweichende Meinungen haben, verschiedenen Religionen und Konfessionen anhängen, unterschiedliche Ziele verfolgen und Lösungen im Streit der Meinungen finden müssen. Es bleibt aber auch dabei, dass dies alles ohne Zwang und Gewalt geschehen muss, um neue Katastrophen zu verhindern.
     Hier in Deutschland haben wir die Möglichkeit, unterschiedliche politische Auffassungen frei und ungehindert zu äußern, Parteien mit je eigenen Zielen zu bilden und geheim zu wählen. Wir haben aber dieses Recht nur so lange, wie wir davon Gebrauch machen. Darum gefährdet jeder, der nicht zur Wahl geht, unsere Demokratie und Freiheit. Ich sage das so deutlich, weil wir uns den Luxus der Politikverdrossenheit und der Wahlmüdigkeit nicht leisten dürfen. Auch wenn man mit keiner Partei übereinstimmt, ist man doch verpflichtet, unter den vielen die zu wählen, mit der man sich noch am ehesten identifizieren kann.
     Wir brauchen eine lebendige Demokratie mit einer stabilen Regierung und einer starken Opposition. Das ist nicht zuletzt auch eine Voraussetzung dafür, dass die Glaubensfreiheit in unserem Land erhalten bleibt.
     Was Losung und Lehrtext heute sagen, ist ein Versprechen, das Gott erfüllen wird und nur er allein. Würden wir Menschen das versuchen, wäre es eine verhängnisvolle Gleichschaltung mit den aus der Geschichte bekannten Folgen.

Gebet: Herr, in allen Religionen der Welt suchen dich Menschen, um dich zu ehren und dir zu dienen. Ich bitte dich, dass du dich ihnen zu erkennen gibst. Doch zuerst bitte ich dich, dass du dich uns, den Christen, zu erkennen gibst als der Gott, der in Jesus zu uns kommt, als der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit, der menschenfreundlich und barmherzig ist, der rettet und erlöst. Gib uns die Gelassenheit und Kraft, all die anderen Religionen und abweichenden Glaubensformen zu ertragen. Wir wollen aber durch unser gutes Beispiel auch andere zum Glauben an dich einladen, dass sie mit uns bekennen: Du bist der Herr und Vater von allem was lebt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr