Donnerstag, 10. Oktober 2019

Mit Liebe heilen hl

Losung: Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen; gerne will ich sie lieben. Hosea 14,5

Lehrtext: Erbarmt euch derer, die zweifeln. Judas 1,22

Liebe Leserin, lieber Leser,

Moment mal, habe ich das gerade richtig gelesen, was in der Losung steht, dass Gott die Abtrünnigen, also die Gottlosen, heilt und liebt? Steht das wirklich im Alten Testament? Kein Zweifel. So ist es.
     Das trifft zumindest auf das zu, was der Prophet Hosea in Gottes Namen sagt. Trifft das auch auf das zu, was du glaubst? Und was würde das für dein Verhalten gegenüber denen  bedeuten, die ihr Vertrauen auf Gott verloren oder weggeworfen haben?
     Wenn ich die Losung richtig verstehe, dann ist ein solcher Mensch, der Gott nicht (mehr) vertrauen kann in seinen Augen verletzt und darauf angewiesen, wieder heil und gesund zu werden. Aber er ist nicht geistig oder psychisch krank. Vielmehr hat er so etwas wie eine offene Wunde, weil er etwas verloren hat, das im Grunde wesensmäßig zum Menschsein dazu gehört. Und das ist nun mal die Möglichkeit, auf Gott vertrauen zu können.
     Gott sieht also einen solchen Menschen nicht als schuldig an, nicht als Sünder oder böswilligen Leugner. Vielmehr sieht er seine innere Not, die der Mensch selbst vielleicht gar nicht als solche wahrnimmt. Und er weiß, er kann einen solchen verletzten Menschen nur mit seiner Liebe heilen.
     Im Alten Testament ist diese Sichtweise eher die Ausnahme. Im Neuen Testament, genauer, bei Jesus ist sie das Zentrum. Genau so hat er sich verstanden, als Heiland, als Arzt für die, die Gott verloren haben, um sie aufzusuchen und mit seiner Liebe zu heilen.
     Und wer das große Glück hat, glauben und auf Gott vertrauen zu können, wer das große Glück hat, zu spüren, dass Gott ihn liebt – der wird wohl ebenfalls denen mit Verständnis und Liebe begegnen, die dieses Glück nicht haben und zweifeln (Lehrtext).

Gebet: Herr, wenn ich unsicher werde im Glauben, so halte mich. Wenn ich dich verliere, so suche mich. Ich kann ja für meinen Glauben nicht garantieren. Aber du kannst ihn stärken und meine Seele heilen. Ich kann ja für meine Liebe zu dir nicht garantieren. Aber du kannst mich lieben und tust das auch. Lass mich mit deinen Augen meine Mitmenschen sehen, besonders die, denen du fehlst. Ich will für sie beten und behutsam dein Zeuge sein, dass sie auf dich aufmerksam werden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

p.s. Mein Statement nach dem versuchten Terrorangriff auf betende Juden in Halle: Man darf nicht unsere Kinder kritisieren, verachten oder gar töten, weil sie Kinder sind. Man darf nicht unsere Juden kritisieren, verachten oder gar töten, weil sie Juden sind.

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Mittwoch, 9. Oktober 2019

Erinnerungszeichen hl

Losung: Jakob sprach: Lasst uns nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege. 1.Mose 35,3

Lehrtext: Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Epheser 5,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

gibt es eigentlich in deiner Wohnung etwas, das dich daran erinnert, dass dir Gott einmal aus einer schwierigen Lage geholfen hat? Mancher hat sich die Krücken aufgehoben, an die er lange Zeit „gefesselt“ war. Und jetzt, da er wieder laufen kann, spürt er in sich Dankbarkeit, sooft er sie sieht. Ein anderer hat sich die Genesungswünsche aufgehoben, die er während seiner schweren Krankheit bekommen hatte. Ab und zu liest er sie sich dankbar durch. Es gibt auch Leute, die einen schweren Unfall überlebt und zur Erinnerung an ihre Rettung einen Baum gepflanzt haben. Aber wohl die meisten haben keine solchen Erinnerungsstücke, aus welchem Grund auch immer.
     Jakob hat zum Gedenken an Gottes Hilfe einen Altar in Bethel gebaut, an der Stelle, an der ihm Gott sagte, dass er trotz seiner großen Schuld eine gute Zukunft haben werde. Damals war er auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, den er, wie auch den blinden Vater Isaak, schmählich hintergangen hatte. Seine Zukunft war ungewiss. Er hatte weiter nichts als das nackte Leben. Jetzt aber war er reich, hatte schon elf Söhne und eine Unmenge Vieh. Und, so sagt die Bibel, Gott segnete ihn noch einmal in Bethel und versprach ihm und seiner Familie eine große Zukunft.
     Happy End? Alles in Butter? Nein, auch dem im Grunde glücklichen Jakob widerfuhr gleich darauf großes Leid, als seine über alles geliebte Rahel kurz vor Bethlehem an der Geburt seines zwölften Sohnes Benjamin starb.
     Keinem Menschen hat Gott das Paradies auf Erden versprochen, Jakob nicht, mir nicht und dir nicht. Wir alle müssen immer wieder durch tiefe, finstere Täler. Gerade dann ist es wichtig, sich an die Zeit zu erinnern, da wir unbeschwert unter der Sonne gingen. Und die Erinnerung an vergangenes Glück soll uns zuversichtlich machen, dass auch jetzt wieder glücklichere Tage kommen werden. Ich weiß, es ist viel verlangt und doch gibt es Kraft, wenn ich auch in Leidenszeiten Gott für frühere Hilfe danken kann. Daraus schöpfe ich Hoffnung, dass er mir auch weiterhin helfen wird.
     Und wenn es im Lehrtext heißt, dass man Gott allezeit und für alles Dank sagen soll, dann meint eben ‚allezeit‘ auch die schlechten Zeiten und ‚alles‘ meint auch die Krisenerfahrungen. Denn sie können dich reifer und stärker machen, dankbarer und zufriedener.
     Vielleicht wäre so ein kleines Zeichen in der Wohnung nicht schlecht, das uns immer wieder einmal daran erinnert, wofür wir dankbar sein können.

Gebet: Herr, du bist mein Anker in schweren Zeiten und mein Glück in den guten. Du hältst mich, wenn der Boden unter meinen Füßen wankt. Du machst mich froh, weil du mich segnest. Ich will dich auch weiterhin um deine Hilfe bitten. Aber vor allem will ich dankbar sein; denn du bist mein wunderbarer Gott. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 8. Oktober 2019

gefunden hl

Losung: Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Psalm 34,5

Lehrtext: Jesus spricht: Welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Lukas 15,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie gestern, so geht es auch im Bibelwort heute darum, dass Gott mich aus meiner Furcht
rettet. Doch heute liegt der Schwerpunkt von Losung und Lehrtext auf dem Suchen. In der Losung aus dem Alten Testament herrscht noch die alte, religiöse Vorstellung vor, als würde Gott mir erst dann helfen, wenn ich aktiv geworden bin und ihn gesucht und gefunden habe. Im Lehrtext aus dem Neuen Testament ist es umgekehrt. Da sucht nicht der Mensch Gott, sondern Gott den Menschen. Da sucht er dich und mich und freut sich, wenn er uns gefunden hat.
     Diese neue, diese andere Sicht der Dinge ist es, weshalb Jesus auf die Welt gekommen ist, um uns Gott auf seine Weise nahe zu bringen. Diese seine Botschaft nennt man zu Recht Evangelium, zu Deutsch: Die gute Nachricht.
     Doch nun kannst du einwenden: In den beiden Gleichnissen Lukas 15 3-10 vom ‚Verlorenen Schaf‘ und vom ‚Verlorenen Groschen‘ geht es doch darum, dass der Mensch zuerst Buße tue, also auf seinem gott-losen Weg umkehre und sich Gott wieder zuwende.
     In der Tat, dieser Gedanke ist an beide Gleichnisse angehängt. Doch er will zu ihnen nicht recht passen. Denn weder ist das Schaf von sich aus umgekehrt noch ist der Groschen jener Frau in die Hände gefallen. Beide Male wird gesucht. Beide Male wird gefunden. Beide Male wird sich gefreut. Das ist das Zentrum und der Sinn nicht nur dieser beiden Gleichnisse, sondern des Evangeliums überhaupt.
     Der „fromme Schwanz“, den Lukas diesen Gleichnissen Jesu angehängt hat, verdunkelt das Evangelium wieder. Offenbar war es schon zu seiner Zeit, also etwa 30-40 Jahre nach Jesu Tod, schon wieder so, dass sich selbst Christen den Glauben nicht anders vorstellen konnten. Sie meinten wohl, selbst religiös aktiv werden zu müssen, statt Gott zu vertrauen und sich einfach mal seine Gnade schenken und gefallen zu lassen. Und diese Vorstellung hat sich ins Christentum hineingefressen und wirkt bis heute ungut nach.

Gebet: Herr, ich bin dir so dankbar, dass ich dir gehöre, weil du mich gesucht und gefunden hast. Ich muss keine Angst mehr haben, ob ich dich denn genug gesucht habe. Ich muss keine Angst mehr haben, ob ich denn genug Buße getan habe. Denn auf mich kommt es nicht an, sondern nur und ausschließlich auf dich und deine Gnade. Sie schenkst du jedem Menschen, auch wenn nicht jeder glaubt und weiß, dass es so ist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 7. Oktober 2019

gerettet hl

Losung: Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter. 2.Samuel 22,2

Lehrtext: Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten. 2.Korinther 1,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

aus welcher Gefahr willst du gerettet werden? Von welcher Angst willst du erlöst werden? Aus welchem Gefängnis willst du befreit werden? Kannst du das genau benennen? Oder hast du gar kein Bedürfnis, gerettet, erlöst und befreit zu werden?
Manche fürchten sich ganz allgemein vor der Zukunft. Manche haben Probleme mit der Ungewissheit, was denn mal mit den Kindern oder mit ihnen selbst wird. Manche haben Angst vor Krebs, Schlaganfall und Demenz. Andere möchten von ihren Schulden runterkommen. Wieder andere fürchten sich vor dem Tod oder vor finsteren Mächten aller Art. Und so weiter.
Manche Ängste scheinen mir unbegründet. Andere nicht. Aber es kommt nicht darauf an, was mir scheint. Es kommt darauf an, dass ich die Ängste meiner Mitmenschen und auch meine eigenen ernst nehme. Am wichtigsten aber ist, dass ich, wenn es mir schlecht geht, wie David in der Losung sagen kann: »Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter.« Anders gesagt: Bei ihm stehe ich fest und versinke nicht in meinen Sorgen. Bei ihm finde ich Schutz. Er fasst meine Hand und zieht mich aus dem Wasser meiner Angst.
Luther hatte Angst vor einem strafenden Richter-Gott, bis er in Christus den barmherzigen Gott fand. Manche haben Angst vor finsteren Mächten, vor dem Teufel zumal, bis sie Frieden finden in Gottes Liebe, die sich in Jesus zeigt und von der sie nichts trennen kann. Manche haben Angst vor einem ungewissen Schicksal, bis sie beten können: Ich fürchte kein Unglück, denn DU bist bei mir und tröstest mich.
Wovor auch immer du Angst haben magst, was auch immer dir zu schaffen macht, geh mit Paulus den Weg der Hoffnung und sage: Christus wird mich auch künftig aus meinem Problemen retten (Lehrtext), so wie er es auch bisher schon getan hat.

Gebet: Herr, immer wieder sagst du „Fürchte dich nicht!“ und auch das sagst du „In der Welt hast du Angst, aber sei getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Darum muss ich sie nicht mehr überwinden und kann die Welt auch mich nicht mehr überwinden. Darum kann ich mit dir in dieser Welt ein normales Leben führen. Stärke mich in diesem Glauben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 6. Oktober 2019

Erntedank 2019: Einfacher Leben (Predigt) hl

Festgottesdienst in Thann und Sommersdorf. Predigttext: Psalm 107

Liebe Gemeinde,    

am 21. September waren die Böden noch richtig ausgetrocknet. Aber für die Landwirte wurde es Zeit, die Saat auszubringen. Würde es dann anschließend so viel regnen, dass sie aufgehen konnte? Ein befreundeter Bauer bat mich, ihm zu helfen. Er säte Dinkel und ich sollte anschließend den Acker walzen und so die Körner in die Erde drücken. Also saß ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Traktor und walzte zwei Äcker. Wegen der Trockenheit hat es bei dieser Arbeit so gestaubt, dass am Abend in der Dusche eine braune Brühe in den Abfluss gelaufen ist. Nachdem wir fertig waren, sagte mein Freund: „Hans, jetzt muss es in den nächsten Tagen nur noch regnen. Dann bin ich glücklich.“ Und tatsächlich, zwei Tage später setzte stundenlanger, sanfter Landregen ein. Inzwischen ist die Saat aufgegangen und über den Äckern liegt ein grüner Schimmer. Mein Freund meinte dann, „Ich bin total dankbar, dass alles so gut gegangen ist. Aber wie du weißt, habe ich es mit dem Glauben nicht so.“ Ich antwortete ihm mit Augenzwinkern, aber durchaus auch ernst gemeint: „Kein Problem. Das mit dem Danken, übernehme ich für dich.“
    Am Erntedankfest geht es darum, dass wir, wie schon der Name sagt, Gott für die Ernte danken. Das soll heute auch im Mittelpunkt des Gottesdienstes stehen und nicht die Probleme, die es in unserer Zeit mit der gewerblichen Landwirtschaft und ihren Folgen gibt. Und darum will ich mit euch jetzt über das Bibelwort für diesen Sonntag nachdenken. Da heißt es im Psalm 107:
    »Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So sollen sagen, die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete, die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten . (Psalm 107,1.2.6.7)
    Gott sei Dank hat von uns hier noch niemand so hungern und dürsten müssen, dass er am Ende war. Wir haben hier eher das umgekehrte Problem, dass wir zu viel und oft noch das Falsche essen und trinken und so unserer Gesundheit schaden. Unser Organismus kommt ja mit Mangel sehr viel besser zurecht als mit Überfluss. Denn Mangel haben die Menschen Jahrhunderttausende lang gelitten. Daran hat sich der Körper angepasst. Aber der Überfluss, so wie wir ihn erst seit ein paar Jahrzehnten kennen, ist neu. Und darauf kann sich unser Körper in so kurzer Zeit nicht einstellen.
    Und dennoch, auch wenn wir nicht hungern müssen, so werden wir doch tagtäglich hungrig und durstig und sind darauf angewiesen, die nötigen Nährstoffe zu uns zu nehmen, sind und bleiben wir angewiesen auf das tägliche Brot. Schaut man in die Supermärkte und Discounterläden, hat man den Eindruck, als ob es einen nie versiegenden Strom von Nahrungsmitteln in großer Auswahl gäbe. Dafür sind Tag und Nacht LKWs auf unseren Straßen unterwegs, damit auch am nächsten Tag alles zu kaufen ist, was man sich zu essen wünscht.
    Doch wer nur ein bisschen nachdenkt, weiß, wie anfällig dieses System ist. Ein großer, flächendeckender Stromausfall durch eine Computerpanne würde in unserem Land bereits eine Katastrophe sein. Und die immer noch weitgehende Abhängigkeit vom Öl und damit auch vom Treibstoff, dürfte allen bekannt sein. Nein, so selbstverständlich wie uns das allen scheint, ist es nicht, auch wenn unsere jungen Leute das meinen, weil sie nichts anderes kennen.
    Während des letzten Krieges und in der Zeit danach sind die Städter auf die Dörfer gegangen, um Nahrungsmittel einzutauschen oder zu betteln: „Bitte einen Löffel Schmalz, ein paar Kartoffeln, ein bisschen Mehl …“, So baten sie damals die Bauern. Solange es ihnen gut ging, hatten sie sich nicht vorstellen können, dass sie einmal von der Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit der Landbevölkerung abhängig sein würden. Aber dann war es plötzlich doch so weit.
    Und wie wäre das heute, wenn eine schlechte Zeit käme? Auf den Dörfern gibt es keine Vorräte mehr wie in früheren Zeiten. Die Scheunen sind leer ebenso die meisten Schweineställe und auf großen Ackerflächen wächst der umstrittene Gas-Mais. Was man braucht, hat man in der Kühltruhe. Doch sobald der Strom ausfällt, hilft die einem auch nichts mehr. Wohin sollen dann die Stadtbewohner gehen, um noch etwas zu essen zu bekommen? Und wovon sollen die Dorfbewohner abbeißen?
    Ich will den Teufel nicht an die Wand malen und mir deshalb auch die Zustände nicht vorstellen, zu denen das alles führen könnte. Doch ich meine, es schadet nichts, auch einmal darüber nachzudenken, auf wie dünnem Eis wir alle leben. Vielleicht würde uns das ein bisschen verantwortungsvoller, dankbarer und demütiger machen.
    Liebe Freunde, wir können nur hoffen und beten, dass solche Zeiten und Katastrophen nicht kommen. Doch glauben und beten allein haben Kriege und Hungerkatastrophen auch früher nicht verhindert. Es geht um die Frage, wie wir wieder zu einem einfacheren Lebensstil zurückfinden und damit zu einem Leben, das uns alle zufriedener, gelassener und vermutlich auch gesünder macht. Denn die Lebensfreude hängt nicht daran, dass wir immer mehr und noch mehr haben, immer noch mehr Konsumgüter verbrauchen, noch mehr wirtschaftlich wachsen, sondern zur Erkenntnis kommen: Mir reicht‘s, ich habe genug, ich brauche nicht noch mehr und immer mehr.
    Die Lebensfreude hängt daran, dass man mit seinen Mitmenschen zurechtkommt, Freunde hat, geschätzt und geliebt wird und andere wieder schätzen und lieben kann.
    Die Lebensfreude hängt daran, dass ich die Augen öffne und die vielen kleinen Wunder entdecke, die die Natur Tag für Tag bereithält. Dass ich mich am Kleinen freuen kann, am Unscheinbaren, an den pelzigen Hummeln, am flammend Laub des wilden Weins im Herbst, an einer glänzenden Kastanie, am Eichhörnchen im Futterhaus, am Eisvogel im Sonnenlicht und an den vielen Pflanzen in Wiese und Garten, von denen jede für sich ein Kunstwerk ist. Soviel ist jedenfalls schon lange klar: Wir können nur mit der Natur überleben und nicht gegen sie. Nur mit den Insekten und Wildpflanzen und nicht ohne sie. In Gottes Schöpfung hängt alles mit allem zusammen. Wenn wir diese Zusammenhänge heute missachten, wenn wir die Natur nur ausbeuten und ausquetschen und dabei das Netz des Lebens zerreißen, haben unsere Kinder und Enkel morgen keine Zukunft.
    Die Lebensfreude hängt an dem, woran wir uns schon als Kinder gefreut haben und woran sich schon unsere Eltern und Großeltern und alle Vorfahren freuen konnten, an der Natur, an der Schönheit unseres Landes, an unserer Kultur und am gestirnten Himmel über uns. An all den Dingen, die mit Gottes Schöpfung zu tun haben, die er uns geschenkt hat, damit wir uns gemeinsam unseres Lebens freuen und ihm dafür danken.
    Ob wir jemals wieder dahin finden? Ob wir jemals unsere jetzige Lebensweise überwinden können? Ob wir künftig wieder mehr den Reichtum der Schöpfung und unser Lebensglück entdecken, das Gott für uns bereithält? Ich hoffe es sehr, nicht nur in meinem Interesse, sondern vor allem in dem meiner Kinder und Enkelkinder.
    Und schließlich hängt unsere Lebensfreude, unser Seelenfriede und unsere Zuversicht am Glauben. Was für ein Geschenk, was für ein Gewinn ist es, in guten wie in schlechten Zeiten auf Gott vertrauen zu können! Was für ein Geschenk, was für ein Gewinn ist es, in dem Bewusstsein leben zu dürfen, dass er in Jesus bei mir ist und mich liebt. Was für ein Geschenk ist es, den Psalm 23 ganz und gar als meinen persönlichen Psalm beten zu können: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln; ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir und tröstest mich.«
     Liebe Freunde, für das alles, was Gott uns schenkt, für die Nahrung des Leibes und für die Nahrung der Seele, für Sonne und Regen, Saat und Ernte, für den Glauben und die Lebensfreude will ich heute am Erntedankfest mit euch unserem Gott danken und sagen:
    »Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So sollen sagen, die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete, die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten.« (Psalm 107) 

Amen

Samstag, 5. Oktober 2019

Das große Ziel hl

Losung: Gott sagt: Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich. Jesaja 46,10

Lehrtext: So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. Matthäus 20,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer wissen will, was geschehen wird, ist gut beraten, wenn er nicht auf die Sterne schaut oder in Glaskugeln oder Karten, sondern auf Gott.
     Denn was der Prophet Jesaja im Lehrtext von Gott sagt, das glaube ich auch. Mehr noch, das gibt mir Halt und Zuversicht. Nicht die Staatschefs dieser Welt werden sich auf Dauer mit ihrem oft egoistischen Willen durchsetzen und auch sonst niemand. Nicht ein dunkles Schicksal wird darüber entscheiden, was mit mir wird. Vielmehr wird geschehen, worum wir im Vaterunser bitten, wenn wir sagen „Dein Wille geschehe“. So vertraue ich darauf, dass der Welt im Großen und Ganzen und mir im Kleinen gut tun wird, was Gott tut. Oder anders gesagt, dass alles gut wird, was Gott sich vorgenommen hat.
     Da kann es dann durchaus sein, dass sich die Maßstäbe umkehren und die, die jetzt oben sind, dann unten sein werden und die, die jetzt die Letzten sind, dann die Ersten sein werden.
     Ob ich dann unter denen da oben, ob ich unter den Ersten sein werde? Das weiß ich nicht. Aber das glaube ich, dass Gott einmal alles zurechtrütteln wird. Und dann wird es kein oben und unten, keine Ersten und Letzten mehr geben, weil „Christus alles und in allen sein wird“. (Kolosser 3,11)

Gebet: Herr, du hast einst beschlossen, das Universum mit dieser winzig kleinen Erde und uns Menschen darauf ins Leben zu rufen. Du hast versprochen, deine Schöpfung und alle deine Geschöpfe aus der Vergänglichkeit zu befreien, um sie zu vollenden. Das ist das große Ziel, das ich vor Augen habe. Ich bitte dich, dass ich es auch im Auge behalte und von diesem Ziel wieder zurückschaue auf diese Welt und mein Leben jetzt. Amen (Römer 8,19-25)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 4. Oktober 2019

Die Kraft der Schwachen hl

Losung: HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen. 2. Chronik 14,10

Lehrtext: Paulus schreibt: Christus hat zu mir gesagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne. 2. Korinther 12,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

das habe ich aus der Bibel gelernt: Gott hat eine Schwäche für die Schwachen. Seine Propheten stellen die Könige, Richter und Priester der Israeliten zur Rede und verlangen Gerechtigkeit für Witwen und Waisen, für Ausländer und die sogenannten kleinen Leute aus dem Volk. Selbst die Tiere haben in der Bibel gewisse Rechte: 5. Mose 25,4; Sprüche 12,10; 2. Mose 20,10.
     Und Jesus nimmt die Kinder in Schutz, die ausgestoßenen Kranken (Aussätzige), die Verachteten (Zöllner und Huren) und überhaupt diejenigen, die nach den Begriffen der sogenannten besseren Kreise (Pharisäer, Schriftgelehrte) „unrein“ und Sünder waren.    
     Keine Frage, es bleibt uns, die wir glauben und Christen sein wollen, keine andere Wahl, als es ihm gleich zu tun und Jesus auf diesem Weg nachzufolgen. Und wer mitbekommt, dass ein Stärkerer einen Schwächeren drangsaliert, darf unter keinen Umständen wegsehen. Schon gar nicht, wenn es Kinder betrifft, die misshandelt und missbraucht werden. Jeder Christ ist Anwalt für die Schwachen und wenn das auch noch so unangenehm sein mag, weil man vielleicht eine höher gestellte Person, zum Beispiel den Direktor oder den Chef, deswegen ansprechen muss und sich es mit ihm vielleicht verdirbt.
          Nein, Gott ist es nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen, nicht zuletzt, weil er dich als seinen Mitstreiter hat und, wenn es darauf ankommt, mich hoffentlich auch. Und wenn du dich selbst zu schwach dazu fühlst, dann bitte Christus um seine Kraft (Lehrtext).
     Oft waren und sind es gerade die Schwachen, die große Veränderungen bewirken. Ich denke zum Beispiel an Rosa Parks, die am 1. Dezember 1955 in Montgomery, Alabama festgenommen wurde, weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Das war die Initialzündung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten.
     Unmittelbar vor unserer heutigen Losung sagt Christus zu Paulus: »Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.« Und der Apostel antwortet: »Darum bin ich guten Mutes; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.« Die eigene Schwäche ist keine Ausrede für Nichtstun. Gerade, weil sich der Schwache nicht auf sich selbst verlassen kann, wie es der Starke tut, muss er sich auf eine Kraft außer ihm verlassen. Und diese Kraft, sagt die Bibel, ist die Kraft Jesu Christi.
     Ich glaube, dass du und ich so viel von seiner Kraft bekommen, wie wir brauchen - für uns selbst und die Hinwendung zu den Schwachen.

Gebet: Herr, ich gehöre nicht zu den Schwachen. Darum nimm mich mit meinen Stärken in deinen Dienst, dass ich ihre Sache fördere. Und wenn ich einmal schwach bin, so hoffe ich, dass deine Kraft in mir mächtig wird. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Wir sind in Gottes Reich hl

Losung: Der Gott des Himmels wird ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird. Daniel 2,44

Lehrtext: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Matthäus 6,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

du lebst im deutschen Rechtsstaat unter den herrschenden Gesetzen. Wer aus einem anderen Land diese Losungsauslegung liest, lebt unter den dort herrschenden Gesetzen. Normalerweise sollten auch die politischen Führungskräfte unter diesen Gesetzen leben und nicht darüberstehen. Das gibt einer Nation, einer Gesellschaft Stabilität und Verlässlichkeit. Darum ist auch die Korruption so verhängnisvoll, weil sie Recht und Gesetz untergräbt.
     Es war für die meisten Völker ein dornenreicher Weg durch ein Meer von Blut und Tränen bis zu einer demokratischen Verfassung und einem Rechtsstaat. Leider haben viele keine Vorstellung mehr davon, wie sehr unsere Ahnen unter Unrecht und Willkür gelitten haben, unter Krieg und Erniedrigung. Wäre das Geschichtsbewusstsein in unserem Land ausgeprägter, hätten der verhängnisvolle Nationalismus und der böse, vergiftende Hass einer wachsenden Zahl in unserem Land keine Chance. Vielmehr würden unsere Errungenschaften und unsere durchaus verbesserungsfähigen demokratischen Institutionen verteidigt und gestärkt werden. Wäre schön, wenn das heute, an unserem Nationalfeiertag, möglichst viele so sehen könnten.
     Du lebst aber zugleich in Gottes Reich, unter seiner Herrschaft. Christen sagen auch, es ist das Reich Jesu Christi, der zur Rechten Gottes „sitzt“ und der mit dem Vater im Himmel in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes regiert. Dieses Reich kommt nicht erst aus den Wolken, muss nicht erst aufgerichtet werden (Losung). Es besteht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Würde der dreieinige Gott die Welt nicht lenken und regieren, erhalten und bewahren, segnen und lieben, sie wäre längst vergangen. Und das Gleiche trifft auch auf dich und mich zu.
     So nützlich es wäre, wenn sich Menschen, vor allem wir Deutschen, unserer Geschichte bewusster würden, so und noch segensreicher wäre es, wenn jeder von uns sich des Reiches beziehungsweise der Herrschaft Gottes bewusst würde. Anders gesagt: Ich führe ein anderes Leben und habe ein anderes Selbstverständnis, wenn mir bewusst ist, dass ich Gott gehöre, dass er mich und diese Welt regiert, dass ohne ihn nichts ist, was ist, nichts lebt, was lebt, dass er Zeit und Ewigkeit in seiner Hand hat. Ich führe ein anderes Leben und habe ein anderes Selbstverständnis, wenn mir bewusst wird, dass dieser Gott mich liebt und in Jesus Christus bei mir ist alle Tage bis ans Ende der Welt.
     Die Reiche dieser Welt vergehen. Aber sein Reich bleibt und kommt!

Gebet: Vater unser im Himmel, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Lass dein Reich auch zu mir kommen und deinen Willen in meinem Leben geschehen. Denn ich bin dein und dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 2. Oktober 2019

zuhören und mittragen hl

Losung: Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war. Hiob 2,11.13

Lehrtext: Die Liebe erträgt alles. 1.Korinther 13,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

„sieben Tage und sieben Nächte“, heißt es in dem großartigen Lehrgedicht, saßen die Freunde des leidgeprüften Hiob bei ihm und hörten zu und – „redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“ Was für ein Trost, wenn man solche einfühlsamen Freunde hat!
     Aber als sie dann mit ihren langen Reden begannen, haben sie alles verdorben. Was für eine Enttäuschung! Hiob brauchte nichts weniger als ihre langatmigen Erklärungen, warum er denn Schuld an seinem Leiden haben könnte und so weiter. Er brauchte keine Gegenargumente, sondern Verständnis. Keine theologischen Spitzfindigkeiten, sondern Mitgefühl.
     Das ist bis heute so. Wer leidet, braucht ein Ohr. Braucht Menschen, die ihm zuhören, die das Klagen aushalten und den Schmerz, der aus seinen Worten spricht, ertragen. Die gegebenenfalls behutsam nachfragen und auffangen, was er aus seinem Herzen schüttet. Und das ist vielleicht die größte Wohltat, die man ihm tun kann, wenn er einmal alles heraus-sprechen kann, was ihn bedrückt und quält. Und manchmal sagt dann ein leidender Mensch: „Jetzt ist alles raus.“ Sein Leid verschwindet damit nicht. Aber der Leidensdruck lässt nach. Und wenn es passt, kann man zuletzt noch einfühlsam mit ihm und für ihn beten, sodass Gottes heilende Gegenwart spürbar wird.
     Vielleicht ist der, der zuhört, mit dem, der klagt, nicht einer Meinung. Aber nicht das ist wichtig, was ich meine, sondern, was er sagt. Und gut gemeinte Ratschläge können bei einem, der leidet schnell das Gefühl wecken, dass ich ihn nicht verstanden habe oder nicht verstehen will. 
     Ich versuche dann lieber, soweit es geht, seine seelischen Selbstheilungskräfte zu stärken, durch die Gott hilft. Und dazu gehört nun mal, dass ein Mensch in seiner Not sich einen anderen sucht, dem er vertrauensvoll sein Herz öffnen kann. Der sich für ihn Zeit nimmt. Der seinen Schmerz ernst nimmt. Der ihm signalisiert: „Du bist nicht allein“ und der vielleicht auch mit ihm betet.
     Hat jedoch jemand schwere psychische Probleme, leidet er zum Beispiel an einem Verfolgungswahn, dann braucht er professionelle Hilfe von ausgebildeten Therapeuten. Aber auch dann tut es ihm gut, wenn er einen Menschen hat, dem er seine Ängste sagen kann und von dem er weiß, dass er ihn im Rahmen seiner Möglichkeiten nicht allein lässt.
     »Die Liebe erträgt alles«, schreibt der Apostel Paulus im Lehrtext. Das ist ein großes Wort, ein sehr großes. Vielleicht zu groß für einen Menschen, aber nicht für Gott. Und doch stimmt auch, dass Liebe so stark ist, vieles zu ertragen. Und wenn einer die Last des anderen mittragen kann, wenn er es erträgt, dass einer ihm sein Leid klagt und den Schmerz mit ihm teilt, dann ist das schon sehr viel.

Gebet: Herr Jesus Christus, du sagst, dass ich zu dir kommen kann mit meinen Lasten und Sorgen. Du willst mir tragen helfen und es mir leichter machen. Darum komme ich auch zu dir und sage dir alles, was mich bewegt. Gib mir die Kraft, mitzutragen, was andere belastet, dass ich mir für sie Zeit nehme, ihnen zuhöre und für sie bete. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 1. Oktober 2019

Keine Angst vor Menschen! hl

Losung: Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun? Psalm 56,12

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Philipper 4,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du Menschen, vor denen du dich fürchtest? Vielleicht jemand aus der Familie, der Vater vielleicht, oder auf der Arbeit der Chef oder eine Kollegin oder ein Arzt, eine Lehrerin oder jemand aus der Nachbarschaft oder gar ein Pfarrer oder sonst irgendein Mensch. Das wäre schade. Manche Menschen sind zwar zum Fürchten, aber fürchten solltest du dich vor ihnen trotzdem nicht. Denn sonst räumst du ihnen Macht über dich ein.
     Vor dem großen Goliat hat sich die ganze Armee der Israeliten gefürchtet, nur einer nicht, der kleine David. Er war der einzige, der ihm entgegentrat. Doch David war nicht so dumm zu glauben, dass er es an Kampfkraft mit Goliat aufnehmen könnte. Er hatte eine stärkere Waffe. Und deshalb sagte er zu ihm: »Du kommst zu mir mit Schwert und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN(1. Samuel 17,45). Und dann legte er mit ruhiger Hand einen Stein in seine Schleuder, zielte und traf den Goliat mitten in die Stirn, sodass der Hüne zusammenbrach.
     Wenn du vor jemanden Angst hast, brauchst du keine Schleuder, aber nutze die Waffe Davids und sage zu dir: „Ich gehöre Gott. Er steht mir bei. Was kann mir da dieser Mensch schon tun? Ich werde ruhig antworten und mich nicht einschüchtern lassen.“
     So hat auch Paulus geglaubt, als er sagte: »Ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zurechtzukommen. Ob ich nun wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und ich kann mit beidem zufrieden sein: Ich kann satt sein und hungern; ich kann Mangel leiden und Überfluss haben. Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.« (Lehrtext) Mit anderen Worten: Paulus macht sich nicht abhängig von einer bestimmten Lebenslage oder Person. Er behält seine Freiheit, weil er sich an Christus bindet. Das gibt ihm die Kraft mit Widerständen klar zu kommen.
     Also du und ich, probieren wir es einmal mit den Waffen von David und Paulus. Wir sind in unseren Schwierigkeiten nicht allein. Und mögen sie auch noch so groß sein, Gott ist größer, größer als dein Goliat, größer als jeder andere Mensch, der dich einschüchtern will.

Gebet: Herr, du bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Amen (Psalm 27,1)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Montag, 30. September 2019

Tränen zu Wein hl

Losung: Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. Psalm 56,9

Lehrtext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind. 2.Korinther 1,3-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor ziemlich genau zwei Jahren, am 17. September 2017 habe ich schon einmal über das heutige Bibelwort (Losung) ein paar Sätze geschrieben. Ob sich noch jemand daran erinnert? Weil ich über meine damalige Auslegung hinaus keine neuen Erkenntnisse habe, bringe ich hier noch einmal einen Ausschnitt:
     „Herr, sammle meine Tränen in deinen Krug“ - Was für ein schönes Bild! Gott kommt zu den Betrübten und sammelt ihre Tränen. Keine Träne soll umsonst geweint sein. Kein Kummer soll vergeblich gewesen sein. Er hat sie alle gesammelt und sammelt sie noch, die Tränen deiner Kindheit und Jugendzeit, die heimlichen und verstohlenen Tränen, die du als Erwachsener weinst. Auch die „trockenen Tränen“ die man innerlich weint, um sich nichts anmerken zu lassen. Jede einzelne ist gezählt! Er allein weiß, warum du sie geweint hast. Und er wäre nicht unser warmherziger Gott, wenn ihn das nicht berühren würde. Wenn er nicht auch das eine oder andere Mal mit dir zusammen weinen würde über deinen Kummer und dein Leid. Wie auch Jesus geweint hat um uns Menschen und das, was uns erschüttert und was wir uns selbst und einander antun.
     Doch dabei bleibt es nicht. Wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt, so wandelt der dreieinige Gott die Tränen in den Wein des Trostes. Gerade warst du noch untröstlich. Da schickt er dir einen Menschen über den Weg, der dir gut tut. Da schenkt er dir seinen Frieden noch während du ihm dein Leid klagst. Da lässt er am Wegrand eine Blume blühen – nur für dich. Und über dir leuchtet seine Sonne und nachts das milde Licht seiner Sterne. Lass dich so von dem trösten, der deine Tränen sammelt. Lass dich trösten vom »Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in allem Leid, damit auch wir trösten können.« (Lehrtext)

Gebet:

Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud, / als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid? / Als mir das Reich genommen, / da Fried und Freude lacht, / da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht. Amen
(Evang. Gesangbuch Nr. 11 Vers 3)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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