Donnerstag, 24. Mai 2018

Schlüsselgeschichten hl

Losung: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Psalm 32,1 

Lehrtext Jesus sagt über die Frau: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. Lukas 7,47 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Geschichte, aus der der heutige Lehrtext kommt, ist eine Schlüsselgeschichte. Sie steht nicht für sich, sondern mit ihr und ähnlichen Schlüsselgeschichten, Schlüsselpsalmen und Schlüsselworten der Propheten (siehe unten) kannst du dir die ganze Bibel erschließen. Sie gibt dir einen Einblick in das Herz von Jesus und damit in das Herz Gottes. Vielleicht sollte man darum solche Geschichten auch Herz-Gottes-Geschichten nennen. Sie zeigen uns sein wahres Wesen. Alles, was sonst in der Bibel im Alten wie im Neuen Testament von und über Gott gesagt wird, muss sich daran messen lassen. Alles, was mit solchen Geschichten vereinbar ist, ist von allergrößter Bedeutung für den Glauben und damit auch für das Leben. Was sonst noch in der Bibel steht und damit nicht vereinbar ist, kannst du getrost hintanstellen. Denn die Tatsache, dass irgendein Wort in der Bibel steht, bedeutet noch nicht viel. Entscheidend ist, ob in ihm Gott aufleuchtet, wie er in Jesus zu uns Menschen gekommen ist und kommt. Das gilt auch für Losung und Lehrtext. Vieles was sonst noch in der Bibel steht, ist vielleicht nützlich und interessant zu lesen. Aber Gebote und Verbote, Laster- und Tugendkataloge und was es sonst noch für moralische Vorschriften gibt, das kannst du auch in anderen Religionen und deren heiligen Büchern finden. Dafür hat es Jesus nicht gebraucht. Aber auch eine Geschichte wie die, auf die der Lehrtext hinweist, bringt dir nicht viel, wenn du sie nur kennst, vielleicht sogar auswendig vortragen kannst oder gar nach allen Regeln der theologischen Wissenschaft auszulegen imstande bist. Das ist bestenfalls eine Vorstufe. Entscheidend ist, dass dich die Schlüsselgeschichten der Bibel im eigenen Herzen berühren. Dann beginnen sie zu leuchten. Dann beginnen sie zu wirken und verändern Menschenleben.
     
Und nun zur Schlüsselgeschichte mit dem heutigen Lehrtext. 
     Eine Hure, eine von den Frauen, die bis heute verachtet werden, sieht in ihrem dunklen Leben plötzlich Licht. Sie hört von einem Mann, der so ganz anders ist als alle anderen zu ihrer Zeit. Sie hört, was er von Gott sagt und wie er mit Menschen umgeht, die am Rand der Gesellschaft leben wie sie, mit solchen, die körperlich und seelisch krank sind oder die man wegen ihres schlechten Rufs Sünder nennt. Vielleicht hat sie sich auch, wie der betrügerische Zachäus (Lukas 19,1-10), einmal unter die Menschenmenge geschmuggelt, um mit eigenen Augen zu sehen, wer und wie Jesus ist. Und dann spürt sie, wie in ihr eine Liebe zu diesem Mann wächst, eine Liebe, die sie sich nicht erklären kann, die sie weinen lässt, wenn sie nur an ihn denkt. Für ihn, so fühlt sie, bin ich nicht Luft. Er verachtet mich nicht. Er stößt mich nicht weg. Er macht mir keine Vorhaltungen und belehrt mich nicht. Vielleicht kann er mein kaputtes Leben heilen. Und die Liebe zu ihm, die in ihr wächst, wird so groß und stark, dass sie ihre Scheu und Angst überwindet. Sie begeht einen unverzeihlichen, gesellschaftlichen Tabubruch. Sie geht trotz ihres schlechten Rufs einfach in das Haus des hochgestellten Pharisäers Simon und zeigt Jesus ihre Liebe und Verehrung. Sie fällt vor seinen Füßen auf den Boden und weint und weint. Sie trocknet mit ihren Haaren die Tränen von seinen Füßen und salbt sie mit kostbarem Salböl. Nein, sie bittet nicht um Vergebung. Sie bittet nicht darum, in die gutbürgerliche Gesellschaft aufgenommen zu werden. Wie sollte sie auch angesichts der Lehre ihrer Religion darauf hoffen können? Alles was sie will, ist, ihm zu zeigen, wie sehr sie ihn liebt, wie wichtig er für sie ist, was er ihr bedeutet. Und Jesus? Er lässt sich diesen zweideutigen Auftritt gefallen. Mehr noch, er stellt die Hure dem ehrenwerten, tadellosen Pharisäer als leuchtendes Beispiel vor Augen, was Liebe ist und was sie vermag und sagt: »Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben; darum hat sie mir so viel Liebe erwiesen. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt auch wenig.« Zu der Frau sagt Jesus: »Deine Sünden sind dir vergeben. Geh in Frieden. Dein Vertrauen (Glaube) hat dich gerettet!« (Lukas 7,47-50)
     Liebe Leserin, lieber Leser, es ist nicht das Glaubensbekenntnis, das uns rettet und hilft. Es sind nicht die kirchlichen Dogmen. Es ist die Liebe zu Gott wie er sich uns in Jesus zeigt. Es ist die Liebe zu dem, der uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19). Es ist deine und meine Liebe, die darauf vertraut, dass Gott uns vorbehaltlos annimmt und eine neue Chance gibt (vergibt). Es ist die Liebe jener Hure mit der auch ich ihn lieben soll und will. So kommt sein heilendes Licht in mein Leben, auch und gerade in meine dunklen Ecken.

Gebet: Herr, deine Liebe heilt. Du schenkst sie allen, die ihrer bedürfen und sich danach sehnen. Du stillst mein Verlangen, verstanden und anerkannt zu werden, Du hältst bei mir aus, hilfst mir meine Lasten zu tragen und gehst mit auf meinem Lebensweg. Du hältst deine schützende und segnende Hand über mir. Das alles erfahre ich, wenn ich dich wiederliebe. Ja, Herr, das will ich. Nichts soll mich daran hindern. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Eine kleine Auswahl biblischer Schlüsselgeschichten, -psalmen, -worte: Psalm 23; Psalm 63; Psalm 139; Psalm 145 (jeweils ohne die Vergeltungswünsche), Jesaja 25; Micha 4,1-5,
Lukas 4,14-44; Markus 2,23-27; Lukas 6,27-35; Lukas 10,25-37; Markus 10,46-52; Lukas 15,11-32; Matthäus 19,13-15; Johannes 8,2-11; Johannes 13,1-15; Kolosser 1,15-17
[auch die Schlüsselgeschichten des Alten Testaments müssen von den Schlüsselgeschichten des Neuen Testaments korrigiert werden. Vergleiche z.B. Lukas 4,16-19 mit Jesaja 61,1-2]

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

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