Sonntag, 20. Januar 2013

Über den eigenen Schatten springen hl

Predigt im 162. Lichtblickgottesdienst am 20. Januar 2013.
Bibelwort: Psalm 18,30. 
Aus der Reihe: Wie soll ich leben? Teil 2 (Teil 1 siehe 6.1.13)

Liebe Freunde,

ich beginne den zweiten und letzten Teil der kleinen Reihe „Wie soll ich leben?“ mit einem bekannten Gebetswunsch. Gott, so heißt es da, gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Im letzten Lichtblick-Gottesdienst habe ich über die Dinge gesprochen, die wir nicht ändern können und deshalb hinnehmen müssen, wie Abschiede und Verluste. Heute spreche ich über  Dinge, die man ändern kann, wie ungute Angewohnheiten oder ein Suchtverhalten und was dabei hilft. Und deshalb heißt das Thema heute: Über den eigenen Schatten springen.

Jedes Kind hat das schon mal probiert, über den eigenen Schatten zu springen, und feststellen müssen, dass das nicht geht. Oder doch? Jeder kann sich überwinden, etwas zu tun, was er bisher noch nicht getan hat. „Komm, spring halt über deinen Schatten und probier die köstlichen Muscheln!“ Und dann schmecken plötzlich die Meeresfrüchte doch, um die man auf der Speisekarte bisher immer einen Bogen gemacht hat. Aber es geht auch ernster: „Komm, spring halt mal über deinen Schatten und lass die Bierflasche zu!“

Nein, einfach ist so was wirklich nicht. Fast jeder von uns hat die eine oder andere ungute Angewohnheit, doch man kriegt sie einfach nicht los. Es wird zu viel gegessen, geraucht, zu viel ferngesehen, zu viel am PC gespielt oder auf dem Smartphone gedaddelt. Oder man bewegt sich zu wenig, verbringt zu wenig Zeit mit den Kindern oder Enkeln, zeigt zu wenig Selbstkontrolle und Disziplin. Wenn du deine eigenen Schattenseiten kennst, hast du wenigstens die Chance, etwas dagegen zu tun. Aber wenn du nicht wahrhaben willst, dass du vielleicht ein Problem mit dem Trinken oder einer ungesunden Lebensweise hast oder damit, wie du mit deinem Partner umgehst – dann wirst du auch nicht über deinen Schatten springen können.

In der Bibel im Psalm 18 steht das Wort: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen«. Daran hatte sich am 9. November 1989 mancher erinnert, der zuvor in der DDR mit Friedensgebeten und Kerzen für mehr Freiheit eingetreten ist und nun auf einmal mit tausenden anderen auf der Berliner Mauer tanzte. Ich werde diese Bilder nie mehr vergessen. Doch das Bibelwort meint nicht in erster Linie Mauern aus Stein, über die Gott mit mir springt, sondern die Mauern in unseren Köpfen und Herzen. Die Mauern der Angst, der Sucht, des Egoismus, der Enttäuschung, der Wut und der Depression. Es meint die Mauern, die mich von anderen und von Gott trennen und mich selbst von einem besseren Leben.

Statt Mauern können wir genauso gut Schatten sagen, die das eigene Lebensglück und das der anderen verdüstern. Und solche Schatten sind mächtig, sehr mächtig. Du erlebst dich ihnen gegenüber oft als ohnmächtig, weil du sie trotz allem Bemühen nicht los wirst. Sie sind in deinem Unterbewusstsein zuhause, wo sie ihr Eigenleben führen.

Ja, solche Schatten sind mächtiger als man selbst. Aber nicht mächtiger als Gott. Und deshalb können wir auch so sagen: »Mit meinem Gott kann ich über meinen Schatten springen.« Was du aus eigener Kraft nicht schaffst, – mit seiner Hilfe schaffst du auch das, was lange unmöglich schien. Dazu brauchst du die Weisheit, zu unterscheiden, was du in deinem Leben annehmen musst, weil es unabänderlich ist und was du ändern kannst. Und ich glaube, das ist eine ganze Menge.

Schauen wir dazu auf Jesus. Wie ist er denn mit seinem Schatten umgegangen? Hatte er überhaupt einen? Ich denke schon. Seine Stärke, nämlich Gottes Sohn zu sein, war gerade seine Achillesverse, sein Schwachpunkt, wo er angreifbar und verwundbar war. Jesus hat das gewusst. Er hat seinen Schatten gekannt, das Machtbewusstsein. Er hat mit ihm einsame 40 Tage in der Wüste gerungen, wo er betete und fastete (Matthäus 4,1-11). Doch der Teufel hat das auch gewusst und ihm deshalb in der Wüste nachgestellt. Jetzt sollte sich entscheiden, wer stärker war. Jetzt sollte Jesus zeigen, ob er stark genug war, die Ohnmacht eines Menschenlebens zu wählen oder so schwach, dass er sich in die göttliche Allmacht flüchten würde. Seine Stärke sollte ja gerade seine Ohnmacht sein und nicht seine Macht. Seine Kraft sollte aus dem Machtverzicht kommen und nicht aus der Machtvollkommenheit. Nur so würde er stark genug sein, ohnmächtig das Kreuz zu ertragen und uns zu erlösen. Ich weiß, das klingt paradox, weil es in unserer Welt genau andersherum zugeht. Da zählen Macht und Stärke. Aber wer ausschließlich darauf setzt, tut sich selbst und anderen nichts Gutes.

·      Also sagte der Widersacher Gottes, der Teufel, zu ihm: „Ich sehe doch wie ausgehungert du nach dem langen Fasten bist. Doch du hast die Macht, die Steine hier in Brot zu verwandeln, um satt zu werden.“ Aber Jesus antwortete: „Es braucht mehr als Brot, um ein Mensch zu sein. Unser Leben hängt von dem ab, was Gott zu uns sagt“ (5. Mose 8,3).
·      Doch der Teufel lässt nicht locker und nimmt einen zweiten Anlauf: Er nimmt Jesus mit und stellt ihn auf den höchsten Punkt des Tempels von Jerusalem. Dann sagt er: „Wenn du schon Gottes Sohn bist, dann stürze dich in die Tiefe. Schließlich heißt es in der Bibel: »Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen«. Sie werden dich auf Händen tragen und du wirst keine Schramme haben“ (Psalm 91,11.12). Doch Jesus antwortet ihm ebenfalls mit einem Wort aus der Heiligen Schrift und sagt: „Auch das steht in der Bibel: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht auf die Probe stellen“ (5. Mose 6,16).
·      Und so probiert es der Teufel ein drittes Mal. Jetzt fährt er sein stärkstes Geschütz auf und sagt: „Los, knie vor mir nieder und bete mich an. Dann will ich dir alle Macht dieser Erde geben, dass du herrscht über alle Kaiser und Könige. Und dir soll alles gehören, alle Länder und Reiche mit allen Menschen und Schätzen.“ Doch Jesus springt ein drittes Mal über den Schatten des Machtbewusstseins und der Machtvollkommenheit und sagt: „Verschwinde Satan! Du weißt selbst, dass es in der Bibel heißt: „Geh nur vor Gott auf die Knie und bete allein ihn an. Und diene ihm von ganzem Herzen“ (5. Mose 6,13). In diesem Augenblick, so sagt die Bibel, verschwindet der Teufel und die Engel kommen, um Jesus zu dienen.

Das ist der Weg, den Jesus auch uns heute zeigt, die wir mit unseren Schatten zu kämpfen haben. Im Glauben kann es uns gelingen, mit Gott über unsere Schatten zu springen – hinein in ein besseres Leben.

Die anonymen Alkoholiker versuchen diesen Weg zu gehen. Sie haben dazu ein 12-Schritte-Programm entwickelt und zusätzlich zwölf Vorsätze formuliert. Dazu gehört, dass sie zugeben, gegenüber ihrer Sucht machtlos zu sein und nur eine Macht, die größer ist als sie selbst, ihnen die geistige Gesundheit wiedergeben kann. Darum fassen sie den Entschluss, ihren Willen und ihr Leben der Sorge Gottes anzuvertrauen. Sie machen eine wahrheitsgemäße Bestandsaufnahme aller Verfehlungen und suchen im Gebet die bewusste Verbindung zu Gott, dass er ihnen die Kraft gebe, nach seinem Willen zu leben.

Das ist vor allem für uns Männer schwer, unseren eigenen Schatten anzuschauen und Schwächen wie Versagen zuzugeben. Viele von uns meinen, immer Stärke zeigen zu müssen, in der Familie, im Beruf, im Verein. Dann wird der Schatten ignoriert. Aber du wirst ihn so trotzdem nicht los und leidest, weil du spürst, dass da etwas in deinem Leben ist, das nicht passt und das du nicht im Griff hast.

In ihren zwölf Vorsätzen konzentrieren sich die anonymen Alkoholkranken immer nur auf den heutigen Tag. Nur wenn dieser kleine Schritt gelingt, haben sie die Chance, schrittweise ihr ganzes Leben zu ändern. Sie sagen: „Nur für heute will ich die Stille suchen, mich dabei auf Gott besinnen, auf mich selbst und auf meinen Nächsten. Nur für heute will ich keine Angst haben und mich nicht davor fürchten, glücklich zu sein und mich an den guten, schönen und liebenswerten Dingen im Leben erfreuen.“

Alle 12 Vorsätze, aus denen ich jetzt nur einen kleinen Ausschnitt wiedergegeben habe, findet Ihr am Ausgang als Kopie und könnt sie mit nachhause nehmen. Sie sind außerdem im nächsten Gemeindebrief abgedruckt, der Ende des Monats erscheinen wird. Denn ich meine, diese Vorsätze helfen nicht nur Suchtkranken, sondern auch den Gesunden zu einem besseren Leben.

Zuletzt lasse ich Alice Cooper zu Wort kommen, einen der schrillsten und bizarrsten Rockmusiker der siebziger Jahre. Die Wochenzeitung  DIE ZEIT hat Auszüge aus seiner Lebensbeschreibung abgedruckt. Darin sagt Alice Cooper:
»Niemand denkt sich aus: Ich werde ein Rockstar sein, ein großes Haus haben, eine schöne Frau und drei Ferrari – und ich werde Alkoholiker sein. Niemand will Alkoholiker sein. Auch ich nicht... Von außen besehen ging es mir gut. Aber in mir gab es eine Revolution. Mein Körper konnte so viel Alkohol nicht mehr verarbeiten. Ich erbrach Blut. Als meine Frau das sah, brachte sie mich ins Krankenhaus.
Ich bedauere diese Erfahrung schon deshalb nicht, weil sie mich zurück zum Glauben geführt hat. Ich war der verlorene Sohn. Ich bin in der Kirche aufgewachsen. Mein Vater und mein Großvater waren Pfarrer. Dann ging ich weg, soweit ich nur konnte. Und zerstörte mich beinahe selbst. Als ich aus der Klinik entlassen wurde, ging ich nicht… in irgendeine Art von Therapie. Das Wunder war, dass Gott meine Sucht einfach weg nahm. Selbst die Ärzte wunderten sich. Ich glaube an Wunder. Der Glaube kam einfach zurück zu mir, und ich habe bis heute keine Erklärung dafür. Die Leute sagten: Deine Selbstkontrolle ist großartig. Aber ich kenne mich selbst gut genug. Ich habe in Wirklichkeit überhaupt keine Selbstkontrolle. Ich bin jetzt nur abhängig von der richtigen Person«, von Gott. »Und nicht mehr von mir selbst.«

Ja, „mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“, über meinen Schatten. Alice Cooper konnte das und du kannst das auch.
Amen

Hans Löhr

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Evang. Pfarramt Sommersdorf mit Burgoberbach und Thann
Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach
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Freitag, 18. Januar 2013

Man hört nur mit dem Herzen gut hl


Losung: Gott spricht: Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest. Jesaja 48,6

Lehrtext: Jesus sagt: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Lukas 8,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Wer Ohren hat zu hören, der höre« – haben Sie / hast Du solche Ohren? Solche, die nicht nur akustische Signale empfangen, sondern auch den Sinn und Hintersinn dessen, was sie hören, verstehen und die Zwischentöne bemerken? Nur solche Ohren, sagte Jesus im Gleichnis, zu dem unser heutiger Lehrtext gehört, sind im Stande zu hören, was ich meine. Anders gesagt: Man hört nur mit dem Herzen gut. Ich denke, man kann sich die ganze Bibel vorlesen lassen und doch nicht verstehen, was sie einem sagen will, wenn man keine Ohren des Glaubens hat und kein Herz für Gott.
In der Losung geht Gott darauf ein, dass viele Menschen, wenn sie etwas von ihm hören, gleich sagen: „Ach, das kenne ich ja schon alles." Wenn ich im Religionsunterricht in der 4. Klasse die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern erzählt habe, sagten die Kinder: „Die Geschichte kennen wir. Die haben wir schon in der zweiten Klasse gehört." Ja, sie mögen sie wohl kennen. Aber ob sie sie auch verstanden haben? Ob sie verstanden haben, was Gott ihnen durch diese Geschichte sagen will?
In der 4. Klasse sind die Kinder geistig erheblich weiter entwickelt als in der 2. Klasse. Da verstehen sie die Welt wieder ganz neu und anders und das geht immer so weiter bis ans Lebensende. Ständig machst Du neue Lebenserfahrungen, und plötzlich reden altbekannte Bibelworte ganz neu zu Dir. Plötzlich hast Du für sie Ohren, die Du vorher nicht hattest. Plötzlich trifft Dich eine Geschichte oder ein Bibelwort mitten ins Herz.
Ich glaube, es stimmt: Man hört nur mit dem Herzen gut; auch dann, wenn man noch kein Hörgerät braucht.
  
Gebet: Barmherziger Gott, bewahre mich vor dem Irrglauben, ich wüsste schon alles. Bewahre mich vor der Gefahr, oberflächlich zu werden und nicht mehr genau hinzuhören, wenn Du mir etwas sagen willst. Gib mir ein Ohr für Dich und Dein Wort, dass ich verstehe und beherzige, was Du mir zu sagen hast. Und hab vielen Dank, dass Du aufmerksam zuhörst und Dir Zeit nimmst, wenn ich Dir etwas sagen will. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Siehe auch: Losungsauslegung „Mit dem Herzen hören“ vom 8.10.2012 

Donnerstag, 17. Januar 2013

Eine Prise Zweifel hl

Losung: Ich will die Zerstreuten sammeln und will sie zu Lob und Ehren bringen in allen Landen, wo man sie verachtet. Zefanja 3,19

Lehrtext: Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun. 1.Thessalonicher 5,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einem Werbespot im Radio heißt es: »Wir versprechen nicht, wir halten.« Gott muss so nicht werben. In der langen Geschichte mit seinen Menschen hat er oft genug gezeigt, dass er nicht haltlos verspricht, sondern seine Versprechen hält. Aber wie ist es in Ihrer / deiner Lebensgeschichte und in meiner? Wird er auch für uns persönlich seine Versprechen halten? Wird er auch in den Schattentälern, die möglicherweise auf mich warten, bei mir sein? Wird er mich retten, wird er mir helfen aus den verschiedenen Nöten, die zum Leben nun mal mit dazugehören, und letzten Endes auch aus dem Tod?
Kürzlich hat mir eine Frau geschrieben, dass sie zwar glaube, dass ihr aber die Heilsgewissheit fehle, die Gewissheit, dass sie auf jeden Fall aus dem Tod gerettet und in Gottes Herrlichkeit leben wird. Eine solche Gewissheit habe ich auch nicht. Wenn ich sie hätte, müsste ich nicht mehr glauben und hoffen. Doch ich habe nur diese Möglichkeit, dass ich glaube, dass ich auf das vertraue, was Gott mir durch das Wort der Bibel sagt. Ich vertraue darauf, nicht verloren zu gehen, weil Jesus mein guter Hirte ist und mich suchen und finden wird. Ich vertraue darauf, was Gott mir durch den Lehrtext sagt: »Er hat euch auserwählt; er ist treu, und was er verspricht, das hält er auch (Übersetzung nach: „Hoffnung für alle"). Aber – ja leider gibt es auch dieses Aber: Bei allem bleibt doch immer eine „Prise" Zweifel. Solange es bei dieser Prise bleibt, tut sie meinem Glauben sogar gut, weil sie verhindert, dass ich überheblich werde. Ich hoffe nur, dass der Zweifel nicht überhand nimmt und eines Tages mein Gottvertrauen versalzt.

Gebet: Mein Gott, mit meinem Glauben ist es nicht so weit her, aber mit dir! Du hast bis jetzt noch jeden meiner Zweifel widerlegt. Du hast in meinem bisherigen Leben gezeigt, dass ich mich auf dich und dein Wort verlassen kann. Nein, ich zweifle nicht an dir, aber an mir. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Geborgen in einer brüchigen Welt hl

Losung: Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott und sonst keiner mehr. Jesaja 45,22

Lehrtext: Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Eltern sind für unsere Kinder bis weit in deren Pubertät hinein die erste Adresse. An wen sonst als an uns sollen sie sich wenden, wenn sie Hunger und Durst haben, wenn sie sich wehgetan haben, wenn sie Kummer haben, wenn sie Angst haben, wenn Sie Unterstützung brauchen... Kinder fühlen sich im Normalfall in ihren Familien geborgen, selbst wenn die Familienverhältnisse nicht gerade ideal sind. Sie vertrauen ihren Eltern blind. Deshalb gehört es zu den schlimmsten Vergehen, ihr Vertrauen zu missbrauchen.  
Und wir, können wir uns mit unserer Lebenserfahrung in dieser brüchigen Welt auch geborgen fühlen? Was meinen Sie? Was meinst Du? Ich denke, ohne ein gewisses Grundvertrauen kann niemand gut leben. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, so zu leben, als sei unsere Welt stabil und verlässlich. Andererseits weiß jeder, dass jederzeit das Lebensglück unter Schicksalsschlägen zerbrechen kann. Aber gerade dann brauchen auch wir Erwachsene jemanden, den wir »aus tiefer Not« anrufen können. Gott bietet sich dafür an. Ob Sie, ob du, ob ich sein Angebot annehmen, liegt an uns. Anders gesagt, er wendet sich mir zu und hält mir seine Hand hin. Da muss ich mich schon nach ihm umdrehen und ihm meine Hand entgegenstrecken, damit er sie ergreifen kann. Oder mit den Worten des Lehrtextes gesagt: Seine Tür ist offen, ich bin eingeladen. Aber kommen und hineingehen, muss ich schon selbst.
Auch von Eltern heranwachsender Kinder wird zu Recht erwartet, dass sie ihnen die Hand hin und die Tür offen halten. Manchmal braucht man dazu viel Liebe und Geduld, - so wie Gott für uns.

Gebet: Vater im Himmel, ich bitte Dich, dass Du Dich auch dann noch mir zu wendest, wenn ich Dir den Rücken kehre. Gerade dann brauche ich Dich besonders. Zieh Deine Hand nicht zurück und verschließ Dein Herz nicht vor mir, bis ich mich wieder besonnen habe und zu Dir zurück komme. Amen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 15. Januar 2013

Vom Wasserzählerableser und Batteriefachdeckel hl

Losung: Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. Psalm 19,12

Lehrtext: Jesus: Es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt. Lukas 6,43


Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich gerade konzentriert am Schreibtisch arbeite und der Wasserzählerableser klingelt unangemeldet an der Haustür, kommt nicht gerade Freude in mir auf. Heute war es wieder mal so weit. Er kam dann sogar noch ein zweites Mal, weil er vergessen hatte, den Zähler in der Kirche abzulesen. Da er ihn allein nicht findet, muss ich mitgehen, aufschließen, ihm den Zähler zeigen, zuschließen und den Weg zum Pfarrhaus wieder zurück gehen. Die negativen Gefühle, die ich dann spontan in mir spüre, zeugen nicht gerade davon, dass ich ein guter Baum bin (Lehrtext). Doch noch bevor ich ihm meinen Unwillen zeigen konnte, fiel mir der Liedvers ein, mit dem ich heute Morgen aufgestanden bin: »Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort,…« Tja, da musste ich mich wohl zusammen nehmen, wenn ich dieses Gebet ernst meine. Also ließ ich meinen Ärger fahren und bin dem Mann freundlich begegnet. Er hat mir dann auch erzählt, dass er kurz vorher jemanden aus der Dusche geklingelt hat. »Aber er war trotzdem ganz nett.« Ob dieser geduschte Mann gläubig ist? Keine Ahnung. Aber ein „schlechter Baum" war er offenbar nicht, jedenfalls nicht in dieser Situation. Es gibt auch unter den „Kindern der Welt" viele gute Bäume und unter denen, die sich für „Kinder des Lichts" halten, manch schlechten. Entscheidend ist nicht, was einer sagt oder schreibt – wie ich gerade –, sondern was er tut. Darauf legt Jesus besonderen Wert.
Ein schlechter Apfelbaum kann nicht gut werden. Ein schlechter Mensch schon. Ich bin überzeugt, dass die innere Einstellung, dass der Glaube das Verhalten eines Menschen zum Guten ändern kann. Denn wem Gott wichtig ist, der hat einen inneren Kompass. Er lässt sich von Gottes Geboten leiten oder, wenn es sein muss, auch warnen (Losung). Und er bekommt von Gott jeden Tag eine neue Chance, sein Leben zu ändern. Ich möchte von mir nicht sagen, dass ich ein guter Baum bin. Aber ich kann auch im fortgeschrittenen Alter ein besserer werden.
Nachtrag: Soeben musste ich die Batterien meiner Computermaus wechseln und habe dabei die Abdeckung für das Batteriefach verlegt. ‚Zum Donnerwetter…!‘ (Meine Gedanken und Gefühle will ich hier jetzt nicht näher beschreiben). Wenn ich wenigstens einem anderen dafür die Schuld geben könnte. Naja, das war's dann vorerst mit dem guten Baum.

Gebet: Ach Herr, ob dir meine Früchte schmecken? Ich hab da so meine Zweifel. Du wirst wohl noch ganz schön an mir arbeiten müssen und ich an mir, bis meine Ergebnisse so sind, wie du sie dir wünschst. In der Zwischenzeit wirst du hoffentlich mit meinen guten Absichten und meinem Bemühen vorlieb nehmen. Wie gut, dass du großzügig bist! Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 14. Januar 2013

Kennst du Gott? hl

Losung: Gott der HERR ist Sonne und Schild. Psalm 84,12

Lehrtext: Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 2.Korinther 4,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Sag mal, der Mann deiner Schwester ist doch ziemlich arrogant oder?« »Nein, gar nicht. Du kennst ihn halt nicht. In Wirklichkeit ist er echt lieb und zuvorkommend.« »Na, da hat aber deine Schwester voll Glück gehabt.«
Das ist nicht nur bei Menschen so, sondern auch bei Gott, dass man über ihn spricht, ohne ihn wirklich zu kennen. Und dann werden die merkwürdigste Urteile gefällt. Die einen sagen, dass es ihn nicht gäbe. Die andern, dass er grausam sei. Die Dritten, dass er ein unnabares, höheres Wesen sei usw. Was denken Sie / was denkst Du über ihn?
Ich denke, bei Gott ist es wie bei den Menschen: Man muss sich schon etwas Mühe geben, ihn kennen zu lernen, damit man weiß, wie er ist. Und kennen lernst Du ihn am besten aus der Bibel. Darum gibt es ja auch für jeden Tag des Jahres zwei Bibelworte, Losung und Lehrtext, die uns helfen können, mit Gott nach und nach immer vertrauter zu werden. Von nichts kommt nichts. Das gilt auch für den Glauben.
Der Psalm 84 wurde erstmals von Menschen gebetet, die Gott gut kannten, sehr gut. Da heißt es rund um unser heutiges Losungswort: »Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott… Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.« Toll, wenn einer das sagen kann!
Ja, so können Menschen reden, die den lebendigen Gott persönlich kennen gelernt haben, weil sie in seinem »Hause wohnen«, nicht nur in der Kirche, sondern mehr noch im Haus des Glaubens. Er hat uns Jesus geschenkt, damit wir in ihm seine Herrlichkeit erkennen können, der die Verlorenen sucht, die Kranken heilt, den Schuldigen vergibt, die Leidenden tröstet und die Toten erweckt zum ewigen Leben.
Kennen Sie / kennst Du diesen Gott?

Gebet: Heiliger Gott, ich möchte Dich immer besser kennen lernen als meinen Vater im Himmel und als meinen guten Hirten, so wie Du Dich in Jesus gezeigt hast. Ich möchte ganz vertraut mit Dir sein, mehr noch als wie mit einem guten Freund. Dich möchte ich für meine Stärke halten und von Herzen tun, was Du willst. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen für die neue Woche!

Hans Löhr 

Freitag, 11. Januar 2013

Mama, was wird jetzt mit Opa? ebl

Losung: Deine Toten werden leben. Jesaja 26,19

Lehrtext: Wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. 1.Thessalonicher 4,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung macht uns klar, dass unser Verstand begrenzt ist. "Herr, deine Toten werden wieder leben, die Leichen meines Volkes werden auferstehen!" heißt es in einem Lied. Und weiter: "Ihr alle, die ihr in der Erde liegt, wacht auf und jubelt vor Freude!" (Jesaja 26,19) Ganz gleich, wer wann wo dieses Lied zum ersten Mal gesungen hat - wir vertreten ja bis heute mit anderen Worten genau dieselbe Überzeugung, wenn wir im Glaubensbekenntnis sagen: "Ich glaube an ... die Auferstehung von den Toten." Was aber heißt das ganz konkret?

Spätestens dann, wenn ein Kind mit uns bei einer Beerdigung am Friedhof dabei war und uns hinterher fragt: "Mama, was wird denn jetzt mit dem Opa, der da in der Holzkiste in der dunklen Erde vergraben ist?", kommt der entscheidende Moment. Was sagen wir jetzt? "Jetzt ist alles aus", sagen die einen. "Ich weiß nicht, was jetzt kommt", sagen die anderen. Ich habe zu meinen Kindern gesagt: "Ich weiß, dass wir zerfallen, wenn wir lange da unten liegen. Bald sind nur noch unsere Knochen da, irgendwann nicht einmal  mehr die. Von uns leben die Tiere in der Erde, wir werden wieder zu Erde und vielleicht wächst über uns irgendwann ein Baum und schöne Blumen. Aber in uns gibt es etwas, das nicht stirbt. Das, was uns fühlen und vertrauen und lieben lässt. Das ist unsere Seele, und die geht jetzt heim zu Gott. Wie ich bei ihm aussehe, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wie Opa aussieht. Aber ich glaube, dass Gott tolle Ideen und Möglichkeiten hat, von  denen ich nicht einmal träumen kann. Ich lasse mich überraschen, wie es nach meinem Tod weitergeht."

"Wir glauben doch, dass Jesus gestorben und auferstanden ist. Ebenso gewiss wird Gott auch die Verstorbenen durch Jesus und mit ihm zusammen zum ewigen Leben führen." (Lehrtext von heute aus dem Neuen Testament, 1.Thessalonicher 4,14) Auch Paulus fängt gar nicht groß zu phantasieren an, sondern er sagt einfach: "Gott führt uns, auch im Tod und durch den Tod hindurch, wie er es bei Jesus getan hat. Und er öffnet uns sein Reich, das sowieso alle unsere Vorstellungen sprengt."
Mich macht diese Hoffnung gelassen im Blick auf  meinen eigenen Tod.

Gebet: "Gott, ich komme mit meinem Denken nicht hinter die Mauer, mit der das Sterben und der Tod mein Leben begrenzen. Aber das brauche ich nicht, weil du mir jede aufkommende Unruhe nimmst durch deine Zusage, dass du der Anfang und das Ende bist. Du hast alles in der Hand und du weißt, welche Wege wir an deiner Hand gehen werden - und das das gute Wege sein werden. Das soll mir genügen. Amen."

Herzlich grüßt dich und Sie

deine / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 10. Januar 2013

Erderwärmung ebl

Losung: Bei dem HERRN, unserm Gott, ist kein Unrecht, weder Ansehen der Person noch Annehmen von Geschenken. 2.Chronik 19,7

Lehrtext: Allerlei Zöllner und Sünder nahten sich Jesus, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Lukas 15,1-2

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu Zeiten des Volkes Israel war die Rechtssprechung (wir würden heute von der Arbeit der Justiz sprechen) eine Aufgabe, die immer im Namen Gottes stattfinden sollte. Es war von daher eigentlich ausgeschlossen, dass ein Richter bestechlich war. "Vitamin B" konnte ein Angeklagter haben, so viel er wollte - es half ihm nichts. Hatte er sich schuldig gemacht, musste er die Konsequenzen tragen. Welche Position ein Angeklagter in der Öffentlichkeit hatte, ob er ganz oben oder ganz unten stand, sollte keine Rolle spielen. Die Richter sollten absolut neutral und fair entscheiden. Für sie sollte gelten, was für Gott gilt: "Bei dem HERRN, unserm Gott, ist kein Unrecht, weder Ansehen der Person noch Annehmen von Geschenken." (2.Chronik 19,7) Ob das damals wirklich so funktioniert hat? Ich habe meine Zweifel. Heute zumindest herrschen ganz andere Verhältnisse. Gott und seinem Gewissen fühlt sich beileibe nicht mehr jeder Jurist und jede Juristin verpflichtet. Wir haben wohl alle sofort aus den letzten Monaten den Fall 'Gustl Mollath' vor Augen, bei dem vieles in der Rechtsprechung schief gelaufen zu sein scheint und großes Unrecht geschehen ist. Ich muss mir selber auch die Frage stellen: Bin ich immer gerecht in meinem Urteil über andere? Sicher nicht.
Gottes Maßstäbe für 'Aufrechte' und 'Gesindel' sind verstörend anders als unsere. "Allerlei Zöllner und Sünder nahten sich Jesus, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen." (Lukas 15,1-2) So lesen wir es im heutigen Lehrtext. Da ist an Jesus offenkundig eine so große Menschenliebe zu spüren, dass gerade die Verlierer und Verachteten sich zu ihm hintrauen, eine neue Lebensperspektive entwickeln und Vergebung erleben.
Was für einen Gott haben wir zum Vater! Bitten wir ihn heute darum, dass er uns seine Art von Gerechtigkeit lehrt und uns durchscheinend macht für seine Menschenliebe. Damit ist es unter uns gleich gefühlt einige Grad wärmer - und wir leben Gottes Willen.

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus!

Ihre / Deine

Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 9. Januar 2013

Wird Gott wütend? ebl

Losung: In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich. Jesaja 60,10

Lehrtext: Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. Hebräer 4,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich war vor einigen Wochen bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen, das zwei kleine Söhne hat. Beim Verabschieden nach einem schönen Nachmittag erlebte ich mehr aus dem Augenwinkel, wie der jüngere seinen älteren Bruder an den Haaren packte und unsanft daran riss. Noch unsanfter wurde im selben Moment der 'Übeltäter' von seinem Papa am Arm gepackt, in die Luft gezogen und hatte, ehe er sich versah, eine Ohrfeige sitzen. "Das kommt nicht wieder vor", war der einzige Kommentar des Vaters, mehr zu sich als zu uns verdutzt dreinschauenden Erwachsenen gesagt.
Ist Gott auch so? Schnell im Zuschlagen, ohne langes Reden, ohne geduldiges Mahnen? Wir könnten es meinen, wenn wir die heutige Losung lesen: "In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich." (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 60, Vers 10) Über den Zorn Gottes reden wir nicht gern, das ist 'hartes Glaubensbrot'. Dennoch müssen wir es aushalten, dass vor allem im Alten Testament der Zorn Gottes immer wieder durchbricht, mit am deutlichsten in der Sintflut-Erzählung. Gottes Geduld mit 'seinen' Menschen und ihrem zerstörerischen Lebensstil ist am Ende und er löscht sie bis auf wenige aus.
Aber in Jesus zeigt uns Gott eine andere Seite: "Ich muss und will meinen Menschen barmherzig begegnen. Sie scheitern und sie werden immer wieder scheitern. Ich muss mit ihnen ganz neue Wege gehen." Daher entscheidet sich Gott für den Weg der Demut und Liebe in Jesus Christus. Er, der Sohn Gottes, trägt all unser Versagen, unsere Rücksichtslosigkeit und Lieblosigkeit ans Kreuz und macht den Weg zu Gott für uns aufs Neue frei.
Weil das so ist, fordert der Schreiber des Hebräerbriefs uns Christen nicht ängstlich und zittrig, sondern optimistisch und völlig zu Recht auf: "Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir, wenn wir Hilfe brauchen, stets Liebe und Erbarmen finden." (Neues Testament, Brief an die Hebräer, Kapitel 4, Vers 16)

Gebet: "Gott, danke dafür, dass du dich mir gegenüber für den Weg der Liebe und Vergebung entschieden hast. Ich könnte dir und deinem Willen nie genügen, du selber machst durch deine Gnade den Weg für mich zu dir wieder frei. Ich darf zu dir kommen und dich um Hilfe bitten, wenn ich sie brauche. Danke, Vater. Ich will es schätzen, was du für mich tust. Amen."

Einen guten Tag wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 8. Januar 2013

Verlässlich ebl

Losung: Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! Jeremia 14,9

Lehrtext: Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matthäus 28,20

Liebe Leserinnen und Leser,

am Sonntag haben wir in der Aula der Burgoberbacher Schule wieder gemeinsam Lichtblick-Gottesdienst gefeiert. Es war ein ganz besonderer Morgen, der erste Lichtblicksonntag im neuen Jahr. Viele Segenswünsche wurden zwischen den Leuten ausgesprochen und eine große Dankbarkeit für unsere Gemeinschaft im Glauben stand im Raum.
Zugleich gehen wir in diesem Gottesdienst durch eine Zeit der Umbrüche - verdiente Mitarbeitende hören nach Jahren auf und es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, wer sie in ihrem Können und ihrer Verlässlichkeit auf die Schnelle ersetzt. Da heißt es dann, auf Gott zu vertrauen und mit Jeremia zu beten: "Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!" (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 14, Vers 9).
Das hat der 'Lichtblick' mich in den letzten Jahren auf ganz besondere Weise gelehrt: zu vertrauen darauf, dass das, was in Gottes Namen geschehen soll, auch wirklich geschieht. Dass sich immer wieder Menschen finden, die bereit sind, ihre Zeit und ihre Kraft einzubringen und sich in der Gemeinde zu engagieren. Es ist wahr, was Jesus uns zusagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Neues Testament, Evangelium des Matthäus, Kapitel 28, Vers 20) In diesem Vertrauen gehen wir zuversichtlich in das Jahr, das eben erst angefangen hat. Ich bin gespannt, was mit Gott 2013 möglich sein wird in unseren Dörfern mit seinen Gottesdiensten.

Gebet: "Vater, das ist eine so wertvolle Zusage, die du uns machst: Du bist bei uns jede Minute unseres Lebens. Du begleitest uns, du forderst uns heraus, du tröstest uns, du schenkst uns Orientierung. Danke für deine Fürsorge. Mach uns immer wieder neu dazu bereit, uns dir anzuvertrauen. Danke, Vater. Amen."

Einen guten Tag dir und Ihnen!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 7. Januar 2013

Muss ich mich klein machen? ebl

Losung: Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht? Josua 5,14

Lehrtext: Jesus sprach: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. Lukas 8,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bete in allen möglichen Situationen: auf dem Fahrrad strampelnd oder im Auto sitzend, mit Kuchenteig an den Händen oder beim hastigen Zusammenpacken meines Unterrichtsrucksacks. Ich vertraue darauf, dass Gott mich hört, egal wie die äußeren Umstände gerade sein mögen. Und doch eröffnet mir das Verhalten von Josua eine neue Perspektive und macht mich nachdenklich, denn von ihm sagt die Bibel: "Er fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?" (Altes Testament, Buch Josua, Kapitel 5, Vers 14 b) Josua drückt damit seine Ehrfurcht vor Gott aus. Indem er sich klein macht, erkennt er die Größe Gottes allein durch seine Körperhaltung an. In dieser Demut ist er dann auch bereit, genau hinzuhören auf das, was Gott ihm sagen will.
Es ist mir schon fremd, mich beim Gebet hinzuknien - noch fremder wäre es mir, mich auf meine Knie niederzulassen und mit meiner Stirn den Boden zu berühren, wie es Josua gemacht hat. Da sperrt sich etwas in mir, obwohl ich Gott in seiner Herrlichkeit und Macht nicht anzweifle. Ich bin wohl doch sehr stark geprägt von meiner lutherischen Volkskirche: Da steht man beim Beten auf, um Gott seine Ehrfurcht zu zeigen.
Der Lehrtext heute nimmt mir ein bisschen etwas von meiner Verunsicherung, wenn ich Jesus sagen höre: "Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 8, Vers 21) Er war vorher gefragt worden, welche Leute ihm nahe stehen würden - ob es nicht doch in erster Linie seine Blutsverwandten wären. Die Antwort, die Jesus damals gegeben hat, schockiert heute noch. Er sagt: "Ich bin den Menschen nahe, denen Gott wichtig ist. Nicht denen, mit denen ich durch meine Geburt oder andere äußere Umstände in Verbindung gebracht werde."
Gottes Wort hören und es dann in meinem Leben umsetzen, so gut ich kann - das ist es, worauf es Jesus ankommt. Daraus ziehe ich folgenden Schluss: Äußerlichkeiten wie fromme Rituale oder Traditionen haben nicht von selbst eine Bedeutung, sondern nur dann, wenn sie mich Gott näher bringen und mich in seiner Nähe bewahren.

Gebet: "Gott, du zeigst mir heute, dass meine innere Einstellung zu dir DER Punkt ist, auf den es ankommt. Wenn ich mit dir reden will, dann kann ich das in jedem Augenblick meines Lebens tun. Dafür bin ich dir dankbar. Zugleich bitte ich dich: Zeige mir die Formen von Spiritualität, die mich auf meinem Weg mit dir weiter bringen. Lehre mich, immer wieder aufmerksam auf dich zu hören. Danke für die Gemeinschaft in deinem Namen, in den Kirchengottesdiensten und im Lichtblick und im Hauskreis. Amen."

Einen guten Start in die neue Woche

wünscht dir und Ihnen

deine /Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 6. Januar 2013

Wie soll ich leben? - Das Unabänderliche annehmen hl

Lichtblickgottesdienst am 06.01.2013 Aus der Reihe: Wie soll ich leben? 1/2

Liebe Freunde,
»Mit 17 hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel… – der Liebe.« Ja, viele hier kennen dieses Lied. In jungen Jahren träumen wohl die meisten Menschen, wie ihr Leben mal sein sollte: Wir träumen von der idealen Frau oder vom idealen Mann, von einer glücklichen Familie, von beruflichem Erfolg und Wohlstand mit allem, was dazugehört. Manche träumen auch von Ruhm und Macht. Mit 27 sieht das schon ein bisschen anders aus. Mit 37, 47, 57, 67 und 77 noch anders.
Zur Frage „Wie man am besten leben soll“ gibt es eine unübersehbare Ratgeber Literatur. Das beginnt mit der Apotheken Umschau und reicht bis zu den Philosophen der römischen und griechischen Antike wie Seneca oder Epikur. Aber mir geht es jetzt nicht um allgemeine Ratschläge, sondern um die Frage „Wie soll ich, wie kann ich leben, wenn mein Leben nicht so verläuft, wie ich es mir einmal erträumt habe. Wie soll ich leben angesichts der Abschiede, Brüche und Verluste, die ich erleide und die zum Leben nun mal genauso dazugehören wie Erfüllung und Glück?

Einsatz als Notfallseelsorher
Vor einiger Zeit wurde ich von der Polizei als Notfallseelsorger im Landkreis angefordert. Eine junge Frau hatte ihren Selbstmord angekündigt und war mit ihrem Auto verschwunden. Ihre Mutter war am Boden zerstört. Sie konnte zunächst keinen klaren Gedanken fassen. Ich hab sie dann erzählen lassen von ihrer Tochter und aus ihrem Leben. Allmählich wurde sie ruhiger. Am Schluss haben wir miteinander für die Tochter gebetet. Das hat der Mutter gut getan, auch wenn nicht klar war, wie es ihrem Kind in diesem Augenblick geht. Die Tochter hatte in eine Liebesbeziehung eine so große Enttäuschung erfahren, dass sie meinte, ihrem Leben ein Ende setzen zu müssen.
Nicht jeder geht gleich bis zum Äußersten. Aber für jeden von uns stellt sich die Frage, wie kann, wie soll ich leben, wenn Unglück mein Leben überschattet?
Unser Gott, liebe Freunde, ist kein Glücksgott, sondern ein Gott des Lebens mit allen seinen Schattierungen. Wir können ihm danken, wenn es uns gut geht und uns freuen über die Tage des Glücks, die er uns schenkt. Aber wir brauchen ihn erst recht, wenn die Freude geht und das Leid an die Haustür klopft. Manche sind dann auf Gott böse, weil er sie nicht verschont hat. Aber den Gott, auf den sie böse sind, haben Sie sich selbst gemacht. Er ist nicht der Gott der Bibel. Dieser zeigt Dir seine Kraft gerade dann, wenn Du kraftlos bist, seine Macht, wenn Du ohnmächtig bist. Auch hier unter uns sitzen nicht wenige, die erfahren haben und bezeugen können, was Jesus Christus sagt: »Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig«. Anders gesagt: In meiner Schwäche wird sich seine Kraft und Stärke zeigen. Da wo ich am Ende bin, kommt er zum Zug. In dem, was ich verloren habe, wird sich zeigen, was er mir bedeutet und gibt.
Gott lässt seine Kinder nicht im Stich. Davon bin ich überzeugt. Ja, seine Gnade geht so weit, dass selbst Schwerstbehinderte glücklich sein können. Am 24. Februar 2011 stand auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung: 

Glückliche Schwerstbehinderte

»Es vergeht kaum die Zeit eines Wimpernschlags, da haben sich Gesunde meist schon entschieden: Die Vorstellung, dass ihr Körper vollständig gelähmt ist, erscheint ihnen schier unerträglich. „Ich wäre lieber tot“, sagt fast jeder. Fast jeder, der keine Ahnung hat. Menschen nämlich, deren Körper tatsächlich vollständig gelähmt ist, wären nicht lieber tot. Die Allermeisten sind zufrieden mit ihrem Leben, wie eine belgische Studien mit Patienten zeigt.… Die Patienten müssen fast immer beatmet und künstlich ernährt werden, trotzdem bezeichneten sich 72 % als glücklich.… Nur 7 % der befragten Patienten gaben zu erkennen, dass sie lieber tot wären.«  Der Arzt, der die Studie leitete, sagt: »„Die Patienten sollten aber unbedingt wissen, dass sie bei guter Pflege eine ernsthafte Chance haben, wieder ein glückliches Leben zu führen.“« Doch das dauert. Erst stellen sich schwere Depressionen ein, bis sie endlich ihr Schicksal annehmen können. Dann, so die Studie, geht es »diesen Patienten… erheblich besser als ein Gesunder sich das vorstellen kann.«
Dass so etwas möglich ist, begreife ich als Gnade. Der Schöpfer lässt seine Kinder auch im Extremfall nicht im Stich, egal ob sie gläubig sind oder nicht. Aber er will uns als seine Mitarbeiter, die, wo es darauf ankommt, begleiten und helfen. »Deine Gnade reicht bis ans Ende der Welt«, haben wir soeben gesungen. Sie reicht auch in die tiefsten Tiefen menschlicher Existenz.
Bei unserem heutigen Predigtthema geht es nicht nur um Extremfälle, sondern darum, wie ich leben, wie ich damit umgehen kann, wenn ich wieder loslassen und hergeben muss.
Da muss zum Beispiel ein Bauer seinen Hof aufgeben. Und als dann die letzte Kuh fort ist, geht der heimlich in den Stall und weint. Ein Angestellter, der in Rente geht, hat plötzlich keine Kollegen mehr, keine geregelte Arbeit, keine Aufgabe die ihn ausfüllt. Und trotzdem geht das Leben weiter. Nur wie?

Sein Schicksal akzeptieren

Nach allem, was ich weiß, geht es bei jedem Verlust, egal, ob man einen Teil seiner Gesundheit verliert oder den Partner durch Tod oder Scheidung oder schließlich auch das Leben – immer geht es darum, dass ich bis zu dem Punkt komme, wo ich mein Schicksal akzeptieren kann und damit einverstanden bin. Bis man soweit ist, fließen manche Tränen, quält manche Verzweiflung, gehst Du durch das tiefe Tal der Depression. Das geht Gläubigen nicht anders als Ungläubigen. Und wenn Du schon mal an dem Punkt warst, wenn Du schon mal Dein Schicksal angenommen hattest, kann es sein, dass Du trotzdem noch ein paar Mal diesen Weg gehen musst, bis Du endgültig die Situation akzeptieren kannst, in der Du nun bist.
Als Jesus wusste, dass es keinen Ausweg mehr geben würde und sein Tod unmittelbar bevorstand, hat er im Garten Gethsemane vor lauter Angst Blut geschwitzt und Tränen geweint und Gott mehrmals auf Knien angefleht: Vater, erspare mir doch den bitteren Leidenskelch. Aber nichts geschah. Irgendwann war er dann so weit. Er hatte sich durchgerungen und gesagt: „Vater, aber nicht wie ich will, sondern wie Du willst.« »Da,« so heißt es in der Bibel, »erschien ihm ein Engel und gab ihm Kraft.«
An diesem Punkt, so glaube ich, ist der entscheidende Unterschied, wie Gläubige und Ungläubige mit einem schweren Verlust umgehen. Wer an Gott glaubt, beugt sich letzten Endes unter seinen Willen und nimmt aus seiner Hand an, was er ihm schickt. Das ist leichter gesagt als getan. Dem gehen viele innere Kämpfe und Anfechtungen voraus. Aber irgendwann kommt dann einmal die Erlösung, dass Du annehmen kannst, was Dir auferlegt ist. Dann, so hoffe ich, spüren wir, Du wie ich, dass Gottes Engel zu uns tritt und uns die Kraft gibt, die wir brauchen und den inneren Frieden, nach dem wir uns sehnen. Ja, seine Gnade reicht bis ans Ende der Welt.

Nicht liebenswert, aber liebesbedürftig
»Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig«, sagt Jesus. Diese Gnade gilt auch denen, die durch eigenes Verschulden ihr Lebensglück verspielt haben: denen, die den Bund der Ehe gebrochen haben, denen, die von einer bösen Sucht abhängig sind, denen, die strafrechtlich belangt worden sind, denen, die abgetrieben haben. Auch für sie leuchtet aus der Krippe das Gnadenlicht. Und wenn solche schweren Brüche im Leben nicht mehr rückgängig gemacht werden können, so kann Gott Dich doch heilen, wenn Du Dein Versagen bekennst und ihn darum bittest. 
Wenn ich eins über Gottes Liebe gelernt habe, so wie Jesus sie uns gebracht hat, dann dies: Er schenkt sie Dir nicht, weil Du so liebenswert wärst oder gut oder fromm oder tüchtig. Er schenkt sie Dir, weil Du sie brauchst.

Die Tochter, von der ich vorhin erzählt habe, fuhr mit ihrem Auto an einen Waldrand, nahm eine tödliche Dosis Tabletten mit, setzte sich an eine Lichtung und schluckte eine nach der anderen. Da trat ein Reh aus dem Unterholz auf die Lichtung und fing wenige Meter vor ihr in Ruhe zu fressen an. Die junge Frau legte die Tabletten weg, nahm ihr Handy, machte ein Bild von dem Reh und schickte es ihrer Mutter. Dann ging sie zurück zu ihrem Auto, um dort zu sterben. Doch in dem Augenblick, als sie ihr Handy eingeschaltet hatte, wurde das Gerät von der Polizei geortet. Ein Rettungswagen rückte aus und fand die Frau. Sie konnte im letzten Augenblick gerettet und ins Leben zurückgebracht werden. »Gottes Gnade reicht bis…«
Wie soll, wie kann ich leben mit meinem Schmerz? Manchmal gibt dir Gott dazu die Kraft aus dem Glauben. Manchmal schickt er einen Engel. Und manchmal tut er ein Wunder und schickt ein Reh. Liebe Freunde, doch, wir können leben, auch wenn das Tal, durch das wir gehen, stockfinster ist, weil Gott seine Kinder nicht im Stich lässt, Dich nicht und mich auch nicht.  Amen    Hans Löhr

Samstag, 5. Januar 2013

Wie man die Bibel lesen soll hl

Losung: Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR. Sprüche 20,12

Lehrtext: Jesus öffnete den Jüngern das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden. Lukas 24,45

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass man die Bibel lesen soll, ist unter Christen unstrittig. Aber wie soll man sie lesen? Darüber gehen die Meinungen auseinander seitdem es die Bibel gibt. Ich versuche, nicht etwas in sie hinein zu lesen, was nicht da steht, obwohl kaum jemand dieser Gefahr entgeht. Stattdessen möchte ich aus der Bibel Gottes Zuspruch und Anspruch für mein Leben heute herauslesen.
An der Universität habe ich gelernt, die Bibel nach allen Regeln der wissenschaftlichen Kunst zu untersuchen. Das war teilweise recht spannend. Aber für meinen Glauben und für die Verkündigung des Wortes Gottes brauche ich ein anderes Verständnis:
Ich meine, was vor 2000 und mehr Jahren geschah, ist nur dann wichtig, wenn es für mich heute eine Bedeutung hat. Sonst sind das nur schöne Geschichten und Worte aus einem alten Buch, die aber jetzt nichts mehr bewegen. Ich glaube aber, dass Gott auch heute noch derselbe ist, der er damals war. Und was er damals für die Menschen der Bibel getan hat, für Abraham, Josef, David, Zachäus und Bartimäus, für Hannah, Maria Magdalena und die Frau aus Syrophönizien usw., das kann er auch heute für mich und für Dich tun, die wir an ihn glauben. Und darum ist das, was er ihnen gesagt hat, auch uns gesagt.
In diesem Glauben höre ich die Worte der Bibel anders, als ohne ihn. In diesem Glauben schaue ich auf die Geschichten der Bibel anders, als ohne ihn (Losung). In diesem Glauben verstehe ich die Heilige Schrift (Bibel) anders als ohne ihn. So bleibe ich in einer lebendigen Beziehung zu Gott, meinem Schöpfer und Vater im Himmel und zu seinem Sohn Jesus Christus.
Nicht die Wissenschaft, sondern der Glaube macht Gottes Wort lebendig, macht uns für ihn auf eine besondere Weise sehend, hörend und verständig, auch die, die nicht Theologie studiert haben.

Gebet aus der Reformationszeit:
Mein Füßen ist dein heiligs Wort
ein Leuchte nah und ferne,
ein Licht, das mir den Weg weist fort.
So dieser Morgensterne
in uns aufgeht, so bald versteht
der Mensch die hohen Gaben,
die Gottes Geist denen verheißt,
die Hoffnung darauf haben.
(Evang. Gesangbuch, bayer. Regionalteil
Nr. 620 Vers 4)

Herzliche Grüße und viel Freude bei spannenden Entdeckungen in der Bibel!

Hans Löhr 

Freitag, 4. Januar 2013

Lippenpflege hl

Losung: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen. Jesaja 6,5

Lehrtext: Eure Rede soll stets Anklang finden und doch voller Würze sein; ihr sollt imstande sein, jedermann Rede und Antwort zu stehen. Kolosser 4,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

von wegen »Volk von unreinen Lippen«! Die Lippen in unserem Volk war noch nie so gepflegt wie heute, zum Beispiel so: »Lippenpeeling. Es befreit die Lippen von abgestorbenen Hautschüppchen, sorgt für eine bessere Durchblutung und lässt die Lippen voller und gesünder aussehen… So können Sie bald schön weich und geschmeidig küssen« - heißt es in der Frauenzeitschrift „Brigitte". Tja, hätte der Prophet Jesaja eben die richtige Zeitschrift lesen müssen.
Oder habe ich da was falsch verstanden? Vielleicht geht es ihm gar nicht um »abgestorbene Hautschüppchen«, sondern um die abgestorbene Liebe zur Wahrhaftigkeit, um Tratsch und üble Nachrede. Bemerkenswert ist, dass er, der Prophet Gottes, sich davon nicht ausnimmt. Und er sagt auch nicht: „Weh dem Volk!", sondern »weh mir!«.
Als ihm Gott in einer Vision begegnet, wird ihm schlagartig bewusst, dass er auch nicht besser ist als die Menschen, unter denen er lebt. Übrigens, rein werden Jesajas Lippen nicht durch Peeling, sondern durch eine glühende Kohle, mit der ihm ein Engel seine Lippen berührt und seine Sünden vergibt. Jetzt erst kann er die Botschaft von Gott an sein Volk ausrichten.
Jesus brennt mir nicht mit glühenden Kohlen die Sünden weg, sondern vergibt mir, wenn mir mein Versagen leid tut, durch seine Barmherzigkeit. So kann ich besser dem Rat des Apostels Paulus folgen, der im Lehrtext sagt: »Redet mit jedem Menschen freundlich; alles, was ihr sagt, soll gut und hilfreich sein. Bemüht euch darum, für jeden die richtigen Worte zu finden.« Na, das ist doch mal ein guter Vorsatz, wenn schon nicht für das ganze Jahr, so doch wenigstens für den heutigen Tag.

Gebet: Vater im Himmel, gut, dass Du nicht jedes Wort aus meinem Mund auf die Goldwaage legst. Das würde mich ziemlich beschämen. Sondern:
Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen;
Lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen;
Und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss,
so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn' Verdruss.
(Evang. Gesangbuch, Nr. 495,3)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 3. Januar 2013

Ich bin Ausländer – fast überall hl

Losung: Der Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer. 3.Mose 19,34

Lehrtext: Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir hier in Westmittelfranken können die Tageslosung problemlos gutheißen. Wir haben ja kaum Fremde in unseren Dörfern. In den Schulklassen gibt es verhältnismäßig wenige Kinder mit „Migrationshintergrund” also von Einwanderern. Der einzige Ausländer, der mir regelmäßig begegnet, ist ein Paketbote. Übrigens ein ganz ein netter. Doch das hat wohl nichts damit zu tun, dass er Ausländer ist. Er könnte auch ein unangenehmer Zeitgenosse sein, wie so mancher Deutsche auch.
Doch wie wäre es, wenn wir Verhältnisse hätten wie in Berlin-Wedding, wo man sich als Deutscher in der Schule oder auf der Straße schon selbst aus Ausländer vorkommt? Würde ich dann auch noch sagen: „Ja, das heutige Losungswort, also das Wort Gottes, hat recht. Alle Ausländer sollen bei uns mit den gleichen Rechten und Pflichten wohnen wie wir auch”? Man tut sich leicht, das zu verlangen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Jeder Mensch hat tief in sich so etwas wie Fremdenangst - auch die Fremden vor uns. Ich meine, dass man diese Angst bei sich selbst akzeptieren muss, um sie zu beherrschen, damit sie einen nicht selbst beherrscht.
Ja, wir hier in Westmittelfranken tun uns leicht mit der Tageslosung. Aber sie würde auch dann noch uneingeschränkt gelten, wenn wir in Berlin-Wedding wohnten. Die Bibel fragt nicht danach, wie hoch der Ausländeranteil in einer Region oder in einer Stadt ist. Sie macht von dem Gebot, dass Fremde wie Einheimische wohnen sollen, keine Ausnahme.
Übrigens, Jesus war Jude, also Ausländer aus Palästina. Darf er in Deinem Leben wohnen? Und ich und Du, auch wir beide sind Ausländer – fast überall. Vielleicht wäre es gar nicht so dumm, wenn wir uns da, wo wir im Ausland zu Gast sind, nicht in erster Linie wie Deutsche benehmen würden, sondern wie Engel (Lehrtext).

Gebet: Mein Gott, Du bist der Vater auch für die Menschen, die für mich Ausländer sind. Ich danke Dir, wie viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft Du mir durch sie im Ausland schon geschenkt hast. Behüte und beschütze sie so wie mich. Segne und hilf ihnen so wie Du mich segnest und mir hilfst. Wir alle sind ja Deine Söhne und Töchter. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 2. Januar 2013

Tonangebend für dein Lebenslied hl

Losung: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Sprüche 1,7

Lehrtext: Petrus sprach: Gott sieht die Person nicht an; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Apostelgeschichte 10,34.35

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Chorleiter bittet um Ruhe und singt den einzelnen Stimmen seines Chores den Anfangston vor. Wer Sopran, Alt oder Bass singt, nimmt diesen Ton in sich auf. Dann kommt der Einsatz des Chorleiters, und alle beginnen das Lied mit dem richtigen Ton für jede Stimme. Bei einem Chor ist der Dirigent tonangebend und alle richten sich nach ihm. Wer gibt Ihnen / Dir den Ton an? Wer sagt Dir, wie Du denken, wie Du leben sollst? Nach wem richtest Du Dich?
Nein, die Antwort nehme ich Dir nicht ab, wenn Du jetzt sagst: „Ich richte mich nach niemandem. ” Wir alle richten uns nach anderen, schon unser Leben lang. Anfangs waren es die Eltern, später kamen die Lehrer hinzu. Und tonangebend waren und sind für uns immer auch die Menschen, die etwas gelten in der Klasse, am Arbeitsplatz, im Hörsaal, in der Gesellschaft und wo auch immer.
Losung und Lehrtext sprechen heute von der „Furcht des Herrn ”. Auch diese beiden Bibelworte stellen damit die Frage: Wer ist für Dich tonangebend? Von wem lässt Du Dir den Ton für die Melodie Deines Lebens vorgeben? Manche handeln nach dem Motto: »Wess‘ Brot ich es, dess‘ Lied ich sing.« Die reden ihren Arbeitgebern und Vorgesetzten in Kirche, Wirtschaft und Staat nach dem Mund, meistens mehr als nötig wäre. Dafür werden sie von ihren Chefs in Ruhe gelassen, aber auch insgeheim verachtet.
Die Bibel sagt: „Habe vor Gott Respekt und richte Dich in erster Linie nach ihm, nach seinem Willen, nach seinen Geboten. Dann weißt Du (Erkenntnis), was Dir und anderen gut tut und was richtig ist.” Anders gesagt, wer mit Gott vertraut ist, lebt anders, trifft andere Entscheidungen, macht andere Erfahrungen als derjenige, der das nicht ist. Martin Luther hat es auf seine ihm eigene Weise drastisch zum Ausdruck gebracht als er sagte: „Der Mensch ist ein Reittier. Entweder reitet ihn Gott oder der Teufel.” Ich weiß, das ist nicht differenziert, sondern schroff. Deshalb klingt die Frage weiter oben in unseren Ohren angenehmer, wo ich schreibe: »Von wem lässt Du Dir den Ton für die Melodie Deines Lebens vorgeben?« Aber letzten Endes läuft es auf dasselbe hinaus.
Und, weißt Du nun eine Antwort auf die Frage, wer alles in Deinem Leben tonangebend ist?

Gebet: Mein Schöpfer und Herr, gib mir Ohren, Deinen Ton aus den vielen Tönen dieser Welt herauszuhören, damit ich nach ihm mein Lebenslied singen kann. Amen

Herzliche Grüße und einen guten Start in den Alltag des neuen Jahres!

Hans Löhr 

Dienstag, 1. Januar 2013

Knien vor dem Chef hl

Losung: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Jesaja 45,23-24

Lehrtext: Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Epheser 3,14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

es war der 07.12.1970. Willy Brandt, der damalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland besuchte die damalige Volksrepublik Polen. Er kam, um den so genannten Warschauer Vertrag zu unterzeichnen. Am Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos, einem Stadtbezirk, in dem 1940-1943 von SS und deutschen Nazi-Soldaten tausende Juden zusammengetrieben worden waren, um sie in die Vernichtungslager abzutransportieren, - an diesem Mahnmal hat Willy Brandt einen Kranz für die Opfer niedergelegt und ist dabei spontan auf die Knie gegangen. Diese stumme Bitte um Vergebung und Versöhnung eines, der keine Schuld hatte, wirkte mehr als alle politischen Reden der damaligen Zeit.
Die Hälfte der Deutschen damals war gegen den Kniefall. Die Bild-Zeitung machte sich für sie zum Sprachrohr. Sie verunglimpfte den Bundeskanzler als einen »vermutlich aus der Kirche ausgetretenen Sozialisten« und schrieb sinngemäß, dass man nur vor Gott knien dürfe. Willy Brandt sagte später im privaten Kreis dazu: »Was wissen diese S… schon, vor wem ich gekniet habe!«
Ja, man darf nur vor Gott knien und vor seinen geschundenen und gequälten Brüdern und Schwestern (Matthäus 25,40+45). Vor einem Menschen aber, der größer, mächtiger und stärker ist als man selbst, darf ein Christ freiwillig nicht knien. Niemals! Denn nur einer ist wirklich unser Vater,  sagt Jesus, der im Himmel, und nur einer unser Meister, Christus (Matthäus 23,9).
So macht die Bibel zu Beginn des neuen Jahres klar, wer der Chef ist auch über Dein Herz und Deine Seele. Alle anderen sind höchstens Chefs über Deine Arbeitskraft und sonst über nichts. Vergiss nicht, wenn Du in das neue Jahr gehst: Du bist eine Tochter / ein Sohn des Höchsten. Das ist Deine Würde. Lass sie Dir von niemandem nehmen auch nicht von Dir selbst.

Gebet: Mein Vater im Himmel, ich geh vor Dir auf die Knie, der Du Dich mir im Bild Deines gekreuzigten Sohnes Jesus zeigst. Dir gehört mein Leben. Regiere Du mich nach Deinem Willen, so bin ich in dieser Welt ein freier Mensch. Gib mir die Größe, die Kraft und den Mut, dass ich mich vor den geringsten Deiner Brüder und Schwestern beugen und Dir in ihnen dienen kann. Amen

Der dreieinige Gott halte in diesem neuen Jahr seine schützende und segnende Hand über Dich und alle die zu Dir gehören!

Hans Löhr 

Futur – Jahreslosung 2013 hl

»Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir« Hebräer 13,14

Liebe Leserin. lieber Leser,

mein Gott, wie haben sich unsere Dörfer in den letzten 50 Jahren verändert! Mehr noch als unsere Innenstädte, die unter Denkmalschutz stehen und ihr altes Gesicht weit gehend bewahrt haben. Unsere Vorfahren würden ihr Dorf nicht mehr wieder erkennen. Die Häuser wurden allesamt aufgestockt. Die Ställe bis auf wenige Ausnahmen abgerissen. Scheunen, sofern sie noch stehen, in Garagen und Maschinenhallen umgewandelt oder zu großzügigen Wohnungen ausgebaut.
An den Dorfrändern stehen neue Siedlungen. Viele Häuser haben einen farbigen Anstrich bekommen. Die Dorferneuerung hat ihre Spuren in Form von Gehsteigen, Brunnen, Bushäuschen, Blumenrabatten und Grünstreifen hinterlassen.
Wir haben es uns schön gemacht in unseren Häusern und Wohnungen, in unserm Dorf. Endlich hat man auch das Geld für eine geschmackvolle Einrichtung und etwas Luxus. Schließlich will man sich da, wo man lebt, auch wohl fühlen.
Aber wie werden unsere Dörfer in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen? Werden wir sie dann wiedererkennen? Werden unsere Häuser noch stehen? Wer wird einmal darin wohnen? Und wo werden wir dann sein? Auf dem Friedhof, ja. Aber ist das alles?
Nein. Ich glaube das nicht. Ich vertraue darauf, was Gott mir durch die Bibel sagt: Wir werden einmal in seiner Stadt bei ihm wohnen und dort eine Heimat haben für immer. Dann hat alles Suchen ein Ende. Dann sind wir dort angekommen, wo wir nicht mehr ausziehen müssen und nicht mehr vertrieben werden können: in der zukünftigen Stadt, die wir suchen und die uns bleibt.
Im Gesangbuch (EG 150) steht ein Lied dazu. Mein Großvater Georg hat es besonders gern gesungen. Darin ist von dieser zukünftigen Stadt die Rede, vom himmlischen Jerusalem:

Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wär in dir!
Mein sehnend Herz
so groß Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir.
Weit über Berg und Tale,
weit über Flur und Feld
schwingt es sich über alle
und eilt aus dieser Welt.

Ja, das himmlische Jerusalem war für zahllose Generationen vor uns der Sehnsuchtsort, an den sich unsere von Kriegen, Wirtschaftskatastrophen und persönlichem Leid getroffenen Vorfahren manchmal gewünscht haben.
Ich sehne mich nicht danach. Noch nicht. Ich lebe immer noch gern auf dieser Erde zusammen mit meiner Familie. Mir geht es ja auch im Großen und Ganzen gut. Aber wer weiß, vielleicht kommen auch auf mich noch einmal Zeiten zu, in denen ich froh bin, dass ich das himmlische Jerusalem als Ziel vor Augen habe. Wo die Herrlichkeit Gottes alles Leid und alle Schuld überstrahlt.
Früher oder später muss ich ausziehen aus meinem Haus, aus meinem Dorf, aus meiner Stadt.
Früher oder später muss ich ausziehen  aus dem Gehäuse meines irdischen Lebens.
Früher oder später werde ich ankommen in seiner Stadt und eine Heimat haben, die bleibt.
Das ist mir versprochen. Das will ich glauben.

Gebet: Mein himmlischer Vater, jetzt bin ich im Glauben bei dir und du bei mir. Aber einmal möchte ich dich sehen von Angesicht zu Angesicht und in deiner Gegenwart bleiben für immer; befreit von allem, was mich hier belastet; beschenkt mit der großen Freude, die du mir durch Jesus gibst. Amen.

Gottes Segen mit Gesundheit, Erfolg und Freude im neuen Jahr!

Hans Löhr