Donnerstag, 21. März 2013

Satt werden ebl

Losung: Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen. 3.Mose 26,5

Lehrtext: Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. Und sie aßen und wurden alle satt. Lukas 9,16-17

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie sich/hast du dich in deinem Leben schon einmal so richtig nach einem Stück Schwarzbrot gesehnt? Da bei uns die Kühlschränke und die Regale in den Speisekammern meistens voll sind, kennen wir den Mangel gar nicht. Dafür können wir Gott dankbar sein. Aber damit ist auch ein kleines Problem verbunden: Weil wir im Überfluss leben, findet mancher Satz aus der Bibel in uns kein Echo mehr. Was Männer und Frauen aus unseren Dörfern, die in Kriegszeiten noch Hunger und Not erlebt haben, intensiv nachfühlen können, bleibt uns 'Nachgeborenen' fast unzugänglich: die Sehnsucht nach einem Stück Brot. Nur wer die kennt, kann mit dem Versprechen der heutigen Losung etwas anfangen: "Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen." (Altes Testament, 3. Buch Mose, Kapitel 26, Vers 5) Dieses Versprechen gibt Gott seinen Leuten, während sie unter sengender Sonne durch wüstenähnliches Land ziehen und jeder Krümel Brot Gold  wert ist. Es ist ihm bewusst, dass er für seine Menschen sorgen muss, indem sie satt werden.

Das wird auch an Jesus deutlich. Nachdem er länger vor einer beeindruckenden Menge gepredigt hatte (es waren angeblich 5000 Leute!), stellt er fest: "Jetzt sind sicher alle hungrig." Aber da ist leider kein Cateringservice zur Stelle. Was tun? Mit Gottvertrauen Jesus den Proviant hinlegen, der sich zusammenkratzen lässt: fünf Brote und zwei Fische. Und dann sagen: "Bitte, Jesus, das ist alles, was wir haben. Mach du etwas daraus." Er macht etwas daraus. 'Er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. Und sie aßen und wurden alle satt.' (Lukas 9,16-17) Das nenne ich Fürsorge.

Gebet: Danke, Gott, dass du uns in unseren ganz alltäglichen Bedürfnissen versorgen willst. Wir schätzen es oft nicht, weil alles da ist und wir im Überfluss leben. Heute hast du uns 'die Augen gerieben' und wir sehen klar: Es ist nicht in allen Teilen der Welt selbstverständlich, dass jeder Brot und Wasser hat.
Wir danken dir, dass wir nicht hungern müssen. Und bitten dich um die Bereitschaft, zu helfen, wo die Not an anderer Stelle groß ist. Arbeite du an unserem Herz und verändere es. Danke, Vater. Amen.

Herzliche Grüße

Deine / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr



Hier der Link zur Sonntagspredigt von Elfriede Bezold-Löhr: »Alles außer Mikado«

Mittwoch, 20. März 2013

Tarotkarten legen? ebl

Losung: Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Jesaja 8,19

Lehrtext: Gott hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus. Kolosser 2,15

Liebe 'Losungsgemeinde',

heute müssen wir eintauchen in die Zeit des Propheten Jesaja und in die größeren Zusammenhänge, um den ausgewählten Losungssatz zu verstehen. In einer neueren Bibelübersetzung lautet er folgendermaßen: "Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen?" (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 8, Vers 19) Bei fremden Völkern war es üblich, in Notzeiten solche Totenbefragungen durchzuführen. Den Israeliten allerdings waren sie verboten, obwohl ihnen zu Lebzeiten von Jesaja das Wasser bis zum Hals stand. Sie hatten Angst vor einem Krieg mit den Assyrern, ihren Nachbarn. Im Namen Gottes warnt Jesaja die Mächtigen in Israel vor falschen Bündnissen mit anderen Staaten - aber keiner will auf ihn hören.

Was tun in der Angst? Vielleicht doch die Totengeister fragen?

Die Frage, vor der die Israeliten stehen, ist heute so dringend wie sie damals war. Was tun, wenn man in Not ist und sich bedroht fühlt? Die Tarotkarten legen wie meine Freundin Luise aus Köln? Sicher nicht. Sondern sich an unseren Vater im Himmel wenden, denn "er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus." (Kolosser 2,15) Gott ist mächtiger als die Kräfte dieser Welt - er überwindet sogar den Tod. Das lässt mich mutig beten.

Gebet: "Gott, wenn ich das Gefühl habe, dass mir die Probleme über den Kopf wachsen oder einzelne Menschen mich in meinem Innersten bedrohen, dann will ich mich neu an dich und deine Macht und deine Möglichkeiten erinnern. Schwäche du bitte die Mächte, die mich schwach machen wollen. Und mach du mich stark. Im Namen Jesu Christi. Amen."

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus

schickt dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr


Ich hier die Predigt vom vergangenen Sonntag, 17.03.2013 (klick): »Alles außer Mikado«

Dienstag, 19. März 2013

Auf Papas Schultern ebl

Losung: Du hast gesehen, dass dich der HERR, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt. 5.Mose 1,31

Lehrtext: Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. 1.Johannes 4,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

erlauben Sie mir, erlaubt mir bitte, dass ich heute noch einmal auf den Mann zurück komme, von dem ich gestern schon in der Auslegung erzählt hatte und der auch im Lichtblick am Sonntag Thema war, Jürgen Mette. Denn er bezieht sich in dem Kapitel 'Zweifelhaftes und Glaubhaftes' seines Buches 'Alles außer Mikado' exakt auf unsere heutige Losung: "'In der Wüste ... da hast du gesehen, dass dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt ...' (5.Mose 1,31) Ein zärtlich starkes Bild für mein geborgenes Leben. Wie selbstbewusst habe ich meine Söhne getragen, als sie noch tragbar waren. Alle sollten es sehen. (...) So zärtlich wird hier das Vaterherz Gottes beschrieben."
Wie klar wirkt der Segen Gottes, wenn ein Parkinson-Patient so von sich und seinem himmlischen Vater reden kann. Er sieht sich gleichsam auf den Schultern Gottes sitzen. Der trägt ihn und schenkt ihm so eine neue Sicht auf sein Leben, macht es für ihn er-träglich.
"Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat" (Neues Testament, 1.Brief des Johannes, Kapitel 4, Vers 16), kann Johannes von sich und seinen Leuten sagen. Jürgen Mette kann das auch. Wer es aus unserer Runde heute auch sagen kann, der hat Grund zum dankbaren Gebet:

Gebet: "Vater, ich spüre es von Zeit zu Zeit, dass du um mich bist und mit mir lebst. Ich danke dir für die Geborgenheit, die ich in dir finde und für die Sicherheit, die mir für meinen Alltag daraus erwächst. Amen."

Wir leben diesen Tag 'auf Papas Schultern'.

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr 

Montag, 18. März 2013

Nur diesen Tag leben ebl

Losung: HERR, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Psalm 39,5

Lehrtext: Unser Bürgerrecht ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus. Philipper 3,20

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn ich die Losung und den Lehrtext für heute vor mir habe, kommt mir unser Lichtblick-Thema von gestern sofort wieder in den Sinn. Jürgen Mette stand im Mittelpunkt, seit 2009 konfrontiert mit der bitteren Erkenntnis, dass er weit vor seinem Ruhestand die Parkinson-Krankheit hat.
Diese unheilbare Krankheit hat ihn dazu gezwungen, eine neue Haltung gegenüber seinem Leben zu finden.
Er hat früher vieles als selbstverständlich erlebt: seine Gesundheit, seine beruflichen Erfolge, sein familiäres Glück. Nach jahrelangem Ringen hat er sich nun angewöhnt, nur diesen Tag leben zu wollen. Nur diesen einen, heutigen Tag gut leben zu wollen, heil in seinem Inneren durch sein Vertrauen in Gott, zittrig und angezählt nach außen in seinem klapprigen körperlichen Gehäuse. Er lernt schon das, worum David Gott bittet: "HERR, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss." (Altes Testament, Psalm 39,5)
Aber Jürgen Mette hat sein Vertrauen in Gott trotz mancher Krise nicht verloren. Er würde dem, was Paulus glaubt, aus tiefster Seele zustimmen: "Wir (...) haben schon jetzt Bürgerrecht im Himmel, bei Gott. Von dort her erwarten wir auch unseren Retter, Jesus Christus, den Herrn." (Neues Testament, Brief des Paulus an die Philipper, Kapitel 3, Vers 20)

Gebet: "Gott, unser Vater, mit deiner Hilfe erleben wir jeden Tag unseres Lebens als einen geschenkten Tag. Gib uns die Weisheit, unsere Zeit nicht zu verschleudern. Hilf uns, das Schöne zu sehen, das jeder Tag für uns bereit hat. Hilf uns auch, das Schwere zu ertragen, das er uns vielleicht aufbürdet. Mit deiner Hilfe leben wir anders - innerlich heil. Danach sehnen wir uns alle, Vater. Amen."

Einen guten inneren Halt in dieser Woche

wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

P.S. Hier das Buch von Jürgen Mette, wie er im Glauben mit seiner Krankheit zu leben versucht: „Alles außer Mikado

Sonntag, 17. März 2013

»Alles außer Mikado« ebl

Passionserfahrungen
Predigt im Lichtblick am 17.03.2013 von Elfriede Bezold-Löhr

In einer anderen Welt
„Geschüttelt und gerührt, statt sportiv und cool – in dieser neuen Welt bin ich angekommen. Ich bin angekommen, aber nicht heimgekommen. Mein Leib, einst eine Festung, gleicht jetzt einer Baracke. In diesem wackeligen Gebäude will ich erst gar nicht heimisch werden.“ (105)
Das schreibt Jürgen Mette, geboren im Februar 1952. Jetzt gerade mal einundsechzig Jahre alt. Jürgen Mette gehört inzwischen zu den ‚Parkis‘. Er selber nennt sich und andere so, die eines verbindet: Morbus Parkinson. Die Krankheit betrifft bestimmte Gebiete des Gehirns – und zwar diejenigen, die beteiligt sind an der Kontrolle der menschlichen Bewegungen, der willkürlichen und der unwillkürlichen. Bei Leuten, die an Parkinson erkranken, mangelt es an bestimmten Botenstoffen im Gehirn. In Folge dieses Mangels werden die Gehirnzellen irreparabel geschädigt. Parkinson äußert sich in unkontrollierbaren Zitteranfällen, in Muskelstarre und in fortgeschrittenem Stadium manchmal in einer maskenhaften Erstarrung des Gesichts. Bisher ist über diese Krankheit noch längst nicht alles bekannt. Sie ist unheilbar, kann aber mit Medikamenten deutlich beeinflusst werden. Jeder Krankheitsverlauf ist ganz eigen, es gibt kein starres Muster.

„Herr P.“, wie Jürgen Mette die Krankheit nennt, hat ihn 2009 gepackt. Bis dahin war das Leben von Jürgen Mette eine Reihe von gelingenden Unternehmungen. Eine glückliche Kindheit, erfolgreiche Schulzeit, die Ausbildung zum Zimmermann, daran anschließend ein Theologiestudium, dann fünf Jahre als Jugendpfarrer, anschließend Dozent an einer theologischen Hochschule und die Tätigkeit als Gemeindeberater, als Prediger und als Referent. ‚Nebenbei‘ eine eigene Familie, drei Söhne.
Wie verhält sich ein Powertyp, ein Alphatier, ein Bühnenmensch wie Jürgen Mette angesichts der Diagnose ‚Morbus Parkinson‘? Trägt ihn sein Glaube auch jetzt? Hat das Bestand, was er selber über dreißig Jahre in hunderten von Predigten anderen Leuten weitergegeben hat?

Der Theologe Henning Luther hat einmal gefragt: „Wenn ein Gesunder einem Kranken gegenübersitzt  - wer hat wem etwas zu geben?“ Seine Antwort lautete: „Der Kranke dem Gesunden.“ Die Begründung ist einfach: Denn der Gesunde kann vom Kranken etwas über das Leben in der Krise lernen.
Das will ich heute mit euch: Lernen von Jürgen Mette. Ihm zuhören. Wer weiß, wohin unsere Lebenswege noch führen und welche Hiobsbotschaften wir noch hören werden. Es könnte sich noch als hilfreich erweisen, einen solchen Vorkämpfer zu kennen.

Den Tag leben
In der Bergpredigt sagt Jesus: „Quält euch nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat.“ (Mat.6, 34)
Bis Jürgen Mette diesen Satz als für sich gültig  wieder sagen kann, vergehen drei Jahre. Auch heute quält er sich noch manchmal mit Bildern und Gedanken, was noch werden könnte.  Aber es passiert immer seltener. Er will heute nur diesen einen Tag bestehen.

Im Januar 2009 während der Aufzeichnung einer Fernsehsendung auf der Wartburg in Thüringen merkt Jürgen Mette zum ersten Mal, dass er unkontrolliert zittert. Er schiebt es auf die kalten Räume in der Burg. ‚Googelt‘ aber dann in der Nacht im Stillen zum ersten Mal den Begriff ‚Parkinson‘ auf seinem PC. Er erschrickt furchtbar und verdrängt dann. Wenn andere ihn fragen, ob mit ihm etwas nicht in Ordnung sei, sagt er etwas von Überlastung und zu vielen Terminen. An Ostern erleidet er am Ende einer Großveranstaltung einen Zusammenbruch. Seine Kollegen beherzigen das, was im Jakobusbrief im Neuen Testament steht: „Ist jemand unter euch krank, so rufe er zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.“ (Jak.5, 14 – 15)
Jürgen Mette wird von Gott aufgerichtet. Er weiß jetzt: Er muss sich den Gegebenheiten stellen. Er braucht fachkundige Hilfe von Neurologen.

Den ersten behandelnden Arzt erlebt er menschlich als völligen Versager. Dann findet er in Mittelhessen einen erfahrenen Spezialisten, der ihn einfühlsam und zugleich sehr klar im Hinblick auf die Diagnose behandelt.
Der einstige ‚Hans im Glück‘ fällt in eine wochenlange Depression, als absolut sicher feststeht, dass er an Parkinson leidet. Dann packt ihn die Wut:
Wer bist du, Unbekannter? Wann hast du dich heimlich in mein Leben geschlichen? Wo hast du dich so lange versteckt, du Dämon der alten Leute, du Quälgeist der Tattergreise? Hau gefälligst ab, du Undercover-Agent der neuen dementen Gesellschaft! Du kommst viel zu früh! Melde dich nochmal, wenn ich 80 bin. Da zittern fast alle. (…) Wer gibt dir das Recht, in meinem Kopf Blockaden zu errichten?
P., ich hasse dich! Und ich werde dich täglich verachten. Ich denke nicht daran, mit dir mein Leben zu teilen. Ich dementiere die Demenz, du Totengräber der Hoffnung auf einen schönen Ruhestand.“ (21, 22)

Hilfe annehmen
Die größte Unterstützung in diesen Monaten ist für Jürgen Mette seine Familie. Seine Söhne und seine Schwiegertöchter begleiten ihn – und vor allem seine Frau hilft ihm sehr. Sie hat selbst erfolgreich ein paar Jahre vorher eine Krebserkrankung besiegt  - das volle Programm mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Jetzt begleitet sie ihren Mann auf eine Weise, die mich beeindruckt: Sie tröstet ihn stumm, wo jedes Wort falsch wäre. Sie treibt ihn an, wo er zu bequem ist oder zu selbstmitleidig. Sie bleibt sich treu in ihrem Gottvertrauen, das sie schon durch ihr persönliches ‚finsteres‘ Tal hindurchbegleitet hat. Und --- sie sorgt dafür, dass die schönen Dinge des Lebens jetzt nicht mehr aufgeschoben werden. Reisen, die sie schon immer machen wollten, machen sie jetzt gemeinsam. Und wo sie nicht mitkann, schickt sie ihren Mann mit einem Freund los.
Diese Freunde werden jetzt wichtig, manche sind ebenfalls an Parkinson erkrankt. Da kommen neben anderen ein Professor im Ruhestand, eine Religionswissenschaftlerin, ein international tätiger Sozialarbeiter und ein Unternehmensberater zusammen.  „Inzwischen sind wir 20 Betroffene mit Ehepartnern. Diese zuversichtliche Leidensgemeinschaft tut uns allen so gut. Uns verbindet die gemeinsame Überzeugung, dass wir unsere Situation im Glauben annehmen und im Heute leben wollen, nicht in der Angst vor morgen.“  (95)
Drei Jahre, sagt Jürgen Mette, hat es gedauert, bis er voll und ganz zu sich und seiner Situation stehen kann. „Ich habe Parkinson“ – das hören nach seiner Familie und den Verwandten und engen Freunden nach und nach auch die vielen Menschen in seinem beruflichen Netzwerk. Manche hatten es schon länger geahnt und sind froh, als es jetzt endlich ausgesprochen ist. Wer an Parkinson erkrankt, ist ja nicht mit einem Mal arbeitsunfähig – doch die Anzeichen kommen unvermittelt und abrupt und es hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auf solche möglichen Anfälle eingestellt zu sein.
Im Lauf der zurückliegenden drei Jahre hat Jürgen Mette auch manche Verantwortungsbereiche abgegeben. Er hat beschlossen, sich in seiner Arbeit auf zwei Themen zu konzentrieren: auf die Versöhnung und die Verständigung. Ihn interessiert jetzt brennend die Frage, warum Menschen Gott und den Glauben scheinbar hinter sich lassen und doch nie ganz davon loskommen. „Darum möchte ich gern noch ein paar Brücken bauen. Brücken zwischen Zweiflern und Bekennern, zwischen Atheisten und Frommen. (…) Ich möchte im Namen des Heilandes einen kleinen Beitrag zur Heilung des Landes leisten. Als chronisch Kranker, als zitternder Zeuge einer inneren Heilung, die ein wankendes Leben hält und trägt.“ (170, 171)

Biblischen Texten neu begegnen
Jürgen Mette liest viele biblische Texte jetzt neu. Manche kann er fast nicht mehr predigen – dazu gehören auch die Erzählungen von wunderbaren Heilungen im Neuen Testament. Was er früher vollmundig, aber in Manchem ahnungslos aus einem fröhlichen ‚Halleluja-Glauben‘ heraus gesagt hat, bleibt ihm heute im Hals stecken.
Er wird leiser und vorsichtiger in dem, was er sagt und in seinen Predigten fordert. Er entschuldigt sich heute bei den Menschen, die er früher mit seinem starken und beeindruckenden Auftreten einfach überrollt hat.
Am stärksten trägt ihn in diesen Krisenzeiten das Buch Hiob. Dort findet er alles wieder, was ihn selber umtreibt: die Verzweiflung, die gescheiterte Suche nach Gott, das Klagen und das Resignieren. Es tröstet ihn, dass auch das Elend in der Bibel zuhause ist und zur Sprache kommt.

Wir leben gegenwärtig in der Passionszeit. Zwölf Tage sind es noch bis zum Karfreitag. Wer unter uns sich auf diese Zeit einlässt und der Frage nach dem Leiden stellt, der kann sich von Jürgen Mette an die Hand nehmen und führen lassen. Ich bin froh, dass er den Mut hatte, ‚aufzumachen‘ und von sich zu erzählen. Die Erfolgsgeschichten erzählen sich leicht – Leidensgeschichten macht man nicht so schnell offenbar. Was Jürgen Mette zu sagen hat, macht nachdenklich und mutig zugleich. Möge Gott ihm seinen Glauben bewahren. Amen.

(Alle Zitate von Jürgen Mette sind folgendem Buch entnommen: »Alles außer Mikado. Leben trotz Parkinson«. Gerth Medien GmbH, 2013)

Freitag, 15. März 2013

Endlich bricht das Eis hl

Losung: Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst - HERR, wer wird bestehen? Psalm 130,3

Lehrtext: In Jesus Christus haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade. Epheser 1,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Kind war es für mich richtig schlimm, wenn meine Mutter mir eine Zeit lang die kalte Schulter gezeigt hat, weil ich mich daneben benommen hatte. Gott sei Dank kam das nur selten vor. Aber bis dann das Eis gebrochen war, bis sie wieder mit mir sprach und schließlich auch wieder freundlich zu mir war, – bis dahin habe ich richtig gelitten. Wenigstens sie, wenigstens meine Mutter musste sich mir zuwenden, damit die Welt für mich halbwegs in Ordnung war. Und wenn ich es nicht mehr ausgehalten habe, dann sagte ich: „Mutti, bitte, bitte, sei doch wieder gut!” Und dann dauerte es nicht mehr lange, und sie drückte mich wieder an sich.
Der Mensch, der zum ersten Mal diese Worte aus dem Psalm 130 gesagt hatte, hat Gott gegenüber wohl ähnlich empfunden: »Herr, ich bin völlig am Ende. Darum schreie ich zu dir! Höre mich, Herr! Ich flehe dich an, bitte höre mir zu!  Wenn du jedes Vergehen gnadenlos anrechnest, wer kann dann vor dir bestehen? (Losung) Doch bei dir finden wir Vergebung. Ja, du vergibst, damit wir dir in Ehrfurcht begegnen. Ich setze meine ganze Hoffnung auf den Herrn; voller Sehnsucht warte ich darauf, dass er (wieder) zu mir spricht.  Ja, ich warte auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen!« 
Nein, meine Mutter war nicht gnadenlos und Gott ist es – Gott sei Dank – auch nicht. Weder sie noch er haben einen Taschenrechner, in den sie jedes meiner Vergehen eintippen und speichern würden, um dann irgendwann einmal alles zusammenzurechnen und mit mir abzurechnen. Und wenn Gott so einen Taschenrechner hätte, würde sich darauf eine Löschtaste befinden mit dem Aufdruck „Jesus” (Lehrtext). Denn spätestens am Karfreitag bricht das Eis.

Gebet: Ja, mein Gott, ich rechne fest damit, dass du mit mir nicht abrechnest. Und gerade dann, wenn ich völlig am Ende bin, brauche ich dich unbedingt, egal, was vorher zwischen uns war. Schweige nicht, wenn ich schuldig geworden bin, sondern sprich wieder zu mir, bitte!

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 14. März 2013

Vorsicht, Grube! hl

Losung: Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten! Psalm 112,1

Lehrtext: Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Kolosser 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Glücklich ist, wer dem Herrn in Ehrfurcht begegnet und sich über seine Gebote freut! Seine Nachkommen werden im ganzen Land hohes Ansehen genießen, denn Gottes Segen liegt auf jeder Generation, die sich von ihm nicht abbringen lässt. Bei einem solchen Menschen sind Reichtum und Wohlstand zu Hause. Unerschütterlich und treu hält er zu Gott. Selbst in dunklen Stunden leuchtet ihm ein Licht…« So lautet die Losung in einer neueren Übersetzung mit den nachfolgenden Versen aus dem Psalm 112.
Aber stimmt das auch? Ich denke ja und nein. Dieses Bibelwort stimmt dann nicht, wenn jemand meint, man müsse nur die Gebote halten und dann kämen Reichtum und Wohlstand von selbst. In der Bibel ist auch von gegenteiligen Erfahrungen die Rede. Da ist ein Mensch wie Hiob gottesfürchtig und fromm und muss doch schreckliche Schicksalsschläge erleiden. Und ein anderer, dem Gott egal ist, lebt in Saus und Braus. Gott ist eben kein Automat, der die Frommen belohnt und die Gottlosen bestraft. Wir hätten das als Menschen vielleicht ganz gern, aber so ist es eben nicht.
Und trotzdem enthält das heutige Losungswort eine tiefe Wahrheit: Wer vor Gott Respekt hat und seine Gebote achtet, ist nicht gefeit vor Unglück von außen. Aber er gräbt sich nicht durch einen problematischen Lebenswandel und ein schädliches Verhalten selbst die Grube, in die er dann stürzt. Mein Eindruck aus Seelsorge und eigener Erfahrungen ist, dass wir wohl das meiste Unglück in unserem Leben selbst verschulden. Eben erst hatte ich wieder ein Gespräch, in dem mir jemand sein Leid klagte, weil sich die Geschwister wegen des unbedeutenden Erbes ihrer Mutter völlig zerstritten haben. Nun leidet jeder für sich unter dem Streit. Wahnsinn, wegen welcher Nichtigkeiten wir uns manchmal die Freude am Leben und den inneren Frieden verderben!
Der heutige Lehrtext aus dem Kolosser-Brief kann mir helfen, dass ich mir und anderen solche Gruben nicht grabe, wenn ich mir konsequent die Frage stelle: „Was würde Jesus jetzt tun?”

Gebet: Herr, schenke mir die Einsicht, dass deine Gebote keine Last für mich sind, sondern Hilfe zu einem guten Leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 13. März 2013

Lebensfreude pur hl

Losung: Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein. Psalm 92,14-15

Lehrtext: Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. Lukas 8,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer jemand hat, den er lieben kann, ist gut dran. Sind Sie / bist du gut dran? Vielleicht kannst du deinen Mann oder deine Frau lieben oder deine Eltern oder deine Kinder oder deine Enkel oder sonst wen. Und wenn du das kannst, dann wirst du das bestimmt auch tun und demjenigen, den du liebst, das auch zeigen. Wenn du jemand hast, den du lieben kannst, spürst du bei allem, was dich sonst bewegt, innere Freude und lächelst vielleicht jetzt beim Gedanken an den Menschen, den du liebst. Es ist schon so: Wenn ich andere liebe, kriege ich viel zurück. Da blühe ich auf. Das gibt mir Energie.
Doch das gilt nicht nur bei Menschen. Im Psalm 92 (Losung) heißt es: »Wer Gott liebt ist wie ein Baum, der im Vorhof des Tempels gepflanzt wurde und dort gedeihen kann. Noch im hohen Alter wird er Frucht tragen, immer ist er kraftvoll und frisch.« Mit der Menschenliebe ist es so eine Sache. Sie kann auch wieder vertrocknen oder diejenigen, die du liebst, kannst du verlieren. Und wie ist es mit der Liebe zu Gott? Auch sie kann wieder vertrocknen und du kannst ihn aus den Augen, aus dem Sinn verlieren. Leider. Aber es muss nicht so sein. Es kommt darauf an, ob du Gott lieben und etwas dafür tun willst. Ob dir sein Wort wichtig ist und du darauf hörst (Lehrtext). Ob du den Kontakt zu ihm suchst und die Beziehung zu ihm pflegst. Nicht ich, aber die Bibel verspricht dir, dass du dann innerlich jung bleibst auch wenn du alt geworden bist, und dass das auch deinen Mitmenschen gut tun wird.
Ich wünsche mir, dass es bei mir so sein wird. Denn die Menschen lieben, die mir nahe stehen und auch Gott, der sie mir geschenkt hat – das ist Lebensfreude pur.

Gebet: Danke, mein Gott und Vater, für meine Angehörigen, dass ich sie lieben kann und ich auch ihre Liebe empfange. Danke, dass ich auch dich lieben kann und du mich wieder liebst. Das ist ein wunderbares Gefühl. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 12. März 2013

Die große Befreiung hl

Losung: Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Psalm 32,1

Lehrtext: In Christus haben wir die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden. Kolosser 1,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung ist es wert, dass Sie / du sie im Zusammenhang in einer neuen Übersetzung (Hoffnung für alle) liest: König David sagt: »Glücklich sind alle, denen Gott ihre Sünden vergeben und ihre Schuld zugedeckt hat! … Erst wollte ich dir, Herr, meine Schuld verheimlichen. Doch davon wurde ich so schwach und elend, dass ich nur noch stöhnen konnte … Da endlich gestand ich dir meine Sünde…. Ich sagte: "Ich will dem Herrn meine Vergehen bekennen!" Und wirklich: Du hast mir meine ganze Schuld vergeben!«
David spricht hier aus eigener Erfahrung. Er stand in enger Verbindung mit Gott und darum litt er auch umso mehr unter seiner Sünde. Ich kenne das und kann das nur bestätigen. Wenn du eine persönliche Beziehung zu Gott hast und ihn liebst, dann tut dir jede Sünde leid. Da ist es dann egal, ob deine Sünde klein oder groß war. Da tut es dir einfach weh, dass du das Vertrauen missbraucht hast, das Gott in dich gesetzt hat. Da kommst du erst dann wieder zur Ruhe, wenn du vor ihm zugibst, was du falsch gemacht hast.
Merkwürdig, dass es manchmal so schwer ist, sein eigenes Versagen, seine Schuld zuzugeben sei es vor Gott oder vor  Menschen. Nun gut, man möchte sich nicht schämen müssen. Aber Gott und meine Mitmenschen wissen längst, was ich verbockt habe. Da ist es eine große Befreiung, wenn ich das sagen kann. Und warum sollte ich das auch nicht tun? Gott vergibt mir auf jeden Fall und meine Mitmenschen meistens auch, wenn ich sie ehrlich um Entschuldigung bitte.
Paulus macht mir in seinem Brief an die Kolosser klar, dass Christus doch längst für mich gestorben ist und mir damit Gottes Vergebung garantiert. Darauf will ich vertrauen.

Gebet: Ja, mein Vater im Himmel, das tut gut, dass ich vor dir nichts verheimlichen muss. Du weißt, wie es um mich steht, aber du willst auch, dass ich dir das sage. Das befreit mich und hilft mir, auch den um Entschuldigung zu bitten, dem ich weh getan habe. Danke, dass du bereit bist, mir um Jesus willen immer wieder zu vergeben. Und so will auch ich denen vergeben, die an mir schuldig geworden sind. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 11. März 2013

Gott auf die Nerven gehen hl

Losung: Ich bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. Psalm 69,14

Lehrtext: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Kolosser 4,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

an David gefällt mir, dass er kühn war, nicht nur gegenüber Goliath, sondern auf andere Weise auch gegenüber Gott. Im Psalm 69 (Losung) sagt er zu ihm: »Ich aber bete zu dir, Herr! Jetzt ist die Zeit gekommen, in der du mich erhören wirst! Antworte mir! Du hast so viel Gutes für mich bereit! Ich rechne fest mit deiner Hilfe.« (aus: Hoffnung für alle) Eigentlich, so denke ich und habe ich es gelernt, ist es Sache Gottes, die Zeit zu bestimmen, wann er mein Gebet erhört. David dreht den Spieß einfach um. Er sagt zu Gott, dass es jetzt soweit ist. Er nötigt ihn, ihm zu antworten. Er lässt ihm gar keine andere Wahl, als ihm zu helfen.
Ja, so muss man beten. So müssen Sie, so musst du beten und ich auch! Nehmen wir uns an David ein Beispiel. Treiben wir Gott mit unserem Gebet in die Enge und lassen ihn da nicht mehr raus, bis er uns gibt, worum wir ihn bitten. Und, das weiß ich aus den Evangelien von Jesus, Gott gefällt das. Genau das will er von uns. Wenn schon, denn schon. Wenn wir schon beten, dann richtig. Und richtig beten, so sehe ich es, heißt, von Gott alles erwarten und ihm alles zutrauen.
Der Apostel Paulus ermutigt uns darüber hinaus, dass wir mit dem Beten nicht nachlassen. Anders gesagt, wir sollen Gott keine Ruhe lassen. Noch anders gesagt, wir sollen ihm auf die Nerven gehen wie die Witwe dem Richter im Gleichnis von Jesus: Lukas 18,1-8 Er sagt aber auch, dass wir darüber das Danken nicht vergessen sollen.

Gebet: Du weißt doch, Herr, dass ich mich auf nichts und niemand anderen mehr verlassen will als auf dich allein. Ich mach mich von dir abhängig, weil du es so willst. Und weil du mir geben willst, was ich brauche, darum bist du jetzt dran. Und zur Sicherheit, sage ich schon im Voraus danke, damit du mir nicht mehr auskommst. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen in der neuen Woche!

Ihr / dein Hans Löhr 

Predigtauszug vom Sonntag, 10.3.2013: Wovon wir leben

Sonntag, 10. März 2013

Wovon wir leben hl

Predigt (Auszug) am Sonntag Lätare, 10.3.13, von Hans Löhr.
Bibelwort: Evangelium nach Johannes, Kapitel 6 Vers 51: Jesus: »Ich bin das Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Jeder, der dieses Brot isst, wird ewig leben. Dieses Brot ist mein Leib, den ich hingeben werde, damit die Welt leben kann.« (Bibelübersetzung: Hoffnung für alle)
Liebe Gemeinde,
wovon lebt die Welt? Aus Sicht der Naturwissenschaft kann man sagen: Die Welt, also unsere Erde mit allem was darauf existiert, lebt von der Sonne. Ohne sie gäbe es überhaupt keine Erde. Hätte unser Planet gar nicht entstehen können. Ohne sie gäbe es nicht die Energie, von der alle Lebewesen leben.
Das ist die eine durchaus zutreffende Sichtweise. Die andere haben wir gerade aus dem Bibelwort gehört: Unsere Menschenwelt lebt davon, dass ein anderer für sie sein Leben hingegeben hat. Anders gesagt: Die Welt lebt von der Liebe. Sie war schon immer vom Untergang bedroht und wurde noch immer durch die Liebe gerettet. Jesus sagt dazu sinngemäß: „Aus Liebe zu euch habe ich mich in den Tod gegeben, damit ihr leben könnt. Das ist das tägliche Brot, von dem ihr lebt. Und das alles, weil ihr Gott am Herzen liegt.”
Aber wie wichtig und kostbar sind wir füreinander?
Wir nehmen auf dem Friedhof Abschied von einer alten Frau. Sollen wir traurig sein? Sie hatte doch ihr Leben gelebt. Also kann sie ruhig sterben. Sie war alt, sie war krank, sie konnte nicht mehr arbeiten, nichts leisten, nichts verdienen. Sie hatte für die Gesellschaft keinen Nutzen mehr. Wer wird ihr eine Träne nachweinen?
Die Liebe! Die Liebe ihrer Kinder und Enkel weint diese Träne. Denn die Liebe schaut nicht von außen auf einen Menschen, sondern sieht sein Wesen. Die Liebe der Kinder sieht in der alten Frau die Mutter, der sie das Leben verdanken, die sie aufgezogen, umsorgt, gepflegt, geliebt hat.
Und so ist auch die Sichtweise Gottes und die von Jesus. Seine Liebe sieht in dir den Menschen, den er gewollt, geschaffen, bis heute behütet und am Leben erhalten hat. Gottes Liebe sieht in dir den Menschen, dem er sein Versagen und seine Schuld vergeben hat, den er gesegnet und beschenkt hat mit Kraft, mit Erfolg, mit Glauben, mit Kindern und Enkeln, mit allem, was man täglich zum Leben braucht, mit einer langen Zeit des Friedens und des Wohlstands in unserem Land.
Und diesen Menschen, also dich, in den Gott so viel investiert, für den er so viel Aufwand getrieben hat, dich will er nicht mehr verlieren weder im Leben noch im Sterben. Dich will er behalten, retten, und durch den Tod hindurch bewahren ins ewige Leben. Das ist die Botschaft der Bibel. Dadurch haben wir Menschen unsere Bedeutung, unseren Wert und unsere Würde egal wie jung oder alt, wie gesund oder krank, wie hübsch oder hässlich, wie leistungsfähig oder schwach wir sind…
Nein, diese Welt lebt nicht von unserer Tüchtigkeit, nicht vom Fortschritt, nicht von unserer Leistungskraft und auch nicht von denen, die sie regieren. Unsere Menschenwelt lebt von der Gnade Gottes und seiner Liebe, wie sie in Jesus sichtbar geworden ist. Und du und ich, wir leben auch davon. Das ist meine Überzeugung.
Doch Jesus sagt im Johannesevangelium: Ihr lebt nicht nur auf der Erde von Gottes Gnade und meiner Liebe. »Ich bin für euch das Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Jeder, der dieses Brot isst, wird ewig leben.«
Ich will dazu zwei etwas merkwürdige Fragen stellen und sie auch gleich beantworten:
Was ist das Wichtigste am Brot? – Dass man es isst. Wer die Nahrung, wer das Brot immer nur anschaut, kann auf die Dauer nicht leben. Das Brot will gegessen sein.
Und die andere Frage: Was ist für dich das Wichtigste an Jesus? – Dass du ihn glaubst, ihm vertraust. Wer Jesus immer nur als eine Person anschaut, die ihn nichts angeht, kann von ihm nicht aus dem Tod ins ewige Leben gerettet werden. Jesus will geglaubt sein.
So wichtig das Brot für unser jetziges Leben ist, so wichtig ist er für meine Hoffnung, dass ich auch nach dem Tod bei Gott leben werde. Darum sagt er von sich: »Ich selbst bin das Brot, das euch dieses Leben gibt.« Wir „essen” dieses Brot, in dem wir an ihn glauben. Wir nehmen Jesus im Glauben in uns auf wie eine lebensrettende Speise, die bewirkt, dass wir leben, auch wenn wir sterben.
Wovon lebt die Welt? Von der Sonne, ja. Aber mehr noch lebt sie von dem, der die Sonne und die Welt geschaffen hat. Unsere Menschenwelt lebt von der Gnade Gottes. Ohne sie wäre sie nicht entstanden. Ohne sie würde es sie nicht mehr geben.
Und wir, du und ich, wir leben von Gottes Liebe, die uns Jesus gebracht hat,  damit alle, die dieses Lebensbrot essen, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Amen

Freitag, 8. März 2013

Mut-Christen ebl

Losung: Als ich in Angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott; da hörte er meine Stimme. Psalm 18,7

Lehrtext: Paulus sprach: Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apostelgeschichte 26,22

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Paulus in seinem Leben alles um Jesu Willen ausgehalten hat, ist für uns fast nicht nachvollziehbar: Er hat sich foltern lassen, er hat sich einsperren lassen, er ist zu Reisen mit unbekannten Zwischenstationen und offenem Ende aufgebrochen. Er muss wirklich für Jesus 'gebrannt' haben. "Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein", sagt er frank und frei auch zu König Agrippa, vor dem er sich verteidigen soll für seine Arbeit als christlicher Missionar. (Nachzulesen ist der heutige Lehrtext in der Apostelgeschichte, Kapitel 26, Vers 22)
Ich denke nicht, dass er all das völlig unerschrocken durchlebt hat. Angst können auch mutige Gläubige wie Paulus oder wie Martin Luther nicht einfach ausschalten. Aber diese mutigen Christus-Bekenner haben wohl Wege gefunden, wie sie mit solchen Gefühlen umgehen. Ihre Angst konnte sie nicht mundtot machen und zum Schweigen bringen. Sie haben trotz ihrer Angst von ihrem Glauben gesprochen.
König David kannte solche Erfahrungen auch: "Als ich in Angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott; da hörte er meine Stimme", bekennt er in einem seiner Psalmen. (Altes Testament, Psalm 18, Vers 7)

Ich wünsche mir, dass wir heute einen solchen Glaubens-Mut entwickeln. Es tut unserer Gesellschaft so gut, wenn immer mehr Kinder und Frauen und Männer die Liebe Gottes unter die Leute tragen und 'Mut-Christen' sind.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein gutes, wohl tuendes Wochenende.

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 7. März 2013

Einschlaglupe gezückt ebl

Losung: Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. 1.Chronik 29,11

Lehrtext: Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen! Offenbarung 14,7

Liebe Leserinnen und Leser,
am kommenden Sonntag werden wir im 'Wichtelgottesdienst' in der Sommersdorfer Kirche wieder mit den Jüngsten in unserer Gemeinde Gottesdienst feiern. Glücklicherweise erlöst uns ja in diesen Tagen der Frühling uns aus unserer Winterstarre! Folglich werden wir mit unseren 'Wichtelkindern' und ihren Eltern im Gottesdienst das neue Leben kräftig feiern. Wir singen gemeinsam Lieder, in denen wir Gott loben und ihm danken für unsere wunderbare Welt. Wir werden unsere Einschlag-Lupen zücken und in Saatbeeten nach den Spuren von neuem Leben forschen. Wir werden uns bei Butterbroten mit frischen Kresse-Spitzen das Wunder des Lebens 'auf der Zunge zergehen lassen'.
"Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein", heißt es in der heutigen Losung. (Altes Testament, 1.Buch der Chronik, Kapitel 29, Vers 11) Wenn wir schon mit allen Sinnen das neue Erwachen von Leben feiern, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu einem Dank gegenüber Gott. Den allerdings sollten wir nicht versäumen. Für uns selber nicht und auch für diejenigen, die uns als unsere Kinder und Enkel anvertraut sind. Es macht eben doch einen Unterschied, ob ich mich ganz still für mich freue (das wünsche ich jedem!) oder ob ich meine Freude auch mit meinen beiden Kindern und meinem Mann teile. Wir gehen in diesen Tagen immer wieder gemeinsam durch unseren Pfarrgarten und wetteifern darin, wer neue Krokusse, neue Schneeglöckchen und andere Frühlingsboten als erster entdeckt. Dass das Leben neue Blüten treibt, schreiben wir hier im Pfarrhaus Gottes Liebe zu.
"Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!" (Neues Testament, Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 14, Vers 7) Das tue ich jetzt:
Gebet: "Danke, Gott, für diese große 'Haftnotiz' deiner Liebe, die das neue Leben für uns sein will. Danke, dass nach Monaten des trüben Lichts jetzt wieder die Sonne unser Gesicht wärmt und die ersten Triebe aus dem Boden lockt. Danke, dass der Lauf des Lebens mit deinem Segen weiter geht. Bewahre uns dieses Leben, Vater. Amen."

Frühlingsfröhlich grüßt Sie und dich
Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 6. März 2013

Tatkraft? Ja bitte! ebl

Losung: Lasst euer großes Rühmen und Trotzen; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 1.Samuel 2,3

Lehrtext: Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. 1.Johannes 3,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

das mit dem Reden ist so eine Sache. Manche meinen, nichts sagen wäre sowieso das Beste ("Reden ist Silber ..."), aber weil wir das eh' nicht können - Frauen genau so wenig wie Männer - müssen wir wohl sorgfältig auf das achten, was wir reden.
Aus der Bibel lernen wir, dass Gott eines absolut nicht mag: hohles 'Geblubber'. Viele Worte, denen keine Taten folgen. Das ist ihm ein Graus.
Im Alten Testament singt eine gewisse Hanna davon ein Lied: "Tut nicht so groß! Spielt euch nicht so auf! Prahlt nicht so frech mit euren Plänen! Der Herr ist ein Gott, der euer Treiben kennt; er prüft alle eure Taten." (Altes Testament, 1.Buch Samuel, Kapitel 2, Vers 3) Im Lehrtext für heute aus dem ersten Johannes-Brief geht es dann speziell um unseren Umgang miteinander. "Unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat." (Neues Testament, 1.Johannes-Brief, Kapitel 3, Vers 18) Das ist für niemanden von uns neu, aber als Anregung für den Alltag immer wieder wichtig und gut zu hören.

Gebet: "Gott, unser Vater, du hast uns deine Liebe in Jesus ganz konkret spüren lassen. So willst du auch uns als deine Kinder erleben: mutig und zupackend, aufmerksam und liebevoll oder zumindest zuvorkommend. Mit einem wachen Blick für die Nöte anderer Leute und der Bereitschaft, dort zu helfen, wo wir helfen können. Mach' du uns heute dazu fähig. Danke! Amen."

Frühlingsgrüße aus Sommersdorf!

Ihre / eure

Elfriede Bezold-Löhr



P.S. Hier die Lichtblickpredigt vom letzten Sonntag (klick): Ernähre dich geistlich gesund” (H. Löhr)

Dienstag, 5. März 2013

Wer rettet die Welt? ebl

Losung: Ich will auch fernerhin mit diesem Volke wunderbar verfahren, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden. Jesaja 29,14

Lehrtext: Gott hat dazu Zeugnis gegeben durch Zeichen, Wunder und mancherlei mächtige Taten und durch die Austeilung des Heiligen Geistes nach seinem Willen. Hebräer 2,4

Liebe Leserinnen und Leser,

wer zur Zeit aufmerksam Zeitung liest und Nachrichten sieht, der könnte sich Sorgen machen darüber, wie es in den kommenden Monaten und Jahren wohl weitergehen wird im 'Haus Europa'. Wir können nicht übersehen, dass in unseren Nachbarländern immer mehr Menschen wirklich in Not stecken. Hunderttausende ganz junger Leute kriegen keine Arbeit, können ihre Ausbildung nicht nutzen, haben keine Perspektive und schieben immer größeren Frust.
Ich weiß, dass Beten allein sicher nicht hilft. Politikerinnen und Politiker müssen auf internationaler Ebene zusammenarbeiten, um dieser Krisen Herr zu werden. Und doch lese ich die heutige Losung als eine 'Haftnotiz Gottes', ein Signal von ihm, dass er nicht 'die Augen zudrückt'. "Dieses Volk da behauptet, mich zu ehren. Aber sie ehren mich nur mit Worten, mit dem Herzen sind sie weit weg von mir," muss Gott im Blick auf die Leute in Jerusalem feststellen. "Deshalb" - so die heutige Losung - "will ich auch weiterhin fremdartig und unverständlich an diesem Volk handeln. Dann wird die Weisheit seiner Weisen vergehen und von der Klugheit seiner Klugen wird nichts mehr übrig bleiben." (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 29, Vers 14)

Wie viel würde anders beraten und anders entschieden werden können, wenn einflussreiche Leute in Politik und Wirtschaft Gott wirklich in ihrem Herzen nahe wären. Das, meine ich, sollte heute unser gemeinsames Anliegen an Gott im Gebet sein. Er hat doch mit Jesus Christus seine gute Absicht für unsere Welt und unser Leben überdeutlich gezeigt! Er hat "seine Beglaubigung gegeben durch Staunen erregende Wunder und vielerlei machtvolle Taten und durch die Gaben des Heiligen Geistes" (Heb.2, 4). Wir müssten nur seine gute Absicht ernst nehmen - alle miteinander.

Gebet: "Gott, unser Vater und Herr unserer Welt: Je aufmerksamer wir das politische Geschehen verfolgen, umso unruhiger könnten wir werden. Bitte überlass' uns nicht einfach unserem Schicksal. Du kannst Wunder wirken, darum bitten wir dich: Arbeite an den Herzen und Hirnen der Einflussreichen. Mach sie mutig, dass sie an das große Ganze denken und sich daran erinnern, was du uns in den zehn Geboten als Lebensgrundlage vermittelt hast. Amen."

Nachdenklich grüßt Sie und dich

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

P.S. Hier die Lichtblickpredigt vom letzten Sonntag (klick): Ernähre dich geistlich gesund” (H. Löhr)

Montag, 4. März 2013

Anders als vorher ebl

Losung: Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen! Psalm 44,27

Lehrtext: Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch. Lukas 17,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich höre gegenwärtig intensiv eine CD mit dem Titel 'Anders als vorher'. Auf dem Cover ist eine attraktive Frau in den besten Jahren abgebildet. Sie hat eine sehr anziehende Ausstrahlung und zugleich macht sie den Eindruck, als wäre in ihrem Leben alles 'im grünen Bereich'. Ihre Lieder kommen ein bisschen jazzig daher, oft leicht in den Melodien und manchmal mit schönem Wortwitz gereimt.
Erst nach und nach wird mir klar, dass diese Frau schon ziemlich viel mitgemacht hat. Unter anderem verarbeitet sie mit ihren Liedern den frühen Tod ihres Mannes. Es wird hör- und spürbar für mich: Sie ist durch das Tal der Trauer hindurch, sie ist 'erlöst'. Ihr Glaube hat sie getragen. Sie ist frei geworden für Neues. Ihr Leben ist heute "anders als vorher".
"Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!" betet jemand in der heutigen Tageslosung (Altes Testament, Psalm 44, Vers 27) Lebensgeschichten wie die von Thea Eichholz, der genannten Sängerin, machen mir klar: Das tut Gott. Er macht sich auf. Er erlöst auch heute Frauen und Männer und Kinder aus schwer erträglichen Zuständen. Er hilft ihnen, durchzuhalten. Auf dunkle Zeiten folgt Licht. Aber oft wird das Leben auch anders als vorher. Erlösung erbitten heißt auch: Veränderung annehmen.
Immer wieder haben die Leute Jesus gefragt: "Wann geht es denn nun los mit dem Reich Gottes? Wie lange müssen wir uns den noch gedulden, bis wir eine heile Welt haben?" Seine Antwort hat sicher manchen überrascht: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 17, Vers 21). Erlösendes passiert auch  heute.

Gebet: "Gott, unser Vater, dein Reich hat schon längst angefangen. Zeige uns, wie wir dafür einen aufmerksamen Blick bekommen. Gib denjenigen unter uns, die sich momentan von deinem Reich meilenweit entfernt wähnen, Kraft zum Durchhalten. Hilf ihnen, sich darauf einzulassen, dass sich mit deinem erlösenden Eingreifen oft Dinge grundlegend verändern. Danke, Gott. Amen."

Einen behüteten Start in die neue Woche

wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 3. März 2013

Ernähre dich geistlich gesund hl

Predigt im Lichtblickgottesdienst am 03.03.2013 von Hans Löhr

Liebe Freunde,

die Medien waren in den letzten Wochen voll von Lebensmittelskandalen: Pferdefleisch in der Lasagne, angebliche Bio-Eier aus der Legebatterie und jetzt verschimmelte Futtermittel für Milchkühe.
Die Lasagne wiehert
Vor ein paar Tagen war in unserer Zeitung folgende Karikatur: Ein Gast sitzt im Restaurant vor seinem Essen und ruft empört der Kellnerin hinterher: „Bedienung, meine Lasagne wiehert!”. Die Frau gibt trocken zur Antwort: „Seien Sie froh, dass sie nicht bellt.”
Wir wollen wissen, was wir essen. Wir legen Wert darauf, dass wir uns gesund ernähren, damit es uns körperlich gut geht. Aber was ist mit deiner Seele? Wie ernährest du sie? Ständig sind wir vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt, die durch unsere Augen und Ohren in uns hinein dringen, die unser Denken, Fühlen und Verhalten bestimmen. Nicht alles, was da in uns einfließt, tut uns auch gut. Nicht alles ist für unsere Seele gesund. Die gute Nachricht ist: Wir können auswählen. Was wollen wir in uns hineinlassen und was nicht? Dabei soll der heutige Lichtblickgottesdienst eine Hilfe sein.
Ich will das mit einer Grafik verdeutlichen. Das bist du oder ich [auf ein Flip-Chart wird ein Gesicht gemalt und darunter ein großes Herz]. Und das sind die Einflüsse, die auf uns herab rieseln [über dem Gesicht werden Wolken gemalt, in denen diese Wörter stehen: „Familie, Eltern, Freunde”; „Leute: Nachbarn, Kollegen, der Chef”; „TV, Videos”; „Radio, Zeitung”; „Handy, sms, www, facebook”; „Werbung”]. Aus diesen Wolken regnet es unablässig auf dich und mich herab. Das alles dringt ständig in uns ein und füllt unsere Seele, unser Herz. Wir müssen das nicht einfach so hinnehmen. Wir können wählen, was uns innerlich erfüllen soll und was nicht.
Experiment mit Nussöl
Ich möchte euch nun mit einem Experiment zeigen, wie sich verschiedene Einflüsse zueinander verhalten: Hier habe ich eine Flasche Nussöl aus unserem Küchenschrank. Ich hab meiner Frau das vorher lieber nicht gesagt, sonst hätte sie mir bestimmt das günstigere Pflanzenöl gegeben. Dieses Reagenzglas habe ich aus dem Chemiebaukasten meines Sohnes. Die Glastasse hier habe ich in die Ehe mitgebracht. Und das da ist ein Gießgefäß, mit dem man destilliertes Wasser in ein Bügeleisen füllt. Ich weiß das, denn ich bügle meine Hemden selbst ;-)
So, zuerst gieße ich ein bisschen Nussöl ins Reagenzglas. Es steht für die Einflüsse, die ich hier in die Wolken geschrieben habe. Öl in kleinen Mengen ist gut zum Braten und für Salate. Aber es ist kein Grundnahrungsmittel. Du kannst davon nicht leben. Zu viel Öl schadet nur. Und jetzt gieße ich Wasser hinzu. Wasser ist das Grundnahrungsmittel schlechthin. Wir brauchen es täglich in größeren Mengen sonst könnten wir nicht leben. Das Wasser im Reagenzglas verdrängt das Öl, welches oben aufschwimmt und schließlich über den Rand des Reagenzglases hinausläuft.
Gottes Einfluss
Nun schaut bitte wieder auf die Grafik: Die Einflüsse, die hier stehen, lassen sich nicht ganz vermeiden. Aber du kannst auch andere Einflüsse zulassen, die diese hier nach und nach verdrängen [über die gemalten Wolken werden andere geklebt und beschriftet: „Gebet, Bibel”; „Bücher, CDs”; „Gottesdienst, Hauskreis”] Im Gebet öffnest du dich für Gott und seinen Einfluss. Doch damit du weißt, wer Gott für dich ist, lernst du ihn in der Bibel kennen. Die Lieder, die wir hier im Lichtblick-Gottesdienst singen, kannst du auf CD zuhause oder im Autoradio hören. Doch damit dein Glaube mit der Zeit nicht vertrocknet, brauchst du auch die Gemeinschaft in einem Gottesdienst, wo du dich mit anderen deines Glaubens vergewissern kannst, wo andere mit dir beten und du mit ihnen beim Singen Gott loben kannst.
Die Leute, die hinter den ersten Einflüssen auf den gemalten Wolken stehen, wollen alle etwas von mir. Sie sagen: „Gib mir deine Zeit, dein Geld, deine Aufmerksamkeit, dein Herz!”. Aber durch die Bibel, im Gebet, im Gottesdienst sagt Gott zu mir: „Ich gebe dir Zeit, Kraft und das tägliche Brot. Ich liebe dich und segne dich und gebe dir Frieden. Das ist der große Unterschied: Die einen beeinflussen mich, um mir etwas zu nehmen. Gott aber will mir geben.
König Davids Herz
Und genau darum bittet auch König David im Psalm 51, um den heilsamen und gesunden Einfluss Gottes auf sein Leben. Er sagt: »Herr, schaffe in mir ein reines Herz. Erneuere mich und gib mir Beständigkeit.« Er möchte nicht mehr so weiterleben wie bisher. Möchte nicht mehr seinen Launen und Begierden ausgeliefert sein. Er möchte sich nicht mehr von fremden Einflüssen dirigieren lassen und Dinge tun, die nicht in Ordnung sind. Er wünscht sich ein festes Herz. König David machte die gleiche Erfahrung, wie wir sie machen können. Die Umwelt verändert sich nicht, wenn du dein Herz dem Einfluss Gottes öffnest. Aber du änderst dich und damit die Art und Weise, wie du deiner Umwelt begegnest, wie du reagierst und handelst. Das, was von außen auf dich eindringt und dich beunruhigt, hat dann nicht mehr diese Gewalt. Durch den Einfluss Gottes, haben deine Sorgen und das, was dich unruhig macht nicht mehr so viel Platz in deinem Herzen. Es wird von Gottes Frieden verdrängt wie vorhin das Öl aus dem Reagenzglas.
Die entscheidende Frage ist: Will ich mich von Gott ändern lassen oder habe ich mich mit meinem Leben abgefunden? Will ich einfach so weiterleben wie bisher und mich mehr oder weniger durchwursteln oder erwarte ich von Gott, dass er mich verändert und mir die Lebensfreude und den Frieden schenkt, wonach ich mich sehne? Die Antwort muss jeder von uns selber finden. Aber ich kann dir die biblisch begründete Zusage geben, dass sich dein Leben spürbar zum Besseren ändert, wenn du dem Einfluss Gottes in deinem Herzen Raum gibst.
So ändert sich dein Leben spürbar zum Besseren
Wie das geht? Erstens, du kannst Gott besser kennen lernen, wenn du in der Bibel liest. Inzwischen gibt es gut verständliche Übersetzungen. Du kannst dir auch das tägliche Bibelwort, die Losung, von meiner Frau und von mir zuschicken lassen jeweils mit einer aktuellen Auslegung. Wer möchte, kann uns nachher seine E-Mail Adresse dafür geben oder eine E-Mail schreiben (pfarramt(at)sommersdorf-thann.de).
Zweitens, du wirst mit Gott immer vertrauter, wenn du regelmäßig mit ihm sprichst, also betest. So erlebst du seine Nähe und seine Hilfe. Du wirst ruhiger, verträglicher und zuversichtlicher. Beten macht dich dankbarer und damit zufriedener. Probiere es aus und gib dir selbst und Gott das Versprechen, dass du einen Monat lang durchhältst und beim Aufwachen und vor dem Einschlafen mit einfachen Worten betest. Sage am Morgen: „Danke, Gott, dass ich diesen Tag erleben darf. Gib mir die Kraft für die Aufgaben, die auf mich warten. Behüte mich und meine Lieben an diesem Tag.” Und sage am Abend: „Gott, ich gebe dir diesen Tag zurück mit allem was er gebracht hat, mit dem was schön war und mit dem was schwierig war. Danke, dass du mein Gebet heute Morgen erhört hast. Nimm nun die Unruhe aus meinem Herzen und komm zu mir mit deinem Frieden.” Halte einen Monat mit dem Beten durch und dann vergleiche, wie es dir vorher ging und wie es dir jetzt geht.
Und auch das wird dein Leben spürbar zum Guten verändern, wenn du drittens darauf achtest, welche Filme, Romane, Zeitschriften dir nicht gut tun, weil sie dich nur aufwühlen oder unzufrieden machen. Wähle stattdessen bewusst die Musik aus und lies die Bücher, die dich aufbauen und im Glauben stärken. Der Medientisch hier im Lichtblick hat dafür viele Angebote (klick: Medientisch Lichtblick).
Und schließlich hilft dir auch das gemeinsame Singen, Beten und Hören mit anderen in einem Gottesdienst. Das muss nicht der Lichtblick sein. Suche dir ruhig irgendwo einen Gottesdienst aus, in dem man sich an der Bibel orientiert und der dir gut tut. Du hast die Wahl.
So ernährst du dich geistlich gesund. So wird es nicht nur deiner Seele besser gehen, sondern du wirst auch einen guten Einfluss auf deine Umwelt haben, auf die Partnerschaft, auf den Freundeskreis, auf Kollegen. Der Glaube ist eine große Kraft, die vieles zum Guten verändern kann. Durch ihn fließt Gottes Liebe in dein Herz, wie sie Jesus gebracht hat. Das tut dir gut und anderen auch. Amen

Freitag, 1. März 2013

Kraftworte hl

Losung: Der HERR segne dich und behüte dich. 4.Mose 6,24

Lehrtext: Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist! Philemon 1,25

Liebe Leserin, lieber Leser,

es soll Menschen geben, die haben bis zum Tod ihres Vaters oder ihrer Mutter nach einem guten Wort von ihm oder von ihr gehungert: nach Lob, nach Anerkennung, nach einer kleinen Liebeserklärung und haben es nie bekommen. Was sind das nur für Eltern, die ihre Kinder auf diese Weise hungern, ja emotional verhungern lassen?! Ganz anders unser himmlischer Vater. Immer wieder zeigt er uns durch Worte der Bibel seine Zuneigung. Besonders deutlich wird dies am Schluss eines jeden Gottesdienstes, wenn der Pfarrer oder die Pfarrerin die Gemeinde segnet. Genau genommen ist es Gott selbst, der segnet durch die Worte und Gesten der Geistlichen. Es tut einfach gut, wenn du als ein Gesegneter in den Sonntag und in die neue Woche gehen kannst. Wenn dir von Gott ein liebevolles, tröstendes und stärkendes Wort mit auf den Weg gegeben wird.

Vor einiger Zeit war eine junge Mutter aus einer Nachbargemeinde zum Taufgespräch bei mir. Sie musste sich erst mit ihrem Wunsch nach der Taufe für ihr Kind bei ihrem Partner durchsetzen. Dass ihr Kind getauft und gesegnet wird, war ihr so wichtig, dass sie auch einen Konflikt riskiert hat. Auch bei der Konfirmation, bei der kirchlichen Trauung und bei einer Trauerfeier stehen die Segensworte im Mittelpunkt. Erst in dieser Woche habe ich wieder den Abschiedssegen einem Verstorbenen zugesprochen: »Es segne Dich Gott, der Vater, der Dich nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Es segne Dich Jesus Christus, der Dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat. Es segne Dich Gott, der Heilige Geist, der Dich in seine Gemeinschaft gerufen und geheiligt hat. Der dreieinige Gott sei mit Dir. Er geleite Dich durch seine Engel in sein ewiges Reich!« Diese Worte gelten dem Toten. Sie sind aber auch ein starkes Signal an die Lebenden, weil sie ihnen sagen, dass sie den Verstorbenen nun ohne Angst loslassen und Gott anvertrauen dürfen.

Ob Jung oder Alt, es tut jedem gut, wenn ihm ein gutes Wort zugesprochen wird. Und das ist ja auch die ursprüngliche Bedeutung des Segens: Jemandem etwas Gutes von Gott sagen. Worte können eine unglaubliche Kraft entfalten. Sie können Menschen zu Grunde richten, weshalb das Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz auch so gefährlich ist. Sie können Menschen aber auch aufrichten in Depression, in Trauer, in Verzweiflung. Segensworte sind Kraftworte. Du musst kein Pfarrer sein, um sie einem anderen zu sagen. Und Du hast einige Gelegenheiten, Gottes Segen zu wünschen: bei einem Geburtstag, bei einer Geburt, bei einer Konfirmation, bei einer Trauung oder zum neuen Jahr. „Ich wünsche Dir Gottes Segen!” – Das zu sagen, dazu gehört in unserer säkularen Gesellschaft ein bisschen Mut. Aber den hast Du doch. Dazu wünsche ich Dir die Gnade unseres Herrn Jesus Christus (Lehrtext). Er schenkt sie Dir, damit Du anderen Gutes sagen kannst.

Gebet: Herr, segne mich und behüte mich. Lass Dein Angesicht über mir leuchten. Erhebe Dein Angesicht auf mich und gebe mir Deinen Frieden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr