Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ausprobieren ebl


Lehrtext: Das gilt ohne Unterschied für Juden und Nichtjuden. Sie alle haben ein und denselben Herrn: Jesus Christus. Aus seinem Reichtum schenkt er allen, die sich zu ihm als ihrem Herrn bekennen, ewiges Leben. (Römerbrief, Kapitel 10, Vers 12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute fordern Losung und Lehrtext zum Ausprobieren heraus. Das ist wie beim Kuchen backen. Ich kann ein Rezept hundertmal lesen - den Kuchen kriege ich erst dann, wenn ich mit dem Zusammenrühren der Zutaten anfange. Gleiches gilt für die Bibelverse.
Jeder, der sie liest, ist dazu herausgefordert, Gott sein Herz auszuschütten, mit ihm zu reden und ihn um Rat und Hilfe zu bitten. Und dann wachsam zu bleiben für das, was in seinem Leben an Veränderung passiert. Und Gott dafür dankbar zu sein, wenn er die Erfahrung macht, dass Gott lebt und nachweislich in unseren Lebensgeschichten 'mitstrickt'. 
Der Lehrtext macht klar, dass es nicht darauf ankommt, ob ich katholisch oder evangelisch bin oder zu einer Freikirche gehöre oder aus jeder Kirchengemeinschaft ausgetreten bin. Jesus schenkt jedem ein verändertes, neues Leben, der sich zu ihm als dem Herrn seines Lebens bekennt. Ganz einfach. Und doch ein lebenslanger (Lern)Weg.

Gebet: Herr Jesus Christus, du sprichst mit uns, du hilfst uns, du gibst uns das Gefühl der Geborgenheit und du zeigst uns Auswege aus Krisen. Alles, was wir dafür tun müssen, ist dir in unserem Leben Platz zu machen. Wenn wir das tun, verliert sogar der Tod seinen Schrecken für uns, weil du ihn besiegt hast und uns ein ganz anderes, ein ewiges Leben eröffnest. Danke, Herr. Amen.

Einen Tag, an dessen Ende du sagen kannst: "Heute war's gut."

wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 21. Oktober 2014

Von Irrwegen, Umwegen und Auswegen ebl


Lehrtext: In Jesus Christus haben wir Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden. (Kolosser 1, 14)

Liebe Losungsgemeinschaft,

das mit dem Beichten ist so eine Sache. Ich weiß nicht, welches Bild Sie bei diesem Thema vor Ihrem inneren Auge haben. Ich sehe mich, nachdem ich als Kind einmal eine ziemlich teure (grüne!) Kristallvase zerschmissen hatte, zerknirscht zu meiner Mutter schleichen und 'beichten'. Sie hat damals zum Glück nicht wirklich geschimpft - aber angenehm ist die Erinnerung an diese Szene für mich nicht.
Gott gegenüber geht es um etwas viel Tiefgehenderes, um eine Sache von existenzieller Tragweite: Es geht um meine Trennung von ihm und meine Nähe zu ihm. Da zieht uns etwas tief in uns (immer wieder einmal) weg von Gott - seien es Gefühle oder Interessen oder Zweifel auch Gleichgültigkeit. Darunter leidet Gott. Denn als unser Schöpfer sucht er unsere Nähe und hat Pläne mit uns.
Diesen Abstand, den wir zwischen Gott und uns legen, überbrückt Jesus. Immer wieder neu, wenn es uns zurückzieht zum HERRN und wir wieder seine Nähe suchen. Wir bleiben 'Sünder' als Menschen, wir bleiben Zeit unseres Lebens 'Abstandschaffer'. Aber da ist Jesus, der sich Zeit unseres Lebens als 'Überbrücker' für uns anbietet und uns den Weg zu Gott immer wieder frei macht. Das ist großartig!

Gebet: Herr, danke, dass ich bei dir die Chance von Vergebung und Neuanfang habe. Du kennst mich, meine Irrwege und Umwege. Großartig, dass du mir, wo immer ich gerade herumirre, die Brücke zu dir zurück in Jesus baust. Du bist der Ausweg und das Ziel in einem. Hab Dank dafür.

Herzliche Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus!


Ihre / eure Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 20. Oktober 2014

Gegen die Armut angehen ebl

Losung: Der Herr wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht ewig verloren sein. (Psalm 9, 19)
Lehrtext: Jesus sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. (Lk. 6, 20)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Losungsvers ist aus einem Psalm herausgenommen, der die Überschrift hat: "Gott sorgt für Recht." David, der dieses Gebet spricht, ist voller Vertrauen, dass Gott diejenigen nicht vergisst, die gerade schwere Zeiten durchmachen. Wenn ich daran denke, wie viele Zigtausende in diesen Tagen das zusammenraffen, was sie tragen können und sich in Sicherheit bringen, sei es in Syrien aus Angst vor radikalisierten Islamisten, sei es in Westafrika vor der unsichtbaren Todesgefahr von Ebola, dann bleibt uns nur zweierlei: Einerseits da helfen, wo wir helfen können - sicher gegenwärtig auch durch eine offene Haltung gegenüber Fremden, die in Deutschland ein Obdach suchen. Und andererseits Gott im Gebet bestürmen, dass er helfend eingreift und Menschen in Machtpositionen zur Besinnung ruft.
Damit der Lehrtext auf dem Hintergrund dieser Gedanken nicht zynisch klingt, hören wir ihn noch einmal anders formuliert: "Ihr seid gesegnet, wenn ihr vor Gott bettelarm dasteht. Ihr werdet erfahren, was es heißt, unter seiner Herrschaft leben zu dürfen." Was wirtschaftlich schwer zu ertragen ist - nämlich bettelarm zu sein - ist in geistlicher Hinsicht eine große Chance: Wer mit leeren Händen vor Gott hin tritt und sagt: "Vater, ich habe nichts, was ich dir geben könnte, füll du mir bitte die Hände", der wird von Gott reich beschenkt. Gottes Liebe ist nämlich bedingungslos.

Gebet: So kommen wir vor dich, Vater - mit ausgestreckten Händen. Darin liegt vielleicht Angst und Unsicherheit, Trotz und Eigensinn. Nimm diese Gefühle weg und füll unsere Hände mit der Bereitschaft zum Zuhören, zum Sorgen und zum Teilen. Greif ein, Vater, wo von Menschen verursachte Not zu groß wird. Schütze besonders die Kinder, die zu den ersten Opfern von Unruhen und Krieg gehören. Amen.

Einen behüteten Start in die neue Woche wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 19. Oktober 2014

Mit Kreide geschrieben hl

Losung: Der HERR war mit Samuel und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 1.Samuel 3,19

Lehrtext: Paulus schreibt: Unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. 1.Thessalonicher 1,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

wissen Sie / weißt Du ein Wort, das Gott zu Dir gesagt hat und das er auch erfüllt? Ich weiß eines. Es hat nur zwei Buchstaben und heißt: Ja. Wie unsicher Du auch Deiner selbst sein magst, wie brüchig Dein Glaube sein mag, wie wenig Du Dich auch selbst lieben magst, wie sehr Du von anderen infrage gestellt oder angegriffen und abgelehnt wirst – Gott hat ‚ja‘ zu Dir gesagt und er steht zu seinem Wort (2. Kor 1,19f.). Er lässt es nicht »zur Erde fallen« (Losung). Bei Deiner Taufe hat er ein für alle Mal ‚ja‘ zu Dir gesagt: „Ja, ich habe Dich gewollt, ich habe Dich geschaffen. Du gehörst zu mir (Hes 34,31). Ja, ich habe Dich gesegnet und durch Jesus gerettet. Du bist nicht verloren. Ja, ich habe Dich geliebt und liebe Dich noch und werde Dich immer lieben.“
Die Sache hat nur einen Haken. Sein göttliches Ja hat nur dann eine Bedeutung und ist nur dann wirksam für Dich, wenn Du darauf vertraust, wenn auch Du „ja“ zu ihm sagst. Das ist die einzige Bedingung, die Gott Dir jemals stellt.
Wenn Martin Luther verunsichert war und im Glauben angefochten, dann hat er eine Kreide genommen und damit auf seinen Tisch geschrieben: »Ich bin getauft!!!« Er glaubte und er wusste: Das gilt und kann von keiner Macht der Welt mehr ausgelöscht werden. Danach war er wieder zuversichtlicher.
Was immer Du von Dir selbst halten magst, was immer andere von Dir halten mögen, über Dir, über Deinem Leben steht das große göttliche „Ja“. Es ist das positive Vorzeichen vor allem was zwischen Deiner Geburt und Deinem Ende steht, das Licht auf deinem Lebensweg. Diese Zusage kann ich Dir geben, weil nicht ich sie mir ausgedacht habe, sondern weil sie das Evangelium, die gute Nachricht aus der Bibel für Dich ist. Und sie kommt zu dir nicht als Schall und Rauch, sondern »in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit« (Lehrtext).

Gebet: Herr Jesus, Du bist das große Ja Gottes für mich. In dem was Du gesagt, getan und erlitten hast erkenne ich, was ich Dir bedeute. Weil Du ja zu mir sagst, will ich mich nicht selbst entwerten. Weil Du ja zu mir sagst, sage ich auch ja zu Dir - und zu mir. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Samstag, 18. Oktober 2014

Antwort von Gott hl

Losung: Ihr sollt einer mit dem andern reden: »Was antwortet der HERR?« und »Was sagt der HERR?« Jeremia 23,35

Lehrtext: Werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Epheser 5,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

kann man denn so ohne weiteres bei einer wichtigen Entscheidung Gott fragen, was er dazu sagt? Nein, so ohne weiteres geht es nicht. Aber wenn Sie / Du  eine persönliche Beziehung zu ihm hast und im Gebet ohnehin im Gespräch mit ihm bist, dann auf jeden Fall. Als Marion zu ihrer Mutter sagte: »Mama, ich weiß einfach nicht, was ich nach meinem Schulabschluss machen soll«, da sagte sie: »Hast Du über dieser Frage schon mal gebetet?« Mir ist bewusst, dass manche es komisch finden, so direkt mit Gott im Gespräch über persönliche Angelegenheiten zu sein. Sie rechnen gar nicht damit, eine wegweisende Antwort zu bekommen. Nun ja, und darum kriegen sie auch keine. Aber wie sonst kann ich wissen, was Gott will (Lehrtext), wenn ich ihn nicht frage?
   Mir scheint es so, als ob nicht wenige Christen heute ein verkrampftes Verhältnis zu Gott haben. Sie wissen nicht so recht, wer denn nun dieser Gott ist, ob er vielleicht ein besonderer Geist ist, oder Energie, oder eine kosmische Idee. Oder wenn sie schon Gott als eine Person glauben, als ihren Vater im Himmel, dann wissen sie nicht, wo er ist und wie sie zu ihm Kontakt aufnehmen können  (In Klammern gesagt: Weißt Du das?). Vielleicht hatten sie auch nie jemanden, der ihnen das gesagt hat.
   Die Bibel ermuntert mich, ein ganz unmittelbares und unverkrampftes Verhältnis zu Gott zu haben, einen ganz normalen Umgang mit ihm zu pflegen, ganz selbstverständlich davon auszugehen, dass er da ist, hier und jetzt, und mich hört und mir auf verschiedene Weise sagt, was er will. Im heutigen Losungswort ermuntert sie mich, auch mit anderen Menschen darüber im Gespräch zu sein, was denn Gott antwortet und sagt. Was meint er wohl zur Situation der Flüchtlinge in unserem Land? Was meint er wohl zum Streit in der Familie? Was meint er zu meinen schlechten Angewohnheiten? Was meint er zur Situation unserer evangelischen Kirche? Über all das kann man mit anderen Menschen im Gespräch sein. Und oft genug antwortet mir Gott auch aus ihrem Mund, ohne dass sie es wissen.

Gebet: Herr Jesus, je mehr ich darauf achte, was Du in der Bibel gesagt und getan hast, je mehr ich mir darüber im Klaren bin, für welche Menschen Du Dich eingesetzt und welchen Du widerstanden hast, desto mehr erkenne ich auch in meiner Zeit und in meinem Leben Deinen Willen. Denn durch Dich spricht Gott mich an. Und durch Dich bin ich mit ihm verbunden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

P.S: "Gutes tun" - Anregung: Kleinkredite zur Selbsthilfe für Menschen in der Dritten Welt: KIVA (je Kredit 25 $. Rückzahlquote: 98 %. Jeder Kredit kann wieder ausgezahlt oder neu geliehen werden. Meine persönlichen Erfahrungen seit 3 Jahren: Sehr positiv! WEB-Site nur auf Englisch)

P.P.S. Unsere Gemeinde-Website: http://www.sommersdorf-thann.de

Freitag, 17. Oktober 2014

Wer Gott am Herzen liegt hl

Losung: Nach dir, HERR, verlanget mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden. Psalm 25,1-2

Lehrtext: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt frage ich Sie / Dich einfach mal, ob es Dir sonnenklar ist, worum es Gott im Hinblick auf uns Menschen geht... Was will Gott von Dir, von mir, von uns allen? Was für eine Antwort hat man Dir als Kind oder als Jugendlichem auf diese Frage gegeben? Ich fürchte, dass die Antwort oft irgendwie mit Moral zu tun hatte. Etwa der Art: „Gott will, dass Du ein anständiger Mensch bist, keine Sünde begehst, die zehn Gebote beachtest, mit einem Wort, dass Du fromm bist. Dann findet er an Dir Gefallen.“ Wenn Du so etwas gehört hast und noch immer meinst, dass Gott so sei, dann – und jetzt bin ich einmal etwas grob und direkt – dann bist Du vielleicht ein Jude, oder ein Moslem, oder gehörst sonst irgend einer Religion an. Aber Christ bist Du nicht. Und diejenigen, die so etwas zu Dir gesagt haben, auch nicht.
Es gehört zum absoluten Zentrum des christlichen Glaubens, dass Gott nicht die Reinen und Gerechten und Frommen am Herz liegen, sondern die Schmutzigen, die Versager, die Sünder, die Gottlosen. Für sie ist Jesus geboren worden. Für sie hing er am Kreuz. Für sie ist er auferstanden. Sie, die Verlorenen, sucht und rettet er (Lehrtext). Das ist mein Glück! Sonst hätte ich keine Chance. Auch als Pfarrer bin ich nicht gerecht, fromm und rein so wie sich das der kleine Fritz gern vorstellt. Gerade in meinem Beruf bin ich auf Gottes Barmherzigkeit besonders angewiesen, weil es leicht sein kann, dass ich einen anderen Anschein erwecke als den, wie ich als Mensch wirklich bin. Ich werde jetzt hier keinen Seelen-Striptease machen und „mein Herz auf den Tisch so hungriger Leut“ legen. Wie's wirklich um mich steht, das geht Gott an, und niemand sonst. Aber so viel kann ich sagen: Es war für mich eine große Befreiung, als mir klar geworden ist: Du musst dich vor ihm nicht verstecken, wenn du etwas falsch gemacht hast oder schuldig geworden bist. Im Gegenteil, du darfst dann erst recht mit seiner Liebe und Hilfe rechnen. Genau das ist es, was er von dir will.
Wenn ich als Kind irgendetwas angestellt hatte, habe ich mich nicht heim getraut aus Angst vor Strafe. Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt suche ich den, der mir vergibt, der mir hilft, der mir den Frieden wiedergibt, den ich verloren habe. Nach diesem Gott verlangt mich, auf ihn hoffe ich. Er lässt mich nicht zuschanden werden. (Losung) Und die Meinung der Leute, der Kollegen, der Vorgesetzten? – Die kann mir gestohlen bleiben.

Gebet: Herr Jesus, Du warst Dir nicht zu schade, zu den Sündern zu gehen. Du gehst auch heute noch zu denen, die Deine Liebe brauchen. Das zu wissen, tut mir gut. Darauf verlasse ich mich. Sende Du auch mich zu denen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen und die meine Sympathie brauchen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Selbstüberschätzung hl

Losung: Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat. 1.Könige 20,11

Lehrtext: Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft. 1.Korinther 2,3-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

Qualifikation zur Fußballeuropameisterschaft: Holland, die drittbeste Mannschaft beim Weltmeisterschaftsturnier in Brasilien, verliert in Island 2: 0. Gegen Island!!! Und Deutschland, der Weltmeister? Er kommt vorgestern nach einer Niederlage gegen Polen nicht über ein 1:1 gegen Irland hinaus. Die Niederlagen und das unrühmliche Unentschieden haben mehrere Ursachen. Eine ist, dass Holland und Deutschland ihre Gegner bereits vor dem Anpfiff im Kopf besiegt und damit krass unterschätzt und sich selbst überschätzt hatten. Aber ein Fußballspiel endet erst mit dem Schlusspfiff. Dann wird zusammen gezählt. Dann stehen Sieg und Niederlage fest. Wie heißt das Sprichwort aus der Bibel? „Hochmut kommt vor dem Fall.“
Ahab, der König von Israel, antwortet im heutigen Losungswort seinem siegesgewissen Feind Ben-Hadad, dem König der Aramäer: »Wer den Harnisch (die Rüstung) anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.« Wir sagen heute: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ (Losung). Beide Sprichwörter möchte ich auch den Politikern ins Stammbuch schreiben, die jetzt in bester Absicht davon reden, mit Bodentruppen in Syrien einzugreifen und den Islamischen Staat zu bekämpfen. In einen Krieg zu ziehen, ist kein Problem. Aber ihn erfolgreich zu beenden.
Selbstüberschätzung ist auch in Glaubensdingen problematisch. Es ist leicht in guten Tagen Gott zu loben. Aber irgendwann kommen auch die schlechten. Und dann steht Dein Glaube, dann steht jeder Glaube auf dem Prüfstand. Jesus hat schon gewusst, warum er zu Petrus sagte: »Ich habe darum gebetet, dass Dein Glaube nicht aufhöre.« Ohne Gottes Geist und seine Kraft (Lehrtext) hält niemand im Glauben durch. Denn das Leben und mit ihm der Glaube ist erst nach dem Schlusspfiff zu Ende, dann, wenn Gott sagt, dass es aus ist.

Gebet: Herr, so wie Du für Petrus gebetet hast, bete bitte auch für mich. Komm Du mir mit Deinem Geist und Deiner Kraft zu Hilfe wenn ich mit meiner am Ende bin. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Im Zeichen des Fisches hl

Losung: Wahrlich, es hat Israel keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott. Jeremia 3,23

Lehrtext: Jesus half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren. Markus 1,34

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich müssten die Badenden an der Atlantikküste wissen, wie gefährlich das Meer ist. Eigentlich müsste es genügen, Schilder aufzustellen auf denen steht: „Lebensgefahr! Bei Sturm Baden verboten!“ Eigentlich müssten wir Menschen so gescheit sein, dort, wo schon andere ihr Leben gelassen haben, nicht noch einmal das eigene Leben zu riskieren. Eigentlich! Aber in Wirklichkeit ist es eben nicht so. Jahr für Jahr kommen an der Atlantikküste Portugals und Frankreichs Dutzende  ums Leben. Und deshalb haben die Behörden Wachtürme aufgestellt, auf denen Rettungsschwimmer sitzen, die mit ihren Ferngläsern das Wasser nach unvernünftigen Badegästen absuchen. Ab und zu springen sie herunter, schieben ein stark motorisierte Schlauchboot ins Wasser und retten solche, die kurz vor dem Ertrinken sind. Alle Warnschilder, alle Baderegeln helfen leider nur bedingt. Aber soll man die Leichtsinnigen nicht einfach untergehen lassen und sich den kostspieligen Rettungsdienst sparen? Sie sind doch selber schuld, wenn sie sich unnötig in Gefahr bringen. Warum also der ganze Aufwand? Warum riskieren die Retter gar ihr Leben und sterben hin und wieder bei einer solchen Aktion?
Nahezu dieselben Fragen kannst Du auch Gott stellen oder Jesus. Die Bibel ist voll von Geschichten, wie Menschen alle Gebote und Warnungen Gottes in den Wind schlagen und ihr Glück ohne ihn suchen. Und sie ist ebenso voll von Geschichten, wie sie dabei scheitern, schlimmste Katastrophen erleiden und schließlich von Gott, den sie zuerst missachtet haben, gerettet werden (Losung). Immer wieder das gleiche Muster, jahrtausendelang bis in unsere Tage.
Wie an der Atlantikküste, so bezahlen sonst manche ihr falsches Verhalten mit dem Leben. Viele aber werden auch gerettet. Als vor 70 Jahren unsere Eltern und Großeltern aus Nazi-Wahn, Krieg und Vertreibung herausgekrochen kamen, waren die Gottesdienste plötzlich wieder gut besucht. Viele kehrten reumütig zu Gott zurück. Das ist vorbei.
Aber nicht vorbei ist und wird auch niemals sein, dass da ein Lebensretter über uns wacht, der sein eigenes Leben dran gegeben hat, damit wir nicht untergehen. Die ersten Christen hatten ein Geheimzeichen, welches davon erzählt: Den Fisch. Schreibt man dieses Wort auf Griechisch, dann ist jeder einzelne Buchstabe eine Abkürzung für folgende Wörter: „Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter!“ Das gilt damals. Und das gilt heute noch. Und das ist auch meine Hoffnung, dass Gott mich nicht untergehen lässt, selbst wenn ich wieder mal auf eigene Faust unterwegs bin.

Gebet: Herr, Du hast viele Kranke geheilt. Heile auch mich von der Krankheit der Gottesblindheit. Und wenn ich blindlings in mein Unglück renne, dann, bitte, hole mich wieder heraus. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Dienstag, 14. Oktober 2014

So wird Gott auf Dich aufmerksam hl

Losung: Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder. Psalm 9,2

Lehrtext: Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 1.Thessalonicher 5,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„O Gott, bitte gib mir dies und das!“ - So klingt es unablässig von überall her seit eh und je an Gottes Ohr. Es ist wohl eines der größten Wunder, dass er darüber nicht müde wird und trotzdem immer noch hinhört. Aber wenn Du willst, dass Gott auf Dich aufmerksam wird, dann sage ein kleines Wörtlein, das er nicht so oft zu hören bekommt, das aus der Flut der zahllosen Bitten einsam heraus ragt. Sage einfach mal zwischendurch am Tag und ohne großartigen Anlass ‚danke, Herr!‘ Aber danke nicht nur für das, was Du hast, sondern auch für das, was Du nicht hast, und wenn's ein schmerzhaftes Hühnerauge ist. Wenn Du erst einmal darüber nachdenkst, was Gott Dir alles erspart, dann wirst Du schnell wieder dankbar und zufrieden. Und manchmal ist es vielleicht auch so, wie das Sprichwort sagt: ‚Wen Gott strafen will, dem erfüllt er seine Wünsche.‘ Ich jedenfalls bin rückblickend dankbar, dass nicht alles, was ich mir jemals gewünscht hatte, in Erfüllung gegangen ist.

Gebet: »Danke, ach Herr ich will Dir danken, dass ich danken kann!« Amen
(EG 334. Letzte Zeile aus dem Lied ‚Danke für diesen guten Morgen‘)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 13. Oktober 2014

Schau nicht zurück! hl

Losung: Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Jesaja 43,18-19

Lehrtext: Als Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. Matthäus 11,2-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht gehören Sie / gehörst Du zu denen, die möchten, dass alles so bleibt wie es ist. Das hat durchaus etwas für sich. Da weiß man, was man hat. Da kennt man sich aus. Da ist man vor unliebsamen Überraschungen gefeit. Aber zugleich bedeutet das Stillstand und letzten Endes Rückschritt. 
Vielleicht gehören Sie / gehörst Du zur Zeit zu denen, die sich nach etwas Neuem sehnen, vielleicht nach einem neuen Partner, vielleicht nach einem neuen Beruf, einem neuen Haus, oder gleich nach einem neuen Leben. Aber Sehnen allein bringt Dich nicht dahin. Du weißt, dass Du für Deine Wünsche und Träume etwas tun musst, wenn Du eine Chance haben willst, dass sie sich verwirklichen. Wer sich nach einem neuen Partner sehnt und dabei immer nur zu Hause rumsitzt, der hat bestenfalls eine Chance beim Postboten oder bei den Zeugen Jehovas. 
Ich meine, dass noch etwas hinzu kommen muss. Es hilft Dir, darüber klar zu werden, was Du wirklich willst und ob das auch gut für Dich ist, wenn Du darüber betest. Und wenn Du dann den Eindruck hast, dass Gott Dein Vorhaben unterstützen kann, solltest Du auch etwas dafür tun.
Du und ich, wir haben einen Gott, dem die Zukunft gehört. Wir haben einen Herrn, der kommen wird, während alle anderen Herren dieser Welt gehen müssen. Egal wie alt wir sind, wir können neugierig auf die Zukunft sein und das, womit Gott uns überraschen wird. Die Popgruppe Fleetwood Mac hat dazu einen passenden Song geschrieben:
»Hör nicht damit auf, über das nachzudenken, was morgen sein kann. Es wird bald so weit sein. Und es wird besser sein als das, was vorher war. Das Gestern ist vergangen. Schau also nicht zurück.« Dieser Satz ist eine Allerweltsweisheit. Aber für Dich, der Du an Gott glaubst, ist er ein Versprechen.
 
Gebet: Herr, wo Du bist, bleibt nichts beim Alten. Du willst, dass auch ich innerlich immer wieder neu werde auch wenn ich äußerlich älter werde. Schenke mir ein junges Herz. Schenke mir einen frischen Glauben. Schenke mir einen neuen, beständigen Geist. Und lass mich getrost in die Zukunft gehen. Denn das, was auf mich zukommt, bist Du. Dich grüße ich mit jedem neuen Tag. Amen

Und hier ist der Song: Don’t stop! Dreh die Lautsprecher auf und tanze. Das wird Dir gut tun.

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Was bestimmt mein Verhalten? (Predigt) hl

Predigttext: Epheser 4, 1-6  Übersetzung: ‚Willkommen daheim‘
Predigt am 12. Oktober 2014 von Hans Löhr

Liebe Gemeinde,

das Thema der heutigen Predigt heißt: Was bestimmt mein Verhalten?
Wir sind dazu berufen, so zu leben wie auch Jesus gelebt hat, schreibt der Apostel Paulus. Und damit meint er nicht nur die Christen, sondern uns heute. Aber was könnte das denn sein, wie Jesus zu leben?
Jeder von uns kann sich unterschiedlich verhalten.  Auf der Arbeit verhältst Du Dich anders als daheim. In der Öffentlichkeit sind viele kontrollierter, beherrschter, freundlicher und höflicher als hinter der eigenen Haustür. Das ist schon bei Konfirmanden so.
Nina zum Beispiel fühlte sich im Unterricht vom Deutschlehrer ungerecht behandelt. Kevin, der hinter ihr sitzt, hat sie dauernd geärgert und so lange gereizt, bis sie sich umdrehte und wütend seine Bücher und Hefte vom Tisch fegte. Das hatte der Deutschlehrer gesehen und gab ihr einen Verweis. Für den Rest der Stunde sagte sie nichts mehr. Auch im Schulbus nach Hause kein Wort. Sie musste mit den Tränen kämpfen, wollte sie aber niemandem zeigen. Sie hätte am liebsten ihre Wut hinausgebrüllt, aber sie wollte sich nicht lächerlich machen. Doch als sie endlich daheim war und die Haustür hinter ihr ins Schloss gefallen ist, gab‘s kein Halten mehr. Sie schrie ihre Wut hinaus und die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Es dauerte einige Zeit, bis sie sich wieder beruhigt hatte und dann doch zum Mittagessen aus ihrem Zimmer kam.
Ja, in der Öffentlichkeit wollte Nina ihre Gefühle nicht so zeigen. Da hatte sie Angst, zum Gespött anderer zu werden. Diese Angst war stärker als ihre Wut.
Und, so frage ich, geht es nur Nina so? Kämpfen nicht auch Erwachsene mit ihrer Wut und manchmal mit Tränen, wenn sie in der Firma gedemütigt worden sind oder wenn sie mitbekommen, dass andere schlecht über sie reden? Oder wie ist es, wenn Du einfach nur schlecht drauf bist und Dich am liebsten im Bett verkriechen würdest. Aber Du musst auf die Arbeit, musst hinter dem Bankschalter stehen oder an der Supermarktkasse sitzen und freundlich sein. Und selbst wenn ein Kunde Dir gegenüber unhöflich ist, erwartet Dein Chef, dass Du Dich zusammennimmst und höflich bleibst.
Hört auf diesem Hintergrund das Bibelwort für den heutigen Sonntag. Es steht im Brief des Apostels Paulus an die Christen in Ephesus und heißt:
»Ich kann Euch nur ermutigen, ein Leben zu führen, das Eurer Berufung entspricht. Ihr seid berufen, so zu leben, wie auch Jesus gelebt hat. Folglich wird Euer Leben geprägt sein von seiner Demut, seinem liebevollen Umgang mit Menschen und seiner unerschöpflichen Geduld. Durch ihn habt ihr gelernt, liebevoll miteinander auszukommen.«
Anders gesagt ich soll nicht nur in der Öffentlichkeit, nicht nur in der Schule oder am Arbeitsplatz, sondern auch daheim freundlich sein, liebevoll, geduldig und rücksichtsvoll. Die Bibel sagt: Der Maßstab für Dein Verhalten soll nicht die Frage sein „Was denken die Leute? Was will der Chef?“ Der Maßstab soll Jesus selbst sein, das was er gesagt, getan und wie er sich verhalten hat.
Ich bin zum Beispiel verletzt, ich bin wütend, ich hätte große Lust meine Wut raus und meine Frustration an andern auszulassen. Doch halt! Das ist nicht mein Weg. Nicht meine Gefühle und Gedanken sollen mich beherrschen, sondern Jesus. Er verbietet mir nicht meine Gefühle und Gedanken. Er verbietet mir auch nicht meine Wut. Aber er fragt mich: „Überlege erst einmal, was ist jetzt gut für Dich? Wem hilft Dein Ärger, wem hilft Deine Wut und wem schadet sie?“ Da liegt dann die Antwort auf der Hand. Mit meinen unkontrollierten Gefühlen schade ich mir selbst am meisten. Damit beschädige ich meine Selbstachtung und auch die Achtung, die andere vor mir haben sollen. Damit beschädige ich auch meine Beziehung zu ihnen. Ist es das wert? Ist der Anlass für meine Wut, für meinen Ärger, für meine Enttäuschung das alles wirklich wert? In den allermeisten Fällen nicht. Und wenn man dann mit ein bisschen Abstand darauf zurückblickt, worüber man sich schon alles aufgeregt hat, dann sagt man sich: Na so hättest Du damals auch nicht aus der Haut fahren müssen.
 „So zu leben, wie auch Jesus gelebt hat“ Das ist die Folge davon, dass ich Christ bin. Was anders heißt denn „Christ sein“ als so leben zu wollen, wie er?
Das geht nicht von selbst. Gerade als Christ muss ich mich im Griff haben und mir Mühe geben, mit anderen gut auszukommen. Aber nicht, weil sie es von mir erwarten oder weil ich vielleicht Angst vor Gott oder dem Gerede der Menschen habe. Nein, sondern weil ich es selber so will. Christ bist Du nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig. Entweder willst Du es selbst, so wie Jesus zu leben, so wie er auf Gott zu vertrauen oder Du lässt es sein.
Doch wie will ich denn sonst leben, wenn ich nicht wie er leben will? Nach welchen Maßstäben richte ich mich denn dann? Will ich mich nur noch danach richten, wie andere leben, wie sie sich verhalten, was sie von mir erwarten? Dann werden die Leute und ihre Meinung, ihre Mode und ihr Gerede zu meinem Gott. Aber die, liebe Gemeinde, sind alles andere als barmherzig. Das weiß doch jeder von uns, wie gnadenlos Arbeitskollegen, Nachbarn, Mitschüler ja selbst Verwandte sein können.
Was bestimmt mein Verhalten? – So heißt das Thema dieser Predigt. Als Christ wünsche ich mir, dass es nicht die Gebote sind, nicht die Angst vor Strafe oder einem bösen Gerede. Als Christ wünsche ich mir, dass mein Verhältnis zu Jesus mein Verhalten bestimmt.
Wenn es nur um das richtige Verhalten ginge, um die richtige Moral, bräuchte ich nicht Christ zu sein. Darum geht es bei den Juden und bei den Muslimen auch. Aber im Glauben an ihn geht es zu aller erst um ein Verhältnis, um ein persönliches Verhältnis zu Gott und zu Jesus. Wo das besteht, verhalte ich mich freiwillig so, wie er es sich wünscht, besser: Wie es mir gut tut. Das ist wie unter uns Menschen auch, wo zwei sich lieben, verhalten sie sich auch entsprechend zueinander.
Ich glaube, je wichtiger Jesus in meinem Leben wird, desto besser komme ich mit mir und meinen Mitmenschen zurecht. Je mehr ich seinen Frieden in mir spüre, desto weniger leicht lasse ich mich aus der Bahn werfen.

Und wenn ich doch scheitere, wenn meine Gefühle mich doch wieder einmal übermannen und Ärger und Wut mir den Kopf vernebeln, wenn ich andere mit Worten verletze, weil ich selbst verletzt bin, dann ist er es, der mir vergibt. Er verlangt von mir nicht, dass ich perfekt bin, dass ich genauso bin wie er ist. Aber er freut sich, wenn ich mich darum bemühe. Und das nicht, weil ihm das gefällt, sondern weil mir das gut tut und denen, die mit mir zusammen sind. Amen

Samstag, 11. Oktober 2014

Lass nicht locker! hl

Losung: Das Verlangen der Elenden hörst du, HERR; du machst ihr Herz gewiss. Psalm 10,17

Lehrtext: Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. 1.Johannes 5,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

geschieht nur das, was Gott will? Sollte man meinen, oder? Aber warum sollte ich dann noch beten? Die Bibel weiß viele Geschichten, in denen Menschen mit ihrem Gebet Gott umstimmen, und er schließlich dann doch tut, was sie wollen. Ja sie ermutigt mich geradezu, Gott seinen Willen nicht zu lassen, sondern ihn so lange mit meinen Gebeten zu bedrängen und zu bestürmen, bis er mich erhört.“
Das prominenteste Beispiel ist jene Mutter aus Syrophönizien, also eine Heidin und Ausländerin, die Jesus bittet, ihrer kranken Tochter zu helfen. Erst will er nicht, weil er sich nur zu den Juden gesandt weiß. Aber als sie nicht locker lässt, ist er ihr doch zu Willen und heilt. Jesus rühmt ihren Glauben, weil er die Kraft hatte, ihn umzustimmen. (Matthäus 15,21-28)
Lass also auch du nicht locker, wenn Du von Gott etwas willst. Solange es um eine gute Sache geht und Du anderen damit nicht schadest, hast Du gute Aussichten, dass er Dein Gebet erhört.
Unterm Strich erhört Gott die weitaus meisten Gebete. Du merkst das, wenn Du täglich zu ihm betest. Vielen mag das, worum du betest, selbstverständlich erscheinen. Aber das ist es nicht, weder das tägliche Brot, noch dass Gott Dich und Deine Familie behütet, noch der Friede in unserem Land, noch dass du auf Reisen bewahrt wirst und aus einer Krankheit wieder genest. Nichts davon ist selbstverständlich, sondern Gnade.
Aber manchmal erfüllt Gott Dir Dein Gebet nicht oder zumindest nicht gleich. Das kann sehr wehtun. Das kann Dich im Glauben verunsichern. Doch er hat seine Gründe, auch wenn ich sie nicht kenne und nicht verstehe. Dann bete ich „Dein Wille geschehe!“ Und das nicht, weil ich so fromm wäre, sondern weil es das Letzte ist, was ich dann noch beten kann.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, Du hast schon so viele meiner Gebete erhört, mehr als die, für die ich mich bedankt habe. Immer wieder falte ich zuversichtlich meine Hände und vertraue darauf, dass Du mich auch dieses Mal wieder hörst. Doch ich bitte Dich ebenso für die vielen, die jetzt aus großer Not zu Dir beten. Erhöre auch sie. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

p.s.: Gestern, am 10.10.2014, war ein besonderer Tag. Siehe hier

Freitag, 10. Oktober 2014

10 Jahre Sonntagskinder hl

Losung: Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott. 1.Könige 2,1-2.3

Lehrtext: Sieh auf das Amt, das du empfangen hast in dem Herrn, dass du es ausfüllst! Kolosser 4,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie / hast Du ein Kind, ein Enkelkind, ein Patenkind? Dann hast Du auch ein Amt. Und das Amt, das Du „in dem Herrn empfangen hast“ (Lehrtext) beinhaltet, Dein Kind, Dein Enkelkind, Dein Patenkind im Glauben zu begleiten und zu unterstützen. Wir alle wären ungläubig oder andersgläubig und würden Gott, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat, nicht kennen, wenn es nicht in allen Generationen vor uns Menschen gegeben hätte, die die gute Nachricht von Gott weiter erzählt haben und in ihrem eigenen Glauben für andere ein Vorbild waren. So haben sie „dem Herrn gedient“ (Losung). Und das ist auch unsere Aufgabe.
Am Sonntag feiern wir das zehnjährige Jubiläum unseres innovativen Kindergottesdienstprojekts „Sonntagskinder“. Damit haben wir in unserer Gemeinde die Kindergottesdienstkrise der Landeskirche überwunden. In all den Jahren hatten wir regelmäßig zwischen 25 und 50 Kinder, die sich für unsere Art Kindergottesdienst zu feiern begeistern ließen. Und wir hatten erstaunlich viele Mitarbeitende, die wir auch gebraucht haben, darunter etliche Männer, auf die wir besonders stolz sind. Schließlich ist das die große Ausnahme, dass Männer beim Kindergottesdienst mitarbeiten. Nun ja, was unsere Mitarbeiter alle 14 Tage für 90 Minuten im Gemeindehaus in Thann auf die Beine stellen, ist auch alles andere als langweilig:
Die Sonntagskinder beginnen mit einer 30-minütigen Spielzeit, in der Erwachsene mit Kindern spielen. Das ist für viele Kinder eine komplett neue Erfahrung. Anschließend singen wir zeitgemäße, geistliche Kinderlieder mit passenden Bewegungen. Danach gibt es fast immer ein kleines Theaterstück, in dem eine biblischen Geschichte von Mitarbeitenden und von Kindergottesdienstkindern vorgespielt wird. Das ist der Höhepunkt der Sonntagskinder. Oder vielleicht auch die anschließende Kleingruppe, in der Kinder ihrem Alter entsprechend zusammengefasst werden und wo ihre Kleingruppenleiter noch einmal mit ihnen über das, was sie gerade erlebt haben, sprechen, wo man Geburtstag feiert, miteinander trinkt und isst und nicht zuletzt betet. Wir sind sehr dankbar, dass diese Arbeit nun schon so lange sichtbar gesegnet ist. Wir wissen aber auch, dass unsere Bemühungen bei den Kindern nur dann auf fruchtbaren Boden fallen, wenn sie auch im Elternhaus im Glauben unterstützt werden. Da ist der alles entscheidende Ort, wo sie den Glauben lernen und leben können.

Gebet: Herr, ich danke Dir für unsere Mitarbeitenden bei den Angeboten für Kinder. Du hast uns tolle Menschen geschickt und segnest ihre Arbeit. Ich danke Dir auch für die Kinder, die zu uns kommen. Lass sie bei uns erfahren, wie schön es ist, an Dich zu glauben. Du tust uns allen gut, ob jung oder alt. Und das will ich nicht für mich behalten, sondern anderen weitersagen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

p.s.: Besuchen Sie auch unsere neuen Internetseiten mit vielen interessanten Informationen, Themen und Glaubensimpulsen: Hier!

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Vertrauen macht Veränderung möglich ebl

Losung: Losung: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. (2. Mose 20, 2)

Lehrtext: Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten. (Heb. 11, 24)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die heutige Losung ist für Mose und seine Leute zu einer Art Glaubensbekenntnis geworden. "Der Gott, dem wir vertrauen, hat uns aus der Sklaverei herausgeführt. Er kümmert sich um uns und rettet uns das Leben" - das hat Mose während der jahrzehntelangen Wüstenwanderung seinen Landsleuten immer und immer wieder eingeschärft. Auf dieser großartigen Heilstat hat der Glaube von Mose gefußt. Das war seine Schlüsselerfahrung mit Gott.

Schon als junger Mann, der am Hof des Pharao in Ägypten mit allem Komfort gelebt hat, hatte Mose entdeckt: "Hier gehöre ich nicht wirklich her." Seine eigentlichen Wurzeln hat er im Volk der 'Hebräer', heute 'Israeliten' genannt. Er wechselte die Seiten: Kein konfortables Leben mehr im Palast des ägyptischen Königs, sondern harte und entbehrungsreiche Jahrzehnte als Anführer seines Volkes im Zwischenland der Wüstenwanderung. Veranlasst zu diesem Seitenwechsel hatte ihn allein sein Vertrauen in Gott, den er als machtvollen Beschützer erlebt hat. (Siehe Lehrtext)

Gebet: Gott, wir sind nicht in Ägypten gefangen, aber unsere Gefängnisse sind andere: eine Sucht, die Angst, die Einsamkeit ... Du zeigst dich heute als Gott, der uns aus Gefangenschaften aller Art herausführen will. Damit greifst du in unser Leben ein, wie du bei Mose eingegriffen hast. Es ändert sich vieles grundlegend - wenn wir uns zu dir bekennen. Gib uns den Mut, dass wir unser Vertrauen immer neu in dich setzen. Amen.

Herzliche Grüße!

Eure / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Trotzdem ebl

Losung: Der HERR ist König! Jubeln soll die ganze Erde, freuen sollen sich die fernsten Länder! (Psalm 97, 1)

Lehrtext: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. (Offenbarung 15, 3)

Liebe Losungsgemeinschaft,

ich schreibe es euch offen: Zum Jubeln ist mir nicht zumute. Aber ich lehne mich an Johannes' Stil an, der die Offenbarung geschrieben hat und damit den Satz aus dem heutigen Lehrtext. Ich lehne mich deshalb an ihn an, weil es um ihn herum damals, als er die Offenbarung geschrieben hat, gerade alles andere als friedlich war. Menschen sind wegen ihres Glaubens an Gott verfolgt worden, viele wurden misshandelt, viele auch umgebracht. Das Lob für Gott ist Johannes bestimmt nicht ganz von selbst aus dem Herzen gesprudelt. Er hat sich - so kommt es mir vor - einfach vorgenommen, Gott als wunderbaren Schöpfer unserer Welt bewusst wahrzunehmen. Er hat das andere, das Leid und das Beklagenswerte, einfach einmal ausgeblendet und festgestellt: "Es gibt das Schöne immer noch. Ich habe, auch wenn gerade um mich Chaos ist, auch Grund zu kleinen und großen Freuden."
Wie ich gestimmt bin, habe ich bis zu einem gewissen Grad auch selber in der Hand. Also genieße ich heute bewusst das flammende Rot des wilden Weins in unserem Pfarrhof, der gerade jetzt am Schönsten ist. Ich freu mich an der 'schwarzäugigen Susanne', die unverzagt an unserer Haustür rankt und blüht, auch wenn es schon Oktober ist. Ich genieße späte Himbeeren und Weintrauben aus unserem Garten und lasse mich durch Gottes Schöpferkünste stärken.

Gebet: Danke, Vater, dass du mich aus den Kreisen meiner trüben Gedanken immer wieder herausholst. So wie heute morgen. Ich lasse mich ein auf den Perspektivenwechsel, den du durch dein Wort in mir anstößt. Ich halte heute die Augen offen für deine wunderbaren Werke. Amen.

Liebe Grüße aus dem Pfarrhaus.


Ihre / eure Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 7. Oktober 2014

Ich hänge am Tropf ebl

Losung: (Gott fragt Kain, der einen Anschlag auf seinen verhassten Bruder plant:) "Warum bist du so zornig? Warum starrst du auf den Boden? Wenn du Gutes im Sinn hast, kannst du den Kopf frei erheben; aber wenn du Böses planst, lauert die Sünde vor der Tür deines Herzens und will dich verschlingen. Du musst Herr über sie sein!" (1. Mose 4, 7)

Lehrtext: Seid wachsam! Steht im Glauben fest! Seid mutig und stark! Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein. (1. Korinther 16, 13)

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, ich sitze seit mehr als einer Woche zum ersten Mal wieder an meinem Computer, die Bibel aufgeschlagen neben mir bei der heutigen Losung. Wie deutlich ist mir in den letzten Tagen geworden, dass unsere Augen der Spiegel unserer Seele sind. Ich habe auf der Intensivstation der Universitätsklinik von Oslo in Augen voller Angst geschaut, in wütende, in traurige, in sehnsüchtige, in hoffnungsvolle. Ich habe den "Augen"-Blick herbeigesehnt, in dem mein Bruder seine Augen nach Tagen des künstlichen Komas zum ersten Mal wieder aufschlagen würde. Ich hätte heulen können vor Dankbarkeit, als er es nach drei langen Tagen getan hat.
Paulus würde ich am liebsten fragen: "Wie schaffst du das, lieber Paulus, dass du wachsam bist und im Glauben fest stehst, mutig und stark? In allem, was du tust, von der Liebe bestimmt? Da du es es von uns forderst, gehe ich davon aus, dass du das hinkriegst." Wie bin ich Herrin über das Böse? Wie verhindere ich es, dass ich auf Abstand zu Gott gehe - nichts anderes bedeutet ja das Wort 'Sünde'? Ich selber - das habe ich in den letzten Tagen gemerkt - hänge am Tropf von Gottes Gnade. Aus mir selbst heraus geht nicht viel. Dafür, dass der Tropf der Gnade für mich da ist, bin ich ihm von Herzen dankbar.

Ich danke euch für eure Gebete für mich, für meinen Bruder, für uns als Familie. Danke für den geistlichen Zusammenhalt, den ich über die große Entfernung hin als sicheres Netz gespürt habe. Der Herr segne euch für eure liebevolle Fürsorge.

Einen behüteten Tag wünscht dir und Ihnen
deine / Ihre


Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 6. Oktober 2014

Engel, Nudelsuppe und Schokolade hl

Losung: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 1.Könige 19,7

Lehrtext: Sind die Engel nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen? Hebräer 1,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

Elia war am Ende. Am Ende seiner seelischen und körperlichen Kräfte. Er wusste nicht, wozu er noch leben sollte. Er wusste nicht, wo er Zuflucht finden könnte. So warf er sich unter einen Wacholderbusch und wollte sterben. Doch Gott war noch nicht am Ende mit Elia. Er brauchte ihn nach wie vor. Und so schickte er ihm einen Engel. Der gab ihm geröstetes Brot und einen Schluck Wasser. Da kam Elia wieder zu Kräften.
Wenn nur der Patient zum ersten Mal wieder selbstständig ein bisschen Nahrung zu sich nimmt, dann ist das Schlimmste überstanden. So sagt man im Krankenhaus. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen und lässt die Lebensgeister wieder zurückkommen. Darum gibt Jesus uns den Auftrag, Hungrige zu speisen. Darum gibt er uns sich selbst in Brot und Wein, damit wir in der Kraft dieser Speise bestehen können, wozu uns das Leben herausfordert.
Eine Witwe, die interviewt wurde, was sie beim Tod ihres Mannes am meisten getröstet hatte, sagte: „Ein großer Topf Nudelsuppe, den mir die Nachbarin vor die Tür gestellt hat.“ Ja, Engel können viel, auch Nudelsuppe kochen.

Gebet: Herr, ich danke Dir für die Schokolade, die mir gut getan hat, als es mir schlecht ging. Und ich danke Dir für den Menschen, der sie mir geschenkt hat. Amen

Herzliche Grüße und eine gute neue Woche!

Hans Löhr 

Sonntag, 5. Oktober 2014

Im Sturm hl

203. Lichtblick-Gottesdienst am 5. Oktober 2014. Predigt: Hans Löhr

Liebe Freunde,

ja, unsere Familie war in den letzten Tagen im Sturm, wie ich es eingangs gesagt habe. Jetzt, da es meinem Schwager allmählich besser geht, legt sich auch der Sturm und wir können dankbar sein, was Gott durch die Kunst der Ärzte und die Medizin und nicht zuletzt durch die vielen Gebete bewirkt hat.
Wir sind nicht die einzigen mit Sturmerfahrung. Auch hier sind jetzt nicht wenige unter Euch, die wissen, was ich meine, die ihre Sturmerfahrung gemacht haben oder die zur Zeit selber durch stürmische Zeiten gehen müssen. Es sind nicht nur schwere Krankheiten, die uns aus der Bahn werfen. Das kann genauso eine gescheiterte Beziehung, eine zerbrochene Ehe sein oder ein Todesfall. Unser Leben wird auch erschüttert, wenn es berufliche oder finanzielle Probleme gibt oder wenn einem die Kinder Sorgen machen.
Die Bibel erzählt eine Geschichte, in der die Jünger von Jesus in einen lebensbedrohlichen Sturm geraten. Wohl die meisten von Euch kennen sie: Die Stillung des Sturms. Stimmt, diese Geschichte ist 2000 Jahre alt. Und trotzdem hat sie uns heute was zu sagen. Manchmal muss man eine alte Geschichte einfach nur öfter lesen, am besten laut und langsam. Und dann fängt sie auf einmal zu sprechen an und Du wirst mit hineingezogen in diese Geschichte und stellst verwundert fest: Da komm ja ich darin vor! Ja, in den Geschichten der Bibel kommen wir vor, Du und ich. Und wenn es nicht so wäre, dann hätten uns diese alten Geschichten auch nichts mehr zu sagen. Also hört zu:
[Bibel, Matthäus 8, 23-26] Und Jesus stieg in das Boot, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, sodass auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir kommen um!Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz still
Ein Kollege hat mich in einem Zeitschriftenartikel darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits der erste Satz dieser Geschichte in sich hat: »Und Jesus stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm«. Auch unter uns gibt es einige, die nicht nur allgemein an Gott glauben, sondern die in ihrem Leben Jesus nachfolgen möchten. Die sich bei ihren Entscheidungen nach ihm richten. Und dabei geht es Ihnen wie den Jüngern: Sie machen alles richtig, sie folgen Jesus nach und geraten dennoch in einen furchtbaren Sturm. Auch wer Jesus den ersten Platz in seinem Leben einräumt, wird von Schicksalsschlägen nicht verschont. Dazu könnten jetzt einige von Euch etwas beitragen.
Wenn ich diese Geschichte aus der Bibel lese, dann sehe ich die Jünger vor mir, wie sie über eine Planke in das Boot steigen. Der Himmel ist blau, das Wasser ist ruhig. Nur am Horizont sieht man ein paar Wolken. Und dann fahren sie los mit Jesus im Boot. Sie flüstern nur, weil er eingeschlafen ist und sich ausruht. Doch dann quellen die Wolken auf und ein Sturm bricht los wie sie ihn noch nicht erlebt hatten. Der Wind heult, die Wellen gehen hoch, das Boot wird hin und her geworfen, Wasser bricht ein, das Schiff ächzt bedenklich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie untergehen. Und mitten in diesem Chaos schläft Jesus.
Wie war das bei Dir, als Dich schwere Schicksalsschläge getroffen hatten und Du den Eindruck hattest, als wäre Jesus für Dich nicht erreichbar, als schliefe er? Da kommt man sich verlassen vor. Da kommt man ins Grübeln und Zweifeln: »Ist Gott wirklich bei mir? Wird er mir wirklich helfen? Oder bin ich jetzt ganz und gar auf mich allein gestellt?«
zurück zu unserer Geschichte. Seht Ihr den Sturm, die Wellen, die Angst in den Gesichtern der Jünger? Doch Jesus schläft. Warum? Das fragten sich auch die Jünger. Und so gehen sie zu ihm, wecken ihn auf und schreien gegen das Tosen der Wellen und das Brausen des Sturmes an: »Herr, hilf! Wir kommen um!«
„Hilfe, Gott, Hilfe!“ – Hast Du schon mal so gebetet, geschrien? Und dann ist trotzdem nichts passiert. Jedenfalls nicht gleich. Dann hattest Du das Gefühl, von Gott und der Welt verlassen zu sein. Aber noch inmitten Deiner großen Not hat Er bereits unmerklich die Weichen gestellt und Dich allmählich aus Deiner Bedrängnis wieder herausgebracht. Das kann Tage dauern, Wochen, Monate vielleicht sogar Jahre. Ob mein Glaube so weit reichen, ob er so lange halten würde? Ich weiß es nicht. Ich kann nur hoffen, dass ich dann nicht aufgebe.
Zurück ins Boot: Jetzt schlägt Jesus die Augen auf. Er ist ganz ruhig. Er ist das Auge im Sturm. Manchmal sieht man Satellitenaufnahmen von der Erde, auf denen eine riesige Wolkendecke zu sehen ist unter der ein ein Sturm, ein Taifun tobt. Und mitten in der Wolkendecke ist ein kreisrundes Loch, durch das die Sonne scheint. Dieses Loch mitten im Sturm nennt man Auge. Da ist es ganz windstill. Das sind die Menschen sicher. Und so ein Auge im Sturm war Jesus. Und aus dieser tiefen inneren Ruhe heraus antwortet er seinen panischen Jüngern: „Ihr habt so wenig Vertrauen. Warum habt ihr Angst?“ Was für eine Frage! Sieht er denn nicht, was los ist? Begreift er nicht, in welcher Gefahr sich alle befinden?
Der Kollege hat in seinem Artikel darauf hingewiesen, dass es in fast allen Bibelübersetzungen heißt: „Warum habt ihr solche Angst?“ Oder anders: „Warum seid ihr so furchtsam?“ Aber im griechischen Urtext des Neuen Testamentes fehlt das Wörtchen ‚so‘. Denn Jesus meint nicht: ‚Ihr dürft schon etwas Angst haben, aber doch nicht gleich so!‘ Stattdessen fragt er ganz grundsätzlich: ‚Warum habt ihr überhaupt Angst? Ich bin doch bei Euch.‘
Jetzt verstehe ich auch, warum Jesus bei dem gewaltigen Sturm auf dem See hat schlafen können. Er wusste sich ganz und gar in Gott geborgen. Er wusste, dass Gott größer ist als jede Welle und jeder Sturm. Dass er Macht hat über alle bösen Mächte, über Schicksalsschläge und Katastrophen. Jesus hatte ein so großes Vertrauen zu seinem Vater im Himmel, dass er sagen konnte: „Es fällt kein Haar von Deinem Kopf, ohne dass er es weiß.“
Ein solches Vertrauen hatten die Jünger nicht. Ein solches Vertrauen habe ich auch nicht. Denn wenn ich es genau bedenke, dann geht es ja nicht nur um die Jünger, sondern um Dich und mich. Wir beide, wir alle hier sind Jesus ins Boot nachgestiegen, während wir diese Geschichte hören und darüber gepredigt wird. Und jetzt sind wir dabei, mitten im Sturm, und drohen unterzugehen. Und die Angst schüttelt uns durch. Panik überfällt uns und raubt uns jegliches Gottvertrauen.
Ja, so war es vielleicht schon mal bei dem einen oder anderen von uns. So ist es vielleicht sogar jetzt. So kann es in Zukunft sein. Du hast nichts falsch gemacht, Du hast nichts verbrochen, Du hast keine Sünde begangen – und trotzdem kommst Du in den Sturm so wie ein Hurrikan über Land zieht und unterschiedslos jeden trifft egal, ob er an Gott glaubt oder nicht.
Im Irak ist der Terror-Sturm des „islamischen Staates“ über die Christen gekommen und hat sie vertrieben. In Westafrika wütet die Ebola-Seuche und fragt nicht danach, wer gläubig ist und wer nicht. In Norwegen hat eine Blutvergiftung meinen Schwager fast umgebracht, von der niemand weiß, wie sie entstanden ist. In unseren Dörfern kämpfen Menschen gegen den Krebs. Andere leiden an Demenz. Das wühlt unsere Seele auf wie ein Orkan das Meer. Das nimmt uns jede Sicherheit.
Aber dann, plötzlich, mitten im Chaos, ein Zeichen: Jesus ist da. Er ist größer als alles, was uns bedroht. Ein solches Zeichen kann eine Karte sein, die Dir jemand schickt oder ein Lied wie hier im Lichtblick oder ein Gebet, das jemand für Dich spricht. Jesus ist da: Er schickt Dir einen Menschen, der Zeit hat, Dich anzuhören. Jemand nimmt Dich in den Arm. Jemand stellt Dir einen Kuchen vor die Tür. Jemand ruft an. Oder Du hörst diese kleine Geschichte aus der Bibel, die Dir sagt: Jesus ist da, hab keine Angst.
Das alles sind kleine Zeichen, durch die Er Dir zeigt, dass Du nicht verlassen und vergessen bist. So kommt Dein Vertrauen zurück und der Angststurm in dir vergeht.

Ich bete: „Herr, mach, wenn es sein darf, dass die Stürme vorübergehen und die Wogen sich glätten. Und wenn es jetzt noch nicht sein soll, dann sende ein Zeichen, dass Du da bist, auch wenn es scheinen will, dass Du schläfst. Amen
 

Samstag, 4. Oktober 2014

Du bist doch kein Huhn! hl

Losung: Menschenfurcht bringt zu Fall; wer sich aber auf den HERRN verlässt, wird beschützt. Sprüche 29,25

Lehrtext: Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Matthäus 10,32

Liebe Leserin, lieber Leser,

zum besseren Verständnis der Tageslosung, hier eine neue Übersetzung: »Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit; wer dem Herrn vertraut, ist gelassen und sicher.« 
Interessant, dass es dieses Problem bereits zur Zeit des Alten Testaments gab. Wahrscheinlich ist es so alt wie die Menschheit selbst, dass sich viele davor fürchten, was andere über sie sagen könnten. In unseren Dörfern ist diese Furcht, zumindest was die Nachbarn betrifft, größer als in der Anonymität der Städte. Aber an jedem Arbeitsplatz holt einen das wieder ein. Wie groß dieses Problem ist, zeigt sich daran, dass das 8. der 10 Gebote darauf Bezug nimmt: „Du sollst über Deine Mitmenschen nicht schlecht daher reden.“
Aber, so meine ich, es liegt auch an mir selbst, wie sehr ich mir das Gerede anderer zu Herzen nehme. Da ist es gut, sich klar zu machen, dass immer über einen geredet wird egal was man macht oder nicht macht. Und je mehr Du Dich in Deinem Lebensstil von anderen unterscheidest, desto mehr hackt man auf Dir herum. Hack nicht zurück! Du bist doch kein Huhn, sondern eine Tochter / ein Sohn Gottes. Das gibt Dir Deine Würde und Deinen Wert. Übe Dich vielmehr in Gelassenheit. Dein Gottvertrauen hilft Dir dabei.
Und noch etwas: Es gibt Christen, die beargwöhnen oder verspotten andere, die regelmäßig beten und Gottesdienste, einen Hauskreis oder sonstige christliche Angebote besuchen. Der Grund liegt auf der Hand: Sie spüren ihre Defizite. Aber das darf Dich nicht davon abhalten, Deinen Glauben mit allem Freimut zu leben (Lehrtext). Und dazu gehört, dass Du für die, die nicht gut auf Dich zu sprechen sind, betest.

Gebet: Herr, mir soll Dein Urteil wichtig sein und nicht das anderer Menschen. Ich will auf das hören, was Du mir sagst und nicht was andere über mich sagen. Ich will mein eigenes Leben leben und nicht das meiner Eltern oder Nachbarn. Gib mir die Entschiedenheit, nein zu sagen, wo ich nein sagen muss. Gib mir aber auch die Bereitschaft, ja zu sagen, wenn andere meine Liebe brauchen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Freitag, 3. Oktober 2014

So wahr mir Gott helfe! hl

Losung: Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen. Sprüche 16,3

Lehrtext: Ihr solltet sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun. Jakobus 4,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

»So wahr mir Gott helfe!«  sagte die Bundeskanzlerin nach ihrer erneuten Vereidigung und mit ihr die meisten Minister. »Ja, mit Gottes Hilfe!« haben Sie / hast du bei deiner Konfirmation und bei deiner kirchlichen Trauung gesagt. Bei besonderen Anlässen spüren viele, dass sie für die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, Gottes Hilfe ganz gut brauchen könnten. Warum nur bei besonderen Anlässen? Die Bibel sagt, das gilt für alles, was sich Menschen vornehmen. Sister Elly in Tansania hat jedes Mal bevor sie den Motor ihres Geländefahrzeugs startete, gebetet: »Herr, behüte uns auf unserem Weg«. Ich bete so nur vor längeren Strecken. Warum eigentlich? Die meisten Unfälle passieren auf Kurzstrecken.
Doch, es ist schon gut, vor besonderen Anlässen zu beten: vor einem Bewerbungsgespräch, vor einer Prüfung, vor einer medizinischen Untersuchung oder Operation, vor einem Gerichtstermin. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe gehe ich solche Sachen doch anders an als wenn ich einfach so hinein stolpere. Aber gilt das nicht auch für jeden normalen Tag? Ich meine, dass ich mit einer anderen inneren Einstellung und Verfassung in den neuen Tag gehe, wenn ich zuvor Gott gebeten habe, mich bei dem, was mich erwartet, zu begleiten. Und ich glaube, die Chance, dass dann auch meine Pläne gelingen, ist größer als wenn ich ohne Gott angehe, was ich mir vorgenommen habe.
In diesem Sinn: Gott segne dich und alles, was du an diesem Tag vorhast!

Gebet: Herr, was ich mir heute vornehme, will ich zuerst mit dir besprechen. Leite du meine Gedanken. Gib mir die richtigen Worte. Segne meine Taten. Und wenn ich einen falschen Weg einschlage, dann bringe mich wieder auf den richtigen  zurück. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Danke, das freut mich! hl

Losung: Jakob sprach: Lasst uns nach Bethel ziehen, dass ich dort einen Altar errichte dem Gott, der mich erhört hat zur Zeit meiner Trübsal und mit mir gewesen ist auf dem Wege. 1.Mose 35,3

Lehrtext: Einer unter den Aussätzigen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Lukas 17,15-16

Liebe Leserin, lieber Leser,

in wenigen Wochen wird in unserem Landstrich wieder da und dort „Die fränkische Weihnacht“ vorgelesen oder aufgeführt, die Weihnachtsgeschichte in fränkischer Mundart. Nun ja, das ist schon ganz nett. Aber diese Stelle in der „fränkischen Weihnacht“ gefällt mir wirklich gut, wenn die heiligen drei Könige vor dem Jesuskind ihre Geschenke auspacken und Maria auf gut Fränkisch sagt: »Des hätt’s fei net braucht« (Für des Fränkischen Unkundige: „Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen“).
Das ist die Art bei uns in Franken – und vermutlich nicht nur da –, seine Dankbarkeit auszudrücken. Komisch ist das schon. Warum sagt man nicht einfach, wenn man etwas geschenkt bekommen hat und sei es ein Kompliment: »Danke, das freut mich.«? Vielleicht, weil man da ein Gefühl zum Ausdruck bringt. Und Gefühle will man ja nicht unbedingt zeigen. Leider.
Jedenfalls ist die "fränkische Art" noch besser als gar nicht zu danken wie jene neun Aussätzigen, die Jesus ebenfalls geheilt hatte (Lehrtext) und die ihm nicht gedankt haben.
Jakob hat einen Altar gebaut, jener eine geheilte Aussätzige ist vor Jesus auf sein Angesicht gefallen, um ihm zu danken. Das sind starke, bewegende Gesten. Doch Gott genügt schon, wenn ich ihm aufrichtig sage: "Danke, das freut mich, was du für mich getan hast."
Übrigens: »Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.« [Francis Bacon (1561-1626), engl. Staatsmann u. Philosoph] 

Gebet: Ja Herr, ich habe allen Grund dir zu danken. Gerade jetzt, da es meinem Schwager wieder besser geht. Danke, dass du die Gebete von uns und denen, die uns unterstützt haben, erhört hast. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 1. Oktober 2014

bezahlt und getilgt hl

Losung: Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich! Jesaja 44,22

Lehrtext: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Kolosser 2,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

Missetat und Sünden – bitte bei diesen Wörtern nicht gleich die Jalousien runterlassen. Schließlich geht es im heutigen Losungswort nicht darum, dir und mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Im Gegenteil, es geht um die große Entlastung. 
Die Last, die wir mit uns herumschleppen, das ist der große Druck, alles selbst machen zu müssen und dabei möglichst auch noch perfekt zu sein. Davon will uns Gott befreien (= erlösen), von diesem Leben ohne ihn, wo ich mein eigener Gott sein muss und doch nicht sein kann, weil ich eben nun mal ein Mensch bin, dessen Kraft begrenzt ist, der Fehler macht und immer wieder an den eigenen Ansprüchen scheitert. All die falschen Entscheidungen, die daraus resultieren, all die Schuld die ich auf mich lade, wenn ich meinen selbst gemachten Druck an andere weitergebe, an meine Frau, meine Kinder, Kollegen und sonst wen – all das löst sich wie Nebel in der Sonne auf, wenn ich zu dem zurückkehre, der meine Lebenssonne ist.
Es mag sein, dass andere nicht so gnädig mit mir sind, dass sie sich genau merken, wo und wann und wie ich ihnen weh getan habe, dass sie darauf lauern, mir das alles wieder heimzuzahlen. Nicht wenige Menschen sind nun mal so: nachtragend, unversöhnlich, auf Vergeltung bedacht. Damit muss ich rechnen. Aber ich kann noch mit etwas anderem rechnen:
Alles, was ich jemals falsch gemacht habe, ist nicht von Gott in einem schwarzen Buch festgehalten worden. Wenn es diese schwarze Schuld-Buch geben sollte, dann ist nicht er der Buchhalter, sondern unser Verkläger, der Satan, wie die Bibel sagt (Offenbarung 12,10). Gott aber reißt die Seiten heraus, heftet sie ans Kreuz und schreibt darunter: „Bezahlt von meinem Sohn“, so der Lehrtext. Und er tut das nicht irgendwann, sondern jetzt, in dem Augenblick, wo ich ihn darum bitte. 

Gebet: Herr über Raum und Zeit

Du bist ewig
doch unsere Zeit vergeht.
Reich an Gnade
Regierst du unsere Welt.
Herr über Raum und Zeit
Du bist nah.
Was du auch willst, geschieht
wunderbar
Unser Retter,
durch dich wird alles gut.
Unsere Seele
in deinem Frieden ruht.

Herr über Raum und …
Verlor'n - gesucht,
blind und geheilt,
gelähmt - gesund,
von Schuld befreit -
wo du bist, Herr,
da atmet alles auf.
Herr über Raum und …
 Melodie: Hillsong. Deutscher Text: Hans Löhr

Herzliche Grüße

Hans Löhr