Montag, 21. Dezember 2015

Wen lässt du dein Herz finden? hl

Losung: Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen. Jesaja 58,10

Lehrtext: Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Philipper 4,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein Satz!: »Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt…«. Seit biblischen Zeiten und bis in die Gegenwart sind die Hungrigen auf der Suche. Sie suchen nicht nur Nahrung. Sie suchen die Herzen von Menschen, die gütig sind.
In unsere Lichtblickgottesdienste kommt regelmäßig ein Ehepaar von weiter her, das sein Herz von den Waisenkindern in unserer Partnergemeinde in Kilanya/Tansania hat finden lassen. Verhungern müssen diese Kinder nicht, deren Eltern zumeist an Aids gestorben sind. Sie bekommen in dem Waisenhaus, das wir unterstützen, nahezu tagaus tagein Maisbrei, um am Leben zu bleiben. Aber hungrig sind diese Kinder schon, nach einem Essen, das sie richtig satt macht, das auch schmeckt, nach Menschen, die sie spüren lassen, dass sie etwas wert sind, nach Zuwendung und Zuneigung…
Das Ehepaar hatte die Idee, diesen Kindern am Weihnachtstag ein großes Festessen zu spendieren. Es war nicht ganz einfach, das alles von Deutschland aus zu organisieren, zumal die Gemeinde dort auch das Geld gebraucht hat, um die entsprechenden Zutaten einkaufen zu können. Aber nun hat es doch geklappt. Und so werden am 25. Dezember 75 Waisenkinder ein gutes Frühstück, ein ausgiebiges Mittagessen und noch ein Abendessen bekommen. Drei Mahlzeiten an einem Tag!
Hätte man das Geld nicht vielleicht sinnvoller ausgeben können? Für Medikamente oder Kleidung oder Schulgeld, für Dinge, die nachhaltiger sind? Ja, hätte man. Aber nach kurzem Überlegen fand ich die Idee des Ehepaares grandios. Man füllt den Kindern nicht einfach die Bäuche, sondern zeigt ihnen, dass ganz weit weg in Europa Menschen sind, die sie nicht vergessen und die ein Herz für sie haben. Sie erfahren auf diese Weise Wertschätzung; und heißt nicht unser deutsches Sprichwort: „Liebe geht durch den Magen“?
So geht im finsteren Elend eines abgelegenen afrikanischen Dorfes ein Licht auf (Lehrtext). So erfahren die Kinder in Kilanya, dass Weihnachten nicht nur irgendein religiöses Fest ist, sondern dass Jesus bis in die Bananenwälder am Fuß des Kilimandscharo kommt. Schon immer wollte Gott dort zur Welt kommen, wo die Menschen arm sind und im Elend leben. Darum lag sein Sohn damals in einem Futtertrog in einem Stall in Bethlehem. Darum sind heute die Armen von Kilanya seine Krippe und diejenigen, die zu ihnen gütig sind (Lehrtext).

Gebet: Herr, wo uns die Bedürftigen nicht fern sind, bist du nahe. Wo wir sie unser Herz finden lassen, da finden wir deins. Da wird es wirklich Weihnachten für sie, für uns - und für dich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

p.s.: Spenden sind auch nach Weihnachten willkommen:
Gemeinde Sommersdorf, IBAN DE45765600600001910400, VR-Bank Ansbach. Kennwort: Waisenkinder

Sonntag, 20. Dezember 2015

Lampenfieber hl

Losung: Der HERR sprach zu Mose: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Habe ich's nicht getan, der HERR? 2.Mose 4,11

Lehrtext: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt. Johannes 15,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie / hast du schon mal vor einem größeren Publikum geredet? Wenn ja, so weißt du, wie sich das anfühlt vor allem beim ersten Mal: Du bekommst „Lampenfieber“, auch wenn du nicht auf der Bühne stehst und beleuchtet wirst.
Mose, der große Mose, hatte Angst vor seinem öffentlichen Auftritt. Er sollte dem Pharao, dem König Ägyptens, von Gott ausrichten, das Volk der Israeliten freizugeben. Und so stammelte er bei der denkwürdigen Begegnung mit Gott am brennenden Dornbusch: "Ach Herr, ich bin noch nie ein guter Redner gewesen. Auch jetzt, wo du mit mir sprichst, hat sich daran nichts geändert. Ich rede nicht gerne, die Worte kommen mir nur schwer über die Lippen." Und Gott? Er lässt diese Entschuldigung dem Mose nicht durchgehen und sagt: "Habe nicht ich, der Herr, den Menschen einen Mund gegeben?... Geh jetzt! Ich bin bei dir und sage dir, was du reden sollst." (2. Mose 4).
Du musst eine Rede, einen Vortrag halten oder ein Referat, beruflich oder privat. Du musst vor Gericht aussagen oder du sollst zum Beispiel in einem Gottesdienst die Begrüßung übernehmen, ein Grußwort sprechen oder auch frei beten. Wie wird es dir gehen? Ich bete vor jeder Predigt in der Stille: „Herr, sei du jetzt bei mir und bekenne dich du zu meinen Worten. Gib mir den festen Glauben, die innere Freude, die Liebe zu den Leuten und die Gegenwart deines Geistes und wirke durch das, was ich jetzt sage.“
Mir hilft dieses kleine, stille Gebet, bevor ich zu reden beginne. Es macht mich ruhig und fest.
Ebenso kannst auch du ein kleines Gebet sprechen, wenn du etwas zu sagen hast oder sagen musst, es sei in einem kleineren oder größeren Kreis. Gib, nachdem du dich vorbereitet hast, die Verantwortung an Gott ab. Er sagt selbst, dass er den Mund geschaffen hat, damit wir mit seiner Hilfe sagen, was zu sagen ist.
Im Lehrtext kommt wieder einmal die für den Glauben so wichtige Unterscheidung zur Sprache: ‚Nicht du, Mensch, sondern ich, der Herr.‘ Ich verstehe das so, dass ich alles auf Gottes Seite hinüberwerfe, womit ich mich auf meiner Seite abplage und nicht klar komme: Meine Sorgen, meine Angst, mein Versagen, meine Schuld, meine Zweifel, meine Enttäuschungen, meine seelischen Verletzungen, meine Krankheit, meinen Unglauben und auch mein Lampenfieber… Das alles gebe ich ihm und sage:

Gebet: Herr, nicht ich selbst habe mich geschaffen, sondern du. Darum entlasse ich dich nicht aus der Verantwortung für mich. Du musst mir bei alledem helfen, womit ich nicht klar komme. Und du tust das ja auch. Denn nicht ich habe dich erwählt, sondern du mich. Nicht ich bin zu dir gekommen, sondern du zu mir. Nicht ich habe den Glauben erfunden, sondern du hast ihn mir geschenkt. Nicht ich habe mir das, was ich kann, beigebracht, sondern du hast mich gesegnet. Nicht ich muss mich erlösen, sondern du. Nicht ich muss alles richtig machen, sondern du hast das Richtige für mich getan, hast in Jesus alles weggenommen, was mich von dir trennt und mir vergeben. So will auch ich im Rahmen meiner Möglichkeiten leben, wie es dir gefällt und verantworten, was ich sage und tue. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 19. Dezember 2015

Der neue Weg hl

Losung: Kehrt um zum HERRN, von welchem ihr so sehr abgewichen seid! Jesaja 31,6

Lehrtext: Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden. Römer 5,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

was würden Sie / was würdest du denken, wenn ich dich auffordern würde, „zum Herrn umzukehren“. Vielleicht dies, dass ich mir etwas einbilde, wozu ich kein Recht habe, denn erstens bin ich kein biblischer Prophet und zweitens kann ich dir nicht ins Herz sehen und wissen, ob du „von Gott abgewichen“ bist, wie es in der heutigen Losung heißt. Und drittens sollte ich wohl besser vor meiner eigenen Tür kehren. 
Solche Aufforderungen, von wem auch immer, haben selten den gewünschten Erfolg. Diese Erfahrung hat Gott selbst oft genug in seiner Geschichte mit den Menschen gemacht. Und deshalb ist er mit Jesus im wahrsten Sinn des Wortes einen neuen Weg gegangen. Nun sollen nicht mehr die Sünder zu ihm kommen, sondern er kommt zu ihnen. Nun befiehlt er mir nicht mehr, zu ihm umzukehren, sondern er kehrt sich zu mir.
Und mag mein Versagen, meine Sünde auch groß und mächtig sein, seine Gnade ist noch viel größer und mächtiger (Lehrtext). Wäre es nicht so, würde ich mich vielleicht nicht mehr trauen, ihm unter die Augen zu treten, so wie ein Kind, das etwas ausgefressen hat, die Begegnung mit seinen Eltern scheut. 
Viele, zu viele Christen haben noch immer die falsche Vorstellung von einem strafenden Gott und haben ihm deshalb aus Unwissenheit für immer den Rücken gekehrt. Aber weil ich nun weiß, weil die Bibel mir sagt, dass Gottes Sohn die liebt und sucht, die vor Gott versagen, darum will ich in ihm auch meinen himmlischen Vater suchen und lieben. Das soll meine Antwort auf Weihnachten sein, darauf, dass Gott in dem Jesuskind zu einem jeden Menschen kommen will, zu den Sündern, zu denen, die ihn am meisten brauchen, zuerst. Und, ehrlich gesagt, ich brauche ihn, vielleicht mehr als du.

Gebet: Herr, alles im Leben kostet seinen Preis. Für alles muss ich bezahlen, erst recht, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Doch du lässt mich meine Fehler nicht büßen. Du zahlst mit deinem Sohn selbst den Preis, den es kostet, dass ich dir wieder recht bin. Mögen Menschen von mir halten, was sie wollen. Dass du mir wohlgesonnen bist, darauf kommt es an. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 18. Dezember 2015

Vorbilder im Glauben hl

Losung: Wenn du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst: Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang. 5.Mose 28,1.6

Lehrtext: Abraham wusste aufs Allergewisseste: Was Gott verheißt, das kann er auch tun. Römer 4,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie / hast du ein Vorbild im Glauben? Vielleicht die Oma oder einen Onkel oder die Mutter oder jemanden, der gar nicht zur Familie gehört…? Für die drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam ist Abraham das Vorbild im Glauben. Und deshalb schreibt der Apostel Paulus im heutigen Lehrtext: »Abraham vertraute Gottes Zusage. Er war fest davon überzeugt, dass Gott sein Versprechen erfüllen würde.« Mir ist Abraham durchaus ein Vorbild. Wenn ich so glauben könnte wie er, bräuchte ich kein Vorbild mehr. Aber wer kann schon so glauben wie Abraham?!
Mindestens genauso wichtig sind mir Vorbilder im Glauben, die ich entweder persönlich kenne oder die mir zeitlich näher sind. Ich denke da an Dietrich Bonhoeffer oder an Dr. Martin Luther King, an meinen längst verstorbenen väterlichen Freund Karl Steinbauer oder an Jörg Zink. Sie alle waren keine Heiligen. Sie hatten ihre menschlichen Schwächen. Aber genau darum sind sie mir auch Vorbilder, weil der Glaube nun mal in zerbrechlichen Gefäßen wie wir Menschen sind, wohnt, und weil Gott diejenigen besonders liebt, die nicht aufgrund irgendwelcher religiöser oder moralischer Leistungen liebenswert sind, sondern wegen ihrer Probleme seine Liebe brauchen.
Ihm traue ich zu, dass er tut, was er sagt (Lehrtext). Ich weiß das nicht »auf das Allergewisseste« wie Paulus schreibt, aber ich glaube es - auch gegen manch eigenen Zweifel. Und auch das glaube ich, dass es mir gut tut, seiner Stimme zu folgen (Losung) und ich mich selbst beschädige, wenn ich das nicht tue.

Gebet: Herr, ich verlass mich auf dein Wort, auf das, was du durch die Bibel zu mir sagst. Ich verlass mich darauf, dass du mich auch künftig behütest und segnest, mich liebst und mir vergibst so wie du mir das durch Jesus gezeigt und es bisher getan hast. Worauf sonst sollte ich mich denn verlassen? Auf mich? Nein. Auf andere Menschen, die doch allesamt mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie ich? Nein. Ich setze mein Vertrauen allein auf dich, den lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Die Sitzung geht weiter! hl

Losung: Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer. Habakuk 2,3

Lehrtext: Seid geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Jakobus 5,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich liebe diese Geschichte, die der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann erzählt hat: Im 19 Jahrhundert, irgendwo im mittleren Westen der Vereinigten Staaten von Amerika tagte das regionale Parlament. Während der Sitzung brach ein noch nie dagewesenes Unwetter los. Die Abgeordneten meinten, die Welt gehe unter und verkrochen sich unter ihren Tischen. Nur der Parlamentspräsident blieb ungerührt sitzen, schlug mit dem Hammer auf den Tisch und rief, den Orkan übertönend, in den Saal: »Meine Herren, entweder die Welt geht noch nicht unter und das Unwetter zieht vorüber, dann gibt es keinen Grund, die Sitzung zu unterbrechen. Oder die Welt geht unter und unser Herr Jesus Christus kommt, dann soll er uns wenigstens bei der Arbeit finden. Die Sitzung geht weiter!«
Als Christ kann ich mit einer Hoffnung leben, die über den Horizont, die über Sarg und Grab hinausreicht. Ich hoffe darauf, dass Jesus sein Wort hält und wiederkommt zur endgültigen Erlösung für alle, auch für die Tiere, wie es in der Bibel heißt (Römer 8,19-21). Nein, diese Hoffnung ist nicht vernünftig, nicht logisch, auch nicht realistisch. Der Geist dieser Welt spricht dagegen. Aber Gottes Geist hält diese Hoffnung am Leben in allen, die ihm mehr vertrauen als sich selbst oder anderen Menschen.
Ja, es ist nicht leicht, auf etwas zu warten, von dem man nicht weiß, wann es eintritt, wann die zweite Weissagung erfüllt wird, dass Christus wiederkommt. Aber an Weihnachten feiern wir ja gerade, dass sich die erste Weissagung erfüllt hat und Gottes Sohn zu uns auf die Erde gekommen ist, als mächtiges Zeichen dafür, dass Gott niemanden vergisst. Das stärkt in mir die Hoffnung, dass er auch die zweite erfüllen wird.
Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, die Hoffnung und damit auch sich selbst aufzugeben. Wenn Christus wiederkommt, soll er uns dabei finden, dass ein jeder an seinem Ort nach bestem Wissen und Gewissen sein Leben lebt und seinen Glauben glaubt.

Gebet: Herr, du bist der Morgenstern am Ende der Nacht und kündest den neuen Tag. Solange ich auf dich schaue, vertraue ich, dass all das, was ich jetzt erlebe und erkenne nur ein Vorletztes ist. Du zeigst mir das Ziel und hilfst, es zu erreichen. Du bist das A und O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Du gibst mir den Lebensmut, hier und jetzt auch dann weiter zu machen, wenn ich im Augenblick keinen Ausweg sehe und keine Perspektive habe. Denn die Herren und die Dinge dieser Welt gehen, du aber kommst! Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. 

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Dein Atem verweist auf Gott hl

Losung: Ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt, und will euch in euer Land setzen, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Hesekiel 37,14

Lehrtext: Jesus ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. Lukas 9,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit seinem Lebensatem (Odem) hat Gott den Adam belebt. So steht es in der Bibel. Das ist, wie so manches andere auch, keine wissenschaftliche oder historische Aussage, sondern eine Glaubensäußerung und meint: Jeder Mensch verdankt sein Leben Gott. Das Herz, das in deiner und meiner Brust schlägt, lässt er schlagen so lange er will. Und wenn er nicht mehr will, bleibt es stehen. Der Atem, der in uns einströmt und wieder aus uns herausströmt, ist sein Lebensatem bis wir nach seinem Willen den letzten Atemzug getan, das Leben wieder ausgehaucht haben. Das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern für alles, was er geschaffen hat und was lebt.
Manchmal sage ich: ‚Du willst einen Beweis, dass Gott für dich da ist? Lege deine Hand auf dein Herz und spüre, wie es schlägt oder achte auf deinen Atem.‘ Nun, damit werde ich wohl niemand gewinnen, an Gott zu glauben, aber vielleicht bestärkt es einen, der in seinem Glauben unsicher geworden ist. Mir jedenfalls hilft diese Geste.
Die Israeliten, denen Gott durch das Wort des Propheten Hesekiel in der heutigen Losung neuen Lebensmut gibt, waren in der babylonischen Gefangenschaft mit allem an Ende: mit ihren Hoffnungen, mit ihren Träumen und auch mit ihrem Glauben. Sie waren seelisch so gut wie tot. In dieser Situation hören Sie, dass Gott ihnen seinen Lebensatem gibt und das nicht nur so allgemein wie jedem anderen Geschöpf, sondern sozusagen ganz persönlich verbunden mit der Zusage, dass es für sie wieder eine gute Zukunft gibt und sie aufs Neue erfahren, dass er ihr Gott ist und bleibt. Diese Zusage hat sie neu belebt, hat ihre Hoffnung wieder entfacht und den Glauben geweckt. Jetzt hatten sie wieder ein Ziel, für das zu leben und zu glauben es sich gelohnt hat.
Vielleicht warst auch du schon am Ende und meintest, dein Leben sei nicht mehr lebenswert. Aber Gott hat weiterhin dein Herz schlagen und deinen Atem, seinen Lebensatem in dich strömen lassen und dir so neuen Lebensmut gegeben.
Dum spiro spero - solange ich atme, hoffe ich, sagt ein lateinisches Sprichwort. Jeder hat allen Grund zu hoffen, der weiß, dass Gottes Lebensatem in ihm wirkt.
Der Lehrtext heute spricht von Jesus, der gesund gemacht hat, wer der Heilung bedurfte. Er verkörpert sozusagen den Lebensatem Gottes, so dass alle, die ihr Vertrauen auf ihn setzen, in seiner Gegenwart aufatmen und neuen Lebensmut schöpfen können. Wirklich alle? Ich glaube, dass auch ein Kranker einen gesunden Glauben und eine gesunde Hoffnung in sich haben kann und ein Gesunder darunter leiden kann, dass er nicht mehr hofft und glaubt. Deshalb wünsche ich dir und mir ein gesundes Gottvertrauen. Für mich ist das die beste Medizin, die ich kenne.

Gebet: Herr, ich will mir wieder bewusst machen, dass du es bist, der in mir das Herz schlagen und den Atem fließen lässt. Das sind deutliche Zeichen für deine Kraft und Macht, dafür, dass du da bist und mich am Leben erhältst, solange du willst. Stärke in mir auch das Vertrauen auf dich, dass ich den Lebensmut nicht verliere, was immer auch kommt. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 15. Dezember 2015

Tischgebet am Sterbebett hl

Losung: Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Psalm 106,1

Lehrtext: Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Kolosser 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich noch Studentenpfarrer war, bin ich einmal im Jahr mit einer größeren Gruppe zum Skilaufen in die Schweiz gefahren. Wir hatten tagsüber miteinander viel Spaß auf der Piste. Abends trafen wir uns dann zu einer gemeinsamen Mahlzeit in unserer Hütte und hinterher zu Gesprächen über Gott und die Welt. Einige Studenten sind nur wegen des Schifahrens mitgekommen. Vom Glauben hatten sie wenig bis keine Ahnung. Ob ihnen die Hüttengottesdienste etwas gegeben haben?
Vor Beginn der Mahlzeiten haben wir oft miteinander den Kanon gesungen „Danket, danket dem Herrn , denn er ist sehr freundlich …“ Kurz nach einer solchen Freizeit ist der Vater einer Studentin gestorben. Später sagte sie mir: „Als ich bei meinem sterbenden Vater am Bett saß, wusste ich nicht, was ich denken und sagen sollte. Noch weniger wusste ich, was ich beten könnte. Da ist mir unser Tischkanon von der Schifreizeit eingefallen. Und so habe ich bei meinem Vater gebetet ‘Danket, danket dem Herrn, denn er ist sehr freundlich; seine Güt‘ und Wahrheit währet ewiglich.‘ Und weißt du was“, fügte sie hinzu, „dieses Gebet hat gepasst. Es hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, dass ich für meinen Vater danken konnte. Der Abschied hat weh getan und ich war traurig. Aber irgendwie war ich doch auch getröstet, weil ich dafür danken konnte, dass ich ihn gehabt hatte.“
»Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn« heißt es im Lehrtext. So gesehen kann ich auch am Bett eines Sterbenden danken. Erst recht, wenn ich weiß, in wessen Namen ich das tue.

Gebet: Herr Jesus, danke, dass du mir Gott als den freundlichen und gütigen Vater im Himmel gezeigt hast. Das ist ein tolles Geschenk. Es lässt mich leichter leben, freier atmen und unbekümmerter in den Tag gehen. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 14. Dezember 2015

Augen, die ins Herz sehen hl

Losung: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. 1.Samuel 16,7

Lehrtext: Der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Lukas 1,30

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie wissen / du weißt, wie sehr man sich in einem Menschen täuschen kann. Manchmal dauert es einige Zeit, bis man ent-täuscht ist und sich eingestehen muss, sich in dem anderen getäuscht zu haben. Ob das immer die Schuld des anderen ist? Vielleicht hat man sich ja auch selbst etwas vorgemacht und wollte die Wirklichkeit gar nicht sehen. Andererseits ist es nicht möglich, einem anderen Menschen ins Herz zu blicken und so zu erkennen, was in seinem Innersten vorgeht. Ich denke, das ist sogar bei mir selbst nicht möglich. Ich kann mich ja auch über mich selbst täuschen und habe das schon getan. Weiß ich wirklich, wie es im Grunde meines Herzens um mich bestellt ist? Kenne ich mich wirklich so gut?
Nur Gott kennt mich wie ich wirklich bin. Er kennt mich besser als ich. Das glaube ich. Manchen macht das Angst. Sie fühlen sich dann in ihrem Innersten beobachtet, kontrolliert und zensiert. Mir macht das keine Angst, weil Gott mich nicht mit einem Kontrollblick strafend ansieht, sondern gütig und liebevoll, verständnisvoll und verzeihend. Ja ich glaube, wenn ich ihm mein Herz öffne und ihn ganz bewusst Einblick nehmen lasse, dass mich das heilt. Er kennt mich, er kennt mein Herz sowieso. Warum sollte ich es dann vor ihm verschließen?
Ich weiß auch, dass er in mir nicht nur die Dinge findet, die mir und ihm gefallen, sondern auch manche Gefühle und Gedanken, Absichten und Einstellungen, die nicht gut sind, weder für andere noch für mich selbst. Doch die Bibel sagt nicht umsonst, dass »der Herr mein Arzt ist«, der die Krankheitsherde entdeckt und sie zu entfernen vermag, damit ich gesund werde. Das ist nicht immer einfach. Das tut auch weh, so wie eine Operation weh tut, durch die krankes Gewebe entfernt wird. Doch diese Offenheit und vor allem dieses Vertrauen Gott gegenüber ist die Voraussetzung, dass ich heil werden kann.
Maria, so sagt der Lehrtext, hat Gnade bei Gott gefunden. Anders gesagt, er hat sie für würdig befunden, Jesus zu empfangen und auf die Welt zu bringen. Warum ausgerechnet Maria? Sie wusste das selbst nicht. Aber sie hat es an sich und in sich geschehen lassen. So viel aber ist für mich aus den anderen Äußerungen der Bibel über Maria klar: Sie war ein Mensch wie du und ich, nichts Besonderes, keine Heilige (was immer das sein soll). Sie hatte ihre Fehler und Schwächen wie andere auch. Und gerade deswegen sollte sie Jesu Mutter werden, weil er uns Menschen ins Herz sieht und weiß, wie sehr wir alle ihn brauchen. So ist Maria stellvertretend für uns alle mit Jesus schwanger geworden und hat ihn geboren sowie auch wir in dieser Adventszeit mit Gottes Sohn in uns schwanger gehen und ihn zur Welt bringen sollen und mit ihm Gottes Liebe und Güte - da, wo wir leben und arbeiten.

Gebet: Herr, ja bitte, sieh mich an. Wende deinen Blick nicht von mir. Finde, was in mir nicht gut ist und nicht gut tut. Unter deinen gütigen Augen werde ich gesund. Dein liebevoller Blick weckt in mir das Vertrauen auf dich, nach dem ich mich sehne. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 13. Dezember 2015

Kennzeichen der Weisheit hl

Losung: Die Furcht des HERRN ist Unterweisung zur Weisheit. Sprüche 15,33

Lehrtext: Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit. Jakobus 3,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe den Eindruck, dass in unserer Zeit ‚weise zu sein‘ kein besonderer Wert mehr ist. Schlau – ja. Intelligent – ja. Clever – ja. Manche sind stolz darauf, dass sie gerissen und trickreich sind. Aber weise? In anderen Kulturen und zu anderen Zeiten galten und gelten manchmal alte Menschen als weise. Man wusste ihre Lebenserfahrung zu schätzen und hat ihren Rat gesucht. Aber in unserer Jugendwahn-Gesellschaft gelten andere Werte…
Doch was sind Kennzeichen dafür, dass jemand weise ist? Alter und Lebenserfahrung allein können es auch nicht sein. Die Bibel sagt: Ehrfurcht vor Gott macht weise (Losung). So kann auch ein jüngerer Mensch weise sein, der nach Gottes Willen fragt und seine Gebote achtet. Und, wie der Lehrtext sagt, wer freundlich und gütig ist. Denn so heißt dieses Bibelwort in einer neuen Übersetzung: »Hält sich jemand von euch für klug und weise? Dann soll das an seinem ganzen Leben abzulesen sein, an seiner Freundlichkeit und Güte. Sie sind Kennzeichen der wahren Weisheit.« Dafür braucht es weder eine höhere Schulbildung noch ein Studium. Dafür braucht es Herzensbildung. Und die kann man im kleinsten Dorf finden. 

Gebet: Herr, du bist die Quelle der Freundlichkeit und Güte. Aus dir schöpfen wir Weisheit für unser Leben und Zusammenleben im Kleinen wie im Großen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Letzten Dienstag hat meine Frau in ihrer Losungsauslegung für den Klimagipfel in Paris gebetet. Gestern nun kam es zum ersten Mal in der Geschichte zu einem hoffnungsvollen Ergebnis. Manche der Teilnehmenden waren darüber ergriffen und hatten Tränen in den Augen. Ich bin dankbar, dass die vielen Gebete in aller Welt für einen Erfolg dieses Gipfels erhört worden sind. Hoffen wir, dass aus der Einigung auch konkrete Taten werden.

Samstag, 12. Dezember 2015

Weihnachtszeit – Engelzeit hl

Losung: Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Psalm 34,8

Lehrtext: Der Engel des Herrn tat in der Nacht die Türen des Gefängnisses auf und führte sie heraus. Apostelgeschichte 5,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

Weihnachtszeit – Engelzeit. Nun begegnen dir diese himmlischen Wesen wieder auf Schritt und Tritt ob als Rauschgoldengel oder Strohstern-Engel, ob gedrechselt und angemalt oder geschnitzt und naturbelassen, ob aus Plastik oder aus Holz… Engel, wohin man blickt, besonders auf den Christkindlmärkten in unseren Städten.
Engel können Boten mit einer wichtigen Botschaft sein wie jener, der Maria mitteilte, dass sie ein Kind bekommen würde und es Jesus heißen sollte, oder wie die ursprünglichen Weihnachtsengel von Bethlehem, die den Hirten die Geburt des Erlösers verkündeten.
Engel können Schutzengel sein, die kleine Kinder und Motorradfahrer vor Gefahren behüten und sie in ihnen beschützen – naja, andere auch ;-)
Engel können Befreier sein, wie es in der heutigen Losung und im Lehrtext heißt.
Aber was genau sind Engel? Geheimnisvolle Wesen mit Flügeln? So, wie sie auf den Weihnachtsmärkten zur Schau gestellt werden?
Ich meine, von Engeln spricht, wer Gottes Macht und Kraft in einer bestimmten Situation erlebt. Wer erfährt, dass sich plötzlich etwas auf wunderbare Weise zum Besseren ändert. Ob du diese Erfahrung direkt mit Gott in Verbindung bringst oder sie seinen Engeln zuschreibst, bleibt sich letzten Endes gleich. Entscheidend ist, dass in unserer Vorstellung die Engel nicht von Gott abgelöst werden und nun ein scheinbar eigenständiges Leben führen. Sie sind und bleiben seine dienstbare Geister, die durchsichtig sind auf ihn hin, der alles bewirkt. Manchen kann die Vorstellung von Engeln helfen, an Gott zu glauben. Andere kommen in ihrem Glauben auch ohne sie aus so wie auch das Glaubensbekenntnis.
Ich wünsche Ihnen / dir zur Weihnachtszeit, dass du Gottes heilsame Gegenwart spürst.  Er möge dich mit oder ohne Engel herausführen aus deinen Sorgen und deiner Furcht, aus deinen schlechten Angewohnheiten und vielleicht auch aus einer Sucht, aus Abhängigkeiten von Menschen, die dir nicht gut tun, aus Niedergeschlagenheit und Enttäuschung, aus Sünde und Schuld.  Vor allem aber möge er dir in dem Jesuskind in der Krippe zeigen, wie sehr er dich liebt.

Gebet: Herr, jeden Tag bist du mit deiner Macht und Kraft um mich. Oft spüre ich nichts davon, weil es so selbstverständlich zu sein scheint, dass du mich behütest und mein Leben erhältst. Manchmal habe ich den Eindruck, dass du mir fehlst. Und dann merke ich doch wieder, dass du da bist und hilfst. Amen

Herzliche Grüße und ein gesegnetes Wochenende!

Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 11. Dezember 2015

Bibelverse auswendig lernen??? ebl

Losung: So spricht der Herr: „Ich will einen Bund mit euch schließen: Mein Heiliger Geist, der auf euch ruht, wird bei euch bleiben, und die Worte, die ihr von mir empfangen habt, werden von Mund zu Mund gehen. Auch eure Kinder, Enkel und Urenkel werden sie noch kennen.“
Jesaja 59,21

Lehrtext: Achte auf dich selbst; sieh zu, dass du die Lehre von Jesus Christus rein und unverfälscht weitergibst. Lass dich auf keinen Fall davon abbringen. Dann wirst du selbst gerettet und alle, die auf dich hören.
1.Timotheus 4,16

Liebe Losungsgemeinschaft,
‚meine‘ Kinder in der Schule müssen zur Zeit richtig ran. Egal, ob zweite oder vierte Klasse – wir lernen im evangelischen Religionsunterricht gemeinsam das Lied ‚Macht hoch die Tür‘. Der Text ist nach dem Empfinden der Kinder uralt. Aber er ist nach meiner Überzeugung wertvoll. Deshalb sollen sie ihn sich einprägen. So richtig. Auswendig.

Und es passiert etwas Seltsames: Wenn wir uns durch dieses alte Deutsch gekämpft haben, wenn die Kinder wissen, was ‚Gnade‘ ist und warum Gott ein ‚Herr der Herrlichkeit‘ ist, wenn wir die Sätze im Rhythmus der Melodie gesprochen haben und sie einige stille Minuten zum Einprägen hatten --- dann singen wir das Lied gemeinsam. Im Stehen. Und machen dabei den Mund so weit wie möglich auf, damit man uns im ganzen Schulhaus hört. Plötzlich bekommen die Kinder Freude daran, sie werden immer sicherer in Text und Melodie und wir sind ein Chor zur Ehre Gottes, der zur Adventsfreude einlädt.

Ähnlich kann es uns mit biblischen Texten gehen. Wenn jemand den 23. Psalm ganz und gar frei mitsprechen kann, nach „Der Herr ist mein  Hirte, mir wird nichts mangeln“ noch weiterkommt, dann hat er damit eine erste Hilfe für viele Notsituationen seines Lebens. Selbst Demenz reißt heute alten Menschen diese Sätze nicht aus dem Gedächtnis. Sie wissen nichts mehr, aber Liedverse und Bibelverse können sie oft noch mitsprechen und haben damit plötzlich wieder Teil am Leben der Gemeinschaft, von der sie sonst ausgeschlossen sind.

Ich mache dir und Ihnen heute Mut zu etwas ganz Altmodischem: den einen oder anderen Vers, sei er aus Bibel oder Gesangbuch, auswendig zu lernen. Das geht immer – auch wenn wir sicher nicht mehr so mühelos lernen wie unsere Grundschüler.

Gebet: Herr, du gibst uns viele Schätze mit den Texten der Bibel. ‚Rettungsanker‘ für unsere Kämpfe im Alltag, Kanäle für Freude und Dankbarkeit. Bibelverse und Lieder, alte genauso wie neue, können uns helfen, Dinge auszusprechen und klar zu bekommen, die uns sonst innerlich immer weiter beschäftigen würden. Danke, Herr, für dieses Angebot. Hilfst du uns, über unseren Schatten der Bequemlichkeit zu springen und uns manches einzuprägen? Amen.

Elfriede Bezold-Löhr  

PS: Wer anfangen will und keinen Computer hat – ‚Macht hoch die Tür‘ ist das allererste Lied im evangelischen Gesangbuch J.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gibt es für Christen Zufälle? ebl

Losung: Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.
Sprüche 16,33

Lehrtext: Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.
Matthäus 10,29

Liebe Losungsgemeinschaft,
gibt es Zufälle? Zerlegen wir dieses Wort, so steckt dahinter doch der Sinn, dass uns etwas passiert, was wir nicht selbst so geplant und durchgeführt haben. Vielmehr begegnet uns etwas ‚von außen her‘ und fordert uns heraus. Manche Menschen sagen: „Genau deshalb gibt es keine Zu-Fälle. Die Dinge kommen, wie sie kommen sollen.“ Und wieder andere Menschen sagen: „Es ist Gott selber, der alles einst in der Schöpfung angestoßen hat und es bis heute bis in jedes Detail hinein bestimmt.“

Matthäus, einer der vier Jesus-Biographen aus dem Neuen Testament, versteht das Leben so. Es gibt nach seiner Überzeugung nichts, was sich der Wahrnehmung Gottes entziehen würde, quasi ‚an ihm vorbei‘ passiert. Selbst die kleinen Lebewesen wie die Sperlinge haben ihren Platz, alles steht in einem bewusst von Gott so gesetzten Kontext.

Wenn wir dieser Deutung gegenüber offen sind, dann können aus netten Zufällen kleine Wunder werden, ‚post-its‘ von Gott in unserem Alltag. Unangenehme ‚Zufälle‘ können uns ins Nachdenken bringen, uns Zusammenhänge deutlich machen, denen wir in unserem eigenen Interesse auf den Grund gehen sollten. Ein kleines Beispiel: Wer ‚zufällig‘ immer wieder Erkältungskeime aufschnappt und wieder und wieder krank wird, könnte darin entweder einen dummen Zufall oder eine Anfrage an seinen Lebensstil sehen …

Gebet: Herr, mach uns wachsam für die Momente in unserem Alltag, wo du uns durch schöne ‚Zufälle‘ beschenkst oder uns durch unangenehme ‚Zufälle‘ Hinweise gibst, mit denen du uns zum Nachdenken bringen willst. Ich möchte glauben, dass du tatsächlich nichts dem ‚Zufall‘ überlässt, wenn es um unsere Welt als deine Schöpfung und um uns als deine geliebten Kinder geht. Amen

Liebe Grüße aus Sommersdorf!
Deine / Ihre
Elfriede Bezold-Löhr







Mittwoch, 9. Dezember 2015

Todesangst bekämpfen. ebl

Losung: „Auf dich, Herr, sehen meine Augen; ich traue auf dich, gib mich nicht in den Tod dahin.“ (Psalm 141, 8)

Lehrtext: „Jesus schlief (während ein schwerer Sturm auf dem See Genezareth losbrach, EBL) hinten im Boot auf einem Kissen. Da rüttelten ihn die Jünger wach und schrien voller Angst: „Herr, wir gehen unter! Merkst du das nicht?“ (Mk.4, 38)

Liebe Leserin, lieber Leser,
David steht Todesangst aus. Wir wissen nicht, warum. Es scheint so, als fühlte er sich so bedroht, dass er am liebsten blindwütig um sich schlagen würde. Doch er ahnt, dass er damit nicht weiterkäme, dass es keine echte Hilfe für ihn wäre. Also betet er. Richtet sich auf Gott aus, indem er ‚von außen nach innen‘ Gott in den Blick nimmt. Vielleicht schließt er dabei seine Augen, um nicht abgelenkt zu sein. Er versucht, still zu werden. Gott soll ihm helfen, er selber ist am Ende seiner Möglichkeiten und seiner Kräfte: „Ich vertraue auf dich. Lass mich nicht kaputtgehen an dem, was ich gerade durchmache.“

Ganz anders die Freunde von Jesus, als sie bei einer stürmischen Bootsfahrt auf dem See Genezareth Todesängste ausstehen. Sie stolpern zu Jesus, der tatsächlich jetzt schläft. Schütteln ihn, bestürmen ihn, schreien ihn an im Tosen des Sturms: „Herr, wir gehen unter! Merkst du das nicht?“

Beten können wir auf ganz unterschiedliche Weise. Indem wir still werden und lauschen. Indem wir schreien und Gott bestürmen. Indem wir singen oder einfach Musik hören, die für uns spricht. Indem wir uns tröstliche Zusprüche von Gott, die wir in der Bibel finden, wieder und wieder innerlich vorsagen. Wie auch immer wir beten – immer treten wir mit Gott in Verbindung. Bauen darauf, dass er existiert, dass wir kostbar für ihn sind und dass er uns hört.

Gebet: Danke, Vater, dass wir dich auf unterschiedlichste Art und Weise erreichen können. Wir bitten dich heute für die, die wie David und wie die Freunde von Jesus von Todesängsten gequält werden: Hilf ihnen. Gib ihnen die innere Sicherheit, dass du da bist und auch durch härteste Zeiten mit ihnen gehst. Gib dich zu erkennen als der, der uns liebt. Amen.


Herzliche Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus
von deiner/Ihrer
Elfriede Bezold-Löhr






Dienstag, 8. Dezember 2015

Gebet für den Klimagipfel in Paris. ebl

Losung: „Vor langer Zeit hast du, Herr, alles geschaffen. Die Erde und die Himmel, alles ist das Werk deiner Hände.“ (Psalm 102, 26 nach Hfa)

Lehrtext: Betet den an, der alles geschaffen hat: den Himmel und die Erde, das Meer und die Wasserquellen.“ (Offenbarung 14, 7)

Liebe Leserin, lieber Leser,
es sind oft die ‚Ränder‘ des Tages, die mich empfindsam machen für das, was mich umgibt.
Wenn noch kein Telefon klingelt und der Bildschirm noch dunkel ist, ziehe ich deshalb meine Laufschuhe an und gehe vor die Tür. Noch ist es zur Zeit draußen Nacht, wenn ich aufbreche. Meine ‚Hausstrecke‘ ist nicht lang, vielleicht zwei Kilometer. Sie führt mich hinaus aus dem Schlosshof, der vom orangefarbenen Licht der Laternen erhellt ist, auf die dunkle Straße. Am Himmel stand heute Morgen sehr klar die schmale Mondsichel, umgeben von gläsern funkelnden Sternen. Anfangs laufe ich immer gen Westen, also in die Dunkelheit hinein. Kehre ich dann um Richtung Sommersdorf, führt mein Weg mich dem Sonnenaufgang entgegen. Die Bäume rund um das Sommersdorfer Schloss waren durch leichten Nebel weich gezeichnet, das erste Morgenlicht färbte den Horizont leuchtend rot.
Da war eine leise Schönheit in der Schöpfung, die gesehen werden wollte. Und die doch unübertrefflich war.

Gebet: Herr, ich danke dir für die Augenblicke, in denen ich spüre, wie phantastisch diese Welt von dir gemacht ist, auf der wir leben dürfen. Hilf mir, hilf uns, diese Schönheit zu erhalten. Dir zur Ehre und für uns und die Menschen nach uns als Lebensgrundlage. Beflügle und segne du die Gespräche auf dem Klimagipfel in Paris. Mach die Entscheider mutig. Amen.


Herzliche Grüße aus Sommersdorf!
Deine / Ihre
Elfriede Bezold-Löhr

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Montag, 7. Dezember 2015

Nicht aufhören, um den Frieden zu beten. Losung und Lehrtext für Montag, 07.12.2015 ebl

Losung: „Alle Menschen kennen den Herrn, das Wissen um ihn erfüllt das Land wie Wasser das Meer.“ (Jesaja 11, 9)

Lehrtext: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen. (1. Tim. 2, 4)

Liebe Leserin, lieber Leser,
der Vers, den wir als ‚Überschrift‘ über diesem Tag haben, ist fast so etwas wie eine Vision, die der Prophet Jesaja hat: Er vertraut darauf, dass eines Tages die Herrschaft über diese Welt von einem ‚Friedefürst‘ ausgeübt wird, wie wir ihn in Jesus dann in Fleisch und Blut kennen lernen. Schon Jahrhunderte vor der Geburt von Jesus, auf deren Feier wir jetzt mit großen Schritten zugehen, hatte Jesaja diese Hoffnung in sich. Jeder, wirklich jeder, so hofft er, wird schlussendlich diesen Jesus von Nazareth, diesen Friedefürsten kennen. Sein Wille wird weltweit gelten – der Friede wird sich am Ende durchsetzen.

Wie groß dieser Traum ist, ahnen wir heute deutlicher denn je. Die globalen Konflikte scheinen fast unlösbar. Einerseits sind wir weltweit verknüpft und alles ist auf Mausklicks zusammengerückt, andererseits verkompliziert sich dadurch auch vieles. Simple Lösungswege gibt es kaum mehr.

Was hilft weiter? Ich nehme den Zusammenhang, aus dem der heutige Lehrtext genommen ist, als Handlungsimpuls aus der Bibel: „Am wichtigsten ist, dass die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet für alle Menschen; bringt eure Bitten, Wünsche, eure Anliegen und euren Dank für sie vor Gott. Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber. So soll es sein, und so gefällt es Gott, unserem Retter. Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen.“

Gebet: Also beten wir, Herr. Bestürmen dich, dass du die Mauern in menschlichen Hirnen und Herzen einreißt, die Friedensplänen im Weg stehen. Mach du das Unmögliche möglich. In Syrien und all den anderen Staaten, in denen Krieg herrscht. Wirke du Wunder in den Runden der Diplomaten und bei den Verhandlungsdelegationen. Gib Geduld und Kompromissbereitschaft, Herr. Halte die Hilfsbereitschaft für Kriegsopfer dort wach, wo Frieden herrscht und ein gutes Leben möglich ist – wie bei uns. Amen.

Herzliche Grüße und einen hoffnungsfrohen Start in die neue Woche!
Deine / Ihre
Elfriede Bezold-Löhr







Sonntag, 6. Dezember 2015

Kinder des Lichts hl

Losung: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Jesaja 60,1

Lehrtext: Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. 1.Thessalonicher 5,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Werde licht!«, sagt der Prophet im Alten Testament. »Du bist ein Kind des Lichts«, sagt der Apostel Paulus im Neuen Testament. Nach den Maßstäben dieser Welt ist nur der ein großes Licht, der aufgrund besonderer Leistungen leuchtet: Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, Albert Einstein… Der Bibel zufolge ist Jesus Christus das Licht. Ich bin so etwas wie eine Laterne, die durch sein Licht erhellt wird und durch deren transparente Fenster es auch anderen scheint. Nein, ich muss nicht selbst licht (hell) werden, muss mich nicht durch besondere Anstrengungen vor Gott hervortun, um heller zu strahlen als andere. Vielmehr würdigt mich Jesus, das Gefäß zu sein, in dem sein Licht, in dem er selbst brennt. Er könnte sich bessere und schönere Gefäße aussuchen, die vielleicht lichtdurchlässiger sind, weil ihre Fenster nicht durch eigenes Versagen und Schuld trübe sind. Aber er will gerade in solchen Menschen leuchten. Die Leuchtkraft seiner Liebe ist stark genug, um auch aus trüben Gefäßen ein helles Licht zu senden.
Er will, dass ich sein Licht, dass ich ihn in mir zu anderen trage. Ich glaube nicht, dass ich darüberhinaus noch etwas Besonderes tun muss. Es reicht, wenn ich ihn bitte, in mir zu wohnen. Die Menschen spüren dann schon, mit wem sie es zu tun haben.
Und so singen und beten wir als »Kinder des Lichts« (Lehrtext) in der Adventszeit:

Gebet:
Komm, o mein Heiland Jesus Christ,
mein‘s Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein,
dein Freundlichkeit auch uns erschein,
dein Heil‘ger Geist uns führ und leit
den Weg zur ew‘gen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr!

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 5. Dezember 2015

Fröhlich sein hl

Losung: Du sollst anbeten vor dem HERRN, deinem Gott, und sollst fröhlich sein über alles Gut, das der HERR, dein Gott, dir und deinem Hause gegeben hat. 5.Mose 26,10.11

Lehrtext: Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 1.Thessalonicher 5,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Du sollst fröhlich sein!« – Das ist doch mal ein guter Impuls für den heutigen Tag! Natürlich geht so etwas nicht auf Knopfdruck. Aber es hilft meines Erachtens schon, wenn man mal darüber nachdenkt, ob es nicht Gründe gibt zum Fröhlichsein wegen all des Guten, das Gott mir und den Meinen gibt. Wahrscheinlich fallen Ihnen / dir auch gleich einige Gegenargumente ein, weshalb du nicht fröhlich sein kannst und willst. Gründe dafür gibt es immer. Und jeder hat in seinem Leben Defizite, die er anstarren kann. Aber das andere gilt ja auch. Ich meine, in jedem Leben gibt es Gründe, um dankbar zu sein. Selbst ein Verunglückter kann dankbar sein, dass es in unserem Land einen Notarzt gibt. Nun ist das nicht immer Grund genug, um auch gleich fröhlich zu sein. Aber Dankbarkeit ist eine gute Voraussetzung dazu.
Es liegt also auch an mir, nach welchen Gründen ich suche: Nach Gründen, um zu jammern und schlechte Laune zu haben oder nach Gründen, um froh und dankbar zu sein. Im Lehrtext fordert uns Paulus auf »in allen Dingen dankbar« zu sein. Das ist ein bisschen arg viel. Schön, wer das kann. Aber es ist doch auch schon was, ein paar Dinge zu sammeln, für die man danken kann.

Gebet: Herr, nimm mir meine unrealistischen Erwartungen und überzogenen Wünsche und gibt mir einen klaren Blick für all das Gute, das du mir jetzt schon schenkst. Wenn ich es recht bedenke, kann ich durchaus froh sein, auch wenn ich mich von Dingen und Menschen belasten lasse. Du belastest mich nicht. Du nimmst mir meine Sorgen und gibst mir ein frohes Herz. Danke!

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. 

Freitag, 4. Dezember 2015

Auf derselben Stufe hl

Losung: Alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt werden, und, die stolze Männer sind, werden sich beugen müssen; der HERR aber wird allein hoch sein an jenem Tage. Jesaja 2,11

Lehrtext: Es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Römer 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Vor Gott sind alle Menschen gleich« – Dieser biblische Satz hatte eine unglaubliche Wirkung. Paulus, der ihn geschrieben hatte, bezog ihn zunächst auf Juden und Heiden. Er sagte damit, dass auch die Rechtgläubigen (Juden) gegenüber den Heiden vor Gott nicht im Vorteil sind, was ihr Verhalten betrifft. Doch der Satz wirkte weiter bis hinein in die Magna Charta, die Reformation, die französische Revolution, in die Verfassung der Vereinigten Staaten und seitdem in die Verfassungen der neuzeitlichen Demokratien. Manchmal wurde dieser Satz säkularisiert. Dann heißt er: „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich“ oder „Alle Menschen haben die gleichen und unveräußerlichen Grundrechte“. In der Nazizeit von 1933-1945 wurde dieser Grundsatz außer Kraft gesetzt, so wie es auch heute noch Länder gibt, in denen er (noch) nicht gilt. Umso froher und dankbarer können wir sein, in einer Demokratie und in einem Rechtsstaat zu leben, wo wir einklagbare Rechte haben und jedem Menschen dieselbe Würde zukommt, er sei deutsch, Ausländer oder Flüchtling.
Die Losung heute im Zusammenhang mit den vorausgehenden Versen gelesen, empfinde ich als eine Mahnung. In einer neueren Übersetzung heißen die Bibelverse: »Israel hat in jeder Hinsicht Überfluss: Das Land ist voll von Gold, Silber und anderen Schätzen;…  Doch auch mit Götzenstatuen ist das Land übersät. Vor selbst gemachten Figuren werfen die Menschen sich nieder und beten sie an… Es kommt der Tag, an dem der Hochmut der Menschen ein Ende hat und ihr Stolz gebrochen wird. Dann wird nur einer groß sein: der Herr!« Für mich ist die Parallele zu unserer Situation heute unübersehbar. Auch wir in Deutschland leben im Überfluss. Auch unser Land »ist voll von Gold, Silber und anderen Schätzen« und ich habe den Eindruck, dass sich viele vor »selbst gemachten Figuren« niederwerfen, und in der Konsum- und Waren-Welt Gott verloren haben. Wird er uns dafür bestrafen? Ich glaube nicht. Ich glaube aber, dass ich mich selbst bestrafe, wenn ich mich überhebe, hochmütig werde und meine, auf Gott und seine Gebote nicht mehr achten zu müssen. Wie heißt es an anderer Stelle in der Bibel (Buch der Sprüche): »Hochmut kommt vor dem Fall.«

Gebet: Herr, bewahre mich vor jeder Art des Hochmutes. Ich weiß doch, dass ich mit allen anderen Menschen vor dir auf derselben Stufe stehe: neben einem muslimischen Mädchen und einem jüdischen Jungen, neben einem atheistischen Mann und einer buddhistischen Frau, neben einem behinderten Kind und einem demenzkranken Greis, neben einem afrikanischen Waisenkind und einem Slumbewohner aus Südamerika, neben Vladimir Putin und Barack Obama. Sie alle sind meine Schwestern und Brüder, weil du unser gemeinsamer Vater bist. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. 

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Den Glauben behalten hl

Losung: Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten aus dem glühenden Ofen. Und wenn er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten wollen. Daniel 3,17.18

Lehrtext: Christus spricht: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Offenbarung 3,8


Liebe Leserin, lieber Leser,

»Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns retten aus…« [hier bitte einsetzen, woraus und wovor er dich retten soll: Sorgen, Ängste, berufliche und/oder finanzielle Probleme, Partnerschaftsprobleme, Krebs, Demenz, Tod…].
Aber nun geht die heutige Losung ja noch weiter. Kannst du das auch so sagen wie Daniel und seine Freunde: »Und wenn er es nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir… [hier bitte einsetzen, was du sagen würdest: Am Glauben festhalten, unser Gottvertrauen nicht wegwerfen, auf Gott weiter hoffen, ihn weiter lieben - oder dass wir umsonst geglaubt und gehofft haben]
Ich weiß es von mir nicht, ob ich so oder so ähnlich reagieren würde wie es im Bibelwort aus dem Buch Daniel steht. Ja, ich habe trotz meiner bisherigen Probleme an meinem Glauben festgehalten, vielleicht sogar wegen ihnen. Aber wenn es um Tod und Leben geht auch bei meinen Angehörigen, wenn ich alles aufgeben und fliehen müsste, wenn ich meine Gesundheit verlöre und wüsste, dass ich vorzeitig sterben muss – würde ich auch dann noch mit meiner kleinen Kraft (Lehrtext) am Glauben festhalten und Gott lieben?  
Wie kann ich das wissen? Ich kann mir das fest vornehmen. Aber meine Hand dafür ins Feuer legen, kann ich nicht. Allerdings, wünschen tue ich mir das schon. Denn wenn ich den Glauben verlöre, so hätte ich alles verloren. Das haben vermutlich auch meine Vorfahren gedacht, die vor 250 Jahren lieber ihre Heimat in Österreich verlassen haben als gezwungenermaßen ihren Glauben aufzugeben.

Gebet: Herr Jesus, ich hoffe, dass ich bis zum Lebensende meinen Glauben behalten kann. Aber selbst wenn ich ihn verlieren sollte, bin ich doch nicht verloren, weil du mich gefunden hast. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. 

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Wo das Himmelreich ist hl

Losung: Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich. 2.Chronik 14,10

Lehrtext: Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich. 2.Timotheus 4,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist Ihnen / dir bewusst, wo das himmlische Reich ist, von dem Paulus in seinem Brief an Timotheus schreibt (Lehrtext)? Ist es im Himmel ‚überm Sternenzelt‘ wie es bei Friedrich Schiller heißt? Liegt es in der Zukunft? Oder wo sonst könnte es sein?
Ich glaube, das Reich Gottes ist einerseits schon da, »mitten unter euch« wie Jesus sagt (Lukas 17,21), andererseits ist es aber noch in der Zeit verborgen, noch nicht „mit Händen zu greifen“. Erst wenn du das Packpapier ‚Zeit‘ entfernst, kommt es gänzlich zum Vorschein. Jesus sagt, das Reich Gottes ist wie ein Schatz, dessen Fundort man kennt, der aber noch in der Ackererde verborgen ist. An anderer Stelle sagt er: Es ist wie eine besonders kostbare Perle, die es tatsächlich gibt, die aber bei einem Juwelier in einem Tresor verborgen liegt. Doch damit es auch für dich da ist und eine Bedeutung für dich hat, musst du diesen Schatz ausgraben mit der Schaufel des Glaubens und die Perle kaufen mit dem Gold des Vertrauens.
Und was ist das „Reich Gottes“ oder, wie man auch sagt, die „Gottesherrschaft“, wovon in den Evangelien sooft die Rede ist? Ich nenne sie die alles bestimmende Kraft, vergleichbar mit der Schwerkraft (Gravitation), die ständig und überall im Universum auf alles eingewirkt. Ohne sie wäre nichts was ist. Durch sie (und die drei anderen Grundkräfte) entstanden und entstehen Sonnen und Planeten, Galaxien und Galaxiengruppen. Sie ist eine der unabdingbaren Voraussetzungen dafür, dass es Leben auf der Erde gibt.
Aber auch die Schwerkraft ist nur ein Werkzeug in Gottes Schöpferhand. Seine alles bestimmende Kraft ist die Liebe. Durch sie hat er die Welt ins Dasein gerufen ebenso wie dich und mich. Sie ist und wirkt in allem. Ohne sie ist nichts, was ist, auch nicht die Schwerkraft. Es wäre für den Glauben alles gewonnen, wenn man in dem ständigen Bewusstsein leben könnte, dass einem Gottes Liebe auf Schritt und Tritt begegnet, nicht nur in den Blumen, sondern auch im Stein. Nicht nur in der Freude, sondern auch im Schmerz. In Hitze und Kälte, Licht und Dunkelheit, im Leben und im Tod, in jedem anderen Menschen, gerade auch in dem, den du nicht magst, und nicht zuletzt in dir selbst. Wie würde sich alles zum Guten wandeln, wenn es gelänge, die Welt und sich selbst so zu sehen!
Nein, Gott ist nicht in der Blume, im Stein, im Menschen, im Schmerz… Sondern das und überhaupt alles ist in Gott, von seiner Kraft geschaffen und durchdrungen. Anders gesagt: Alles ist jetzt schon in seinem himmlischen Reich (wo denn sonst?), von Gottes Herrschaft regiert und bestimmt (von wem denn sonst?), von der Grundkraft der Liebe. Auch du, auch ich, gestern wie heute und morgen. Deshalb macht es auch Sinn, so zu beten wie im heutigen Losungswort und damit zu rechnen, dass Gott hilft so wie jeder von uns damit rechnet, dass die Schwerkraft den Stein anzieht, wenn man ihn aufhebt und fallen lässt, ständig und überall.
Und was ist mit all dem Übel, wovon der Lehrtext spricht? Ich kann es nicht erklären. Aber ich sehe es an als ein Vorletztes, als Meilensteine auf dem Weg zur Erlösung, auf dem Weg zur Erfahrung, dass ich trotz allem Bösen auch jetzt schon im Kraftfeld von Gottes Liebe bin und bleibe. So verstehe ich Jesus, wenn er vom Himmelreich oder vom Gottesreich oder von der Herrschaft Gottes spricht, was alles dasselbe ist. Er hat in dieser Kraft der Liebe geglaubt, gelitten und gelebt, ist in ihr gestorben und durch sie auferstanden, damit ich es ihm gleichtue und du auch.

Gebet: Herr, dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. Sie werden auch in einem Internet-Blog veröffentlicht (klick): Nachdenken über die Bibel

Dienstag, 1. Dezember 2015

Stille hl

Losung: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Psalm 62,2

Lehrtext: Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal ist es am besten, wenn man einfach nur schweigt, auch vor Gott. Wenn man die Stille sucht und einfach nur da ist und hört und lauscht, ob vielleicht der, der auch da ist, Gott, mir etwas zu sagen hat. Gerade dann, wenn so viele aufgeregt sind wegen der Flüchtlinge, wegen der Terroristen, wegen des Klimaproblems,  gerade dann wenn ich selbst aufgewühlt bin wegen dieser oder ganz persönlicher Dinge, gerade dann tut es gut, einfach nur dazusitzen, die Hände in den Schoß zu legen, ruhig und tief zu atmen und Gott machen zu lassen. Vielleicht würde manches in dieser Welt besser laufen, wenn wir Menschen nicht von einer Aufregung zur nächsten hetzen würden, angetrieben durch die Medien oder die eigene Angst. Vielleicht würde manches auch in meinem Leben besser laufen, wenn ich einfach gelassener wäre, einfach vertrauensseliger was Gott betrifft und mir in der Stille die Kraft schenken lassen würde, die ich brauche.
Und dazu gehört das Eingeständnis, dass ich manchmal einfach nicht weiter weiß, ja nicht mal mehr weiß, was ich beten soll, so wie es auch dem Apostel Paulus ergangen ist. Dann hat die Stunde für Gottes Geist geschlagen, der vielleicht kaum wahrnehmbar, doch nicht weniger wirksam hilft. Der verstorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der nach eigenen Aussagen nicht an Gott glaubte, hatte offenbar dennoch eine Ahnung davon, als er sich Johann Sebastian Bachs Motette zu diesem Bibelwort (Lehrtext) für seine Trauerfeier am Montag letzter Woche gewünscht hatte.

Gebet: Herr, rede du, ich höre. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete.