Dienstag, 19. Dezember 2017

Lass die Schlüssel fürs Privatflugzeug hängen hl

LosungKaleb sprach zu Josua: Meine Brüder machten dem Volk das Herz verzagt, ich aber folgte dem HERRN, meinem Gott, treulich. Josua 14,8 

LehrtextSeid standhaft und ihr werdet euer Leben gewinnen. Lukas 21,19 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

gut, wenn du einen Kompass hast, einen inneren Kompass, der die Richtung anzeigt, in die du gehen sollst. Dazu möchte ich von Bill Hybels erzählen, von dem ich bereits in der Losungsauslegung vom 29. November (Der Segen von Willow Creek) geschrieben habe. Ihm hatte sein Vater die Schlüssel fürs Privatflugzeug weggenommen, denn Bill wollte nicht in seine Fußstapfen treten. Er wollte ihm nicht nachfolgen als erfolgreicher Geschäftsmann und nicht das Unternehmen fortführen. Da war der Traum des Vaters zerplatzt, und das Verhältnis zu seinem Sohn war ersteinmal schwer belastet. Doch Bill folgte seinem inneren Kompass. Kurz gesagt, sein Herz schlug für Gott. Seine Leidenschaft war, nach dem Vorbild der ersten Christen eine Gemeinde zu bauen, deren Mitglieder den Glauben in den Mittelpunkt ihres Lebens rücken und Gott mit Hingabe dienen.
     Und so gründete er mit einem Dutzend junger Leute die Willow-Creek-Gemeinde, deren erster Versammlungsort ein Kino war. Der Start war schwierig und auch später gab es immer wieder schwierige Zeiten. Aber schließlich war der Erfolg überwältigend. Heute sind es über 25.000 Menschen, die sich Wochenende für Wochenende in den Willow Creek-Gottesdiensten im Großraum von Chicago treffen. 
        Vielleicht ebenso wichtig sind die Leitungskongresse, die die Willow-Creek-Gemeinde in weit über 100 Ländern in aller Welt Jahr für Jahr durchführt. Da werden Gemeindeleiter trainiert und ermutigt, dem inneren Kompass zu folgen und sich in ihrer Arbeit an der Bibel zu orientieren. So ist Bill Hybels zum einflussreichsten evangelischen Theologen unserer Zeit geworden und inspiriert zahlreiche Gemeinden überall auf der Welt so wie er auch unsere Arbeit inspiriert.
     Wäre er damals lieber weiter mit dem Privatflugzeug geflogen statt ohne Geld, aber mit einem brennenden Herzen eine Gemeinde zu gründen, dann gäbe es in unserer Gemeinde nicht das innovative Kindergottesdienstprojekt „Sonntagskinder“ und auch nicht den zeitgemäßen Lichtblick-Gottesdienst. Dann gäbe es auch nicht diese Losungsauslegungen. Denn die Idee dazu ist mir gekommen, als ich mich mit den Erkenntnissen aus seiner Arbeit beschäftigt habe.
     Zugegeben, Bill Hybels ist ein ausgesprochen begabter Gemeindeleiter mit Charisma und herausragenden organisatorischen Fähigkeiten. Er hat den Mut, die eigene Arbeit anhand der Bibel  immer wieder kritisch zu hinterfragen und neu auszurichten. Ich kenne weltweit keine andere Kirche, die so reformationsfreudig ist. Vielleicht wollen ihm hierzulande deswegen so wenig andere Gemeinden folgen, weil sie, um im Bild zu bleiben, lieber die Schlüssel fürs Privatflugzeug behalten möchten.
     Ich habe das erzählt, weil sich Bill Hybels weder von seinem Vater noch von anderen Autoritäten, die älter und angesehener waren als er, hat verzagt machen lassen (Losung). Er glaubte, dass Gott ihn zu seiner Arbeit berufen hatte. Und darum blieb er dabei.
     Und du? Nein, du musst keine tolle Gemeinde gründen. Nicht jeder ist dazu berufen. Nicht jeder ist mit solchen Fähigkeiten und einem solchen Charisma begabt. Aber auch du sollst die Schlüssel fürs Privatflugzeug hängen lassen und deinem inneren Kompass folgen. Du bist dazu berufen, der zu sein, den Gott gewollt hat. Und er wird dich später einmal nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen oder Martin Luther oder Bill Hybels oder dein Vater oder deine Mutter? Er wird dich einmal fragen: Warum bist du nicht du selbst gewesen? Warum hast du nicht dein Leben gelebt, das ich dir ursprünglich gegeben habe?
     Jeder Mensch kommt im Laufe seines Lebens immer wieder mal an einen Scheideweg, wo er sich fragen muss: Welche Richtung schlage ich ein? Soll ich das tun, was andere von mir erwarten oder das, was meine innere Stimme sagt? Das beginnt mit der Ausbildung, mit der Berufswahl, mit der Wahl des Partners / der Partnerin. Finanzielle und Karriere-Entscheidungen gehören dazu. Aber auch in zahllosen eher unbedeutenden Situationen geht es um die Frage: ‚Was sagt mein innerer Kompass? Wo bleibe ich mir treu, wo nicht? Wo verrate ich meine Werte und wo nicht? Bin ich mir selbst wichtig oder ist der Schlüssel fürs Privatflugzeug wichtiger?‘
     Bei alledem geht es immer auch um den Glauben: ‚Will ich, dass Gott in meinem Leben eine Rolle spielt oder will ich das nicht? Der Lehrtext gibt darauf eine klare Antwort: ‚Sei standhaft. Folge deinem Herzen. Lebe die Bestimmung, die Gott in dich gelegt hat. Sei, wer du bist - und du wirst dein Leben gewinnen!‘ 

Gebet: Ja Herr, ich habe es erlebt: Wenn ich dir nicht gefolgt bin, habe ich mir geschadet. Du verlangst keinen blinden Gehorsam, sondern willst, dass ich so lebe wie du mich geschaffen hast. Denn wenn ich eins bin mit dir, bin ich auch eins mit mir. Wenn ich Frieden habe mit dir, habe ich Frieden mit mir. Hilf mir, jeweils die richtige Entscheidung zu treffen und dem inneren Kompass zu folgen, den du mir gegeben hast. Amen 

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 18. Dezember 2017

Geduldig und ruhig, zuversichtlich und unbeschwert hl

LosungEr gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter. Psalm 105,8

LehrtextWas zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Römer 15,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den beiden Bibelworten heute geht es um die großen Linien, darum, dass sich der ewige Gott mit uns sterblichen Menschen verbunden hat und um sein Versprechen, für uns da zu sein. Das soll mich heute geduldig machen und beruhigen (trösten), dass ich mich nicht über Alltägliches zu sehr aufrege, das ich morgen schon wieder vergessen habe. Dass ich mir nicht unnötige Sorgen über Dinge mache, von denen ich nicht wissen kann, ob sie überhaupt eintreten werden. 
     Losung und Lehrtext weiten meinen Horizont. Sie sagen mir, dass ich auf Gott auch in Zukunft hoffen kann, selbst über mein Leben hinaus. So schaue ich zurück auf das, was Gott mir Gutes getan hat und vertraue, dass er mir auch künftig treu ist. Das ist mir Anker und Halt in einer Welt, wo sich vieles so rasend schnell ändert. Das hilft mir, mich zu orientieren und zurechtzufinden. Hätte ich diesen Anker nicht, ich wäre ein Blatt im Wind der Zeit, bald hierhin, bald dahin geweht. So aber lege ich die Hände zusammen und sage:

Gebet: Herr, im Vertrauen auf dich gehe ich Schritt um Schritt in eine Zukunft, die ich nicht kenne; manches Mal leichten und manches Mal schweren Herzens. Aber ich kenne dich aus deinem Wort. Das macht mich zuversichtlich und unbeschwert. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 17. Dezember 2017

Lass dir die Butter nicht vom Brot nehmen hl

Losung: Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost! Diene dem HERRN, deinem Gott. 1.Könige 2,1-2.3 

LehrtextPaulus schreibt: Wir lassen nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass ihr, des Herrn würdig, ihm ganz zu Gefallen lebt und Frucht bringt in jedem guten Werk. Kolosser 1,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch Könige müssen „den Weg aller Welt“ gehen genauso wie Disteln und Rosen, Flöhe und Elefanten, du und ich. Alle, alle müssen wir sterben. Alle, alle sind wir Weggefährten auf ein und demselben Weg mit ein und demselben Ziel.
     Aber wenn wir auch eines Tages sterben müssen, so doch an allen anderen nicht. Und an diesen Tagen sollten wir das Vermächtnis des Königs David beachten, das er seinem Sohn Salomon gegeben hatte: „Sei getrost!“ Ich würde es heute so sagen „Sei zuversichtlich; lass dich nicht fertig machen und mach dich nicht selbst fertig; denn Davids und Salomos Gott ist auch dein Gott und was er den beiden damals getan hat, das kann er heute auch dir tun!" 
     Ich glaube auch, dass ich ihm am besten diene, wenn ich ihn mir dienen lasse. Wenn ich annehme, was er mir geben will: Segen, Freude, Glaube, Gnade, Vergebung und, wenn "der Weg aller Welt" an sein Ziel gekommen ist, ewiges Leben. 
     Ich brauche aber auch, was Paulus den Christen in der Stadt Kolossae schreibt, dass jemand für mich betet und bittet. Auch "die Erkenntnis seines Willens" ist ja Gottes Geschenk und darum auch die Bereitschaft und Kraft, so zu leben wie er es von mir erwartet und wie es mir gut tut. Dann wird auch für andere Gutes daraus (Lehrtext)

Gebet: Herr, mit dir zusammen lasse ich mir die Butter nicht vom Brot nehmen. Trotz aller negativen Nachrichten in den Medien gebe ich nicht klein bei und verzage nicht. Denn du, der Schöpfer des Himmels und der Erde, bist mein Gott. Du weißt, was du willst und du wirst auch für mich einen Weg haben, wenngleich ich ihn jetzt nicht sehen kann. Gib mir die Geisteskraft, nach deinem Willen zu fragen und ihn zu erkennen. Stärke in mir die Bereitschaft, so zu leben wie es dir gefällt. Dann wird es mir gut gehen und auch denen, die mit mir leben . Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Samstag, 16. Dezember 2017

Machtmissbrauch oder Mut zum Dienen hl

LosungWeh denen, die Unheil planen, weil sie die Macht haben! Micha 2,1 

LehrtextJesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Markus 10,42-43 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das heutige Losungswort hat sich im Lauf der Menschheitsgeschichte schon oft erfüllt. Diejenigen, die Unheil über andere geplant und gebracht hatten, wurden selbst vom Unheil heimgesucht. Hier in Deutschland müssen wir nur 72 Jahre zurückgehen. Damals haben sich Hitler, Göring, Goebbels und Himmler, die erste Garde der unheilvollen Nazis, durch Gift selbst gerichtet. Andere, wie der Hetzer Julius Streicher, die Generäle Keitel und Jodl, der letzte Chef der SS, Kaltenbrunner, der Kommandant von Auschwitz Rudolf Höß und weitere Verbrecher wurden nach dem Prozess in Nürnberg am 16.10.1946 aufgehängt.
     Vor wenigen Tagen hat sich ein kroatischer Kriegsverbrecher vor dem UN-Tribunal in Den Haag vergiftet. Der serbische Staatschef Milosevic, der in den 90er Jahren für die Verbrechen im Bürgerkrieg des zerfallenden Jugoslawien mitverantwortlich war, ist vor ein paar Jahren im Gefängnis gestorben. Andere Kriegsverbrecher vom Balkan, wie zum Beispiel Karadzic, verbüßen zurzeit eine lebenslange Freiheitsstrafe.
     Ich will nicht behaupten, dass Gott selbst es war, der sie auf diese Weise gerichtet hat. Das haben sie selbst oder irdische Gerichte getan. Doch das will ich schon sagen: Wer gegen die fundamentalen Gebote und Lebensgesetze Gottes verstößt, wird in der Regel über kurz oder lang die Folgen tragen müssen. So haben es die Propheten des Alten Testaments den Herrschern zu ihrer Zeit gesagt. Doch diese haben nicht auf sie gehört, sondern sie verfolgt.
     Auch Jesus hat die Mächtigen seinerzeit scharf kritisiert (Lehrtext). Doch er ist nicht gewaltsam gegen sie vorgegangen, sondern verlangt von seiner Gemeinde, dass sie ein Gegenmodell zu den Herrschaftsmodellen der Welt sein soll. In ihm ist Gott selbst auf die Welt gekommen, um uns Menschen zu dienen, den Geringsten zuerst. Zum Zeichen dafür hat er sich mit den Bettlern, Kranken und Ausgestoßenen seiner Zeit abgegeben, hat mit den Sündern zu Tisch gesessen, mit ihnen gegessen und getrunken und kurz vor seinem Tod den Jüngern die Füße gewaschen (Johannes 13,1-15). Und das alles ganz im Sinne des Bibelwortes: Die Ersten werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein. Wo sein Geist unter uns herrscht, da herrscht Gott und stellt die weltlichen und religiösen Rangordnungen auf den Kopf. Wo sonst wäre ein Gott, der Mensch wird, um den Menschen zu dienen und für sie zu sterben?
     Und wie ist es in unseren Kirchen und Gemeinden heute? Sind da diejenigen, die groß sein wollen, der anderen Diener?

Gebet: Herr, ich werde das Wunder wohl nie begreifen, wie du, der König der Welt, der Schöpfer aller Dinge als Kind in einem stinkenden Stall zu uns kommst. Wie kann es sein, dass der Höchste sich selbst zum Untersten macht? Aber so hast du es beschlossen mir zu gut . Darum will ich dich in dieser Welt nicht bei denen suchen, die oben sind, sondern bei denen, die unten sind (Matthäus 25,40). Gib mir die menschliche Größe, dass auch ich dir in den Kleinen und Erniedrigten dienen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Das Versprechen der Neuendettelsauer Diakonissen bei ihrer Einsegnung: "Was will ich? Dienen will ich. Wem will ich dienen? Dem Herrn in seinen Elenden und Armen. Und was ist mein Lohn? Ich diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe." (nach Wilhelm Löhe)

Freitag, 15. Dezember 2017

Von Mose lernen hl

LosungFürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden. Jesaja 54,4 

LehrtextDurch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn. Hebräer 11,27 

Liebe Leserin, lieber Leser,

letzten Sonntag hieß es in der Losungsauslegung „Von Abraham lernen“. Und was ich von ihm lernen kann, ist, im Konfliktfall begütigend zu sein. Heute heißt es „Von Mose lernen“. Und was ich von ihm lernen kann, steht im zweiten Teil des Lehrtextes: „Er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.“
     Wenn ich das nicht nur lese, sondern lerne und tue, so habe ich für meinen Glauben und für mein Leben ganz viel gewonnen. Denn das heißt ja wohl glauben, dass ich auf Gott vertraue, auch wenn ich ihn nicht sehe. So wie Jesus zu Thomas gesagt hat: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Und das heißt ja wohl leben, dass ich mich nicht ständig fürchten muss vor allem und jedem, vor Menschen und Krankheiten, Katastrophen und Tod. 
     Gott verspricht mir in der Losung, dass ich nicht verderben soll. Ich will ihn beim Wort nehmen; denn daran kann ich mich halten, auch wenn ich ihn selbst nicht sehe. Und woran hältst du dich?

Gebet: Mein Gott, ich kann dich nicht sehen. Doch aus der Bibel weiß ich, dass du mir in Jesus begegnest als einer, der mich kennt und versteht, mir vergibt und mich liebt. Das soll mir genügen. Halte mich und gib mir die Kraft, mich an dich zu halten. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Wo bist du? hl

LosungGott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt. 1.Mose 3,9-10 

LehrtextWeil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! Galater 4,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Adam, wo bist du?“ – Das war und das ist die erste Frage, die Gott dem Menschen stellt.  Und da Adam auch für dich und für mich steht, stellt er diese Frage auch dir und mir. Adam, der Mensch schlechthin, hat die Tendenz, sich vor Gott zu verstecken. Ihn plagt ein schlechtes Gewissen, weil er spürt, dass er dem Anspruch seines Schöpfers nicht gerecht wird. 
     Und so versteckt sich der Mensch am liebsten in seinem Unglauben und behauptet, dass es keinen Gott gäbe. Aber Gott findet ihn auch im Unglauben. Und wenn er sich nicht im Unglauben versteckt, so versteckt er sich in seiner Gleichgültigkeit oder in allerlei Geschäftigkeit und behauptet, keine Zeit für ihn und sein Wort zu haben. Egal, der Mensch findet immer ein Versteck, wo er hofft, von Gott in Ruhe gelassen zu werden. Aber Gott lässt ihn, lässt mich und dich nicht in Ruhe. Er ruft: Hans, wo bist du? Er geht mir nach wie der Hirte seinem verlorenen Schaf. Er sucht mich und findet mich. 
     Warum tut er das? Weil ich ihm nicht egal bin. Er fragt mich und würdigt mich damit einer Antwort. Er fragt mich nach meinen Mitmenschen: ‚Wie kommst du mit ihnen aus?‘; nach seiner Schöpfung: ‚Gehst du pfleglich mit ihr um?‘; nach meinem Glauben: ‚Vertraust du mir?‘. Er traut mir zu, dass ich mich ver-Antwort-en kann. 
     Nein, ich muss nicht stumm bleiben. Muss vor ihm keine Angst und kein schlechtes Gewissen haben. Ich bin sein Kind und, wie es im Lehrtext heißt, in mir lebt der Geist Jesu. So kann ich vertrauensvoll zu ihm sagen: 
Gebet: Abba, lieber Vater, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ 

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Äußeres Zeichen, innere Einstellung hl

LosungIch gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen. Hesekiel 20,12  

LehrtextBewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt. 2.Timotheus 1,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche Zeichen deines Glaubens hast du? Bei mir sind es mehrere Bibeln in meinem Bücherregal. Nun gut, ich bin ja auch Theologe. In unserer Diele hängt über der Tür ein Kreuz. Meine Tochter hat eine Halskette mit einem kleinen Kreuz. Sie hat sie von ihrer Patin zur Taufe geschenkt bekommen. Diese Zeichen des Glaubens „kosten“ uns nichts. Wir können sie offen zeigen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Der junge Ägypter an der Rezeption eines Hotels in Sharm El Sheikh am Roten Meer hat direkt unter der Handwurzel ein kleines tätowiertes Kreuz. Das weist ihn als Kopten aus, als ägyptischen Christ. Für ihn ist das nicht ungefährlich, da die Kopten immer wieder mal von radikalen Muslimen angegriffen werden.
     Juden haben als äußeres Glaubenszeichen den Sabbat (Losung). Für sie ist der Samstag, was für uns der Sonntag ist. Das ist schon so seit der Zeit ihres erzwungenen Exils in Babylon vor ungefähr 2500 Jahren. So wie uns Christen das Kreuzeszeichen, so unterscheidet sie die Feier des Sabbats von anderen Religionen und Glaubensgemeinschaften. Zugleich aber gehen die Gläubigen in wohl allen Religionen davon aus, dass die religiösen Zeichen sie mit ihrer Gottheit  verbinden.
     Aber diese äußeren Zeichen sind ja nur ein Hinweis auf die jeweilige innere Einstellung, auf den Glauben. Nicht auf das Kreuz über unserer Dielentür kommt es an, sondern auf den Glauben von einem jeden in unserer Familie; auf das, was der Apostel in seinem Brief an Timotheus schreibt (Lehrtext)Lass dich von dem Glauben und der Liebe leiten, die wir in Jesus Christus haben. Bewahre diese kostbare Gabe, die dir anvertraut ist. Die Kraft dazu wird dir der Heilige Geist geben, der in uns wohnt.

Gebet: Herr, in einer Welt ohne Glauben und Liebe möchte ich nicht leben. Doch ich muss selbst einen Teil dazu beitragen, dass Glaube und Liebe bleiben. Dazu brauche ich die Kraft deines heiligen Geistes. Darum bitte ich dich heute. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 12. Dezember 2017

In Licht getaucht hl

LosungMeine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht. Psalm 119,172 

LehrtextLasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Kolosser 3,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ehrlich gesagt, zunächst leuchtet es mir nicht ein, warum ich besingen soll, dass Gottes Gebote gerecht, also richtig sind. Wenn ich schon singe, dann aus anderen Gründen, zum Beispiel dass ich ihm dankbar bin und mich freue über das, was er mir geschenkt hat. Aber vielleicht darf ich bei der heutigen Losung nicht zuerst an die Zehn Gebote denken, sondern an sein allererstes, sein wichtigstes Gebot überhaupt, wovon ganz am Anfang der Bibel die Rede ist: »Und Gott sprach: Es werde Licht!« (1. Mose 1,3)  
     Dieses Gebot überstrahlt alles weitere, was sonst noch in der Bibel steht. Alles ist in sein Licht getaucht, die ganze Schöpfung, das Leben der Menschen und auch mein Leben bis heute. 
     Doch dann sagt Gott sein Gebot noch einmal auf andere Weise, um seine Menschen zu erleuchten, damit sie verstehen, was genau dieses Licht meint. Durch seinen Engel sagt er zur jungen Maria: »Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben!« (Lukas 1,31). Warum ist das so wichtig, wie das Kind heißen soll? „Gott hilft!“, so heißt der Name 'Jesus' auf Deutsch, so heißt dieses Licht, das von Anbeginn der Welt scheint. 
     "Gott hilft!" - dieser kurze Satz ist das göttliche Wort schlechthin, ist das, was er dir und mir durch Jesus zu sagen hat. Und das ist Gottes größtes Gebot, dass diesen Satz alle Menschen hören sollen. Denn er ist die Antwort auf ihre zahllosen Gebete in zahlreichen Sprachen und Religionen. Nun liegt es an mir, ob ich dieses Licht sehen, diesen Satz hören und ihm Glauben schenken will.
     Gott hilft! – das klingt anders als ‚Kopf hoch‘ oder ‚es wird schon wieder‘. Diese zwei Wörter sind keine Vertröstung, kein billiger Optimismus, sondern eine feste Zusage, die nicht ich gebe, sondern die Gott gibt, indem er seinen Sohn so nennt. Dafür steht Jesus mit seinem Leben ein.
     Alle, die das annehmen, können besonders an Weihnachten „Gott dankbar in ihren Herzen“ singen (Lehrtext). Da liegt das göttliche Wort in der Krippe und taucht die Welt und dein Schicksal in das warme Licht seiner Gnade. 

Gebet: Herr, gib mir Augen, die diese Welt und mich selbst im Licht deiner Gnade sehen können. Gib mir Glauben, um dein Licht in der Krippe zu finden. Gib mir Hoffnung, dass du auch künftig helfen wirst wie du bisher schon geholfen hast. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 11. Dezember 2017

Du bist gesegnet hl

LosungDer HERR segne dich und behüte dich. 4.Mose 6,24 

LehrtextSegnet, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 1.Petrus 3,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit den Worten aus der heutigen Losung beginnt der Segen, der am Schluss eines Gottesdienstes gesprochen wird. Ich weiß von einem, der hauptsächlich wegen dieses Segens in die Kirche kommt. Alles andere wie Predigt, Lieder oder Gebete kommt für ihn erst danach. Er möchte als ein von Gott Gesegneter in den Sonntag und in die neue Woche gehen. Aber nun frage ich dich: „Hand aufs Herz, kannst du sagen, was das Wort ‚segnen‘ bedeutet?“
     Ich halte mich daran, was segnen auf Lateinisch heißt: benedicere. Der Vorname ‚Benedikt‘ kommt zum Beispiel daher. Übersetze ich dieses Wort wortwörtlich zurück ins Deutsche, so heißt segnen ‚Gutes sagen‘. 
     Das Losungswort heißt also: ‚Der Herr sage Gutes zu dir …‘ Das ist schon mal ein schönes Gefühl, wenn ich weiß, dass Gott mir Gutes sagt und gut mit mir spricht. Doch was könnte dieses ‚Gute‘ sein? Dazu fällt mir ein, dass das Evangelium wortwörtlich ins Deutsche übersetzt ‚Gute Nachricht‘ heißt. Wenn ich das nun alles zusammensehe, dann heißt segnen, dass Gott mir die gute Nachricht von Jesus Christus sagt so wie sie der Engel zuerst Maria und dann den Hirten von Bethlehem gesagt hat. Ich bin also gesegnet mit seiner Zusage, dass Jesus mein Heiland ist („Denn euch ist heute der Heiland geboren“...) und mein Herr (...„welcher ist Christus, der Herr“ siehe Lukas 2,11) . In diesem Kind begegnet mir Gott und dir auch. 
     Aber Segen hat auch eine kreatürliche Komponente. Im Alten Testament ist damit Fruchtbarkeit und Wachstum gemeint, Wohlstand und äußerer Friede, ein langes, zufriedenes Leben unter Gottes Schutz. Als einer, der so gesegnet ist, kann ich, kannst du auch für andere ein Segen sein (1. Mose 12,2), kannst ihnen Gutes sagen und tun. Dazu sind wir beide berufen (Lehrtext). 

Gebet: Der Herr segne mich und behüte mich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über mir und sei mir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf mich und gebe mir Frieden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 10. Dezember 2017

Von Abraham lernen hl

Losung: Abraham sprach zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. 1.Mose 13,8 

LehrtextEs sind viele Glieder, aber der Leib ist einer. 1.Korinther 12,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

von Abraham kann man lernen. Er war ein verträglicher Mensch. Ihm lag daran, mit seinem Neffen gut auszukommen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie ja verwandt waren. Doch so etwas klappt nur, wenn ich zum Kompromiss bereit bin. Wenn es mir gelingt, dass für beide Konfliktparteien eine WIN-WIN-Situation entsteht, also jeder etwas davon hat, dass man sich  verträgt und sich keiner auf Kosten des anderen durchsetzt..
     Oft werden die billigen Siege in einem Streit teuer erkauft. Du hast dann zwar zweifach „gewonnen“. Hast gegen deinen Kontrahenten gesiegt. Aber gleichzeitig hast du einen Feind gewonnen. Oft stellt sich das dann als Verlust heraus, der schwerer wiegt als der Sieg. Denn wenn ich mir einen Feind geschaffen habe, bleibt die eigene Seele davon nicht unberührt. Es herrscht dann eine permanente Spannung zwischen mir und ihm. Das ist ähnlich einer langwierigen Entzündung, die nicht weggehen will. In einem Dauerstreit zu leben, tut einfach nicht gut, selbst wenn der andere weit weg wohnt. Und nicht selten kommt es vor, dass dann einer von beiden stirbt, ohne dass der Streit zuvor beigelegt werden konnte. Ob das dann für den, der zurückbleibt, so ein tolles Gefühl ist?
     Von Abraham kann man lernen, dass das Gemeinsame wichtiger sein soll als das, was im Augenblick trennt. Natürlich gibt es immer wieder Streit nahezu überall. Aber er müsste nicht eskalieren, wenn beiden Seiten bewusst wäre, dass sie ein und denselben Gott haben. Oder, wie Paulus im Lehrtext schreibt, dass wir Christen Glieder an dem einen Leib sind, dessen Haupt Christus ist. Gott sei Dank sind wir unterschiedlich, sonst könnte der Leib nicht leben. Ein Körper kann nicht nur Hände oder Füße oder Augen haben. Sondern die unterschiedlichen Glieder wirken für das Ganze zusammen und bilden so eine Einheit. Sie alle aber werden vom Kopf regiert, genauer, vom Gehirn. Wenn die Verbindung  von einem Glied zum Gehirn aber abgerissen ist, dann ist etwas faul. Dann ist etwas krank. Dann ist der ganze Leib in Mitleidenschaft gezogen.
     Von Abraham kann man lernen, dass man im Konfliktfall miteinander redet. Und dass der Ton die Musik macht. Dafür gibt es das schöne alte deutsche Wort „begütigend“. Ja, so möchte auch ich kommunizieren: Nicht Öl ins Feuer gießen, sondern begütigend miteinander reden, so, dass der andere sein Gesicht wahren kann und den Streit beilegen. Immer klappt das wohl nicht. Aber doch ziemlich oft, wenn ich mich darum bemühe.
     Und wenn man dann doch streitet, gibt es immer noch die Möglichkeit, nach einer gewissen Zeit dem anderen zu verzeihen und selbst um Verzeihung zu bitten.

Gebet: Herr, wenn ich mit jemand anderem im Streit liege, misch dich bitte ein. Nicht, damit du mir Recht gibst, sondern die Augen öffnest. Damit ich den anderen und seine Motive besser verstehe und ich vom Baum meiner negativen Emotionen wieder herunterkomme. Ich will mir an dir ein Beispiel nehmen, der du mit den politischen und kirchlichen Autoritäten deiner Zeit gestritten, sie aber nicht verdammt hast. Du bist nicht im Hass auf sie gestorben, sondern hast den Vater im Himmel gebeten, ihnen zu vergeben. Wie viel mehr kann ich bereit sein zu vergeben, den Ausgleich zu suchen und zu verzeihen. Habe ich doch weit weniger zu erdulden als du. Aber ich will auch selbst für manches unbedachte Wort um Verzeihung bitten und ein verträglicher Mensch wie Abraham werden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 9. Dezember 2017

Selbstsicher werden hl

LosungDen Demütigen wird der HERR Gnade geben. Sprüche 3,34 

LehrtextSeid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht. Philipper 2,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Selbstvertrauen? Kannst du in der Öffentlichkeit selbstsicher auftreten? 
Ja? Dann lass dir dein Selbstvertrauen von niemandem infrage stellen. 
Nein? Dann stelle dich infrage: 'Warum habe ich so wenig Selbstvertrauen und bin ich anderen gegenüber oft so unsicher?' 
     Muss das so bleiben. Nein, muss es nicht. Natürlich sind manche von Natur aus selbstsicherer als andere. Das hat viel mit Erziehung zu tun und damit, wie du dich von anderen behandeln lässt. Aber es hat meiner Meinung nach auch mit dem Glauben zu tun.
     Manche kriegen ein schlechtes Gewissen, wenn sie an Gott denken, weil sie meinen, seinen Ansprüchen nicht zu genügen. Dann fühlen sie sich schlecht oder gar sündig. Aber was soll das dann für ein Gott sein? Jedenfalls nicht der, der sich uns in Jesus Christus zeigt, von dem die schwangere Maria sagt: "Mir, seiner Dienerin, hat Gott Beachtung geschenkt, und das, obwohl ich gering und unbedeutend bin." Ja, "gering und unbedeutend" so urteilten die Leute damals über Maria, dieses junge, dumme Ding. Und so hat sie sich wohl auch selbst gesehen. Doch jetzt fährt sie fort: "Von nun an und zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen, denn er hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist!"  Und weiter: "In alle Winde zerstreut er, die stolz und hochmütig gesinnt sind. Die Mächtigen stürzt er vom Thron und erhebt die Geringen.(Lukas 1, 46-52)
     Gott erhebt die Geringen, nicht nur diese eine Geringe. Er hat Maria ausgewählt, Jesus zur Welt zu bringen, dessen Name auf Deutsch heißt "Gott hilft". Er hat sie für dich ausgewählt, damit auch du wissen sollst: "Ich bin von ihm nicht vergessen. Ich bin für ihn wertvoll und einzigartig. Bin seine Tochter, bin sein Sohn, was immer auch andere von mir denken mögen. Er ist der König über alle Könige und ich bin seine Prinzessin, sein Prinz. Warum? Weil ich eine Schwester, ein Bruder von Jesus bin." So sagt es die Bibel, nicht ich. So kannst du es glauben.
     Und in diesem Glauben kannst du dich neu sehen. Mit diesem neuen Selbstvertrauen kannst du unter die Leute gehen. Und wenn dich jemand von oben herab behandeln und dich herabsetzen will, dann frage ihn "Wer sind Sie, dass Sie so mit mir reden?" Oder dann denke dir wenigstens: "Ich weiß, wer ich bin. Er kann mich nicht klein machen. Er macht sich auf diese Weise nur selbst klein. Ich sollte mich von ihm nicht beleidigen lassen, sondern Mitleid mit ihm haben."
     Der Glaube kann dein Selbstwertgefühl stärken, denn vor Gott steht niemand höher als du. Aber auch niemand tiefer. Demütig im Sinne der Bibel sind nicht die, die von sich selbst nichts halten, sondern die darauf verzichten hochmütig zu sein; die nicht immer nur an sich selbst denken, sondern die auch den anderen mit seinen Bedürfnissen im Blick haben und sich bemühen, ihn zu verstehen. Die wie Jesus gesinnt sind oder es wenigstens versuchen. Denn er, der Höchste, hat die Menschen nicht klein gemacht, sondern ist in Bethlehem selbst klein geworden, um dich und mich groß zu machen, um dir und mir zu dienen und nicht uns herumzukommandieren.
     So stärkt er im Glauben deinen Selbstwert, damit du selbstsicher sein kannst. Und wenn du dich wieder mal schlecht fühlst oder selbst schlecht machst, dann stell dich vor den Spiegel und sage: 'Man mag mich vielleicht nicht. Ich mag mich gerade nicht. Gott mag mich. In seinen Augen bin ich wertvoll. Darum lasse ich mich von niemandem abwerten, auch nicht von mir.'

Gebet: Herr, du übersiehst niemanden und siehst auf niemand herab. Denn du bist in Jesus gekommen, um denen, die in dieser Welt wertlos sind, ihren Wert zu geben, um die Erniedrigten wieder aufzurichten, um bei denen zu sein, die ganz unten sind. Wo sonst ist und wer sonst wäre ein Gott wie du, der du mitfühlend bist und dich deiner Menschenkinder erbarmst. Gemeinsam mit Maria preise ich dich, weil du so groß bist, dass auch die Kleinen für dich wichtig sind, weil du so vollkommen bist, dass du auch den Versagern vergibst. Ich will mein Leben lang nicht  vergessen, dass ich dir gehöre und dein Kind bin. Das gibt mir eine Würde, die mir niemand nehmen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 8. Dezember 2017

Vom freien Willen und vom eigenen Glauben hl

LosungErfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Psalm 51,14 


LehrtextDie Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Lukas 17,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

stimmt, wir haben einen freien Willen. Oder nicht? Die Wissenschaft ist sich darüber nicht einig. Und in der Bibel stehen Sätze wie das heutige Losungswort oder auch das Wort von Jesus „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“, oder das von Paulus »Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.« Und dann steht in der Bibel natürlich dieses große Wort aus dem Vaterunser: „Dein Wille geschehe“. Ihmzufolge kommt es auf meinen menschlichen Willen gar nicht an. Oder doch? 
     Jedenfalls ist die Sache mit dem Willen ein bisschen verwirrend, auch wenn man sich selbst beobachtet. So viel ist mir inzwischen klar: Ich brauche Gottes Hilfe, um etwas Gutes nicht nur zu wollen, sondern auch zu tun. Das ist meine Lebenserfahrung. Und darum finde ich auch die Gebetszeile aus dem Psalm 51 (Losung) so wichtig.
     Gleiches gilt für den Glauben. Einerseits ist der Glaube meine Sache. Andererseits, wie soll ich glauben, wenn Gott mir nicht Glauben schenkt? Das war auch den ersten Christen klar. Deshalb heißt es im Neuen Testament im Brief an die Hebräer: »Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebräer 12,2). Nicht einmal der Glaube ist also mein Verdienst. Sondern alles ist Gnade, Geschenk. Alles. Darum soll man den Glauben eines jeden Menschen achten, auch wenn er mit den eigenen Glaubensvorstellungen nicht übereinstimmt. Wer bin ich denn, dass ich einem anderen den Glauben absprechen dürfte! Schließlich will ich auch nicht, dass mir einer den Glauben abspricht.
     Und das ist meine Grundüberzeugung zu diesem Thema: Glauben heißt vertrauen und nicht irgendwelche Dinge fürwahrhalten. Denn der Glaube, das ist meine persönliche Beziehung zu Gott und Jesus Christus, ist das Vertrauen, dass er mich liebt und mir das Geschenk macht, ihn und meinen Nächsten wiederzulieben wie mich selbst. Daran will ich festhalten, was auch immer geschieht. Und dazu brauche ich seine Hilfe.
Gebet: Herr, mancher möchte glauben können und kann es doch nicht, weil er sich mit seinen Zweifeln selbst im Weg steht. Ich bitte dich, dass du diesen Menschen zum Glauben hilfst und ihnen andere über den Weg schickst, die für sie eine Hilfe sein können. Ich bitte dich auch für mich, dass du meinen Willen und meinen Glauben immer wieder stärkst, und ich nicht an meinen Grenzen scheitern muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Geben und nehmen hl

LosungHERR, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote. Psalm 119,64 

LehrtextDient einander - ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat - als gute Haushalter der vielfältigen Gnade Gottes. 1.Petrus 4,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Menschen haben lange gebraucht, bevor wir endlich anfangen zu begreifen, wie alles mit allem zusammenhängt und aufeinander einwirkt. Das Leben insgesamt ist ein fein gesponnenes, buntes Gewebe, in dem wir Menschen, in dem du und ich eine Faser sind genauso wie Gräser und Bäume, Kleinstlebewesen und Tiere. Wenn es zerrissen wird, sind wir alle betroffen. Darum tue ich gut daran, mir bewusst zu machen: Nichts, was geschieht, nichts was ich fühle, denke, sage, tue oder unterlasse ist belanglos und folgenlos. Das gilt im Bösen wie im Guten. Die heutige Losung bringt mich dazu, auf das Gute zu schauen, auf die Güte Gottes, die unsere Erde erfüllt.  
     Ich sehe sie in meiner Familie; in einem Wolkenloch mitten an einem grauen Novembertag, durch das die Sonne scheint; im gut gefüllten Kühlschrank; in der schneebedeckten Landschaft um unser Haus. Ich erlebe Gottes Güte in meiner Freude an der Musik und daran, dass ich glauben kann. Gerade meinen Glaube erlebe ich als ein Geschenk des gütigen Gottes, das mich bereichert. 
     Der zweite Teil der heutigen Losung heißt: »Herr, lehre mich, deine Gesetze zu verstehen«.  Zu diesen Gesetzen gehört, dass ich zufriedener sein kann, wenn ich dankbar bin; gelassener, wenn ich auf Gott vertraue und fröhlicher, wenn ich ihn mit einem Lied oder einem Gebet lobe für das, was er mir Gutes tut. Dazu gehört auch, dass es ein schönes Gefühl ist, anderen Gutes zu tun (Lehrtext). Wenn es mir gelingt, nach diesen Gesetzen zu leben – und das gelingt mir leider nicht immer –, dann geht es meiner Seele gut. Doch dazu muss ich jeden Tag von neuem bewusst und aktiv gestalten, auch bewusst und aktiv glauben. Das fällt mir mal leichter und mal schwerer, je nachdem, wie es mir gerade geht.
     Der Lehrtext ist ein Gebot des Apostels, wie ich mit meinen Gaben umgehen soll. In einer neueren Übersetzung heißt es: »Jeder soll dem anderen mit der Begabung dienen, die ihm Gott gegeben hat. Wenn ihr die vielfältigen Gaben Gottes in dieser Weise gebraucht, setzt ihr sie richtig ein.« Das Zusammenleben ist ein stetes Geben und Nehmen, so selbstverständlich wie das Ein- und Ausatmen. Wer hauptsächlich nimmt, beschädigt die Gemeinschaft. Wer hauptsächlich gibt, verausgabt sich. 
     Das Leben ist ein fein gesponnenes, buntes Gewebe, das trägt und hält, wenn alles im Gleichgewicht ist, wo keiner auf Kosten anderer lebt und vor allem wir Menschen nicht auf Kosten der Natur. Es wird Zeit, dass ich dieses Gesetz Gottes endlich begreife und danach lebe.

Gebet: Herr, ich habe so viel Gutes von dir bekommen und bekomme es jeden Tag neu. Dafür danke ich dir. Ich möchte davon wieder etwas zurückgeben an meine Mitmenschen und an meine Mitgeschöpfe, die Tiere. Doch auch das gelingt mir nur, wenn du mir dabei hilfst. Amen

Herzliche Grüße

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Es ist nicht egal, wie es zugeht hl

LosungIch will meiner Herde helfen, dass sie nicht mehr zum Raub werden soll. Hesekiel 34,22

LehrtextChristus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben. Epheser 5,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du mit unserer Regierung zufrieden? Wahrscheinlich kannst du einige Dinge nennen, die besser sein könnten. So geht es mir auch. Und allmählich wird es auch Zeit, dass wir endlich wieder eine handlungsfähige, stabile Regierung bekommen, damit wichtige Entscheidungen getroffen und Reformen durchgeführt werden können. Vor allem im Bereich der Landwirtschaft herrscht dringender Handlungsbedarf, wenn ich an das viele Pflanzengift und die Gülle-Mengen auf Feldern und Wiesen denke Dadurch hat die Artenvielfalt bei den Blühpflanzen dramatisch abgenommen und ein folgenschweres Insekten-  und Vogelsterben eingesetzt. Wir erleben das auf dem Land hautnah. Unser 'Tropfen auf den heißen Stein' sind viele Nistkästen, die wir in unserem naturnahen Garten aufhängen. Und jetzt im Winter füttern wir fleißig die Vögel. Da aber ihr Nahrungsangebot im Sommer durch die industrielle Landwirtschaft drastisch zurückgegangen ist,  werden wir sie nun ganzjährig füttern, vor allem während der Brutzeit. 
     Auf diesem Politikfeld hat unsere Regierung bisher keine gute Arbeit gemacht. Es wird höchste Zeit, dass sich das ändert. Sonst wird weiter aus kurzsichtigen Profitinteressen an dem Ast gesägt, auf dem wir alle sitzen. Denn das große Sterben macht bei Bienen und Vögeln nicht halt. 
     Andererseits gilt aber auch, dass wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch immer gut dran sind. Unsere Demokratie funktioniert, ebenso unser Rechtsstaat. Das war zur Zeit des Propheten Hesekiel anders. Und bis heute werden viele Menschen vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika schlecht regiert. Auf ihre politischen Führer trifft weitgehend zu, was der Prophet zu den Regierenden seiner Zeit gesagt hat:
     Wieder empfing ich eine Botschaft vom HERRN. Er forderte mich auf: »Du Mensch, richte den führenden Männern von Israel diese Worte aus! So spricht Gott, der HERR: Wehe euch, ihr Führer Israels! Ihr solltet für mein Volk wie Hirten sein, die ihre Herde auf eine gute Weide führen. Aber ihr sorgt nur für euch selbst. Die Milch der Schafe trinkt ihr, aus ihrer Wolle webt ihr euch Kleidung, und die fetten Tiere schlachtet ihr (= ihr legt ihnen eine drückende Sreuerlast auf). Aber um eure Herde kümmert ihr euch nicht! Stattdessen herrscht ihr mit Härte und Gewalt. Ich, Gott, der HERR, schwöre, so wahr ich lebe: Jetzt ist Schluss damit!  Anstatt euch um die Herde zu kümmern, habt ihr nur an euch selbst gedacht. 
     Darum lasst es euch gesagt sein, ihr Hirten: Ihr bekommt es mit mir zu tun! Ihr sollt nicht länger ihre Hirten sein. Ich lasse nicht mehr zu, dass ihr nur für euch selbst sorgt; ich rette die Schafe aus euren Klauen, damit ihr sie nicht mehr auffressen könnt!« Denn so spricht Gott, der HERR: »Von nun an will ich mich selbst um meine Schafe kümmern und für sie sorgen. Ich rette meine Schafe vor euch und eurer rohen Gewalt« (Losung).
     Dieser Abschnitt aus dem Prophetenbuch ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es Gott nicht egal ist, wie es seinen Menschen geht, wie sie behandelt und regiert werden. Und deshalb haben die Gläubigen bis heute den Auftrag, die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft mit ihrem Gebet, aber auch mit Kritik zu begleiten, damit diese die Missstände beseitigen und zum Wohl des Landes regieren. Nein, wir können uns nicht raushalten, weil wir es nicht dürfen.
     Im Lehrtext heißt es, dass Jesus seine Gemeinde geliebt und sein Leben für sie gegeben hat. Der Apostel nimmt das als Beispiel, dass Männer ihre Frauen wie das eigene Leben lieben sollen. Es ist eben nicht egal, wie es im alltäglichen Zusammenleben, wie es in der Partnerschaft und Familie zugeht. Geht es im Kleinen gut, wirkt sich das positiv auf das Land im ganzen aus, denn auch „das Private ist politisch“ (Parole der Frauenbewegung)

Gebet: Herr, ich bitte dich für alle, die unser Land regieren, für die Politiker in Berlin genauso wie für die Bürgermeister und Gemeinderäte in unseren Dörfern: Gib ihnen deinen Geist, dass sie sich besonnen und verantwortungsbewusst für das Wohl der Menschen einsetzen, die du ihnen anvertraut hast, dass sie die Schöpfung bewahren und unsere Lebensgrundlagen erhalten, dass sie der Gerechtigkeit und dem Frieden dienen. Segne du ihre Arbeit. Segne aber auch unsere Bemühungen, wenn wir im Kleinen unseren Teil für das große Ganze tun. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 5. Dezember 2017

Worte, die wirken hl

LosungMose sprach: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge. Denn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben. 5.Mose 32,46.47 

LehrtextEs war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. Johannes 1,6.8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vorgestern erzählte mir eine Frau, dass ihr Mann nach einer schweren Operation zu ihr sagte: „Ich habe das große Licht gesehen.“ Viele, die ein sogenanntes Nahtod-Erlebnis hatten, können Ähnliches berichten. Die Medizin versucht zu erklären, wie in einer extremen gesundheitlichen Situation durch biochemische Prozesse im Gehirn solche Lichterscheinungen entstehen. Astrophysiker können inzwischen ziemlich genau erklären, wie die Welt entstanden ist. Aber beide können nicht erklären, was das bedeutet und welchen Wert es für einen Menschen hat. 
     Und genau darum geht es in Losung und Lehrtext heute. Der Patient, von dem ich oben geschrieben habe, konnte nach seiner Operation bezeugen, dass es so war, dass er dieses große Licht gesehen hatte und daraufhin tief getröstet war. Er kann das nicht beweisen. Ich kann ihm das nur glauben. Er ist sozusagen sein eigener Zeuge. 
     Mose hat den Israeliten bezeugt, dass es Gott war, der zu ihm gesprochen hatte und dass diese Worte für sie lebenswichtig seien. Er konnte das nicht beweisen. Sie konnten ihm das nur glauben. Sie fragten sich: War Mose bisher normal? War er bisher ein verständiger, kluger Mann? Konnte man ihm bisher trauen? Wenn ja, dann wollen wir ihm auch sein Zeugnis glauben.
     Auch Johannes der Täufer hatte davon gesprochen, dass er das große Licht gesehen hatte. Aber nicht irgendeins, sondern ein ganz bestimmtes. Es leuchtete für ihn auf in der Person des Menschen Jesus von Nazareth. Er konnte das nicht beweisen. Die Leute damals konnten ihm nur glauben. Dieses Erlebnis vor anderen zu bezeugen, war der Auftrag, den Johannes von Gott bekommen hatte. Wir heute haben die Möglichkeit, ihm 2000 Jahre später ebenso zu glauben wie die Menschen damals.
     Du und ich, wir können wählen, ob die Worte der Bibel für uns einen Wert haben oder nicht. Ob wir ihnen Glauben schenken wollen oder nicht. Wenn wir ihnen aber Glauben schenken, dann verändern sie unser Leben wie sie das bisher schon bei zahllosen Menschen getan haben. Und vielleicht hast ja auch du schon die Erfahrung gemacht, dass dich die Worte der Bibel heilsam verändern.

Gebet: Herr, was ich von dir aus der Bibel weiß und was andere von ihrem Glauben erzählt haben, das hat auch mich verändert. Dein Wort hat eine starke Wirkung. Das kann ich bezeugen. Aus ihm leuchtet das große Licht, das du zu uns nach Bethlehem gebracht hast, damit niemand mehr einsam und ohne Hoffnung leben muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 4. Dezember 2017

Nach vorn schauen hl

LosungSiehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. Jesaja 65,17 

LehrtextSeid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten. Lukas 12,36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wer Visionen hat , soll zum Arzt gehen“, sagte der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, dieser nüchterne Hanseate. Er war ein pragmatischer und realistischer Politiker. Das sind keine schlechten Eigenschaften in einer Welt, die sich schnell über dieses und jenes erregt und es morgen schon wieder vergessen hat. Andererseits steht in der Bibel „Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.“ (Sprüche 29,18) Eine gute Vision zeigt eine bessere Zukunft als die Gegenwart ist. Sie gleicht einem Leuchtturm, der Schiffen im Sturm den Weg in den sicheren Hafen weist. 
     Als es dem Volk der Israeliten schlecht ging, war der Prophet Jesaja für sie ein solches Licht. Er sah nicht nur das Elend um sich her. Im Glauben sah er weit darüber hinaus. Im Glauben hörte er Gottes Wort von einer neuen Welt, die alles in den Schatten stellt, was war und was ist. Und so sagte er: "So spricht der Herr: »Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird. Freuet euch über das, was ich schaffe. Denn ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagen... Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem  heiligen Berge.« 
     Mit dieser Vision vor Augen richtete der Prophet Jesaja die Israeliten wieder auf, gab ihnen Kraft, in den schweren Zeiten durchzuhalten und flößte ihnen neue Hoffnung ein. Wohlgemerkt, er sagte nicht ‚Wir schaffen das schon‘. In seiner Vision war es Gott, der diese neue Zukunft schafft, den neuen Himmel und die neue Erde. Natürlich wussten die Israeliten, dass es in ihrer damaligen Welt nicht dazu kommen würde, dass die Stimmen des Weinens und Klagens verstummen, Wolf und Lamm beieinander weiden und Löwen Stroh fressen. Und doch hatten sie jetzt eine Zukunft vor Augen, die weit über die Gegenwart hinausreichte. Sie schauten wieder erwartungsvoll auf Gott, der die Macht hat, nach dieser alten Welt und Zeit etwas Neues zu machen. Er würde auch in dieser vergänglichen Welt wieder die Sonne scheinen lassen. Er würde die Umstände, in denen seine Menschen klagen, so ändern, dass sie wieder Grund zum Jubeln hätten und die, die jetzt weinen, wieder Grund zur Freude. So ließ der Prophet seine Mitmenschen damals wieder nach vorn schauen in eine bessere Zukunft, auf Gott. 
     Auch Jesus  richtet seine Gemeinde nach vorn aus, wenn er sagt: »Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten (Lehrtext). Wenn er zurückkommt und klopft, können sie ihm schnell öffnen. Ja, glücklich schätzen können sich alle, die der Herr so antrifft! Er wird sie bitten, am Tisch Platz zu nehmen, und er selbst wird sich eine Schürze umbinden und sie bedienen
     Ich verstehe das so: Die zu ihm gehören, sollen in der Gegenwart nicht aufgehen, sich nicht endgültig einrichten in dieser Welt. Wir alle haben von Gott noch etwas zu erwarten. Plötzlich kommt von ihm eine Gelegenheit, die mein Leben zum Guten ändern kann. Plötzlich kommt er selbst und lässt mich seine Nähe spüren. Schade, wenn ich dann nicht darauf vorbereitet bin. Ich jedenfalls nehme mir vor, weiterhin damit zu rechnen, dass Gott mich auf gute Weise überrascht. Allerdings tut er das zu seiner Zeit und nicht dann, wenn es mir passt. 

Gebet: Herr, viele würden es auf dieser Welt nicht mehr aushalten, würden sie nicht darauf hoffen, dass du ihre Lage zum Besseren wendest. Du wirst niemanden enttäuschen, der auf dich hofft. Du wirst für jeden einen Weg finden, der durch diese alte Welt in deine neue führt, auch wenn ich diesen Weg jetzt nicht sehen kann. Denn einmal wird alles gut, alles. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 3. Dezember 2017

befreit hl

LosungSinget dem HERRN ein neues Lied, seinen Ruhm an den Enden der Erde. Jesaja 42,10 

LehrtextZacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk. Lukas 1,67-68 

Liebe Leserin, lieber Leser,

sitzt du im Gefängnis? Ist die Partnerschaft für dich ein Gefängnis oder der Beruf, eine Krankheit oder die Einsamkeit, eine Sucht, eine schlechte Angewohnheit oder die Trauer um einen Menschen? Manche sitzen im Gefängnis ihrer Vorurteile und Unwissenheit, ihres Hasses auf alles Fremde und ihrer Hartherzigkeit. Und so gibt es noch viel mehr Gefängnisse, in denen Menschen ihr Leben zubringen wissentlich oder unwissentlich, aus eigenem Verschulden, aus Fremdverschulden, weil sie keinen Ausweg sehen oder sogar freiwillig.
     Hast du schon mal darüber nachgedacht, was dich gefangen nimmt? Und wenn es so ist, hast du schon mal darüber nachgedacht, ob du aus Angst vor Veränderung im Gefängnis bleibst oder weil du dafür bemitleidet wirst? Ja, auch die Freiheit kostet ihren Preis, und viele sind nicht bereit ihn zu zahlen.
     Vielleicht sitzt du aber gar nicht im Gefängnis, sondern fühlst dich in deiner Haut und in deinem Leben wohl. Dann möchte ich dir gratulieren. Vielleicht warst du früher in irgendeiner Weise gefangen und bist jetzt frei. Und vielleicht hat das auch damit zu tun, dass dein Glaube dich frei gemacht hat. Wenn das so ist, kannst du dein Klagelied vergessen, kannst "ein neues Lied singen" (Losung) und mit Zacharias (Lehrtext) sagen: 

Gebet: „Herr, ich lobe dich und freue mich, dich zu kennen. Denn du bist zu mir gekommen und hast mich befreit. Du hast das Gitter der Angst zerbrochen und mir die Tür in die Freiheit geöffnet. Und wenn ich auch äußerlich eingesperrt bin, so bin ich doch innerlich frei; denn du bist bei mir und wo du bist, da ist Freiheit (2. Kor. 3,17b). Amen

Sitzt du im Gefängnis? Nimmt dich irgendetwas gefangen? Dann finde dich nicht damit ab. Warte nicht, bis sich irgendwas oder irgendwer ändert. Ändere dich selbst, indem du dich an Gott hältst. Von ihm kommt die Kraft, dich zu lösen aus dem, was dir schadet. Er hat die Macht, Türen zu öffnen und Fesseln zu sprengen.  Er wird das für dich tun, mit dir, zu seiner Zeit. Und du wirst ihn preisen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 2. Dezember 2017

Bekehrung – was, wie, warum? hl

Losung: Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken. Jeremia 25,5 
Lehrtext: Bringt Früchte, die der Umkehr entsprechen! Lukas 3,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

also wenn ich im Internet Beiträge zum Thema „Bekehrung“ lese, wird es mir meistens blümerant (also 'unwohl', um dieses schöne alte deutsche Wort mal wieder zu verwenden). Gerade in frommen Kreisen spricht derjenige, der dieses Wort in den Mund nimmt, selten von sich selbst, sondern fordert andere auf, sich zu bekehren und „ein Leben ohne Sünde“ zu führen. Aber wer sich zum Thema Bekehrung äußert, sollte meines Erachtens davon reden, dass er das selbst nötig hat und zwar nicht nur einmal, sondern ständig. 
     Im heutigen Losungswort ist es der Prophet Jeremia, der andere dazu auffordert. Doch ich bin kein Prophet und auch kein Apostel und ich mag es auch nicht, wenn sich andere zu Moralaposteln über mich erheben. Bei ihnen habe ich zu oft erlebt, dass das Losungswort von gestern zutrifft: „Hochmut kommt vor dem Fall“. Was haben manche von ihnen nicht über Schwule hergezogen und waren dann bestürzt, als das eigene Kind sagte: „Ich bin schwul“. Wie haben manche von ihnen nicht über Geschiedene die Nase gerümpft und dann wurden sie selbst oder ihre Kinder geschieden...
     Nein, was Bekehrung betrifft, stehen wir alle auf gleicher Stufe; muss jeder vor seiner eigenen Tür „kehren“ und sich um den Balken im eigenen Auge kümmern (Matthäus 7,3-4). Was Bekehrung betrifft, muss ich erst mal die eigenen Früchte (Ergebnisse) zeigen, die meiner Bekehrung entsprechen (Lehrtext). Und dazu gehört, von anderen nicht Bekehrung zu verlangen, wenn ich verschweige, dass ich sie selbst zuerst nötig habe. 
     Aber was heißt „Bekehrung“? Heißt das, auf schlechte Angewohnheiten zu verzichten, sich selbst zu beherrschen, diszipliniert zu sein...? Das alles sind meiner Meinung nach mögliche Folgen der Bekehrung. Doch zunächst heißt es, dass ich mich zu Jesus Christus hin"kehre", mich ihm zuwende, ihm vertraue und ihn liebe. Und das nicht, weil ich das muss, sondern weil ich das will; aus dem Grund, weil er sich mir zuwendet und mich liebt. Und wenn sich dann einer daran ein Beispiel nimmt, umso besser.

Gebet: Herr, du weißt, auch wenn ich mich dir zuwende, bin ich kein besserer Mensch. Ich muss nach wie vor mit meinen Unzulänglichkeiten kämpfen. Aber weil du dich mir zu wendest, muss ich darüber nicht verzweifeln, muss ich nicht verbiestern. Ich lebe ja davon, dass du mir vergibst. Das hilft mir, an mir zu arbeiten. Das macht mich trotz meiner Schwächen unbeschwert. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 1. Dezember 2017

Absturzgefahr! hl

LosungWer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall. Sprüche 16,18 

LehrtextWenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben. Galater 6,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das mit dem Stolz und mit dem Hochmut ist eine Lebensweisheit, die seit biblischen Zeiten bis heute gilt. Nicht umsonst ist der zweite Teil der heutigen Losung zu einem bekannten, deutschen  Sprichwort geworden. Das Problem ist, Stolz und Hochmut fallen mir an anderen eher auf als an mir selbst. Da kann man sich leicht selbst betrügen (Lehrtext), wenn man seinen berühmten, blinden Fleck nicht wahrhaben will; das also, was alle anderen an einem sehen können nur man selbst nicht. 
     So will ich beherzigen, was der Lehrtext sagt: »Wer sich jedoch einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben
     Hochmut, Stolz, Überheblichkeit und das Bedürfnis, andere herabzusetzen – das sind Charaktereigenschaften, die ich mit Jesus nicht zusammenbringen kann. Er ist in meinen Augen das genaue Gegenteil von alledem. Er ist demütigt und bestrebt, andere aufzurichten, zu ermutigen und ihren Selbstwert zu stärken, dass sie einzigartige Kinder des himmlischen Vaters sind. Ihm kann ich vertrauen ebenso wie Mitmenschen, die sich an ihm orientieren.
     Das Bedürfnis aber andere schlecht zu machen und herabzusetzen, haben nur die, die etwas Besseres sein und größer erscheinen wollen als sie sind. Sie sind bei allem Hochmut und Stolz im Grunde genommen arm. Man sollte sie bemitleiden statt sich über sie zu ärgern. Doch, wie gesagt, ich soll auch "mein eigenes Werk prüfen", meine Gedanken und mein Verhalten.

Gebet: Herr, ich weiß, ich habe es nicht nötig hochmütig oder stolz zu sein, weil ich doch in deinen Augen längst wer bin. Ich habe es nicht nötig, aus mir viel machen zu müssen, weil du mich gemacht hast. Du schenkst mir die Freiheit, der zu sein, der ich bin. Du schenkst mir die Gelassenheit, auch mit meinen Grenzen zu leben. Du gibst mir aber auch die Kraft, meine Möglichkeiten zu entfalten. »Ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich.« (Psalm 139,14) Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr