Donnerstag, 11. Februar 2021

Böse Welt? Stopp! Das reicht. hl

Losung: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Micha 7,18 

Lehrtext: Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Römer 8,32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Grund, diese Welt, in der wir beide leben, gut zu finden? Ich nicht. Zu viele Menschen und Tiere leiden unter dem Menschen. Aus Habgier und Machtgier zerstört er seine eigenen Lebensgrundlagen und die seiner Kinder und Enkelkinder. Zu viele schreien ihren Hass hinaus, belügen sich und andere mit ihren Verschwörungstheorien und schmieren ihre Feindbilder.

Stopp! Das reicht.

Denn ich habe Grund, diese Welt gut zu finden, nicht weil wir Menschen so gut wären oder weil alles zum Besten stünde, sondern weil Gott sie gut geschaffen hat. So steht es auf den ersten Seiten der Bibel. Doch das allein würde mich noch nicht überzeugen.

Ich glaube, was ich an Jesus sehe: Er hat diese arge Welt mit allem, woran und worunter Menschen leiden, bis zum letzten Augenblick geliebt, obwohl er am Kreuz Grund genug gehabt hätte, sie zu verfluchen. Genauer: An ihm wird deutlich, dass Gott in ihm diese Welt liebt, auch dich und mich. Und diese göttliche Liebe ist es, die die Welt trotz allem gut macht. Gott liebt sie und uns Menschen zu ihrem, zu unserem Besten.

Mit diesem Glauben will auch ich diese Welt gut finden und sie lieben. Ich weigere mich, vielleicht sogar wider besseres Wissen, sie zum Teufel gehen zu lassen, weil ich glaube, dass Gott sie nicht zum Teufel gehen lässt.

Lieben ist mehr als vergeben. Ist mehr als „nicht ewig am Zorn festhalten“ (Losung). Lieben ist mehr, als das eigene Kind für dich und für mich zu opfern (Lehrtext). Lieben ist, sich selbst zu "dahinzugeben", statt andere die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen.

Nach dem Evangelisten Johannes sagt Jesus: »Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.« (Johannes 15,13) Das klingt gut. Doch Johannes hat das Wichtigste übersehen. Wenn man sich in das Leben, Leiden und Sterben Jesu vertieft, dann muss der Satz heißen: »Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Feinde.« Das ist die göttliche Liebe, um die es geht, wozu wir Menschen nicht in der Lage sind. Ich jedenfalls nicht. Und mit dieser Liebe liebt Gott die Welt und dich und mich und alle anderen auch.

Sie wurde endgültig am Kreuz sichtbar, wo Gott nicht Jesus, sondern sich in ihm selbst geopfert hat. So hat er sich und seine Liebe in und mit Jesus uns allen geschenkt. So hat er uns alles geschenkt. Das hat Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther genauer und unmissverständlicher ausgedrückt als im Lehrtext. Dort heißt es: »Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber.« (2. Kor. 5,19-21) Ihm, so verstehe ich das Evangelium, ging es nicht um das Blutopfer seines Kindes, sondern um die Liebe zu uns Menschen und seiner Schöpfung. Diese gute Nachricht hält mich dazu an, auch selbst diese Welt und meine Mitmenschen zu lieben und vor allem den, der selbst Liebe ist (1. Joh. 4,16).

Gebet: Herr, es ist nicht vernünftig zu sagen, dass diese Welt gut ist. Und das weißt du selbst am besten. Doch dir geht es nicht um die Vernunft, sondern darum, dass du deiner Schöpfung und uns Menschen treu bleibst und mit deiner Liebe heilst und versöhnst, was krank und kaputt ist. Das ist meine Hoffnung für diese Welt, für meine Kinder und Enkel und nicht zuletzt auch für mich. Daran will ich festhalten und dich um die Kraft bitten, ebenfalls zu lieben selbst wenn es unvernünftig ist. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 10. Februar 2021

Frisches Brot - alte Konserven hl

 Losung: Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst. Psalm 102,27 

Lehrtext: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebräer 13,8 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was für eine tiefe Einsicht spricht aus dem heutigen Losungswort. Alles verändert sich fortwährend, alles, auch ich, der ich dem Irrtum unterliege, ich sei gestern derselbe gewesen, der ich heute bin und morgen sein werde. Und alles, was geworden ist, was geschaffen ist, vergeht auch wieder und muss sterben. Alles ohne Ausnahme, ob die Eintagsfliege oder die Galaxis mit ihren Milliarden Sonnen und Planeten, ob meine kleine Welt oder das ganze Universum. Soweit die Erkenntnisse der Naturwissenschaft.

Alles geht. Nur einer bleibt, der allmächtige Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde, wie er in Jesus Christus zu uns kommt. Soweit die Worte der Bibel, soweit Losung und Lehrtext, soweit mein Glaube. Für mich ist das kein Gegensatz. Ich will und kann weder auf die Wissenschaft noch auf die Bibel und den Glauben verzichten.

Ja, Gott bleibt, aber nicht so, wie wir Menschen uns ihn jetzt vorstellen. Das Bild, das wir uns von ihm machen, bleibt keinesfalls. Und auch die Art und Weise, wie wir glauben, bleibt nicht. So wenig wie die Gottesbilder und Glaubenserkenntnisse der Vergangenheit geblieben sind. Wir heute stehen auf den Schultern unserer Glaubensvorfahren und sehen darum anders und weiter als sie es konnten. Und auf unseren Schultern werden unsere Nachfahren stehen ...

Gott ist lebendig, sein Wort ist lebendig, ich bin lebendig, mein Glaube ist lebendig. Nichts ist starr, unverrückbar und tot. Wer sich an Buchstaben klammert, kann nicht unter Gottes Sonne tanzen. Wer nur von alten Glaubenskonserven lebt, kennt das frische Brot des Lebens nicht.

Ja, »Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit«, aber so wie er an und für sich ist, lebendig, frei und treu, und nicht wie ich ihn haben möchte.

Gebet: Herr, es ist gut zu wissen, wie du denen im Glauben begegnet bist, die vor mir waren. Aber wichtig allein ist, dass du mir heute begegnest. Sage mir, was in meiner Zeit gut für mich ist. Gib mir ein Ohr, das dich hören, einen Geist, der dich verstehen und ein Herz, das dir folgen kann. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 9. Februar 2021

Pinguin und Glaubenshaut hl

Losung: Sobald ich dich um Hilfe bitte, werden meine Feinde kleinlaut den Rückzug antreten. Denn das weiß ich: Du, Gott, bist auf meiner Seite! Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort. Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun? Psalm 56, 10+11+12 

Lehrtext: Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. 2.Timotheus 1,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„was können dir Menschen schon antun?“, heißt es im Vers nach unserer heutigen Losung.

Sie können dir viel antun, wenn du von ihnen abhängig bist, von ihrer Meinung, von ihrer Gunst und du nur dich hast. Sie können deine Selbstsicherheit zerstören, wenn du dich nur selbst sichern kannst.

Sie können dir immer noch etwas antun, wenn du dich an Gott hältst, der dich schützen kann. Aber sie können dich nicht in deinem Innersten antasten, denn dazu haben sie keinen Zugang, solange er in dir wohnt.

Sie haben Macht. Doch dein Gott ist allmächtig. Sie sind dir überlegen. Doch ihm sind sie unterlegen. Sie meinen vielleicht, sie hätten dich in der Hand. Doch dich hat Gott in der Hand, wo du sicher und geborgen bist.

Lass sie schimpfen, drohen, schreien, beleidigen und lügen. An deiner Glaubenshaut, mit der er dein Innerstes schützt, soll das abperlen wie Wasser am Pinguin. Denn was dich schützt, ist seine Zusage: »Ich bin für dich da«, ist sein Wort: »Fürchte dich nicht, du bist mein«. Für dieses sein Wort können wir beide Gott loben. Denn solange wir es in uns bewahren und uns daran halten, sind wir bewahrt und gehalten. Solange wir uns darauf verlassen, sind wir nicht verlassen. Mit ihm haben wir den längeren Atem. Mit ihm haben wir keinen Grund, klein beizugeben.

Darum sagt der heutige Lehrtext: »Bewahre sein Wort, diese kostbare Gabe, die dir anvertraut ist. Die Kraft dazu wird dir der Heilige Geist geben, der in uns wohnt

Warum sollten wir beide, du und ich, nicht einfach tun, was Losung und Lehrtext heute sagen? Sie können uns in den Stürmen des Lebens Kraft geben, die „von oben“ kommt und nicht nur aus uns selbst.

Gebet: Herr, du weißt, wie schnell ich mich von anderen Menschen verunsichern lasse. Doch sie wissen nicht, wie selbstsicher ich sein kann, wenn ich mich an dich halte. Du bist das Auge im Sturm, wo ich ruhig sein kann. Und wenn es um mich tobt, so schenke mir Gelassenheit, weil du die Kraft hast, auch den Sturm und die Wellen zum Schweigen zu bringen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 8. Februar 2021

Was mich zu einem Christen macht hl

Losung: Die den HERRN lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht! Richter 5,31 

Lehrtext: Jesus betet: Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast. Johannes 17,22

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

sind Christen "das hellste Licht auf der Torte"? Sind wir Leuchttürme der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, der Freundlichkeit und Lebensfreude, die alle anderen Menschen überstrahlen? Hm, wäre schon schön. Dann würden sie sich gern an uns orientieren und so sein wollen wie wir. Dann würden die Gottesdienste aus allen Nähten platzen und die Pfarrer und Pfarrerinnen könnten sich vor lauter Taufanfragen und Kircheneintritten nicht retten.

Aber so treten seit Jahrzehnten viele in Scharen aus der Kirche aus, so viele wie nie zuvor. Und wenn man sagt, man sei Christ, lächeln manche mitleidig als ob man eine kognitive Störung hätte oder blicken dich unverständlich an.

Was läuft da schief? Vielleicht gar nichts. Vielleicht sollten wir abschiednehmen von der Vorstellung, als müssten wir viele sein. Vielleicht sollten wir weniger auf die Quantität, auf die Zahl der Kirchenmitglieder als vielmehr auf die Qualität, auf das Gütesiegel unseres Glaubens achten.

Wenn ich so glauben würde wie so manche, die ich kenne, ich würde auch austreten. Wenn ich so ein Gottesbild hätte wie sie, ich würde Atheist werden. Doch glaube ich denn richtig? Habe ich das richtige Gottesbild? Bin ich für andere ein Leuchtturm? Oder „leuchte ich gar wie die Sonne in ihrer Pracht“ (Losung)?

In meinem Verhalten anderen gegenüber unterscheide ich mich kaum von vielen, die keine Christen sind und die nicht glauben. Ja, ich bemühe mich schon, wie sie auch, ein anständiger Mensch zu sein. Doch das macht mich noch nicht zu einem Christen. Aber was dann? Dass sich getauft und konfirmiert bin? Nein, das macht mich nicht zu einem Christen. Dass ich Teile des Kleinen Katechismus von Martin Luther auswendig kann und auch die lutherischen Bekenntnisschriften kenne? Auch das nicht. Dass ich schon viele Gottesdienste besucht und selbst gehalten habe, viele Kirchenlieder auswendig kenne, etwas spende, in der Bibel lese und Losung und Lehrtext auslege? Auch das macht mich nicht zu einem Christen.

Vielleicht stelle ich die Frage falsch. Vielleicht kann mich gar nichts, von dem, was ich tue, zu einem Christen machen. Vielleicht ist das allein Gottes Sache, das Wirken seines Geistes und seine Gabe (Gnade). Und dann ist es jeden Tag aufs Neue ein Geschenk und ein Abenteuer, ob ich Christ bin. Dann stehe ich jeden Tag aufs Neue vor ihm mit leeren Händen, und bitte ihn, dass er mir gebe, was ich zum Leben und zum Glauben brauche. Dann ist der Glaube nicht mein ständiger Besitz, auf den ich irgendwie stolz sein könnte, und schon gar nicht meine Leistung. Dann bin und bleibe ich vor Gott ein Bettler (Martin Luthers letzte Worte), ganz und gar auf ihn angewiesen. Dann habe ich vor den Menschen gleich welchen Glaubens keinen Grund, mich als etwas Besseres zu fühlen: weder als erwählt noch als bekehrt noch als einer, der sein Leben übergeben hat, noch als wiedergeboren oder was Fromme, die sich von anderen abgrenzen müssen, sonst noch von sich sagen.

Dass nichts von mir und alles von Gott abhängt, das ist es wohl, was mich zu einem Christen macht und weshalb Jesus Menschen selig preist, wenn er sagt: »Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich.« (1. Seligpreisung, Matthäus 5,3 Übersetzung: Hoffnung für alle)

Gebet: Herr, du allein leuchtest wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht. Dir allein gehört alle Macht. Ich lebe vom Licht deiner Herrlichkeit und aus deiner Kraft. Wenn ich aufrichtig um Glauben bitte, lässt du mich nicht leer ausgehen. Du weckst in mir das Vertrauen und steckst mich mit deiner Liebe an. Vor dir bin ich ein Bettler, das ist wahr. Doch ich hoffe nicht umsonst auf dich. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 7. Februar 2021

Landstreicher auf dem Lebensweg hl

Losung: Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! Jesaja 65,1

Lehrtext: Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

niemand muss Gott suchen, niemand nach ihm fragen, niemand ihn bitten (anrufen), niemand bei ihm anklopfen und um Einlass bitten. Er lässt sich suchen. Er lässt sich finden. Er sagt: "Hier bin ich!“ Und wiederholt das für alle, die das nicht gehört haben oder nicht gleich verstehen: "Hier bin ich!" Damit stellt er sich sozusagen vor. Denn "Hier bin ich!“ oder "Ich bin da!" - das ist mehr als eine Aussage. Das ist sein Name (= Jahwe) , sein Wesen. Das erst macht ihn für dich und für mich zu Gott.

Der "HierBinIch" erwartet nicht, dass ich ihm meine Aufwartung mache. Der "IchBinDa" lädt mich herzlich und nachdrücklich zu sich ein (= nötigen) und dich auch. Jesus ist dem Lehrtext zufolge jener "Diener", der uns beide im Namen Gottes einlädt.

Wozu? Zum Gericht? Nein, zu einem Festmahl! Und wer sind wir beide, dass er uns würdigt, seine Gäste zu sein? Landstreicher, solche von den "Zäunen" (Lehrtext). Solche, die von keinem anderen  Gott eingeladen werden (wenn es denn einen gäbe), weil wir nicht die Bedingungen dafür erfüllen. Auch nicht die Bedingungen des Gottes, den sich viele Christen vorstellen und der aus meiner Sicht mit dem barmherzigen Vater Jesu Christi wenig gemein hat.

Worum also geht es im Glauben? Dass ich Gebote erfülle und Erwartungen entspreche? Dass ich Sünden meide und ein Leben nach dem Katechismus oder der kirchlichen Lebensordung (die gibt es für Evangelische wirklich) führe? Oder geht es zuersteinmal darum, dass ich, ein Landstreicher auf dem Lebensweg, mich von Gott in Jesus finden und einladen lasse und zu ihm komme?

Für mich geht es genau darum: Ich möchte Gott und das Leben mit ihm nicht verpassen. Ich würde einfach zu viel vermissen, was mir wichtig geworden ist. Allem voran seine Liebe und mein Gottvertrauen. Allein schon diese beiden 'Dinge' machen mich froh und reich.

Gebet: Herr, was kann ich mir denn mehr von dir wünschen, als dass du da bist? Solange ich das glauben, solange ich darauf vertrauen kann, ist alles gut. Amen

Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag!

Hans Löhr



Samstag, 6. Februar 2021

Unterwegs zu einem persönlichen Glauben hl

Losung: Hiob sprach zu Gott: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche. Hiob 42,5-6 

Lehrtext: Saulus umleuchtete plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Apostelgeschichte 9,3-5

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du Gott nur vom Hörensagen oder hast du ihn gesehen? Sehen, das heißt hier: Gottes Gegenwart spüren, eine eigene, vertrauensvolle Beziehung zu ihm haben, ihn, wie er sich in Jesus zeigt, lieben.

Dass Hiob in der Losung seine berechtigten Anklagen gegen Gott fallen lässt, aufgibt und in Staub und Asche bereut – das ist Theologie und Gottesverständnis des Alten Testaments. Eine solche Selbsterniedrigung des Menschen passt nicht zum barmherzigen Vater Jesu Christi.

Auch der „Verlorene Sohn“ in seinem Gleichnis versucht auf diese Weise von seinem Vater wieder an- und aufgenommen zu werden. Doch der will davon nichts wissen, sondern rennt (!) ihm entgegen und schließt ihn in seine Arme.

Selbst Dietrich Bonhoeffer meint in seinem frühen Buch „Nachfolge“, dass der Sünder doch bereuen müsse, weil Gottes Gnade nicht billig zu bekommen sei. Später, in seinen Briefen aus dem Gefängnis, gewinnt er neue Einsichten. Nicht des Menschen Reue, sondern Gottes Liebe heilt und vergibt. Seine Gnade ist nicht billig, sondern umsonst. Sie ist sein teures, kostbares Geschenk für den Sünder, also für mich.

Doch auch wenn ich mich ‚Sünder‘ nenne, ist das keine Selbsterniedrigung und kein Trick, Mitleid zu erhaschen. Es entspricht dem, wie ich mich erlebe. Ich bin ein fehlbarer Mensch. Immer wieder versage ich, nicht zuletzt deshalb, weil ich Gott, meinen Mitmenschen und manchmal auch mir selbst die Liebe schuldig bleibe. Er schenkt sie mir doch, damit ich sie weitergebe. Ja, das tut mir leid. Ja, das bereue ich. Aber nicht weil ich soll, sondern weil ich es so empfinde.

Auch Paulus kannte Jesus zunächst nur vom Hörensagen. Ob er ihn nach seinem berühmten Bekehrungserlebnis vor Damaskus (Lehrtext) gleich persönlich gekannt hatte? Ich denke, auch er brauchte danach erstmal Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten und zu entdecken, dass ihm der lebendige Gott selbst in Jesus begegnet ist.

Doch wie komme ich vom Hörensagen zu einem persönlichen Glauben. Ich meine so, dass ich anfange, dem barmherzigen Gott immer mehr zu vertrauen. Dass ich ihn in mein Alltagsleben einlade und meine Freuden und Schmerzen mit ihm teile.

Gebet: Himmlischer Vater, ich bin froh, dass ich nicht nur das von dir weiß, was ich  früher von anderen gehört habe. Du bist mein täglicher Begleiter, und ich will dir vertrauen bei jedem Schritt. Erhalte mir diesen Glauben, damit ich ihn nicht wieder verliere. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 5. Februar 2021

Vielleicht, vielleicht hl

Losung: Du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, dass ich wandeln kann vor Gott im Licht der Lebendigen. Psalm 56,14 

Lehrtext: Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Apostelgeschichte 12,7

 

Liebe Leserin, lieber Leser,      

gestern ging es in der Losungsauslegung um Dietrich Bonhoeffer. Doch zu ihm kam kein Engel in die Todeszelle, keine Ketten fielen von seinen Händen, keine Zellentür sprang auf (Lehrtext). Er wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz nackt zum Galgen geführt und an einer Klaviersaite aufgehängt.

Ein Vierteljahr zuvor hatte er im Gefängnis noch gedichtet: "Von guten Mächten wunderbar geborgen. Gott ist bei uns … ganz gewiss an jedem neuen Tag." 

Ganz gewiss? 

Eigentlich möchte ich jetzt hier abbrechen. Denn was soll ich noch schreiben, das nicht hohl und aufgesetzt klingt?

Haben denn die Zeilen aus Bonhoeffers Gedicht auch für ihn selbst gestimmt in der Stunde seines Todes? War da Gott bei Ihm?

Und stimmen sie für die zahllosen Menschen mit einem ähnlichen Schicksal? Werden sie auch für mich in meinen dunkelsten Stunden stimmen?

Ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich eines nicht: »ganz gewiss«. Aber vielleicht, vielleicht konnte Bonhoeffer, vielleicht, vielleicht kann auch ich dann das Gefängnis der Verzweiflung und der Angst, der Schmerzen und der Gottes-Leere verlassen, im Glauben verlassen, zu Gott fliehen und sagen:

Gebet: Vater, Vater, ich bin nur noch Angst. Aber ich bin doch auch dein Kind. Öffne deine Arme, dass ich mich zu dir rette. Halte mich fest. Was auch geschieht, sei bei mir. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 4. Februar 2021

Wer ich auch bin hl

Losung: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Psalm 34,19 

Lehrtext: Wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. 2.Korinther 1,5

 

Liebe Leserin, lieber Leser,      

ja, ich glaube. Aber ich bin kein Glaubensheld. Ich verliere immer wieder mal mein seelisches Gleichgewicht und habe mit Dingen zu kämpfen, die mir aufs Gemüt schlagen. Doch gerade dann brauche ich den Glauben, brauche ich Gott, um wieder ins Lot zu kommen.

Und wie ist das bei dir? Und gibt es überhaupt so etwas wie Glaubenshelden? Für viele scheint Dietrich Bonhoeffer so einer gewesen zu sein. Doch er hat sich selbst ganz anders erlebt. In einem Gedicht, das er im Gefängnis der Nazis geschrieben hatte, heißt es:

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist. 
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen? 
Wer bin ich? Der oder jener?
Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

 

(aus: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung)
 

War Dietrich Bonhoeffer ein Glaubensheld? Vielleicht doch, vielleicht gerade deswegen, weil er nicht gleichmütig wie ein Buddha war, unberührt von Sehnsüchten, Wünschen und Ängsten. Weil er ein Mensch war, ähnlich wie du und ich, verletzbar, erregbar, besiegbar. Und weil er, äußerlich gefangen in einer Zelle und innerlich im Aufruhr seiner Seele, doch wieder aus sich herausgefunden hat in die Freiheit von sich selbst, hin zu Gott. In diesem Sinn bist auch du ein Glaubensheld. In diesem Sinn bete ich:

Gebet: Herr, ich bin gerade so verstrickt in meine Sorgen, dass ich mich selbst nicht mehr kenne. Was soll ich bloß tun? Ich kann meine Probleme nicht lösen. Ich brauche Abstand. Darum lasse ich hinter mir, was mich quält und suche dich. Schließe du mich in deine Arme, dass ich zur Ruhe komme, dass ich wieder einen klaren Kopf bekomme. Lass mich spüre, dass ich dein Kind bin, von dir behütet, bei dir geborgen, von dir geführt. Denn ich gehöre ja dir und nicht den Dingen, die mich bedrängen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 3. Februar 2021

Woran hängt dein Herz? hl

Losung: Wie kann ein Mensch sich Götter machen? Jeremia 16,20

Lehrtext: Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 1.Johannes 5,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martin Luther hat im Großen Katechismus auf geradezu klassische Weise erklärt, wer Gott ist: »Woran du aber dein Herz hängst, das ist dein Gott.« Nun, Luther liebte auch seine Frau und seine Kinder und hing mit seinem Herzen gewiss auch an ihnen. Doch sie waren für ihn nicht das Allerwichtigste im Leben. Das war der, der ihm Frau und Kinder geschenkt hatte und dazu das Leben und den Glauben. Denn ohne ihn gäbe es nichts, woran man sein Herz hängen könnte.

Der wichtigste Gott heute ist zumindest in den reichen, westlichen Staaten der Mensch selbst. Entweder werden andere vergöttert: Popstars, Filmstars und Fußballstars, Künstler, Chefs, Wissenschaftler, Models, Mitglieder von Königshäusern und was sonst noch die Titelseiten von Illustrierten bevölkert. Oder man vergöttert sich selbst und seine Bedürfnisse, zumindest so lange, wie es einem gut geht und keine größeren Probleme ihre Schatten werfen.

Doch das ändert sich, wenn man sich nicht mehr mit Äußerlichkeiten betäuben kann. Wenn dann doch irgendwann die Fragen aufkommen: Welchen Sinn hat das alles? Wozu bin ich auf der Welt? Wohin geht die Reise? Was bin ich wert? 

Doch wo kann ich die Antwort finden? Plötzlich liegt da ein Neugeborenes in einem Futtertrog inmitten der Pisse  von Ochs und Esel, in einem zugigen, stinkenden Stall. Und als es ein erwachsener Mann geworden ist, hängt er ohnmächtig am Kreuzgalgen blutend, leidend, sterbend. Und eine kleine Schar seiner Anhänger behauptet: „Dieser Jesus ist Gottes Sohn, er ist von den Toten auferstanden, ja, in ihm begegnet uns Gott.“

Kann man das glauben? Nein, nach vernünftigen Maßstäben nicht. Da spricht zu vieles dagegen. Doch seitdem geschieht immer wieder etwas Seltsames. Die Geschichte von Jesus überwältigt Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten und zieht sie in ihren Bann. Und plötzlich erkennen sie sich in ihm als die, die sie sein sollten, mehr noch, als die, die sie sind: Gottes geliebte Kinder. Und plötzlich erkennen sie in ihm Gott als den barmherzigen und fürsorglichen Vater. Und plötzlich hängt ihr Herz an ihm. Und sie können nicht anders, als von ihm zu erzählen mit Worten und Taten, mit Liedern, Bildern und Geschichten, erfüllt von einem Geist, der nicht von dieser Welt ist. Sie müssen ihn einfach lieben.

Gebet: Herr, kannst du nicht so ein Gott sein wie in anderen Religionen? Doch ich ahne, du bist nicht ein Supermensch, den ich mir an den Himmel projiziere. Du bist der ganz Andere, der meine Maßstäbe zerbricht. Du begegnest mir nicht in Macht und Glanz, sondern zeigst dich in den Geringsten deiner Menschenkinder. Du bist der wahre Gott, der die Versager liebt, der leidet, stirbt und so den Tod besiegt. An dich will ich mein Herz hängen. Da soll es bleiben. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 2. Februar 2021

Ich fordere dich heraus hl

Losung: Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Jesaja 55,11 

Lehrtext: Gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Strecke deine Hand aus zur Heilung und lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Apostelgeschichte 4,29-30 

Das, liebe Leserin, lieber Leser, bleibt die große Frage:

Wessen Wort gebe ich weiter, wenn ich predige oder Losung und Lehrtext auslege? Sein Wort oder mein Wort? Die Antwort ist leider alles andere als einfach. Sein Wort muss immer erst durch mich gehen, durch mein Verständnis, meine Lebenserfahrungen, meine Welt- und Selbstsicht und nicht zuletzt durch meinen Glauben, bevor ich es mündlich oder schriftlich weitergebe. Ist es dann noch sein Wort?

Doch daran schließt sich gleich die nächste Frage: Was kommt bei dir, dem Empfänger, an? Auch was du hörst oder liest muss durch dich gehen, durch dein Verständnis, deine Lebenserfahrungen, deine Welt- und Selbstsicht und nicht zuletzt durch deinen Glauben. Ist es dann noch sein Wort, das bei dir ankommt?

Vor diesem Problem stehen alle, die sich mit Gottes Wort befassen, von Anfang an. Und leider gibt es kein Patentrezept, welches sicherstellen könnte, dass dann letztlich doch immer Gottes Wort „gesendet“ und „empfangen“ wird.

Manche meinen, sie seien auf der sicheren Seite, wenn sie die Bibel wörtlich nehmen. Aber damit kommen sie nur in Teufels Küche, weil sie dann viele Ungereimtheiten irgendwie erklären und so lange zurechtbiegen müssen, bis sie in ihren Kopf  passen. Manche erklären sich selbst zu „bibeltreuen“ Christen. Aber was heißt das schon? Wem genau sind sie dann treu? Den Buchstaben? Der Weltanschauung und den Glaubenstraditionen der Antike und des Alten Orients? Einer bestimmten Übersetzung? Einer bestimmten Frömmigkeitsprägung und damit doch wieder nur dem, was andere ihnen gesagt haben?

Ich selbst möchte ein „jesustreuer“ Mensch sein, einer, der sich an ihm orientiert, weil er glaubt, dass ihm der barmherzige und treue Gott in Jesus begegnet. Ob mir das gelingt, kann ich nicht beweisen. Ich kann mich nur darum bemühen, in Treue zu Jesus die Bibel zu verstehen und auszulegen. Und dabei kommt es mir vor allem darauf an, was für ihn das Wichtigste war.

Ich habe viele Jahre als Pfarrer gebraucht, um das zu entdecken und daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch eigentlich ist es ganz einfach. Das Wichtigste für Jesus war die Feindesliebe. Die Nächstenliebe kennen auch die anderen Religionen, vorweg das Judentum. Aber ich kenne keine Religion, in der Gott als ein Mensch geboren wird und in Liebe zu seinen Feinden stirbt, die ihn töten. Das ist für mich das Ende aller Religionen und der Anfang und die Vollendung des Glaubens.

Es war die Feindesliebe, mit der Jesus damals die Mächtigen in Kirche und Politik herausgefordert hatte und mit der er auch mich heute herausfordert. Ihretwegen musste er sterben, weil er damit alle menschlichen Ordnungen auf den Kopf stellt. Denn wer seine Feinde liebt, der muss auf Macht verzichten, womit er sie sonst bekämpft. Der muss werden wie Jesus: wehrlos, arm, ohnmächtig, unempfänglich für Ehrerbietung, Titel und Ämter, Positionen und Karrieren, ohne Vorurteile und Berührungsängste gerade vor den Ausgestoßenen und Verachteten. Wer seine Feinde liebt, der braucht keine Institution, keine Hierarchie, keine Religion, keine Kirche. Wer seine Feinde liebt, der liebt Gott, den Schöpfer seiner Feinde und ihren Erlöser. Der hat in dieser Welt keinen Erfolg und kein Ansehen. Der bleibt fremd und manchmal auch einsam.

Aber die Feindesliebe Gottes ist meine einzige Hoffnung und ich denke, das gilt auch für dich. Nur sie stellt sicher, dass du wirklich von ihm bedingungslos geliebt wirst. Dass dir alle deine Feindseligkeiten und Gleichgültigkeit ihm und deinen Mitmenschen gegenüber vergeben sind. Dass du für ihn nichts mehr tun musst, weil du alles von ihm bekommst. Nein, nicht ein guter und frommer Mensch namens Jesus hat mich am Kreuz erlöst und ist von den Toten auferstanden, sondern der, der bis zuletzt seine Feinde geliebt hat.

Woher ich das zu wissen glaube? Aus der Bibel, die ich im Licht seiner Feindesliebe lese, verstehe und beurteile. 

Gebet: Herr, um dein Wort weiterzugeben, brauche ich innere Freiheit und den Mut, das auszusprechen, dem widersprochen wird. Das kann ich nicht aus mir schöpfen. Das musst du mir geben. Denn mit dir, der du deine Feinde liebst, macht man sich keine Freunde. Darum möchte ich darauf vertrauen können, dass du bei mir bist und mich die Straße führst, die dir recht ist. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 1. Februar 2021

Den Glauben stärken hl

Losung: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? 1. Mose 18,14

Lehrtext: Die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Lukas 17,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wünscht du dir einen stärkeren Glauben? Oder wünscht du dir, dass du überhaupt glauben kannst?

     Eine meiner wichtigsten Einsichten in meinem Glaubensleben war, dass glauben vertrauen heißt. Für mich jedenfalls geht es im Glauben nicht darum, irgendetwas für wahr zu halten, was man mit seinen fünf Sinnen nicht wahrnehmen kann oder Dinge zu glauben, die eigentlich unwahrscheinlich sind oder etwas glauben zu müssen, weil andere meinen, dass ich dazu verpflichtet sei. Nein, ich bin niemandem schuldig, etwas zu glauben, was ich nicht kann oder will oder mir fremd ist. Auch Gott nicht, weil er das auch nicht verlangt.

     Nicht zuletzt deshalb heißt es in der Bibel, dass Christus „der Anfänger und Vollender unseres Glaubens“ ist (Hebräer 12,2). Letztlich ist Glaube ein Geschenk, also Gnade, und nicht etwas, was ich nach Belieben ein- und ausschalten kann.

     Ich finde es entlastend, dass sogar die Apostel, also Jesu Jünger, nicht genug Glauben aufbrachten, obwohl sie doch täglich mit ihm zusammen waren. Auch sie spürten offenbar in sich, wie schwach ihr Glaube war und baten ihn deshalb: »Stärke uns den Glauben!« (Lehrtext)

     Ja, der Glaube ist ein Geschenk ähnlich wie unser Körper. Doch wie dieser wird er schwächer und kränker, wenn ich nichts dafür tue. Wer längere Zeit im Krankenhaus war, weiß, wie schnell seine Muskeln abbauen. Wer sich längere Zeit nicht mehr um seinen Glauben gekümmert hat, erfährt, dass er verkümmert. Wer meint, selbst für alles sorgen zu müssen, bei dem erstickt das Gottvertrauen unter den Sorgen. Doch was kann ich für meinen Glauben tun?

·      Gott stärkt meinen Glauben, wenn ich im Kontakt mit ihm bleibe, an ihn denke und zu ihm bete.

·      Er stärkt ihn, wenn ich über Worte aus der Bibel nachdenke und sie in Beziehung zu meinem Leben setze.

·      Er stärkt meinen Glauben, wenn ich alte oder neue Glaubenslieder singe.

·      Er stärkt ihn, wenn ich mit anderen zusammen einen Gottesdienst besuche und mir Kraft- und Segensworte zusagen lasse, die ich mir selbst nicht sagen kann.

·      Er stärkt ihn, wenn ich ihn anderen gegenüber nicht verheimliche und verschweige.

·      Er stärkt meinen Glauben, wenn ich meinen Mitmenschen und auch mir selbst Gutes tue und eine Freude machen.

·      Er stärkt ihn in schweren Zeiten, wenn ich seine Nähe spüre und er mir Kraft gibt.

·      Und er stärkt meinen Glauben, wenn ich mich meines Lebens freuen kann und dankbar bin.

Und nun noch ein Satz zur Losung: Kann ich denn glauben, dass Gott etwas unmöglich ist? Ein Witzbold fragte einmal, ob Gott denn einen Stein erschaffen könne, den er selbst nicht heben kann? Nun, so stellt sich vielleicht der kleine Fritz Gott vor. Ich sage zur Losung: Gott will nicht alles, was ihm möglich ist und von dem ich will, dass er es tun möge. Er richtet sich nicht nach meinem Willen, sondern danach, was aus seiner Sicht gut für mich und seine anderen Geschöpfe ist. Gott sei Dank! 

Gebet: Herr, ich bitte dich mit den Aposteln: Stärke meinen Glauben. Denn nur durch ihn kann ich vertrauen, dass du da bist und hilfst. Nur durch ihn kann ich beten. Nur durch ihn dir danken. Nur durch ihn hoffe ich, dass einmal alles gut wird. So kann ich unbeschwert sein trotz aller Lasten, fröhlich trotz aller Schatten, zuversichtlich trotz aller Sorgen. Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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