Donnerstag, 20. Januar 2022

Liebesgedicht hl

Losung: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste (das All) verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. Psalm 19,2-4

Lehrtext: Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen! Offenbarung 14,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Anfang von Psalm 19, aus dem die Losung kommt, ist Poesie. 2500 Jahre sind diese Worte alt und doch von großer Schönheit, die immer noch berührt. Manche Liebesbriefe sind wunderbar poetisch. Sie soll man nicht zerpflücken noch erklären. Sie soll man einfach nur auf sich wirken lassen wie die heutige Losung. 
Etliche  Psalmen sind nichts anderes als Liebesgedichte für Gott. Gleiches gilt für die Loblieder, die in den Gottesdiensten gesungen werden oder die man auch allein zu Hause singt, wenn man Gott sagen und zeigen will, dass man ihn liebt.
Anlässe dafür gibt es viele, nicht nur die Wunder seiner Schöpfung, sondern auch das Wunder 'Jesus'. Er ist Gottes Liebeserklärung für dich und mich.

Gebet Ich will dich lieben, meine Krone, / ich will dich lieben, meinen Gott, / ich will dich lieben ohne Lohne / auch in der allergrößten Not; / ich will dich lieben, schönstes Licht, / bis mir das Herze bricht. Amen (Angelus Silesius, 1657, EG 400)

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Anregung: Schreibe doch mal Gott oder Jesus einen handgeschriebenen Liebesbrief. Das kann deinen Glauben bereichern. Du wirst das vermutlich nicht mehr vergessen, und er sowieso nicht. Und dabei ist es egal, ob du eine Frau oder ein Mann bist.


Mittwoch, 19. Januar 2022

Spott, Schadenfreude und Barmherzigkeit hl

Losung: Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben. Sprüche 17,5 

Lehrtext: Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Matthäus 5,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon Kinder können grausam sein, wenn sie andere verspotten. Oft trifft es dann die Schwächeren, die sich sowieso schon unterlegen fühlen. Und Schadenfreude scheint eine allgemeinmenschliche Eigentümlichkeit zu sein. Ich jedenfalls bin nicht frei davon. Nun ja, ein gewisser Unterschied ist schon, ob ich über das Missgeschick eines anderen lache oder mich über sein Unglück freue. Und wenn andere über mich lachen, zitiere ich gern den Kalauer: "Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung." Clowns leben ja regelrecht von der Schadenfreude des Publikums. Während die "Hater", die Hasserfüllten in den sozialen Medien und Kommentarspalten davon leben, kübelweise  Schmutz und Häme über anderen auszukippen.

Jesus musste das über sich ergehen lassen, als er wehrlos am Kreuz hing und von seinen gutbürgerlichen Feinden verspottet wurde: »Hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!« (Matthäus 27,40). Für mich ist es unerträglich, wenn jemand tatsächlich oder im übertragenen Sinn am Boden liegt und andere ihn noch treten.

Die Grenze für Spott

Vor vielen Jahren habe ich den Kabarettisten Dieter Hildebrandt mal gefragt, wo für ihn die Grenze für Spott sei. Da nannte er als Beispiel den damaligen CSU-Politiker Otto Wiesheu, den er sonst gern durch den Kakao zog, solange dieser an den Hebeln der Macht war. Als der aber betrunken einen anderen totgefahren hatte, tat er ihm nur noch leid und hat ihn fortan in seinem Programm nicht mehr erwähnt.

Man kann die Mächtigen schon mal verspotten, wenn man mit ihrer Politik und ihrem Verhalten nicht einverstanden ist, und kritisieren sowieso. Hassen und verächtlich machen, soll man sie nicht. Die Armen, die Ohnmächtigen und Unglücklichen aber brauchen weder Häme noch Spott. Sie sind darauf angewiesen, dass anderen ihre Not nahegeht und sie mit ihnen barmherzig sind. Das ist es auch, was ich mir wünsche, wenn es mir schlecht geht.

Gebet: Herr, weil du zu mir barmherzig bist, will ich das auch zu anderen sein. Hilf mir, dass ich nicht hart und zynisch werde, sondern mitfühlend und zugewandt sein kann. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr





Dienstag, 18. Januar 2022

Von Schafen, Katzen und uns beiden hl

Losung: Weide dein Volk mit deinem Stabe. Micha 7,14 

Lehrtext: Die Schafe folgen dem Hirten nach; denn sie kennen seine Stimme. Johannes 10,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe zwar keine Schafe, aber zwei rotblonde Kater. Die kennen nicht nur meine Stimme, die kennen das Geräusch meines Autos. Noch bevor ich daheim angekommen und ausgestiegen bin, sind sie in der Regel da und begrüßen mich. Natürlich muss ich sie dann auch begrüßen. Denn auch Haustiere wollen nicht nur was zu fressen, sie wollen Zuwendung von dem, dem sie gehören, der sie mag und der für sie sorgt.

Manchmal fallen sie mir aber auch zur Last, wenn sie mit dreckigen Pfoten ins Haus kommen und überall ihre Spuren hinterlassen, wenn sie am Teppich kratzen oder auf den Schoß springen wollen, wenn ich dunkel angezogen bin. Und immer wieder springen sie auf meinen Schreibtisch und lenken mich von meinen Losungsauslegungen ab. Ja, die beiden Katzenbrüder machen auch Mühe. So haben mir Freunde geholfen, mit dem Bohrhammer ein Loch in die Außenmauer zu brechen, damit die beiden jederzeit raus und rein können. Und richtig ärgerlich werde ich, wenn wieder mal ein Vogel auf dem Teppich liegt. Aber was soll's. Ich wollte die Kater, jetzt habe ich sie und bin für sie verantwortlich. Und sie brauchen meine Liebe. Dafür sind sie auch anhänglich, schnurren mir die Ohren voll und lassen sich streicheln. Ja, sie kennen meine Stimme. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie mir auch folgen.

Katzen haben einen falschen Glauben 

Katzen haben einen falschen Glauben. Anders die Hunde. Diese glauben zurecht: "Mein Mensch  liebt mich, füttert mich und verwöhnt mich. Er muss Gott sein." Katzen glauben: "Mein Mensch liebt mich, füttert mich und verwöhnt mich. Ich muss Gott sein." Doch ich liebe meine beiden trotzdem.

Und nun zu uns beiden, zu dir und zu mir. Auch wir wollen Zuneigung von dem, dem wir gehören, der uns mag und für uns sorgt. Manchmal fallen wir ihm aber auch zur Last und machen ihm Mühe. Jeder von uns weiß am besten, wann das so ist. Und ob Gott sich nicht auch ab und zu über uns ärgert, ist nicht auszuschließen. Aber was soll's. Er wollte uns, jetzt ist er auch für uns verantwortlich. Und wir brauchen seine Liebe. Doch wie steht's mit unserer Dankbarkeit? Sind wir anhänglich? Vertrauen wir ihm und lassen wir uns seine Liebe gefallen? Und auch, wenn wir sein Wort hören oder lesen, folgen wir ihm? Oder spielen wir uns manchmal auf, als seien wir kleine Götter und alles müsste sich um uns drehen? Die gute Nachricht ist, er liebt uns trotzdem.

Gebet: Herr, überlass mich nicht mir selbst, sonst bin ich verlassen. Bleib mein guter Hirte, der mich durch diese Zeit führt, durch Mühen und Gefahren, aber auch durch schöne Tage. Und wenn ich dir zur Last falle, so bist du stark genug, auch das zu tragen. Rede mir ins Gewissen, wenn ich nur meinen Interessen folge oder den Stimmen anderer. Lass nicht ab, mich immer wieder neu zu dir zu rufen und für mich zu sorgen. Ja, ich habe allen Grund, dir zu danken. Und das will ich auch tun. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

PS: Schon schade, dass in der ganzen Bibel keine Katze vorkommt.

Montag, 17. Januar 2022

Wie man optimistischer wird hl

Losung: Lobet den HERRN! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding. Psalm 147,1 

Lehrtext: Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Epheser 5,19 

Liebe Leserin, lieber Leser,

kürzlich habe ich gelesen, dass der Mensch von Haus aus eher pessimistisch ist. Gehen wir mal davon aus, dass das stimmt, weil doch die eigenen Beobachtungen und die Erfahrung in diese Richtung deuten. Das heißt dann, dass er skeptisch in die Zukunft blickt, in die des Landes wie in seine eigene; dass für ihn ein zur Hälfte gefülltes Glas immer halb leer ist statt halbvoll; dass er vor allem Fremden gegenüber lieber etwas misstrauischer ist als vertrauensselig und so weiter. Ein pessimistischer Mensch wirkt auf mich reserviert oder gar verschlossen. Er wartet lieber erst mal ab, bevor er sich öffnet. 

Ein Optimist lebt besser

Nun, so kann man auch leben. Doch ich bin überzeugt, dass ein optimistischer, ein zuversichtlicher  Mensch besser lebt. Er hat mehr Bekannte und Freunde, wagt öfter mal etwas Neues, sieht mehr von der Welt, erkennt Chancen, wo andere Probleme sehen und ist insgesamt lebensfroher.

Aber wie wird man optimistischer, wenn doch der Pessimismus uns allen in den Knochen steckt?

Losung und Lehrtext heute sind ein guter Fingerzeig. Ich glaube, wer immer wieder mal Gott lobt, sei es mit einem Dankgebet, sei es mit einem Loblied, der verliert seinen Pessimismus und wird vertrauensvoller und zuversichtlicher. Der verlässt sich darauf, in dieser Welt nicht allein zu stehen, sondern Gott an seiner Seite zu haben. Und der ist immerhin der Schöpfer von Himmel und Erde. Einen besseren, einen mächtigeren Beistand gibt es nicht. Grund genug, wenigstens etwas optimistischer zu sein.

Auch solche, die nicht glauben oder einer anderen Religion anhängen, können optimistisch sein. Manche kommen einfach als Frohnaturen auf die Welt. Gut, dass es sie gibt. Zum Pessimismus aber fällt mir wieder jener Satz ein, den mir einmal ein Oberkirchenrat gesagt hat: »Der einzige Mist, auf dem gar nichts wächst, ist der Pessimist.« Nun gut, das ist natürlich übertrieben. Aber ganz falsch ist es auch nicht.

Gebet: Herr, wenn ich auf mich schaue oder auf das, was in unserem Land und in der Welt so geschieht, meine ich schon, Grund zu haben, pessimistisch zu sein. Sobald ich aber auf dich schaue, wächst meine Zuversicht. Was auch immer wir Menschen tun, du regierst und dein Wille geschieht. Das zu erkennen, fällt mir schwer, wenn Sorgen meinen Blick trüben. Doch ich will dir auch in meinen schweren Zeiten danken und dich loben. Damit richtest du mich auf, und ich weiß wieder, wem ich all das Gute in meinem Leben zu verdanken habe. Du bist der Grund dafür, dass ich dir und meinen Mitmenschen vertrauen kann. Du bist der Grund, dass ich immer wieder zuversichtlich sein kann. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr /dein Hans Löhr

Sonntag, 16. Januar 2022

Du bist willkommen hl

Losung: Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit! Psalm 105,4

Lehrtext: Wer bittet, empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan. Lukas 11,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn mich meine erwachsenen Kinder besuchen und klingeln, überlege ich keine Sekunde, ob ich öffnen soll. Ich reiße freudig die Haustüre auf und wir umarmen uns. Und als sie früher ihre Osternester suchten, habe ich ihnen geholfen, wenn sie sie nicht gefunden haben: "warm, wärmer, kälter, heiß", und dann hatten sie das Nest in Händen. Sie liebten es, die Osternester zu suchen. Aber sie wollten auch die Gewissheit haben, dass sie sie auf jeden Fall finden würden und sei es eben mit etwas Nachhilfe.

Damit habe ich den Lehrtext eigentlich schon ausgelegt. Ob das so passt, überlasse ich deinem Urteil. Aber verhält es sich wirklich so mit Gott? 

Eine Willkommensgeschichte

Jesus erzählt die bekannte Geschichte, wie der „verlorene Sohn“ wieder nach Hause kommt. Er ist finanziell abgebrannt, äußerlich zerlumpt und innerlich von Gewissensbissen geplagt. Als sein Vater ihn sieht, hat er drei Möglichkeiten.
Entweder schließt er die Tür ab und sagt sich: „Den lass ich nicht mehr in mein Haus. Der soll schauen, dass er verschwindet.“
Oder er verhält sich so, wie sich viele, vielleicht sogar die meisten Väter verhalten würden. Er denkt sich: „Soll er nur kommen, der Rumtreiber und Versager. Das ganze Erbe, das ich ihm gegeben habe, hat er durchgebracht. Und jetzt, da er am Ende ist, kommt er wieder kleinlaut angekrochen. Er soll nur erst mal spüren, dass ich zornig und schwer enttäuscht bin. Er muss erst mal beweisen, dass ihm das alles leid tut. Dann sehen wir weiter.“
Oder der Vater wählt die dritte Möglichkeit, von der Jesus erzählt. Demnach denkt er gar nicht daran, wie ihn sein Sohn gekränkt hatte. Er stürmt durch die Tür und rennt (!) ihm entgegen. Und als der Sohn eine Entschuldigung stammelt, achtet er gar nicht weiter darauf, sondern fällt ihm um den Hals und drückt ihn an sein Herz. Alles ist gut.

Natürlich kann man den Lehrtext auch anders verstehen, hochmoralisch und gesetzlich. Dann kommt wieder alles auf mich an, dass ich nur inständig bitte, fleißig suche und zerknirscht bei Gott anklopfe in der Hoffnung, dass ich ihn finde und er mir auftut. Aber das wäre dann kein Evangelium mehr, keine befreiende, frohe Nachricht, sondern Druck, Warnung und Belehrung. Doch wenn es um Gottes Liebe geht, kommt es nun mal nicht auf mich an.

Die Losung aus dem Alten Testament kann man, wie üblich, gesetzlich verstehen. Alles hängt davon ab, ob der „Herr" in diesem Bibelwort mein barmherziger Vater ist, oder ein richtender und strafender Gott.

Gebet: Mein Gott und Vater, wenn ich dich in der Bibel suche, dann sagst du mir durch dein Wort: "Ich bin doch längst da." Und wenn ich im Gebet bei dir anklopfe, dann renne ich offene Türen ein. Du hast den Tisch schon gedeckt. Du willst, dass ich bei dir daheim bin. Du wirst mir auch gern geben, worum ich bitte, wenn es zu meinem Besten ist. Danke, dass ich dir gehöre und dir willkommen bin. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr






Samstag, 15. Januar 2022

Stärker als Schuld, Feindschaft und Tod hl

Losung: Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Jesaja 53,5 

Lehrtext: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 2.Korinther 5,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass Unschuldige leiden, ja dass sie geopfert werden müssen, damit den Schuldigen von den Göttern vergeben wird, ist in einigen Religionen eine übliche Vorstellung. Bei den Griechen war das zum Beispiel Iphigenie. Bei den Mayas und Azteken waren das Kinder, Jungfrauen oder Gefangene. Ihr Opfer sollte den Lauf der Sonne und den Fortbestand der Welt sichern. Abraham sollte seinen Sohn Isaak opfern, um so seinen unbedingten Gehorsam Gott gegenüber zu beweisen. In der Losung wird das Leiden des unbekannten Gottesknechts als Sühneopfer für die Sünden des Volkes gedeutet. Im Neuen Testament wird dieses Motiv wieder aufgegriffen und auf Jesus übertragen. Sein Tod wurde unter anderem als Opfer verstanden, womit er die Sünder Gott wieder recht macht (Lehrtext).

Ich habe gerade durch Jesus ein anderes Gottesbild. Mein barmherziger Vater braucht keine Opfer zur Vergebung der Sünden, schon gar nicht den Kreuzestod seines Sohnes. Diese Vorstellung beleidigt meinen Glauben. Der Schöpfer von Himmel und Erde wird in seiner Ehre nicht dadurch gekränkt, dass jemand einen Ladendiebstahl begeht, über seine Mitmenschen hinter ihrem Rücken herzieht, begehrlich auf den Besitz seines Nachbarn schielt, vor der Ehe Geschlechtsverkehr hat oder fremdgeht. Wenn, dann kränkt ihn der, der an seiner Liebe zweifelt.

Warum aber ist Jesus dann am Kreuz hingerichtet worden? Weil er den Mächtigen in der damaligen Kirche im Weg war und für die römische Besatzungsmacht ein "Bauernopfer", womit wieder Ruhe und Ordnung in Jerusalem hergestellt wurde. 

Verständnis von Jesu Kreuzestod heute

Und wie kann sein Tod aus der Sicht des Glaubens heute verstanden werden? Ich verstehe ihn so, dass Jesus seine Sendung bis zuletzt nicht verraten hat. Er hat die Liebe über das Gesetz gestellt, die Barmherzigkeit über das Versagen, die Gnade über die Forderung, die Güte über die Strenge, die Vergebung über die Strafe, die Erlösung aller über die Verdammnis. Er hat Gott über eine Kirche gestellt, die die Menschen beherrscht statt ihnen zu dienen; über selbstgerechte Propheten und Prediger, die ihnen die Hölle heiß machen, statt ihnen Gott nahezubringen. Das hat die Macht dieser Leute infrage gestellt. Das hat man ihm nicht verziehen. Auslöschen, hieß die Parole, ans Kreuz mit ihm!

Hätte Jesus widerrufen, wäre er geflohen, hätte er sich einen guten Verteidiger genommen - er hätte später im Bett sterben können. Doch auf diese Weise wäre auch die gute Nachricht von Gott mit ihm gestorben. So aber hat er ihn bis zum letzten Atemzug als den bezeugt, der keins seiner Geschöpfe verloren gibt, weil er sie alle bedingungslos liebt, gerade seine Feinde; denn die haben ihn am nötigsten.

"Liebe ist stark wie der Tod", heißt es im Alten Testament. Liebe ist stärker als Schuld, Feindschaft und Tod, sagt der Gekreuzigte.

Gebet: Herr, du bist meine Sonne. Du wärmst mein kaltes Herz und bist das Licht in der Nacht meiner Sorgen. In deiner Gegenwart taut mein Lebensmut auf und die Freude öffnet ihre zarten Kelche. So kehrt der Frühling in mein Leben zurück und ich singe dir wie die Lerche ein Lied. Amen

Herzliche Grüße!
 
Hans Löhr

PS: Auch die Ermordung und das Verbrennen (= Holocaust) der Juden durch die Nationalsozialisten kann als eine moderne, säkulare Form von Menschenopfern verstanden werden, um der so "gereinigten", arischen Rasse zur Weltherrschaft zu verhelfen.

Freitag, 14. Januar 2022

Lass dich von deinen Problemen nicht erdrücken hl

Losung: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der Herr hat Großes an ihnen getan! Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich (Losung). Herr, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. (Psalm 126)

Lehrtext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Epheser 1,3 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der poetische Psalm 126, aus dem die Losung kommt, gehört für mich zur hohen Schule des Glaubens. Ich lerne von seinem Verfasser etwas ganz Wichtiges. Ich lerne, die Zukunft vorwegzunehmen, um mich von den Problemen der Gegenwart nicht erdrücken zu lassen. Und das geht so:

Ich male mir so gut ich kann aus, wie es mir gehen wird, wenn das Problem gelöst sein wird, wenn ich zum Beispiel von einer schweren Krankheit genesen sein werde und ich die Last los bin: Keine Schmerzen mehr, keine Arztbesuche, keine Untersuchungen, kein Krankenhaus, keine Medikamente ... Endlich frei! Oder ich stelle mir vor, wie es sein wird, wenn eine andere Schwierigkeit überwunden ist, die mir zu schaffen macht. 

So nehme ich in Gedanken vorweg, wie eine bessere Zukunft sein wird. So male ich mir vor Augen, was geschehen soll und kann mich schon jetzt innerlich darauf einstellen und vorbereiten. So stehe ich mit einem Bein noch in der Gegenwart und mit dem anderen schon in der Zukunft. Ich bleibe der Erde treu und tue, was jetzt getan werden muss, doch zugleich bin ich in Gedanken im "Himmel", also bei Gott, und vertraue darauf, dass er tun wird, was ich brauche.

Darum will ich, wenn ich mich in einer großen Notlage befinde und noch ein Funke Hoffnung in mir ist, so beten wie der Verfasser des Psalms 126, aus dem die heutige Losung kommt, und sagen:

Gebet: Wenn du, Gott, mich aus dieser großen Not erlöst haben wirst, werde ich sein, wie einer, der glaubt, er träume. Dann werde ich wieder froh sein und lachen können. Dann werde ich dich preisen. Da werden andere sagen: Gott hat ihm geholfen. Ja, das werde auch ich sagen: Du bist es, der mir geholfen hat. Darüber freue ich mich.
Herr, hilf mir jetzt in meiner Not, der du mir schon früher geholfen hast. Jetzt bin ich noch verzagt und weine nachts heimlich in mein Kissen. Doch in mir keimt der Same der Hoffnung. Und einmal werde ich wieder vor dir stehen, und dir von Herzen danken. Amen

Gott segne Sie / dich mit dem heilenden Geist seines Sohnes Jesus Christus! (Lehrtext)

Hans Löhr

Donnerstag, 13. Januar 2022

Nachdenken über Geduld hl

Losung: Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Hochgelobt sei Gott! Psalm 70,5 

Lehrtext: Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt. Römer 15,5-6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du ein geduldiger Mensch? Ach ja, die Geduld! Nicht umsonst ist sie eine Tugend, die in Partnerschaft und Familie, am Arbeitsplatz und wo sonst Menschen miteinander zu tun haben das Zusammenleben erleichtert. Ein bisschen beneide ich diejenigen, die mehr Geduld haben als ich. Gott aber beneide ich nicht, sondern bin dankbar für seine Geduld (Lehrtext) mit mir. Sie gehört zu seinem Heil, wie es in der Losung heißt. Und weil wir alle einen geduldigen Gott haben, so müssen wir von ihm auch kein Unheil fürchten.

Ob sein Geduldsfaden mal reißt? In der Erzählung von der Sintflut ist davon die Rede. Doch sie endet mit der Zusage, dass seine Geduld künftig stärker sein wird als das Versagen der Menschen. Der Regenbogen ist nicht zuletzt auch ein Zeichen göttlicher Geduld. »Die Liebe erträgt alles und duldet alles« heißt es im sogenannten hohen Lied der Liebe (1. Korinther 13,7). Meine Liebe und Geduld sind so stark nicht. Aber damit will ich mich nicht zufrieden geben, sondern mich weiterhin in Geduld üben. 

Unter uns Menschen muss Geduld meines Erachtens auch mal eine Grenze haben. Ich kenne eine Mutter, die hat schier unendliche Geduld mit ihren beiden Buben. Dafür tanzen sie ihr auch oft genug auf der Nase herum. Jesus hatte mit den Geschäftemachern im Jerusalemer Tempel keine Geduld mehr und hat sie hinausgeworfen. Und selbst muss ich auch wissen, wann ich die Geduld meiner Mitmenschen überstrapaziere. Einmal läuft das Fass eben über zum Beispiel in diesem Augenblick, während ich diesen Satz schreibe. Da ist mein Kater zum dritten Mal aufs Bett gehüpft, was ich nicht dulde. Jetzt habe ich ihm gezeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.

Ungeduld stresst und führt zu Konflikten. Geduld aber beruhigt und entspannt. Das wusste Paulus, der alles andere als geduldig war und darum aus eigener Erfahrung die Christen in Rom nicht zur Geduld ermahnt, sondern Gott darum bittet.

Natürlich kann ich mich zusammenreißen, wenn ich spüre, dass ich ungeduldig werde, weil der Geduldsfaden nicht gleich durchs Nadelöhr geht. Aber wenn ich den Lehrtext heute richtig verstehe, dann ist Geduld ein Geschenk von dem, der selbst die Geduld in Person ist. Er ist, so meine ich, zurecht zu loben (Lehrtext).

Gebet: Herr, auch wenn ich glaube, dass deine Geduld unerschöpflich ist, so will ich sie doch nicht auf die Probe stellen, sondern dir dafür danken. Wäre ich an deiner Stelle, ich hätte mit dieser Menschenwelt und auch mit mir selbst so viel Geduld nicht. Aber Gott sei Dank darf ich ein Mensch sein, mit dem du immer wieder Geduld hast. Und wenn ich wieder nervös werde, will ich auf dich schauen, wie gelassen du bist und davon lernen. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 12. Januar 2022

Jetzt kommt's zum Schwur hl

Losung: Der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König und nicht die von Menschenhand gemachten Götzenfiguren. Er aber hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Erdkreis bereitet durch seine Weisheit und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. Jeremia 10,10 

Lehrtext: Jesus sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Matthäus 11,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer ist dein Gott? Ich meine jetzt mal nicht, was Luther im Großen Katechismus geschrieben hat: "Dein Gott ist das, woran dein Herz hängt", also Dinge wie Geld, Macht, Karriere ... Ich gehe von deinem Gottesbild aus. Also wie stellst du ihn dir vor? Was sind seine Merkmale für dich? Was sein Wesen?

Seit Jahrtausenden stellen sich Menschen Gott oder die Götter als menschenähnliche Wesen vor, als Supermenschen: größer, mächtiger, stärker als sie und dazu noch unsterblich. Juden und Muslime verbieten zwar eine bildliche Darstellung Gottes, doch sie reden wie Christen menschlich von ihm. Was sie aber fundamental vom Gott der Christen unterscheidet, ist Jesus, ist der Glaube, dass Gott Mensch geworden ist und wie ein Mensch leiden und sterben konnte. Auch viele Christen können damit nichts anfangen. Für sie gilt: Gott, der Schöpfer - ja. Gott in Jesus - nein. Gott der barmherzige Vater - vielleicht. Jesus der Sohn Gottes - nein.

Doch Gott ist kein Supermensch und kein Unmensch. Er wird Mensch und bleibt doch Gott. Dieses Bild von ihm hat sich in den ersten Jahrhunderten des Christentums durchgesetzt. So zeigt er sich in Jesus Christus. Anders kann auch ich ihn mir nicht vorstellen. Anders kann ich nicht von ihm reden.

Aber kann man denn nicht doch so wie im Alten Testament von Gott reden? Von einem höheren Wesen, das die Welt geschaffen hat und erhält? (Losung) Das belohnt und bestraft, segnet und verdammt, erwählt und verwirft? Kann man schon. Doch ich richte mich danach, wie von ihm im Evangelium Jesu die Rede ist, in seiner guten Nachricht (Lehrtext). Darin ist Gott nicht wie sonst der Gott der Herrschenden und Reichen, der hohen Geistlichkeit und der Generäle, sondern zuerst "der Gott der kleinen Leute", der Erniedrigten und Beleidigten, der Kranken und Ausgestoßenen. 

Zu ihnen ist er in Jesus gekommen, um zu heilen und zu vergeben, um ihnen die Nachricht zu bringen: Ihr, die ihr von Menschen verachtet seid, seid von Gott geliebt. Die ihr von Menschen wie Vieh behandelt werdet, seid seine Kinder. Und nun liegt es an den Mächtigen und Reichen, aber auch an denen, die jetzt ein bürgerliches Leben führen ohne große finanzielle Not, also an dir und mir, ob wir die Geschwister dieser Gotteskinder sein wollen, mit ihnen auf gleicher Stufe vor Gott. Ich will nicht vergessen, dass Jesus sagt, er begegne mir in den Geringsten seiner Brüder und Schwestern, in den Hungernden, Obdachlosen, Kranken, Gefangenen, Zerlumpten, in den Flüchtlingen und Trauernden. Welche Folgen hat das für meinen Glauben? Welche für mein Leben?

Und nun kommt's zum Schwur: Begegnet er mir auch in meinen Feinden? In denen, die ich nicht leiden kann? Die ich ablehne und mit denen ich nichts zu tun haben möchte? Also in Neonazis und Islamisten, in Reichsbürgern und radikalen Impfgegnern, in Querdenkern und denen, die Hass und Lügen verbreiten und vor Gewalt nicht zurückschrecken? Welche Folgen hätte denn das für mein Leben und meinen Glauben?

Ja, auch sie alle sind Geschöpfe und Kinder Gottes, die von ihm bedingungslos geliebt werden. Jetzt zeigt es sich, wie weit es mit meiner Nächsten- und Feindesliebe her ist, ob ich auch in ihnen meine Schwestern und Brüder sehe, ihre Menschenwürde achte, für ihre Rechte eintrete und ihnen helfe, wenn sie in Not sind. Wer ist mein Gott? Sage mir, wie du zu deinen Feinden bist, und ich sage dir, wer dein Gott ist.

Gebet: Mein Gott, du Schöpfer und Vater aller Menschen, bezwinge mein Herz, dass ich es nicht vor denen verschließe, die ich schwer ertragen kann. Du bist mitten in den Konflikten unserer Zeit, kennst die Ängste und den Hass, die Feindschaft und die Überheblichkeit. Gib mir die Kraft, freundlich und offen zu bleiben und doch auch entschieden und klar. Lass mich hinter allem Vordergründigen den Menschen sehen, der nicht meiner Verachtung bedarf, sondern deiner Liebe. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Dienstag, 11. Januar 2022

Raus aus dem Misstrauen hl

Losung: Wo Träume sich mehren und Nichtigkeiten und viele Worte, da fürchte Gott! Prediger 5,6

Lehrtext: Niemand soll euch das Heil absprechen, der sich in Demutsübungen und Engelverehrung gefällt und das mit irgendwelchen visionären Erlebnissen begründet. Solche Menschen blähen sich grundlos auf in ihrer rein irdischen Gesinnung, statt sich an Christus zu halten. Kolosser 2,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

es scheint für viele ein unstillbares Verlangen zu sein, mehr und anderes zu wissen als andere. Man fühlt sich dann bedeutender, gescheiter und der dummen Masse überlegen. Die denkt in die falsche Richtung, deshalb denkt man quer dazu. Die ist mit ihren tausend Experten falsch informiert, deshalb hat man seinen eigenen Experten, der alles besser weiß. Die Masse weiß nicht, wer sich alles hinter ihrem Rücken in böser Absicht gegen sie verschworen hat. Aber selbst hat man das glücklicherweise durchschaut. So kann man dann mit dem Bürgermeister aus Lortzings Operette "Zar und Zimmermann" singen: "O ich bin klug und weise und mich betrügt man nicht."

Soll man die, die so denken, deswegen verurteilen? Vielleicht hat Goethe recht, und man gleicht dem Geist, den man begreift. Vielleicht stimmt doch die schmerzliche Einsicht, dass jeder so denkt wie er muss. Bis auf mich natürlich, denn ich weiß es bestimmt besser. Doch im Ernst, woher glaube ich immer zu wissen, was richtig ist und was falsch? 

Lebensfreude statt Misstrauen

Da ich kein Virologe bin, muss und will ich darauf vertrauen, was diese Wissenschaftler weltweit über das Corona-Virus herausgefunden haben. Meine bisherige Lebenserfahrung sagt mir, dass auf allgemein anerkannte, wissenschaftliche Ergebnisse Verlass ist. 

Ich durchschaue die Technik meines Smartphones nicht, weiß aber, dass es funktioniert und habe keine Angst vor angeblich schädlicher Strahlung. Ich habe die Ampelschaltungen nicht programmiert, verlasse mich aber darauf, dass die anderen Rot haben, wenn ich Grün habe. Vor einer Operation werde ich mit Narkosemitteln anästhesiert. Ich kenne sie nicht, bin aber dazu bereit, weil ich nicht bei vollem Bewusstsein operiert werden möchte. Bisher bin ich noch jedesmal wieder aufgewacht.

Natürlich kann immer ein verhängnisvoller Fehler passieren. Kein Mensch, auch kein Arzt, Wissenschaftler oder Ingenieur ist perfekt. Aber ohne ein gewisses Grundvertrauen klappt das Zusammenleben einfach nicht. Ich kann und will auch nicht alles kontrollieren. Und ich will nicht im ständigen Misstrauensmodus leben. Das würde mir die Lebensfreude rauben.

Nüchtern bleiben

Losung und Lehrtext heute sprechen von gebotener Nüchternheit auch in Glaubensfragen. Auch da gibt es Grundlagen, die weithin anerkannt sind. Zum Beispiel, dass die Bibel für Christen die wichtigste Glaubensquelle und in ihr das Evangelium von Jesus entscheidend für die Gotteserkenntnis ist. 

Träume mögen für den einzelnen Menschen eine wichtige, persönliche Erfahrung sein. Für die Gemeinschaft sind sie bedeutungslos. Esoterische Geheimlehren und "visionäre Erlebnisse" mögen für Menschen, die dafür anfällig sind, faszinierend sein; für die Gemeinschaft der Glaubenden sind sie problematisch, weil sie verwirren, verunsichern und spalten.

Was den Glauben und das Gottvertrauen betrifft, halte ich mich zuerst und zuletzt an Jesus Christus. Da bin ich sozusagen auf der sicheren Seite. Das sagt mir meine Glaubens- und Lebenserfahrung. Das macht mich frei, zuversichtlich und weltoffen. Das macht mich getrost. So lasse ich mir von niemandem, und tue er noch so gescheit, "das Heil absprechen" (Lehrtext), die Überzeugung, dass Gott diese Welt liebt und dich und mich. 

Gebet: Herr, was sollen mir Träume, Verschwörungstheorien, Weltuntergangsfantasien, esoterisches Geheimwissen und dergleichen mehr. Das alles verdunkelt die Wahrheit über dich und die Welt. Du hast dich in Jesus gezeigt, wer und wie du bist. Und durch ihn erkenne ich wie und was die Welt ist und wie und was ich bin: Vergänglich, unvollkommen, widersprüchlich. Und doch wendest du dich in deiner großen Güte dieser Welt und mir zu, nicht um zu richten und zu vernichten, sondern um aufzurichten und zu retten. Du hast mir Verstand und Vernunft gegeben, dass ich nicht auf alles hereinfalle, was andere behaupten und befürchten. Du hast mir die Fähigkeit gegeben, dir ganz und gar zur vertrauen und trotz aller Enttäuschungen auch meinen Mitmenschen immer wieder Vertrauen entgegenzubringen. Lass auch mich ein vertrauenswürdiger Mensch sein, auf dessen Worte und Taten sich andere verlassen können. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr





Montag, 10. Januar 2022

Meine blinden Flecken hl

Losung: Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden! Psalm 19,13 

Lehrtext: Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch, was im Dunkeln verborgen ist, ans Licht bringen und Sinnen und Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird einem jeden sein Lob zuteil werden von Gott. 1.Korinther 4,5        

Liebe Leserin, lieber Leser, 

in der Losung geht es nicht darum, dass ich irgendwelche unschönen Dinge in meinem Leben verstecke und verschweige, sondern dass ich schuldig werde, ohne dass mir das so richtig bewusst wird.

Da ist zum einen, was ich im Umgang mit anderen Menschen versäumt habe, zum Beispiel in der Erziehung meiner Kinder. Ja, ich bin ihnen manches schuldig geblieben. Manches weiß ich, anderes nicht. Jedenfalls habe auch ich meine sogenannten blinden Flecken wie jeder Mensch, Dinge, die ich an mir nicht bemerke, andere aber schon.

Außerdem bin ich mir sicher, dass ich mich in verschiedener Hinsicht irre, aber da ich oft nicht weiß, in welcher, sind mir meine Irrtümer nicht bewusst. Wenn sie mir aber bewusst werden, dann hoffe ich, die Größe zu haben, sie auch zuzugeben statt sie schamhaft zu verschweigen. 

Mein Irrtum in der Pandemie 

So hatte ich vor zwei Jahren zu Beginn der Pandemie noch geglaubt, es handle sich um so etwas wie eine Grippe, die durchaus auch gefährlich sein kann und an der manche sterben, die aber insgesamt nicht ganze Länder und Kontinente in Mitleidenschaft zieht. Damals schienen mir die Warnungen der Mediziner und Virologen übertrieben zu sein. Inzwischen bin ich längst eines Besseren belehrt und heilfroh, dass ich dreimal geimpft bin. Und sobald ich ein viertes Mal geimpft werden kann, werde ich mich darum bemühen.

Und dann ist da noch mein Lebensstil in Deutschland im 21. Jahrhundert. Mir ist durchaus bewusst, dass wir alle in den Industrieländern auf Kosten der Menschen in den ärmeren Ländern leben. Doch, ehrlich gesagt, ich will gar nicht so genau wissen, wie das mit den Südfrüchten ist, die ich esse, mit dem Kaffee, den ich trinke, mit der Kleidung, die ich trage oder mit dem Fleisch, das ich immer noch verzehre, auch wenn ich den Konsum reduziere. Ja, wenn schon Lebensmittel aus anderen Ländern oder Fleisch, Eier und Gemüse aus unserem Land, dann wenigstens aus biologischem Anbau oder aus möglichst artgerechter Haltung. Aber das soll mich nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr ich mit meiner Lebensweise in den ungerechten Welthandel und in Produktionsverhältnisse auf Kosten anderer verstrickt bin. 

Mein Lebensstil – eine Belastung

Und selbst, wenn ich mich peinlich genau bemühe, ökologisch korrekt zu leben, das Tierwohl zu beachten und meinen CO2-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten – solange ich so „normal“ lebe wie meine Freunde und Nachbarn, solange bleibe ich in der einen oder anderen Weise eine Belastung für andere Menschen, Lebewesen und die Natur.

Zur Selbstgerechtigkeit habe ich in dieser Hinsicht überhaupt keinen Anlass und erst recht nicht zu der Haltung: „Nach mir die Sintflut“. Auch was meinen Lebensstil betrifft, lebe ich davon, dass Gott mir verzeiht (Losung). Was ich aber unwissentlich angerichtet habe, das wird dann offenbar, wenn ich in absehbarer Zeit vor ihm stehe. 

Wer kann die Rechnung bezahlen?

Nein, ich möchte das alles gar nicht so genau wissen. Aber einmal wird mir die Rechnung präsentiert. Und wenn ich dann erschrecke über die Summe, die ich nie und nimmer bezahlen kann, dann, so hoffe ich, wird Jesus sagen: „Ja, erschrecke nur. Aber fürchte dich nicht. Die Rechnung übernehme ich.“ 

Gebet: Herr, wie könnte ich glauben, leben und sterben, ohne auf deine Barmherzigkeit zu vertrauen? Ich kann mich nicht selbst rechtfertigen für das, was ich nicht richtig gemacht habe, auch wenn ich manches gar nicht weiß. Ich kann mich nicht selbst entschuldigen. Ich kann nur dich und meine Mitmenschen um Entschuldigung bitten und hoffen, dass du sie annimmst. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Sonntag, 9. Januar 2022

Jesus, die NATO und der Krieg hl

Losung: Weh denen, die sich verlassen auf Rosse und vertrauen auf Wagen, weil ihrer viele sind! Aber sie schauen nicht auf den Heiligen Israels, und den HERRN befragen sie nicht. Jesaja 31,1

Lehrtext: Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Hebräer 2,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich kenne viele Christen aus meinem Umfeld, die es beruhigt und sicher macht, dass wir ein Militär  haben und alle möglichen Vernichtungswaffen: nicht mehr, wie zu Jesajas Zeiten, Schlachtrosse und Streitwagen, sondern Schlachtschiffe, Bomber, Panzer, Raketen und jede Menge Artillerie. Übrigens, auf ihnen allen ist das Kreuz Jesu als sogenanntes "Balkenkreuz" gemalt. Was für eine Blasphemie! Welche Kirche hätte dagegen protestiert? Ich kenne keine.

Warum machen Waffen sicher? Kannst du mir darauf eine Antwort geben, wenn du zu jenen Christen gehörst? "Aber man muss sich doch verteidigen können!" Ja, das ist eine Antwort. Doch nun frage ich dich wieder: "Was hatte die deutsche Wehrmacht in Russland und Frankreich, in Norwegen und Griechenland verteidigt? Was hat die Bundeswehr in Afghanistan verteidigt? Und was soll sie in der Ukraine verteidigen? In der jüngsten Geschichte wollten die USA in Vietnam, Irak, Libyen, Syrien und Afghanistan angeblich Demokratie, Wohlstand, Menschenrechte "verteidigen" und den Terror bekämpfen. Was bitte ist daraus geworden? 

Völkerrechtswidriger Angriffskrieg mit der Bundeswehr

Deutschland gehört zum Militärbündnis NATO. Diese dürfte ihren eigenen Statuten zufolge nur ihre Mitgliedsstaaten verteidigen. Aber sie hält sich nicht daran wie im Frühjahr 1999 der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der NATO und der Bundeswehr (!) auf Serbien (Der Link führt zu Informationen des Deutschlandfunks über die Hintergründe) gezeigt hat. Ich erinnere mich noch gut, wie damals in Kroatien deutsche Tornado Kampfjets von Italien kommend über meinen Kopf hinweg nach Serbien geflogen sind. Dieser Bombenkrieg ohne UN-Mandat hat das  Vertrauen in ein friedliches Deutschland tief erschüttert. Bei vielen ist er leider wieder vergessen.

Pulverfass Ukraine

Jetzt wird laut darüber nachgedacht, dass NATO und Bundeswehr in die Ukraine marschieren, direkt vor die Haustür von Putin und den Russen. Hat man denn in Washington, Brüssel und Berlin vergessen, welche ungeheuren Greueltaten deutsche Soldaten vor gerade mal 80 Jahren in der Ukraine verübt haben? Sind die Kesselschlacht von Kiew und die Verbrechen von Babi Jar (Babyn Jar) vergessen? Bei uns, wie es scheint. Bei den Russen und Ukrainern nicht.

Wenn schon das Bedürfnis besteht, dass unser Land heute verteidigungsfähig sein soll, warum bleibt dann die Bundeswehr nicht im eigenen Land?

Nun, wir in Deutschland sind nicht die ersten und nicht die letzten, die sich auf "Rosse und Wagen" verlassen. Die Juden haben das zur Zeit Jesajas getan und tun es heute wieder. Ebenso wie wie alle Länder, die zwei Jahrtausende "christlich" geprägt wurden.

Dass da im Buch des Propheten Jesaja etwas anderes steht, nämlich sich auf den HERRN und nicht auf Militär verlassen - da lacht man in den USA, in Russland, in Deutschland und Israel: "Wir sind doch Realisten und keine religiösen Spinner!" Wohin dieser "Realismus" in den letzten 2500 Jahren  geführt, wozu er verführt hat, kann jeder selbst nachlesen, falls er diese Geschichte des Horrors erträgt.

Die Alternative zu Krieg und Gewaltanwendung

Und die Alternative? Jesus! Er lehnte Gewalt ab und lehrte, die Feinde zu lieben, also mit ihnen zu reden, ihre Befürchtungen und Interessen zu verstehen, ihnen entgegenzukommen und ihnen zu helfen, das Gesicht zu wahren statt ihnen zu drohen und sie zu bekämpfen. Zum Frieden fähig in seinem Sinn ist, wer im Feind den Menschen sieht, seinen Bruder und seine Schwester. Wer vor dem ersten Schuss Mitleid und Erbarmen hat mit den künftigen, den potentiellen Opfern auf beiden Seiten, insbesondere mit den wehrlosen Kindern, den Frauen und alten Menschen. Jesus hat die Feindesliebe selbst vorgelebt. "Auf ihn sollt ihr hören", heißt es in der Bibel (Lehrtext; Matthäus 17,5)

Doch wer ist ihm, diesem "religiösen Spinner" schon gefolgt? Welcher Papst, welcher Bischof, welcher Dekan, welche Pfarrerin und welcher Pfarrer? Ihm ging es nie nur um den Seelenfrieden. Seit seiner Geburt gilt das Wort vom "Frieden auf Erden!"

Wenigstens gab und gibt es ein paar Christen, wie die Quäker in den USA und die sonst problematischen Zeugen Jehovas, die lieber ins Gefängnis gehen als in Uniform zu marschieren und zu den Waffen zu greifen. Und es gibt ein paar kluge Köpfe wie Leo Tolstoi, Kurt Tucholsky, Rosa Luxemburg, Albert Einstein, Gandhi, Martin Luther King und Prominente wie John Lennon, den Dalai Lama, Jane Fonda, Muhammed Ali, Joan Baez und andere, die den Irrsinn von Militär und Krieg verabscheuen. Und es gibt das ermutigende Beispiel der deutsch-französischen Freundschaft nach der sogenannten Erbfeindschaft und Millionen Kriegstoten auf beiden Seiten.

"Wehe!"

"Wehe!", ruft Jesaja. Und Jesus weint (!) über Jerusalem. Er klagt: "Warum hast du nicht erkannt, was zu deinem Frieden dient? Nun werden die Feinde kommen und sie werden dich samt deinen Kindern zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen.(Lukas 19,42-44) So ist es geschehen. "Wehe!", rufen Millionen Kriegsopfer, Kinder, Frauen und Soldaten aus ihren Gräbern, "wehe den Leichtfertigen und Vergesslichen, den Unversöhnlichen und Feindseligen, den  Gewaltbereiten und Geschäftemachern des Todes und allen, die ihnen folgen!"

Krieg, das heißt immer, dass hilflose Kinder auf bestialische Weise umgebracht werden: erschossen, zerfetzt, verbrannt ... Früher aus nächster Nähe, heute oft aus großer Höhe mit Bomben, Raketen und Drohnen. Von wem? Von den anderen, den Bösen. Wir aber sind natürlich immer die Guten. Wir "verteidigen" nur und waschen unsere Hände in Unschuld.

Gebet: Herr, ich habe große Sorge, dass aus dem neuen kalten Krieg zwischen West und Ost ein heißer werden kann. Ohne deinen Geist, ohne den Geist des Friedens und der Versöhnung werden wir in Europa wieder aufeinander losgehen. Ja, natürlich bitte ich dich um Frieden wie so viele Menschen in so vielen Ländern und Jahrhunderten zuvor. Doch ich muss selbst einen Beitrag leisten. Muss mich entfeinden, friedfertig und versöhnlich werden. Ich will mich bemühen so gut ich kann. Du musst mir dabei helfen. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr



Samstag, 8. Januar 2022

Wie du trotzdem hoffen kannst hl

Losung: Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe. Hiob 16,19 

Lehrtext: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräer 11,1        

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es nur so leicht wäre, zuversichtlich zu sein, dass eintrifft, was man hofft. Ich weiß nicht, worauf andere ihre Hoffnung gründen. Vielleicht auf den Spruch der rheinischen Frohnaturen in Köln: „Bis jetzt ist noch alles gut gegangen“ oder auf andere Weisheiten. Der Lehrtext sagt mir: ‚Gründe du deine Hoffnung auf den Glauben‘. Genauer und mit Blick auf die Losung: ‚Gründe deine Hoffnung auf den lebendigen Gott. Er war und ist und bleibt der Herr über Zeit und Ewigkeit. Er ist dein König, der regiert. Er ist dein Hirte, bei dem dir nichts mangelt. Er wird morgen derselbe sein, der er heute ist und gestern war.‘

Ich teile im Hinblick auf die Zukunft unseres Landes und den Zustand der Welt nicht den Optimismus derer, die sagen: „Der Markt wird alles richten.“ Ich glaube auch nicht mehr, dass die vielen Konferenzen zum Klimawandel irgendetwas zum Besseren verändern. Ich glaube erst recht nicht, dass Wettrüsten, Militärbündnisse und Drohungen den Frieden erhalten. Anders gesagt: Ich gründe meine Hoffnung nicht auf menschliche Vernunft, Politik und Leistungskraft, auch nicht auf meine eigene.

Stattdessen sage ich mit Martin Luther:

Ich setze mein Vertrauen auf keinen Menschen auf Erden,
auch nicht auf mich selbst,
auch nicht auf meine Gewalt, Kunst, Gut, Frömmigkeit
oder was ich sonst hab.
Ich setze mein Vertrauen auf keine Kreatur,
sie sei im Himmel oder auf Erden.
Ich wage und setze mein Vertrauen
allein auf den unsichtbaren, unbegreiflichen, einzigen Gott,
der Himmel und Erde erschaffen hat
und allein über alle Kreatur herrscht.

Und dabei, liebe Leserin, lieber Leser, geht es nicht nur um die großen Probleme der Menschheit, sondern auch um meine eigenen. Aber soll ich denn nun meine Hände in den Schoß legen und abwarten, was Gott macht? Nein. Ich soll mit meinen Kräften, die er mir gegeben hat, gelassen und besonnen tun, was möglich ist. Er wirkt auch durch sie und wird das Seine dazutun.

Was und wie dann alles wird, ist sowieso seine Sache. Sein Wille geschieht im Himmel und auf Erden. Nicht meiner. Ich vertraue darauf, dass Gottes Wille ein guter ist, der für seine Schöpfung und für uns Menschen und für dich und für mich letzten Endes nur das Beste will und schafft. Dieses Vertrauen flößt mir Jesus Christus ein, in dem Gott sich zeigt, wer und wie er ist. Eine andere, eine bessere Alternative kenne ich nicht und brauche ich nicht, um für mich und die Welt zuversichtlich zu sein. 

Und weil es so treffend, so tröstend und so stärkend ist, bringe ich wieder dieses Gebet der ökumenischen Gemeinschaft in Taize:

Meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht,
Christus, meine Zuversicht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Freitag, 7. Januar 2022

Versöhnung heilt hl

Losung: Du sollst heute wissen und zu Herzen nehmen, dass der HERR Gott ist oben im Himmel und unten auf Erden und sonst keiner. 5.Mose 4,39

Lehrtext: Es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel. Kolosser 1,19-20       
„Alle mal herhören: Ihr seid versöhnt mit Gott, alle ohne Ausnahme (Lehrtext). Und nun versöhnt euch mit euch selbst und mit den anderen! Bedenkt, es lebt sich besser versöhnt als unversöhnt. Ihr werdet freier und unbeschwerter, friedlicher und toleranter, fröhlicher und gelassener sein. Das tut euch gut und ihnen auch."

Liebe Leserin und lieber Leser, 

für mich ist das die gute Nachricht, die die Welt braucht und ich zuerst. „Aber, aber“ sagen Kritiker und Bedenkenträger, Besserwisser und Zweifler, „all die Schuld der anderen, all das eigene Leid; was soll uns da Versöhnung?“

     Kein Aber. Das große Geheimnis des Universums und deines Lebens heißt: Es lebt ein versöhnter Gott oben im Himmel und unten auf Erden (Losung), bei dir und bei mir. Er hat nichts gegen dich, aber alles für dich. Nicht ihn musst du fürchten, sondern dein unversöhntes Herz.

     Für diese Nachricht hat Jesus gelebt. Für sie ist er gestorben. Damit wir ihr glauben, hat Gott ihn auferweckt und uns zu seinen Boten gemacht. Doch es reicht nicht, sie mit den Lippen zu bekennen. Wir können selbst als versöhnte Menschen leben, denn Versöhnung heilt.

 Gebet: Herr, du hast deinen Menschen nicht den Krieg erklärt, sondern sie mit dir versöhnt. Du schaust nicht auf das, was dich zornig macht, sondern schenkst mir deinen Frieden. So möchte auch ich ein versöhnlicher Mensch sein und mit dir und meinen Mitmenschen in Frieden leben. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 6. Januar 2022

Nie wieder Selbsterniedrigung und Selbstentwertung hl

Losung: Ich will sie reinigen von aller Missetat, womit sie wider mich gesündigt haben, und will ihnen vergeben. Jeremia 33,8

Lehrtext:
Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1. Johannes 2,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

halal, koscher, rein - für Muslime und Juden ist es heute noch von großer Bedeutung, dass sie unterscheiden zwischen rein und unrein. Das betrifft vor allem die Speisen, aber auch andere Bereiche des Lebens.

     Christen kennen die religiöse Unterscheidung von reinen und unreinen Speisen nicht mehr. Aber nicht wenige von ihnen, vor allem in früheren Zeiten, fühlten sich selbst unrein, von Sünden befleckt und mit Schuld beschmutzt. Priester und Pfarrer haben ihnen das seit biblischen Zeiten eingeredet, weil ihnen selbst das auch eingeredet worden ist. Und sie haben eine mächtige Waschmaschine betrieben namens Kirche, in der die schmutzigen Seelen mit Blut reingewaschen würden. Mit dem Blut Jesu. 

Schauerliche Blut-Esoterik … 

     Wie schauerlich das heutzutage klingt. Aber früher schien das für viele normal gewesen zu sein. Doch sein Blut ist kein Waschmittel, sondern eine Metapher für seinen Tod, dafür, dass er seine Feinde und sogar seine schwierigen Freunde bis zuletzt geliebt hat. Dafür steht der Wein des Abendmahls und nicht für Blutopfer, Blutwäsche und obskure Blut-Esoterik.

     Besonders schlimm finde ich, dass Menschen das Gefühl gegeben wurde, sie seien schmutzig, nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Um sich wenigstens vorübergehend nicht mehr schmutzig zu fühlen, gingen sie zur Beichte und zur Eucharistie beziehungsweise zum Abendmahl. Im katholischen Schuldbekenntnis und in dem einiger protestantischer Gemeinschaften heißt es bis heute: „Meine Schuld, meine Schuld, meine übergroße Schuld“. 

… und schauerliche Selbstentwertung 

Ich lehne diese Selbsterniedrigung vor Gott entschieden ab. Sie führt nur zur Selbstentwertung und zu religiösen Neurosen. Oder sie wird nur noch gedankenlos dahergeplappert. Hat Jesus so etwas vom Zöllner Zachäus verlangt oder von der Frau, die ihm die Füße gesalbt hat oder überhaupt von jemandem, den er geheilt hat? Hat er das jemals zur Bedingung gemacht, damit er sich einem Menschen zuwandte? Dir vielleicht? Oder sind das Erfindungen, vielleicht in bester Absicht und in der irrigen Meinung, man würde ihm oder Gott damit einen Gefallen tun oder man wäre damit seinem Wort in der Bibel gehorsam.

     Aber sagt die Losung nicht genau das? Lässt der Prophet Jeremia nicht Gott selbst so sprechen? Ja. Und ich will das Jeremia auch gar nicht zum Vorwurf machen. Damals war eine solche Sichtweise offenbar eine religiöse Selbstverständlichkeit und man meinte, Gott so recht verstanden zu haben. Doch wir sind 2600 Jahre weiter. 

Wir könnten Christen sein, die dazugelernt haben 

Wir könnten Christen sein, die von Jesus und seinem Evangelium gelernt haben. Er ist genau zu denen gegangen, die sich schmutzig und wertlos gefühlt haben, weil die Frommen sie damals so angesehen und behandelt haben: die Aussätzigen, die Zöllner, die Huren, „die Hirten auf dem Felde“. Ihnen hat er nicht die Beichte abgenommen, sondern hat sie als seine Brüder und Schwestern angenommen.

     In seiner Gegenwart spielten die Sünden keine Rolle mehr. Sie waren und sind in dem Augenblick vergeben, da er sich einem Menschen zuwendet. In seiner Gegenwart muss sich niemand schmutzig, wertlos und klein fühlen. Und so ist es noch immer. Nicht sein Blut wäscht dich rein, sondern seine Liebe. In seinen Augen ist es jeder und jede wert, das zu sein, was wir alle sind: Kinder Gottes. 

Gebet: Herr, du weißt wie ich bin und ich weiß das auch. Du weißt, dass ich darunter leide, wenn ich mich anderen gegenüber falsch verhalten habe, wenn ich sie verletzt und enttäuscht habe. Das tut mir leid. Doch du gibst mir die Kraft, sie um Entschuldigung zu bitten und befreist mich von meinem schlechten Gewissen. Denn du willst keine verkrümmten Seelen, sondern dass wir Menschen aufrecht und frei durchs Leben gehen als fröhliche Geschöpfe unseres Gottes. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 5. Januar 2022

Ein Sack voll Gold oder ein Herz voll Liebe? hl

Losung: Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. 2. Mose 33,19 

Lehrtext: Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet. 2. Korinther 8,9 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

noch einmal geht es heute um Gnade. Gestern schrieb ich: "Gnade ist Geschenk und "Gott schenkt sich selbst im Kind in der Krippe". Aber wem? Beschenkt er vielleicht die sogenannten wiedergeborenen Christen und lässt die anderen Gläubigen und die Ungläubigen leer ausgehen? 

Gott sei Dank legen nicht Menschen, auch nicht Päpste, Bischöfe und Pfarrer fest, wer Gottes Gnade bekommt. In der Losung wird deutlich: Gott ist ganz und gar frei ist, wem er gnädig sein will. Er richtet sich nach niemanden, nur nach sich. Aber er verhält sich nicht willkürlich.

Seitdem ein Kind im Stall geboren wurde und ein Mann am Kreuz hing werden alle von ihm mit Jesus, also mit seiner Nähe und Hilfe beschenkt. Er hat uns Gottes Liebe gebracht und im Glauben reich gemacht. Wäre er mit einem Sack voll Gold auf die Welt gekommen, hätten alle das gewollt. Aber so ist er arm gekommen, damit nichts von seiner Liebe ablenkt und du nichts anderes von ihm erwartest. 

Genügt dir das? Oder willst du mehr? Willst du ein Auserwählter sein unter vielen Verlorenen? Eine Gerettete unter Verdammten? Ein Freigesprochener unter Schuldigen und Sündern? Willst du wenigstens „im Himmel“ für das belohnt werden, was dir hier auf der Erde entgangen ist?

Gott ist kein Krämer, der mit sich handeln ließe. Kein Lehrer, der religiöse Fleißpunkte verteilt. Er selbst ist dein Geschenk. Du findest es nicht unterm Weihnachtsbaum, sondern in der Krippe.

Gebet: Mein Gott, wie gut, dass ich mir keine Gedanken machen muss, ob ich deiner würdig bin. Wie gut, dass ich mir deine Güte nicht verdienen muss. Wie gut, dass du deine Liebe zu mir nicht von mir abhängig machst, von meinem Verhalten, sondern von Jesus Christus. Er ist gerade für die da, die dir nichts geben können, nicht einmal Glauben. In ihm bist du offen für die Welt und umarmst du alle deine Geschöpfe, sogar uns Menschen. Wie gerne wäre auch ich ein vertrauensseliger Mensch, der nicht richtet und verurteilt, sondern versteht und verzeiht. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 4. Januar 2022

Gottes Gnade sichtbar machen

Losung: Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele. Psalm 57,2

Lehrtext: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche müssen ihre Peiniger um Gnade anflehen, wenn sie attakiert werden und sich nicht wehren können. Ich erspare mir und dir Beispiele. Wir alle kennen solche Fälle aus den Medien.
Niemand muss Gott um Gnade anflehen. Er attakiert und quält niemand. Schon gar nicht mit Fegefeuer und ewiger Verdammnis.
Seine Gnade ist auch kein großmütiger Verzicht auf Strafe, weil wir böse waren und gesündigt haben.
Sie ist, was auch ein Lexikon sagt: "Gefälligkeit und Gabe, aber auch Wohlwollen, Zuwendung oder Gunst, die dem Menschen von Gott ohne Vorbedingung entgegengebracht wird."

Gnade ist immer Geschenk

Gnade ist ihrem Wesen nach immer Geschenk. Sie ist dein Weihnachtsgeschenk, weil Gott dir das Kind in der Krippe schenkt, weil er sich selbst in ihm schenkt - dir und mir. Ér ist Gnade in Person.
Noch ist im Kirchenjahr Weihnachtszeit bis Lichtmess. Noch hast du die Möglichkeit, entweder bei dir Zuhause oder in einer Kirche dich bewusst vor eine Krippe zu stellen und das Jesuskind anzusehen - mit deinen Augen und mit deinem Herzen.
Und vielleicht geht es dir dann ähnlich wie mir, dass du mehr siehst als nur Figuren. Dass dich dieser Anblick im Innersten berührt und bewegt.
Mein Glaube braucht auch Bilder, die Gottes Gnade sichtbar machen und dazu gehören für mich vor allem Krippe und Kreuz.
Mein Glaube soll aber auch verstehen, was Gott mir damit  sagen will: "Hans, ich schenke dir mit Jesus meine Liebe. Du musst dafür nichts tun. Du musst nichts zurückgeben. Doch ich freue mich, wenn ich dich damit froh und dankbar mache."
Übrigens, Kreuze sieht man das ganze Jahr. Warum nicht auch das Jesuskind? Vielleicht packe ich heuer mal nur die anderen Krippenfiguren weg, aber nicht die Gnade.

Gebet: Mein Gott, Menschen können gnadenlos sein gegen ihresgleichen und gegen Tiere. Du kannst das nicht. Du bist ja selbst Gnade und mir zugewandt. Manches Mal spüre ich das nicht. Manches Mal verstehe ich dich nicht. Doch hältst auch in den schweren Stunden bei mir aus und gibst mir die Kraft, sie zu bestehen. Oft aber spüre ich deinen Segen. Dann werde ich dankbar und froh. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Montag, 3. Januar 2022

Das Leben feiern hl

Losung: Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! Jeremia 14,9 

Lehrtext: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. Epheser 1,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

1979 fand der Evang. Kirchentag in Nürnberg statt unter dem Motto "Zur Hoffnung berufen" (Lehrtext). Im Vorbereitungsheft war eine Geschichte von William Saroyen abgedruckt, die sich mir eingeprägt hat und die ich heute mit dir teilen möchte:

Parabel von der Lieblichkeit des Gottvertrauens

Zur Erläuterung der ehrfurchtgebietenden Lieblichkeit des Vertrauens in Gott und der Sinnlosigkeit jeglicher Verzweiflung berichtet meine Großmutter Lucy die vielhundertjährige Geschichte des Zimmermanns, den eines Abends auf seinem Heimweg ein Freund anhielt und fragte: „Mein Bruder, warum bist du so traurig?“

"Wärest du in meiner Lage, du empfändest wie ich", sagte der Zimmermann. "Erkläre dich", sprach der Freund. "Bis morgen früh" sagte der Zimmermann, "muss ich elftausendelfhundertelf Pfund Sägemehl aus Hartholz für den König bereit haben" oder ich werde enthauptet."

Der Freund lächelte und legte ihm den Arm um die Schulter. "Mein Freund", sagte er, "sei leichten Herzens. Lass uns essen und trinken und den morgigen Tag vergessen. Der allmächtige Gott wird, während wir ihm Anbetung zollen, statt unserer des Kommenden eingedenk sein."

Sie gingen also zum Hause des Zimmermanns, wo sie Weib und Kind in Tränen fanden. Den Tränen wurde Einhalt getan durch Essen, Trinken, Reden, Singen, Tanzen und allsonstige Art und Weise von Gottvertrauen und Güte. Inmitten des Gelächters fing des Zimmermanns Weib zu weinen an und sagte: "So sollst du denn, mein lieber Mann, in der Morgenfrühe enthauptet werden und wir alle vergnügen uns indessen und freuen uns an der Güte des Lebens. So steht es also."

"Denke an Gott", sprach der Zimmermann und der Gottesdienst ging weiter. Die ganze Nacht hindurch feierten sie.
Als Licht das Dunkel durchdrang und der Tag anbrach, wurde ein jeglicher schweigsam und von Angst und Kummer befallen.

Die Diener des Königs kamen und klopften sacht an des Zimmermanns Haustür und der Zimmermann sprach: "Jetzt werde ich sterben" und öffnete.
"Zimmermann", sagten sie, "der König ist tot. Mache ihm einen Sarg!"

Liebe Leserin, lieber Leser, ich denke, der Schriftsteller William Saroyen hat recht. Also vergiss bei allem, wie du deinen Glauben ausübst, nicht, dass dazu auch zur rechten Zeit »Essen, Trinken, Reden, Singen, Tanzen und allsonstige Art und Weise von Gottvertrauen und Güte« gehört und dass das ebenfalls »Anbetung« und »Gottesdienst« ist. Damit machst du deinem Gott eine Freude, wenn du ihm zeigst, wie du dich deines Lebens freust, das er dir geschenkt hat.

Fasten und verzichten war gestern, als der Bräutigam (Markus 2,19) noch nicht da war und das Fest noch nicht begonnen hatte. Jetzt aber, da er »alle Tage bis an der Welt Ende« (Matthäus 28,20) unter uns ist (Losung), lass uns das Leben feiern! Wir sind nicht zum Trübsalblasen, sondern "zur Hoffnung berufen".

Gebet: Mein Gott, die Freude am Leben ist dein Geschenk. Die nicht gleich fragt, was später kommt. Die den Augenblick genießt und den morgigen Tag und seine Sorgen dir überlässt (Matthäus 6,34) . Du deckst mir den Tisch auch im Angesicht meiner Feinde und schenkst mir das Glas voll ein. Auf dich kann ich mich verlassen. Amen 

Herzliche Grüße!
Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 2. Januar 2022

Der Herr ist mein Schicksal hl

Losung: Sehet, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand reißen. 5. Mose 32,39 

Lehrtext: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Römer 14,8 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

als Auslegung hier mein Gebet

Mein Gott, du bist mein Schicksal und nicht die glühenden Sterne, der blinde Zufall, eine anonyme Macht. Aus deiner Hand kann niemand mich reißen (Johannes 10,28); von deiner Liebe niemand mich trennen (Römer 8,39).
Du bist mein Schicksal in den frohen und in den dunklen Stunden. Was auch kommt, ich gehöre dir. Du wirst mich halten und tragen, aufrichten und begleiten. Du wirst mir Zuversicht geben und Lebensmut, Kraft für die Seele und Kraft für den Leib. Du wirst mich segnen und behüten und um mich sein und in mir.
Das glaube ich. Darauf vertraue ich. So gehe ich mit dir in das neue Jahr und durch die sich wandelnden Zeiten. Amen 

Herzliche Grüße und alle guten Wünsche für 2022! 

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 1. Januar 2022

Ein gottoffener Mensch hl

Jahreslosung 2022: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37 (E)

Liebe Leserin, lieber Leser,

in Jesus Christus begegnet mir Gott mit offenen Armen. Er ist schon immer für mich da und für dich ebenso. Ich muss dafür nichts tun genauso wenig wie dafür, dass mir die Sonne jeden Tag scheint auch hinter meinen Sorgenwolken. Aber die Frage ist, ob ich auch für ihn da bin, ob auch ich offen bin für ihn. So für ihn offen sein, das ist für mich Glaube.
     Das will ich im neuen Jahr sein, ein gottoffener Mensch, der mit ihm durch die kommende Zeit geht. Dann muss es mir nicht bang werden vor dem, was kommt.

Gebet: Dein ist das Jahr, dein ist die Zeit. Dein, Gott, ist alle Ewigkeit.
Dein ist die Welt, auch wir sind dein; kann keins hier eines andern sein.
Dein ist der Tag und dein die Nacht, dein, was versäumt dein, was vollbracht. 
So gehn wir, Gott, aus dem, was war, getrost hinein ins neue Jahr,
ins Jahr, dem du dich neu verheisst, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist. Amen

Arno Pötzsch

Sei gesegnet und behütet!

Ihr / dein Hans Löhr