Donnerstag, 18. Mai 2023

Pläne und Bedürfnisse hl

Losung: In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN. Sprüche 19,21 

Lehrtext: Die nun zusammengekommen waren, fragten Jesus und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Apostelgeschichte 1,6-9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Im Herzen eines Mannes sind viele Pläne«, im Herzen einer Frau auch. Natürlich ist es gut, wenn man für die Zukunft vorsorgt. Wenn man seine Ausbildung und die Familiengründung plant und berufliche Ziele anstrebt. Viele Pläne sind zielführend. Viele aber auch nicht. Zu viele Unwägbarkeiten liegen in der Zukunft, als dass man unter Garantie sein Ziel erreicht.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, wundere ich mich immer wieder, wie ich dahin gekommen bin, wo ich jetzt bin. Manches hatte ich anders geplant. Manches hatte ich mir anders vorgestellt. Aber dann kam dies und jenes dazwischen und manchmal bin ich auch über die eigenen Füße gestolpert. Und doch habe ich rückblickend den Eindruck, dass Gott mich geleitet hat und bin dankbar für den Weg. 

Ich darf nur nicht den einen Fehler machen, dass ich mich mit anderen vergleiche, hauptsächlich mit denen, die den Eindruck erwecken, sie seien erfolgreicher, glücklicher, gesünder, angesehener usw. Äußerlich gesehen mag das ja so sein. Aber wie steht es mit dem Gottvertrauen, der Zufriedenheit und Dankbarkeit?

Ich darf auch nicht den Fehler machen, auf angebliche oder tatsächliche Defizite in meinem Leben zu schauen und mich auf diese Weise selbst zu entwerten. Klar gibt es Defizite, von denen ich wünsche, es gäbe sie nicht. Doch dann denke ich mir, sie sind auch Chancen, künftig das eine oder andere besser zu machen, aus den Fehlern zu lernen und vor allem zu lernen, mit ihnen zu leben ohne sich selbst zu bedauern.

Bevor es soweit kommt, greife ich zur stärksten Medizin, die es dafür gibt, zum Gebet und sage:

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich zu dieser Zeit in diesem Land leben kann. Ich danke dir, dass ich nicht hungern muss, nicht obdachlos bin, nicht verfolgt und nicht bedroht. Ich danke dir, dass ich die medizinische Hilfe bekomme, die möglich ist. Vor allem bin ich dir dankbar für meine Kinder und Enkel, für die Freude an der Natur, an der Musik und Literatur, für meine Freunde und freundlichen Nachbarn, für alle Wertschätzung die ich bekomme, besonders aber für meinen Glauben. Durch ihn hilfst du mir und stärkst mich, machst mich zuversichtlich und immer wieder froh. Amen

Was ich brauche und nicht brauche

Der Lehrtext heute macht mir wieder bewusst, wie unbedeutend menschliche Größe und Macht sind. Ich brauche kein Reich in dieser Welt, weder ein »Reich für Israel« (Lehrtext) noch für Deutschland, um mich bedeutend zu fühlen. Ich brauche keine Regierung, die mir Sicherheit verspricht. Keine kirchlichen oder politischen Autoritäten, kein Militär, keinen Nationalstolz, keine Fahne, keine Hymne und womit sich sonst Menschen identifizieren. Mehrheiten gegenüber bin ich vorsichtig, bei Medien sowieso

Ich bin alt genug, um für mich abschätzen zu können, wie aufgeblasen so vieles ist, wie hohl, unaufrichtig und vordergründig. Vielleicht bin ich ungerecht. Aber auf mich und mein Urteil kommt es nicht an. Hauptsache, ich komme in meiner kleinen Welt zurecht und es geht mir gut dabei. Das heißt nicht, dass ich mich aus allem raushalten würde. Ich sage meine Meinung auch in der Öffentlichkeit, auch hier in den Losungsauslegungen. Aber ich mache sie nicht von den Reaktionen anderer abhängig. Ich sage sie auch auf die Gefahr hin, dass ich mich irre.

Was ich aber brauche, ist der Glaube, dass Gott mich segnet und behütet; dass er sein Angesicht über mir leuchten lässt, mir gnädig ist und Frieden gibt. Was ich brauche ist seine Liebe, und dass ich ihn in Jesus wieder lieben kann.

Herzlich grüßt und einen gesegneten Himmelfahrtstag wünscht

Ihr / dein Hans Löhr 

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

Mittwoch, 17. Mai 2023

"Leben soll keine Straf sein" hl

Losung: Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Psalm 6,2 

Lehrtext: Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist. 1.Thessalonicher 5,9-10


Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du schon mal geseufzt und gedacht: 'Das Leben ist eine Strafe'? Du wärst nicht die erste. Überall, wo der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, wo seelische und körperliche Lasten zu schwer werden, kannst du das hören. Und mancher sagt noch: "Warum nur straft mich Gott so? Was hab ich denn getan?" Der, von dem das Psalmgebet stammt (Losung), hat so gedacht. Und nach ihm noch viele bis heute.

Wenn ich leiden muss, drängt sich auch mir manchmal jene Frage auf. Irgendwas muss doch schuld sein, dass es mir so geht? Habe ich nicht doch etwas falsch gemacht? Vielleicht muss ich jetzt büßen für mein Versagen und bekomme die Quittung? So denken Menschen. Gott "denkt" anders. Wie? das lese ich im Lehrtext:

Denn Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir seinem Zorn verfallen, sondern dass wir gerettet werden durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir alle miteinander, ob wir nun wachen oder entschlafen sind, zusammen mit ihm leben werden. 1.Thessalonicher 5,9-10

Wieso reden Menschen trotzdem seit 2000 Jahren von Höllenstrafen und Fegefeuer? Für mich ist das religiöser Sadismus, der letzten Endes nur ein Geschäftsmodell für die Kirche war, um mit der Angst der Menschen Geld zu machen mit Hilfe von Ablassbriefen, Spenden und Stiftungen. Der auf diese Weise finanzierte Petersdom in Rom ist das sichtbare Zeichen für dieses Geschäftsmodell.

Nein, Gott straft mich nicht in seinem Zorn. Der Herr, von dem ich mit dem Psalm 23 sage, er ist mein Hirte, schlägt mich nicht mit seinem »Stecken und Stab«. Er tröstet und beschützt mich damit in den finsteren Tälern des Lebens (Psalm 23,4). Dazu hat er mich bestimmt.

Der Stein der Gewalt

Beim Nachdenken über die beiden Bibelworte heute kam mir eine Zeile aus dem Antikriegsgedicht „Die Bitten der Kinder“ von Bert Brecht in den Sinn. Darin heißt es: das "Leben soll keine Straf sein". Für die Kinder und Frauen in der Ukraine, die unter dem nicht enden wollenden Krieg leiden, der von beiden Seiten am Brennen gehalten wird, ist das Leben eine Strafe. Für die jungen Soldaten auf beiden Seiten der Front ebenso. Doch diese Strafe ist menschengemacht. Für sie gibt es einen Hauptverantwortlichen in Moskau, aber auch Kriegstreiber in Kiew und im Westen, die ihre Hände in Unschuld und Selbstgerechtigkeit waschen. Wer weiß, ob der Stein der Gewalt und Gegengewalt, zu dem sie greifen, ihnen nicht eines Tages selbst auf die Füße fallen wird - und uns dazu.

Nein, das "Leben soll keine Straf sein". Nicht schon wieder. Es reichen schon die Lasten, die viele persönlich tragen müssen, da brauchen wir nicht auch noch Krieg. Gott jedenfalls sollten wir nicht in unsere Konflikte und Kriege mit hineinziehen und sollten nicht das Kreuz Jesu auf die tödlichen Waffen der Bundeswehr malen. Stattdessen will ich mich an Jesus halten, der selbst unter Gewalt gelitten hat und von Soldaten umgebracht worden ist. Er ist nach meinem Glauben unsere Rettung, er allein. Eine andere Hoffnung habe ich nicht.

Die Bitten der Kinder

„Die Häuser sollen nicht brennen.
Bomber sollt man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein.
Leben soll keine Straf sein.
Die Mütter sollen nicht weinen.
Keiner sollt töten einen.
Alle sollen was bauen.
Da kann man allen trauen.
Die Jungen sollen`s erreichen.
Die Alten desgleichen.“

Bertolt Brecht (1951)

Gebet: Herr, erbarme dich! Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 16. Mai 2023

gefangen hl

Losung: Die da sitzen mussten in Finsternis und Dunkel, gefangen in Zwang und Eisen, die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er half ihnen aus ihren Ängsten: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Psalm 107,10.13.15 

Lehrtext: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. Matthäus 5,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Doch man sieht nur die im Lichte; die im Dunkeln sieht man nicht« (Bert Brecht). Die im Lichte, haben es geschafft auf die Fernseh- und Handybildschirme, auf die Seiten der Illustrierten und Magazine. Die im Dunkeln sind die Vergessenen. Man sieht sie nicht und man will sie auch nicht sehen. »Die gefangen sind in Zwang und Eisen« sind nicht nur eingesperrt, sondern weggesperrt, damit man sie nicht mehr sehen muss.

Weißt du, wo das nächste Gefängnis ist? Wer da einsitzt? Betet man in den Gottesdiensten, die du besuchst, regelmäßig für die Gefangenen? Nicht nur für die „guten“, für die wegen ihres Glaubens inhaftierten im Iran oder Nordkorea; nicht nur für die wegen ihrer Weltanschauung, sexuellen Orientierung oder aus rassistischen Gründen verfolgten? Sondern auch für die anderen, die „bösen“, die kriminellen Gefangenen? Denkst du ab und zu an sie nicht mit Häme, nicht mit Verachtung, sondern mit Mitgefühl? Ich selbst tue das selten, zu selten. Gut, dass mich die Losung heute wieder daran erinnert. 

Gefängnisseelsorge

Gott aber sieht auch die im Dunkeln, gerade sie. Keine Nacht ist zu schwarz, als dass er nicht sehen könnte. Keine Gefängnismauer zu dick, als dass er nicht zu den Gefangenen kommen könnte. Und wenn auch wir manchen vergessen, er vergisst niemand. Unsere Gefängnisseelsorge ist dafür ein Zeichen. Die Seelsorger gehen zu allen, unabhängig von ihren Vergehen und Strafen. Sie besuchen keine Kriminellen, sondern Menschen in ihrer Not. Sie tun das im Auftrag Jesu, der gesagt hat: »Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen« (Matthäus 25,36)Sie besuchen ihn, der ihnen auch in diesen Menschen begegnet (Matthäus 25,40 b)

Die wegen ihrer Gottestreue und Feindesliebe verfolgt werden und gefangen sind, preist Jesus selig bzw. glücklich (Lehrtext)Sie leben nicht nur im Gefängnis, sondern zugleich in Gottes unmittelbarer Gegenwart, in seinem Reich. Sie wissen, warum sie leiden und sie erfahren, dass Christus ihr Leid mit ihnen teilt. Von ihnen heißt es im Lied EG 289 Vers 1: »Der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.«

Gebet: Herr, Ich will nicht vergessen, dass auch die Strafgefangenen deine Brüder und Schwestern sind und darum auch meine Geschwister. Um des Rechtsfriedens in unserem Land willen müssen angemessene Sanktionen sein. Um deinetwillen und um der Liebe willen will ich ihnen mein Mitgefühl nicht versagen und die Gefangenenhilfe unterstützen. Amen 

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

P.S.: Auf meiner letzten Reise habe ich eine über 80 Jahre alte Schweizerin getroffen, die sich wöchentlich, manchmal täglich im Auftrag von Amnesty International und im Auftrag ihres Gewissens für Gefangene einsetzt. Sie schreibt Briefe an Botschaften in Berlin, in deren Ländern Menschen ohne ordentliche Gerichtsverfahren und ohne Aussicht, frei zu kommen, eingesperrt sind. Hier der Link zu Amnesty International.

Heute auf Tagesschau online: https://www.tagesschau.de/ausland/amnesty-hinrichtungen-weltweit-100.html

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Montag, 15. Mai 2023

zusammenkommen hl

Losung: Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Psalm 107,3.8 

Lehrtext: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen. Matthäus 8,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was die beiden Bibelworte damals, als sie aufgeschrieben wurden, bedeutet haben, ist interessant. Was sie heute  für uns bedeuten, da wir sie auf dem Hintergrund unserer Erfahrungen lesen, ist wichtig.

Heute sagt mir der Lehrtext: vom Osten kommen Russen, Chinesen, Mongolen usw. Aus dem Westen kommen Amerikaner und Europäer. Und sie kommen nicht, um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, sondern einträchtig als Brüder und Schwestern. Sie kommen nicht zu uns oder in ein anderes Land. Sie kommen zusammen. Sie kommen, um an einem Tisch zu sitzen gemeinsam mit Abraham, Isaak und Jakob, den Stammvätern der Juden, Christen und Muslime, der Israelis und Palästinenser, der Russen und Ukrainer.

Das ist die Vision Jesu. Von ihr her schaue ich auf die Gegenwart. Was ich da sehe, könnte mich dazu bringen, vom Glauben abzufallen. Aber das Gegenteil ist nötig, dass wir beide, du und ich, nur umso stärker am Glauben festhalten und uns nicht verrückt machen lassen von Politikern und Politikerinnen, von den Medien, Militärs und sogenannten Experten, die meinen, die Wahrheit und die Zukunft zu kennen. 

Was ich da sehe im Licht der Vision Jesu, sind Menschen, die zusammenkommen in seinem Geist, im Geist des Friedens und der Versöhnung. Die sich nicht aufhetzen lassen. Die sich die Hand geben, an einen Tisch setzen und miteinander reden. Wo solche Menschen zusammenkommen, ist Gottes Reich, hier und jetzt.

Die Reiche dieser Welt vergehen. Sein Reich kommt.

Gebet: Herr, dein Reich komme, dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden. Ehre sei dir, Gott in der Höhe, und Friede in unserer Tiefe. Darauf hoffe ich, danach sehne ich mich, dabei bleibe ich. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 14. Mai 2023

Frohgemut in der Löwengrube hl

Losung: Daniel sprach: Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten. Daniel 6,23 

Lehrtext: Jesus spricht: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Johannes 10,27.28 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe das Internet nach Bildern durchsucht, die unsere heutige Losung abbilden. Alle zeigen den Propheten in der Löwengrube inmitten der Raubtiere. Aber merkwürdigerweise zeigt keines, wie ein Engel den Löwen buchstäblich das Maul zuhält. Vielleicht kennst du ja ein solches Bild. Dann kannst du mich in den Kommentaren informieren.

Der Löwe im Schwitzkasten

Früher habe ich oft und gern Kindergottesdienst gehalten. Meistens gab es zum jeweiligen Thema des Sonntags ein kleines Theaterstück. Das kam bei den Kindern gut an und ließ sie die konkurrierende „Sendung mit der Maus“ vergessen. Bei „Daniel in der Löwengrube“ habe ich unsere heutige Losung darstellen lassen. Zwei oder drei Kinder haben die Löwen gespielt, einer den Daniel und einer den Engel. Und der Engel hat einen der Löwen in den Schwitzkasten genommen, um ihn so am Beißen zu hindern. Währenddessen mussten die anderen Löwen fauchen, trauten sich aber nicht an den Daniel, weil sie vor dem Engel Angst hatten. Der Löwe im Schwitzkasten strampelte nach Leibeskräften, und ich musste den Engel bei der Probe ermahnen, nur ja nicht zu fest zu drücken. 

Das kleine Stück war ein voller Erfolg. Wir Kindergottesdienst-Mitarbeiter konnten den Kindern vor Augen führen, dass Gott den Daniel in seiner Not nicht im Stich gelassen hat und dass er auch sie nicht im Stich lassen werde, wenn sie einmal in großer Gefahr sind. Sie alle seien für ihn Daniels beziehungsweise Danielas.

Wie oft hat ein Engel Gottes deinen Löwen schon das Maul zugehalten? Aus wie vielen Gefahren hat er dich schon gerettet oder dich davor bewahrt? An Löwengruben mangelt es in einem Menschenleben nicht. An Engeln, die den Bestien das Maul zuhalten, auch nicht. Am ehesten mangelt es an Glauben, dass Gott seine schützende Hand über uns Menschen hält. Und dass Jesus sein schwarzes Schäfchen hochnimmt, wenn der Wolf kommt. Der aber kommt meistens inkognito im Schafspelz.

Auch du bist Daniel, bist Daniela. Ich wünsche dir einen solchen Glauben, mit dem du in deinen Löwengruben die Löwen auslachen kannst und den Wolf dazu. Denn mit den Augen des Glaubens siehst du den Engel, den viele leider nicht sehen.

Gebet: Herr, die Gruben im Leben sind tief. Aber nicht tief genug für dich. Auch die letzte nicht. Die Löwen sind stark. Aber du bist stärker. Die Raubtiere schnappen nach mir. Aber ich bin in deiner Hand. Da kommen sie nicht ran. Was sollen mir die Gruben, die Löwen und die Raubtiere? Entscheidend ist, dass du da bist auf wunderbare Weise und in vielerlei Gestalt. Und so singe ich frohgemut:

Trotz dem altenDrachen
trotz dem Todesrachen
trotz der Furcht dazu.
Tobe, Welt, und springe;
ich steh hier und singe
in gar sichrer Ruh.
Gottes Macht hält mich in acht;
Erd und Abgrund muss verstummen,
ob sie noch so brummen
(Evang. Gesangbuch, Nr. 396 "Jesu meine Freude, Vers 3)

Herzlich grüßt und einen gesegneten Sonntag wünscht

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 13. Mai 2023

Nimm Gott beim Wort hl

Losung: Ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, spricht der HERR. Jeremia 15,20

Lehrtext: Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. Hebräer 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

schnell, hol‘ einen Zettel und schreibe: "Ich bin bei dir, dass ich dir helfe" (Losung). Lege ihn in dein Nachttischkästchen, klebe ihn an deinen Badezimmerspiegel, mach ein Buchzeichen daraus, hefte ihn an die Kühlschranktür, hänge ihn an den Innenspiegel deines Autos, lege ihn in den Geldbeutel und pinne ihn an die Innenseite der Tür deines Kleiderschranks. Tu das um deinetwillen.

Vielleicht brauchst du diesen Zettel zurzeit nicht. Aber du wirst ihn brauchen, immer wieder einmal. Das versichere ich dir. Und dann ist es gut, wenn du ihn vor Augen hast. Denn dass du dich im entscheidenden Augenblick an das Losungswort von heute erinnerst, darauf kannst du dich nicht verlassen. Es muss dir schon in die Augen springen und von da ins Herz. Und noch was, zweifle nicht, dass stimmt, was auf diesem Zettel steht, sondern nimm Gott beim Wort und sage:

Gebet: Herr, du hast mir versprochen, bei mir zu sein, um mir zu helfen. Nun löse dein Versprechen auch ein; denn du siehst ja, dass ich dich brauche. Lass mich nicht warten, denn mein Glaube ist klein und meine Geduld ist schwach. Herr, ich nehme dich beim Wort. Amen

Und ich? Ich will freimütig und ohne Scheu zu ihm kommen mit meinem Gebet und ihm sagen, was ich von ihm erwarte, dass er ein Herz für mich hat, für mich da ist und mir gibt, was ich brauche (Lehrtext). Und zwar umsonst.

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 12. Mai 2023

Nicht ohne dich hl

 Losung: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israels Vater. Jeremia 31,9 

Lehrtext: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Johannes 16,22 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wer weiß schon, wie viele Menschen auf der Erde jetzt weinen. Vielleicht bist auch du darunter. Wer weiß schon, wie viele Tränen Gott zählen (Psalm 56,9) und wie viele Herzen er trösten muss. Fast möchte ich sagen: „Herr, kümmere dich um die, die Kummer haben. Tröste die Untröstlichen. Trockne die Tränen der Weinenden.“ Aber ich brauche ihn doch auch, nicht nur wenn ich traurig bin, auch sonst, in jedem Augenblick.

Ich brauche einen mitfühlenden Gott

Ich brauche einen mitfühlenden Gott, der sich mit mir und seinen Geschöpfen freuen und weinen kann. Vom Gott der Juden im Alten Testament weiß ich nicht, ob er weinen konnte. Auch nicht vom Gott der Muslime und den Göttern der Hindus. Aber von meinem Gott weiß ich, dass er in Jesus über Jerusalem und das Schicksal der Menschen dieser Stadt weint, weil sie zu den Waffen greifen und sich mit militärischer Gewalt gegen die Übermacht der Römer wehren wollen. Er sieht, was die Menschen nicht sehen, die blind sind vor Empörung, Hass, Rache und Machtgier. Er sieht voraus, wohin es führt, wenn der Mensch zum Schwert greift und die mit in den Untergang reißt, die einfach nur leben wollen (Lukas 19,41-44).

Doch der Akzent beider Bibelworte heute liegt darauf, dass die Weinenden getröstet werden und die Traurigen sich freuen sollen. Durch den Tränenschleier hindurch sollen sie, sollen wir unseren Herrn sehen, wie er auf uns zukommt, um die Tränen abzuwischen (Offenbarung 21,4). Ihn rührt unser Schicksal. Doch er lässt uns damit nicht allein. Er wird »all Angst und Not stillen, die ihm an uns bewusst« (Ev. Gesangbuch 11,7). Allen schlimmen Erfahrungen zum Trotz, halten seit 2000 Jahren Menschen an dieser Hoffnung fest. Ist das nicht alles eine fromme Illusion? Möglich. Ich kann das Gegenteil nicht beweisen. Doch selbst wenn es so wäre, was wäre denn die Alternative? Ein Leben ohne Glaube, Hoffnung und Liebe? Viele scheinen so leben zu können. Ich nicht.

Gebet: Herr, du bist kein Zauberer und machst uns für das Leben in dieser Welt unverwundbar. Was wäre das auch für ein Leben, in dem ich nicht mitleiden kann und andere nicht mit mir? Wie sollte ich dir dann noch vertrauen, wofür danken? So aber begegnest du mir mitten in meinem Glück und Schmerzen, in meiner Freude und Enttäuschung, in meinen schweren und guten Tagen – mitten in meinem Leben. So aber kommst du, um zu heilen und zu trösten, aufzurichten und zu segnen. Ohne dich kann und will ich nicht sein. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 11. Mai 2023

behutsam und sorgsam hl

Losung: So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun, dass ich nicht alles verderbe. Jesaja 65,8 

Lehrtext: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Johannes 3,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Dass ich nicht alles verderbe.“ Was für Erfahrungen hat wohl Jesaja gemacht, dass er Gott in der Losung so reden lässt? Oder liegt der Schwerpunkt seines Wortes nicht vielmehr darauf, dass wir Menschen allesamt keine erntefrischen Trauben (Losung) sind?  Dass wir ein bisschen, wie soll ich sagen, überfällig sind, nicht mehr wert, in der Supermarktauslage, sondern in der Tonne zu landen? Gott aber sagt: „Stopp, die sind noch gut. Die wirft mir niemand weg. Die gehören mir. In ihnen wirkt mein Segen.“

Zugegeben, wie frisch gelesene Trauben, so prall von Saft und Kraft bin ich nicht mehr. Auch meine Seele, mein Ich, platzt nicht gerade vor Glaubenskraft und Zuversicht. Das schwankt von Tag zu Tag. Und doch werde ich, so wie auch du, täglich neu belebt von Gottes Geist. Nein, er wird nichts verderben, was er geschaffen hat und worin er lebt.

Sein „Beruf“ ist nicht Richter, sondern Retter. Das ist sein Wesen. Wer sich nach der Rute eines richtenden Gottes sehnt, soll diesen anbeten. Ich preise den, der mich durch Jesus rettet und erlöst. „Der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht zerbricht“ (Jesaja 42,3).

Gebet: Herr, du bist behutsam mit dem Schwachen und sorgsam mit dem, was  zerbrechlich ist. Du bist mit mir vorsichtig und nachsichtig. Denn „du weißt, was für ein Gebilde wir sind“ (Psalm 103,14), vergänglich wie die Fliederblüte, flüchtig wie das Lied der Amsel und ein Wolkenbild am Sommerhimmel. Und doch freust du dich deiner Geschöpfe und bewahrst in dir, was wir waren und sind. So bleibt in dir, was du geschaffen hast zu deinem Ruhm. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 10. Mai 2023

Seine Hände, deine Hände hl

Losung: Ist mein Arm denn zu kurz, dass er nicht erlösen kann? Oder habe ich keine Kraft, zu erretten? Jesaja 50,2 

Lehrtext: Ein Aussätziger kam heran und fiel vor Jesus nieder und sprach: Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen. Matthäus 8,2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was kann Gott? Kann er einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann? Man nennt diese Frage das „Allmachtsparadoxon“. Für manche soll das beweisen, dass Gott nicht allmächtig ist: entweder kann er einen solchen Stein nicht erschaffen oder er kann ihn nicht heben. Beides zugleich geht nach menschlicher Logik nicht. Bloß was haben Menschen, die mit solchen Gedanken spielen, für eine Vorstellung von Gott? Ist er denn ein Gewichtheber?

Um es wieder einmal zu sagen: Wer Gott an und für sich ist, weiß niemand. Wir wissen als Glaubende „nur“, wer er für seine Geschöpfe ist, für dich und für mich. Und das lässt er uns in Jesus erkennen. Das ist viel, sehr viel. Was will und muss ich darüber hinaus noch von Gott wissen, das für mich wichtig ist?

Gott ist am Werk

Er kann, was er will und tut, was er kann für dich. Das glaube ich. Was ich aber nicht weiß, ist, was genau er wann will und tut, wann und auf welche Weise er hilft. Ob und wann er in einer ausweglosen Situation eine Tür öffnet. Ob und wann ein Mensch gesund wird. Ob und wann er die seelische Last abnimmt und so weiter. Das alles kann ich nicht wissen. Doch ich vertraue darauf, dass es geschieht. Vielleicht anders, als ich mir das vorstelle. Aber alles ändert sich fortwährend und in diesem Geschehen ist Gott am Werk.

»Sein ist die Kraft« heißt es am Schluss des Vaterunsers. Und ich möchte ergänzen: »Sein ist die Hilfe«. Wann, wie und wo auch immer, er lässt uns nicht im Stich, dich nicht und mich nicht. Ich kenne auch keinen Grund, warum er das tun sollte.

Zu guter letzt fällt mir noch ein Zitat ein, das Theresa von Ávila (1515 bis 1582) zugeschrieben wird. Ohne diese Einsicht wäre das, was ich soeben geschrieben habe, zu einseitig, zu passiv zu verantwortungslos. Es heißt:
»Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen

Doch es bleibt immer noch er, der arbeitet, führt, erzählt, hilft - durch uns. Er braucht mich, und ich brauche ihn. Doch will ich ihm nicht eigenmächtig vorgreifen, sondern in seinem und nicht in meinem Sinn reden, helfen und tätig sein.

Gebet: Herr, ich nehme hin, was kommt und nehme an, was du schickst und übernehme Verantwortung für das, was ich mit deiner Kraft tun kann. Wirke du in mir und durch mich. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

Dienstag, 9. Mai 2023

Männerphantasien hl

Losung: Der Gott des Himmels wird ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird. Daniel 2,44 

Lehrtext: Jesus spricht zu den Jüngern: Ich übergebe euch, wie der Vater mir, das Reich, damit ihr in meinem Reich an meinem Tisch esst und trinkt. Lukas 22,29-30 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das ist ein ewiger Männertraum: ein mächtiges Reich, am besten ein tausendjähriges, von dem die Nazis träumten. Hatte nicht das Reich der alten Ägypter sogar 2700 Jahre Bestand? Nun gut, mit diversen Krisenzeiten bis die Römer der Macht am Nil endgültig den Garaus gemacht haben.

Manche träumen davon, dass die katholische Kirche ein unzerstörbares Reich wäre. Nun ja, viel zu herrschen und zu sagen hat auch der Papst nicht mehr. Immerhin hat die katholische Kirche bis jetzt alle weltlichen Reiche überlebt, auch das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, in dem seit 962 die deutschen Kaiser herrschten bis Napoleon es 1806 schließlich hinweggefegt hat. Doch auch Kirchen sind vergänglich und werden eines Tages das Zeitliche segnen.

Großmachtsträume

Von dem Reich, das Daniel vorschwebte (Losung) und von dem die Juden geträumt haben und teilweise noch immer träumen, nur so viel: Sie wären halt auch gerne mal die Herren der Welt gewesen, am besten gleich für immer - natürlich mit Gott auf ihrer Seite. Er sollte das für sie machen, wozu sie zu machtlos waren. Je gedemütigter sich ein Volk erlebt, desto mehr schießen seine Großmachtsträume und Rachefantasien ins Kraut.

So, das war jetzt eine lange Einleitung, aber ich wollte aus diesen zerstörerischen Männerphantasien, die so viel Leid über die Menschen gebracht haben, mal die Luft rauslassen. Dass das nichts hilft, ist mir schon klar. Die politischen und religiösen Nationalisten träumen munter weiter und werden weiterhin viel Unheil anrichten. Der Krieg der machtberauschten Männer ist das Leid der Frauen und Kinder - auf beiden Seiten.

Was aber ist nun mit dem „Reich“ aus den beiden Bibelworten? Wo soll es denn sein und wie groß? Gottes Reich ist nirgends, weil es überall ist. Für sein Reich wäre das Staubkörnlein Erde im Universum zu klein. Doch nicht zu klein ist dein Herz dafür. Denn Gottes Reich ist kein geographischer Begriff. In den Evangelien ist mit dem Wort „Reich“ Gottes Herrschaft gemeint. Immer und überall, wo sein Wille geschieht, wo sich Menschen nach Jesus Christus richten, herrscht Gott in seinem Reich. Und wo sie das nicht tun? Da herrscht er auch, nur dass ihnen das nicht bewusst ist.

Diejenigen aber, die im Glauben verbunden sind, sollen ihn auch miteinander preisen und ihre Gemeinschaft feiern auf Festen, bei Brot und Wein und sonstigen Gelegenheiten als tätige Bürgerinnen und Bürger in seinem Reich. (Lehrtext).

Gebet: Herr, unsere Menschreiche kommen und gehen. Keines ist es wert, dafür zu sterben. Keine Regierung verdient Ehre. Keine Fahne, dass Menschen vor ihr stramm stehen. »Allein dir in der Höh‘ sei Ehr‘« (EG 179), allein dir in der Tiefe im Stall und in der Höhe am Kreuz!
Du bist kein Schinder, der seine Macht mit Menschenopfern erkämpft und verteidigt. Der vorgibt, dass seine Ziele, Interessen und Werte zum Besten der Menschen seien.
Herr, was sollen mir die Reiche dieser Welt? Dem Kaiser (Staat) gehören vielleicht meine Steuern (Matthäus 22,17-21). Dir aber gehört mein Herz. Ich liebe dich. Ich hoffe auf dich. Dir vertraue ich – und sonst keinem. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 8. Mai 2023

Das Versprechen seines Namens hl

Losung: Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. 2.Mose 3,14

Lehrtext: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Römer 8,31


Liebe Leserin, lieber Leser,

über diesem biblischen Rätselwort in der Übersetzung Martin Luthers (Losung) haben sich zahllose Theologen und Theologinnen den Kopf zerbrochen. Es klingt wie ein mehrdeutiger Orakelspruch aus dem antiken Delphi. Geheimnisvolle Worte haben Menschen schon immer fasziniert. Doch Gottes Wort ist nicht dunkel, sondern hell und klar. Heute sind die meisten Übersetzer der Ansicht, dass jener hebräische Satz so übersetzt werden muss: "Ich-Bin-Da". Das ist Gottes Name, den er in der Geschichte vom brennenden Dornbusch (Losung + Folgeverse) Mose offenbart hat.

Damit ist alles gesagt

Und damit ist im Grunde schon alles gesagt, was Gott uns Menschen zu sagen hat. In Jesus hat dieses Wort Hand und Fuß bekommen, ist es Mensch geworden, lag in der Krippe und hing an Kreuz. In ihm heißt es noch eindrücklicher: "Ich bin für dich da!", in diesem Augenblick, in der Situation, an dem Ort, wo du das gerade liest. Ausgehend von diesem Satz lies die Bibel und lebe deinen Glauben. Lass dich durch andere Worte, wer immer sie sagt, nicht irre machen!

Dir geht es gerade gut? Freue dich und sei ihm dankbar, er ist der Grund dafür. Dir geht es heute schlecht? Da kann ich mitfühlen. Seien wir dankbar. Er gibt uns neue Lebenskraft, heilt und hilft, die Last zu tragen. Du hast Probleme mit anderen? Wer kann schon gegen dich sein (Lehrtext). Gott ist für dich da im Streit dieser Welt. Doch bedenke, das gilt für die anderen auch. Er unterstützt dich, wenn du aufrichtig bist und korrigiert dich, wenn du dir selbst was vormachst. Also denke noch mal über deinen Anteil an dem Konflikt nach. Er wird dir die Kraft zur Versöhnung und zum Frieden geben. 

Vergiss nicht, vergiss es niemals wieder: Gott ist für dich da.

Gebet:  Ja, Herr, es tut mir gut zu lesen und zu glauben, dass du für mich da bist. Menschen kommen und gehen, du aber bleibst. An deinen Namen habe ich mich schon oft geklammert. Danke, dass du mich damit getröstet hast. Doch immer wieder habe ich ihn im Trubel meines Lebens vergessen. Du aber nicht. Du hältst am Versprechen deines Namens fest. Du hilfst mir, nicht um meines Glaubens willen, sondern um deines Namens willen. Amen

Herzlich grüßt

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 7. Mai 2023

weltfremd, aber lebensfreundlich hl

Losung: Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der HERR wird dir's vergelten. Sprüche 25,21-22 

Lehrtext: Liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Lukas 6,35 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung aus dem Alten Testament (!) ist weltfremd. Das kann man sagen angesichts von Krieg und Gewalt in der gesamten Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart. Umso erstaunlicher, dass dieses Wort schon bei den alten Israeliten vor ca. 2500 Jahren in ihre heilige Schrift aufgenommen worden ist. Ihr Glaube mahnte sie zur Menschlichkeit auch gegenüber dem Feind.

Nach den Gräuel des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren hat man mit der "Genfer Konvention" versucht, menschenwürdiges Verhalten gegenüber den Kriegsgefangenen verpflichtend zu machen. Auch die Feinde sollten einen Anspruch auf Nahrung und Gesundheitsfürsorge haben.

Die Wirklichkeit war auch danach meist eine andere. In deutschen Kriegsgefangenenlagern des Zweiten Weltkriegs sind vor allem viele Soldaten aus der Sowjetunion verhungert, an Krankheiten gestorben oder sie wurden aus unterschiedlichen Gründen getötet. Als dann Deutschland besiegt war, hat sich die Sowjetunion gerächt und es mit den deutschen Gefangenen ähnlich gemacht.

Doch auch Feinde, auch Kriminelle haben Menschenwürde, die laut Grundgesetz unantastbar sein soll. Diese Einsicht gehört zu unserem jüdisch-christlichen Erbe, ist aber auch in anderen Kulturen und Religionen zumindest ansatzweise vorhanden.

Der Frieden ist nicht das Ziel, er ist der Weg

Noch weltfremder ist der Lehrtext. Jesus setzt noch eins drauf und sagt sinngemäß: „Ihr sollt eure Feinde nicht nur anständig behandeln, ihr sollt sie lieben. Dass ihr die anderen liebt, eure Angehörigen und Freunde, was ist das Besonderes? Das tun alle. Doch wer verstehen will, worauf es mir ankommt, der soll auch seine Feinde lieben. Mit dieser Botschaft von Gott komme ich zu euch, dass ihr es ihm gleichtut und euch so als seine Söhne und Töchter erweist“ (Matthäus 5,43-48)

Gut, das ist vielleicht weltfremd. Das passt nicht zu den gegenwärtigen Werten in unserem Land, nicht zur Politik und nicht zu den Medien und darum auch nicht zu immer weiteren Waffenlieferungen in die Ukraine. Aber ist das, was weltfremd zu sein scheint, nicht gerade lebensfreundlich, friedensdienlich und zukunftsträchtig? Der Frieden ist nicht das Ziel, er ist der Weg und mit ihm die Entfeindung des eigenen Herzens.

Wer etwas mehr über die Feindesliebe, ihre Hintergründe und prominenten Fürsprecher erfahren will, lese bitte folgenden Artikel (klick): Feindesliebe

Gebet: Herr, du zwingst niemand, Christ zu sein und sich nach dir zu richten. Weil ich aber Christ sein will, komme ich an dir und deinen Geboten nicht vorbei. Versperre du mir alle Umwege und Auswege, dass ich deinen Weg gehe. Gib mir die Kraft, das, was du willst, wenigstens zu versuchen. Amen

Herzlich grüßt

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