Dienstag, 11. Oktober 2016

Muttermilch für Erwachsene hl

LosungIch will der Gnade des HERRN gedenken und der Ruhmestaten des HERRN in allem, was uns der HERR getan hat. Jesaja 63,7 

Lehrtext: Ihr habt ja geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. 1.Petrus 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

von vielen, die die Losungsauslegungen schon seit längerer Zeit lesen, weiß ich nicht, warum sie das tun. Ich kann aber sagen, warum ich versuche, die beiden Bibelworte ‚Losung und Lehrtext‘ aus dem Alten und dem Neuen Testament auszulegen: Einer groß angelegten Untersuchung zufolge wächst der Glaube eines Menschen am wirksamsten, wenn er Bibelworte liest und auf sein Leben heute beziehen kann. Dazu möchte ich einen kleinen Beitrag leisten. Aber vielleicht ist es sogar so, dass mir diese Arbeit selbst am meisten nützt.
Petrus schreibt dazu in seinem ersten Brief: »Genauso, wie ein neugeborenes Kind auf Muttermilch begierig ist, sollt ihr auf Gottes Wort begierig sein, auf diese unverfälschte Milch. Dann werdet ihr im Glauben wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen. Ihr habt von dieser Milch ja schon getrunken und habt geschmeckt, wie freundlich der Herr ist.« (Lehrtext)
Mir gefällt dieser Vergleich, dass Gottes Wort in der Bibel so etwas wie ‚Muttermilch‘ ist, die mich innerlich nährt und wachsen lässt egal wie alt ich bin. Diese Milch ist durch und durch gesund, nicht kontaminiert, nicht verunreinigt von Arzneimittelrückständen oder irgendwelchen Keimen. Nicht, wie oft Kuhmilch, im Geschmack beeinträchtigt durch Gülle-Silo-Futter. Sie ist sozusagen reinste Bio-Milch wie sie Bauer Karl aus dem Nachbardorf mit seinen Weidekühen erzeugt. Aber eben noch mehr als diese. Gottes Wort ist Muttermilch für dich und für mich.
Aber was macht diese Milch so nahrhaft und wohlschmeckend? Es ist das Evangelium, auf Deutsch: Die gute Nachricht für jeden neuen Tag. Da geht es nicht um einzelne Wörter und auch nicht um einzelne Bibelverse. Vielmehr ist es so, wie wenn jemand heute nach Syrien kommt, nach Aleppo, und glaubwürdig sagt: „Friede! – Der Krieg ist vorbei. Wir haben Frieden.“ Mehr Worte braucht es nicht. Alles andere ist zweitrangig. Genauso spricht Gott durch seinen Sohn Jesus in mein Leben hinein an jedem neuen Tag und sagt: „Du gehörst mir, egal was ist. Von meiner Liebe kann dich nichts trennen. Ich werde dir auch morgen treu sein so wie ich es bisher war und heute bin.“ Das ist das Fundament meines Glaubens. Das Fundament meines Lebens. Darauf verlasse ich mich. Alles andere ist zweitrangig. Und damit ich das nicht wieder vergesse, versuche ich zu beherzigen, was die heutige Losung sagt: »Ich will der Gnade des Herrn gedenken in allem, was er mir getan hat«.

Gebet: Herr, ich habe keinen Grund im Glauben unsicher zu werden, gar keinen, weil es nicht auf mich ankommt, nicht auf meinen Verstand, nicht auf meine Frömmigkeit, nicht auf meine guten Taten, nicht auf meinen Charakter und nicht auf meine Moral. Dass du mein Gott bist und ich dir gehöre, kommt ganz allein auf dich an, so wie es mir Jesus gezeigt hat. Und darum hänge ich nicht an den Worten irgendwelcher Menschen und seien sie noch so klug und geachtet. Ich hänge allein an deinem Wort wie ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter und trinke Frieden und Trost, Liebe und Geborgenheit. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 


Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr schreibt seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete. 

Montag, 10. Oktober 2016

Werte, von denen wir leben hl

Losung: Der HERR ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb. Psalm 11,7

Lehrtext: Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5,8-9

Liebe Leserin, lieber Leser,

je länger ich darüber nachdenke, desto größer erscheint mir das Wunder, dass unter den Menschen in aller Welt und in allen großen Religionen Werte geschätzt werden wie Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit, Hilfsbereitschaft, Anstand usw. Und das, obwohl Menschen, die nach solchen Werten leben, oft Nachteile in Kauf nehmen müssen. Der frühere Moderator der Tagesthemen, Ulrich Wickert, hat sogar ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Der Ehrliche ist der Dumme“.
Aber ich will nicht dem sattsam beklagten Verfall der Werte in unserer Gesellschaft das Wort reden, sondern mit Ihnen / dir darüber nachdenken, warum solche Werte in der menschlichen Gesellschaft entstanden sind und warum es sie immer noch gibt.
Betrachte ich das Thema ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der sozialen Evolution, so muss es mal ein Vorteil gewesen sein, dass Menschen anfingen, einander zu vertrauen, einander beizustehen, ehrlich zu sein und gerecht. Offenbar sind das Grundvoraussetzungen dafür, dass sich funktionierende und stabile Gemeinschaften bilden können wie eine Partnerschaft, eine Familie, ein Clan oder gar ein Staat.
Natürlich gab es zu allen Zeiten auch die negativen Gegenkräfte. Schon immer hat es Macht- und Habgier gegeben, Betrug und Ungerechtigkeit, Lüge, Vertrauensbruch und Hinterlist. Dieses destruktive Verhalten hat immer wieder Kriege und große Krisen ausgelöst und zu Verfolgung und Vertreibung, zu Mord und Totschlag geführt. So ist das bis heute.
Aber immer wieder haben sich Menschen besonnen, dass sie um des Friedens, des Lebensglücks und der Zukunft willen miteinander auskommen wollen. Und dazu halfen und helfen ihnen die positiven Werte.
In unserem Glauben bringen wir Gott mit solchen Werten zusammen, die dem Leben dienen. In unserer heiligen Schrift ist er es, dem all die guten Eigenschaften zukommen: Gerecht, wahrhaftig, gütig, gnädig, liebend und tröstend. Und dass wir seine Kinder sind, erkennt man auch daran, ob wir uns ebenfalls um solche Eigenschaften bemühen und zu anderen so sind wie er zu uns (Lehrtext). Wir leisten damit ja nicht nur uns selbst einen Dienst, in dem wir miteinander besser auskommen, sondern auch der Gesellschaft insgesamt. Sie hat nur dann eine Zukunft, wenn es auch künftig in unserem Land genug Menschen gibt, die nach solchen Werten leben.
Ja, eigentlich ist es ein Wunder, dass es noch immer vertrauenswürdige Menschen gibt, die ehrlich und gerecht sind. Manche von ihnen glauben nicht einmal an Gott. Aber wir, die wir an ihn glauben, sollten uns zuallererst darum bemühen, so zu sein.

Gebet: Herr, du bist unbestechlich und gerecht. Du selbst bist der Weg, auf dem wir dir nachfolgen können, du bist die Wahrheit, vor der die Schatten der Lüge fliehen, bist das Leben, das du denen schenkst, die lieben. Du hast mich zu einem Kind des Lichts gemacht. Aber ich habe nicht die Kraft, aus mir selbst heraus zu leuchten, wenn du nicht in mir leuchtest. Darum bitte ich: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Klarheit und ich dir danke, dass du mir hilfst (nach Psalm 43,3). Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Vergebung für mangelnde Liebe hl

Losung: Der HERR sprach: Ich habe vergeben, wie du es erbeten hast. 4.Mose 14,20

Lehrtext: Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Kolosser 3,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit jedem Vaterunser beten wir: »Vergib uns unsere Schuld.« Manche meinen, dass sie diese Bitte eigentlich gar nicht nötig hätten, weil sie sich keiner Schuld bewusst seien. Vielleicht ist das so.
Ich jedenfalls habe diese Bitte schon nötig. Ich kenne das Gebot Jesu, dass ich Gott und meinen Nächsten von ganzem Herzen, von ganzem Verstand und mit ganzer Kraft lieben soll. Und ich weiß, dass ich da Gott und meinen Mitmenschen manches schuldig bleibe.
Ich brauche dazu nur ein kleines Experiment zu machen und mich mal selbst zu beobachten, ob ich mit anderen aus der Haltung der Liebe heraus rede und umgehe oder ob ich neutral, geschäftsmäßig bis abweisend bin. Und darum meine ich, dass dies die Hauptursache ist, dass ich und du vielleicht auch immer wieder etwas an dieser Liebe schuldig bleiben, nicht zuletzt an der Liebe zu Gott.
Es bleibt sein Anspruch an mich, dass ich mich in dieser Liebe übe. Es bleibt aber auch sein Zuspruch, dass er mir vergibt, so oft ich ihn darum bitte.
Der Lehrtext ist ein kleiner Auszug aus der biblischen Lesung bei einer kirchlichen Trauung. Schon oft habe ich mich gefragt, ob die Brautpaare überhaupt hören und verstehen, was ihnen da gesagt wird. Denn dass einer dem andern vergibt, ist das Fundament nicht nur einer Ehe, sondern einer jeden Gemeinschaft.

Gebet: Herr, vergib mir meine Schuld, wie auch ich denen vergeben will, die an mir schuldig geworden sind. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 8. Oktober 2016

Irgendwann muss es klick machen hl

Losung: Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverständigen. Psalm 119,130

Lehrtext: Was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Römer 15,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass das heutige Losungswort zutrifft, können viele bestätigen. In einer neueren Übersetzung heißt es: »Im Leben eines Menschen wird es hell, wenn er anfängt, dein Wort zu verstehen. Wer bisher gedankenlos durchs Leben ging, der wird jetzt klug.« Schon manchen, die als Kinder getauft worden sind, aber denen der Glaube fremd geblieben ist, ging ein Licht auf, als sie auf einmal von einem Bibelwort getroffen wurden. Das kann im Krankenhaus, im Gefängnis oder im Hotelzimmer passieren, wo manchmal auf dem Nachttisch eine Bibel liegt, die der Gideon Bund, eine Vereinigung christlicher Geschäftsleute, kostenlos verteilt. Da blättert dann ein Patient, ein Gefangener oder Hotelgast in diesem Buch und stolpert über ein Wort, das sein Leben verändert wie »Der Herr gibt den Erschöpften neue Kraft, und die Schwachen macht er stark« (Jesaja 40,29). Oder: Jesus sagt: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis umherirren, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Johannes 8,12) Plötzlich spricht Gott selbst und ganz persönlich aus einem Bibelwort zu einem Menschen und verändert sein Leben. Vielleicht hat auch jemand von den Leserinnen und Lesern der Losungsauslegungen so etwas erlebt. Dann würde ich mich über eine kurze Rückmeldung freuen.
Im heutigen Lehrtext heißt es dazu: »Und aus dem, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt wurde, sollen wir lernen. Sie ermutigt und tröstet uns, damit wir unsere Hoffnung auf ihre Zusagen setzen und daran festhalten.« Genau darum geht es, dass ich meine Hoffnung und meinen Glauben auf Gottes ermutigende und tröstende Zusagen setze und sie mir gesagt sein lasse. Irgendwann muss es einmal ‚klick‘ in einem Menschen machen, damit er entdeckt: Das alles ist ja zu mir gesagt. Ich bin gemeint. Gott spricht mich an und will zu mir eine persönliche Beziehung haben. Also will ich's mit ihm versuchen, wenn er mir schon ein solches Angebot macht.
Warum soll ich es nicht wagen und von der Mauer meiner alten Gewissheiten in Gottes Arme springen? Ich hab doch nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Ja, irgendwann muss es einmal ‚klick‘ machen, damit ich sage: Worauf will ich denn noch warten? Ich will es mit Gott probieren und fang gleich damit an.

Gebet: Herr, hinter meinem Glauben steht dein Wort. Seit langem ermutigst du mich damit, auf dich zu hören und dir zu vertrauen. Ich habe das nicht bereut. Ich danke dir für alle Menschen, die mir dein Wort zugesagt haben und die mich motiviert haben, es selbst zu lesen. Ich wünsche mir die Kraft, dass ich weiterhin daran festhalte und mich nichts und niemand davon abbringen kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 7. Oktober 2016

Was wird nur aus unserem Land? hl

Losung: Als jene ganze Generation zu ihren Vorfahren versammelt worden war, kam nach ihnen eine andere Generation, die weder vom HERRN wusste, noch von dem Werk, das er für Israel getan hatte. Richter 2,10

Lehrtext: Simeon betete: Du hast dein rettendes Werk begonnen, und alle Welt wird es erfahren. Allen Völkern sendest du das Licht, und dein Volk Israel bringst du zu Ehren. Lukas 2,31-32

Liebe Leserin, lieber Leser,

so, sagt die Losung, war das damals: »Als von der Generation der Israeliten, die Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte, keiner mehr lebte, gab es eine neue Generation, die den Herrn weder kannte noch wusste, was er für sie getan hatte. Sie taten, was der Herr verabscheute: Sie warfen sich anderen Göttern an den Hals und wandten sich ab vom Herrn, dem Gott ihrer Vorfahren.«

Das alles ist längst Vergangenheit. Doch irgendwie erinnert mich das an die Gegenwart. Ich frage mich, ob man das heute so ähnlich sagen könnte:
‚Seitdem von der Generation der Deutschen keine mehr leben, die im Nationalsozialismus schreckliche Schuld auf sich geladen hatten, deren Land im Bombenhagel untergegangen ist und die der Herr auf wunderbare Weise aus jener Finsternis herausgeführt hat, dass sie wieder zu Wohlstand kamen und in die Völkergemeinschaft wieder aufgenommen wurden und so lange wie nie zuvor im Frieden leben durften, - seitdem von dieser Generation keine mehr leben, gibt es eine neue Generation, die den Herrn weder kennt noch weiß, was er für unser Volk getan hat. Sie tun, was der Herr verabscheut: Sie werfen sich anderen Göttern an den Hals und wenden sich ab vom Herrn, dem Gott ihrer Vorfahren.‘
Kann man das so sagen? Was meinst du? Was meinen Sie?
Dagegen spricht, dass diese Aussage doch sehr pauschal ist. Weder haben in der Generation unserer Eltern und Großeltern alle an Gott geglaubt, noch ist die heutige Generation komplett nichtgläubig. Aber auffällig ist schon, wie stark der Glaube in unserer Gesellschaft auf dem Rückzug ist. Auffällig ist, wie stark das Bewusstsein schwindet, wem wir letzten Endes Frieden und Wohlstand verdanken. Auffällig ist auch, dass das Wissen untergeht, warum wir einen Rechtsstaat haben, warum wir ein gemeinsames Europa brauchen, warum jeder, wirklich jeder, Verantwortung dafür hat, was aus unserem Land wird. Und wie brandgefährlich es ist, denen nachzulaufen, die auf schwierige Fragen einfache Antworten haben und andere dazu verführen, die Errungenschaften einer offenen Gesellschaft mit Füßen zu treten.
Unsere Verantwortung, liebe Leserin, lieber Leser, ist auch, dass wir gemeinsam das Fähnchen des Glaubens hochhalten und so deutlich machen: Es gibt noch Werte, an denen man sein eigenes Leben und den Weg unseres Landes ausrichten kann. ‚Ehrfurcht vor dem Leben‘, heißt ein solcher Wert oder ‚Solidarität und Nächstenliebe‘ oder ‚Gastfreundschaft und gute Nachbarschaft‘ oder ‚Verantwortung und Demut‘… oder wie es in der Bibel heißt: Gott ehren und dem Nächsten dienen. Unsere Aufgabe, so meine ich, ist es, dies stellvertretend auch für die anderen zu tun, die nicht glauben können oder wollen. Wir können und dürfen nicht nur für uns selber glauben. Wir haben auch Verantwortung für diejenigen, die blind für Gott sind und kein Herz für ihn haben. Doch wir würden dieser Verantwortung nicht gerecht, kämen wir ihnen mit dem Zeigefinger statt sie mit unserem eigenem Beispiel für den Glauben zu interessieren und zu gewinnen.
Simeon betet im Lehrtext, dass Gott sein rettendes Werk für alle (!) begonnen hat und nicht ein Werk der Vernichtung. Und dass er in dem Kind in der Krippe das rettende Licht sendet und nicht eine verderbliche Finsternis. Davon sollen wir reden mit Worten und mehr noch mit Taten und ausstrahlen, was es heißt, ein erlöster Mensch zu sein.

Gebet: Herr, ich mach mir Sorgen, dass so viele in unserem Land dich nicht mehr kennen oder kennen wollen. Das verheißt nichts Gutes. Denn wer dich vergisst, vergisst woher er kommt und wohin er geht, wem er sein Leben verdankt und von wem er bis jetzt am Leben erhalten worden ist. Was gibt einem solchen Menschen Halt? Woran kann er sich orientieren? Aber damit, dass ich mir Sorgen mache, ändere ich nichts. Darum bitte ich dich, dass wieder mehr Menschen dein rettendes Werk und dein rettendes Licht erkennen und ich dazu einen kleinen Beitrag leisten kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Warum man tut, was man tut hl

Losung: Einen jeglichen dünkt sein Weg recht; aber der HERR prüft die Herzen. Sprüche 21,2

Lehrtext: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. 1.Korinther 6,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

vier Beine hat ein gewöhnlicher Tisch. Und auf vier Beinen steht, was ein Mensch tut:
Das erste Bein ist die Tat selbst. Man kann sie sehen und bewerten.
Das zweite Bein ist, wie ein Mensch seine Tat anderen gegenüber begründet oder rechtfertigt.
Das dritte Bein ist, was er selbst von seiner Tat hält.
Und das von allen am wenigsten sichtbare vierte Bein sind seine wahren und somit geheimsten Gründe und Absichten, warum er tut, was er tut. Und gerade Letzteres will ein Mensch oft selbst nicht wahrhaben. Denn nicht selten sind seine Motive gar nicht so edel wie er es vor anderen und vor sich selbst gern hätte.
Letzten Donnerstag habe ich einen Freund in München besucht. Das eine Motiv war, ihn zu sehen und die Freundschaft zu pflegen, das andere, Motorrad zu fahren. Okay, das kann man schon vereinbaren. Im oberbayerischen Markt Indersdorf habe ich eine Pause gemacht und mir in einer Bäckerei ein Nusshörnchen gekauft. Als eine ziemlich betagte Frau den Laden verlassen wollte, habe ich ihr schnell die Tür aufgehalten. Sie hat sich wegen dieser Geste überrascht gezeigt und mir vielmals gedankt. Auch die Verkäuferin hat mich angestrahlt. So weit, so gut.
Aber was waren meine wirklichen Motive? Warum habe ich das getan? Wollte ich mich in der Dankbarkeit der einen und im Lob der anderen sonnen? Wollte ich demonstrieren, was für ein höflicher und aufmerksamer Mann ich doch bin? So genau weiß ich das gar nicht. Es ging ja alles auch ziemlich schnell. Aber möglich ist es schon, dass sich neben dem Impuls, hilfsbereit zu sein, insgeheim auch solch eigensüchtige Motive eingeschlichen haben. Und, ist das schlimm? Hm, es ist zumindest nicht schön, würde ich meine Geste dazu hernehmen, mich besser als andere zu fühlen und damit zu demonstrieren: Leute, schaut nur her, was für ein toller Kerl ich bin.
Die Leute mag ich vielleicht beeindrucken. Aber bei Gott gilt, was die heutige Losung in einer neueren Übersetzung sagt: »Der Mensch hält das, was er tut, für richtig; aber Gott, der Herr, prüft, warum der Mensch das tut.« Er kennt meine geheimsten Motive besser als ich selbst. Und wenn ich etwas Gutes nicht um seiner selbst willen tue, sondern damit ich andere beeindrucke, sagt er: „Hans, hast du das wirklich nötig? In meinen Augen machst du dich damit nicht größer, sondern kleiner als du bist.“
Auch Paulus weist mit dem Lehrtext in dieselbe Richtung, wenn er sagt, dass ich frei bin, alles zu tun. Aber letztlich kommt es darauf an, ob ich es tue, weil es mir und anderen gut tut oder weil ich insgeheim süchtig bin nach Anerkennung und dem Wunsch, etwas Besseres zu sein.

Gebet: Herr, bei dir bin ich mir absolut sicher, dass du keine geheimen Nebenabsichten hast, wenn du mir Gutes tust. Auch ich möchte gerne frei von solchen Nebenabsichten und Motiven sein und das Gute, das ich tue, um seiner selbst willen tun unabhängig davon, wie Menschen darauf reagieren. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Mit Nichtgläubigen reden hl

Losung: Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, so willige nicht ein. 5.Mose 13,7.9

Lehrtext: Wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Galater 6,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche sind die anderen Götter? Zu welchen könnten wir überredet werden, um ihnen zu dienen? Der säkulare, nichtreligiöse Geist in unserer Gesellschaft? Eine materialistische, nur auf das Fassbare und den Konsum bedachte Einstellung? Ein intellektueller Anstrich, der die Sehnsucht nach Gott übertüncht?
Ich habe gute Freunde, die sind Atheisten. Sie haben den Glauben verloren. Ich dränge ihnen den meinen nicht auf, verhehle ihn aber auch nicht. Manchmal, wenn ich mit ihnen zusammen bin, sage ich halb im Scherz und halb im Ernst: "Ach, ihr Heidenkinder!" Dann lächeln sie nachsichtig, sind ein bisschen verwundert, dass mir, der ich doch sonst halbwegs vernünftige Ansichten habe, immer noch Gott am Herzen liegt und es überkommt sie vielleicht eine vage Erinnerung, dass da mal was in ihrem Leben war, das jetzt irgendwie fehlt.
Wenn ich mit jedem von ihnen einzeln rede, gehen die Gespräche mehr in die Tiefe. Dann höre ich beispielsweise, dass selbst Atheisten ein Stoßgebet zum Himmel senden, wenn sie in Not sind. Einer von ihnen hat mir ein Buch von Martin Walser über Rechtfertigung geschenkt. Wir haben dann lange über dieses Thema diskutiert und sind uns in unseren Ansichten ziemlich nahe gekommen. Ich habe den Eindruck, dass viele Theologen die Frage nach der Rechtfertigung nicht so gut verstanden haben wie mein atheistischer Freund.
Solche Gespräche sind für mich sehr wertvoll, weil es in ihnen nicht darum geht, den anderen zu überreden, sondern mit ihm zu reden. Nur so kann ich ihn besser verstehen und seine Ansichten respektieren. Nur so kann er auch mich verstehen.
Mit dem Lehrtext sagt der Apostel Paulus, dass dies in »sanftmütigem Geist« geschehen soll, ohne Aggression und Rechthaberei. Das ist auch meine Erfahrung. Gerade wenn es um den Glauben geht, ist ein sanftmütiger, liebevoller Geist angemessen. Streit aber widerlegt den, der für den Glauben Partei ergreift, auch wenn seine Argumente noch so gut sind.
Und trotzdem, wenn einflussreiche Religionsvertreter den Menschen im Wege stehen, dass sie zu einer persönlichen Gottesbeziehung kommen, muss man ihnen „ins Angesicht widerstehen“. So hat es Jesus gemacht in seinen Gesprächen mit den Bischöfen (= Hohenpriestern), Pfarrern und Theologieprofessoren (= Schriftgelehrten) seiner Zeit. So hat es Paulus gemacht, als er dem Petrus (!) vorwarf, zu heucheln und sich nicht nach der Wahrheit des Evangeliums zu richten (4 Kapitel vor dem heutigen Lehrtext in Galater 2,11-21).
Bei alledem aber gilt sein Hinweis: »Seht zu, dass ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt.«

Gebet: Herr, immer wieder sagt man mir gute Argumente, die gegen den Glauben sprechen. Aber ich will mich davon nicht irre machen lassen, weil du kein Argument bist, kein Gedanke und auch kein Gefühl, sondern mein lebendiger Gott, der mich segnet, behütet und liebt. An dir will ich festhalten, auch wenn es anderen noch so unvernünftig erscheint. Und so bitte ich dich für sie alle, die dich nicht erleben können, dass du ihnen wie auch immer die Augen und das Herz für dich öffnest und wir gemeinsam dich preisen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 4. Oktober 2016

Das größte Wunder, von dem ich weiß hl

Losung: In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein. Psalm 95,4

Lehrtext: Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Apostelgeschichte 17,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott ist groß, sagen Christen, Juden und Muslime. Doch sie haben nicht recht. Das Wort ‚groß‘ passt einfach nicht zu Gott. Denn wenn etwas groß ist, gibt es immer noch etwas Größeres. Und wenn Gott am allergrößten wäre, dann würde man ihn vergleichen mit Dingen, die kleiner sind als er. Aber Gott ist unvergleichlich. Es gibt kein Maß, mit dem man ihn messen und nichts, womit man ihn vergleichen könnte. Oder soll ich sagen: Gott ist so groß, dass er sich auch um die allerkleinsten Dinge kümmert, um die Geringsten unter den Menschen genauso wie um die Bestandteile eines Atoms? Wenn wir von Gott reden, kommen wir mit unserer Sprache schnell an Grenzen. Letzten Endes ist er unsagbar.
Natürlich wohnt Gott nicht in Tempeln, wie der Lehrtext sagt, weil er »die Tiefen der Erde und die Höhen der Berge« in der Hand hat. Er lässt sich in keine Kirche einsperren noch in unseren kleinen Verstand, weder in die Bibel noch in meinen Glauben. Er sprengt alle Dimensionen, die man sich nur vorstellen kann.
Doch zugleich ist er bei mir und auch in mir mit allem, was für mich wichtig ist. Was ich von ihm wissen muss, hat er mir in Jesus gezeigt. Da braucht es keine weiteren Offenbarungen. Mir fehlt nichts. Aber zugleich ist und bleibt er auch außer mir, regiert die Sterne und Galaxien, sorgt dafür, dass sich unser Universum weiterhin ausdehnt und seine Schöpfung weitergeht in grenzenlosen Räumen und unausdenkbaren Fernen solange es ihm gefällt.
So ist die ganze weite, von ihm geschaffene Welt in ihm. Und gleichzeitig  wirkt er in ihr, in dir, in mir. Aber er ist nicht begrenzt auf unsere Welt. Wer weiß schon, welche Welten es außer unserem Heimatuniversum noch gibt? Kein Mensch weiß darauf eine Antwort.
Gott hat alle Möglichkeiten. Er allein kann alles, was möglich ist, durch sein Wort Wirklichkeit werden lassen im Großen wie im Kleinen. Er kann auch das Unmögliche ermöglichen. Und wenn dir etwas unmöglich erscheint und du vielleicht resignierst, weil du mit deinen Möglichkeiten am Ende bist, kann er dich immer noch überraschen und plötzlich eine Tür für dich auftun, wo keine war und dir einen neuen Weg zeigen, den noch niemand zuvor gegangen ist.
Sein ist die Kraft. Er ist die Kraft, die alles schafft und erhält. Und diese unvorstellbare Kraft bleibt nicht anonym und fern. Gott wird persönlich. Er kommt in einem stinkenden Viehstall in Gestalt eines kleinen Kindes zur Menschenwelt. Das ist das größte Wunder, von dem ich weiß.

Gebet:
Wenn ich, o Schöpfer deine Macht,
die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege,
so weiß ich, von Bewund’rung voll,
nicht, wie ich Dich erheben soll,
mein Gott, mein Herr und Vater!

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 3. Oktober 2016

Wirf sie weg! hl

Losung: Wirf dein Anliegen auf den HERRN; der wird dich versorgen. Psalm 55,23

Lehrtext: Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Philipper 4,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

welches ist dein Anliegen heute, dass du Gott vortragen möchtest? Manchmal weiß man sofort, was man ihm sagen will. Manchmal muss man erst nachdenken. Aber ich glaube, jeder hat was, das er Gott abgeben, das er loswerden möchte. Doch wie soll das gehen? Natürlich kann ich ihm mein Anliegen im Gebet sagen. So ist es normal und so geschieht es meistens. Aber manchmal ist es gut, wenn ich das, wofür ich bete, mit einer sprechenden Geste unterstütze.
Das heutige Losungswort gibt dazu einen Fingerzeig. Es sagt: »Wirf!« Etwas auf Gott werfen ist noch einmal etwas anderes, als ihm nur etwas sagen. Das macht ihm deutlich, wie wichtig dir dein Anliegen ist. Und dir macht die Tageslosung deutlich, dass du dich für dein Herzensanliegen ins Zeug legen und mit »Herzen Mund und Händen« beten sollst. So haben wir es gestern am Schluss des Erntedankfestgottesdienstes wieder gesungen.
Wie könnte das konkret aussehen?
Du kannst dir das bildlich vorstellen, wie du vor Gott oder vor Jesus stehst und ihm dein Anliegen, deine Sorgen zuwirfst wie einen Ball und dazu sagst: ‚Herr, bitte fang auf und nimm mir das ab. Dir ist das alles nicht zu schwer. Du kannst es für mich tragen. Und du wirst mir helfen, wie es mit mir besser weitergeht.‘
Was geschieht, wenn du so betest? Du sprichst deine Sorgen aus, bringst sie aus dir heraus und schluckst sie nicht immer nur hinunter. Und du gewinnst Abstand zu den Sorgen, die du auf ihn wirfst. Vielleicht kannst du aus dieser Distanz dann besser erkennen, wie schwer sie wirklich sind. Vielleicht verlieren sie allein dadurch schon ihre Wucht.
Du kannst das Ganze noch verstärken, indem du deine Anliegen und Sorgen buchstäblich von dir wegwirfst. Dann nimm ein Blatt Papier, schreibe auf, was dich bedrückt, was dich umtreibt, was du loswerden und Gott geben willst. Knülle das Papier zusammen und wirf es mit aller Kraft von dir weg, entweder in die Zimmerecke oder draußen in einen Bach oder Weiher oder wohin immer du willst. Und dann sprich noch einmal so ein Gebet und sage:

Gebet: ‚Herr, du weißt ja wie es mir geht. Du weißt, was mir schwer auf der Seele liegt. Ich werde damit allein nicht fertig. Und so nehme ich dich beim Wort und werfe das alles auf dich. Du wirst für mich sorgen, wie du gesagt hast. Darauf verlasse ich mich. Amen‘…

… und dann wirf mit aller Kraft. Wirf deine Sorgen auf ihn. Er sorgt für dich.

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 2. Oktober 2016

Unser tägliches Brot. Erntedankfest 2016 hl

Liebe Freunde,

heute ist Erntedanktag. Heute ist Zahltag. Heute präsentiert uns Gott die Rechnung

für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne
und für all die Tage, die Abende und die Nächte.
Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen: bitte die Rechnung!
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, so weit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen!
(Lothar Zenetti)

Heute ist Erntedank. Heute will Gott ernten für alles, was er uns auch in diesem Jahr wieder geschenkt hat. Heute will er Dank ernten. Sonst nichts. Aber unseren Dank möchte er schon haben. Er will sehen, ob wir zu schätzen wissen, was er uns gegeben hat. Ob uns bewusst ist, wem wir das alles verdanken: Unser Leben und das unserer Kinder genauso wie das tägliche Brot.
Und heute wollen wir genau das tun und ihm unseren Dank bringen. Wir tun das mit den Leiterwagen der Kinder voll Früchten aus Feld und Garten und Lebensmitteln, die wir vorhin in die Kirche gezogen und wie ehedem vor den Altar gestellt haben. Wir tun dies mit unseren Liedern und vor allem mit unseren Gebeten. Heute sagen wir hier in der Kirche und nachher vor dem Mittagessen: Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt, o Gott, von dir. Dank sei dir dafür!
Wofür genau wir danken, dafür steht dieser kleine Bissen Schwarzbrot, den wir nachher beim Abendmahl essen werden (HL zeigt einen kleinen Brotbrocken). Ich werde ihn euch in die Hand legen. Nehmt ihn und riecht daran. Kein Parfüm riecht besser als frisches Brot. Jemand hat dazu den schönen Satz geschrieben: »Wie eine Fee tanzte er geheimnisvoll durch die Gassen und tauchte uns ein in Wärme und Lust, der Duft vom frischen Brot.« (Manfred Poisel) Was kommen euch für Gedanken in den Sinn, wenn ihr frisches Brot riecht? Ich denke daran, dass mein Bruder und ich uns ums 'Knetzle', um den Anschnitt gestritten haben, wenn Mutter frisches Brot nach Hause gebracht hatte. Um des Friedens willen, hat sie dann das Brot von der anderen Seite noch mal angeschnitten. Und manchmal haben wir dann gleich mehrere Scheiben gegessen ohne irgendwelchen Belag. Einfach, weil frisches Brot auch pur fantastisch schmeckt so wie es Eva Strittmatter in ihrem Gedicht ‚Brot‘ beschreibt:

Man muss sein Brot mit gar nichts essen.
Mit nichts als Licht und Luft bestreut.
Gefühle, die man ganz vergessen,
Geschmack und Duft der Kinderzeit,
Sie sind im trocknen Brot beschlossen,
Wenn man es unterm Himmel isst.
Doch wird die Weisheit nur genossen,
Wenn man den Hunger nicht vergisst
.

Von all den zahllosen Brotsorten schmeckt mir fränkisches Schwarzbrot mit einer schönen Kruste am besten. Auch eine französische Baguette schmeckt sehr gut. Aber auf Dauer hat sie gegen unser fränkisches Brot bei mir keine Chance.
Wenn ihr also nachher beim Abendmahl an diesem Bissen Brot gerochen habt, dann steckt ihn euch in den Mund und kaut ihn langsam und mit Bedacht. Macht euch bewusst, was genau ihr da esst. Es ist das tägliche Brot, um das wir in jedem Vaterunser bitten: die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Ihr könnt darin die Sonne schmecken und den Regen, die Fruchtbarkeit unserer Böden, das Mehl des Müllers, die Hefe des Bäckers, die Hitze des Backofens. Aber das ist noch nicht alles. Das tägliche Brot ist ein Zeichen, ein Symbol für so vieles, was unser Leben ausmacht. Martin Luther schreibt dazu in seiner Auslegung zum Vaterunser:
Was heißt denn tägliches Brot?
Alles, was wir zum Leben brauchen, wie Essen und Trinken, etwas zum Anziehen, ein Dach überm Kopf, eine Arbeitsstelle, Geld, Besitz, einen lieben Partner, gute Kinder, gute Chefs, eine gute Regierung, gutes Wetter, Friede, Gesundheit, Disziplin, Ansehen, gute Freunde, hilfsbereite Nachbarn und usw.
(revidierter Text von HL)
Mit einem Wort, das tägliche Brot ist Gottes täglicher Segen. Und diesen seinen Segen esst ihr buchstäblich, daheim und hier beim Abendmahl. Denkt daran, wenn ihr das tut und seid dankbar dafür.
Doch zugleich esst ihr hier auch geistliches Brot. Dieser von Gott so gesegnete Bissen Brot ist zugleich „Christi Leib für dich gegeben“. In diesem kleinen Brotbrocken steckt nicht nur Gottes Segen, sondern auch die grenzenlose Menschenliebe seines Sohnes Jesus. Denkt auch daran, wenn ihr das Brot des Abendmahls esst. Damit schmeckt ihr auch diese Liebe und ernährt eure Seele. Wer sonst liebt euch so sehr, dass er sein Leben für euch gibt? Darum nehmt das Brot voll Dankbarkeit zu euch und esst es mit Andacht.
So feiern wir ein Erntedankfest, das über die materiellen Güter hinausgeht und die himmlischen Güter mit einbezieht: Den Segen und die Liebe.
In diesem Sinn ist jedes Brot, Brot von Gott. Es soll euch stärken an Leib und Seele. Es soll euch Kraft geben für euer Leben, für die tägliche Arbeit, für das Zusammenleben in Partnerschaft und Familie, für die Gemeinschaft im Dorf und in unserer Kirchengemeinde.

Ja, heute ist Zahltag. Heute präsentiert uns Gott die Rechnung für all das Gute in unserem Leben, insbesondere für unser tägliches Brot. Aber wir haben sie ohne den Wirt gemacht. ‚Ich lade euch ein‘, sagt der und lacht. ‚Es ist mir ein Vergnügen!‘
Und wir sagen: ‚Danke, Herr, danke!‘
So feiern wir Erntedankfest. Und wenn wir von Menschen hören, denen es am täglichen Brot fehlt, an einer guten Regierung, an Nahrung, an Frieden und nicht zuletzt an Heimat, dann wissen wir: Brot ist teilbar.

Amen

Hans Löhr 

Samstag, 1. Oktober 2016

Worte, die bleiben hl

Losung: Mein Leben ist immer in Gefahr; aber dein Gesetz vergesse ich nicht. Psalm 119,109

Lehrtext: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Johannes 6,68

Liebe Leserin, lieber Leser,

frühere Generationen hätten allen Grund gehabt, inmitten lebensbedrohlicher Zustände, inmitten von Krieg, Vertreibung, Hunger und Seuchen Gottes Wort zu vergessen. Da war dann so vieles andere wichtig, um zu überleben, dass es aus heutigen Sicht als Luxus erscheint, wenn unsere Vorfahren trotzdem in der Bibel gelesen, gebetet und Gottesdienste besucht haben. Aber sie haben die Erfahrung gemacht, dass gerade das Festhalten an Gott und seinem Wort sie durch schwierigste Umstände hindurchgebracht hat. Demgegenüber müsste man heute eigentlich so formulieren: ‚Ich lebe in Wohlstand und Sicherheit und trotzdem vergesse ich dein Wort (Gesetz) nicht.‘
Der Lehrtext ist mein Konfirmationsspruch. Ich hatte damals, als ich ihn vom Pfarrer bekommen habe, nicht gedacht, dass er für mich einmal so wichtig werden würde. „Herr, wohin soll ich gehen?“ – Diese Frage habe ich so oder so ähnlich öfter gestellt. Immer wenn ich schwierige Entscheidungen zu treffen hatte, kam mir auch mein Glaube und mit ihm Gott in den Sinn. Er hat mir dann die Entscheidung nicht einfach abgenommen. Er hat mir auch nicht direkt gesagt, was ich tun und was ich lassen soll. Aber er hat auf vielfältige Weise zu mir gesprochen. Meistens habe ich erst hinterher verstanden, dass ich von ihm eine Weisung bekommen habe.
»Wollt ihr auch weggehen und mich verlassen?« So fragt Jesus seine Jünger. Auch sie überlegen, ob sie dem Beispiel der vielen anderen folgen und von ihm fortgehen sollten. Es war für fromme Juden damals eine Zumutung, wie er von Gott gesprochen hat. Doch Petrus antwortet: »Herr, zu wem sollten wir denn schon gehen? Nur deine Worte schenken ewiges Leben.«
Für Petrus und die anderen Jünger gibt es keine Alternative zu ihm. Und, wenn ich's recht bedenke, für mich auch nicht. Ich wüsste sonst niemand, dem ich mehr Vertrauen schenken könnte als ihm. Ich wüsste sonst niemand, auf dessen Wort ich mich mehr verlassen könnte als auf seines. Ich kann das nicht begründen. Das ist in mir mehr ein Gefühl als eine rationale Entscheidung. Aber diesem Gefühl traue ich mehr als den vielen Worten, die ich sonst so höre.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du durch die Bibel zu mir sprichst und auch durch andere Menschen. Du bist kein stummer Gott. Du machst dich in meinem Leben bemerkbar. Darum bitte ich dich auch weiterhin. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 30. September 2016

Ehrlich zu mir hl

Losung: Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Psalm 6,2

Lehrtext: Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Römer 8,34

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich konnte lange Zeit mit solchen Bibelworten wie der heutigen Tageslosung nichts anfangen. Mit einem zornigen und strafenden Gott wollte ich nichts zu tun haben. Das ist noch immer so. Denn ich bringe einen solchen Gott nicht mit dem himmlischen Vater zusammen, der sich seinen Menschen in Jesus Christus gezeigt hat. Und trotzdem macht mich das Losungswort nachdenklich. Ich frage nach dem Menschen, der so redet wie im Psalm 6 und warum er das tut. Sein Gewissen sagt ihm, dass er mit seinem Leben vor Gott nicht bestehen kann. Schonungslos prüft er sich selbst und stellt fest: Eigentlich hätte ich Gottes Strafe und Zorn verdient. Aber ich will ihn bitten, dass dies nicht geschieht.
Was dieser Mensch wohl getan hat, dass er so denkt? Ich glaube nicht, dass er eine besondere Untat begangen hat. Er kennt sich nur selbst ziemlich genau und weiß, was wirklich hinter seiner Stirn vorgeht und im tiefsten Grunde seines Herzens. Er weiß um das Negative, das in ihm steckt, auch um die Versuchung zum Bösen. Letzten Endes ist er nur ehrlich zu sich selbst.
Gibt es eigentlich solche Menschen noch? Leute, die Skrupel haben? Die wissen, was ein schlechtes Gewissen ist? Die ihre Schuld drückt und ihre Sünden belasten? Denen durchaus bewusst ist, dass sie sich nicht am eigenen Schopf aus ihrem Sumpf ziehen können? Und die darum in sich das Verlangen haben, von all dem Negativen befreit zu werden, nicht zuletzt von ihrer Selbstgerechtigkeit und Rechthaberei? Kennst du solche Menschen?
Jaja, ich weiß schon, dass jetzt wieder einige sagen oder denken: ‚Sei doch froh, dass das nicht mehr so ist, dass Menschen vor Gott kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen, dass man nicht mehr von Sünde reden und sich mit Skrupeln herumplagen muss.‘
Nein, darüber bin ich ganz und gar nicht froh. Ich meine, nicht derjenige, der ein schlechtes Gewissen, der Skrupel und ein Sündenbewusstsein hat, ist krank, sondern die Gesellschaft, der das alles abgeht. Denn eine solche Gesellschaft hat den Respekt vor einer höheren Macht über sich verloren. Ich möchte nicht, dass Menschen in unserem Land Einfluss haben, die gewissenlos, skrupellos, respektlos, selbstgerecht und rechthaberisch sind. Denen nichts mehr heilig ist. Solchen Menschen möchte ich unser Land und die Zukunft unserer Kinder nicht anvertrauen.
Ich weiß, ich muss in dem überschaubaren Bereich, in dem ich Einfluss habe, mit gutem Beispiel vorangehen. Und das heißt, dass ich mich vor Gott ehrlich und selbstkritisch so sehe, wie ich wirklich bin. Dass ich ganz und gar auf seine Gnade angewiesen bin, weil ich ihm nichts, aber auch gar nichts geben könnte, was auf ihn Eindruck machen würde.
Dass ich bei Gott gerechtfertigt bin, dass ich ihm recht bin, hat nichts damit zu tun, was ich vorweisen könnte, sondern alles damit, was Jesus vorweisen kann. Er ist für mich gestorben. Er ist für mich auferstanden. Er vertritt mich vor Gott (Lehrtext). Darum, und nur darum bin ich Gott recht. Ich lebe ganz und gar aus seiner Gnade, ganz und gar von seiner Vergebung. Sonst gäbe es mich nicht mehr. Und darum soll ich und will ich ganz und gar dankbar sein und in gutem Sinn demütig vor meinem Gott. Ob mir das gelingt, steht noch einmal auf einem anderen Blatt. Aber so viel ist mir schon klar: An Gott glauben, auf ihn vertrauen, auf ihn hören und mit ihm leben kann ich nur als einer, der alles von ihm erwartet, alles von ihm bekommt und deshalb dankbar ist.

Gebet: Herr, du weißt, ich bin nicht besser als andere. Gibt es überhaupt Menschen, die besser als andere sind? Stehen wir als Sünder nicht alle auf derselben Stufe? Und darum will ich nicht auf andere herabschauen, sondern zu dir aufschauen und dir danken, dass ich ohne mein geringstes Verdienst allein aus deiner Gnade und von deiner Vergebung leben kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 29. September 2016

Was die Seele satt macht hl

Losung: Der HERR spricht: Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen. Jesaja 55,2

Lehrtext: Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben. Johannes 6,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Du isst so wenig. Hast du keinen Hunger?“ sagt die Freundin. Darauf die andere: „Ich lebe von Luft und Liebe“ und lacht. Brot und auch die allererlesendsten Speisen - sie machen den Leib satt, sie tragen auch dazu bei, die Stimmung aufzuhellen. Denn wer hungert, wird leicht mürrisch. Aber Brot allein reicht nicht für ein erfülltes Leben.
Wie ist es mit deiner Seele? Wie ernährst du sie?
Diese Frage hat schon die Menschen der Bibel beschäftigt. Und Gott antwortet darauf mit seinem Wort aus der heutigen Losung: »Kommt her, auch wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Zu mir! Hier gibt es Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts! Warum gebt ihr euer sauer verdientes Geld aus für Brot, das nicht sättigt? Hört doch auf mich, und tut, was ich sage, dann bekommt ihr genug! Ihr dürft köstliche Speisen genießen und euch satt essen. Nehmt meine Weisungen an, damit ihr am Leben bleibt!«
Die Seele, so sagt die Bibel, lebt von der Gemeinschaft mit Gott. Auch sie lebt von Luft und Liebe. Sie lebt von seiner Liebe und davon, dass sie ihn wieder lieben kann. Sie lebt von seinen Worten, die sie trösten und stärken, nach denen der Mensch sich richten kann. Und die Seele lebt von der Gemeinschaft mit anderen, mit Menschen, die dir gut tun und dir einen großen Teller voll Zeit, Lachen und Freundlichkeit hinstellen.
Jesus Christus gibt mir das unvergängliche Brot dieser Liebesgemeinschaft (Lehrtext). Er gibt es mir buchstäblich im Abendmahl. Er gibt es dir und mir aber auch dann, so oft wir in Gedanken oder im Gebet seine Nähe suchen.

Gebet: Herr, du selbst bist das Brot des Lebens. Du segnest mich nicht nur mit dem, was meinen Leib satt macht. Du segnest mich mit all den guten Dingen, die meine Seele ernähren. So schenkst du mir ein erfülltes Leben. Danke für deine Gnade: Danke, dass du mich in jeder Hinsicht beschenkst. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 28. September 2016

Der Maßstab ist das große Ganze hl

Losung: Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende. Daniel 7,14

Lehrtext: Es hat Gott wohlgefallen, dass in Christus alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Kolosser 1,19-20

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat das, was und wie du glaubst, Einfluss auf dein Lebensgefühl?
     Bei mir ist das so. Vor Gott, wie er mir in Jesus begegnet, fühle ich keine Furcht. Ich ehre ihn, ja. Ich beuge mich vor ihm. Aber ich habe vor ihm keine Angst. Und trotz allem, was mir misslingt, was ich falsch mache, woran ich schuldig werde, und trotz meiner Sünden – habe ich vor ihm kein schlechtes Gewissen, sondern bin sicher und ruhig. Ich schäme mich manchmal vor ihm wegen meines Versagens. Aber ich vertraue darauf, dass all das mich von seiner Liebe nicht trennen kann. Denn ich gehöre ihm in Zeit und Ewigkeit. Ich habe auch keine Angst vor seinem Gericht. Nein, kein bisschen. Denn wenn Gott mich richtet, stellt sich Jesus vor mich und sagt: ‚Vater, ich hab mein Leben für seines gegeben. Wenn du also diesen Menschen richtest, dann richte mich.‘ Die Bibel nennt diese Art des Gerichts ‚Rechtfertigung‘. 500 Jahre sind es jetzt, seitdem Martin Luther das in der Bibel wiederentdeckt hat.
     Zu den für mich wichtigsten Erkenntnissen des Apostels Paulus gehört der heutige Lehrtext hier in einer neueren Übersetzung: »Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen. Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch Christus mit Gott wieder versöhnt werden, alles hat Frieden gefunden, als er am Kreuz starb.« Das ist es, worum es Gott gegangen ist und geht, damals als er in Bethlehem bei den Ärmsten der Armen in Jesus zur Welt gekommen ist, damals als er inmitten von Verbrechern auf Golgatha gestorben ist, damals als er bei den Toten war und in Jerusalem auferstanden ist. Es sollte keinen Menschen an keinem Ort geben, der nicht »durch Christus mit Gott wieder versöhnt« würde, weder im Himmel noch auf der Erde, weder unter den Lebenden noch unter den Toten. »Alles«, wirklich alles, »hat Frieden gefunden, als er am Kreuz starb.«
     Hat es jemals für uns Menschen eine bessere Botschaft gegeben? Gibt es jetzt eine bessere Nachricht für dich und für mich als die, dass wir versöhnt und im Frieden mit Gott leben können ohne ständig Angst haben zu müssen, dass uns schon noch mal die Quittung für unser Versagen präsentiert wird? Ich wüsste von alledem nichts, ich hätte mein gutes Lebensgefühl nicht, wäre er in Jesus nicht auf die Erde und somit auch zu mir gekommen. Darum ist Jesus so überaus wichtig für meinen Glauben.
     Neulich habe ich mit Mitarbeitern unserer Gemeinde über solche Glaubensthemen diskutiert. Sie haben mir keineswegs vorbehaltlos zugestimmt. Der eine und der andere hat Bibelworte zitiert, in denen vom Gericht die Rede ist und dass man sich erst für Jesus entschieden haben müsse, bevor seine frohe Botschaft auch für einen selbst gilt. Von Buße, von Umkehr wurde gesprochen, ohne die es keine Vergebung geben könne und so weiter.
     Ja, solche Bibelworte gibt es. Aber wie wichtig sind sie? Sind denn alle Bibelworte gleich wichtig? Nein. Ich brauche einen Maßstab, um erkennen zu können, worauf es in der Bibel in erster Linie ankommt und worauf es weniger oder auch nicht ankommt. Und dieser Maßstab ist das große Ganze, um das es geht und wovon im heutigen Lehrtext die Rede ist. Der Maßstab ist das große Versöhnungswerk Gottes mit seiner Schöpfung und insbesondere mit seiner Menschheit. Das überstrahlt alle Einzelheiten. Daran halte ich mich und nicht an einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Bibelworte, die man sich gegenseitig um die Ohren schlagen kann.
     So lasse ich am Schluss noch einmal den Apostel Paulus zu Wort kommen, der an andere Stelle im 2. Brief an die Christen in Korinth schreibt: »Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Er hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft der Versöhnung in der ganzen Welt zu verbreiten. Als Botschafter Jesu Christi bitten wir nun in seinem Namen: Lasst euch mit Gott versöhnen! Denn Gott hat Christus, der ohne jede Sünde war, mit all unserer Schuld beladen und verurteilt, damit wir freigesprochen sind und Menschen werden, die Gott gefallen.«
     ‚Nachdenken über die Bibel‘, so heißen diese Losungsauslegungen. Und darum bitte ich, dass das, was ich schreibe, für dich ein Anlass sein soll, selbst über die Bibel nachzudenken und was das für einen Einfluss auf dein Lebensgefühl hat.

Gebet: Herr, wie gut, dass ich frei und unbeschwert leben kann, weil ich dir und anderen Menschen und auch mir nichts beweisen muss. Ich muss nicht erst etwas aus mir machen. In deinen Augen bin ich längst, der ich sein soll. Und nur dein Urteil zählt. Was kümmert mich das Geschwätz anderer? Danke, dass ich versöhnt und in Frieden mit dir leben kann ohne Angst, ohne schlechtes Gewissen trotz allem, wo ich versagt habe. Jetzt brauche ich nur noch eins, dass ich das auch glauben und fest darauf vertrauen kann. Darum bitte ich dich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 27. September 2016

Er weiß wohin hl

Losung: Der HERR sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten. 2.Mose 33,14

Lehrtext: Weil wir nun solche Hoffnung haben, sind wir voll großer Zuversicht. 2.Korinther 3,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

lesen Sie zunächst ein Ausschnitt aus dem Gespräch zwischen Mose und Gott, aus dem unser heutiges Losungswort kommt. Hier in einer neueren Übersetzung: »Wenn du nun wirklich mit mir bist, dann lass mich deine Pläne erkennen! Ich möchte dich besser verstehen und weiter deine Hilfe erfahren. Der Herr antwortete: "Ich selbst werde dir vorangehen und dich in ein Land bringen, in dem du in Frieden leben kannst!"«
Das wünscht sich wohl jeder, der an Gott glaubt, dass er seine Pläne erkennen und ihn besser verstehen möge. Aber Gott erklärt dem Mose nicht in allen Einzelheiten, was er mit ihm vorhat. Er zeigt ihm weder die Zukunft noch bekommt Mose eine Landkarte von ihm. Stattdessen sagt Gott sinngemäß: „Geh mir einfach nach. Ich gehe voraus und bring dich dorthin, wo es dir gut geht.“ Er will von Mose, dass er ihm vertraut. Und dasselbe will er auch von dir und von mir. Mose zweifelt noch ein bisschen, wenn er sagt: »Wenn du nun wirklich mit mir bist…«. 
Diesen Zweifel kann ich gut nachempfinden. Woher kann ich denn wissen, ob Gott mit mir ist? Wissen kann ich es nicht. Ich kann nur seiner Zusage vertrauen und mich darauf einlassen. Und tatsächlich, bisher hat er mich viele Jahre durch mein Leben gebracht und ich kann nicht sagen, dass er mich in die Irre geführt hat. Im Gegenteil. Natürlich war mein Weg nicht immer einfach und schon gar nicht gradlinig. Da gab es manche Kurven und Umwege auch mal Sackgassen. Und doch ging es immer wieder mit seiner Hilfe weiter. Darum will ich darauf vertrauen, dass er mir weiterhin vorangeht und mich dorthin bringt, wo alles zu seinem Ziel kommt. Das ist die Hoffnung, die ich habe. Sie macht mich zuversichtlich, dass ich mit Gottes Hilfe meinen Weg finde.

Gebet: Herr, ich kann nicht wissen, was wird. Aber du weißt es. Dir vertraue ich mein Leben an und gehe zuversichtlich meinen Weg. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 26. September 2016

Was Gott sagt und was wir tun sollen hl

Losung: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören. 2.Mose 24,7

Lehrtext: Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Römer 12,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum sollte ich tun, was Gott sagt und auf ihn hören? Andere tun das ja auch nicht. Fühlt Gott sich etwa mächtiger oder bedeutender, wenn Menschen auf ihn hören? Eine lächerliche Frage! Es geht nicht darum, dass Gott seine Autorität durchsetzt, sondern darum, was mir und meinen Mitmenschen gut tut.
Aber was sagt er mir durch das Wort der Bibel? Und wie soll ich Jesus Christus dienen?
Die Verse, die nach unserem heutigen Lehrtext stehen, geben darauf Antwort: »Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung, bleibt standhaft in aller Bedrängnis, lasst nicht nach im Gebet. Sorgt für alle in der Gemeinde, die Not leiden, und wetteifert in der Gastfreundschaft. Wünscht ihnen, die euch verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seit alle miteinander auf Einigkeit bedacht. Strebt nicht hoch hinaus, sondern haltet Gemeinschaft mit den Geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid zu allen Menschen höflich. Soweit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. Rächt euch nicht, holt euch nicht selbst euer Recht, sondern überlasst das Gericht Gott. Er sagt in der Heiligen Schrift: „Die Rache ist mein, ich will vergelten.“ Handelt vielmehr nach dem Wort „Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald Leid tun, dein Feind zu sein.“ Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute!«

Gebet: Herr, doch, doch, ich weiß schon, was ich tun soll. Du hast das im Wort der Bibel deutlich genug gesagt. Aber du weißt auch, dass mir das längst nicht immer gelingt. Wecke in mir die Bereitschaft, auf dich zu hören und zu tun, was mir und meinen Mitmenschen hilft. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 25. September 2016

Wir sind längst daheim hl

Predigt von Hans Löhr am 18. Sonntag nach Trinitatis

Römer 14, 17-19 (Übersetzung „Gute Nachricht für dich“):
»Wo Gott seine Herrschaft aufrichtet, geht es nicht um Essen und Trinken, sondern um ein Leben unter der rettenden Treue Gottes und in Frieden und Freude, wie es der Heilige Geist schenkt. Wer Christus mit einem solchen Leben dient, gefällt Gott und wird von den Menschen geachtet.«

Liebe Gemeinde,

es ist schon ein paar Jahre her, dass wir mit dem Auto mitten in der Nacht vom Urlaub heimgefahren sind. Wir kamen aus Kroatien. Die Kinder haben auf dem Rücksitz geschlafen und meine Frau auf dem Beifahrersitz. Ich liebe es, nachts Auto zu fahren, wenn alle anderen schlafen. Ich höre dann leise Musik und kann meine Gedanken nachhängen. Kurz vor Salzburg wurde es im Osten hell. Und als wir nach Deutschland hineingefahren sind, ging glutrot die Sonne auf. Gut 150 Kilometer würde ich noch fahren können, bevor ich tanken müsste. Als ich an der Autobahntankstelle hielt, ist meine Frau aufgewacht: »Es ist ja schon hell. Sind wir denn schon in Deutschland?«. »Ja«, sagte ich, »schon eine ganze Weile. In einer guten Stunde sind wir daheim. Du hast fest geschlafen.«
Deutschland, das Land in dem wir geboren sind, in dem wir leben, wo wir ein Dach überm Kopf haben und ein Bett, wo es uns gut geht, wo Frieden herrscht und ein Rechtsstaat Sicherheit gibt. Mit einem Wort, wo wir daheim sind und wo wir gern leben. So schön es im Urlaub war, so gern sind wir auch wieder heimgefahren. Nein, in Kroatien möchten wir nicht leben, auch nicht in Österreich. Deutschland ist unsere Heimat.
Wir haben aber noch eine andere Heimat, ihr hier und ich. Der Apostel Paulus nennt sie „Reich Gottes“. Da kann man nicht mit dem Auto hinfahren. Aber du kannst im Reich Gottes leben. Eigentlich leben alle im Reich Gottes. Doch die meisten merken nichts davon. Du kannst das Reich Gottes ein Leben lang verschlafen, so wie meine Frau und die Kinder die Rückkehr nach Deutschland verschlafen haben. Und dann lebst du so dahin in dieser Welt und weiß nicht einmal, wo du wirklich bist. Aber dann erwacht doch der eine oder andere zum Glauben und stellt verwundert fest: ‚Ich bin ja schon da. Ich war schon immer im Reich Gottes und hab‘s nicht gemerkt.‘
In der Bibel heißt Reich Gottes manchmal Himmelreich. Das hat nichts mit dem Himmel über uns zu tun. Es waren die frommen Juden, die sich aus Ehrfurcht scheuten, den Namen Gottes auszusprechen. Sie haben stattdessen das Wort ‚Himmel‘ verwendet. Ähnlich ist es, wenn wir beten „Vater unser im Himmel“. Im Grunde genommen heißt das nur: „Gott, der du unser Vater bist.“ Leider meinen viele, dass Gott über uns in irgendeinem fernen Himmel lebe, weit weg von unserer Erde. Und wenn sie sagen, „ich hoffe, dass ich einmal in den Himmel komme“, dann denken sie an ein Jenseits über den Wolken. Aber „in den Himmel kommen“ heißt nichts anderes, als zu Gott kommen und für immer bei ihm zu bleiben. Aber Gott ist längst zu uns gekommen in seinem Sohn Jesus Christus.
Der Himmel aber ist da, wo er ist. Und er ist bei uns hier auf der Erde, heute schon. Gott ist da, jetzt, in diesem Augenblick, hier in der Kirche und dann, wenn ich wieder zu Hause bin. Und erst recht, wenn ich in das finstere Tal der Leiden und der Einsamkeit muss. Dann kann ich mit der Bibel sagen: »Ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.«
Ja, Gott ist da. Wir alle leben längst in seinem Reich. Und wenn wir einmal gestorben sind, bleiben wir immer noch bei ihm. Dann aber erlöst von allem Bösen, von Leid und Tod. Warum nur ist das so schwer zu glauben, dass Gott jetzt schon bei uns ist und wir bei ihm? Wir haben doch alle diesen Psalm 23 gelernt und schon so oft gebetet und gesagt: »Du bist bei mir!« Ist das wirklich so oder ist das für dich nur so ein Satz ohne große Bedeutung? Und wenn es wirklich so ist, wenn Gott wirklich bei dir ist und bei mir, müssten wir dann nicht deutlich anders leben? Könnten wir dann nicht viel gelassener sein, zuversichtlicher, getrösteter? Wenn das wirklich so ist, wenn Gott wirklich bei dir ist und bei mir, müssten wir dann nicht alle Sorgen und alle Furcht abschütteln können?
Der Apostel Paulus sagt in unserem heutigen Predigttext: »Wo Menschen fest darauf vertrauen, dass Gott da ist und alles regiert, leben sie unter seiner rettenden Treue, in Frieden und Freude
Wo sind diese Menschen, die so auf Gott vertrauen, dass sie in Frieden und Freude leben? Seid ihr hier diese Menschen? Ich bin es nicht. Ich rege mich über viele Dinge auf, die in dieser Welt oder in unserem Land passieren. So finde ich es absolut unverantwortlich, dass Medien und Politiker in der Bevölkerung die Terrorangst schüren. In unserer Gesellschaft gibt es viel mehr Geisterfahrer, die auf der Autobahn absichtlich in die falsche Richtung fahren, um sich das Leben zu nehmen und andere mit in den Tod zu reißen. Werden deswegen Gesetze geändert? Werden deswegen Sondersendungen gesendet? Debatten im Bundestag geführt? Mehr Polizisten eingestellt? Hetzreden gehalten? Solche Geisterfahrer gefährden jeden von uns in deutlich höherem Maße als jeder Terrorist. Warum misst man da mit zweierlei Maß? Ja, so etwas regt mich auf. Andere regen sich über anderes auf, über Flüchtlinge, über die Nullzinspolitik, über die Milchpreise, über die Politiker, über die grausame Tierhaltung hochrangiger Bauernfunktionäre, wie jüngst in den Nachrichten zu sehen.
Und dann kommen noch die privaten Probleme hinzu, die jeder von uns auf die eine oder andere Weise hat: Der Ärger in den Familien, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und nicht zuletzt die Unzufriedenheit mit sich selbst. Wo ist da noch Raum für Frieden und Freude?
Hier! Hier im Gottesdienst ist ein solcher Raum, wo einmal nicht unsere Probleme im Mittelpunkt stehen, nicht die Politik, nicht die Wirtschaft. Hier ist der Raum, wo du erst einmal aufatmen kannst. Hier machen wir uns gemeinsam bewusst, dass Gott da ist, für dich und für mich. Hier geben wir ihm unsere Sorgen. Hier bringen wir ihm unsere Schuld. Hier klagen wir ihm unser Leid. Und hier will er uns dienen, mit seinem Frieden, mit seiner Freude und damit, dass er uns vergibt.
Natürlich stellen sich Friede und Freude nicht schlagartig ein, sobald wir die Kirche betreten. Aber schon wenn die Orgel zu spielen beginnt, werde ich ruhiger. Und wie gut es tut, die Lieder zu singen. Sie helfen mir, mich Gott zu öffnen. Wenn der Gesang durch den Kirchenraum fließt, lösen sich auch in mir Verhärtungen und Blockaden. Ich spüre meine Gefühle, spüre ob ich dankbar bin oder traurig oder froh. Und wenn ich dann mit euch hier bete, fühle ich mich Gott ganz nah, fühle ich ihn ganz nah und trete ein in sein Reich, wo er im Mittelpunkt steht. Da erkenne ich, dass er es ist, der alles regiert, alles, die große Welt und auch meine kleine. Da kann ich ihm alles sagen, was ich auf dem Herzen habe. Und dann wird es mir leichter.
Ja, hier ist der Raum für Frieden und Freude. Nicht für die lärmende, ausgelassene Freude des Bierzelts. Die hat auch ihr Recht. Aber hier ist Raum für die stille Freude des Glaubens auch für den, der traurig ist. Hier tröstet mich sein Wort aus der Lesung oder der Predigt. Hier kriege ich neue Kraft im Brot und Wein des Abendmahls. Hier hüllt er mich ein in seinen Segen. Ja, hier ist Gottes Reich. Hier ist der Raum für Frieden und Freude.
Aber eben nicht nur. Gott lässt sich nicht in die Kirche einsperren. Er will nachher mit uns wieder hinausgehen in unsere Welt, in seine Welt. Wir sollen seinen Frieden und seine Freude mit hinaus nehmen, dorthin, wo wir leben und arbeiten. Und wir sollen versuchen, so gut es geht, in diesem Frieden und in seiner Freude zu bleiben. Das ist alles andere als einfach. So viele Dinge stürmen auf uns ein, wenn wir wieder die Kirche verlassen haben. Wie kann man da den Frieden bewahren?
Und darum brauchen wir auch in unserem Alltag einen Raum dafür. Er ist das Gebet, wenn wir früh aufwachen und bevor wir einschlafen. In diesen Raum spüren wir wieder seine Nähe. Da gehören wir ihm wieder ganz und können ihm alle Unruhe, alle Sorgen, alle Angst geben. Und wir bekommen, was nur er uns geben kann: Freude und Frieden.
Ja, Gott ist da. Wir leben alle in seinem Reich. Es wird Zeit, dass wir aufwachen und erkennen: Wir sind längst bei ihm. Wir sind längst daheim.
Amen

Samstag, 24. September 2016

Regeln und Erfahrungen hl

Losung: Du erkennst ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. 5.Mose 8,5

Lehrtext: Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. 2.Petrus 3,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

erzieht Gott die Menschen? Diese allgemeine Frage ist schwer zu beantworten. Erzieht er die, die an ihn glauben? Ich denke schon, dass seine Gebote so etwas wie Lebensregeln sind, die ich lernen sollte. Und wenn ich meine Lektion gelernt habe, muss ich nicht immer wieder in mein eigenes Unglück rennen, sondern kann auf seinem Weg besser leben. Ich will damit sagen, dass zum Beispiel die Zehn Gebote und vor allem das Liebesgebot von Jesus solche Lebensregeln sind, die ein gutes, eigenes Leben und Zusammenleben mit anderen erleichtern. Ich habe sie in der Schule und im Konfirmandenunterricht gelernt. Aber ich richte mich nicht so selbstverständlich danach wie nach den Rechenregeln, die ich ebenfalls in der Schule gelernt habe. Die kann ich immer anwenden. Und ich wäre schön dumm, wenn ich sie infrage stellen würde. 1 + 1 ist nun mal 2.
Mit Gottes Geboten ist es anders. Dass sie wirken und wie sie das tun, lerne ich erst im Lauf des Lebens. Wie auch sonst genügt es nicht, die Erfahrungen, die andere damit gemacht haben, zu übernehmen. Ich muss meine eigenen Erfahrungen damit machen, gute wie schlechte. Dazu heißt es zum Beispiel im Buch des Propheten Jeremia: »Du musst (es selbst) erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, verlassen und keine Ehrfurcht vor ihm haben.« (Jeremia 2,19) Aber auch das andere gilt, was im Buch des Propheten Jesaja steht: »Wir freuen uns über den Herrn, unseren Gott! Er umgibt uns mit seiner Hilfe wie mit einem Kleid, hüllt uns in seinen Schutz wie in einen Mantel.« (Jesaja 61,10) „Herzeleid“ und Freude – beide Erfahrungen haben damit zu tun, wie wichtig mir Gott ist.
Nun wird der, der Gottes Gebote beachtet, nicht automatisch von Leid verschont und der, dem Gott egal ist, muss nicht automatisch leiden. Aber so viel ist mir mit der Zeit klar geworden: Gänzlich ungeschoren kommt niemand davon. Jeder Mensch wird früher oder später seine Leiderfahrungen machen, ob selbstverschuldet oder nicht. Aber gerade dann kann eine große Hilfe sein, was der heutige Lehrtext sagt: »Lebt immer mehr aus der Gnade unseres Herrn und Retters Jesus Christus und lernt ihn immer tiefer erkennen.« Für mich heißt das, dass ich in Gottes Gegenwart leben darf und ich aus dieser Erkenntnis Trost und Kraft schöpfe gerade in schweren Zeiten. Denn in Jesus Christus begegnet mir Gott nicht als ein unheimliches Schicksal, sondern als mein liebender Vater, der mir meine Fehler vergibt und hilft.

Gebet: Herr, an dir erkenne ich, welch große Hilfe Gott für mich ist. Lass mich in dieser Erkenntnis, lass mich im Glauben immer weiter wachsen, damit ich an dir Halt finde, wenn mein Weg schwierig wird. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 23. September 2016

Friede und Freude hl

Losung: O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. Jesaja 48,18

Lehrtext: Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Römer 14,17-18

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer von „Friede und Freude“ spricht, kann sich schnell den etwas zynischen Spruch einfangen »Friede, Freude, Eierkuchen«. Dann bist du als Naivling bloßgestellt, der keine Probleme sehen will und vor den Realitäten die Augen verschließt. Aber sind nicht Friede und Freude das, wonach sich insgeheim jeder sehnt, der gesund im Kopf ist? Freilich gilt auch das andere Bibelwort, das gegen die Beschwichtiger und Schönfärber gerichtet ist: »Sie sagen: Friede, Friede, doch es ist kein Friede!«
Mir ist beides wichtig:
-        Dass ich die Sehnsucht nach einem Zustand von „Friede und Freude“ behalte, auch wenn ich weiß, dass er in unserer unerlösten und vergänglichen Welt nur in Ansätzen möglich ist.
-        Und dass ich zugleich die Probleme sehe, die mehr Frieden und mehr Freude in dieser Welt entgegenstehen: An erster Stelle die wirtschaftliche Ungerechtigkeit zwischen Nord und Süd, aber auch in den ‚entwickelten‘ Ländern. Ebenso das militärische Eingreifen des Westens in Ländern des Nahen Ostens  mit dem Ergebnis von grenzenlosem Leid, von Zerstörung und Terrorismus. Auch die Rüstungsexporte aus unserem Land, die auf Umwegen dann doch in Krisen- und Kriegsgebieten ankommen, tragen dazu bei.
Aber da gibt es noch ein Problem: meine eigene Friedlosigkeit. Auch sie ist ein Beitrag zum Unfrieden in dieser Welt, zumindest in meiner kleinen. Jeder Konflikt beginnt im Kopf und Herz von Menschen. Und genau da kann er beigelegt werden. Genau da kann ein Beitrag für Frieden und Freude entstehen. Und so sehe ich meine Verantwortung für den Frieden in der Welt auch darin, Gott um seinen Geist zu bitten. Er schafft in mir Frieden, dass ich als versöhnter Mensch Christus dienen und mit anderen in Frieden leben kann. Dazu hat er mir seine Gebote gegeben (Losung), nicht zuletzt das Gebot, auch meine Feinde zu lieben.

Gebet: Herr, du schenkst Friede und Freude inmitten einer Welt voll Unfrieden und Leid. Du schenkst mir das im Glauben. Aber du schenkst mir das auch dazu, dass ich mich um Frieden bemühe politisch wie privat. Ich möchte deinen Frieden in mir spüren. Ich möchte ihn leben können unter den Menschen, mit denen ich zusammen bin. Ich möchte ihn als Sehnsucht in mir tragen, wenn ich mich öffentlich für mehr Frieden einsetze. Segne du alle, die den Frieden suchen und Freude verbreiten. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr