Freitag, 27. Oktober 2017

Im Licht des Friedens hl

LosungKommt nun, lasst uns wandeln im Licht des HERRN! Jesaja 2,5 

LehrtextIhr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 1.Thessalonicher 5,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es doch endlich soweit wäre, wovon schon der Prophet Jesaja vor mehr als zweieinhalb tausend Jahren gesprochen hat. Wenn doch endlich Frieden wäre auf dieser Welt, überall und für immer! Danach haben sich Menschen zu allen Zeiten gesehnt und sehnen sie sich noch. So viel sinnloses Blutvergießen in der Geschichte der Menschheit! Und wofür? Zumeist nur für die Interessen einiger weniger, die ihre Raub- und Machtgier befriedigen wollen. 
     Nein, es gibt keinen gerechten Krieg. Den hat es noch nie gegeben. Den wird es nie geben. Denn in jedem Krieg ist das erste Opfer immer die Wahrheit. Und der Vater des Krieges ist immer der Krieg. So wie zuletzt der Irakkrieg der Westmächte der Vater des Krieges des sogenannten islamischen Staates war. Und, so frage ich dich, weißt du eigentlich, warum deutsche Soldaten am Afghanistan-Krieg teilnehmen? Was sie dort wollen und sollen? „Die Freiheit unseres Landes am Hindukusch verteidigen“, wie der damalige Verteidigungsminister Struck gesagt hat? Glaubst du das? 
     Einmal, so sagt es der Prophet Jesaja, soll sich die große Sehnsucht nach Frieden in dieser Welt erfüllen. »Dann wird Gott »die Völker zurechtweisen und ihren Streit schlichten. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führenKommt nun, ihr vom Volk Gottes, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!« (Jesaja 2,3-5) Ja, einmal, wird es soweit sein, wenn Gott selbst den Streit schlichtet, wenn wir Menschen zur Besinnung kommen und uns gegenseitig ermuntern: ‚Jetzt lasst uns doch endlich alle so miteinander leben, wie Gott es will und tun, was dem Frieden dient!‘ Aber was ist bis dahin?
     Vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York steht jene berühmte Statue, wie ein Mann ein Schwert in eine Pflugschar umschmiedet. Dieses biblische Bild ist eine Mahnung und ein Sehnsuchtszeichen für alle Völker. Gestiftet wurde sie vor Jahrzehnten von der atheistischen Sowjetunion. Kaum zu glauben, aber wahr. Dieses Bild ist das Leuchtfeuer, das den Nationen den Weg aus der Finsternis der Gewalt zeigt in das Licht des Friedens, in das Licht des Herrn, wie der Prophet sagt. Auf diesem Weg zählt jeder kleine Schritt.
     Die ersten Schritte aber muss ich selbst tun. Ich darf nicht darauf warten, bis sich andere bewegen. Ich selber muss Frieden schließen mit mir und mit meinem Gott, mit meinen Angehörigen, Nachbarn und Arbeitskollegen. Ich selbst muss zuerst die Hand zur Versöhnung ausstrecken, das Wort der Vergebung aussprechen und die Bitte um Entschuldigung. Das ist schwer, aber nicht unmöglich. Wenn ich das nicht will - und der Frieden im Kleinen wie im Großen ist immer eine Sache des Wollens -  wenn ich das nicht will, wie kann ich dann von anderen erwarten, dass sie Frieden halten? Wenn ich nicht bereit bin, mein Schwert der Unversöhnlichkeit in die Pflugschar der Verträglichkeit zu schmieden, wie kann ich das von den politischen Führern verlangen? 
     Der Geist des Krieges entsteht im Kopf. Aber auch der Geist des Friedens. Gott wird einmal allen Streit schlichten, wie Jesaja sagt. Aber er braucht jetzt schon Streitschlichter, dich und mich.

Gebet: Herr, noch herrschen Krieg und Gewalt in dieser Welt. Aber schon scheint dein Licht des Friedens und zeigt den Ausweg. Lass mich ein Kind deines Lichtes sein, dass ich an meinem Ort diese Welt ein bisschen heller mache, statt nur auf die Dunkelheit zu schimpfen. Gib mir dazu deinen Geist, den Geist von Jesus. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 17. Oktober 2017

Notruf hl

LosungWer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Joel 3,5 

LehrtextKlopfet an, so wird euch aufgetan. Lukas 11,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn du dich in einer schweren Notlage für Leib und Leben befindest, kannst du entweder die 110 anrufen, den Polizeinotruf, oder die 112, den Rettungsdienst beziehungsweise die Feuerwehr. Du kannst fest damit rechnen, dass dann Hilfe unterwegs ist, die nach einer gewissen Zeit auch bei dir ankommt. Allerdings kann auch Unvorhergesehenes passieren, zum Beispiel, dass der Rettungswagen selbst verunglückt und du dann keine Hilfe bekommst. Das ist zwar möglich, aber doch recht unwahrscheinlich.
     Doch immer kannst du Gott um Hilfe anrufen, auch wenn es dir seelisch nicht gut geht, auch wenn kein Arzt kommen würde, weil ihm deine Probleme zu unbedeutend erscheinen. Immer kannst du beten: „Herr, hilf!“ oder noch kürzer „O Gott!“. Du brauchst ihm erst nicht lang und breit zu erklären, worum es geht. Wenn du im Verkehr in eine gefährliche Situation gerätst, hast du sowieso nur noch für ein Stoßgebet Zeit. Wichtig ist nur, dass dieses Stoßgebet keine gedankenlose Floskel ist, sondern von Herzen kommt.
     Die Tageslosung heute sagt: Tu‘s, ruf ihn an in deiner Not und er wird dir helfen. Denn „der Name des Herrn“, das ist der Name Gottes, der auf Deutsch heißt „IchBinDa“ bzw. der Name Jesu, der auf Deutsch heißt „Gott hilft“. Und seine erste Hilfe ist, dass er dir Glauben gibt, um beten zu können. Damit fängt alles an. Er hilft dir auf jeden Fall. Und nichts Unvorhergesehenes kann ihn daran hindern.
     Wird er dir aber auch dann helfen, wenn du ihn längere Zeit vergessen hattest? Selbstverständlich! Schließlich ist er Gott und kein kränkbarer Mensch, keine beleidigte Leberwurst.
Also tue, was Jesus im Lehrtext sagt: Wenn du Hilfe brauchst, klopfe bei ihm an. Seine Tür steht offen für dich. Bei ihm bist du jederzeit willkommen. Sage ihm deinen Kummer, nenne ihm dein Leid, erzähle ihm, was du auf dem Herzen hast und es wird dir besser gehen, weil du darauf vertrauen kannst, dass er dir bereits hilft. Aber falls nötig, dann rufe auf jeden Fall auch noch die 110 oder 112 an. Denn auch die Polizei und der Rettungsdienst können seine Werkzeuge sein, mit denen er dir hilft.

Gebet: Herr, du bist meine erste Adresse, wenn ich in Not bin. Wenn ich dich bitte, dann weiß ich, dass Hilfe unterwegs ist. Dann muss ich nicht panisch werden, sondern kann überlegen, wie die nächsten Schritte aussehen, welche Menschen ich zu Hilfe rufen kann. Du gibst mir das gute Gefühl, dass deine Hilfe nur ein Gebet weit weg ist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Hinweis: Die nächsten Losungsauslegungen erscheinen wieder am 27. Oktober. In der Zwischenzeit bin ich verreist. Die Losungen ohne Auslegung finden Sie hier: https://www.losungen.de/die-losungen/

Montag, 16. Oktober 2017

Der Fels in der Brandung hl

LosungDer Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich. Jesaja 51,6 

LehrtextGott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus. 1.Thessalonicher 5,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat Gott schon einmal zu dir gesprochen? In der Bibel ist ganz selbstverständlich davon die Rede, dass Gott zu Menschen spricht. Doch wie geschieht das? Manche sagen, dass er  auch heute zu ihnen durch ihr Gewissen spreche. Ja, das glaube ich auch, dass das geschieht. Aber das ist kein x-beliebiges Gewissen, sondern eines, das schon länger geschärft worden ist durch die Worte der Bibel und durch ein Leben im Gottvertrauen. 
     So ähnlich wird es wohl auch bei den Propheten gewesen sein, zum Beispiel beim Propheten Jesaja, in dessen Buch die heutige Losung steht. Durch ihn sagt Gott klipp und klar: Alles was geworden ist, muss wieder vergehen. Alles was geboren ist, muss wieder sterben. Nur eins bleibt für immer, er selbst, seine Gegenwart, sein heilsamer Frieden  jenseits von Zeit und Raum, der für unsere fünf vergänglichen Sinne jetzt nicht zugänglich ist. 
     Ich möchte es noch einmal mit anderen Worten sagen: Ich weiß, dass ich sterben werde. Ich glaube aber mit der Bibel, dass ich jetzt schon in Gott lebe und in ihm bleibe, auch wenn ich sterbe. Ich bin in ihm geboren, ich lebe in ihm, ich sterbe in ihm, ich bleibe in ihm für immer. Oder, wie der Apostel Paulus sagt, nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, auch nicht das Leid und auch nicht der Tod (siehe Römer 8,38+39, Psalm 139,3-5, Apostelgeschichte 17,28; Psalm 23,4 ...)
     Und nun möchte ich es noch einmal persönlich sagen. Gott sagt zu mir und er sagt auch zu dir: Fürchte dich nicht, ich habe dich gerettet, du bleibst bei mir (Jesaja 43,1). Was auch immer geschieht, ich verlasse dich nicht. Ich habe dich geschaffen, weil ich dich liebe. Und darum will und werde ich dich auch nicht mehr hergeben. Das verspreche ich dir, der lebendige Gott. Damit du das glauben kannst, ist Jesus für dich in den Tod gegangen und für dich auferstanden. Mehr geht nicht(vergleiche Lehrtext)
Das, liebe Leserin, lieber Leser, sagt Gott zu mir und zu dir. Das habe ich mir nicht ausgedacht. Das höre ich aus den Worten der Bibel. Und weil ich ihnen glaube, darum wirken sie in mir und lassen mich mein Ende und das von Himmel und Erde in einem tröstlicheren Licht sehen.
     Nein, ich sterbe nicht gern und ich fürchte mich auch davor. Aber meine Furcht ist nicht das Letzte, sondern sein Versprechen.

Gebet: Herr, in der Brandung von Werden und Vergehen bist du der Fels, der bleibt. An dir finde ich Halt. Auf dich schaue ich. Dir vertraue ich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 15. Oktober 2017

Im Angst-Fisch hl

LosungAls meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir. Jona 2,8 

LehrtextBetet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Lukas 22,40 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vorbemerkung zum Bibelverständnis:     

Gott sei Dank habe ich noch rechtzeitig begriffen, wie die Bibel gelesen und verstanden sein will. Sonst hätte ich sie inzwischen längst wütend zugeklappt und für immer in die Ecke gestellt. Sonst würde ich dem Irrglauben anhängen, was in der Bibel steht, sei nicht wahr. Sie enthalte nur Märchen und ausgedachte Geschichten.     
Aber warum war das für mich so schwierig und hat es so lange gedauert zu dieser Einsicht zu kommen? Ich denke, das hat damit zu tun, wie mir die Bibel als Kind und als Jugendlichem beigebracht worden ist. Ich dachte zunächst tatsächlich, in diesem Buch sei jeder Buchstabe heilig und alles, was darin steht, sei von Gott persönlich geschrieben oder von seinem Heiligen Geist den Menschen diktiert worden, ohne dass sie selbst etwas dazugetan hätten.     
Doch inzwischen habe ich gelernt: Die Bibel ist nicht buchstäblich Gottes Wort, sondern sie enthält sinngemäß Gottes Wort in dem, was Menschen aufgeschrieben haben. Sie ist auch nicht wahr in dem Sinn, dass sich alles genauso ereignet hat, wie es in ihr erzählt und berichtet wird. Vielmehr enthalten die Geschichten und Berichte eine tiefere Wahrheit als die oberflächliche Wahrheit dessen, was beweisbar sein muss. Die Bibel ist eben keine Zeitung und auch kein wissenschaftliches Geschichtsbuch. Das, was Gott mir durch sie zu sagen hat, muss ich mir erst aneignen, muss es herausarbeiten, entdecken und dann verstehen. Dazu brauche ich meinen Glauben. Dazu brauche ich meinen Verstand.      
Die Familie des sogenannten „Verlorenen Sohns“, von der Jesus erzählt, hat es „in Wirklichkeit“ nie gegeben. Sie ist eine Beispielgeschichte, ein Gleichnis, womit Jesus ein paar zentrale Wahrheiten über Gott und sein Verhältnis und Verhalten zu uns Menschen verständlich zur Sprache bringt (siehe Lukas 15,11-31). Also muss auch nicht alles, was wahr ist, wirklich sein. Gleiches gilt auch für die Geschichte von Jona und dem Fisch, aus der die heutige Losung kommt. Natürlich kann ich die kindliche Frage „Ist das alles wirklich so passiert?“ verstehen. Aber ich muss diese Frage nicht mehr stellen. Ich bin darüber hinaus. Stattdessen frage ich: Welchen Sinn haben die Bibelworte? Was haben sie mit mir zu tun? Welche Wahrheit über mich und diese Welt entdecke ich in ihnen? Und das ist dann eine geglaubte, sinnvolle Wahrheit und kein sinnloser weil belangloser Wirklichkeitsbeweis. Da geht es dann um mich heute und nicht um etwas, was vor mehr als 2000 Jahren wirklich geschehen ist oder nicht.     
Kannst du das auch so sehen? Oder hast du mit diesem Verständnis der Bibel Probleme? Ich denke, du wirst meine Losungsauslegungen nur dann lesen, wenn sie dir und deinem Glauben gut tun, wenn sie dein Gottvertrauen stärken und wenn sie durchscheinen lassen, dass Gott dich liebt.

Und jetzt zu Losung und Lehrtext heute:
Hier zunächst der Zusammenhang, in dem das heutige Losungswort im Buch Jona steht:

Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. 2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. 4 Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben ... Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott! 8 Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir... Hilfe ist bei dem HERRN. 11 Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land. (Jona Kapitel 2)

     Was, liebe Leserin, lieber Leser, ist dein Fisch? Von welchem Angst-Fisch wurdest du schon einmal oder mehrmals verschlungen? Vielleicht glaubtest auch du, wie Jona, nicht mehr herauszukommen, den Angst-Fisch nicht zu überleben. Und jetzt?
     Ich kenne einen jungen Mann, dessen Angst-Fisch heißt Hirntumor. Er hat zwar die Operation neulich überlebt. Aber es geht ihm gar nicht gut. Er befindet sich sozusagen noch immer im Bauch dieses Fisches. Aber was soll er denken, was machen, was beten, solange ihn der Angst-Fisch noch nicht ausgespuckt hat? Er tut, was auch Jona getan hat: er betet. Aber das allein ist für ihn noch zu wenig. Er bittet auch andere, für ihn zu beten. Ich tue das gern. Vielleicht magst auch du mal im Gebet an ihn denken, damit er bald wie Jona sagen kann „Du, Herr, hast mein Leben aus dem Verderben geführt“ und „Hilfe ist bei dem Herrn.“
     Auch der Lehrtext sagt: Es ist das Gebet, das uns davor bewahrt, zu verzweifeln. Oder mit meinen Worten: Es ist eine Gnade Gottes, wenn ich mitten im Angst-Fisch beten kann; wenn ich, wie Jona, ihm mein Leid klagen und sagen kann: 

Gebet: „Sieh mich an, Gott, wie elend ich bin. Wie sehr ich deine Hilfe brauche. Zögere nicht, mir zu helfen" (Vergleiche Psalm 40 Verse 14 und 18). 

     Ein solches Gebet kann wie ein lebensrettendes Medikament sein. Denn damit bringt der, der es betet, zum Ausdruck, dass er sich nicht aufgegeben hat. Dass er am Leben bleiben will, weil er noch hofft.

     Übrigens, der Angst-Fisch des Jona war auch zu etwas gut. Er hat mit dazu beigetragen, dass die Einwohner der Stadt Ninive verschont worden sind (Näheres im Jona-Buch). Wer weiß, wofür das gut ist, was du und ich schon durchgemacht haben oder vielleicht noch durchmachen werden? Gott weiß es.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 14. Oktober 2017

Bei uns hl

LosungEs ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. 5.Mose 30,14 

LehrtextDie Menge fragte Johannes und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Lukas 3,10-11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Bei uns lügt man nicht!“. Das sagt die Oma zu ihrem zehnjährigen Enkel, der den Pflanzenkübel mit dem Blumen vor dem Haus umgeworfen und das dann auch noch abgestritten hat. „Bei uns“, damit meint sie, in unserer Familie, zu der auch du gehörst. Denn wer zu uns gehört, hält sich an bestimmte Werte egal, was andere sagen oder tun.
     Der Enkel hat gelernt: Ich gehöre ganz selbstverständlich zur Familie. Dazu muss ich nicht erst die Wahrheit sagen. Das ist keine Bedingung. Aber wenn ich lüge, stelle ich mich selbst außerhalb dieser Gemeinschaft. Und noch etwas hat er gelernt: Nicht das, was mir passiert ist, ist das Hauptproblem, sondern wie ich damit umgehe. Freilich freut sich die Oma nicht, wenn der Pflanzenkübel kaputt ist. Sie schimpft vielleicht mal kurz. Aber dann ist alles wieder gut. Doch wenn ich lüge, habe ich ein größeres Problem. Dann setze ich ihr Vertrauen in mich aufs Spiel.
     Ich gehöre ganz selbstverständlich zu Gottes Familie sowie du auch. Dazu muss ich nicht erst etwas tun. Aber wer dazugehört, hält sich an bestimmte Werte, egal, was andere sagen oder tun. Der ist mit  Menschen, die in Not sind, mitfühlend. Zeigt sich hilfsbereit und zugänglich (Lehrtext). Fragt nicht in erster Linie: „Was hab ich davon?“, sondern: „Wo werde ich gebraucht?“ Denn „bei uns“, in Gottes Familie, herrscht eine Kultur der Freundlichkeit und Solidarität. Da nimmt man sich für einander Zeit. Da ist man mit einander und mit anderen barmherzig. Da lässt man auch die mitkommen, die anderswo abgehängt werden.

Gebet: Herr, es ist mir eine Ehre, dass ich zu dir gehöre. Und so soll es für mich auch eine Selbstverständlichkeit sein, so für andere da zu sein, wie auch du für mich da bist. Du weißt, dass ich immer wieder hinter dem Anspruch, den ich an mich selbst habe, zurückbleibe. Aber ich weiß auch, dass mir mit deiner Hilfe viel möglich ist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 13. Oktober 2017

Bella Figura hl

Losung: Meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet. Jesaja 61,10 

LehrtextJesus spricht: Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. Lukas 6,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Was soll ich bloß anziehen? Ich kann mich doch nicht in diesem Kleid blicken lassen.“ So denken in diesem Augenblick zahllose Frauen, die rund um den Globus vor dem Kleiderschrank stehen. Bei manchen Männern klingeln dann die Alarmglocken, weil sich solche Gedanken oft in höheren Ausgaben niederschlagen. Und wenn man dann noch eine Einladung bei einer hochgestellten Persönlichkeit hat, vielleicht sogar bei der Kanzlerin, wird es erst recht teuer. Man will sich ja nicht lumpen lassen.
     Und was ist, wenn Gott dich einlädt? Und er lädt dich zu sich ein, jeden Tag aufs Neue. Er lädt dich ein, in seiner Welt mit ihm zu leben. Und das ist keine jenseitige Welt, sondern die, für die er dich geschaffen hat und in der du dich gerade befindest. Also, was willst du da anziehen? Wie willst du vor ihm erscheinen?
     Ich denke, weder du noch ich haben eine Chance, eine angemessene Kleidung zu finden. Was auch immer wir uns anziehen, vor ihm wirkt es schäbig, fleckig und deplatziert. Aber er nimmt uns die Frage vor dem Kleiderschrank ab und zieht uns das Kleid an, das er uns schenkt. „Kleider des Heils“ sagt die Losung dazu, also Kleider, in denen wir uns vor ihm blicken lassen können, ohne uns schämen zu müssen. Kleider, die so kostbar sind, dass wir sie nicht bezahlen können geschweige denn selbst nähen. Wenn das mal kein Grund ist, sich zu freuen! Ja, von Gott bin ich immer gut angezogen. Da kann ich mich blicken lassen, nicht nur bei ihm, sondern auch bei den Leuten. Denn im Anzug des Gottvertrauens und im Mantel meiner Menschenwürde (= Gerechtigkeit) mache ich immer Bella Figura, wie der Italiener sagt, eine gute Figur.
     Im Lehrtext geht es noch um etwas anderes, um Ermutigung und Trost. Jesus sagt zu den bettelarmen Leuten, zu denen er sich in besonderer Weise hingezogen fühlte: „Euer Hunger jetzt ist nicht das Letzte. Und auch eure Tränen sind nicht das Letzte. Das alles ist nur ein Vorletztes. Denn ihr sollt satt werden und fröhlich sein für immer. Das müsst ihr euch nicht verdienen. Dafür werde ich sorgen.“ Und damit das schon jetzt beginnen kann, braucht  er auch dich und mich, Menschen, die ein Herz für die Armen haben, ein Gefühl für Gerechtigkeit und eine offene Hand.

Gebet: Herr, in deinen Kleidern fühle ich mich gut. Da sieht man, dass ich zu dir gehöre. Da kann ich mich in jeder Lebenslage blicken lassen. Denn ich trage die Kleider eines Siegers und nicht die eines Verlierers. Eines Geliebten und nicht die eines Verschmähten. Eines Menschen mit Herz und nicht die eines kalten Geizhals'. So will ich mich der Kleider würdig erweisen, die du mir schenkst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Was Gott im Sinn hat – für dich hl

LosungIch weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Jeremia 29,11 

LehrtextGott wollte kundtun, wie reich unter den Völkern die Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist: Christus in euch, die Hoffnung auf die Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir. Kolosser 1,27-28 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das heutige Losungswort zu lesen, tut zunächst einfach nur gut. Aber ohne den Zusammenhang, in dem es steht, kommt es auch ein bisschen glatt daher und lässt insgeheim fragen: Na, stimmt das denn auch?
     Doch bevor Gott dieses Wort durch seinen Propheten Jeremia den Israeliten schreiben lässt, die vor 2600 Jahren in der Verbannung in Babylon leben mussten, hat er ihnen noch etwas anderes zu sagen. Etwas, das vielleicht auch für dich und für mich auf je eigene Weise bedenkenswert ist. Er sagt nämlich: 
     „Du bist unzufrieden mit deinem Leben? Du leidest unter den gegenwärtigen Zuständen? Du hättest gerne, dass sich etwas grundlegend ändert? Gut, das soll auch so sein. Du sollst zu Recht auf eine gute Zukunft hoffen können. Doch bis es soweit ist, braucht es seine Zeit. Und in dieser Zeit vermiese dir dein Leben nicht mit Jammern und schlechter Laune. Mache dich nicht ständig selbst unglücklich, indem du immer nur auf das starrst, was nicht gut läuft. Sondern arrangiere dich mit deiner jetzigen Situation. Mach das Beste daraus, auch aus dem, was nicht gut ist. Lebe! Und bete auch für diejenigen, die dir das Leben schwer machen. In dieser ganzen Zeit arbeite ich, dein Gott, daran, dass sich deine Situation ändern wird. Gib also die Hoffnung nicht auf. Denn meine Absicht ist es nicht, dass du leiden musst, sondern dass du Frieden erlebst und eine gute Zukunft hast.“ (Vergleiche Jeremia 29,1-7)
     Denn, liebe Leserin, lieber Leser, was Gott damals zu den Menschen der Bibel gesagt hat, was er für sie damals getan hat, das kann er auch heute zu dir sagen. Und er tut es auch. Dafür bürgt Jesus Christus, in dem er unmissverständlich gezeigt hat, dass er mein Bestes will und tut. Das geschieht, wenn es an der Zeit ist und ich ihm vertraue. Das glaube ich. Und wenn sich dagegen in mir ein leiser Zweifel regt, weil ich meine, von alledem nichts zu spüren, glaube ich es trotzdem. Denn dieses Trotzdem macht ja den Glauben erst groß und schön.

Gebet: Herr, wie gut tut es mir zu hören, das du Frieden für mich im Sinn hast und nicht Leid, dass ich auf eine gute Zukunft hoffen darf. Ich will das glauben, weil du mich auch bisher schon aus manchem Loch herausgeholt hast. Ich bin in dir. Sei du in mir. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Auf Reisen und daheim hl

LosungDie mit Schiffen auf dem Meere fuhren und des HERRN Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Psalm 107,23.24.31

LehrtextFürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Apostelgeschichte 17,27 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und des HERRN Werke erfahren haben und seine Wunder im Meer, wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob,
und sie gen Himmel fuhren und in den Abgrund sanken, dass ihre Seele vor Angst verzagte, dass sie taumelten und wankten wie ein Trunkener und wussten keinen Rat mehr, die dann zum HERRN schrien in ihrer Not und er führte sie aus ihren Ängsten und stillte das Ungewitter, dass die Wellen sich legten und sie froh wurden, dass es still geworden war und er sie zum ersehnten Hafen brachte: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. (Psalm 107)

     Die mit dem Auto fahren, weite und kurze Strecken. Am Tag auf breiten und trockenen Straßen und in der Nacht auf nassen und glatten Nebenstrecken. Die eigene Fahrfehler und die anderer unbeschadet überlebt haben. Die in gefährlichen Situationen bewahrt wurden. Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
     Die mit dem Motorrad fahren auf die höchsten Pässe im Gebirge und in abgelegene Gegenden auf winzigen, ungesicherten Straßen bei Hitze, Regen und Graupel. Die um enge Kurven biegen und auf langen Geraden dahinfliegen. Die noch ausweichen konnten, als es eng wurde und bremsen, als man ihnen die Vorfahrt nahm. Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
     Die mit dem Flugzeug in ferne Länder fliegen, durch Wolkennebel, Gewitter und Regenstürme, am Tag und in der Nacht. Die in Turbulenzen gerieten und durchgeschüttelt wurden, dass Panik ihr Herz erfasste und die dann doch wieder wohlbehalten gelandet sind. Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
     Die zu Fuß unterwegs sind in der Stadt oder auf dem Land, die gestrauchelt und gefallen sind und sich wieder aufrappeln und weitergehen konnten. Die sollen dem HERRN danken für seine Güte / und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
     Die verunglückt sind auf Reisen oder daheim, ins Krankenhaus kamen und wieder gesund geworden sind. Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
     Ja, sie alle sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Denn das stimmt, er ist uns nah (Lehrtext), uns zu helfen. Er umgibt uns von allen Seiten und hält seine schützende und segnende Hand über uns (Psalm 139). 

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mich schon sooft vor schlimmen Unfällen bewahrt hast. Manchmal habe ich selbst bemerkt, wie knapp ich einer Katastrophe entronnen bin. Öfter noch habe ich gar nicht mitbekommen, wie du Unheil von mir abgewandt hast. Darum danke ich dir für deine Güte und die Wunder, die du an mir tust. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Aufgeregten, die Irrenden und ich hl

Losung: Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt. Daniel 4,31-32 

LehrtextMan muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apostelgeschichte 5,29 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott mehr gehorchen als den Menschen? Das kann ich nicht von anderen erwarten, nur von mir selbst. Aber was heißt das in dieser Zeit und an diesem Ort? Niemand verlangt von mir, dass ich Gott abschwöre. Niemand, dass ich meinen Glauben aufgebe. Hier und jetzt zu glauben, ist kein Opfer. Vielleicht, dass einige nachsichtig über mich lächeln, wenn ich von meinem Glauben erzähle. Vielleicht, dass andere deswegen hinter meinem Rücken über mich tuscheln. Das kann ich leicht aushalten. Aber zunächst muss ich doch die Frage an mich selbst stellen, gehorche ich Gott wirklich mehr als den Menschen? Und was könnte das bedeuten?
     Ich meine, dass das, was Gott in der Bibel zu mir und anderen sagt, das entscheidende Wort ist, das ich hören und nach dem ich mich richten kann. Ob ich das auch tue, steht auf einem anderen Blatt. Da ist so vieles, was andere Tag für Tag zu mir sagen, die Medien, die Werbung, Verwandte, Arbeitskollegen und Freunde … Es ist schon gut, wenn ich auf manches höre. Aber ich will und kann doch nicht gleich mein Leben danach ausrichten. Menschen sind schnell aufgeregt, sie irren sich, haben falsche Informationen, lassen aus dem, was sie sagen, ihre Absichten oder Ängste sprechen, ihre Sorgen oder Interessen. Nein, sie können und sollen nicht das letzte Wort haben. Und auch meine eigenen Gefühle und Gedanken sollen und können nicht das letzte Wort sein. Denn ich bin es ja nicht, der die Welt regiert und die Zukunft kennt. Was weiß ich schon von dem, was sein wird? Was weiß ich schon von dem, was ist? Kenne ich mich wirklich aus? Blicke ich durch? Weiß ich denn genau, was zu tun ist?
     Nein, das weiß ich nicht. Aber das kann ich tun, dass ich mich von anderen und auch von mir selbst nicht verrückt machen lasse. Die Welt wird nicht untergehen, nur weil ein paar das befürchten. Unser Land wird nach der Wahl nicht im Chaos versinken, nur weil ein paar das behaupten. Der Islam wird Deutschland nicht erobern und uns allen seine Gesetze aufzwingen. Die 1,2  Prozent Flüchtlinge hier werden uns, den 98,8 Prozent deutschen Staatsbürgern nicht den Wohlstand wegnehmen. Die Autos mit Dieselmotoren werden uns nicht in naher Zukunft vergiften. Und die Präsidenten von Nordkorea und den USA werden nicht einen Atomkrieg vom Zaun brechen und uns alle in den Untergang reißen. 
     Denn ich vertraue darauf, dass da einer ist, »der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für immer besteht.« (Losung) Er ist es, der alles in der Hand hat, die große weite Welt und mein kleines Leben. Der alles regiert und alles überblickt. Der einen Plan mit seiner Schöpfung hat und weiß, was er will. Auf ihn will ich hören, nach ihm mich richten. Er ist es, der das erste Wort hatte. Er wird auch das letzte haben. 

Gebet: Herr, wenn ich wieder einmal von Nachrichten beunruhigt werde, dann will ich aufstehen, nach oben blicken und sagen: Du bist über allen und allem. Mögen die Mächte dieser Welt noch so sehr toben, nur was du willst, geschieht. So halte ich mich an das, was du durch die Worte, Taten und das Leben deines Sohnes Jesus Christus zu mir sagst. Darauf will ich vertrauen. Das macht mich zuversichtlich und ruhig. Dafür will ich dich preisen. Amen

Im Sturm der Welt 
sei du mein heimlich Zelt, 
der Anker, der mich hält, 
wenn alles zaget. 
In Not und Pein 
nimm mich, o Liebe, ein; 
so harr ich kindlich dein, 
bis dass es taget.  
Johann Wilhelm Berger (1747 - 1829)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 9. Oktober 2017

Alles hat seine Zeit hl

LosungEin jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Prediger 3,1

LehrtextPetrus sprach zu Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wusste aber nicht, was er redete. Lukas 9,33 

Liebe Leserin, lieber Leser,

und wie geht die Losung weiter? Geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, töten und heilen, einreißen und bauen hat seine Zeit; weinen und lachen, klagen und tanzen, schmusen und abweisen, Zeit vergeuden und sich Zeit nehmen, zerreißen und nähen; schweigen und reden, lieben und hassen, Streit und Friede - alles, alles hat seine Zeit. (Prediger 3,1-8) Du hast jetzt deine Zeit und ich meine. Nichts ist von Dauer, nichts bleibt.
     Petrus wollte auf dem Berg der Verklärung Hütten bauen, um so die Zeit anzuhalten, um den Augenblick festzuhalten (Lehrtext). Umsonst. Der Weg Jesu ging weiter. Vom Höhepunkt ging es wieder hinunter ins Tal zu den Menschen, die krank waren an Leib und Seele, die hungerten nach Liebe und dürsteten nach Vergebung, zu den Armen und Erniedrigten, zu den Ausgestoßenen, die er annehmen würde.
     Sein Weg geht weiter, hinunter ins Tal zu den Menschen, die mit ihren Enttäuschungen zu kämpfen haben, die den Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind, die an sich selbst leiden, die unter ihren Lasten zu zerbrechen und an ihren Sorgen und Ängsten zu ersticken drohen... Sein Weg geht zu dir und zu mir.
     Alles hat seine Zeit. Auch der Glaube. Auch die Gelegenheit, da er mir begegnet und ich ihn in mein Leben einlade, ihn, den Sohn des Ewigen.


Gebet: Herr, wieder verstreicht ein Tag meines Lebens. Wie viele bleiben mir noch? Was werde ich mit ihnen anfangen? Mir wird bange, wie schnell mein Leben dahinfährt als flöge ich davon. Doch du bist es, der mir meine Lebenszeit gegeben hat. Du wirst sie auch wieder nehmen. Du hast mit mir begonnen. Du wirst mich vollenden. Denn meine Zeit steht in deinen Händen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 8. Oktober 2017

Altes Kleid, neues Kleid hl

LosungHasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, gnädig sein. Amos 5,15 

LehrtextLegt das alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen. Kolosser 3,8-9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe eine alte Hose, sie ist schon etwas zerschlissen und fleckig. Für die Arbeit im Garten taugt sie noch. Doch unter die Leute gehe ich nicht mehr damit. Ich müsste mich sonst schämen. So ziehe ich sie aus, bevor ich Haus und Garten verlasse. Das tue ich freiwillig. Niemand muss mir das noch sagen.
     Die Christen in Kolossae hatten eine Seele, die war schon etwas zerschlissen und fleckig. Aber entweder war ihnen das egal oder sie sahen einfach nicht, wie es um sie bestellt war. Sie liefen damit herum werktags wie sonntags bis der Apostel Pauls sie darauf hinwies (Lehrtext). Er kam auf die Löcher und Flecken zu sprechen und nannte sie beim Namen: »
Lasst euch nicht mehr zum Zorn und zu Wutausbrüchen hinreißen. Schluss mit aller Bosheit! Redet nicht schlecht übereinander, beleidigt niemanden und hört
auf, euch gegenseitig zu belügen.« Ihm wäre es am liebsten gewesen, sie hätten ihre fleckige Seele für immer ausgezogen. Ob sie das getan haben, davon ist nichts bekannt.
     Nun kann man nicht so leicht aus seiner Haut. Auch die Seele kann das nicht, weder die der Christen aus Kolosse damals noch unsere heute. Und darum denke ich mir: „Gott sei Dank können andere meine Seele nicht sehen. Das wäre mir sonst schon ein wenig peinlich.“ Aber Gott kann sie sehen. Und vor ihm kann ich mein Seelenkleid auch nicht reinwaschen. Da hilft nur eins, dass er es mir auszieht und mir dafür das seines Sohnes Jesus Christus gibt. Jetzt kann ich mich wieder vor ihm blicken lassen, aber nicht als einer, der stolz auf seine weiße Weste wäre, sondern der dankbar ist für das, was Gott ihm geschenkt hat. Die Bibel nennt das Rechtfertigung aus Gnade. Anders gesagt, ich bin ihm recht nicht mit dem, was ich aus mir machen kann, sondern mit dem, was er aus mir macht.
     Aber etwas kann ich schon tun. Wenn ich mich schon nicht reinwaschen kann, so kann ich wenigstens darauf achten, dass ich mir das neue Kleid nicht gleich wieder beschmutze. Darum will ich auf meine negativen Gefühle achten, mir notfalls auf die Zunge beißen und bei der Wahrheit bleiben. Und noch etwas gehört dazu, dass ich mich über das Unrecht in dieser Welt empöre und an meinem Ort dazu beitrage, dass es sich nicht breitmachen kann (Losung).

Gebet: Herr, wie soll ich dir unter die Augen treten, da du doch genau siehst, wie es um mich bestellt ist? Aber so wie der Vater seinen verlorenen Sohn in die Arme geschlossen hat mitsamt dessen schmutzigem und stinkendem Kleid, so nimmst auch du mich an, wenn ich zu dir komme und schenkst mir ein neues Kleid, das deines Sohnes Jesus, in dem ich mich bei dir gut fühlen kann. Amen (vergleiche Lukas 15, 20-22a)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 7. Oktober 2017

Was kommt nach dem Tod? hl

LosungDes Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der HERR den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird. Jesaja 30,26 

LehrtextGott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

weißt du was nach dem Tod kommt? Ich weiß es nicht. Ich kenne aber einige, die das zu wissen meinen.  „Nach dem Tod“, so sagen sie, „komme nichts. Da sei nur noch ein großes schwarzes Loch, das alles verschluckt. Das sei das Ende.“ Was macht sie bloß so sicher, das zu wissen? Auch wenn ich nicht weiß, was dann kommt, so kann ich doch glauben. Und mir ist das, was Losung und Lehrtext heute sagen, alle Mal lieber als das schwarze Loch.
     Der Prophet Jesaja sagt: Am Ende der Zeit – und für jeden, der stirbt, ist das Ende der Zeit gekommen – wird nicht geschlagen, sondern verbunden, wird nicht verwundet, sondern geheilt. Am Ende der Zeit werde ich vor Gott stehen mit all den Wunden, die mir das Leben geschlagen hat, mit all dem Schaden, den ich mir auch selbst zugefügt habe. Und dann wird er sagen: „Komm, jetzt ist es Zeit, deine Wunden zu verbinden, dass sie endlich heilen können und deinen Schaden zu beheben. Du musst keine Angst vor mir haben. Ich helfe dir. Darauf kannst du dich verlassen.“ Und dann wird er mir mit liebevoller Hand die Tränen abwischen, die ich im Laufe meines Lebens geweint habe und das Leid beenden und den brennenden Schmerz löschen (Lehrtext). Alle Lasten wird er mir abnehmen und nichts wird mich mehr an das alte Leben binden; denn in ihm wird alles neu. Dann wird der Mond vor Freude scheinen so hell wie die Sonne und die Sonne wird siebenmal heller leuchten als jetzt und von einem schwarzen Loch wird niemand etwas wissen.
     Das, liebe Leserin, lieber Leser, weiß ich nicht und ich kann es auch nicht beweisen. Aber ich glaube und hoffe es. Von dieser Hoffnung fällt ein heller und warmer Schein in die Gegenwart. Und die Schatten der Angst vor dem Tod fallen hinter mich, wenn ich auf den schaue, der mein Licht ist.

Gebet: Herr, du bist ein Gott des Lebens. Trotzdem wird alles, was du geschaffen hast, sterben. Doch du holst es heim zu dir, wo du deine Schöpfung heilst und vollendest. Das sagt mir dein Wort. Und das glaube ich. Hilf mir zu diesem Glauben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 6. Oktober 2017

Gnade, die man hören kann hl

LosungLass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich. Psalm 143,8 

LehrtextDie Jünger stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer. Johannes 21,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du schon einmal früh am Morgen Gottes Gnade „gehört“ (Losung)? Was hört man da?
     Ich will dir sagen, was ich höre. Da sind die Vögel, die singen, die Amsel auf dem Dach über meinem Schlafzimmerfenster. Manchmal höre ich den Regen rauschen und manchmal den Wind. An den Werktagen höre ich die Autos der Pendler, die zur Arbeit fahren. Etwas später läuten dann die Kirchenglocken. Ich höre meine Kinder im Bad und wie sie sich für die Schule fertig machen. Und manchmal höre ich, wie ein früher Spaziergänger seinen Hund ruft.
     Das, liebe Leserin, lieber Leser, das ist Gottes Gnade, die ich höre. Denn das sind die Geräusche eines ganz gewöhnlichen Tages im Frieden. Und genau das, der ganz gewöhnliche Tag, an dem ich ein Bett habe, in dem ich schlafen kann, ein Dach über dem Kopf, eine Familie, der es gut geht, Wohlstand, Recht und Frieden im Land – dieser ganz gewöhnliche Tag ist Gottes großes Segensgeschenk. Anders gesagt, ist Gnade.
     Leider höre ich das nicht immer so. Zu oft bin ich schon früh am Morgen mit mir selbst beschäftigt, mit dem, was ich mir für heute vorgenommen habe oder ich mache mir Sorgen um dieses und jenes. Dann höre ich Gottes Gnade nicht.
     Aber wenn ich mir nach dem Aufwachen die Zeit nehme, um ein paar Sekunden zu beten – mehr ist es meistens nicht –, wenn ich dann bete: „Guten Morgen, lieber Gott, schön dass du da bist. Danke für die Ruhe der Nacht. Begleite mich und meine Lieben durch diesen Tag und halte deine schützende und segnende Hand über uns alle“ – wenn ich dann am Morgen so beten kann, dann höre ich nicht nur Gottes Gnade,  dann erlebe ich sie.
     Oft ist der neue Tag auch ein neues Geschenk. Gott gibt dir eine neue Chance. Du kannst wieder neu beginnen mit ihm und auch mit deinen Mitmenschen. Jesu Jünger haben das erlebt. Nach einer Nacht der Enttäuschung, machten sie am Morgen den großen Fang. Es war um die Stunde des Sonnenaufgangs, als der Auferstandene Jesus Christus ihnen ein letztes Mal sichtbar am See Genezareth begegnete (Lehrtext). Seitdem steht er an jedem Morgen unsichtbar vor deiner und meiner Tür. Und wir haben jeden Morgen neu die Möglichkeit, sie ihm aufzutun.

Gebet: Ich bete mit Davids Psalm, aus dem das heutige Losungswort kommt:

HERR, höre mein Gebet und hilf mir, du bist doch treu! Ich denke zurück an früher, an das, was du damals getan hast, und halte mir deine großen Taten vor Augen. Zu dir strecke ich meine Hände empor im Gebet. HERR, erhöre mich doch jetzt – Verbirg dich nicht vor mir! Lass mich schon früh am Morgen erfahren, dass du es gut mit mir meinst, denn ich vertraue dir (Losung). Zeige mir, wohin ich gehen soll, denn nach dir sehne ich mich. Lehre mich, so zu leben, wie du es willst, denn du bist mein Gott! Führe mich durch deinen guten Geist, dann kann ich ungehindert meinen Weg gehen! Amen (Psalm 143 gekürzt)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Ich lasse mir meine Würde nicht nehmen hl

LosungSiehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Jesaja 50,9 

LehrtextWir rühmen uns Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. Römer 5,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

     wer mit Worten austeilt, muss auch einstecken können. Das ist in Ordnung. Aber manche teilen nur aus und andere stecken nur ein. Wie Peitschenschläge wirken Worte, die einen anderen herabsetzen. Sie reißen tiefe Wunden und hinterlassen hässliche Narben. Offenbar hat auch jener geheimnisvolle Gottesknecht aus dem Buch des Propheten Jesaja eine solche Erfahrung gemacht, da er schreibt:
     Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug; ich habe mich nicht gewehrt... Ich hielt ihren Beschimpfungen stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten. Und doch konnten sie mir meine Würde nicht nehmen, denn Gott, der HERR, verteidigt mich. Darum habe ich auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten... Ja, Gott, der HERR, hilft mir; wer will mich da verdammen? (Losung)... Ihr Menschen, die ihr Ehrfurcht vor ihm habt, erschreckt nicht in dunklen Tagen! Verlasst euch auf Gott, auch wenn ihr nirgends einen Hoffnungsschimmer seht, denn er hält euch fest!
     Ich weiß nicht, ob diese Worte für die so Geschlagenen und Gedemütigten eine Hilfe sind. Zumindest erfahren sie auf diese Weise, dass auch Menschen der Bibel dieses Leid mit ihnen geteilt haben. Und was jener Gottesknecht von sich sagt, ist immerhin bedenkenswert. Ich möchte aus seinen Worten ein Gebet machen und sagen:
 
Gebet: „Herr, ich zahle nicht mit gleicher Münze heim. Ich halte stand. Man kann mir meine Würde nicht nehmen. Ich biete meinen Widersachern die Stirn. Ich lasse mich auch nicht herabsetzen (verdammen), weil ich dich auf meiner Seite weiß. Du hältst mich fest. Du bleibst mein Licht, auch wenn es sonst finster ist. Gib mir die Kraft zum Widerstand. Amen“ 

     Von Gott jedenfalls habe ich keine verurteilenden Worte zu erwarten, ganz gleich, wie ich mich ihm gegenüber verhalten habe. Denn ich bin mit ihm versöhnt, jetzt schon (Lehrtext). Jesus hat das gemacht. Er schlägt nicht, sondern er heilt. Er verdammt nicht, sondern er richtet auf. Darum kann ich gut von ihm reden.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mein Glaube braucht Geschichten hl

LosungGott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. Psalm 44,2 

LehrtextWas soll ich noch mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzählen sollte von Gideon und Barak und Simson und Jeftah und David und Samuel und den Propheten. Diese haben durch den Glauben Königreiche bezwungen, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, des Feuers Kraft gelöscht, sind der Schärfe des Schwerts entronnen, aus der Schwachheit zu Kräften gekommen. Hebräer 11,32-34 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Glaube braucht Geschichten. 
In erster Linie biblische Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament. Aber auch Geschichten von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart, die von ihrem Glauben erzählen, von dem, was sie mit Gott erlebt haben. Und wie ein roter Faden zieht sich durch die meisten dieser Geschichten, wie Menschen »durch den Glauben aus der Schwachheit zu Kräften gekommen« sind (Lehrtext).
Ich kann mir meinen Glauben nicht selbst ausdenken und will das auch gar nicht. Ich brauche glaubwürdige Zeugen, Menschen, denen ich abnehmen kann, dass sie nicht umsonst geglaubt haben.

Mein Glaube braucht Erfahrung. 
Ich achte darauf, was andere mit Gott erfahren haben und was ich selbst. Ich denke daran, dass ich mein ganzes bisheriges Leben nicht umsonst geglaubt habe, sondern dass mir der Glaube immer wieder Lebensmut, Energie, Trost und Orientierung gegeben hat.
Ich weiß aber auch, dass das nicht automatisch so bleibt, sondern dass der Glaube jeden Tag neu gelebt sein will, am besten indem ich einigermaßen regelmäßig bete und immer wieder über Worte und Geschichten aus der Bibel nachdenke. So sehe ich meine Welt und mein Leben im Licht der guten Nachricht von Gott.

Mein Glaube braucht Nachhaltigkeit. 
Sie trägt dazu bei, dass ich mich von Gott geliebt und geborgen weiß, auch wenn ich nicht an ihn denke. So wie tief in mir auch die Gewissheit verankert war, dass mich meine Eltern geliebt haben, auch wenn ich als Erwachsener nicht mehr so oft Kontakt mit ihnen haben konnte. Als sie dann kurz hintereinander gestorben sind, hat mich gerade auch das traurig gemacht, dass ich von ihnen jetzt nicht mehr geliebt werden konnte.
Gott aber lebt. Auf ihn kann ich vertrauen. Dieser Glaube gibt mir innere Stabilität und Sicherheit; gibt mir Rückhalt, wenn ich mich den Herausforderungen meines Lebens stelle. Diesen Glauben stelle ich für mich nicht mehr infrage. Dafür ist er mir zu wertvoll geworden.

Mein Glaube braucht Geschichten. 
Sie sind wie Wasser für Pflanzen. Ohne die Glaubensgeschichten der Bibel und anderer Menschen würde er verdorren. Ich lebe von dem, was in der Bibel von Jesus erzählt wird und was er selbst erzählt wie die Geschichte vom „Verlorenen Sohn“ (Lukas 15, 11-32). Ich lebe davon, dass mir darin Gottes große Menschenliebe begegnet. Das berührt mich. Das prägt mich. Das hält mich.

Gebet: Herr, ich danke dir dafür, was andere mir von dir erzählen, für ihren Glauben und die gute Nachricht von deiner Menschenliebe, die sie weitergegeben haben. Ich danke dir, dass ich dadurch selbst zum Glauben gekommen bin und nun schon so viele Jahre im Vertrauen auf dich mein Leben führen kann. Erhalte mir meinen Glauben auch in Zukunft und schenke auch anderen die Möglichkeit, auf dich zu vertrauen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 3. Oktober 2017

Immer ist es die Liebe hl

LosungDie er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Psalm 107,3.8 

LehrtextEs hat Gott gefallen, alle Fülle in Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch das Blut am Kreuz. Kolosser 1,19-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     immer ist es die Liebe, die erlöst und meistens sind es Frauen. In zahllosen Mythen, Märchen und Legenden opfern sich Frauen für den Mann, den sie lieben. Besonders ergreifend hat dieses Thema der dänische Regisseur Lars von Trier in seinem Film „Breaking the waves“ von 1994 dargestellt. Da ist das christliche Erlösungsmotiv mit Händen zu greifen. Die junge Bess opfert sich auf dramatische Weise für ihren gelähmten Mann. Bei ihrer geheimen Seebestattung läuten die Glocken des Himmels, während der Pfarrer auf dem Friedhof den Sarg voll Sand verflucht, in dem vermeintlich die Tote liegt. Er und auch sonst kaum jemand hat ihr Opfer verstanden. 
     Immer ist es die Liebe, die erlöst und einmal war es Gott. Er hat sich in seinem Sohn Jesus für die Menschen geopfert, die er liebt. Für alle. Wer hat je dieses Opfer verstanden?
     Unglaublich, wozu Liebe fähig ist. Und darum glauben auch so viele diese Erlösung nicht. Vielleicht auch deshalb nicht, weil sie das der Liebe nicht zutrauen und ihre Tiefe und Kraft nicht kennen.
     Was man wissen kann, ist, dass vor 2000 Jahren ein gewisser Wanderprediger mit Namen Jesus von Nazareth auf Betreiben der damaligen Kirche von der römischen Militärmacht am Kreuzgalgen hingerichtet worden ist. "Blut am Kreuz", nennt das der Lehrtext.
     Was man aber nur glauben kann, ist, dass dieser Tod eine Bedeutung hat, die jeden Versuch, sie mit dem Kopf zu begreifen, sprengt. 
     Aber warum soll Erlösung sein?
Ich glaube, Gott hat jedem die Freiheit gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Doch wir Menschen, wenn ich das einmal so pauschal sagen darf, entscheiden uns immer wieder für uns selbst.
     Vielleicht siehst du das anders. Darum schreibe ich jetzt von mir: Statt mich ganz und gar auf ihn zu verlassen, wirklich ganz und gar, klammere ich mich an mich selbst. Auch jetzt, auch morgen, so wie ich es auch gestern getan habe. Im Kopf, ja da weiß ich schon, wie das mit dem Glauben, mit dem Gottvertrauen geht. Aber wenn es darum geht, das, was ich weiß und was ich als richtig erkannt habe, auch zu leben und zu glauben, wenn es also ums Herz geht und nicht nur um den Kopf, dann wirken die alten Reflexe. Dann geht es wieder nach der Strategie, wie ich zum Gefallen der Menschen lebe, was ich tun muss, um ihnen recht zu sein. Und wenn es brenzlig wird, geht es darum, wie ich mich aus der Affäre ziehen und meine Haut retten kann. Doch mich ganz und gar auf Gott zu verlassen, das, so fürchte ich, schaffe ich nicht.
     Ich glaube, er muss mich aus mir selbst erlösen, aus meiner Angst vor dem Tod, aus meiner Furcht, dass da gar kein Gott ist, aus dem Erschrecken, dass alles sinnlos sein könnte und aus der Kehrseite von alledem: aus meiner Selbstgerechtigkeit, aus dem, was ich mir selbst und anderen vormache, aus Egoismus und Lieblosigkeit. Er muss mich auch mit mir selbst versöhnen, damit ich mit ihm versöhnt sein und in Frieden leben kann. (Lehrtext)
     Denn das ist das größte Wunder, „das er an den Menschenkindern tut“ (Losung), dass sie ihm nicht gleichgültig sind. Dass er mich nicht mir und auch dich nicht dir selbst überlässt. Er ist in dem Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz gekommen, um dich und mich aus einem Leben ohne Gott zu erlösen, aus ewiger Einsamkeit und Lebensangst.
     Immer ist es die Liebe, die erlöst. Immer.

Gebet:  Herr, seit jeher danken dir Menschen für die Güte und Wunder, die du an ihnen tust (Losung). Ich danke dir heute für das Wunder, dass du uns alle liebst und wir einmal für immer bei dir in Frieden leben werden. Schenke mir dazu schon heute den Glauben und lass mich etwas von diesem Frieden spüren. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 2. Oktober 2017

Mosaiksteine für Gottes Plan hl

LosungIch, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Jesaja 42,6

LehrtextJesus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12 

Liebe Leserin, lieber Leser,

könntest du vielleicht mit dem heutigen Losungswort gemeint sein?
     Die Bibelwissenschaftler rätseln schon seit langem, von wem da im Losungswort die Rede ist. Beim Propheten Jesaja gibt es mehrere solcher Worte, die zu dem sogenannten „Knecht Gottes“ gesagt sind. Manche Theologen meinen, das sei ein Ausdruck für das Volk der Israeliten, andere, dass es sich hierbei um eine unbekannte Einzelperson handele. Doch Christen haben diese Worte schon immer als einen Hinweis auf Jesus Christus verstanden, der ein paar Jahrhunderte nach dem Propheten Jesaja gelebt hat.
     Oder bist am Ende vielleicht doch du gemeint?
In einer neuen Übersetzung heißt das Losungswort: »Ich, der HERR, habe dich berufen, meine gerechten Pläne auszuführen. Ich fasse dich an der Hand und helfe dir, ich beschütze dich. Durch dich schließe ich einen Bund mit den Menschen, ja, für alle Völker mache ich dich zu einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt
     Was für dich spricht, ist, dass du in Gottes Plänen genauso eine Rolle spielst wie die Menschen der Bibel. Du lebst nicht einfach nur so für dich oder deine nächsten Angehörigen. Du hast von Gott darüber hinaus eine Aufgabe bekommen. Du bist berufen, bei der Ausführung von Gottes Plänen mitzuwirken. Du sollst und kannst an deinem Ort, wo du lebst und arbeitest, deine kleinen Mosaiksteine dazu beitragen, dass Gottes Plan oder Bild immer mehr Gestalt annimmt. Du sollst und kannst dafür sorgen, dass es wenigstens ein kleines bisschen gerechter, liebevoller, ehrlicher, barmherziger und friedlicher in deiner kleinen und somit auch in der großen Welt zugeht.
     Das ist vielleicht nicht immer ganz einfach. Aber im Losungswort verspricht er dir, dass er dich dazu an der Hand nimmt, dir hilft und dich beschützt. Denn auch du kannst ein Licht sein, das anderen Menschen den Weg zu Gott weist. Du musst dazu gar nicht groß reden. Es genügt, dass du durch dein Verhalten zeigst, wie man in dieser Welt auch leben kann, wenn man an Gott glaubt. Denn wer sich selbst an Jesus Christus, am „Licht der Welt“ orientiert, wird auch für andere zum Licht und trägt dazu bei, dass es in ihrem Leben heller wird. (Lehrtext)

Gebet: Herr, dein Wille soll geschehen und dazu willst du auch durch mich wirken. Und dazu will ich mich auch von dir gewinnen lassen. Ich selber wünsche mir ja, dass es in der Welt gerechter, liebevoller, ehrlicher, barmherziger und friedlicher zugeht. So nimm mich an der Hand und hilf mir, dass auch ich meinen Beitrag dazu leisten kann.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 1. Oktober 2017

Silberstreif am Horizont (Predigt) hl

Erntedankfest 2017

Liebe Gemeinde,

wir hatten im Sommer in unserem Pfarrgarten noch nie so viele Insekten, Vögel und seltene Tiere wie dieses Jahr: Noch jetzt schwebt um den blühenden Asternbusch eine Wolke von Schmetterlingen, hauptsächlich Pfauenaugen und Füchse. Als die Linde blühte und später der Majoran und der wilde Wein summten tausende von Bienen ihr Lied. Hummeln und Wildbienen bevölkerten die kleine Blumenwiese, die wir für sie angelegt haben. Erstmals seit vielen Jahren ließen sich wieder Laubfrösche blicken. Ein Laubfrosch-Baby saß sogar tagelang in einer Rosenblüte. Über den Gartenteich und den Mühlbach, der durch den Garten fließt, schossen pfeilschnell die Eisvögel oder verharrten sekundenlang wie Kolibris in der Luft, um nach Beute Ausschau zu halten. Auch andere Vögel zwitscherten, trällerten und sangen von den Bäumen und Dächern ihre Lieder. Alle Nistkästen waren belegt, manche sogar mehrmals.

Doch die große Freude über die in den letzten Jahren zunehmende Lebensvielfalt in unserem Garten hat leider auch eine bittere Kehrseite. Denn der Grund, warum sich so viele Insekten und Vögel bei uns haben blicken lassen, ist einfach und erschreckend: Unser Garten ist für sie ein Zufluchtsort, eine Oase inmitten einer grünen, lebensfeindlichen Wüste. Selbst die Städte sind inzwischen zu Rückzugsorten vieler Tierarten geworden, die auf dem Land nicht mehr überleben können. Kiebitz, Lerche und Rebhuhn haben in den Altmühlwiesen dramatisch abgenommen. Auch die Schwalben sind auf dem Rückzug, um nur ein paar Vogelarten zu nennen, deren Bestand bedroht ist. In China müssen inzwischen die Obstblüten mit dem Pinsel in der Hand bestäubt werden, weil es an Insekten fehlt. Ansonsten gäbe es bereits Engpässe beim Obstanbau.
So viel ist bis jetzt bekannt: Je weniger Wildblumen, desto weniger Insekten, desto weniger Vögel. Oder anders gesagt: Das große Sterben hat begonnen. Wie wird es weitergehen?

Früher war das Erntedankfest ein Höhepunkt im Kirchenjahr. Wir alle konnten es unbefangen feiern ohne dass man besorgt nachfragen musste, wie denn die Ernte zustande kam, wie die Felder bewirtschaftet wurden, wie gedüngt wurde, was gespritzt wurde, ob genverändertes Saatgut ausgebracht wurde.
Mit dieser Unbefangenheit ist es vorbei. Je schöner das Obst im Supermarkt, desto mehr Spritzmittel werden eingesetzt. Je billiger die Milch, desto mehr Gülle kommt auf die Wiese, desto mehr Nitrat gelangt ins Trinkwasser, desto mehr Silage wird verfüttert, desto mehr Hochleistungskühe werden dafür in Massen gehalten und mit Arzneimitteln behandelt.

Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist längst im Supermarkt angekommen. Wer mag schon noch Eier essen von Hühnern, die in Legebatterien gehalten werden? Wem schmeckt noch das minderwertige Fleisch von Tieren aus der Massentierhaltung? Offenbar kapieren immer mehr Menschen, dass Geiz und Gier sie krank machen und ihnen zum Verhängnis werden.

Und darum lasst uns heute am Erntedankfest Gott wieder danken für seine Segenskraft, die in der Natur steckt. Denn es sind ja nicht nur Sonne und Regen, die unsere Nutzpflanzen wachsen und gedeihen lassen. Mindestens genauso wichtig sind die zahllosen Kleinstlebewesen, die Mikroorganismen in den gesunden Böden, die für Fruchtbarkeit sorgen, die Bakterien und Amöben, die Geißel- und Wimperntierchen, Asseln, Pilze, Springschwänze und nicht zuletzt der Regenwurm, der Helfer des Menschen in Gärten und Feldern.
In dieser Hand voll Erde leben 100 Insekten, 110 Gliederwürmer, 250 Springschwänze, 250 000 Fadenwürmer, 7 500 000 Urtierchen oder Einzeller, 12 500 000 Algen, 100 000 000 Pilze 125 000 000 Bakterien. Das alles in nur einer Hand voll gesunder Erde. Das macht unsere Böden fruchtbar. Das, liebe Freunde, ist Gottes reicher Segen, den wir so oft übersehen. Wir können dafür gar nicht genug danken. Und darum werde ich nachher diese Hand voll Erde auf den Erntedank-Altar legen.

Ja, heute danken wir für die Früchte des Gartens und der Felder. Wir sagen zwar, wir würden sie produzieren. Aber das stimmt nicht. Wir produzieren die Feldfrüchte und Nutztiere genausowenig wie unsere eigenen Kinder. Denn alles, was wir sind und haben, ist Gnade, ist Gottes Geschenk. Darum sollten wir ihm auch für die Voraussetzungen danken, dass diese Früchte wachsen und wir davon leben können: Für Sonne und Regen, Hitze und Frost, für ein intaktes Klima, für die zahllosen Kleinstlebewesen, die unsere Böden fruchtbar machen und schließlich auch für die Arbeit des Menschen. Das alles zusammen ist Gottes Segen. Wir alle müssen gemeinsam darauf achten, dass wir diesen Segen nicht verpfuschen und zerstören. Denn die Folgen sind nicht nur für die Tiere, sondern auch für uns Menschen verheerend. Wir werden doch nicht weiter an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Wir werden doch um Gottes willen und um unsertwillen künftig klüger, verantwortungsbewusster, demütiger und dankbarer sein als bisher. Das hoffe ich.

Und auch das macht mir Hoffnung: Die Zahl der Menschen, die den großen Zusammenhang in der Natur versteht, in den auch wir eingebettet sind, nimmt zu. Immer mehr werden sich der Verantwortung für die Natur und das Klima bewusst, die jeder von uns hat. Nicht nur die Zahl der Insektenhotels in den Vorgärten ist sprunghaft angestiegen. Die Gärten selbst werden naturnäher. Die Blumenwiese löst allmählich den sterilen Rasenteppich ab. Die für Insekten nutzlosen Edelrosen werden durch nahrungsreiche Wildrosen ersetzt. In den Gartenwinkeln liegen inzwischen Ast- und Laubhaufen. Immer mehr Nistkästen werden aufgehängt und Futterstellen für Vögel eingerichtet. Mein Eindruck ist, dass die Menschen nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten zunehmend den Reichtum und die Schönheit der Natur entdecken und dass sie aktiv etwas dafür tun wollen. Das ist ein weiterer Silberstreif am Horizont.
Diese Entwicklung gilt es zu stärken und zu stützen. Da kann jeder einzelne von uns im Kleinen etwas dazutun. Jeder hier kann an seinem Ort einen Beitrag für eine gesunde Natur leisten, in der Mensch und Tier auch in Zukunft zum gegenseitigen Nutzen zusammen leben. Jeder von uns kann an der Fleischtheke und im Gasthaus fragen, woher das Fleisch kommt, das er essen möchte und ob die Tiere auch artgerecht gehalten werden.
Denn nicht nur der Mensch, sondern auch die Tiere, nicht nur die, die man streicheln kann, sondern auch die, die unsichtbar im Boden leben sind Gottes Geschöpfe. Sie gehören nicht uns, sondern ihm. Er hat sie und die gesamte Natur uns anvertraut, damit wir pfleglich damit umgehen, die Erde bebauen und bewahren und diesen schönen Lebensort auch unseren Kindern und Kindeskindern vererben können. Auch deshalb feiern wir heute Erntedank.

Amen

Hans Löhr