Samstag, 12. Februar 2022

Lieblingsthemen hl

Losung: Lass meinen Mund deines Ruhmes und deines Preises voll sein täglich. Psalm 71,8 

Lehrtext: Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. Matthäus 12,34 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was sind denn so deine Lieblingsthemen? Wovon sprichst du gern und zu wem? Ich muss zum Beispiel aufpassen, dass ich nicht zu viel von mir selbst rede. Das ist eine meiner Schwächen. Seit zwei Jahren schon sprechen viele fast nur noch von Corona. Auch das ist ein Problem, wenn die Gedanken ständig um die Pandemie kreisen, wenn das Herz davon voll ist (Lehrtext). Momentan liegt das Thema „Kriegsgefahr wegen der Ukraine“ obenauf. Wenigstens reden die Konfliktparteien noch miteinander. Andere reden viel über Fußball. Andere über Geld. Andere über den Job. Andere über ihre Gesundheit. Und du?

Ich hatte das Glück, von Berufs wegen oft von Gott reden zu müssen (jetzt rede ich schon wieder von mir). Das ging und geht nur, wenn ich intensiv über ihn nachdenke. Und mein Eindruck ist, dass mir die Menschen umso mehr zuhören, wenn sie spüren, dass ich hinter dem stehe, was ich sage, dass es aus dem Herzen kommt. Hätte ich einen anderen Beruf gehabt, hätte ich nicht so viel über Gott nachgedacht. Und wer weiß, ob ich dann überhaupt glauben würde.

Dennoch kann ich nicht behaupten, dass mein Herz von Gott voll wäre. Da sind oft andere Dinge, die ihm den Platz streitig machen: mein Ärger, meine Sorgen, aber auch die schönen Erlebnisse und Begegnungen, auf die ich mich freue oder die in mir nach klingen. Und wenn ich schon nicht von ihnen rede, dann denke ich eben immer wieder an sie.

Aber das ist nicht so dramatisch. Wichtiger ist, dass Gott an mich zu jeder Zeit denkt. Doch schön ist es schon, wenn auch ich ab und zu an ihn denke, mich über ihn freue und ihm danke. 

Gebet: Herr, dass du an mich denkst, tut mir gut zu wissen. Du bist mit deinen Gedanken bei mir und in deinem Geist. So bist du für mich und um mich und in mir. Lass mich deine Gegenwart spüren und richte meine Gedanken auf dich. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 11. Februar 2022

Kleine, gelbe Zettel hl

Losung: Achtet ernstlich darauf um eures Lebens willen, dass ihr den HERRN, euren Gott, lieb habt. Josua 23,11 

Lehrtext: Jesus spricht: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Johannes 14,23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

warum legt die Bibel so großen Wert darauf, dass ich Gott liebe? Ich denke mal, dass er meine Liebe nicht braucht. Aber ich brauche seine. Wenn ich sie spüre, sehe ich die Welt und auch mich selbst mit anderen Augen. Dann „klebt“ an jedem Schneeglöckchen, an jedem Kinderlachen, an den Krücken, die ich nicht mehr brauche, am Specht im Futterhaus, an jedem Glas, das man im Freundeskreis trinkt ein imaginärer, kleiner, gelber Zettel mit dem schönsten aller Sätze: „Ich liebe dich“. 

Woher ich weiß, dass Gott mich liebt?

Seine Liebe macht mich wertvoll. Sie stärkt mein Selbstwertgefühl, lässt mich aufblühen, macht mich weltoffen, tolerant und zuversichtlich. Doch woher weiß ich, dass Gott mich liebt? Nun gut, das steht in der Bibel und das sagen mir auch andere Christen. Doch es lediglich zu wissen, ist mir zu wenig. Ich möchte seine Liebe erfahren. Und das geschieht so, dass ich ihn wieder liebe. Das, so glaube ich, ist der Grund, weshalb ich in Losung und Lehrtext heute aufgefordert werde, Gott in Jesus zu lieben. Geliebt zu werden und wieder lieben, ist Glück (J.W. Goethe). 

Gott lieben?

Aber wie liebt man eigentlich Gott? Ich denke, das ist sehr persönlich. Bei mir hat das damit zu tun, dass ich ihn nicht fürchte, sondern mir seine Nähe wünsche. Ich freue mich darüber, ihm zu gehören und sehe, was ich bin und habe, als sein Geschenk. Ich bin in Gedanken oder im Gebet immer wieder mal mit ihm verbunden. Manchmal singe ich ihm laut oder leise ein Lied. Ich kann zu ihm kommen mit allem, was mich belastet und ihm vertrauensvoll sagen, was mich bewegt. Und ich verlasse mich darauf, „dass er weiß, wie er’s mit mir aufs Beste machen wird“ (Martin Luther). Die Liebe zu Gott in Christus ist meines Erachtens der einzige Weg, auf dem er erkannt werden kann.

Gebet: Herr, du liebst auch, die dich nicht lieben. Wer dich aber liebt, wird dich erkennen und erfahren, dass du ihn schon immer geliebt hast. Mache mich fähig zu solcher Liebe und dazu, dass ich tue, was du sagst. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

PS: Baruch Spinoza (1632 bis 1677) schrieb: "Wer Gott recht liebt, muss nicht verlangen, dass Gott ihn wieder liebe." Ein bedenkenswerter Satz! Für Spinoza ist es schon Glück, Gott lieben zu können. 
Ich stelle daneben: Wer sich selbst recht liebt, soll von sich verlangen, dass er auch Gott liebe. So wird er erfahren, dass Gott ihn liebt.

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Donnerstag, 10. Februar 2022

Hoffen und handeln hl

Losung: Der Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Psalm 115,16 

Lehrtext: Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel verlangen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. Lukas 12,48 

Hoffen wir, liebe Leserin, lieber Leser, 

dass wir „Menschenkinder“ die Erde, die Gott uns gegeben hat, für uns und unsere Nachkommen bewahren. Doch hoffen allein  ist zu wenig. Jeder kann auch jetzt schon einen kleinen Teil dazu beitragen. Und Gott sei Dank tun das viele Christinnen und Christen wie auch andere mit anderer Weltanschauung oder Religion. 

Und darum möchte ich dir heute mal danken, dass du darauf achtest, nicht unnütz Energie zu verschwenden, den Müll trennst, unnötige Autofahrten vermeidest, den Fleischkonsum reduzierst, nektarhaltige Blühpflanzen im Garten hast, Vögel fütterst, beim Einkaufen auf artgerechte Tierhaltung achtest und so weiter.

Dazu gehört auch, dass du dich als Teil von Gottes Schöpfung verstehst, als eine Faser im großen, feinen und verletzlichen Gewebe des Lebens.

Geliehen auf Zeit

Ja, uns ist viel gegeben und anvertraut: unser Partner, unsere Partnerin, unsere Kinder und Enkel und andere, für die wir wichtig sind. Wir dürfen nicht schalten und walten wie wir gerade wollen. Denn wir sind nur Gäste auf der Erde, für eine kurze Zeit. Und das, was unser Leben ausmacht, unsere Mitmenschen, unsere Begabungen, unser Besitz – das alles ist uns nur geliehen und nicht unser Eigentum, mit dem wir nach Belieben verfahren könnten. 

Einmal werden wir alle wieder vor dem wahren Eigentümer stehen und berichten, was wir mit dem und aus dem gemacht haben, das er uns anvertraut hat. Und dann? Jetzt kann ich wirklich nur hoffen, dass er mit mir nicht abrechnen, sondern großzügig über manches hinwegsehen wird, worüber ich an seiner Stelle nicht hinwegsehen würde. 

Gebet: Ja, Herr, ich weiß, es wird keine zweite Erde geben. Dieser blaue Planet ist unsere Arche. Die müssen wir erhalten, um uns vor uns selbst zu retten. Das wird nur mit dir gehen. Darum bleibe uns und deiner Erde treu. Amen

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 9. Februar 2022

Kniebeugen hl

Losung: Seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und bis an die Enden der Erde. Sacharja 9,10 

Lehrtext: Gott hat Jesus den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind. Philipper 2,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du heute Morgen schon deine Fitnessübungen gemacht? Nein? Auch nicht ein paar Kniebeugen? Ach so, du hast das nicht nötig. Na gut.

Kniebeugen waren einmal unter Protestanten richtig verpönt, zum einen, weil sie vom bayerischen König befohlen und zum anderen, weil sie ein katholisches Ritual waren. Im Erlass von 1838 hieß es dazu: »Seine Majestät der König haben allergnädigst zu beschließen geruht, dass bei militärischen Gottesdiensten während der Wandlung und beim Segen wieder niedergekniet werden soll. Das gleiche hat zu geschehen bei der Fronleichnamsprozession und auf der Wache, wenn das Hochwürdigste vorbeigetragen und an die Mannschaften der Segen gegeben wird. Das Kommando lautet: Aufs Knie!“

Dieser sogenannte Kniebeugestreit wogte einige Jahre hin und her, bis er 1845 aufgehoben wurde. Seitdem stehen unbeugsame Protestanten und natürlich auch Protestantinnen aufrecht, es sei denn, Herr Mammon kommt vorbei und wirft Geld unter die Leute: raff und grapsch ... Ich gehe vor keinem Menschen auf die Knie, es sei denn, wenn ich einer Frau einen Heiratsantrag mache. Aber das habe ich – hoffentlich – hinter mir. Ach ja, zum Trausegen bin ich bei meiner Trauung auch aufs Knie gegangen, aber das habe ich gern und nicht auf Befehl getan.

Gott zwingt nicht aufs Knie

„Aufs Knie!“ – Nein, lieber Paulus, so nicht. Gott zwingt keinen Menschen aufs Knie, um ihn zu ehren und Jesus sowieso nicht. Vielleicht geschieht das, um einen allzu Hochmütigen zu beugen. Zumindest habe ich manchmal den Eindruck. Aber wenn schon, dann geht man vor Gott freiwillig aufs Knie und aus einem tiefen Bedürfnis. Ich schau im Gottesdienst beim Kyrie eleison immer den Gekreuzigten an, und da ist es schon mal vorkommen, dass ich unwillkürlich auf die Knie ging. Was mich dazu bewogen hat? Vielleicht eine Mischung aus Verehrung, Liebe und Dankbarkeit.

Die Vorstellung, dass einmal alle vor Jesus auf die Knie gehen oder sich gar vor ihm auf den Bauch werfen müssen (wortwörtlich: sich zum Hund machen), ist wieder mal allzu menschlich. Man überträgt Unterwerfungsgesten, die altorientalische Herrscher gefordert hatten, auf Gott. Aber vor ihm muss ich mich nicht in den Staub werfen oder zum Hund machen. Ich bin auch nicht sein Sklave noch sein Knecht. Ja, ich bin selbst Staub, doch zugleich sein Kind, so wie du. Er überlässt es mir, ob ich vor ihm knien will oder nicht.

Gebet: Jesus, du, mein Bruder und Herr, sagst von dir: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ So hast du mein stolzes Herz gewonnen. Dir, dem König mit der Dornenkrone, will ich gehören. Auf dich will ich schauen, auf dich hören, mit dir gehen. So oft hast du mich aus meinen Dunkelheiten wieder ins Licht vor dich gebracht. So oft hast du meine innere Unruhe in Frieden gewandelt. So oft hast du mir nach schlechten Nachrichten wieder neuen Lebensmut gegeben. Ich liebe dich und ich danke dir. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

Hier das Lied zur Auslegung. Manche können mit einem solchen Lobpreis-Song nichts anfangen. Müssen sie auch nicht. Ich schon. Ich lege nicht jeden Satz und jede Geste auf die Goldwaage der Kritik, sondern lass mich berühren: „Was für ein Gott! 

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Dienstag, 8. Februar 2022

Standfest hl

Losung: Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Jesaja 51,7 

Lehrtext: Du, Mensch Gottes, fliehe die Habgier! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. 1.Timotheus 6,(11)12

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn sie hinter deinem Rücken tuscheln, dich kritisieren oder dir offen ihre Missachtung zeigen (Losung), dann brauchst du schon ein stabiles Selbstwertgefühl. Sonst haben sie ihren Zweck erreicht und werfen dich aus der Bahn. Aber wen lässt sowas schon kalt? Wer hat schon so ein starkes Selbstwertgefühl?

Was der Prophet Jesaja in der Losung zum Volk der Israeliten sagt, gilt in gewisser Weise auch für den Einzelnen bis heute. Es tut gut, wenn man in so einem Fall einen wohlmeinenden Menschen zur Seite hat, der einen an den eigenen Wert erinnert. Der dich seelisch stabilisiert. Jesaja tut das, indem er seinen Leuten sagt, was Sache ist. Sie sind nicht irgendwer, sie haben Gottes Gesetz in ihren Herzen.

Das muss dir gesagt werden

Und du bist auch nicht irgendwer. In deinem Herzen wohnt Gottes Liebe. Die sollst du dir zu Herzen nehmen und nicht, was andere von dir halten. Das muss dir, so wie mir, immer wieder mal gesagt werden. Das müssen wir beide uns aber auch immer wieder mal selbst sagen. 

Nicht dass ich einem anderen Menschen missfalle, ist entscheidend, sondern dass ich Gott gefalle. Nicht, dass mich jemand verhöhnt, sondern dass Gott mich segnet, macht meinen Wert aus. Nicht, dass ich mich ständig nach der Meinung anderer richte, macht mich stark und frei, sondern dass ich mich nach meinem Gott richte. Doch ich muss nicht Böses mit Bösem vergelten und auf den groben Klotz gleich einen groben Keil setzen. Ich könnte auch zu dem, der mich beleidigen will, ruhig sagen: „Wenn du meinst. Ich sehe das anders.“

Der Lehrtext fordert mich auf, zu fliehen, zu jagen, zu kämpfen, zu ergreifen. Puh, das klingt recht anstrengend. Es mag Situationen geben, wo das nötig ist. Ich befinde mich zur Zeit nicht in einer solchen Situation. Statt mich selbst zu stressen, lasse ich mich von Gott beschenken und danke ihm, indem ich glaube und vertraue. Ich muss ihn ja nicht gewaltsam in mein Herz stopfen. Ich kann es ihm öffnen, und er kommt von selbst zu mir im Geiste Jesu. Das gibt mir meinen Wert und macht mich auch gegenüber den Angriffen anderer standfest. 

Gebet: Herr, du hast es selbst erlebt, dass man dich geschmäht hat. Doch du hast dich nicht irre machen lassen und von deinem Weg abbringen. In dir lebte Gottes Liebe. Sie gab dir deinen Wert. Sie gab dir Kraft. Sie war deine Ehre, die du dir nicht hast nehmen lassen. Komm damit zu mir und bleibe in mir, damit auch ich meinen Weg im Vertrauen auf Gott gehen kann. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Montag, 7. Februar 2022

Höher als alle Vernunft hl

Losung: Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Psalm 91,4 

Lehrtext: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. Philipper 4,7        

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Breit aus die Flügel beide, / o Jesu, meine Freude ...“, so hat meine Mutter mit mir gebetet, als ich noch im Gitterbett lag. So bete ich heute bei einer Aussegnungsfeier am offenen Sarg. Als kleines Kind habe ich nur verstanden, dass Jesus seine Flügel über mich breitet und die Engel für mich singen. Mehr ist im Grunde auch heute nicht nötig. Inzwischen weiß ich, dass Jesus in diesem Vers mit einer Glucke verglichen wird, unter deren Flügeln ihre Küken Schutz finden. Und wenn ich diesen Vers singe, dann ersetze ich das Wort „Satan“ durch das Wort „Angst“.

Im Glauben geht es für mich, ob als kleines Kind oder als erwachsener, studierter Theologe in erster Linie um Gefühle und erst dann um rationale Gedanken. Wenn ich in die Krippe schaue oder aufs Kreuz, so werde ich innerlich bewegt. Wenn ich bestimmte Choräle oder Lobpreislieder singe, so wird meine Seele berührt.

Das große Geheimnis

Ich weiß, wir Menschen können von Gott, dem Geheimnis der Welt (E. Jüngel) und unseres Lebens nur in Worten, Geschichten und Liedern kommunizieren. Glaube ist, Gott sei Dank, wesentlich Poesie und keine nüchterne Buchstabenklauberei. Ich kann dabei nicht der Vernunft entraten. Doch sie dient meinen Gefühlen, um sie verständlich und sprachfähig zu machen. 

Was meiner Erfahrung nach aber nicht geht, ist, dass man Gott mit Bibelworten, Katechismus-Sätzen, Dogmen und Vorschriften dingfest und damit begreifbar und handhabbar machen könnte. Er ist und bleibt ein Geheimnis, das sein Wesen in Jesus zeigt, aber nicht verfügbar wird.

Wie schön ist nicht die Metapher, das Gleichnis, dass ich unter Gottes Fittichen Zuflucht finden kann wie ein Küken in Gefahr! Das Bild sagt mehr als alle verstandesmäßigen Erklärungen. Es strahlt einen „Frieden aus, der höher ist als alle Vernunft“ (Lehrtext) und der auch die Herzen der Angehörigen zumindest streift, wenn ich für den Verstorbenen und für sie mein altes Kindergebet singe:

Gebet:
Breit aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küklein ein.
Will mich die Angst verschlingen,
so lass die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Sonntag, 6. Februar 2022

Stern, auf den ich schaue hl

Losung: Er wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn. Micha 5,3 

Lehrtext: Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Matthäus 9,36        

Liebe Leserin, lieber Leser,

natürlich habe ich lieber eine starke Regierung als eine schwache. Aber auf einen starken Mann oder Frau kann ich gern verzichten. Als Deutscher bin ich davon kuriert. Ich will eine starke Demokratie und keinen starken Führer. Einen starken Rechtsstaat und keine Willkürherrschaft. Eine starke, besonnene Friedenspolitik meines souveränen Landes und keine blinde Gefolgschaftstreue gegenüber anderen Staaten. Eine offene und darum starke Gesellschaft und keine nationalistische Ausgrenzung anderer. Wer in unserem Land etwas anderes will, hat mich zum Gegner.

Die Israeliten zur Zeit des Propheten Micha hofften, wie damals und weithin auch heute noch üblich, auf einen solchen starken Mann aus Bethlehem, woher auch König David stammte. Jener sollte das Volk gegen die Feinde verteidigen und sie mit Gott, Feuer und Schwert ausrotten und vernichten. Er würde die Erde beherrschen und dann würden sie in Sicherheit und Frieden leben (Micha 5,5.8).

Menschenhüter

Der Evangelist Lukas sah im Kind von Bethlehem diesen Mann. Doch für ihn war Jesus kein politischer Führer, sondern der Hirte seiner Menschen; kein Kriegsherr, sondern der Friedefürst. Er sollte die Geängsteten, Zerstreuten und Orientierungslosen seines Volkes sammeln und hüten. 

Und das ist auch die Aufgabe derer, die heute in seinem Namen zum Hirten / zur Hirtin der Gemeinde berufen sind. Auch sie sollen in unserer Zeit sagen: 

„Fürchtet euch nicht! Vertraut auf Gott und schöpft neuen Lebensmut!“. Und: „Kommt, die ihr es schwer habt! Ihr gehört Jesus Christus. Er hilft euch, eure Lasten, Sorgen und euer Leid zu tragen.“ Und: „Schaut auf ihn, hört auf ihn! Er ist euer Licht auch in finsteren Zeiten und weiß den Weg für euch.“ In dieser guten Nachricht erweist sich die Stärke und „Kraft des Herrn“ (Losung) und nicht in roher, militärischer Gewalt und politischem Taktieren.

Nein, ich brauche keinen starken Mann nach dem Maßstab dieser Welt, der mir sagen und befehlen soll, wo’s lang geht. Ich brauche jemand, der mit mir geht – durch dick und dünn.

Gebet: Herr, mein guter Hirte, wenn ich mich in meinem Leben verlaufe, wirst du mich suchen und wieder zurückbringen. Wenn ich mich fürchte vor globalen Katastrophen oder privatem Unglück, so wirst du mich auf den Weg des Gottvertrauens führen. Wenn ich nicht weiß, wie es mit mir weitergehen soll und keinen Ausweg mehr sehe, wirst du mir eine Tür öffnen und mir den neuen Weg zeigen. Du bist der Stern, auf den ich schaue, der Grund, auf dem ich baue, der Fels auf dem ich stehe, der Weg, auf dem ich gehe. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Samstag, 5. Februar 2022

Eltern hl

Losung: Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! Psalm 33,12 

Lehrtext: Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. Galater 4,6-7        

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat Gott dich erwählt? Ja. Und den Paketboten an deiner Tür auch. Aber ist der nicht Muslim? Na und. Gott hat dich und ihn dadurch erwählt, dass er euch beide geschaffen hat. Er hat euch zum Leben erwählt, dazu, seine Kinder zu sein. Das genügt. Und das bleiben wir ein Leben lang, egal was geschieht. So wie wir auch ein Leben lang die Kinder unseres biologischen Vaters bleiben, egal wie unser Verhältnis zu ihm ist oder war. Doch bedauerlich ist es schon, wenn mir das nicht klar ist. Wenn ich nicht weiß oder nichts davon halte, dass Gott mein barmherziger Vater ist.

Wissen allein ist noch zu wenig. Am besten, ich lebe auch als Kind meines Vaters, indem ich seine Liebe erwidere und ihm Ehre mache. Indem ich mit ihm in Kontakt bleibe und mich auf ihn verlasse. Indem ich mich meines Lebens freue und dankbar bin. Das gilt für meinen göttlichen wie für meinen leiblichen Vater wie auch für meine Mutter. Ob ich ein besseres Verhältnis zu ihr oder zum Vater habe, ist nicht so wichtig. Bei den Eltern kommt es auf die Beziehung an und nicht auf’s Geschlecht.

Was das Erben betrifft, so ist das wertvollste Erbe meiner Eltern, dass sie mich geliebt haben und ich gern an sie zurückdenke. Nein, unser Verhältnis war nicht ständig eitel Freude und Sonnenschein. Wir hatten auch mal unterschiedliche Ansichten und Probleme und sind einander etwas schuldig geblieben. Aber im Nachhinein spielt das keine Rolle mehr. Wenn ich an ihrem Grab stehe, bin ich dankbar. Sie haben so gut gelebt, wie sie konnten. Sie haben so gut geglaubt, wie sie konnten. Sie haben mich so gut erzogen, wie sie konnten. Und nun will ich ihr Andenken bewahren so gut ich kann.

Was aber erbe ich von Gott? (Lehrtext) Hm, für mich passt dieses juristische Wort „erben“ an dieser Stelle nicht. Gott ist überaus lebendig und ewig. Er wird nicht sterben. Er vererbt mir nichts, sondern schenkt mir, was ich brauche, jetzt und dann „mit warmen Händen“. 

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du bei dir beschlossen hast, mir das Leben zu schenken. Und egal ob es leicht oder auch mal schwer ist, ob es mir gut geht oder ich zu kämpfen habe, ich liebe das Leben und bin gerne noch eine Zeit lang auf der Erde – solange du willst. Ich will auch das Recht auf Leben von allem respektieren, das nach deinem Willen gleichzeitig mit mir lebt. Und ich danke dir für meine Eltern, durch die du mir das Leben gegeben hast und will, so gut ich kann, meinen Kindern ein guter Vater sein. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Freitag, 4. Februar 2022

Zuvorkommend hl

Losung: Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren. 3.Mose 19,32 

Lehrtext: Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Römer 12,10 

    

Liebe Leserin, lieber Leser,

weißes Haar und höheres Alter haben auch Vorteile. Du wirst in der Regel etwas zuvorkommender behandelt. Vor allem Jugendliche aus dem arabischen Raum fallen mir in Deutschland wegen ihres respektvollen Verhaltens gegenüber alten Menschen auf. Aber selbst bei den Israeliten in biblischer Zeit war es offenbar nötig, Jüngere daran zu erinnern, wie sie sich gegenüber Alten benehmen sollen (Losung).

Ähnliches galt offensichtlich auch in den frühen, christlichen Gemeinden. Auch da sah sich der Apostel Paulus veranlasst, die Gläubigen darauf hinzuweisen, dass sie nicht nur an sich selbst denken sollten, sondern auch den Mitmenschen im Blick behalten.

Zuvorkommend sein, also nicht darauf warten, bis ein anderer zu mir freundlich ist, sondern ihm mit einem Gruß und einem Lächeln zuvorkommen – das ist für mich auch heute eine Tugend, die mir gut steht, wenn ich Christ sein will. Deshalb übersetze ich auch Jesu Goldene Regel aus seiner Bergpredigt folgendermaßen: »Was du dir von einem anderen wünscht, darin komme ihm zuvor.«

Gott war in Jesus zuvorkommend. Er hat nicht darauf gewartet, bis wir endlich anfangen, ihn zu suchen und uns zu ihm zu bekehren. Er hat sich uns in ihm zugewandt und uns gesucht wie der Hirte sein verlorenes Schaf. Er hat den ersten und entscheidenden Schritt auf seine Menschenkinder zugetan. Ich brauche mir also nichts darauf einzubilden, dass ich mich zu ihm bekehrt hätte, der sich doch schon längst zu mir bekehrt hat. Er steht vor dir, um dich in seine Arme zu schließen. Wäre doch schade, wenn du ihn übersehen würdest, weil du allzu sehr mit dir selbst beschäftigt bist.

Gebet: Herr, du kommst mir zuvor mit ein paar Sonnenstrahlen in diesen trüben Tagen,  im Lächeln eines Kindes, in der Freundlichkeit meiner Nachbarn. Und während ich noch meine Lage bedaure, bist du mir längst zuvorgekommen, sie zu ändern. Zuvorkommend für alle aber bist du in Jesus. Er bringt uns deine Güte und Liebe, noch bevor wir darum gebeten haben, noch bevor wir etwas dafür hätten tun können, einfach deshalb, weil wir sie, weil wir dich brauchen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Donnerstag, 3. Februar 2022

Die Familie hl

Losung: Hilf uns, Gott, unser Heiland, und sammle uns, dass wir deinen heiligen Namen preisen. 1.Chronik 16,35

 

Lehrtext: Jesus betet: Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir. Johannes 17,11        

Liebe Leserin, lieber Leser,

also so viel ist schon mal klar, wenn du den Lehrtext liest: der „Heilige Vater“ ist nicht der römische Papst und auch nicht der koptische, sondern Gott (Matthäus 23,9). Und sein Name, den er Jesus gegeben hat und mit dem ich ihn anreden kann, ist „barmherziger Vater“, der mich „trösten will, wie eine Mutter ihr Kind“ (Jesaja 66,13). Aber das sind keine geschlechtlichen Bezeichnungen. Sie bringen nur zum Ausdruck, wie Gott ist. Er selbst steht im wahrsten Sinn des Wortes über Mann und Frau. Beide hat er nach seinem Bild geschaffen (1. Mose 1,27).

Ihm, dem Schöpfer aller Menschen, liegt nicht an Parteien, Rassen, Nationen, Ideologien, Kirchen, Konfessionen oder Religionen. Das alles sind menschliche Erfindungen oder Fiktionen, um sich voneinander abzugrenzen. Ihm liegt daran, dass wir uns als Brüder und Schwestern erkennen, als seine große Familie und dass wir einträchtig und in Frieden zusammenleben.

Früher meinten Christen, dass sie die einzig wahren Gotteskinder seien, von ihm auserwählt und geliebt. Entsprechend haben sie sich oft genug gegenüber anderen verhalten, haben sie abgewertet, verfolgt, zwangsgetauft, bekriegt. Noch heute gibt es solche, die meinen, sie seien gerettet und alle anderen verdammt – in allen Religionen. Wer das nach wie vor behauptet, hat meines Erachtens nicht verstanden, dass ich Menschen anderen Glaubens nicht abwerten muss, um mein Selbstwertgefühl zu stärken, dass ich sie nicht herabsetzen muss, um selbst ein bisschen größer zu erscheinen. Christen, so meine ich, sollten souverän sein.

Die Vorstellung, dass an meinem Glauben die Welt genesen müsse, ist abwegig und brandgefährlich. Auch mit größtem missionarischen Eifer rette ich keine einzige Menschenseele. Das wäre total überheblich. Nur Gott in Jesus Christus rettet und erlöst – alle seine Geschöpfe, nicht nur Menschen. Wir alle gehören zusammen und sind aufeinander angewiesen, heute mehr denn je. Kann das mal jemand den Regierenden in Washington und Moskau, in Berlin und Peking, in Paris und Kabul sagen? Wir alle sind eins in Gott.

Gebet: Herr, ich klage dir den verderblichen Hang in uns, dass wir wähnen, uns voneinander abgrenzen und uns gegeneinander behaupten zu müssen. Ich klage dir allen Dünkel und alle Arroganz, alle Herrschsucht und alle Unterdrückung, alle Einbildung und alle Verirrung. So wie du jeden einzelnen geschaffen hast, so führe uns auch zusammen, dass wir uns als die eine große Menschenfamilie erkennen und dich als unseren barmherzigen Vater. Nur so haben wir Zukunft, wenn wir zusammenhalten und friedlich bleiben, wenn wir dich preisen, ein jeder auf seine Weise, und dich ehren. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Mittwoch, 2. Februar 2022

Freiwillig und gern hl

Losung: Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Psalm 34,2 

Lehrtext: Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen. 1.Thessalonicher 5,16-18 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Ich will den Herrn loben«, ich will ihm vertrauen, ihn lieben und mich an Jesus orientieren. Ich will das freiwillig und gerne tun, aber mich selbst dazu entschließen (Losung) und nicht schon wieder mit mehr oder weniger Druck dazu aufgefordert werden (Lehrtext).

Was nur den Apostel Paulus dazu getrieben hat, so viel Druck auf seine Gemeinden damals und über sie und seine Schriften auf Christen bis heute auszuüben (Lehrtext)? „Seid, tut, macht …!“ – Als ob das einladend wäre und die Freude am Glauben wecken würde. Kein Wunder, dass sich bis heute viele vom Glauben abgewandt haben, weil sie die dauernden Vorschriften und den Befehlston satt hatten.

Wo bleibt da das Evangelium, die gute, frohe, befreiende Botschaft, die Menschen aufatmen lässt, die in ihnen Freude an Gott weckt und sie zum Glauben und Leben ermutigt?

Ja, ich möchte, ich will schon auch »allezeit fröhlich sein«. Aber auf Knopfdruck geht da gar nichts. Das muss von innen kommen und kann nicht von außen erzwungen werden. Ja, ich will schon auch mit Gott in Verbindung bleiben sei es in Gedanken, in Gebeten, in dem ich sein Wort lese, Gottesdienste mitfeiere und ein Lobpreislied oder einen Choral aus dem Gesangbuch singe. Und ich will auch dankbar sein. Aber nicht, weil ich dazu aufgefordert werde wie ein kleines Kind von seinen Eltern, wenn es von jemandem etwas geschenkt bekommen hat. Ich will Gott danken, weil mir das ein inneres Bedürfnis ist.

Paulus konnte auch anders, wenn er zum Beispiel geschrieben hat: »Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist« oder »Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.« (1. Korinther 13,13) Dafür schätze ich ihn.

Aber nun will ich mir durch meine Einwände die Freude an Gott nicht verderben lassen, sondern singen und sagen: 

Gebet: Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
Dem, welchem alle Dinge
/ zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben
/ hier preisen auf der Erd;
Ich will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.
Oder:
Ein neuer Tag und ein neuer Morgen / und wieder bring ich dir mein Lob.
Was heut vor mir liegt und was immer auch geschehen mag /
Lass mich noch singen, wenn der Abend kommt.

Herzliche Grüße,
Ihr / dein Hans Löhr

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Nimm Abschied und gesunde hl

Losung: Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Psalm 34,2 

Lehrtext: Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen. 1.Thessalonicher 5,16-18        

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute gefällt mir die Losung mehr als der Lehrtext. Paulus erhebt wieder einmal Forderungen, diesmal an die Christen in Thessaloniki, und erzeugt damit doch nur Druck und Distanz. Demgegenüber ermuntert sich der Verfasser der Losung selbst, das Lob Gottes in den Mittelpunkt seines Glaubens zu rücken und so oft es geht daran zu denken.

Und auch auf Knopfdruck kann ich nicht fröhlich sein noch ununterbrochen beten. Paulus selbst konnte das auch nicht. Was ich ihm zugutehalten möchte, ist, dass er mit seinem Wort eine Richtung vorgibt. Er will sagen: „Du hast mehr Anlass fröhlich zu sein als verdrießlich dreinzublicken. Du hast allen Grund, Gott im Gebet zu danken. Und wenn du das tust, wird sich deine Miene aufhellen und deine Mitmenschen werden sich in deiner Gesellschaft wohlfühlen.“

Ja, ich habe Grund genug, ein fröhlicher, zuversichtlicher und dankbarer Mensch zu sein. Der Grund besteht darin, dass mich mein Gott in der Vergangenheit nicht im Stich gelassen hat. Er hat mich auch durch die schwierigen Phasen meines Lebens gebracht. Darum verlasse ich mich darauf, dass er das auch künftig tun wird.

Aber gibt es nicht auch Dinge in deinem und meinem Leben, auf die wir mit Enttäuschung oder sogar Bitterkeit zurückschauen müssen? Solche Dinge gibt es. Aber niemand zwingt mich. Niemand zwingt mich zu der verhängnisvollen Neigung, die eigenen Wunden nicht heilen zu lassen. Stattdessen sage ich mit den Worten von Hermann Hesse zu mir: „Hans, nimm Abschied und gesunde.“

Gebet: Herr, du allein bist der Grund, warum ich zuversichtlich nach vorne schaue und meinen Weg im Vertrauen auf dich weitergehe. Ich weiß, er wird nicht immer leicht sein. Aber ich vertraue darauf, dass du mitgehst und mir auch durch die Probleme hilfst. Dafür bin ich dir dankbar. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr
 

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Dienstag, 1. Februar 2022

Gute Wurzel, guter Baum, gute Frucht hl

Losung: Was vom Hause Juda errettet und übrig geblieben ist, wird von neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht tragen. 2.Könige 19,30 

Lehrtext: Ist die Wurzel heilig, so sind auch die Zweige heilig. Römer 11,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich glaube nicht, dass das, was du fühlst, denkst und tust in deinen Augen heilig ist. Ich kann und will das für mich nicht behaupten. Deshalb will ich etwas weniger vollmundig als er Apostel Paulus sein (Lehrtext). (Nach seiner Auffassung waren die ersten Christen Zweige, die dem Ölbaum des Volkes Israel von Gott aufgepfropft wurden und fortan von seiner Wurzel lebten: Römer 11,17) Dafür kann ich mit den Worten Jesu sagen: Eine gute Wurzel trägt gute Zweige und ein guter Baum bringt gute Frucht.

Was ein Mensch aus der Wurzel seines Glaubens heraus tut, ist in der Regel gut. Das ist zumindest meine Erfahrung. Natürlich kommt es auf den Glauben an. Für mich heißt das, dass ich auf Gott vertraue und zu meinen Mitmenschen freundlich, hilfsbereit und versöhnlich bin. Leider tue ich nun einmal nicht alles aus meinem Glauben. 

Manchmal habe ich auch andere Beweggründe: Den Wunsch nach Anerkennung, das Streben nach eigenem Vorteil, die Abneigung gegenüber einem anderen oder auch das Bedürfnis, eine Verletzung, die er mir zugefügt hat, wenn schon nicht zu rächen, so ihn doch meine Enttäuschung spüren zu lassen. Aus alledem kommt selten etwas Gutes. Wäre ich ein Heiliger, hätte ich das nicht nötig. So aber bin ich ein „Mensch in seinem Widerspruch“ (Conrad Ferdinand Meyer).

Widerstandsfähige Glaubenswurzel

Aber nun geschieht doch auch dies, dass die Glaubenswurzel nicht so schnell abstirbt. Sie hält auch Trockenzeiten aus und wartet geduldig, bis meine Sehnsucht nach Gott wieder erwacht. Dann regt sich in ihr neues Leben und sie bringt wieder Früchte hervor, die auch für andere genießbar sind.

„Und der will Christ sein?“, sagen manchmal hämisch solche, die nicht glauben von einem, der glaubt und doch immer wieder einmal über die eigenen Füße stolpert. Der versagt und seinem Glauben wie seinem eigenen Anspruch nicht gerecht wird. Na und? Ist das nicht gerade das Kennzeichen eines Christen,
dass er versagt wie Petrus, der Jesus verleugnet hatte, und wie die anderen Jünger alle
(Matthäus 26,56), die panisch geflohen sind, als er verhaftet wurde?
 dass ihm aber auch von Gott, von Jesus vergeben wird und er bei sich selbst erkennt: Ich kann aus mir keinen Heiligen machen? Ich kann mich noch so anstrengen, ich werde kein perfekter Mensch und erst recht kein perfekter Christ? Ich lebe aus der Vergebung und nicht von meiner Leistung?

Ja, auch das macht meines Erachtens einen Christen zum Christen, sonst hätte ich keine Chance, einer zu sein.

Gebet: Herr Jesus, sei du selbst die Wurzel, aus der mein Glaube wächst. Ich kann mich ja nicht mal auf meinen Glauben verlassen, wenn er nicht dein Werk ist. Doch solange ich aus dir wachse und lebe, ist mein Gottvertrauen stark und mein Verhalten gesund. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

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