Mittwoch, 13. September 2017

Geh deinen Weg! hl

LosungDer HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Psalm 32,8 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Navigationsprogramm „Maps“ auf meinem Smartphone führt mich auf schnellstem Weg ans Ziel. Das ist praktisch, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Wenn ich Motorrad fahre, möchte ich natürlich auch ans Ziel kommen, aber unterwegs auch etwas sehen und erleben. Deswegen lasse ich mir da mehr Zeit und fahre winzige Straßen in abgelegenen Gegenden. Auch dafür habe ich ein Navigationsprogramm.
     Gottes Navi für mich finde ich in der Bibel, zum Beispiel meinen Konfirmationsspruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.« (Johannes 6,68+69) Das ist kein Wort für den schnellsten Weg, sondern gerade auch für manchen Umweg und Irrweg in meinem Leben, wenn ich mich wieder neu orientieren muss. Ich möchte auch gar nicht, dass mein Leben eine Autobahn ist ,auf der ich vom Start bis zum Ziel durchrase. Ich finde es auch nicht schlimm, dass ich manchen Umweg gehen musste und dass sich mancher Weg als Holzweg herausgestellt hat. Gerade auf solchen Abschnitten habe ich dazugelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht.
     Der Weg auf dem ich unterwegs war und bin hat einen Namen. Er heißt nicht "Route 66", nicht A8 und nicht "Tour des Grandes Alpes".  Der, von dem es in meinem Konfirmationsspruch heißt, dass mir in ihm Gott begegnet, der sagt von sich: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14,6) Und wenn ich den Namen „Jesus“ zusätzlich ins Deutsche übersetzte, dann bin ich auf dem „Gott hilft!“-Weg unterwegs.
     Damit man mich nicht falsch versteht, ich gehe nicht auf diesem Weg, weil ich so fromm wäre und mich ständig nach den Verbotsschildern richten würde, von denen man meint, dass sie dort aufgestellt wären. Nein, das tue ich nicht. Mein Weg, oder „My Way“ wie Frank Sinatra singt, das ist meine ganz persönliche Art und Weise zu leben mit allen Vor- und Nachteilen, mit dem, was schön ist und mit dem, was schwer ist, mit manchen Risiken und manchen Überraschungen. Auf diesem Weg habe ich Freunde gefunden und wieder verloren, Menschen erfreut und verletzt, habe mir die eine oder andere blutige Nase geholt, aber wurde deswegen auch gemocht. Auf diesem Weg bin ich manchmal gestolpert und hingefallen und wieder aufgestanden. 
     Aber immer ging es irgendwie weiter, weil mein Weg diesen Namen hat: „Jesus – Gott hilft“. Wenn es finster wurde, war er bei mir (Psalm 23, 4). Wenn ich mich verlaufen hatte, ging er mir nach und brachte mich wieder zurück (Lukas 15,4-7). Wenn ich am Ende war mit meiner Kraft, hat er mich wieder gestärkt und mir neuen Lebensmut eingeflößt (1. Buch der Könige 19,4-8). So habe ich es erlebt. Und darum will ich in diesem Gottvertrauen meinen Weg weitergehen bis es einmal heißen wird: „Hans, jetzt ist es genug. Jetzt bist du am Ziel.“ 
     Du gehst einen anderen Weg als ich. Aber dein Weg hat denselben Namen. Es kommt nicht darauf an, den einfachsten und schnellsten Weg zu finden, sondern den, auf dem du einen Weggefährten hast und auf dem du die Wahrheit erfährst über dich und dein Leben (Lehrtext), nämlich dass du als sein Jünger frei bist mit ihm zu gehen, wohin du willst. Geh deinen Weg, gehe ihn in Gottes Namen!

Gebet
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und darum (!!!) liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.


Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

Dienstag, 12. September 2017

Worte, die gut tun hl

LosungFürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1 

LehrtextGottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag. Apostelgeschichte 26,22 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung gehört zu meinen Goldenen Worten der Bibel. Sie macht mir Mut, tröstet und stärkt mein Gottvertrauen.
     Nun könnte jemand sagen: „Das sind doch bloß Worte. Woher willst du denn wissen, dass das stimmt?“ Ich will ihm antworten: „Ich weiß das daher, besser ich spüre, dass das stimmt, weil mir diese Worte gut tun. Sie lassen mich nicht kalt. Sie berühren mich und wenn ich sie höre, fühle ich mich bei Gott geborgen.
     Aber dass diese Worte stimmen, weiß ich noch aus einem anderen Grund. Ich weiß, dass für mich stimmt, was im Lehrtext steht. Ja, bis zum heutigen Tag habe ich Gottes Hilfe erfahren, sonst gäbe es mich schon längst nicht mehr. Erst vor ein paar Stunden kam mir in einer Kurve ein Auto auf meiner Fahrspur entgegen. Das war vielleicht knapp. Offenbar hatte der Fahrer auf sein Handy geschaut. Ich bin heftig erschrocken und hab ihn erst mit einem bösen Wort bedacht und dann meinen Dank zum Himmel geschickt. Gott ist ja nicht nur mein Schöpfer. Er ist, wie die Bibel sagt, auch mein Hirte, der mich begleitet und bewahrt. Das gibt mir Sicherheit und macht mich dankbar.
     Natürlich erlebe ich wie jeder andere Mensch auch schwierige Zeiten. Gerade in ihnen stärkt mich ein Bibelwort wie die heutige Losung. Gerade in solchen Zeiten lerne ich etwas über Gott und über mich und  wächst mein Glaube. Es sind Zeiten zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zuversicht und Verzweiflung, zwischen Angst und Vertrauen. Doch wenn mein Leben wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät, habe ich neue Erfahrungen gewonnen, auf die ich dann nicht mehr verzichten möchte.

Gebet: Herr, wie gut tut es mir zu lesen, dass ich dir gehöre und nicht irgendeiner anderen Macht, auch nicht dem Zufall oder ausschließlich mir selbst. Wie gut tut es mir zu lesen, dass du mich persönlich kennst und kein anonymes Schicksal bist. Vom ersten Augenblick meines Lebens an hältst du deine schützende und segnende Hand über mich. Du wirst das auch weiterhin tun. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 11. September 2017

Wer ist ein Gott wie du? hl

Losung: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Micha 7,18

Lehrtext: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Kolosser 2,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt?“ – So spricht verwundert der Prophet Micha angesichts des Versagens seines Volkes und auch seines eigenen Versagens vor dem Heiligen Gott. Aber was für eine Art Versagen, was für eine Sünde ist es denn, von der in der Bibel die Rede ist und die Gott vergibt?      Ich könnte jetzt viele Sünden aufzählen, zum Beispiel die Missachtung der Zehn Gebote und vor allem die Missachtung des Liebesgebotes von Jesus, wenn er sagt: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹« Aber ich will anhand eines einfachen Beispiels einmal grundsätzlich darüber nachdenken, worum es dabei geht:     Mit Gottes Vergebung verhält es sich so, wie wenn ein Kind an der Hand seines Vaters an einem Bach entlang geht, sich losreißt und ins Wasser fällt. Der Vater rettete sein Kind, zieht es heraus und sagt ihm eindringlich, dass es nicht zu nah an den Bach gehen darf, weil das gefährlich ist. Die beiden gehen weiter, und es passiert das gleiche. Wieder gehen sie weiter, und wieder passiert das gleiche. Und wieder und wieder und wieder.     Und was genau passiert? Ich trenne mich von Gott (=Sünde), mache eigen-sinnig Dinge, die seinen Geboten zuwiderlaufen. Das hat zur Folge, dass ich mich in Gefahr bringe und leide. Aber Gott überlässt mich nicht mir selbst, sondern rettet mich wieder und wieder ohne mir mein Fehlverhalten, meine Dummnheit nachzutragen. Er vergibt, um das gestörte Verhältnis zwischen ihm und mir wieder ins Lot zu bringen. Er rettet mich, weil er mich liebt und nicht verlieren will. Und er tut das nicht nur einmal, sondern siebzigmal siebenmal (Matthäus 18,22), also immer. Dieser Gott begegnet mir in Jesus und nur in ihm. Er ist einzigartig und unvergleichlich:

Gebet:
Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld
Du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld
Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer
Du wirfst all meine Sünde tief hinab ins Meer
Wer ist ein Gott wie du
Der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt
Wer ist ein Gott wie du
Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn,
denn du liebst es gnädig zu sein. (Albert Frey)

Aber, liebe Leserin, lieber Leser, was geschieht, wenn ich nicht auf ihn hören und mich auch nicht von ihm retten lassen will? Wenn mir die Gottes- und Nächstenliebe egal sind? Wenn es mir nur um mich geht, um meine Bedürfnisse und Interessen, um meine Gier und meinen Egoismus? Gott vergibt mir meine Sünden. Das stimmt. Aber mit den Folgen meines Fehlverhaltens, meiner Dummheit muss ich leben.

Herzliche Grüße
Hans Löhr

Sonntag, 10. September 2017

Negativer und positiver Glaube (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr am 13. Sonntag nach Trinitatis in Weidenbach 

Liebe Gemeinde,

in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Der Handel hat sich darauf schon eingestellt. In den Supermärkten kann man be lls ja, wird er wohl noch in irgendeiner Weihnachtskiste auf dem Dachboden verpackt sein. In meiner Kindheit hatten wir sozusagen als Christbaumspitze einen Rauschgoldengel vom Nürnberger Christkindlesmarkt. Als den meine Eltern gekauft haben, war ich total fasziniert. Umso größer war die Enttäuschung, als ich ihn näher untersuchte. Er hatte nur einen schönen Wachskopf und ein goldenes Papierkleid. Doch unter dem Kleid war nichts, gar nichts...
Heute haben wir einen Weihnachtsengel für die Krippe. Ich befestige ihn jedes Jahr am Krippengiebel, sodass er über der ganzen Weihnachtsszene mit Maria, Josef und dem Kind, den drei Königen und den Hirten schwebt.
Aber warum braucht es denn überhaupt einen Weihnachtsengel sei es als Rauschgoldengel oder als Krippenfigur? Darauf gibt es nur eine einzige Antwort, nämlich den Satz aus dem Weihnachtsevangelium, wo es heißt:
»Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.« (Lukas 2,9-11)
Der Weihnachtsengel soll also nicht nur ein dekorativer Schmuck sein. Er hat uns etwas zu sagen, nämlich jenen Satz. Und daran sollten wir im Idealfall denken, wenn wir ihn am Christbaum oder in der Krippe sehen.
Weißt du jetzt noch, mit welchen Worten der Engel seine Botschaft einleitet? Er sagt „Fürchtet euch nicht!“ Was du aber bestimmt nicht weißt, ist, wie oft denn dieser Satz „Fürchtet euch nicht bzw. fürchte dich nicht!“ in der Bibel vorkommt. Ich musste auch erst nachzählen und bin auf 120 Treffer gekommen. 120 mal heißt es da „Fürchte dich nicht!“. Das kann doch nur den Grund haben, dass sich die Menschen damals ganz schön gefürchtet haben. Doch Gott sagt zu ihnen: „Dazu habt ihr keinen Grund. Ich bin doch bei euch und helfe euch auch.“ Und was Gott zu den Menschen der Bibel sagt, das sagt er auch zu uns heute, zu mir und auch zu dir, jetzt in diesem Augenblick.
Wahrscheinlich hatten die Menschen damals ganz ähnliche Sorgen und Ängste wie wir heute. Sie hatten Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Tod, Angst vor schlimmen Krankheiten, Angst vor Krieg und Katastrophen, Angst vor Armut, vor einer Prüfung, vor bösen Mächten usw. Da hat sich bis heute nicht viel geändert.
Aber deswegen kommst du doch auch hier in den Gottesdienst, deswegen glaubst du doch auch an Gott, um hier gestärkt und getröstet zu werden, neuen Lebensmut zu schöpfen und Kraft zu bekommen für die neue Woche. Der Glaube soll uns nicht zuletzt helfen, mit unseren Ängsten fertig zu werden, um unbeschwerter leben zu können.
Aber nun ist Furcht ja auch so eine Art Glaube, ein negativer Glaube, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Manche sind wahre Meister darin, ständig an irgendwelche bevorstehenden Katastrophen zu glauben. Und warum tun sie das? Vielleicht deshalb, um innerlich irgendwie vorbereitet zu sein, wenn sie tatsächlich eintreten. Aber dieser negative Glaube ist extrem gefährlich. Er ist so etwas wie eine schlechte Prophezeiung, die sich von selbst erfüllt. Wer immer nur Schlimmes erwartet, dem wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Schlimmes passieren.
Eine Frau fürchtete jeden Abend, wenn sie ins Bett ging, dass ein Einbrecher unten in der Küche sei. Deshalb musste ihr Mann vor dem Einschlafen immer noch mal ins Erdgeschoss, um nachzusehen. Erst wenn er glaubhaft versichert hatte, dass kein Einbrecher da war, konnte sie schlafen. Das ging nun schon 30 Jahre so.
Eines Abends war es wieder so weit. Die Frau sagte: „Du, ich habe etwas in der Küche gehört. Bestimmt ist der Einbrecher gekommen. Etwas unwillig und schon etwas schlaftrunken tappte ihr Mann die Treppe hinunter. Als er die Küchentür öffnete, schaute er in die Mündung eines Revolvers: „Keinen Laut!“, sagte der Einbrecher. „Rücken Sie alle Wertsachen raus dann passiert ihnen nichts.“ Der Mann tat wie ihm geheißen. Als der Einbrecher seine Beute hatte, wollte er wieder verschwinden. „Halt!“, sagte der Mann, „so einfach können Sie nicht gehen. Kommen Sie erst noch mit nach oben zu meiner Frau. Die wartet schon 30 Jahre auf Sie und möchte sie kennen lernen.“
Aber leider ist das mit der Furcht nicht immer so lustig wie in dieser Geschichte. Sie ist, wie gesagt, ein negativer Glaube. Setze dagegen den positiven Glauben! Vertraue darauf, dass Jesus zurecht sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Ja es stimmt, er hat diesen Satz zu Jaïrus gesagt damals vor 2000 Jahren. Aber solche Sätze stehen doch gerade deshalb in der Bibel, weil sie noch heute gelten, weil sie dir und mir gelten.
Wenn also die Furcht oder ihre Schwester, die Sorge, an deine Tür klopft und in dein Leben will, so lass deinen Glauben antworten und sagen: „Für dich ist hier kein Platz. Du bist nicht eingeladen und nicht erwünscht. Also schleich dich!“
Setze den positiven Glauben gegen die Furcht. Rüste dich mit Worten der Bibel und sage zu dir selbst: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27)
Er ist es doch, der Himmel und Erde geschaffen hat, der allmächtige Gott, den du an deiner Seite hast und der dir sagt: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ich helfe dir auch.“ (Jesaja 41,10) Genau dazu haben wir doch die Bibel, dass aus ihr Gott zu uns spricht und uns im Glauben stärkt. Lass also deine Gedanken nicht um das kreisen, was du fürchtest, sondern was Gott zu dir sagt. Denn der erste Platz, auf dem wir unseren Kampf gegen die Furcht verlieren, ist unser Kopf, sind unsere Gedanken. Darum müssen darauf achten, was wir denken. Denn das, worauf ich in Gedanken fixiert bin, lade ich in mein Leben ein und erlaube ihm, Wirklichkeit zu werden. Genauso wie du dich gedanklich in Furcht hineinsteigern kannst, sodass sie dich immer mehr besetzt, genauso kannst du deine Gedanken auch auf dein Gottvertrauen lenken und sagen: »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal meiner Sorgen und Probleme, fürchte ich doch kein Unglück; denn du, Gott, bist bei mir und tröstest mich.«  (Psalm 23,4)
Wer in der Haltung der Furcht lebt, dem geht es wie einem, der mitten in einer kleinen Nebelbank steckt. Er sieht nicht, dass ein paar Meter vor ihm und über ihm bereits die Sonne scheint. Er sieht keinen Ausweg. Er kann sich nicht orientieren. Er ist im Nebel sozusagen gefangen. So ist es auch mit der Furcht. Sie nimmt einem Lebensfreude und Zuversicht. Sie will dir weißmachen, dass es außer ihr nichts mehr in deinem Leben gibt. Aber der Glaube hilft dir, dass du nicht in der Haltung der Furcht gefangen bleibst. Gott macht dein Leben wieder hell und freundlich und sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“

Liebe Freunde, in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Wenn dann die Feiertage wieder vorbei sind, so packe doch dieses Mal den Weihnachtsengel nicht weg. Lass ihn in deiner Wohnung. Gib ihm einen schönen Platz und denke, sooft du ihn siehst, daran, was er dir sagt. Und wenn dir eine kleine Gedankenstütze hilft, dann leg einen Zettel daneben, auf dem steht: »Fürchte dich nicht, ich verkündige dir große Freude. Für dich ist der Heiland geboren, Jesus Christus, dein Retter und Herr.« Amen

Samstag, 9. September 2017

Von Eigensinn und Feuer hl

LosungSo schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Jesaja 63,15 

LehrtextJesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Aber ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollendet ist! Lukas 12,49-50 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich will den Bibelabschnitt, in dem das heutige Losungswort steht, mal in die Gegenwart übertragen als das Gebet eines Einzelnen, der in eine selbstverschuldete Notlage geraten ist. Dann liest es sich etwa so:  

Gebet: »Herr, schau doch herab vom Himmel! Warum setzt du dich nicht mehr mit ganzer Kraft für mich ein? Warum hältst du dich zurück? Schlägt dein Herz nicht mehr für mich? Ist deine Liebe erloschen? Du bist doch mein Vater und Helfer! Das war doch auch früher so. Warum lässt du mich vom richtigen Weg abirren? Warum hast du mich so eigensinnig werden lassen, dass ich keine Ehrfurcht mehr vor dir habe? Bitte, wende dich mir wieder zu! Ich bin doch immer noch der Mensch, der dir gehört.« (vgl. Jesaja 63 15-17)

So ähnlich kann ich auch heute noch beten und sollte es auch tun. Sollte mir meine Gottvergessenheit eingestehen und ihn an seine Liebe erinnern und daran, dass er mein Vater ist, wenn ich seine Nähe nicht mehr spüre. Schließlich habe ich doch keine Alternative. An wen sonst sollte ich mich denn wenden? Wer sonst könnte mir denn helfen?

Der Lehrtext gehört für mich zu den schwierigsten Worten von Jesus. Er sagt unmissverständlich, dass sich am Glauben an ihn die Geister scheiden werden. Bis in die Familien hinein wird es seinetwegen Streit geben, heißt es im Anschluss an das heutige Bibelwort. Denn er ist, wenn man ihn ernst nimmt, kein Trostpflaster, sondern selbst das lodernde Feuer, in dem alles religiöse Getue verbrennt und nur noch das Gold des Glaubens übrig bleibt. Dass es sich so verhält, darunter leidet er am meisten. Denn wer ist schon gern Feuer? Wer ist schon gern Anlass zu Streit? Wer will schon, dass man ihm aus dem Weg geht oder aus dem Weg räumt, weil er radikal und kompromisslos ist? 
Und wo brennt dieses Feuer heute? In wem? Ich sehe viel Asche. Ob darunter noch Glut ist?

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 8. September 2017

Hinter welchem Busch versteckst du dich? hl

LosungAdam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 1.Mose 3,8 

LehrtextSelig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Matthäus 5,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Adam und Eva, Kain und Abel – das sind in der Bibel die Repräsentanten, die Stellvertreter für alle Menschen. Auch für dich und für mich. Was von ihnen gesagt ist, ist von uns allen gesagt, dass wir Gottes Geschöpfe und gesegnet sind, dass wir unsere Würde von ihm haben, weil wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, dass er uns versorgt und beschützt. Aber auch, dass wir versagen, die Schuld auf andere schieben, lügen, uns schämen, neidisch sind, Gottes Gebot missachten und uns verstecken. 
     Adam und Eva haben sich hinter einem Busch im Garten Eden (=Paradies) versteckt, um der Wahrheit über sich und ihr Verhalten nicht ins Auge, in Gottes Auge sehen zu müssen. Wo ist dein Busch? Wohinter versteckst du dich? Hinter Konsum, Schminke, Alkohol, Tabletten, Arbeitswut, Hobbies, Social Media, Fitness, Büchern, Fernsehserien, Youtube-Videos, Rastlosigkeit, Erfolg, Besitz, Statussymbolen, Klamotten...?
     Nichts von allem ist grundsätzlich schlecht. Die Frage ist nur, wozu das, was ich mache, wirklich dient. Tue ich das, weil es mir Freude macht, mich erfüllt, mir und anderen gut tut? Oder lenke ich mit alledem von mir selbst ab, laufe von mir selbst davon, meide wichtige Fragen, die ich mir stellen müsste, gehe einer ehrlichen Bestandsaufnahme aus dem Weg? Mit einem Wort: Verstecke ich mich vor mir selbst und vor Gott?
     Vor Gott kann ich mich nicht verstecken. Er sieht mir ins Herz. Und das ist gut, weil er so weiß, was mir fehlt und wie er mir helfen kann. Aber will ich mir auch von ihm helfen lassen? Habe ich die Größe, mein Versagen einzugestehen und ihn um Vergebung zu bitten? Habe ich die Größe, auch meine Mitmenschen um Vergebung zu bitten, wo ich ihnen nicht gerecht geworden bin? Habe ich die Größe, denen zu verzeihen, die mir nicht gerecht geworden sind?
     Nein, mein Herz ist nicht rein. Zu viele widerstreitende Gefühle rauben mir den inneren Frieden. Darum bete ich mit der Bibel (Psalm 51,12):

Gebet: Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Amen 

Mit ihm, aber nicht ohne oder gar gegen ihn gelingt es mir, ehrlich zu mir selbst zu sein und den Weg zu prüfen, auf dem ich mich befinde. Mit ihm, aber nicht ohne oder gegen ihn gelingt es mir, das eine oder andere in meinem Leben zu korrigieren, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Er lässt mich nicht hinter meinem Busch sitzen und versauern, sondern holt mich hervor ins Licht vor seinem Angesicht (Psalm 90,8), damit ich erkenne: Ich bin sein Kind. Ich kann frei und ohne schlechtes Gewissen, erhobenen Hauptes und voll Gottvertrauen mein Leben führen.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 7. September 2017

Mit oder gegen Gott hl

LosungGott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? Hiob 9,4  

LehrtextDenk daran, wie du die Botschaft empfangen und gehört hast, bewahre sie und kehre um! Offenbarung 3,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

an einer Universität hat ein Student an die Tafel geschrieben „Gott ist tot!“ Und darunter den Namen des Philosophen, der diesen Satz so populär gemacht hat: Friedrich Nietzsche. Es dauerte nicht lange, da schrieb ein anderer Student an diese Tafel: „Nietzsche ist tot!“ Und darunter: Gott. Nun, ob Gott tot ist, da kann man so seine Zweifel haben. Aber dass Nietzsche seit 117 Jahren und 13 Tagen tot ist, das steht nun mal fest.
     Vielleicht ist das die größte Kränkung aller Kritiker Gottes, dass sie sterben müssen, dass auch für die größten Geister der Satz gilt, den Gott der Bibel zufolge zu Adam und Eva und damit zur Menschheit insgesamt gesagt hat: „Von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden!“ (1. Mose 3,19)
     Der Schöpfer von Himmel und Erde, von dir und mir ist zugleich der Herr über uns Lebende und unsere Toten. Sein Wille geschieht und nicht meiner. Er kennt die Zukunft und nicht ich. Er ist ewig, ich aber bin sterblich. Er hat Macht über den Tod; der Tod aber hat Macht über mich. Darum ist es für mich absurd, mich Gott in den Weg stellen zu wollen (Losung). Um so mehr tröstet es mich, dass er meinen Weg mit mir geht. Von ihm lasse ich mich gern begleiten und führen.
     Diesen Glauben habe ich mir nicht selbst zusammengebastelt. Ich habe die Botschaft von Gott und Jesus von anderen Menschen empfangen (Lehrtext), von meiner Mutter zuerst, dann von Religionslehrerinnen, von meinem Konfirmandenpfarrer, auch aus Büchern… Ich bin dankbar für die Menschen, die diese Botschaft an mich weitergegeben haben. Und ich versuche sie nun an meine Kinder und Enkel weiterzugeben. Ob mir das gelingen wird? Vielleicht dann, wenn an meinem Leben sichtbar ist, dass mir das Evangelium heute noch wichtig ist und ich bereit bin, mich vom ihm immer wieder neu herausfordern zu lassen.

Gebet: Herr, es kann sein, dass ich in einer schwierigen Situation mit dir hadere, dir Vorwürfe mache, an dir verzweifle. Aber ich will mich dir nicht in den Weg stellen, weil ich glaube, dass es dein Weg ist, der mich aus meinen Schwierigkeiten wieder herausführt. Amen

Herzliche Grüße,

Hans Löhr

Mittwoch, 6. September 2017

Dem Einzelnen gerecht werden hl

LosungWir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18 

LehrtextWir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden. Apostelgeschichte 15,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Sei halt barmherzig und lass den Buben mit auf die Fahrradtour seiner Freunde, auch wenn das Zeugnis schlecht war.« Ich kann mir vorstellen, dass manche Mutter das in den zuende gehenden Sommerferien zu ihrem Mann gesagt hat. »Sei halt barmherzig!«
     In der Arbeitswelt spielt Barmherzigkeit kaum eine Rolle. Da geht es um Leistung und Verdienst. Wer seine Leistung bringt, kriegt den vollen Lohn. Wer nicht, muss damit rechnen, entlassen zu werden. Und die Kinder machen in der Schule ähnliche Erfahrungen: gute Leistung – gute Noten; nicht so gute Leistung – schlechte Noten. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist sozusagen Gesetz.
     Wenn es aber nur nach Recht und Gesetz gehen soll, braucht es keine Barmherzigkeit. Dann mag zwar alles korrekt sein. Aber man wird dem einzelnen Menschen nicht mehr gerecht. Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. In diesem Dilemma steckt der Gesetzgeber (Parlament). In diesem Dilemma steckt jeder gute Richter. Und Gott? Manche meinen, er würde streng darauf achten, dass seine Gebote genau befolgt werden. Aber wie sagt Jesus: Der Mensch ist nicht für die Gesetze und Gebote da, sondern sie sind für den Menschen da. Gott ist es wichtiger, jedem einzelnen Menschen gerecht zu werden als alle über einen Kamm zu scheren und aufzupassen, dass sich nur ja jeder korrekt verhält. Deshalb ist er barmherzig und auch, weil er weiß, wie schwach wir sind.
     Bei ihm müssen wir keine Fleißpunkte sammeln. Keine Rabattmarken kleben. Keine guten Noten ergattern. Keine Prüfungen bestehen. Keine Leistungsnachweise vorlegen. Er wendet sich uns in Jesus voraussetzungslos und bedingungslos zu. Die Bibel nennt das Gnade (Lehrtext). Dafür, dass wir „selig werden“, dass wir in seiner Liebe bleiben für immer, hat er längst gesorgt. Aber eine Sache bleibt uns dennoch, dass wir ihm dafür dankbar sind.

Gebet: Herr, wärst du nicht barmherzig, würde ich nicht glauben. Denn dann müsste ich erfahren, dass ich deinen Ansprüchen nicht genügen kann, müsste ständig mit einem schlechten Gewissen und mit einem enormen Druck leben. Aber das wäre kein Leben und auch kein Glaube. So aber bist du ein Gott mit offenen Armen und einem großen Herzen. So aber bin ich ein Mensch, der unter deiner Gnade lebt und von deiner Vergebung, den du suchst und den du liebst. So aber ist es etwas Wunderbares, an dich glauben und dir vertrauen zu können. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 5. September 2017

Die Welt in deinem Kopf hl

LosungHERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen. Psalm 8,2 

LehrtextGott hat Christus Jesus erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind. Philipper 2,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie ist die Welt an und für sich? Wetten, dass du diese Frage nicht beantworten kannst? Niemand kann diese Frage beantworten, kein Naturwissenschaftler, kein Philosoph, kein Geschichtsprofessor und auch sonst niemand. Denn die Welt ist immer das Bild, das du dir von der Welt machst, abhängig von deinen Sinneswahrnehmungen, Erfahrungen, Gefühlen, von den Einflüssen anderer und deinen Kenntnissen. Die Welt ist immer nur deine Welt und nicht identisch mit der Welt eines anderen. 
     Die Welt entsteht in unserem Kopf. Schallwellen beispielsweise treffen auf unser Ohr und werden erst im Gehirn zu unterschiedlichen Tönen verrechnet. Nehmen wir die Musik: Ob du Volksmusik hörst, Popmusik oder eine Wagner-Oper, - es sind jeweils die gleichen Schallwellen, die auf unsere Ohren treffen. Aber wie unterschiedlich werden sie „bewertet“! Volksmusik- und Popmusikfans finden die Musik von Richard Wagner zumeist entsetzlich. Vom Komponisten Richard Strauss heißt es hingegen, er hätte ein ganzes Lebensjahr drangegeben, wenn es ihm statt Wagner gelungen wäre, die vier Noten des Tristan-Akkords F H Dis Gis zu komponieren. Aber auch die Fans von Volksmusik und Popmusik sind sich nicht grün und verstehen nicht, wie nur dem anderen seine Musik gefallen kann.
     Wie die Welt für dich ist, hat auch ganz viel mit deinem Glauben zu tun. Wer gar nicht glaubt und meint, dass alles nur Zufall sei, auch die Entstehung des Universums und damit er selbst, wer meint, dass alles wieder im Nichts versinkt, sieht sich und die Welt anders, beurteilt sie damit auch anders als zum Beispiel der Mensch, auf den das heutige Losungswort zurückgeht. Auch dieser Mensch hat mit Sicherheit nicht alles verstanden, was zu seiner Zeit passiert ist und warum er gerade dies und kein anderes Schicksal hatte. Aber er hat an seiner Glaubensüberzeugung festgehalten, dass Gott die alles bestimmende Wirklichkeit ist, die alles beherrscht und regiert. Das hat ihn getröstet und beruhigt. Und im Lehrtext ist es die Glaubensüberzeugung des Apostels Paulus, dass Christus der Herr und König der Welt ist, von Gott dazu erhöht.
Ich folge in meinem Glauben diesen beiden Bibelworten und sage: Wer glaubt, dass der dreieinige Gott alles in der Hand hat, kann nicht pessimistisch und verzweifelt sein. Vielleicht kurzfristig, wenn ihn negative Gefühle überwältigen. Aber dann muss sich infolge dieses Glaubens auch wieder das Vertrauen durchsetzen, dass ein gnädiger und barmherziger Gott alles regiert und zu einem guten Ende bringen wird, alles!
     Wie die Welt an und für sich ist, weiß ich nicht. Wie sie für dich ist, weiß ich auch nicht. Für mich aber ist sie Gottes Welt und nicht des Teufels. Ich vertraue darauf, dass diese vergängliche und widersprüchliche Welt erlöst und vollendet wird und und mit ihr auch ich. Das wird geschehen, weil sie von Gott aus Liebe geschaffen ist zu seiner himmlischen Freude. So wie du auch. Ich jedenfalls lasse mir lieber von der Bibel sagen, wie die Welt ist und wer ich bin als von irrtumsfähigen Menschen oder gar von profitorientierten Medien. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, wie die Welt entstanden ist. Darauf antwortet die Evolutionslehre. Es geht darum, wie sie gesehen und bewertet werden kann. Darauf antwortet der Glaube.

Gebet: Herr, wenn ich ratlos, unruhig oder depressiv werde, so finde ich im Glauben an dich wieder Geborgenheit. Nicht ich muss diese Welt auf meinen Schultern tragen. Nicht von mir hängt ab, was aus ihr wird. Du bist es, der alles regiert. Nur du weißt, was sein wird. Dir vertraue ich mich an mit allem was ich bin und habe. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 4. September 2017

Großzügig tut gut hl

LosungDie Israeliten, Männer und Frauen, die ihr Herz dazu trieb, brachten freiwillige Gaben zu allem Werk, das der HERR durch Mose geboten hatte. 2.Mose 35,29 

Lehrtext: Jesus sagt: Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen. Lukas 6,38 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das mit dem Geben ist so eine Sache. Ich denke, jeder möchte eigentlich großzügig sein. Wer lässt sich schon gern nachsagen, dass er geizig ist? Aber auch in diesem Fall sind wir Menschen recht unterschiedlich. Mancher ist von Natur aus unbekümmerter und kann darum auch leichter großzügig sein. Ein anderer hat eine eher ängstliche Natur und tut sich mit dem Loslassen und dem Geben schwerer. Und darum kann für den Ersten ein 50 Euro Schein etwas kleinlich erscheinen und für den Zweiten ein 20 EUR Schein eine erstaunliche Selbstüberwindung zu mehr Großzügigkeit bedeuten. 
     Um eine Spende einzuschätzen zu können, kommt es also auch darauf an, wie sehr sich der eine und der andere dazu überwinden musste. Doch am Ende machen wohl beide eine ähnliche Erfahrung, dass man eine freiwillige Spende selten bereut. Aber umso mehr bereut man, wenn man nichts oder nur wenig gegeben hat.
     Manchmal bringen mich die Bettler in den Städten in einen inneren Konflikt. Ich frage mich dann: 'Braucht der wirklich das Geld? Wer weiß, vielleicht kauft er sich dafür Zigaretten oder Alkohol? Wer weiß, wie viel er so am Tag zusammenbettelt. Könnte er nicht auch auf andere Weise etwas verdienen als sich mit dem Betteln selbst zu beschämen?' Je mehr ich mir solche Fragen stelle, desto weniger bin ich bereit etwas zu geben und desto mehr ärgere ich mich dann hinterher über mich selbst, über meine negativen Vermutungen und meinen Geiz.
     Manchmal überliste ich mich aber, indem ich mir das passende Kleingeld schon vorab in die Taschen stecke. Dann bin ich schon vorbereitet und muss nicht mehr erst lang überlegen. Ich denke mir dann: 'So oft werde ich nun auch wieder nicht angebettelt. Und so furchtbar viel Geld werde ich auf diese Weise auch nicht los. Und wenn sich der Bettler dann eine Flasche Bier kauft – was soll's, ich gönn sie ihm. Ich trink doch auch mal gern ein Bier. Und bin ich vor Gott nicht auch ein Bettler, wie Martin Luther sagt? Wenn ich bei ihm auf seine Großzügigkeit für mich hoffe, wie kann ich dann einem Menschen gegenüber engherzig und knauserig sein?
     Wie gesagt, der eine tut sich mit dem Geben leichter als der andere. Aber alles in allem glaube ich, dass einer, der gibt, auf verschiedene Weise wieder mehr zurückbekommt als er gegeben hat. Und sei es das gute Gefühl, dass er sich nicht vor sich selbst schämen muss.
     Ein Mann träumt, er stehe hungrig vor einem Marktstand und möchte sich etwas kaufen. Er sucht sich die gewünschten Nahrungsmittel aus. Dann will er zahlen und zückt seinen Geldbeutel. Doch der Verkäufer sagt: „Ihr Geld ist hier bei uns nicht gültig. Wir akzeptieren nur das, was Sie zuvor anderen geschenkt haben.“ Der Mann ist geschockt. Wie soll er jetzt etwas zu essen bekommen? Da nimmt der Verkäufer die Tüte mit den Nahrungsmitteln und drückt sie ihm in die Hand: „Hier, nehmen Sie. Ich wünsche Ihnen guten Appetit.“

Gebet: Herr, schon immer hast du mir mehr gegeben, als ich zurückgegeben habe. Und ist nicht alles, was ich geben könnte, sowieso deine Gabe? Ich habe nichts in diese Welt gebracht und werde auch nichts hinausbringen. Darum will ich mit warmen Händen geben, solange ich lebe. Danke für deine Großzügigkeit mir gegenüber. Sie soll mir helfen, selbst etwas großzügiger zu werden. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 3. September 2017

Wer willst du sein? (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr anlässlich einer Beerdigung am 2.9.17

Liebe Frau Ringler, liebe Angehörige des Verstorbenen, liebe Trauergäste,

vor dem Haus vom Thanner Schmied steht eine Bank. An ihrer Rückenlehne ist ein kleines Messingsschild angebracht. „Lore und Hans“ steht darauf. Ich weiß nicht, wie oft beide darauf gesessen sind. Und wenn, dann hat Johann Ringler zumeist seine Pfeife geraucht. Ob er dann auch auf manche Begebenheit aus seinen 82 Lebensjahren zurückgeschaut hat? Auf seine Kindheit, die er im selben Haus verbracht hat zusammen mit seinem Bruder Erwin und seiner Schwester Luise? Er wird wohl auch an seine Schulzeit hier in Thann gedacht haben und an seine Gesellenjahre in Oberbayern. Ob er auch an seinen Vater gedacht hat, den alten Schmied von Thann, der die Schmiede wiederum von seinem Vater übernommen und sie später an seinen Sohn Johann weitervererbt hat? Vielleicht hat er sich, wenn er den Hof vor sich gesehen hat, der Pferde erinnert, die er da selbst noch beschlagen hat. Er war ja nicht nur Schmiedemeister, sondern auch gelernter Hufschmied, ja sogar Installateur. 
     Vielleicht hat er auch daran gedacht, wie vieltausendmal die Einwohner aus Thann und den Dörfern ringsum zu ihm gekommen sind, Erwachsene wie Kinder, um bei ihm etwas zu kaufen oder reparieren zu lassen, einen Traktor oder ein Fahrrad, einen Wasserhahn oder eine Sämaschine, einen Tacho oder einen Rasenmäher. Vermutlich hat er auch an die Zeit gedacht, als seine drei Kinder in diesem Hof gespielt haben, Bernhard, Karin und Jochen. Und wahrscheinlich hat er sich dann auch still über seine Enkelkinder Valentin und Annabell gefreut. Er wird sich der Familienfeiern erinnert haben, als man 1948 in der Stube seine Konfirmation feierte, als sich elf Jahre später vom Hof aus der Hochzeitszug zur Kirche in Gang setzte oder als er da viele Jahre später als Rauenzeller Schützenkönig gefeiert wurde. Und noch frisch in Erinnerung wird ihm sein 80. Geburtstag gewesen sein, als sein geliebter Posaunenchor für ihn gespielt hat. Das alles und vieles mehr mag ihm durch den Sinn gegangen sein, wenn er mit seiner Lore oder allein auf der Bank vor seinem Haus saß und an seiner Pfeife zog.
     Die Schmiede gibt es schon lange nicht mehr. Aber er ist bis zuletzt der Thanner Schmied geblieben. Und wenn etwas gerichtet werden musste in Haus oder Hof, dann konnte man nach wie vor zu ihm kommen, dann hieß es: „Johann, könntest du nicht mal dies oder das reparieren, ich krieg das nicht hin.“
Auch für unsere Kirchengemeinde war er immer wieder unentgeltlich tätig, wenn auf dem Friedhof oder in der Kirche oder im Gemeindehaus sein Geschick gebraucht wurde. Und geschickt war er, einer, der sein Handwerk verstand und der bis zum Ausbruch seiner Krankheit Freude daran hatte, sich in seiner alten Schmiede zu beschäftigen und zum Beispiel den Kramer-Traktor wieder tipp topp herzurichten. Ich sehe noch den Stolz in seinem Gesicht, als er mir das historische Schmuckstück zeigte.
Aber Johann Ringler hatte noch andere Qualitäten. Er war musikalisch, hat zu Hause auf seiner Heimorgel Choräle gespielt und 50 Jahre treu und zuverlässig im Posaunenchor mitgewirkt ob in den Gottesdiensten oder bei anderen Gelegenheiten und natürlich bei den Beerdigungen. Heute nun spielen seine Bläserkameraden ihm den letzten Gruß. Für sie hat er auch die Fische aus seinen Teichen geliefert für das jährliche Karpfenessen des Chores.
Johann Ringler war Ortssprecher von Thann, Wasserwart in Rauenzell, Kirchenvorsteher, Mitglied der Feuerwehr, im Taubenverein, im Schützenverein und hat regelmäßig seinen Stammtisch besucht. Er war gesellig und hilfsbereit, in der Öffentlichkeit präsent und weit über Thann hinaus bekannt. Der Johann, der Thanner Schmied, war in seinem Dorf eine Persönlichkeit, eine prägende Gestalt.

     Wenn mich jemand fragt, was denn das ist „Gottes Segen“, dann kann ich sagen: Schau dir das Leben von Johann Ringler an, die 82 Jahre, die 58 Jahre mit seiner Frau, seine drei Kinder, seine zwei Enkelkinder, sein Ansehen in unseren Dörfern, seine Begabungen und all das, was er geschafft hat und was ihm gelungen ist. Das alles zusammen ist Gottes Segen.
Aber etwas fehlt noch, und das ist sein Glaube. Johann Ringler ist Zeit seines Lebens Gott treu geblieben, weil er erlebt hat, dass Gott ihm treu war. Er hatte in der Kirche seinen Stammplatz oben auf der Empore direkt vor der Orgel. Für mich gehörte er sozusagen zum Inventar. Jedesmal, wenn ich auf der Kanzelstand, saß er mir gegenüber. Es gibt wohl keinen anderen Kirchenbesucher als ihn, den ich beim Predigen sooft angeschaut habe. Und jetzt fehlt er auch da.
     Weit über tausendmal war er in seiner Peterskirche. Hier wurde er getauft, konfirmiert, getraut. Hier hat er die Taufen seiner Kinder gefeiert und deren Konfirmationen. Hier hat er zahllose Male Weihnachten, Ostern und Erntedank gefeiert. Hier hat er in den Trauergottesdiensten von vielen Abschied genommen, die vor ihm gegangen sind, von Eltern, Nachbarn und Freunden. Und heute nehmen wir hier von ihm Abschied.

     Wir tun das mit dem Bibelwort, das er 1948 zu seiner Konfirmation bekommen hat. Es steht im Evangelium des Johannes Kapitel 14 Vers 6 und heißt: »Jesus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“« Und er fügt hinzu: »Wenn ihr mich kennt, so kennt ihr auch meinen (und euren) Vater.«
Das, liebe Freunde, ist unser Glaube. Genau das. Denn wir glauben nicht an irgendeine dunkle Schicksalsmacht, die man Gott nennt. Nicht an eine höhere Idee, nicht an ein unbegreifliches geistiges Wesen, nicht an den Zufall, nicht an eine anonyme Kraft oder irgendetwas Geheimnisvolles, von dem wir nicht genau wissen, was es ist. 
     Als Christen glauben wir an den Gott, der sich uns in Jesus gezeigt hat, der uns in ihm nahegekommen ist, an den gnädigen und barmherzigen Gott, den Schöpfer aller Dinge und den Vater der Menschen. Er ist die Macht und die Kraft, die alles bewegt. Er ist es, der dich ins Leben gerufen hat, der dich durch gute und schlechte Zeiten bringt, der dein Leben bis heute erhält. Er sorgt dafür, dass dein Herz schlägt ob du wach bist oder schläfst. Er hält seine schützende und segnende Hand über dir bis zu diesem Augenblick in der Kirchenbank. Und noch etwas, das Wichtigste: Dieser einzige und einzigartige Gott, der das ganze unermessliche Universum regiert, er liebt dich, weil du sein Kind bist und bleibst. Und er tut das nicht, weil du so gut wärest, so brav, so tüchtig, so fromm. Er tut das nicht, weil du so liebenswürdig wärst, sondern weil du seine Liebe brauchst. Diesen Gott und nur diesen hat uns Jesus so gezeigt wie er zu den Menschen war: barmherzig und gütig, freundlich und voll Geduld.

Und nun liegt es an dir, wer du sein willst.
- Ob du ein Mensch sein willst, der halt so dahin lebt, weil er meint, dass sowieso alles nur Zufall sei. Der sich nach dem richtet, was andere von ihm halten und danach, wie sie leben.
- Oder ob du ein Mensch sein willst, der morgens die Augen aufschlägt und sagt: „Ich bin geliebt. Ich bin von Gott geliebt. Er schenkt mir diesen Tag und alles was ich bin und habe. Er vergibt mir mein Versagen und nimmt alles weg, was mich von ihm trennt. Er ist bei mir, auch wenn ich allein bin. Er geht mit mir in diesen Tag und alle Tage meines Lebens bis er mich wieder zu sich ruft dorthin, wo es mit mir begonnen hat und wo er mich vollenden wird.
     Es liegt an dir, wie du dich selbst sehen willst, was du von dir selbst hältst, wie du dich achtest und wie du anderen begegnest.
- Willst du der sein, der sich halt so durchschlägt durchs Leben, der auf Gedeih und Verderb anderen Menschen ausgeliefert ist, ihren Meinungen und Urteilen und so lange funktioniert, bis alles aus ist für immer.
- Oder willst du der sein, der ein Sohn, eine Tochter des Höchsten ist, der seine Menschenwürde von Gott hat, einer, der gesegnet ist, behütet und geliebt? Es liegt an dir, welcher von beiden du sein willst. Du hast die Wahl. Johann Ringler hatte seine Wahl getroffen. Er hat sein Leben im Licht der guten Nachricht von Gott gelebt. Aus dem Glauben hat er Freude und Energie geschöpft. Sein Glaube gab ihm die Kraft, die Herausforderungen dieses Lebens zu bestehen.

Ein Dorf, eine Gemeinschaft von Menschen braucht solche wie ihn, auf die man schauen, an denen man sich orientieren, die man sich zum Beispiel nehmen kann. Und damit meine ich nicht seine Leistungen, seine Erfolge und seinen Lebenswandel. Auch Menschen, die nicht glauben, auch Atheisten können Großes vollbringen und ein achtenswertes Leben führen. Und umgekehrt gilt, dass auch Johann Ringler keineswegs vollkommen war. Auch er hatte seine Schwächen und ist manchen etwas schuldig geblieben. Auch er hatte und hat es nötig, dass man ihm verzeiht so wie auch ich es nötig habe, dass mir verziehen wird. Nein, nicht der Mensch Johann Ringler ist ein Vorbild, sondern der Christ, der in zahllosen Gottesdiensten zahllose Male mit anderen zusammen gebetet hat: „Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben!“ Denn jeder, der bewusst Christ sein will, steht dafür, dass er von Gottes Vergebung lebt und dass er sich darum bemüht, auch anderen zu vergeben.

Vor dem Haus vom Thanner Schmied steht eine Bank. An ihrer Rückenlehne ist ein kleines Messingsschild angebracht. „Lore und Hans“ steht darauf. Der Hans wird künftig nicht mehr auf dieser Bank Platz nehmen und Pfeife rauchen. Aber es wird andere geben, die sich hin und wieder zur Lore auf die Bank setzen und ihr damit zeigen: Wir lassen dich nicht allein.

Amen

Samstag, 2. September 2017

Der entscheidende Doppelpunkt hl

LosungEure Sünden halten das Gute von euch fern. Jeremia 5,25 

LehrtextDer Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Lukas 18,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

niemand von uns allen hat das Recht, Gott unter die Augen zu treten. Wir können nichts vorweisen, was uns erlauben würde, zu ihm Zutritt zu bekommen. Ihm, dem Heiligen, sollten wir nicht zu nahe kommen. Sonst geht es uns wie Ikarus. Er kam mit seinen künstlichen Flügeln, trotz der Warnungen seines Vaters Daedalus, der Sonne zu nahe. Da schmolz das Wachs, mit dem die Federn an den Flügeln befestigt waren, und Ikarus stürzte in den Tod.
     Der Prophet Jeremia weiß schon, was uns von Gott fernhält. Nicht er hält uns auf Distanz, sondern unsere Sünden trennen uns von ihm (Losung). Und auch der Zöllner in Jesu Gleichnis weiß das. Darum steht er "ferne" und drängt sich nicht vor (Lehrtext). In den Augen der frommen Juden galt sein Beruf als unehrenhaft, als mit dem wahren Glauben nicht vereinbar. 
     Damit wäre schon alles gesagt, wenn man das Evangelium, die gute Botschaft außer acht ließe. So aber kann man hinter den beiden heutigen Bibelworten einen Doppelpunkt setzen und sagen:
     GebetJa, Herr, unsere Sünden halten uns fern von dir. Aber sie halten dich nicht fern von uns. Du kommst in Jesus zu uns, gerade weil wir Sünder waren und sind, weil wir nicht deiner Strafe, sondern deiner Liebe bedürfen. So heilst du uns. Amen
     Nein, wir sollten uns nicht selbstgerecht an Gott anwanzen und uns dabei etwas einbilden auf unsere Frömmigkeit. Aber wir sollten ihm auch nicht selbstgerecht den Rücken kehren nach dem Motto: Ich brauche Gott nicht. Ich komm doch ganz gut allein zurecht.
     Stattdessen will ich immer wieder staunen über Gottes Gnade, dass er sich bedingungslos und voraussetzungslos mir zuwendet und mich einlädt, mit ihm zu leben.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 1. September 2017

Gotteskind mit Lebensmut hl

LosungHerr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Psalm 90,1.2 

LehrtextWir haben doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm. 1.Korinther 8,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann hast du das letzte Mal das Losungswort gehört oder gelesen? Möglicherweise bei einer Trauerfeier. Denn der Psalm 90, aus dem es stammt, gehört zu den Bibelworten, die bei Trauerfeiern gelesen werden. Warum? Weil dieses Wort einen großen Horizont aufmacht. Angesichts des Todes haben wir die Chance, den Kopf zu heben und über die Alltäglichkeiten hinauszuschauen. Wir können sozusagen über den Rand der Zeit blicken auf die Ewigkeit und uns bewusst machen, in welch großem Zusammenhang unser kleines Leben eingebettet ist. 
     Wir können uns bewusst machen, dass es der allmächtige und ewige Gott ist, zu dem wir Zuflucht nehmen können zu jeder Zeit; der Gott, von dem wir in der Bibel lesen, von dem wir reden und hören, an den wir glauben. Er war vor uns. Und er wird nach uns sein. Alles vergeht. Er bleibt.
     Doch der Schöpfer von Erde und Welt, von Gebirgen und Meeren ist zugleich dein und mein Schöpfer. Die Bibel sagt, dass wir ihm wichtig sind, sein Herzensanliegen. Er zeigt uns das damit, dass er in seinem Sohn Jesus Mensch geworden ist, um nicht unnahbar zu sein, sondern uns nahe zu kommen.
     Jemand, der nicht glaubt, hält es für ausgeschlossen, dass ein Gott, wenn es ihn denn überhaupt gibt, für einen kleinen Menschen Interesse haben könnte. Aber das ist ja gerade das Wunderbare, dass er es tut. Denn Gott ist ja nicht nur Gott. Er ist, wie der Lehrtext sagt, unser Vater. Auf ihn hin sind wir von ihm geschaffen. Und ich Mensch bin ja nicht nur Mensch, sondern zugleich Kind des Vaters im Himmel. Und nicht nur ich. Ich glaube, jeder Mensch ist als Gotteskind geschaffen. Jeder! 
     Es ändert mein Selbstverständnis, wenn ich höre und glaube, dass ich ein Gotteskind bin. Und es ändert mein Verhältnis und Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen, wenn ich höre und glaube, dass auch sie Gotteskinder sind. 

Gebet: Herr, du bist mein Vater und ich bin dein Kind. Du breites deine Arme aus, dass ich jederzeit zu dir kommen kann, wenn ich dich brauche. Du hast mich in diese Welt gesetzt. Du erhältst mich am Leben. Und einmal wirst du mich wieder heimtragen zu dir. So bist du für mich und um mich Tag und Nacht, mein ganzes Leben. Das macht mir Lebensmut. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 31. August 2017

Gott kann man nicht beleidigen hl

LosungAlle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers. Jeremia 17,13

LehrtextKommt, es ist alles schon bereit! Lukas 14,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

sollen diejenigen, die sich von Gott abwenden, bestraft werden? Was meinst du?
     Ich meine, was der Prophet Jeremia im heutigen Losungswort sagt, erinnert fatal an das, was der Koran von Menschen sagt, die sich vom islamischen Glauben abgewandt haben. Die Sure 3,86–91 bezeichnet als „Lohn“ der Abtrünnigen, dass der Fluch Gottes, der Menschen und der Engel auf ihnen liegt (9,68) und dass es keine Hilfe für die Verfluchten gibt. Sie sind Ungläubige und dazu verdammt, in der Hölle zu brennen. Dennoch nennt der Koran außer der Strafe im Jenseits kein konkretes Strafmaß für das Diesseits und auch kein Strafverfahren.
     Auch das Prophetenwort aus dem Alten Testament bleibt vage. „Zuschanden werden“ bedeutet hier wohl so viel, dass es den Menschen, die Gott verlassen, auf jeden Fall schlecht geht. Doch diese Ansicht wird bereits im Alten Testament angezweifelt, wenn es zum Beispiel im Buch des Predigers Salomo heißt: »Es geschieht so vieles auf der Welt, das keinen Sinn ergibt: Da geht es rechtschaffenen Menschen so schlecht, wie es den Gottlosen gehen sollte. Und da haben Gottlose ein so schönes Leben, als hätten sie Gottes Gebote befolgt. Das kommt mir alles so sinnlos vor!« (Prediger 8,14)
     Für mich folgt daraus, dass man im Zusammenhang mit dem Glauben ganz und gar darauf verzichten sollte, anderen Menschen zu drohen. Was soll das auch nützen? Welchen Gefallen soll Gott an Menschen haben, die aus purer Angst an ihn glauben?
     Der Lehrtext klingt zunächst recht freundlich, da in dem Gleichnis von Jesus der Gastgeber seine Gäste zum Abendessen bittet und sagt „Kommt, es ist schon alles bereit!“ Aber da sie sich entschuldigen und nicht erscheinen, lädt er stattdessen die Bettler und Obdachlosen ein. Über die Ferngebliebenen aber sagt er im Zorn: „Von denen, die ich zuerst eingeladen habe, wird keiner auch nur einen einzigen Bissen bekommen.“ Das ist menschlich verständlich, aber nicht göttlich in dem Sinn, wie ich Jesus sonst kenne.
     Ich meine aus der Bibel verstanden zu haben, dass wer sich von Gott und Jesus abwendet und der Einladung zum Glauben nicht folgt, nicht bestraft wird, sondern sich selbst bestraft. Denn er muss ohne Gottvertrauen leben und ohne das Versprechen, von Gott geliebt zu sein. Vielen scheint das heutzutage nichts auszumachen. Mir schon. Ich bin froh im Glauben mit Gott leben zu können und möchte darauf nicht mehr verzichten.

Gebet: Herr, viele, die sich von dir abwenden und denen der Glaube egal ist, haben womöglich nie die Chance bekommen, dich so kennenzulernen, wie du dich in Jesus gezeigt hast. Viele kommen mit der Institution Kirche nicht zurecht und lehnen darum auch dich ab. Viele meinen, dass es dich nicht gäbe, weil sie dich nicht mit ihrem Verstand fassen können. Ich glaube nicht, dass du über sie zornig bist, sondern dass sie dir leid tun. Aber du wirst auch sie nicht verlieren, weil doch auch sie deine Geschöpfe und Kinder sind. Denn du bist ein barmherziger Gott. Du bist nicht beleidigt, sondern gütig. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 30. August 2017

Alles geht, er kommt. hl

LosungEr ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich. Daniel 6,27 

LehrtextVater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Lukas 11,2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Nichts bleibt wie es ist“ – diese Binsenweisheit ist für den einen traurig und für den anderen tröstlich. 
     Jeder hat Dinge, von denen er möchte, dass sie bleiben und am meisten wünschen wir uns das von uns selbst und den Menschen, die uns wichtig sind. Doch für die meisten, die diese Losungsauslegung lesen, sind Kindheit und Jugendzeit schon Geschichte. Man weiß gar nicht wie, aber auf einmal waren sie vorbei. So ist es auch mit unseren sogenannten guten Jahren, wenn wir auf der Höhe des Lebens sind. Wenn ich morgens in den Rasiererspiegel schaue, ist es unübersehbar, wie der Zahn der Zeit an mir nagt. 
     Aber da sind auch Dinge, von denen man sich wünscht, dass sie möglichst schnell wieder vorübergehen: Ein Zahnarztbesuch zum Beispiel (mein Zahnarzt, von dem ich weiß, dass er das liest, möge mir verzeihen), eine Prüfung, ein Stau oder eben auch eine Krankheit oder die Zeit der Wehen bis zur Geburt. Bei diesen eher schwierigen, aber doch zumeist unumgänglichen Ereignissen ist es doch tröstlich zu wissen, dass auch sie ein Ende haben.
     In all diesem Werden und Vergehen, in diesem Auf und Ab finde ich an Gott meinen Halt. Er ist heute noch derselbe, der er zu biblischen Zeiten war. Derselbe, der auch für die Menschen der Steinzeit da war, auch wenn sie ihn noch nicht gekannt haben, aber er sie. Derselbe, der vor 13,7 Milliarden Jahren unser Universum hat entstehen lassen. Derselbe, der auch schon davor war und der auch dann noch sein wird, wenn es einmal kein Universum mehr geben wird. Denn auch die Sterne sind vergänglich. 
     Er ist es, der das Heft in der Hand hat und mit seiner gesamten Schöpfung einen Plan verfolgt, auch mit dir und mit mir. Und dabei ist es unerheblich, ob wir das wissen oder verstehen, ob wir das akzeptieren oder ablehnen, ob wir das glauben oder bezweifeln. Gott geht seinen Weg, und nichts und niemand hält ihn auf. Auf diesem Weg nimmt er uns mit durch gute und durch schlechte Zeiten bis wir am Ziel sind, das er festgesetzt hat. Dieser Gott ist kein unerbittliches Schicksal, sondern ein liebender Vater (Lehrtext), dem ich mich anvertrauen kann - und du auch.

Gebet: Herr, wie alles, so komme auch ich von dir und gehe wieder zu dir. Stärke mich in dem Glauben, dass ich zu jeder Zeit und für immer bei dir geborgen bin. Du weißt, warum ich lebe und du weißt, was mit mir einmal werden wird. Dir vertraue ich, dass du es mit mir und allen anderen, ja mit deiner ganzen Schöpfung gut machen wirst. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 29. August 2017

Kein Revanchefoul! hl

LosungSprich nicht: »Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.« Sprüche 24,29 

LehrtextWenn dein Bruder siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. Lukas 17,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Das zahle ich ihm / ihr heim!“ So ähnlich hat wohl schon jeder mal gedacht, wenn er von jemandem schlecht behandelt worden ist. Meistens bleibt es beim Gedanken und wird der Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Im Fußball hat so ein Revanchefoul meistens zur Folge, dass man dann selbst mit einer gelben oder gar roten Karte bestraft wird. Nein, Revanchefouls sind nicht gut, weil man sich damit nur selbst schadet. Und darum gibt es diese Mahnung sowohl im Alten wie im Neuen Testament, dass man nicht Böses mit Bösem vergelten soll, sondern vergeben. Denn wer auf Rache sinnt, sinkt auf das gleiche Niveau wie der, der mit seiner Gemeinheit begonnen hat. Wer Böses mit Bösem vergelten will, muss eben dann selbst Böses tun, muss selbst zum Bösen werden. Will ich das? Willst du das?
Nein, denn der Preis für Rache ist zu hoch. Sie kostet mich meine Selbstachtung und auch die Achtung meiner Mitmenschen. Wer aber die Größe hat, über der Gemeinheit zu stehen, die ihm angetan worden ist, steigt in der Achtung anderer. Das ist nicht immer leicht vor allem dann nicht, wenn ein und derselbe Mensch mehrfach „an dir sündigen würde“ (Lehrtext). Aber als Christ hast du keine andere Wahl als zu vergeben und wenn es siebenmal hintereinander ist oder gar 7 × 70 mal (Matthäus 18,21+22)

Gebet: Herr, wenn mich die Wut packt, weil mich ein anderer schlecht behandelt hat, dann sei du mein Beispiel, wie ich mich verhalten soll. Du hast nicht zurückgeschlagen, sondern sterbend am Kreuz noch deinen Feinden vergeben. Bei mir sind es viel geringere Dinge, für die ich mich manchmal rächen möchte. Doch wenn ich dann dich vor Augen habe, schäme ich mich dafür. So hilfst du mir, dass ich mich nicht selbst unglücklich mache, sondern die Kraft aufbringe trotz allem zu vergeben. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 28. August 2017

Der ganz andere König hl

LosungDer HERR wird König sein über alle Lande. An jenem Tag wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige. Sacharja 14,9 

LehrtextJesus Christus, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich. Philipper 2,6-7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich kann die Sehnsucht der seit Jahrtausenden vielfach geschundenen Juden verstehen, dass endlich der Tag des Herrn kommen möge, an dem er sich als der einzige Gott und König über alle Welt offenbart und alle Völker ihm dienen werden (Losung). Aber nach dem Zeugnis des Neuen Testaments ist es anders gekommen, als sie sich das erträumt haben. Ja, der König ist gekommen, Jesus, als der gewaltlose und demütige König.
Merkwürdigerweise ist im selben Buch des Propheten Sacharia im Kapitel 9 auf ganz andere Weise vom kommenden König die Rede. Da heißt es: »Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen abtun von Ephraim und die Rosse von Jerusalem, und der Streitbogen soll zerbrochen werden; denn er wird Frieden lehren unter den Heiden; und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis ans andere und vom Strom bis an der Welt Ende.…« Christen haben diese Prophezeiung von Anfang an auf Jesus bezogen und haben seinen Einzug in Jerusalem im Licht dieser Prophetenworte gedeutet.
Nein, Gott setzt sich in dieser Welt nicht mit Feuer und Schwert durch, nicht mit Panzern und Raketen, nicht mit Schlachtschiffen und Kampfhubschraubern. Seine Herrschaft beginnt jetzt schon in jedem Menschen, der ihm vertraut, dem König mit den durchbohrten Händen und Füßen und einer Krone aus Dornen auf dem Kopf. Im Lehrtext heißt es dazu in einer neueren Übersetzung: »Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt Jesus Christus nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir.« 
Wer also Gott sucht, darf nicht nach oben schauen,  sondern muss nach unten schauen auf die Elenden und Geringen. In ihnen begegnet uns Jesus begegnet (siehe Matthäus 25).
Vielleicht kränkt das unseren menschlichen Stolz. Vielleicht enttäuscht uns diese Rede von Gott. Vielleicht hätten auch wir gern wie alle anderen Religionen einen strahlenden, glorreichen, über alles erhabenen und unantastbaren Gott. Aber er kam uns nun mal in menschlicher Gestalt entgegen, ist als Mensch im Stall geboren und als Mensch am Kreuz gestorben. So, und nur so kommt Gott uns in Jesus nahe, wird begreifbar und erkennbar.
Und nun muss jeder für sich entscheiden, ob er diesen Friedenskönig für sich akzeptiert und ihm angehören will oder ob er etwas anderes sucht, was in dieser Welt mehr hermacht.

Gebet: Herr, wir brauchen dich in dieser von Gewalt zerrissenen Welt als den sanftmütigen Friedenskönig, der versöhnt und vergibt, der lieber selbst leidet als anderen Leid zufügt, der lieber selbst für uns stirbt als seine Feinde zu vernichten. Setze du dich mit deinem Geist des Friedens durch, damit wir nicht im Ungeist der Gewalt untergehen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr