Montag, 4. Mai 2020

Aus Gottes Sicht hl

Losung: Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
Psalm 107,3.8

Lehrtext: Der Knecht im Gleichnis sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wärst du ein gläubiger Jude im heutigen Israel, du könntest der Losung aus ganzem Herzen zustimmen. Und du würdest in deiner Synagoge Gott nicht genug dafür danken, dass er nach so langer Zeit der Zerstreuung, Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung deine Schwestern und Brüder im Glauben aus allen Himmelsrichtungen zusammengebracht. Dass er ihnen seit 1948 im Staat Israel eine neue Heimat gegeben hat.
     Aber welche Bedeutung hat dann dieses Bibelwort für uns Christen? Wenn es da heißt, dass Gott seine Wunder an den Menschenkindern tut, sind wir doch mitgemeint. Doch, so glaube ich, nicht nur wir Christen, sondern eben alle Menschenkinder, die er geschaffen hat und deren Vater er ist. Wir alle sind aus Gottes Sicht jetzt schon eine einzige, große Familie unabhängig von äußeren Unterschieden wie Hautfarbe, Kultur, Geschlecht, Religion, Herkunft, Alter, Gesundheit und so weiter.
     Deshalb muss es unser aller Ziel sein, auch als Familie zusammen zu halten und gemeinsam die Herausforderungen zu meistern, wie es ansatzweise jetzt schon in der Coronakrise geschieht. Und dazu gehört bei aller Verschiedenheit und allem Streit, dass wir das Gemeinsame suchen und das Trennende zurückstellen. Einmal werden wir sowieso alle in seinem Reich vereint sein. Warum also nicht heute schon damit beginnen, die Gemeinschaft zu pflegen und die Nationalismen und Egoismen zu überwinden. Und so meine ich, wir sollten alle mehr aus Gottes Sicht leben. Sollten versuchen, uns mit seinen Augen zu sehen als einzelne wie als Gemeinschaft.
     Er hat in seinem Weltenhaus Platz genug für alle (Lehrtext) und erst recht bei sich. Warum also nicht mit unserem Glauben dafür werben? Nicht „nötigen“, wie es missverständlich im Lehrtext heißt, sondern einladen - und akzeptieren, dass trotzdem viele nicht unserer Einladung folgen mögen. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir unseren Glauben nicht attraktiv genug leben. Dass wir Christen nicht erlöster ausschauen, als dass sie an unseren Erlöser glauben könnten wie Friedrich Nietzsche sagt. 
     Attraktiv glauben – das hieße, das zu leben, wozu ich allen Grund habe: Dankbar sein und zufrieden, freundlich und zuvorkommend, zuversichtlich und froh, verständnisvoll und gütig, mit einem klaren Geist, einem wachen Verstand und einem Herzen voll Liebe. Allein kriege ich das nicht hin. Aber wenn du mitmachst, können wir uns gegenseitig dazu ermutigen.
    
Gebet:  Herr, sooft ich versuche, mit deinem Blick diese Welt und mein Leben zu sehen, ändert sich vieles. Dann sehe ich alles von dem guten Ende her, das du bestimmt hast. Dann erkenne ich in den anderen Menschen meine Schwestern und Brüder und blicke ich wieder zuversichtlich in die Zukunft. Dann kann ich darauf vertrauen, dass du da bist und nach deinem Willen regierst. Amen

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche!

Ihr / dein Hans Löhr

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