Mittwoch, 19. November 2014

Wo bist Du daheim? hl

Predigt am Buß- und Bettag 2014 von Hans Löhr

Liebe Gemeinde,

im Bayerischen Fernsehen kommt ab und zu ein Werbespot, in dem jemand aus Bayern von sich und seiner Arbeit erzählt und am Schluss sagt er den Satz: »I bin der Hans und do bin i daham.«  Zumindest klingt es so in Franken. Und wo bist Du daheim?
Wenn Du ein bisschen über diese Frage nachdenkst, dann merkst Du, dass es einen Unterschied gibt ob Du gefragt wirst: „Wo bist Du daheim?“ Oder „Wo wohnst Du?“. Wo Du wohnst, das ist schnell gesagt: Postleitzahl, Ortschaft, Straße, Hausnummer. Wer das weiß, findet Dich. Aber wo bist Du daheim? Da geht es um mehr als die Adresse. Da geht es um Deine Heimat. Und dazu gehört nicht nur Dein Haus oder Deine Wohnung, dazu gehört auch die Landschaft, die Gegend, die Sprache, der Dialekt, die Menschen, die Natur und vielleicht auch die Kirche und der Friedhof und noch ein paar Dinge, die Dir ein Heimatgefühl vermitteln.
Aber wo ist Deine Seele in diesem Erdenleben, also jetzt, daheim? Wo findet sie ihren Frieden? Wo fühlst Du Dich geborgen?
Diese Frage wird umso wichtiger, je weniger Menschen noch in ihrer Heimat wohnen. Viele leben längst nicht mehr da, wo sie ihre Kindheit und Jugendzeit verbracht haben, wo das Heimatgefühl gewachsen ist. Viele haben, als sie geheiratet haben, ihr Dorf verlassen und sind zu ihrem Partner gezogen. Immer mehr ziehen dorthin, wo es Ausbildung- und Arbeitsplätze gibt und manchmal müssen sie dann im Leben mehrmals umziehen. Andere sind als Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion aufgewachsen und in den letzten Jahrzehnten hierher übergesiedelt. Wieder andere sind auf der Flucht und haben hier bei uns für ungewisse Zeit Asyl gefunden. Was sagen alle diese Menschen, wenn man sie fragen würde: Wo bist Du daheim?
In dem Lied „Ich bin ein Gast auf Erden“ ist noch von einer anderen Heimat die Rede. Da heißt es unter anderem:
Mein Heimat ist dort droben, da aller Engel Schar
den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar
in seinen Händen träget und für und für erhält,
auch alles hebt und leget, wie es ihm wohlgefällt.
So haben es die Alten geglaubt und gesungen. So können es auch wir singen und glauben. In diesem Vers geht es um die Heimat der Seele nach diesem Erdenleben.
Aber wo bin ich hier und jetzt daheim gerade dann, wenn ich nicht mehr in meiner ehemaligen Heimat lebe? Sind das dann nur noch die eigenen vier Wände? Ich denke, dass vor allem unsere Seele eine Heimat braucht, die unabhängig ist von dem Ort, an dem ich gerade bin. Meine Seele will nicht nur irgendwann „dort droben“ daheim sein, wie es in dem Lied heißt. Sie braucht jetzt schon eine Heimat, einen Ort, wo sie sich geborgen fühlt und Frieden findet.
Und darum, liebe Freunde, geht es heute am Buß- und Bettag. Denn das Wort Buße bedeutet, wenn man es in seiner eigentlichen Bedeutung nimmt, so viel wie Umkehr, Umkehr auf dem Weg in die Heimatlosigkeit und Fremde, in die Kälte und Wüste, wo Deine Seele hungert und friert, wo Du schutzlos und friedlos bist. Buße meint: Umkehr aus einem Leben, in dem Du vielleicht ein wunderschönes Haus bewohnst, das Du mit viel Arbeit, Mühe und Geld gebaut hast, in dem Du aber nicht wirklich daheim bist. Umkehr zu Gott, von dem es in der Bibel (Apostelgeschichte) heißt: »In ihm leben, weben und sind wir.«
Bei ihm ist die Heimat der Seele inmitten aller Heimatlosigkeit des modernen Menschen. Dahin ruft uns Jesus, wenn er sagt: »Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!« Damit sagt er nichts anderes als: ‚Kehrt dort hin um, wo Gott ist. Er ist Euer Haus, er ist Eure Heimat. Bei ihm findet ihr Geborgenheit und Ruhe in Eurem oft so ruhelosen und hektischen Leben.‘
Wo bist Du daheim? Ich meine, auf diese Frage gibt es zwei Antworten. Wenn es um Deine äußere Heimat geht, wirst Du von dem Ort erzählen, an dem Dein Herz hängt, an dem Du Dich wohl fühlst,. Und wenn es um Deine innere Heimat geht? Wirst Du dann von Gott erzählen? Ist er es, an dem ebenfalls Dein Herz hängt, bei dem Du Dich wohl fühlst und daheim bist?
Jesus ruft Dich und mich immer wieder zurück in das Haus unseres himmlischen Vaters. Und das steht nicht irgendwo dort droben, sondern es ist das Haus des Glaubens, in dem wir hier und jetzt wohnen können, das wir mit uns nehmen können wie eine Schnecke ihr Haus mitnimmt, wenn sie aus ihrem bisherigen Lebensraum wegzieht.
Viele Menschen, die nach dem letzten großen Krieg vertrieben worden sind, waren äußerlich zwar heimatlos, aber sie haben ihre geistliche Heimat mitgebracht. Daraus hat sie niemand vertreiben können. Darin haben sie auch die Kraft gefunden, den Mut und die Zuversicht, in einem anderen Land oder Gebiet wieder neu anzufangen. Und wenn Du ins Krankenhaus musst oder vielleicht einmal in ein Heim, dann kannst Du auch dorthin Deine geistliche Heimat mitnehmen und im Haus des Glaubens wohnen. Dann findest Du auch da Geborgenheit.
»Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!« Das Himmelreich, von dem Jesus spricht, ist ja nicht ein Reich über den Wolken, Es ist da, wo Gott ist, hier und jetzt. Das Himmelreich ist der Ort, wo sein Wille geschieht. Wo Du im Vertrauen auf ihn lebst. Da ist die Seele daheim, da wo Gott ist. Er ist uns in Jesus nahe gekommen, mitten hinein in unsere Welt. Das feiern wir auch heuer wieder an Weihnachten. Er hat das Seine getan. Und nun liegt es an Dir, das Deine zu tun. Wirst Du ihn im Glauben willkommen heißen und bei Dir wohnen lassen, damit auch Du in ihm daheim bist? Zu diesem Gott sollen wir umkehren. 
Nein, Buße ist nicht etwas Negatives, kein Zwang, kein Druck, kein moralischer Zeigefinger. Buße ist wohl verstanden die Einladung zu Gott. Er ruft uns immer wieder zurück zu sich, damit wir uns in unserem Leben nicht verirren. Damit sich unsere Seele in dieser Welt sich nicht verliert.
Wo bist Du daheim? Es ist schön, wenn Du hier auf der Erde ein Fleckchen hast, das für Dich Heimat bedeutet und wo Du Dich daheim fühlst. Und es ist gut, wenn Du gleichzeitig eine innere Heimat hast für Deine Seele, wo Du ruhig und geborgen sein kannst, wo Du sagen kannst: „I bin der Thomas oder die Lisa und do bin i daham.“  Amen

Einladung zum Umdenken ebl

Losung: Der HERR sagt: "Alles mache ich jetzt neu: Einen neuen Himmel schaffe ich und eine neue Erde. Dann sehnt sich niemand nach dem zurück, was früher einmal gewesen ist; kein Mensch wird mehr daran denken." (Jes. 65, 17, Volxbibel)


Lehrtext: Jesus sagt: "Schlagt eine ganz neue Richtung für euer Leben ein! Dreht euch zu Gott um! Es beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschen: Gott hat jetzt das Sagen!" (Matth. 4, 17, Gute Nachricht für dich)

Liebe Leserin, lieber Leser,

umdenken, nachdenken. Nichts anderes heißt 'büßen' im Sinn der Bibel. Es hat nichts zu tun mit 'Na warte, das wirst du mir büßen!' im Sinn einer Bestrafung für eine vorangegangene Aktion. Schade, dass wir diese ursprüngliche Bedeutung nicht mehr alle kennen. Wenn's so wäre, hätte der 'Buß- und Bettag' eine größere Zustimmung, da bin ich mir ganz sicher. In Ruhe über sich und die Welt, in der wir leben, nachzudenken - das kann großen Wert haben.
Losung und Lehrtext von heute reden von einem solchen Umdenken. Jesaja sieht den Anfang einer neuen Weltordnung durch Gott und auch Jesus hat ihn klar vor Augen. Er erkennt schon jetzt die Spuren von Gottes Heilsgeschichte mit unserer Welt. Mir fällt das mal leichter und mal schwerer. Leicht fällt es mir dann, wenn mir Leute davon erzählen, wie sie in den letzten Jahren die Bedeutung des Glaubens an Jesus Christus für ihr Leben ganz neu entdeckt haben und sagen können: "Da hat etwas ganz Neues für mich angefangen. Und das ist großartig. Ich bin Gott dafür von Herzen dankbar." Von dieser fröhlichen Dankbarkeit lasse ich mich gerne anstecken und deute solche Erfahrungen als Widerschein von Gottes großem 'neuen Wurf', der uns alle einschließt.

Gebet: Herr, du bittest uns, umzudenken. Wir könnten lernen, die Welt mit deinen Augen zu sehen. Wir könnten einen Blick für die Spuren bekommen, die du in den Leben von Menschen hinterlässt. Wir könnten lernen, auf dich zu hören. Dafür braucht es Zeit und Ruhe, dass wir zu uns kommen können. Wie kommen wir dahin? Hilf uns - persönlich und auch als Gesellschaft - neue Wege einzuschlagen. Amen.

Einen gesegneten Tag mit Zeit zum Nach- und Umdenken wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 18. November 2014

Nur nicht loslassen ebl

Losung: "Warum gibt Gott den Menschen Licht und Leben, ein Leben voller Bitterkeit und Mühe? Sie warten auf den Tod, doch der bleibt aus." (Hiob 3, 20 - 21)

Lehrtext: "Ich vertraue ihm ja - und kann es doch nicht! Hilf mir vertrauen!" (Mk. 9, 24)

Liebe Leserin, lieber Leser,

nur wer sich von uns schon einmal lebens'müde' gefühlt hat, wird sich heute in der Losung wiederfinden. Der da so redet, ist Hiob. Er ist völlig am Ende, hat alles verloren. Es ist ihm nur noch sein nacktes Leben geblieben. Es gibt keinen schnellen Trost in seiner Situation. Das kenne ich in dieser Härte nicht und bin froh darum. Und doch: Es ist gut, dass in der Bibel auch von solchen Schicksalen erzählt wird. Weil es sie auch heute gibt und weil es tröstet, wenn ich weiß: Ich bin in meinem Elend nicht völlig allein.

Im heutigen Lehrtext geht es um einen Vater, der sein psychisch schwer krankes Kind zu Jesus bringt. Völlig verzweifelt fleht dieser Mann Jesus an: "Hilf uns, wenn du kannst!" Jesus hakt nach: "Was heißt hier: 'Wenn du kannst?' Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich." Und dann heilt er das Kind.
In dem, was dieser Vater sagt, erkenne ich mich selber wieder. Gott voll vertrauen können und dann doch wieder schwankend werden - das kenne ich gut.

Gebet: HERR, ich spreche es einfach nach: Hilf mir vertrauen. Mein Glaube ist manchmal beschämend klein. Dafür bitte ich dich um Vergebung. Hilf mir, dass ich dich nicht loslasse. Und wenn, dann halte du mich fest. Amen.

Herzliche Grüße aus Sommersdorf
von deiner / Ihrer 

Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 17. November 2014

Der Ernteeinsatz läuft schon ebl

Losung: Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich nun schaffe! (Jes. 65, 18)

Lehrtext: Jesus sagt zu seinen Jüngern, seinen engsten Freunden: "Meine Nahrung ist, dass ich dem gehorche, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende. Ihr denkt, wie es im Sprichwort heißt: 'Zwischen Saat und Ernte liegen vier Monate!' Aber ich sage euch: Macht die Augen auf und seht euch die Felder an! Das Korn ist schon reif für die Ernte." (Johannes 4, 34 - 35)

Liebe Losungsgemeinschaft,
die heutigen Verse aus der Bibel sind für mich so etwas wie die Fortsetzung unserer gestrigen Gedanken zum Volkstrauertag. Im 'Lichtblick'-Gottesdienst ist uns klar geworden, dass aktuell weltweit viel, viel Leid geschieht. Das ändern wir nicht auf die Schnelle. Zugleich haben wir uns als Ermutigung sagen lassen, dass wir uns für das Wohl anderer Menschen und damit für den Frieden jederzeit einsetzen können. Wir können in unseren Dörfern anfangen, Herz und Hände zu öffnen für Leute, die in Not sind. Auf diese Weise wird Gottes Reich heute Wirklichkeit und sein Wille geschieht. Wir warten zwar auf die große Erlösung am Ende der Zeiten, aber kleine Erlösungen kann es heute schon geben - wir können dazu beitragen. Und wer das tut, erlebt manche unerwartete Freude.

Gebet: Vater, wir bitten dich um Zuversicht im Blick auf unsere Welt. Stärke unser Vertrauen in dich als den 'Friedefürst' und zeige uns, wo wir heute an deinem Reich mit anderen gemeinsam bauen können. Segne diesen Tag und lass uns zum Segen für andere werden. Amen.

Herzliche Grüße!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 16. November 2014

Rätsel und Geheimnisse hl

Losung: Hiob sagt: »Du, Herr, hast gefragt: 'Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?' Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand. Du hast gesagt: 'Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!' Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!« Hiob 42,4-6 (übersetzung: Hoffnung für alle)

Lehrtext: Seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Offenbarung 22,3-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie  / kennst du Gott? Schon wieder so eine Frage, bei der man ins Grübeln kommt. Wer Gott kennt, sieht sich selbst und die Welt mit anderen Augen an. Das ist für mich der Sinn der heutigen Tageslosung. Aber wer kennt schon Gott? Geschweige denn, wer hat ihn wie Hiob gesehen? Ich weiß nicht, was er gesehen hat. Aber offensichtlich hat ihm Gott selbst die Augen geöffnet, sodass er sagen konnte: »Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand.«
Als Mensch stehe ich immer in der Gefahr, von Gott so zu reden, wie ich ihn begreife. Das ist normal. Aber gefährlich wird es, wenn Gott für mich nur so sein darf, wie ich ihn verstehe. Wenn er dann plötzlich anders ist, als ich ihn mir vorgestellt habe, und Dinge tut, die ich nicht begreife, kommt man ins Zweifeln. Und manche geben ihren Glauben auf.
Als Hiob Gott noch einmal ganz anders kennengelernt hatte, ist ihm bewusst geworden, wie klein er bisher von Gott gedacht, wie wenig er ihn verstanden hatte und wie daneben manches von dem war, was er von ihm und zu ihm gesagt hatte. Für mich heißt das, dass ich Gott nicht mit meinem kleinen Menschenverstand begrenzen darf. Auch wenn ich noch so intensiv die Bibel lese und Theologie studiere, bleiben viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß und wissen kann. Da bleiben Rätsel, die ich nicht lösen kann. Geheimnisse, die ich nicht entschlüsseln kann. Ereignisse, die ich nicht verstehen kann.
Kann ich trotzdem diesem großen, geheimnisvollen Gott trauen? Ich glaube ja, weil Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater, denn ich bin in ihm und er ist in mir.“ (Johannes 14,9) In Jesus, in dem was er gesagt hat, wie er mit Menschen umgegangen ist, wie er mir zugut Leiden und Tod auf sich genommen hat, - in ihm sehe ich die Liebe meines Vaters im Himmel. Und wenn ich manches Mal Gott nicht verstehe, dann schaue ich auf ihn, auf das Bild des Gekreuzigten, schweige und lass es auf mich wirken bis es anfängt, zu mir zu sprechen.
Einmal wird für jeden von uns der Tag kommen, an dem er Gott von Angesicht zu Angesicht sehen wird. Und dann, so hoffe ich mit Paulus, „werde ich erkennen, wie auch ich erkannt bin“ und werde verstehen, was ich hier nicht verstanden habe.

Gebet: Ewiger und geheimnisvoller Gott, es soll mir genügen, dass du mir in Jesus begegnest und ich durch ihn deine Liebe spüre. Was auch immer in meinem Leben geschehen wird, es muss mir zum Besten dienen, auch wenn ich es nicht begreife. So sagst du es mit deinem Wort in der Bibel. Und so will ich es glauben. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag

Hans Löhr

Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, lebe ich mein Leben.
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. 
Wir legen Losung und Lehrtext deshalb aus, weil einer weltweiten Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 

Samstag, 15. November 2014

Welche Macht hat das Böse? hl

Losung: Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine große Kraft und meinen ausgestreckten Arm und gebe sie, wem ich will. Jeremia 27,5

Lehrtext: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. Offenbarung 4,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

das heutige Losungswort kommt zunächst ganz harmlos daher. Davon dass Gott die Erde und die Menschen und Tiere geschaffen hat, ist die Rede. So weit, so gut. Aber dann kommt so ein kleiner Nachsatz, der schon damals, als der Prophet Jeremia dieses Wort verkündigt hat, irritierte: »und ich, Gott, gebe sie, wem ich will.« Damals sollten die Israeliten anerkennen, dass sie von Gott unter das Joch von Nebukadnezar, des Königs von Babylon, gezwungen worden sind. Ihm sollten sie untertan sein und sich bei Strafe nicht dagegen auflehnen. Ausgerechnet diesem heidnischen Bluthund sollten sie sich beugen. Später mussten sich die Juden den Römern beugen, die sächsischen Heiden den Christen, die Christen im Vorderen Orient den Muslimen, und im letzten Jahrhundert die Gläubigen unter den Christen den Nationalsozialisten und Kommunisten. So war die Wirklichkeit. Aber war das, ist das auch Gottes Wille?

Die Bibel ist an diesem Punkt meiner Meinung nach unmissverständlich: All die Eroberer, Unterdrücker und Diktatoren, die Menschenschlächter und Völkermörder – wo kommen sie her? Wer hat sie geschaffen? Sie sind Ausgeburten des Bösen. Aber, und nun kommt ein Satz, den man nicht leicht annehmen kann: Auch das Böse ist Gottes Werkzeug und muss ihm letztlich zum Guten dienen. Die Bibel nennt Nebukadnezar „Knecht“ Gottes, der letztlich nichts anderes tun kann, als was Gott will, damit sein Plan zu einem guten Ende kommt.

Aber hat es nicht den Anschein, dass das Böse in unserer Welt und manchmal auch in unserem Leben triumphiert? Du kannst das Böse Teufel nennen oder Satan oder eine dämonische Macht oder schlicht und einfach den Feind. Aber, und das ist jetzt entscheidend, als gläubiger Christ solltest du von dem Bösen nicht anders denken als von einer Macht, die bereits angezählt ist wie ein Boxer vor seinem endgültigen K.O. Ein bereits schwer getroffener Boxer ist gefährlich. Er schlägt blindwütig um sich und kann noch Schaden anrichten. Man muss auf der Hut vor ihm sein. Aber gewinnen kann er nicht mehr. Den entscheidenden Schlag hat er bereits bekommen. Die Macht der Finsternis meinte schon, gesiegt zu haben. Aber der Schuss ging nach hinten los. Jesus hat sie für uns am Kreuz überwunden wo er doch hätte verlieren sollen. Er hat aus Liebe vergeben statt aus Hass zurück zu schlagen.

So lesen wir es auch im Buch der Offenbarung in einer bilderreichen Sprache: »Gott hat den Sieg errungen. Alle Macht liegt in den Händen seines Sohnes Jesus Christus.« (Offenbarung Kapitel 12, 7-12a) Mit welchen Formulierungen und Bildern diese Botschaft erzählt wird, ist zweitrangig. Vorrangig ist ihr Sinn. Und in diesem Sinn sollen wir die Macht des Bösen beurteilen. Im Leben hier kann uns von ihr noch immer Leid zugefügt werden. Sie gewinnt noch die eine oder andere Schlacht, aber nicht mehr den Krieg

Zu allen Zeiten haben Christen in diesem Glauben die Macht des Bösen eine Zeit lang duldend hingenommen, wenn sie keine andere Chance hatten, oder sich ihr widersetzt und sie bekämpft. Aber sie haben sich ihr nicht ergeben, haben sie nicht angebetet und verherrlicht. Ihr Bekenntnis war und ist und bleibt: »Dich, unseren Herrn und Gott, beten wir an. Du allein bist würdig, dass wir dich ehren und rühmen, uns deiner Macht unterordnen (Lehrtext nach der Übersetzung HFA). Damit das auch unser Bekenntnis bleibt, brauchen wir uns gegenseitig in den Herausforderungen des Lebens, um füreinander zu beten, einander zu ermutigen und beizustehen.

Gebet: Herr, manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass du auch das Bösen kontrollierst und seine Niederlage besiegelt ist. Ich selber bin zu schwach, um mich gegen diese finstere Macht zu behaupten. Darum vertraue ich auf deine Hilfe und bete mit deinen Gläubigen: »Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.« Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, lebe ich mein Leben.
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. 
Wir legen Losung und Lehrtext deshalb aus, weil einer weltweiten Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 

Freitag, 14. November 2014

Woran mein Herz hängt hl

Losung: So spricht Gott der HERR: Kehrt um und wendet euch ab von euren Götzen. Hesekiel 14,6

Lehrtext: Sie nannten Barnabas Zeus und Paulus Hermes, weil er das Wort führte. Als das die Apostel Barnabas und Paulus hörten, zerrissen sie ihre Kleider und sprangen unter das Volk und schrien: Ihr Männer, was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr und predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen falschen Göttern zu dem lebendigen Gott. Apostelgeschichte 14,12.14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

sind Sie / bist Du, bin ich ein Götzenanbeter? Schon die Frage klingt ungehörig. Nur was verstehen wir unter Götzen? Irgendwelche geschnitzten und bemalten Holzfiguren, vor denen wir uns niederwerfen? Götzen sind Dinge, die an die Stelle Gottes treten. Martin Luther sagt dazu: »Das, woran dein Herz hängt, ist dein Gott.« Jetzt wird die Frage schon etwas kniffliger: Woran hängt Dein Herz? Am Geld? An der Karriere? Am FC Bayern…
Mein Herz hängt natürlich an meinen Kindern. Aber ich hüte mich, sie zu vergöttern noch anzubeten. Ich würde nicht nur mir damit schaden, sondern noch mehr ihnen. Mein Herz hängt auch ein wenig an unserem jungen Kater Leo. Es täte mir weh, wenn er plötzlich nicht mehr da wäre, so wie das auch bei seinem Vorgänger, dem Hägar, der Fall war. Aber ich lebe doch nicht im alten Ägypten und bete Katzen an! Mein Herz hängt auch an meiner Frau. Ich merk das zum Beispiel daran, dass ich mich freue, wenn sie nach einem Auswärtstermin wieder heim kommt, auch wenn ich mich zuvor über sie geärgert habe. Aber sie vergöttern? Nein, das tue ich nicht. Sowas machen vielleicht Verliebte, wenn sie sich im anfänglichen Hormonrausch befinden.
Aber hängt mein Herz auch an Gott? Hängt es an Jesus? Ich glaube schon, dass ich diese Frage mit Ja beantworten kann. Ich will das nicht im Brustton der Überzeugung hinaus posaunen, weil ich nicht so ein großer Glaubensheld bin. Mir ist Petrus eine Warnung, dessen Herz auch an Jesus hing, und der ihn aus Todesangst verleugnet hat, weil sein Herz noch mehr am eigenen Leben hing. Und darum bete ich manchmal:
Gebet: Herr, hilf mir, immer wieder zu Dir zurück zu finden, wenn ich Dich zu verlieren drohe. Erhalte mir den Glauben bis zuletzt. Ich will nicht ohne Dich leben, selbst wenn ich es könnte. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, lebe ich mein Leben.
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen. 
Wir legen Losung und Lehrtext deshalb aus, weil einer weltweiten Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert.

Donnerstag, 13. November 2014

Wie wirst du geliebt? hl

Losung: Gott verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln. 5.Mose 4,13

Lehrtext: Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Johannes 15,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

»…wie ich euch liebe«, sagt Jesus. Wie liebt er denn Sie / Dich? Hast du darüber schon mal nachgedacht? Und wie sollst Du demzufolge andere lieben?
Ich wähle einen Vergleich: Er liebt Dich wie eine Mutter ihr Kind. Wenn das Kind weinend aus der Schule kommt, weil es eine schlechte Note geschrieben hat, dann straft sie es nicht. Sie zeigt ihm nicht ihre Enttäuschung. Sie nimmt es in den Arm und tröstet. Und warum, weil ihr Kind jetzt vor allem anderen ihre Liebe braucht. Wenn es seine Hausaufgaben nicht geschafft hat, ruft sie in der Schule an und sagt, dass sie sich nicht richtig darum gekümmert hat. Und warum? Weil sie ihr Kind nicht allein im Regen stehen lässt und lieber die Schuld auf sich nimmt. Wenn es schwer krank ist, wacht sie an seinem Bett. Und warum? Weil sie mit leidet, wenn ihr Kind leidet…  Eine Mutter sieht ihr Kind immer mit den Augen der Liebe an, selbst wenn sie mal streng schaut. Denn »Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.« (Übersetzung HFA) So sagt es der Apostel Paulus (1. Kor. 13) So liebt Dich Jesus, und so sollst Du andere lieben. Wenn Du für sie ein weiches Herz hast, brauchst Du nicht mehr die steinernen Tafeln der Zehn Gebote.
Nachtrag: Auch die Liebe einer Mutter kommt manchmal an ihre Grenzen. Die von Jesus nicht. Auch Du wirst sein Gebot (Lehrtext) nicht zu 100 Prozent erfüllen. Doch wenn er Dein Bemühen sieht, wird er Dir das zu 100 Prozent nachsehen.

Gebet: Herr, das tut gut, von Dir persönlich zu hören, dass Du mich schon immer liebst. Das macht es mir leichter, auch andere zu lieben wie Du, auch wenn's nicht einfach ist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr


Vergewisserung:
Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit, schließe die Augen und mach dir bewusst:
Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, lebe ich mein Leben.

Mittwoch, 12. November 2014

Straft Gott? hl

Losung: Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Psalm 118,18

Lehrtext: Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. 1.Petrus 4,12-13

Liebe Leserin, lieber Leser,

hoffentlich gehörst Du nicht zu denen, die sich für besonders gute Christen halten und bedeutungsvoll mit den Augen rollen, wenn sie über einen anderen sagen: ‚Sein Unglück ist die Strafe Gottes.‘ Denn das ist schlicht und einfach verboten, von einem anderen zu sagen, dass Gott ihn straft. Auch die Aids-Seuche ist keine Strafe für die Schwulen so wenig wie die Ebola-Seuche eine Strafe für die Afrikaner. 
Doch kann man dann überhaupt noch davon sprechen, dass Gott Menschen straft? In unserem heutigen Losungswort ist schließlich davon die Rede. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied, Du kannst, wie in der Losung, das nur von Dir selbst sagen. Du darfst es aber nicht von einem anderen sagen. Denn woher willst Du wissen, was genau Gott bei einem anderen tut? (siehe Lukas 13,4+5)
Eigentlich gefällt mir das Bibelwort aus dem Psalm 118 nicht. Denn ich rede lieber von einem liebenden statt von einem strafenden Gott. Und trotzdem hat es seine Berechtigung und hat Eingang gefunden in den Psalm (Introitus), den wir in den Ostergottesdiensten in den Kirchen singen. Denn in diesem Wort spiegelt sich die Erfahrung von vielen.
Vor vielen Monaten habe ich einen Mann auf der Intensivstation besucht, der mit großer Mühe diesen Satz herausgebracht hat: »Gott straft seine Sünder.« Erst war ich geneigt, ihm das auszureden. Aber das habe ich sein lassen. Es war sein Gefühl, sein Eindruck, seine Erfahrung – und die habe ich zu respektieren. Ich habe damals nur gesagt: »Und jetzt liegt es auch an Ihnen, dass sie sich nicht aufgeben, sondern um Ihr Leben kämpfen, auch mit Gebeten.« Dann haben wir miteinander gebetet. Bald ging es in eine ähnliche Richtung wie im heutigen Losungswort und der Mann hat wieder neuen Lebensmut geschöpft.
Den Satz „Gott straft mich“ wird man wohl nur in großer Verzweiflung sagen. Aber damit sagt man immerhin noch: ‚Ich bin mit mir und meinem Leid nicht allein. Es gibt noch eine Beziehung zwischen ihm und mir. Ich kann ihm mein Elend klagen, kann ihn um Hilfe bitten und auf seine Liebe hoffen. 
Doch bevor ich davon rede, dass Gott mich straft, sollte ich bedenken, ob meine Probleme nicht die natürlichen Folgen eines Fehlverhaltens sind. Ein todkranker Mann hat mir einmal mit einer kleinen, verschämten Geste zu verstehen gegeben, dass sein Zustand mit Alkoholmissbrauch zu tun hat. Er hat wenigstens sich und anderen nichts mehr vorgemacht. 
Der Glaube hilft uns, auch Leidenserfahrungen mit Gott zusammen zu bringen und ihnen so einen Sinn abzugewinnen.  Davon bin ich überzeugt. Aber das machen die Betroffenen am besten selbst. Als Außenstehender kann man zwar beten und vielleicht auch trösten. Aber mit Bewertungen sollte man sich zurückhalten.

Gebet: Herr, mir ist lieber, Du fasst mich hart an, bevor Du mich aufgibst. Denn solange ich mit Dir zu tun habe, bleibt mir die Hoffnung, dass Du mich hörst und mir hilfst. Amen  

Nachdenkliche Grüße

Hans Löhr 

Vergewisserung:
Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit, schließe die Augen und mach dir bewusst:
Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, lebe ich mein Leben.

Dienstag, 11. November 2014

Bist Du zu Haus? hl

Losung: Das Regenwasser verläuft sich nicht so schnell, wie mein Volk meiner vergisst. Jeremia 18,14-15

Lehrtext: Jesus sprach: Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Matthäus 23,37

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott vergessen wie Regenwasser sich verläuft? – Das passiert mir als Pfarrer nicht weniger als anderen Menschen auch. Da bist Du beispielsweise nach einer schlechten Nacht zu müde zum Beten. Und dann bist Du damit beschäftigt, irgendwie in den Tag hinein zu kommen, wenigstens geduscht und rasiert, mit geputzten Zähnen und gekämmten Haaren. Und dann läuft Dir schon beim Frühstück die Zeit davon, dass Du nur schnell ein paar Schluck trinkst und dann gleich den Alltagskram erledigst. Und Gott? Du bist einfach zu sehr mit dir selbst beschäftigt als dass Du noch an ihn denken würdest. Und dann ist der Tag rum und der nächste vielleicht auch. Und Du hast pflichtschuldigst noch schnell ein Nachtgebet gemurmelt, aber warst nicht mehr recht bei der Sache, warst nicht bei ihm.
Ein Sprichwort aus dem Zululand sagt: »Gott besucht uns häufig, aber wir sind oft nicht zu Haus.« Das meint wohl, dass ich in Gedanken sonst wo bin und mich in allen möglichen Tätigkeiten verliere, aber nicht mehr in mir selbst wohne und ruhe. Und somit kann ich auch Gott keine Gelegenheit bieten, mich zu besuchen.
Aber genau darauf kommt es an, auf diese Gelegenheiten, in denen er bei mir ist und ich bei ihm, in denen er zu mir spricht sei es in einem Gebet, oder durch ein Lied oder ein Bibelwort.
Die vielfachen Beschäftigungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten, mit einem Wort die Zerstreuung war noch nie so groß wie in dieser Zeit. Kein Wunder, dass der Gedanke an Gott im Treibsand der Ablenkungen versickert. 
Ich sehe nur eine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, indem ich mir bewusst und regelmäßig für Begegnungen mit ihm Zeit nehme. Wenigstens einmal am Tag muss ich innehalten und Ruhe geben, damit Gott an mir und in mir wirken kann. Ja, der Glaube ist auch anstrengend. Er erfordert Zeit und Konzentration. Er verlangt nach der Mühe, dass ich mich immer wieder aufmache, um mit anderen Gottesdienst zu feiern. Aber zugleich ist er doch auch eine Quelle der Freude und der Kraft. Und wenn es darauf ankommt, dann weiß ich auch, unter wessen Flügeln ich Zuflucht und Schutz finde (Lehrtext).

Gebet: Herr, höre nicht auf, mich an Dich zu erinnern durch einen anderen Menschen, durch ein Wort, ein Lied oder ein Zeichen in der Natur. Besuche mich nicht nur, sondern wohne in mir, damit ich bei Dir zu Hause bin. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 10. November 2014

Entlastung hl

Losung: David sprach zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den HERRN. Nathan sprach: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben. 2.Samuel 12,13

Lehrtext: Ihr wisst, dass der Sohn Gottes erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme. 1.Johannes 3,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt!« So haben wir gestern im Gottesdienst während der Abendmahlsfeier gemeinsam gesungen. Uralt ist dieser Gebetsruf und doch brandaktuell. Ich schaue auf den Gekreuzigten, auf Gottes Lamm, und ich sehe, wie er schwer trägt unter den Sünden der Gewaltmenschen, der Unterdrücker und Folterknechte im Nahen und mittleren Osten, in Afrika und Afghanistan. Ich schaue auf die Börsen, an denen Nahrungsmittel gehandelt werden nicht zu dem Zweck, dass möglichst viele satt werden, sondern dass möglichst wenige viel Profit machen. Ich schaue auf die Massentierhalter und Schlachtfabriken in unserem Land, die auf kleinstem Raum möglichst viele Hähnchen „produzieren“, um ihre Schenkel in Deutschland zu verkaufen und die Schlachtabfälle in Afrika, womit sie dort die Arbeit der Bauern kaputtmachen.
„Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt!“. Ich schaue auf… – mich. Und da sehe ich keinen Unschuldsengel, keinen, der anderen moralisch überlegen wäre, keinen Gerechten, sondern einen Sünder. Vielleicht mag einer sagen: „Was sind schon Deine Sünden gegen die Sünden der Menschenschinder und Tierquäler, der Profiteure auf Kosten anderer, der Schreibtischtäter im weißen Kragen?“ Gott sagt das nicht. Er macht nicht diesen fragwürdigen Unterschied zwischen Todsünden und lässlichen Sünden. Da ist nicht der eine weniger böse als der andere. Da stehe ich mit jenen Übeltätern in einer Reihe und bin genauso wie sie darauf angewiesen, dass Christus meine Sünden wegnimmt und als Lamm Gottes auf das Kreuz hinauf trägt. Die Strafgesetzbücher der Menschen kennen verschiedene Strafmaße je nach Schwere der Schuld. Vor Gott wiegt jede Schuld gleich schwer, und die meine drückt das Lamm Gottes nicht weniger als die anderer. Mit ihnen habe ich nur die eine Chance, die auch König David ergriffen hat: Sich der eigenen Schuld stellen, die eigene Sünde vor Gott bekennen, um Vergebung bitten und darauf ohne jeden Zweifel vertrauen, dass Gott um Jesu willen vergibt.
Das allein entlastet mich. Das entlastet auch die, die wegen ihrer Schuld im Gefängnis eine Strafe abbüßen müssen. Die Selbstgerechten aber, die sich keiner Sünde und keiner Schuld bewusst sind, müssen mit ihren dunklen Schatten und Seiten alleine zurechtkommen. Aber sie können sie nicht abschütteln. Und da ist niemand, der sie ihnen wegnehmen würde.

Gebet: Herr, bevor ich über den Schmutz vor den Türen andere schimpfe, will ich erst vor der meinen kehren. Bevor ich über den Splitter im Auge eines anderen lästere, will ich erst den Balken aus meinem ziehen. Bevor ich Steine der Anschuldigung auf andere werfe, will ich mir bewusst machen, dass ich selbst im Glashaus sitze. Du bist barmherzig zu allen, die mit ihren Lasten zu Dir kommen. Hab auch ein Herz für mich. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen in der neuen Woche!

Hans Löhr

Sonntag, 9. November 2014

leben statt überleben hl

Losung: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht. 5.Mose 8,3

Lehrtext: Jesus sprach: Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben. Johannes 6,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er stirbt sogar am Brot allein.« So sagt es die Theologin Dorothee Sölle in ihrem Buch „Hinreise“. Und weiter sagt sie: »Der Mensch stirbt „am Brot allein“ den Tod aller Beziehungen. Den Tod, bei dem wir noch eine Weile weiter vegetieren können, weil die Maschine noch läuft, den furchtbaren Tod der Beziehungslosigkeit: wir atmen noch, konsumieren weiter, wir scheiden aus, wir erledigen, wir produzieren, wir reden noch vor uns hin und leben doch nicht.“
So gesehen leben unter uns viele Untote. Sie leben nicht mehr, sie überleben nur noch bis es dann ganz aus ist mit ihnen. Gehöre ich dazu? Gehörst Du dazu? Überleben wir nur noch in der tödlichen Kälte der Einsamkeit? Oder leben wir in einer lebendigen Beziehung zu Gott und zueinander? Auf die Gottesbeziehung, also auf den Glauben, so sagt die Bibel, kommt alles an. Sie ist die „Speise, die zum ewigen Leben bleibt“, die uns Jesus gibt (Lehrtext).
Rindersteaks und Bratwürste, Sahnetorten und Schokolade – das alles ist gut und soll uns schmecken. Doch es reicht nicht zum Leben, zu einem Leben mit Sinn und Ziel. Aber dass wir einen Vater im Himmel haben, der zu Dir sagt: „Ich bin für Dich da. Du gehörst mir. Ich liebe Dich und rette Dich.“ – das macht das Leben aus, das hilft gegen den Tod am Brot allein.

Gebet: Herr, ich bitte Dich um das tägliche Brot für mich und für alle Deine Menschen. Danke, dass ich nicht hungern muss. Ich bitte Dich aber auch, dass Du mich am Leben erhält durch das, was Du mir zu sagen hast. Tröste mich, wenn ich trostlos bin. Ermutige mich, wenn ich mutlos bin. Besänftige mich, wenn ich wütend bin. Vor allem aber lass mich Deine Liebe spüren, damit auch ich lieben kann. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag!


Hans Löhr 

Samstag, 8. November 2014

Das gibt Kraft hl

Losung: Wenn ich schwach bin, so hilft mir der HERR. Psalm 116,6

 Lehrtext: Paulus schreibt: Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was  da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner  Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen.
Epheser 3,14-16

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, die heutige Losung ist nicht dazu da, um sich vor anderen damit zu brüsten. Hier spricht nicht einer zu anderen. Hier spricht einer zu sich selbst, zu seiner Seele, wie es im nächsten Vers nach unserem heutigen Losungswort heißt. Und das tut auch Ihnen, Dir und mir gut, dass wir uns selbst Sätze der Ermutigung vorsagen. Wenn ich mit einem Problem zu kämpfen habe, kann ich entweder zu mir sagen: „Du bist und warst schon immer ein Versager. Du wirst bestimmt auch jetzt versagen.“ Und diese negative Prophezeiung wird sich mit größter Wahrscheinlichkeit dann selbst erfüllen. Ich kann aber auch zu mir sagen: „Ich werde das schon schaffen, auch wenn ich im Augenblick nicht weiß wie.“ Und dann habe ich die innere Einstellung, die mich nicht aufgeben lässt, wenn das Problem nicht sofort gelöst werden kann.
Solche Sätze kann jeder zu sich sagen. Manche nennen das „Positives Denken“. Den Satz aus unserer heutigen Losung aber kann nur jemand sagen, der an Gott glaubt. Und der geht über positives Denken hinaus. Denn da kommt es dann nicht mehr auf mich allein an. Da rechne ich mit Gottes Hilfe in meinen Schwierigkeiten.
Darum bittet auch der Apostel Paulus für die Christen in Ephesus, die sich ohnmächtig gefühlt haben. Darum kann auch jeder von uns für den anderen bitten, dass Gott ihm die Kraft gebe, die er im Augenblick braucht.
»Stark am inwendigen Menschen« – also innerlich stark sein, das ist in den Herausforderungen des Lebens enorm wichtig. Ich kann mich nicht selbst stark machen. Aber ich kann darum beten, dass Gott mich durch den Geist Jesu stark macht. Er hat das bisher getan. Er wird das auch künftig tun.

Gebet: Herr, danke dass ich mit Deiner Kraft rechnen kann besonders dann, wenn ich mich schwach und ohnmächtig fühle. Gib diese Kraft auch denen, die jetzt schwach und krank sind, die keinen rechten Lebensmut mehr haben und die das Leid, das sie tragen müssen, zu erdrücken droht. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Freitag, 7. November 2014

Entlastet leben ebl

Losung: Freuen dürfen sich alle, denen der HERR die Schuld nicht anrechnet und deren Gewissen nicht mehr belastet ist! (Psalm 32, 2)

Lehrtext: Ich, Jesus, sage euch: "Im Himmel freut man sich mehr über einen Menschen, der sich von Gott finden lässt, als über neunundneunzig tugendhafte Leute, die davon überzeugt sind, dass sie nicht auf Gottes Erbarmen und seine Hilfe angewiesen sind." (Lukas 15, 7 nach der Übersetzung 'Willkommen daheim')

Liebe Losungsgemeinschaft,

darin unterscheidet sich Gott von uns Menschen: Er vergibt von Herzen gern. Es kostet ihn keine Überwindung, ein "Entschuldige, Vater" von mir anzunehmen, er muss sich dazu keinen Ruck geben. Ich oft schon. Ich bitte weder leichthin jemanden, mir etwas zu vergeben, womit ich ihn verletzt habe. Noch kann ich leichthin ein "Entschuldige bitte" annehmen, wenn ich wirklich tief verletzt worden bin.
Gut, dass das bei Gott anders ist. Es braucht nur mein Gespräch mit ihm, ein kurzes und aufrichtiges Gebet, manchmal ein bewusst gefeiertes Abendmahl, um sicher sein zu können:
Gebet: "Ich bin wieder frei von seelischen Lasten. Du, Gott, nimmst sie mir ab. Du machst mein Herz wieder leicht. Ich kann gelassen, sogar fröhlich weiter gehen. Danke, Vater."

Ein Wochenende, das so richtig gut tut,
wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 6. November 2014

Sterben wollen, um zu leben ebl


Lehrtext: Ihr Lieben, wir sind schon Kinder Gottes. Was wir einmal sein werden, ist jetzt noch nicht sichtbar. Aber wir wissen, wenn es offenbar wird, werden wir Gott ähnlich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er wirklich ist. (1. Johannesbrief, Kapitel 3, Vers 2)

Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal, wenn ich sehr alte Menschen in unserer Gemeinde besuche, kommt irgendwann die Frage: "Frau Pfarrer, warum holt er mich denn nicht?" Da weiß ich, ohne dass ich nachfragen muss, wer er  ist. Beantworten kann ich diese Frage nie, weil es meinen Verstand überfordern würde, wenn ich sagen müsste, wann die letzte Stunde eines Menschen geschlagen hat.Das ist Gottes Verantwortung, nicht meine.  Aber bewegt bin ich jedes mal auf's Neue, mit wie viel Vertrauen diese Frage laut wird. Da schwingt die Erwartung mit, dass da noch etwas kommt - dass nicht mit unserem letzten Atemzug alles aus ist, sondern etwas ganz Neues beginnt. Etwas Schönes, das die Augen leuchten lässt und Vorfreude weckt.
Ich wünsche mir, dass es mir auch einmal so geht, wenn ich spüre, dass sich mein Leben dem Ende zuneigt. Dass ich dann keine Angst vor dem Sterben habe, sondern dass in mir die Vorfreude überwiegt auf das, was uns nach dem Leben hier erwartet. Wie das sein wird? Da sollten wir nicht zu viel spekulieren. Befreit und sorglos und fröhlich wird es allemal sein, nachzulesen im Buch der Offenbarung im Kapitel 21.

Gebet: Vater, manchmal drohe ich dich eher zu vergessen, als dass ich nach dir dürste. Aber wenn die Zeit in meinem Leben gekommen ist, wo ich meinem Sterben ins Gesicht sehen muss, möchte ich mich auf dich freuen können. Hilf mir, JETZT in deiner Nähe zu leben, dass mein Vertrauen in dich täglich wächst. Dann kann ich auch beruhigt die letzten Dinge auf mich zukommen lassen und voller Erwartung sein. Amen.

Herzlich grüßt dich und Sie


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 5. November 2014

Leere Hände sind in Ordnung ebl


Lehrtext: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. (Matth. 5, 3)

Liebe Losungsgemeinschaft,

die Bibelverse für den heutigen Tag sind noch einmal ein Echo der Botschaft, die Martin Luther so wichtig geworden ist und über die wir am letzten Sonntag in den Gottesdiensten nachgedacht haben: Wir können und brauchen Gott gegenüber nicht in Vorleistung zu gehen, wenn wir ihn um etwas bitten. Das einzige, worauf es Gott ankommt, ist unser Vertrauen ihm gegenüber. (Losung). Auch die Vorstellung von einer Art 'geistlichem Guthaben', auf das wir einzahlen könnten, lehnt Jesus ab. (Lehrtext) Wir können mit völlig leeren Händen zu Gott kommen - brauchen kein 'ordentliches Leben' vorzuweisen oder soundsoviele Jahre der Teilnahme an einem Hauskreis, bis wir uns in seiner Nähe wissen dürfen. Im 'Himmelreich', also in seiner Nähe sind wir dann, wenn wir Gott in unserem Leben Platz machen und lernen, auf ihn und seinen Willen zu hören.

Gebet: Vater, wir danken dir, dass wir so einfach zu dir kommen können. Danke, dass wir uns durch keine Vorleistungen ausweisen müssen als 'geeignet'. Hilf uns, dass  unser Vertrauen in dich von Tag zu Tag wächst und unser Hang zur Selbstgerechtigkeit täglich schrumpft. Amen.

Einen behüteten Tag wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 4. November 2014

Halleluja!!!!! ebl

Losung: Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. Hesekiel 36,11

 Lehrtext: Ihr seid dazu berufen, dass ihr den Segen ererbt. 1.Petrus 3,9

Liebe Leserinnen und Leser der Losungen,

die Sätze aus der Bibel für den heutigen Tag sind wunderbare Mutmacher: Gott will uns überschütten mit guten Dingen. Das können gute Erfahrungen sein, gute Begegnungen oder auch gute Entscheidungen. Wir können Gott in dieser Hinsicht gar nicht überschätzen - er findet die überraschendsten Wege, uns zu beschenken. Ganz oft bedient er sich dabei anderer Menschen, die für uns da sind. Und doch spüren wir: Das sind nicht nur nette Zufälligkeiten, die sich da ergeben, sondern dahinter steckt sein Wille, uns Gutes zu tun. Vielleicht braucht es manchmal einen kleinen Hauch des Heiligen Geistes, damit wir hinter guten Fügungen den HERRN am Werk sehen.
Ein besseres Vorzeichen vor diesem neuen Tag gibt es nicht als das Zitat aus dem Petrusbrief, das für uns alle gilt (Lehrtext): Wir sind dazu berufen, dass wir den Segen Gottes dauerhaft spüren. Wir erleben seine Liebe und Zuwendung und können davon weitergeben an andere, denen sie ebenso gut tut wie uns.

Gebet: "Vater, danke für die kostbaren Zusagen. die du uns heute machst. Wir vertrauen dir - auch wenn wir in manchem, was wir erleben, auf den ersten Blick die segensreiche Wirkung vielleicht nicht erkennen. Wir freuen uns, dass wir in deiner Nähe und unter deinem Schutz leben dürfen und dass uns das keiner nehmen kann. Halleluja !!!!!

Fröhlich darüber grüßt euch und Sie
eure / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 3. November 2014

Glaubensgemeinschaft tut gut ebl

Losung: Lobt Gott in den Versammlungen. (Psalm 68, 27)

Lehrtext: Tag für Tag versammelten sie sich einmütig im Tempel, und in ihren Häusern hielten sie das Mahl des Herrn und aßen gemeinsam, mit jubelnder Freude und reinem Herzen. (Apg. 2, 46)

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß nicht, ob Sie gestern in einem Gottesdienst waren. Und wenn ja, wie Sie diesen Gottesdienst erlebt haben. Doch ich hoffe, dass Sie die Erfahrung gemacht haben, wie gut es tun kann, gemeinsam Gott mit Liedern und im Gebet zu loben und ihm die Ehre zu geben. Im schönsten Fall hat das etwas Befreiendes. Man geht anders aus dem Gottesdienst heraus, als man hinein gegangen ist.
Der Segen setzt sich fort, wenn auch während der Woche die Möglichkeit da ist, mit anderen Leuten den Glauben zu teilen. Ich werde am kommenden Dienstag in meinem Hauskreis die Leute wieder sehen, mit denen ich alle vierzehn Tage zusammen komme und zur Zeit das Buch Ruth ( - es steht im Alten Testament - ) lese. Darauf freue ich mich, denn auch diese gemeinsame Zeit macht etwas mit mir. Unser Austausch über biblische Texte ist eine Bereicherung für mich. Dabei lachen wir viel, wir hören einander zu, wir sind füreinander da. Abendmahl haben wir in unserem Hauskreis jetzt noch keines gefeiert, aber der Lehrtext regt mich dazu an, in unserer Runde diesen Vorschlag am Dienstag zu unterbreiten. Hoffentlich sind Sie ein bisschen neugierig geworden auf diese Art von Gemeinschaft - Hauskreise gibt es überall und freie Plätze, die schon auf Sie warten, ebenso.

Gebet: Vater, wenn wir dich in unseren Liedern und Gebeten loben, geben wir dir damit die Ehre. Und du beschenkst uns, indem wir durch das Singen und Beten deinen Segen erleben und von dir verändert werden. Sei und bleibe du die Mitte lebendiger Gottesdienste. Lass die Hauskreise wachsen, in denen wir ganz persönlich von unserem Glauben reden können. Amen.

Einen guten Start in diese neue Woche wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 2. November 2014

Reformation? Ja bitte! (Predigt) ebl

Predigt: Elfriede Bezold-Löhr, Pfarrerin

Sehnsucht nach Reformation
Katholische Christen wünschen sie sich ganz besonders – die Reformation. Nicht alle, aber ein sehr, sehr großer Teil von ihnen. Sie wünschen sich ein neues Nachdenken, den Abschied von manchem Dogma. Das ist überdeutlich geworden, als Papst Franziskus Anfang Oktober 2014 Bischöfe und Kardinäle nach Rom gebeten hat. Es ging um ‚Familie‘ und ‚Sexualität‘ und den Umgang mit wiederverheirateten Männern und Frauen. Da wünschen sich Millionen von Christen Reformen, sehnen sich nach tief gehenden Reformen. Nach einer richtiggehenden Reformation.

Evangelische Christen wünschen sie sich auch – eine zweite Reformation. Diejenigen unter uns, die leiden an unseren leeren Kirchen am Sonntag früh, in denen sich fünfzehn oder zwanzig Menschen in Räumen verlieren, die für Fünfhundert gebaut worden sind. Diejenigen, die das Gefühl haben, dass ihre Kirchensteuer eher in teure Baupojekte fließt als in die Kirchengemeinden für die Kinderangebote. Diejenigen, denen der lautlose Austritt von Hunderten von Evangelischen im Jahr weh tut, von denen manche sagen: „Ich hab‘ in dieser Kirche keine Heimat mehr. Ich verstehe so wenig von dem, was da gesagt wird. Und ich habe das Gefühl, dass das alles an meinem Leben und meinen Alltagsthemen voll vorbei geht.“

‚Sunday Assembly‘
Dabei sehnen sich noch immer viele nach guter Gemeinschaft und nach Orientierung. Sogar am Sonntag früh…. Ich habe verblüfft in der aktuellen Wochenend-Ausgabe der SZ über eine Bewegung in Deutschland gelesen, die ganz jung ist. Es ist die ‚Sunday Assembly‘. Da treffen sich in deutschen Großstädten am Sonntag Vormittag Leute allen Alters – auch ihre Kinder sind dabei.
Beispiel Hamburg-Altona: Die gemeinsame Zeit beginnt mit Liedern. Die Texte sind mit Beamer auf die Großleinwand projiziert. ‚Immagine‘ von John Lennon. ‘Say you, say me‘ von Lionel Richie. Die Leute stehen lose im Raum, singen und swingen mit. Dann leuchtet das Motto von ‘Sunday Assembly’ auf: “Lebe besser, helfe oft, staune mehr.” In dem kleinen Vortrag, der sich anschließt, geht es um ‚Achtsamkeit‘. Dazwischen stille Momente, emotionale Lieder, aufmerksames Zuhören. Dann wandert eine Schale durch die Reihen der Besucher: Bonbons mit kleinen Fähnchen werden ausgeteilt. Darauf stehen Fragen. Zu diesen Fragen soll man mit den Nachbarn in ein kurzes Gespräch kommen. Dann noch ein Lied. Der Hinweis auf das Sparschwein am Ausgang. Kein Segen. Stattdessen Kuchen und Tee.

Zwei britische Komiker haben 2013 in London ein erstes Mal eine solche Veranstaltung abgehalten. Eine ungezwungene Sonntags-Zusammenkunft, bei der Nicht-Gläubige oder Irgendwie-Gläubige gemeinsam singen und andächtig sein können. In diesem Herbst, ein Jahr später, starten sechsunddreißig Städte in acht Ländern solche Assemblys. Dieses Angebot trifft das Bedürfnis der Menschen nach Orientierung und Gemeinschaft. Zugleich sind die Treffen frei von Aggressivität und Doktrin. Jeder kann dort denken, was er will und sagen, was er will. Niemand wertet. Alle sind frei, ihre Lebensphilosophie, ihren Glauben auszudrücken, zu diskutieren, die eine oder andere Ansicht vielleicht zu reformieren.

Das prominente Vorbild im Reformieren
Ein Meister im Reformieren ist bis heute Martin Luther. Vorgestern, am Freitag, hätte er eigentlich das Gesprächsthema sein sollen.
31. Oktober. Reformationstag. 1517, vor fast fünfhundert Jahren, hat Martin Luther angeblich am 31.Oktober 95 Kernsätze, sogenannte ‚Thesen‘, an die Kirchentür der Schlosskirche von Wittenberg genagelt. Darin hat er den Ablass zur Diskussion gestellt. Die Tradition, dass sich die Leute seiner Zeit in der Kirche gegen Geld frei kaufen konnten von Schuld. Nicht nur sich selber, sondern auch ihre Eltern, ihre Omas und Opas, auch die Urgroßeltern.
Martin Luther hat mit seinem ersten Diskussionsaufruf das Ende des Mittelalters eingeläutet. Tausend Jahre kirchlicher Lehre, kirchlicher Leitung, tausend Jahre der kirchlichen Macht- und Prachtentfaltung stehen mit einem Mal auf dem Prüfstand. Im Herbst 1517 hat wohl noch niemand geahnt, welchen Flächenbrand Martin Luther mit seinem lauten Nachdenken über unseren christlichen Glauben auslösten sollte. Wäre er still geblieben, wenn er es geahnt hätte? Ich glaube nicht. Denn Martin Luther wollte Glaubens-Wahrheiten  herausarbeiten, wie er sie in der Bibel gefunden hatte.

Gedanken über die Freiheit in der Bibel
Eine dieser Schlüsselstellen für Martin Luther handelt von der Freiheit. Wir lesen sie im Neuen Testament in einem Brief. Paulus hat ihn geschrieben, ein leidenschaftlicher Missionar, der vom Judentum zum christlichen Glauben übergetreten ist.
Im Brief an eine ziemlich junge Christengemeinde in Galatien (Landstrich in der heutigen Türkei) schreibt Paulus Folgendes:
„Christus hat uns befreit, damit wir auch in Freiheit leben! Zeigt also Rückgrat und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Ich muss es euch wohl noch einmal ganz deutlich sagen: Wenn ihr euch beschneiden lasst, also den Weg des Gesetzes geht, dann ist das, was Christus für euch getan hat, nutzlos. Begreift doch: Wenn ein Mensch sich für diesen Weg entscheidet, dann muss er ihn auch mit allen Konsequenzen gehen. Er muss alle Forderungen des Gesetzes erfüllen, denn schließlich möchte er sich ja durch seine eigene Leistung die Anerkennung Gottes verdienen. Damit hat er jedoch seine Verbindung mit Christus aufgegeben und ist aus der unverdienten Gnade Gottes buchstäblich herausgefallen. Durch Jesus aber haben wir einen anderen Zugang zu Gott: Durch die Zusagen, dass sein Heiliger Geist in uns lebt, und durch unser Vertrauen auf Jesus dürfen wir in der Hoffnung leben, dass wir für alle Zeiten von Gott angenommen sind. Denn wenn wir zu Jesus gehören, ist es völlig gleichgültig, ob einer durch die Beschneidung den Weg des Judentums gehen will oder nicht. Es zählt allein der Glaube, der sich dann auch in Taten der Liebe zeigt. (Gal.5, 1 – 6)

Frei sein von Gesetzlichkeit
Was macht mich gut in den Augen Gottes? Martin Luther wollte mit Gott in einer liebevollen Verbindung stehen. Er wollte den dauernden Zugang zu ihm. Und Martin hat sich dafür so lange geschunden, bis er erkannt hat: „Was ich da tue, ist sinnlos. Ich quäle mich ab für eine Sache, die längst passiert ist. Meine gestörte Verbindung zu Gott ist längst repariert. Das Netz ist da. Die Verbindung von mir zu ihm steht. Durch Jesus Christus, seinen Sohn. Ich muss das nur glauben. Voll Vertrauen sagen: „Ok, Gott, ich habe begriffen. Ich erreiche dich immer und überall. Du bist für mich da. Dafür muss ich nichts vorher tun.‘ Ich bin dein freies Kind.“

Die Leute, gegen die Paulus damals in seinem Brief gewettert hat, sahen das anders. Sie haben den Christen in Galatien eingehämmert: „Stopp! So einfach geht das mit dem Christsein nicht! Ihr solltet als Christen auch die jüdischen Gesetze, die Gott uns im Lauf der Jahrhunderte gegeben hat, möglichst genau befolgen. Dazu gehört auch die Beschneidung. Tut uns leid - nur wer beschnitten ist als männlicher Jude, kommt bei Gott an.“
Dazu sagt Paulus: „Leute, es zwei Wege für euch zu Gott. Der erste ist der Weg der Gesetze. Dieser Weg bedeutet: Ihr müsst alles, aber auch wirklich die kleinste Vorschrift, ganz exakt einhalten. Dann könnt ihr hoffen, dass ihr vor Gott Gnade findet. Der zweite Weg ist der Weg über Jesus Christus. Da könnt ihr alle diese Vorschriften vergessen. Was ihr braucht, ist Vertrauen. Vertrauen darauf, dass ihr Gott so wichtig seid, dass er euch den weg zu sich selber schon frei gemacht hat.“

Frei werden zum Einsatz für andere
Martin Luther saugt auf, was Paulus da schreibt. Und merkt: „Die Freiheit, die Gott mir da schenkt, macht etwas mit mir. Ich vertraue darauf, dass er mich liebt – das verändert mein Inneres. Mein Wesen. Meine Persönlichkeit. Ich kann anfangen, von mir wegzuschauen. Ich atme durch und entspanne mich. Die Angst, die ich so lang in mir gehabt hab, wird immer weniger. Plötzlich wird mein Blick frei für die Leute um mich herum. Ich spüre es, wenn jemand Probleme hat und hab‘ den Wunsch, ihm zu helfen. Ich sehe es, wenn jemand extrem gut drauf ist und freu mich mit ihm. Ich wünsche mir, dass von der Liebe, die Gott mir entgegenbringt, etwas durchscheint für andere. Ich will von der Wärme, mit der Gott mich in seiner Nähe hält, anderen etwas abgeben. Weil ich ‚freies Kind‘ Gottes bin, kann ich auf einmal ‚freiwillig‘ für andere da sein.“

Neue Freiheit in unseren Gemeinden

Wie sehen unsere Gemeinden aus, wenn wir uns unsere Freiheit von Gott heute neu zusprechen lassen? Wenn uns klar wird, dass weder kirchliche Traditionen noch kirchliche Autoritäten per se unumstößlich sind? Wir sind Gottes freie Kinder. Frei von Gesetzeszwängen, allein durch das gebunden, was wir von Jesus Christus über Gott lernen. Da ist viel Raum für Neues, wie ich meine. Wir können nicht mutig genug sein im Suchen und Riskieren von Neuem. Reformation? Ja bitte. Immer wieder. Immer neu. Das gilt für  mich als Einzelne und es gilt für uns als Christengemeinschaft. So lange wir leben und Gott mit uns seine Geschichte schreibt. Wir sind so frei! Denn Gott hat uns frei gemacht. Amen.

Ein Herz für mich hl

Losung: Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Psalm 103,2

Lehrtext: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren. 1.Timotheus 1,13

liebe Leserin, lieber Leser,

falls Sie an Gott glauben oder Du, wissen Sie dann auch warum? Und weißt Du es auch? Ich finde, es gibt zwei Gründe, die völlig ausreichen, an Gott zu glauben, auf ihn zu vertrauen und sich seiner zu freuen. Diese beiden Gründe stehen in Losung und Lehrtext des heutigen Tages. Nehmen Sie sich / nimm Du Dir doch heute mal ein bisschen Zeit und erinnere Dich daran, was er Dir Gutes getan hat. Ich bin überzeugt, dass Du da einiges entdecken wirst. Und nimm Dir auch ein bisschen Zeit, nachzuspüren wie barmherzig Gott zu Dir war und ist. Das ist es ja, was Martin Luther verzweifelt gesucht hat und worüber er fast zerbrochen wäre, einen barmherzigen Gott, der ihn liebt und den er wieder lieben kann. Er hat ihn in Jesus Christus gefunden.

Gebet: Mein Vater im Himmel, wie gut, dass Du barmherzig bist, dass Du ein Herz für mich hast. Das lasse ich mir von niemandem ausreden, auch nicht von mir selbst. Und wenn ich in den Augen der Menschen nicht liebenswert bin, dann bin und bleibe ich es doch in Deinen. Denn Du liebst in mir Deinen Sohn und in ihm liebst Du mich. Von dieser Liebe kann mich nichts und niemand mehr trennen (Römer 8,39). Das sollte mich unbekümmert und frei machen und tut es auch, solange ich daran glaube. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag


Hans Löhr 

Samstag, 1. November 2014

Das Geschenk würdigen hl

Losung: HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Psalm 92,6

Lehrtext: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. 1.Korinther 2,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

gestern ging es in der Losungsauslegung darum, was wir von Gott wissen können. Und auch heute geht es in eine ähnliche Richtung. Die Bibel sagt, dass seine Gedanken tiefer und höher sind als unsere Gedanken. Er sieht, was wir nicht sehen können. Er weiß, was wir nicht wissen können. Er schafft, was wir nicht schaffen können. Wenn ich im Flugzeug sitze, sehe, weiß und vermag ich auch nicht, was der Pilot sieht, weiß und vermag. Doch ich verlasse mich auf ihn und seine Technik. Sonst würde ich nicht mitfliegen. Um wie viel mehr kann ich mich auf Gott verlassen, nicht nur für einen Flug, sondern fürs ganze Leben. Bei ihm bin ich gut aufgehoben. Denn er hat mir Jesus geschenkt. Der ist mein Licht, mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben. Das steht so in der Bibel, und darum kann ich das auch wissen. Aber um dieses Geschenk in seiner Tragweite zu erfassen und zu würdigen, braucht es wohl ein ganzes Leben.

Gebet: Herr, Du hast mich mit Dir reich beschenkt. Darum beschenke ich Dich mit mir. Nimm mein Leben. Es gehört Dir ja sowieso. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr