Sonntag, 12. Juni 2016

Ich lebe gern (Predigt) hl

Bibelwort für diesen Sonntag: Psalm 103, 1-5
Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

ich habe jetzt zwei Wünsche. Zum einen wünsche ich mir, dass jeder von euch nachher etwas größer aus der Kirche wieder hinausgeht als er reingekommen ist, mit erhobenem Kopf und aufrechtem Gang, weil ihn der Gottesdienst innerlich aufgerichtet hat. Und der zweite Wunsch hat mit dem ersten zu tun. Ich möchte von jedem von euch eine Antwort auf eine ganz persönliche Frage: Lebst du gern?
Lebst du gern, auch wenn in deinem Leben ein paar Dinge sind, die dir nicht gefallen. Lebst du trotzdem gern?
Und so bitte ich, dass jeder, der gern lebt, jetzt einmal die Hand hebt. Das ist ein starkes Bild, dass jetzt, soweit ich sehen kann, alle ohne Ausnahme die Hand heben. Vielen Dank.
Du warst schon oft in der Kirche, im Gottesdienst, und hast viel von dem, was hier gesagt und getan wurde, wieder vergessen. Das ist ganz normal. Aber diesen Augenblick jetzt sollst du bis zu deinem Lebensende nicht mehr vergessen. Immer wieder, besonders wenn es dir nicht gut geht, sollst du daran denken, dass du einmal in der Kirche von dir selbst gesagt hast: „Ich lebe gern“. Und das hast du vor allen anderen Leuten hier gezeigt, indem du die Hand gehoben hast. Und du hast es Gott gezeigt. Hast ihm mit deinem Bekenntnis „Ich lebe gern“ eine Freude gemacht. Und ich habe das auch getan und will das nicht wieder vergessen.
Ist das so wichtig? Ich meine schon. Denn dieses Bekenntnis stärkt deine Lebensfreude, macht dir bewusst, was du liebst und schätzt. Es genügt schon, wenn du dir das immer wieder mal klar machst. Und schon hellt sich deine Stimmung auf, sieht die Welt freundlicher aus. Auch in diesem Augenblick erlebst du ein positives Gefühl, da du deine Hand gehoben und so gezeigt hast: Ja, ich lebe gern.
Wenn es dir einmal nicht gut geht, bewahrt dich dieses Bekenntnis davor, in Selbstmitleid zu versinken und dich selbst aufzugeben. Vielleicht kommt einmal die Stunde, in der du auch gerne sterben wirst, weil du alt und hinfällig und krank genug geworden bist, sodass dir das Leben keine Freude mehr macht. Aber bis dahin hast du noch Zeit, viele Stunden, Tage, Monate und hoffentlich auch Jahre, in denen du gern leben können sollst.
Denn genau dazu hat Gott dich ja geschaffen, dass du gern lebst und dich in und an der Welt freuen kannst, die er gemacht hat. Aber weißt du auch, warum du gern lebst? Ich finde, das wäre schon gut, wenn du das wüsstest und es dir wieder in Erinnerung rufen könntest, wenn dir einmal das Leben keine Freude macht. Darum rege ich jetzt an, dass du dir daheim, vielleicht heute noch, Zeit nimmst und eine Liste beginnst auf der all die Dinge stehen, weswegen du gerne lebst. Du kannst diese Liste ja im Laufe der nächsten Tage und Wochen ergänzen. Ich bin überzeugt, dass da mit der Zeit ganz schön viel Lebensfreude zusammenkommt. Und dann hebe diese Liste in deinem Nachttischkästchen auf und hole sie immer wieder mal hervor besonders dann, wenn dir das Leben keine Freude macht.
Und was soll auf diese Liste stehen?
Ich glaube, dass es oft gar nicht die großen spektakulären Dinge sind, weswegen wir gern leben, sondern die eher unscheinbaren kleinen Sachen, an denen wir Freude haben. Und dazu gehören zuerst einmal die Erinnerungen an das, was Gott dir bisher Gutes getan hat, wie es König David in seinem Psalm sagt
All die schönen Erlebnisse und Freuden, die du hattest, sie sind doch nicht einfach weg, sie sind ein Teil von dir und vielleicht ganz tief in dir versteckt. Aber sie sind da und du kannst sie hervorholen.
Ich nenne mal ein paar Sachen aus meiner Kindheit. Vielleicht erkennst du dich darin wieder. Um diese Jahreszeit waren es damals die Heuböcke auf den Wiesen, in denen man sich wunderbar verstecken konnte, in denen es so herrlich duftete, auf denen man verbotenerweise auch herumklettern konnte, weil‘s einfach Spaß gemacht hat. Ich erinnere mich an die Maikäfer im Schuhkarton, die ich stolz mit in die Schule genommen habe, wo sie dann durchs Klassenzimmer gebrummt sind. Oder an die Indianer- und Cowboyspiele mit Freunden, ans Kästchenhüpfen im Pausenhof, an meine Lieblingskletterbäume oder daran, wie gut die Stallhasen gerochen haben, wenn ich ihren Stall wieder sauber gemacht hatte. Das alles und viel mehr steckt in mir wie die Jahresringe eines Baumes. Und so könnte ich jetzt weitergehen in die Jugendzeit und in die Zeit als sich ein junger Erwachsener war und schließlich auf dem Höhepunkt meines Lebens. Da kommt mir die erste Liebe in den Sinn, die bestandenen Prüfungen, mein erstes Auto, die Geburt der Kinder, Urlaub am Meer, gute Erfahrungen im Beruf usw.
Und dazu gehören auch die schönen Feste daheim und in der Kirche, die Taufen, Konfirmationen, Trauungen, die Erntedank-, Weihnachts- und Ostergottesdienste. Alles wertvolle Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.
Wenn ich an all das denke, kann ich aus ganzem Herzen in das Psalmwort einstimmen und mit David sagen: »Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.« Dieses Erinnern an das Gute, das Gott dir getan hat, ist eine wichtige Quelle, aus der du immer wieder neue Kraft schöpfen kannst.
Und wie ist es jetzt? Gibt es jetzt auch etwas, wofür du Gott loben kannst? Tut er dir auch jetzt etwas Gutes, wofür du ihm danken kannst?
Vor ein paar Tagen habe ich vor dem Schlafengehen noch einen Spaziergang gemacht, nicht, weil ich besonders Lust darauf gehabt hätte, sondern weil mir die Vernunft sagte, dass ich mich noch ein bisschen bewegen solle. Doch mit einem Mal wurde aus der Pflicht Neigung mehr noch, stellte sich ein Glücksempfinden ein. Es war das letzte Licht des Tages, das sich spät abends über die Altmühlwiesen ergoss. Im Westen kleidete sich der Himmel in sein schönstes Rot. Nach dem Regen am Nachmittag lag eine wunderbare Luft über dem Tal, die Wiesen dufteten und die friedvolle Abendstimmung legte sich auf meine Seele wie ein weiches Tuch. Ich hatte Zeit zum Nachdenken. Wie von selbst begann es in mir zu beten, weil ich von Dankbarkeit erfüllt war und mich meines Lebens freute. Und ich dachte mir, was für ein Geschenk, dass du glauben kannst, dass diese Welt für dich Gottes Welt ist und du mittendrin als sein Geschöpf leben darfst, von ihm behütet und gesegnet.
Ja, da war es mir wieder klar, wie gern ich lebe. Und ich nehme an, dass es dir nicht viel anders geht. Jeder von uns möchte wohl noch ein paar Jahre auf der Welt bleiben trotz mancher Widrigkeiten. Jeder von uns weiß, dass die Zeit abläuft, egal wie alt man ist. Aber mit jedem Tag wird der verbleibende Rest nur umso kostbarer.

Jetzt, in der Kirche, machen wir uns das wieder bewusst. Jetzt, im Gottesdienst, können wir, kannst du und ich Gott für dein Leben danken. Jetzt, in diesem Augenblick können wir gemeinsam sagen: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Lobe den Herrn meine Seele und nimm wahr, was Gott dir jetzt Gutes tut. Der dir hier Zeit schenkt, damit du über dein Leben nachdenken kannst. Der dein Herz mit Dankbarkeit füllt für allen Segen, den er dir geschenkt hat und vielleicht auch für manch schmerzliches Erlebnis, das auch zu dir gehört und das dich geformt und stärker gemacht hat.

Jetzt können wir sagen: »Lobe den Herrn, meine Seele«, da wir die brennenden Kerzen auf dem Altar sehen, Zeichen seiner Gegenwart und Jesu Kreuz, Zeichen seiner Liebe; da wir den Geruch des Kirchenraumes riechen, der uns seit langem vertraut ist und die Orgelklänge hören, die die altbekannten Lieder begleiten. Jetzt können wir dankbar sein für all das und für Gottes Wort, für das Brot gegen die Schuld und den Wein der Versöhnung im Abendmahl, das wir nachher feiern; auch dafür dass Gott uns um Jesu willen vergibt und neue Kraft schenkt für diesen Tag und das, was in der neuen Woche auf uns wartet.

Und auch das können wir sagen: Lobe den Herrn, meine Seele, nicht nur für das, was er dir Gutes getan hat, nicht nur für das, was er dir jetzt in diesem Augenblick Gutes tut. Sondern vertraue darauf, dass er dir auch künftig Gutes tun wird, weil du zu ihm gehörst und bei ihm bleibst jetzt und in Ewigkeit. Ja, Herr, schau her, ich lebe gern (Hand heben). Danke.

Hans Löhr 

Samstag, 11. Juni 2016

Was gut für mich ist hl

Losung: Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. Psalm 19,12

Lehrtext: So seht nun darauf, wie ihr zuhört. Lukas 8,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

lassen wir das Losungswort heute in einer anderen, verständlicheren Übersetzung zu Wort kommen: »Herr, ich gehöre zu dir. Wie gut, dass mich dein Gesetz vor falschen Wegen warnt!« (HFA). Mit Gottes Geboten verhält es sich ähnlich wie mit unseren Verkehrszeichen. Auch da gibt es Gebote und Verbote, die manchmal lästig oder unverständlich erscheinen. Doch das hängt ganz vom jeweiligen Betrachter ab. Wer mit kleinen Kindern an einer belebten Straße wohnt, ist dankbar für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h. Da müssen sich dann die anderen Verkehrsteilnehmer mit Rücksicht auf die Familien einschränken. Und wer in eine stark befahrene Vorfahrtstraße einbiegen will, schätzt die Ampel, die ihm das ermöglicht. Und wer ein Bahngleis überqueren muss, in dessen eigenem Interesse sind die Warnbaken und Blinklichter, die ihn vor einem nahenden Zug schützen.
Eine solche Schutz- und Regel-Funktion haben auch Gottes Gebote. Sie regeln unser Zusammenleben, weisen auf die soziale Verantwortung eines jeden von uns hin und schützen uns vor falschen Entscheidungen und zerstörerischem Verhalten. Immer vorausgesetzt, dass ich selbst die Gebote achte und nicht darauf warte, bis es andere tun; dass ich mich selbst von ihnen vor falschen Wegen warnen lasse und nicht nur besserwisserisch andere darauf hinweise.
Die Gebote haben mit der Straßenverkehrsordnung gemein, dass ich die Folgen tragen muss, wenn ich dagegen verstoße. Die Folgen sind nicht nur ein entsprechendes Bußgeld, sondern oft auch der eigene Schaden, den ich davontrage. Anders als die Polizei verhängt Gott keine Bußgelder. Verstöße gegen bürgerliche Gesetze lässt er uns untereinander regeln. Ihn schmerzt es, wenn wir uns selbst schädigen so wie es uns schmerzt, wenn sich unsere Kinder über Regeln und Anweisungen hinwegsetzen und sich selbst Schaden zufügen.
Im Lehrtext geht es um das genaue Hören auf unseren Herrn Jesus Christus, was mehr ist als nur ‚zuhören‘. Ich soll also, was ich höre, befolgen und auf meinen Herrn, dem ich ge-höre, auch hören. Doch ich werde das nicht aus Angst vor einer Strafe tun, sondern weil ich darauf vertraue, dass das, was er mir zu sagen hat, gut für mich ist.

Gebet: Herr, ich danke dir für die Orientierung, die du mir gibst. Du hilfst mir, dass ich mich so in dieser Welt besser zurechtfinden und mit meinen Mitmenschen auskommen kann. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 10. Juni 2016

Wo ist ein Gott wie du?! hl

Losung: Wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden, der es deinen Werken und deiner Macht gleichtun könnte?! 5.Mose 3,24

Lehrtext: Wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Matthäus 7,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

     warst du schon mal von Gott überwältigt? Hast du schon mal so gestaunt und dich so gefreut über das, was Gott in deinem Leben getan hat, dass du so ähnlich wie Mose ausgerufen hast: „Wo ist ein Gott wie du?!“ Dass es das gibt, dass sich immer wieder einmal Dinge ereignen, die mich sprachlos machen vor Glück oder dass es aus mir herausbricht und ich laut oder leise sage: „Wo ist ein Gott wie du?!“ - das ist wunderbar.
     Das ist aber auch sehr persönlich, weil es mein Innerstes betrifft, meine Gefühle, die mich das sagen lassen. Ich kann nicht erwarten, dass andere das auch so sehen oder erleben. Vielleicht erlebt ja jeder Gott auf seine ganz eigene Weise. Und jeder reagiert wohl auch ein bisschen anders auf das, was er erlebt, was er fühlt und was ihn begeistert.
     Und wann geschieht so etwas? Natürlich bei ganz besonderen Ereignissen wie bei der Geburt eines Kindes oder bei der guten Nachricht eines Arztes, nachdem du zuvor vor Angst fast vergangen bist oder wenn dich Musik zu Tränen rührt... Aber es kann auch ganz plötzlich geschehen, wenn du wenigstens für ein paar Augenblicke darauf aufmerksam wirst, wie schön doch Gottes Welt ist, in der du leben darfst, allen negativen Ereignissen zum Trotz.
     Vielleicht ärgerst du dich über den vielen Regen in den letzten Wochen. Dann, unvermittelt, riechst du die wunderbare Luft nach einem warmen Regenguss, siehst wie die Wiesen und Felder und Wälder strotzen vor Gesundheit, prall von Vitalität, vollgesogen mit Energie aus Wasser und Sonnenlicht. Und auf einmal zerreißt der Schleier der Gewohnheit und du siehst Gottes Herrlichkeit mitten im Alltäglichen und sagst verwundert und bewundernd: ‚Wo ist ein Gott wie du?!‘
     Und du spürst in dir den Impuls, etwas von seiner Liebe zurückzugeben, die sich in dem spiegelt, was du siehst und erlebst. Zurückzugeben an diese Welt und die Menschen, die mit dir darin leben. Und du hörst nicht nur, dass Gott durch seinen Sohn Jesus zu dir sagt: ‚Liebe deinen Nächsten‘, sondern du tust es auch (Lehrtext).

Gebet: Wo ist ein Gott im Himmel oder auf der Erde wie du, der seine Wunder sehen lässt denen, die Augen und Ohren dafür haben?! Jetzt, in diesem Augenblick, Herr, mache ich mir bewusst, wie wunderbar diese Welt ist, für die du mich geschaffen hast, wie wunderbar auch ich gemacht bin. Nein, ich will meine Augen nicht vor dem Leid anderer verschließen. Will, so gut ich kann, auch für sie da sein. Aber ich will dich doch auch immer wieder und immer öfter preisen für das, was du mir Gutes tust. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Von Gott verstoßen? hl

Losung: Gott will nicht das Leben wegnehmen, sondern er ist darauf bedacht, dass das Verstoßene nicht auch von ihm verstoßen werde. 2.Samuel 14,14

Lehrtext: Die Schriftgelehrten sprachen zu den Jüngern Jesu: Isst er mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Markus 2,16-17

Liebe Leserin, lieber Leser,

wow, was für ein schönes Bibelwort als Tageslosung! Und ich kannte es nicht oder hatte es überlesen. Mit diesem Satz bezwingt eine einfache Frau aus dem Volk das Herz von König David, sodass er seinen, von ihm verstoßenen Sohn Absalom wieder nach Jerusalem in den Palast zurückkehren lässt. Nein, der König zweifelt nicht daran, dass diese Frau recht hat. Was sie von Gott sagt, leuchtet ihm unmittelbar ein. Mir auch.
Und es gibt mir zu denken. Denn wenn ich diesen Satz verallgemeinere, dann bedeutet er: Alle, mit denen ich Schwierigkeiten habe, die ich nicht mag oder leiden kann, mit denen ich im Streit liege oder mich verkracht habe – kurz, alle, die ich nicht (mehr) sehen will, sieht Gott. Er hat mit ihnen keine Schwierigkeiten, zumindest nicht die, die ich habe. Er mag sie und kann sie leiden. Er liegt mit ihnen nicht im Streit und ist mit ihnen nicht verkracht.
Schade. Wäre doch schön, wenn auch Gott meine Abneigungen oder gar Feindseligkeiten teilen würde. Dann hätte ich einen mächtigen Verbündeten auf meiner Seite. Dann könnte ich ihnen allen die Zunge rausstrecken. Aber leider ist es so nicht. Leider mag er sie nicht weniger als mich.
Das entzieht meinen Abneigungen die Kraft und meinen Feindseligkeiten den Boden. Das stellt mich selbst infrage, meine negativen Gefühle, meine Beschuldigungen, meine Kritik. Und kann ich nicht sogar froh sein, dass in einem Streit mit anderen Gott nicht so ohne weiteres für mich Partei ergreift, weil es doch dann umgekehrt genauso ist? Mehr noch, kann ich nicht sogar froh sein, dass er auch mich nicht verstößt, wenn ich mich falsch verhalte?
Und wie kann ich auf Dauer jemanden verstoßen, den Gott nicht verstößt? Wie mit jemanden streiten, mit dem Gott keine Probleme hat? Jemandem die kalte Schulter zeigen, auf gut Fränkisch „glotzen“, mit dem Gott nicht glotzt?
Was meinst du?
Gott glotzt nicht, sondern ist darauf bedacht, den anzunehmen, den andere ausgegrenzt haben und sein Leben zu schützen. Wenn sich schon König David mit diesem Argument hat umstimmen lassen, wird mir erst recht kein Zacken aus der Krone brechen, wenn ich das auch tue.
Und Jesus, der König der Könige, hat ganz bewusst die Gemeinschaft mit den Verstoßenen gesucht, mit Zöllnern und Sündern, wie es im Lehrtext heißt. Darum brauche auch ich nicht zu zweifeln, dass er mir treu bleibt, wie auch immer andere mich behandeln.

Gebet: Herr, nimm das Gift aus meinem Herzen, wenn ich mit anderen nicht auskomme und lass mich über meinen Schatten springen, verzeihen oder um Verzeihung bitten und die Hand zur Versöhnung reichen. Ich will nicht, dass andere mich verstoßen und darum will ich das auch nicht tun. Aber ich will mit ihnen zusammen dir gehören und bei dir sein. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

p.s. Hier das Gespräch zwischen König David und der Frau zum Nachlesen.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Von Gott erwarte ich alles hl

Losung: Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Psalm 146,8

Lehrtext: Jesus rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Johannes 7,37


Liebe Leserin, lieber Leser,

in einem ihrer unbekannteren Songs singen die Beatles „How can you laugh when you know I’m down?‘ - ‚Wie kannst du nur lachen, wenn ich am Boden zerstört bin?‘ Wer da lacht, ist die junge Frau. Und wer da so niedergeschlagen ist, ihr Verehrer. Ja ja, so sind's, die Frauen. Alle. Erst locken sie uns Männer an, und dann lassen sie uns am ausgestreckten Arm verhungern. Heul, heul. Bevor ich mir aber jetzt mit meinen Klischees das Hirn verneble und völlig in Selbstmitleid versinke, denke ich lieber über unser heutiges Losungswort nach.
Da badet derjenige, der den Psalm mit dem Losungswort verfasst hat, nicht in Selbstmitleid, sondern preist Gott, der den Niedergeschlagenen aufrichtet, statt ihn auszulachen. Das hat er selbst so erlebt, bei sich und anderen.
Aber woher hat Gott die Kraft dich aufzurichten, wenn du niedergeschlagen bist? (Losung) Warum bist du glücklich zu preisen, wenn du deine Hilfe von ihm erwartest und deine Hoffnung auf ihn setzt? Der Psalm gibt die Antwort: »Denn er hat Himmel und Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin lebt. Niemals bricht er sein Wort!«  Darum, so heißt es im Psalm, »verschafft  er den Unterdrückten Recht, gibt er den Hungernden zu essen und befreit die Gefangenen.« Und weiter geht's, weil der Psalmsänger nun so richtig in Fahrt gekommen ist: »Der Herr macht die Blinden wieder sehend und richtet die Niedergeschlagenen auf. Er bietet den Ausländern Schutz und versorgt die Witwen und Waisen.«
Natürlich kann man jetzt an den Psalm und überhaupt an die Bibel kniefieslig herangehen und kleinkariert und besserwisserisch sagen, dass nach wie vor viele hungern, in Gefängnissen sind, blind sind, niedergeschlagen und so weiter. Aber damit wird man dem Wort Gottes nicht gerecht. Schließlich geht es darum, worauf Menschen in Not ihre Hoffnung und ihr Vertrauen setzen. Und da wird die Bibel auf einmal ganz subversiv, umstürzlerisch, revolutionär. Denn da heißt es im Psalm 146:  »Setzt euer Vertrauen nicht auf die Regierenden, nicht auf Männer, die Einfluss haben und Macht ausüben! Sie sind vergängliche Menschen wie ihr und können euch nicht erretten.« 
Nein, ich rede hier nicht der Politikverdrossenheit das Wort. Ich ermuntere jeden, nach bestem Wissen und Gewissen das öffentliche Leben in unserem Land mitzugestalten und vor allen Dingen, zu den Wahlen zu gehen. Hoffentlich stehen dann Leute zur Wahl,  die sich um die kümmern, von denen im Psalm 146 die Rede ist.
Ich sage aber auch im Sinn des Bibelwortes, dass Politiker keine Heilsbringer sind und man von ihnen nicht zu viel erwarten darf. Und wenn sie zu sehr an sich selbst denken statt an die Menschen, für die sie da sein müssen, sollen sie auch wieder verschwinden.
Aber Gott ist mein Heilsbringer. Von ihm erwarte ich alles. Und wenn ich niedergeschlagen bin, wende ich mich an ihn und lasse mich von ihm wieder aufrichten. Doch doch, das geht. Das erlebe ich immer wieder. Und was die Gefangenen, die Hungernden, die Ausländer, die Waisen betrifft, so ist er es, der dein und mein Herz bewegt, ihnen so gut es geht zu helfen. Ich finde, wer an Gott glaubt, der soll für andere eine Hoffnung sein, weil Gott insbesondere auch durch die handelt, die ihm vertrauen. Und wer an Jesus glaubt, soll anderen den Weg zur Quelle zeigen, wo die verdurstenden Seelen neu belebt werden (Lehrtext).
Genau darum soll heute über diesem Tag der Anfang von Psalm 146 stehen und dich und mich aufrichten, wenn wir sagen und singen:

Gebet: »Halleluja - lobt den Herrn! Ich will den Herrn loben,  ich will ihn loben, solange ich lebe! Zur Ehre Gottes will ich singen mein Leben lang.« 

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 7. Juni 2016

Wann beginnt das ewige Leben? hl

Losung: Du tust mir kund den Weg zum Leben. Psalm 16,11

Lehrtext: Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Römer 6,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann beginnt das ewige Leben? Viele meinen, nach dem Tod. Aber was ist vor der Geburt? Vor der Zeugung? Meine Tochter hat sich als Konfirmationsspruch dieses Bibelwort ausgesucht: „Herr, alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben, noch bevor einer von ihnen begann.“ (Psalm 139,16) Sind wir schon von jeher ein Gedanke Gottes oder mehr noch: Sind wir schon immer bei Gott gewesen bis es ihm gefallen hat, uns für eine begrenzte Zeit auf diese Welt kommen zu lassen, um uns dann wieder zu sich zu rufen? Und kennt er unseren Weg durch die Zeit, jeden Tag, der noch wird?
Vielleicht hat unser ewiges Leben längst begonnen und wir kommen aus der Ewigkeit und kehren dorthin zurück. Wer eine Zeit lang von Zuhause weg ist, behält trotzdem sein Zuhause, behält sein Wohnrecht. Wir reisen auf diesem Planeten eine Zeit lang um die Sonne und mit der Sonne um das Zentrum der Milchstraße und so weiter und dann kehren wir wieder zurück, wieder heim.
In der Bibel ist diese Möglichkeit zumindest angedeutet. Und warum soll Gottes Schöpfung für ihn nicht längst fertig sein, auch wenn sie sich in der Zeit erst noch entfaltet? Ich jedenfalls sehe es so, dass ich in und durch Gott geschaffen wurde und vor und in und durch ihn lebe und in ihm sterbe und in ihm auferstehe und zu ihm heimkehre ins ewige Leben. Was auch immer geschieht, er wird immer für mich da sein und ich werde immer bei ihm sein: jetzt und dann. Dafür bürgt Jesus Christus, durch den ich dieses Vertrauen und diese Hoffnung habe.

Gebet: Herr, warum soll ich mir Sorgen machen um das, was nach meinem Tod kommt? Du bist es doch, der dann kommt, der auch dann noch für mich da ist, so wie du jetzt schon da bist. Ich bleibe bei dir, für immer. Das hast du mir mit Jesus versprochen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 6. Juni 2016

Mittel gegen Gier hl

Losung: Wehe denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen! Jesaja 5,8

Lehrtext: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat. Lukas 12,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich's recht bedenke, steckt hinter jeder Gier Angst: Hinter der Habgier die Angst zu kurz zu kommen. Hinter der Machtgier die Angst keine Kontrolle zu haben. Hinter der Geldgier die Angst vor Armut. Hinter der Gier nach Anerkennung die Angst wertlos zu sein. So gesehen sind Menschen, die von Gier beherrscht werden, arm dran, auch wenn sie aufgrund ihrer Hab- und Raffgier äußerlich reich sind.
Das Gegenbild eines gierigen Menschen ist für mich Jesus. Er wollte nichts für sich und gab alles für mich, sogar sein Leben. Was ihn vor jeder Form von Gier schützte, war sein unbedingtes Vertrauen auf Gott. Er verließ sich voll und ganz darauf, dass er von seinem Vater im Himmel bekommen würde, was er brauchte. Und so lebte er wie die „Lilien auf dem Felde“ und die „Vögel unter dem Himmel“. Sein Gottvertrauen nahm ihm alle Angst und darum kannte er auch keine Sorgen. Er lebte nicht von irdischen Gütern, nicht von Immobilien, Aktien und sonstigen Geldanlagen, sondern von dem Wort, das »aus dem Mund Gottes geht« (Matthäus 4,4), dem Wort der Gnade. Er wusste und sah es seinen Mitmenschen an, dass man an Tischen mit goldenen Bechern und silbernen Löffeln, die sich unter der Last erlesener Speisen biegen, seelisch verhungern kann. Aber er hat sie deswegen nicht verdammt.
Es ist schon recht, wenn ich andere, aber auch mich selbst wegen meines Verhaltens kritisiere. Es ist schon recht, wenn ich auch mal mit lauten und deutlichen Worten sage, was mir nicht passt. Aber ob ich damit viel ändere? Ich meine, Jesus hat die Menschen nicht dadurch geändert, dass er ihnen gedroht hat wie in der Losung. Auch nicht dadurch, dass er sie ständig kritisiert und ihnen ihre Fehler und Defizite vorgehalten hat. Er hat sie dadurch geändert, dass er sie geliebt, ihnen die Angst genommen und im Vertrauen auf Gott gestärkt hat. Der habgierige Zöllner Zachäus ist dafür das beste Beispiel (Lukas 19).

Gebet: Herr, im Vergleich zu meinen Vorfahren bin ich wohlhabend. Im Vergleich zu den allermeisten Menschen auf der Erde bin ich reich. Und trotzdem denke ich ab und zu sorgenvoll daran, ob ich wohl finanziell auch im Alter über die Runden kommen werde. Du hast es mir bisher unverdient gut gehen lassen. Du wirst das, wenn du willst, auch künftig tun. Bestärke mich darin, dankbarer und großzügiger zu sein und so jeden Anflug von Gier zu bekämpfen. Ich weiß doch, dass alles, was ich bin und habe, dein Geschenk ist, das ich mit anderen teilen kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 5. Juni 2016

Hannemann, geh du voran! hl

Losung: Mose sprach zu dem HERRN: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf. 2.Mose 33,15

Lehrtext: Wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Johannes 16,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dem Volksmärchen „Die sieben Schwaben“ wird erzählt, wie diese sich an einen großen Spieß klammern, um gemeinsam einen Drachen zu bekämpfen. Der Drache hat lange Ohren, große Augen, einen Stummelschwanz und ist in Wirklichkeit ein Hase. Aus lauter Angst vor der Bestie, streiten sie darüber, wer ganz vorn am Spieß gehen muss. Schließlich sagt einer:
Hannemann, geh du voran!
Du hast die größten Stiefel an,
dass dich das Tier nicht beißen kann.
Dieser Vers ist zur Redensart geworden, wenn man einen anderen vorschicken will, damit er die Kastanien aus dem Feuer holt. Aber einer muss eben den ‚Hannemann‘, den Anführer machen, wenn es darum geht, gemeinsam eine schwierige Situation zu bestehen.
In der Bibel muss bei Mose und den Israeliten Gott den ‚Hannemann‘ machen. Ohne ihn an der Spitze wollen sie nicht durch die Wüste in das verheißene Land ziehen. Ist das feige? Vielleicht. Andererseits ist es aber auch klug, seinen Weg durchs Leben nicht ohne Gott zu gehen. Die Gefahr, dann falsche Entscheidungen zu treffen und in die Irre zu gehen, wäre groß.
Von den Israeliten berichtet die Bibel, dass sie Gott des Tags als Wolken- und des Nachts als Feuersäule vor sich hergehen sahen. Ich sehe ihn nicht. Aber ich habe das Versprechen von Jesus, dass er mir seinen Geist schenkt, den Geist der Wahrheit, der die führt, die ihm vertrauen.
Darum tue ich gut daran, wenn ich mich immer wieder einmal vergewissere, ob Gott noch mit auf dem Weg ist, den ich gehe. Ich tue gut daran, ihn zu bitten, mir den Weg zu verbauen, wenn er falsch ist. Und ich tue gut daran, ihn immer wieder bei schwierigen Entscheidungen im Gebet zu fragen, welche Richtung ich einschlagen soll.
Wenn Jesus vorangeht und du ihm nachfolgst, kannst auch du in Schwierigkeiten geraten und manches Leid erleben. Davon bleibt niemand verschont. Aber er kennt den Weg durchs finstere Tal und führt dich wieder hinaus.

Gebet:
Führe mich, o Herr, und leite
meinen Gang nach deinem Wort.
Sei und bleibe du auch heute
mein Beschützer und mein Hort.
Nirgends als bei dir allein
kann ich recht bewahret sein. Amen
(EG 445,4)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 4. Juni 2016

Glaube und Pazifismus hl

Losung: Ich will mich erbarmen über das Haus Juda und will ihnen helfen, aber nicht durch Bogen, Schwert, Rüstung, Ross und Wagen. Hosea 1,7

Lehrtext: So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Römer 9,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

was die heutige Losung betrifft, so bin ich nicht neutral. Ich habe zu Krieg, Rüstung und Militär einen eindeutigen Standpunkt. Ich bin Pazifist und lehne jede Form militärischer Gewalt ab. Damit bin ich auch ein Gegner von Rüstungsproduktion in und Waffenexporten aus Deutschland. Das mögen Sie, das magst du anders sehen. Ich sehe es so. 
     Meine Einstellung hat mit meinem Glauben zu tun. Jesus sagt: »Jeder, der zu Waffen greift, wird durch Waffen umkommen« (Matth. 26,52). Er nennt diejenigen selig, die Frieden mit friedlichen Mitteln schaffen (lat.: pacem facere = die Pazifisten sind) und fordert uns auf, die Feinde zu lieben. Auch setzt er die himmlischen Mächte nicht zu seiner Verteidigung und Rettung ein (Matthäus 26,53), sondern geht den Weg der Gewaltlosigkeit konsequent bis ans Ende.
     Ich bewundere die Sekte der Zeugen Jehova in diesem einen Punkt, dass ihre Anhänger den Kriegsdienst verweigert haben und dafür in der Nazizeit ins KZ gegangen sind. Ich bewundere die Freikirche der Quäker in den USA, deren Mitglieder im Sinne Jesu folgerichtig pazifistisch sind und sich nach dem Krieg sofort für die Versöhnung mit uns Deutschen eingesetzt haben. Ich schätze an Margot Käßmann, dass sie auch während ihrer Zeit als oberste Repräsentantin unserer Kirche aus ihrer pazifistischen Gesinnung kein Hehl gemacht hat. 
     Ich leide an meiner evangelisch-lutherischen Volkskirche, die sich zu einer solchen Konsequenz nicht durchringen kann und auf beiden Seiten hinkt: Hier ein bisschen pazifistisch und dort wieder ein bisschen militärisch. Und das immer noch nach zwei Weltkriegen im letzten Jahrhundert.
     Allein im Zweiten Weltkrieg sind weltweit bis zu 70 Millionen Menschen im Krieg und an seinen Folgen gestorben. 70 Millionen! Die meisten von ihnen Zivilisten, also Kinder, Frauen und alte Menschen. Ich kenne die unbewiesenen Argumente, dass man den Nazis nur mit Krieg hat beikommen können. Allein, ich finde, dass der Preis zu hoch war. 
     Andererseits gebe ich der deutschen Widerstandsbewegung und damit Dietrich Bonhoeffer Recht, dass Hitler von verantwortlichen Männern hätte getötet werden müssen, auch um den Krieg vorzeitig zu beenden. Verantwortlich waren diese Männer aber nur deshalb, weil sie ihre Tat vor Gott verantwortet und die Schuld am Attentat auf sich genommen haben. Denn ausnahmslos jeder, der zur Gewalt greift, macht sich schuldig.
     Im heutigen Losungswort sagt Gott, dass er seinem Volk (Haus Juda) nicht mit militärischer Gewalt helfen will, sondern auf seine Weise. Dieses Wort steht wohlgemerkt im Alten Testament! Und auch das steht dort: »Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr« (Sacharja 4,9). Und auch diese Vision findet sich dort, dass einmal die Völker aus ihren Schwerter Pflugscharen schmieden werden (Jesaja 2,4 / Micha 4,3) und die Uniformen und Militärstiefel verbrannt werden sollen (Jesaja 9,4). Dafür setze ich mich ein, jetzt schon.
     Ich wünschte, die verantwortlichen Politiker des Westens, auch unsere, hätten mehr von diesem Geist, statt heute mit Militärmanövern an der russischen Grenze zu provozieren und zu zündeln. Ich wünschte, die US-Armee würde endlich unser Land verlassen und nicht mehr von hier aus ihren schmutzigen Drohnenkrieg führen und mit ihren Hubschraubern über unseren Köpfen das Töten trainieren. 
     Ich bin froh, dass sich unser Land nicht an dem abscheulichen Irakkrieg beteiligt hat und auch nicht am irrsinnigen Bombenkrieg gegen Libyen. Aber unsere Regierungen haben sich in den Afghanistan Krieg drücken lassen und in Kauf genommen, dass deutsche Soldaten und afghanische Zivilisten gestorben sind. Wofür? Jetzt haben wir für das alles die Quittung in Form der Terrororganisation ‚Islamischer Staat‘.
     Ja, bei diesem Thema bin ich einseitig und will es sein. Das müssen alle Leserinnen und Leser, die anderer Meinung sind, jetzt mal aushalten.
     Ob im Kleinen oder im Großen, wir werden in diesem Leben und in dieser Welt nichts mit Gewalt erzwingen, schon gar nichts Gutes (Lehrtext). Entscheidend ist, dass sich Gott unser erbarmt, dass er seine Menschen am Leben erhält und seiner Erde eine friedliche Zukunft gibt. Entscheidend ist, wes Geistes Kind wir sind, wenn es um Konfliktlösungen geht, ob wir Kinder des Geistes von Jesus sind oder von Kriegsgott Mars.

Gebet:
Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man hasst,
dass ich verzeihe, wo man mich beleidigt,
dass ich verbinde, wo Streit ist,
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste,
nicht, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe,
nicht dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer vergibt, dem wird verziehen,
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben. Amen
(Von der Vereinigung ‚Souvenir Normand‘ aus dem Jahr 1912)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 3. Juni 2016

Von den Schwalben lernen hl

Losung: Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. Psalm 84,4

Lehrtext: Ihr seid nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, ich kann Gott auch im Wald nahe sein. Ja, Gott bindet sich nicht an einen bestimmten Ort. Er ist überall bei mir. Und doch fühle ich mich ihm in einer einfachen fränkischen Dorfkirche besonders nahe. Da lenkt mich weder die alltägliche Umgebung noch ein besonderer Prunk ab. Ich spüre seine Nähe nicht nur im Gottesdienst, sondern auch dann, wenn ich mich unter der Woche für ein paar Minuten ins Kirchenschiff setze, still werde, auf Jesu Kreuz schaue, nachdenke und bete. Jetzt, da ich das schreibe, fällt mir auf, dass ich das viel zu selten mache, obwohl ich doch weiß, wie gut es mir tut.
Vor langer Zeit ist es dem, der den Psalm 84 mit dem Losungswort verfasst hat, offenbar ähnlich gegangen. Er besucht den Tempel in Jerusalem und ist glücklich, da Gott besonders nahe zu sein. Er sieht wie die Schwalben durch die scheibenlosen Fenster aus- und einfliegen, sieht wie sie an der Wand knapp unter der Decke ihre Nester bauen und ihre Jungen großziehen.
Nein, er ärgert sich nicht über den Schmutz, den sie machen. Er freut sich, dass sie für ihn ein Hinweis sind, wo seine Seele daheim ist. Ja, so wie diese Vögel möchte er gern immer in Gottes Haus, in seiner Nähe sein. Er hat es doch erlebt: An diesem Ort kann er Gott sein Leid klagen, kann leise weinen und ihm die Sorgen ins Ohr sagen. Hier kann er aber auch dankbar sein für den Segen in seinem Leben. Hier kann er sich freuen und neue Kraft schöpfen für die Herausforderungen, die auf ihn warten. Hier kann er glücklich sein. Dasselbe kann auch ich heute noch in den schönen Kirchen unseres Landes und anderer Länder. Und du kannst das auch.
Nun gut, es ist nicht immer möglich, ein Gotteshaus aufzusuchen. Aber da ist ja noch ein anderer Tempel, eine andere Kirche. Ich baue sie, wenn ich meine Hände zum Gebet zusammenlege und mir in diesem geschützten Raum Gott begegnet. Das Gebet ist für mich das Haus, in dem ich mit Gott zusammen bin (Lehrtext). In dem all das geschieht, was der Besucher des Jerusalemer Tempels damals empfunden hat. In dem ich in einer Wohngemeinschaft mit Gott lebe und mit denen, die wie die Schwalben bei ihm nisten.

Gebet nach Psalm 84: Herr, wie sehr liebe ich es, da zu sein, wo du bist!  Du, der große Gott über Himmel und Erde, bist mein König und mein Gott! Meine Seele hat bei dir ihr Nest gebaut, ist bei dir zu Hause wie die Schwalben in deinem Tempel. Ich bin glücklich, dass ich bei dir sein darf, wo auch immer ich bin. Denn du bist meine Kraft und mein Glück. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 2. Juni 2016

Nur nachgehen hilft hl

Losung: So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben? Hesekiel 33,11

Lehrtext: Es wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Lukas 15,7

Eigentlich hätte er nicht auf den Gipfel steigen sollen. Das Wetter war zu wechselhaft. Der ortskundige Wirt hatte ihn gewarnt. Aber nun war er schon mal von weit her angereist und wollte nicht unverrichteter Dinge wieder abfahren. Es wird schon gut gehen, dachte er. Der Wirt ärgerte sich und dachte: ‚Soll er doch in sein Unglück rennen, wenn er nicht auf mich hören will.‘
Das Wetter wurde schlechter. Um 18:00 Uhr sollte der Gast wieder zurück sein. Um 20:00 Uhr waren er noch immer nicht da. Der Wirt machte sich Sorgen, mehr noch, er machte sich auf den Weg, ihn zu suchen. Es wurde 22:00 Uhr. Nur noch ein Rest Tageslicht lag auf der Westflanke des Berges. Schon wollte er umkehren, da hörte er eine Antwort auf sein Rufen. Er fand den Gast  abseits vom Weg. Er hatte sich im Nebel verlaufen und war gestürzt. Sein Knöchel tat weh und war geschwollen. Mit Müh und Not brachte der Wirt ihn ins Tal zurück. Inzwischen war es Nacht…
Das Problem, liebe Leserin, lieber Leser, ist, dass sich mancher nicht abhalten lässt, einen Weg zu gehen, der böse endet. Der uneinsichtige Bergwanderer hätte im unwegsamen Gelände auch abstürzen und sterben können. Leider nützt eben ein Appell an die Vernunft oft nichts und auch keine Aufforderung zur Buße, zur Umkehr. Das war zur Zeit der Bibel nicht anders. Auch der Appell im Losungswort, von den „bösen Wegen“, von den Wegen ohne Gott umzukehren, ist ungehört verhallt.
Das Einzige, was im Ernstfall am ehesten hilft, ist das, was der Wirt getan hat. Er hat sich aufgemacht, um den Uneinsichtigen zu suchen und zu retten. Davon erzählt auch Jesus in seinem Gleichnis vom „Verlorenen Schaf“. Der Hirte ruft ihm keine Warnungen hinterher, sondern macht sich auf, sein verirrtes Tier zu suchen.
Darum geht es im Evangelium, dass Gott seinen Sohn sendet, um zu suchen und zu retten, was verloren ist, um den Sündern nachzugehen und sie zurückzuholen auf den Weg des Lebens. Der Satz im Lehrtext aber wurde später dem Gleichnis von Jesus ‚angeklebt‘. Er passt so gar nicht zur vorausgehenden Geschichte. Nein, Jesus wartet nicht mit verschränkten Armen ab, ob ein Sünder von sich aus umkehrt. Er macht sich selbst auf den Weg. Aber ob ich glaube, dass er mich retten will, ob ich auch bereit bin, zu meinem Heil mit ihm zu gehen, – das bleibt meine Entscheidung. Und wenn ich es tue, dann stimmt der heutige Lehrtext wieder, dann wird Freude sein im Himmel. Anders gesagt: Dann freut sich Gott.
Übrigens, der Wirt war, soweit bekannt, kein Christ. Und Jesus war Jude. Und Gott?

Gebet: Herr, ich bewundere deine Geduld, dass du mir nicht nur einmal nachgegangen bist, um mich auf den Weg mit dir zurückzuholen. Ich kann es gar nicht verstehen, dass ich dir so wertvoll bin. Aber ich will es glauben. Und ich will mich darüber freuen, dass du mich nicht im Stich lässt, mich nicht mir selbst überlässt und mein guter Hirte bist. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 1. Juni 2016

Lebensgesetze hl

Losung: Ich gab ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält. Hesekiel 20,11

Lehrtext: Jesus sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Johannes 14,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

Goethe lässt seinen wissensdurstigen Faust sagen: »Drum hab ich mich der Magie ergeben, dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.« Goethe und Faust konnten das noch nicht wissen. Wir heute sind dem, dank der modernen Naturwissenschaft, einen großen Schritt näher gekommen – und das ohne Magie. Wir kennen die vier Grundkräfte, die die Welt zusammenhalten ob in den entferntesten Galaxien oder in unserem Sonnensystem: den Elektromagnetismus, die starke und die schwache Kernkraft und die Schwerkraft (Gravitation).
Diese Kräfte oder Naturkonstanten unseres Universums sind genauestens aufeinander abgestimmt. Würde man hier und da nur ein klein wenig die Stärke einer Kraft verändern, würde das Universum im Chaos untergehen. Ein Beispiel: Wäre die starke Kernkraft auch nur um winzige 2 Prozent stärker, würden Sterne ihren Wasserstoffvorrat innerhalb kürzester Zeit aufbrauchen und danach erlöschen. Dann wäre es auch mit dem Leben auf unserer Erde vorbei.
Diese Grundkräfte sind Teil der fundamentalen Naturgesetze, »durch die der Mensch lebt«. Für mich sind es Gottes Gesetze für die Natur. Und ebenso hat er Gesetze für unser Zusammenleben gegeben, für die Gemeinschaft von uns Menschen untereinander und für die Gemeinschaft mit ihm. Er sagt dazu: »Durch meine Gebote und Gesetze lebt der Mensch, der sie hält.« Am offenkundigsten ist das beim 5. Gebot, mit dem er uns verbietet, andere zu töten.
Jesus hat dieses Verbot ins Positive gewendet. Jetzt geht es nicht mehr nur darum, einen anderen nicht zu töten oder ihm zu schaden, sondern ihn zu lieben. Er sagt, das gelingt dir am besten, wenn du mich liebst (Lehrtext). Könnten das wenigstens wir Christen, sähe die Welt sehr viel menschenfreundlicher aus. Aber weil ich Gottes Gesetze und Gebote nicht bis ins Letzte erfüllen kann, vergibt er mir und gibt mir eine neue Lebenschance.

Gebet:
Herr, du hast uns gezeigt, wie wir Menschen glücklich und zufrieden zusammenleben können. Du hast uns den Weg der Liebe zu einer menschenfreundlichen Welt gezeigt. Und mehr als das. Du liebst uns, damit auch wir einander lieben können. Gib uns die Kraft dazu. Denn aus uns selbst heraus sind wir dazu nicht in der Lage. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 31. Mai 2016

Jeder so gut er kann hl

Losung: Wohl denen, die das Gebot halten und tun immerdar recht! Psalm 106,3

Lehrtext: Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Johannes 15,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

mache ich es auch richtig? Mache ich es auch allen recht? Lebe ich so, dass mir niemand etwas vorwerfen kann? Dass niemand über mich redet? Dass alle mit mir zufrieden sind, auch Gott?
Wenn du so fragst, kommst du schnell in Teufels Küche. Niemals wirst du alle Erwartungen erfüllen können. Niemals kannst du es allen recht machen. Immer wirst du wie der Hase mit dem Igel um die Wette laufen ohne Chance, jemals zu gewinnen.
Viele Juden glauben bis heute, wenn sie alle Gebote beachten, die im Alten Testament stehen, dann wären sie Gott recht. Wenn – dann. Mit diesem Glauben, mit diesem Denken hat Jesus Schluss gemacht. Nein, wir können und sollen nicht alles richtig machen. Das geht nicht. Das hat noch kein Heiliger geschafft. Aber wir sollen das Richtige tun. Denn jetzt gilt nur noch ein Gebot, dass wir uns lieben. Das ist schwer genug und damit haben wir eine lebenslange Aufgabe.
Vor dieser Aufgabe kommt seine Zusage, dass er, Jesus, uns liebt von Anfang an und lebenslang unabhängig davon, ob wir alles richtig machen. Unabhängig davon ob wir sein Gebot erfüllen können. Aber versuchen sollten wir es wenigstens, jeder so gut er kann.

Gebet: Herr, ich weiß, wie du mich liebst. Du bist barmherzig zu mir, du bist nachsichtig mit mir, geduldig und verständnisvoll. Du siehst mich und liebst mich so wie ich von Anfang an gedacht bin, wozu du mich geschaffen hast. In deinen Augen verschwinden meine Schwächen, wird mein Versagen bedeutungslos, sind meine Sünden vergeben. Ich möchte aus deiner Liebe Kraft für meine Mitmenschen schöpfen. Ich möchte deine Liebe erwidern. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Montag, 30. Mai 2016

alltagstauglich hl

Losung: Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. 2.Mose 3,14

Lehrtext: Jesus Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matthäus 28,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

‚Gott, wer bist du eigentlich? Wer bist du für mich? Und was soll ich anderen sagen, wenn sie mich fragen, wer du bist?‘ So ähnlich hatte Mose gefragt. So frage ich mich auch heute noch, wenn ich im Glauben unsicher werde.
Luther hat Gottes Antwort so übersetzt, wie sie in der Losung oben steht. Doch inzwischen hat sich ein anderes Verständnis des hebräischen Wortlautes durchgesetzt. In der neueren Übersetzung „Hoffnung für alle“ heißt es demzufolge: Gott antwortete dem Mose: "Ich bin euer Gott, der für euch da ist. Darum sag den Israeliten: ‚Der Ich bin für euch da, der hat mich zu euch gesandt.‘ 
Das sagt Gott auch zu mir und zu dir: ‚Ich bin für dich da‘ – das ist mein Name, das ist mein Wesen, so und nicht anders bin ich dein Gott.
Manchen reicht das nicht. Sie suchen besondere religiöse, spirituelle Erfahrungen, die ihnen Gänsehaut verschaffen. Sie suchen das Außergewöhnliche, etwas Geheimnisvolles, den Nervenkitzel. Sie schlachten nachts Hähne auf Friedhöfen oder beschwören den Mond mit magischen Formeln. Sie treffen sich zu rituellen Tänzen an besonderen Orten oder umgeben sich mit Gegenständen, von denen geheimnisvolle Kräfte ausgehen sollen. All diesen Aktivitäten ist gemeinsam, dass hier der Mensch etwas tut, um übernatürliche Kräfte und religiöse Mächte für sich zu nutzen. Das war schon seit jeher so in allen Gegenden der Erde. Das wird wohl auch so bleiben.
Demgegenüber muss ich den Gott der Bibel nicht an besonderen Orten und zu besonderen Zeiten suchen. Er ist, wie er selbst von sich sagt, jederzeit und überall für mich da. Dasselbe sagt auch Jesus im Lehrtext.
Unser Herr ist sozusagen alltagstauglich. Er ist an meinen Freudentagen für mich da, in normalen und ruhigen Zeiten, aber auch in Zeiten von Leid und Not. Dazu muss ich ihn nicht erst herbei beschwören und gnädig stimmen. Dazu genügt es, wenn ich irgendwann am Tag kurz innehalte und sage:

Gebet: Herr, auch jetzt, in diesem Augenblick bist du für mich da und umgibst mich von allen Seiten. Du hältst deine Hand über mir, mich zu beschützen und zu segnen. Gibst mir Kraft und neuen Lebensmut. Ich lebe und bleibe in dir, wo immer ich bin, was immer geschieht. Darauf vertraue ich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 29. Mai 2016

erquickt hl

Losung: Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land. Psalm 143,6

Lehrtext: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11,28

Liebe Leserin, lieber Leser,

burnout - ausgebrannt. So nennt man Menschen, deren inneres Feuer erloschen, deren Seele ein Haufen Asche ist. Vielleicht sollte man sie besser dried-out nennen: ausgetrocknet. So jedenfalls fühlten sich Menschen zur Zeit der Bibel, die von Gott, der Quelle des Lebens, nicht mehr erreicht werden konnten. Das traf durchaus auch auf Gläubige zu. Damals wie heute gibt es mehr als genug, die durch verschiedene Umstände so erschöpft sind, dass in ihnen auch der Glaube versiegt. Wer alle seine Seelenkräfte verausgabt, wer sich selbst bis zum letzten Tropfen auslaugt oder ausgelaugt wird, hat manchmal auch für den Glauben, hat auch für Gott keine Kraft mehr.
Während ich dies schreibe, geht gerade ein Gewitterguss nieder: Welch eine Wohltat für die Pflanzen im Garten, für Felder und Wiesen! Manchmal aber, nach einer längeren Trockenzeit, reißen die Böden auf und man sieht ihnen an, wie sie nach Wasser lechzen. Vielleicht sehen auch manche Seelen so aus, während äußerlich alles in Ordnung zu sein scheint.
Jesus hat solche Menschen gekannt und ihnen zugerufen: »Kommt alle zu mir, ihr ausgepowerten, ausgetrockneten Seelen, ich will euch erquicken / erfrischen.« (Lehrtext) Einige sind diesem Ruf gefolgt und haben vom „Wasser des Lebens“ getrunken. Er ruft auch heute noch und sagt: »Wer durstig ist, der soll kommen. Jedem, der es haben möchte, wird Gott das Wasser des Lebens schenken« (Offenbarung 22,17). Manchmal muss man geduldig am Brunnen des Glaubens sitzen und warten, bis es fließt. Du kannst das nicht selbst machen. Aber du kannst darum bitten (Losung). Und wenn es dann kommt, kannst du trinken. Das kannst du.

Gebet:
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 28. Mai 2016

Das Licht, das nicht verlischt hl

Losung: Gott hat mich erlöst, dass ich nicht hinfahre zu den Toten, sondern mein Leben das Licht sieht. Hiob 33,28

Lehrtext: Gott hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft. 1.Korinther 6,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hiob stand bereits mit einem Fuß im Grab. Aber dann hat Gott ihn wieder herausgezogen und er sah noch viele Jahre das Licht der Sonne. Hiob ist nicht der einzige, der so etwas erlebt hat. Vielleicht ist auch unter den Leserinnen und Lesern dieser Losungsauslegung jemand, der doch noch eine schwere gesundheitliche Krise überlebt hat, weil die Ärzte oder die Medizin geholfen haben oder der eigene Lebenswille ungebrochen war oder Gott auf diesen und anderen Wegen ihn vor dem Tod gerettet hat.
Ruppert war schon wieder auf dem Weg der Besserung. Er selbst und alle, die mit ihm verbunden waren, hatten neuen Mut und neue Hoffnung. Doch dann war es innerhalb weniger Stunden aus. Das war ein Schlag für seine nächsten Angehörigen. Ruppert wird das Licht der Sonne nicht mehr sehen.
Die Kunst der Ärzte und alles menschliche Bemühen hat nicht ausgereicht, ihn vor diesem Schicksal zu bewahren. Da wird es schlagartig klar, wie begrenzt unsere Kräfte sind. Und mancher erkennt, dass da eine höhere Macht ist, die das letzte Wort hat. Vor ihr müssen sich alle beugen, die Reichsten und Mächtigsten genauso wie du und ich.
Ruppert ist gegangen in dem Glauben, dass diese höhere Macht, dass Gott stärker ist als der Tod. ER, der die ganze Welt ins Dasein gerufen hat, er hat auch die Kraft, ihn und dich und mich aus dem Tod zu rufen. Wäre es nicht so, dann wäre der Tod die stärkste Macht. Aber wie soll der Tod mächtiger als der sein, der das Leben schafft? Der Tod kann nur zerstören. Das ist keine Kunst und dazu braucht es nicht viel. Jeder von uns kann einen Käfer zertreten. Aber einen Käfer schaffen, das kann auch der Tod nicht. Das kann nur der Allmächtige. Und die Toten zum Leben erwecken, das kann nur, wer Herr über den Tod ist und das Leben (Lehrtext).
Ruhe in Frieden, Ruppert! Du wirst ein anderes Licht sehen, dass nicht mehr verlischt.

Gebet: Herr, weil ich weiß, dass ich sterben muss, hänge ich am Leben. Weil ich weiß, dass meine Zeit begrenzt ist, wird sie für mich immer kostbarer. Ja, ich möchte so lange leben wie es erträglich ist und dir mit diesem Wunsch danken, der du mir das Leben gegeben hast. Aber wenn dann der Tag kommt, an dem du mich zu dir rufst, lass mich im Vertrauen auf deine große Kraft gehen. Durch sie wirst du mich auferwecken, weil ich nicht der Finsternis gehöre, sondern dir. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 27. Mai 2016

Die Kraft des Schwachen hl

Losung: HERR, lass den Geringen nicht beschämt davongehen. Psalm 74,21

Lehrtext: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2.Korinther 12,9

Eigentlich, liebe Leserin, lieber Leser, eigentlich müssten alle, denen es nicht gut geht, von Gott nichts wissen wollen und alle, denen es gut geht, müssten fest an ihn glauben. Merkwürdigerweise ist es aber oft umgekehrt. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen / dir ist. Ich weiß aber, wie es beim Apostel Paulus war. Er schreibt von sich: »Gott … hat mir ein quälendes Leiden auferlegt. Dreimal schon habe ich ihn angefleht, mich davon zu befreien. Aber er hat zu mir gesagt: "Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir."«
Schon öfter hat man zu mir gesagt: »Ich weiß gar nicht wie ich die schwere Zeit der Scheidung überstanden habe« oder »Ich weiß gar nicht, wie ich die Krankheit überwunden habe« oder »Ich weiß gar nicht, wie ich die letzten Jahre ausgehalten habe, als ich meine Schwiegermutter pflegen musste«. Und dann sagten diese Leute noch sinngemäß: »Aber in dieser Zeit ist mir eine Kraft zugewachsen, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe. Irgendwie ging es dann doch weiter, ohne dass ich unter der Last zerbrochen bin.« Und manchmal fügte jemand noch hinzu: »Ich hab in dieser Zeit oft an das Wort des Apostels Paulus denken müssen: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (Lehrtext)«
Manchmal kannst du Gott noch so anflehen und er nimmt die Last nicht von dir, die dich drückt. Das hatte auch Paulus erfahren. Aber stattdessen gab er ihm die Kraft, sie zu tragen. Das wünsche ich auch dir und mir. Und dass er mitträgt, wenn es schwer wird. Und dass er den nicht unverrichteter Dinge wieder gehen lässt, der seine Hilfe braucht (Losung).

Gebet/ Lied:
Du bist die Kraft, die mir oft fehlt,
du bist der Wert, der wirklich zählt.
Alles bist du mir, Herr.
Falle ich hin, stehst du mir bei,
stillst meinen Durst und sprichst mich frei.
Alles bist du mir, Herr! Amen

(Hier das Youtube-Video: All in all)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Donnerstag, 26. Mai 2016

Alle Welt soll wissen hl

Losung: Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Jesaja 12,4

Lehrtext: Jesus sprach zu seinen Jüngern: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Markus 16,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

alle Welt soll wissen, wer unser Gott ist. Alle Welt soll wissen, wie unser Gott ist.
Er ist der Schöpfer von Himmel und Erde, der Schöpfer allen Lebens, der Herr über Raum und Zeit, dein Gott und mein Gott, der uns segnet, behütet und erhält bis zu diesem Augenblick.
Er ist der gute Hirte, der sein Leben für seine Schafe gibt. Der aus Sünde und Tod erlöst. Der die Gemeinschaft sucht mit denen, die am Rand leben müssen. Der liebt und heilt, der tröstet und beruhigt. Der dich und mich führt auf rechter Straße und bei uns bleibt im finsteren Tal.
Der große Gott hat ein Herz für die Kleinen unter den Menschen. Der starke Gott ergreift für die Schwachen Partei. Der heilige Gott rettet die Sünder. – Das soll alle Welt wissen, egal ob sie es wissen will oder nicht. Denn jeder Mensch soll die Chance haben, von diesem Gott zu hören und mit ihm zu leben.

Gebet / Lied:

Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewusst...
(Paul Gerhardt)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 25. Mai 2016

Gegengewicht hl

Losung: Der HERR hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Psalm 91,11-12

Lehrtext: Paulus schreibt: Der Herr stand mir bei und stärkte mich. 2.Timotheus 4,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

von einem Mann, der seine Frau besonders liebt und schätzt und zuvorkommend behandelt, sagt man, dass er sie auf Händen trage. Das gleiche, so sagt es die heutige Losung, sollen Gottes Engel für dich tun.
Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Lebst du in dem Bewusstsein und mit dem Gefühl, dass du von seinen Engeln auf Händen getragen wirst? Vielleicht meinst du, dass es dir dazu nicht gut genug geht. Vielleicht meinst du, dass du in deinem Leben auf dich selbst gestellt bist, auf dich selbst aufpassen musst, um nicht über manchen Stein zu stolpern, der dir im Weg liegt. Vielleicht hast du sogar den gegenteiligen Eindruck, dass dich niemand auf Händen trägt, auch kein Engel, sondern du von einem unbarmherzigen Schicksal herumgestoßen wirst.
Ich will dir diesen Eindruck nicht ausreden. Aber wenn ich einen solchen von mir habe, dann suche ich nach dem ‚Gegengewicht‘. Dann suche ich danach, wann ich von Gottes Engeln auf Händen getragen worden bin, wie sie mich auch durch manche schwierige Zeit hindurch getragen haben, in der ich meinte, ganz allein zu sein und erst im Rückblick gemerkt habe, dass ich auch damals von Gottes guten Mächten getragen worden bin.
Auch Paulus schreibt seinem Freund Timotheus von dieser Erfahrung. Rückblickend stellt er fest: »Der Herr stand mir bei und stärkte mich.« Das habe auch ich so erlebt und du gewiss auch. Suche auch du nach dem ‚Gegengewicht‘, nach den guten Erfahrungen, die du mit Gott gemacht hast, danach, wann du von seinen Engeln getragen worden bist. Dann, so glaube ich, kannst du auch eine schwierige Gegenwart besser bestehen.

Gebet: Herr, dass deine Engel mich tragen, ist ein Zeichen dafür, wie wertvoll ich dir bin. Darum will ich nicht undankbar sein, wenn ich manchmal meine, von deiner Liebe nichts zu spüren. Vielmehr will ich darauf vertrauen, dass du mich auch in meinen schweren Zeiten getragen hast und tragen wirst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 24. Mai 2016

Von Küken und Menschen hl

Losung: Weh denen, die unrechte Gesetze machen, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden! Jesaja 10,1.2

Lehrtext: Was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? 2.Korinther 6,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

letzten Freitag hat das Oberverwaltungsgericht Münster für Recht erkannt: 50.000.000 dürfen Jahr für Jahr getötet werden, 50 Millionen männliche Küken: vergast und geschreddert. Man kann sie nicht verwerten. Sie sind nur Abfall. Also weg damit.
Das sind doch nur Tiere, mag jetzt der eine oder die andere denken. Im Losungswort heute geht es doch um viel mehr, um die Sache und das Recht armer und elender Menschen. Stimmt, das ist schon ein Unterschied. Aber da gibt es meines Erachtens auch einen inneren Zusammenhang. Wo das Lebensrecht von Tieren so brutal mit den Füßen der Profitgier getreten wird, da geraten auch die Menschenrechte von denen in Gefahr, die nicht leistungsstark und einflussreich sind. Da werden dann nicht nur Flüchtlinge als unliebsame Schmarotzer abgelehnt und ausgegrenzt. Da geraten auch zunehmend Behinderte, Kranke und alte Menschen unter Druck.
»Wehe denen«, die die Gesetze so weit verdrehen und das Recht beugen, bis sie ihre Interessen auf dem Rücken der Schwachen rücksichtslos durchboxen können. So sagt es die Bibel. Ob sich davon die Rechtsverdreher abschrecken lassen? Die Kükenmörder? Die Gierhälse?
Nein, ich möchte keine Gemeinschaft mit der Finsternis und mit Ungerechtigkeit nichts zu schaffen haben (Lehrtext). Doch ich muss mich fragen, inwieweit ich als Verbraucher und Konsument nicht auch in dieses System verstrickt bin und welche Möglichkeiten es gibt, dagegen etwas zu tun.

Gebet: Herr, du Schöpfer des Lebens, dein schlimmster Feind ist der Mensch. Halte mir den Spiegel vor, wo ich die Ungerechtigkeit achselzuckend zur Kenntnis nehme. Gib mir Mut und Energie, gegen die Finsternis in unserem Land anzutreten und zu etwas mehr Gerechtigkeit beizutragen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Nachtrag: US-Geflügelindustrie will das Schreddern von Hunderten von Millionen Küken jährlich stoppen. Hier die Meldung vom 13. Juni 2016

Montag, 23. Mai 2016

Der Gott der Jugendlichkeit hl

Losung: Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren. 3.Mose 19,32

Lehrtext: Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Römer 12,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

München, U-Bahn Haltestelle Odeonsplatz. Die U-Bahn ist gut besetzt. Ein alter Mann betritt den Wagen. Auf den Bänken neben dem Eingang sitzen mehrere deutsche Jugendliche, reden miteinander, schauen auf ihr Smartphone, beachten den Mann nicht. Eine Bank weiter sitzt ebenfalls ein Jugendlicher, schwarze Haare, dunkle Hautfarbe, billige Kleidung. Er steht sofort auf und bietet dem Mann seinen Platz an. In seiner Heimat ist es selbstverständlich, dass die Jungen die Alten ehren. Bei uns war das auch einmal so. Aber inzwischen, wo sich fast alle darum prügeln, möglichst jung zu sein, sind alte Menschen oft nur noch peinlich. Allerdings ausnahmslos alle, die jetzt den Gott der Jugendlichkeit anbeten, werden, wenn sie denn die Gnade haben, auch einmal alt. Wie werden dann ihre Kinder und Enkel zu ihnen sein?
„Ehrerbietung“, sagte Apostel Paulus. Nicht nur dieses Wort ist inzwischen aus unserer Sprache verschwunden, sondern oft auch die Haltung, die es ausdrückt. Und dass einer dem andern damit zuvor kommt, ohne dafür zu kassieren, ist in unserer Ellbogengesellschaft bald nicht mehr vorstellbar.

Das meint und herzlich grüßt


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 22. Mai 2016

Zutritt erlaubt hl

Losung: Lasst uns gehen, den HERRN anzuflehen und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir selber wollen hingehen. Sacharja 8,21

Lehrtext: Durch Christus haben wir in einem Geist den Zugang zum Vater. Epheser 2,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

falls in unserem Land etwas Schreckliches passiert, falls es einen Terroranschlag mit vielen Opfern geben sollte, was werden dann viele Menschen tun? Sie werden in Kirchen Zuflucht suchen, Kerzen anzünden, beten und den Gott suchen, von dem sie hoffen, dass er ihnen helfen kann. Warum ich mir da so sicher bin? Weil das in den letzten Jahren immer wieder einmal der Fall war, so wie bei jenem Amoklauf mit 15 Toten am 26. April 2002 in Erfurt. Nun, viele haben diesen Amoklauf wieder vergessen. Noch mehr haben Gott wieder vergessen. Ihr Leben geht wieder ohne ihn weiter.
Wenn ich Gott wäre, würde ich sagen: ‚Ihr habt mich bisher nicht gebraucht und mir die kalte Schulter gezeigt. Jetzt mag ich auch nicht mehr. Schaut zu, wie ihr allein zurechtkommt.‘ Aber Gott sei Dank bin ich nicht Gott. Ich würde mir sonst ja selbst nichts Gutes tun. Von unserem Gott heißt es in der Bibel: »Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.« (Psalm 103) Diesen Gott hat Jesus verkündigt. Ihn hat er sozusagen verkörpert. In seinem Namen hat er gesprochen und gehandelt. Durch ihn haben wir Zugang zu unserem himmlischen (= göttlichen) Vater (Lehrtext). Durch ihn haben aber auch alle Zugang, die sich erst dann wieder an Gott erinnern, wenn sie in Panik sind.
Der Prophet Sacharja lässt in seinem Buch Gott mit diesem Satz zu Wort kommen: »Es kommt die Zeit, da werden viele Menschen aus anderen Völkern und aus großen Städten einander auffordern: 'Kommt, wir wollen nach Jerusalem gehen und den Herrn, den allmächtigen Gott, anbeten und um Gnade anflehen.' (Losung) Ja, viele werden mich um meinen Segen bitten! In jener Zeit schließen sich zehn Männer aus den verschiedensten Völkern einem Juden an. Sie halten ihn an seinem Gewand fest und bitten: 'Wir wollen mit dir gehen! Wir haben gehört, dass Gott auf eurer Seite ist.'"
Wo sonst sollen sich Menschen auch hinwenden, wenn etwas Schreckliches passiert? Wer sonst breitet die Arme aus und heißt sie bei sich willkommen? Wer sonst ist gnädig, also hilft denen, die es nicht verdient haben? Nein, Gott ist nicht beleidigt wie ich es wäre, wenn man von mir nichts mehr wissen will, aber dann doch wieder zu mir kommt, sobald die Not groß ist. Er ist der Vater aller. Er weist niemanden ab.

Gebet: Herr, jeder darf zu jeder Zeit zu dir kommen. Du hörst dir jedes Gebet an. Du reagierst auf jeden Hilferuf. Niemand muss dich erst gnädig stimmen. Du bist es und bleibst es für jeden. Das macht mich zuversichtlich, dass auch ich zu dir Zugang habe und kein kirchlicher Türsteher mich daran hindern darf. Im Gegenteil. Du hältst mir die Tür auf, damit ich leichter und schneller zu dir finde. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr