Mittwoch, 9. September 2015

Gemeinsam herausgefordert hl

Losung: Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel! Klagelieder 3,41

Lehrtext: Lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. Hebräer 4,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

„lasst uns“ – damit fordern uns die beiden heutigen Bibelworte auf, etwas gemeinsam zu tun, gemeinsam mit den Menschen der Bibel, Sie / du gemeinsam mit mir und allen, die die heutige Losung und den Lehrtext lesen. „Lasst uns unser Herz aufheben zu Gott“ und es Gott öffnen. „Lasst uns die Hände aufheben zu Gott“ und mit dieser äußeren Geste ihm zeigen, dass wir uns ihm zuwenden und seine Hilfe erbitten. „Lasst uns hinzutreten zum Thron der Gnade“, hintreten vor den König der Könige und das voll Zuversicht, dass er uns erhören wird und ein Herz für uns haben, uns seine Nähe schenken und die erbetene Hilfe erweisen.
Manchmal muss man bestimmte Dinge gemeinsam tun, vor allem dann, wenn wir gemeinsam betroffen sind. Das kann in Kriegs- oder Notzeiten sein. Das kann aber auch jetzt sein, da wir in Deutschland gemeinsam herausgefordert sind, die vielen Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen eine sichere Zuflucht zu bieten. Es ist gut, dass im Augenblick so viele die Hilfesuchenden willkommen heißen. Aber es ist auch gut, wenn einige von denen, die helfen, gemeinsam Gott um seine Unterstützung bitten. Vielleicht hilft das auch, dass die Hilfsbereitschaft nicht bald wieder abhebt, sondern auch dann noch andauert, wenn es um langfristige Unterstützung geht. Die Flüchtlinge brauchen nicht nur Applaus und Stofftiere, sie brauchen auch Menschen, die sie auf die Ämter begleiten, ihnen das Nötigste verschaffen, ihnen dabei behilflich sind, die deutsche Sprache zu lernen, ihnen zeigen, wo sie einkaufen können und die vor allem, so gut es geht, ihnen zuhören und ihre Fragen beantworten. Deshalb lasst uns gemeinsam Gott um den langen Atem der Mitmenschlichkeit und der Geduld bitten, damit wir nicht nur Gott unser Herz öffnen, sondern auch den Menschen, die aus Terror und Krieg zu uns geflohen sind.

Gebet: Herr, immer wieder bitte ich dich um Dinge, die mir persönlich wichtig sind. Heute aber bitte ich dich mit allen, die diese Zeilen lesen, dass wir den Flüchtlingen unvoreingenommen begegnen und ihnen die Hilfe geben können, die sie brauchen. Auch du warst ein Flüchtlingskind, als du vor der Verfolgung durch König Herodes mit deinen Eltern nach Ägypten geflohen und dort aufgenommen worden bist. Und auch in der langen Reihe unserer Ahnen sind viele, die auf der Flucht waren vor Krieg, Verfolgung und Hunger. Lass uns das nicht vergessen und wecke unser Mitgefühl sowie auch du Mitgefühl hast mit einem jeden von uns. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 8. September 2015

Einen Schritt zurücktreten hl

Losung: Bei dem HERRN findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! Psalm 3,9

Lehrtext: Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden und Liebe! Judas 1,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal klingen Losung und Lehrtext etwas ‚betulich‘, zwar schön, aber irgendwie abgehoben von unserer heutigen Wirklichkeit. Doch ob das wirklich so ist, hängt wohl davon ab, wer in welcher Situation die heutigen Bibelworte liest. So kann ich mir vorstellen, dass diejenigen unter den Leserinnen und Leser, die sich heute in einer schwierigen Lage befinden, die Losung wie einen Schritt ins Freie empfinden: »Bei dem Herrn findet man Hilfe.«
Dieses Wort hilft, zu den Problemen, die einen gerade bedrängen, Abstand zu gewinnen. Du trittst sozusagen einen Schritt zurück und überlegst: Was soll ich jetzt tun? Und dann ist es im Moment vielleicht das Beste, wenn du erst einmal gar nichts tust, sondern ruhig wirst und betest und Gott bittest, dass er sich dein Anliegen zu eigen macht. Danach wirst du besonnener sein und die Entscheidung treffen, die dich weiterbringt.
Und wenn du innerlich aufgewühlt bist, wütend oder empört, verletzt oder enttäuscht, panisch oder kopflos, wenn dir das Herz bis zum Hals schlägt, dann tut dir vielleicht der Lehrtext heute gut, ein Segenswort von Judas, dass dir genauso gilt wie denen, für die es Judas damals geschrieben hat. Mögen Menschen mit dir streiten, Gott schenkt dir Frieden und Liebe.
Judas? Manche sind verwirrt, wenn sie diesen Namen lesen. Aber der Judas, der den Brief im Neuen Testament geschrieben hat, ist nicht der Jünger, der Jesus verraten hat, sondern vielleicht sogar ein Bruder Jesu. Genaueres weiß man nicht.

Gebet: Herr, bevor ich mir mit meinen Mitteln zu helfen versuche, will ich erst einmal auf dich schauen und dich bitten, mir mit deinen Mitteln zu helfen. Oft hilfst du mir ja schon dadurch, dass du bei mir bist, nur ein Gebiet weit entfernt. Sei du bei allen, die heute mit Widerständen und Problemen zu kämpfen haben. Lass sie dich und deine Hilfe finden. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 7. September 2015

Der Rechtsanwalt hl

Losung: HERR, führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort. Psalm 119,154

Lehrtext: Paulus schreibt: Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus. 2.Timotheus 1,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

wofür Gott in der Bibel nicht alles in Anspruch genommen wird! Im heutigen Losungswort soll er der Rechtsanwalt für einen Menschen sein, der unschuldig angeklagt ist: »In meinem Rechtsstreit vertrete du mich als mein Anwalt, und sorge für meinen Freispruch! Rette mich, wie du es mir versprochen hast!« (Psalm 119,154)  Ist eine solche Bitte nicht wirklichkeitsfremd?
Mein väterlicher Freund und Lehrer, Pfarrer Karl Steinbauer, stand wegen einer Weihnachtspredigt im Jahr 1945 vor dem Kriegsgericht der nationalsozialistischen Justiz. Sinngemäß hatte er gepredigt: „Dass Jesus für mich in der Krippe liegt und am Kreuz hängt, ist mir mehr wert als alle Orden und Ehrenzeichen der Wehrmacht.“ In der Verhandlung hat er sich so gut es irgend ging selbst verteidigt. „Ich habe dem Richter und dem Staatsanwalt“, so sagte er später, „die Weihnachtspredigt einfach noch mal gehalten.“ Zu seiner eigenen Verblüffung und der aller Prozessbeobachter wurde er vom Vorwurf der Wehrkraftzersetzung freigesprochen. Er hätte auch zum Tod verurteilt werden können. Nach dem Prozess kamen Leute auf ihn zu und sagten: „Herr Pfarrer, Sie müssen ja ausgezeichnete Berater gehabt haben, dass Sie da so gut durchgekommen sind.“ Da verwies Karl Steinbauer auf eben den Psalm 119, aus dem unser heutiges Losungswort ist, allerdings auf Vers 24, wo es heißt: »Ich habe Freude an deinen Mahnungen; sie sind meine Ratgeber.« „Das“, so sagte er viel später zu mir, „haben die damals nicht verstanden. Aber es war wirklich so. Ich habe mich in der Zelle mit meiner Bibel auf den Prozess vorbereitet. Und dann bin ich gefasst und zuversichtlich in den Gerichtssaal gegangen.“
Letztlich hatte er nichts anderes getan, als was auch der heutige Lehrtext sagt, den ich hier in einer neuen Übersetzung wiedergebe: »Halte dich genau an die Worte, wie du sie von mir gehört hast. Halte dich an den Glauben und die Liebe, die wir in Jesus Christus haben.« Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, sind diese Worte das Einzige, was noch Halt gibt. Manchmal? Oder vielleicht immer? Probieren wir es aus!

Gebet (Evangelisches Gesangbuch Nummer 473 Verse 2 +3, Text: Johannes Eccard, 1598):
Dein Lieb und Treu vor allem geht,
kein Ding auf Erd so fest besteht;
solchs muss man frei bekennen.
Drum soll nicht Tod,
nicht Angst, nicht Not
von Deiner Lieb mich trennen.
Dein Wort ist wahr und trüget nicht
und hält gewiss, was es verspricht,
im Tod und auch im Leben.
Du bist nun mein
und ich bin Dein,
Dir hab ich mich ergeben. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

p.s.: Siehe zu Karl Steinbauer auch die Losungsauslegung vom 17. Mai 2014.

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Sonntag, 6. September 2015

Das besondere Geschenk hl

Losung: Wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des HERRN und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat. Psalm 78,4

Lehrtext: Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. Matthäus 10,8

Liebe Leserin, lieber Leser,
mögen Sie / magst du deine Kinder oder Enkel? Magst du auch die Kinder in deiner Kirchengemeinde? Diese Frage erscheint überflüssig. Ich nehme an, dass jeder, der sie liest, mit Ja antwortet. Nun, wer Kinder liebt, schenkt ihnen etwas oder tut etwas für sie. Da gibt es viele Möglichkeiten. Aber wer sie besonders liebt, der gibt  ihnen etwas, was sie sonst selten bis nie bekommen, der gibt ihnen seinen Glauben weiter. Der Psalmbeter Asaf sagt es im heutigen Losungswort so: »Was wir gehört und erfahren haben, was schon unsere Väter uns erzählten, das wollen wir auch unseren Kindern nicht verschweigen. Jede Generation soll von den mächtigen Taten Gottes hören, von allen Wundern, die er vollbracht hat.« Zu diesen „mächtigen Taten Gottes“ gehören all die Dinge, die von Gott und Jesus in der Bibel erzählt werden.
Ich finde, jedes Kind sollte das Recht haben, davon zu hören und zwar in erster Linie daheim von den Eltern und Großeltern und in zweiter Linie im Kindergottesdienst, in der Jungschar oder im Religionsunterricht. Es gibt inzwischen so ausgezeichnete Kinderbibeln, dass jeder, der nicht selbst erzählen will oder kann, problemlos daraus vorlesen kann. Unsere Kinderbibel mussten wir unseren Kindern bestimmt 5 bis 10 mal vorlesen und zwar nicht, weil wir es so wollten, sondern sie.
Ich finde, jedes Kind sollte auch das Recht haben, davon zu hören, wie die Erwachsenen glauben, Eltern und Großeltern, aber auch Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde und natürlich auch Diakon und Pfarrerin. Jeder von uns hat doch schon schöne Dinge erlebt, die ihm Gott geschenkt hat und jeder hat erlebt, wie ihm Gott in Krankheit und Gefahren geholfen hat. Jeder kann Kindern die Wunder der Schöpfung zeigen und jeder kann erzählen, warum wir Weihnachten oder Ostern feiern.
Ich bin froh, dass wir in unserer Gemeinde Mitarbeitende bei den Angeboten für Kinder haben, die ehrenamtlich, also umsonst das weitergeben, was sie selbst empfangen haben (Lehrtext). Vielleicht kommen ja nach den Sommerferien noch ein paar hinzu. Wie gesagt, die Kinder haben ein Recht, vom Glauben zu hören, sei es aus der Bibel oder aus dem Leben von uns Erwachsenen.

Gebet: Herr, du bekennst dich zu mir. Mach mich bereit, mich vor anderen Menschen auch zu dir zu bekennen. Du schämst dich nicht, dass ich dein Kind und Geschöpf bin. Und ich will mich nicht schämen, dass du mein Gott bist. Das darf jeder wissen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


PS: Wer einen Tipp für eine gute Kinderbibel möchte, sei es für die ganz Kleinen oder die etwas größeren Kinder, der kann sich an das Ehepaar Dietrich wenden, das unseren Büchertisch betreut: 09805-932847

Samstag, 5. September 2015

Der Liebesbeweis hl

Losung: Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Psalm 25,6

Lehrtext: Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 1.Johannes 4,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie haben / du hast die Urerfahrung gemacht, dass dich jemand geliebt hat, bevor du selbst irgendetwas dazu tun konntest. In der Regel war das die Mutter und dann vielleicht auch der Vater. So soll es sein. Und so hast du auch Vertrauen gelernt. Wenn du Hunger hattest und geschrien hast, kam die Mutter und hat dich gestillt oder gefüttert. Wenn du krank warst, hat sie dich umsorgt. Wenn du geweint hast, hat sie dich getröstet. Sie war einfach da. Sie war für dich da, weil sie dich geliebt hat und, wenn sie noch lebt, noch immer liebt.
Genauso ist es mit Gott. Seitdem das Leben in dir pulsiert, ist er für dich da. Von Ewigkeit her ist er barmherzig (Losung). Seit jeher liebt er dich und vergibt dir, was dich von ihm trennt (Lehrtext). Das ist mehr als eine Behauptung. Er zeigt dir seine Liebe damit, dass Jesus in der Krippe gelegen und am Kreuz gehangen hat – für dich. (Lehrtext)
Und du? Was sollst du für diese Beziehung tun? Nun, er macht seine Liebe zu dir nicht davon abhängig, dass du irgendetwas dafür tust, nicht einmal davon, dass du sie erwiderst. Aber er freut sich wie jeder, der liebt, wenn du dich ihm zuwendest und dein Leben mit ihm teilst.
Doch wenn du einmal den Eindruck hast, dass zwischen ihm und dir etwas nicht mehr stimmt, weil du vielleicht in einer tiefen Krise steckst und dich fragst, warum du seine Liebe nicht spürst, dann sprich so zu ihm, wie auch David zu ihm gesprochen hat (Losung):

Gebet: »Herr, Schritt für Schritt lass mich erfahren, dass du zuverlässig bist. Du bist der Gott, der mir hilft, du warst immer meine einzige Hoffnung. Denke daran, dass du mir schon früher dein Erbarmen und deine Liebe bewiesen hast!« Amen (Psalm 25,5 +6, Übersetzung: HFA) 

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

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Freitag, 4. September 2015

Im Licht seiner Liebe hl

Losung: Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte ihn! Psalm 67,8

Lehrtext: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. Offenbarung 4,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal muss man ein Bibelwort in einer anderen Übersetzung lesen, um es wieder neu zu entdecken. So geht es mir mit dem heutigen Losungswort und dem Psalm 67, in dem es steht:
Gott, sei uns gnädig und segne uns! Sieh uns an im Licht deiner Liebe! Dann wird man auf der ganzen Welt erkennen, dass du uns führst. Alle Völker werden sehen und verstehen: du willst die Menschen retten. Die Völker sollen dir danken, Gott! Ja, alle Völker sollen dich preisen! Alle Menschen sollen sich freuen und jubeln, denn du bist ein gerechter Richter, du regierst die ganze Welt. 
Die Völker sollen dir danken, Gott! Ja, alle Völker sollen dich preisen! Das Land brachte eine gute Ernte hervor, unser Gott hat uns reich beschenkt. Er segne uns auch weiterhin! Alle Völker der Erde sollen ihn anbeten!
Was für ein schöner Psalm! Was für eine schöne Bitte, wenn es da heißt: »Sieh uns an im Licht deiner Liebe!« Ja, das wünsche ich mir und darum bitte ich, dass Gott mich in diesem Licht ansieht besonders dann, wenn ich nicht liebenswert bin, sondern seiner Liebe bedürftig. Und dann geht es in diesem Psalm nicht nur um mich oder das Volk der Israeliten, sondern er weitet den Blick auf die ganze Welt: Gott will die Menschen retten, nicht nur ein paar Auserwählte. So weist dieser Psalm bereits voraus auf Jesus, in dem Gott allen Menschen das Angebot macht, sie zu erlösen.
Doch auch jetzt schon segnet er die Menschen an allen Orten und zu allen Zeiten mit dem Brot der Erde, dass alle zu essen haben, auch die, die ihn nicht kennen. Ihn bitten wir zu Recht um seinen Segen. Ihn beten wir an, denn er, der Schöpfer von Himmel und Erde, ist allein würdig, dass wir ihn ehren und rühmen und uns von seiner Macht leiten lassen. (Lehrtext)

Gebet: Ja Herr, dich allein will ich ehren, denn du bist der Schöpfer und Vater aller Dinge. Alle anderen und alles andere hast du gemacht. Nichts von alledem verdient es, von mir angebetet zu werden, nur du allein. Du herrscht auch über die Mächte der Finsternis. Dir zu dienen, macht mich frei. Dich zu preisen, macht mich froh. Von dir gesegnet zu sein, erfüllt mich mit Zuversicht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 3. September 2015

mehr oder weniger hl

Losung: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. Sacharja 9,9

Lehrtext: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Philipper 2,6-7

Liebe Leserin, lieber Leser,

stellen Sie sich / stell dir mal vor, Christ dürfte nur der sein, der so lebt, wie es die Bibel sagt. Würde dann unsere Welt nicht deutlich anders sein? Oder würde es dann vielleicht nur wenige Christen geben und du oder ich wären gar keine, weil man dann zu viele Nachteile in Kauf nehmen müsste? Stellen Sie sich / stell dir mal vor, wir würden so sein, wie es der heutige Lehrtext in seinem Zusammenhang verlangt:
Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil, seid bescheiden, und achtet den anderen mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge. Seht auf Jesus Christus: Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, Gott gleich zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er nahm menschliche Gestalt an und wurde wie jeder andere Mensch geboren. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz. (Übersetzung: HFA)
Stellen Sie sich / stell dir mal vor, du würdest auf diesen Jesus Christus sehen und dich mit deinem Leben an ihm orientieren. Würdest du dann so leben wie du jetzt lebst? Würden unsere Gemeinden und Kirchen so sein, wie sie jetzt sind? Würde ich so leben, wie ich jetzt lebe?
Für mich kann ich diese Frage mit einem klaren ‚Nein‘ beantworten. Vielleicht hat Franziskus von Assisi so gelebt, nachdem sich der heutige Papst nennt, vielleicht Mutter Theresa. Aber sonst?
Natürlich kann ich jetzt alle möglichen Argumente anführen, warum ich nicht so lebe. Aber wäre das eine Entschuldigung, die vor Jesus bestehen könnte, dem armen, gewaltlosen König auf dem Esel (Losung)?
Ich glaube aus der Bibel so viel gelernt zu haben, dass es nicht darum geht, Maximalforderungen zu erfüllen, sondern den richtigen Weg zu gehen, auch wenn das Ziel noch weit ist. Und dann geht es meistens um ein Mehr oder Weniger, ob ich mehr oder weniger bescheiden bin, ob ich den anderen mehr oder weniger achte als mich selbst, ob ich mehr oder weniger an meinen eigenen Vorteil denke, ob ich mehr oder weniger das Wohl der anderen im Auge habe, ob ich mehr oder weniger auf Jesus Christus sehe und ihm nachfolge. Vielleicht gelingt es ja, im Lauf der Zeit immer etwas mehr von dem zu leben, was die Bibel sagt. Und wenn es nicht gelingt, dass ich dann um Vergebung und um eine neue Chance bitte.

Gebet: Herr, etwas weniger ich und dafür mehr du, etwas weniger ich und dafür mehr meine Nächsten – das möchte ich, darum bemühe ich mich, dazu brauche ich dich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 2. September 2015

unverkrampft und frei hl

Losung: Das ganze Volk jauchzte laut beim Lobe des HERRN, weil der Grund zum Hause des HERRN gelegt war. Esra 3,11

Lehrtext: Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Apostelgeschichte 2,46-47

Liebe Leserin, lieber Leser,

lange ging das nicht gut mit den ersten Christen, als sie täglich im Kirchentempel von Jerusalem zusammenkamen, um dort zu beten, von Jesus zu erzählen und Gott zu loben. Erst wurden sie von den Funktionären des Religionsbetriebs misstrauisch beäugt, dann hinausgeworfen, dann verfolgt. Einer der Hauptgründe war, dass diese Christengruppe von den kirchlichen Ordnungskräften nicht mehr zu kontrollieren war. Diese Menschen brauchten keinen Hohenpriester mehr mit einem komischen Hut auf dem Kopf, keine schriftgelehrten Theologieprofessoren, keine Beamtenpfarrer, kein jüdisches Gesetz, keine Opfertiere, keine starren Rituale, keine pharisäischen Moralprediger und Sittenwächter… Stattdessen hatten sie ihre Glaubensfreude, ihre Liebe zum Herrn und untereinander, ihre eigenen Lieder und Gebete, ihre ganz persönliche, vertrauensvolle Verbindung zu Jesus Christus und Gott. Darum brauchten sie auch bald den Tempel nicht mehr, denn sie hatten ihre Häuser, ihre Wohnungen oder die freie Natur, wo sie Gottesdienst feierten.
Doch lange ging auch das nicht gut, bis der erste von ihnen sich einen komischen Hut aufsetzte und sagte „Ich bin jetzt Bischof!“ Und allmählich kam der ganze Religionsbetrieb wieder zurück. Doch diesmal nicht mit jüdischen, sondern mit christlichen Vorzeichen. Heute wenden sich in unserem Land alljährlich Hunderttausende von einer Kirche ab, die ihnen zwar Steuern abnimmt, aber außer Ritualen wenig mehr zu geben hat, die super organisiert, juristisch durchreguliert und effizient verwaltet ist, wo du aber Glaubensfreude und Begeisterung mit der Lupe suchen musst und wenig zu hören ist vom Lob Gottes, das aus einem ‚lauteren Herzen‘ kommt (Lehrtext).
Schade eigentlich.
Okay, ich kenne alle Einwände, die jetzt gegen diese Sätze vorgebracht werden. Ich hatte ein Berufsleben lang Zeit, darüber nachzudenken und verschiedene Wege zu gehen, die sich meines Erachtens als wenig zielführend herausgestellt haben. Mir ist klar geworden: Alles beginnt mit dir, mit dem einen Menschen, der zum Glauben kommt, manchmal durch Mitarbeiter der Kirche, manchmal ohne oder sogar gegen sie. Doch damit dann dein Glaube wachsen und blühen kann, brauchst du andere, mit denen du zusammen Gott loben, beten und sein Wort aus der Bibel hören kannst. Das kann in einer Kirche sein oder in einer Glaubensgemeinschaft oder in einem Hauskreis. Die entscheidende Frage ist nicht, welcher Konfession du angehörst, sondern ob du eine gesunde Gemeinschaft findest, in der du ein froher Mensch sein kannst, der unverkrampft und frei seinen Glauben lebt, der Gott mit Jesus in den Höhen und Tiefen seines Lebens lobt und an andere die Liebe weitergibt, die er selbst von ihm empfangen hat.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du eine solche lebendige Gemeinschaft oder auch Gemeinde findest, die nicht beklemmend gesetzlich und hierarchisch ist, in der nicht kleinbürgerliche Moral oder Wissenschaftsangst herrschen, sondern das befreiende Evangelium von Jesus. Und ich beglückwünsche dich, wenn du schon fündig geworden ist.

Gebet: Herr, entfache aufs Neue die Begeisterung für dich in meinem Herzen. Bewahre mich vor Gleichgültigkeit wie vor Verfolgung. Schenke mir Freude am Glauben und stärke mich in der Liebe zu dir und meinen Mitmenschen. Amen

Herzliche Grüße

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Dienstag, 1. September 2015

Lobpreis tut gut hl

Losung: Ich will den HERRN laut preisen mit meinem Mund und inmitten vieler ihn loben. Psalm 109,30

Lehrtext: Hanna trat hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Lukas 2,38

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie loben Sie / wie lobst du Gott? Gar nicht, hin und wieder in einem stillen Gebet, laut Zuhause, laut mit anderen in einem Gottesdienst, in einem Gebet oder mit einem alten oder neuen Lobpreislied wie „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ oder „Wer ist ein Gott wie du?“? Lobst du ihn mit deinem Mund oder auch mit deinem Herzen? Lobst du ihn, weil es andere auch tun oder aus Überzeugung?
So viel kann ich sagen: Bis vor 10 Jahren war ich skeptisch, wenn andere begeistert von neuen Lobpreis-Liedern gesprochen und erst recht, wenn sie sie gesungen haben. Dann ist die Mauer meiner Vorbehalte in sich zusammengebrochen. Während eines zeitgemäßen Gottesdienstes habe ich mich plötzlich dabei ertappt, wie ich ein Lobpreislied mitgesungen habe, wie es mich innerlich berührt hat und mir plötzlich Tränen in den Augen standen. Und dann habe ich gemerkt, wie unglaublich gut es tut, mit anderen zusammen gern und ohne Scham Gott auch mit einfachen Liedern zu loben und zu preisen.
Die Kritiker haben schon recht, moderne Lobpreislieder haben oft nicht die musikalische und literarische Qualität wie ein Choral von Paul Gerhardt. Aber kommt es darauf an? Erhört Gott nur die Gebete von Literatur-Nobelpreisträgern? Freut er sich nur über Lieder, die Johann Sebastian Bach komponiert hat? Darauf kommt es an, dass du überwältigt wirst von der wunderbaren Gnade und Liebe Gottes, von seiner Majestät und Herrlichkeit und dass du das alles in seinem Sohn Jesus Christus entdeckst und seine Liebe zu dir mit Liedern und Gebeten erwiderst.
Doch, es ist schon gut, Gott zu Hause zu loben, ob in einem stillen Gebet oder besser noch, mit einem Lied. Aber es hat noch einmal eine ganz andere Qualität, das mit anderen zusammen in einem Gottesdienst zu tun, der dich berührt. Dann gehst du ganz anders wieder aus diesem Gottesdienst hinaus als du hineingegangen bist, dann ist deine Seele erfrischt und dein Glaube gestärkt, dann bist du ermutigt, auch zu anderen von dem zu sprechen (Lehrtext), was dir neue Kraft gegeben hat.

Gebet: Herr, ich preise dich, dass ich im Glauben erfahren kann, wie nah und wunderbar du bist. Du umgibst mich von allen Seiten. In dir lebe ich und du in mir. Immer wieder vergibst die mir meine Fehler und gibst mir eine neue Chance. Immer wieder hilfst du mir aus meinen Schwierigkeiten und öffnest Türen, wo zuvor keine waren. Durch deinen Sohn Jesus schenkst du mir deine Liebe und hältst deine segnende und schützende Hand über mir. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

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Montag, 31. August 2015

Alles! hl

Losung: Der HERR sprach zu Mose: Das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen. 2.Mose 34,10

Lehrtext: Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen? Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn? Markus 6,2-3

Liebe Leserin, lieber Leser,

was sind die auch für dich und für mich sichtbaren Werke und Taten des Herrn? Alles! Das gesamte Universum mit allen Galaxien und Sternen und Planeten, auch die Erde mit allem Leben darauf ist das sichtbare Werk des Herrn. Warum sollte nur die unverhoffte Heilung eines Schwerkranken das sichtbare Werk des Herrn sein und nicht auch die Pappel am Bach? Warum sollte nur die Sonne am Himmel das sichtbare Werk des Herrn sein und nicht auch ein Haar auf deinem Kopf? Wir Menschen sind immer auf Sensationen aus, auf große, bedeutende und eindrucksvolle Ereignisse und übersehen darüber die zahllosen kleinen Wunder Gottes, die uns zu jeder Zeit umgeben, von denen wir auch selbst ein Teil sind. Wer meint, Gott nur im Besonderen zu entdecken, übersieht ihn im Alltäglichen. Und noch etwas: Wenn dir bei Daimler in Stuttgart jemand eine Schraube und eine Mutter zeigt, dann siehst du eine Schraube und eine Mutter. Doch der Mitarbeiter dieser Firma weiß, dass es sich um Teile eines Mercedes SLK 500 handelt. Er sieht im Kleinen schon das große Ganze. Er sieht sozusagen in Schraube und Mutter schon das Auto, zu dem diese Teile gehören.
Auch ich sehe von Gottes großen Werken oft nur die kleinen Teile. Ich beachte sie kaum, weil ich nicht weiß und nicht verstehe, dass sie zu einem größeren Ganzen gehören. Ich sehe ein kleines Flüchtlingskind. Aber Gott sieht in ihm bereits den Professor, der ein entscheidendes Mittel zur Bekämpfung von Krebs entdecken wird.
Was sind die sichtbaren Werke und Taten des Herrn? Alles! Nichts von dem, was ist, ist bedeutungslos. Alles spielt eine Rolle im großen Plan Gottes, auch wenn wir das nicht verstehen. Sein größtes Werk aber ist kein Professor, kein König und kein Papst, keine berühmte Künstlerin und keine Präsidentin, sondern ein Handwerker, ein Zimmermann. Ein solcher »fertigt, errichtet und repariert Bauwerksteile, wie Dachkonstruktionen, … auch ganze Bauwerke aus Holz…« (Wikipedia). Einer aus dieser Zunft hat nicht nur Dachbalken getragen, sondern auch den Kreuzbalken und mit ihm die Sünde der Welt. Einer aus dieser Zunft hat alles auf sich genommen, damit es dir und mir leichter wird. Einer aus dieser Zunft hat uns, die wir oft so gottesblind sind, die Augen des Glaubens geöffnet für die großen Werke und Taten des Herrn.

Gebet: Herr, schenke mir Augen des Glaubens, dass ich deine Werke auch in meinem Alltag sehen kann, dass ich erkenne, was du für mich getan hast und tust. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 30. August 2015

Sich besinnen und die Konsequenzen ziehen hl

Losung: Ich bin gnädig, spricht der HERR, und will nicht ewiglich zürnen. Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den HERRN, deinen Gott, gesündigt hast. Jeremia 3,12-13

Lehrtext: Der Herr hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 2.Petrus 3,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich nach Hause komme, loggt sich mein Smartphone automatisch ins private WLAN-Netz ein. Ich muss also die Verbindung nicht extra manuell herstellen. Ob das bei Gott auch so ist, dass, wenn ich an ihn denke, mir automatisch, also ohne mein Zutun, die Fehler und Sünden vergeben sind? Die beiden Bibelworte heute sprechen nicht dafür. Und ich selbst bin auch nicht dafür. Ich brauche eine zweite Chance, aber nicht, um es genauso wieder, sondern um es anders und besser zu machen. Und dazu muss ich mich meinem Versagen und meiner Schuld stellen, darüber nachdenken und daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Dann kan,n ich mich auch darauf verlassen, dass Gott mir vergibt.
In eine ähnliche Richtung geht der heutige Lehrtext. Der Herr will nicht, dass jemand verloren werde. Das gehört zu den Grundüberzeugungen meines Glaubens. Die Geschichte vom Verlorenen Schaf, die Jesus erzählt, bringt das auf den Punkt (siehe Losungsauslegung vom 16.8.15). Doch er will noch mehr. Er will, dass ich mich besinne, wenn ich mich in meinem Verhalten ihm und meinen Mitmenschen gegenüber ‚verirrt‘ habe und dass ich dann einen anderen, einen besseren Weg einschlage. Nur so lerne ich aus meinen Fehlern.

Gebet: Herr, du gibst mir die Maßstäbe, mit denen ich mein Leben überprüfen kann. Darum ist es mir auch recht, wenn du von mir erst einmal eine gründliche Besinnung erwartest und die Bereitschaft es künftig besser zu machen, bevor du vergibst. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 29. August 2015

Versuchung zur Undankbarkeit hl

Losung: Dein Volk spricht: »Der HERR handelt nicht recht«, während doch sie nicht recht handeln. Hesekiel 33,17

Lehrtext: Führe uns nicht in Versuchung. Matthäus 6,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

soviel hat man als Erwachsener gelernt: Das Leben ist nicht gerecht. Begabungen, Schönheit, Reichtum, Schicksalsschläge und Glück, – das alles ist höchst ungleich verteilt. Manchmal kann man für das Eine oder das Andere etwas tun, zum Beispiel kann man mit Ausbildung und Arbeit den Wohlstand steigern oder du kannst durch deine Lebensweise Krankheiten vermeiden. Für vieles aber kannst du nichts tun. Nein, das Leben ist nicht gerecht. Und was ist mit Gott? Ist er gerecht, handelt er recht?
Du hast einen Angehörigen, der nach längerer Therapie und einem Aufenthalt auf der Palliativstation an Krebs stirbt. Ist die Sache mit dem Krebs gerecht? Handelt Gott da vielleicht unrecht? Es ist schwierig, als Außenstehender dazu Stellung zu nehmen. Und trotzdem möchte ich zu bedenken geben: Ist es nicht auch eine Gnade, dass, wenn man schon Krebs hat, dann in unserem Land lebt, ärztlich gut versorgt wird, in einem sauberen Krankenhausbett liegt, Schmerzmittel bekommt und am Ende auf der Palliativstation noch optimal betreut wird?
Und wenn du jetzt an die Dinge denkst, die in deinem Leben schwierig sind, sind da nicht so viele andere Dinge, die gut sind? Vielleicht bist du von deinem Partner verlassen worden, vielleicht hat dich das tief verletzt und die Wunde schmerzt noch immer. Aber erlebst du nicht gleichzeitig so viele Dinge, von denen Menschen in anderen Ländern nur träumen können? Vielleicht hast du eine gut bezahlte Arbeit, eine schöne Wohnung oder gar ein Haus, Kinder, die dich lieben, Freunde, die dich unterstützen, ein Auto, ein Bankkonto und darüber hinaus lebst du noch in einem reichen Land, in einem Rechtsstaat und kannst die sozialen Absicherungen wie Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rente in Anspruch nehmen, musst keine Angst haben vor Krieg, musst nicht auf die Flucht, musst nicht hungern…
Also, ist nun Gott gerecht, handelt er recht, oder nicht? Kannst du ihm alles in allem für dein Leben danken oder hast du nur noch Grund zur Klage und Anklage?
»Führe uns nicht in Versuchung.« – Diese Bitte aus dem Vaterunser hat für mich auch den Sinn, dass ich mich nicht versuchen lasse, undankbar zu sein und nur noch die negativen Dinge zu sehen. Es gibt auch eine Versuchung zum Neid, zur Undankbarkeit, zum Jammern, zur Übellaunigkeit, zum Trübsinn und zur Hypochondrie.
Bevor ich Gott anklage und ihm vorwerfe, nicht recht zu handeln, will ich mich erst selbst fragen, ob ich im Recht bin oder nicht vielleicht doch zu selbstgerecht.

Gebet: Ja Herr, es geschehen viele Dinge auf dieser Welt, die ich nicht verstehe und bei denen ich mich frage, ob du recht handelst. Aber bevor ich mich in allgemeinen Vorwürfen ergehe, will ich mich selbst fragen, wie schlecht oder besser wie gut mir es eigentlich geht und ob ich nicht allen Grund habe, dir zu danken. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 28. August 2015

Raus aus der Schublade hl

Losung: Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, auch Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen. Jeremia 31,8

Lehrtext: Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott ist der große Sammler. Aber wen oder was sammelt er? Der Prophet Jeremia sagt: Die zerstreuten Menschen seines jüdischen Volkes, auch die kleinen, schwachen und kranken.
Jesus ist der große Lumpensammler. Aber wen oder was sammelt er? Dazu ein Ausschnitt eines Textes von Theo Lehmann:
»Als er am Kreuz hing, hing er nicht zwischen zwei feierlichen Altarkerzen, sondern zwischen zwei fiesen Terroristen. Einer der beiden hatte einen Mord auf dem Gewissen. Er kann jetzt nur noch fluchen oder beten. Und da betet er: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Es ist eine groteske Situation. Ein Lump, der am Kreuz hängt, bittet in letzter Minute Jesus, der auch am Kreuz hängt, um Aufnahme ins Reich Gottes. Und Jesus, der größte Lumpensammler aller Zeiten, nimmt ihn auf. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Dieser Mann ist der erste, der durch das Kreuz gerettet wurde. Er starb in Frieden. Der auf der anderen Seite starb mit einer Lästerung, obwohl er direkt neben Jesus hing. Jesus ist gekommen, um die Verlorenen zu retten. Keiner ist für ihn zu schlecht. Egal, wie tief einer gefallen ist – die Liebe von Jesus reicht bis in die untersten Schubladen menschlicher Schuld. Jesus, der sogar für seine eigenen Mörder um Vergebung bat, vergibt jedem, der ihn darum bittet. Die Bibel sagt: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.“ (Apostelgeschichte 2,21)«
In welcher „Schublade menschlicher Schuld“ steckst du? Mir musst du diese Frage nicht beantworten, sondern dir selbst. Ich jedenfalls vertraue darauf, dass er meine Schublade aufzieht, um mich da rauszuholen. Und ich glaube, bei dir ist das genauso.

Gebet: Herr, es ist kein gutes Leben in der Schublade der eigenen Schuld. Aber es ist auch nicht hoffnungslos. Obwohl ich nicht die Kraft habe, mich selbst daraus zu befreien, vertraue ich doch deiner Kraft, die mich aus aller Schuld, aus allem Leid, ja selbst aus dem Tod herausholen wird. Ich mag mich vielleicht verirrt haben. Aber verloren bin ich nicht, weil du mich aufsammelst, wo ich auch bin. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 27. August 2015

Vom Umgang mit den Schwachen hl

Losung: Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer. Sprüche 14,31

Lehrtext: Paulus schreibt: Obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus. Galater 4,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

lange, vielleicht zu lange hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den fremdenfeindlichen Brandanschlägen und den Schreiorgien von Rechtsradikalen geschwiegen. Die Bibel schweigt nicht. Sie gibt eine klare Antwort:  Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer. Auch ein Muslim, der aus Syrien geflohen ist, auch ein Flüchtling aus Eritrea ist ein Geschöpf Gottes, ist nicht mehr aber auch nicht weniger wert als du und ich und hat von Gott die gleiche Menschenwürde bekommen. Etwas anderes kann und darf auch die Kirche, etwas anderes können und dürfen auch wir Christen in unserem Land nicht sagen.
Trotzdem wächst bei vielen die Sorge, wie es mit den vielen Flüchtlingen weitergehen soll, wie sie sich integrieren, ob sie sich an die hier geltenden Spielregeln und Gesetze halten und was das für unsere Zukunft bedeutet. Ich finde, diese Sorgen muss man ernst nehmen. Die Sache mit den Flüchtlingen bei uns darf weder verharmlost noch dramatisiert werden.
Natürlich gibt es Probleme, wenn plötzlich so viele Menschen aus anderen Kulturkreisen und Ländern und mit anderen Religionen zu uns kommen. Mit staatlichen Maßnahmen und Geld allein kann man diese Probleme nicht lösen. In gewisser Hinsicht ist jeder von uns gefragt, wie er auf diese Situation reagiert.
Wie sich da wohl Jesus verhalten hätte, ist nicht schwer zu erraten. Aber wer von uns ist schon Jesus? Wer kann so sein wie er? Wer hat seine Kraft und sein Gottvertrauen, sein Herz und seinen Mut? Ich finde, wir dürfen uns jetzt nicht gegenseitig überfordern. Ich freue mich über jede und jeden, die sich den Flüchtlingen vorbehaltlos öffnen können und sich für sie einsetzen, wie das in unserer Gemeinde geschieht. Aber ich verurteile auch den nicht, der Sorgen, ja, der auch Angst hat; der erst einmal Vorbehalte äußert und auf Abstand geht.
In einem Punkt aber gibt es keinen Kompromiss: Wer Gewalt gegenüber den Schwachen anwendet, wer Flüchtlingsheime anzündet und den Zufluchtsuchenden Todesangst einjagt, der verhält sich kriminell und gehört strafrechtlich verfolgt. Der lästert Gott.
Jeder von uns wird wohl einmal in eine Situation kommen, in der er auf das Verständnis und die Hilfe anderer angewiesen ist und sei es später einmal im Pflegeheim. Wer will dann als „unnützer Esser“, als sozialer Ballast oder gar als „unwertes Leben“ bezeichnet werden? Wir hatten das in Deutschland vor gerade mal 70 Jahren schon einmal, als man die Behinderten vernichtete. Wer heute noch stark ist, kann morgen schon schwach sein. Wer heute meint, alles im Griff zu haben, kann morgen schon auf die helfenden Hände anderer angewiesen sein. 
Der Apostel Paulus war körperlich behindert. Manche hatte seine Krankheit abgestoßen. Manche sind ihm deswegen aus dem Weg gegangen oder haben sogar vor ihm ausgespuckt. Aber die Menschen, die nicht zuletzt durch ihn Christen geworden waren, haben ihn aufgenommen wie einen Engel, ja wie Jesus selbst. Sie sind auch für uns heute noch ein Beispiel.

Gebet: Herr, ich will nicht nur mit dem Mund bekennen, sondern mit dem Herzen glauben und lieben. Ich will nicht nur schöne Worte machen, sondern ihnen auch Taten folgen lassen. Allein schaffe ich das nicht. Aber wenn du mir dabei hilfst, wird es gehen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 26. August 2015

Was meint Gott? hl

Losung: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN! 2. Chronik 18,4

Lehrtext: Diese aber sind's, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen's an und bringen Frucht. Markus 4,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

rumms, raus aus dem Bett. Schnell, schnell: Zähneputzen, duschen, rasieren, anziehen, kurz frühstücken. Noch einen Blick in die Zeitung, dann zum Auto, durch dichten Verkehr ins Büro. Das Telefon klingelt schon, der Kalender zeigt für heute vier Termine an, das E-Mail-Postfach quillt über…
Wo bleibt Gott? Hat er auch noch ein Wörtchen mitzureden? Oder gehen Sie  / gehst du in den Tag und triffst du deine Entscheidungen ohne ihn?
»Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn!« – Es gäbe viele Anlässe, sein Gewissen zu prüfen und zu fragen, was Gott von dem hält, was man vorhat. Und womöglich würde einiges besser laufen, wenn man das auch tatsächlich täte. Mit „man“ meine ich sowohl dich als auch mich. Ich selbst lebe allzu oft drauf los, ohne danach zu fragen, ob diese oder jene Entscheidung auch Gott recht ist.
Im Lehrtext ist davon die Rede, dass diejenigen, die auf Gottes Wort hören und es annehmen, Gutes bewirken, für sich und andere. Gutes, das kann auch heißen, auf Vorteil, Gewinn und Erfolg zu verzichten, wenn das zu Lasten anderer geht.
„Was wird wohl Gott dazu sagen? Was würde Jesus jetzt an meiner Stelle tun?“ Diese Fragen sind wie ein Kompass, anhand dessen ich den Kurs meines Lebens korrigieren und finden kann.

Gebet: Herr, schweige nicht zu dem, was ich vorhabe. Sprich mir ins Gewissen und wecke mein Ohr, dass ich deine Stimme aus den vielen Stimmen des Tages heraushöre. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 25. August 2015

genug ist genug hl

Losung: Der HERR sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt. Joel 2,19

Lehrtext: Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt. Matthäus 14,19-20

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann ist genug genug? So allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten. Das muss jeder für sich entscheiden. Darum frage ich jetzt noch einmal anders: Wann hast du von den Dingen, die dir wichtig sind, so viel, dass du zufrieden sein kannst? Wann hast du genug Geld, Macht, Essen, Ansehen, Sex, Schuhe (das betrifft nur die Damen), Hobbys, Wellness, Kleider, Abenteuer, Alkohol…?

Genug ist nicht genug

Konstantin Wecker singt:
Dieser Stadt schwillt schon der Bauch,
und ich bin zum großen Knall bereit.
Auf den Dächern hockt ein satter Gott
und predigt von Genügsamkeit:

Genug ist nicht genug,
ich lass mich nicht belügen.
Schon Schweigen ist Betrug, genug kann nie genügen.

Komm, wir brechen morgen aus,
und dann stellen wir uns gegen den Wind.
Nur die Götter gehn zugrunde,
wenn wir endlich gottlos sind.

Ich kann sie nachvollziehen, diese Gier nach Leben. Jeder hat wohl mehr oder weniger davon in sich. Aber wenn sie uferlos wird, wird sie zerstörerisch für einen selbst und für die Mitmenschen. Konstantin Wecker war eine Zeit lang dem Kokain verfallen bevor er auf die harte Tour lernen musste, dass man nicht ständig im Rausch leben kann. Genug muss eben auch mal genug sein.

Gesellschaftsfähige Gier

Doch die grenzenlose Gier ist in unserem Land politik- und gesellschaftsfähig, wenn es um das ständige Wirtschaftswachstum geht. Hauptsache Wachstum, ist die Devise des Kapitalismus. Das ist aber auch die Devise von Krebs: Wachsen, wachsen und wachsen bis der Organismus, von dem sich der Krebs ernährt, tot ist und er selbst dazu. »Genug ist nicht genug«.
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten, dass weniger die Armen als vielmehr manche Reichen den Hals einfach nicht voll kriegen und mit Steuerhinterziehung, Bestechung und kriminellen Geschäften versuchen, ihren ohnehin schon beträchtlichen Reichtum noch mehr zu mehren. Uli Hoeneß ist da nur die Spitze des Eisbergs. »Genug ist nicht genug«.
Trotz des massenhaften Einsatzes von Pestiziden, Fungiziden, Kunstdünger und Gülle mussten manche Landwirte in diesem heißen Sommer die Erfahrung machen, dass sie die Erträge nicht uferlos steigern können. Auch in der Landwirtschaft wirkt die Gier zerstörerisch für Mensch und Tier. Und trotzdem gilt auch hier die Devise: Wachsen oder weichen. »Genug ist nicht genug«.
Dabei haben wir doch in unserem Land weiß Gott genug. Brauchen ich das wirklich alles, was im Supermarkt angeboten wird? Brauchen ich wirklich alles, was Amazon liefern kann?

Das Wunder des Teilens

In der heutigen Losung sagt Gott, dass er seinen Menschen so viel für ein gutes Leben geben wird, dass sie genug haben. Nein, er ist nicht knauserig. Gott ist großzügig. Auch das ist ein Wesenszug an ihm. Aber er sorgt auch dafür, dass unsere ‚Bäume nicht in den Himmel wachsen‘. Er begrenzt das Wachstum. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist dafür ein aufschlussreiches Beispiel. Auch für andere soll noch etwas da sein, auch für unsere Kinder und Enkel. Genug ist genug.
Als Jesus damals die vielen Menschen sah, die oft weite Wege gelaufen waren, um ihn zu hören, spürte er nicht nur ihren geistlichen Hunger. Er wusste: Zwar lebt der Mensch nicht vom Brot allein, sondern auch vom Wort Gottes, aber Brot braucht er ebenso. Und so geschah jenes Wunder von den fünf Broten und zwei Fischen, jenes Wunder des Teilens, das dazu geführt hat, dass alle satt wurden, dass alle genug hatten. 

Genug ist genug

Nein, gottlos werden, wie Konstantin Wecker singt, ist nicht die Lösung für unsere Verteilungsprobleme auf dieser Welt. Im Gegenteil. Die Verantwortung vor Gott und für die Mitmenschen begrenzt die Gier. Wenn ich Gott um das tägliche Brot bitte, wenn ich ihm dafür danke, wird mir klar, dass nichts selbstverständlich ist, sondern alles Geschenk. Doch er schenkt das tägliche Brot nicht mir allein, sondern allen seinen Menschen. Es wäre genug da, wenn wir in den reichen Ländern nicht so gierig und ungerecht wären. Wenn wir endlich einmal genug hätten und von dem, was dann immer noch reichlich übrig bleibt, anderen etwas abgäben.

Gebet: Herr, du gibst mir mehr als ich zum Leben brauche. Danke, dass ich so viel habe, dass ich auch anderen etwas abgeben kann. Erhalte mir ein empfindsames Herz, dass ich angesichts der vielen Not nicht abstumpfe, sondern meinen Beitrag leisten kann, sie zu lindern. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 24. August 2015

Wie wichtig ist dir der Glaube hl

Losung: Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jesaja 52,10

Lehrtext: Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Johannes 1,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mitte August habe ich um 2:30 Uhr den Meteoritenschwarm der Perseiden am Nachthimmel betrachtet. Innerhalb weniger Minuten zogen 10 Meteoriten über mich hinweg und hinterließen kurz eine leuchtende Spur. Alle, die ich daraufhin angesprochen habe, lagen um diese Zeit im Bett, obwohl manche von dem Schauspiel wussten. Es war ihnen nicht wichtig genug. Viele mussten am nächsten Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, deshalb ruhten sie sich lieber aus. Ich habe dafür volles Verständnis. Aber manchmal verpasst man dann halt etwas im Leben.
Und so ist es meiner Meinung nach auch eine Frage der Priorität, nach dem Licht Ausschau zu halten, »das alle Menschen erleuchtet« (Lehrtext). Ist es mir wichtig genug, Zeit für meinen Glauben aufzuwenden, mir Zeit zu nehmen, diese Losungsauslegung zu lesen oder in der Bibel, oder einen Gottesdienst zu besuchen, Lieder zu singen und vor allen Dingen: Ist es mir wichtig genug, mir Zeit für Gott zu nehmen und zu ihm zu beten?
Wer die Perseiden sehen will, muss sich den Wecker stellen und das warme Bett verlassen. Und zuvor musst du dich für diese Himmelserscheinung interessieren und Bescheid wissen, wann und wo du sie sehen kannst. Mit dem Glauben an Jesus ist das ähnlich. Ohne die Bereitschaft, mich für ihn zu interessieren, ohne die Bereitschaft, von ihm zu hören, über ihn zu lesen, kurz und gut: mir Zeit für ihn zu nehmen, ohne das alles wird sich zwischen mir und ihm keine persönliche Beziehung einstellen. Einerseits ist der Glaube ein Geschenk, ist Gnade. Andererseits muss man sich den Glauben aber auch erarbeiten wie zum Beispiel die Liebe zur klassischen Musik. Einfach so in den Schoß fällt einem selten etwas, nicht mal eine Sternschnuppe.
Du kannst natürlich auch warten bis ans Ende der Welt, wenn dann nach dem Zeugnis der Bibel Christus wiederkommt und Gott seine Macht vor aller Augen sichtbar macht (Losung), wenn wir nicht mehr nur glauben, sondern auch schauen. Aber es wäre doch schade, Gott bis dahin zu verpassen und sich allein durch dieses Leben zu schlagen.

Gebet: Herr, im Glauben zeigst du mir jetzt schon deine Herrlichkeit und dein Licht. Das ändert mein Bild von dieser Welt und von mir selbst. Das wirkt sich unmittelbar aus auf meinen Alltag, weil du es bist, der mich ermutigt und mir neue Kraft gibt, wenn ich mich schwach fühle. Stärke du in mir die Bereitschaft und die Kraft, dich zu suchen und dir zu vertrauen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 23. August 2015

Die Kraft der Schwachen hl

Losung: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jesaja 40,29

Lehrtext: Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. 2.Korinther 12,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gewaltherrscher machen einen dummen Fehler, wenn sie Christen verfolgen. Sie meinen, ihnen mit Schikanen, Gefängnis, Folter und Mord den Glauben nehmen zu können. Aber sie bewirken das Gegenteil. Würden sie die Bibel lesen, zum Beispiel den heutigen Lehrtext, wüssten sie von Paulus, dass sie die Schwachen dadurch nur stark, die Ohnmächtigen nur umso mächtiger machen.
Wer Christen wirklich schwächen will, muss ihren Glauben schwächen, sie hofieren, muss ihnen erlauben, Steuern zu erheben, muss den Eindruck erwecken, als würde man auf sie hören und jeglichen Druck von ihnen nehmen. Und wenn es ihnen dann in einem solchen Staat so richtig gut geht, dann werden sie auch so richtig schwach. Dann fängt ihr Glaube an zu verkümmern, dann zählen hauptsächlich die Äußerlichkeiten: Riten und Rituale, Rechtssammlungen und Traditionen.Dann folgen sie nicht mehr ihrem Herren, sondern ihren Interessen. Dann gehen sie mit den Vielen durch das große Tor auf der breiten Straße und nicht mehr durch die enge Pforte auf dem schmalen Weg (Matthäus 7,13 +14).  Dann wird Kirche zum Religionsbetrieb.
Ist das nicht etwas zu einfach, zu pauschal und ungerecht? Vielleicht. Aber schauen Sie / schau doch mal genau hin, wie es um den Glauben in unserer Kirche, in unseren Gemeinden bestellt ist und dann bilde dir dein eigenes Urteil.
Natürlich will ich nicht, dass es uns Christen schlechter geht, nur damit wir besser glauben. Aber es würde dem Glauben gut tun, wäre die Kirche bereit, sich endlich völlig vom Staat zu lösen, auf Steuergelder und Einfluss zu verzichten und ihre Angelegenheit aus eigener Kraft zu regeln, aus der Kraft ihres Herrn, die in den Schwachen mächtig ist. Gewiss wäre sie dann kleiner und ärmer, aber auch glaubwürdiger und lebendiger.

Gebet: Herr, ich wünsche mir so sehr, dass wir Christen mit unserer Art zu leben und zu glauben eine klare Alternative in dieser Gesellschaft wären. Aber wie soll daraus etwas werden, wenn ich nicht selbst damit beginne? Ich schaff das nicht aus eigener Kraft. Ich fühle mich ohnmächtig und allein. Sei du meine Kraft und Stärke. Amen

Herzliche Grüße 

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 22. August 2015

Gottes Freundlichkeit schmecken hl

Losung: Der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Klagelieder 3,25

Lehrtext: Ihr habt ja geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. 1.Petrus 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den sechziger Jahren gab es eine Werbekampagne der Bildzeitung mit dem Motto: „Seid nett zueinander!“ Man erhoffte sich offenbar, mit diesem Aufruf die Auflage zu steigern, also mehr Profit zu machen. Aber was heißt das: ‚nett‘?
Nett ist vielleicht ein Onkel, der seiner Nichte zehn Euro schenkt. Und vielleicht tut er das auch, weil die Nichte brav ist und nett ausschaut. Wenn jemand ‚nett‘ ist, möchte er einem anderen gefallen. Bist du aber freundlich, so ist das ein Ausdruck deiner inneren Einstellung. Gott ist nicht nett. Er ist nicht so etwas wie der nette große Onkel. Ich möchte auch keinem ‚netten‘ Kuschelgott gehören, sondern dem Heiligen und Lebendigen, der mich herausfordert, ihm in Freude und Leid bedingungslos zu vertrauen. Aber dass ER, der Herr, freundlich zu mir ist, darüber freue ich mich, weil er mir nicht feindselig gesinnt ist oder mit Misstrauen begegnet. Denn für Gott gehört Freundlichkeit zu seinem Wesen.
Es soll immer noch Christen geben, die Angst vor Gott haben. Das liegt aber nicht an ihm, sondern an Menschen, die ihnen mit einem strengen Gott Angst einjagen wollen. Sie missbrauchen den Namen Gottes und verstoßen gegen das Zweite Gebot. Demgegenüber zieht sich die Ermutigung „Fürchte dich nicht!“ wie ein roter Faden durch die ganze Bibel und mit ihr immer wieder die Rede vom ‚freundlichen Gott‘. Ja, unser Gott ist menschenfreundlich (Titus 3,4), das hat er in Jesus gezeigt. Kann man das ‚schmecken‘? Ich meine schon, dass die Freude am Leben und die Freude am Glauben gut schmecken (Lehrtext). Guten Appetit!

Gebet: Herr, ich hoffe auf dich, den freundlichen Gott, der mir mit Liebe begegnet. Du forderst mich aber auch heraus, gegenüber meinen Mitmenschen freundlich und liebevoll zu sein. Dafür will ich mir Mühe geben, um dir so für deine Freundlichkeit zu danken. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 21. August 2015

Gericht im Licht hl

Losung: Gott weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist lauter Licht. Daniel 2,22

Lehrtext: Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. 1.Korinther 4,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu den Eigenschaften, die man Gott zuschreibt, gehört, dass er das ist, was die amerikanischen NSA-Spione oder Google gerne sein möchten: allwissend. Doch das ist nicht mal der Teufel, der in Goethes ‚Faust‘ sagt: »Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewusst «. Im Gegensatz zu NSA und Google missbraucht Gott sein Wissen nicht zum Nachteil anderer, sondern setzte es zu deinen und meinen Gunsten ein. So hat er zum Beispiel dem Propheten Daniel die Deutung des Traums von König Nebukadnezar offenbart, die in der Finsternis lag (Losung), und damit das Leben vieler Menschen gerettet.
   Ja, in seinem Licht kommt alles ans Licht, auch die Hintergründe der Dinge, von denen ich nur die Oberfläche kenne, auch die genetischen und sozialen Bedingungen, durch die ich zu dem wurde, der ich bin.
   Im Grunde ist es unmöglich, dass ein Mensch dem anderen gerecht werden kann. Du beurteilst eine Verhaltensweise oder Tat nach deinen Maßstäben und so, wie du sie wahrnimmst. Aber wo überall die Tat in der Vergangenheit eines Menschen wurzelt, das siehst du nicht. Und selbst wenn du dich bemühst, die lebensgeschichtlichen Hintergründe aufzuhellen, wirst du nur einen kleinen Ausschnitt zu Gesicht bekommen. Auch ein Richter kann nur nach den vorliegenden Erkenntnissen und den sich wandelnden Gesetzen Recht sprechen. Aber er wird einem Angeklagten niemals gerecht.
   Deshalb mahnt mich der heutige Lehrtext, dass ich über andere nicht richten und erst recht nicht den Stab brechen soll. Nur Gott sieht ins Verborgene. Nur er weiß, was war, was ist und was sein wird und warum alles so ist wie es ist. Deshalb hat er andere Maßstäbe als ich und kommt zu anderen Ergebnissen. Dafür bin ich im Hinblick auf mich selbst dankbar, weil ich auf seine Gnade vertraue.
   Einmal wird alles ans Licht kommen. Alles. Auch die geheimsten Wünsche und Gedanken. Wie wird das dann sein, wenn Jesus Christus kommen wird, »zu richten die Lebenden und die Toten«? Werden wir dann vor Angst zittern müssen? Nein, das glaube ich nicht. Aber dass wir uns alle ohne Ausnahme gründlich schämen werden, das glaube ich schon.

Gebet: Herr, du bist Licht. In dir ist keine Finsternis. Wo du bist, ist alles hell und klar. Dein Licht vertreibt auch meine Schatten. Dein Licht ist nicht grell und kalt, sondern warm und gnädig. In diesem Licht möchte ich leben hier und dort, jetzt und dann. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 20. August 2015

Das Geheimnis der Taufe hl

Losung: Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland. Jesaja 45,15

Lehrtext: Jesus sprach: Der Menschensohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Die Zwölf aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen. Lukas 18,32-34

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute kreist unser gemeinsames Nachdenken über die Bibel um eines der größten Geheimnisse des Glaubens, um den Grund und Abgrund von Theologie:
Wo war Gott, als Jesus gequält, gekreuzigt und umgebracht wurde? Hatte er sich in irgend einen fernen Himmel zurückgezogen? Hat er sich in dunklen Wolken verborgen?

unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich

Die Antwort ist ungeheuerlich und für Muslime, Juden, Buddhisten oder Ungläubige, ja selbst für viele Christen nicht nachzuvollziehen: Er selbst war der Gekreuzigte. Er litt in und mit seinem Sohn. Er starb durch die Grausamkeit der Menschen, die er doch geschaffen hatte. Er wehrte sich nicht, sondern liebte. Er strafte nicht, sondern vergab. So ist Gott gestorben! - - - So und nur so hat er aber auch den Tod und die Macht der Finsternis besiegt. Ja, das ist paradox, widersinnig. Da kommt man im Denken nicht mehr mit. Aber gerade im Leiden und Sterben Jesu war Gott mit ihm auf das Engste verbunden: unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich.
Wenn du dich in Leid und Not, in deinen seelischen und körperlichen Schmerzen fragst, wo denn jetzt Gott ist, auch dann heißt die Antwort: bei dir. Vielleicht verstehst du das nicht. Vielleicht spürst du das nicht. Und trotzdem, es ist so.

Gott im Flüchtlingsboot…

Er sitzt auch im Boot bei den Flüchtlingen im Mittelmeer. Er leidet in den geheimen Folterkellern. Er sitzt in den Todeszellen. Er ist bei den Krebspatienten und bei den Menschen mit Demenz im Pflegeheim. Selbst bei den misshandelten Kindern... Wie soll man das begreifen? Ich kann das nicht.
Freilich rettet Gott auch immer wieder aus allen diesen Schrecken. Aber dann rettet er auch wieder nicht, dann stirbt Jesus, dann gehen die Boote unter, dann leiden Gefangene unter den Qualen der Folter, dann werden die zum Tod Verurteilten getötet, dann sterben Krebspatienten, Menschen mit Demenz kehren daraus nicht mehr zurück, und die misshandelten Kinder bleiben geschädigt ihr Leben lang. So ist die dunkle Seite der Wirklichkeit. Wir alle wissen das, doch niemand weiß warum.
Manche sagen, einen solchen Gott, der das zulässt, wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Aber welchen dann? Würde denn ein anderer Gott nützen oder keiner?
Mein Problem ist jetzt, dass ich etwas nahezu Unsagbares in Worte fassen muss. Deshalb geht es mir nun nicht darum, mit Argumenten einen Zweifelenden zu überzeugen, sondern einen Glaubenden zu stärken, ja mich meines eigenen Glaubens zu vergewissern. Da hilft es nichts, wenn ich mir selbst etwas ausdenke. Da muss und will ich mich an der Bibel festhalten, am Wort Gottes.

Das Geheimnis der Taufe

Und so sage ich nun in Übereinstimmung mit dem Apostel Paulus (Römer 6) von dir und von mir, was ich weiter oben von Jesus gesagt habe: In der Taufe wurden wir mit diesem Jesus, mit seinem Leiden und Sterben auf das Engste verbunden: Unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich. In der Taufe sind wir seinen Tod mit ihm gestorben, im Taufwasser ‚ertrunken‘. In der Taufe wurden wir aus diesem Element des Todes herausgezogen, gerettet in ein neues Leben hier und jetzt und ins ewige Leben: »Denn wenn wir mit Jesus verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein (Paulus: Römer 6, 5) .«
Das alles ändert nichts daran, dass – und jetzt spreche ich von mir, weil ich dich nicht vereinnahmen will –, dass ich, der ich glaube, die dunkle Seite der Wirklichkeit erleide wie alle anderen auch: Angst, Schmerzen, Leid, Sterben und Tod. Aber ich erleide dies als Getaufter, der in alledem mit Jesus und durch ihn mit Gott auf das Engste verbunden ist und bleibt. Dazu musste ich nichts tun. Doch damit das für mich Wirklichkeit wird, vertraue ich darauf, dass es so ist, wie die Bibel sagt.

Mit Kreide auf den Tisch geschrieben

Ob mir das einmal helfen wird, wenn ich in Todesangst bin? Wenn es mit mir zu Ende geht? Ich weiß es nicht. Als Martin Luther nicht mehr wusste, was er noch glauben sollte, hat er mit Kreide auf den Tisch geschrieben „Ich bin getauft!“. Das, so heißt es, habe ihm geholfen, am Glauben festzuhalten.
Ja, Gott mag dir manchmal verborgen sein. Aber dann hat er sich nicht in einen fernen Himmel zurückgezogen, sondern sich ‚eingewickelt‘ in deiner Angst, in deiner Not, in deinem Leid. Da wirst du ihn finden als deinen ‚Heiland‘ (Losung), deinen Retter und Erlöser. Er bleibt bei dir, was auch immer mit dir geschieht. Das glaube ich.

Gebet: Herr, das Leben kann so schön sein. Warum kann es nicht so bleiben? Warum hat es auch seine dunkle, grausame Seite? Es geschehen so viele Dinge, die ich nicht verstehe. Aber ich hoffe, dass du verstehst, was geschieht. Du bist nicht nur ein Gott für die guten Zeiten. Du bist in Jesus in die tiefsten Tiefen des Leids hinabgestiegen, um auch denen nahe zu sein, die abgestürzt sind. Auch da bist du bei mir. Auch auf der Schattenseite des Lebens bist du mein Licht. Halte du auch dann an mir fest, wenn ich nicht mehr die Kraft habe, an dir festzuhalten. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr