Sonntag, 9. Januar 2022

Jesus, die NATO und der Krieg hl

Losung: Weh denen, die sich verlassen auf Rosse und vertrauen auf Wagen, weil ihrer viele sind! Aber sie schauen nicht auf den Heiligen Israels, und den HERRN befragen sie nicht. Jesaja 31,1

Lehrtext: Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Hebräer 2,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich kenne viele Christen aus meinem Umfeld, die es beruhigt und sicher macht, dass wir ein Militär  haben und alle möglichen Vernichtungswaffen: nicht mehr, wie zu Jesajas Zeiten, Schlachtrosse und Streitwagen, sondern Schlachtschiffe, Bomber, Panzer, Raketen und jede Menge Artillerie. Übrigens, auf ihnen allen ist das Kreuz Jesu als sogenanntes "Balkenkreuz" gemalt. Was für eine Blasphemie! Welche Kirche hätte dagegen protestiert? Ich kenne keine.

Warum machen Waffen sicher? Kannst du mir darauf eine Antwort geben, wenn du zu jenen Christen gehörst? "Aber man muss sich doch verteidigen können!" Ja, das ist eine Antwort. Doch nun frage ich dich wieder: "Was hatte die deutsche Wehrmacht in Russland und Frankreich, in Norwegen und Griechenland verteidigt? Was hat die Bundeswehr in Afghanistan verteidigt? Und was soll sie in der Ukraine verteidigen? In der jüngsten Geschichte wollten die USA in Vietnam, Irak, Libyen, Syrien und Afghanistan angeblich Demokratie, Wohlstand, Menschenrechte "verteidigen" und den Terror bekämpfen. Was bitte ist daraus geworden? 

Völkerrechtswidriger Angriffskrieg mit der Bundeswehr

Deutschland gehört zum Militärbündnis NATO. Diese dürfte ihren eigenen Statuten zufolge nur ihre Mitgliedsstaaten verteidigen. Aber sie hält sich nicht daran wie im Frühjahr 1999 der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der NATO und der Bundeswehr (!) auf Serbien (Der Link führt zu Informationen des Deutschlandfunks über die Hintergründe) gezeigt hat. Ich erinnere mich noch gut, wie damals in Kroatien deutsche Tornado Kampfjets von Italien kommend über meinen Kopf hinweg nach Serbien geflogen sind. Dieser Bombenkrieg ohne UN-Mandat hat das  Vertrauen in ein friedliches Deutschland tief erschüttert. Bei vielen ist er leider wieder vergessen.

Pulverfass Ukraine

Jetzt wird laut darüber nachgedacht, dass NATO und Bundeswehr in die Ukraine marschieren, direkt vor die Haustür von Putin und den Russen. Hat man denn in Washington, Brüssel und Berlin vergessen, welche ungeheuren Greueltaten deutsche Soldaten vor gerade mal 80 Jahren in der Ukraine verübt haben? Sind die Kesselschlacht von Kiew und die Verbrechen von Babi Jar (Babyn Jar) vergessen? Bei uns, wie es scheint. Bei den Russen und Ukrainern nicht.

Wenn schon das Bedürfnis besteht, dass unser Land heute verteidigungsfähig sein soll, warum bleibt dann die Bundeswehr nicht im eigenen Land?

Nun, wir in Deutschland sind nicht die ersten und nicht die letzten, die sich auf "Rosse und Wagen" verlassen. Die Juden haben das zur Zeit Jesajas getan und tun es heute wieder. Ebenso wie wie alle Länder, die zwei Jahrtausende "christlich" geprägt wurden.

Dass da im Buch des Propheten Jesaja etwas anderes steht, nämlich sich auf den HERRN und nicht auf Militär verlassen - da lacht man in den USA, in Russland, in Deutschland und Israel: "Wir sind doch Realisten und keine religiösen Spinner!" Wohin dieser "Realismus" in den letzten 2500 Jahren  geführt, wozu er verführt hat, kann jeder selbst nachlesen, falls er diese Geschichte des Horrors erträgt.

Die Alternative zu Krieg und Gewaltanwendung

Und die Alternative? Jesus! Er lehnte Gewalt ab und lehrte, die Feinde zu lieben, also mit ihnen zu reden, ihre Befürchtungen und Interessen zu verstehen, ihnen entgegenzukommen und ihnen zu helfen, das Gesicht zu wahren statt ihnen zu drohen und sie zu bekämpfen. Zum Frieden fähig in seinem Sinn ist, wer im Feind den Menschen sieht, seinen Bruder und seine Schwester. Wer vor dem ersten Schuss Mitleid und Erbarmen hat mit den künftigen, den potentiellen Opfern auf beiden Seiten, insbesondere mit den wehrlosen Kindern, den Frauen und alten Menschen. Jesus hat die Feindesliebe selbst vorgelebt. "Auf ihn sollt ihr hören", heißt es in der Bibel (Lehrtext; Matthäus 17,5)

Doch wer ist ihm, diesem "religiösen Spinner" schon gefolgt? Welcher Papst, welcher Bischof, welcher Dekan, welche Pfarrerin und welcher Pfarrer? Ihm ging es nie nur um den Seelenfrieden. Seit seiner Geburt gilt das Wort vom "Frieden auf Erden!"

Wenigstens gab und gibt es ein paar Christen, wie die Quäker in den USA und die sonst problematischen Zeugen Jehovas, die lieber ins Gefängnis gehen als in Uniform zu marschieren und zu den Waffen zu greifen. Und es gibt ein paar kluge Köpfe wie Leo Tolstoi, Kurt Tucholsky, Rosa Luxemburg, Albert Einstein, Gandhi, Martin Luther King und Prominente wie John Lennon, den Dalai Lama, Jane Fonda, Muhammed Ali, Joan Baez und andere, die den Irrsinn von Militär und Krieg verabscheuen. Und es gibt das ermutigende Beispiel der deutsch-französischen Freundschaft nach der sogenannten Erbfeindschaft und Millionen Kriegstoten auf beiden Seiten.

"Wehe!"

"Wehe!", ruft Jesaja. Und Jesus weint (!) über Jerusalem. Er klagt: "Warum hast du nicht erkannt, was zu deinem Frieden dient? Nun werden die Feinde kommen und sie werden dich samt deinen Kindern zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen.(Lukas 19,42-44) So ist es geschehen. "Wehe!", rufen Millionen Kriegsopfer, Kinder, Frauen und Soldaten aus ihren Gräbern, "wehe den Leichtfertigen und Vergesslichen, den Unversöhnlichen und Feindseligen, den  Gewaltbereiten und Geschäftemachern des Todes und allen, die ihnen folgen!"

Krieg, das heißt immer, dass hilflose Kinder auf bestialische Weise umgebracht werden: erschossen, zerfetzt, verbrannt ... Früher aus nächster Nähe, heute oft aus großer Höhe mit Bomben, Raketen und Drohnen. Von wem? Von den anderen, den Bösen. Wir aber sind natürlich immer die Guten. Wir "verteidigen" nur und waschen unsere Hände in Unschuld.

Gebet: Herr, ich habe große Sorge, dass aus dem neuen kalten Krieg zwischen West und Ost ein heißer werden kann. Ohne deinen Geist, ohne den Geist des Friedens und der Versöhnung werden wir in Europa wieder aufeinander losgehen. Ja, natürlich bitte ich dich um Frieden wie so viele Menschen in so vielen Ländern und Jahrhunderten zuvor. Doch ich muss selbst einen Beitrag leisten. Muss mich entfeinden, friedfertig und versöhnlich werden. Ich will mich bemühen so gut ich kann. Du musst mir dabei helfen. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr



Samstag, 8. Januar 2022

Wie du trotzdem hoffen kannst hl

Losung: Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein Fürsprecher ist in der Höhe. Hiob 16,19 

Lehrtext: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräer 11,1        

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es nur so leicht wäre, zuversichtlich zu sein, dass eintrifft, was man hofft. Ich weiß nicht, worauf andere ihre Hoffnung gründen. Vielleicht auf den Spruch der rheinischen Frohnaturen in Köln: „Bis jetzt ist noch alles gut gegangen“ oder auf andere Weisheiten. Der Lehrtext sagt mir: ‚Gründe du deine Hoffnung auf den Glauben‘. Genauer und mit Blick auf die Losung: ‚Gründe deine Hoffnung auf den lebendigen Gott. Er war und ist und bleibt der Herr über Zeit und Ewigkeit. Er ist dein König, der regiert. Er ist dein Hirte, bei dem dir nichts mangelt. Er wird morgen derselbe sein, der er heute ist und gestern war.‘

Ich teile im Hinblick auf die Zukunft unseres Landes und den Zustand der Welt nicht den Optimismus derer, die sagen: „Der Markt wird alles richten.“ Ich glaube auch nicht mehr, dass die vielen Konferenzen zum Klimawandel irgendetwas zum Besseren verändern. Ich glaube erst recht nicht, dass Wettrüsten, Militärbündnisse und Drohungen den Frieden erhalten. Anders gesagt: Ich gründe meine Hoffnung nicht auf menschliche Vernunft, Politik und Leistungskraft, auch nicht auf meine eigene.

Stattdessen sage ich mit Martin Luther:

Ich setze mein Vertrauen auf keinen Menschen auf Erden,
auch nicht auf mich selbst,
auch nicht auf meine Gewalt, Kunst, Gut, Frömmigkeit
oder was ich sonst hab.
Ich setze mein Vertrauen auf keine Kreatur,
sie sei im Himmel oder auf Erden.
Ich wage und setze mein Vertrauen
allein auf den unsichtbaren, unbegreiflichen, einzigen Gott,
der Himmel und Erde erschaffen hat
und allein über alle Kreatur herrscht.

Und dabei, liebe Leserin, lieber Leser, geht es nicht nur um die großen Probleme der Menschheit, sondern auch um meine eigenen. Aber soll ich denn nun meine Hände in den Schoß legen und abwarten, was Gott macht? Nein. Ich soll mit meinen Kräften, die er mir gegeben hat, gelassen und besonnen tun, was möglich ist. Er wirkt auch durch sie und wird das Seine dazutun.

Was und wie dann alles wird, ist sowieso seine Sache. Sein Wille geschieht im Himmel und auf Erden. Nicht meiner. Ich vertraue darauf, dass Gottes Wille ein guter ist, der für seine Schöpfung und für uns Menschen und für dich und für mich letzten Endes nur das Beste will und schafft. Dieses Vertrauen flößt mir Jesus Christus ein, in dem Gott sich zeigt, wer und wie er ist. Eine andere, eine bessere Alternative kenne ich nicht und brauche ich nicht, um für mich und die Welt zuversichtlich zu sein. 

Und weil es so treffend, so tröstend und so stärkend ist, bringe ich wieder dieses Gebet der ökumenischen Gemeinschaft in Taize:

Meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht,
Christus, meine Zuversicht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Freitag, 7. Januar 2022

Versöhnung heilt hl

Losung: Du sollst heute wissen und zu Herzen nehmen, dass der HERR Gott ist oben im Himmel und unten auf Erden und sonst keiner. 5.Mose 4,39

Lehrtext: Es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel. Kolosser 1,19-20       
„Alle mal herhören: Ihr seid versöhnt mit Gott, alle ohne Ausnahme (Lehrtext). Und nun versöhnt euch mit euch selbst und mit den anderen! Bedenkt, es lebt sich besser versöhnt als unversöhnt. Ihr werdet freier und unbeschwerter, friedlicher und toleranter, fröhlicher und gelassener sein. Das tut euch gut und ihnen auch."

Liebe Leserin und lieber Leser, 

für mich ist das die gute Nachricht, die die Welt braucht und ich zuerst. „Aber, aber“ sagen Kritiker und Bedenkenträger, Besserwisser und Zweifler, „all die Schuld der anderen, all das eigene Leid; was soll uns da Versöhnung?“

     Kein Aber. Das große Geheimnis des Universums und deines Lebens heißt: Es lebt ein versöhnter Gott oben im Himmel und unten auf Erden (Losung), bei dir und bei mir. Er hat nichts gegen dich, aber alles für dich. Nicht ihn musst du fürchten, sondern dein unversöhntes Herz.

     Für diese Nachricht hat Jesus gelebt. Für sie ist er gestorben. Damit wir ihr glauben, hat Gott ihn auferweckt und uns zu seinen Boten gemacht. Doch es reicht nicht, sie mit den Lippen zu bekennen. Wir können selbst als versöhnte Menschen leben, denn Versöhnung heilt.

 Gebet: Herr, du hast deinen Menschen nicht den Krieg erklärt, sondern sie mit dir versöhnt. Du schaust nicht auf das, was dich zornig macht, sondern schenkst mir deinen Frieden. So möchte auch ich ein versöhnlicher Mensch sein und mit dir und meinen Mitmenschen in Frieden leben. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 6. Januar 2022

Nie wieder Selbsterniedrigung und Selbstentwertung hl

Losung: Ich will sie reinigen von aller Missetat, womit sie wider mich gesündigt haben, und will ihnen vergeben. Jeremia 33,8

Lehrtext:
Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1. Johannes 2,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

halal, koscher, rein - für Muslime und Juden ist es heute noch von großer Bedeutung, dass sie unterscheiden zwischen rein und unrein. Das betrifft vor allem die Speisen, aber auch andere Bereiche des Lebens.

     Christen kennen die religiöse Unterscheidung von reinen und unreinen Speisen nicht mehr. Aber nicht wenige von ihnen, vor allem in früheren Zeiten, fühlten sich selbst unrein, von Sünden befleckt und mit Schuld beschmutzt. Priester und Pfarrer haben ihnen das seit biblischen Zeiten eingeredet, weil ihnen selbst das auch eingeredet worden ist. Und sie haben eine mächtige Waschmaschine betrieben namens Kirche, in der die schmutzigen Seelen mit Blut reingewaschen würden. Mit dem Blut Jesu. 

Schauerliche Blut-Esoterik … 

     Wie schauerlich das heutzutage klingt. Aber früher schien das für viele normal gewesen zu sein. Doch sein Blut ist kein Waschmittel, sondern eine Metapher für seinen Tod, dafür, dass er seine Feinde und sogar seine schwierigen Freunde bis zuletzt geliebt hat. Dafür steht der Wein des Abendmahls und nicht für Blutopfer, Blutwäsche und obskure Blut-Esoterik.

     Besonders schlimm finde ich, dass Menschen das Gefühl gegeben wurde, sie seien schmutzig, nicht nur äußerlich, sondern innerlich. Um sich wenigstens vorübergehend nicht mehr schmutzig zu fühlen, gingen sie zur Beichte und zur Eucharistie beziehungsweise zum Abendmahl. Im katholischen Schuldbekenntnis und in dem einiger protestantischer Gemeinschaften heißt es bis heute: „Meine Schuld, meine Schuld, meine übergroße Schuld“. 

… und schauerliche Selbstentwertung 

Ich lehne diese Selbsterniedrigung vor Gott entschieden ab. Sie führt nur zur Selbstentwertung und zu religiösen Neurosen. Oder sie wird nur noch gedankenlos dahergeplappert. Hat Jesus so etwas vom Zöllner Zachäus verlangt oder von der Frau, die ihm die Füße gesalbt hat oder überhaupt von jemandem, den er geheilt hat? Hat er das jemals zur Bedingung gemacht, damit er sich einem Menschen zuwandte? Dir vielleicht? Oder sind das Erfindungen, vielleicht in bester Absicht und in der irrigen Meinung, man würde ihm oder Gott damit einen Gefallen tun oder man wäre damit seinem Wort in der Bibel gehorsam.

     Aber sagt die Losung nicht genau das? Lässt der Prophet Jeremia nicht Gott selbst so sprechen? Ja. Und ich will das Jeremia auch gar nicht zum Vorwurf machen. Damals war eine solche Sichtweise offenbar eine religiöse Selbstverständlichkeit und man meinte, Gott so recht verstanden zu haben. Doch wir sind 2600 Jahre weiter. 

Wir könnten Christen sein, die dazugelernt haben 

Wir könnten Christen sein, die von Jesus und seinem Evangelium gelernt haben. Er ist genau zu denen gegangen, die sich schmutzig und wertlos gefühlt haben, weil die Frommen sie damals so angesehen und behandelt haben: die Aussätzigen, die Zöllner, die Huren, „die Hirten auf dem Felde“. Ihnen hat er nicht die Beichte abgenommen, sondern hat sie als seine Brüder und Schwestern angenommen.

     In seiner Gegenwart spielten die Sünden keine Rolle mehr. Sie waren und sind in dem Augenblick vergeben, da er sich einem Menschen zuwendet. In seiner Gegenwart muss sich niemand schmutzig, wertlos und klein fühlen. Und so ist es noch immer. Nicht sein Blut wäscht dich rein, sondern seine Liebe. In seinen Augen ist es jeder und jede wert, das zu sein, was wir alle sind: Kinder Gottes. 

Gebet: Herr, du weißt wie ich bin und ich weiß das auch. Du weißt, dass ich darunter leide, wenn ich mich anderen gegenüber falsch verhalten habe, wenn ich sie verletzt und enttäuscht habe. Das tut mir leid. Doch du gibst mir die Kraft, sie um Entschuldigung zu bitten und befreist mich von meinem schlechten Gewissen. Denn du willst keine verkrümmten Seelen, sondern dass wir Menschen aufrecht und frei durchs Leben gehen als fröhliche Geschöpfe unseres Gottes. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 5. Januar 2022

Ein Sack voll Gold oder ein Herz voll Liebe? hl

Losung: Der HERR spricht: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. 2. Mose 33,19 

Lehrtext: Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet. 2. Korinther 8,9 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

noch einmal geht es heute um Gnade. Gestern schrieb ich: "Gnade ist Geschenk und "Gott schenkt sich selbst im Kind in der Krippe". Aber wem? Beschenkt er vielleicht die sogenannten wiedergeborenen Christen und lässt die anderen Gläubigen und die Ungläubigen leer ausgehen? 

Gott sei Dank legen nicht Menschen, auch nicht Päpste, Bischöfe und Pfarrer fest, wer Gottes Gnade bekommt. In der Losung wird deutlich: Gott ist ganz und gar frei ist, wem er gnädig sein will. Er richtet sich nach niemanden, nur nach sich. Aber er verhält sich nicht willkürlich.

Seitdem ein Kind im Stall geboren wurde und ein Mann am Kreuz hing werden alle von ihm mit Jesus, also mit seiner Nähe und Hilfe beschenkt. Er hat uns Gottes Liebe gebracht und im Glauben reich gemacht. Wäre er mit einem Sack voll Gold auf die Welt gekommen, hätten alle das gewollt. Aber so ist er arm gekommen, damit nichts von seiner Liebe ablenkt und du nichts anderes von ihm erwartest. 

Genügt dir das? Oder willst du mehr? Willst du ein Auserwählter sein unter vielen Verlorenen? Eine Gerettete unter Verdammten? Ein Freigesprochener unter Schuldigen und Sündern? Willst du wenigstens „im Himmel“ für das belohnt werden, was dir hier auf der Erde entgangen ist?

Gott ist kein Krämer, der mit sich handeln ließe. Kein Lehrer, der religiöse Fleißpunkte verteilt. Er selbst ist dein Geschenk. Du findest es nicht unterm Weihnachtsbaum, sondern in der Krippe.

Gebet: Mein Gott, wie gut, dass ich mir keine Gedanken machen muss, ob ich deiner würdig bin. Wie gut, dass ich mir deine Güte nicht verdienen muss. Wie gut, dass du deine Liebe zu mir nicht von mir abhängig machst, von meinem Verhalten, sondern von Jesus Christus. Er ist gerade für die da, die dir nichts geben können, nicht einmal Glauben. In ihm bist du offen für die Welt und umarmst du alle deine Geschöpfe, sogar uns Menschen. Wie gerne wäre auch ich ein vertrauensseliger Mensch, der nicht richtet und verurteilt, sondern versteht und verzeiht. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 4. Januar 2022

Gottes Gnade sichtbar machen

Losung: Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele. Psalm 57,2

Lehrtext: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche müssen ihre Peiniger um Gnade anflehen, wenn sie attakiert werden und sich nicht wehren können. Ich erspare mir und dir Beispiele. Wir alle kennen solche Fälle aus den Medien.
Niemand muss Gott um Gnade anflehen. Er attakiert und quält niemand. Schon gar nicht mit Fegefeuer und ewiger Verdammnis.
Seine Gnade ist auch kein großmütiger Verzicht auf Strafe, weil wir böse waren und gesündigt haben.
Sie ist, was auch ein Lexikon sagt: "Gefälligkeit und Gabe, aber auch Wohlwollen, Zuwendung oder Gunst, die dem Menschen von Gott ohne Vorbedingung entgegengebracht wird."

Gnade ist immer Geschenk

Gnade ist ihrem Wesen nach immer Geschenk. Sie ist dein Weihnachtsgeschenk, weil Gott dir das Kind in der Krippe schenkt, weil er sich selbst in ihm schenkt - dir und mir. Ér ist Gnade in Person.
Noch ist im Kirchenjahr Weihnachtszeit bis Lichtmess. Noch hast du die Möglichkeit, entweder bei dir Zuhause oder in einer Kirche dich bewusst vor eine Krippe zu stellen und das Jesuskind anzusehen - mit deinen Augen und mit deinem Herzen.
Und vielleicht geht es dir dann ähnlich wie mir, dass du mehr siehst als nur Figuren. Dass dich dieser Anblick im Innersten berührt und bewegt.
Mein Glaube braucht auch Bilder, die Gottes Gnade sichtbar machen und dazu gehören für mich vor allem Krippe und Kreuz.
Mein Glaube soll aber auch verstehen, was Gott mir damit  sagen will: "Hans, ich schenke dir mit Jesus meine Liebe. Du musst dafür nichts tun. Du musst nichts zurückgeben. Doch ich freue mich, wenn ich dich damit froh und dankbar mache."
Übrigens, Kreuze sieht man das ganze Jahr. Warum nicht auch das Jesuskind? Vielleicht packe ich heuer mal nur die anderen Krippenfiguren weg, aber nicht die Gnade.

Gebet: Mein Gott, Menschen können gnadenlos sein gegen ihresgleichen und gegen Tiere. Du kannst das nicht. Du bist ja selbst Gnade und mir zugewandt. Manches Mal spüre ich das nicht. Manches Mal verstehe ich dich nicht. Doch hältst auch in den schweren Stunden bei mir aus und gibst mir die Kraft, sie zu bestehen. Oft aber spüre ich deinen Segen. Dann werde ich dankbar und froh. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Montag, 3. Januar 2022

Das Leben feiern hl

Losung: Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! Jeremia 14,9 

Lehrtext: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. Epheser 1,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

1979 fand der Evang. Kirchentag in Nürnberg statt unter dem Motto "Zur Hoffnung berufen" (Lehrtext). Im Vorbereitungsheft war eine Geschichte von William Saroyen abgedruckt, die sich mir eingeprägt hat und die ich heute mit dir teilen möchte:

Parabel von der Lieblichkeit des Gottvertrauens

Zur Erläuterung der ehrfurchtgebietenden Lieblichkeit des Vertrauens in Gott und der Sinnlosigkeit jeglicher Verzweiflung berichtet meine Großmutter Lucy die vielhundertjährige Geschichte des Zimmermanns, den eines Abends auf seinem Heimweg ein Freund anhielt und fragte: „Mein Bruder, warum bist du so traurig?“

"Wärest du in meiner Lage, du empfändest wie ich", sagte der Zimmermann. "Erkläre dich", sprach der Freund. "Bis morgen früh" sagte der Zimmermann, "muss ich elftausendelfhundertelf Pfund Sägemehl aus Hartholz für den König bereit haben" oder ich werde enthauptet."

Der Freund lächelte und legte ihm den Arm um die Schulter. "Mein Freund", sagte er, "sei leichten Herzens. Lass uns essen und trinken und den morgigen Tag vergessen. Der allmächtige Gott wird, während wir ihm Anbetung zollen, statt unserer des Kommenden eingedenk sein."

Sie gingen also zum Hause des Zimmermanns, wo sie Weib und Kind in Tränen fanden. Den Tränen wurde Einhalt getan durch Essen, Trinken, Reden, Singen, Tanzen und allsonstige Art und Weise von Gottvertrauen und Güte. Inmitten des Gelächters fing des Zimmermanns Weib zu weinen an und sagte: "So sollst du denn, mein lieber Mann, in der Morgenfrühe enthauptet werden und wir alle vergnügen uns indessen und freuen uns an der Güte des Lebens. So steht es also."

"Denke an Gott", sprach der Zimmermann und der Gottesdienst ging weiter. Die ganze Nacht hindurch feierten sie.
Als Licht das Dunkel durchdrang und der Tag anbrach, wurde ein jeglicher schweigsam und von Angst und Kummer befallen.

Die Diener des Königs kamen und klopften sacht an des Zimmermanns Haustür und der Zimmermann sprach: "Jetzt werde ich sterben" und öffnete.
"Zimmermann", sagten sie, "der König ist tot. Mache ihm einen Sarg!"

Liebe Leserin, lieber Leser, ich denke, der Schriftsteller William Saroyen hat recht. Also vergiss bei allem, wie du deinen Glauben ausübst, nicht, dass dazu auch zur rechten Zeit »Essen, Trinken, Reden, Singen, Tanzen und allsonstige Art und Weise von Gottvertrauen und Güte« gehört und dass das ebenfalls »Anbetung« und »Gottesdienst« ist. Damit machst du deinem Gott eine Freude, wenn du ihm zeigst, wie du dich deines Lebens freust, das er dir geschenkt hat.

Fasten und verzichten war gestern, als der Bräutigam (Markus 2,19) noch nicht da war und das Fest noch nicht begonnen hatte. Jetzt aber, da er »alle Tage bis an der Welt Ende« (Matthäus 28,20) unter uns ist (Losung), lass uns das Leben feiern! Wir sind nicht zum Trübsalblasen, sondern "zur Hoffnung berufen".

Gebet: Mein Gott, die Freude am Leben ist dein Geschenk. Die nicht gleich fragt, was später kommt. Die den Augenblick genießt und den morgigen Tag und seine Sorgen dir überlässt (Matthäus 6,34) . Du deckst mir den Tisch auch im Angesicht meiner Feinde und schenkst mir das Glas voll ein. Auf dich kann ich mich verlassen. Amen 

Herzliche Grüße!
Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 2. Januar 2022

Der Herr ist mein Schicksal hl

Losung: Sehet, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand kann aus meiner Hand reißen. 5. Mose 32,39 

Lehrtext: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Römer 14,8 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

als Auslegung hier mein Gebet

Mein Gott, du bist mein Schicksal und nicht die glühenden Sterne, der blinde Zufall, eine anonyme Macht. Aus deiner Hand kann niemand mich reißen (Johannes 10,28); von deiner Liebe niemand mich trennen (Römer 8,39).
Du bist mein Schicksal in den frohen und in den dunklen Stunden. Was auch kommt, ich gehöre dir. Du wirst mich halten und tragen, aufrichten und begleiten. Du wirst mir Zuversicht geben und Lebensmut, Kraft für die Seele und Kraft für den Leib. Du wirst mich segnen und behüten und um mich sein und in mir.
Das glaube ich. Darauf vertraue ich. So gehe ich mit dir in das neue Jahr und durch die sich wandelnden Zeiten. Amen 

Herzliche Grüße und alle guten Wünsche für 2022! 

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 1. Januar 2022

Ein gottoffener Mensch hl

Jahreslosung 2022: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37 (E)

Liebe Leserin, lieber Leser,

in Jesus Christus begegnet mir Gott mit offenen Armen. Er ist schon immer für mich da und für dich ebenso. Ich muss dafür nichts tun genauso wenig wie dafür, dass mir die Sonne jeden Tag scheint auch hinter meinen Sorgenwolken. Aber die Frage ist, ob ich auch für ihn da bin, ob auch ich offen bin für ihn. So für ihn offen sein, das ist für mich Glaube.
     Das will ich im neuen Jahr sein, ein gottoffener Mensch, der mit ihm durch die kommende Zeit geht. Dann muss es mir nicht bang werden vor dem, was kommt.

Gebet: Dein ist das Jahr, dein ist die Zeit. Dein, Gott, ist alle Ewigkeit.
Dein ist die Welt, auch wir sind dein; kann keins hier eines andern sein.
Dein ist der Tag und dein die Nacht, dein, was versäumt dein, was vollbracht. 
So gehn wir, Gott, aus dem, was war, getrost hinein ins neue Jahr,
ins Jahr, dem du dich neu verheisst, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist. Amen

Arno Pötzsch

Sei gesegnet und behütet!

Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 31. Dezember 2021

dankbar und zuversichtlich - Silvesterpredigt 2021 hl

Liebe Freunde, 

tick tack, tick tack macht die Uhr und zählt Sekunden, Minuten und Stunden. Ding dong, ding dong schlägt die Turmuhr zwölf mal um Mitternacht und kündet davon, dass der alte Tag vergangen ist und ein neuer beginnt. Bimm bamm, bimm bamm läuten in wenigen Stunden die Kirchenglocken das neue Jahr ein. Und jedes Mal ist die neue Stunde, der neue Tag, das neue Jahr das erste vom Rest deines Lebens. Jedes Mal wir der Rest kleiner. Und einmal ist es vorbei.

Solche Gedanken können schwermütig machen. Aber so ist nun mal unsere Wirklichkeit. Und ich meine, es ist besser, ihr ins Auge zu schauen, als vor ihr die Augen zu verschließen.

Nein, schwermütig wollen wir heute nicht sein. Dazu hättest du nicht in die Kirche zu kommen brauchen. Das kannst du auch Zuhause. Stattdessen wollen wir heute im letzten Gottesdienst dieses Jahres dankbar und zuversichtlich sein. Und das nicht deshalb, weil uns andere dazu auffordern und sei es der Bundeskanzler. Wir wollen dankbar und zuversichtlich sein, weil die Zeit, die vergangen ist, Gottes Gabe war und die Zeit, die kommen wird, ebenfalls. Er hat uns bis hierher gebracht durch gute und durch schlechte Tage. Er wird uns, so er will, auch durch das neue Jahr bringen, durch schöne und durch schwere Stunden.

Zeit also, jetzt noch einmal auf das alte Jahr zurückzuschauen und einen Ausblick ins neue zu wagen.

Dass wir heute Abend hier den Silvestergottesdienst feiern können, ist alles andere als selbstverständlich. Und wenn ich es genau bedenke, liegt das nicht an mir, nicht an meinen Kräften, sondern an der Kraft dessen, zu dem wir auch heute wieder sagen: »Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.« Ihm will ich jetzt zuallererst danken.

Grund, zu klagen

Vielleicht hat der eine oder die andere von euch heute Abend auch Grund zu klagen. Auch das gehört zum Rückblick auf ein zu Ende gehendes Jahr, dass man auf das schaut, was man verloren hat, auf einen Menschen, auf die Gesundheit, auf privates Glück. Und wem danach ist, der kann und soll das heute Abend auch Gott klagen und ihm sagen, was ihn schmerzt.

Grund, zu danken

Aber es gehört eben auch dazu, dass ich ihm danke für alle Hilfe, die mir im alten Jahr zuteil geworden ist und für das, was ich von ihm durch andere Menschen an guten Dingen bekommen habe. Denn ob wir heute Abend ohne die hier sein könnten, die uns nahe stehen, ist zumindest fraglich. Und wir könnten wohl auch nicht hier sein ohne die, von deren Arbeit wir leben. An sie will ich mit euch jetzt einmal denken und ihnen dabei auch danken.

Ich denke an alle, die in den Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern und Impfzentren arbeiten. In der Zeit der Pandemie wird mir wieder bewusst, wie wichtig ihre Arbeit ist. Ich denke aber auch an die Friseurinnen und Friseure in ihren Salons, an die Verkäuferinnen und Verkäufer in Lebensmittelläden und Tankstellen. An die, die wir als Handwerker brauchen oder die uns mit LKWs die nötigten Waren liefern.

So viele Menschen tragen unablässig dazu bei, dass wir ein normales Leben führen können: Zeitungsausträger und Politiker, Paketboten und Erzieherinnen. Die Arbeiter und Angestellten in den Firmen, der Kaminkehrer und die Postbotin. Die Beamten und Angestellten in der Verwaltung. Alle, die in der Landwirtschaft tätig sind, in den Justizbehörden, bei der Polizei oder bei der Müllabfuhr. 

Ich denke an die Künstler und Künstlerinnen. Wissenschaftler und Lehrerinnen. An die Angestellten der Bahn, die Mitarbeitende bei den Rettungsdiensten und die Freiwilligen der Feuerwehr. Sie alle und noch viel mehr, als ich jetzt aufzählen kann, sind für uns wichtig. Sie ermöglichen uns das Leben, das wir kennen und schätzen und tragen mit dazu bei, dass wir heute hier sein können.

Aber zu ihnen gehören auch alle, auf deren Schultern sie stehen und deren Arbeit sie fortsetzen, die Rentnerinnen und Rentner. Und nicht zuletzt gehören zu den Menschen, die das Leben am Laufen halten auch die Mütter und Väter, Omas und Opas und wer sich sonst noch alles um die nachwachsende Generation kümmert. 

Ihnen allen will ich mit euch heute danken für das, was sie im alten Jahr für uns getan haben. Und da viele von ihnen hier sind, geben wir jetzt allen einen kräftigen Applaus. – Danke!

Tiefer blicken

Nun, all diesen Menschen zu danken, das kann auch der Bundespräsident. Schön, wenn er es tut. Aber wir hier schauen noch etwas genauer hin und blicken tiefer. Wenn wir es genau bedenken, wird uns bewusst, nichts von alledem wäre möglich, wenn Gott nicht seinen Segen dazu geben würde. Wir alle sind seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ob wir das wissen oder nicht. In uns allen wirkt seine Kraft. Und durch einen jeden von uns geschieht seine Hilfe, seine Freundlichkeit und seine Liebe, wie sie uns Jesus schenkt..

Ja, von Menschen geht immer auch Negatives aus, das verletzt und zerstört. So sind wir nun mal. Doch die guten Kräfte überwiegen weit die bösen, sonst würden nur Chaos und Mord und Totschlag herrschen. Lasst uns also heute Abend nicht auf das Schlechte starren, sondern das Gute in den Blick nehmen und dafür dankbar sein.

     Und daraus, liebe Freunde und Freundinnen, schöpfen wir auch die Zuversicht für das neue Jahr. Ich jedenfalls sage mir am Silvesterabend, was wir nach dieser Predigt gemeinsam singen werden:

Nun danke deinem Gott

Nun danke deinem Gott / mit Herzen, Mund und Händen /
Der große Dinge tut / an dir und allen Enden.
Der dir von Mutterleib und Kindesbeinen an
Unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

Ja, das hat er getan. Und darum bin ich zuversichtlich, dass er das auch morgen und im neuen Jahr tun wird. Warum sollte er damit aufhören? Er ist doch heute derselbe, der er gestern war und der er morgen sein wird. Darauf verlasse ich mich.

Und wenn es doch anders kommt? Wenn sich meine Gesundheit verschlechtert, wenn es Konflikte mit anderen gibt, wenn ein Unglück geschieht oder die gesellschaftlichen Probleme überhand nehmen – was dann? Dann singe ich wie die, die vor mir gelebt haben und die zu ihrer Zeit mit ihren Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, die oft größer waren als meine sind. Wie sie, so singe ich dann den nächsten Vers:

Der ewigreiche Gott / woll mir bei meinem Leben /
Ein immer fröhlich Herz / und edlen Frieden geben /
Und mich in seiner Gnad / erhalten fort und fort /
Und mich aus aller Not / erlösen hier und dort.

Liebe Freunde, uns ist doch in dieser Zeit nicht das Paradies versprochen. Zum Leben auf dieser Erde gehören nun mal auch Schmerzen und Leid, Enttäuschungen und Sorgen. Aber darum vertrauen wir doch auf Gott, weil er nicht nur die Macht hat, uns so viel Gutes zu geben, sondern auch die Kraft uns aus aller Not zu erlösen hier und dort, heute und morgen.

So will ich mit euch zuversichtlich aus diesem Jahr ins neue gehen und durch die sich wandelnden Zeiten. Mag auch die Uhr leise ticken und die Turmuhr schlagen. Mögen auch die Kirchenglocken um Mitternacht den Jahreswechsel einläuten und daran erinnern, dass meine Zeit vergeht – ich möchte trotzdem nicht, dass Schwermut den Rest meines Lebens überschattet. Ja, einmal kommt der letzte Tag. Aber heute ist es noch nicht soweit. Darum will ich mit einem fröhlichen und dankbaren Herzen weiterleben solange mein Gott will. Amen

Lied: Nun danket alle Gott (Evang. Gesangbuch Nr. 321)

Herzliche Grüße und Gottes Segen mit Gesundheit, Freude und Zuversicht im neuen Jahr!

Ihr / dein Hans Löhr

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Beispiel sein, nicht Richter hl

Losung: Dein ist der Tag, dein auch die Nacht; du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben. Psalm 74,16 

Lehrtext: So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid. Römer 13,12-13        

Liebe Leserin, lieber Leser, 

so ist es, dass ich sehe, wie andere sich verhalten und ich sie danach beurteile (Lehrtext). Doch wann mache ich mir schon klar, dass mein gegenwärtiger Standpunkt mein Urteil beeinflusst und dass sich mein Urteil ändert wenn sich mein Standpunkt ändert?
Der Verfasser der Losung schaut auf zum Nachthimmel und beobachtet, wie im Lauf der Nacht die Sterne an seinem Auge vorüberziehen. Was er aber noch nicht wissen konnte, ist, dass nicht die Sterne sich bewegen, sondern die Erde, auf der er steht und sich fortwährend von West nach Ost dreht.

Man muss mit seinen Beobachtungen und Urteilen vorsichtig sein. Vielleicht bin ich gar nicht so selbstverständlich im Recht, wie es mir scheint. Vielleicht ist Flexibilität dem Leben angemessener als ein fester Standpunkt.

Rotwein und Fleischfondue 

Ich weiß nicht, was genau der Apostel Paulus unter den „Werken der Finsternis verstanden“ hat. Vielleicht hätte er mich verurteilt, dass ich am ersten Weihnachtsfeiertag im Kreis meiner Kinder und Enkel Fleischfondue gegessen und den guten Rotwein meines Schwiegersohns getrunken habe. Und was „Unzucht und Ausschweifung“ betrifft, so ändern sich auch in diesem Punkt ständig die Urteile. Vermutlich  wäre es für ihn verdammenswert gewesen, dass heutzutage so viele Paare schon vor der Ehe Tisch und Bett teilen. „Hader und Neid“ halte ich allerdings für ebenso problematisch wie er.

Ich kann auch die 2000 Jahre alten Werturteile der Bibel nicht so ohne weiteres in die Gegenwart herüberholen. Doch in diesem Punkt bin ich mit Paulus und der Bibel einig: Die beste „Waffe des Lichts“ ist „die Liebe, die alles hofft und duldet, die langmütig und freundlich ist, nicht eifert und sich nicht bläht, die sich nicht erbittern lässt und das Böse nicht zurechnet.“ (1. Korinther 13,4-6) Die, so möchte ich ergänzen, nicht auf ihrem Standpunkt beharrt, sondern entgegenkommend ist.

Gebet: Herr, meine Aufgabe ist nicht, zu verurteilen, sondern zu verstehen. Nicht, zu strafen, sondern zu verzeihen. Nicht, zu eifern, sondern freundlich zu sein. Meine Aufgabe ist nicht, meinen Mitmenschen das Leben schwer zu machen, sondern es ihnen zu erleichtern. Meine Aufgabe aber ist, ehrlich zu mir selbst zu sein und mir und anderen einzugestehen, wo ich gefehlt habe. Meine Aufgabe ist, für andere ein Beispiel zu sein, aber nicht ihr Richter. Das bist du für mich und sie. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Impfen: Ihr Schutz ist mein Gebot! hl

Losung: Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen. Psalm 30,2 

Lehrtext: Das aufgehende Licht aus der Höhe erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Lukas 1,78-79        

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ich kann mich nicht wie Baron von Münchhausen am eigenen Schopf „aus der Tiefe“ ziehen. Und ich vermute mal, du auch nicht. Aber es sind nicht wenige, die es ausschließlich sich selbst zuschreiben, wenn sie eine Krise überstanden oder eine Niederlage überwunden haben. Und bei wem sollen sie sich dann bedanken, wenn sie es geschafft haben? Bei sich selbst? Es soll in der Tat Leute geben, die sich immer mal selbst auf die Schulter klopfen. Na gut, wenn sie das brauchen.

     Lange Zeit war ich der Meinung, dass »die Finsternis und Schatten des Todes« (Lehrtext) Ereignissen der Vergangenheit angehören. Doch jetzt sitzen wir alle in der Finsternis der Pandemie und täglich legen sich die Schatten des Todes weltweit über alte und junge Menschen.

     Umso heller scheint jetzt „das Licht aus der Höhe“, das Licht aus der Krippe. Umso wichtiger ist jetzt Jesu Gebot, dass man im Hinblick auf Impfen nicht nur an sich selbst denkt und seine Befindlichkeiten, sondern vor allem auch an seine Mitmenschen. Ihr Schutz ist jetzt mein Gebot.

     Es geht einfach nicht mehr nur um mich und irgendwelche Ängste vor einem Nadelstich oder vor dem Impfstoff. Es geht schlicht und einfach um Leben und Tod. Jetzt schon könnten viele noch leben, wenn sich mehr hätten impfen lassen. Ich frage mich, wie wollen es Impfgegner und Impfgegnerinnen mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn sie sich infizieren und ein Bett samt OP-Termin auf der Intensivstation blockieren? Ein Bett, das für einen geimpften Menschen, der eine Krebsoperation gebraucht hätte, lebensrettend gewesen wäre?

     Der kürzeste Weg raus aus der Pandemie ist der Weg des Zusammenhalts und des Friedens (Lehrtext) und nicht der Weg des Egoismus und der Spaltung. Das »aufgehende Licht aus der Höhe« weist uns den Weg. 

Gebet: Herr, dir und deinem Gebot verdanke ich, dass ich wieder hoch kam, wenn ich am Boden lag. Du hast mich nicht im Loch meiner Sorgen und Probleme gelassen, sondern mich wieder herausgeholt. Dafür danke ich dir. Wir alle brauchen jetzt deine Hilfe, dass wir aus dem Todesschatten der Pandemie heraustreten können in dein Licht. Du wirst mein Vertrauen nicht enttäuschen. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 28. Dezember 2021

Worum kreist du? Teil 1 hl

Losung: Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen! Josua 24,16

Lehrtext: Ihr, meine Lieben, baut euer Leben auf eurem allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist und bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben. Judas 1,20-21

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer kreist um wen? 

Jahrtausendelang kreiste für die Menschheit die Sonne um die Erde. Für die meisten Erdenbewohner tut sie das noch immer. Sie haben ein, dem Augenschein entsprechendes, geozentrisches Weltbild. Demzufolge steht die Erde scheinbar still. Die Sonne ist es, die sich zu bewegen scheint. Sie geht doch im Osten auf und im Westen unter. Für diese Menschen ist die Erde der Mittelpunkt des Universums - so wie auch in der Bibel.

Für uns aber kreist die Erde samt den anderen Planeten um die Sonne*. Ihre Schwerkraft hält unseren Heimatplaneten in seiner Bahn. Wer das weiß, hat ein heliozentrisches Weltbild mit der Sonne als Mittelpunkt.

Jahrtausendelang hatten die Menschen ein theozentrisches Verständnis der Wirklichkeit. Für sie waren Götter oder ein bestimmter Gott der Mittelpunkt ihres Lebens und der Welt.

Inzwischen haben die meisten in unserem Land ein anthropozentrisches Verständnis der Wirklichkeit. Für sie steht der Mensch im Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns. 

Für nicht wenige ist sogar das eigene Ich der Mittelpunkt. Diese haben ein egozentrisches Verständnis der Wirklichkeit. Da dreht sich, wie bei einem Kleinkind, alles um das eigene Ich.

In der Losung hat Josua ein Gespür dafür, dass nicht er es ist, der sich selbst in seiner Lebensbahn hält, sondern Gott. Er möchte um keinen Preis das Kraftfeld Gottes verlieren, sonst wäre er verloren und würde ohne Halt durch Raum und Zeit taumeln.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb 1882 zum Tod Gottes, den er behauptete: "Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne (= Gott) losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts?"

Worum kreist du?

Wer ist dein Mittelpunkt? Meiner ist Gott in Jesus Christus. Diese gute Nachricht, dieses Evangelium sagt mir: Wie die Erde von der Sonne, so bist du bist gehalten von Gottes Liebe. Sie hält dich in deiner Bahn und sorgt dafür, dass du nicht in Kälte und Finsternis verloren gehst. Nicht du musst dich "in seiner Liebe bewahren" (Lehrtext), sondern er tut das für dich, jetzt, in dieser Welt, inmitten deiner guten oder schwierigen Lebensumstände.

Statt eines Gebets heute ein bekanntes Gedicht von Rainer Maria Rilke von 1899: 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

*Gemeinsam mit der Sonne und allen anderen Sternen der Milchstraße kreisen, besser rasen wir mit irrsinniger Geschwindigkeit um ihr Zentrum, um ein unvorstellbar massereiches Objekt, das man schwarzes Loch nennt, weil es durch seine Anziehungskraft selbst das Licht gefangen hält und darum unsichtbar ist. Ein Umlauf dauert 240 Millionen Jahre bei einer Geschwindigkeit von knapp 800.000 Kilometer pro Stunde. Gute Fahrt!




Montag, 27. Dezember 2021

Mut und Kraft zur Selbstkritik hl

Losung: Du sprachst: Ich bin unschuldig; der HERR hat ja doch seinen Zorn von mir gewandt. Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: Ich habe nicht gesündigt. Jeremia 2,35 

Lehrtext: Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. 1. Petrus 1,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du viele Erwachsene, die zugeben, dass sie immer wieder mal Fehler machen und sich irren? Die dann auch bereit sind, um Entschuldigung zu bitten, auch ein Kind?
     Nun ja, in der Beichte vor Gott ist es leicht, selbstkritisch zu sein, das eigene Versagen zu bekennen und um Vergebung zu bitten, vor allem, wenn das in der Stille geschieht und kein Mensch hört. Aber vor Menschen ist das für viele eine unüberwindliche Schwierigkeit. Man fürchtet dann, Schwäche zu zeigen, wo man eigentlich doch stark sein will. Denn zu seinen eigenen Fehlern zu stehen und um Verzeihung zu bitten, dazu musst du stark und erwachsen sein. Wer aber meint, seine Schwächen verstecken und nach außen untadelig auftreten zu müssen, wem es bis zur Unaufrichtigkeit wichtig ist, die Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit aufrechtzuerhalten, der ist wahrhaft schwach.
     Niemand ist immer korrekt, niemand hat nur Stärken, niemand macht alles richtig. Wer das sagt oder den Anschein erweckt, hat ein großes Problem, ist eine Zumutung für andere und selbstgerecht (Losung).
     Wenn ich den heutigen Lehrtext lese, wird mir klar, wie falsch es wäre, die Hoffnung auf mich selbst zu setzen. Wie, ich soll auf mich selbst hoffen, auf meine Stärken, meinen Besitz, mein Ansehen, meinen Einfluss? Die Bibel nennt solche Menschen zu Recht Narren, deren Leben morgen schon zu Ende sein kann (Lukas 12,16-21) und die dann nichts, aber auch gar nichts aus der Welt hinausbringen, weil sie auch nichts hineingebracht haben (1. Timotheus 6,7). Die Bibel sagt mir ein ums andere Mal, dass ich meine Hoffnung auf Gott setzen soll. Er hat die Macht und Kraft mir den Weg durchs Leben zu zeigen und mich zu behüten. Ich weiß nicht, was kommen wird. Aber er. Und darum hoffe ich nicht auf mich, sondern auf ihn.

Gebet: Ach Herr, wie sollte ich mich auf mich verlassen, da ich doch meine Grenzen und Schwächen kenne! Ich kann mich nicht auf mich selbst stützen und mich nicht in der eigenen Hand wärmen. Und auch meine Mitmenschen kommen an ihre Grenzen, wenn sie mir Mut machen wollen. Du allein bist der Fels, auf dem ich stehe, die Hand, an der ich Halt finde, das Licht, das mir den Weg weist. Auf dich will ich vertrauen. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 26. Dezember 2021

Um an dich zu glauben hl

Losung: HERR, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost: Errette mich! Psalm 109,21 

Lehrtext: Stephanus rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Apostelgeschichte 7,59-60

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Losung bittet noch der Verfasser von Psalm 109 um Gottes Nähe und Hilfe. Das muss ich nicht mehr. Seitdem in Bethlehem in einem Stall ein Baby zur Welt gekommen ist, kann ich darauf vertrauen, dass es so ist, dass Gott mir nahe ist und hilft. Ich kann natürlich auch daran zweifeln. Aber warum sollte ich das tun? Mir tut mein Glaube gut. 

Nein, Gott hat nicht verhindert, dass ich als Kind schwer krank war. Dass ich in meinem Leben auch falsche Entscheidungen getroffen habe, die ich später bereut habe. Dass mich Menschen enttäuscht haben und ich sie. Dass ich nicht bei bester Gesundheit bin.

Na und? Im Vergleich zu anderen geht es mir richtig gut. Ich bin bisher mit seiner Hilfe durch meine Krisen gekommen. Ich gehe davon aus, dass das auch künftig so sein wird. Er war mir bisher nahe und hat mir bis hierher geholfen. Warum sollte das morgen anders sein? Mir tut mein Gottvertrauen gut. Es hilft mir bei aller Skepsis im Blick auf die allgemeine und meine persönliche Zukunft zuversichtlich zu bleiben und meinen Humor zu behalten, mich gegen die Zerstörung meiner Heimat zu engagieren und inmitten der Fakenews und Verschwörungstheorien einen klaren Kopf zu behalten.

Aber was wäre, wenn es mir so ginge wie Stephanus (Lehrtext)? Wenn ich um meines Glaubens willen verfolgt, gefoltert und gesteinigt würde? Ob ich in so einer Extremsituation immer noch glauben könnte? Ob ich wie er Jesu Gebot befolgen und meine Feinde lieben könnte, indem ich Gott für sie bitte? Ich fürchte nicht. Doch ich weiß es nicht.

Das aber hoffe ich, dass ich auch dann noch die Kraft bekomme, an meinem Glauben, an meinem Gott festzuhalten, wenn es hart auf hart kommt.

Gebet: Herr, um an dich zu glauben, brauche ich kein System und keine Dogmen. Um an dich zu glauben, brauche ich niemanden, der mir vorschreibt, was ich zu tun habe. Um an dich zu glauben, brauche ich deine Liebe und Nähe. Ich glaube, dass du mich beides spüren lässt. Erhalte mir diesen Glauben. Er ist meine Kraft und mein Trost. Ich wüsste nicht, wie ich sonst durch die wechselnden Zeiten kommen sollte. Amen

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten!

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 25. Dezember 2021

Gebot als Geschenk hl

Losung: /Mose sprach:/ Alles, was ich euch gebiete, das sollt ihr halten und danach tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun. 5. Mose 13,1

Lehrtext: Das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander. 1. Johannes 3,23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

an Weihnachten werden wir von Gott beschenkt, auch mit seinem Gebot, einander Gutes zu tun. Und in diesen Tagen richten sich weltweit zahllose Menschen danach, auch viele Ungläubige, viele Gläubige und sogar Menschen anderer Religionen und beschenken sich.

Die meisten wissen nicht, warum sie das tun. Sie wissen nicht, dass sie damit Jesu zentrales Gebot erfüllen: Seine Mitmenschen zu lieben wie sich selbst - nicht nur zur Weihnachtszeit. Und noch weniger wissen, dass sie damit auch Gott eine Freude machen. 

Andere zu lieben, das kann man sich sagen lassen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Doch an Jesus Christus zu glauben, das kann man nicht befehlen und gebieten. Dazu kann ich nur einladen und mit eigenem Beispiel vorangehen. 

Gebet: Ach Herr, ja ich kenne dein Gebot, aber es fällt mir oft nicht leicht, es zu erfüllen. Dann bin ich zu gleichgültig, zu träge, zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Aber fällt es denn dir immer leicht, mich zu lieben? Und trotzdem tust du es in der Krippe und am Kreuz. Danke 

Frohe und gesegnete Weihnachten! 

Hans Löhr

Freitag, 24. Dezember 2021

Alle Jahre wieder – Weihnachtspredigt 2021 hl

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Ich möchte mit euch in der Stille um den Segen für die Predigt beten: …..

Blasinstrument: „Alle Jahre wieder“, 1 Vers

Liebe Freundinnen und Freunde,

was hättest du gesagt, wenn die neue Regierung beschlossen hätte, dass Weihnachten heuer ausfallen muss? Ich hätte gesagt: Für euch vielleicht, aber nicht für mich. Ihr könnt noch so viel beschließen, Weihnachten könnt ihr nicht verhindern. Das kann kein Mensch. Denn
Alle Jahre wieder / kommt das Christuskind /
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.

Dieses Kind in der Krippe ist von keiner Macht der Welt aufzuhalten.

Weihnachten wird es für dich. Für wen sonst?

Alle Jahre wieder wird es Weihnachten für dich seitdem du lebst und solange du lebst und darum auch heute. Du hast darauf keinen Einfluss. Es geschieht einfach. Zwar könntest du sagen: „Nein, ich brauche das nicht. Ich kann damit nichts anfangen.“ Trotzdem kommt Jesus auch heute auf die Erde nieder wo die Menschen sind, wo du bist. Er kommt zu dir. Zu wem denn sonst? Daran kann keine Regierung der Welt und auch sonst niemand was ändern, nur du, wenn du dich ihm verschließt.

Aber warum solltest du das tun? Du kannst dich öffnen und sagen: „Ja, Weihnachten darf nicht ausfallen. Deshalb bin ich jetzt hier. Ich will wieder die Worte hören und die Lieder singen, die mir gut tun, die heilen, was mir weh tut und was zerbrochen ist. Ich wünsche mir Frieden in meinem Herzen und mit denen, die mir nahestehen.“

Ich weiß nicht, wie dir heute zumute ist, aber mich tröstet, dass es allen Widerständen zum Trotz immer wieder Weihnachten wird. Daran ändert das Wetter nichts, aber auch nicht die Corona-Pandemie, nicht die drohende Deponie in Sommersdorf mit giftigem Schutt noch ein anderes gesellschaftliches oder politisches Problem. Daran ändert auch nicht,  ob du mit einem leichten oder einem schweren Herzen gekommen bist.

     Viele in unserem Land feiern Weihnachten, ohne dass sie noch wissen, worum es geht. Sie scheinen die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall nicht zu brauchen, auch keinen Gottesdienst. Ihnen reichen der Weihnachtsmann, der Christbaum, die Geschenke und ein festliches Essen. Soll man das verurteilen? Nein. Denn gerade für Menschen wie sie ist Jesus auf die Erde gekommen, nicht um zu drohen oder zu strafen, sondern um ihnen Gottes Liebe zu bringen und die gute Nachricht zu sagen: „Du bist ein Gotteskind wie ich. Dein barmherziger Vater vergisst dich nicht und lässt dich nicht im Stich. Vertraue einfach, dass es so ist. Du wirst erleben, wie gut dir das tut.“ Das ist heute die gute Nachricht unter all den schlechten.

                                                Neue Glaubenschancen

     Vielleicht war es auch dem einen und der anderen hier jahrelang egal, worum es wirklich an Weihnachten geht. Doch auf einmal hat sich in ihrem Leben etwas geändert und sie sind nachdenklich geworden.

     So haben auch in diesem Jahr Eltern ihre Kinder taufen lassen. 20 waren es in unserer Pfarrei. Offenbar lag ihnen daran, dass ihr Baby in der Taufe gesegnet und von Gott behütet wird. Plötzlich erwacht da die Frage: ‚Woher kommen wir eigentlich? Was darf ich für mich und mein Kind hoffen? Was ist im Leben wichtig?‘ Und dann fangen viele wieder an zu beten, dieses Mal mit ihren Kindern und sie feiern anders Weihnachten als bisher. Manche bauen nach langer Zeit wieder eine Krippe auf, erzählen die Geschichte von Bethlehem und singen ohne Scham: „Ihr Kinderlein kommet“.

     Aber auch das ist in diesem Jahr geschehen: 20 Menschen in unserer Pfarrei sind gestorben und wurden kirchlich bestattet. Offenbar lag den Angehörigen daran, dass tröstende Worte gesagt werden. Dass ihre Toten noch einmal gesegnet werden bevor das Grab zugeschüttet wird und man für sie ein letztes Vaterunser betet. Und nun feiern die Familien Weihnachten heute ohne Opa oder Oma, ohne die verstorbene Mama oder den Papa oder die Schwester, den Bruder und wer sonst gegangen ist. Da klingt für sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ anders als sonst und mancher horcht auf, wenn es heißt: „Durch der Engel Halleluja / tönt es laut von fern und nah: / Christ, der Retter, ist da!“ Gibt es vielleicht doch eine Hoffnung. Gibt es eine Rettung auch aus der letzten Not, aus dem Tod und hat das was mit dem Jesuskind zu tun?

     Für die glücklichen Eltern und ihre Kinder wie für die, die um einen Menschen trauern, der ihnen nahestand – für sie alle ist es auch heute wieder Weihnachten geworden. Ihnen allen und dir und mir bringt Jesus Gottes bedingungslose Liebe. Sie will dich trösten. Sie will dir versichern: ‚Du musst auf dieser Erde keine Angst haben; denn du bist nicht verloren, weder in den guten noch in den schlechten Zeiten.‘ - Ich selbst wusste dieses Geschenk lange Zeit nicht wirklich zu schätzen. Jetzt weiß ich es.

Blasinstrument: „Alle Jahre wieder“, 1 Vers

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind
Auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.
Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus,
Geht auf allen Wegen mit uns ein und aus.

Das sind einfache Worte und doch voll Kraft. Sie sprechen vom Segen im Haus, der hilft, miteinander gut auszukommen und sich immer wieder zu vertragen. Sie sagen: Wo du auch bist, du bist nicht allein. Auf allen deinen Wegen ist das Christuskind, ist Jesus mit dabei. Er teilt mit dir Freude und Leid. Du merkst vielleicht nichts davon. Du wunderst dich vielleicht manchmal, warum es in deinem Leben doch immer weiterging gerade dann, als du dachtest, du seist am Ende. Warum plötzlich eine Tür aufging, obwohl du keinen Ausweg mehr gesehen hattest. Und da sagen die letzten Zeilen unseres Liedes vom Christuskind:

Steht auch dir zur Seite still und unerkannt,
Dass es treu dich leite an der lieben Hand.

 „Still und unerkannt“ steht mir Jesus zur Seite. Er drängt sich mir nicht auf. Er hindert mich nicht, so zu leben, wie ich es für richtig halte, aber wenn ich ihn brauche, ist er da, ist er nur ein Gebet weit weg. Dann kann ich aus der Hand legen, was ich krampfhaft festgehalten habe, meine Sorgen, meine Probleme, meine Ängste und kann sie ihm geben.

Alle Tage wieder

Vielleicht gehörst auch du zu denen, die an diesem Heiligen Abend nachdenklich werden und sich fragen: Kann es wirklich sein, dass der Glaube so eine gute Kraft ist? Dass aus ihm immer wieder neuer Lebensmut kommt trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen? Für mich ist das so. Warum nicht auch für dich? Probier’s aus. Sage: „Mein Gott, lass mich spüren, dass du für mich da bist.“

Auch heuer ist es wieder Weihnachten geworden trotz allem, was die Freude trübt. Doch ich will mir die Freude, die der Engel von Bethlehem allen Menschen verheißen hat, nicht nehmen lassen. Und du sollst das auch nicht. Öffne dich heute aufs Neue der Liebe, die Gott dir mit dem Kind in der Krippe schenkt, damit sie dich erfülle und du sie an andere weitergeben kannst.
     Alle Jahre wieder feiern wir Jesu Geburtstag. Aber alle Tage wieder ist er für uns da. Amen

Gebet:
Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohl gefallen.

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib’ ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär’
und meine Seel’ ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen.

(Text: Paul Gerhardt, 1653)

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Ihr / dein Hans Löhr