Sonntag, 3. Mai 2020

Die Waffenschmieden und der Friede hl

Losung: Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird? 2.Samuel 2,26

Lehrtext: Zum Frieden hat euch Gott berufen. 1.Korinther 7,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Am Ende nur Jammer“ sagt die Losung. Oder, wie Jesus sagt, „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“. Fast auf den Tag genau 75 Jahre nach dem 2. Weltkrieg am 8. Mai 1945 erinnern uns die beiden Bibelworte heute an das, was man damals erst nicht wahrhaben wollte und dann unter größten Schmerzen lernen musste. Bei Kriegsbeginn 1939 dankte die bayerische Kirchenleitung am Erntedankfest (!) noch „für den Sieg auf den polnischen Schlachtfeldern“. 55 Millionen Tote später war der Jammer groß. Mit den deutschen Städten lagen auch viele Kirchen in Schutt und Asche. Hat man daraus gelernt? Trotz weltweit mehr als 100 Kriegen mit Millionen Toten seitdem? Ja.
     Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es in Europa eine so lange Friedenszeit, wenn man mal vom Bürgerkrieg in Jugoslawien in den 90er Jahren absieht. Der damalige Schock wirkt noch immer auf heilsame Weise nach. Die europäische Union ist ein Ergebnis dieses Lernprozesses. Schon seit Jahren sterben weltweit mehr Menschen durch eigene Hand als durch militärische Gewalt. Trotzdem frisst das Schwert (Losung) noch immer zu viele. Trotzdem werden aus Machtgier und Geldgier immer noch zu viele Schwerter geschmiedet.
     Hier ein paar (klick) Fakten vom Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm: 2019 wurden weltweit 1917 Milliarden (!) US-Dollar für Rüstung ausgegeben. Das bedeutet gegenüber 2018 eine Steigerung von 3,6 Prozent. Die USA haben 5,3 Prozent mehr ausgegeben, insgesamt 732 Milliarden Dollar. Das sind 38 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben. Dann folgen China mit 261 Milliarden und Indien mit 71,1 Milliarden. An vierter Stelle kommt Russland mit 65,1 Milliarden. Deutschland hat 49,3 Milliarden ausgegeben. Alle 29 NATO-Staaten gaben 2019 zusammen 1035 Milliarden US-Dollar für die Rüstung aus. Davon sind die 65,1 Milliarden von Russland gerade mal 6,3 Prozent.
     Und dennoch wird seit einigen Jahren in westlichen Medien wieder verstärkt die Angst vor Russland geschürt. Viele Politiker springen auf diesen Zug auf. Warum eigentlich? Nimmt man die genannten Zahlen, ist die vermeintliche Bedrohung durch Russland geradezu lächerlich. Es muss also etwas anders dahinterstecken.
     Wissenschaftler, zum Beispiel Yuval Noah Harari, nennen die treibende Kraft den „militärisch-industriellen-wissenschaftlichen Komplex“. Anders gesagt: Wer Schwerter schmiedet, verdient damit ein Heiden-Geld, denn der Tod war schon immer ein Bombengeschäft. In diesen Rüstungsschmieden sind hunderttausende Arbeiter beschäftigt, die arbeitslos würden, wenn man die Rüstungsausgaben auf ein notwendiges Maß reduzieren würde. Davor fürchten sich auch die Regierenden, weil sie dann vermutlich nicht wiedergewählt werden. Nein, mit Vernunft hat das alles nichts zu tun, auch nicht mit Sicherheitsinteressen, sondern mit Profit und Macht.
     Und nun erinnere ich noch einmal an die beiden Bibelworte für heute: »Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?« (Losung) Und »Zum Frieden hat euch Gott berufen(Lehrtext) Ich bitte dich, liebe Leserin, lieber Leser, dir selbst einen Reim auf die Fakten zu machen und deine Schlüsse daraus zu ziehen. Ich verabschiede dich mit der Frage: Wovor hast du Angst? Vor den Russen? Vor den Chinesen? Vor den Amerikanern? Oder davor, dass dieses wachsende Waffengebirge eines Tages einstürzen und uns alle unter sich begraben könnte?

Gebet:  Herr, zum Frieden hast du uns berufen. Kann ich denn mit meiner kleinen Kraft dazu einen Beitrag leisten? Ja, denn du willst, dass ich im Kleinen tue was auch im Großen Not tut: Konflikte nicht anheizen, sondern mit Worten abrüsten, die Verständigung suchen, den Ausgleich und die Feinde lieben. Ja, ich will deiner Berufung gerecht werden und vertraue darauf, dass du mir dabei hilfst. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr


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