Donnerstag, 11. August 2016

Aus der Finsternis ins Licht hl

Losung: HERR, Gott Zebaoth, tröste uns wieder; lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir. Psalm 80,20

Lehrtext: Als der Herr die Witwe sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Lukas 7,13-14

Liebe Leserin, lieber Leser,

das war für sie der Weltuntergang, dass sie nach ihrem Mann auch noch den Sohn verloren hat (Losung). Diese Schicksalsschläge haben auch Jesus erschüttert. Er konnte und wollte über die Tränen dieser Frau nicht hinwegsehen. Vielleicht sind ihm bei so viel Leid selbst die Tränen gekommen. Und dann, so erzählt es Lukas, hat er ihren Sohn ins Leben zurückgeholt. So hat er tiefstes Leid in helle Freude verwandelt. Genau darum wird diese Geschichte im Evangelium erzählt und nicht deshalb, weil Jesus so eine Art wundertätiger Zauberer gewesen wäre. Was hätten wir auch heute von längst vergangenen Wundern? Vielmehr wird an dieser Begebenheit auch für uns heute deutlich, dass er der Trost- und Freudenbringer ist. Gott ist unser Schicksal nicht gleichgültig. Das konnte man damals und das kann man heute an Jesus ‚ablesen‘.
Vielleicht fragt jetzt mancher, warum lässt Gott überhaupt solche Schicksalsschläge zu? Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, warum die Welt so ist, wie sie ist.
  •  Und doch lebe ich gern in ihr auch auf die Gefahr hin, dass mich so ein Schicksalsschlag trifft.
  • Und doch glaube ich, dass Gott aus der Finsternis Licht hervorleuchten lässt, dass er das Wasser des Leids in den Wein der Freude verwandelt, dass er die Tränen trocknet, die Verzweifelten tröstet, die Verlorenen sucht, die Kranken heilt, den Schuldigen vergibt, die Sünder liebt und die Toten auferweckt.
  • Und doch glaube ich, dass sein Antlitz leuchtet über dir und mir so wie die Sonne hinter den Wolken und dann wieder hell und klar.

Ja, »nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.« (Friedrich Hölderlin)

Gebet: Herr, dein Weg mit mir, dein Weg mit dieser Welt und allen deinen Geschöpfen führt aus der Finsternis ins Licht. Daran will ich glauben gerade dann, wenn ich  das Licht nicht sehe. Du selbst bist ja das Licht der Welt. Leuchte auch in meinem Leben. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 10. August 2016

Sich über Gott freuen hl

Losung: Lass deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen. Psalm 40,17

Lehrtext: Jesus sprach: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Lukas 19,5-6

Liebe Leserin, lieber Leser,

ganz genau darum geht es, was Losung und Lehrtext heute sagen, dass du dich an Gott freust und alle anderen auch. Der Glaube soll dich und mich froh machen. Schließlich enthält die Bibel eine frohe Botschaft (=Evangelium).
Ich jedenfalls brauche und will keinen Gott, der mir das Leben zur Hölle macht. Dafür gibt es schon genug Menschen, die das versuchen. Ich brauche und will keinen Gott, der mir ein schlechtes Gewissen macht und die Lebensfreude verdirbt. Natürlich geht es im Glauben auch um ernste Themen. Aber niemals geht es darum, dass Gott mich erniedrigt, beleidigt und mir die Freude stiehlt. Denn:
  •  Er hat mich geschaffen, damit ich mich meines Lebens in seiner Schöpfung freuen kann.
  • Er ist für mich da, um mich wieder aufzurichten, wenn mich Schicksalsschläge niedergeworfen haben.
  • Er verbindet meine Wunden, wenn mir andere Leid zugefügt haben.
  • Er vergibt mir, wenn ich an ihm, an anderen und an mir selbst schuldig geworden bin.
  • Er beschenkt mich mit so viel Segen, dass ich gar nicht anders kann, als mich über meinen Gott zu freuen und ihm zu singen und zu danken.
Ich weiß, es gibt auch Christen mit einer aufgesetzten Fröhlichkeit, mit einem Dauergrinsen, das zeigen soll, was für tolle Glaubenshechte sie doch sind. Die können mir gestohlen bleiben. Aber ich kenne nicht wenige, die eine positive, fröhliche Ausstrahlung haben, auch wenn sie nicht immer gut gelaunt sein können. Das Leben verdirbt einem halt auch mal die Laune oder man macht es sich aus Dummheit selbst schwer.
Karl Barth, der große Theologe des 20. Jahrhunderts, hat einmal gesagt, Christen sollen »fröhliche Partisanen des lieben Gottes« sein. In dieser Beschreibung kann ich mich wiederfinden. 
Ja, genau das möchte ich sein:
  • Ein fröhlicher und freier, unerschrockener und widerspenstiger Mensch. 
  • Der vor anderen nicht in die Knie geht. 
  • Der sich mit dieser Welt nicht abfindet. 
  • Der gegenüber Staat und Kirche und sich selbst kritisch bleibt. 
  • Der jeder Ideologie, jedem Starkult, jedem politischen Heilsversprechen misstraut. 
Und ich möchte ein Mensch sein, 
  • der zuversichtlich bleibt, allen schlechten Erfahrungen mit dieser Welt und mit sich selbst zum Trotz, 
  • der das Leben genießt, 
  • der auf Gott vertraut 
  • und Freude daran hat, mit ihm zu leben und an ihn zu glauben. 
Dazu hat Jesus den Zachäus eingeladen (Lehrtext) und dich und mich ebenso.

Gebet:
Etwas in mir, zeigt mir dass es Dich wirklich gibt.
Ich bin gewiss, dass Du lebst, mich kennst und mich liebst.
Du bringst mich zum Lachen, machst, dass mein Herz singt.
Du bringst zum Tanzen, meine Seele schwingt.
Ich atme auf in Deiner Gegenwart.
Herr, Du allein gibst mir Freude, die von innen kommt,
Freude, die mir niemand nimmt.
Herr, Du machst mein Leben hell, mit dem Licht Deiner Liebe.
(Albert Frey)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 9. August 2016

Überraschende Antworten hl

Losung: So spricht der HERR: Wie lange weigerst du dich, dich vor mir zu demütigen? 2.Mose 10,3

Lehrtext: Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß. Offenbarung 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer muss sich vor Gott demütigen? Jemand der Fehler gemacht, gesündigt, versagt hat? So hat man es in den Kirchen oft von Gläubigen verlangt und ihnen manchmal auch noch eine Buße auferlegt. Der Bibel zufolge müssten diese Pfarrer sich vor Gott demütigen und mit ihnen alle, die andere herabsetzen, erniedrigen, einschüchtern, ausnützen, beleidigen, ausbeuten und unterdrücken. Im heutigen Losungswort sind es Mose und sein Bruder Aaron, die mit dieser Forderung vor den übermächtigen, „göttlichen“ Pharao treten und verlangen, dass er sich vor Gott demütigt und das Volk der Israeliten aus der Sklaverei in die Freiheit entlässt.
Und wer ist es, der im Lehrtext auftrumpft und sagt: »Ich bin reich und habe genug und brauche nichts!« Irgend so ein Donald Trump, ein Ölscheich, Bill Gates, ein chinesischer Investor oder ein Mafiaboss? Auch dieses Mal überrascht die Antwort. Es ist die Kirche, die Kirche von Laodicea aus der Zeit, als Johannes seine Offenbarung geschrieben hat. Nun, diese Kirche gibt es längst nicht mehr. Der Islam hat sie im Gebiet der heutigen Türkei hinweggefegt.
Aber es gibt noch unsere beiden großen deutschen Kirchen. Sie sind so reich wie niemals zuvor in der Geschichte. Sie haben den Trick raus, wie man ohne viel Mühe an sehr viel Geld kommen kann. Sie erheben Kirchensteuer und hängen sich damit an die Lohn- und Einkommensteuer dran, die vom Staat erhoben wird. Und wenn dann die Wirtschaft brummt, klingeln die Kirchenkassen.
Und wie ist es mit der beißenden Kritik aus dem heutigen Lehrtext? Wissen auch unsere Kirchen nicht, dass sie elend und jämmerlich sind, arm, blind und bloß? Nicht in materieller, sondern in geistlicher Hinsicht? Oder ist diese Kritik ungerechtfertigt und ausschließlich auf die Kirche von Laodicea begrenzt? Die Antwort hängt wohl damit zusammen, welche geistliche Kraft die Kirchen in unserer Zeit und in unserem Land entfalten können. Ob sie nicht nur die Kraft haben, Gebäude zu sanieren und Fassaden zu tünchen, Rituale abzufeiern, eine Flut von Gesetzen und Verordnungen zu verabschieden und einen riesigen Verwaltungsapparat zu unterhalten…, sondern Menschen für den schönen Glauben an Jesus Christus zu gewinnen. Er war materiell bettelarm und hat doch bis heute so viele in ihrer Seele reich gemacht.

Gebet: Herr, dein Wort gegen den Pharao soll auch eine Mahnung für mich sein, dass ich niemand erniedrige. Dein Wort gegen die Kirche von Laodicea soll ein Auftrag für mich sein, selbst zu glauben und andere für den schönen Glauben zu gewinnen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 8. August 2016

Gott allein genügt hl

LosungEinem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft. Psalm 33,16

Lehrtext: Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu? Galater 4,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeder Mensch stößt an seine Grenzen, auch der reichste und mächtigste. Es gibt Krankheiten, die kannst du nicht mit allem Geld der Welt besiegen. Ich denke zum Beispiel an Steve Jobs, den Gründer und Chef von Apple. Es können plötzlich Ereignisse eintreten, gegen die jeder machtlos ist: Unglücksfälle, Naturkatastrophen, Kriege…
Andererseits bin ich froh, Menschen um mich zu haben, die mir im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen, wenn ich darauf angewiesen bin. Doch, wie gesagt, sie können das nur im „Rahmen ihrer Möglichkeiten“ tun. Eine absolute Hilfe können sie mir nicht geben.
Mir hilft und mich rettet auch keine Religion, keine Moral, kein Gesetz, kein Ritual, kein jenseitiges Wesen, keine anonyme Kraft und Macht. Mir hilft und mich rettet im Leben wie im Sterben der, der mich kennt (Lehrtext) und findet, der mich geschaffen hat und behütet, der barmherzig zu mir ist und mich liebt. Er ist in Jesus zu mir und zu dir gekommen, damit wir so den Weg zu ihm finden. Er ist jetzt, in diesem Augenblick, für dich da, lässt dein Herz schlagen und versorgt dich mit dem, was du zum Leben brauchst. Und das, seitdem du auf der Welt bist.
Auf ihn allein will ich mit dir vertrauen. ‚Solo dios basta(Gott allein genügt).

Gebet: Herr, es tut einfach gut darauf zu vertrauen, dass du da bist in jedem Augenblick. Du wendest dich auch dann nicht von mir ab, wenn ich Fehler mache oder versage, wenn ich sündige und Schuld auf mich lade. Du bleibst mein Gott und Vater im Himmel. Dir gehöre ich. An dich halte ich mich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 7. August 2016

Der selbstgemachte Gott hl

Losung: Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Lass sie aufstehen; lass sehen, ob sie dir helfen können in deiner Not! Jeremia 2,28

Lehrtext: Einer ist euer Lehrer: Christus. Matthäus 23,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht hast auch du dir schon mal einen Gott selber gemacht. Nein, nicht getöpfert und geschnitzt, auch nicht gebacken und gemalt, sondern hast dein Herz an etwas gehängt. Hm, das ist jetzt schon erklärungsbedürftig.
Martin Luther sagt in der Auslegung zum großen Katechismus: »Woran du nun, sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.« Und zum besseren Verständnis fügt er an: »Es ist mancher, der meint, er habe Gott und alles zur Genüge, wenn er Geld und Gut hat; er verlässt sich darauf und brüstet sich damit so steif und sicher, dass er auf niemand etwas gibt. Sieh, ein solcher hat auch einen Gott: Der heißt Mammon (der Gott des Geldes).… Das ist ja auch der allergemeinste Abgott auf Erden.«
Aber er nennt auch noch andere Mächte, die schnell zum „Abgott“ werden können: Bildung, Intelligenz, Macht, Ansehen, Beziehungen und Einfluss. Ich würde noch hinzufügen: Jugendwahn, Gesundheit, Fitness… Doch die Gefahr, den Mammon „anzubeten“, steht an erster Stelle.
Die Frage ist also, worauf verlasse ich mich wirklich? Wem vertraue ich?
Ehrlich gesagt, ich würde Panik kriegen, wenn meine Ersparnisse plötzlich weg wären und ich kein Einkommen mehr hätte. Der Milliardär und Chef von Ratiopharm, Adolf Merckle, hat sich 2009 während der Finanzkrise vor den Zug geworfen. Er hatte sich mit Aktien verspekuliert und gigantische Summen verloren. Nein, Selbstmord würde ich vermutlich nicht begehen. Nachdem die Panik abgeklungen und der Schock vorbei ist, würde ich hoffentlich wieder zu meinem Glauben zurückfinden und mich an den halten, auf den ich mich auch in allen Wirtschafts- und Finanzkrisen dieser Welt verlassen kann.
Und du? Worauf verlässt du dich in den Krisen seines Lebens?
Jesus hat uns das unbedingte Vertrauen auf Gott vorgelebt und gelehrt (Lehrtext). Auf ihn will ich hören, auf ihn sehen.

Gebet: Herr, alles im Leben und in dieser Welt ist vergänglich. Nichts hat Bestand. Nur du bist ewig. Darum verlasse ich mich auf dich, dass du mich hältst, wenn der Boden unter meinen Füßen wankt. Dass du mir hilfst, wenn ich in meiner Angst zu versinken drohe. Dass du mich rettest, wenn ich ‚Hilfe!‘ rufe. Du bist doch mein Gott und außer dir ist niemand, der mir gegen die Mächte der Finsternis beistehen kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 6. August 2016

Mit den Rudern beten hl

Losung: Wer auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen. Psalm 32,10

Lehrtext: Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. Johannes 16,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie soll man Gott bitten? Dazu gibt es die bekannte Geschichte, die du vielleicht schon kennst, die ich trotzdem wieder erzählen möchte, weil sie auf den Punkt bringt, worum es geht:
„Einige Fischer sind mit ihrem Boot draußen beim Fang. Da kommt ein Sturm auf. Sie fürchten sich so sehr, dass sie die Ruder loslassen und den Himmel anflehen, sie zu retten. Aber das Boot wird immer weiter abgetrieben. Da sagte ein alter Fischer: „Was habt ihr auch die Ruder losgelassen! Zu Gott beten und gleichzeitig rudern – nur das kann uns helfen.“
Aus dem Spätmittelalter stammt der Grundsatz: „Ora et labora“ – auf Deutsch: Bete und arbeite. Diese Übersetzung ist zwar richtig, aber auch missverständlich, als ob es zwei getrennte Dinge wären, für das Eine zu beten und dann wieder für ein Anderes zu arbeiten. Der eigentliche Sinn dieses Satzes heißt: Bete für deine Arbeit, für das, was dir wichtig ist, was du brauchst – und arbeite für dein Gebet, tue alles, was in deinen Kräften steht, um das zu erreichen, worum du Gott bittest. Also, liebe Leserin, lieber Leser: Auf Gott hoffen, ihn bitten und rudern – so können wir unsere Herausforderungen bestehen!

Gebet: Herr, du magst es nicht, wenn ich dich um etwas bitte und danach die Hände in den Schoß lege. Du willst auch mein Bemühen sehen, das Meine zu tun, um das zu erreichen, worum ich dich bitte. Zugleich wirst du auch das Deine dazu tun. So wirst du nach deinem Willen meine Bitte erfüllen, wie es gut für mich ist. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 5. August 2016

Meine Kraftquelle hl

Losung: Der HERR wird seinem Volk Kraft geben. Psalm 29,11

Lehrtext: Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen. Hebräer 13,20.21

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht.“ Vielleicht kannst auch du diesen Satz sagen, wenn du auf anstrengende und schwere Zeiten in deinem Leben zurückblickst. Der eine denkt vielleicht an das Haus, das er gebaut hat. Die andere an die Pflege der Schwiegereltern. Wieder ein anderer an die Chemotherapie. Jemand, der sich selbstständig gemacht hat, denkt an die schwierigen Zeiten am Anfang. Ein Ehepaar denkt an das Kind, das es adoptiert hat…
Es ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele anführen. Viele sagen im Nachhinein. Ich hätte nicht gedacht, dass doch so viel Kraft in mir steckt, diese Aufgabe zu bewältigen,  jene Krankheit zu überwinden oder dieses große Leid zu tragen. Ja, es ist bewundernswert, welche Leistungen Menschen vollbringen können, wenn sie dazu herausgefordert werden. Vieles davon geschieht im Verborgenen. Dafür gibt es kein Bundesverdienstkreuz oder andere Auszeichnungen.
Aber woher kommt die Kraft?
Dietrich Bonhoeffer antwortet auf diese Frage:
»Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen

Gebet: Herr, noch immer ist es in meinem Leben gut weiter gegangen, auch wenn es Augenblicke gab, da ich nicht mehr daran glaubte. Immer wieder hast du mir für den nächsten Schritt neue Kraft gegeben. Immer wieder hast du mir Glauben gegeben, nach dir zu fragen und Liebe für die, die sie gebraucht haben. Nicht aus mir schöpfe ich das alles, sondern aus dir. Du bist meine Quelle. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 4. August 2016

Glaube jetzt! hl

Losung: Sucht den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist. Jesaja 55,6

Lehrtext: Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! 2.Korinther 6,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann ist für dich eine besonders gute Gelegenheit, Gott zu finden? Jetzt! Doch bedenke, dass er dich längst gesucht und gefunden hat, bevor du dich auf den Weg zu ihm machst. Stochere nicht lange mit der Stange des Zweifels im Nebel der Ungewissheit herum. Plage dich nicht damit ab, was du erst alles tun, lesen und lernen musst, um Gott zu finden. Er war doch schon immer für dich da. Du warst seine Idee, als er dich geschaffen hat. Du bist sein Kind, seitdem du auf der Welt ist. Du bleibst es, auch wenn du wieder gehst. Denn Jesus hat Gottes Gnade und Heil (Lehrtext) zu uns Menschen auf die Erde gebracht, dass wir darin leben. Anders gesagt er hat uns Gott geschenkt und das nicht für besondere Gelegenheiten, sondern für den Alltag. Er ist dir immer nahe. Du kannst ihn jederzeit anrufen (vergleiche Losung). Er reicht dir seine Hand. Ergreife sie und geh mit ihm durch gute und durch schlechte Zeiten. Worauf wartest du noch?

Gebet: Herr, auch wenn ich mich von dir entferne, bleibst du mir doch nahe. Auch wenn ich dich verliere, hast du mich doch gefunden und lässt mich nicht mehr aus den Augen. Du bist und bleibst für mich da, nicht gestern, nicht morgen, sondern jetzt in diesem Augenblick und im nächsten und im übernächsten… Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 3. August 2016

Welcher Macht gehöre ich? Auf wen höre ich? hl

Losung: Er macht's, wie er will, mit den Mächten im Himmel und mit denen, die auf Erden wohnen. Und niemand kann seiner Hand wehren noch zu ihm sagen: Was machst du? Daniel 4,32

Lehrtext: Es sind die Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Offenbarung 11,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Gott macht's, wie er will« – sagt das heutige Losungswort. Das klingt nach Willkür. Und manchmal erscheint uns auch der Lauf der Welt oder das, was uns persönlich zustößt, willkürlich. Doch eigentlich sehe ich das anders. Ich bin froh, dass Gott es »mit den Mächten im Himmel und mit denen, die auf Erden wohnen« nicht so macht wie ein Mensch, der nur einen winzigen Verstand, eine begrenzte Vernunft und fragwürdige Gefühle hat. Ich bin froh, dass es nach seinem Willen geht und nicht nach meinem oder dem anderer. Auch wenn ich Gottes Willen manchmal nicht verstehe, vertraue ich doch darauf, dass er weiß, was er will und dass sein Wille für dich und mich und für die Welt im Ganzen gut ist.
Natürlich kann ich ihn in einer Situation, die ich nicht verstehe, die nur Leid und Schmerzen bringt, fragen: „Herr, was machst du?“ (Losung) Doch das ist eher ein Ausruf von Verzweiflung. Oft könnte er auch antworten: „Mensch, was machst du?“ Und ich meine, dass Gott auch mit vielem Schrecklichen, das passiert, uns Menschen einen Spiegel vorhält, in dem die Verursacher sichtbar werden. Die Sturzfluten, die Terroranschläge, die Kriege, verheerende Stürme, Dürrekatastrophen, Verfolgung, Hunger und Armut… Wer wagt es, das alles Gott in die Schuhe zu schieben?
Aber das ganze Chaos, das die »Mächte, die auf Erden wohnen« anrichten: problematische politische Entscheidungen, zerstörerische und ausbeuterische Wirtschaftssysteme und immer wieder der Griff zur Gewalt im Kleinen wie im Großen – das alles kann nicht verhindern, dass darüber noch eine andere Macht regiert und ihren Willen durchsetzt. Jesus Christus hat von jeher verhindert, dass die bösen und destruktiven Mächte überhandnehmen und alles zerstören. Die Macht des Bösen hat es noch nie geschafft, absolut zu werden. Sie wurde immer wieder in ihre Schranken gewiesen. Jede Katastrophe, jeder Krieg, jede Vernichtungsaktion hat irgendwann ihr Ende gefunden und Gerechtigkeit und Friede kehrten zurück. Die Frage, die ich mir stellen muss, heißt: Welcher Macht will ich angehören, welcher dienen? Irgend einer menschlichen Macht? Oder dem Zufall? Oder meinem Egoismus? – Oder gehöre ich und höre ich auf Jesus Christus, meinen Herrn, der die Macht der Finsternis besiegt und die Macht der Liebe ans Licht gebracht hat? Ich habe die Wahl. Und du auch.

Gebet: Gott, du machst es, wie du willst, und was du willst, ist gut. Darauf vertraue ich. Du setzt dich mit deinem Willen durch gegen alle Widerstände anderer Mächte. Du regierst mit starker Hand. Regiere du durch ihn auch mich, dass ich mich nach deinem Willen richte und in deinem Reich unter dir lebe. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 2. August 2016

Ein Glaube, der glücklich macht, ist ansteckend hl

Losung: Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie. Psalm 145,4

Lehrtext: Alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie kann man den Glauben an nachfolgende Generationen weitergeben? Indem der Pfarrer erklärt, wie die Bibel zu verstehen ist? Indem Kinder den Religions- und Konfirmandenunterricht besuchen? Indem man sie in den Kindergottesdienst schickt?...
Das alles mag dazu beitragen. Aber entscheidend ist, dass du deinen Kindern oder Enkeln von deinem eigenen Glauben erzählst, wie Gott in deinem Leben gewirkt hat, wofür du dankbar bist, was dir Halt gibt, warum du auf Gott vertrauen kannst… Dein eigener Glaube ist der beste „Prediger“ für deine Kinder. Jemand hat mal gesagt: Es gibt fünf Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Diese vier. Sie stehen in der Bibel, aber sie werden kaum gelesen. Doch du wirst von deinen Mitmenschen „gelesen“. Darum bist du das fünfte und vielleicht wichtigste Evangelium.
Trotzdem hast du keine Garantie, dass auch deine Kinder und Enkel glauben, wie sehr du dich auch darum bemühst. Dein Einfluss ist eben auch in Glaubensdingen begrenzt genauso wie meiner. Wir beide müssen das akzeptieren und unbedingt darauf verzichten, Druck auszuüben. Denn in dem Moment, in dem wir anderen mit dem Glauben ein schlechtes Gewissen machen, haben wir schon, haben wir sie schon verloren.
Darum ist oft weniger mehr. Manchmal predigt ein Christbaum mehr als der Pfarrer am Heiligen Abend. Manchmal bewirkt eine Bibel für Kleinkinder mehr als eine Bibel, die im Bücherschrank verstaubt. Manchmal macht ein schlichter Wunsch zum Geburtstag den Empfänger nachdenklich, wenn du sagst: „Ich wünsche dir Gottes Segen zum neuen Lebensjahr!“
Darum wäre es ideal, wenn man dir und mir den schönen, tröstenden, befreienden und fröhlichen Glauben abspüren würde, ohne dass wir ihn demonstrativ herauskehren müssen. Nein, deshalb müssen wir nicht perfekt sein. Wir können auch Fehler zugeben und zu unserem Versagen stehen. Denn auch das macht ja den Glauben aus, dass man aus der Gnade Gottes lebt als der, dem vergeben ist und der anderen vergibt.
Wenn es um den Glauben geht, sollte meines Erachtens die Moral ganz weit in den Hintergrund rücken und die Liebe an erster Stelle stehen. Denn zum Glauben gehört unbedingt, dass er den Menschen glücklich macht. Und wenn das alles nichts nützt, kannst du trotzdem gelassen bleiben, denn Gott hat seine eigenen Mittel und Wege, wie er zur rechten Zeit die erreicht, die wir nicht erreichen können.

Gebet: Mein Gott und Vater im Himmel, ich habe allen Grund, gut von dir zu reden. Du hast mir bis zu diesem Augenblick geholfen. Hast mich spüren und wissen lassen, dass du bei mir bist und um mich zu jeder Zeit, dass du mich liebst und ich zu dir gehöre, was auch geschieht. Dir verdanke ich alles, was ich bin und habe. Gebrauche mich, wenn es dir gefällt, dass durch mich auch andere auf dich aufmerksam werden. Das sage ich dir durch Jesus Christus meinen Herrn, durch den du mir zeigst, wie du bist. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 1. August 2016

Fremde lieben oder fürchten? hl

Losung: Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5.Mose 10,18.19


Lehrtext: Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Matthäus 25,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Probleme mit Fremden? Mit Ausländern, Asylbewerbern, Flüchtlingen…? Nein, diese Frage ist keine Beleidigung. Sie soll dazu dienen, mal ehrlich in sich selbst hineinzuhorchen. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass ein gewisses Maß Angst vor dem, was fremd ist, in uns allen steckt. Diese Angst ist vermutlich uralt, so alt wie die Menschheit und hat in vorgeschichtlicher Zeit dazu beigetragen, dass Menschen überlebt haben, weil sie vor dem, was fremd war, erst mal auf der Hut waren.
Weil das schon immer so war, wird in der Bibel ein menschenfreundlicher Umgang mit Fremden besonders betont. Wenn das selbstverständlich wäre, müsste man es nicht extra aufschreiben. Aber da es das nicht ist, wird es zu einem göttlichen Gebot (Losung). Und Jesus selbst identifiziert sich mit den Fremden, die zunächst einmal abgelehnt, vielleicht sogar ausgegrenzt und verfolgt werden. Er sagt: »Ich bin ein Fremder gewesen.« Und dann zeigte er die beiden Möglichkeiten auf, wie man sich verhalten kann. Entweder knallt man den Fremden die Tür vor der Nase zu, macht die Grenzen dicht, jagt sie dorthin zurück, woher sie kommen. Oder man nimmt sie auf, wenn sie darum bitten. Und mit ihnen, nimmt man auch ihn auf (Lehrtext).
Das habe ich mir nicht ausgedacht. Das sagt Jesus selbst zu denen, die zu ihm gehören wollen. Und warum? Weil auch die Fremden Gottes Kinder sind, von ihm geschaffen und geliebt. Dennoch ist das Zusammenleben mit ihnen nicht problemlos. Bis Fremde, neudeutsch: „Menschen mit Migrationshintergrund“, nicht mehr fremd sind, dauert es eine Zeit. Und währenddessen kommt es zu manchen Missverständnissen und Schwierigkeiten. Früher wurden oft die zugewanderten Italiener abgelehnt. Später die Türken. Heute sind es Syrer und vor allem Menschen aus Afrika. Die Angst vor denen, die einem fremd sind, führt dazu, sie als Bedrohung zu empfinden. Und manchmal schlägt dann die Ablehnung in Hass und Gewalt um. Dagegen bilden die beiden heutigen Bibelworte eine schützende Brandmauer. Bei allen Bedenken, die man gegenüber Fremden haben mag, sie bereichern auch unser Leben und eröffnen uns neue Sichtweisen und Horizonte. Die Frage ist also, siehst du mehr die Probleme, die möglicherweise entstehen oder die Chancen, die man bekommt, wenn man auf Fremde offen zugeht? Und die andere Frage: Ist deine Angst vor Fremden größer als dein Vertrauen auf Gott?

Gebet: Herr, ich gestehe, dass es mir nicht immer leicht fällt, auf Fremde offen zuzugehen. Aber sie sind ja ebenso deine Kinder wie ich und darum meine Menschengeschwister. Du liebst sie nicht weniger als mich. Ja mehr noch, du kommst in ihnen zu mir. Wie könnte ich sie und mit ihnen dich ablehnen? Wie könnte ich ihnen und mit ihnen dir mein Herz verschließen? Ich weiß, ich gehöre dir, aber nur mit ihnen und nicht ohne sie. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 31. Juli 2016

Vom Umgang mit Kranken und Behinderten hl

Losung: Du sollst dem, der taub ist, nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten. 3.Mose 19,14

Lehrtext: Wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten. Lukas 14,13-14

Liebe Leserin, lieber Leser,

das kann ich nicht ausstehen, wenn sich Angehörige oder Pflegekräfte über einen anwesenden Demenzkranken, der sich nicht wehren kann, lustig machen oder abfällig über ihn reden. Auch hinter seinem Rücken sollte das nicht geschehen. Wer das macht, ist selbst ein Teil der Krankheit, die diesen Menschen zerstört: Die Demenz nimmt ihm zunehmend seine Persönlichkeit. Und die Lästerer versuchen ihm noch die Menschenwürde zu nehmen.
Gleiches gilt für solche, die taub sind. Und am schlimmsten finde ich, wenn man auf hinterhältige Weise einem Blinden eine Falle stellt. Das ist Menschenquälerei. Kein Wunder, dass Gott in der Bibel ein solches Verhalten verbietet. Dieses Verbot gilt nach wie vor. Es gilt aber auf ähnliche Weise auch für das Verhalten gegenüber Tieren.
Wer Menschen und Tiere quält, versündigt sich an dem, was heilig ist. Unser Grundgesetz sagt dazu „unantastbar“.
Stattdessen legt uns Jesus die Behinderten ans Herz, dass wir uns um sie kümmern, ohne dass sie uns dafür etwas geben können. Ich bin froh, dass wir in unserem Land Menschen und Einrichtungen haben, die für sie da sind, und bezahle auch gern meine Steuern dafür.
Es hat in Deutschland auch andere Zeiten gegeben, auch in Ansbach, das in den letzten Tagen in den Schlagzeilen war. Zwischen 1941 und 1945 wurden in der örtlichen „Heil- und Pflegeanstalt“ 2007 wehrlose Behinderte ermordet, darunter viele Kinder. Die Aufregung darüber hielt sich auch nach Kriegsende in Grenzen.

Gebet: Herr, die Kranken, Altersschwachen und Behinderten stehen unter deinem besonderen Schutz. Du hilfst ihnen durch Ärzte, Pflegekräfte und alle, die sich um sie kümmern. Ich danke dir für jeden, der ein Herz für diese Menschen hat und ihre Würde respektiert. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 30. Juli 2016

Eine vielsagende Geste hl

LosungEs ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6,8

Lehrtext: Jesus spricht: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Johannes 13,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht alles, was im Johannesevangelium steht, gefällt mir gleich gut. Aber da sind ein paar Worte und Geschichten, die überragen als Leuchttürme des Glaubens die abwechslungsreiche Landschaft der Bibel. Insbesondere ist das die Geschichte, in der Jesus am Abend vor seinem Tod den Jüngern die Füße wäscht. Aus ihr stammt auch der der heutige Lehrtext. Sie hat mein Bild von Jesus und damit auch mein Bild von Gott geprägt.
     Da sitzen sie also, die siebengescheiten Jünger, die meinen, schon recht viel vom Glauben zu wissen, da sie doch nun schon längere Zeit mit Jesus unterwegs sind. Sie sehen mit offenem Mund wie er sich eine Schürze umbindet, eine Waschschüssel nimmt, sich vor jeden einzelnen hinkniet und ihm die staubigen Füße wäscht. Er tut genau das, was damals auch die Haussklaven für ihre Herren getan haben. Doch der neunmalkluge Petrus wehrt ab: „Nein, nein, Herr, tu das nicht. Vielmehr will ich dir die Füße waschen.“ Da sagt Jesus zu ihm: „Wenn ich dir nicht die Füße wasche, bist du nicht auf meiner Seite.“ Daraufhin will Petrus gleich auch noch Hände und Gesicht von Jesus gewaschen bekommen, um nur ja zu ihm zu gehören, zu ihm, den er ein paar Stunden später verleugnen wird. Er versteht einfach nicht, was Jesus mit dieser Geste sagen will. Und so fragt Jesus auch die anderen Jünger: „Versteht ihr, was ich eben getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr. Das ist auch richtig so, denn ich bin es. Wie ich, euer Meister und Herr, euch jetzt die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch gegenseitig die Füße waschen. Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso! Ich sage euch die Wahrheit: Ein Diener steht niemals höher als sein Herr, und ein Apostel (=Botschafter) untersteht dem, der ihn gesandt hat. Wenn ihr das begreift und danach handelt, seid ihr gut dran.“
     Ob seine Jünger damals und alle späteren Priester und Pfarrer, Bischöfe und Päpste diese Geste der Demut und des Dienens verstanden haben und verstehen?  Ob sie durch diese Geste ihn selbst und Gott besser verstanden haben und verstehen?
     Es will vielen nicht in den Kopf, dass der König des Universums sich freiwillig zum Knecht der Menschen macht. Will es in deinen Kopf, in dein Herz, dass Gott dich nicht kommandiert, sondern dir dient mit seinem Wort, mit seinem Sohn, mit seiner Liebe? Und will es in meinen Kopf und Herz, was der Lehrtext sagt, dass Jesus mir als Pfarrer ein Beispiel gegeben hat, dass auch ich den Menschen diene, vor allem und in erster Linie den Geringsten, den Schwächsten, denen, die besonders bedürftig sind?
Ich kenne einen, in dessen Kopf und Herz das eingedrungen ist: Papst Franziskus. Seine Vorgänger haben am Gründonnerstag ausgewählten Kirchenleuten die Füße gewaschen. So wurde diese Demutsgeste zum bloßen Ritual. Doch Franziskus hat sie im Sinne Jesu neu belebt, da er an diesem Tag seit seinem Amtsantritt Drogensüchtigen, Kriminellen, Flüchtlingen, Prostituierten und anderen, die am äußeren Rand der Gesellschaft stehen, die Füße wäscht. So gibt er ihnen ihre Menschenwürde zurück. So dient er ihnen in der Liebe Christi.
Wenn das in der katholischen und in meiner evangelischen Kirche Schule machen würde, stünde einer Wiedervereinigung nichts mehr im Wege. Dann würden wir gemeinsam ein ganz starkes Zeichen in diese unter Gier und Größenwahn, Arroganz und Gewalt leidende Welt senden. Und die Leute würden daran erkennen, dass wir nicht nur Taufschein-Christen sind, sondern zu Jesus gehören.
Doch darauf sollten wir nicht warten, sondern jetzt schon mit kleinen Gesten des Dienens und der Demut beginnen, indem einer für den anderen da ist, weil er weiß, was gut ist (Losung).

Gebet: Herr, du beschämst mich nicht, indem du mich kleinmachst. Du beschämst mich, indem du mir dienst, um mich groß zu machen. Du erachtest mich für würdig ein Königskind Gottes zu sein. Ja, ich habe verstanden, nur wer groß genug ist, kann den Kleinen dienen. Nur wer stark genug ist, kann für die Schwachen da sein. Gib mir ein großes Herz und einen starken Charakter, damit ich würdig bin, zu dir zu gehören und deinem Beispiel zu folgen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 29. Juli 2016

Sich nicht selbst ins Knie schießen hl

Losung: Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu fürchten. Jeremia 2,19

Lehrtext: Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! Offenbarung 3,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der Selbstdisziplin ist es so eine Sache. Manche empfinden so, als müssten sie sich selbst bestrafen, wenn sie wegen Übergewicht weniger essen und mehr Sport treiben sollen. Dabei ist es doch die Disziplinlosigkeit, sind es die allabendlichen Kartoffelchips im Fernsehsessel, die einen mit labiler Gesundheit wegen Fehlernährung und Bewegungsmangel bestrafen. Und das ist nur ein Beispiel, wie wir Menschen uns oft „selbst ins Knie schießen“.
     Auch das Volk der Israeliten hatte darin viel ‚Übung‘. Immer wieder fiel es in falsche Verhaltensmuster zurück, schaute oft kurzsichtig nur auf die eigene Befindlichkeit, verfolgte selbstsüchtig eigene Interessen und verlor dabei Gott aus den Augen. Und dann war der Jammer groß, wenn es die Folgen des eigenen Fehlverhaltens zu spüren bekam. Manche meinten dann, dass Gott sie bestrafen würde, aber es war die eigene Bosheit. So jedenfalls steht es im Buch des Propheten Jeremia im Zusammenhang mit dem heutigen Losungswort.
     Da heißt es: »Jerusalem, deine Feinde brüllen wie die Löwen, sie brüllen und verwüsten dein Land, die Städte sind niedergebrannt und menschenleer. Das alles hast du dir selbst zuzuschreiben, weil du mich, den Herrn, verlassen hast, deinen Gott, der dich so sicher geführt hat! Deine eigene Bosheit wird dich strafen, deine Untreue bringt dich zu Fall: Erkenne doch, wie schmerzlich und bitter es ist, dass du mich, den Herrn, deinen Gott, verlassen hast und mir keine Ehrfurcht mehr erweist.«
     Und was hat Jerusalem falsch gemacht? In diesem Fall eine verkehrte Politik gegenüber Ägypten und Babylonien. Die hat ihnen das Genick gebrochen.
     Es ist schon im wahrsten Sinn des Wortes merk-würdig, dass sich das bis in die Politik und das Schicksal des Landes auswirkt, wenn seine Bewohner und seine Regierung nicht mehr nach Gott fragen und ihn nicht mehr respektieren. Vor 70 und mehr Jahren hat die gottlose Nazi-Regierung ein ganzes Volk ins Unglück gestürzt und andere Völker dazu. Und wie ist das zu unserer Zeit? Hoffen wir, dass sich heute genügend Leute nach ihrem Glaubenskompass richten, die in unserem Land Verantwortung tragen. Beten wir für sie.
     Du und ich, wir werden im Lehrtext aufgefordert, diesen Kompass festzuhalten. Anders gesagt, der Glaube ist unsere Krone, der aus einem belanglosen Leben etwas Besonderes macht. Wem der König der Könige egal ist, der hat schnell seine Krone verloren. Passen wir gut auf sie auf, damit wir uns nicht selbst ins Knie schießen.

Gebet: Herr, du bist mein Licht. Wenn ich dich verlasse, irre ich im Finstern umher. Du bist mein Lebensbrot. Wenn es mich nach anderer Nahrung verlangt, verhungert meine Seele. Du bist die Quelle des Lebens. Wenn ich daraus trinke, bleibe ich heil und gesund. Halte mich von Versuchungen fern, die meine Treue zu dir gefährden. Kröne mein Leben mit dem Geschenk des Glaubens. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Donnerstag, 28. Juli 2016

Auserwählt hl

Losung: So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott! Hosea 12,7

Lehrtext: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld. Kolosser 3,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer sind die Auserwählten Gottes (Lehrtext)? Die Muslime gehen selbstverständlich davon aus, dass nur sie es sind. Ebenso die Juden. Und auch viele Christen halten sich dafür. Verzeihung, wenn ich jetzt einem Muslim, einem Juden oder Christen auf den Schlips trete. Aber aus meiner Sicht ist das kindisch. Denn niemand kann sich selbst für auserwählt erklären. Das ist nur der, den Gott erwählt. Oder bist du dir wirklich so sicher, dass nur du als Christ auserwählt bist und alle anderen nicht? Und wenn sie das nicht sind, was dann? Sind sie dann verloren und ausgeschlossen vom Heil? Hat Gott sie dann nur dazu erschaffen, um sie auf ewig zu verdammen?
Ich meine, die Auserwählten Gottes erkennt man auch daran, dass sie, wie es im Lehrtext heißt, freundlich, demütig und sanftmütig sind. Solche aber grenzen sich nicht aggressiv gegenüber Mitgliedern anderer Religionen ab. Sprechen ihnen auch nicht Gottes Gnade ab, sondern freuen sich, dass Gott in Christus alle Menschen am Kreuz erlöst hat, weil sie alle seine Kinder sind. Alle sind sie, - alle sind wir - seine ehemals ‚verlorenen‘ Töchter und Söhne. Ihnen und uns kommt er wie der Vater in Jesu Gleichnis (Lukas 15,11-32) entgegen, um uns alle in den Arm zu nehmen und ohne Gegenleistung bei sich aufzunehmen.
Du und ich und alle, die das glauben, wurden von Gott dazu auserwählt, das zu erfahren und dieses Wissen an andere weiterzugeben ohne hochmütig zu sein und uns überlegen zu fühlen. Wir sind auserwählt, um ihnen zu dienen. Denn Gott ist zu uns barmherzig, damit auch wir zu anderen barmherzig sind (Losung); er ist geduldig, damit auch wir mit anderen Geduld haben.
Ob du und ich, ob wir auserwählt sind, erkennen wir, wenn wir in den Spiegel schauen. Dann zeigt es sich, ob wir das Kleid und den Anzug der Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld tragen (Lehrtext) oder die Uniform der Selbstgerechtigkeit, der Unbarmherzigkeit und des Dogmatismus.

P.S.: Stimmt, in der Bibel stehen auch Verse, die das Gegenteil nahe legen. Aber ich halte mich nicht an einzelne Worte, sondern an Jesus Christus, an das, was er für mich und die Menschheit insgesamt getan hat. Er hat für uns alle in der Krippe gelegen und hat für uns alle am Kreuz gehangen und ist für uns alle auferstanden, um eine Hoffnung zu sein für jedes Geschöpf (Römer 8,19-21).

Gebet: Herr, ich gehöre dir. Das hast du mir durch Jesus gesagt und darauf vertraue ich. Aber alle anderen gehören dir auch, ob sie das wissen oder nicht, ob sie darauf vertrauen oder nicht. Darum will ich in ihnen meine Menschenbrüder und -schwestern sehen und sie durch mein Verhalten einladen, mit mir zu glauben. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Von der inneren Freiheit hl

Losung: HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen. Psalm 9,20

Lehrtext: Sollte Gott nicht Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen? Lukas 18,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie kann ich verhindern, dass Menschen triumphieren, gerade solche, die viel mächtiger sind als ich? Eigentlich habe ich keine Chance. Und doch, ob Menschen triumphieren, Diktatoren, Terroristen, Kriminelle oder auch nur die, die sich in meinem Umfeld wie ein kleiner Gott aufspielen, das hängt auch von meiner inneren Einstellung ab. 
     Die Frage ist, ob ich sie triumphieren lasse und mich ihnen beuge und ergebe oder ob ich ihnen gerade keine Macht über mich einräume. Sie mögen äußerlich Macht über mich haben, sie mögen mich ausgrenzen oder einsperren, sie mögen mich verfolgen oder „nur“ mobben. Aber ich darf nicht zulassen, dass sie auch Macht über meine Seele gewinnen. Über sie hat nur einer Macht, der Allmächtige. Ihm gehöre ich und nicht irgendwelchen vergänglichen Machthabern. Sie können mir an die Existenz, sie können mir im Extremfall ans Leben. Aber sie dürfen mir nicht an die Seele.
     Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Und Gott sei Dank war ich noch nie in einer solchen Extremsituation, dass ich der Willkür und dem Mutwillen von Menschen ausgeliefert gewesen wäre. Aber ich weiß von anderen, die auch im Gefängnis frei waren; die auch in ihrer äußeren Ohnmacht stärker waren als die, die scheinbar Macht über sie hatten. Nicht nur Jesus, auch Dietrich Bonhoeffer oder Mahatma Gandhi und viele andere sind dafür leuchtende Beispiele.
     Meine innere Unabhängigkeit muss ich jeden Tag neu gewinnen, auch gegenüber allen scheinbar harmlosen und subtilen Versuchen, mir zu schmeicheln oder auf mich Druck auszuüben. Auch gegenüber mir selbst, meinen Launen, meiner Trägheit, meinen negativen Gefühlen muss ich mich um meine innere Freiheit bemühen. Dazu hilft mir der Glaube, dass Gott bei mir ist, gerade auch dann, wenn es schwierig wird. Und mit diesem Glauben kann ich ganz anders vor Menschen treten als wenn ich auf mich allein gestellt wäre. Dieser Glaube stärkt mein Selbstwertgefühl, meine innere Freiheit, meine Menschenwürde. Und das spüren auch die, die meinen, etwas Besseres zu sein und mehr Macht zu haben.
      Und darum beantworte ich die Frage aus dem heutigen Lehrtext mit einem klaren Ja. Ja, Gott wird das tun. Er wird mir und allen, die zu ihm rufen zum Recht verhelfen. Davon gehe ich einfach aus und lass mich nicht von irgendwelchen Zweifeln beirren.
     Vielleicht meinst du jetzt: Na, der Hans Löhr nimmt seinen Mund ganz schön voll. Ob der wirklich so einen starken Glauben hat? Also aus mir selbst heraus nicht. Was meine Fähigkeiten betrifft, bin ich kein Glaubensheld. Darum habe ich mein bisschen Glauben bei Gott deponiert, damit er was daraus macht und mir immer wieder so viel gibt, wie ich gerade brauche.

Gebet: Herr, ich weiß, ich habe nur eine kleine Kraft. Aber du bist allmächtig. Und darum verlass ich mich nicht auf mich selbst, sondern auf dich. Du wirst mir helfen, wenn ich Hilfe brauche. Du wirst mich stärken, wenn ich Kraft brauche. Du wirst mir zu meinem Recht verhelfen, wenn andere es mir verweigern wollen. Du verteidigst meine Freiheit, wenn andere sie mir nehmen wollen. Denn nicht Menschen dürfen triumphieren über mich und deine Welt. Sondern du bist der König über alle Könige, der Herr über alle Herren, der Vater der Menschen und der Hirte meine Seele. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

3. Nachtrag:
Gestern haben islamistische Terroristen einem 84-jährigen Priester in Frankreich während einer Messe die Kehle durchgeschnitten. In diesen Tagen jagt eine erschütternde Meldung die andere. Wir leben in einer Zeit der Anfechtungen, in der unser Glaube auf die Probe gestellt wird. Und dennoch dürfen wir die vielen guten Dinge, die gleichzeitig geschehen, nicht übersehen.
Das Böse ist wie eine Schlange, die uns fixiert, damit wir davor erstarren und sie uns umso leichter packen kann. Darum will ich immer wieder auf das Gute in meinem Leben schauen, das bei weitem überwiegt, und mich davon leiten lassen.
Der Bibel zufolge hat Gott in Jesus das Böse bereits entscheidend geschlagen. Noch aber wehrt es sich mit allen Mitteln und versucht so viel Unheil anzurichten wie es kann. Doch es befindet sich auf dem Rückzug und hat keine Chance mehr zu siegen. 

Dienstag, 26. Juli 2016

Was wir nach den jüngsten Anschlägen tun können hl

LosungGott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Jesaja 50,7

Lehrtext: Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten. Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns. 2.Korinther 1,10-11

Liebe Leserin, lieber Leser,

Axtangriff in einem Zug bei Würzburg, Amoklauf in München, Messerattacke in Reutlingen, Selbstmordanschlag in Ansbach – wie soll man darauf reagieren?
     Dass viele unmittelbar nach solchen Taten alarmiert sind, verunsichert und ängstlich, das ist verständlich. Aber ich bin überzeugt, dass wir schnellstmöglich zur Normalität zurückfinden sollten. Das bisherige Leben soll und muss weitergehen. 
  • Ich will den Tätern keinen Einfluss auf mein Leben gönnen. 
  • Ich will mir weder von radikalen Muslimen, noch von radikalen Christen, noch von politischen Ideologen vorschreiben lassen, wie ich leben und glauben soll. 
  • Ich will, dass Muslime, die mit unserer Lebensart in Deutschland nicht zurechtkommen, wieder ausreisen.
  • Ich will, dass diejenigen, die hier bleiben, unsere Werte und Gesetze achten ohne Wenn und Aber .
     Auch heute Morgen ist die Sonne aufgegangen, haben die Vögel gesungen und gehen viele wieder zur Arbeit. Meine Kinder werden wieder nach Ansbach in die Schule fahren und ich werde mich ums Mittagessen kümmern... Ja, unser Leben soll und muss weitergehen. Zwar müssen wir in unserem Land wachsam sein. Aber wir dürfen die Freiheit nicht einer hysterischen Sicherheitspolitik opfern.
     Meiner Meinung nach passt die heutige Tageslosung in ihrem Zusammenhang gut zur Situation. Da heißt es im Buch des Propheten Jesaja: »Ich habe mich nicht gesträubt und bin meiner Aufgabe nicht ausgewichen. Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug; ich hielt ihren Beschimpfungen stand. Und doch werde ich mich ihnen nicht beugen, denn Gott, der Herr, hilft mir. Darum habe ich auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten. Ich weiß, ich werde nicht zuschanden (Neuere Übersetzung)
     In diesen Tagen kommt es mir so vor, dass man einen Menschen auch mit schlechten Nachrichten schlagen kann und dass die Täter mit ihren Verbrechen auch viele Unbeteiligte beschämen und „beschimpfen“ können. Egal wie, jedenfalls können sie einen negativen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausüben. Da kommt das heutige Bibelwort gerade recht, das sagt: »Ich halte ihnen Stand, ich werde mich ihnen nicht beugen, denn Gott hilft mir.«
     Lass uns beide, liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Haltung des Glaubens weiterleben. Lass uns besonnen und gelassen sein. Und lass uns das beherzigen, was im Lehrtext steht: »Auf Gott hoffen wir, er wird uns auch in Zukunft helfen.« Und dann schreibt der Apostel Paulus noch diesen wichtigen Satz: »Dazu helft auch ihr durch euer Gebet.«
Genau das ist es, was wir jetzt nach den Anschlägen tun können:

1. Weiterleben wie bisher und sich nicht einschüchtern lassen.
2. Der Macht des Bösen die Stirn bieten aus der Kraft des Glaubens.
3. Selbst nicht böse werden. Keine negativen Pauschalurteile über Flüchtlinge, aber auch keine blinde Gutmütigkeit.
4. Wachsam sein und den Hilfsbedürftigen weiterhin helfen.
5. Unvermindert und unverdrossen auf Gottes Hilfe hoffen auch für die Zukunft.
6. Beten: für die Menschen, die einem nahestehen, für die Opfer und ihre Angehörigen, für die Menschen mit Regierungsverantwortung, für die Einsatzkräfte, für die Flüchtlinge und für sich selbst.
7. Und auch für die Familien der Täter beten (das ist jetzt die Nagelprobe, ob wir tatsächlich als Christen diese Herausforderung annehmen) .

Gebet: Herr, ich weiß, die Welt ist vor und nach den schrecklichen Ereignissen der jüngsten Zeit keine andere. Sie bleibt so wie sie schon immer war. Ich kann sie nicht ändern. Aber ich kann mich ändern und nicht aggressiv und hysterisch reagieren, sondern gefasst und standhaft im Glauben. Du warst bisher die große Hilfe in meinem Leben. Du wirst das auch bleiben. Auf dich hoffe ich und zu dir bete ich für alle, die jetzt durch die Anschläge an Körper und Seele verletzt sind. Heile sie durch deine Macht, durch Ärzte und Medizin und durch unsere Gebete. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 25. Juli 2016

Frommes Gaggern hl

Losung: Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Psalm 33,6

Lehrtext: Gott lässt sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Apostelgeschichte 17,25

Liebe Leserin, lieber Leser,

unser Glaube beruht auf ein paar grundlegenden Wahrheiten, die nicht zur Diskussion stehen. Der heutige Lehrtext ist eine dieser Grundwahrheiten: Im Unterschied zu den meisten Religionen bin ich Gott gegenüber ausschließlich ein Empfangender. Ich habe ja nichts Eigenes, das nicht sowieso von ihm wäre und das ich ihm geben könnte. Vielleicht mit zwei Ausnahmen. Ich kann ihm mein Vertrauen und meinen Dank schenken. Das war's aber auch schon. Mehr kann ich ihm nicht bieten.
Was aber ist dann mit Gottesdiensten und Gebeten, mit Kerzenanzünden und Wallfahrten, mit einem einwandfreien Lebenswandel und dem Beachten der Gebote, mit Spenden, ehrenamtlicher Mitarbeit und Nächstenliebe? Nein, damit lässt er sich nicht dienen, nicht beeindrucken, nicht beeinflussen. Mit alldem kann ich mir bei Gott nichts kaufen. Keinen Ablass und keinen Segen, keine Gerechtigkeit und keine Gnade, keine Erlösung und kein ewiges Leben. Er lässt mit sich einfach keine Geschäfte machen, und wenn die Absicht noch so gut ist.
Alles, was wir als ‚praktizierende‘ Christen machen, dient uns selbst und nicht ihm, ausgenommen Vertrauen und Dank. Gott hat unser religiöses Gewese und Gehabe einfach nicht nötig. Wie sollte ich auch die Sonne beeindrucken, wenn ich ein Streichholz anzünde? Wie das Meer mit einem Tropfen Schweiß? Er hat das Universum geschaffen mit einem Satz: »Es werde Licht!« Er hat dir und mir Leben und Lebenszeit gegeben und was wir sonst brauchen. Ist es da zu viel verlangt, ihm zu vertrauen und ihm zu danken?

Gebet: Herr, was bilde ich mir ein, wenn ich zweifle oder dich missachte? Und was bilde ich mir erst ein, wenn ich religiös gaggere wie ein Huhn, das meint, sein frommes Ei selbst gemacht zu haben? Ich will dich Gott sein lassen, damit ich Menschen sein kann. Ich will dich machen lassen, damit ich vertrauen kann. Ich will annehmen, was du gibst, damit ich danken kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Nachtrag zum Sprengstoffanschlag in Ansbach:
Nun ist es also in unserer Kreisstadt passiert, wo unsere Kinder zur Schule gehen, wo Freunde wohnen, wo wir einkaufen oder kulturelle Veranstaltungen besuchen. Je näher solche Ereignisse rücken, desto mehr machen sie betroffen und verunsichern. Besonders belastet die Hilflosigkeit, weil niemand sagen kann, wann und wo so etwas passiert und wie man sich davor schützen könnte. Und trotzdem, gerade jetzt gilt das Bibelwort »Fürchte dich nicht, glaube nur« (Markus 5,36). Und so will ich mein bisheriges Leben weiterleben und mich nicht von einer diffusen Angst lähmen lassen, Gerade jetzt will ich mit dem Licht des Glaubens den finsteren Mächten die Stirn bieten.

Sonntag, 24. Juli 2016

Trotziger Glaube hl

Losung: Der HERR macht zunichte die Pläne der Völker. Psalm 33,10

Lehrtext: Gott hat Christus von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat. Epheser 1,20-21

Liebe Leserin, lieber Leser,

wem folgt dein Glaube? Ist er nur insofern für dich wichtig, als du ihn in Übereinstimmung bringen kannst mit Vernunft und deinem Verstand? Und wenn das nicht geht, wem folgt er dann? Denn was heute in der Losung und vor allen Dingen im Lehrtext steht, ist mit Vernunft und Verstand nicht erklärbar. Andererseits ist das, was wir in den letzten Wochen erleben auch nicht gerade vernünftig:
     Der auf Lügen gebaute Brexit, der Putschversuch und die problematischen Folgen in der Türkei, der Terroranschlag in Nizza und der Amoklauf vom Freitag in München – all das zeigt, dass wir und unsere Regierenden das Geschehen nicht im Griff haben. Wir alle sind eher von den Ereignissen Getriebene, als dass wir sie bestimmen und beherrschen könnten. Und da hilft der Ruf nach einem starken Mann überhaupt nichts. Weil die sogenannten starken Männer in aller Regel alles immer nur noch schlimmer gemacht haben.
     Doch du und ich, wir können den chaotischen Umständen und den Unsicherheiten unseren Glauben entgegensetzen. Den Glauben, dass es nicht die Menschen sind, die den Lauf der Dinge bestimmen, sondern Gott. Er regiert durch Jesus Christus! (Lehrtext) Er hat die Zeit und mit ihr die Verhältnisse im Griff und nicht sie ihn. Er hat den Überblick über das, was geschieht und das, was erst noch geschehen wird. Er hat alle Macht im Himmel und auf Erden. Das glaube ich - allem äußeren Anschein zum Trotz.
     ‚Sind das nicht bloß Behauptungen!‘ – fragen diejenigen, die sich ausschließlich auf ihre Vernunft und ihren Verstand verlassen. Stimmt, ich kann das nicht beweisen. Ich kann nur darauf vertrauen, dass Gott keine Einbildung ist, sondern die alles bestimmende Macht. Dabei gehe ich auch von meinen Erfahrungen aus, die ich bisher mit ihm und meinem Glauben gemacht habe. Aber was heißt schon, wenn ich schreibe: Ich kann nur vertrauen. Nein. Ich kann Gott sei Dank vertrauen - auf meinen Vater im Himmel und auf Jesus Christus, meinen Herrn. Und gleichzeitig kann und muss ich, so gut es geht, meinen Verstand und meine Vernunft gebrauchen, die er mir geschenkt hat, um nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Gebet: Herr, wenn mich die Ereignisse in der großen Welt und in meiner kleinen unsicher machen wollen, wenn ich mit meiner Vernunft und meinem Verstand nicht mehr weiterkomme, wenn ich mit meinen eigenen Kräften am Ende bin, dann will ich nicht verzweifeln. Dann will ich erst recht und allem äußeren Anschein zum Trotz an dir festhalten. Denn dein Wille geschieht und dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 23. Juli 2016

WWJD hl

Losung: Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Jesaja 51,7

Lehrtext: Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Lukas 6,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Allmächt!“ – sagt man bei uns in Franken, wenn man zum Beispiel etwas Unangenehmes erfährt. „Allmächt!“ kannst du sagen, wenn du den heutigen Lehrtext liest. „Was soll denn das?“
In einer neueren Übersetzung heißt er: »Wehe euch, die ihr jetzt von allen umschmeichelt werdet, denn die falschen Propheten waren schon immer beliebt." Auf uns heute übertragen könnte das bedeuten: „Seht euch vor, wenn ihr anderen nach dem Mund redet, um ihnen zu gefallen und dabei die Wahrheit verdreht.“
Jesus, von dem das Wort aus dem Lehrtext stammt, hat es zu seinen Jüngern gesagt. Er hat damit deutlich gemacht, wie provozierend seine Lehre war. Er hat damit die Auseinandersetzung geradezu gesucht. Die Folgen waren entsprechend bis hin zum Kreuz. Nein, das was er sagte, wollten sich die Mächtigen seinerzeit nicht gefallen lassen und auch nicht viele Mächtige späterer Zeiten. Doch seine Jünger sollten es ihm gleich tun, sollten in seinem Sinn reden und handeln zu seiner Zeit und auch zu unserer Zeit.
Jetzt, nach der Messerattacke eines jungen, vermutlich afghanischen Flüchtlings auf Bahnreisende findest du viel Zustimmung, wenn du dich kritisch zu den Flüchtlingen insgesamt äußerst. Das ist ja auch verständlich, da Unsicherheit und Angst zunehmen und man die vermeintliche Gefahr, die von ihnen ausgehen könnte, gerne los wäre. Darum ist es keine Kunst, viel Zustimmung zu ernten, wenn man sich jetzt ablehnend über sie äußert. Und in der Tat, wer sucht, findet auch genügend Anhaltspunkte. Es gibt schon auch solche, die unangenehm auffallen, auch wenn sie nicht gleich gewalttätig werden. Die können dann die Geduld der ehrenamtlichen Helfer ganz schön strapazieren.
Doch da kommen jetzt die vier Buchstaben ins Spiel: WWJD – What would Jesus do? Was würde Jesus (jetzt an meiner Stelle) tun? Wer es ernst mit dem Glauben meint, muss sich diese Frage immer wieder einmal stellen und sie für sich beantworten. Und das kann dann durchaus dazu führen, was in der heutigen Losung steht, dass dich »die Leute verhöhnen und schmähen«.
Gestern Abend hat das Schultheater des Gymnasiums, das meine Kinder besuchen, ein aktuelles Stück über Flüchtlinge aufgeführt. Darin wurde die Situation einfach umgedreht. Da waren plötzlich die deutschen Jugendlichen Flüchtlinge und haben darüber gesprochen, wie es ihnen jetzt in einem arabischen Land geht, in das sie vor Terror und Krieg fliehen mussten. Das war für sie selbst und für die Zuhörer ausgesprochen lehrreich, sich selbst mal in die Situation dieser Menschen zu versetzen. Und das war meiner Meinung nach viel eher im Sinn von Jesus als wenn man mit abfälligen Reden über Flüchtlinge Öl ins Feuer gießt und so den Konflikt nur noch mehr anheizt.

Gebet: Herr, kann es sein, dass du in einem Flüchtlingsboot übers Meer zu uns kommst? Finden wir dich vielleicht eher in einem Flüchtlingsheim als in einer Kirche? Hast du vielleicht eine dunkle Hautfarbe und schwarze Haare und sprichst eine fremde Sprache? Kann das wirklich sein? …

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

p.s.: Nachdem diese Losungsauslegung geschrieben war, kam die Meldung von einem möglichen Terroranschlag in München. Noch sind die Hintergründe der Schießerei unklar. Ich meine, der Glaube hilft uns, nicht in Panik zu geraten. 
Dass es auch in Deutschland zu Anschlägen kommen würde, wurde schon seit Jahren erwartet. Wir sind bisher verschont geblieben. Nun trifft es auch unser Land. Das macht deutlich, dass wir in einer noch nicht erlösten Welt leben, in der wir zu Recht beten: „Vater unser im Himmel, erlöse uns von dem Bösen.“ Bei dieser Bitte wollen wir bleiben und darauf vertrauen, dass unser Gott mächtiger ist als alle Mächte der Finsternis.

Freitag, 22. Juli 2016

Das Gold der Bibel hl

Losung: HERR, ich habe Freude an deinen Mahnungen; sie sind meine Ratgeber. Psalm 119,24

Lehrtext: Die Eltern Jesu fanden ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Lukas 2,46


Liebe Leserin, lieber Leser,

mein väterlicher Freund und Lehrer, Pfarrer Karl Steinbauer, stand wegen einer Weihnachtspredigt im Jahr 1944 vor dem Kriegsgericht der nationalsozialistischen Justiz. Sinngemäß hatte er gepredigt: „Dass Jesus für mich in der Krippe liegt und am Kreuz hängt, ist mir mehr wert als alle Orden und Ehrenzeichen der Wehrmacht.“ In der Verhandlung hat er sich so gut es ging selbst verteidigt. „Ich habe dem Richter und dem Staatsanwalt“, so sagte er später, „die Weihnachtspredigt einfach noch mal gehalten.“ Zu seiner eigenen Verblüffung und der aller Prozessbeobachter wurde er vom Vorwurf der Wehrkraftzersetzung freigesprochen. Er hätte auch zum Tod verurteilt werden können. Nach dem Prozess kamen Leute auf ihn zu und sagten: „Herr Pfarrer, Sie müssen ja ausgezeichnete Berater gehabt haben, dass Sie da so gut durchgekommen sind.“ Da verwies Karl Steinbauer auf unser heutiges Losungswort. „Das“, so sagte er viel später zu mir, „haben die damals nicht verstanden. Aber es war wirklich so. Ich habe mich in der Zelle mit meiner Bibel auf den Prozess vorbereitet. Und dann bin ich gefasst und zuversichtlich in den Gerichtssaal gegangen.“ (Siehe Losungsauslegung vom 7. September 2015)
Die Bibel ist nicht nur in einer solchen Extremsituation ein Ratgeber. Sie enthält die Lebenserfahrungen zahlreiche Generationen und ist deshalb auch für Nichtgläubige nützlich zu lesen. Sie ist ein eminent lebenspraktisches Buch, das schon vielen in unterschiedlichsten Situationen geholfen hat. Nicht zuletzt deshalb ist die Bibel als Wort Gottes seit mehr als 2000 Jahren ein sogenannter Bestseller. Viele Handbücher zum richtigen und glücklichen Leben sind schon nach kurzer Zeit wieder veraltet. Die Bibel hat ihren Wert behalten und ist nach wie vor aktuell.
Auch Jesus hat sich an ihr orientiert und als 12-jähriges Kind mit den Theologieprofessoren und Priestern über das richtige Verständnis von Gottes Wort diskutiert. Nein, es genügt leider nicht, die Bibel einfach so zu lesen. Man muss schon auch wissen, wie man sie zu lesen hat. Sie ist wie ein Bergwerk, in dem man Gestein und Geröll zur Seite räumen muss um auf das Gold zu stoßen. Manche möchten einem die Steine, die sie in der Bibel gefunden haben, als Gold andrehen. Da kann es dann helfen, im Zweifelsfall eine zweite Meinung einzuholen und nicht gleich alles zu glauben.

Gebet: Herr, dein Wort weist mir den Weg. Es hilft mir, mich in dieser Welt und in meinem Leben zurechtzufinden. Es ist mein Wegweiser, an dem ich mich orientieren, mein Licht, mit dem ich auch im Dunkeln den Weg finden kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Die Herrnhuter Losungen bestehen aus einer Sammlung von kurzen Bibeltexten des Alten und des Neuen Testamentes. Für jeden Tag des Jahres wird ein Bibelwort aus dem Alten Testament aus einer Sammlung von 1.824 Versen ausgelost (= Losung), das dem Leser als Leitwort oder guter Gedanke für den Tag dienen kann. Aus dem Neuen Testament wird durch einen Mitarbeiter der Herrnhuter Brüdergemeine ein so genannter „Lehrtext“ gewählt, der üblicherweise in einem Bezug zu dem gelosten alttestamentlichen Vers steht. Die ‚Losungen‘ gehen auf Nikolaus Graf von Zinzendorf zurück und erscheinen seit 1721. Sie gelten als überkonfessionell, da sie für alle Christen, egal welcher Konfession, erstellt werden. Sie werden in 61 Sprachen übersetzt und erscheinen als Druckausgabe im deutschen Sprachraum in einer jährlichen Auflage von über einer Million Exemplaren. Hans Löhr und Elfriede Bezold-Löhr schreiben seit 2010 zu den ‚Losungen‘ kurze Auslegungen und Gebete.