Mittwoch, 27. November 2019

Was dich erneuert hl

Losung: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott. 3.Mose 19,2

Lehrtext: Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir die Erstlinge seiner Geschöpfe seien. Jakobus 1,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Erstlinge“? (Lehrtext) - Komisches Wort. Ich denke da gleich an Trump und sein „America first“ (Amerika zuerst), an Johnson und sein „Great Britain first“, an die Nationalisten in unserem Land und ihr „Deutschland zuerst“. Ich denke an die Polen und Ungarn, an den Türken Erdogan, an die Nationalisten in Israel, Russland, China und so weiter. - Sie alle wollen vorn dran sein.
     Wenn aber alle immer nur die Ersten sein wollen, bleibt das Gemeinsame auf der Strecke. Da wird es dann ganz schön eng an der Spitze. Und aus dem Gerangel um den ersten Platz kann schnell ein gewaltsamer Konflikt oder gar ein Krieg werden. Die Geschichte liefert dafür viele, zu viele Beispiele.

Wir sind immer noch dieselben alten Menschen

     Lese ich den Lehrtext in einer neuen Übersetzung, dann heißt er: »Es war Gottes Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die rettende Botschaft, neues Leben geschenkt hat. So sind wir der Anfang seiner neuen Schöpfung geworden.« Das klingt gleich etwas freundlicher. Aber mit dem „Anfang seiner neuen Schöpfung“, also mit uns Christen, ist es auch nicht so weit her, wenn man die letzten 2000 Jahre betrachtet. Da müsste die Welt schon ganz anders aussehen, wenn das zuträfe. Die Welt ist immer noch die alte. Und wir Christen sind immer noch dieselben alten Menschen, ob uns das gefällt oder nicht. Wir unterscheiden uns in unseren Genen, Gefühlen, Stimmungen, Gedanken, Verhalten etc. in nichts von anderen Menschen. Wir sind immer noch „der alte Adam“, wie Luther sagt. Unterscheiden wir uns wenigstens im Glauben von ihnen?
     Darum glaube ich nicht, dass Jakobus nach 2000 Jahren Erfahrungen mit dem Christentum den Satz aus dem Lehrtext heute noch einmal so schreiben würde. Vermutlich wäre er inzwischen ein ganzes Stück nüchterner, bescheidener und demütiger.

Glaube im Alltag heißt der neue Ton

     Und doch, irgendetwas Neues muss doch mit den Menschen, die an Jesus Christus glauben und auf ihn vertrauen in diese alte Welt gekommen sein. Und wenn es nur eine verschwindende Minderheit ist, auf die das zutrifft. Dieses Neue ist für mich, dass ich in dem Glauben und Vertrauen lebe, dass Gott bei mir ist am Tag und in der Nacht und es gut mit mir meint. Wenigstens einen Abglanz von seiner Liebe möchte auch ich an die Menschen weitergeben, mit denen ich zu tun habe: An die anonymen Menschen, mit denen ich telefoniere, weil ich mit dem Produkt, das ich gekauft habe, nicht zurechtkomme. An den abgehetzten Paketboten, dessen Namen ich nicht kenne. An den Mitarbeiter der Bank, über die ich mich ärgere … Wenn sich mein Glaube bewährt, dann im Alltag.
     Doch, das wünsche ich mir von anderen Christen und erwarte ich von mir selbst, dass durch uns ein neuer Ton in die alte Welt kommt, weil uns immerhin etwas heilig ist, weil uns kein Geringerer als Gott heilig ist (Losung).
    
Gebet: Herr Jesus Christus, du allein bist der neue Mensch, wie Gott ihn will. Du erneuerst auch mich, wenn ich dir vertraue und folge. Ich selbst kann mich nicht am Schopf aus meinem alten Leben ziehen. Durch dich habe ich die Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleibt, weil du selbst sagst: „Ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Kommentare:

  1. Andreas Güntzel27.11.19, 17:48

    Ich sehe den Begriff "Erstlinge" noch in einem anderen Zusammenhang:
    Bei der Ernte sollten die Israeliten die Erstlingsfrüchte Gott als Dank in den Tempel bringen. Die Erstlingsgabe stand stellvertretend für das Ganze und brachte zum Ausdruck: Alles kommt von Gott und alles gehört Gott.
    So gesehen bedeutet für mich: "Ihr seid Erstlinge der neuen Schöpfung", dass alle Menschen zur neuen Schöpfung gehören werden. Die Christen sind sozusagen das Pfand dafür. So wie Christus der Erstling der Auferstehung ist und wir ihm darin folgen werden.

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  2. Ein schönes Verständnis des Lehrtextes. Gefällt mir.

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