Freitag, 20. Januar 2012

Der genialste Friseur hl

Losung: Abram sprach zu Lot: Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.
1.Mose 13,8

Lehrtext: Christus spricht: Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Matthäus 6,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt immer wieder Anlässe, warum Sie / du dich über das Fehlverhalten anderer aufregen kannst. Und es gibt immer wieder Anlässe, warum andere sich über dich aufregen können. Eigentlich bist du, eigentlich bin ich mit denen, über die ich mich aufrege, quit. Jedenfalls bin ich mir nicht so sicher, welche Waagschale sich nach unten neigte, würde mein Versagen mit dem der anderen aufgewogen.
Gott sei Dank rechnet, wägt und richtet Gott nicht so, wie wir Menschen tun. Er hat Maßstäbe, über die man sich auch schon wieder aufregen könnte, weil er, wie es Jesus gezeigt hat, die Guten nicht einfach belohnt und die Bösen nicht einfach bestraft. Er vergleicht uns nicht miteinander und stellt dann den einen ein Treppchen höher und den anderen eins tiefer. Er wird jedem von uns auf seine Weise gerecht. Manche tun sich eben leichter, von Haus aus nett und freundlich zu sein. Die sind uns gleich sympathisch. Andere schaffen das nur mit Mühe beziehungsweise bleiben dahinter zurück und sind doch, wegen der Anstrengung, die sie das kostet, Gott sympathisch.
Suum cuique – jedem das seine, so lautet eine alte römische Weisheit. Ich neige dazu, alle über einen Kamm zu scheren. Gott aber macht jedem die Frisur, die ihm steht. Er ist der genialste „Friseur“, bei dem selbst die unsympathischen „Glatzen“ (Rechtsradikalen) noch eine Chance haben.

Gebet: Mein Vater im Himmel, vergib mir meine Schuld, wie auch ich vergebe meinen Schuldigern. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 




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Hier der Link zu den Lichtblick-Predigten

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Zwei kurze Videos von den Waisenkindern in Kalali (Tansania), die wir unterstützen: Video 1 und Video 2
Spenden für unser Waisenkinderprojekt (Bau eines Speisehaus‘) bitte auf.
Kirche Sommersdorf, Kto 1910400, Gewerbebank Ansbach, BLZ 76560060, Kennwort: Kalali.
Spendenbescheinigungen für das Finanzamt werden auf Wunsch zugeschickt..
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Donnerstag, 19. Januar 2012

Ein wundersames Tischgebet hl

Losung: Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Psalm 106,1

Lehrtext: Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. Kolosser 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich noch Studentenpfarrer war, bin ich einmal im Jahr mit einer größeren Gruppe zum Skilaufen in die Schweiz gefahren. Wir hatten tagsüber miteinander viel Spaß auf der Piste. Abends trafen wir uns dann zu einer gemeinsamen Mahlzeit in unserer Hütte und hinterher zu Gesprächen über Gott und die Welt. Einige Studenten sind nur wegen des Schifahrens mitgekommen. Vom Glauben hatten sie wenig bis keine Ahnung. Ob ihnen die Hüttengottesdienste etwas gegeben haben?
Vor Beginn der Mahlzeiten haben wir oft miteinander den Kanon gesungen „Danket, danket dem Herrn , denn er ist sehr freundlich …“ Kurz nach einer solchen Freizeit ist der Vater einer Studentin gestorben. Später sagte sie mir: „Als ich bei meinem sterbenden Vater am Bett saß, wusste ich nicht, was ich denken und sagen sollte. Noch weniger wusste ich, was ich beten könnte. Da ist mir unser Tischkanon von der Schifreizeit eingefallen. Und so habe ich bei meinem Vater gebetet ‘Danket, danket dem Herrn, denn er ist sehr freundlich; seine Güt‘ und Wahrheit währet ewiglich.‘ Und weißt du was“, fügte sie hinzu, „dieses Gebet hat gepasst. Es hat einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, dass ich für meinen Vater danken konnte. Der Abschied hat weh getan und ich war traurig. Aber irgendwie war ich doch auch getröstet, weil ich dafür danken konnte, dass ich ihn gehabt hatte.“
»Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.« So gesehen kann ich auch am Bett eines Sterbenden danken. Erst recht, wenn ich weiß, in wessen Namen ich das tue.

Gebet: Herr Jesus, danke, dass du mir Gott als den freundlichen und gütigen Vater im Himmel gezeigt hast. Das ist ein tolles Geschenk. Es lässt mich leichter leben, freier atmen und unbekümmerter in den Tag gehen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 




Mittwoch, 18. Januar 2012

Zeige mir deinen Glauben hl

Losung: Der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König; der hilft uns! Jesaja 33,22

Lehrtext: Der Vater des kranken Kindes schrie: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Markus 9,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“. Dieses Sprichwort ist falsch und richtig zugleich. Du kannst es verstehen als eine Absage an Gott. Dann bist du in allem ganz auf dich allein angewiesen oder von der Gnade deiner Mitmenschen abhängig. Du kannst es aber auch so verstehen, wie ich es verstehen möchte: Gott hilft kaum denen, die die Hände in den Schoß legen und darauf warten, bis er etwas für sie tut. Aber denen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Kräfte ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und gleichzeitig darauf vertrauen, dass Gott das Seine dazu tut.
Ich erinnere nochmal an die bekannte Geschichte, als zwei Schiffbrüchige in einem Ruderboot über das endlose Meer rudern und nirgends Land in Sicht ist. Sie wissen zwar, in welche Richtung es geht, aber sie wissen nicht, wie weit es ist und ob sie das Land jemals erreichen werden. Das sagt der Jüngere zum Älteren: „Komm, stellen wir das Rudern ein. Jetzt hilft nur noch Beten.“ Und der Ältere antwortet: „Nein, das ist falsch. Jetzt hilft nur noch Rudern und Beten.“
Auch der Vater des kranken Kindes im Lehrtext ist nicht verzweifelt daheim rum gesessen und hat sich ins Schicksal ergeben. Er hat sich vielmehr aufgemacht, um Jesus zu suchen und ihn zu bitten, sein Kind zu retten. Und weil er Angst hat, dass sein Vertrauen in Jesus nicht groß genug sein könnte, legt er die Karten auf den Tisch und sagt ehrlichen Herzens:, nein er schreit  „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
Ob auch unser Glaube stark oder schwach ist – wer mag das, außer Gott, beurteilen? Und ich meine, darauf kommt es auch nicht an. Aber darauf, dass wir unseren Glauben sichtbar machen und durch unser Verhalten, durch unsere Gesten, durch unser Reden und Tun zeigen, was und wie wir glauben. Gott will unseren Glauben sehen. Er will sehen, dass wir ihn nicht zum Erfüllungsgehilfen unserer Wünsche machen, sondern zum königlichen  Partner, damit wir mit ihm zusammen unsere Probleme lösen können.

Gebet: Herr Jesus, du weißt, dass es mit meinem Glauben nicht allzu weit her ist. Ich müsste und möchte mir mehr Zeit für dich nehmen, mehr Zeit fürs Gebet, mehr Zeit, dein Wort in der Bibel zu lesen. Ich müsste und möchte dich viel stärker in meine alltäglichen Entscheidungen einbeziehen und bei allem zuerst dich fragen, was du willst und was du jetzt tun würdest. Das alles tue ich zu wenig. Darum bitte ich dich für mich: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“  Amen 


Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 17. Januar 2012

Der Chef hl

Losung: Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles. 1.Chronik 29,11

Lehrtext: Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Epheser 4,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

Haupt? Die Zehnjährigen in der Grundschule wissen nicht, was ein Haupt ist. Ob sie es später noch lernen? Für mich stellt sich da die Frage, in welcher Sprache wir den Glauben vermitteln. Ein Grund, weshalb wir im Lichtblick-Gottesdienst nur neue Lieder singen, ist auch die Verständlichkeit. Es sollen alle verstehen, was sie da singen, aber auch, was sie in der Predigt hören – und in der Bibel lesen.
Gott ist der Chef – so heißt die Losung kurz und bündig. Sie sagt uns damit: Auf ihn sollst du zu allererst hören und dann erst auf das, was Menschen sagen. Für mich heißt das auch, dass nicht ich es bin, der alles bestimmt, auch nicht der Landesbischof, auch nicht der Papst auch nicht die Kanzlerin oder der Präsident im Weißen Haus. All diese Führungspersonen sind auch nur Menschen mit ihren Schwächen und Irrtümern. An ihnen liegt es nicht, dass wir leben können und eine Zukunft haben. Sondern am Herrn, der ihr und mein Chef ist.
Und wie ist es bei Ihnen / dir? Ist er auch dein Chef? Willst du, dass er auch dein Leben regiert und darum dir auch immer wieder mal in dein Leben hinein redet, hinein regiert, auch wenn es dir manchmal nicht passt?
Im Lehrtext geht es darum, dass wir im Glauben nicht stehen und stecken bleiben, sondern weiter wachsen. Nicht ins Blaue hinein, nicht wachsen um des Wachsens willen, sondern um der Liebe willen zu dem hin, der unser Chef ist, zu Jesus, dem König mit der Dornenkrone.

Gebet:
Über alle Welt bist Du der Herr,
über jeden Berg, die Sonne und das Meer,
doch mein größter Wunsch, das was ich begehr,
ist, Herr, regiere Du in mir.
Alles was ich denk und jedes Wort,
soll ein Spiegel sein von Deiner Schönheit, Gott.
Du bedeutest mir mehr als alles hier,
darum regiere Du in mir.
Refrain / Kehrvers:
Regier in mir in Deiner Kraft
über jeden Traum auch in tiefster Nacht.
Du bist mein Gott, ich gehöre Dir.
Darum regiere Du in mir...
Brenton Brown, Vineyard Songs

Dazu zwei YouTube-Videos:

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 16. Januar 2012

Wer ist dein Gott? hl


Losung: Hütet euch, dass sich euer Herz nicht betören lasse, dass ihr abfallt und dient andern Göttern und betet sie an. 5.Mose 11,16

Lehrtext: Wir haben nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 1.Korinther 8,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer ist Ihr / dein Gott? Martin Luther hat auf diese Frage eine einfache und klare Antwort: Dein Gott ist, woran dein Herz hängt.
Er ist die einzige absolute Größe. Alles andere ist ihm gegenüber relativ. Anders gesagt, an ihm findet alles Übrige sein Maß und sein Ziel. Der Wert von allem, was mir wertvoll ist, mein eigenes Leben, meine Familie, mein Beruf, die Musik – alles, woran mein Herz sonst hängt, ist im Vergleich zu ihm begrenzt. Es ist vergänglich und darum das Vorletzte und nicht das Letzte. Das mag auf den ersten Blick lieblos erscheinen. Auf den zweiten aber ist es eine große Entlastung. Ich muss nicht das alles verkrampft festhalten. Ich muss mein Leben nicht ausschließlich davon abhängig machen, dass alles gut geht, woran mein Herz hängt. Die Bibel sagt mir, mein Leben hat auch dann einen Sinn, wenn ich wieder loslassen muss, was mir gehört, was mir lieb und teuer ist, woran mein Herz hängt. Und einmal ist es soweit, dass wir wieder loslassen müssen . Da ist es gut zu wissen, dass ich auch dann von Gott nicht losgelassen werde und ich mich an ihm festhalten kann.
Ja, wir haben nur einen Gott, den einzigen, den Schöpfer von Himmel und Erde, den Vater von Jesus Christus. Auch wenn der Vergleich hinkt, aber es ist so wie mit dem Nordpol. Er ist der einzige Bezugspunkt für den Kompass, der es mir möglich macht, mich auf der Erde zurechtzufinden. Wir haben nur einen einzigen Polarstern, der unter Milliarden anderer Sterne uns genau die Richtung anzeigt, weil er exakt im Norden steht. An diesem einzigen Gott kann ich mich orientieren. Bei ihm kann ich mich ganz und gar geborgen fühlen, weil ich von ihm komme und zu ihm gehe und weil ich durch Jesus Christus gemacht bin. Ich bin nicht das Werk irgend einer anonymen oder gar bösen Macht zu irgend einem mir feindlichen Zweck. Der Grund, warum es mich gibt, ist Gottes Liebe, die in Jesus Mensch geworden ist.

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Sonntag, 15. Januar 2012

„In meinem Leben“ (Nena-Song) hl

Liebe Leserin, lieber Leser,

hört zunächst als Lesung einen Abschnitt aus der Bibel. Diese Verse sind für mich goldene Worte. In der Bibel stehen mehrere goldene Worte, aber diese leuchten und glänzen ganz besonders. Ich lese sie vor aus einer neuen Übersetzung von Psalm 73:
Jetzt, mein Gott, bleibe ich immer bei dir, denn du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende mit Ehren auf. Wer im Himmel könnte mir helfen wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde, ich habe doch dich. Du bist doch, Gott, alle Zeit meine Kraft. Ja du bist alles, was ich habe.“

Liebe Freunde,

es war irgendwann im Herbst 1983, abends gegen 23 Uhr. Ich war damals Pfarrer in Röthenbach an der Pegnitz zwischen Nürnberg und Lauf. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Ich mach auf. Vor mir steht ganz aufgeregt ein ehemaliger Konfirmand und sagt: „Herr Pfarrer, Herr Pfarrer haben sie Luftballons?“ Ich habe erst mal verdutzt geschaut. „Wir machen gerade eine Party und da haben wir die Aufgabe bekommen, 99 Luftballons zusammenzukriegen.“ Leider konnte ich ihm nicht helfen, ich hatte keine, aber da bin ich zum ersten Mal dem Song von Nena mit den 99 Luftballons begegnet. Es war nicht meine Musik. Ich hörte damals Bob Dylan und die Rolling Stones. Jetzt höre ich Schubert-Lieder mit Fritz Wunderlich. So ändert sich der Geschmack. Damals war ich noch der Meinung: Naja, wieder so ein Sternchen am Schlagerhimmel. Aber dass Nena heute, mit über 50 Jahren, immer noch die Hallen füllt und viele junge Menschen begeistert, ist schon erstaunlich. Schließlich ist Nena vierfache Mutter. Ihr erstes Kind ist mit elf Monaten gestorben, sie hätte also fünf, und inzwischen ist sie auch zweifache Großmutter.
In der vergangenen Neujahrsnacht, als meine Frau schon ins Bett gegangen war, hing ich noch ein bisschen vor dem Fernseher ab. Da bin ich in ein Konzert von Nena hinein gezappt. Ich glaube, es war aus Berlin. Sie sang ihre bekannten Lieder. Ich wollte schon ausmachen, da kam plötzlich ein neues Lied von ihr und das hat mich hellhörig gemacht: „In meinem Leben“. Sie hat dieses Lied erst in den letzten Jahren geschrieben. Mein Eindruck war, dass es die Menschen im Konzert sehr bewegt und berührt hat, und ich glaube, dass es auch vielen von uns hier aus dem Herzen spricht. Wir wollen jetzt mal dieses Lied anhören (klick): IN MEINEM LEBEN


Ein gefährliches Liebeslied
Viele von Euch mögen sich in manchen dieser Sätze wiedererkannt haben, ich auch, wenn auch nicht in jedem Satz, den Nena singt. Ich dachte mir beim ersten Anhören: „Ach Nena, du alte Romantikerin, ein schönes Lied hast du geschrieben, aber auch ein gefährliches. Ein Liebeslied, sehnsuchtsschwer. Aber wo ist denn der Mensch, der eine solche Sehnsucht, wie sie aus deinem Lied spricht, stillen könnte?“ Eine Sehnsucht von so vielen Männern und Frauen, die sich in der Zeile ausdrückt: ”Und hier bist du, hältst meine Hand und lachst, weil du mich besser kennst, als ich“. Ja es gibt schon solche Augenblicke, in denen du bei einem anderen so empfindest, vor allem, wenn du selbst verliebt bist. Und hoffentlich auch später immer wieder einmal bei deinem Partner oder Freund. Aber immer stimmt das nicht. Wir müssen die Hand des anderen auch wieder los lassen. Und manches in unserem Leben müssen wir mit uns alleine ausmachen und für uns alleine ausfechten. Wir müssen mit unseren Stimmungsschwankungen zurechtkommen, mit mancher Abhängigkeit oder Sucht oder vielleicht mit Krankheit oder Enttäuschung oder was immer uns beschäftigt und bewegt.

Durchscheinende Augenblicke
Die „Angst vor dem Sterben“, nein, die verwandelt sich bei mir auch nicht in Luft. Auch wenn es gut tut und gut tun wird, wenn dann mal jemand bei mir ist, meine Hand hält. Aber selbst dann kommt der Moment, wo dieser Mensch meine Hand wieder loslassen muss und ich seine. Jeder Mensch, so glaube ich, trägt tief in sich eine Sehnsucht, die größer ist als alles, was dir ein anderer erfüllen kann. Wie schön ist es, wenn du in den Momenten des Verliebtseins eine Ahnung davon bekommst, was es heißen könnte, wenn einer dir deine Sehnsüchte tatsächlich erfüllt: Den Wunsch einmal ganz und gar verstanden zu werden, ganz und gar geborgen zu sein, ganz und gar geliebt zu werden. Aber wie gesagt, aufs Ganze sind das eben nur Augenblicke, in denen wir das so erfahren. Diese Augenblicke können durchscheinend werden auf Gott hin, der mir in Jesus mit einer solchen Liebe begegnet. Und wenn einer, dann ist er es, der meine Sehnsucht stillen kann. Und selbst das, liebe Freunde, sind doch nur Augenblicke, in denen es einem so geht, wo du dich ganz eins mit Gott weißt. In einem Gebet, oder wenn ich von der Musik berührt werde oder in der Natur bin oder etwas in der Bibel lese, was mich anspricht - dann ist es so, dass mein unruhiges Herz in mir zur Ruhe kommt. Dann finde ich den Frieden, den mir die Welt und ich mir selbst nicht geben kann. Aber dann, im nächsten Augenblick, lenkt mich das Leben wieder ab. Ich werde gebraucht, ich werde gefordert. Anderes macht mir zu schaffen und ich bin wieder mitten drin in dem, was mich im Alltag bewegt und um treibt. 


Die Kraft von der ich lebe
Ja, in meinem Leben bin ich oft geflogen, bin ich tief gefallen und manchmal auch ertrunken. Ich habe gewonnen und habe verloren, bin gestorben und wieder neu geboren. Wer kann das nicht von sich sagen? Ehrlich gesagt, ich habe schon meine Zeit gebraucht, bis ich erkannt hatte, dass es nicht aus eigener Kraft geschehen ist, wenn ich wieder auf die Füße gekommen bin, nachdem ich am Boden gelegen hatte. So wie es eben die Jahreslosung sagt: ”Jesus spricht, meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich gespürt habe, wovon ich lebe, von dieser Kraft, davon, dass mir meine Schuld immer wieder vergeben wird. Und dass dann auch nach Zeiten, in denen es im Leben finster geworden war, wieder Leben zu spüren ist und Sonne, so wie es in diesem Lied heißt. Ja und dann habe auch ich sagen können, hier bist du, hältst meine Hand und lachst, weil du mich besser kennst als ich. Ich bin verliebt, mein Leben will ich mir nicht mehr vorstellen ohne dich.
Liebe Freunde, ein anderer Mensch, den wir mit dieser Sehnsucht, diesen Wünschen konfrontieren würden, wäre damit überfordert. Er, oder wenn ich an meine Frau denke, sie kann schon immer mal wieder meine Hand halten und kann mir mit liebevollen Gesten zeigen, dass sie auch in Krisen zu mir hält. Aber es gibt auch Zeiten, da sind meine und ihre Kräfte komplett aufgebraucht. Da brauchen wir beide diese Kraft, von der die Jahreslosung spricht, die auch in den Schwachen mächtig ist.

Ich bin für mein Glück verantwortlich
Und noch etwas, das, wie ich meine, in einer Partnerschaft entscheidend ist: Ich darf mein Glück nicht von einem anderen Menschen abhängig machen, auch nicht von meiner Frau. Für mein Glück bin ich selber zuständig. Ja, ich bin oft glücklich, wenn ich meine Frau sehe oder meine Kinder, aber nicht immer. Manchmal mache ich auch die Tür hinter mir zu und denke mir „rutscht mir doch den Buckel runter“. Aber ich bin nicht deswegen glücklich, weil sie mich mit Aufmerksamkeiten beschenken würden und nur auf das bedacht wären was mich glücklich macht. Nein, sondern weil ich erlebe, dass meine Familie selber ein Geschenk für mich ist, das mir Gott gibt.
Und auch das sehe ich anders als Nena: Kein Mensch kennt mich besser als ich mich und ich möchte auch nicht, dass mich ein anderer besser kennt. Ich habe ein Recht auf mich selbst, auf meine innersten Gedanken und Gefühle. Und ich will kein offenes Buch sein, in dem jeder lesen kann. Jugendliche, und manchmal auch Erwachsene führen ein Tagebuch und sie möchten nicht, dass die Mutter es liest. Und die Mutter muss diesen Wunsch unter allen Umständen respektieren und wehe, sie tut es nicht. Wenn du erwachsen bist, muss dein Partner es respektieren, dass du deine ganz persönliche Intimsphäre hast, dass die Gedanken, die du für dich selbst notiert hast, erst mal deine Gedanken sind, auf die der andere kein Recht hat.

Der andere Refrain
Aber ich bin sehr einverstanden, dass mein Schöpfer und Herr, der mich besser kennt als ich, alles von mir weiß, er tut es ja sowieso. Dass er auf den Grund meiner Seele blickt, und weiß, was ich brauche, was mir fehlt, was mir gut tut. Bei ihm fühle ich mich auch mit meinen problematischen Seiten und mit dem, was ich an mir selbst nicht mag, aufgehoben und verstanden. In meinem Leben ist manches ähnlich wie im Leben von Nena, manches ist ganz anders. Wie gesagt, auch ich bin glücklich und froh, wenn mich ein anderer bei der Hand nimmt. Aber ich weiß eben, dass das nicht immer geht, nicht in jeder Situation. Darum singe ich einen ganz anderen Refrain, Kehrvers als Nena und singe das, was ich vorhin vorgelesen habe:
„Jetzt, mein Gott, bleibe ich immer bei dir, denn du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Wer im Himmel könnte mir denn helfen, wenn nicht du?! Was sollte ich mir noch wünschen auf der Erde, ich habe doch dich. Du bist doch Gott, allezeit meine Kraft, ja du bist alles, was ich habe.“
Er ist es, der seine Hand ausstreckt nach dir und nach mir. Er packt dich nicht und sagt „Her damit!“ Er hält sie dir hin. Nun liegt es an mir, an uns, was wir machen. Ob wir sie ergreifen oder nicht. Es ist vielleicht so, wie damals als ich jung war. Wenn man da ein Mädchen gesehen hat, mit dem man mehr in Kontakt kommen wollte, hat man irgendwann schüchtern die Hand nach ihrer Hand ausgestreckt. Dann kam der entscheidende Augenblick: Wird sie ihre Hand wegziehen oder wird sie sie da lassen? Und wenn sie sie da lässt und wenn beide ihre Hände fassen, dann kann das vielleicht ein Leben lang halten. Wenn das aber nicht der Fall ist, ist alles vorbei. Ja Gott hält dir seine Hand hin. Und du?

Ich möchte mit Euch beten:
Herr, mein Gott, du kennst mein Leben von Anbeginn. Jeden Schritt, den ich gemacht habe, hast du gesehen. Und du kennst auch die Schritte, die ich noch gehen werde.
Du begleitest mich mit deinem Blick und mit deiner Liebe und siehst mir zu, wie ich versuche, ohne dich zurechtzukommen.
Und dann, wenn ich mich wieder auf dich besinne, bist du da, machst mich froh und gibst mir neue Kraft.
Als ich am Boden lag, warst du es, der mich aufgehoben hat.
Als es in meinem Leben dunkel geworden ist, warst du die Sonne, die wieder geschienen hat.
Was wird noch kommen? Ich weiß es nicht, aber du.
Ich denke mir aus, was werden soll, aber du bist es doch, der den Plan für mich hat und für die Menschen, mit denen ich zusammen bin.
Und darum will ich deine Hand fassen, die du ausstreckst, und will sie nicht mehr loslassen. Ich bitte dich, gib mir dazu immer wieder die Kraft und den Glauben, damit wir beide verbunden bleiben auch wenn es durch das Tal des Todes geht.
In meinem Leben sollst du groß sein und bleiben für immer
. HL
Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr

Freitag, 13. Januar 2012

Im hellen Licht Leben ebl


Losung: Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Jesaja 40,1

Lehrtext: Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. 2.Korinther 4,6

Liebe Leserinnen und Leser unserer Losungsauslegung,

Gott kennt uns als seine Geschöpfe gut - er weiß, dass wir immer wieder Mutmacher und Stimmungsaufheller brauchen, damit wir unser Leben gut meistern können. "Tröstet, tröstet mein Volk!" (Jesaja 40, 1) hat er seine Propheten immer wieder im Hinblick auf sein Volk Israel beauftragt. Das brauchen wir heute genauso wie es damals den Leuten gut getan hat. Die Ermutigung, dass wir nie völlig allein gelassen sind, sondern zumindest Gott an unserer Seite haben - das ist ein Trost. Das Vertrauen darauf, dass es für unser Leben nach Gottes Willen eine Perspektive gibt - das hält uns aufrecht in Krisenzeiten. Die Zuneigung und Wärme, die uns ein Freund oder eine Freundin entgegenbringt - sie ist eine kleine Spiegelung der Liebe, die Gott für uns empfindet. Er will nicht, dass wir 'im Finstern' sitzen.
"Wie sagte doch Gott bei der Erschaffung der Welt: "Aus der Finsternis soll Licht leuchten!" Genau  das ist auch in uns geschehen, denn Gott ließ in unseren Herzen sein Licht aufleuchten, damit alle die Herrlichkeit Gottes erkennen können, die uns im Gesicht Jesu Christi so hell entgegenstrahlt." (2. Kor. 4, 6)

Einen lichten Tag!

Ihre/Deine Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 12. Januar 2012

Gottes Friede gegen unsere Ängste ebl

Losung: Der HERR sprach zu Gideon: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben. Da baute Gideon dem HERRN dort einen Altar und nannte ihn: »Der HERR ist Friede.«
Richter 6,23-24

Lehrtext: Christus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Johannes 16,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist Ihnen/dir der Name 'Gideon' ein Begriff? Wenn nicht, hier ein paar kurze Infos zu ihm: Gideon ist eigentlich Bauer, er lebte vor geschätzt 3200 Jahren in Israel. Weil dort die Leute wieder einmal nicht das tun, was Gott will, müssen sie sieben Jahre lang feindliche Angriffe der Midianiter über sich ergehen lassen. Irgendwann wird dann, quasi über Nacht, der Bauer Gideon zum Feldherrn Gideon. Denn er bekommt von einem Engel Gottes den Auftrag, Israel aus der Gewalt der Midianiter zu befreien. (Vielleicht ist dieser Auftrag dem Gideon so vorgekommen, wie wenn noch heute einer aus unseren Reihen plötzlich an die Spitze von Italien oder Griechenland als Regierungschef berufen würde ...) Kein Wunder, dass Gideon sich um diesen Auftrag nicht gerissen hat. Nein, viel schlimmer: Ihm rutscht das Herz in die Hose vor Angst. Schon der Kontakt mit dem Engel hat ihm völlig gereicht - aber dann redet auch noch Gott (!) selber mit ihm: "Friede sei mit dir!
 Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben." Diese Begegnung verändert Gideon tief. Denn es heißt im Anschluss: "Da baute Gideon dem HERRN dort einen Altar und nannte ihn: »Der HERR ist Friede.«" (Richter 6,23-24) Mit Gottes Hilfe nimmt er seine Berufung zu dieser Führungsaufgabe an und ringt seine Ängste nieder.

Sicher kennen diese Angst viele von uns: überfordert zu sein mit dem, was allein der Alltag an Anforderungen stellt. Wer solche Ängste unter uns spürt, ist nicht allein. Es geht ihm wie vielen anderen. Leider trauen wir uns kaum, offen davon zu reden. Dabei würde es uns helfen und anderen, denen es ähnlich geht. Jesus Christus kennt diese Situation nur allzugut: Spätestens im Garten Gethsemane fühlte er sich vollkommen überfordert mit dem, was er auf sich zukommen sah. Er weiß, wovon er spricht, wenn er zu uns sagt: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Johannes 16,33)

Was immer heute auf uns zukommt - in einem dürfen wir sicher sein: Wenn wir Angst haben, sind wir nicht allein. Wir haben Jesus Christus an der Seite.

Wie sagen unsere Jungscharkinder immer ganz laut am Ende ihrer gemeinsamen Zeit?

"Mit Jesus Christus mutig voran!"

Damit gehen auch wir Erwachsenen in diesen Tag.

Herzlich grüßt dich/Sie

deine/Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 11. Januar 2012

Das große Fest steht noch aus ebl


Losung: Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören.
Jesaja 42,9

Lehrtext: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt.
1.Johannes 2,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

über Jesaja als Botschafter lässt Gott seinem Volk Folgendes ausrichten: "Ich bin der Herr, der mächtige und helfende Gott. Diese meine Ehre lasse ich mir von niemand nehmen, meinen Ruhm überlasse ich nicht den Götzen! Was ich früher vorausgesagt habe, ist eingetroffen. Nun kündige ich Neues an. Ich sage es euch im Voraus, noch ehe es eintrifft." (Jesaja 42,9 nach der 'Guten Nachricht für dich) Und dann macht Jesaja den Menschen Hoffnung mit der Aussicht, dass eines Tages Gott als der Sieger über das gesamte Weltgeschehen von uns allen gefeiert wird.
Tolle Ankündigung - und was ist bis heute daraus geworden?" fragt jetzt sicher mancher von euch. "Denk an Weihnachten", kann ich dann nur sagen. Da hat Gott mit Jesus den Siegeszug seiner Liebe in der Welt unumkehrbar angefangen. Durch Jesus Christus kam ein Licht in die Welt, wie es vorher nie geschienen hatte. Und es scheint bis heute: "Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt", heißt es deshalb zu Recht in 1.Johannes 2,8.
Freilich weiß ich auch, dass wir von diesem Licht immer nur einzelne Strahlen sehen - hier in diesem Leben. Und manchmal scheint es um den einen oder anderen unter uns ganz finster. In solchen Lebensabschnitten müssen wir darum kämpfen, dass wir uns unser Vertrauen in Gott bewahren. Das große Fest steht noch aus, doch Gott hat es uns versprochen. Nur Geduld!

Herzlich grüßt Sie und Euch

Ihre / Eure Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 10. Januar 2012

Wenn es einem das Herz zerreißt ebl


Losung: Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehret euch zu dem HERRN, eurem Gott! Joel 2,13

Lehrtext: Jesus sprach: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Markus 1,15

Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, wie es sich anfühlt, wenn es einem das Herz zerreißt? Haben Sie das schon einmal erlebt? Wir beschreiben damit einen Zustand, in dem wir extrem empfindsam sind, in dem uns zum Beispiel das Mitleid mit einem anderen überwältigt. Ich erinnere mich an eine Situation in Kilanya, in unserer ersten Partnergemeinde in Tansania. 2007 waren wir zu Besuch dort und der Pfarrer nahm uns mit auf einen Rundgang durch sein Dorf. Aus einer der Rundhütten kam ein Junge, ungefähr zehn Jahre alt. Seine Geschichte rührte mich zutiefst. Er allein kümmerte sich damals um seine drei Geschwister. Wir haben noch heute ein Foto von ihm, aufgenommen zwischen zwei Gräbern. Darin liegen seine Eltern, beide jung an Aids gestorben.

Solche Emotionen tiefen Schmerzes müssten, ginge es nach dem Propheten Joel, die Leute übermannen, wenn sie entdecken, wie weit sie sich von Gott entfernt haben. "Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehret euch zu dem HERRN, eurem Gott!" (Joel 2,13), so 'wettert' er gegenüber den Israeliten. "Spart euch alles, was mit dem äußeren Schein zu tun hat. Nehmt euch eure Gottvergessenheit endlich zu Herzen..."

Diese Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seinem Wort hat auch Jesus immer wieder mit deutlichen Worten kritisiert: "Es ist so weit: Jetzt wird Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden. Ändert euer Leben und glaubt dieser guten Nachricht!" (Markus 1,15)

Das liest sich nicht angenehm, sondern herausfordernd. Jesus fragt uns damit, wie wichtig uns tatsächlich Gott und sein Wille sind. In der Offenbarung heißt es sinngemäß: "Oh dass ihr doch kalt (völlig gleichgültig gegenüber Gott) oder heiß (zutiefst überzeugt von ihm) wärt! Weil ihr aber lau seid, will ich euch ausspucken." (Kap. 3, Vers 15f.)

Bin ich ernsthaft an Glaubensthemen dran? Streife ich sie ab und an, wenn sie sich in meinem Leben zufällig ergeben? Oder zeige ich Gott die kalte Schulter?

Diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Wonach sich Gott sehnt, das wissen wir: nach unserer Aufmerksamkeit für ihn und unserem 'Ja' zu ihm.

Ihre / Eure 

Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 9. Januar 2012

Auf den richtigen Verbündeten setzen ebl


Losung: Weh denen, die sich verlassen auf Rosse und hoffen auf Wagen, weil ihrer viele sind, und fragen nichts nach dem HERRN!
Jesaja 31,1

Lehrtext: Euer Glaube stehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
1.Korinther 2,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute warnt uns die Losung davor, dass wir uns in kritischen Situationen unseres Lebens möglicherweise auf die falschen Verbündeten verlassen könnten. Beispiel aus der Welt der Bibel ist das ganze Volk der Israeliten. Sie fühlten sich bedroht durch die Assyrer. Um sich im Fall der Fälle erfolgreich wehren zu können, verbündet sich Israel mit Ägypten. Doch genau davor warnt sie der Prophet Jesaja wieder und wieder: "Weh denen, die nach Ägypten gehen, um Hilfe zu holen! Sie verlassen sich auf die vielen Pferde und die zahlreichen Streitwagen. Aber mit dem heiligen Gott Israels rechnen sie nicht. Sie befragen den HERRN nicht, ob er einverstanden ist." (Jesaja 31,1)
Der zentrale Gedanke steht im vorangehenden Satz: "Gott fragen, ob er einverstanden ist" - das wäre der erste und entscheidende Schritt. Wer von uns macht das nach einem handfesten Krach mit dem Partner, wo die Versöhnung unmöglich scheint? Wer fragt nach Gottes Einverständnis zur Schullaufbahn der eigenen Kinder? Wer fragt danach bei der Vermögenssicherung für Ruhestand und Alter? Diese Fragen und viele mehr sind die Alltagsthemen, die uns unmittelbar beschäftigen. Wir brauchen gar nicht politisch aktiv zu sein, um uns von Jesaja trotzdem angesprochen zu fühlen.
"Euer Glaube stehe nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft", (1.Korinther 2,5) rät Jahrhunderte später auch Paulus jungen Christengemeinden. Er liegt damit auf einer Wellenlänge mit Jesaja. Dahinter steht die Lebenserfahrung und tiefe Überzeugung: Einen besseren Ratgeber als Gott gibt es nicht. Allerdings kostet es Mut, sich ihm anzuvertrauen und ihm zuzutrauen, dass er uns tatsächlich zu weisen Entscheidungen verhelfen kann. Doch es gilt auch: Nur wer dieses Vertrauen wagt, wird wertvolle Erfahrungen mit den Führungsfähigkeiten Gottes machen.

Vielleicht teilt ihr das folgende Gebetsanliegen mit mir:
Gebet: Gott, ich ahne, dass du der beste Lebensratgeber bist. Denn du bist allmächtig. Schenke mir für einen Moment die nötige Weitsicht, das zu erkennen. Hilf mir als weiser Berater in den wichtigen Entscheidungen meines Alltags. Ich danke dir. Amen.

Einen guten Start in die neue Woche!

Eure/Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Samstag, 7. Januar 2012

Günther Jauch und der Geruch von Fisch hl

Predigt zum ersten Sonntag nach Epiphanias 2012 von Hans Löhr

Predigttext 1. Korinther Kapitel 1 Verse 26-31 /  Stilles Gebet

Liebe Gemeinde,

als ich noch in München Pfarrer war, hatten wir öfter Prominente in unserer Studentengemeinde zu Gast. Ich fragte sie dann nach ihrem Leben und auch nach ihrem Glauben. Einmal war der damals noch junge Günther Jauch bei uns. „Wie lebt es sich denn so als Prominenter?“ fragte ich ihn. „Das größte Problem ist”, sagte er, „jemanden ken­nenzulernen, der mich nicht wegen meiner Populari­tät anhim­melt, sondern mich so mag wie ich privat bin, mit meinen Vorzügen, aber auch mit meinen Fehlern und Schwächen.”
Was das mit unserem heutigen Predigttext zu tun hat, wird hoffentlich am Schluss der Predigt klar sein. Dann verrate ich auch, wie das Gespräch weiterging. Jetzt aber verreisen wir erst einmal durch Raum und Zeit, nach Süden in die griechische Hafenstadt Korinth zweitausend Jahre zu­rück in die Vergangenheit.
Dort ist es dem Apostel Paulus gelungen, Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen und eine erste kleine Gemeinde zu gründen. Viele sind es nicht, die sich für die neue Religion interessieren, kaum so viel, wie heute hier in den Gottesdienst ge­kommen sind. Und wer sich da von ihm hat gewinnen lassen, nun, das sind offenbar nicht die Trendsetter des Hellenismus, weder Schicki noch Micki, keine Yuppies und Grand Seigneurs, weder Manager noch Intellek­tuelle.

Fragwürdige Gestalten In der Lagerhalle

Antigone, die Frau des Fischhändlers, gehört dazu. Sie hat noch am meisten Renommee und einen Lagerraum. Da trifft sich die kleine Christenschar zu ihren Versammlungen. Und da riecht es eben nach Fisch. Und wenn die Zusammenkunft zu Ende ist, riechen alle genauso. Aber es stört sie nicht. Sie sind froh über die­sen Raum, wo sie unbehelligt reden und singen können, Got­tes­dienst feiern und - was sehr wichtig ist - gemeinsam essen. Denn viele von ihnen werden nur dort richtig satt.
Telemach, zum Beispiel, der als junger Mann erblindete und sich nun als Bettler durchs Le­ben schlägt oder Barbara, eine Witwe ohne Angehörige. Dafür kann sich Telemach die Geschichten aufs Wort genau merken, die Paulus von Jesus er­zählt hat, und trägt sie in den Gottesdiensten vor. Das ist sehr wichtig, denn das Neue Testament gibt es noch nicht. Und Barbara hat eine herrli­che Stimme, mit der sie die Herzen selbst der hartgesot­tenen Matrosen rührt. Und mehr noch, sie dichtet ihre Lieder für den Gottesdienst selbst und erfindet wundersame Melodien.
Und Georgos, ein Alkoholiker aus dem Hafenviertel, gehört dazu. Er begleitet sie kunstvoll auf seiner Kitarra. Und es stimmt, auch Katharina und Helena, die im Bordell ihr Brot verdienen, kommen ab und zu dahin. Und Aristoteles, der nicht ganz richtig im Kopf ist, aber wenn er einem Kranken die Hände auflegt, geht es dem oft besser. Und Onesimos, ein entlaufener Sklave und Chloe, die wegen Diebstahl im Gefängnis war und die beten kann, dass es uns alle ergreift. Aber auch Quintus, ein römischer Feldwebel, der von seiner Frau getrennt lebt, ist Mitglied dieser kleinen Gemeinde und der Geldwechsler Apollos, von dem die Leute sagen, dass er be­trüge. Aber unsere bescheidene Gemein­dekasse ist bei ihm in guten Händen. Und dann noch Eumaios, der Schreiber, Philemon, der Maurer, Eugenia, die Waschfrau, Hermes, der Eilbo­te und noch ein Dutzend andere.
Bis auf wenige Ausnahmen stammen die meisten aus der Unter­schicht. Das wird für sie bald zu einem Problem. Besser ge­stellte Leute meiden die kleine Christengemeinde. Mit solchen Proleten, mit solch moralisch fragwürdigen Figuren und Versagern wollen sie sich nicht gemein machen, auch nicht im Gottesdienst. Deshalb wird Eumaios beauftragt, dem Gemeindegründer Paulus einen Brief nach Jerusalem zu schreiben, wo der Apostel zwischen seinen Missionsreisen immer wieder mal verweilt.

Krisenstimmung - Der Brief des Eumaios

»Freude zuvor! Wir danken Gott, lieber Paulus, dass er dich nach Korinth geschickt hatte und du uns das Evan­gelium von Jesus Christus verkündigt hast.
Heute brauchen wir Deinen Rat. Es gelingt uns kaum noch, neue Leute für unsere Gemein­de und den Glauben an unseren Herrn Christus zu gewinnen. Viele lachen uns aus, wenn wir sagen, dass er für uns der Gottessohn ist und dass er gekreuzigt wurde. „Gottessöhne“, so sagen sie, „mag es ja geben. Aber dass die römischen Diktatoren einen Gottessohn kreuzigen können, so etwas hat man noch nie gehört“. Und neulich hat einer gesagt: „Was ist das bloß für ein seltsa­mer Gott, der so etwas mit seinem Sohn ge­schehen lässt?!" Andere verspotten uns und sagen: "Ausgerechnet Ihr wollt die Auserwähl­ten Gottes sein? Solche armen Schlucker wie ihr können doch nur einen ärmlichen Gott haben. Ihr habt einfach keine Ahnung, sonst würdet ihr nicht auf so ei­ne komi­sche Re­ligion hereinfallen."
 Paulus, uns tut das weh. Haben diese Leute, die gebilde­ter sind als wir, am Ende vielleicht recht? Will denn Gott wirklich mit Menschen wie uns sein Reich bauen? Bei uns herrscht Krisenstim­mung. Schreibe uns bitte bald, was Du dazu meinst?
Sei gesegnet! Es grüßen Dich Deine Glaubensgeschwister aus Korinth«


Zwei Monate später bringt Hermes, der Eilbote, die Antwort in die Lagerhalle des Fischhändlers. Es ist der erste Brief, den Pau­lus an die Gemeinde in Korinth schreibt. Deshalb sind alle be­gierig zu hören, was wohl drin steht. Als Eumaios zu lesen be­ginnt, wird es ganz still:

Niemand soll auftrumpfen - Die Antwort des Paulus

»Paulus, von Gott berufen zum Apostel Jesu Christi, an die Gemeinde Gottes in Ko­rinth. Ich grüße alle, die durch Jesus Christus zu Gottes Volk berufen sind und bitte Gott, unse­ren Vater, und den Herrn Jesus Chri­stus, euch Gnade zu geben und Frieden.
Ja, liebe Korinther, an dem, was die Leute über euch sagen, ist schon was dran. Schaut doch euch selbst an, meine Glaubensgeschwister! Wen hat Gott denn da beru­fen? Kaum ei­ner von Euch ist gebildet oder mächtig oder angesehen. Gott hat sich vielmehr die Einfäl­tigen ausgesucht, weil er die Klugen demütigen woll­te. Er hat sich die Machtlosen ausge­sucht, weil er die Mäch­tigen demütigen wollte. Er hat sich die Gerin­gen und Verachte­ten ausge­sucht, die nichts gelten, denn er wollte die zu nichts machen, die vor den Men­schen et­was sind. Niemand soll vor ihm mit irgend etwas auf­trumpfen können.
Euch aber hat Gott zur Gemeinschaft mit Jesus Christus beru­fen. Der ist unsere Weis­heit, die von Gott kommt. Durch ihn können wir vor Gott bestehen. Durch ihn hat Gott uns zu seinem Volk gemacht und von unserer Schuld befreit. Es soll so sein, wie es schon in den heili­gen Schriften heißt: "Wer auf etwas stolz sein will, soll stolz sein auf das, was der Herr getan hat."
Steht fest im Glauben! Ich bitte unseren gemeinsamen Herrn Jesus Chri­stus, Euch auch in Zukunft Gnade zu schenken. Durch ihn sind wir miteinander verbunden. Meine Liebe gilt euch allen! Euer Paulus«

Das Evangelium der Prostituierten Helena

Eumaios rollt den Brief wieder sorgfältig zusammen. Da ruft Philemon, der Maurer, in die Stille: „Recht hat Paulus. Diese hochnäsige, feine Gesellschaft, die sich wer weiß was einbildet auf ihre Bildung, ihre Stellung, ihr Geld - die gel­ten nichts vor Gott. Endlich ist es einmal umgekehrt. End­lich sind wir die Ersten, die man uns immer wie den letzten Dreck behan­delt. Wir haben eben den rechten Glauben und die nicht!”
Einige nicken „Halt, Philemon”, fällt ihm ausgerechnet Helena, die Prostitu­ierte, ins Wort. „Ich glaube nicht, dass Paulus es so gemeint hat. Mit einem rechthaberischen Glauben hat das nichts zu tun. Sonst wären wir darauf stolz wie die anderen auf ihr Geld. Wo wäre da noch ein Unterschied? Nein, ich denke, der entschei­dende Satz im Brief des Paulus heißt: „Durch Jesus Christus können wir vor Gott bestehen. Durch ihn hat Gott uns zu seinem Volk gemacht.” Nicht darauf kommt es an, was wir haben und denken, sondern darauf, was er für uns ist. Christus räumt weg, was uns von Gott trennt. Er macht dich zu seinem Bruder und mich zu seiner Schwester, einfach so, und nur deshalb bist auch du ein Sohn und ich eine Tochter Gottes.”
„Einfach so?”, Philemon schaut etwas skeptisch, „Ist das wirk­lich so einfach?” „Ja, so einfach ist das”, sagt Helena „und doch so schwer anzunehmen.” „Ja aber dann hab ich doch gar kei­nen Vorteil davon, dass ich Christ bin. Dann können die Reichen, die Gebil­deten und Mächtigen auch Christen sein.”
Helena denkt kurz nach: „So ist es. Alle können Kinder Gottes sein, denn für alle ist Jesus am Kreuz gestor­ben. Aber vielen steht im Weg, was sie erreicht und erworben haben. Sie möchten, dass das zählt, was sie von anderen unter­scheidet und worauf sie stolz sind, ihre Bildung, ihr Geld, ihre Karriere. Sie möchten auch vor Gott besser sein als andere sind und noch im Himmel ihre Privilegien haben. Aber wenn sie sterben, müssen sie alles her­geben, was sie jemals erreicht haben, nicht nur das Geld und die Macht, auch die Bildung, ihr Wissen und die Kultur. Dann stehen wir alle nackt vor Jesus Christus, der die Lebenden und die Toten richtet. Doch er wird uns nicht bestrafen für das, was wir unserem Leben falsch gemacht haben. Er wird uns das Kleid der Gerechtigkeit anziehen, sein Kleid, und uns so zu Gott führen.” Helena, die bei den letzten Sätzen aufgestanden ist, setzt sich wieder. Philemon ist anzu­sehen, wie er nachdenkt. Eumaios runzelt die Stirn: „Ob das wirk­lich so einfach ist?” Chloe freut sich und Barbara stimmt ein Lied an, in das nach und nach alle einfallen:

Jesus lässt mich nicht im Stich.
Ja, darauf verlass ich mich.
Das eine weiß ich ganz bestimmt,
dass er mich in die Arme nimmt.
Er fragt nicht, was ich habe,
er selbst ist meine Gabe.

Das Christentum riecht

Ja, liebe Gemeinde, nun ist es Zeit, von Korinth Abschied zu nehmen und nach Sommersdorf / Thann zurückzukehren. Ich meine, es täte uns gut, wenn wir hier die Korinther nicht vergäßen und auch nicht die niedere Herkunft der ersten Christenge­meinden. Seitdem riecht das Christentum immer auch ein wenig nach Schweiß und Fisch, nach armen Leuten also. Wir haben kei­nen Grund, uns dieser Herkunft zu schämen, aber allen Grund da­nach zu fragen, warum nicht mehr von ihnen in unserer Gemeinde zuhause sind. Und noch etwas müssen wir uns fragen: Stimmt das, was Helena gesagt hat? Ist es wirklich so einfach, dass bei Gott nichts auf unsere Erfolge, aber alles auf unseren Glauben an Jesus Christus ankommt? Ich überlasse es Ihnen / Euch, darauf die Antwort zu finden. Vielleicht wollt Ihr dazu diese Geschichte noch einmal nachlesen in Eurer Bibel, im ersten Brief an die Korinther im Kapitel eins. Doch merkwür­dig ist es schon, wie widersprüchlich wir oft in unserem Herzen sind. Jeder möchte vor den anderen ein bisschen stolz sein können auf das, was er geschafft hat. Aber wohl keiner möchte wegen seines Geldes geliebt und wegen seiner Armut verachtet werden.


Ohne Fernseher zum Glück


Ich erinnere noch einmal an Günther Jauch, der sagte: „Das größte Problem ist, jemanden kennen­zulernen, der mich nicht wegen meiner Populari­tät an­himmelt, sondern mich so mag wie ich privat bin, mit meinen Vorzügen, aber auch mit meinen Fehlern und Schwächen.” Sie wollen wissen, wie es mit ihm weiterging? Er ist am Tag nach dem Ge­spräch in der Evangelischen Studentengemeinde Vater geworden, weil er eine Frau gefunden hatte, die keinen Fernseher besaß. Amen



Hans Löhr

Schlafstörung ebl

Losung: Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. Psalm 63,7

Lehrtext: Sollte Gott nicht Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Lukas 18,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der heutigen Auslegung oute ich mich endgültig als eine Frau, die in den "mittleren Jahren" angekommen ist, sprich, nicht mehr schläft wie ein Murmeltier, sondern tatsächlich ab und an in der Nacht für einige Zeit wach liegt. Aber alles hat seine zwei Seiten: Was ich mir früher schrecklich vorstellte ("O je, nachts nicht durchschlafen über acht Stunden, wie langweilig und nervig!"), ist heute manchmal ein Gewinn für mich: in Ruhe das eine oder andere Thema noch einmal durchdenken können, ohne dass Telefon oder Haustürglocke hineinfunken, tut mir gut. Manchmal ist mein nächtliches Aufwachen auch für mich das sichere Zeichen dafür, dass etwas in mir arbeitet. Oft habe ich dann Gott und sein Wort im Hinterkopf - und fast immer finde ich über das nächtliche Gespräch mit ihm meine Ruhe wieder und kann erneut einschlafen. "Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach", sagt David  von sich, der als König der Israeliten sicher genügend Fragen und Probleme mit sich herum getragen hat (Altes Testament, Psalm 63, Vers 7). Ich mache es manchmal wie er und mache damit segensreiche Erfahrungen.

Im Neuen Testament vermittelt Jesus seinen Zuhörern etwas über das Wesen Gottes, indem er als Negativbeispiel zuerst von einem gleichgültigen Richter erzählt. Der wird von einer Witwe regelrecht 'belagert' mit der Bitte, ihm das ihr zustehende Recht zu verschaffen. Das Risiko, als Witwe an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden, war zu Lebzeiten von Jesus sehr groß. Weil sie partout nicht locker lässt, wird der Richter schließlich in ihrem Interesse aktiv. "Wird dann nicht Gott erst recht seinen Erwählten zu ihrem Recht verhelfen, wenn sie Tag und Nacht zu ihm schreien? Wird er sie etwa lange warten lassen?" Jesus beantwortet seine Frage selbst: "Er wird ihnen sehr schnell ihr Recht verschaffen." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 18, Vers 7)

Gebet: Auf dem Hintergrund dieser Zusage bete ich mit neuem Mut - diesmal am hellichten Tag: "Gott, du weißt, was mich beschäftigt, was mich manchmal über Gebühr belastet und mich nachts sogar aufwachen lässt. Ich kann es dir sagen, das entlastet mich schon. Du hörst mich - und du wirst mich, wie Jesus mir versichert, 'nicht am ausgestreckten Arm verhungern lassen'. Dafür bin ich dir dankbar. Amen."

Einen guten Start in die neue Woche 

wünscht dir und Ihnen 

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Freitag, 6. Januar 2012

Um zehn zu Haus hl

Losung: Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. Psalm 40,9

Lehrtext: Christus spricht: Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Johannes 14,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Warum gehst du denn schon heim? Es ist doch noch nicht mal zehn?«. »Ich bin noch nicht 16 und meine Mutter hat gesagt, dass ich um zehn zuhause sein soll.« »Ach die Mutter. Meine macht mir auch dauernd Vorschriften. Aber daran halte ich mich nur noch selten. Hast du denn so viel Angst vor deiner Mutter, dass du immer machst, was sie sagt?« »Nein, aber sie mag mich, und ich mag sie und will sie nicht enttäuschen«. 

Hm, es soll tatsächlich Fünfzehnjährige geben, die um zehn daheim sind, weil sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollen. Und es soll tatsächlich 35-jährige, 55-jährige und 75-jährig gegeben, die sich an Gottes Gebote halten, weil sie wissen, dass er sie liebt und sie ihn auch. Das nimmt ihnen nichts von ihrer Lebensfreude. Im Gegenteil.

Gebet: Jesus, du hast gesagt, dass ich meinen Nächsten lieben soll wie mich selbst und Gott ebenso. Da muss ich manchmal schon über meinen Schatten springen. Na, dann gib mir einen Schubs. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 5. Januar 2012

Ehrfurcht ja, Angst nein hl

Losung: Wo viele Träume sind und viele Worte, ist auch viel Nichtiges. Gott sollst du fürchten! Prediger 5,6

Lehrtext: Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Offenbarung 15,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

Claus Hipp, der vor 50 Jahren seine Firma mit Baby-Nahrung gegründet hatte, hat sich folgenden Satz als Lebensmotto gewählt: „Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand!“ Mich erstaunt das, weil dieses alte deutsche Sprichwort sonst weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht liegt es daran, weil viele mit dem Satz „Fürchte Gott!“ Nichts mehr anfangen können. Dabei ist er meines Erachtens heute genauso wichtig wie eh und je.
Er meint ja nicht, dass wir vor Gott Angst haben sollten. Das würde der zentralen Botschaft des Weihnachtsengels und auch der von Jesus selbst widersprechen, die da heißt: »Fürchtet euch nicht!« Für mich hat die Aufforderung, Gott zu fürchten, etwas mit Orientierung zu tun. Sie sagt mir: Setze Gott an die erste Stelle in deinem Leben. Bring ihm Respekt, Ehrfurcht und Achtung entgegen. Frage in allen Dingen zuerst nach seinem Willen, dann bist du auf einem guten Weg.
Du kannst natürlich auch andere fragen: die vielen, meist ungebetenen Ratgeber in deinem Lebensumfeld, das Internet, regalmeterweise Ratgeberliteratur in Buchhandlungen. Aber je mehr du dort nach Antworten suchst, wie du leben sollst, desto ratloser wirst du. Wer sucht, findet nahezu für jede Frage gegensätzliche Antworten. Wem soll man da noch glauben? Wer soll da noch durchblicken?
Falls Sie / du unsicher bist, wem du glauben kannst und auf wen du hören sollst, so beobachte einmal die Menschen in deiner Umgebung. Woran orientieren die sich? Und welchen Eindruck machen die auf dich, die sich an Gott orientieren? Sind sie ängstlich oder eher zuversichtlich? Sind sie verhärmt oder eher guten Mutes? Verschlossen oder aufgeschlossen? Egoistisch oder großzügig?

Ich glaube, wer Ehrfurcht vor Gott hat, braucht sich vor keinem Menschen zu fürchten. Wer recht tut, kann mit gutem Gewissen leben. Wem Gott heilig ist, der hat unverrückbare Maßstäbe, nach denen er sich richten kann, damit sein Leben gelingt.

Gebet: Mein Gott und Vater, ich freue mich, dass du mich gefunden hast. Du bist der Halt im Auf und Ab meines Lebens. Du bist das Ziel, an dem ich mich ausrichte. Pass auf mich auf, damit ich dich nicht wieder verliere. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 4. Januar 2012

Liebe und Wahrheit hl

Losung: Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern. 3.Mose 19,11

Lehrtext: Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.  1.Korinther 13,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

ehrlich und wahrhaftig - so wünschen wir uns unsere Mitmenschen. Ehrlich und wahrhaftig – so wünschen sie sich uns. So einfach ist das und doch auch so schwer. Man kann andere auch mit der Wahrheit demütigen und verletzen. Jemandem, der offensichtlich mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, muss man nicht extra noch sagen, dass er dick ist. Man sollte ihn aber auch nicht mit falschen Komplimenten zu seiner Figur belügen. Von einem alten, weisen Kollegen hab ich die Devise gelernt: „Man soll nicht alles sagen was wahr ist, aber was man sagt, soll wahr sein.“ Die Liebe freut sich nicht nur an der Wahrheit, wie der Apostel Paulus schreibt. Sie hält einem anderen die Wahrheit wie einen Mantel hin, in den er hineinschlüpfen kann und schlägt sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren.

Ehrlich und wahrhaftig – das ist die Basis, auf der menschliches Zusammenleben funktionieren kann. Der ehemalige Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert hatte ein Buch mit dem Titel geschrieben „Der Ehrliche ist der Dumme“. Das mag für den Augenblick so sein. Auf Dauer aber setzt sich Ehrlichkeit durch, im Geschäftsleben genauso wie in der Ehe. Der „ehrliche Kaufmann“ ist ein fester Begriff. Mit einem unehrlichen will bald niemand mehr Geschäfte machen. Margot Käßmann hatte sich ehrlich zu ihrem Fehlverhalten bekannt und ist aus freien Stücken zurückgetreten. Das hat sie zwar ein hohes Amt gekostet, aber im Ansehen der Menschen ist sie eher noch gestiegen. Bei Karl Theodor zu Guttenberg war es genau umgekehrt. Und wie die Sache mit Bundespräsident Wulff ausgeht, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch nicht entschieden. Wie so oft ist nicht der Fehler, den einer macht, das Hauptproblem, sondern wie er hinterher damit umgeht.

Für Christen ist die Wahrheit kein abstrakter Begriff. Sie hat in Jesus Gestalt angenommen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit“, sagt er von sich. Für mich heißt das, dass ich im Licht seiner Wahrheit nicht nackt und beschämt dastehe, sondern dass er mich mit dem Mantel seiner Barmherzigkeit kleidet und mir aus Liebe vergibt. Von ihm lerne ich, dass Liebe und Wahrheit zusammengehören wie zwei Seiten einer Medaille. Liebe ohne Wahrheit vergiftet das Zusammenleben und Wahrheit ohne Liebe macht es unerträglich.

Gebet: Mein Jesus, dir allein glaube ich dass du mich niemals belügst. Darum kann ich dir ganz und gar vertrauen. Bei dir muss ich nicht auf der Hut sein. Von dir bin ich trotz aller meiner Unzulänglichkeiten angenommen. Deine Wahrheit macht mich frei davon, mir selbst und anderen was vorzumachen. Sie bringt mich immer wieder zurecht. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 3. Januar 2012

Steh auf, wenn ... hl

Losung: Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.
3.Mose 19,32

Lehrtext: Einen Älteren fahre nicht an, sondern ermahne ihn wie einen Vater, die jüngeren Männer wie Brüder, die älteren Frauen wie Mütter, die jüngeren wie Schwestern, mit allem Anstand. 1.Timotheus 5,1-2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie benimmt man sich richtig? In der Grundschule versuchen die Lehrerinnen und Lehrer den Kindern behutsam die Grundbegriffe guten Benehmens beizubringen, zum Beispiel, dass Kinder die Erwachsenen grüßen (und die Erwachsenen selbstverständlich den Gruß erwidern), dass man „bitte“ und „danke“ sagt, dass man sich bei einem Fehlverhalten entschuldigt bzw. um Entschuldigung bittet. Manche Kinder lernen das in ihrem Elternhaus nicht mehr. Und wie ist das mit uns, den Großen? Kennen wir die Benimm-Regeln?
Losung und Lehrtext mahnen heute uns Erwachsene, dass wir uns den Alten gegenüber anständig benehmen sollen. So ganz selbstverständlich scheint das auch in biblischen Zeiten nicht gewesen zu sein, sonst würde es nicht extra genannt. Und heute? In den Bussen, U- und S-Bahnen in München oder Nürnberg erlebe ich es als große Seltenheit, wenn ein Jüngerer für einen Älteren aufsteht und ihm seinen Platz anbietet. In meiner Kindheit war das noch weitgehend selbstverständlich. Inzwischen muss sich manchmal ein Älterer, der etwas unbeholfen ist, von Jüngeren rüde Worte anhören, die weh tun.
In unserer Gesellschaft werden in den nächsten Jahren immer mehr ältere Menschen leben. Wie wird es ihnen, wie wird es uns einmal gehen? Jetzt schon sind sie für Krankenkassen und Krankenhäuser oft nur noch reine Kostenfaktoren, die das Gesundheitswesen für alle teuer machen. Werden die Jüngeren die Solidarität mit den Älteren aufkündigen, oder werden sie bereit sein, die Lasten der Alten mit zu tragen? Von der Antwort hängt es ab, ob wir in Deutschland auch in Zukunft eine menschenwürdige Gesellschaft sein werden oder aufs neue den Weg in die Barbarei einschlagen.
Die Alten ehren heißt, vor ihrer Lebensleistung Respekt haben und ihnen den Platz gönnen, den sie zum Leben brauchen. Nein, mit alten Menschen ist es nicht immer einfach. Aber mit jüngeren auch nicht.
Ich hab mir übrigens schon vor längerem vorgenommen, nicht nur bei Älteren aufzustehen, sondern auch bei Kindern, die mir die Hand geben. Hundertprozentig klappt das nicht, aber doch ziemlich oft. Solange mir das Aufstehen keine Mühe macht, will ich das auch weiterhin tun.  Wenn Kinder lernen sollen, wie man sich richtig benimmt, dann sind wir das entscheidende Vorbild für sie.
Im Fußballstadion singen manchmal die Fans „Steh auf, wenn du ein Schalker bist“, und dann erheben sich Tausende von ihren Sitzen. Und alle, die stehen, sind stolz darauf, dass sie zu einer großen Fan-Gemeinde gehören. Ich meine, wer für einen alten Menschen aufsteht, buchstäblich oder im übertragenen Sinn, gehört auch zu einer großen Gemeinde, selbst wenn diese nicht immer gleich sichtbar ist.
Nein, es ist nicht egal, wie man sich benimmt, auch nicht daheim. Als Christen sind wir Kinder Gottes und haben einen gewissen Anspruch an uns selbst.

Gebet: Herr Jesus Christus, du willst, dass ich die Last eines anderen mit trage, so wie auch du meine Last trägst. Setze du dich mit deinem Willen bei mir durch. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 2. Januar 2012

Unbeschwert ins neue Jahr hl

Losung: Der HERR ist deine Zuversicht. Psalm 91,9

Lehrtext: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1.Petrus 5,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese wunderbaren Bibelworte zu Jahresbeginn sprechen für sich selbst. Sie bedürfen keiner weiteren Auslegung. Jetzt geht es eigentlich nur noch darum, wie Sie / du dich dazu verhältst. Ich kann diese Worte als Informationen zur Kenntnis nehmen, wie andere auch. Vielleicht sage ich dann noch: „Ach ja, ganz nett.“ Oder ich lasse sie direkt zu mir gesagt sein, so, dass ich mich persönlich angesprochen fühle. Und dann ist es nicht irgend ein Mensch, der so redet oder so schreibt. Dann ist es Gott selbst, der König der Welt, der große Vater, der durch die Bibelworte zu mir spricht.
Vielen Menschen ist es eine Ehre, wenn sie von hochgestellten Persönlichkeiten angesprochen werden. Und dann sagen sie zu anderen: „Stell dir vor, die Ministerin, der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin hat mit mir gesprochen.“ Darum sage ich: „Mach dir bewusst, welch große Ehre es ist, dass Gott zu dir persönlich spricht, nicht nur zu Beginn dieses Jahres, sondern an jedem Tag. Und er sagt nicht irgend etwas, sondern er ermutigt dich, zuversichtlich in dieses neue Jahr hinein zu gehen mit festem Schritt und voll Vorfreude auf das, was er dir schenken wird.

Gebet: Danke, mein Gott, dass du dich auch in diesem Jahr mir zuwendest und zu mir sprichst. Du weißt gar nicht, wie gut mir das tut. Oder doch? Na klar, deshalb tust du es ja auch. Ja, du bist meine Zuversicht. Da ist sonst nichts, was mich zuversichtlich machen könnte, kein anderer Mensch, keine Aktienkurse, kein Horoskop. Darum werfe ich dir heute meinen Sorgenrucksack zu und geh unbeschwert meinen Weg – mit dir. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen für das neue Jahr auch von meiner Frau

Hans Löhr

Sonntag, 1. Januar 2012

Gedanken zur Jahreslosung 2012 hl

Liebe Leserin, lieber Leser

was ist die stärkste Kraft überhaupt? Die Schwerkraft, die die Sterne und Planeten in ihren Bahnen hält? Das schwarze Loch, der Mittelpunkt einer Galaxie, das ganze Sonnen samt ihrem Licht verschluckt? Die unerforschte dunkle Materie, die das gesamte Universum immerfort auseinander treibt wie Hefe den Teig? Ich weiß es nicht.
Aber eines weiß ich: Diese Kräfte sind unpersönlich und meinem kleinen Menschenschicksal gegenüber gleichgültig. Natürlich beeinflussen sie mein Leben, denn ohne sie würde die Welt nicht so sein, wie sie ist. Aber ich kann sie nicht beeinflussen.
Anders die Kraft Jesu, von der die Jahreslosung spricht. Durch sie, sagt die Bibel, hat Gott die Welt geschaffen. Sie ist keine Naturkraft, sondern übernatürlich. Sie vermag durch unscheinbare Menschen die Welt zu verändern, wie durch ein paar arme Fischer vom See Genezarteth, wie durch den kranken Apostel Paulus, den Mönch Martin Luther oder durch Mutter Theresa.
Durch diese Kraft fiel die Mauer in Berlin, zerfiel die Atommacht Sowjetunion. „Auf alles“, so ein Stasi-Offizier, „waren wir vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“
Es ist die Macht und Kraft der Liebe, die sich am Ende als stärker erweist.
Die Reiche, die auf Feuer und Schwert gegründet wurden, sind wieder zusammengebrochen, das Reich der Babylonier und Ägypter, das Reich Alexanders des Großen und das römische Reich. Das Reich Napoleons und das einst mächtige Türkenreich. Und schließlich auch das sogenannte „tausendjährige Reich“ der Nationalsozialisten. Ganze 12 Jahre hat es gedauert.
Aber das Gottesreich, das Jesus ausgerufen hat, wächst und wächst. Er hat es auf Liebe gegründet in den Herzen derer, die auf ihn vertrauen. Sie mögen äußerlich gesehen schwache Menschen sein: Frauen und Kinder, Kranke und Alte, Arme und Machtlose. Doch in ihnen ist die Kraft Jesu mächtig, die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Was ist schon die Kraft der Atombombe gegen die Kraft, die den Stein von Jesu Grab wälzte?! Um diese Kraft des auferstandenen Christus geht es, die durch den Glauben in uns wirkt, in dir und in mir. Ihr kommt nichts  gleich.

Gottes Segen zum neuen Jahr!

Hans Löhr