Montag, 23. Dezember 2013

Wo bleibt der Übersetzer? ebl

Losung: Israel ward durch den HERRN errettet, errettet für alle Zeit; ihr werdet nicht zuschanden, nicht mit Schmach bedeckt werden in Ewigkeit. Jesaja 45,17

Lehrtext: Der Engel des Herrn sprach im Traum: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Matthäus 1,20.21

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal denke ich, dass Gott mit dem, was er sagt, immer auch gleich noch einen 'Verstehens-Helfer' mitschicken müsste. Damit Gottes Botschaften bei denen, für die sie gedacht sind, auch wirklich ankommen. Zwei Beispiele für das, was ich meine, stecken heute in Losung und Lehrtext.
Zunächst zu unserer Tageslosung: Was Jesaja ausrichten soll als Gottes Wort, ist für die Israeliten bestimmt: "Euch (...), den Leuten von Israel, hilft der Herr, er bringt euch die endgültige Rettung. Nie und nimmer werdet ihr enttäuscht werden und untergehen." (Altes Testament, Jesaja 45, Vers 17). Wie lesen Juden heute eine solche Zusage, die im Holocaust ihre ganze Familie verloren haben? Denen ihr Eigentum weg genommen und nie ersetzt wurde? Ich kann diese Fragen nur stellen. Beantworten müssen sie andere. Aber das zu lesen: "Nie und nimmer werdet ihr enttäuscht werden ...?" - es scheint im krassen Widerspruch zur Wirklichkeit unserer Welt zu stehen.
Ähnlich geht es mir mit der Einsicht, die Josef von Gott geschenkt wird. Kann ein Mensch überhaupt verstehen, geschweige denn im Vollsinn annehmen, was Gott ihm da durch einen Engel ausrichten lässt? "Josef, du Nachkomme Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, kommt vom Geist Gottes. Sie wird einen Sohn zur Welt bringen, den sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien." (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1, Verse 20f.) Josef soll akzeptieren, dass er Vater wird und zugleich doch auch wieder nicht. Er soll fassen, dass seine Zukünftige den Retter der Welt gebären wird. Mir ist es zu hoch - bei Josef kam es offenbar so an, wie Gott es beabsichtigt hatte. Denn er blieb an Marias Seite.

Gebet: Himmlischer Vater, wenn du mit uns redest, dann muss du es so tun, dass wir es verstehen. Einige unter uns durchleben zur Zeit eine Phase, in der sie ganz intensiv nach deinem Willen fragen. Sie tun sich schwer, ihn zu erkennen und klar zu verstehen. Hilf du mit deinem Heiligen Geist, dass deine unmissverständlichen Botschaften wirklich unser Herz erreichen. Danke, Vater. Amen.

Herzliche Grüße

Ihre / deine


Elfriede Bezold-Löhr 

Freitag, 20. Dezember 2013

Wozu ich die Bibel brauche hl

Losung: Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes. 5.Mose 4,2

Lehrtext: Gib acht auf dich und auf die Lehre, bleib bei alledem! Denn wenn du dies tust, wirst du sowohl dich retten als auch die, die auf dich hören.  1.Timotheus 4,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Gib acht auf die Lehre“ und die Gebote – so lassen sich Losung und Lehrtext von heute zusammenfassen oder noch kürzer: Gib acht auf die Bibel! Sie enthält Gottes Wort und darum heißt sie auch „Heilige Schrift“. Aber brauchen wir die Bibel heute noch? Viele meinen nein. Sie / du bist andere Ansicht, sonst würdest du die täglichen Losungsauslegungen nicht lesen. Aber hast du auch schon mal darüber nachgedacht, wozu genau du die Bibel brauchst?
Ich brauche sie, weil in ihr Jesus Christus zeigt, wie Gott ist und wer ich bin. Ich brauche sie, weil Gott mich durch sie persönlich anspricht. Die Bibel hilft mir, mich in diesem Leben und in dieser Zeit zurechtzufinden. Durch sie fordert mich Gott heraus zum Beispiel durch die Zehn Gebote, durch das Doppelgebot der Liebe (Matthäus 22,34-40) und durch die Bergpredigt Jesu (Matthäus Kapitel 5 bis 7). Durch die Bibel stärkt er meinen Lebensmut zum Beispiel im Psalm 23. Durch sie zeigt Jesus mir, dass Gott mir vergibt und mich liebt wie in der Beispiel-Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32). Aus der Bibel, aus Jesaja 43,1+2 erfahre ich, dass ich zu Gott gehöre und er mich persönlich kennt und auch, dass er immer bei mir ist wie es im Psalm 139 Vers 5 oder in der der Apostelgeschichte 17 Verse 27 + 28 heißt. Und schließlich erzählt die Bibel in den Evangelien von Jesus, was seine Geburt, seine Worte, sein Wirken, sein Leiden, Sterben und Auferstehen für mich bedeuten. Aus diesen Worten, aus diesen Geschichten, aus diesen Versen und vielen anderen, die ich hier nicht aufgeführt habe, lebt mein Glaube und lebe ich. Zu diesem Leben laden meine Frau und ich auch Sie / dich ein. Und wir legen Losung und Lehrtext aus, damit du selbst eine Antwort auf die Frage findest, was die Bibel für dich bedeutet.

Gebet: Herr, ich muss dich nicht erst erfinden, sondern ich finde dich in deinem Wort. Danke, dass du dich von mir auf diese Weise finden lässt. Dein Wort ist nicht Schall und Rauch. Es hatte Macht und Kraft, diese Welt und mich zu schaffen. Es hat Macht und Kraft, mich aus dem Tod zu erwecken. Leite mich durch dein Wort auch an diesem Tag. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Mit Gott auf Du und Du hl

Losung: Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Jesaja 55,11

Lehrtext:  Eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf.  Apostelgeschichte 16,14

Interview mit Lydia.


Reporter (R): Grüß Gott, Lydia. Ich habe gehört, dass Sie von Apostel Paulus getauft wurden. Darf ich Ihnen dazu ein paar Fragen stellen? Lydia (L): Bitte sehr. R: Was hatte Paulus denn zu Ihnen gesagt, dass Sie von ihm überzeugt waren und sich taufen ließen? L: Nun ja, ich hatte zuvor schon manchen predigen hören. Sie alle sprachen vom Nutzen ihres Glaubens für Glück und Erfolg. Sie stellten auch Bedingungen: Ich hätte bestimmte Gesetze genau zu beachten, müsse Opfer bringen - zumeist Geldspenden für diese Prediger - und müsse einen moralisch einwandfreien Lebenswandel führen. R: Und bei Paulus war das anders? L: Ja, ganz anders. Der wollte gar nichts von mir. Der wollte mir etwas schenken, von dem er selbst überzeugt war, dass es gut ist. R: Was hat er Ihnen denn geschenkt? L: Na, den Glauben. R: Etwas genauer bitte. L: Gut. Wissen Sie, ich bin Witwe und muss mich mit Purpurhandel durchschlagen. Mir macht niemand so schnell was vor. Ich kenne das Leben, auch seine Schattenseiten. Und das war’s, was mich angesprochen hatte. Paulus wollte mir keinen Glücksgott andrehen. Er sprach von einem, der die Menschen mag, vor allem die, die sich schwer tun, und der selber gelitten hat. Man hat ihn ans Kreuz geschlagen. Doch dieser Jesus ist nicht vergessen. An ihm kann man lernen, wie Gott ist. Wir sagen, er ist Gottes Sohn. R: Sie meinen, er lebt, obwohl er tot war? L: Wie anders soll man es sagen? Jesus ist für mich lebendig. Durch ihn hat mir Gott das Du angeboten. Jetzt erst bin ich mit Gott so richtig vertraut. Die Götter meiner Nachbarn schweben über den Dingen und sind weit weg. Er aber begleitet mich im Alltag. Ihm begegne ich, wenn es mir gut geht. Ihm kann ich aber auch mein Herz ausschütten, wenn es mir schlecht geht. Seitdem bin ich nie wieder ganz einsam. R: Und das war’s, was Ihnen Paulus gegeben hatte? L: Ja, genau. Er gab mir seinen Glauben weiter und ich habe ihn, so gut ich konnte, an meine Kinder und Mitarbeiter weitergegeben. Wir sind jetzt alle getauft. R: Wissen Sie, dass Sie die erste Christin in Europa sind? L: Wirklich? Na, dann werde ich bestimmt nicht die letzte bleiben. R: Lydia, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Gebet: Mein Gott, danke, dass ich du zu dir sagen darf. Es tut gut, dich zum Freund zu haben. Danke auch für alle, die vor mir geglaubt haben. Durch sie habe ich dich kennengelernt. Ich möchte auch etwas von meinem Glauben weitergeben können. Mach mich glaubwürdig. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Gott preisen und rühmen hl

Losung: Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. Jesaja 42,8

Lehrtext: Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Offenbarung 15,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

was erlaube ich mir kleiner Mensch, immer wieder so menschlich von dem gewaltigen Gott zu reden? Wie soll ich seine Hoheit und Majestät in Worte fassen? Wie angemessen von seiner Macht und seinen Wundern reden? Wie ihn rühmen und preisen, den Ewigen und Heiligen, der ich doch ein sündiger und sterblicher Mensch bin?!
Aber nun ist ja das Unfassbare eingetroffen, dass dieser unbegreifliche Gott mein und dein Gott sein will. Der König der Welt hat sich begreifbar gemacht in einem kleinen Kind in großer Armut. Er sagt in der Losung: »Ich bin der mächtige und helfende Gott. „Ich-bin-da“ so heiße ich. Diese meine Ehre lasse ich mir von niemand nehmen, meinen Ruhm überlasse ich nicht den Götzen!« (Neue Übersetzung). Sein Ruhm besteht in dem, was Götzen nicht tun können, dass er seine Menschenkinder liebt. Und die große und wunderbare Tat des allmächtigen Gottes, des Königs aller Völker (Lehrtext) besteht darin, dass er in diesem Kind zu uns kommt, um uns zu suchen in unserer Gottlosigkeit, um unsere Last und Schuld zu tragen, um uns am Kreuz zu vergeben und im auferstandenen Christus eine Hoffnung zu schenken, die stärker ist als der Tod.
Ich kleiner Mensch darf mir erlauben, den großen Gott ganz menschlich ‚Vater‘ zu nennen, weil Jesus mich dazu ermutigt hat und dich auch.

Gebet: Ja, Herr, deinen Namen preise ich und deine Taten rühme ich. Denn du allein bist Gott, und niemand ist dir gleich. Deine Majestät zeigst du darin, dass du mir in Jesus dienst und deine Größe, dass du dich in ihm für mich klein machst. So kann auch ich dich lieben als meine himmlischen Vater und dir vertrauen. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Dienstag, 17. Dezember 2013

Herzensangelegenheiten hl

Losung: Jakob sprach zu seinem Hause: Tut von euch die fremden Götter, die unter euch sind, und reinigt euch. 1.Mose 35,2

Lehrtext: Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Lukas 12,34

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie war ich enttäuscht als ich im Biologieunterricht erfuhr, dass mein Herz nur ein Muskel ist. Alles was mir bis dahin wichtig war, hatte mit meinem Herzen zu tun: meine Herzenswünsche und meine Herzensangelegenheiten, die Herzlichkeit und die Barmherzigkeit, die Herzensfreude, aber auch das Herzeleid (was für ein schönes altes Wort!). Aber ich habe später trotzdem immer wieder diese Wörter verwendet, weil sie besser als alles andere ausdrücken, dass es in diesen Dingen um das Zentrum geht, um meine Gefühle und tiefsten Empfindungen – um mein Herz eben.
Und um mein Herz werben Gott und Welt. Wem werde ich es schenken? Wohl dem, der mir besonders wichtig ist. Martin Luther schreibt im Großen Katechismus: »Woran du dein Herz hängst, das ist in Wahrheit dein Gott.« Er bezieht sich dabei auf Jesus, der von den Alltagssorgen spricht, um die unsere Gedanken kreisen wie Planeten um die Sonne, von der Sorge, was wir essen und trinken sollen und natürlich vom Geld und unseren Habseligkeiten (Lehrtext). Aber macht mich das, was ich habe, selig? Schenkt es meinem Herzen Ruhe und Frieden? Macht es mich glücklich?
Die ‚fremden Götter‘ aus der Tageslosung sind die, die über mich, über mein Herz herrschen. Aber ich will nicht von toter Materie beherrscht werden. Denn was ich mir selbst erarbeiten, verdienen und kaufen kann, ist bald verbraucht und vertan. Ich möchte, dass der lebendige Gott mein Herz regiert. Doch er hat es bei mir nicht leicht, weil er nicht so laut wie die Welt brüllt: ‚Kauf mich! Leiste was, dann kannst du dir was leisten! Mach Karriere! Schinde Eindruck mit deinen Statussymbolen!‘ Gott spricht leise zu meinem Herzen und sagt: ‚Schau in die Krippe. Die wichtigste Herzenssache ist die Liebe. Und die Liebe, das bin ich.‘

Gebet: Ja, Herr, du bist mir wichtig. Aber bist du für mich auch wichtiger als die vielen anderen Dinge, mit denen ich mich tagaus tagein beschäftige? Du weißt doch, wie mein Herz immer wieder hin und her schwankt, weil ich mich nicht fest an dich binden kann. So binde du mich an dich mit dem Band der Liebe. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 16. Dezember 2013

Feurige Pfeile hl

Losung: Du, HERR, segnest die Gerechten, du deckest sie mit Gnade wie mit einem Schilde. Psalm 5,13

Lehrtext: Ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen.  Epheser 6,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Die feurigen Pfeile des Bösen“ – wer wäre von ihnen noch nicht getroffen worden?! Das sind vor allem verletzende Worte anderer, die nur schwer heilende Wunden verursachen. Wenn Sie / dich jemand herabsetzt, beleidigt, anschnauzt, herumkommandiert, Schlechtes über dich sagt oder spitze Bemerkungen loslässt, dann sind das solche feurigen Pfeile, die dich treffen und die dir weh tun sollen.
Nun sagt der Apostel Paulus, mit dem Schild des Glaubens könnt ihr diese Pfeile abfangen und auslöschen und zwar alle. Nein, alle kann ich nicht auslöschen. Ein paar kommen immer durch und treffen mich. Und dann ist meine Seele verwundet und es dauert, bis die Wunde heilt – wenn überhaupt. Aber Narben bleiben auf jeden Fall zurück. Doch ohne Glauben bin ich diesen Pfeilen erst recht schutzlos ausgeliefert. Denn mein Glaube hilft mir, den bösen Bemerkungen anderer das entgegenzusetzen, was Gott von mir meint und zu mir sagt. Und er, der durch den Mund seines Sohnes Jesus zu mir spricht, macht mich nicht fertig, sondern redet mir gut zu, wenn mir etwas misslungen ist, tröstet mich, wenn ich enttäuscht bin, richtet mich wieder auf, wenn ich niedergeschlagen bin. Und er sagt zu mir: Hans, lass doch die Menschen reden, die dir Böses wollen. Was sind schon ihre Worte gegen meine?! Sag zu dir selbst: ‚Herr, du deckst mich mit Gnade wie mit einem Schild‘ (Losung), ich sehe wohl die Pfeile fliegen, aber sie treffen mich nicht, weil du sie für mich abfängst. Auf dich will ich hoffen und mich nicht fürchten, was können mir Menschen tun?‘ (Psalm 56,5)
Nein, alle feurigen Pfeile des Bösen kann ich mit dem Schild des Glaubens nicht auslöschen. Auch der Apostel Paulus konnte es nicht, wenn man in seinen Briefen liest, wie sehr ihn seine Widersacher verletzt haben. Vielleicht sind die „Treffer“ auch ein Hinweis, dass ich mehr auf Gott als auf die Schützen schauen soll. Aber das kann ich, dass ich mich bemühe, selbst keine solchen Pfeile abzuschießen oder zumindest weniger als bisher.

Gebet: Mein Gott, immer wieder nehme ich mir so zu Herzen, was andere Böses über mich oder zu mir sagen. Aber das will ich nicht mehr tun. Ich will lieber auf das hören, was du mir Gutes sagst. Ich will darauf vertrauen, dass du mich schützt und mir hilfst und mich bemühen, meine Zunge im Zaum zu halten, um nicht selbst andere zu verletzen. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen in der neuen Woche!


Hans Löhr 

Sonntag, 15. Dezember 2013

Vorsicht bei der Ankunft! ebl

Lichtblick-Predigt zum 3. Advent 2013 von Elfriede Bezold-Löhr

Vorsicht – wovor? Das Advents-Alphabet

- Advent! Schon wieder fast vorbei!
- Adventskalender! Dieses Jahr selber gemacht! 24 mal! Ideen, Kreativität, Verantwortung! Hochwertiges! Alles selber machen! Nur wer bastelt, zeigt Verantwortung und Liebe! Es gibt Spongebob-Kalender, Starwars-Kalender, Barbie-Kalender, Lego-Kalender, Haribo-Kalender, und die Kinder wünschen sich genau sowas! Es wäre so praktisch! Aber das geht nicht! Es ist unpädagogisch! Es ist unkreativ! Es ist unadventlich! Es ist unmöglich!
- Adventskranz! Ist ganz wichtig! Selber basteln! Selbstverständlich! Biogrünzeug auf Biostroh-Rohling! Die gekauften sind viel schöner! Kaufen kann jeder! Die Kinder mitmachen lassen! Beteiligung, Verantwortung! Nachts ist genug Zeit! Wenn die Kinder schlafen! Der Vater bastelt mit! Er kann das auch!
- Adventskaffee im Kindergarten! Kuchen mitbringen! Selber backen!
- Adventskaffee in der Schule! Kuchen mitbringen! Selber backen! Gekaufter Kuchen geht nicht! Rabenmutter!
- Basteln! Die Einladungen zum Basteln waren deutlich! Laternen! Aus Buntpapier! Und Pappe! Und Klebstoff! Der Klebstoff selbstgemacht! Aus Wasser und Knochenmehl und Hühnereiern! Alles Bio, wegen der Allergien! Und wegen der Umwelt! Und wegen der Zukunft! Echter Klebstoff ist giftig! Das willst du doch nicht für deine Kleinen!
- Nikolaus! Fast übersehen! So mittendrin! Pädagogisch wertvoll! Schuhe putzen lassen! Nylonschuhe, Hausschuhe, Wildlederschuhe? Nicht akzeptieren! Schuhe gemeinsam putzen vor dem Schlafengehen! Statt Fernsehen! Fernsehen sowieso verbieten! Immer! Nicht nur zur Adventszeit!
- Plätzchen! Nicht kaufen! Auch nicht die vom Bäcker, die genauso aussehen wie selbst gemacht und viel besser schmecken! Gemeinsam backen! Die Kinder beteiligen! Vorbild sein! Eine Adventszeit wie früher! Früher war alles besser!
- Singen! Immerzu! Überall! Morgen Kinder wird’s was geben! Oh Tannenbaum! Es ist ein Ros‘ entsprungen! Egal ob man singen kann! Laut! Muss! Es! Sein!
- Weihnachtsfeier im Büro! Wichteln mit Freunden! Weihnachtsmarkt! Weihnachtskarten! Weihnachtsgans! - Weihnachtsbaum!
- Weihnachtsdeko! Die von der Oma geerbte! Nichts kaufen! Alles basteln! Eine Krippe aus Holz! Ein Herrnhuter Stern! Bastelanleitung im Internet! Eine wunderbare Arbeit für den modernen Vater! Väter sind auch kreative Menschen! Den Vater in den Advent einbinden! Wie die Kinder! Nachts basteln! Bald ist es vorbei! Überraschung am Morgen! Die glänzenden, ausgeschlafenen Kinderaugen! Die halbtoten, müden Elternaugen!
- Weihnachtsgeschenke kaufen! Die Kinder haben doch alles! Die Erwachsenen haben auch alles! Nicht irgendwas kaufen! Nicht in Gutscheine retten! Früher hat man sich Nützliches geschenkt! Selbst gemacht! Mit Stricken anfangen! Über einen Schal freut sich jeder! Oder Öl auf Leinwand! Muss nicht perfekt sein! Hauptsache kreativ! Voller Liebe!
- Zwischendurch arbeiten gehen! Nicht vergessen!
- Zeit der Vorfreude – das ist doch Advent! ------  Wirklich?
(nach einer Anregung von Kathrin Spoerr, Journalistin)

-----‚Wie soll ich dich empfangen‘ von Werner Thelen auf dem E-Piano intoniert-----

Tröstlicher Ausblick
Tröstet, ja tröstet mein Volk!
Ermutigt die Einwohner Jerusalems (die, die vor den Trümmern ihrer Esistenz stehen, die nicht mehr wissen, wo vorn und hinten ist) ! Ruft ihnen zu: Nun habt ihr genug gelitten! Die schreckliche Zeit ist vorbei! Der Herr hat euch ohne Mitleid für eure Sünden bestraft. Eure Schuld ist beglichen.“
Hört, jemand ruft: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Durch die Wüste des Konsums? Durch die Wüste innerer Leere? ) Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott!
Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Alles Unebene soll eben werden und alles Hügelige flacht.
Denn der Herr wird kommen in seiner Macht und Hoheit. Alle Menschen werden ihn sehen. Er selber hat es angekündigt. (…)
Sagt den Städten im Land Juda: „Seht, da kommt euer Gott!“
Ja, der Herr kommt als ein mächtiger Gott. Er herrscht mit großer Kraft. (…) Er sorgt für sein Volk wie ein guter Hirte. Die Lämmer nimmt er auf den Arm und hüllt sie schützend in seinen Umhang. Die Mutterschafe führt er behutsam ihren Weg.“  (Altes Testament, Jes. 40, Verse 1 – 11 in Auswahl)

Trost ist nicht gleich Vertröstung
Auch heute könnte unsere Welt Gott so nötig brauchen. Wir hier in Deutschland leben in Frieden. Vielen unter uns geht es gut, wirtschaftlich sogar richtig gut. Die Not unserer Gesellschaft ist, wie mir scheint, weniger eine materielle. Wir leben hier nicht in Nachkriegszeiten. Da unterscheidet sich unsere Situation von der eines Jesaja. Auch von der eines Paul Gerhardt, der kurz nach dem dreißigjährigen Krieg Gott fragt: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn‘ ich dir?“
 Aber wüste Landschaften kennen wir auch: Seelenwüsten von Leuten, die ausgebrannt sind im Schneller-Höher-Weiter-Hamsterrad. Konsumwüsten, vor denen Menschen stehen, die schon alles haben und doch meinen, immer noch schenken zu müssen und beschenkt werden zu wollen. Wüsten der Stille zwischen Leuten, die nicht mehr miteinander reden können, weil sie nichts mehr gemeinsam haben. Wüsten der Einsamkeit von Kindern und Teenagern, die sich ständig unter Druck erleben und verzweifelt versuchen, überall mitzuhalten.

Unsere Not ist weniger äußerlich. Sie ist mehr innerlich. Ob uns das noch bewusst ist oder ob die Sehnsucht schon verschüttet ist: Wir könnten Gott so gut brauchen. Auch heute, im Advent 2013. Wie wäre es, wenn er käme und die Wüsten wieder fruchtbar machen würde?

Was hilft? - Nur das Reduzieren, wie mir scheint. Das Zurückfahren der Dinge, die ursprünglich mit dieser Adventszeit nichts zu tun haben und die uns nicht gut tun.

Was uns hetzt – zurückfahren.
Was uns leer erscheint – weglassen.
Was uns verstummen lässt – ausschalten.
Was uns vereinzelt – durchbrechen.

Es gibt ja mit Gott den einen, der schon bereit steht und nur darauf wartet, für uns zu sorgen: Er kommt. Er sorgt. Er nimmt auf den Arm. Er hüllt schützend in seinen Umhang. Er führt behutsam. Er kann es. Und er will es tun – und wird es tun, wenn ihr es zulasst – sagt schon Jesaja.

Das wäre doch was! Wir legen die Erledigungs-Haltung ab und nehmen eine Erwartungs-Haltung an. Nur das. Abwarten in den nächsten Tagen. Die Augen offen halten. Gut hinhören. Weniger tun, mehr geschehen lassen. Weihnachten auf uns zukommen lassen. Ohne jeden Anspruch auf das perfekte Fest.

Das ändert etwas in uns drin. Es ändert damit auch etwas in unserem Zusammensein mit unseren Familien. Es lässt uns hoffen, dass mit Gott die Dinge anders laufen. „Vorsicht bei der Ankunft!“ sagt der Schlunz. Wir sollten keinesfalls die Chance verpassen, die in dieser Adventszeit und in diesem Weihnachten für uns steckt. Ergreifenb wir sie – Gott bietet sie uns. Amen.

Freitag, 13. Dezember 2013

gemacht und geliebt ebl

Losung: Deine Hand hat mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne. Psalm 119,73

Lehrtext: Christus spricht: Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Johannes 15,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Selbstverständnis, das aus der heutigen Losung spricht, ist 2013 nicht mehr automatisch für jeden nachvollziehbar. Wer aber schon einmal ein Kind geboren hat oder bei einer Geburt dabei war, der erinnert sich bestimmt, dass in solchen Momenten der Himmel offen stehen kann. Heute wird unsere Tochter elf Jahre alt. Und noch immer erinnere ich  mich ganz klar daran, wie sie in den ersten Augenblicken ihres Lebens 'draußen' ausgesehen hat. "Deine Hand hat mich gemacht und bereitet" - heißt es in der Losung. Wir Menschen sind ein Wunder, das ist mir selten so klar geworden wie in diesem Moment. "Unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne", bittet der Psalm-Beter als Konsequenz. Das ist in den ersten Jahren unserer Kinder die Verantwortung von uns Eltern. Ob unsere sie etwas von Gott hören oder nicht, hängt tatsächlich fast zu hundert Prozent von uns ab.
Weil mein Mann und ich wissen, wie schön und schwierig zugleich das sein kann, bieten wir in unseren Kirchengemeinden bewusst viele Impulse für Eltern und Kinder an.
Manchmal sagen Eltern dann ehrlich zu mir: "Ich bin mir selber oft ganz unsicher, was ich zu meinen Kindern sagen soll. Irgendwie ist mir das alles nicht mehr so klar - ich tu' mich schwer." Dann kann ich diesen Eltern einfach sagen: "Alles, was Gott will, sagt er in einem Satz: " ... Dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe."

Gebet:  "Vater, danke für jedes Kind, das geboren wird. Danke für den Segen des Lebens und das Wunder, das du möglich machst. Wir wollen dich als den Schöpfer des Lebens auch dann ernst nehmen, wenn es um unseren Alltag geht. Gib uns als Erwachsenen immer wieder die nötige Hilfe und zeig' uns auch, wie wir gut von dir reden können - unseren Kindern und unseren Enkeln gegenüber. Danke, Vater. Amen.

Ein erholsames Wochenende und einen gesegneten dritten Advent
wünscht dir und Ihnen
deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

PS: "Vorsicht bei der Ankunft" heißt es im Lichtblick-Gottesdienst am nächsten Sonntag um 9.00 Uhr und um 10.30 Uhr. Wenn Ihr Euch Zeit nehmt und kommt, feiern wir gerne mit Euch gemeinsam einen schönen Adventsgottesdienst. Herzlich willkommen!

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Wirklich mächtig? ebl

Losung: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Aber du sollst jetzt sehen, ob sich dir mein Wort erfüllt oder nicht. 4.Mose 11,23

Lehrtext: Was Gott verheißt, das kann er auch tun.
Römer 4,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mose ist es leid, die Israeliten durch öde Wüste in das Land zu führen, das Gott ihnen allen versprochen hat. Ihn nervt das endlose Gejammer der Leute, denen immer wieder etwas fehlt oder nicht passt. Diesmal ist es das fehlende Fleisch auf dem Speisezettel, das fast zu einem Aufstand führt. Mose bringt sein Problem vor Gott und der verspricht ihm: "Ich werde mich darum kümmern, dass ihr alle Fleisch bekommt. Fleisch satt. Soviel Fleisch, dass ihr es schon nicht mehr sehen könnt." Als Mose zaghaft auf die gigantische Menschenmenge verweist, die Gott versorgen müsste, sagt der zu Mose: "Meinst du, es gibt eine Grenze für meine Macht? Du wirst jetzt gleich sehen, ob meine Zusage eintrifft oder nicht." ('Gute Nachricht für dich') Gott hält Wort - riesige Schwärme von Wachteln taumeln erschöpft über das Lager der Israeliten, die jetzt nur noch zugreifen müssen.
Paulus stellt lapidar fest: "Was Gott zusagt, das kann er auch tun." (Neues Testament, Römerbrief Kapitel 4, Vers 21) Er muss wissen, wovon er redet - denn Paulus hat auf auf seinen Missionsreisen oft als einzige Sicherheit sein Gottvertrauen im Gepäck.

Gebet: "Gott, dieses Vertrauen in dich, wie Paulus es hat, erbitten wir auch von dir. Du weißt, dass wir in einer Welt leben, in der wir uns vielfach absichern können. Trotzdem bleibt unser Leben lebensgefährlich. Lass uns immer wieder Zeichen sehen, dass du ein lebendiger Gott bist, dem unser Leben am Herzen liegt. Danke, Vater. Amen.

Liebe Grüße aus dem Pfarrhaus
von Ihrer / eurer

Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Voll vertrauen ebl

Losung: Tu wohl an Zion nach deiner Gnade. Psalm 51,20

Lehrtext: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch!   1..Johannes 3,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

früher war es ganz selbstverständlich, dass politische Ereignisse auf dem Hintergrund des Glaubens gedeutet worden sind. Wenn ein Volk einen Krieg verloren hat, dann fühlte sich das an wie eine Strafe von Gott. David betet deshalb, als er vor den eingerissenen Stadtmauern von Jerusalem steht: "Gott, erweise doch Zion deine Liebe: Bau die Mauern Jerusalems wieder auf!" ('Zion ist ein eigener Name für einen ganz speziellen Teil der Stadt, der offensichtlich schwer beschädigt ist.)
Zugleich steckt im Bild der zerstörten Stadt eine Anspielung auf David selber, dessen Leben ruiniert scheint. David war ja mit Bathseba fremd gegangen und hatte, um sie heiraten zu können, ihren Mann in den Krieg geschickt, damit der dort sterben sollte. Jetzt fühlt sich David wie eine Stadt mit zerschossener Mauer: schuldig, ruiniert und schutzlos.Er sehnt sich danach, dass Gott ihm wieder Stabilität und Sicherheit in seinem Leben schenkt.

Im Neuen Testament im ersten Johannesbrief lesen wir, dass wir genau diese Stabilität und Sicherheit von Gott geschenkt bekommen haben. Keiner kann sie uns mehr nehmen: "Seht doch, wie sehr uns der Vater geliebt hat! Seine Liebe ist so groß, dass er uns seine Kinder nennt. Und wir sind es wirklich: Gottes Kinder!" Wir sind nicht seine Sklaven oder gesichtslose Nummern, sondern wir sind für Gott Kinder. Seine Kinder, die ihm voll vertrauen.

Gebet: "Vater, mancher von uns fühlt sich gerade wie David: verletzt, schutzlos, vielleicht auch schuldig. Wir bitten dich wie David: Schenk' neues Leben. Lass wieder Verlässliches wachsen. Gib du neu Sicherheit. Antworte uns, wenn wir dir unser Vertrauen schenken, wie Kinder das gegenüber ihren verlässlichen Eltern tun. Amen.

Herzliche Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus!

Eure / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 10. Dezember 2013

Hilfe für Heißsporne ebl

Losung: Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm. Sprüche 15,1

Lehrtext: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jakobus 1,19

Liebe Losungs'gemeinschaft',

die Verse aus der Bibel, die für diesen Tag bestimmt sind, brauchen keine große Erklärung. Jeder von uns weiß, wie gut ein "Jetzt setz' dich erst einmal in Ruhe her. Ich mache dir einen Kaffee und dann reden wir in Ruhe über dein Problem" tun kann. Probieren wir es doch heute aus, ob die Feststellung stimmt: "Eine freundliche Antwort vertreibt den Zorn, aber ein kränkendes Wort lässt ihn aufflammen." (Altes Testament, Sprüche 15, Vers 1)
Im Neuen Testament wird neben dem Reden auch das Hören und das Fühlen angesprochen: "Denkt daran, liebe Brüder und Schwestern: Seid immer sofort bereit, jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet und hütet euch vor unbeherrschtem Zorn." (Neues Testament, Jakobus 1, 19) Ach, wenn das immer so einfach wäre ...

Gebet: Vater, du kennst uns und unser Temperament gut. Manche unter uns brauchen es, dass du sie bremst und davor bewahrst, zu schnell ihre Gefühle und Gedanken raus zu lassen. Damit verletzen sie andere mehr, als sie es wollen. Schenk' du uns das richtige Maß zwischen Klarheit im Verhalten anderen gegenüber und dem Wissen darum, dass Worte auch verletzen und Schaden anrichten können. Danke, Vater. Amen.

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus!


Eure / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 9. Dezember 2013

Wer blickt durch? ebl

Losung: Was können die Weisen Weises lehren, wenn sie des HERRN Wort verwerfen? Jeremia 8,9

Lehrtext: Der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.  Epheser 1,17

Liebe Leserinnen und Leser,

Jeremia fragt in der heutigen Losung auf eine Weise, die eigentlich die Antwort schon beinhaltet: "Diese Leute,die sich für weise halten, haben mein Wort verachtet, und da wollen sie auf Weisheit Anspruch erheben?" (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 8, Vers 9) Der Prophet schäumt: "Da haben kluge Männer vor Augen, was Gott bis dahin seinem Volk mit auf den Weg gegeben hat! Sie können wahrscheinlich Teile des Alten Testaments auswendig hersagen! Und doch verdrehen sie seine Gedanken und seinen Willen, sie legen ihn falsch für ihre Zeit aus. Sie geben des Israeliten die falschen Tipps für die Zukunft!"
Ich weiß nicht, ob sich diejenigen, auf die Jeremia so wütend ist, vielleicht nicht doch darum gemüht haben, den Willen Gottes zu erkennen, aber einfach nicht durchgeblickt haben, was jetzt für alle das Beste ist. Wissen wir es denn immer? Auch diejenigen unter uns, die bewusst Alltagsentscheidungen mit Gott treffen wollen, kennen die Unsicherheit, die manchmal bleibt: "Ist der Schritt der beruflichen Veränderung jetzt wirklich dran?" "Ist das 'Ja' zu einem Partner richtig oder nicht?"
Paulus wünscht jedem einzelnen Christen in Ephesus etwas sehr Kostbares: "Ich bitte den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört, dir durch seinen Geist Weisheit und Einblick zu geben, so dass du ihn und seine Heilsabsicht erkennen kannst." Das wünsche ich mir für mich auch. Und ich wünsche es Ihnen und wünsche es dir, wenn du vor Entscheidungen stehst und noch unschlüssig bist, wie es weitergehen kann.

Gebet: "Vater, wir bitten dich: Gib uns deinen Geist. Gib uns Gedanken ins Herz, die von dir gedacht sind. Zeige uns, welchen Weg du uns gern führen würdest, wenn wir Veränderungen auf uns zukommen sehen. Gib uns Klarheit. Rede du unmissverständlich. Danke, Vater. Amen."

Einen guten Einstieg in diese neue Woche

wünscht dir und Ihnen


Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Samstag, 7. Dezember 2013

Verstoßen? hl

Losung: Ich sprach wohl in meinem Zagen: Ich bin von deinen Augen verstoßen. Doch du hörtest die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie. Psalm 31,23

Lehrtext: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Johannes 10,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Kind sind mir die Märchen besonders unter die Haut gegangen, in denen Kinder von ihren Eltern oder Stiefeltern verstoßen wurden wie Hänsel und Gretel, Schneewittchen und Aschenputtel. Das fand ich ganz entsetzlich. Wie gut, dass diese Märchen dann doch ein glückliches Ende nehmen.
Verstoßen werden kann ich eigentlich nur von einem Menschen, von dem ich hoffte, dass er mich lieben würde. Stattdessen ist er aber abweisend und kalt. Da ist dann die Enttäuschung groß und die Verletzung tief. Kann ich von Gott verstoßen werden? Von ihm heißt es doch in der Bibel, dass er mein himmlischer Vater sei und mich lieben würde.
Doch, es gibt Situationen, in denen man den Eindruck haben kann, von Gott verstoßen zu sein. König David hatte so etwas erlebt, von dem der Psalm 31 mit dem heutigen Losungswort ist. Er befand sich in einer ausweglosen Lage und es schien, dass Gott sich von ihm abgewandt hatte. Ja, in Panik und großer Not kann sich einem ein solcher Eindruck schon mal aufdrängen, wenn du (oder jemand der dir nahe steht) ernsthaft krank bist, den Arbeitsplatz verlierst oder wenn deine Partnerschaft zerbricht. Gut, wenn du dann mit dem kümmerlichen Rest deines Vertrauens trotzdem darauf hoffst, dass dich der gute Hirte in deinem Unglück sucht (Lehrtext).
Wenn ich mal glaube, von Gott verstoßen zu sein, dann wünsche ich mir Menschen, die sagen: „Hör nicht auf zu Gott zu schreien, hör nicht auf, Jesus, deinen guten Hirten, anzuflehen bis du gehört wirst! Und wenn du jetzt nicht beten kannst, tun wir das für dich.“
Auch Abraham wurde gehört und bekam einen Sohn. Mose wurde gehört und konnte das Volk der Israeliten befreien. David wurde gehört und vor dem rasenden Saul gerettet. Daniel wurde gehört und Esther und Hiob und der Blinde von Jericho und der Hauptmann von Kapernaum und der Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt worden ist und so viele Menschen bis heute, deren Namen wir nicht mehr kennen. Warum solltest du, warum sollte ich nicht gehört werden?
Wenn der Vater in der Geschichte, die Jesus erzählt, seinen verlorenen Sohn nicht verstoßen hat, der ihn doch so enttäuscht hatte, dann wird Gott seine Kinder, die ihn in ihrer Not anrufen, erst recht nicht verstoßen.

Gebet: Mein Gott und Vater, noch immer hast du mich wieder gute Tage sehen lassen, als ich nicht mehr aus noch ein wusste. Nein, du verstößt mich nicht. Du hast das bisher nicht getan und wirst es auch in Zukunft nicht tun. Darauf verlasse ich mich um deines Sohnes und meines Hirten Jesus Christus willen. Amen

Herzliche Grüße und ein gesegnetes Wochenende!

Hans Löhr

Freitag, 6. Dezember 2013

Und wie betest du? hl

Losung: Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Jesaja 50,4

Lehrtext: Am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.  Markus 1,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Jesus vor Sonnenaufgang gebetet hat, weiß ich nicht. Aber ich kann Ihnen / dir sagen, was ich bete, wenn ich aufwache. Manchmal bete ich die Verse 1.2.5.6 aus dem Gesangbuchslied 445 „Gott des Himmels und der Erden“.
Manchmal bete ich so ähnlich wie in diesem Gebet:

Gebet: Guten Morgen, mein Gott, mir geht es heute nicht so besonders gut. Aber ich will dir jetzt nicht die Ohren volljammern.
Ich will dir zuallererst danken, dass ich beten kann. So weiß ich, dass du da bist und mich hörst. Das tut mir gut. Denn du gehst mit mir in diesen Tag. Mit deiner Hilfe kann ich die Herausforderungen annehmen, die auf mich zukommen. Dazu gibst du mir Kraft. Lass mich bei allem, was ich heute sage und tue darauf achten, was dir recht ist.
Ich danke dir auch, dass du mir diesen Tags schenkst, einen weiteren Tag in meinem Leben. Ich muss heute keine Angst haben vor Hunger oder Krieg. Ich hab ein Dach überm Kopf und kann arbeiten. Ich kann sehen und hören, schmecken und fühlen. Ich habe Angehörige und Freunde. Bitte behüte heute auch sie.  Für das alles und noch so viel mehr, was du mir Gutes tust, danke ich dir. Darauf will ich schauen, darüber mich freuen. Amen

Ein solches Gebet hilft mir beim Start in den Tag und trägt mich hindurch. Und wie betest du?

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wie eine Katze am Kachelofen hl

Losung: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66,20

Lehrtext: Jesus sprach zu der samaritanischen Frau: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser. Johannes 4,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie einfach haben wir es doch in Deutschland: Wenn ich Durst habe, kann ich den Wasserhahn aufdrehen und trinken. Wenn ich Hunger habe, öffne ich den Kühlschrank. Aber was meine ich damit, wenn ich „ich“ sage? Im Fall von Hunger und Durst, meine ich meinen Körper. Aber ich bin mehr als mein Körper. Ich brauche die Gemeinschaft von anderen Menschen, um mich wohl zu fühlen. Ich muss etwas zu tun haben, damit ich zufrieden bin. Ich brauche etwas, das meinen Geist anregt, wie die Zeitung, oder ein Buch, oder Musik, oder eine interessante Sendung, damit ich mich nicht langweile.
Aber da bleibt noch ein Durst, der nicht so leicht zu stillen ist. Der Durst nach innerem Frieden (Lehrtext). Und das ist mehr als Zufriedenheit. Es ist das Gefühl, einverstanden zu sein mit dem, was ist und wie es ist. Eins zu sein mit dem Augenblick. Meinen Platz in dieser Welt gefunden zu haben. Wie eine Katze am Kachelofen. Diesen inneren Frieden meint Jesus, als er mit der Samaritanischen Frau spricht. Den kann ich nicht machen. Um den kann ich nur bitten. Er ist eine Gabe, die nur Gott geben kann. Und ich glaube, wer darum bittet, geht nicht leer aus (Losung). Dessen Durst wird gestillt. Für immer? Meiner nicht. Aber doch ab und zu. Und von solchen Augenblicken zehre ich.
                                                                      
Gebet: Herr, ich suche Frieden wie nur du ihn mir geben kannst. Nimm alle Unruhe aus meinem Herzen. Lass mich im Geist ganz bei dir sein wenigstens ab und zu. Dann ist alles gut. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Mittwoch, 4. Dezember 2013

ab und an hl

Losung: Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19

Lehrtext: Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2.Petrus 3,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Meine Kinder sollen es mal besser haben als ich.“ Das war für die Generation nach dem Zweiten Weltkrieg, für die Generation der Großeltern, der Ansporn, unser Land wieder aufzubauen und mit viel Arbeit und Fleiß die Grundlage unseres heutigen Wohlstands zu legen. Dabei haben viele vor allem darauf geachtet, dass die Kinder und Enkelkinder eine bessere Ausbildung bekamen als sie selbst haben konnten. Und auch wenn viele von uns heute besser ausgebildet sind als sie, sind wir deswegen nicht intelligenter und schon gar nicht klüger. Doch welchen Ansporn, welche Ziele und welche Hoffnungen haben wir? Inzwischen heißt es wohl: „Meine Kinder sollen es mal genauso gut haben wie ich.“ Wünschen kann man sich das schon und auch dafür arbeiten, aber ob es eintrifft, dafür gibt es keine Garantie.
Was Gott seinem Volk im Buch des Propheten Jesaja verheißt, geht über den materiellen Wohlstand weit hinaus. Das Ziel, das er uns vor Augen malt, ist umfassendes Heil. Wir können in dieser Welt noch so reich und erfolgreich sein, und sind doch nicht gefeit gegen Schmerzen und Leid, Unglücksfälle, Krankheiten und Tod. Weinen und Klagen hört man auch in Palästen und Villen. Doch die Bibel sagt, das ist nur ein Vorletztes. Zuletzt aber, wenn Zeit und Raum vergangen sind, wird »Gott abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.« (Offenbarung 21, 4) Dann wird die ganze Schöpfung Gottes aufatmen und neu werden in seiner Gegenwart, nicht nur wir Menschen, sondern die ganze Kreatur (Römer 8,19). Und wir werden uns verwundert die Augen reiben und sagen: „Er hat Wort gehalten. Es ist so, wie wir gehofft haben, nur unsagbar schöner.“
Niemand wird gezwungen, das zu glauben. Aber wer Gott beim Wort nimmt und ihm vertraut, für den blitzt mitten in der alten Welt ab und an die neue schon auf.

Gebet: Herr, du weißt, wie sehr ich an diesem Leben hänge. Bei allem, was mir zu schaffen macht, bin ich doch froh und dankbar, auf dieser Erde zu sein. Trotz allem Glauben, beunruhigt mich der Gedanke ans Sterben und den Tod. Doch ich halte mich an dein Wort, dass es auch jenseits von Sarg und Grab eine Zukunft für mich und meine Lieben gibt – und für die anderen auch. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr

Dienstag, 3. Dezember 2013

Auf das Engste verbunden hl

Losung: Ich will euch annehmen zu meinem Volk und will euer Gott sein. 2.Mose 6,7

Lehrtext: Alles hat er unter Christi Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. Epheser 1,22-23

Liebe Leserin, lieber Leser,

oft hat es den Anschein, als läge es an mir, dass ich an Gott glaube. Und ganz falsch ist das ja auch nicht. Aus meiner menschlichen Sicht bin ich es, der sich immer wieder für Gott und darum auch für den Glauben entscheiden muss. Aber es ist eben auch nicht ganz richtig. Denn vor allem meinem Bemühen, vor meiner Glaubensentscheidung, ja sogar vor meiner Geburt hat Gott sich längst dazu entschieden, dass ich zu seinem Volk gehöre. Das gilt auch für dich. Er will dein und mein Gott sein und ist es auch. Warum das so ist, weiß ich nicht. Weder habe ich etwas dafür getan, noch habe ich das verdient. Es ist schlicht reine Gnade, reines Geschenk, dass er mein Gott ist, dass ich ihm gehöre. Und ich denke, bei dir ist es ebenso.
Doch der Lehrtext sagt, dass wir noch mehr sind, als sein Volk. Wir sind die Hände und Füße (Glieder) am Leib seines Sohnes, in dem er mit seiner ganzen Fülle wohnt. Anders gesagt, so wie meine Hand zu mir gehört, gehöre ich zu ihm. So nah bist du, bin ich an Gott dran! Ist dir das eigentlich in seiner ganzen Tragweite bewusst? Mir nur in seltenen Augenblicken. Ich würde sonst leichter leben: unbeschwerter, gelassener und fröhlicher.

Gebet: Mein Gott, wenn ich im Glauben unsicher werde, will ich meine Hand anschauen und mir klar machen, dass ich jetzt, in diesem Augenblick mit dir auf das Engste verbunden bin, auch  wenn ich gerade nichts davon spüre.‘ Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 2. Dezember 2013

Mut zum eigenen Weg (1000. Beitrag) hl

Losung: Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen. 2.Mose 23,2

Lehrtext: Lasst einen neuen Geist euer Denken bestimmen. Epheser 4,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Menschen sind „Herdentiere”, sagt die Biologie. Wir fallen in der Menge ungern auf und versuchen uns anderen anzupassen. So sind viele von uns auch erzogen worden: »Mach mir keine Schande!« oder »Was sagen denn da die Leute?!«. Und darum fällt es auch nicht unbedingt leicht, gegenüber einer Mehrheit eine abweichende Meinung zu vertreten und abseits von den Vielen den eigenen Weg zu gehen. Das ist auch nicht immer nötig. Aber manchmal schon, besonders wenn es um Dinge geht, die deinen eigenen Werten oder gar deinem Gewissen widersprechen. »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen«, sagt die Bibel (Apostelgeschichte Kap. 5 Vers 29). Aber wer kennt schon diesen Satz oder lebt danach?
Einerseits ist es wichtig, dass Mehrheiten entscheiden und Minderheiten ihnen nicht ihren Willen aufzwingen können. Das gehört zum Wesen der Demokratie. Aber eine Sache ist deswegen noch nicht richtig oder gut, weil die Mehrheit dafür ist. Ich muss immer selbst mit meinem Verstand und meinem Gewissen entscheiden, ob ich zustimmen und mitmachen kann oder nicht. Heutzutage sind wir eher selten vor solche Entscheidungen gestellt. Aber es sind erst 70 Jahre her, dass die Mehrheit unseres Volkes den Nationalsozialisten auf dem Weg zum Bösen nur allzu willig gefolgt ist. Und im Osten Deutschland sind es noch nicht mal 25 Jahre, dass die Mehrheit mit den kommunistischen Wölfen geheult hat. Viele sagten hinterher: „Wir hatten ja keine andere Wahl, sonst hätten wir uns selbst in Schwierigkeiten gebracht.“ Doch, es gibt immer eine andere Wahl. Die Frage ist, ob ich bereit bin, den Preis zu bezahlen, den eine abweichende Meinung und Haltung kostet. Ich selbst bin froh, dass ich nie vor eine solche Herausforderung gestellt worden bin. Und deshalb kann ich auch nicht den Stab über die brechen, die damals in großer Zahl versagt haben. Weiß ich denn, wie ich mich verhalten hätte? Und trotzdem bleibt für jeden, der Christ sein will, Gottes Anspruch bestehen, wie ihn die heutige Losung formuliert: »Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen!« Manchmal muss man zum Beispiel sich schützend vor das Mobbing-Opfer in einer Klasse oder in einer Belegschaft stellen und bereit sein, es sich mit den Kollegen zu verderben. Das ist leicht gesagt und schwer getan. Aber die Frage ist doch, was bestimmt mein Denken und Fühlen, was beeinflusst mein Gewissen? Das kann nicht immer die Suche nach dem eigenen Vorteil sein. Ich meine, zum Christsein gehört auch, um der eigenen Glaubwürdigkeit willen mal einen Nachteil in Kauf zu nehmen.

Gebet: Herr, gib mir den Mut, zur rechten Zeit das rechte Wort zu sagen und die Kraft, den Weg zu gehen, den du mir zeigst. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen in der neuen Woche!
                       
Hans Löhr


p.s. Diese Auslegung ist im Rahmen unserer Reihe „Nachdenken über die Bibel”der 1000. Beitrag von meiner Frau von mir. Wir sind so weit gekommen, weil wir von unseren Leserinnen und Lesern immer wieder zum Weitermachen ermutigt worden sind und so viele motivierende Rückmeldungen bekommen haben. Dafür danken wir, nicht zuletzt deshalb, weil wir beide wohl am meisten beim „Nachdenken über die Bibel“ für unseren Glauben profitiert haben. 

Sonntag, 1. Dezember 2013

Offen für Gott hl

Predigt im Lichtblickgottesdienst am 1. Advent von Hans Löhr

Bibelwort zur Predigt: Lukas 1, 26-31

Liebe Freunde,
sie war vielleicht 15 oder 17, aber schon verlobt wie es in ihrer Kultur üblich war. Sie ist weder positiv noch negativ besonders aufgefallen. Sie war ein ganz normales Mädchen wie wohl die meisten von euch Frauen hier. Und dann passierte das: Ein Engel erscheint ihr und sagt: »Sei gegrüßt, Maria, Gott ist mit dir! Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. Er wird mächtig sein und man wird ihn Gottes Sohn nennen.« (Lukas 1, 26-31) Und Maria? Zuerst erschrickt sie. Und dann sagt sie »Ja«. Das ist in wenigen Worten die zentrale Adventsgeschichte aus der Bibel.
Ihr, die katholischen Frauen hier unter uns, habt in den Rosenkranz-Gebeten schon oft diese Worte des Engels gebetet, mit denen die biblische Adventsgeschichte beginnt: »Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir.« Aber ist euch auch bewusst, dass ihr jedes Mal, wenn ihr so betet, selbst zum Engel werdet. Ihr verkündet mit seinen Worten das Evangelium, die gute Nachricht, dass Gott seine Menschen nicht im Stich lässt, sondern uns seinen Sohn Jesus Christus sendet, um dir und mir zu helfen. Denn das bedeutet ja der Name ‚Jesus‘ auf Deutsch: ‚Gott hilft!‘
Mit diesen Worten hat der Engel, der Bote Gottes, die Maria total überrascht: »Ich«, sagte sie, »ausgerechnet ich kleine, junge, unbedeutende Frau?« Ja, ausgerechnet zu so einer kleinen, unbedeutenden Frau in der hintersten Provinz des römischen Reiches in einem Kaff namens Nazareth sendet Gott seinen Boten mit der wichtigsten Botschaft, die die Welt jemals gehört hat: Gott kommt in seinem Sohn Jesus als kleines Kind zu euch Menschen, um euch zu helfen, denn euch gehört sein Herz.
Maria war die erste, die diese Botschaft gehört hat. Sie hat sich dieser Nachricht geöffnet, hat sie sich zu Herzen genommen. Das war damals vor 2000 Jahren. Und heute passiert es wieder. Jetzt, da ihr die Worte aus der Bibel hört, gelten sie euch. Jetzt werdet ihr von Gottes Engel angesprochen und er sagt: ‚Gegrüßet seist du, Erika, der Herr ist mit dir. Gegrüßet seist du Renate und Petra, Evi und Hanne, Monika und Ulrike – der Herr ist mit dir.‘ Und du denkst vielleicht: „Ich? Bin wirklich ich gemeint? Grüßt der Engel auch mich? Ist der Herr auch mit mir?“ Und ich sage: Ja, du bist gemeint. Denn für dich ist das alles geschehen und geschrieben. Damals hieß die Frau, zu der der Engel kam, Maria. Und heute kommt er aus der Bibel zu dir. Und er kommt im Grunde mit der gleichen Botschaft: Du bist auserwählt, um das Jesus-Kind zu empfangen, diesen „Gott hilft!“. Ihn sollst du in dir aufnehmen und in dein Herz lassen. In dir will er wachsen und groß werden. Und du sollst ihn zur Welt bringen. Und wie? In dem du dir Zeit für ihn nimmst. Indem du betest und deine Wohnung schmückst und Musik hörst, die dich auf Weihnachten einstimmt. Aber du sollst ihn auch dadurch zur Welt bringen, wie du redest und handelst. In dem, wie du dich verhältst und lebst soll Jesus heute wirken. Aus deinen Augen soll er schauen, mit deinem Mund reden, mit deinen Füßen soll er zu anderen Menschen gehen, mit deinen Händen soll er ihnen helfen.
Ich gebe zu, das ist ein kühner Gedanke, dass der Engel auch heute zu euch Frauen kommt und sagt: Nimm das göttliche Kind in dir auf. Lass es in dir groß werden. Trage es in dir zu anderen Menschen und lass es da zur Welt kommen in dem, wie du bist.
Und der Gedanke wird noch kühner, wenn ich jetzt sage: Das gilt für euch Männer in gleicher Weise: Auch ihr sollt das göttliche Kind in eurem Herzen aufnehmen und es da zur Welt kommen lassen, wo ihr lebt und arbeitet. Auch an euch soll man erkennen, dass dieser Jesus in euch lebt, durch den Gott hilft.
Wie das geht? Lasst mich zuerst sagen, wie das nicht geht. Wer sich Gott vom Leibe und von der Seele halten will, der muss die Arme vor der Brust verschränken und laut oder leise sagen: „Ich nicht! Mit mir nicht!” – Aber wie soll Gott diesen Menschen überraschen können? Wer sich von ihm nichts erwartet, wer nicht ein bisschen Sehnsucht nach Gott verspürt – wie soll der etwas von ihm erleben? Wie soll Gott durch ihn wirken?
Darum bist du doch hier im Lichtblick-Gottesdienst, dass du durch die Musik, die Lieder, die Freundlichkeit, die Gebete oder durch diese Predigt von Gott erreicht, berührt und bewegt wirst. Gerade jetzt, in der Adventszeit, da wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten, geht es doch um diese innere Einstellung, dass ich mich öffne, dass ich meine Arme weit ausbreite und sage: „Ja, Herr, ich bin bereit. Komm zu mir, komm in mein Leben, tröste, heile und stärke mich!“
Wie ist das mit dir hier, ob Mann oder Frau? Spürst du etwas von dieser Sehnsucht? Hast du den Wunsch, von Gott berührt zu werden? Bist du bereit, dich ihm zu öffnen?
Ich glaube, dass diese Sehnsucht in vielen Menschen wohnt, auch in solchen, die keine Gottesdienste besuchen, die keiner christlichen Gemeinschaft angehören, die nicht glauben. Aber sie sind hilflos und sprachlos. Sie wissen nicht, wie das mit dem Glauben geht. Und dann machen sie bei besonderen Gelegenheiten plötzlich Erfahrungen, wo es sie zu Gott geradezu hin drängt. Gott scheint plötzlich nahezuliegen, wenn entweder alles ganz friedlich ist oder ganz dramatisch wird.
Ein eher glaubensferner Journalist hat vor einem Jahr in einer Zeitschrift von solchen Erfahrungen berichtet. Er fragt: »Kann es sein, dass alles von selbst so wunderbar und einzigartig ist? Dieser Sonnenaufgang über einem See in den Bergen, und der Dunst steigt von der grünblauen Wasserfläche, dass es fast nicht sein kann, dass alles einfach nur so da ist ohne Sinn, als Laune einer geistlosen Natur?… Und durch welchen Zufall sollte in all dem Chaos nach dem Urknall Musik entstanden sein, wenn nicht durch einen göttlichen?« Und dann schreibt der Journalist von den anderen Erfahrungen, den dramatischen, in denen Gott einem sozusagen rausrutscht: »Seit Jahren warst du nicht mehr in der Kirche, bist vielleicht nicht mal getauft, aber woran denkst du, wenn du im Auto sitzt und das Handy klingelt und du gehst ran, weil es das Altenheim ist, und sie sagen, du sollst dich beeilen, sie ist wieder gestürzt und jetzt geht es mit deiner Mutter zu Ende? Woran denkst du dann? Oder wenn die Herztöne des ungeborenen Kindes nicht mehr auf dem Monitor sind und die im Krankenhaus, die eben noch so burschikos zuversichtlich waren, plötzlich zu rennen beginnen und dich auf deiner Liege in den Operationssaal schieben. Woran denkst du dann?« Und der Journalist fährt fort: »Der Gedanke an Gott scheint uns in solchen Momenten ein Reflex zu sein. Weil es gut wäre, wenn zur begrenzten eigenen Kraft und zur begrenzten Hilfe der anderen Menschen noch eine Portion Übersinnliches dazu käme.«
Ja, das sind dann so Momente, die glücklichen und die dramatischen, wo es viele zu Gott geradezu hin drängt, aber dann sind sie sprachlos und hilflos und wissen damit nichts anzufangen. Wie soll ich auch einen Zugang zu ihm finden, wenn er mir fremd ist? Wie soll ich mich ihm öffnen, wenn ich keinen Schimmer habe, was und wer da auf mich zukommt? Wer nur in ganz besonderen Situationen nach Gott fragt, wie soll der im Alltag Antworten bekommen?
Ohne die Geschichten und Bilder der Bibel, ohne vertraute Lieder und geprägte Gebete, ohne andere Menschen, denen ich ihren Glauben glaube – ohne das alles habe ich keinen Mutterboden, in dem der Glaubenssame keimen und wurzeln kann.
Damit mein Glaube wachsen kann, braucht er Nährstoffe wie das Vaterunser und den Psalm 23, für die Katholiken den Rosenkranz, für uns alle die Weihnachtsgeschichte und die Lieder, die zu Herzen gehen und auch einen Gottesdienst, in dem ich inmitten anderer sitze, die wie ich eine Sehnsucht nach Gott spüren und ihren Glauben feiern.
Und darum sage ich: Bleibe neugierig auf Gott, bleibe offen für ihn wie Maria und lass dich von ihm überraschen. Für dich kommt Jesus auf die Welt und durch dich. Lass das Kind der göttlichen Liebe in dein Herz. Lass dich erfüllen von seinem Frieden, dass alle Sorge und alle Angst aus der weiche. Und tu‘s nicht irgendwann, sondern jetzt. Sage: 
Gebet: Ja, mein Gott, ich bin für dich bereit. Überrasche mich. Komm in mein Leben. Sei bei mir in meinen glücklichen Stunden und in meinem Leid. Sei bei mir am Sonntag und am Werktag, auf der Arbeit und beim Arzt, beim Einkaufen und wenn ich unterwegs bin. Komm, Jesus, du göttliches Kind, mein Hirte und Herr. Amen