Dienstag, 3. April 2018

Die Bibel verstehen hl

Losung: Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: »Auf und hilf uns!« Jeremia 2,27 

LehrtextWeißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr leitet? Römer 2,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es macht mich traurig, dass nicht wenige die Bibel nach wie vor als ein „Du musst, sonst …“-Buch lesen. Ich verstehe schon, dass man sie als ein Buch lesen kann, das einen Menschen unter Druck setzt, auf ihn Zwang ausübt, ihm Angst vor Strafe macht. Allerdings hat das mit der frohen Botschaft von Jesus nichts zu tun. Nun kann man auch in den Evangelien Bibelstellen finden, in denen Jesus selbst so ähnlich redet. Manche stürzen sich geradezu begierig darauf, meistens deshalb, um mit seiner Autorität andere Menschen nun ebenfalls unter Druck zu setzen, ihnen ein schlechtes Gewissen und Angst zu machen. Ich lehne das ab. 
     Aber was ist dann mit solchen Sätzen von Jesus, die in diese Richtung gehen?
Damit sind wir wieder mal bei der Frage, wie man denn die Bibel lesen und verstehen kann. Es genügt eben nicht, alles so zu nehmen, wie es dasteht. Dann wäre jeder Satz der Bibel gleich gültig und dieses Buch würde schnell gleichgültig. Stattdessen brauche ich Kriterien, Maßstäbe, nach denen ich die Bibel lesen kann. Und da ist Jesus der erste und wichtigste Maßstab. Ich zitiere dazu wieder einmal Martin Luther, der gesagt hat, die Bibel soll man mit dem Maßstab lesen »was Christum treibet«, also was den Kern seines Redens, Handelns und Lebens zum Vorschein bringt. Nur was damit vereinbar ist, ist für einen Christen, der die Bibel liest, auch wichtig. 
     Aber was ist denn nun dieser Kern? Auch dieser sogenannte Jesus-Samenkern hat ein Zentrum, in dem alle Vitalität und Fruchtbarkeit steckt, und eine Schale, die überflüssig ist, wenn der Same auf den fruchtbaren Boden des Glaubens gefallen ist. Man kann diesen Samenkern, dieses Zentrum der Bibel, um das sich alles dreht, mit drei Wörtern zusammenfassen: »Gott ist Liebe« (1. Joh. 4,8) oder, wie es ein paar Verse weiter heißt:  »Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe« (1. Joh. 4,16) von ihr kann uns nichts trennen, nichts, wie Paulus schreibt. »Diese Liebe Gottes ist in Christus Jesus, unserm Herrn« (Römer 8,39). Daran muss sich alles messen lassen, was sonst noch in der Bibel steht, auch, was Paulus und Johannes darüber hinaus geschrieben haben und was manchmal nur bedingt mit dieser tiefen Einsicht vereinbar ist.
     Und diese Liebe, um das noch einmal klarzustellen, gilt nicht denen, die liebens-wert sind, sondern liebes-bedürftig. Sie gilt nicht in erster Linie den Gerechten, sondern den Sündern. Für sie lag Jesus in der Krippe, hing er am Kreuz und ist er auferstanden. Das mag uns gefallen oder nicht, es ist so. Und wer meint, dass er doch im Sinne der Bibel oder der Kirche alles richtig mache, muss sich fragen lassen, wie gut er sich selbst und die Bibel kennt.
     In der lutherischen Kirche hängt man noch bis heute der problematischen Vorstellung an, dass es in der Bibel und im Glauben um „Gesetz und Evangelium“ gehe, wobei zuerst das Gesetz komme und dann, wenn man aufgrund des Gesetzes (Zehn Gebote  etc) sein Versagen erkannt und bekannt habe, dass dann Gott vergebe, weil sein Sohn für unsere Sünden am Kreuz gestorben sei. Ich habe das auf der Universität so gelernt und zunächst brav nachgeplappert. Doch meine Glaubens- und Lebenserfahrung sowie meine tägliche Beschäftigung mit der Bibel hat mich zu einem anderen Schluss gebracht: Kein Mensch braucht die Peitsche des Gesetzes. Aber jeder Mensch braucht Gottes Liebe.
     Manche meinen, dass dies „billige Gnade“ sei. Nein, die Gnade ist nicht billig. Sie ist umsonst. Gott schenkt sie uns. Manche meinen, dass Sodom und Gomorrha ausbrechen würden, wenn man die Menschen nicht zwingen würde, sich an das göttliche Gesetz zu halten. Sodom und Gomorrha sind längst und mehrfach ausgebrochen, gerade auch in den Zeiten, als die Kirchen das Predigen von Gottes Gesetz, Zorn und Strafen in den Mittelpunkt stellten, zuletzt in Deutschland vor 70 und mehr Jahren. Manche meinen, Menschen würden nur auf Druck Gottes Willen tun und sich nach seinem Gesetz halten.
     Ich meine das alles nicht und halte es für einen Irrtum. Ich meine und glaube, dass Gott keinen Gefallen daran hat, dass Menschen nur aufgrund von Druck und Angst seinen Willen tun und glauben. Ich meine und glaube aber, dass er sich daran freut, wenn sie das freiwillig und aus Dankbarkeit tun, weil sie seine Liebe erfahren haben und weitergeben, weil sie auf ihn vertrauen können und und sich gern an das wichtigste Gebot halten, das Jesus uns gegeben hat: Gott lieben und seinen Nächsten wie sich selbst.
     Und genau dazu leitet uns Gottes Güte (Lehrtext), dass er uns Zeit gibt, zu diesem Glauben zu finden, ihn zu entdecken und zu leben. Und dann lehrt nicht erst die Not beten (Losung), sondern dann ist es mir ein Herzensanliegen, täglich im Gebet mit Gott verbunden zu sein, ihn zu bitten, ihm zu danken und ihn zu preisen.  

Gebet: Herr, ich danke dir für das große Geschenk, dass ich dir vertrauen und im Glauben mit dir leben kann. Du hast versprochen, mir in Liebe verbunden zu bleiben, komme was da mag. Darum verlasse ich mich auf deine Treue und bitte dich um die Kraft, auch dir treu bleiben zu können. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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Alle bisherigen Losungsauslegungen kann man hier im Internet-Blog nachlesen: <http://glaubenswachstum.blogspot.com/>
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

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