Donnerstag, 20. August 2015

Das Geheimnis der Taufe hl

Losung: Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland. Jesaja 45,15

Lehrtext: Jesus sprach: Der Menschensohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Die Zwölf aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen. Lukas 18,32-34

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute kreist unser gemeinsames Nachdenken über die Bibel um eines der größten Geheimnisse des Glaubens, um den Grund und Abgrund von Theologie:
Wo war Gott, als Jesus gequält, gekreuzigt und umgebracht wurde? Hatte er sich in irgend einen fernen Himmel zurückgezogen? Hat er sich in dunklen Wolken verborgen?

unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich

Die Antwort ist ungeheuerlich und für Muslime, Juden, Buddhisten oder Ungläubige, ja selbst für viele Christen nicht nachzuvollziehen: Er selbst war der Gekreuzigte. Er litt in und mit seinem Sohn. Er starb durch die Grausamkeit der Menschen, die er doch geschaffen hatte. Er wehrte sich nicht, sondern liebte. Er strafte nicht, sondern vergab. So ist Gott gestorben! - - - So und nur so hat er aber auch den Tod und die Macht der Finsternis besiegt. Ja, das ist paradox, widersinnig. Da kommt man im Denken nicht mehr mit. Aber gerade im Leiden und Sterben Jesu war Gott mit ihm auf das Engste verbunden: unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich.
Wenn du dich in Leid und Not, in deinen seelischen und körperlichen Schmerzen fragst, wo denn jetzt Gott ist, auch dann heißt die Antwort: bei dir. Vielleicht verstehst du das nicht. Vielleicht spürst du das nicht. Und trotzdem, es ist so.

Gott im Flüchtlingsboot…

Er sitzt auch im Boot bei den Flüchtlingen im Mittelmeer. Er leidet in den geheimen Folterkellern. Er sitzt in den Todeszellen. Er ist bei den Krebspatienten und bei den Menschen mit Demenz im Pflegeheim. Selbst bei den misshandelten Kindern... Wie soll man das begreifen? Ich kann das nicht.
Freilich rettet Gott auch immer wieder aus allen diesen Schrecken. Aber dann rettet er auch wieder nicht, dann stirbt Jesus, dann gehen die Boote unter, dann leiden Gefangene unter den Qualen der Folter, dann werden die zum Tod Verurteilten getötet, dann sterben Krebspatienten, Menschen mit Demenz kehren daraus nicht mehr zurück, und die misshandelten Kinder bleiben geschädigt ihr Leben lang. So ist die dunkle Seite der Wirklichkeit. Wir alle wissen das, doch niemand weiß warum.
Manche sagen, einen solchen Gott, der das zulässt, wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Aber welchen dann? Würde denn ein anderer Gott nützen oder keiner?
Mein Problem ist jetzt, dass ich etwas nahezu Unsagbares in Worte fassen muss. Deshalb geht es mir nun nicht darum, mit Argumenten einen Zweifelenden zu überzeugen, sondern einen Glaubenden zu stärken, ja mich meines eigenen Glaubens zu vergewissern. Da hilft es nichts, wenn ich mir selbst etwas ausdenke. Da muss und will ich mich an der Bibel festhalten, am Wort Gottes.

Das Geheimnis der Taufe

Und so sage ich nun in Übereinstimmung mit dem Apostel Paulus (Römer 6) von dir und von mir, was ich weiter oben von Jesus gesagt habe: In der Taufe wurden wir mit diesem Jesus, mit seinem Leiden und Sterben auf das Engste verbunden: Unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich. In der Taufe sind wir seinen Tod mit ihm gestorben, im Taufwasser ‚ertrunken‘. In der Taufe wurden wir aus diesem Element des Todes herausgezogen, gerettet in ein neues Leben hier und jetzt und ins ewige Leben: »Denn wenn wir mit Jesus verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein (Paulus: Römer 6, 5) .«
Das alles ändert nichts daran, dass – und jetzt spreche ich von mir, weil ich dich nicht vereinnahmen will –, dass ich, der ich glaube, die dunkle Seite der Wirklichkeit erleide wie alle anderen auch: Angst, Schmerzen, Leid, Sterben und Tod. Aber ich erleide dies als Getaufter, der in alledem mit Jesus und durch ihn mit Gott auf das Engste verbunden ist und bleibt. Dazu musste ich nichts tun. Doch damit das für mich Wirklichkeit wird, vertraue ich darauf, dass es so ist, wie die Bibel sagt.

Mit Kreide auf den Tisch geschrieben

Ob mir das einmal helfen wird, wenn ich in Todesangst bin? Wenn es mit mir zu Ende geht? Ich weiß es nicht. Als Martin Luther nicht mehr wusste, was er noch glauben sollte, hat er mit Kreide auf den Tisch geschrieben „Ich bin getauft!“. Das, so heißt es, habe ihm geholfen, am Glauben festzuhalten.
Ja, Gott mag dir manchmal verborgen sein. Aber dann hat er sich nicht in einen fernen Himmel zurückgezogen, sondern sich ‚eingewickelt‘ in deiner Angst, in deiner Not, in deinem Leid. Da wirst du ihn finden als deinen ‚Heiland‘ (Losung), deinen Retter und Erlöser. Er bleibt bei dir, was auch immer mit dir geschieht. Das glaube ich.

Gebet: Herr, das Leben kann so schön sein. Warum kann es nicht so bleiben? Warum hat es auch seine dunkle, grausame Seite? Es geschehen so viele Dinge, die ich nicht verstehe. Aber ich hoffe, dass du verstehst, was geschieht. Du bist nicht nur ein Gott für die guten Zeiten. Du bist in Jesus in die tiefsten Tiefen des Leids hinabgestiegen, um auch denen nahe zu sein, die abgestürzt sind. Auch da bist du bei mir. Auch auf der Schattenseite des Lebens bist du mein Licht. Halte du auch dann an mir fest, wenn ich nicht mehr die Kraft habe, an dir festzuhalten. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 19. August 2015

Er schont deine Gefühle hl

Losung: Der HERR ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und kennt die, die auf ihn trauen. Nahum 1,7

Lehrtext: Paulus schreibt: Epaphroditus war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit zu der anderen hätte. Philipper 2,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wichtig bin ich Gott? Schont er zum Beispiel auch meine Gefühle? Oder ist es vermessen zu denken, dass der Allmächtige, der Schöpfer von Himmel und Erde, darauf achtet, ob ich traurig bin oder nicht?
Der Bibel, dem heutigen Lehrtext zufolge ist genau das der Fall. So schreibt Paulus den Christen in Philippi, dass Gott nicht nur seinen Mitarbeiter Epaphroditus wieder gesund gemacht, sondern ihm selbst eine weitere Traurigkeit erspart hatte. Und in der Losung ist ausdrücklich davon die Rede, dass Gott die Menschen persönlich kennt, die ihm vertrauen.
Damit ist die Frage beantwortet, wie wichtig ich Gott bin und wie wichtig du ihm bist. Lass dich also nicht durch deine eigenen Zweifel oder das Gerede anderer verunsichern. Schließlich geht es im Glauben um die persönliche Beziehung zwischen Gott und dir und nicht um irgendwelche unpersönlichen Wahrheiten. Vielleicht magst du deine Gefühle anderen Menschen nicht so ohne weiteres zeigen. Bei Gott ist das etwas anderes. Er weiß damit umzugehen. Er verletzt deine Gefühle nicht, sondern achtet sie und ist darauf bedacht, dich zu schonen.

Gebet: Herr, mehr noch als meine Gedanken bewegen mich meine Gefühle. Du weißt das und kennst sie. Dir kann ich sie zeigen. Danke, dass du gütig und behutsam bist. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 18. August 2015

Herz und Geist hl

Losung: Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben. Hesekiel 11,19

Lehrtext: Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Römer 8,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, ich möchte kein Herz aus Stein, hart und kalt, verschlossen und bitter, lieblos und unbarmherzig. Ich möchte es auch dann nicht, wenn es mir in dieser Welt viele Vorteile einbrächte: Ehre und Ruhm, Einfluss und Geld. Ich möchte ein Herz aus Fleisch und Blut, warm und barmherzig, mitfühlend und liebend, gläubig und treu, das aber auch zornig sein kann gegen Unrecht und sich gegen die Lügner empört, ein Herz, das tapfer und aufrichtig ist auch vor dem Freund, voll Mut und trotzdem nicht überheblich, ein Herz, das die eigenen Fehler bereut und zum eigenen Versagen steht.
   Die heutige Losung sagt, dass ein solches Herz ein Geschenk Gottes ist. Kann ich den gar nichts dafür tun? Nun, ein solches Herz kann ich nicht machen. Aber ich kann Gott die Gelegenheit geben, an meinem Herzen zu arbeiten, indem ich ihm nicht die kalte Schulter zeige, sondern ihn um ein solches Herz bitte, indem ich ihm zutraue, dass er mich verändern kann und ich mich von ihm verändern lasse. Ein neues Herz, ein neuer Geist – ich brauch das immer wieder, ich brauche Gott immer wieder, den Abba, den Vater im Himmel, dessen Kind zu sein ich mich nicht schäme (Lehrtext). Im Gegenteil. Gibt es etwas Schöneres, als Gottes Kind zu heißen und nicht nur zu heißen, sondern auch zu sein?
   Ich habe meinen verstorbenen Vater gern gehabt und war auch ein wenig stolz auf ihn, obwohl ich durchaus auch seine Schwächen kannte. Um wie viel mehr kann ich auf meinen himmlischen Vater stolz sein. Er gibt mir das Gefühl, dass ich wer bin, egal, was andere Menschen meinen. Er stärkt mein Selbstbewusstsein und mein Selbstvertrauen. Er macht mich unabhängiger von der Meinung anderer. Er  schenkt mir einen freien Geist und ein empfindsames Herz.

Gebet:
»Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe und mit einem willigen Geist rüste mich aus.« Amen (Psalm 51,12-14)

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 17. August 2015

reden oder schweigen? hl

Losung: Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug. Sprüche 10,19

Lehrtext: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Matthäus 12,37

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie ist wieder mal zu spät gekommen. Darauf angesprochen, erklärt sie das mit vielen Worten. Sie rechtfertigt sich damit, dass sie eine Umleitung hätte fahren müssen und es da einen unvorhersehbaren Stau gegeben habe. Der Chef und die Kollegen sagen nichts dazu. Aber sie schauen sich vielsagend an. Warum hat die Kollegin nicht einfach gesagt: „Ich bin daheim zu spät losgefahren. Das tut mir leid. Ich bitte um Entschuldigung.“ Mehr hätte es gar nicht gebraucht, und sie hätte mit dem Verständnis der Kollegen rechnen können. Aber so? Die windigen Ausreden, was sind sie anderes, als sich aus der Eigenverantwortung für die Situation herauszureden?!
Es ist immer problematisch, wenn man sich für sein Verhalten mit vielen Worten rechtfertigt. Je mehr man sagt, desto unglaubwürdiger wird man. Aber es ist noch problematischer, lang und breit über andere herzuziehen und vielleicht auch noch Gerüchte zu verbreiten.
Nun sind wir Menschen unterschiedlich. Da sind die Introvertierten, die Stillen und mehr In-sich-gekehrten die wenig bis nichts sagen, aber umso begieriger zuhören, um nichts zu versäumen. Sind sie besser als die Extrovertierten, die von Natur aus viel reden, die kommunikativ und gesellig sind, dafür aber auch manches sagen, was sie hinterher bereuen? Es kommt wohl immer auf die Situation an, wann es besser ist, auch mal den Mund zu halten und wann es nötig ist, den Mund aufzumachen und gegebenenfalls auch eine unbequeme Wahrheit zu sagen. Es kommt also nicht nur darauf an, dass ich schweige, sondern mehr noch darauf, was ich sage. Manch einer hat sich schon um Kopf und Kragen geredet. Manch einer hat mit dem richtigen Wort zur richtigen Zeit vielen einen großen Dienst erwiesen.

Gebet aus dem Lied „O Gott du frommer Gott“ (EG 495 Vers 3):

Hilf, dass ich rede stets womit ich kann bestehen,
lass kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen;
und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss,
so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn‘ Verdruss. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 16. August 2015

Der Schlüssel zu den 99 hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblickgottesdienst. Predigttext: Matthäus 18, 12+13

Liebe Freunde,

wie stehen Sie / wie stehst du zu Gott? Bist du ihm gegenüber reserviert oder vorsichtig abwartend oder bist du vertrauensvoll aufgeschlossen? Das kommt wohl darauf an, wie er aus deiner Sicht zu dir steht. Von den Erfahrungen, die du mit Gott gemacht hast, hängt es ab, ob du ihm trauen kannst oder ob du ihm gegenüber besser in der Reserve bleibst. Wer Angst vor Gott hat, wird sich ihm wohl kaum vertrauensvoll öffnen und wer ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, wird ihm wohl eher aus dem Weg gehen.
Um deutlich zu machen, wie Gott zu uns Menschen steht, hat Jesus kurze, aufschlussreiche Geschichten erzählt. Eine davon möchte ich für euch jetzt nacherzählen. Sie steht im Evangelium des Matthäus und ist wohl den meisten von euch bekannt. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuhören, denn in dieser Geschichte geht es nicht um irgendjemand, sondern um dich.
Jesus sagt:  
Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm davon, was wird er tun?

Bleiben wir zunächst bei dieser Frage und nehmen wir an, dass die neunundneunzig Schafe, die ihm geblieben sind, die Worte des Hirten verstehen können.

Was denken die Schafe vom Hirten?

Falls der Mann zu sich sagt: „Na gut, ist zwar schade um das eine, aber das ist nur ein Prozent Verlust. Das kann ich verschmerzen“, was denken da die Neunundneunzig, als sie das hören? Was denkt da jedes einzelne von ihnen?
Vielleicht: „Na, ich bin dem Hirten aber nicht viel wert. Mein Leben zählt nicht viel. Ich bin ihm im Grunde egal.“

Vielleicht sagt der Hirte aber auch laut zu sich: „Ich hätte schon gern auch noch das letzte Schaf. Aber jetzt ist es schon spät. Bald wird es dunkel. Ich werde es nicht mehr finden. Am Ende stolpere ich noch und breche mir ein Bein. Und außerdem werden es in der Nacht bestimmt die wilden Tiere reißen. Es hat keinen Zweck, sich auf die Suche zu machen und sich noch selbst in Gefahr zu bringen.“

Was denken wohl die Schafe, wenn sie das hören? Vielleicht: „Dieser Mensch wird sich meinetwegen keine Mühe geben und für mich nichts riskieren. Der lässt mich im Stich, wenn‘s schwierig wird.“

Oder die dritte Möglichkeit. Der Hirte sagt: „O weh, das hilflose Schaf! Es hat sich bestimmt verirrt und nicht mehr zur Herde zurückgefunden. Jetzt läuft es irgendwo da draußen in der Nacht schutzlos umher. Vielleicht wird es von wilden Tieren gerissen. Nein, ich kann und will es nicht seinem Schicksal überlassen. Ich will mich gleich auf die Suche machen, auch wenn die Chance es zu finden, noch so klein ist.“
Was denken die neunundneunzig Schafe, was denkt jedes einzelne von ihnen jetzt? Vielleicht:
„Ich hab aber einen guten Hirten! Ich brauche keine Angst zu haben, wenn mir etwas zustößt. Er wird sich um mich kümmern. Ich bin ihm so viel wert, dass er sich auch meinetwegen mitten in der Nacht auf den Weg machen würde, um mich zu suchen und zu finden, um mich vor den wilden Tieren zu retten und sicher nach Hause zu bringen.“

Soweit, was der Hirte tun und die Schafen von ihm denken könnten.Und jetzt die Geschichte im Ganzen, wie sie Jesus erzählt:
Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm davon, was wird er tun?
Lässt er nicht die Neunundneunzig in den Bergen zurück, um das verirrte Schaf zu suchen? 
Und ich versichere euch: Wenn er es endlich gefunden hat so legt er sich's auf die Schultern und freut sich über dieses eine mehr als über die Neunundneunzig, die sich nicht verlaufen hatten.

Jeder ist dieser eine.

Liebe Freunde, wie der Hirte das eine Schaf behandelt, zeigt, wie er die neunundneunzig anderen sieht. Das eine Schaf ist der Schlüssel zu den Neunundneunzig. Sie erkennen sich in dem einen wieder, denn letzten Endes ist jedes von ihnen dieses eine Schaf.

Ein Vater erzählt: Als mein Sohn Josua noch ziemlich klein war, hat er mir oft eine zu Herzen gehende Frage gestellt. Er war so verletzlich und ehrlich, dass er mir jedes Mal, wenn ich auf irgendjemanden überreagierte, auch nur ein klein bisschen ungeduldig oder lieblos war, in die Augen schaute und fragte: »Papi, liebst du mich?«
Wenn er dachte, ich würde einen wichtigen Grundsatz im Verhalten gegenüber anderen verletzten, zum Beispiel, dass ich einem anderen gegenüber nicht freundlich oder ehrlich war,  dann fragte er sich, ob ich das nicht auch bei ihm tun würde, ob ich ihn wirklich lieben würde, oder ob das nicht auch gelogen ist.
Und der Mann erzählt weiter: Als Lehrer wie als Vater habe ich festgestellt, dass der Schlüssel zu den Neunundneunzig der eine ist – besonders der eine, der die Geduld und die gute Laune der vielen auf die Probe stellt. Es ist die Liebe und die Art des Umgehens mit dem einen Schüler, dem einen Kind, dem einen Arbeitskollegen, in der sich die Liebe für die anderen ausdrückt. Wie du den einen behandelst, verrät, was du von den Neunundneunzig hältst; denn letzten Endes ist jeder dieser eine.

In der Umkleidekabine

Um diese Sache noch etwas deutlicher zu machen, möchte ich euch jetzt in den Umkleideraum einer Fußballmannschaft mitnehmen.
Das Vorrundenspiel um den Fußballpokal ist zu Ende. Man hat gegen eine Mannschaft, die zwei Klassen tiefer spielt, verloren und ist für dieses Jahr aus dem Pokalwettbewerb ausgeschieden. Der finanzielle Verlust ist beträchtlich. Der Verein hätte die zusätzlichen Einnahmen gut gebrauchen können. Der Trainer weiß, was auf ihn zukommt. Die Vereinsführung wird ihn kritisch befragen, die Fans werden ihn beschimpfen, die Presse wird hämische Kommentare schreiben.
Mit diesen Gedanken im Kopf geht er nach dem Spiel in die Umkleidekabine zu seiner Mannschaft. Vor ihm steht der Mittelfeldspieler, der den entscheidenden Elfmeter verschossen hat, und schaut zu Boden. Auch die übrigen Spieler schauen ihren Trainer nicht an. Aber ihre Ohren sind gespitzt. Was wird er jetzt wohl sagen? Wird er sie alle zusammenstauchen? Wird er den Mittelfeldspieler zur Schnecke machen?
Der Trainer hat die Wahl: Er kann seinen ganzen Ärger, seine Enttäuschung und Wut an dem einen Spieler auslassen. Er kann ihn anschreien, ihm drohen, ihn augenblicklich aus der Mannschaft werfen. Und er hat auch alle Lust, das zu tun. Doch bevor er den Mund aufmacht, stellt er sich die entscheidende Frage: „Was werden wohl die anderen Spieler denken, wenn ich mich dem einen gegenüber sich so negativ verhalte?“
Der Trainer schluckt seinen Ärger runter, beherrscht sich, sieht in dem geknickten Mittelfeldspieler nicht den Versager, sondern den unglücklichen Pechvogel. Er geht auf den Spieler zu, legt ihm den Arm um die Schulter und sagt: Du bist nicht allein schuld an der Niederlage. Die ganze Mannschaft hat heute nicht das gebracht, was ich von ihr erwartet habe. Und ich selbst habe bei meiner Taktik auch Fehler gemacht. Wir alle haben gemeinsam verloren. Und wir alle werden das nächste Spiel gemeinsam gewinnen. Ich brauch jetzt niemanden einzelnen zu kritisieren. Jeder von uns weiß selbst, was bei ihm heute nicht so gut gelaufen ist.
Jetzt schauen ihn alle Spieler an. Sie sind stolz auf ihren Trainer. Im nächsten Spiel werden sie sich für ihn zerreißen. Das nehmen sie sich fest vor. Denn jetzt weiß jeder einzelne von ihnen: Wenn es auch mal in einem Spiel nicht so gut läuft, wird mich der Trainer nicht vor den anderen bloßstellen und fertig machen.
Als der Trainer später vor die Presse tritt, stellt er sich vor seine Mannschaft und sagt: Ich bin schuld an der Niederlage, ich habe die falsche Taktik gewählt. Schreiben Sie das in Ihrer Zeitung.

Grundlegende Lebensweisheit

Wie stehen Sie / wie stehst du zu Gott? Bist du ihm gegenüber reserviert oder vorsichtig abwartend oder bist vertrauensvoll aufgeschlossen? Das kommt wohl darauf an, wie er zu dir steht.
Um das deutlich zu machen, hat Jesus jene Geschichte vom Hirten und seinem verlorenen Schaf erzählt. Deinetwegen hat Jesus diese Geschichte erzählt, damit du wie die Neunundneunzig anderen, wie jetzt alle anderen hier in diesem Raum, erfährst, wer Gott für dich ist, damit du sagen kannst: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“.
Zugleich aber lehrt mich diese Geschichte eine grundlegende Lebensweisheit. Denn in ihr geht es auch darum, wie andere Menschen zu mir stehen: Reserviert oder vorsichtig abwartend oder vertrauensvoll aufgeschlossen. Egal ob die eigenen Kinder oder Enkel, Schüler oder Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde und Bekannte – sie alle achten darauf, wie ich mit anderen umgehe und ziehen daraus ihre Schlüsse, was ich für einen Charakter habe, was ich wirklich von ihnen halte. Auch da gilt, dass der Schlüssel zu den Neunundneunzig, der eine ist. So wie ich ihn behandle, so fühlen sich auch alle anderen behandelt. Denn in dem einen erkennen sie sich wieder.

Wo bist du?

Die Geschichte Jesu schließt mit dem Satz: »Und wenn er das Schaf gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude.« Wo bist du gerade? Bist du bei deinem guten Hirten oder läufst du ohne ihn durch die Welt, hast dich vielleicht sogar verirrt und weißt im Grunde deines Herzens gar nicht genau, wem du gehörst, was du willst und welchen Weg du gehen sollst?
Lass dich von ihm finden, gib Antwort, wenn er dich ruft. Er lässt dich nicht im Stich, er überlässt dich nicht einem bösen Schicksal, er behütet dich und freut sich, wenn er dich gefunden. Amen

490 + X hl

Losung am 16.08.15: Josefs Brüder baten ihn: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! 1.Mose 50,17

Lehrtext: Petrus trat zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Matthäus 18,21-22

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß nicht, wie gut Petrus in Mathematik war. Aber er wird wohl schnell herausgefunden haben, dass er seinem Bruder, der an ihm gesündigt hat, insgesamt 490 mal vergeben muss. 490 mal! Haben Sie / hast du jemandem schon mal so oft vergeben? Und wenn es einmal dazu kommen sollte, was machst du dann, wenn die 490 voll sind? Kurz und gut, wer so denkt und so rechnet, hat nichts begriffen. Denn siebenmal siebzigmal heißt nichts weniger als ‚immer‘. Weder du noch ich haben eine andere Möglichkeit als jemandem, der an dir und an mir gesündigt hat, zu vergeben, immer, weil auch Gott dir und mir immer vergibt, immer. Was für eine Herausforderung!
Aber wenn ich meinen Glauben ernst nehme, muss ich diese Herausforderung annehmen. Und wenn ich es nicht kann, muss ich Gott bitten, mir dieses Versagen zu vergeben.
Ich kenne einen Menschen, der mich so schwer enttäuscht und so tief verletzt hat, dass es nicht reicht, ihm einmal zu vergeben. Ich muss ihm ein und dieselbe Sache immer wieder vergeben. Und wenn ich meine, jetzt wäre es gut, jetzt wäre ich darüber hinweg, dann passiert es doch wieder, dass die innere Wunde aufbricht und die Bitterkeit zurückkommt. Dann muss ich von neuem vergeben. Der andere kriegt davon so gut wie nichts mit. Ich tu‘s ja auch um meinetwillen, damit mir die Enttäuschungen nicht die Lebensfreude raubt und mich die seelische Verletzung nicht ‚kränkt‘, also krank macht. Ich muss mich aber auch selbstkritisch fragen, warum ich mir diese Sache gar so zu Herzen nehme.
Die Brüder von Josef, haben ihre ‚Missetat‘ wenigstens eingesehen und um Vergebung gebeten. Aber Jesus sagt mir, ich soll meinem Schuldiger ohne Vorbedingung vergeben, weil er auch mir meine Schuld bedingungslos vergibt.

Gebet: Herr, vergib mir meine Schuld, wie auch ich dem vergebe, der an mir schuldig geworden ist. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 15. August 2015

Treue bis ans Ende hl

Losung: HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Jeremia 5,3

Lehrtext: Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach. Hebräer 13,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt keine Garantie, für niemanden. Es gibt keine Garantie dafür, dass dich ein anderer immer liebt. Und auch nicht dafür, dass er dir immer treu bleibt. Wer sich vor dem Traualtar Liebe und Treue verspricht, sagt damit, dass er das will. Aber ob der Wille bis zu dem Augenblick reicht, da der Tod den einen Partner vom andern scheidet, das kann niemand garantieren.
Und so kann ich auch Gott nicht garantieren, dass ich ihm für immer treu sein werde. Ich kann mir das fest vornehmen, kann es versprechen, aber garantieren kann ich es nicht.
Er weiß das. Er hat das in der Geschichte mit seinem Volk und mit all denen, die schon einmal gesagt haben »Ich glaube an Gott, den Vater, den …«, zahllose Male erlebt: Man feiert ihm Gottesdienste, bringt ihm Opfer, singt ihm Lieder, hört seine Worte, betet – und dann wird Gott doch vergessen oder nicht ernst genommen. Dann gehört er vielleicht schon noch irgendwie mit dazu, aber eben nur „irgendwie“, sozusagen als fünftes Rad am Wagen. »Du, Herr, suchst nach aufrichtigen Menschen«, heißt die Losung in einer neuen Übersetzung. Ein Wunder, dass er noch immer sucht, trotz so vieler Enttäuschungen.
Und doch gibt es auch Menschen, die ihm bis zum Ende treu bleiben und ihm in guten wie in schlechten Zeiten rückhaltlos vertrauen. Davon spricht der heutige Lehrtext. Wohl dem, der so jemanden kennt, der so einen Lehrer hatte, ein Vorbild im Glauben!
Mein väterlicher Freund und Pfarrer Karl Steinbauer war so einer. Dafür bin ich dankbar. Er ist mir noch heute ein Vorbild, weil er sich weder gegenüber den Mächtigen im nationalsozialistischen Staat noch in unserer lutherischen Kirche gebeugt hat. Er war kein Opportunist, kein angepasster Karrierist wie manch andere, die ich im Lauf meines Lebens kennengelernt habe. Er hat auch in seiner Kirche Nachteile und Schwierigkeiten in Kauf genommen, weil er seinem Herrn Jesus Christus bis zuletzt treu geblieben ist. So ist er für mich zu einem leuchtenden Beispiel geworden.
Werde auch ich einmal bis zuletzt meinem Herrn treu sein? Werde ich meinen Glauben weder verraten noch verleugnen? Werde ich nicht nur vor meinen Gegnern, sondern vor allem vor meinen Freunden tapfer sein und aufrichtig bleiben, auch wenn es schmerzt? Ich weiß es nicht. Wie gesagt, eine Garantie gibt es nicht, aber den festen Wunsch und Willen. Dazu helfe mir Gott!

Gebet: Herr, stärke meinen Glauben, dass ich mit dir leben kann bis ans Ende. Aber wenn ich dir nicht mehr treu bin, dann bleibe du mir treu und hilf mir, wieder zu dir zurückzufinden. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 14. August 2015

Für sich und andere beten hl

Losung: Der Höchste ist deine Zuflucht. Psalm 91,9

Lehrtext: Jesus betete: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Johannes 17,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal sage ich zu einem Menschen, der in einer schwierigen Lage ist: Ich bete für dich. Mein Eindruck ist, dass das auch Leute gut finden, die nicht glauben. Und selbst tut es mir auch gut, wenn ich weiß, dass andere für mich beten. Aber was kann dir und mir Besseres geschehen, als dass Jesus selbst für uns betet? Vielleicht wendet jetzt einer ein: Aber Jesus hat doch damals nur für seine Jünger gebetet und nicht für uns heute. Ich lasse diesen Einwand nicht gelten. Was er seinen Jüngern gesagt hat, das sagt er heute zu dir und zu mir. Wir gehören genauso zu ihm wie jene. Wir haben es genauso nötig, dass Gott uns vor dem Bösen bewahrt wie jene. Wir sind genauso in dieser Welt mit all ihren Schmerzen und all ihrem Leid wie jene.
Jesus weiß das, was uns hier alles zustoßen kann. Er weiß auch, wie das Böse uns zusetzen kann: Krankheit und Streit, Lüge und Betrug, Verleumdung und Gewalt… Diese Welt ist beides: Wunderbar und schrecklich. Ich freue mich über all das Gute, das ich erlebe. Ich weiß aber, dass es auch die andere, die dunkle Seite gibt. Und deshalb bete ich ganz bewusst im Vaterunser diese Bitte: ‚Erlöse uns von dem Bösen.‘ Mir hilft es zu wissen, dass ich im Gebet immer eine Zuflucht habe, was auch geschieht. Und mir tut es gut, aus der Bibel zu erfahren, dass Jesus auch für mich betet – und für dich auch.

Gebet: Danke Herr, dass ich mit allem, was ich auf dem Herzen habe immer wieder zu dir kommen kann. Ich will aber nicht nur für mich beten, sondern auch für andere, die mein Gebet brauchen. So wie auch du nicht nur für dich zu unserem gemeinsamen Vater im Himmel betest, sondern für alle, die das brauchen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 13. August 2015

Die Kraft des Lobens hl

Losung: Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unbegreiflich ist, wie er regiert. Psalm 147,5

Lehrtext: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Römer 8,28

Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal muss man Gott einfach loben. Einfach so, auch ohne einen konkreten Anlass. Manchmal, irgendwann in der Woche oder irgendwann am Tag oder in der Nacht muss man Gott einfach loben. Damit vergewissert du dich, was für einen großartigen und wunderbaren Gott du hast, der sich um scheinbar so kleine Dinge kümmert wie um deinen Seelenkummer  und zugleich auch die größten Dinge regiert, wie die Milliarden Sterne und Galaxien im unermesslichen Weltraum. Lobe ihn, und du tauchst auf aus deinem Alltag, aus deiner augenblicklichen Stimmung, aus dem, was dich momentan innerlich gefangen nimmt. Lobe ihn, und dein Horizont weitet sich. Jedes Problem, das eben noch so groß schien, schrumpft vor Gottes Größe. Jede Macht, vor der du Angst hast, schmilzt vor seiner Kraft wie Schnee in der Sonne. So haben es die Israeliten damals erlebt. So kannst du es heute erleben. Und deshalb stimme in ihr Loblied im Psalm 147 mit ein und sage:
Halleluja - lobt den Herrn! Es ist gut, unserem Gott Loblieder zu singen; es macht Freude, ihn zu loben… 
Er heilt den, der innerlich zerbrochen ist, und verbindet seine Wunden. 
Er hat die Zahl der Sterne festgelegt und jedem einen Namen gegeben. 
Wie groß ist unser Herr und wie gewaltig seine Macht! Unermesslich ist seine Weisheit. (Losung)
Der Herr richtet die Erniedrigten auf und tritt alle, die sie unterdrückt haben, in den Staub. 
Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal muss man einfach dieses Bibelwort sagen: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen« (Lehrtext). Ich will es mir vor allem dann sagen, wenn mir nicht danach zumute ist, weil die Dinge in meinem Leben gerade furchtbar schief laufen. Das Wort erinnert mich, Gott trotzdem zu lieben und darauf zu hoffen, dass er die Situation zu meinen Gunsten verändert. Ich kann mit diesem Wort schwer einen anderen trösten. Auch Paulus, von dem es stammt, sagt es nicht anderen, sondern spricht von sich. Aber mich selbst kann dieses Wort trösten, wenn ich es mir zu eigen mache.

Gebet: Herr du weißt, was mich alles beherrscht, was meine Gefühle und Stimmungen beeinflusst, und dass ich mich dann manchmal klein und ohnmächtig fühle. – Und ich weiß, dass du regierst und alles in deiner Hand hast und auch das Schlimmste zum Guten wenden kannst. Darauf vertraue ich. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 12. August 2015

Gott dienen, befreit hl

Losung: So fürchtet nun den HERRN und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter und dient dem HERRN. Josua 24,14

Lehrtext: Ich möchte aber, dass ihr mit Klugheit das Gute wählt und mit Entschiedenheit euch vom Bösen abwendet. Römer 16,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

Du kannst ein überzeugter Prediger sein, oder ein Stadtrat, der Bestechungsgelder annimmt,
Du kannst in einem Friseursalon arbeiten und wissen, wie man die Haare schneidet,
Du kannst die Geliebte von jemandem sein oder du kannst erben,
Aber trotzdem musst du jemandem dienen.
Das mag der Teufel sein oder der HERR,
Aber du musst jemandem dienen - (klick): you‘re gonna have to serve somebody
So sang Bob Dylan Ende der siebziger Jahre. Stimmt das, haben wir Menschen nur die Wahl, entweder Gott zu dienen oder irgendwelchen Götzen, am Ende sogar dem Teufel? Können wir wählen zwischen Gut und Böse? Gibt es nicht noch eine dritte Möglichkeit, dass man einfach so dahin lebt, ohne Gott zu dienen oder irgendwelchen anderen Mächten und man nicht ständig wählen muss zwischen Gut und Böse? Fragen über Fragen, worüber sich schon viele Menschen den Kopf zerbrochen haben.
Viele möchten aber nicht wählen oder sich entscheiden müssen. Da würde man sich doch festlegen. Und wer will das schon. Losung und Lehrtext aber rufen mich auf, zu wählen und zu entscheiden, wem ich dienen will: dem lebendigen Gott oder irgendwelchen anderen Mächten, denen ich Macht über mich gebe. Doch so einfach ist das nicht zu beantworten. Wer oder was hat denn tatsächlich den größten Einfluss auf mein Leben? Ist das wirklich Gott oder gibt es da andere Dinge, nach denen ich mich richte? Meine Karriere zum Beispiel oder mein Hobby, das Geld oder der Alkohol, mein Ehrgeiz oder das Ansehen bei den Leuten?
Im Lehrtext fordert mich der Apostel Paulus auf, das Gute zu wählen und mich mit Entschiedenheit vom Bösen abzuwenden. Wo Gut und Böse leicht zu erkennen sind, ist das in der Regel kein Problem. Aber manchmal kommt das Böse in der Gestalt des vermeintlich Guten daher, so wie die Nationalsozialisten bei unseren Eltern und Großeltern.  Sie propagierten klare Werte, versprachen für Zucht und Ordnung zu sorgen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen sowie Kriminelle und Kommunisten in Lagern zu konzentrieren. Deshalb wurden sie auch von der großen Mehrheit der Christen gewählt. Doch je länger sie an der Macht waren, desto mehr zeigte sich das Böse in ihren Taten.
»Es mag der Teufel sein oder der HERR, aber du musst jemandem dienen.« – Ob diese Alternative so stimmt, soll jeder selbst entscheiden. Aber dieser Satz vom Bob Dylan lässt mich selbstkritisch fragen, wer denn wirklich mein Herr ist und mein Gott.

Gebet: Herr, wenn ich dir diene, darf niemand sonst mehr über mich herrschen. Dann bin ich frei in dieser Welt gegenüber allen Herren und Autoritäten in Staat, Gesellschaft und Kirche. Dann bin ich vor allem frei gegenüber meinen eigenen Neigungen, Interessen und Süchten. Dann muss ihnen nicht mehr nachgeben, sondern kann mich nach dir richten. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 11. August 2015

fest und entschlossen hl

Losung: Der HERR sprach zu Mose: Versammle mir das Volk, dass sie meine Worte hören und so mich fürchten lernen alle Tage ihres Lebens auf Erden und ihre Kinder lehren. 5.Mose 4,10

Lehrtext: Als Barnabas nach Antiochia gekommen war und die Gnade Gottes sah, wurde er froh und ermahnte sie alle, mit festem Herzen an dem Herrn zu bleiben. Apostelgeschichte 11,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer hat Sie /dich eigentlich den Glauben „gelehrt“? (Losung). Wer hat dich »ermutigt, fest und entschlossen in deinem Glauben an den Herrn zu bleiben«, wie es im heutigen Lehrtext in einer neuen Übersetzung (HFA) heißt? Also ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemals jemand persönlich dazu ermutigt hätte. Dass der Glaube wichtig sei, das hat man bestimmt so allgemein auch zu mir gesagt, zum Beispiel im Konfirmandenunterricht. Aber dass jemand mit mir allein darüber gesprochen und mir Mut gemacht hätte, in meinem Glauben an den Herrn zu bleiben, davon weiß ich nichts. Vielleicht wäre ich sonst schon viel früher fester in meinem Glauben geworden. Vielleicht.
   Nach wie vor herrscht in unserer Gesellschaft eine große Scheu davor, über den eigenen Glauben zu reden und auch andere zum Glauben einzuladen. Früher machten das vielleicht noch die Eltern oder Großeltern. Doch die fallen heutzutage weitgehend aus, weil sie selbst unsicher sind, was den Glauben betrifft und was sie an ihre Kinder oder Enkel weitergeben sollen. Das Ergebnis ist eine große Glaubenskrise in unserem Land. Aber ich will das nicht den Menschen anlasten, sondern will mich und meine Kirche kritisch befragen, ob wir, was die Vermittlung des Glaubens angeht, nicht zu defensiv, zu zurückhaltend, zu ängstlich und zu verschämt waren und sind.
   Mir wurde an der Universität noch beigebracht, in der Predigt weder ‚ich‘ noch ‚du‘ zu sagen. Nur ja nicht zu persönlich werden, war die Devise. Stattdessen sollte man lieber allgemein reden, am besten im Wir-Stil, so wie es der Komiker Otto Waalkes in seinem (klick) „Wort zum Montag“ karikiert hat. Aber der Glaube ist nun mal persönlich, oder er ist kein Glaube. Die Kirche hat keinen Glauben und kann nicht glauben, das kann nur jeder einzelne. Und der Glaube wird nicht vom Apfelbaum gepflückt, sondern wird persönlich durch glaubwürdige Personen vermittelt. Wer andere zum Glauben einladen will, muss von seinem eigenen Glauben sprechen wollen.
   Das versuchen meine Frau und ich in diesen Losungsauslegungen, aber auch in unseren Predigten. Manchen gefällt unser Stil nicht. Manchen bin ich zu direkt, nicht distanziert genug oder gar zu aufdringlich. Es stimmt schon, ich habe meine frühere Scheu abgelegt, von meinem eigenen Glauben zu reden und Menschen auch in der Predigt persönlich anzusprechen und zum Glauben zu ermutigen. Und das tue ich auch jetzt, wenn ich mich Barnabas anschließe und sage: „Ich ermutige dich, liebe Leserin, lieber Leser, fest und entschlossen in deinem Glauben an den Herrn Jesus zu bleiben.“ Fest und entschlossen? Ja, fest und entschlossen.

Gebet: Herr, es gibt so vieles, was mich in meinem Glauben unsicher machen will. Aber wenn ich mich dann frage „Was wäre die Alternative?“, so spüre ich deutlich, dass ich nichts anderes will, als dir ganz und gar vertrauen. Denn du hintergehst mich nicht und enttäuscht mich nicht. Auf dich kann ich mich verlassen. Und so bitte ich dich, mich im Glauben fest und entschlossen zu machen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 10. August 2015

Weniger ist mehr hl

Losung: Es ist dem HERRN nicht schwer, durch viel oder wenig zu helfen. 1.Samuel 14,6

Lehrtext: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Matthäus 6,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich muss mal wieder auf die Wegwarte zu sprechen kommen, eine meiner Lieblingsblumen. Sie ist für mich im wahrsten Sinn des Wortes ein blau leuchtendes Beispiel dafür, wie schön etwas sein kann, das doch zugleich so anspruchslos ist wie diese Blume am Straßenrand. In gewisser Hinsicht gilt das für die meisten der schönsten Wildblumen in unserem Land. Je mehr Gülle auf die Wiesen geklatscht wird, desto weniger Arten kommen mit dieser Überdüngung zurecht. Je mehr aber der Boden ausgemagert wird, je weniger Nährstoffe darin verbleiben, desto üppiger, artenreicher und schöner blüht es, desto mehr Insekten und Wildbienen finden auf solchen Wiesen Nahrung. Ob das ein Beispiel für unsere heutige Tageslosung ist, dass Gott auch durch wenig helfen kann? Ja, manchmal ist weniger mehr, vermutlich öfter als man glaubt.
Der Lehrtext nimmt auf die Angst von so vielen Bezug, zu kurz zu kommen. Sie ist einer der stärksten Motoren für Konsum, Maßlosigkeit und Streit bis hin zum Krieg. Jesus sagt: »Macht euch doch nicht dauernd darüber Gedanken, was ihr morgen essen und anziehen sollt. Schaut euch die Wildblumen an und die Vögel, die leben doch auch, obwohl sie nichts horten, bunkern und sammeln; denn ihr himmlischer Vater sorgt für sie. Seid ihr nicht mehr als Blumen und Vögel?! Lebt in dem Bewusstsein, dass Gott euch liebt und gebt diese Liebe weiter, dann werdet ihr alles bekommen, was ihr braucht, um ein zufriedenes, ja glückliches Leben führen zu können.« (Lehrtext)
Das wäre doch mal einen Versuch wert, ob wir für andere nicht schöner werden, wenn wir anspruchsloser sind und unsere Sorgen an Gott abgeben.

Gebet: Herr, einmal muss ich ohnehin alles wieder loslassen. Lass mich doch schon jetzt damit beginnen, damit ich freier und sorgloser, zufriedener und glücklicher werde. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 9. August 2015

Sei kein Chinese hl

Losung: Der HERR erforscht alle Herzen und kennt alles Sinnen und Trachten der Gedanken. 1.Chronik 28,9

Lehrtext: Wenn du betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Matthäus 6,6

Hallo lieber Chinese, liebe Chinesin,

Sie sind / du bist doch ein Chinese? Oder lässt du andere so mir nichts dir nichts in dein Herz schauen? In der Operette „Land des Lächelns“ singt der chinesische Prinz Sou-Chong:
»Auch wenn uns Chinesen das Herz auch bricht,
Wen geht das was an, wir zeigen es nicht.

Immer nur lächeln und immer vergnügt,
Immer zufrieden, wie's immer sich fügt.
Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen,
Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand etwas an.«
 
Sicher hast du auch schon tapfer gelächelt, obwohl dir gar nicht danach zumute war. Dabei würde dir das so gut tun, wenn du unverstellt einem anderen dein Herz ausschütten könntest ohne Angst haben zu müssen, dass er dein Vertrauen missbraucht.
Mit dem heutigen Losungswort haben Pfarrer und Erzieher und manchmal auch Eltern schon manchem Kind und Jugendlichen Angst gemacht nach dem Motto: Wenn schon wir Erwachsene dich nicht ständig kontrollieren können, Gott kann das. Er schaut dir ins Herz und kennt deine bösen Gedanken. Doch in diesem Bibelwort geht es nicht um Kinder oder Jugendliche, sondern um den von Gott erwählten König Salomo. Er soll Gott ehren, ihm dienen und ihn suchen. So wird sich Gott finden lassen und dem König beistehen. Von Kontrolle keine Spur.
Nein, niemand muss Angst haben, der sein Herz Gott öffnet. Im Gegenteil. Er kennt mich doch. Ich brauche ihm nichts vorzumachen, muss ihn nicht anlächeln »trotz Weh und tausend Schmerzen«, wenn mir nicht danach zumute ist. Ich kann vor ihm sein wie ich bin, kann vor ihm schwach sein, kann ihm mein Versagen nennen und meine Schuld bekennen. Und er wird mir helfen, mir vergeben und mich heilen.
Manchmal ist es hilfreich, wenn ich mich dazu an einen Ort zurück ziehe, wo ich mit meinem Gott allein bin, wo ich die Tür hinter mir zu machen und sogar abschließen kann. So ein äußerer Rückzug hilft, sich Gott rückhaltlos zuzuwenden. Danach kannst du wieder gestärkt unter die Menschen gehen, mit denen du zusammenlebst und arbeitest.

Gebet: Mein Gott und Vater im Himmel, so viele brauchen deine Hilfe und nicht wenige von ihnen mehr als ich. Und trotzdem bitte ich dich, dass du auch mir hilfst, mit meinem Leben und meinen Mitmenschen zurechtzukommen. Wie es in mir aussieht, soll dich durchaus etwas angehen. Darum schau in mein Herz und heile es mit deinem gütigen Blick. Amen

Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag!

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 8. August 2015

Ausgebreitete Arme hl

Losung: Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: »Auf und hilf uns!« Jeremia 2,27

Lehrtext: Christus spricht: Bleibt in meiner Liebe! Johannes 15,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass sich hierzulande die Kirchen in einer schweren Krise befinden, pfeifen die Spatzen längst von den Dächern (z.B. SZ,7.8.15, S. 6). Dafür gibt es viele Gründe. Einer der gewichtigsten ist, dass viele, vor allem jüngere in unserer Wohlstandsgesellschaft Gott und die Kirche nicht zu brauchen scheinen. Es geht einem doch auch so gut. Wozu dann Gott? Hätten wir wieder eine schlechte Zeit ähnlich der im letzten Krieg und in den entbehrungsreichen Jahren danach, wären – wie damals – die Kirchen auch wieder gut besucht. So sagt es mancher Pfarrer, manche Pfarrerin. Und da ist auch etwas dran. Aber man kann doch den Menschen nicht das Elend an den Hals wünschen, nur damit die Kirchen wieder voller werden.
Ein ähnliches Phänomen wie heute gab es auch bereits zur Zeit des Alten Testamentes. Da klagt Gott in den Worten seines Propheten Jeremia über sein wetterwendisches Volk (Losung). ‚Not lehrt beten‘, sagt man. Das gilt auch für die Not des Einzelnen in einer sonst satten Gesellschaft. Wer große gesundheitliche, familiäre oder finanzielle Probleme hat, besinnt sich eher wieder auf Gott und sucht nach seiner Hilfe. Ist das charakterschwach?
Jedenfalls weiß ich so viel von Gott aus der Bibel, dass er niemanden abweist, der sich auch nach längerer Abkehr wieder an ihn wendet. Ich würde vielleicht sagen: ‚Du hast mich bisher nicht gebraucht, jetzt sieh zu, wo du Hilfe kriegst. Von mir jedenfalls nicht.‘ Aber Gott ist keine beleidigte Leberwurst. Er breitet für jeden seiner verlorenen Söhne und für jede seiner verlorenen Töchter die Arme aus und freut sich, wenn sie zu ihm zurück finden (Lukas 15,11-24).
Damit es gar nicht erst so weit kommt, damit ich mich nicht erst in der Welt verlaufe, um dann im Notfall mühsam wieder zu Gott zurückzufinden, legt mir Jesus ans Herz, in seiner Liebe zu bleiben. Irgendwie wäre es ja auch dumm, gerade ihm die kalte Schulter zu zeigen. Denn was gibt es Schöneres, als geliebt zu werden? (Lehrtext)

Gebet: Herr, wie gut, dass du mich mehr liebst als deinen Stolz. Selbst wenn ich von dir abtrünnig geworden bin, wartest du geduldig, dass ich zurückkomme und nimmst mich wieder mit Freuden auf. Lass deine Arme ausgebreitet für mich und alle, die auf dem Weg zu dir sind. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 7. August 2015

Biblisches Kommunikationstraining ebl

Losung: Samuel sprach zu Saul: Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat. 1.Samuel 9,27

Lehrtext: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jakobus 1,19

Liebe Leserinnen und Leser,
Samuel, so etwas wie ein ‚Sprachrohr Gottes‘, soll einen auffallend attraktiven (siehe 1. Sam. 9, 2 J) jungen Mann zum König über das Volk Israel bestimmen, indem er ihn salbt, ihm also Öl über die Stirn gießt und ihm seine künftige Aufgabe mitteilt. Praktischerweise kommt es zwischen den beiden bald darauf zum ersten Zusammentreffen in der Stadt Zuf. Nachdem sie gemeinsam sehr gut bei einem Opferfest gegessen haben ( - sicher hat Samuel den Kandidaten da heimlich genau unter die Lupe genommen - ) kommt der entscheidende Moment. Ehe jeder seiner Wege geht, nimmt Samuel den jungen Mann beiseite. „Bleib stehen und hör mir genau zu. Ich sage dir jetzt, wie Gott sich deinen weiteren Weg vorstellt.“

Wow. Eine genaue Routenplanung. Dafür würde wohl jeder von uns stehenbleiben und wäre ‚ganz Ohr‘. Oder?

Wann hören wir in Ruhe jemandem zu? Ohne dabei etwas anderes zu tun? Ganz still? Ganz aufmerksam – nicht nur gegenüber der Stimme des anderen, sondern auch aufmerksam im Blick auf seinen Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung? So würden wir ja neben dem Gesprochenen auch das Unausgesprochene ‚hören‘, das oft so wichtig ist.

Nähmen wir dann noch ernst, was Jakobus im heutigen Lehrtext schreibt, dann kämen wir alle gut gemeinsam aus: „Seid immer sofort bereit, jemandem zuzuhören; aber überlegt genau, bevor ihr selbst redet. Und hütet euch vor unbeherrschtem Zorn!“

Gebet: Herr, lass uns die Chancen sehen, die in einem guten Gespräch mit einem anderen liegen können. Gib uns immer wieder die nötige Ruhe zu einem gelassenen Austausch mit anderen. So öffnest du uns neue Perspektiven auf uns selber, auf unser Leben und manchmal auch auf die großen Zusammenhänge. Danke für diesen alltagstauglichen Impuls, Herr. Amen.

Gute Erfahrungen mit einer biblisch inspirierten Kommunikationskultur wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 6. August 2015

Wer ist schon gern freiwillig der Sündenbock? ebl

Losung: Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben.
Jesaja 53,11

Lehrtext: Jesus Christus erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht.
Philipper 2,8-9

Liebe Losungsgemeinschaft,
den Mechanismus, dass wir für eine Sache, die schief geht, so schnell wie möglich einen Sündenbock suchen und diesen dann abstrafen, kennen wir alle. Vielleicht sind einige unter uns, die genau das auch schon selber erlebt haben: Sie mussten den Kopf hinhalten für etwas, das sie gar nicht selber verschuldet haben und damit war  ‚Ruhe in der Kiste‘.

Ein solcher Sündenbock ist Jesus. Was er tut für unsere Welt, wird schattenhaft deutlich im so genannten ‚Gottesknechtslied‘, aus dem die heutige Losung ein Teil ist. Dort heißt es: „Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, (…) duldete er alles schweigend, ohne zu klagen.“ (Jesaja 53, 7 nach der ‚Gute Nachricht Bibel‘).

Doch stopp – ein kleines Detail ist wichtig: Sowohl dieser ‚Gottesknecht‘ als auch Jesus unterscheiden sich von einem Sündenbock in einem ganz wesentlichen Punkt: Sie entscheiden selbst und nehmen diese Last bewusst auf sich.  (Siehe Lehrtext.) Um der anderen Menschen willen. Und da sind wir in unserem Nachvollziehen und logischen Verstehen wiederum schnell an einer Grenze. Warum das so ist und so sein muss – das weiß Gott allein.

Doch sicher ist auch: Der Weg des Gottesknechts geht so gewiss ins Licht wie Jesus von den Toten auferstanden ist und verherrlicht wurde. „Nachdem er so viel gelitten hat, wird er wieder das Licht sehen und sich an dessen Anblick sättigen“ – heißt es voller Zuversicht in der Losung.

Gebet: Vater, wir wüssten nicht, wohin mit all dem Verbogenen, Verfehlten in unserer Welt. Wir könnten die Schuld, die dadurch entsteht, nie tragen oder dir gegenüber irgendwie gut machen. Du selber nimmst das in die Hand. Du leidest um unseretwillen. Du bist freiwillig der Sündenbock für alles. Du nimmst es auf dich in Jesus, deinem Sohn. Danke dafür. Verstehen können wir den Weg, den du mit deiner Welt gehst, nicht. Aber ihn dankbar annehmen. Amen.

Herzlich grüßt dich und Sie

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 5. August 2015

Was Gott unmöglich ist hl

Losung: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? 1.Mose 18,14

Lehrtext: Fürchte dich nicht, glaube nur! Markus 5,36

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist Gott wirklich alles möglich? Es gab Zeiten, da haben sich Theologen tatsächlich mit solchen Fragen herumgeschlagen wie: ‚Ist es Gott möglich, einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann?‘ Auf diese Weise haben sie etwas herausgefunden, was Gott unmöglich ist: entweder einen solchen Stein zu erschaffen oder ihn zu heben.
Heute können wir über solche Fragen lachen, weil sie am Sinn des Glaubens komplett vorbei gehen. Denn Glaube und menschliche Logik sind verschiedene Dinge, die verschiedene Sichtweisen der Wirklichkeit betreffen.
Nein, Gott ist nichts unmöglich. Frauen, die keine Kinder mehr zu bekommen schienen, wurden wider Erwarten doch noch schwanger und haben ein gesundes Kind zur Welt gebracht wie Sara, die Frau Abrahams, den Isaak (Losung). Ich kenne Frauen aus unserer Zeit, die das ganze medizinische Programm durchlaufen haben, um endlich ein Kind zu bekommen. Und als alles nichts gebracht hat und sie aufgegeben haben, da wurde sie doch schwanger. Vielleicht mag das für Außenstehende nichts Besonderes sein. Für die betreffenden Frauen aber war das ein Wunder Gottes.
Entscheidend ist nicht, ob ein Phänomen wissenschaftlich erklärt werden kann, sondern wie ich es selbst erlebe und in Beziehung zu Gott sehe. Für mich ist mein eigenes Leben und das meiner Angehörigen, ja letzten Endes das Leben überhaupt ein Wunder. Für mich ist unser Gehirn ein Wunder, mit dessen Hilfe wir das Leben wissenschaftlich erforschen können. Für mich ist es ein Wunder, dass Gott mich bis zu diesem Tag durch gute und schlechte Zeiten, durch Höhen und Tiefen, durch Krankheiten und Gefahren gebracht hat. 
Nein, Gott ist nichts unmöglich. Wo ich mit meinen Möglichkeiten am Ende bin, fangen seine erst an. Darum habe ich keinen Grund zu resignieren, wenn ich nicht mehr weiter weiß oder wenn etwas aus meiner Sicht aussichtslos zu sein scheint. Ich kann mich vertrauensvoll an ihn wenden, dass er hilft, wie nur er helfen kann. Nicht immer erfüllt er mir die Bitte, die ich ihm vortrage. Aber oft schon, und wenn es am Morgen die Bitte ist, dass er mich und die Meinen den Tag über behüten möge. Darum ist die Frage, ob Gott etwas unmöglich ist, falsch gestellt. Vielmehr geht es um die Frage, ob Gott das will, was ich will und um die Antwort, dass ich will, was er will.
"Sollte Gott etwas unmöglich sein?" Ja, etwas gibt es. Er kann dich nicht vergessen (Jesaja 49,15). Denn es ist unmöglich, dass du ihm nicht wichtig bist.

Gebet: Herr, der sicherste Ort in Raum und Zeit ist dein Wille. Denn letzten Endes geschieht nur, was du willst und was gut für mich ist. Darum bin ich in deinem Willen geborgen, auch wenn ich ihn nicht immer verstehe oder wenn es schwer für mich ist, ihn anzunehmen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 4. August 2015

Seine Weisheit toppt alles. ebl

Losung: Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Jesaja 40,28

Lehrtext: Dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit!
Römer 16,27


Liebe Leserin, lieber Leser,
heute muss ich euch bitten, dass ihr eure Bibeln selber zur Hand nehmt, dort das Buch des Propheten Jesaja im Alten Testament aufschlagt und vom Vers 12 an bis zum Vers 30 lest. Ein demütiges und zugleich begeistertes Lob der Macht und Möglichkeiten Gottes ist da zu finden: „Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt.“ Das sind nur ein paar wenige der vielen Bilder, die sich dort finden.

Dazu brauche ich nicht viel zu erklären. Ob wir die Macht Gottes anerkennen, an sie glauben und auf sie als eine positive Kraft setzen, muss jeder von uns selbst entscheiden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich in unserem Leben individuell entfalten kann. Paulus hat’s getan und kann aufgrund persönlicher Lebenserfahrungen aus tiefster Überzeugung sagen: „Ihm, dem allein weisen Gott, gehört die Herrlichkeit durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen.

Gebet: Vater, ich glaube, dass du Schöpfer des Himmels und der Erde und ‚Vater‘ für uns bist. Ich will dich ehren in deiner Allmacht und vertraue darauf, dass du das Beste für jeden von uns bereit hast. Deine Weisheit ‚toppt‘ einfach alles. Danke, Herr. Amen.



Zeit zum Genießen der Sommertage und herzliche Grüße!

Eure / Ihre Elfriede Bezold-Löhr





Montag, 3. August 2015

Sonnenaufgang ebl

Losung: Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.
Sprüche 4,18

Lehrtext: Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Matthäus 5,16

Liebe Leserin, lieber Leser,
„wer Gott gehorcht, dessen Leben gleicht einem Sonnenaufgang: Es wird heller und heller, bis es lichter Tag geworden ist.“ So übersetzt die Bibelversion ‚Hoffnung für alle‘ die heutige Losung.
Sie malt ein Bild, das mich stark anspricht. Ein Sonnenaufgang hat immer etwas Hoffnungsvolles. Licht tröstet und macht Mut. Ansprechend für mich ist auch dies, dass es beim Sonnenaufgang nicht schlagartig hell wird, sondern nach und nach. Aus einem ersten, kaum wahrnehmbaren Schimmer wird am Ende strahlende Helle. Leben nach dem Willen Gottes ist dem vergleichbar: Es ist anfangs ein vorsichtiges ‚Sich-weiter-Tasten‘, oft ein Suchen, der Entwurf von Lebensschritten im Vertrauen auf Gott, der mitgeht. Am Schluss mündet unser Weg in die vollkommene Gemeinschaft mit Gott.

Doch es gilt auch: Wer als Christ leben will, hat unserer Gesellschaft etwas zu geben. Es wäre mehr als schade, wenn es ihm peinlich wäre oder er sich dessen schämt. Ganz im Gegenteil: Ansteckend gelebtes Christsein hat etwas sehr Anziehendes und bewirkt viel Segen. Wie schreibt Matthäus im Lehrtext? „Man zündet keine Öllampe an und stellt sie dann unter einen Eimer. Im Gegenteil: Man stellt sie so auf, dass sie allen im Haus Licht gibt. Genau so soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Sie werden eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel dafür loben.“ Weil es in unserem Alltag etwas zum Guten verändert.

Gebet: Herr, danke für dieses positive Bild, das mich in die neue Woche begleitet. Ich möchte ein Sonnenaufgang sein. Ich will nach deinem Willen leben, auch wenn ich dabei  immer wieder an Grenzen stoße. Als deine Kinder haben wir unserer Gesellschaft viel zu geben. Mach du es möglich, Gott, dass wir überzeugend für ein Leben mit dir werben – in dem, was wir denken und wie wir reden und wie wir handeln. Amen.

Herzliche Grüße und den nötigen Schwung für die neue Woche, wo es noch nicht ‚Ferien!‘ heißt.

Elfriede Bezold-Löhr






Sonntag, 2. August 2015

Die wahre christliche Gemeinde hl

Losung: Sie sollen mein Eigentum sein, und ich will mich ihrer erbarmen, wie ein Mann sich seines Sohnes erbarmt, der ihm dient. Maleachi 3,17

Lehrtext: Christus hat die Gemeinde geliebt und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Epheser 5,25-26

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinen Sie / was meinst du? Welche Gemeinde ist die wahre christliche Gemeinde: Eine katholische, eine lutherische, eine reformierte, eine freikirchliche, eine altkatholische, eine orthodoxe…? Vermutlich denkst du zunächst mal an deine eigene. Gut, das ist die menschliche Sichtweise. Doch welche Gemeinde ist in den Augen Gottes, in den Augen Jesu die wahre christliche Gemeinde?
Der vielleicht größte Fehler, den man jetzt machen kann, wäre, die eine Gemeinde oder Kirche mit anderen zu vergleichen. Denn eine Gemeinde, egal welcher Konfession, ist keine wahre christliche Gemeinde, sondern sie wird immer wieder neu dazu, wenn sich ihre Mitglieder, ganz gleich zu welcher Konfession sie gehören, entsprechend verhalten. Anders gesagt, die Gemeinde Jesu ist nicht statisch, sondern existiert dynamisch.
Aus dem Zusammenhang, in dem die heutige Losung steht, geht hervor, dass eine Gemeinschaft von Menschen dann Gott gehört, wenn sie ihm die Treue hält. Und im heutigen Lehrtext geht es darum, dass eine christliche Gemeinde ausschließlich ihrem Herrn Jesus Christus gehört, der sie so liebt, dass er sein Leben für sie gab.
Wer Gott die Treue hält, versucht nach seinen Geboten zu leben. Und wer Christ sein will, bekennt Jesus Christus als seinen Herrn, dient ihm in den Mitmenschen voll Hingabe und hat allein durch ihn eine Beziehung zu Gott. So jedenfalls verstehe ich die Bibel. Das gilt für den Einzelnen wie für eine Gemeinschaft. Und darum ist es meines Erachtens in Gottes Augen egal, ob eine Gemeinde katholisch, lutherisch, reformiert, freikirchlich, orthodox usw. ist, wenn sie nur so lebt, wie Losung und Lehrtext sagen.

Gebet: Herr, du suchst dir deine Menschen aus allen Gemeinden und baust mit denen, die dir treu sind und dich lieben deine unsichtbare Kirche. Gib auch mir die Kraft und den Glauben, so zu leben, dass ich deiner Kirche würdig bin. Amen
  
Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 1. August 2015

Der Weichensteller hl

Losung: Gott ist Richter, der diesen erniedrigt und jenen erhöht. Psalm 75,8

Lehrtext: Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. Offenbarung 16,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

so ist es, so wie Losung und Lehrtext sagen. Erst macht Gott Saul zum König, und dann sitzt David auf dessen Thron. In unserer Zeit verliert der langjährige, unangreifbar scheinenden ägyptischen Staatspräsident Mubarak alle Macht und General Sisi hat das Sagen. In demokratischen Gesellschaften ist es der Normalfall, dass Politiker erst in hohe Ämter gewählt und dann auch wieder abgewählt werden wie das zuletzt bei Bundeskanzler Schröder der Fall war.
Hatte und hat bei alledem Gott seine Hände im Spiel?
Mit Sicherheit geschieht nichts ohne seinen Willen. Aber ich kann nicht sagen, warum einmal dieses und einmal jenes geschieht. Ich weiß ja nicht, welche langfristigen Folgen solche Machtwechsel haben. Ich vertraue aber darauf, dass Gott nicht willkürlich handelt, sondern weiß, was er tut, dass seine Entscheidungen (Gerichte) wahrhaftig und gerecht sind (Lehrtext).
Das ist mir besonders im Hinblick auf mein eigenes Leben wichtig. Auch da verstehe ich nicht immer, warum es so oder so verlaufen ist, warum ich diese Höhen aber auch diese Tiefen erlebt habe. Natürlich frage ich mich zuerst nach meinen eigenen Anteilen, was ich selbst dazu beigetragen habe, dass ich jetzt da bin, wo ich bin. Aber sind nicht auch meine Entscheidungen, meine Bemühungen, meine Erfolge und Niederlagen ein Teil von Gottes Plan?
Jedenfalls ist es tröstlich, dass Gott sich nicht aus meinem Leben komplett zurückzieht und mich nun mal machen lässt, sondern weiterhin dabei ist und die entscheidenden Weichen stellt.

Gebet: Herr, du hast mir Verantwortung für mein Leben gegeben. Ich soll nach bestem Wissen und Gewissen, nach deinem Willen und im Vertrauen auf dich meine Entscheidungen treffen. Doch Gott sei Dank korrigierst du mich auch immer wieder und führst mich auf Wege, die ich allein nicht gefunden hätte. So soll es auch in Zukunft sein bis ich am Ziel bin bei dir. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr