Sonntag, 20. November 2016

Zwischen Zeit und Ewigkeit (Predigt) hl

Lichtblickgottesdienst am Ewigkeitssonntag 2016 von Hans Löhr
Liebe Freunde,
wir haben ein Versprechen. Wie ein Regenbogen steht es über unserem Leben vom Anfang bis zum Ende. Wir haben keinen Beweis, keine Gewissheit. Wir haben nur dieses Regenbogen-Versprechen. Mehr nicht. Aber immerhin, besser als nichts. Gott verspricht uns: Ich bin da! Nimm mich beim Wort und glaube mir.
Er sagt: Ich war da, als dein Leben begann. Ich war da, als du das Licht der Welt erblicktest. Ich war in deiner Kindheit da und in deiner Jugendzeit. In deinen besten Jahren. Ich bin auch da, wenn du älter wirst und wenn du alt bist. Ich war und ich bin da, auch wenn du es gar nicht merkst, weil du mit dir und anderen Dingen beschäftigt bist. Ich bin da, wenn es dir schlecht geht und wenn es dir gut geht. Ich bin und bleibe da, wenn du wieder von dieser Erde gehst. Deine Lieben bleiben dann zurück. Doch ich gehe mit. Ich gehe mit dir durch das Tal des Todes. Ich bringe dich wieder heim zu mir, wo alles begonnen hat und alles vollendet wird. Ich werde nicht von deiner Seite weichen und es gibt nichts, was dich von meiner Liebe trennen kann: Kein Mensch, kein Unglück, keine Gewalt, keine Schuld, keine finstere Macht und auch nicht der Tod. Ich bin da! Das war so. Das ist so. Das bleibt so. Darauf kannst du dich verlassen.
Dieses Versprechen habt bitte im Sinn, wenn ich euch jetzt erzähle, was gestern geschehen ist:
10:15 Uhr. Mein Telefon klingelt. Ein alter Freund fragt mich, ob ich Zeit hätte. Seine Mutter ist im Krankenhaus und liegt im Sterben. Die Ärzte sagen, dass es jederzeit zu Ende sein kann. Ich sage zu und mache mich auf den Weg. Es regnet. Mein Freund ist überzeugter Atheist, aber nicht fanatisch. Aber er bittet mich, mit seiner Mutter zu beten. Auch wegen einer solchen inneren Einstellung ist er mein Freund.
Ich kenne die Frau. Erst letztes Jahr bin ich mit ihr und ihrem Sohn im Auto mitgefahren. Wir haben uns lang und gut unterhalten. Dabei hat sie mir viel aus ihrem Leben erzählt.
Sie liegt im Einzelzimmer. Ihre beiden Söhne und eine Ärztin sind bei ihr. Man erklärt ihr geduldig, was alles gemacht werden kann und dass ihr gegen die starken Schmerzen geholfen wird.
Als die Ärztin gegangen ist, setze ich mich zu der Frau ans Bett. Sie erkennt mich sofort und begrüßt mich mit meinem Namen. Ich halte ihre Hand und dabei plaudern wir erst einmal miteinander. Wir lachen auch mal zwischendurch. Dann sagt sie plötzlich: „Sie sehen immer noch gut aus.“ Als ich das später daheim am Mittagstisch erzähle, sagt meine 13-jährige Tochter auf ihre trockene Art: Wahrscheinlich war sie schon blind.
Die Frau ist 95, sowie meine Mutter jetzt auch wäre, die vor 6 Jahren gestorben ist. Der nahe Tod hat seine Spuren auf ihr Gesicht gezeichnet. Doch ihr Geist ist klar. Sie sagt: "Ich möchte, dass es jetzt schnell geht. Die Zeit ist da und ich bin bereit.“
Sie freut sich, dass ihre beiden Söhne da sind und sagt: "All das Gute, das ich gegeben habe, kommt jetzt wieder zu mir zurück." Von meinem Freund, bei dem sie in den letzten Jahren gelebt hat, sagt sie: "Jetzt muss ich ihn allein lassen." "Nein, nein", sagt er, "ich hab doch meinen Bruder und meine guten Freunde." Und ich ergänze: "Wir passen schon auf ihn auf, dass er keine Dummheiten macht."

Dann frage ich sie, ob ich ihr ein Lied vorsingen soll. Das gefällt ihr. Ich singe, was heute, am
Ewigkeitssonntag in vielen Kirchen gesungen wird:
»Wir warten dein, o Gottes Sohn
und lieben dein Erscheinen.
Wir wissen dich auf deinem
Thron und nennen uns die Deinen.
Wer an dich glaubt,
erhebt sein Haupt
und siehet dir entgegen.
Du kommst uns ja zum Segen.«
Die Melodie verklingt. Frieden breitet sich aus. Ich nehme ihre Hand in meine beiden Hände und bete: „Ewiger Gott, barmherziger Vater, du hast uns versprochen bei uns zu sein. Darauf vertrauen wir. Du warst bei uns am Anfang unseres Lebens. Du hast in all den Jahren bis heute deine segnende und schützende Hand über uns gehalten. Du bist auch bei uns, wenn wir wieder von dieser Welt gehen und bringst uns heim zu dir, wo alles begonnen hat und alles vollendet wird. So sind wir geborgen in deiner Liebe, von der uns nichts trennen kann.“
Dann bete ich den 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Ich bete noch immer allein. Die anderen hören mir zu. Doch als ich bei der zentralen Zeile dieses Psalms angekommen bin, bei den wichtigsten Worten der ganzen Bibel und meines Glaubens, da betet die Sterbende mit: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“
Das Vaterunser beten wir dann alle gemeinsam. Auch mein Freund betet mit. Als wir am Schluss ankommen, ist es mir, als würden die letzten Worte zu leuchten beginnen und wir sagen langsam und mit Bedacht: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“
Dann segne ich die Sterbende und sage das Bibelwort: „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Mit meinem Daumen zeichne ich ihr das Kreuzzeichen auf die Stirn. Ihre Gesichtszüge entspannen sich als sie die Worte hört: „Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!“
Sie hat die Augen geschlossen und liegt friedlich in den Kissen. Einige Augenblicke ist es still im Zimmer. Niemand sagt etwas. Niemand bewegt sich. Dann öffnet sie wieder die Augen und sagt: „Danke.“
Sie ist jetzt sehr müde. Die starken Medikamente tun ihre Wirkung. So verabschiede ich mich von ihr und verlasse das Zimmer.
Mein Freund geht mit hinaus. Wir reden noch ein paar Worte miteinander. Ich sage: „Schön, dass ihr beide eure Mutter jetzt nicht allein lasst. Das tut euch allen gut. Aber gönnt euch immer wieder mal eine Pause. Geht beide zwischendurch mal aus dem Zimmer. Trinkt einen Kaffee. Auch die Mutter will mal ein bisschen allein sein. Und oft sind es gerade solche Augenblicke, wo dann ein Mensch loslassen und gehen kann, wenn kein anderer da ist, der ihn festhalten will. Und noch was“, sage ich, „wenn sie dann gestorben ist und ihr seid bei ihr, dann klingelt nicht gleich nach der Schwester und ruft nicht nach einem Arzt. Nehmt euch Zeit, nehmt sie noch mal in die Arme, redet mit ihr, streichelt sie, nehmt Abschied so lang ihr wollt. Danach könnt ihr immer noch das Personal rufen.“
Mein Freund sagt noch ein paar persönliche Worte. Wir umarmen uns und ich gehe zum Treppenhaus. Gott bleibt.
Draußen regnet es noch immer. An der Einmündung zum Krankenhaus hat es einen Auffahrunfall gegeben. Man wartet auf die Polizei, dass sie alles regelt. Das Leben geht weiter.
Wir haben ein Versprechen, liebe Freunde. Wie ein Regenbogen steht es über unserem Leben und reicht vom Anfang bis zum Ende. Mehr haben wir nicht. Doch es ist Sein Versprechen, da Gott sagt: Ich bin da! Er hat die Kraft es zu halten. Wir haben die Wahl, ihm zu glauben.
Amen

Foto: en.wikipedia.org

Samstag, 19. November 2016

Gottvertrauen macht frei hl

Losung: Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Jesaja 8,19

Lehrtext: Wer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. 1.Korinther 6,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

möchtest du wissen, was die Zukunft bringt? Dann wärst du nicht allein. Viele in unserer Gesellschaft versuchen das herauszubekommen durch Kartenlegen, Tischrücken, Hellseherei oder Totenbeschwörung. Vermutlich ist man als jüngerer Mensch dafür noch anfälliger. Aber je älter man wird, desto mehr weiß man, dass noch niemand etwas über die Zukunft herausbekommen hat. Allerdings tragen wir alle dazu bei, durch unser Verhalten in der Gegenwart zukünftige Entwicklungen festzulegen. Oft sind das dann negative Folgen. Ein starker Raucher zum Beispiel weiß, was ihm blüht. Vom Klimawandel hat inzwischen jedes Kind gehört.
Aber natürlich gibt es auch positive Folgen. Die weltweite wirtschaftliche, technologische und medizinische Entwicklung hat dazu geführt, dass in den letzten Jahrzehnten Hunderten von Millionen Menschen der Ausbruch aus Hunger, Krankheit, Elend und damit auch aus einem frühen Tod gelungen ist. Der Kampf gegen die weltweite Armut ist eine große Erfolgsgeschichte geworden. Allerdings unterschätzen bei Umfragen 99 % (!) der Deutschen diesen Erfolg. Fast alle haben wir die Bilder von Elend und Not im Kopf und keinen Blick für die neuen Mittelschichten, die auf der ganzen Welt, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern heranwachsen (Quelle: u.a. Oxfam (1) und Süddeutsche Zeitung, 2016, Nummer 262, Seite 24).
Doch zurück zu dir und zu mir. Ich will nicht wissen, was mir die Zukunft bringt. Was hätte ich davon? Wüsste ich, welches Leid mich noch erwartet, könnte ich jetzt nicht mehr ruhig leben. Wüsste ich, dass ich in der Zukunft großes Glück erleben werde, würde mir das vielleicht zu Kopf steigen und ich könnte ich vor lauter Ungeduld die Gegenwart nicht mehr schätzen. 
Meine Zukunft, auf die ich Einfluss nehmen kann, ist der morgige Tag. Wie ich den plane und angehe, entscheidet darüber, wie ich ihn erlebe. Aber auch das ist nicht gewiss. Ich kann nun mal nicht um die nächste Ecke schauen. Ich kann zwar planen, aber wie es dann wirklich kommt, liegt letztlich nicht in meiner Hand.
Und das ist gut so. Weil ich von der Zukunft nichts weiß, bin ich frei für die Gegenwart und kann mich ganz dem zuwenden, was jetzt ist, was ich in diesem Augenblick tue oder lasse. Nicht zuletzt deswegen will ich von allen möglichen Wahrsagereien und Beschwörungen nichts wissen. Mich würde das nur abhängig machen und meine Freiheit beschränken.
Meine Freiheit gründet in meinem Gottvertrauen. Ich glaube, dass Er alles in der Hand hat, Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit und somit auch mein kleines Leben und was mit mir werden soll. Im Glauben sage ich: »Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden«. Er wird‘s so machen, wie es letzten Endes für mich gut ist. Im Glauben versuche ich in seinem Geist zu leben (Lehrtext) und Tag für Tag das beizutragen, was in meinen Kräften steht.

Gebet: Herr, ich versuche heute so zu leben, dass es mir morgen gut geht. Aber nicht ich lege meinen Weg fest, sondern du. Du lenkst meinen Schritt durch gute und schlechte Zeiten. Du allein weißt wie es mit mir weitergeht. Und weil du kein blindes und dunkles Schicksal bist, sondern mein himmlischer Vater, vertraue ich mich und alle, die mir am Herzen liegen, dir an. Das macht mich frei, heute nach bestem Wissen und Gewissen zu leben. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

(1) Oxfam = Oxforder Komitee zur Linderung von Hungersnot

Freitag, 18. November 2016

Mit dem Gesicht zur Wand hl

Losung: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Jesaja 38,14

Lehrtext: Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Hiskia, der König von Juda, wurde todkrank. Und der Prophet Jesaja kam zu ihm und sprach: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, mach dein Testament, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. Da drehte sich Hiskia zur Wand und betete zum Herrn.  Und Hiskia weinte sehr: „Mein Leben gleicht einem Zelt, das abgebrochen und weggetragen wird. Es ist wie ein Tuch, das zu Ende gewebt wurde. Du schneidest seine Fäden ab, mit denen es am Webstuhl hing. Tag und Nacht spüre ich, dass du meinem Leben ein Ende machst. Bis zum Morgen versuche ich ruhig zu bleiben, aber du überfällst mich wie ein Löwe, der alle meine Knochen zermalmt. Meine Stimme ist dünn und schwach wie das Zwitschern einer Schwalbe. Mit fiebrigen Augen starre ich nach oben; ich bin am Ende, Herr, komm mir doch zu Hilfe! (Losung)« 
So hat der damals mächtigste Mann im Staat gebetet. Jetzt war er ohnmächtig. Sein ganzes Geld, seine Minister, sein Militär – nichts konnte ihm helfen. Er war seiner Krankheit ausgeliefert. Er war, so verstand er das, Gott ausgeliefert. Denn auch seine Krankheit und der bevorstehende Tod musste ja mit ihm zu tun haben, dem Herrn über Leben und Tod, dem Allmächtigen. Warum? Für diese Frage war es zu spät. Das einzige, was dem König blieb, war, dass er sein Leid Gott klagte, dass er eingestand „ich bin am Ende“, dass er Gott um Hilfe bat wie ein Bettler.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen sich auch heute im Krankenzimmer zur Wand drehen und weinen. Einmal kommt die Zeit, da jeder am Ende ist. Da kein Mensch mehr helfen kann, weil auch Ärzte keine Wunder vollbringen können. Und dann steht die Frage vor dir: ‚Was jetzt?‘ Wohl dem, der dann die Wand nicht verzweifelt und stumm anstarren muss. Wohl dem, der dann sein Leid Gott klagen und sagen kann: „O Gott, hilf mir.“ Mehr braucht es nicht. Denn manchmal, so sagt es der Lehrtext heute, »wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen! Deshalb tritt der Geist Gottes für uns ein, er bittet für uns mit einem Seufzen, wie es sich nicht in Worte fassen lässt.« 
Ob Gott dann hilft? Wer kann das sagen? Vielleicht ist das ja schon eine kleine Hilfe, dass ich mich ihm im Gebet anvertrauen und mein Leben in seine Hände legen kann. Aber wenn er mich ruft, muss ich gehen. Hoffentlich weiß ich das dann und halte mich daran fest, dass er es ist, der ruft. Woran halten sich dann andere fest, die nicht wissen und nicht glauben, wer sie ruft und wohin sie gerufen werden?
Doch eins gilt bis zum letzten Augenblick: Es ist nicht vorbei, auch wenn das der Arzt sagt. Auch wenn das alle anderen, die dann vielleicht an meinem Bett stehen werden, so sehen. Es ist erst vorbei, wenn er, der Höchste und der Lebendige, sagt, dass es vorbei ist. Bis dahin will ich hoffen.
Die Geschichte mit König Hiskia geht es so weiter: »Was soll ich nun im Nachhinein noch sagen? Nur das: Er hat mir versprochen, mich zu heilen, und er hat es auch getan. Nun kann ich den Rest meines Lebens gelassen verbringen. Doch nie will ich vergessen, welch bitteres Leid ich erlitten habe. (Gebet:) O Herr, von deinen Worten und Taten lebe ich, sie geben mir alles, was ich brauche. Du hast mich wieder gesund gemacht und mir von neuem das Leben geschenkt. Ja, mein bitteres Leid musste der Freude weichen. In deiner Liebe hast du mich vor Tod und Grab bewahrt. Du hast alle meine Sünden weit hinter dich geworfen.« (Jesaja 38)
Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 17. November 2016

Moses und der Gestiefelte Kater hl

Losung: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des HERRN, deines Gottes. 5.Mose 10,14

Lehrtext: Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt. Römer 1,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

erinnerst du dich noch an das Märchen vom Gestiefelten Kater? Wer es nicht mehr so genau weiß, kann es ja in seinem Märchenbuch oder hier nachlesen. Es lohnt sich. Jedenfalls gelingt es dem Kater, dass sein Herr, ein armer Müllerbursche, in der Kutsche des Königs mitfahren darf. Sie sind unterwegs zum Schloss des Zauberers. Der Kater aber ist vorausgegangen und zu einer großen Wiese gekommen, wo über hundert Leute waren und Heu machten. "Wem ist die Wiese, ihr Leute?" fragte der Kater. "Dem großen Zauberer." - "Hört, jetzt wird gleich der König vorbeifahren, wenn er wissen will, wem die Wiese gehört, so antwortet: dem Grafen; und wenn ihr das nicht tut, so werdet ihr alle erschlagen." Darauf ging der Kater weiter und kam an ein Kornfeld und dann zu einem Eichenwald. Immer wieder sagte er das gleiche zu den Leuten. Die taten, wie ihnen geheißen, da der Kater in seinen Stiefeln und mit seinem Federhut höchst ungewöhnlich aussah und sie sich fürchteten. Kurz und gut: Der Kater bringt den Zauberer dazu, sich in eine Maus zu verwandeln, frisst ihn auf, und nun gehört das Schloss des Zauberers mit den großen Wiesen, Feldern und Wäldern seinem Herrn, den er beim König als Grafen ausgegeben hatte. Schließlich heiratet der Müllersohn die Königstochter und lebt mit ihr glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Das alles hat er der List, Lüge und Tücke des Gestiefelten Katers zu verdanken.
Doch bei der heutigen Losung haben wir es nicht mit einem Märchen, sondern mit der Bibel zu tun. Da spricht auch nicht ein Kater, sondern Moses höchstpersönlich. Er sagt: »Dem Herrn, eurem Gott, gehört der weite Himmel, die Erde und alles, was dort lebt. Doch euren Vorfahren wandte er seine besondere Liebe zu. Euch, ihre Nachkommen, hat er aus allen Völkern auserwählt, sein Volk zu sein. Das seid ihr heute noch!«
Weil das so ist und ich daran nicht zweifle, nehme ich mir die Freiheit und sage: Du bist ein Sohn / eine Tochter des Herrn, deines Gottes. Alles was ihm gehört, gehört auch dir: Sonne, Mond und Sterne, Himmel und Erde, Luft und Wasser, Land und Feuer, alle Tiere unter dem Himmel, auch der Wind und der Schnee, die Blumen und die Früchte, der Raureif, der Sonnenaufgang, der Gesang der Vögel, das bunte Herbstlaub, die Musik und die Liebe… – die ganze weite Welt, sie gehört dir. Gott hat sie dir geschenkt, damit du dich an ihr und in ihr freust und ihn dafür lobst und ihm dankst.
Das alles, was er dir geschenkt hat, ist für dich ein Hinweis auf ihn, deinen Gott. Denn ohne ihn ist nichts, was ist. Und durch ihn ist alles, was ist, auch du und auch ich (Lehrtext).
Der Kater hat die Leute mit Drohungen zum Lügen verführt. Mose muss nicht drohen und auch nicht lügen. Er sagt schlicht und einfach, was er glaubt und weiß. Warum sollte ich ihm das nicht abnehmen? Kein Märchen auf der ganzen Welt kann mir so etwas Schönes erzählen, das auch noch wahr ist. Natürlich gehört dir das alles nicht allein. Aber schmälert das deinen Reichtum, wenn du ihn mit anderen teilst? Und wenn du das nächste Mal nicht gut drauf bist, dich vielleicht unbedeutend und minderwertig fühlst, dann geh raus, schau dir die Welt an und sage:

Gebet: Wow, Herr, das alles ist mir geschenkt, ohne dass ich etwas dafür getan habe. So sehr liebst du mich. Ich habe allen Grund, mich über dich zu freuen und dich zu lieben. Ich habe allen Grund, aufrecht und mit erhobenem Haupt durch deine Welt zu gehen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 16. November 2016

Ein Lächeln für den König hl

Losung: Lass sich freuen alle, die auf dich trauen. Psalm 5,12

Lehrtext: Jesus Christus liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt. An ihn glaubt ihr, obwohl ihr ihn auch jetzt noch nicht seht, und jubelt in unaussprechlicher und ungetrübter Freude. 1.Petrus 1,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

DU (hier deinen Namen einsetzen), freue dich, juble, jauchze laut du Sohn und Tochter des Höchsten! – Ehäm, wer? Ich? Du? Jubeln? Jauchzen? Ist denn für den Club ein Tor gefallen? Habe ich im Lotto gewonnen (wenn ich denn gespielt hätte)?...
# Nein, nein. Du und ich – wir werden aufgefordert zu jubeln, weil wahr geworden ist, worauf so viele so lange gehofft und gewartet haben. Weil dein König zu dir kommt. Weil du ein Königskind bist. Weil er mit Heil und Segen, mit Frieden und Gnade mitten hinein in diese Welt kommt, in ihr ganzes Elend, in deins und in meins. Aber auch in diese wunderbare Welt, in der wir schon so viel Schönes erlebt haben und auf der wir trotz allem, was schrecklich ist, gern leben. In der wir bleiben wollen, wenigstens  noch ein paar Jährchen - oder mehr.
# Ja, ja. Du und ich – wir werden aufgefordert zu jubeln, weil der kommt, den wir lieben. Grund genug, um sich leise und laut, besinnlich und ausgelassen zu freuen.
Noch gerade mal zwölf Tage, dann singen wir in den Gottesdiensten am ersten Advent wieder dieses Lied (klick:) „Tochter Zion, freue dich! Jauchze laut, Jerusalem!“
Wenn du diesen Link anklickst, siehst und hörst du einen Flashmob mit diesem Lied aus einem Kaufhaus in Bonn. Mitten im Alltag, während Menschen kaufen und verkaufen, erklingt diese Botschaft: „Freue dich! Siehe, dein König kommt zu dir“, der dir Frieden bringt, Frieden für deine Seele. Der der Welt Frieden bringt durch dich, da wo du bist. Und genau da will Christus König sein für alle anderen und für dich. Mitten im Alltag.
Wenn es irgendein Mensch wäre, von dem das gesagt wird, ob Mann oder Frau: ein Präsident oder Nobelpreisträger oder Philosoph oder Bischof oder Papst – ich würde es nicht glauben. Doch diesem Jesus Christus glaube ich es. Über ihn freue ich mich, weil ich ihm vertraue ohne dass ich ihn sehen oder anfassen kann. Weil ich durch ihn Gott vertraue. Und weil ich ihn, der mich liebt, wieder liebe.
Sich freuen, jubeln und jauchzen kann man auch allein. Aber geteilte Freude ist doppelte Freude. Und darum wäre es schön, wenn du dich mit mir freuen würdest. Wie man das macht? Keine Ahnung. Vielleicht so:

Gebet: Herr, ich freue mich über dich. Das sage ich dir jetzt im Gebet, damit das auch wirklich geschieht. Ich sehe dich zwar nicht. Trotzdem schenke ich dir mein Lächeln. Denn du siehst mich. Und ich glaube, dass auch du dich über mich freust, wenn ich lächle. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 15. November 2016

Wovon die Seele lebt hl

Losung: Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden. Psalm 119,6

Lehrtext: Die Jünger mahnten Jesus und sprachen: Rabbi, iss! Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nicht wisst. Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Johannes 4,31-34

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche, so sagt man, leben von Luft und Liebe. Jesus sagte: »Ich lebe davon, dass ich Gottes Willen erfülle und sein Werk zu Ende führe.« Aber natürlich hat er auch gegessen so wie jeder von uns. Was Johannes da in seinem Evangelium schreibt und wir im Lehrtext lesen, ist eine der vielen sogenannten Missverständnis-Szenen zwischen seinen Jüngern und ihm. Jene sehen nur das Naheliegende, die Oberfläche. Aber Jesus sieht tiefer. Wenn es um Speise geht, denkt er nicht zuerst an Brot und Käse, sondern an den, durch den und von dem er lebt. Von Brot und Käse können vermutlich alle leben. Naja, ein bisschen Gemüse und Obst als Beilage wären auch nicht schlecht. Und ich brauch nach dem Essen immer einen Happen Süßes. Doch Jesus geht es nicht nur darum, dass sein Leib satt wird, sondern auch seine Seele. Er weiß, viele sind bereits seelisch tot, bevor sie gestorben sind. Heute würde man sagen: Sie wandeln als seelenlose Zombies mitten unter uns. Aber das muss nicht dein und auch nicht mein Schicksal sein. Ich glaube fest, wer mit Gott verbunden ist und mit ihm lebt, der wird leben, auch wenn er stirbt (Johannes 11,25). Denn er lebt in dieser vergänglichen Welt in dem ewigen Gott und Er in ihm. Und genauso stirbt er auch. Und genauso bleibt er in ihm auch für immer lebendig. Von seiner Liebe kann uns auch der Tod nicht trennen (Römer 8 ,38).
Es ist Gottes Wort, von dem die Menschenseele lebt, also die gute Nachricht (Evangelium) für uns, die wir in der Bibel lesen (Losung). Und dieses Wort, diese Nachricht ist lebendig und Mensch geworden in Jesus Christus. Er ist die Speise, die die Seele nährt. Das geschieht buchstäblich, wenn ich zum Abendmahl gehe und ihn empfange in Brot und Wein.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich mich jeden Tag satt essen kann. Aber genauso danke ich dir, dass meine Seele nicht hungern muss solange ich dein Wort „esse“ und mich danach richte. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 14. November 2016

Willkommen! hl

Losung: Das ist's, was der HERR gesagt hat: Ich erzeige mich heilig an denen, die mir nahe sind, und vor allem Volk erweise ich mich herrlich. 3.Mose 10,3

Lehrtext: Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. Apostelgeschichte 10,36

Liebe Leserin, lieber Leser,

können sich deine Kinder sicher sein, dass sie willkommen sind, wenn sie in dein Haus kommen?
Ich musste mir Gott sei Dank eine solche Frage nie stellen. Für mich war es, solange meine Eltern lebten, selbstverständlich, dass ich ihnen willkommen war. Hoffentlich war das bei dir auch so. Und hoffentlich ist das bei unseren Kindern auch so, dass sie uns ganz selbstverständlich willkommen sind, egal wie alt sie sind, egal mit welchen Problemen und Sorgen sie zu uns kommen.
Kannst du dir genauso selbstverständlich sicher sein, dass du Gott willkommen bist?
Nun, was ihn betrifft, stimmt das auf jeden Fall. Das gehört zum Kern meines Glaubens. Aber was dich betrifft, musst du dich selbst fragen, ob du zweifelst oder unsicher bist. Mir tut das extrem gut, dass ich genauso selbstverständlich davon ausgehe, Gott willkommen zu sein, wie ich meinen Eltern willkommen war. Aber ich weiß auch, dass alle anderen ihm genauso willkommen sind wie ich. Und ich wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich deshalb eifersüchtig wäre.
Warum ich das weiß? Das sagt mir der heutige Lehrtext in einer neuen Übersetzung: »Da begann Petrus zu sprechen: "Jetzt erst habe ich richtig verstanden, dass Gott niemanden wegen seiner Herkunft bevorzugt oder benachteiligt. Alle Menschen sind ihm willkommen, ganz gleich, aus welchem Volk sie stammen, wenn sie nur Ehrfurcht vor ihm haben und so leben, wie es ihm gefällt. Ihr kennt die Friedensbotschaft Gottes, die er dem Volk Israel durch Jesus Christus mitgeteilt hat, und er ist ja der Herr über alle.«
Dass wir gemeinsam Gott willkommen sind, war nicht immer selbstverständlich. Die Menschen des Alten Testaments glaubten noch, dass Gott nur ihrem Volk nahe sei (Losung). Sie fingen erst an zu begreifen, dass der einzige Gott und Schöpfer aller Dinge, der Gott aller Menschen ist, ob diese das nun wissen oder nicht. Aber das, was Menschen von ihm im Alten Testament aufgeschrieben haben, war ihm nicht genug. Er wollte sich allen in seiner ganzen Herrlichkeit zeigen und offenbaren. Und er hat das in seinem Sohn Jesus Christus getan. So ist sein Friedenswort ausgehend vom Volk Israel (Lehrtext) in die ganze Welt gekommen bis zu dir und zu mir.
Als Kind bin ich nicht immer gern heimgekommen. Wenn ich eine schlechte Note in der Schule geschrieben hatte, habe ich mich mit schlechtem Gewissen durch die Haustür gedrückt. Wenn ich irgend einen dummen Fehler gemacht hatte, ebenso. Mein Vater hat sich deshalb auch längst nicht über alles gefreut, was ich so mit nach Hause gebracht habe. Aber er hat mir verziehen, auch den R4, den ich bei einem Wildunfall geschrottet habe kurz nachdem ich meinen Autoführerschein bekam. Aber auch wenn es wegen solcher Dinge manchmal Krach gab, willkommen war ich ihm doch immer.
Und genauso ist es bei Gott. Nein, nicht genauso. Ich weiß, dass er mir keinen Krach macht, was immer ich mir habe zu Schulden kommen lassen. Es reicht ihm schon, dass ich mich selber über meine Fehler ärgere, wegen meines Versagens ein schlechtes Gewissen habe und mir wegen mancher Schuld selbst Vorwürfe mache. Und darum widerspreche ich auch Petrus, der meint, dass Gott nur die willkommen seien, die so leben, wie es ihm gefällt (Lehrtext). Das hat auch Petrus nicht geschafft und kläglich versagt, als er den gefangenen Jesus verleugnet hatte. Und trotzdem blieb er seinem Herrn willkommen als Sendbote des Glaubens.
Darum kann auch ich mich immer wieder an ihn wenden und weiß, dass ich mit meinen Anliegen bei ihm an der richtigen Adresse bin. Dass er mich gerade dann liebt, wenn ich seine Liebe dringend brauche.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass die Tür zu dir immer offen steht und ich jederzeit kommen kann. Du hörst meine Gebete an. Du tröstest und stärkst mich. Und gibst mir neuen Lebensmut. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 13. November 2016

Gottes Wort bleibt lebendig hl

Losung: Der HERR sprach: Ich will diese Stadt beschirmen, dass ich sie errette um meinetwillen. 2.Könige 19,34

Lehrtext: Der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen. 2.Timotheus 2,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum ist dir eigentlich die Bibel wichtig? Hast du darüber schon mal nachgedacht? Dieses Buch wird ja auch von vielen gelesen, die nicht glauben, weil es ein Kulturdokument ist für Europa, weil es höchst interessante Geschichten enthält, Sprichwörter, Poesie und weil es zentrale Fragen der menschlichen Existenz aufwirft wie: Warum gibt es das Böse? Warum müssen die einen leiden und die andere nicht? Und so weiter.
     Mir ist die Bibel wichtig, weil ich meine, dass sie nicht nur ein Dokument aus der Vergangenheit ist, sondern mir auch heute etwas zu sagen hat. Ich glaube, dass das, was Gott damals getan hat, er auch heute noch tun kann. Dass er das, was er zu den Menschen der Bibel gesagt hat, auch zu mir sagt.
Damals hat der Prophet Jesaja seinem König Hiskia mit dem Wort aus der heutigen Losung Mut gemacht. Das Heer der Assyrer unter König Sanherib sollte Jerusalem nicht erobern. Und so erzählt die Bibel, dass die Feinde, die die Hauptstadt bereits belagert hatten, wieder unverrichteter Dinge abgezogen sind.
    Und was hat das mit mir heute zu tun? Ich bin Gott sei Dank zur Zeit nicht in einer dramatischen Situation, dass ich ein ähnliches Wort bräuchte. Aber falls eines meiner Kinder ernstlich krank wäre, würde ich mich an dieses Wort halten und würde es so hören: „Gott sagt: Ich will bei deinem Kind sein, dass ich es errette um meinetwillen.“ 
     Darf ich denn das? Darf ich denn so ohne weiteres ein Bibelwort nehmen und es für mich verwenden? Ob ich das darf oder nicht, ist mir schnurzegal. Wer sollte mir denn das verbieten? Irgend ein neunmalkluger und siebengescheiter Theologieprofessor? Irgend ein aufgeklärter Intellektueller, der mir einreden will, dass dies ganz und gar unvernünftig sei?
     Für mich ist die Bibel in gutem Sinn ein Steinbruch, aus dem ich mir Steine nehme, mit denen ich das Haus meines Glaubens baue. Und was sind denn Losung und Lehrtext anderes als solche Steine? Und darum glaube ich auch, dass es Gott ganz und gar recht ist, wenn ich so mit der Bibel, wenn ich so mit seinem Wort umgehe und es für mich heute wieder lebendig werden lasse und anwende.
     Das gilt auch für den heutigen Lehrtext, der neu übersetzt heißt: »Das feste Fundament, das Gott gelegt hat, trägt die Aufschrift: "Der Herr kennt alle, die zu ihm gehören"«. Da fackel ich nicht lange, sondern gehe schlicht und einfach davon aus, dass das auch auf mich zutrifft. 
     Gott kennt mich und ich gehöre zu ihm. Das lasse ich mir von niemandem ausreden, nicht einmal von mir selbst. Und das gilt auch für dich. Auch du gehörst zu ihm. Nimm dir also aus der Bibel die Worte, die dir helfen. Die dich zuversichtlich machen und trösten. Aus denen du Kraft schöpfst für die Herausforderungen in deinem Leben.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass dein Wort auch heute noch lebendig ist für alle, die Hilfe und Orientierung brauchen. Und darum will ich mich an deinem Wort festhalten, was auch immer geschieht. Du wirst mich nicht enttäuschen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 12. November 2016

Spaltung überwinden und Risse heilen hl

Losung: Ich will dich in der Gemeinde rühmen, HERR. Psalm 22,23

Lehrtext: Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Römer 15,5-6

Liebe Leserin, lieber Leser,

»einträchtig und einmütig« sollen wir untereinander gesinnt sein, sagt der Apostel Paulus im Lehrtext. – Dass die vielen unterschiedlichen Menschen in einem Land so nicht gesinnt sind, hat wieder einmal die amerikanische Präsidentenwahl gezeigt. Durch die Gesellschaft der USA geht ein tiefer Riss. Aber auch durch unsere deutsche Gesellschaft, wie er sich bei den letzten Landtagswahlen angedeutet hat und bei der Bundestagswahl in einem Jahr noch sichtbarer sein wird.
Auf der einen Seite sind die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten und die durch Einkommen und Bildung Privilegierten. Sie sind meist unter sich und bestätigen sich in ihren Ansichten gegenseitig. Das betrifft auch die Medien. Man nennt das „Blasenbildung“, weil diese Leute wie in einer nach außen abgeschlossenen Blase leben.
Auf der anderen Seite sind viele, die, vereinfacht gesagt, von Verlustängsten geplagt werden. Sie fühlen sich jetzt schon als Verlierer: als Globalisierungsverlierer, Fortschrittsverlierer, Bildungsverlierer, Rentenverlierer, Zins-Verlierer, Identitätsverlierer (zähle ich noch als Deutscher in Deutschland?), vielleicht bald wieder als Arbeitsplatzverlierer... Sie alle fühlen sich von den Eliten im Stich gelassen und, was ihr Weltbild betrifft (Frauen, Schwule, Flüchtlinge, Islam, EU…), nicht ernstgenommen beziehungsweise von den Meinungsmachern der Blase in die rechtsradikale Ecke gestellt.
Dieser Riss ist eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben. Aus ihm steigen einerseits Verachtung und andererseits Hass und schließlich Gewalt auf.
Meines Erachtens haben die Eliten und Privilegierten eine Bringschuld. Sie dürfen nicht mehr nur in das eigene Fortkommen investieren. Sie  müssen dafür sorgen, dass große Teile unserer Bevölkerung nicht abgehängt werden. Sie dürfen sich nicht mehr ausschließlich an den Schnellsten und Erfolgreichsten im globalen Wettlauf orientieren, sondern an den ‚Langsameren‘ im eigenen Land, die auch ein Recht haben, mitzukommen. Das gilt nicht nur für finanzielle Sicherheit, das betrifft auch die politische Einstellung und die jeweiligen Werte.
Christliche Gemeinden könnten darin auch für die Gesellschaft ein Vorbild sein. Wenn, dann muss unter uns Christen gelten, dass die Jungen, die Gebildeten, die Erfolgreichen und Vermögenden nicht nur an sich selbst denken, sondern die anderen im Blick behalten und am gemeinsamen Leben teilhaben lassen.
# Als Christen wissen wir, dass wir trotz aller Unterschiede eine Gemeinschaft sein sollen, in der einer für den anderen da ist, in der einer die Last des anderen mitträgt, in der die Stärkeren Rücksicht auf die Schwächeren nehmen.
# Als Christen wissen wir, dass wir nur gemeinsam Gott loben (Losung und Lehrtext) und zu ihm kommen können und darum niemand zurücklassen dürfen.
# Als Christen wissen wir, dass wir alle in Gottes Augen gleich geachtet und geliebt sind, dieselbe Würde haben und unter derselben Gnade leben.
So können wir als Gemeinde ein Vorbild, so können wir eine Hoffnung für unsere Gesellschaft sein. Vielleicht ‚predigen‘ wir so am eindrucksvollsten das Evangelium von der Gottes- und Menschenliebe.

Gebet: Herr, niemand lebt für sich allein. Wir sind alle aufeinander angewiesen ob in der Christengemeinde oder in der Gesellschaft. Lass uns in unseren Gemeinden Vorbilder sein für andere, indem sie an uns sehen, wie man solidarisch zusammen leben und die Unterschiede aushalten kann. Gib uns die Bereitschaft und Kraft, versöhnt und in Frieden zu leben. Wir vertrauen auf dich und haben deshalb Zuversicht für uns und alle anderen, weil du es bist, der alles regiert und den Weg in die Zukunft kennt. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 11. November 2016

Wie viel ist dir Gott wert? hl

Losung: Herr, ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum. Psalm 119,14

Lehrtext: Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. Matthäus 13,45-46

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie viel ist dir Gott wert? Wie viel ist es dir wert, dass du in seiner Nähe bist und erlebst, dass er in deinem Leben wirkt? Anders gesagt: Wie viel ist dir das Himmelreich wert?
Das ist ja wohl klar, mit Geld kann man es nicht kaufen. Aber wie kann ich es dann erwerben? Ich denke, um das Himmelreich zu kaufen, um Gottes Nähe zu erwerben, gilt nur eine Währung: meine Zeit. Zugespitzt gesagt heißt das: Gott ist mir so viel wert, so viel Zeit ich mir für ihn nehme.
Ich kann mir für ihn Zeit nehmen, wenn ich einen Gottesdienst besuche oder wenn ich bete. Ich kann mir auch für ihn Zeit nehmen, wenn ich anderen, die meine Hilfe brauchen, helfe (Matthäus 25,35-40). Manche meinen, wenn sie ins Kloster gingen, dass sie dann immer Zeit für Gott hätten.
Doch da halte ich es mit Martin Luther. Zeit für Gott nimmt sich seiner Meinung nach auch die Magd, die zu sich sagt: "Ich koche jetzt, ich mache das Bett, ich kehre das Haus, wer hat mir´s geheißen? Es hatten mich mein Herr und Frau geheißen. Wer hat nun ihnen solche Macht über mich gegeben? Es hat Gott getan. Ei, so muss es wahr sein, dass ich nicht allein ihnen, sondern auch Gott im Himmel diene... Wie kann ich denn seliger sein? Ist es doch ebenso viel, als wenn ich Gott im Himmel selber sollt kochen." 
Dass ich in Gottes Nähe bin und erlebe, dass und wie er in meinem Leben wirkt – das ‚erwerbe‘ ich mir, so oft ich den Tag über an ihn denke und mein Leben im Zusammenhang mit ihm sehe. Ich meine sogar, dass das nicht ständig bewusst geschehen muss. Mein Gottvertrauen kann mich durch den Tag tragen, ohne dass ich ständig an ihn denke. Es hilft mir, zuversichtlich und furchtlos zu sein und anderen Menschen freundlich zu begegnen.
Ich möchte es mal so sagen: Der Glaube führt zu einer aufgeschlossenen, lebensfrohen Gesinnung und Haltung, mit der ich meiner Umwelt begegne.  So sein zu können, ist mir viel wert. Nicht zuletzt deshalb pflege ich meinen Glauben, indem ich mir dafür Zeit nehme. So verstehe ich auch die heutige Losung, die in einer anderen Übersetzung heißt: »Nach deinen Weisungen zu leben freut mich mehr als großer Besitz.«
Vielleicht ist es ja auch so: Gott ist mir etwas wert, weil ich mir etwas wert bin. Darum will ich auf ihn nicht verzichten. Denn die Zeit, die ich mir für ihn nehme, kommt mir selbst zugut.

Gebet: Herr, ich möchte mir gern mehr Zeit für dich nehmen, weil ich doch weiß, wie gut mir das tut. Aber dann drängen sich immer wieder so viele andere Dinge zwischen dich und mich, dass ich dich aus den Augen verliere. Oder ich bin einfach zu nachlässig, um mir regelmäßig Zeit für dich zu nehmen. Und trotzdem ist es schon ein großes Geschenk, wenn ich mich wenigstens ab und zu am Tag vergewissere, dass du da bist. Denn in deiner Nähe zu sein und mit dir zu leben ist schlicht unbezahlbar. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 10. November 2016

Du zuerst! hl

Losung: Gott, deine Liebe bedeutet mir mehr als mein Leben! Darum will ich dich loben; mein Leben lang werde ich dir danken und meine Hände zum Gebet emporheben. Wenn ich nachts in meinem Bett liege, denke ich über dich nach, meine Gedanken sind dann nur bei dir. (Psalm 63,7). Denn du hast mir immer geholfen; ich preise dich, unter deinem Schutz bin ich sicher und geborgen. Ich klammere mich an dich, und du hältst mich mit deiner starken Hand.

Lehrtext: O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Römer 11,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

worüber du wohl vor dem Einschlafen alles nachdenkst? Meistens sind es wohl persönliche Dinge. Zurzeit kommt vielleicht die etwas bange Frage hinzu, wie es nun nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten weitergeht. Vielleicht sind bei dir die Sorgen vorherrschend oder ein Gefühl der Dankbarkeit oder ein Mix von beidem.
Ich will mir für heute Abend die Losung zu Herzen nehmen und vor dem Einschlafen über Gott nachdenken. Und falls ich nachts aufwachen sollte, dass ich auch dann wieder über ihn nachdenke und alle anderen Gedanken erstmal hintanstelle. 
Ich habe da so einen kleinen Trick, indem ich mein Nachdenken über Gott und mein Gebet mit diesen zwei kleinen Wörtern beginne: ‚Du zuerst!‘ Dann muss ich nicht die anderen Dinge gewaltsam verdrängen oder unterdrücken, die mir in den Sinn kommen, sondern kann ihnen ihren Platz anweisen. Und der ist nicht die „1. Reihe“. Öfter geschieht es dann, dass nach meinem Nachdenken über Gott bzw. nach meinem Gebet die anderen Dinge schon gar nicht mehr so wichtig sind und ich sie darum erst einmal auf sich beruhen lasse, weil ich sie, weil ich mich ja bereits Gott anvertraut habe.
Und woran soll man denn denken, wenn man über Gott nachdenkt? Der Lehrtext legt nahe, über die unerforschlichen Wege Gottes nachzudenken.  Also das ist mir vor dem Einschlafen zu viel. Da werde ich höchstens wieder wach. Ich fange meistens damit an, dass ich Gott erst einmal danke – egal was ich den Tag über erlebt habe. Zum Danken finde ich immer was. Und oft sage ich dann noch zu ihm:

Gebet: Herr, ich bin so froh, dass ich dir gehöre. Du hast mir versprochen jederzeit bei mir zu sein und sagst, dass du mich liebst. Darauf vertraue ich und nehme dich beim Wort. Und nun gebe ich dir alles, was mir durch den Sinn geht und was ich auf dem Herzen habe. Ich bitte dich, dass du mir dafür deinen Frieden gibst, damit ich ruhig werde und schlafen kann. Bleibe die Nacht über bei mir und geh morgen wieder mit in den neuen Tag. Behüte alle, die zu mir gehören und von denen ich weiß, dass sie dich jetzt brauchen. Amen

Herzliche Grüße

Mittwoch, 9. November 2016

Die Sehnsucht der Ohnmächtigen hl

Losung: Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Jesaja 26,9

Lehrtext: Der Seher Johannes schreibt: Ich sah den Himmel weit geöffnet. Und ich sah ein weißes Pferd, auf dem saß einer, der heißt der Treue und Wahrhaftige. Er urteilt und kämpft gerecht. Offenbarung 19,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

jawohl, auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Wer nicht hören will, muss fühlen. Und wenn man nicht hart durchgreift, tanzen sie einem auf der Nase herum. Oder?
Nein. Gott ist nicht Donald Trump oder einer der Autokraten zwischen Istanbul, Budapest und Moskau. Und die Scharia ist nicht sein Gesetz.
     Der Prophet Jesaja hätte es zwar gern, dass Gott in seinem Sinn hart bleibt. Er versucht, ihm seine Gedanken von Gerechtigkeit einzureden, wenn er im nächsten Satz nach unserer Losung sagt: »Doch wenn du die Gottlosen begnadigst, begreifen sie nicht, was Recht ist. Auch in diesem Land, in dem dein Recht gilt, würden sie weiter Unrecht tun und dich nicht als den höchsten Gott erkennen.« Aber letzten Endes ist das nur ein Zeichen seiner Hilflosigkeit und Ohnmacht. Jesaja muss erleben, dass man auf ihn nicht hört. Nun also soll Gott die Ignoranten, die Verstockten bestrafen. Dabei merkt er nicht, wie er selbst gottlos wird, weil er den gnädigen Gott nicht kennen will.
     Ja, Gott geht das Risiko ein, die Gottlosen zu begnadigen. Er riskiert, was der Prophet befürchtet, dass diese weiter Unrecht tun und ihn nicht als den höchsten Gott erkennen. Er riskiert noch viel mehr. Er riskiert das Leben seines einzigen Sohnes. Doch das sind wir, seine Menschen, ihm wert. Gott sei Dank!
     Aus seiner Sicht ist nur der gottlos, von dem er sich abwendet. Doch niemand wird Gott los, auch wenn er das möchte. Er lässt, um es mit den Worten Jesu zu sagen, weiterhin seine Sonne scheinen über Gute und Böse und regnen über Gerechte und Ungerechte. Auch jetzt.
     Ich kann den Propheten Jesaja verstehen. Angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit in dieser Welt wünscht man sich schon mal, dass einer die Macht und Kraft hat, dreinzuschlagen und alles in Ordnung zu bringen. Das ist die verderbliche Sehnsucht nach dem sogenannten starken Mann, die noch immer ganze Völker ins Unglück stürzt, vor 80 Jahren uns Deutsche und jetzt offenbar die Türken.
     Auch die Menschen der Bibel waren nicht frei davon. In ihrer Ohnmacht hofften sie auf Gottes Allmacht, dass er für sie vollbringe, wozu ihnen die Kraft gefehlt hat. Auch der Seher Johannes war so einer. Aber auch er und seine Worte müssen sich messen lassen an dem, der die Macht gehabt hätte dreinzuschlagen, der aber bei seiner Gefangennahme sagte: „Meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen (ca. 70.000) Engel schicken? Er würde sie mir sofort schicken. Wie sollte sich aber dann erfüllen, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist?“ (Matthäus 26,53f.)
     Aber Jesus will nicht der Dreinschläger sein, nicht der grobe Keil. Ja, er hat durch sein Sterben am Kreuz den Himmel für uns alle weit geöffnet. Er trägt zurecht die Ehrennamen „der Treue“ und „der Wahrhaftige“. Auch urteilt und kämpft er gerecht, wie es im Lehrtext heißt. Doch seine Gerechtigkeit ist göttlich und unsere Gerechtigkeit ist menschlich. Wo er richtet, da lässt er Gnade walten. Und das Gesetz, nachdem er urteilt, heißt Liebe.
     Wenn es anders wäre, wer hätte dann wirklich eine Chance, vor seinem Richterstuhl zu bestehen? Ich nicht.

Gebet:  Herr, wehre du allen Gewaltfantasien in meinem Kopf. Denn du willst ja deinen Willen nicht mit Gewalt durchsetzen, sondern mit deinem Geist (Sacharja 4, 6). Gib mir die Kraft, deinen Weg zu gehen, dass ich lieber Gewalt leide als sie anderen zufüge. Segne mich und alle deine Menschen mit dem Geist des Friedens und mit Barmherzigkeit. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 8. November 2016

Hier bin ich! hl

Losung: Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! Jesaja 6,8

Lehrtext: In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. 1.Korinther 12,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wen soll ich senden?“ – Diese Frage stellt Gott auch heute noch, wenn auch oft nicht so direkt, wie es im Buch des Propheten Jesaja beschrieben ist.
„Hier bin ich, sende mich!“ – Diese Antwort hat der Prophet damals gegeben. Und wenn auch nicht mit denselben Worten, so antworten doch viele in diesem Sinn, die ehrenamtlich in einer Kirchengemeinde mitarbeiten. Denn irgendwann wurden die meisten, die das tun, deswegen gefragt und haben ja gesagt.
„Hier bin ich!“ – Diese Antwort ist alles andere als selbstverständlich. Direkt oder indirekt erreicht die Frage Gottes „wen soll ich senden?“ auch heute noch sehr viele. Und sehr viele hören weg oder lassen diese Frage erst gar nicht an sich heran. Alles in allem geht es doch auch um die Frage, wer bereit ist, vor Gott und den Menschen Verantwortung zu übernehmen dafür, dass es eine Gemeinde gibt und der Glaube weitergegeben werden kann.
„Wo bist du?“ – So hat Gott den ‚ersten‘ Menschen, den Adam, gefragt. Denn Adam hatte sich versteckt, nachdem er Gottes Gebot übertreten hatte. Offenbar liegt das in der Natur des Menschen, dass er nicht so ohne weiteres bereit ist, Verantwortung zu übernehmen weder für sich selbst noch für seine Mitmenschen. Aber manchmal wächst man ja auch in seine Aufgabe hinein und ist bereit, nicht mehr nur an sich selbst zu denken, sondern sich auch für andere zu engagieren.
„Wen soll ich senden?“ – Diese Antwort ist jedenfalls nicht zulässig, wenn man sagt: Ich habe kein Talent, ich bin nicht begabt, ich habe keine Zeit. Jeder Mensch hat Talente und ist begabt. Und jeder Mensch hat Zeit für das, was ihm wichtig ist. »In jedem«, so der Lehrtext, »offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.« Im Zusammenhang mit den nachfolgenden Vers in heißt das: »Wie auch immer sich die Gaben des Geistes bei jedem Einzelnen von euch zeigen, sie sollen der ganzen Gemeinde nützen.« (Neue Übersetzung HFA)  
# Die Gaben des Geistes können sein, dass jemand kommunikativ und kontaktfreudig ist und deshalb kein Problem damit hat, andere Menschen, die krank oder allein sind, zu besuchen.
# Die Gaben des Geistes können sein, dass jemand für andere betet, nicht nur für sich selbst und seine Familie, sondern auch für Menschen in der näheren oder weiteren Umgebung, denen das gut tut.
# Die Gaben des Geistes können sein, dass jemand sich in den Kirchenvorstand wählen lässt oder im Gottesdienst den Lektorendienst übernimmt oder im Kindergottesdienst oder bei den Teens oder auch bei den Senioren mitarbeitet.
# Die Gaben des Geistes können sein, dass jemand seine praktischen Talente zur Verfügung stellt, wenn in der Gemeinde etwas repariert oder gebaut, verteilt oder organisiert werden muss.
# Die Gaben des Geistes können sein, wenn jemand ein Instrument spielt und andere damit erfreut.
Jedes Talent, jede Begabung ist willkommen, die der Gemeinschaft nützt und sie aufbaut. Und darum freut sich nicht nur Gott, sondern auch seine Gemeinde, wenn jemand sagt: „Hier bin ich!“

Gebet: Herr, schenke mir Energie, dass ich meine Trägheit überwinden kann, wenn es darum geht, sich für andere nützlich zu machen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 7. November 2016

Weg mit dem Ego-Kamm hl hl

Losung: Ich bin der HERR, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Jeremia 9,23

Lehrtext: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. 2.Timotheus 2,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

was wäre, wenn wir uns an Gott ein Beispiel nähmen und ebenfalls barmherzig wären mit anderen und mit uns selbst? Wie wäre es, wenn wir täten, was recht ist? Wenn wir anderen gerecht würden nach dem Motto, "jedem das Seine"? Wie wär's, wenn wir das in der neuen Woche mal versuchten? Soweit die Losung.
Und nun zum Lehrtext:
Denn ungerecht ist, wer selbstgerecht ist. Wer nur sich selbst zum Maßstab nimmt und alle anderen über diesen Ego-Kamm schert. Der kann seinen Mitmenschen nicht gerecht werden, kann nur richten und nicht aufrichten, nur kritisieren und nicht wertschätzen.
Also weg mit dem Kamm. Streicheln wir stattdessen den uns Nahestehenden zärtlich über's Haar - einfach so - und den anderen mit freundlichen Worten und Gesten die Seele.

Gebet: Herr, du weißt, warum ich so bin wie ich bin. Warum ich gerade diese Gene habe und im Lauf des Lebens so geworden bin, wie du mich kennst. Da kennst mich besser als ich. Und darum kannst auch nur du mir gerecht werden, weil du mich in der Tiefe meines Wesens verstehst und nicht oberflächlich urteilst 
wie Menschen das tun. So vertraue ich auf deine Barmherzigkeit, mit der du mir durch alle Wege und Irrwege meines Lebens hindurchhilfst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 6. November 2016

Worauf alles hinausläuft hl

Losung: Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse. Prediger 12,14

Lehrtext: Wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden? Lukas 18,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

du bist erfolgsorientiert. Oder? Wer möchte das nicht sein? Wer möchte nicht, dass sich seine Arbeit lohnt und sich ein gewisser Erfolg einstellt? 
Doch was ist mit denen, die sich abrackern oft bis über ihre Leistungsgrenze hinaus, aber keinen Erfolg sehen und keine Anerkennung bekommen?
Sie sind in bester Gesellschaft. Ich denke dabei an die Propheten des Alten Testaments, die man nicht hören wollte. Aber vor allem an Jesus. Nach weltlichen Maßstäben war er erfolglos: Was ist aus seiner Mission, aus seinem Vorhaben geworden, die Menschen für Gott zu gewinnen? Was hat es ihm gebracht, dass er Gottes Sohn war? Hohn und Spott hat es ihm gebracht. Die Dornenkrone hat es ihm eingetragen. Schläge hat er einstecken müssen. Alle seine Anhänger hatten ihn verlassen (Markus 14,50-52). Und zuletzt ist er als der große Verlierer am Kreuzgalgen hingerichtet worden. Ist das Erfolg?
Und dann steht da noch seine brennende Frage aus dem heutigen Lehrtext. »Wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?«
So fragt er dich. So fragte er mich. Und was meinst du? Wird er? Ich denke, diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten.

Als einer, der versucht zu glauben, will ich sagen: Jesus ist nicht gescheitert. Im Gegenteil. Sein vielleicht größter Erfolg ist, dass er schließlich seinen Weg gegangen ist und seine Mission erfüllt hat unabhängig davon, ob er bei dir und bei mir und anderen Menschen Glauben findet oder nicht.
Gottes Barmherzigkeit, die in ihm wirkt, ist so grenzenlos, dass er sie allen schenkt, selbst denen, die weglaufen oder davon nichts wissen wollen.
Die Kraft der Liebe, die am Kreuz sichtbar wird – denn wer hat größere Liebe als der, der sein Leben lässt für seine Freunde und Feinde? –, ist stärker als jede andere Kraft. Sie tilgt jede Schuld und löscht jede Sünde – jede! Sie bricht dem Bösen das Kreuz und dem Tod das Genick.
Gott hat seinen Sohn nicht auf die Erde geschickt, damit wir ihm Beifall klatschen, damit er bei uns Erfolg hat. Er tut in völliger Souveränität und Freiheit, was er will. Er tut das zum Heil der Menschen, nicht weil wir es verdient haben, sondern weil er von sich aus jedes seiner Menschenkinder liebt – jedes, es sei gut oder böse (Losung).  Darauf läuft die Bibel, darauf läuft letzten Endes alles hinaus.
Darum und nur darum habe ich Hoffnung für mich und für dich und für uns alle.

Gebet: Ja, Herr, ob du bei mir Glauben findest, dafür kann ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Schenke ihn mir. Aus eigener Kraft bin ich zu schwach dazu. Und wenn mein Glaube so klein wie ein Senfkorn ist, so kannst du ihn keimen und wachsen lassen, damit er groß wird und Frucht bringt. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 5. November 2016

Heilwasser für die Seele hl

Losung: Der HERR spricht: Wenn doch mein Volk mir gehorsam wäre! Psalm 81,14

Lehrtext: Bleibt im Glauben, gegründet und fest, und weicht nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt. Kolosser 1,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du finanziell gut abgesichert? Materiell versorgt? Gesundheitlich stabil? Geht es dir in dieser Hinsicht zumindest besser als deinen Vorfahren? Geht es dir zumindest so gut, dass du keine schwerwiegenden Existenzängste haben musst? Ich hoffe für dich und wünsche dir, dass das im Großen und Ganzen zutrifft.
Und wie geht es deiner Seele? Leidet sie oder hast du inneren Frieden? Beunruhigen dich deine Sorgen und Ängste oder kannst du getrost sein und zuversichtlich? Geht es dir in dieser Hinsicht so gut wie deinen Vorfahren, die vielleicht trotz aller äußeren Probleme in ihrem Glauben geborgen waren?
Die beiden Bibelworte heute wollen dir helfen, auf diese Fragen eine positive Antwort geben zu können. Dazu lass ich noch einmal den Lehrtext in seinem Zusammenhang zu dir sprechen: »Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in Christus zu wohnen. Alles im Himmel und auf der Erde sollte durch ihn mit Gott wieder versöhnt werden, alles hat Frieden gefunden durch seinen Tod am Kreuz. Bleibt nur fest und unerschütterlich in eurem Glauben, und lasst euch durch nichts davon abbringen! Keine Macht der Erde soll euch die Hoffnung dieser rettenden Botschaft rauben, die ihr gehört habt. « (Übersetzung: Hoffnung für alle)
Die Bibel sagt, dass die Quelle meines inneren Friedens nicht in dieser Welt entspringt, wohl aber die Quelle meines Unfriedens und meiner Sorgen. Die Heilquelle für meine Seele ist Christus selbst. Er gibt mir das Wasser des Lebens umsonst. Ich kann dieses Wasser nicht machen. Ich kann es aber sammeln und trinken. Ob es dann mit der Zeit, wenn ich es regelmäßig und erwartungsvoll zu mir nehme, die heilende Wirkung auch für mich hat?
Also wenn es zum Beispiel um Nahrungsergänzungsmittel geht oder um Hausmittel, auf die schon die Großmutter geschworen hat, um die Einnahme von Vitaminen, um Gesundheitstees und mineralreiches Wasser, dann ist das für viele kein Problem, diese Dinge regelmäßig zu sich zu nehmen und dafür unter Umständen auch noch viel Geld zu bezahlen. Aber wenn es um das Wasser des Lebens geht, um die Gesundheit für die eigene Seele, dann plötzlich kommen Zweifel, ob das denn alles wirklich zutrifft, was in der Bibel steht. Aber auch da stellt sich die heilsame Wirkung oft nicht sofort ein. Auch da dauert es seine Zeit, bis Gottes Wort in mir zu wirken beginnt, bis ich Vertrauen fasse und mich ihm öffnen kann, bis ich innerlich ruhiger und getroster werde.
Wir Menschen haben bestimmte Gewohnheiten, an denen wir unerschütterlich festhalten: Vom Zähneputzen bis dahin, was wir anziehen u.s.w.. Ich meine, dass auch der Glaube eine Gewohnheit werden muss, damit sich seine heilsame Wirkung in mir entfalten kann. Und dazu gehört, dass ich nicht nur regelmäßig zu Gott bete, sondern immer auch hinhöre, was er mir zu sagen hat (Losung).

Gebet: Herr, in dieser vergänglichen Welt, in diesem vergänglichen Leben muss ich auch das Loslassen lernen und schließlich alles wieder hergeben, was mir lieb und teuer ist. Aber ich wünsche mir sehr, dass ich bis zuletzt an meinem Glauben festhalten kann und die Widerstandskraft habe, ihn mir von niemand nehmen zu lassen. Du gibst mir durch den Glauben die Kraft für meine Seele. Du schenkst mir dadurch immer wieder von neuem inneren Frieden. So bist und bleibst du meine Hoffnung in den Wechselfällen dieses Lebens. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 4. November 2016

Der Lebensmarathon hl

 Losung: Die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben. Psalm 69,33

Lehrtext: Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Hebräer 12,1-2

Beides, liebe Leserin, lieber Leser, beides trifft zu, wenn es um den Glauben geht:
# Behalte bei deinem Lebensmarathon, behalte, während du um dein Leben läufst, das Ziel im Auge. Schaue auf Jesus und lass dich nicht ablenken. Halte durch und wenn du manchmal die Zähne zusammenbeißen musst.
# Wisse aber zugleich, dass du dir die Fitness für diesen Lauf nicht erst antrainieren musst. Sie ist dir bereits geschenkt. Dein Glaube ist die Kraft, die dir hilft, in diesem Lauf durchzuhalten. Jesus wird dir so viel davon geben, wie du brauchst, um das Ziel zu erreichen. So sagt es die Bibel, so der heutige Lehrtext.
Mit anderen Worten:
Um durchs Leben zu kommen mit allen Höhen und Tiefen, durch alle Umwege und Irrwege, um doch noch ans Ziel zu kommen, braucht es deine Willensstärke, Ausdauer und Geduld.
Braucht es aber auch das Ziel vor Augen, das dich anzieht, zu sich zieht und den Kurs bestimmt.
Braucht es Jesus, diesen „Gott hilft!“. Er  motiviert und ermutigt dich zu deinem Lebens-Lauf. Er lässt dein Herz aufleben, wenn du ihn mit den Augen des Glaubens im Blick hast. (Losung).
Beides trifft zu. 

Gebet: Herr, du weißt, wie schwer es mir immer wieder fällt, im Leben Kurs zu halten. Du weißt, wie ich um meinen Glauben ringen muss. Und ich weiß aus deinem Wort, dass du selbst mir die Kraft dazu geben willst. Schenke mir deine Nähe, damit du mich wieder belebst, wenn ich matt geworden bin. Und wenn ich dich suche, so lass dich finden. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 3. November 2016

Seine Treue ist größer als meine Untreue… hl

Losung: Der HERR sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. Jesaja 49,3

Lehrtext: Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Römer 11,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

aus der Verbindung Gottes mit dem Volk der Israeliten lerne ich für seine Verbindung mit mir. Und nur deshalb sind ja auch Losung und Lehrtext noch heute wichtig, weil es darin nicht um eine ferne Vergangenheit geht, sondern darum, wie Gott heute zu mir und zu dir steht.
Wer die Geschichte Gottes mit seinem Volk aus der Bibel, vor allem aus dem Alten Testament näher kennt, kann sich über den heutigen Lehrtext nur wundern. Denn alles in allem war das keine gute Sache. Mose und später die Propheten haben den Israeliten immer wieder vorgehalten, wie treulos und misstrauisch sie durch viele Jahrhunderte zu Gott  waren: 
# Kaum waren sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit, warfen sie bei der erstbesten Schwierigkeit die Glaubens-Flinte wieder ins Korn und wollten zurück zu den „Fleischtöpfen Ägyptens“. Sie hatten einfach kein Vertrauen zu Gott, dass er sie auch in der Wüste, wo nichts Essbares wächst, ernähren könnte. 
# Und so ging es dann weiter: Als Mose von Gott die Zehn Gebote auf dem Sinai-Berg bekam, tanzte das Volk schon wieder um das Goldene Kalb, weil es einen Gott wollte, den man sehen, anfassen und zu Geld machen kann. So reihte sich ein Glaubensversagen ans andere. 
# Und selbst als sie in das verheißene Land kamen, fielen sie wieder vom rechten Glauben ab und beteten die Götter der Einheimischen an. Später missachteten ihre Könige Gott. Und ihre Priester redeten ihnen nach dem Mund. Dafür wurden die Kritiker mundtot gemacht oder gleich ganz umgebracht.
Und trotzdem hat Gott sein Volk nicht verstoßen, obwohl er zahllose Gründe dafür gehabt hätte. Während sie untreu waren, ist er doch treu geblieben. Während sie ihn verlassen hatten, hat er daran festgehalten, dass er sie erwählt hat wie ein Bräutigam seine Braut.
Der geheimnisvolle und unbekannte Knecht mit dem Namen ‚Israel‘, von dem in der Losung die Rede ist, sollte nicht nur den Israeliten, sondern der ganzen Welt Rettung bringen. So steht es in den nachfolgenden Versen im Buch des Propheten Jesaja (Kapitel 49,6). Diesen Auftrag hat ein paar Jahrhunderte später Jesus erfüllt.
Ich lerne aus alledem für mich, dass Gottes Treue größer ist als meine Untreue, seine Liebe stärker als meine Gleichgültigkeit, seine Gnade mächtiger als meine Sünde. 
Bei allem, was wir Menschen in der großen Politik oder auch im Privatleben verbocken und verderben, Gott wird uns alle durch unser Versagen hindurch retten. Dafür bürgt Jesus Christus mit seinem Leben, mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung. Er bleibt meine Hoffnung auch dann, wenn alles andere hoffnungslos ist.

Gebet: Herr, wenn ich dir nicht mehr vertraue, wem sollte ich denn sonst noch vertrauen? Wenn ich auf dich nicht mehr hoffe, auf wen oder was sollte ich denn sonst noch hoffen? Ich halte mich an deine Zusage, dass du meine Hilfe bist und mehr noch, dass du deine ganze Welt nicht sich selbst überlässt, sondern vor sich selbst rettest. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 2. November 2016

Raus aus dem eigenen Sumpf hl

Losung: Mein Knecht, der Gerechte, wird den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Jesaja 53,11

Lehrtext: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Markus 10,45

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du das schon mal erlebt, dass ein anderer für einen Fehler, den du gemacht hast, die Verantwortung auf sich genommen hat? Oder hast du das selbst schon mal für einen anderen getan, für einen Mitarbeiter oder dein eigenes Kind? Ich finde, dass das für jeden Vorgesetzten selbstverständlich sein sollte. Denn genau diese Fähigkeit qualifiziert einen Menschen dazu, ein Vorgesetzter für andere zu sein. Ich weiß aber auch, dass das nicht selbstverständlich ist.
Und darum ist es auch alles andere als selbstverständlich, dass der geheimnisvolle „Knecht Gottes“ (Losung), wie Luther übersetzt, oder sein Bote, wie es heute heißt, die Sünden der Vielen auf sich nimmt und so die Schuldigen wieder gerecht macht (=rechtfertigt). Erstaunlich, dass bereits der Prophet Jesaja im Alten Testament davon spricht (Losung).
Später hat sich Jesus mit diesem unbekannten „Knecht“ Gottes identifiziert und darüber nicht nur gepredigt, sondern entsprechend gelebt. Er hat, wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt, als Lamm Gottes die Sünden der Welt aufs Kreuz getragen, auch deine und meine. So hat er uns davon befreit und wieder gerecht gemacht.
Er kam von Gott zu uns, nicht um zu herrschen und zu richten. Er kam, um denen, die versagt haben, zu dienen und die Niedergeschlagenen aufzurichten. So hat er seinem Jünger, dem Versager Petrus, gedient, indem er sein Leben auch für ihn, der ihn verleugnet hatte, hingegeben hat. So hat er ihn von seiner Verzweiflung befreit und wieder aufgerichtet, damit er sein Bote sein konnte. So gibt er sein Leben für dich und für mich hin und richtet uns wieder auf, wenn uns unsere Sorgen und Angst, Schuld und Lasten niederdrücken.
Mancher meint zwar, dass er das alles nicht nötig habe, weil er selbst schon gerecht sei. Aber gerade die Selbstgerechtigkeit ist für einen selbst und noch mehr für andere eine besonders schwere Last. Manche meinen, sie seien sich keiner Schuld bewusst, da sie keine Fehler machen würden, sondern im Recht seien und deshalb auch niemand um Entschuldigung bitten müssten. Aber wie soll ein Mensch, der immer Recht haben will, gerechtfertigt werden?
Von Augustinus über Luther bis zu Karl Barth spielte in der Geschichte der Theologie die Erkenntnis eine große Rolle, dass kein Mensch sich selbst rechtfertigen und auch niemand sich selbst ent-schuldigen kann. Einfacher gesagt: Niemand kann sich am eigenen Zopf aus dem eigenen Sumpf ziehen:  kein Pfarrer, kein Präsident, kein Bischof, kein Heiliger, kein Papst und auch sonst niemand. Nur Christus vermag uns am Zopf aus unserem Sumpf zu ziehen, sogar die Glatzköpfe. Nur er kann einen Menschen ganz und gar frei und wieder unbeschwert machen. Stimmt schon, das ist eine Behauptung, aber eine, die jeder Überprüfung standhält.

Gebet: Herr, ich weiß längst, dass es nichts bringt, sich vor anderen zu rechtfertigen, wenn man etwas falsch gemacht hat. Ich weiß längst, dass ich manches böse Wort nicht mehr zurücknehmen kann. Dass ich es nicht mehr ungeschehen machen kann, wenn ich einen anderen verletzt habe. Dass ich mein Versagen nicht mehr schönreden kann. Ich bin versucht, das immer wieder zu tun. Aber je mehr ich strample, desto tiefer versinke ich in meinem Sumpf. Ich hab nur die eine Chance, dass ich von mir absehe und auf dich schaue, dir im Glauben meine Hand hinhalte und mich herausziehen lasse. Deswegen ist meine Schuld nicht vergessen, aber vergeben. Und damit kann ich leben. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

2000. Losungsauslegung seit Mai 2010

Dienstag, 1. November 2016

Mein Bruder, meine Schwester hl

Losung: Der HERR steht dem Armen zur Rechten, dass er ihm helfe von denen, die ihn verurteilen. Psalm 109,31

Lehrtext: Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass Jesus für alle den Tod erlitten hat. Dadurch hat Jesus den Weg für viele Menschen gebahnt, die er als Gottes Kinder in sein herrliches Reich führt. Jetzt haben sie alle den einen Vater: sowohl Jesus, der die Menschen in die Gemeinschaft mit Gott führt, als auch die Menschen, die durch Jesus zu Gott geführt werden. Darum schämt sich Jesus auch nicht, sie seine Brüder und Schwestern zu nennen. Hebräer 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du meine Schwester? Bist du mein Bruder?
Junge Muslime sprechen sich gegenseitig gern als „Bruder“ an. Falls das nicht nur eine Floskel ist, dann meinen sie damit, dass der andere ihr Glaubensbruder sei. Nun gut, das gilt auch für uns Christen, dass wir voneinander als von „Geschwistern im Glauben“ reden können. In den Pfarrkonferenzen sagt ein Kollege gern zum anderen „Bruder“ oder sogar „Amtsbruder“. Letzteres mochte ich überhaupt nicht. Wie das schon klingt: „Amtsbruder“!
Wir Christen könnten uns alle mit Fug und Recht Brüder und Schwestern nennen. Wir tun's aber nicht. Ich sage das höchstens, wenn ich auf der Kanzel bin. Und warum könnten wir das? Nein, nicht weil wir für einander brüderliche, geschwisterliche Gefühle hegen würden. Auch nicht, weil wir denselben Glauben oder dasselbe Bekenntnis teilen. Im Unterschied zu den Muslimen könnten wir uns aus diesem einen Grund so nennen, weil Jesus sich nicht schämt, uns so zu nennen. Mit ihm gemeinsam haben wir den einen himmlischen Vater. Das ist Grund genug.
Trotzdem, irgendwie klänge das schon komisch, wenn ich dich jetzt mit Bruder oder Schwester anreden würde. Vielleicht aber kommt es gar nicht darauf an, dass ich das tue, sondern darauf, ob ich mich dir gegenüber brüderlich verhalte oder arrogant, gleichgültig und abweisend. Brüderlich sein, das heißt doch: Ich bin nicht besser oder schlechter als der oder die andere. Ich soll mich mit ihm oder ihr vertragen. Ich soll ihm oder ihr helfen, egal ob er oder sie deutsch ist oder nicht, weiß oder schwarz, arm oder reich, jung oder alt, ein Mann oder eine Frau. Egal ob er oder sie eine ähnliche Weltanschauung oder den gleichen Glauben hat wie ich.
Und vielleicht unterscheiden sich Christen von Muslimen gerade darin, dass die einen auch in den anderen ihre Brüder und Schwester sehen (könnten). Oder ist es umgekehrt genauso? Man müsste sie fragen.
Wenn es in der Losung heißt, dass Gott dem Armen beisteht, um ihn gegen mächtige Feinde zu verteidigen, dann fragt er diesen Menschen nicht zuerst nach seiner Konfession oder ob er Christ, Muslim oder Atheist ist. Dann tut er das, weil er auch der Schöpfer und Vater derer ist, die arm, elend und hilflos sind.
Dass auch ich Gottes Kind bin, das kann mir niemand nehmen, sondern nur ich mir selbst, wenn ich ihm die kalte Schulter zeige und bestreite, dass er mein himmlischer Vater ist. Und trotzdem bleibe ich für ihn sein Kind. Bleibe ich für Jesus sein Bruder. Bleibst du für mich mein Bruder oder meine Schwester durch Christus wie auch mein leiblicher Bruder mein Bruder bleibt auch dann noch, wenn ich das nicht wollte.

Gebet: 
Herr Jesus Christus, 
wir sind Geschwister durch dich, weil du unser Bruder sein willst. Wir sind aber auch trotz aller Unterschiede Geschwister als Menschen, weil Gott uns alle geschaffen und geliebt hat. Und weil du für alle in den Tod gegangen bist, um durch deine Auferstehung für uns alle die Hoffnung zu sein. Gib deinen Geist, damit alle erkennen, dass wir untereinander Brüder und Schwestern sind und sich entsprechend verhalten - und fange bei mir damit an. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr