Freitag, 18. November 2016

Mit dem Gesicht zur Wand hl

Losung: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Jesaja 38,14

Lehrtext: Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Hiskia, der König von Juda, wurde todkrank. Und der Prophet Jesaja kam zu ihm und sprach: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, mach dein Testament, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. Da drehte sich Hiskia zur Wand und betete zum Herrn.  Und Hiskia weinte sehr: „Mein Leben gleicht einem Zelt, das abgebrochen und weggetragen wird. Es ist wie ein Tuch, das zu Ende gewebt wurde. Du schneidest seine Fäden ab, mit denen es am Webstuhl hing. Tag und Nacht spüre ich, dass du meinem Leben ein Ende machst. Bis zum Morgen versuche ich ruhig zu bleiben, aber du überfällst mich wie ein Löwe, der alle meine Knochen zermalmt. Meine Stimme ist dünn und schwach wie das Zwitschern einer Schwalbe. Mit fiebrigen Augen starre ich nach oben; ich bin am Ende, Herr, komm mir doch zu Hilfe! (Losung)« 
So hat der damals mächtigste Mann im Staat gebetet. Jetzt war er ohnmächtig. Sein ganzes Geld, seine Minister, sein Militär – nichts konnte ihm helfen. Er war seiner Krankheit ausgeliefert. Er war, so verstand er das, Gott ausgeliefert. Denn auch seine Krankheit und der bevorstehende Tod musste ja mit ihm zu tun haben, dem Herrn über Leben und Tod, dem Allmächtigen. Warum? Für diese Frage war es zu spät. Das einzige, was dem König blieb, war, dass er sein Leid Gott klagte, dass er eingestand „ich bin am Ende“, dass er Gott um Hilfe bat wie ein Bettler.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen sich auch heute im Krankenzimmer zur Wand drehen und weinen. Einmal kommt die Zeit, da jeder am Ende ist. Da kein Mensch mehr helfen kann, weil auch Ärzte keine Wunder vollbringen können. Und dann steht die Frage vor dir: ‚Was jetzt?‘ Wohl dem, der dann die Wand nicht verzweifelt und stumm anstarren muss. Wohl dem, der dann sein Leid Gott klagen und sagen kann: „O Gott, hilf mir.“ Mehr braucht es nicht. Denn manchmal, so sagt es der Lehrtext heute, »wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen! Deshalb tritt der Geist Gottes für uns ein, er bittet für uns mit einem Seufzen, wie es sich nicht in Worte fassen lässt.« 
Ob Gott dann hilft? Wer kann das sagen? Vielleicht ist das ja schon eine kleine Hilfe, dass ich mich ihm im Gebet anvertrauen und mein Leben in seine Hände legen kann. Aber wenn er mich ruft, muss ich gehen. Hoffentlich weiß ich das dann und halte mich daran fest, dass er es ist, der ruft. Woran halten sich dann andere fest, die nicht wissen und nicht glauben, wer sie ruft und wohin sie gerufen werden?
Doch eins gilt bis zum letzten Augenblick: Es ist nicht vorbei, auch wenn das der Arzt sagt. Auch wenn das alle anderen, die dann vielleicht an meinem Bett stehen werden, so sehen. Es ist erst vorbei, wenn er, der Höchste und der Lebendige, sagt, dass es vorbei ist. Bis dahin will ich hoffen.
Die Geschichte mit König Hiskia geht es so weiter: »Was soll ich nun im Nachhinein noch sagen? Nur das: Er hat mir versprochen, mich zu heilen, und er hat es auch getan. Nun kann ich den Rest meines Lebens gelassen verbringen. Doch nie will ich vergessen, welch bitteres Leid ich erlitten habe. (Gebet:) O Herr, von deinen Worten und Taten lebe ich, sie geben mir alles, was ich brauche. Du hast mich wieder gesund gemacht und mir von neuem das Leben geschenkt. Ja, mein bitteres Leid musste der Freude weichen. In deiner Liebe hast du mich vor Tod und Grab bewahrt. Du hast alle meine Sünden weit hinter dich geworfen.« (Jesaja 38)
Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

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