Freitag, 10. Juli 2015

Friede sei mit dir! hl

Losung: Siehe auf den Bergen die Füße eines guten Boten, der da Frieden verkündigt! Nahum 2,1

Lehrtext: Jesus sprach zu den Jüngern: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Johannes 20,21

Friede sei mit dir! -  
Mögest du in Frieden leben, bewahrt vor dem, was dich innerlich aufwühlt und dir den Schlaf raubt; frei von Sorgen, die dich umtreiben und belasten; ohne den Druck und den Stress, den andere dir machen, hauptsächlich aber du dir selbst.
Mögest du frei sein von Angst um dich und deine Angehörigen; ohne Furcht vor dem, was kommt, was du nicht kennst, was dich unsicher macht und ungewiss.
Mögest du ausgeglichen sein und nachsichtig, bereit, dich mit anderen zu versöhnen, auch mit dir selbst.
Mögest du besonnen bleiben, wenn die Schwierigkeiten zunehmen und ruhig, wenn es um dich laut wird.
Mögest du leichten Herzens durch schwere Tage gehen und unterscheiden können, was du dir zu Herzen nehmen willst und was nicht, was du tragen willst und wovon du dich befreist möchtest.
Mögest du voll Zuversicht sein, gelassen und froh, weil du auf Gott, den Vater vertraust und auf Jesus, seinen Sohn.
Und mögest du in äußerem Frieden leben können ohne Angst vor Feinden und ihrer Gewalt, verschont vor Terror und Krieg, Verschleppung und Vertreibung, vor Hunger, Verfolgung und Flucht.
Mögest du den Frieden Gottes spüren und den Frieden Jesu in deinem Herzen tragen!
Mögest du selbst ein Friedensbote für andere sein mit einem guten Wort und einer helfenden Hand und nicht zögern, dorthin zu gehen, wo man dich braucht mit deinem Frieden, den Gott dir schenkt und den du weitergibst in Wort und Tat an die, die sich nach Frieden sehnen.

Friede sei mit dir!

Hans Löhr 

Donnerstag, 9. Juli 2015

Zeichen der Freude hl

Losung: Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Nehemia 8,10

Lehrtext: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Philipper 4,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einer neuen Übersetzung (HFA) heißt der Lehrtext heute: »Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch!« Aber wie soll ein Mensch sich freuen können, wenn er durch das Tal der Tränen muss? Ich denke dabei an den einen oder anderen, der sich in den letzten Tagen vertrauensvoll an mich gewandt hat. Ein solches Tal kann tief und lang sein. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Jedenfalls könnte ich zu keinem von ihnen sagen: ‚Freue dich, dass du zum Herrn gehörst.‘ Und doch, liebe Freunde und doch, ist es nicht in allem Unglück ein Glück, dass du, dass ich zum Herrn gehöre? Würde es das Unglück nicht nur noch größer machen, wenn ich ohne ihn durch das finstere Tal müsste, ohne dass er mich begleitet und schützt?
Ich hoffe für mich und jeden anderen, dem es jetzt verhältnismäßig gut geht, dass sein Glaube in den ruhigen Zeiten so weit wächst und stark wird, dass er auch in den Zeiten von Chaos, Schmerz und Bitterkeit trägt. Jetzt will ich mir klar machen, dass ich allen Grund habe, mich an Gott zu freuen (Losung), um daraus Kraft zu schöpfen für die Herausforderungen, die noch kommen werden. Ich glaube, dass man es einüben kann, sich an Gott zu freuen, indem man schlicht und einfach aufmerksamer lebt und darauf achtet, was einem gut tut, gerade wenn es Kleinigkeiten zu sein scheinen.
Jetzt blühen wieder die Wegwarten an den Straßenrändern, diese anspruchslosen Blumen mit dem wunderbaren Blau. Ich freue mich über jede, die ich sehe, weil ich es vor nicht allzulanger Zeit gelernt habe, sie zu beachten und zu schätzen. Und ich habe es gelernt, sie als einen freundlichen Gruß Gottes an mich zu sehen. So gibt es noch viele andere Dinge, mit denen er mich grüßt und durch die er mir sagt:
„Hans, ich denke an dich, weil du zu mir gehörst. Ich mache dir auch mit Kleinigkeiten Freude, mit dem Duft von Jasmin, mit den kleinen roten Katern, die jetzt bei euch sind, mit einem Lied, mit dem Lächeln deiner Tochter, mit deinen Freunden und damit, dass du mir vertrauen kannst und ich bei dir bin auf den Gipfeln deines Lebens wie auch im Tal der Tränen. Ja, mit alledem mache ich dir Freude, dass du daraus Kraft gewinnst für die Zeit, da du sie brauchst.“
So spricht er zu mir. Doch was Gott zu mir sagt, sagt er genauso zu dir. Deshalb freue dich so oft es geht an den vielen kleinen Dingen, durch die er dir zeigt, dass er an dich denkt.

Gebet: Ja, Herr, so oft ich mich an dir freue, so oft spüre ich neue Energie. Dann weiß ich, dass mein Leben lebenswert ist, trotz allem, was mir sonst zu schaffen macht. Danke dass du mir immer wieder zeigst, dass du an mich denkst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 8. Juli 2015

Die großen Werke des Herrn hl

Losung: Eure Augen haben die großen Werke des HERRN gesehen, die er getan hat. 5.Mose 11,7

Lehrtext: Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt. 1.Johannes 1,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie / hast du schon einmal eines der großen Werke des Herrn mit eigenen Augen gesehen? Mit Sicherheit, denn sonst wärst du blind. Da ist die Sonne, die sich in den letzten heißen Tagen in ihrer Größe und Kraft gezeigt hat, Gottes großer, kostenloser Energielieferant für alles Leben auf der Erde. Da ist der Vollmond, wie er in diesem Monat bereits zweimal orangenrot am Osthimmel aufgegangen ist und am Ende des Monats wieder zweimal am Himmel stehen wird. Eine seltene astronomische Besonderheit. Vielleicht aber sind die größten Werke des Herrn für dich deine Kinder oder Enkel. Und du selbst bist auch ein solches großes Werk. Ein Wunderwerk, wenn du bedenkst, wie dein Körper und vor allem dein Gehirn funktioniert.
Aber da sind auch seine großen Werke von unvorhergesehenen Ereignissen, die unsere Welt oder dein Leben beeinflusst und geändert haben: 70 Jahre Frieden, Wohlstand und Rechtsstaat seit dem letzten Krieg in Deutschland; so lange wie nie zuvor. Die friedliche Wiedervereinigung 1989. Oder eine Genesung aus schwerer Krankheit. Ein Unfall, der glimpflich ausgegangen ist. Eine glückliche Partnerschaft.
In der Bibel werden auch die negativen Dinge mit Gott in Verbindung gebracht: Katastrophen und Tod. Auch das sind ihr zufolge „große Werke des Herrn“, auch wenn es mir schwer fällt, sie so zu nennen.
Das größte Werk des Herrn aber, so sagt es die Bibel, ist das Kind in der Krippe von Bethlehem, dein und mein Heiland, wie es etwas altmodisch heißt, oder dein und mein Retter.
Ihn haben unsere Augen nicht gesehen, aber doch die Wirkung, die er ausübt, so wie wir auch den Wind selbst nicht sehen können, aber seine Kraft, wenn sich die Bäume biegen und die Wogen türmen. Und so siehst du Jesus dort am Werk, wo einer mit dem andern Mitleid hat, ihm selbstlos hilft, seine Last mitträgt, ihm verzeiht, seine Tränen trocknet. Aber auch mit ihm isst und trinkt, lacht und spielt, mit ihm arbeitet und ihn liebt. Mit einem Wort, wo er sich mit ihm freut und mit ihm weint, wie es der Apostel Paulus uns ans Herz legt.
So geschehen auch unter uns und durch uns die großen Werke des Herrn, weshalb wir ihn lieben und seine Gebote halten sollen ein Leben lang, wie es im Satz vor unserer heutigen Losung heißt.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir zugute unablässig am Werk bist. Du hältst die Erde in ihrer Bahn und gibst mir Lebensenergie von der Sonne. Du schenkst mir Freunde, mit denen es mir gut geht, und Kinder, die ich liebe. Du erfreust mich durch deine wunderbare Schöpfung, durch einen lauen Sommerabend und durch ein wohltuendes Bad in einem Waldsee. Danke, dass auch mein Glaube dein Werk ist, durch den ich dir vertrauen und dich lieben kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 7. Juli 2015

Gottes Haus hl

Losung: Herr, lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. 1.Könige 8,29

Lehrtext: Christus war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten. Hebräer 3,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gottes Haus steht überall, wo man zusammen kommt, um miteinander sein Wort zu hören, zu singen und zu beten. Du findest es in normalen Wohnstuben genauso wie bei einem Feldgottesdienst auf der Wiese. Sein Haus steht im afrikanischen Busch wie im Gebetsraum eines Flughafens. Sein Haus kann eine Schule sein oder eine Turnhalle oder eine Gefängniszelle oder ein Zelt. Sein „Haus sind wir, seine Gemeinde, wenn wir bis zum Ende entschlossen und freudig auf Christus vertrauen und uns durch nichts von der Hoffnung abbringen lassen, die uns der Glaube uns schenkt.“ (Lehrtext HFA).  
Sein Haus kann auch eine Kirche oder ein Tempel oder ein Dom sein, wenn darin das geschieht, was einen Ort zum Haus Gottes macht und was ich weiter oben im ersten Satz geschrieben habe. Aber eine Kirche, ein Tempel oder ein Dom ist nicht automatisch ein Gotteshaus. Auch nicht, wenn es dazu geweiht ist. Es ist unser Glaube, der es dazu macht. Ohne Glauben aber sind Dome, Kathedralen und Kirchen nur Gemäuer, so schön und altehrwürdig sie auch sein mögen. Wo Menschen, die sich Gott anvertrauen, zusammenkommen, wo sie seinen Namen ehren und preisen, da ist sein Haus, über dem seine Augen offenstehen Tag und Nacht. (Losung)

Gebet: Herr, bleibe bei uns wohnen, die wir auf dich vertrauen. Komm du mit deinem Geist zu uns, wo auch immer wir uns versammeln, damit wir deine Nähe spüren und daraus neue Kraft schöpfen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 6. Juli 2015

Vom Frieden unter Christen und von Jan Hus hl

Losung: Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen. Jesaja 57,19

Lehrtext: Christus ist unser Friede. Epheser 2,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur Zeit des Apostels Paulus gab es zwischen Christen, die zuvor Juden waren und Christen, die zuvor Heiden waren erbitterte Auseinandersetzungen. Die sogenannten Judenchristen verlangten, dass auch die Heidenchristen einen großen Teil der jüdischen Bräuche, Regeln und Gesetze beachten müssten wie sie selbst es nach wie vor taten. Das lehnten jene aber ab. In diese Situation hinein schreibt der Apostel Paulus: »Durch Christus haben wir Frieden (Lehrtext). Er hat Juden und Nichtjuden in seiner Gemeinde vereint und die Mauer zwischen ihnen niedergerissen. Durch sein Sterben  hat er das jüdische Gesetz mit all seinen Geboten und Forderungen endgültig außer Kraft gesetzt. Durch Christus leben wir nicht länger voneinander getrennt, der eine als Jude, der andere als Nichtjude. Als Christen sind wir eins. So hat er zwischen uns Frieden gestiftet. Christus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben, damit wir alle Frieden mit Gott haben
»Als Christen sind wir eins«, sagt Paulus, aber nicht, weil wir uns einig wären, sondern weil der Grund dafür außer uns liegt, in Christus. Erst der Friede mit Gott führt dazu, dass auch wir untereinander Frieden haben. Vielleicht rührt mancher Streit unter Christen, in einer christlichen Gemeinde, auch daher, dass jeder das Seine sucht und darüber Jesus Christus vergisst. 
Haben wir es denn nötig, uns durch eigensinnige Vorstellungen voneinander abzugrenzen und gegeneinander zu streiten? So verschieden sind wir doch nicht, dass wir uns nicht in seinem Namen versöhnen könnten. Aber nicht wir reißen die Mauern zwischen uns nieder, nicht wir stiften den Frieden, sondern er. 
Deshalb lasst uns gemeinsam auf ihn sehen, auf sein Kreuz und was er da für einen jeden von uns getan hat. Und dann lasst uns von ihm her wieder auf uns sehen, mit einem neuen Blick, mit Augen, in denen sich Gottes Friede spiegelt. Er sagt uns seinen Frieden zu. Er will uns, die wir friedensbedürftig sind, heilen. (Losung)

Gebet: Herr, gib unseren Herzen, gib unseren Ehen, Familien und Gemeinden, gib unserem Land und unserer Welt deinen Frieden - und fange bei mir damit an. Amen

Herzliche Grüße, Ihr / dein Hans Löhr

p.s. Heute vor 600 Jahren wurde Jan Hus aus Prag auf dem Konzil in Konstanz als Ketzer verbrannt. Martin Luther selbst hat ihn als einen seiner Vorläufer angesehen und viele Gedanken und Anregungen von ihm übernommen. Vieles von dem, was Jan Hus wollte, ist und bleibt auch für unsere lutherische Kirche aktuell. Sie, und mit ihr wir, täten gut daran, in den Spiegel seiner Forderungen zu schauen, um zu sehen, wie es um unsere Kirche und um uns selbst als Christen bestellt ist. Hier sind die Hauptforderungen von Jan Hus, deretwegen er auf den Scheiterhaufen musste:
1. Die Abkehr der Kirche von Besitz und weltlicher Macht.  
2. Gegen die Habsucht des Kirchenpersonals und dessen Lasterleben. 
3. Für eine Kirche ohne Herrschaftsämter (= ohne Hierarchie). 
4. Für das einzige Oberhaupt Christus. 
5. Kirche ist die Gemeinschaft der von Gott zur Seligkeit Vorherbestimmten (= Prädestinierten). 
6. Für eine disziplinierte, tugendhafte Lebensweise der Christen, gegen Zeitgeist und Mode. 
7. Gegen die die Kreuzzugs- und Ablass-Verfügungen des Papstes. 
8. Gegen den Ablasshandel, erfundene Reliquien, Bilderverehrung und erfundene Wunder. 

9. Gegen die Fürbitten der Maria und der Heiligen. 
10. Für eine Reform der verweltlichten Kirche. 
11. Gegen die letzte Autorität des Papstes bei Glaubensentscheidungen. 
12. Für die Bibel als einzige Autorität bei Glaubensentscheidungen. 
13. Für die Gewissensfreiheit. 
14. Für die Lehre von der Vorherbestimmung (= Prädestination) durch Gott. 
15. Für das Predigen in der Landessprache.
16. Für das gemeinsame Singen während des Gottesdienstes. 
17: Für das Abendmahl in Brot und Wein auch für Laien



Sonntag, 5. Juli 2015

Auf des Hirten Schulter hl

Losung: Der HERR hebt auf den Dürftigen aus dem Staub.  1.Samuel 2,8

Lehrtext: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Lukas 15,4-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

in meinem Heimatort, in Neuendettelsau steht neben der Laurentiuskirche eine überlebensgroße Steinfigur von Jesus, dem guten Hirten, der ein Schaf auf seinen Schultern trägt. Schon als Kindergartenkind hat mich dieser Jesus angesprochen. Offenbar hatte uns damals Tante Margot die Geschichte vom Verlorenen Schaf (Lehrtext) erzählt, weshalb ich wusste, was die Figur darstellt. Ich selbst wollte zwar kein verlorenes Schaf sein – wer will das schon –, aber in dem Schäflein auf Jesu Schultern habe ich mich wiedererkannt. Das wollte ich schon sein, ganz nah bei meinem guten Hirten, von ihm persönlich getragen, behütet und geliebt.
Viele Jahre später wurde am Sockel dieser Statue eine Bronzetafel angebracht, auf der steht: »Christus spricht: Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. Mahnung und Trost im Gedenken an alle Behinderten, die 1940/1941 unsern Heimen entrissen wurden.« Gut, dass dieser Ärmsten der Armen gedacht wird, die von Nazi-Schergen im weißen Arztkittel auf grausame Weise in Ansbach und Strüth umgebracht worden sind. Weniger gut, dass dieser Text beschönigt. Von Ausnahmen abgesehen, wurden damals von den Verantwortlichen der Diakonie die behinderten Kinder ihren Mördern ohne großen Widerstand ausgeliefert. »Entrissen wurden« sie eher nicht. Es wäre an der Zeit für eine Ergänzung, in der auf das Versagen und die Schuld der Kirche damals hingewiesen wird, dass man dafür um Vergebung bittet und sich das für künftige Zeiten eine Mahnung sein lässt. Doch ich möchte für mich auch daraus lernen. Jeder von uns soll ein guter Hirte für seinen Mitmenschen sein, der in Not ist. Jeder, der Christ sein will.
Gleiches gilt für die heutige Tageslosung. Auch da soll mir der Herr ein Vorbild sein, wie man mit Menschen umgeht, die seelisch am Boden (= Staub) sind. Du kannst sie verachten, du kannst auf ihnen herumtrampeln, du kannst sie aber auch aufheben und aufrichten und ihnen mit deiner Liebe auch ihre Würde zurückgeben. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Gott jeden Menschenkrümel am Wegrand sorgsam aufhebt. Er wird auch an mir nicht achtlos vorübergehen, wenn ich daliege. Und darum will ich das bei meinen Menschengeschwistern auch nicht tun.

Gebet: (Kinderlied für Erwachsene)
Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu' ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt. 

Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag!


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 4. Juli 2015

Vom Rufmord hl

Losung: König David betet: Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich! Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich. Psalm 7,2

Lehrtext: Jesus sagt: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. Matthäus 5,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

können Sie sich / kannst du dir vorstellen, zu einem Mörder zu werden? Sicher nicht. Doch wie steht es mit Rufmord? Wer den guten Ruf eines Mitmenschen mit haltlosen Gerüchten zerstört, ist ein Rufmörder. Können Sie sich / kannst du dir vorstellen, ein solcher zu werden oder warst du vielleicht sogar schon mal einer? Eine sehr unangenehme Frage, weil der Rufmord wohl für jeden von uns in Reichweite liegt. Wie schnell schließt man sich nicht einem negativen Urteil über andere an und ist geneigt, es weiterzugeben: ‚Hast du schon gehört, der X, der immer so fromm tut, hat Dreck am Stecken...‘ oder ‚die Y soll mit dem Z mal eine Affäre gehabt haben.‘ Das ist ein klassischer Rufmord, auch wenn man da in unserer Gegend verharmlosend von Klatsch und Tratsch spricht. Und selbst wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass an dem Gerücht nichts dran war, bleibt an dem so Geschädigten doch etwas hängen. Rufmord tötet nicht nur den guten Ruf eines Menschen, sondern auch das Vertrauen, das man für das Zusammenleben braucht und vergiftet die Atmosphäre. König David weiß schon, warum er Gott um Hilfe anruft. Denn allein bist du gegen Menschen, die dir übel nachreden, chancenlos.
Und was tut Jesus? Er, der selbst geschmäht, verfolgt und verleumdet wurde? Er nennt dich „selig“, in heutigem Deutsch „glücklich“, wenn auch dein Ruf um seinetwillen gemordet wird. Selig? Sollte es nicht besser heißen: bemitleidenswert? Ich tue mich schwer, eine Antwort zu finden. Vielleicht ist es so, dass du, wenn du um seinetwillen leiden musst, mit ihm so eng verbunden bist wie durch nichts sonst. In diesem Fall gehörst du ganz und gar auf Gottes Seite und hast seine ungeteilte Sympathie. Ob dich das trösten würde? Ich meine, dass es zu den größten Herausforderungen eines Christen gehört, um seines Glaubens willen zu leiden und trotzdem diesen dornigen Weg gerne zu gehen. Ich wünsche mir und dir, dass uns ein solcher Weg erspart bleibt. Aber wenn er gegangen werden muss, dann möchte ich ihn mit erhobenem Haupt und voll Gottvertrauen gehen können.

Gebet: Herr, bewahre mich davor, dass man mich verleumdet oder dass ich schlecht über andere rede. Lass mich lieber Partei ergreifen für den, dem mit Gerüchten übel mitgespielt wird. Wenn es aber denn sein muss, dass ich um deinetwillen geschmäht und verleumdet werde, dann soll mir das eine Ehre sein. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 3. Juli 2015

gottesbedürftig hl

Losung: David betet: Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Psalm 34,7

Lehrtext: Ein Mann aus der Menge rief: Meister, ich bitte dich, sieh doch nach meinem Sohn. Lukas 9,38

Liebe Leserin, lieber Leser,

sind Sie / bist du bedürftig? Vielleicht denkst du jetzt: Eigentlich nicht, denn ich bin doch kein Hartz-IV-Empfänger. Doch es sind nicht nur Arme und Elende bedürftig. Manchmal sind es sogar Könige wie David, von dem unser heutiges Losungswort stammt. Er sagt:
»Preist mit mir diesen großen Herrn, lasst uns gemeinsam seinen Namen bekannt machen! Als ich den Herrn um Hilfe bat, antwortete er mir und befreite mich von meinen Ängsten. Wer zum Herrn aufschaut, der strahlt vor Freude, und sein Vertrauen wird nie enttäuscht. Ich war am Ende, da schrie ich zum Herrn, und er hörte mich; aus aller Bedrängnis hat er mich befreit(HFA)
Es gehört Mut dazu, sich und anderen einzugestehen, dass man mit seinen Möglichkeiten am Ende und auf fremde Hilfe, mehr noch, auf Gottes Hilfe angewiesen ist. Vor allem viele Männer haben diesen Mut nicht. Sie erwecken den Anschein, als hätten sie alles im Griff und machen damit sich und anderen nur etwas vor.
Wenn du jünger bist, kann es schon sein, dass du eine Zeit lang ganz gut ohne fremde Hilfe zurechtkommst, zumindest bildet man sich das ein. Aber bei jedem kommt früher oder später die Zeit, da man erfährt, wie wenig man letzten Endes im Griff hat. Und dann?
Was, wenn das alles nicht mehr greift, worauf ich mich bisher verlassen habe? Wenn Beziehungen zerbrechen, gesundheitliche oder finanzielle Probleme auftauchen, wenn ich mir Sorgen machen muss um meine nächsten Angehörigen?
König David hätte doch alle Möglichkeiten gehabt, sich seiner Ängste zu erwehren. Er hatte ein starkes Heer, war mächtig und reich, was er befahl, geschah. Und trotzdem hat er erfahren müssen, dass ihm das alles nicht hilft. Doch David hatte auch die Größe, sich das einzugestehen und Gott um Hilfe zu bitten. Und er hat sie bekommen. Er hat Gott sozusagen seine leeren Hände hingestreckt und sie sich von ihm füllen lassen.
Aber wie will Gott meine Hände füllen, wenn ich mich krampfhaft an den Dingen festhalte, von denen ich mir Hilfe verspreche? Ich glaube, er hilft dann gern und schnell, wenn ich für ihn offen bin und nicht aus falschem Stolz oder falscher Scham so tue, als ob ich seiner Hilfe nicht bedürfte.
Der unbekannte Mann jedenfalls, der in aller Öffentlichkeit Jesus um Hilfe für seinen Sohn bat (Lehrtext), schämte sich dessen nicht. Er wusste, dass er seinem einzigen Kind nicht selbst würde helfen können. Er wusste aber auch die richtige Adresse, an die er sich wenden konnte. Und so bekam er die Hilfe, der er und sein Kind bedurfte.
Mach es wie König David, mach es wie dieser Vater. Sei mutig und zeige Gott, dass du in deinen Schwierigkeiten seine Hilfe brauchst. Du wirst ihn nicht vergebens bitten.

Gebet: Herr, ich brauche dich, nicht nur, wenn es mir schlecht geht, sondern jeden Tag, jede Stunde. Ich weiß, dass mein Leben ganz und gar von dir abhängt. Das habe ich schon so oft erlebt. Das wird auch künftig so sein. Darum preise ich dich mit König David und scheue mich nicht, weiterzusagen, dass du mir hilfst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Donnerstag, 2. Juli 2015

Die Rose von Jericho hl

Losung: Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. Psalm 63,2

Lehrtext: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß noch, wie mir mal mein Vater vom Christkindlesmarkt in Nürnberg die „Rose von Jericho“ mitgebracht haben. Zunächst war ich enttäuscht, weil das nur eine unscheinbare Pflanzenknolle war: braun und vertrocknet. Dann legte ich sie in einen Suppenteller mit Wasser und schon nach kurzer Zeit öffnete sich die Rose von Jericho und zeigte ihre grünen Herzblätter. Nachdem ich sie aus dem Wasser herausgenommen hatte, sah sie bald darauf wieder so aus wie zuvor: braun und vertrocknet.
Diese Pflanze kommt in den Wüstengebieten des Heiligen Landes vor. Sie kann lange Trockenzeiten überstehen, Monate, sogar Jahre und öffnet sich erst wieder, wenn sie mit Wasser in Berührung kommt.
Manchmal ist meine Seele wie die „Rose von Jericho“: Verkümmert und ausgetrocknet. Dann geht es mir schlecht. Dann habe ich eine Ahnung davon, wie es Menschen gehen muss, die Depressionen haben. Dann spreche ich mit König David »Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir , mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist .« (Losung)
Aber heute hören du und ich auch die Zusage des Lehrtextes: »Christus spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.« Ja, immer wieder einmal kommen solche Wüstenzeiten, in denen mir die Lebensfreude entschwindet und meine Seele dürstet. Und dann ist es manchmal ein Bibelwort, ein Lied oder ein Gebet, das mich erfrischt und meine Lebensgeister wieder weckt. Doch das geschieht nicht sofort. Bis ich soweit bin, dass ich mir von Gott wieder etwas sagen lassen kann, muss ich manchmal warten und den Durst aushalten wie die „Rose von Jericho“.
Ich wünsche dir und mir, dass wir diese Pflanze vor unserem inneren Auge haben, wenn uns die Kraft zum Glauben fehlt und unsere Seele einer Wüste gleicht, wenn wir verzweifeln möchten und dabei sind, Gott zu vergessen. Dann soll uns das Bild der „Rose von Jericho“ helfen, in der Zeit der Glaubensdürre auszuhalten, bis Jesus unseren Durst stillt mit seinem Wort, bis Gott wieder seinen Geist ausgießt und die Seele aufblüht und neue Hoffnung schöpft.

Gebet: Herr, manchmal jagt eine schlechte Nachricht die andere und trocknet meine Lebensfreude aus. Manchmal treffe ich Fehlentscheidungen, die ich hinterher bereue. Dann fühle ich mich wie in der Wüste: Einsam, verloren und am Verdursten. Aber du führst mich wieder zum frischen Wasser und erquickst meine Seele. Nein, ich warte nicht umsonst, sondern vertraue auf dich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 1. Juli 2015

Heiliges Feuer hl

Losung: Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? Jeremia 23,29

Lehrtext: Jesus sprach: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden. Lukas 12,49

Liebe Leserin, lieber Leser,

das heutige Losungswort ist eine Warnung an mich, der ich mit dem Wort der Bibel, also mit dem Wort Gottes, umgehe und es für Sie und dich auszulegen versuche. Es warnt mich eindringlich davor, allzu leichtfertig zu sagen, was Gott sagt, was er will und was er tut. Keinesfalls darf ich Gottes Wort mit meinen eigenen Vorstellungen verwechseln und es so hindrehen, dass es für dich und mich schon irgendwie passt. Das ist alles andere als einfach, zumal ich mich täuschen und Fehler machen kann.
     Hier der unmittelbare Zusammenhang, in dem das heutige Losungswort steht: »Ein Prophet (Priester, Pfarrer), der Träume hat, sollte sagen, dass es nur Träume sind, aber wer mein Wort empfängt, soll es gewissenhaft als mein Wort verkünden. Meint ihr, Stroh und Weizen seien dasselbe? Ich, der Herr, sage euch: Mein Wort ist wie ein Feuer und wie ein Hammer, der Felsen in Stücke schlägt! Diese Propheten (Priester, Pfarrer) bekommen es mit mir zu tun, sie, die einander die Worte stehlen und behaupten, sie hätten sie von mir! Sie werden mir nicht entkommen, diese Propheten (Priester, Pfarrer), die ihre eigenen Gedanken von sich geben und dann sagen: 'Der Herr hat gesprochen.
     Ja, Gottes Wort kann nicht nur aufbauen, sondern auch zerstören, was nicht in seinem Sinn ist. Wer in seinem Namen „leeres Stroh drischt“, muss sich darauf gefasst machen, dass es zu Asche verbrennt. Darum ist es Ihre / deine Aufgabe, immer wieder, selbst anhand des Wortes der Bibel zu prüfen, ob das, was andere im Namen Gottes sagen, stimmen kann. Auch bei diesen Losungsauslegungen ist der eigene, kritische Verstand gefragt. Und wenn du hier etwas liest, von dem du meinst, dass es mit Gottes Wort nicht übereinstimmen kann, solltest du das mir zurückmelden.
     Der Lehrtext heute klingt noch bedrohlicher. Denn da spricht Jesus voll glühender Leidenschaft von dem Aufruhr, den er seinetwegen unter uns Menschen bringt: »Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Meint ihr, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.«
     An ihm, so verstehe ich das, scheiden sich die Geister. Das war und ist vor allem dort so, wo er bisher keine Rolle gespielt hatte und plötzlich in einer Familie, in einer Gruppe, in einer Religionsgemeinschaft der eine oder andere Mensch zum Glauben an ihn kommt. Von Anfang an werden diejenigen, die sich zu Jesus bekennen, blutig verfolgt. Sein Bruder Stephanus wird von überzeugten Juden gesteinigt. Paulus, zunächst ein fanatischer Anhänger des jüdischen Glaubens, verfolgt Christen, bis er plötzlich selbst ein überraschendes Bekehrungserlebnis hat und Christ wird. Und zu unserer eigenen Schande, müssen wir zugeben, dass auch Christen andere abgeschlachtet haben, die sich nicht bekehren wollten wie zum Beispiel Karl der Große aufständische, heidnische Sachsen.
     Doch zurück in die Gegenwart. Heute noch kommt es in Familien zum Streit, wenn der eine oder andere seinen Glauben leben will und damit seine Lebenseinstellung und sein Verhalten ändert. Dann gilt er schnell als „Frömmler“ oder als Fundamentalist. Jesus weist im Lehrtext darauf hin, dass solche Streitfeuer unvermeidlich sind, mehr noch, dass er selbst diese Brände legt, in denen sich erweist, wie viel der Glaube seinen Freunden tatsächlich wert ist.

Gebet: Herr, gib mir die Kraft, unbeirrt an dir festzuhalten, auch wenn das nicht immer einfach ist. Gib mir die Geistesgegenwart, dein Wort so zu verstehen und weiterzugeben, wie es in deinem Sinn ist. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 30. Juni 2015

Dein Schutz- und Schildwort hl

Losung: Du bist mein Schutz und mein Schild; ich hoffe auf dein Wort. Psalm 119,114

Lehrtext: Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2.Thessalonicher 3,3

Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal kommt das biblische Losungswort wie gerufen.
Ich kenne Geschichten, wie ein Mensch durch die Losung wieder aufgerichtet und ermutigt worden ist. Wie er Kraft bekam, dem, was ihn bedrängte, zu widerstehen zum Beispiel einer bösen Krankheit oder politischer Verfolgung. Der Psalm 119 spricht davon, wie sich ein Mensch mit Gottes Wort schützt und wehrt. Ein solches Schutz- und Schildwort ist der heutige Lehrtext: »Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.«
Womit auch immer du heute kämpfen musst, wehre dich mit diesem Wort, kämpfe mit diesem Schild, auf dem steht: »Der Herr ist treu!« Du bist deinen Problemen und Sorgen nicht schutzlos ausgeliefert. Gott selbst ist dein Schild und gibt dir die Kraft, dem was dir zusetzt, zu widerstehen.
»Der Herr ist treu« – Sei du auch ihm treu und wappne dich mit seinem Wort.

Gebet: Herr, in den Herausforderungen, die auf mich warten, bin ich nicht allein. Denn du hast mir versprochen, bei mir zu sein und mich zu schützen. Darauf verlasse ich mich. Dich will ich im Herzen tragen und im Sinn haben, wenn es schwierig wird. Das wird mir die Kraft geben, die ich brauche. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 29. Juni 2015

Die Macht des Segens hl

Losung: Der HERR, dein Gott, wandelte dir den Fluch in Segen um, weil dich der HERR, dein Gott, lieb hatte. 5.Mose 23,6

Lehrtext: Christus spricht: Ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette. Johannes 12,47

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal geht der Schuss nach hinten los, wenn einer dem anderen eine Grube gräbt und selbst hinein fällt. Vielleicht haben Sie / hast du so etwas schon mal erlebt, dass man dir Böses wollte, aber das Gegenteil ist daraus geworden. Der Fluch hatte sich in Segen gewandelt.
Auf Sardinien durften früher die Frauen nur wertlose Grundstücke am Meer erben. Die wertvollen Ackergrundstücke landeinwärts gehörten immer den Männern. Doch jetzt hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Die Landwirtschaft bringt längst nicht mehr so viel ein wie man sich erhofft hat. Aber die Grundstücke am Meer sind im Wert sprunghaft gestiegen, weil dort Hotels und Ferienhäuser gebaut werden. Jetzt profitieren die Frauen Sardiniens davon, dass man sie jahrhundertelang mit den billigen Meer-Grundstücken abgespeist hatte.
Manchmal stellt sich eben ein Nachteil später als Vorteil heraus. Das ist dann so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Die einen meinen, das sei Zufall oder Schicksal. Ich meine, dass Gott seine Hand im Spiel hat, wenn sich ein Fluch in Segen wandelt so wie damals bei den Israeliten. Sie sollten von Bileam, einem bezahlten Magier, verflucht werden. Doch als er seinen Fluch aussprechen wollte, kam ein Segenswort heraus und er erkannte: Wen Gott segnen will, den kann man nicht verfluchen (Losung).
Es gehört zum Wesen Gottes, dass er uns Menschen nicht verflucht, auch wenn er vielleicht manchmal Anlass dazu hätte. Gottes „Beruf“ ist es, die Welt und mit ihr auch dich und mich und diejenigen, die ebenfalls immer wieder scheitern und schuldig werden, zu retten (Lehrtext). Dazu ist Jesus in Bethlehem geboren und auf Golgatha gestorben. Dazu hat Gott ihn auferweckt als ein Hoffnungszeichen für dich und mich.
Davon bin ich überzeugt: Auf Gemeinheit, auf Ungerechtigkeit und Betrug ruht kein Segen. Doch Gott segnet, wer ehrlich und aufrichtig ist, gerecht und großzügig.

Gebet: Herr, wenn andere mir Böses wollen, so sollen sie mir nicht schaden, weil du für mich eintrittst. Was andere von mir und über mich sagen, soll mich nicht fertig machen, solange du gut von mir denkst und mich segnest. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 28. Juni 2015

Seine Maßstäbe sind nicht meine Maßstäbe hl

Losung: Mach dich auf, Gott, und führe deine Sache. Psalm 74,22

Lehrtext: Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Matthäus 20,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal habe ich so Anwandlungen, dass ich mir wünsche, Gott möchte doch bei den islamistischen Terroristen dreinschlagen. Allein vorgestern gab es wieder drei Terroranschläge. Wie soll das bloß weitergehen? Wer wäre denn sonst in der Lage, das zu beenden?
Aber Gott führt nicht meine, sondern seine Sache. Er ist nicht mein Polizist, der für mich die Welt in Ordnung bringt. Ist nicht der von mir bestellte Richter, der die Schuldigen nach meinen Gesetzen bestraft. Seine Gerechtigkeit ist anders als das, was ich für gerecht halte. Das gefällt mir zwar nicht, aber wenn ich's genau bedenke und auf mich selbst beziehe, bin ich ganz froh, dass er mich nicht mit dem selben Maßstab misst, mit dem ich messe, dass er nicht so richtet, wie ich richte.
Jesus bringt das auf den Punkt mit seinem Gleichnis von den „Arbeitern im Weinberg“. Der Eigentümer des Weinbergs stellt früh um 6:00 Uhr Tagelöhner ein und vereinbart mit ihnen einen Gulden, also einen vollen Tageslohn für damals 12 Stunden Arbeit. Untertags stellte er noch weitere Arbeiter ein. Zuletzt noch einmal um 17:00 Uhr, eine Stunde vor Arbeitsende. Als es an die Auszahlung des Lohns geht, erhalten alle einen vollen Tageslohn, diejenigen, die 12 Stunden gearbeitet haben genauso wie diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben. Darüber sind die Ersteren empört. Das widerspricht ihrem Gerechtigkeitsgefühl: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Aber der Weinbauer sagt zu ihnen, dass er doch die Verabredung mit ihnen eingehalten habe. Und was er sonst mit seinem Geld mache, wie viel er den anderen bezahle, das sei seine Sache. Sie hätten also keinen Grund sich zu beschweren, bloß weil er zu anderen großzügig sei.
Ja, Gott führt seine Sache, aber er führt sie so, wie er es für richtig hält und nicht wie ich es für richtig halte. Und, wie gesagt, es kommt auch für mich gewiss wieder eine Situation, in der ich froh sein werde, dass er mich mit seinem Maßstab misst, mit Güte und Vergebung.
Und was ist mit den islamistischen Terroristen? Ja, ich würde mir wünschen, dass Gott ihnen sofort das Handwerk legen möchte. Aber die Ursachen für den Terror führen auch zurück in die Geschichte, als die Europäer Kolonialherren in der islamischen Welt waren oder als vor nicht allzu langer Zeit die Amerikaner die Terroristen von Al Kaida finanziert, den irakischen Staat zerstört und Libyen bombardiert haben. Wo also soll Gott dreinschlagen?

Gebet: Ja, Herr, führe deine Sache, handle du so, wie es deinem Willen entspricht und nicht meinem. Auch wenn ich dann vieles nicht verstehe, so will ich doch darauf vertrauen, dass du es letzten Endes richtig machst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 27. Juni 2015

Das Seesternprinzip hl

Losung: Du hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Psalm 8,6

Lehrtext: Aus freiem Willen hat Gott uns geboren durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam die Erstlinge seiner Geschöpfe seien. Jakobus 1,18

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Sturm in der Nacht hatte das Meer aufgewühlt. Nun hat es sich beruhigt. Am Strand sind Holz, Tang und Plastikreste angespült worden dazu zahllose Seesterne, die jetzt auf dem Trockenen in der Sonne liegen und bald sterben werden. Zwei Männer gehen am Strand entlang. Der eine von beiden bückt sich ab und zu und wirft einen Seestern zurück ins Meer. „Da fragt ihn der andere: „Warum tust du das. So viele Seesterne liegen hier herum. Da ist es doch egal, wenn du ein paar von ihnen ins Meer wirfst.“ „Du hast schon recht“, antwortet sein Begleiter, „aber denen, die ich zurück ins Wasser werfe, ist es nicht egal.“
»Herr, du hast dem Menschen eine hohe Stellung gegeben - nur wenig niedriger als die Engel. Mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt. Du hast ihm den Auftrag gegeben, über deine Geschöpfe zu herrschen. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt: die Schafe und Rinder, die Tiere des Feldes, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im weiten Meer.« (Losung mit Folgesatz). Wie anders soll ich den Auftrag Gottes, über die Tiere zu herrschen, verstehen, als dass er mich in die Pflicht nimmt, für sie zu sorgen und ihr Lebensrecht zu respektieren?
Wer ein Tier quält, auf welche Weise auch immer, mutwillig oder indem es überzüchtet und nicht artgerecht gehalten wird, der missachtet die „hohe Stellung“, die Gott ihm gegeben hat und sinkt selbst noch unter die Tiere. Und wenn mir als Verbraucher egal ist, wie das Fleisch und die Eier „produziert“ worden sind und ich als Schnäppchenjäger, der alles möglichst billig will, vor der Fleischtheke stehe, dann ist das ebenfalls Tierquälerei, weil ich dann zur perversen Produktion billiger Nahrungsmittel beitrage.
Der heutige Lehrtext heißt in einer anderen Übersetzung: »Es war Gottes Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die rettende Botschaft, neues Leben geschenkt hat. So sind wir der Anfang einer neuen Schöpfung geworden.« Ich verstehe das so: Wenn Gott mir neues Leben geschenkt hat, dann kann ich nicht auf die alte Art und Weise weitermachen wie bisher, dann soll ich mich in meinem Verhalten von anderen unterscheiden, die von Gott nichts wissen wollen, denen die Mitgeschöpfe egal sind und die nach dem Motto leben „Nach mir die Sintflut“. Wenn ich „der Anfang einer neuen Schöpfung“ geworden bin, soll ich die alte Welt mit anderen Augen sehen. Dann habe ich Verantwortung vor Gott, dass etwas von dem neuen Leben und der neuen Schöpfung dort zu spüren ist, wo ich bin.
Nein, ich kann die Welt nicht retten. Ich kann nicht verhindern, dass so viele Geschöpfe Gottes, Menschen wie Tiere, unter der Gier, der Gleichgültigkeit und der Grausamkeit anderer Menschen leiden müssen. Aber ich kann da, wo ich bin, wenigstens ein paar Seesterne ins Meer zurückwerfen.

Gebet: Herr, du hast mir deine wunderbare Schöpfung geschenkt, damit ich mich mit anderen Geschöpfen daran freue und meinen Teil dazu beitrage, sie zu erhalten. Du hast mir durch die rettende Botschaft Jesu neues Leben geschenkt, damit ich durch mein Verhalten zeige, dass dir die alte Welt nicht egal ist. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 26. Juni 2015

Die Hoffnung nicht aufgeben ebl

Losung: Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.
Jesaja 49,13

Lehrtext: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.
Titus 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich laufe oft früh am Morgen ein Stück in den Altmühlgrund hinein. Wenn dann, wie vorgestern, nach einigen Regentagen wieder ein klarer Morgen mit blauem Himmel heraufzieht, laufe ich mitten hinein in ein ‚Schöpfungslob‘: Das feuchte Gras riecht wunderbar, der Storch stakst auf der Wiese dahin und der Graureiher fliegt auf und schwebt hinter dem Schloss davon. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die Äcker und die Vögel zwitschern. Das bedeutet „Himmel und Erde, jubelt!“ – zumindest für mich.

In dieser Vollendung, die ganz allein Gottes Werk ist und die ich als Geschenk erlebe, steckt für mich eine tiefe Hoffnung: Gott ist da. Trotz der niederdrückenden ‚Tagesthemen‘ vom Vorabend, trotz vieler frustrierender Nachrichten in der ‚Fränkischen Landeszeitung‘. Wir Menschen sind ihm nicht egal, auch wenn wir so oft blind vor uns hinwursteln. Gott wendet sich uns freiwillig und voller Liebe zu. In Jesus Christus auf eine Weise, die unübersehbar ist.

Meine Aufgabe ist es, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wie Gott mit unserem ‚menschgemachten‘ Chaos fertig wird und das in Ordnung bringt, ist seine Sache. Kann sein, dass er mich dazu braucht. Aber dann bin ich zum Glück nur seine Handlangerin. Die Verantwortung hat er.


Gebet: Herr, manchmal schenkst du uns  Momente, in denen alles stimmt. Da lässt du uns kurz durchs Schlüsselloch in deine erlöste Welt schauen. Damit gibst du uns eine Vision und die Kraft, an dir festzuhalten. In allem alltäglichen Gezänk, in allen Schwierigkeiten und Mühen. Danke, Herr, dass du dich uns zuwendest, uns wahrnimmst und liebevoll begleitest. Amen.



Herzliche Grüße und ein erholsames Wochenende wünscht dir und Ihnen

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr








Donnerstag, 25. Juni 2015

Öffne ich die Tür? Losung und Lehrtext für Donnerstag, 25.06.2015 hl

Losung: Der HERR harrt darauf, dass er euch gnädig sei.
Jesaja 30,18

 Lehrtext: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer immer auf meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und das Mahl   halten, ich mit ihm und er mit mir.
Offenbarung 3,20


Liebe Losungsgemeinschaft,
Gott drängt sich nicht auf. Er sehnt sich zwar danach, mir seine Zuneigung zu zeigen, aber es hängt von mir ab, ob ich mich ihm öffne. Das wird mir immer klarer. Und damit wird mir auch immer klarer, dass es Bereiche und Räume in meinem Leben geben muss, wo Gott überhaupt erst einmal die Chance bekommt, mit mir in Berührung zu kommen. Je schnelllebiger und gehetzter es bei mir zugeht, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gott und ich zusammenkommen.

Wenn es bei mir an der Türe klingelt, bin ich diejenige, die entscheidet, ob ich die Tür öffne oder nicht. Gott nimmt dieses simple Beispiel, um seine Situation mir gegenüber zu beschreiben. Er steht vor der Tür, käme gern in mein Leben hinein, und ich bin diejenige, die entscheidet, ob sie aufmacht oder nicht.
Stille Zeiten zum Bibellesen daheim. Ein Gottesdienst, aus dem ich für die Woche etwas mitnehme. Glaubenslieder, die mich ansprechen. Ein Segenskreuz für meine Kinder und ein Gebet mit ihnen, bevor sie morgens in die Schule gehen. Spazierengehen draußen im Wiesengrund. Das ist die offene Tür für Gott.


Gebet: Gott, tritt ein. Die Tür zum Haus meines Lebens soll dir offenstehen. Und wenn sie sich zu schließen droht, drück du sachte von außen dagegen und komm trotzdem herein. Ein Leben ohne dich will ich nicht führen. Auch wenn ich mich manchmal so verhalte. Komm, sei und bleib jeden Tag mein Gott und Vater. Amen.

Herzliche Grüße und Zeit zum Genießen der Sonnenwärme wünscht dir und Ihnen

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr








Mittwoch, 24. Juni 2015

Umkehren im eigenen Denken. Losung und Lehrtext für Mittwoch, den 24.06.2015 ebl

Losung: Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen und will euch bringen nach Zion.
Jeremia 3,14

Lehrtext: Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Matthäus 3,1-2

Liebe Leserin, lieber Leser,
anderen Göttern sind sie hinterhergelaufen, die Israeliten. Was Gott ihnen zu sagen hatte, hat sie nicht mehr interessiert. Das lässt Gott so nicht stehen. Er erinnert sie daran, dass sie mit ihm einen Bund geschlossen hatten. Einen solchen Bund mit Gott kündigt man nicht mal ‚einfach so‘ auf. Da legt Gott Widerspruch ein und holt sich seine Menschen – im Bild gesprochen – zur Krisensitzung zusammen und es geht ans Eingemachte. Fehler und Schwächen werden da zum Thema, gehaltene und gebrochene Versprechen. (Aber immer macht Gott auch eine neue Perspektive auf.)

Aua. Dieses Verhalten widerspricht unserem Zeitgeist. Wir wickeln ‚Beziehungsthemen‘ inzwischen gern über soziale Medien ab. („Ich trenne mich von dir“ in einer SMS beendet  immer wieder eine Liebesgeschichte.) Wir sitzen uns für unangenehme Themen meist nicht mehr gegenüber, sehen uns dabei nicht mehr in die Augen, müssen die Reaktionen des Anderen nicht mehr hautnah erleben. Das ist nicht gut. Denn da wird eine Kälte und eine Härte alltäglich, die wir im direkten Austausch nicht an den Tag legen würden.

„Kehrt um zu Gott! Denn jetzt beginnt seine neue Welt!“ hat Johannes der Täufer den Leuten eingeschärft. Mit Jesus kommt die Liebe Gottes ‚zum Anfassen‘ zu uns. Kann sein, dass uns da manches leidtut, was wir in der Vergangenheit gemacht haben, ohne groß nachzudenken. Gut, wenn es dann jemanden gibt, dem wir das sagen und darüber auch gemeinsam beten und die Themen Gott übergeben können.

Nichts anderes heißt das alte ‚Buße tun‘. Umkehren im eigenen Denken. Und sich dann anders als früher verhalten. Das hört sich doch machbar an, oder?

Gebet: Vater, du lässt uns nicht mit einem Schulterzucken gehen, wenn wir uns aus Bequemlichkeit oder Unwohlsein von dir abwenden. Dir ist es ernst mit uns. Danke, dass du uns gegenüber hartnäckig bist und uns in manchen Dingen wieder und wieder ansprichst. Bis wir merken, dass wir mit deiner Hilfe das Umdenken lernen sollten. Amen.


Herzliche Grüße!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr








Dienstag, 23. Juni 2015

Anders reich sein. Losung und Lehrtext für Dienstag, 23.06.2015. ebl

Losung: Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben.
Psalm 4,8

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht.
Philipper 4,11

Liebe Leserin, lieber Leser,
ich erinnere mich noch an meinen ersten Umzug. Der ging von Poppenreuth, wo ich aufgewachsen bin, nach Neuendettelsau. Dort habe ich mein Theologiestudium angefangen. Alles, was mir gehört hat, passte damals in den VW-Bus meiner Eltern. Inclusive Fahrrad. (Den VW-Bus haben sie wieder mitgenommen, nachdem ich meine Sachen ausgeladen hatte.) Und heute? Heute ist der Dachboden vom Pfarrhaus voll mit dem und jenem. Gut, dass wir keinen einzigen brauchbaren Kellerraum haben. Sonst stünde der auch voll mit dem und jenem.

Das Verrückte ist: Das Gefühl, zufrieden zu sein und gut leben zu können, steigt nicht proportional zum Besitz an. Salami, Weißbrot und ein guter Tropfen gemeinsam mit ein paar Freunden im Bonner Hofgarten haben mich als Studentin tief zufrieden heimradeln lassen. Es sind die nicht materiellen Dinge, die kostbar sind: die Hand voll verlässlicher Freunde, bei denen ich auch mal mein Herz ausschütten kann. Die liebevollen Zeichen, die mir deutlich machen: ‚Dein Platz ist jetzt hier und es ist schön, dass es dich gibt‘. Das Glück, mit anderen schöne Dinge wie die Musik und Loblieder für Gott teilen zu können.

Je weniger ich besitze, desto freier bin ich innerlich. Soviel zu haben, dass ich mir um das Nötigste für uns Vier+x (also unsere Familie inclusive wechselnder Katzen-Mitbewohner) keine Sorgen machen muss, empfinde ich als großen Segen. Aber wirklich viel haben will ich nicht. Damit Gott weiterhin den größtmöglichen Raum in mir hat und ich anders reich bin.


Gebet: Vater, danke, dass du so großzügig bist. Du gibst mir viel mehr als das Nötigste zum Leben. Danke für verlässliche Freunde, für Momente intensiver Gemeinschaft im Glauben und für viel Unterstützung.
Halte in mir die Bereitschaft zum Teilen wach und den Blick für diejenigen, die ideelle oder materielle Hilfe brauchen. Bewahre mir bitte einen gesunden inneren Abstand zum ‚Noch-mehr-haben-Wollen‘. Amen.


In Vorfreude auf die langsame Rückkehr des Sommers grüße ich dich und Sie herzlich!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr







Montag, 22. Juni 2015

Erst mal den Chef fragen. Losung und Lehrtext für Montag, den 22. Juni 2015 ebl

Losung: Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
2.Samuel 22,37

Lehrtext: Jesus sah einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm.
Matthäus 9,9


Liebe Losungsgemeinschaft,
könnte ich das auch so sagen wie David? „Du, HERR, hast den Weg vor mir frei gemacht, nun kann ich ohne Straucheln vorwärtsgehen.“ In den Zeiten, in denen ich mich selber mehr dahinstolpern sehe als dass ich aufrecht gehe, ist es eher schwierig.

Und trotzdem kann diese Erfahrung von David mich ermutigen, wenn ich sie aufmerksam lese. „Du, Herr …“ beginnt sie. Das bedeutet ja, dass David erst einmal von sich selber wegschaut und sich auf Gott konzentriert. Er bespricht seine Probleme mit Gott im Gebet, bittet ihn vertrauensvoll um Hilfe. Und Gott handelt. Er macht den Weg vor David frei – löst scheinbar unüberwindliche Hindernisse auf eine Weise gemeinsam mit David, die verblüfft.

Dass in harten Lebensphasen der beste Schritt hin zu einer Veränderung zum Guten die Konzentration auf Gott ist, wird auch im heutigen Lehrtext deutlich. Der Zöllner Matthäus, langjähriger Kollaborateur der römischen Besatzer, muss erst seinen Schreibtisch an der Zollstation verlassen und Zeit mit Jesus verbringen, um ganz anders und ganz neu anfangen zu können. Auch er tauscht sich erst intensiv mit Jesus aus, bevor er selber aktiv wird.

Salopp formuliert, kann die Ermutigung für heute heißen: „Erst mal den Chef fragen. Er hat den Durchblick. Und dann auf seinen Rat hören und zuversichtlich in den Tag starten.“

Gebet: Vater, du hast in meinem Leben schon oft den Weg vor mir frei gemacht. Schwierigkeiten und Hindernisse haben mich nicht zerbrechen können, weil du da warst. Das macht mich zuversichtlich für heute und für die Zukunft. Du bist mein verlässlicher Begleiter. Als Schöpfer der Welt und als unser Vater ist dir nichts unmöglich. Danke, Herr, für jede Hilfe. Amen.



Dir und Ihnen herzliche Grüße aus Sommersdorf!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr





Sonntag, 21. Juni 2015

Das wäre die Lösung hl

Losung: Gib mir weder Armut noch Reichtum, gib mir zu essen, soviel ich brauche. Sprüche 30,8
 
Lehrtext: Unser tägliches Brot gib uns heute. Matthäus 6,11
 
Liebe Leserin, lieber Leser,
 
das wär's. Das wäre die Lösung für den Hunger in der Welt, für die Griechenland-Krise, für die Verteilungskämpfe in Wirtschaft und Gesellschaft, für den Konflikt in der Ukraine und in anderen Weltregionen. Das wäre die Lösung in den Familien und auch für das eine oder andere meiner Probleme – dass man endlich einmal mit dem zufrieden ist, was man hat, dass einem das tägliche Brot reicht und man auf den täglichen "Kaviar" verzichten kann. Um nichts anderes beten wir ja, sooft wir das Vaterunser beten (Lehrtext).
Aber was nützt dieses Gebet, wenn man trotzdem immer mehr und mehr will? Wenn man die Gier nicht im Griff hat? Die Machtgier, die Habgier, die Geldgier, die Geltungssucht, die Eigensucht, die Sucht, immer das letzte Wort haben und haben und haben zu müssen…? Wäre das wirklich die Lösung, sich mit dem täglichen Brot zufrieden zu geben? Ich meine ja. Was meinst du?
Ob man mit dem Vaterunser die Welt regieren kann nach dem Motto: „Wir brauchen nicht immer noch mehr und mehr. Uns reicht, was wir haben?" Ja das ginge, wenn die Welt das zuließe. Aber ich kann mich selbst vom Vaterunser regieren lassen, kann genügsamer werden. Jeder kann das, der Einfluss und Verantwortung hat im Kleinen wie im Großen.

Gebet: Herr, bewahre mich in gleicher Weise vor Armut und Reichtum, dass ich zufrieden sein kann mit dem täglichen Brot und dem, was ich zum Leben brauche. Amen
Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag!
 
Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 20. Juni 2015

Schlussstrich hl

Losung: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten. Jesaja 53,5

Lehrtext: Christus hat unsre Sünde selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. 1.Petrus 2,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

tust du dich schwer mit der biblischen Aussage, dass einer für alle hat leiden müssen, dass einer für andere die Sünde getragen und die Strafe auf sich genommen hat, dass ein Unschuldiger für die Schuldigen hat sterben müssen? Ich schon. Was für einen Sinn soll das haben und was hat das mit mir zu tun? Ich kann mich einer Antwort nur vorsichtig annähern. Und es kann keine allgemeingültige Antwort sein, sondern eine persönliche, vorläufige, die ich für mich gefunden habe.
Beispiel 1: Das kommt schon mal vor, dass es in unserer Familie Streit gibt, wer denn nun die Pistazien aufgegessen hat, die doch für alle gedacht waren. Wenn dann der Streit zu eskalieren droht, weil einer die Schuld auf den anderen schiebt, sage ich manchmal: ‚Na gut, dann war's eben ich. Und jetzt ist Schluss.‘ Die ideale Lösung ist das auch nicht. Aber das Streitfeuer fällt in sich zusammen und allmählich kehrt wieder Friede ein.
Beispiel 2: Wenn du auf dem Gehsteig eine zerbrochene Saftflasche siehst, dann bückst du dich, sammelst die Scherben ein und trägst sie zum nächsten Abfallbehälter. Mancher, der an dir vorbei geht, denkt dann: ‚Wie ungeschickt ist doch dieser Typ, dass er eine Flasche fallen lässt.‘ Aber das darf dir dann nichts ausmachen. Wichtig ist nur, dass die Scherben vom Gehsteig verschwinden und sich niemand verletzt oder weiterer Schaden entsteht. Es würde nichts bringen, nach dem Schuldigen zu fahnden. Der ist längst über alle Berge. Es bringt nur etwas, wenn du dich so verhält, als seist du selbst der Schuldige gewesen, der Verursacher der Scherben, und sie beseitigst.
Vielleicht weißt du noch ein besseres Beispiel, wie einer, der selbst keine Schuld hat, für die Schuld anderer einsteht.
Bei Jesus nun geht es nicht um solche Geringfügigkeiten wie aufgegessene Pistazien oder zerbrochene Saftflaschen, sondern um das Versagen, die Fehler und die Schuld von uns allen. Indem er das alles aufs Kreuz (Holz) hinaufgetragen hat, macht er deutlich: Gerechtigkeit heißt, dass man für die eigene Schuld einstehen und die Konsequenzen tragen muss. Sie kann aber auch heißen, dass einer bereit ist, für die Schuld anderer einzustehen und die Konsequenzen auf sich zu nehmen, damit endlich vergeben und ein Schlussstrich gezogen werden kann. Gott zeigt uns diesen Weg zum Frieden und zur Versöhnung. Er ist ihn in Jesus vorausgegangen. Doch wer hat die Kraft und die Größe ihm zu folgen?
Nein, ich erfasse den Sinn des Opfertodes Jesu am Kreuz in seiner ganzen Tiefe noch immer nicht. Und es wäre noch viel dazu zu sagen. Aber ich vertraue darauf, dass Gott mir vergibt, wenn ich ihn darum bitte, weil Jesus alle meine Schuld abgebüßt hat. Das befreit mich und motiviert mich, so zu leben, wie es ihm gefällt.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir mein Versagen nicht nachträgst. Du nagelst mich nicht auf meine Schuld fest. Du bist mir nicht böse und verfolgst mich nicht mit deinem Zorn. Um meines Bruders Jesus willen vertraue ich darauf, dass du mir vergibst, wenn ich dich aufrichtig darum bitte. Gib mir auch die Kraft, so zu leben, wie du es von mir erwartest und wie es mir und anderen gut tut. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 19. Juni 2015

Der Herr ist DEIN Hirte! hl

Losung: Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Psalm 23,2-3

Lehrtext: Jesus sprach: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,27-28

Liebe Leserin, lieber Leser,

falls Ihnen /dir das heutige Losungswort etwas sagt, dann kennst du den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“. Und wenn deine Seele zur Zeit hungert und dürstet, weil sie ausgezehrt ist von Stress und Sorgen, dann kommt dieses Bibelworte gerade recht. Dann sollst du wissen: Ja, Gott führt dich dorthin, wo du neue Kraft bekommst. Vielleicht bist du dort noch nicht angekommen. Vielleicht suchst du noch nach anderen Dingen, die deine Seele wieder satt machen könnten. Aber jetzt hast du die Zusage der Losung gelesen. Jetzt weißt du wieder, auf wen du dich verlassen, wem du folgen kannst, wer dich nicht mit billigem Trost abspeist, sondern dafür sorgt, dass du innerlich nicht verhungerst und verdurstest. Denn der Herr ist nicht irgend ein, sondern dein Hirte. Er sorgt dafür, dass du Ruhe findest, aufatmen und wieder neue Kraft tanken kannst. Deine Verzweiflung, deinen Schmerz, deine Enttäuschung – gib sie ihm. Wenn Tränen kommen, lass sie fließen. Wenn du das Bedürfnis hast, dir dein Leid von der Seele zu schreien, setzt sich ins Auto und schreie. Er wird dich hören.Höre du auch auf seine Stimme und folge ihm.

Gebet: Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr