Mittwoch, 25. Dezember 2019

Du hast mir so gefehlt (Weihnachtspredigt) hl

Predigt von Hans Löhr in den Christvespern 2019
Lehrtext: Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 1. Johannes 4,10

Liebe Freunde,

kennst du die Weihnachtsgeschichte? Freilich, wirst du dir denken. Ich habe sie doch vorhin erst wieder gehört. Die Älteren hier werden sie in ihr.er Kindheit auch auswendig gelernt haben. Viele haben sie in einem Krippenspiel nachgespielt. Meldet euch doch bitte, wer mal in einem Krippenspiel mitgemacht hat.
     Bestimmt erinnert sich der eine oder die andere noch an die Rolle als Hirte oder als Josef oder Maria oder wie er einer der drei Könige war. Und manche Frau erinnert sich jetzt an ihre Rolle als Engel im Krippenspiel. Aha, ich habe also einen Engel geheiratet. Gut, dass ich das endlich weiß.
Als ich gestern meinen Sohn fragte: „Welche Rolle hattest du denn?“, sagte er mit etwas Bedauern: „Ich war immer nur Hirte.“ Die Hirten hatten meistens einen Hut auf und den Vorteil, dass sie nichts sagen mussten. Die Engel hatten weiße Kleidchen, manchmal auch Flügel. Josef stand stumm mit einem Stab neben der Krippe und musste nur fromm schauen. Und Maria wiegte eine Puppe in ihren Armen. Und dann gab es oft noch den hartherzigen Wirt. Aber der durfte wenigstens was sagen. Die Kinder waren stolz. Die Eltern waren entzückt. Die Gottesdienstgäste haben sich gefreut. So ungefähr waren die Krippenspiele und sind sie bis heute.

Was kann ich glauben? Wie kann ich glauben?
     Doch nun frage ich dich: Wovon handelt eigentlich die Weihnachtsgeschichte? Nein, die Frage ist gar nicht so banal, wie sie zu sein scheint. Klar, sie handelt von der Geburt Jesu, des Retters der Welt. Aber das alles ist ja nur deinetwegen geschehen. Darum handelt die Geschichte von dir, genauer: von deinem Glauben. Wann, wenn nicht an Weihnachten ist das ein Thema. Ich weiß, dass viele da unsicher sind. Was kann ich glauben? Wie kann ich glauben? So fragt sich insgeheim mancher, der heute hierhergekommen ist. Vielleicht kann ich darauf ein paar Antworten geben.
     Glauben heißt, Gott grüßen. Das ist nicht kompliziert. Ich schlage morgens die Augen auf und bevor ich aufstehe, bevor ich mir Gedanken oder Sorgen mache, was heute alles wieder auf mich zukommt, sage ich diesen schlichten Satz: "Guten Morgen, lieber Gott. Schön, dass du da bist!" Das war’s schon. Und dann gehe ich mit ihm in den Tag: Ins Bad, in die Küche, auf die Arbeit, zu den Kunden, in den Supermarkt, zum Arzt ... wohin auch immer. "Schön, dass du da bist!"
     Ich bin ja nicht zu ihm gekommen, sondern er zu mir - und zu dir. Heute, an Weihnachten, feiern wir das. Heute vergewissern wir uns gemeinsam: Wir sind nicht allein. Wir leiden nicht allein. Wir sind mit unseren Sorgen nicht allein. Immer gilt: ‚Schön, dass du da bist‘, am Morgen und am Abend; tagsüber und in der Nacht.

Nicht du, sondern er
     Heute feiern wir gemeinsam: Gott ist in dem Jesuskind zu uns Menschen gekommen, zu jedem, ohne Ausnahme. Zu den Glaubenden und zu denen, die Probleme mit dem Glauben haben. Zu den Tüchtigen und zu denen, die nicht perfekt sind und manches verbockt haben. In einem Satz: zu dir und zu mir. Die Krippe hier vor dem Altar ist dafür das Zeichen: Gott ist da. Ist unter uns. Bei dir. Er ist Mensch geworden, ein Kind, damit auch wir ihm nahe sein können.
     Noch mal: Nicht du bist zu Gott gekommen, sondern er zu dir. Nicht du hast ihn gesucht, sondern er hat dich gefunden. Zwischen Gott und uns Menschen ist ein größerer Abstand als zwischen Himmel und Erde. Er hat ihn überwunden. Jetzt ist er da. Für dich. Für wen denn sonst?
     Doch was hilft dir das, wenn du das nur hörst, aber nicht glaubst?Was hilft dir eine große Erbschaft, wenn du der Mitteilung nicht glaubst? Du bist dann zwar reich, aber du weißt nichts davon. Du könntest alle deine Schulden bezahlen, aber du glaubst nicht daran. Du bleibst arm, obwohl du reich bist. Was für eine absurde Situation!
     Heute, am Heiligen Abend, hörst du zum wiederholten Mal: Dein Reichtum liegt nicht in einem Tresor. Er liegt in einer armseligen Krippe, in einem wertlosen Futtertrog. Dein Reichtum hat einen Namen. Er heißt Jesus, auf Deutsch "Gott hilft!". Und wem? Dir!
     Mach diesen Reichtum zu deinem Reichtum. Du musst dazu nicht lang und breit in der Bibel lesen, nichts auswendig lernen, musst nicht dauernd in die Kirche gehen? Das kannst du alles tun. Doch das mit dem Glauben ist viel einfacher.

Schön, dass du da bist

     Also, wenn du morgen früh aufwachst, dann sage als erstes: "Guten Morgen, lieber Gott, schön dass du da bist!" Nun, vielleicht kannst du das selbst nicht so recht glauben. Macht nichts. Übermorgen sagst du es wieder und überübermorgen auch und jeden Tag bis zum neuen Jahr. Und am Silvestermorgen sagst du: „Guten Morgen, lieber Gott. Schön, dass du das ganze Jahr über für mich da warst und für meine Lieben auch. Schön, dass du uns gut hindurchgebracht hast.“ Und am ersten Tag des neuen Jahres sagst du: „Guten Morgen, lieber Gott, schön, dass du da bist. Hilf mir glauben, dass du auch an jedem Tag dieses Jahres für mich da sein wirst.“
     Und dann, lieber Freund, dann lebe einfach, was du jeden Morgen gesagt hast. Dann gehe einfach davon aus, dass das stimmt und vertraue, dass du nicht mehr allein bist. So wirst du zu einem Menschen mit Gottvertrauen. So wirst du zuversichtlicher und gelöster. So kannst du freundlicher und selbstsicherer sein. Glauben heißt: Gott grüßen, jeden Tag aufs Neue.
     Doch nun wieder zurück zum Heiligen Abend:
     Vor ein paar Jahren sah ich eine Karikatur. Da sagt ein älteres Ehepaar bepackt mit Geschenken zu einem Jungen:„Na, was bringt dir denn das Christkind?“, und er antwortet: „Erlösung“. Stimmt, haben viele vergessen. An Weihnachten schenkt uns Jesus "Erlösung", etwas, was man um alles Geld der Welt nicht kaufen kann. 

Der große Sund
     Doch wovon hat mich Jesus erlöst? Martin Luther würde sagen: Von Sünde, Tod und Teufel. Sünde kommt von Sund und ist im Wortsinn etwas, das trennt: So trennt die Meerenge ‚Strelasund‘, nach der die Stadt Stralsund an der Ostsee benannt ist, die Festlandsküste von der Insel Rügen. Und der Sünden-Sund trennt mich von Gott. Von ihm getrennt sein – das ist die eigentliche Sünde, das eigentliche Drama.
     Im Jesuskind kommt Gott über diesen Sund zu mir und hebt auf, was mich von ihm trennt. Jetzt bin ich mit meinen Lasten und Sorgen nicht mehr allein. Jetzt spricht er mitten hinein in meine Ängste und sagt: „Fürchte dich nicht! Hab Vertrauen. Was auch geschieht, ich bin bei dir und helfe dir!“ Kann ich das glauben? Ich will. Und das verändert mich:
     Als einer, den er liebt, habe ich es nicht mehr nötig, ständig nach der Anerkennung durch andere Menschen zu gieren. Als einem, dem vergeben ist, kann ich zu meinen Fehlern und Schwächen stehen. Als sein Kind bin ich schon wer noch bevor ich etwas aus mir machen muss. So erlöst er mich auch aus der Heidenangst vor dem Tod und aus der Furcht vor irgendwelchen bösen Mächten. Du und ich, wir werden nicht erlöst. Wir sind es bereits. 
     Heute, an seinem Geburtstag, feiern wir, dass Gott bei uns ist und es nichts mehr gibt, was uns von seiner Liebe trennen kann, weder die Sünde, noch eine böse Macht, noch der Tod. Heute grüßen wir wieder das Kind in der Krippe und sagen: „Schön, dass du geboren bist!“ Durch dich scheint das warme Licht von Gottes Liebe in diese kalte Welt.
     Darum geht es im Krippenspiel und im Glauben. Heißen wir also das Jesuskind bei uns willkommen und grüßen wir es mit den Worten: „Schön, dass du da bist, du hast uns so gefehlt“. 

Amen


Kommentare:

  1. Guten Morgen, lieber Gott, schön, dass du da bist.
    Frohe Weihnachten uns allen. Lasst uns glauben an sein Versprechen.
    Elisabeth

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  2. Guten Morgen lieber Gott, schön, dass du da bist. Und danke, dass du durch andere Menschen zu mir sprichst. Danke auch Ihnen Herr Löhr, dass Sie täglich hier schreiben und von Gott erzählen. Ich lese diesen Blog beinahe täglich. Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie, Marianne

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  3. Herzlichen Dank für Ihre Grüße zu Weihnachten.
    Auch Ihnen frohe und gesegnete Festtage!
    Ihr Hans Löhr

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