Montag, 26. Februar 2018

Das barmherzige Darum hl

LosungWir haben gesündigt samt unsern Vätern, wir haben unrecht getan und sind gottlos gewesen. Psalm 106,6 

Lehrtext Erlöse uns von dem Bösen. Matthäus 6,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche meinen, Christen seien Menschen, die immerzu schuldbewusst und mit gesenktem Haupt durch ein freudloses Leben schleichen, sich ständig an die Brust klopfen und selbst anklagen. Ob es solche Leute jemals gegeben hat? Ob das nicht alles nur eine Karikatur ist? Ich jedenfalls kenne aus meiner näheren Umgebung niemand, der so lebt. Nur in Büchern und Filmen begegnen mir manchmal solche Gestalten. Aber heißt das dann, dass sich Christen keiner Schuld bewusst wären und keinen Grund hätten sie zu bekennen?
     Nein, das heißt es nicht. Deshalb sprechen wir ja zu Beginn der Sonntagsgottesdienste das Sündenbekenntnis und darin heißt es: »Vor dem heiligen Gott erkennen wir, dass wir nicht so gelebt haben wie er es erwartet und wie es uns gut tut. Wir sind ihm, unseren Mitmenschen und auch uns selbst manches schuldig geblieben. Das tut uns leid und so bitten wir Gott um Vergebung.« Ein solches Bekenntnis ist das Heilmittel gegen das Gift der Selbstgerechtigkeit. Aber dann heißt es weiter: »Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.« Darauf folgt die Gnadenzusage: »Gott sich hat sich unser erbarmt. Um seines Sohnes und unseres Herrn Jesus Christus willen sieht er unser Versagen nicht an. Auf seine Liebe ist Verlass
      Warum sagen wir das? Um uns selbst zu erniedrigen? Für mich sind es zwei Gründe: Einmal die Einsicht, dass ich ein fehlbarer, unvollkommener Mensch bin mit problematischen Gefühlen und Gedanken, die schnell zu Wort und Tat werden können. Zum anderen aber, dass ich genau deswegen von Gott geliebt werde, weil mir nur seine Liebe hilft und mich heilt. Er überlässt mich nicht mir selbst mit meinen Problemen, sondern kommt in Jesus zu mir. In der Bibel heißt es dazu: »Gott zeigt seine Liebe zu uns gerade dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.« (Römer 5,8) Zugespitzt heißt das: Wäre ich fehlerlos, sündlos und gerecht, würde er mich nicht lieben. Darum sind Selbstgerechtigkeit, die Unfähigkeit zur Selbstkritik und Kritikempfindlichkeit ein so großes Problem für das Zusammenleben mit Gott wie den Menschen.     
     Mir sind solche, die Fehler machen und dazu stehen können, lieber als solche, die meinen, sie würden schon alles richtig machen, die alles vertuschen müssen und eigene Schuld auf andere schieben. Ich mache ja auch Fehler. Ich sündige ja auch und bin auf Verständnis und Vergebung angewiesen wie sie.
     Nein, Christen sind nicht immerzu schuldbewusst und schleichen mit gesenktem Haupt durch ein freudloses Leben. Ich jedenfalls lebe in dem Glauben, dass Gott mich von dem Bösen außer mir und in mir (Lehrtext) erlöst. Darauf vertraue ich, sonst würde es keinen Sinn machen, im Vaterunser darum zu bitten. Vor allem aber lebe ich in dem Glauben, dass er mich liebt, weil ich so bin wie ich bin: eben nicht liebens-wert, sondern liebes-bedürftig. Ich bedarf seiner Liebe, ich brauche sie, und er schenkt sie mir. Das macht mich immer wieder frei und unbeschwert, dass ich mich meines Lebens freuen, ihn loben und ihm danken kann.
     Viel zu lange mussten sich viel zu viele Christen schlecht fühlen, weil ihnen hauptsächlich ihr Versagen und Gottes angeblicher Zorn vor Augen geführt wurde. Das war noch nie in seinem Sinn auch wenn kirchliche Würdenträger das behauptet haben. Höchste Zeit, dass damit Schluss gemacht wird.
     Auf einer Facebook Seite habe ich den Spruch gelesen »Ein Freund ist ein Mensch, der dich kennt und trotzdem liebt.« Das mag bei manchen Menschen so sein. Bei Gott ist das anders. Da heißt es: Gott wird ein Mensch, weil er mich kennt und darum liebt.« Kein gönnerhaftes Trotzdem, sondern ein barmherziges Darum! Es kommt so viel darauf an, diesen Unterschied zu verstehen, so viel.

Gebet

Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und darum liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und darum liebst.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach


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