Freitag, 2. Februar 2018

Vorsicht bei Demut hl

Losung: Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet? Hiob 21,22 

LehrtextAlle miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.  1.Petrus 5,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Arzt für Obdachlose
Gustave Flaubert schreibt in seinem Roman „Madame Bovari“ vom "Hochmut ihrer Selbsterniedrigung" und Friedrich Nietzsche ändert den Satz aus Lukas 18,14 folgendermaßen ab: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden.“ In beiden Fällen geht es um Heuchelei und Hochmut der scheinbar Demütigen. Ich habe es als Kind und auch später noch erlebt, wie manche Diakonisse, zu deren Berufung eigentlich auch die Demut gehört, auf sehr hochmütige Weise versucht hat, Macht auszuüben. Sie glaubte, in ihrem Habit unangreifbar zu sein. Und in gewisser Weise war sie das auch. Aber hatte man genug Lebenserfahrung, hat man sie doch durchschaut. Ja, in der gesamten Kirchengeschichte ist mit der Demut viel Schindluder getrieben worden. Und da diese Gefahr auch in den ersten Christengemeinden bestand, war das schon damals ein Thema (Lehrtext).
     Doch Demut heißt dem Wortsinn nach ‚Mut zum Dienen‘ und nicht zum Herrschen. So hat Jesus seinen Jüngern, obwohl er für sie Herr und Meister war, am letzten Abend seines Lebens die Füße gewaschen und gesagt, dass sie seinem Beispiel folgen sollten (Johannes 13,3-15, siehe Foto). Und was ist daraus geworden? 
     Es ist ziemlich heikel, wenn in der Kirche jemand von „Demut“ spricht, vor allem, wenn er sie von anderen fordert. Und darum befinde auch ich mich in einer gewissen Zwickmühle. Denn auch ich war und bin kein Franziskus von Assisi, kein Mahatma Gandhi und keine Mutter Theresa, die für sich freiwillig Armut und Demut gewählt haben. Aber so viel ist mir klar: Demut kann man einem anderen nicht verordnen. Dazu muss man sich selbst entschließen. Und dann sollte man seine Demut nicht nach außen zeigen. Im besten Fall spüren es einem die Leute ab, ob man demütig ist oder nicht. Und so kann ein Mensch in feinem Anzug bescheidener sein als einer in einer zerrissenen Mönchskutte.
     Und noch etwas gehört hierher. Ich erlebe es immer wieder, dass manchmal Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen besonders hochmütig sind, wenn sie endlich auf andere herabschauen können. Sie vergessen dann oft, woher sie kommen und dass da immer noch einer weit über ihnen steht, der auf sie kritisch hinunter sieht (Losung) und ihnen widersteht.
     Ich glaube, dass ich mich nicht zur Demut eigne. Aber natürlich will ich auch nicht hochmütig sein. Es wird doch hoffentlich einen Zwischenweg geben, eine Haltung, in der man ohne Dünkel und falsche Bescheidenheit normal miteinander umgehen kann. 
Gebet: Herr, ich wünsche mir, dass wir alle so miteinander verkehren, dass keiner sich herabgesetzt fühlt und keiner auf andere herabschaut. Doch damit das geschehen kann, muss ich bei mir damit anfangen. Sei du mir Beispiel und Vorbild, dass ich in einer Weise, die dich ehrt, mit anderen Menschen umgehen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden, sie werden im Internet-Blog korrigiert.
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Alle bisherigen Losungsauslegungen kann man hier im Internet-Blog nachlesen: <http://glaubenswachstum.blogspot.com/>
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

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