Donnerstag, 26. März 2015

Mut zum Reden hl

Losung: Ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen. Jesaja 51,16

Lehrtext: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir. Apostelgeschichte 18,9-10

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagt man. Doch das ist eine Faustregel, die nicht immer stimmt. Manchmal muss man reden, auch wenn man sich den Mund dabei verbrennt. Im Losungswort heißt es, dass Gott denen, die zu ihm gehören, sein Wort anvertraut hat; doch wohl nicht, um es zu verschweigen, sondern um davon zu reden. Nur wie soll man das machen? 
Als Pfarrer tue ich mich da leicht. Schließlich ist es mein Beruf, von Gott zu reden. Das erwartet man von mir. Aber wie ist das bei Ihnen /dir? Ich glaube nicht, dass Gott von dir erwartet, dass du ständig Bibelverse zum Besten gibst. Aber er erwartet von uns beiden, dass wir in bestimmten Situationen den Mund aufmachen und widersprechen, wenn zum Beispiel andere Menschen herabgesetzt werden, weil sie Fremde sind oder ungeliebte Nachbarn, weil sie eine andere Hautfarbe haben oder vielleicht zur angeheirateten Verwandtschaft gehören und so weiter. Und wenn du dann gefragt wirst, wieso du eine andere Meinung hast, kannst du sagen, dass das mit deinem Glauben zu tun hat, zum Beispiel mit dem 8. Gebot: Du sollst über andere nicht schlecht reden noch Unwahrheiten verbreiten (siehe Auslegung von Martin Luther zum 8. Gebot)
Man muss seine Meinung ja nicht gleich aggressiv vorbringen. Man kann sie auch anbieten wie man jemandem ein Stuhl anbietet. Vielleicht nimmt er ja darauf Platz.
Natürlich ist das nicht immer einfach, weil man leicht selbst zum Angriffsziel werden kann. Aber immerhin hat, wer für eine gerechte Sache, insbesondere für Gottes Sache den Mund aufmacht, ihn auf seiner Seite. So wurde es, dem heutigen Lehrtext dem zufolge, Paulus gesagt. Und ich glaube, dass das nach wie vor stimmt.

Gebet: Herr, wenn es denn so weit ist, dass ich jemandem widersprechen muss, dann gib mir den Mut dazu, aber auch die richtigen Worte, damit ich ihn nicht verletze und mich so selbst ins Unrecht setze. Amen


Herzliche Grüße

Hans Löhr 

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