Samstag, 28. Dezember 2019

Freiheit hl

Losung: Sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich ihr Joch zerbrochen und sie errettet habe. Hesekiel 34,27

Lehrtext: Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2.Korinther 3,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn du raus bist, raus aus dem Gefängnis, wo du nur fremdbestimmt leben durftest, raus aus einem Arbeitsverhältnis, das dich nur noch gestresst hat, raus aus einer Krankheit, die dein Leben bedroht hatte, raus aus einer Beziehung, in der du nur noch unglücklich warst, raus aus dem Berufsleben ..., wenn also das Joch zerbrochen ist und du frei bist, was dann?
     Dann bist du zuerst einmal glücklich und erleichtert. Dann beginnt für dich im besten Fall ein neues Leben. Und dann? Dann wird sich zeigen, ob du auf eigenen Füßen stehen kannst. Ob du mit deiner Freiheit zurechtkommst. Ob du Herr deiner Zeit sein und dein Leben so gestalten kannst, wie es dir und anderen gut tut. 

Freiheit macht Angst

     Freiheit aber ist alles andere als einfach. Vielen, sehr vielen macht Freiheit Angst, wenn sie ganz und gar die Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen, niemand mehr haben, der Vorgaben macht, der für sie sorgt, dem sie für ihre Misere die Schuld geben können. Freiheit überfordert viele, auch die Freiheit des Glaubens.
     Wie gern lassen sich Menschen von anderen sagen, was sie glauben sollen und dürfen, wie sie leben müssen, was sie zu tun haben. Groß ist das Bedürfnis, eine Führerfigur zu haben, der man auch in Glaubensdingen folgen kann. Eine geistliche Persönlichkeit, ein Guru, ein Seelenführer – was immer das sein soll - sind in unserer unübersichtlichen Zeit und Welt gefragt und werden verehrt. Ich hatte in meinem früheren Kollegenkreis gute Bekannte, die zwar ein abgeschlossenes Theologiestudium hatten, aber sich ihren „Meistern“ mit fernöstlichen, spirituellen Erfahrungen und Lehren unterwarfen.
     Wo bleibt da die nach wie vor aktuelle Ermutigung von Immanuel Kant, einem der größten deutschen Philosophen: »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.«?
Und ich möchte im Sinne der heutigen Losungsauslegung leicht abgewandelt hinzufügen: „Habe Mut, dich deines eigenen Glaubens zu bedienen, deinem eigenen Herzen zu folgen. Vor allem aber, habe Mut, Gott zu vertrauen!“
     Ich weiß, manchen ist der schlichte Glaube nicht intellektuell, nicht anspruchsvoll oder wissenschaftlich genug. Sie schämen sich, so wie Dietrich Bonhoeffer zu sagen:
            Gebet:
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Das aber, liebe Leserin, lieber Leser, ist Freiheit, wenn ich mich nicht mehr abhängig mache von anderen Menschen oder dem Drang, von ihnen anerkannt zu werden. Das ist Freiheit, wenn ich endlich zu der Einsicht gelangt bin, dass ich ganz und gar und in allem von meinem Gott abhängig bin und darum ihm vertrauen kann. Das ist Freiheit, wenn ich nicht nur mich liebe, sondern ihn und meine Mitmenschen. Und das ist die höchste Stufe der Freiheit, wenn ich auch die lieben kann, die ich nicht mag oder die mich nicht mögen. Denn dann bin ich auch von meinen Emotionen und Vorurteilen frei. Dann, so glaube ich, leitet mich der Geist des Herrn.

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr


Stationen der Freiheit (Versmaß: Hexameter)

von Dietrich Bonhoeffer 

geschrieben am 21. Juli 1944 im Gefängnis in Berlin-Tegel einen Tag nach dem gescheiterten Attentat Stauffenbergs auf Hitler.


Zucht (= Disziplin)

Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem
Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden
und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen.
Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen
und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist.
Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat (Bonhoeffer unterstützte das Attentat auf Hitler)

Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.

Leiden (Bonnhoeffer wurde in der Haft zur Untätigkeit gezwungen)

Wunderbare Verwandlung. Die starken, tätigen Hände
sind dir gebunden. Ohnmächtig, einsam siehst du das Ende
deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte
still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden.
Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit,
dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod (Bonhoeffer musste mit seiner Hinrichtung rechnen, die dann auch stattfand)

Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
dass wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.
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1 Kommentar:

  1. Danke, Herr Löhr, auch wieder für diese Gedanken und für den Extratext von Bonhoeffer. Den kannte ich noch nicht. Sein Gebet hat meinen Mann und mich die letzten 25 Jahre begleitet.
    Ja, mit neuer Freiheit umzugehen ist nicht leicht.Noch fällt es mir schwersie nach der langen Pflege meines Mannes sinnvoll zu leben.
    Herzliche Grüße.
    Rita Stammer

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