Losung: Gott tut
große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind. Hiob 9,10
Lehrtext: Von seiner Fülle haben wir
alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Ich glaube nicht an Wunder“ – sagt der Zeitgenosse, der
sich für aufgeklärt hält. „Wo“, so sagt er weiter, „sollten in einer
naturwissenschaftlich erklärbaren Welt auch Wunder noch einen Platz haben?!“
„Gut“, sage ich, „du glaubst also an deinen Verstand, an die
Vernunft, an die Logik. Pardon, natürlich glaubst du nicht daran, sondern du
bist felsenfest davon überzeugt, dass das der einzige Weg ist, sich selbst und
die Welt zu verstehen. Du meinst also zu wissen, dass du selbst kein Geschöpf
und mithin auch kein Wunder bist.
Aber was bist du dann? Ein Produkt des Zufalls? Ein ausschließlich
rational erklärbares Ergebnis der Evolution? Und was ist die Evolution? Auch
kein Wunder? Nur ein zufällig entstandener Prozess in einem zufällig
entstandenen Weltall mit einem nicht erklärbaren Beginn?“ Dann, so denke ich
mir, ist alles nur Zufall: Die Liebe und die Musik, die Hoffnung und der
Glaube, die Wissenschaft, Verstand, Vernunft, Logik, »der gestirnte Himmel über
mir und das moralische Gesetz in mir«, meine Gefühle, die Menschenwürde,
Gerechtigkeit, meine Kinder und nicht zuletzt ich selbst. Alles nur Zufall?
Ich glaube an Wunder – an Wunder ohne Zahl (Losung). Ich glaube weniger an die
übernatürlichen als vielmehr an die natürlichen Wunder. Denn im Grunde, wenn
man es nur genau bedenkt, ist alles, was ist, ein Wunder. Denn eigentlich
dürfte überhaupt nichts sein. Warum soll denn etwas sein?
Ja, der Mensch, und damit meine ich jetzt dich,
liebe Leserin, lieber Leser, du bist in meinen Augen das größte Wunder auf
Erden. Und darum sagt der Dichter vom Psalm 139: „Herr, ich danke dir dafür,
dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Wundervoll ist alles,
was du geschaffen hast - das erkenne ich!“ (Psalm
139,14) Ja, du bist ein Wunder. Und was für eins! Vielleicht magst du
dir ja mal Zeit nehmen und darüber eingehend nachdenken, allein schon über die
Tatsache, dass du denken und dich anderen mitteilen kannst, dass du für dich
und mit anderen zusammen glauben kannst.
Darum kann ich dem heutigen Losungswort nur aus ganzem
Herzen zustimmen: »Gott tut Wunder, die nicht zu zählen sind.« Und das hat
keiner gesagt, dem es gut ging. Das hat Hiob gesagt, der so viel Leid tragen
musste. Und auch dem Lehrtext kann ich zustimmen, dass das alles, was mich und
die große weite Welt ausmacht, Gnade ist, anders gesagt: Ein Geschenk. Aus ‚Gottes
Fülle‘ (Lehrtext) bin ich überreich
beschenkt. Und du auch.
Und falls du jetzt skeptisch bist, so nimm ein großes
Blatt Papier und schreibe alles auf, was dir geschenkt ist und was du dir nicht
selbst verdankst. Beginne bei den Atomen, aus denen du bestehst und geh über
dich hinaus, zu deinen Mitmenschen, mit denen und gehe zu dieser Welt, von der
du lebst.
Das größte Geschenk aber liegt in Bethlehem in einer
Futterkrippe und hier und jetzt in einem gläubigen Herzen. Es ist die
menschgewordenen Gottesliebe, von der unsere Menschenliebe ein Abglanz ist.
Gebet: Herr, es ist wunderbar, in deiner Welt mit
anderen Menschen zusammen leben zu dürfen. Es bleibt wunderbar, allem Leid,
allen schlechten Nachrichten, allen Sorgen und Ängsten zum Trotz. Darum komme
ich immer wieder zu dir, um dir für mein Leben zu danken und dir dafür alles zu
geben, was es überschattet. Das ist das Geschenk, das ich dir zur Krippe bringe.
Dafür bist du zu mir gekommen, dass du mir die Lasten abnimmst, um sie mit mir
und für mich zu tragen. Amen
Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr
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