Mittwoch, 8. April 2020

Sein letztes Konzert hl

LosungErfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus. Psalm 51,14

Lehrtext: Eure Traurigkeit soll zur Freude werden. Johannes 16,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

welcher Art ist dein Glaube? Kannst du auf Gott vertrauen? Spürst du seine Liebe in Jesus und gibst sie weiter? Wenn das deinen Glauben ausmacht, möchte ich dir dazu von Herzen gratulieren. Aber wie steht es mit der Freude?
     Als Jesus zu seinen Freunden von seinem bevorstehenden Tod spricht, sagt er:
»Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll sich in Freude verwandeln! (Lehrtext) Es wird so sein wie bei einer Frau, die ein Kind bekommt: Sie macht Schweres durch, doch sobald ihr Kind geboren ist, sind Angst und Schmerzen vergessen. Sie ist voll Freude, dass ihr Kind zur Welt gekommen ist. Auch ihr seid jetzt traurig, aber ich werde euch wiedersehen. Dann werdet ihr froh und glücklich sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen.«

Dinu Lipatti

     Die Osterfreude der Christen kennt den Karfreitag. Das macht sie so besonders, so intensiv und innig wie damals, am 16. September 1950 in Besancon. Der todkranke, rumänische  Pianist Dinu Lipatti gab sein letztes Konzert mit 45 Jahren. Auf dem Programm standen die lebensfrohen Walzer von Frederic Chopin. Doch gegen Ende zu verließen Lipatti die Kräfte. Er brach ab und spielte als letztes Stück den bewegenden Choral (klick:) Jesus bleibet meine Freude von Bach. Wenige Wochen später war er tot. Der Vers, den Lipatti beim Vortrag im Sinn hatte heißt:
Wohl mir, dass ich Jesum habe,
o wie feste halt ich ihn,
dass er mir mein Herze labe,
wenn ich krank und traurig bin.
Jesum hab ich, der mich liebet
und sich mir zu eigen gibet;
ach drum lass ich Jesum nicht,
wenn mir gleich mein Herze bricht.
     Das Konzert wurde mitgeschnitten. Vielen, die diese Aufnahme hören und die Umstände wissen, kommen noch heute die Tränen. Von Dinu Lipattis Plattenproduzenten Walter Legge ist das Zitat überliefert: „Gott lieh der Welt sein erwähltes Instrument, das wir für einen viel zu kurzen Zeitraum Dinu Lipatti nannten.“
     „Jesus bleibet meine Freude“ stamm von 1660. Der Choral „Jesu, meine Freude“ aus dem Jahr 1653 und der Choral „Freuet euch ihr Christen alle“ gar aus dem Jahr 1646. War das damals eine besondere Freudenzeit? 1648 war der 30jährige Krieg vorbei, der Karfreitag Deutschlands, der kein Ende zu nehmen schien. Das Land war in weiten Gebieten verwüstet und entvölkert. Es sollte noch bis weit ins nächste Jahrhundert dauern, bis die Wunden langsam heilen konnten.

Osterfreude mitten im Sturm

     Die Dichter jener drei Choräle hatten den Krieg noch miterlebt. Nein, sie hatten, äußerlich gesehen, keinen Grund zur Freude. Auch Dinu Lipatti nicht. Doch sie erlebten das Wunder des Glaubens, dass in der Leidenszeit Jesus ihre große Osterfreude wurde. Das stärkte ihr Gottvertrauen gerade in schwierigen Zeiten. Sie spürten durch ihn Gottes Liebe. Das hat sie mitten im Sturm getröstet, hat sie ruhig und froh gemacht, auch wenn äußerlich nichts wirklich gut war.
     Schade, dass ich davon nur schreiben kann. Ich würde dir ein solches Erleben, einen solchen Glauben und diese innere Freude gern schenken.
     Vertrauen, Liebe, Freude – das sind für mich die wesentlichen Empfindungen, die den Glauben ausmachen. Nicht immer bin ich in gleicher Weise davon erfüllt. Dann spüre ich aber, was ich vermisse. Dann suche ich wieder Gottes Nähe und vergewissere mich, dass er in Jesus bei mir ist.

Gebet:
Jesu, meine Freude, / meines Herzens Weide, / Jesu, meine Zier,
ach wie lang, ach lange / ist dem Herzen bange / und verlangt nach dir!
Gottes Lamm, mein Bräutigam, / außer dir soll mir auf Erden / nichts sonst Liebers werden.
Weicht, ihr Trauergeister! / denn mein Freudenmeister, / Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben, / muss auch ihr Betrüben / lauter Freude sein.
Duld ich schon hier Spott und Hohn, / dennoch bleibst du auch im Leide, / Jesu, meine Freude. Amen

Ich grüße dich herzlich und wünsche dir eine gute Zeit!

Hans Löhr

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