Montag, 23. August 2021

Nur Gott ist heilig hl

Losung: /Der HERR spricht:/ Entweiht nicht meinen heiligen Namen. 3. Mose 22,32

Lehrtext: Wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. 1. Petrus 1,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

das kann ich nicht, das will ich nicht. Ich will mir nicht diese unerfüllbare Forderung zu eigen machen, dass ich in meinem ganzen Verhalten heilig sein könnte (Lehrtext). Unter einem solchen Druck müsste ich zerbrechen. 

Nein, ich kann aus mir keinen Heiligen machen. Ich bin aber längst geheiligt durch Jesus Christus, noch bevor ich etwas für meine Heiligung tun konnte. Als ein solcher bin und bleibe ich zugleich ein fehlbarer Mensch, der Gott, seinen Mitmenschen und sich selbst die Liebe schuldig bleibt, mit der Christus mich liebt, damit ich sie weitergebe.

Niemand kann aus sich einen Heiligen machen. Niemand wird zu einem Heiligen, indem er von einem anderen Menschen heiliggesprochen wird. Es gibt keine Heiligen und es hat sie nie gegeben. Nur Gott allein ist heilig. Menschen aber, wie vorbildlich sie auch leben, sind immer nur von ihm geheiligt - ohne eigenes Zutun, allein aus Gnade, allein dadurch, dass er sie liebt. Das gilt auch für dich und - naja - auch für deinen schwierigen Nachbarn.

Gebet: Herr, du deckst mein Versagen mit dem Mantel deiner Heiligkeit zu. Vor dir muss ich mich nicht schämen. Du machst mir Mut, immer wieder neu zu beginnen und aus meinen Fehlern zu lernen. Du gibst immer wieder eine neue Chance. Danke

Herzliche Grüße

Ihr  / dein Hans Löhr


Sonntag, 22. August 2021

Wir lassen die Kirche im Dorf (Predigt) hl

Liebe Gemeinde,

die Kirchweih war in früheren Zeiten eines der wenigen Feste, meistens sogar das einzige Fest auf dem Dorf, an dem die jungen Leute ausgelassen sein konnten. Oft von den Pfarrern missbilligend beäugt, weil da getanzt und getrunken wurde und was  junge Leute sonst noch so tun.

Aber warum? So war halt die Zeit und die Moral. In vielen evangelischen Pfarrhäusern war, zumindest nach außen hin, immer Karfreitag. Selbst auf der Kirchweih sollte es nach damaligen Begriffen anständig und gesittet zugehen. Aber was ist das dann für ein Fest, wenn die jungen Leute und manche ältere keinen Spaß haben und nicht auch mal über die Stränge schlagen dürfen?! Versteht denn Gott keinen Spaß? Kann er, der die Freude geschaffen hat sich nicht mit seinen Menschenkindern freuen? Nein, er ist kein Spaßverderber, das zeigt Jesus, der auf der Hochzeit zu Kana 750 Liter Wasser in besten Wein verwandelt hat, damit das Fest weitergehen konnte. 750 Liter, das sind 1000 fränkische Bocksbeutel. Prost!

Ich freute mich jedes Mal, wenn im Thanner Bierzelt nicht nur die jüngeren Leute gefeiert haben, sondern auch unsere Seniorinnen, also die Damen vom Gemeindenachmittag. Sie saßen einträchtig auf einer Bierbank nebeneinander und haben sich über die Leute unterhalten, die aus- und eingingen. Da hatten sie ihren Spaß, und den hab ich ihnen von Herzen gegönnt genauso wie das Bier und das Salzknöchle auf ihrem Tisch. 

Schade, dass uns Corona nun schon zum zweiten Mal einen Strich durch unsere Zeltkirchweih gemacht hat. Aber nächstes Jahr holen wir das alles nach. Da bleibt dann kein Auge und keine Kehle trocken. Nein, die Thanner „Kerwa“ lassen wir uns von niemandem nehmen. Bis nächstes Jahr sind alle geimpft und dann gibt es keinen Anlass mehr, dass wir auf dieses Fest verzichten.

Ich denke, wir haben allen Grund, Kirchweih zu feiern, auch wenn vielen das nicht mehr bewusst ist. Was wäre denn unser Dorf ohne die Peterskirche? Und was die Kirche ohne die Dörfer unserer Gemeinde? Sie ist ja um der Menschen willen da. Hier feiern wir unsere Familienfeste und Jubiläen. Hier werden die Kinder und Enkel getauft. Hier werden sie konfirmiert. Hier werden die Brautpaare gesegnet. Hier nehmen wir Abschied von unseren Toten. Und immer wieder feiern wir hier an den Sonntagen und Feiertagen Gottesdienst: 

Am Erntedankfest stehen die Körbe mit den Erntegaben auf den Altarstufen. Am Ewigkeitssonntag brennen hier auf dem Altar die Kerzen für die Verstorbenen des letzten Jahres. Am ersten Advent hängt wieder der Kranz unter der Empore und das Adventstor vor dem Altar wird geöffnet. An Weihnachten steht unsere schöne Krippe vor dem großen Christbaum. An Ostern schmückt eine neue Osterkerze die Kirche. An Pfingsten stehen zwei Birken links und rechts vom Altar.

Und sooft wir uns hier treffen, heißt es zu Beginn: „Unsere Hilfe stehet im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wir sind hier zusammenkommen, um miteinander Gottes Wort zu hören, ihn mit unseren Liedern zu loben und zu preisen, das Brot des Lebens und den Wein der Versöhnung zu empfangen und alles, was ein jeder von uns auf dem Herzen hat, im Gebet vor Gott zu bringen.“

Wer weiß schon, meine Lieben, was hier in den vergangenen Jahrhunderten nicht schon alles vor Gott gebracht worden ist. Erinnerst du dich noch an das eine oder andere Gebet, das du hier leise gesprochen hast? An die Bitten in deiner Not und an den Dank für Gottes Hilfe und Segen? Erinnerst du dich noch an die Tränen, die du hier heimlich geweint hast und an die stille Freude, die du in deinen glücklichen Tagen hier empfunden hast?

Und so wie dir ging es hier deinen Eltern und Großeltern und all den Vorfahren, die du gar nicht mehr kennst. In den 20 Jahren, in denen ich nun schon hier mit euch Gottesdienst feiere, ist mancher Platz verweist. Aber ich weiß noch genau wo einst der Jul Dürnberger gesessen hat und der Schmied, der Heiner Schnotz und die Frau Schwab aus Thann. Oder der Karl Niedermüller, die Maria Binner und die Maria Braun aus Selingsdorf. Oder die Elise Kratzer, der Georg Seiler und der Meyers Schorsch aus Winkel. Oder der Heinz Herzog und der Hans Haberecker aus Kallert. Oder der Buckel Heiner, die Schmidts Luis samt Bruder Hans und die Frau Straßner aus Kaudorf und viele mehr, die ich hier jetzt nicht alle aufzählen kann. Sie alle liegen nun vor der Kirche auf dem Friedhof.

Inzwischen besuchen andere die Gottesdienste in der Thanner Kirche und sitzen auf ihren Plätzen. Ich bin zuversichtlich, dass das auch künftig so bleibt, dass immer wieder welche nachrücken und auch auf euren Plätzen einmal andere sitzen. Sie werden dann genauso wie ihr jetzt Gottes Wort hören, singen und beten. Man muss nicht immer gleich schwarz sehen.

Jeder von euch hat so seine ganz persönlichen Gründe, warum er hierher in den Gottesdienst kommt. Aber das verbindet uns miteinander, dass wir uns hier unserem wunderbaren Gott nahe fühlen, dem Schöpfer von Himmel und Erde, von dir und mir, unserem barmherzigen Vater. Und dass hier das Evangelium von unserem Herrn Jesus Christus verkündigt wird, der Gottes Liebe zu uns auf die Erde gebracht hat, durch den uns vergeben ist und wir eine lebendige Hoffnung haben, die über den Tod hinausreicht.

Das alles geschieht hier in der Peterskirche, deren Weihe wir jetzt feiern. Und so wollen wir uns heute aufs Neue versprechen: Wir lassen die Kirche im Dorf. Wir halten dieses Haus in Ehren, das unsere Vorfahren gebaut haben und wir ehren in ihm unseren Gott, wie auch sie ihn geehrt haben. 

Denn in all den Stürmen der Zeit und unseres Lebens finden wir hier Zuflucht und Trost, bekommen wir neuen Lebensmut und schöpfen wir neue Hoffnung. Hier fassen wir Vertrauen zu unserem Gott, der bei uns ist und bleibt in guten wie in schlechten Zeiten und der seine schützende und segnende Hand über unsere Gemeinde hält und jeden, der bei uns wohnt. 

Das, liebe Freunde, ist doch Grund genug, dass wir jedes Jahr aufs Neue Kirchweih feiern. Heuer noch mit gebremstem Schaum. Nächstes Jahr aber wieder so, wie wir es seit vielen Jahren gewohnt sind. Denn die Thanner und die Bewohner aus den Dörfern unserer Gemeinde lassen sich die Freude am Leben nicht verderben. Auch sie ist schließlich Gottes Geschenk. Amen

Samstag, 21. August 2021

Gott kommt zuvor

Losung: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Jesaja 65,24

Lehrtext: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Gott weiß, was du brauchst, noch ehe du ihn darum bittest" (Matthäus 6,8). So sagt es Jesus  und nimmt damit den Gedanken aus dem  heutigen Losungswort auf. Für mich heißt das: Gott braucht meine Bitten nicht, sondern ich. Er weiß ohnehin, was zu tun ist und was nach seinem Willen geschehen wird. Und er tut das zu seiner Zeit. 

Mich aber beruhigt, wenn ich ihm gesagt habe, was mir auf der Seele liegt und was ich mir von ihm wünsche. Dann, so meine ich, habe ich meine Anliegen an ihn abgegeben. Dann ist er dran, obwohl er schon längst am Werk ist, das Richtige für mich zu tun noch bevor ich meinen Mund aufgetan habe.

Noch mehr beruhigt mich, wenn ich darauf vertraue, dass er für mich da ist, auch wenn ich ihn nicht darum gebeten habe. Gott macht sich nicht von meinem Glauben und meinen Bitten  abhängig. Er tut für mich, was aus seiner Sicht dran ist, auch wenn das nicht immer meinen Wünschen entspricht.

Er kommt mir in jeder Hinsicht mit seiner bedingungslosen Liebe zuvor. Das sagt auch der Lehrtext.

Gebet: Herr, du bist mir voraus. Wohin ich auch gehe, immer gehe ich dir entgegen. Was ich auch will, immer kommst du mir zuvor und gibst mir, was du für mich vorgesehen hast. Ich habe Verantwortung für mich, meine Mitmenschen und deine Welt. Ich muss mich entscheiden. Doch du lenkst meinen Schritt. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 20. August 2021

In Gottes Hand

Losung: Bei Gott steht die Kraft zu helfen und fallen zu lassen. 2. Chronik 25,8

Lehrtext: Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Römer 8,34

Liebe Leserin, lieber Leser,

"verdammt!" Dieser Ausruf kommt mir schon mal über die Lippen, wenn ich mir mit dem Hammer auf den Daumen geklopft habe. Manche meinen, das sei ein Fluch und somit von der Bibel verboten. Naja, man kann's auch übertreiben. Zwischen dem Hammer und meinen Mitmenschen ist schon noch ein Unterschied. Ihnen soll ich zurecht nicht die ewige Verdammnis an den Hals wünschen. Selbst dann nicht, wenn es sowas gar nicht gibt. Denn, "wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der zur Rechten Gottes sitzt und für uns eintritt." So sagt es Paulus im heutigen Lehrtext. Doch seiner Meinung nach gilt das nur für Gottes Auserwählte, nur für die, die getauft sind und an Jesus Christus glauben.

Aber vielleicht soll man nicht nur an Jesus Christus glauben, sondern mit ihm, also ihm auch in seinem Glauben folgen. Vielleicht  soll man wie er an Gott als den barmherzigen Vater glauben und ihm ganz und gar vertrauen. Soll wie er glauben, dass alle Gottes Geschöpfe sind, selbst "die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde" und er für alle sorgt, für Juden und Samariter, Heiden und sogar für uns Christen. Vielleicht? Für mich ist das keine Frage. Ich versuche so zu glauben und damit geht es mir gut.

Ja, bei Gott steht die Kraft, zu helfen und fallen zu lassen. Er hat die Möglichkeit zu beidem (Losung). Und in der Tat, immer wieder mal hat es den Anschein, dass er Menschen und manchmal auch Völker fallen lässt. Und vielleicht hast auch du schon mal so empfunden, als hätte Gott dich fallen lassen. Doch auch wenn wir in diesem Leben in Unglück und Leid, Elend und Tod fallen, so fällt doch niemand ins Bodenlose, fällt niemand tiefer als in Gottes Hand. 

Nein, niemand ist ewig verdammt. Auch die nicht, die es nach unserem Urteil sein sollten. Niemand ist verloren. Alle sind sie und bleiben sie in Gottes heilender und rettender Hand, sogar du und - ich.

Gebet: Du kannst nicht tiefer fallen / als nur in Gottes Hand, / die er zum Heil uns allen / barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade / durch Schicksal, Schuld und Tod / doch ein in Gottes Gnade / trotz aller unsrer Not.

Wir sind von Gott umgeben / auch hier in Raum und Zeit / und werden in ihm leben / und sein in Ewigkeit.  Amen (EG 533)

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr



Donnerstag, 19. August 2021

ausgelassen

Losung: David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten. 1. Chronik 13,8

Lehrtext: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Philipper 4,4-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

als junger Mensch muss man auch mal ausgelassen sein. Und als älterer? Hm, da bietet sich zum Beispiel das Fußballstadion an. Da kannst du lautstark deine Emotionen rauslassen. Die Kirche bietet sich dafür eher nicht an.

Mir fällt gerade auf, dass ich schon seit vielen Jahren nicht mehr im Stadion war. Naja, der 1. FC Nürnberg, dem ich mich seit Jugendtagen verbunden fühle, hat in der Vergangenheit wenig Anlass zu ausgelassenem Jubel geboten.

Warum bietet sich die Kirche nicht an? Vor allem das Bibelwort heute sagt was anderes: "Mit aller Macht, mit Pauken und Trompeten vor Gott tanzen", das hat zumindest König David mit dem ganzen Volk der Israeliten getan (Losung). Wow, das waren noch Zeiten! Da war Stimmung auf den Straßen!

Das wäre doch mal ein Vorschlag, um die Kirchen aus ihrer Langeweile zu rütteln. Ich hab das mit einer Kollegin in den 90er Jahren versucht. Damals gab es eine Gregorianik-Techno-Nacht in der Katharinen-Kirche in Hamburg: 

Eine ganze Nacht lang laute Techno-Musik mit Lightshow in der Kirche und dann wieder geistliche, gregorianischen Musik. Wir fuhren hin und waren begeistert. Uns ist es danach gelungen, den eher konservativen Kirchenvorstand der Markuskirche in München davon zu überzeugen, dass wir das auch in unserer Stadt machen. Dann kam das Verbot der Kirchenleitung. Sie hat aus lauter Angst vor möglichen negativen Schlagzeilen den Kirchenvorstandsbeschluss kalt ausgehebelt und damit gegen die eigenen Prinzipien verstoßen.

Also nix damit, auch einmal in der Kirche zu tanzen und ausgelassen zu sein und dann auch wieder ruhig und besinnlich. Die Chance war vertan, mal eine neue Erfahrung zu machen. 

Zurück zum Losungswort. Ich meine, wir brauchen gottesdienstliche Formen, die nicht immer nur den protestantischen Kopf ansprechen, sondern mehr noch die menschlichen Gefühle.

Aber kannst du dir einen deutschen Pfarrer oder Pastor vorstellen, der wie David vor Gott ausgelassen singt und tanzt? Ich habe mich das auch nur hin und wieder gemeinsam mit meinen Kindergottesdienstkindern getraut. Immerhin hat es ihnen und mir Spaß gemacht. Darf denn in einem Gottesdienst überhaupt Spaß sein? Oder muss man da zum Lachen immer in den Keller?

"Freut euch in dem Herrn auf alle erdenkliche Weise", heißt es im Lehrtext. Nächsten Sonntag habe ich wieder Gottesdienstvertretung in meiner letzten Gemeinde. Ob ich da mal die Besucherinnen und Besucher zu einer La-Ola-Welle auffordern soll?

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich mein ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen in dir leben kann. In dir bin ich traurig, in dir freue ich mich. Du zählst meine Tränen. Du siehst mich lachen. Du vertreibst die Schatten auf meiner Seele; denn du bist meine Freude. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 18. August 2021

begabt

Losung: So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne. Jeremia 9,22-23

Lehrtext: Welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst. Lukas 9,25

Liebe Leserin, lieber Leser,

so wie der Prophet Jeremia Gottes Wort in diesem speziellen Losungswort verstanden hat, so verstehe ich es nicht. Einerseits kann ich ihm zustimmen: Ich will und kann mich vor Gott nicht rühmen, weder meiner Weisheit, noch meiner Stärke, noch meines Besitzes.

Aber andererseits kann ich mich auch nicht rühmen, dass ich klug wäre, so klug, dass ich ihn erkennte. Denn meine "Klugheit", wenn ich denn eine habe, kommt nicht aus mir selbst, sondern ist seine Gabe. 

Jede Begabung ist Gabe, ist Gottes Geschenk. Das gilt auch für die Gotteserkenntnis. Dass wir beide, du und ich, ihn in Jesus erkennen, versteht sich nicht von selbst. Auch das ist sein Geschenk.

Wir aber bewundern allzu oft Gottes Geschöpfe für ihre Begabungen statt ihren Schöpfer. Was kann zum Beispiel mein Freund dafür, dass er so ein phänomenales Gedächtnis hat? Und doch sage ich immer wieder mal zu ihm: "Mensch, dass du das alles noch weißt, ist schon  bewundernswert."

Das Wort Jesu aus dem Lehrtext verstehe ich so wie es dasteht: Was helfen mir alle Begabungen, alle Stärke, aller Reichtum, ja die ganze Welt, wenn darüber meine Seele zugrunde geht? Was wäre ich dann noch und wer?

Gebet: Herr, du bist meine größte Gabe. Ich kann und will mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen. Wer oder was sonst wäre meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht? Auf wessen bedingungslose Liebe könnte ich mich sonst verlassen? Wem rückhaltlos vertrauen? Ich bin froh und dankbar, dass du um mich bist und in mir lebst. Du bist meine Zuversicht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Dienstag, 17. August 2021

Die Wahrheit in Person

Losung: Nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit. Psalm 119,43

Lehrtext: Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 2. Timotheus 4,3-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit diesen Zeilen aus dem Lehrtext haben sich immer wieder christliche Gemeinschaften und Kirchen gegenseitig verketzert. Sie warfen einander vor, "die heilsame Lehre" zu verfälschen und die Glaubenswahrheiten zu verdrehen. Selbst ist man natürlich immer im Besitz der Wahrheit. Nur die anderen, die nicht so denken und glauben, sind die Ignoranten und  Lügner.

Doch was ist der Maßstab, das Kriterium für die Wahrheit? Für mich ist es Jesus Christus, so,  wie er sich den Menschen zugewandt hat: verstehend, heilend, liebend, verzeihend, tröstend. Und auch das ist die Wahrheit für mich, was und wie Jesus von Gott gesprochen hat, dem barmherzigen Vater. Seine Wahrheit ist lebendig und kein totes Dogma, kein erstarrter Lehrsatz. Er selbst ist die Wahrheit in Person und das Leben, wie es im Johannesevangelium heißt. Das glaube ich. Und dazu gehört, dass ich es aushalten muss, dass andere das nicht glauben.

Nein, ich bin nicht im Besitz dieser Wahrheit. Ich verfüge genauso wenig über sie wie der Papst oder ein Theologieprofessor. Sie widerfährt mir im besten Fall. Und wahr wird sie für mich erst, wenn ich von ihr nicht nur rede und schreibe, sondern sie lebe.

Gebet: Herr, du bist für mich die Wahrheit in Person. Sooft du mir im Glauben begegnest, kommt auch deine Wahrheit zu mir. Doch nicht dazu, damit ich mich für besser halte als andere,  sondern mich selbst bessere. Denn deine Wahrheit ist mein Spiegel, in dem ich mich sehe, wie ich bin. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr











Montag, 16. August 2021

Gottessohn und Gotteskind

Losung: Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre um deiner Gnade und Treue willen! Psalm 115,1

Lehrtext: /Paulus schreibt:/ Ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte. Römer 12,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

na gut, ich soll "nicht mehr von mir halten, als sich's gebührt". Aber was gebührt sich denn? Und wer entscheidet das?

Jesus selbst hielt sich nicht für Gott, obwohl er von seinem Geist erfüllt war und in engster Verbindung mit ihm lebte. Auch hielt er sich nicht selbst für Gottes Sohn. So haben ihn erst später die Verfasser der neutestamentlichen Schriften  genannt - zurecht, wie ich glaube. 

Er selbst sprach von sich als dem Menschensohn. Er hat sich nicht daran geklammert, Gott gleich zu sein, sondern wurde ein Mensch wie du, mit den gleichen Bedürfnissen und Gefühlen, mit Freude und Glück, Schmerzen und Angst (Philipper 2,6+7).

Und wie kann ich von mir sprechen? Ich bin in meinen Augen - und, wie ich glaube, in seinen - ein Gotteskind so wie du. Aber ich bin in seinen Augen nicht besser als andere, die ebenfalls seine Kinder sind, ob sie das glauben oder nicht. Und als solche soll auch ich sie ansehen und behandeln, als meine Brüder und Schwestern.

Gebet: Herr, deine Ehre ist meine Freude, deine Treue mein Halt. Dass ich dein Kind bin, ist meine Würde. Dass du mich liebst, ist mein Glück. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Sonntag, 15. August 2021

Auf Augenhöhe

Losung: Hiob antwortete dem HERRN: Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten? Ich will meine Hand auf meinen Mund legen. Hiob 40,3-4

Lehrtext: /Paulus schreibt:/ Ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. 1. Korinther 15,9-10 

Lieber Leserin, lieber Leser,

in meinen Augen bin ich vor Gott, dem Schöpfer des Universums, so winzig, dass ich nicht mal mehr gering bin. Doch in seinen Augen sind du und ich, sind wir beide seine geliebten Kinder, für die er selbst so ein winziges Menschlein geworden ist. So begegnet er uns in Jesus auf Augenhöhe und bleibt doch der Herr der ganzen Welt.

Für ihn aber sind die Unterschiede von König und Bettler so gering, dass sie keine Rolle spielen. Diejenigen, die in unserer Welt angehimmelt werden, die Reichen und Schönen, die Mächtigen und die Stars, die Erfolgreichen und Berühmten - sie stehen für ihn auf derselben Stufe wie du und ich. Auch sie sind vergängliche, fehlbare Menschen mit ihren Grenzen und Schwächen.

Wir alle sind bei ihm nicht das, was wir im Laufe eines Lebens aus uns gemacht haben, sondern was wir durch seine Gnade sind. Und einmal werden wir das sein, was er jetzt schon in uns sieht.

Paulus war vor seiner Hinwendung zum Evangelium ein verachtenswerter Verfolger und Mörder der ersten Christen. Jetzt gilt er als als wichtigster Apostel der frühen Christenheit und bei manchen sogar als Heiliger. Für Gott aber ist auch er eines von seinen zahlreichen Kindern, dem seine Fehler um Jesus willen vergeben sind, so viel geachtet wie du und ich.

Gebet: Herr, es fällt mir schwer, mich nicht gering zu schätzen, wenn ich versagt habe. Doch auch dann will ich mich nicht verurteilen, weil du das auch nicht tust. Vielmehr will ich mich darüber freuen, dass ich dir gehöre und versuchen, mich mit deinen Augen zu sehen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Samstag, 14. August 2021

Vorsicht bei Ordnungen

Losung: HERR, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.
Psalm 119,52

Lehrtext: Das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist. 1. Johannes 1,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

was sind die ewigen Ordnungen Gottes? 
Für Juden sind das die Gesetze in den fünf Büchern Mose. 
Für die meisten Christen sind das die 10 Gebote. 
Katholiken meinen, Gottes Ordnungen im sogenannten Naturrecht zu finden. 
Reaktionäre, lutherische Theologen schwadronierten in den 30er Jahren von den "Schöpfungsordnungen" und begaben sich damit in gefährliche Nähe zur rassistischen Blut- und Bodenideologie des Nationalsozialismus. 
Aber lässt sich denn unser überaus lebendiger Gott (Lehrtext) mit starren, ewigen Ordnungen in Verbindung bringen? Sind sie nicht eher eine Fiktion ängstlicher Menschen, die in ihnen Halt und Orientierung suchen? Oder ein Herrschaftsinstrument, um die Beherrschten zu disziplinieren? 
Und dann ist da noch der Satz von Friedrich Nietzsche, der sagt: "Nur dem Regelmäßigen und Geordneten hat man allein alles Wohlbefinden zu verdanken." Da ist was dran für alle, die keine Teenager mehr sind. Auf ein gewisses Maß an Ordnung möchte ich nicht verzichten, weder in Staat und Gesellschaft noch im persönlichen Leben.
Statt von Ordnungen Gottes spreche ich lieber von Gottes Geist, der alles bewirkt und in allem wirkt. Er bringt alles ins Leben und erhält alles am Leben, indem er schlicht und einfach da ist, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Das ist die eine Seite seines Wesens. Die andere ist, dass er sich allem, was er geschaffen hat, in Liebe zuwendet und das auch für uns zum einzigen Gebot macht.
Dadurch bewahrt und erhält er alles, solange er will. Auf dieser Basis errichten wir Menschen oft eher schlecht als recht unsere Ordnungen und geben ihnen dann einen religiösen Anstrich, um sie unumstößlich zu machen.
Jesus kam nicht als kirchlicher Ordnungshüter auf die Erde. Er lässt sich nicht einsperren in jüdische Gesetze und erst recht nicht in christliche Rituale und Kulte, nicht in Tabernakel, noch in den Wortlaut und die Buchstaben der Bibel. 
Es waren menschliche Gesetze, nach denen er verurteilt und getötet wurde. Mit unseren Vorstellungen von Law and Order, von Recht und Ordnung hat er nichts zu tun.
Er lehnt Ordnungen oder Gebote nicht einfach ab. Aber für ihn müssen sich alle religiösen und weltlichen Ordnungen daran messen lassen und darin bewähren, ob sie den Menschen dienen und ihnen Freiheit ermöglichen, die Freiheit zu einem Zusammenleben in Frieden und Nächstenliebe.

Gebet: Herr, du stehst über allem menschlichen Chaos und über allen Ordnungen. Du bist weder penibel noch pedantisch. Du bist der kreative, schöpferische Geist. Darin bin ich lebendig und frei. So gibst du mir Orientierung und Halt. Amen


Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Freitag, 13. August 2021

Tief berührt

Losung: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Hiob 19,25

Lehrtext: /Jesus betete:/ Vater, verherrliche deinen Namen! Johannes 12,28

Liebe Leserin, lieber Leser,

selten, dass mich Musik so tief berührt wie jene Arie "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet". Komponiert hat sie Georg Friedrich Händel 1741 in London für sein Oratorium "Der Messias". Hier klingen die Musik, die Bibelworte und mein Glaube auf eine für mich wunderbar stimmige Weise zusammen.

Ja, ich weiß, dass ich diese, trotz ihrer dunklen Seite doch so schöne Welt wieder verlassen, dass ich mein, trotz aller Enttäuschungen geliebtes Leben wieder hergeben muss. Das weiß ich. Und je älter ich werde, desto schöner wird die Welt für mich und desto mehr hänge ich am Leben. Doch ich kann nicht immer nur zurückblicken. Ich kann nicht immer nur in der Gegenwart verweilen. Ich will mich auch dem stellen, was kommt. 

Und da sagen mit dir Worte Hiobs und die Musik Händels: "Fürchte dich nicht vor dem, was kommt. Fürchte dich nicht vor deinem Ende. Es ist ein Vorletztes. Zuletzt aber gilt:

"Ich weiß, dass mein Erlöser lebet und dass er mich einst erweckt am letzten Tag... Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, der Erstgeborene jener, die schlafen."

Ehrlich gesagt, wissen kann ich das nicht. Aber ich vertraue darauf, das es so ist und sein wird.

Gebet: Herr, was auch immer die Zukunft bringen wird, ich will auf dich vertrauen. Du gehst den Weg mit, der vor mir liegt. Du bringst mich ans Ziel. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Hier zwei verschiedene Fassungen dieser Arie (klick):

Deutsch: https://youtu.be/7lbHVQAtBuQ

Englisch (Original): https://youtu.be/Kg7aXEvCeXY

Übrigens, Stefan Zweig hat in seinem Buch “Sternstunden der Menschheit" eine Geschichte erzählt, unter welchen Umständen Händels "Messias" entstanden sein soll. Auch wenn es dafür keine gesicherten Erkenntnisse gibt, ist sie auf alle Fälle lesenswert.

Donnerstag, 12. August 2021

Lebensfreude - Gottesfreude

Losung: Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster. Psalm 9,3

Lehrtext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Epheser 1,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

also ich kann mich nicht auf Knopfdruck freuen. Du etwa? Wenn ich morgens nach dem Weckton  noch ganz verschlafen bin, freu ich mich nicht. Ebensowenig im Zahnarztstuhl. Eher schon, wenn ich ihn wieder verlassen darf.

Aber ich kann meine "Freude in Gott" auch nicht verhindern. Sie überkommt mich plötzlich, wenn ich die prallen, weißen Bälle der Bauernhortensie in meinem Vorgarten sehe, die ich nach dem Winter wieder aufgepäppelt habe. Und noch mehr freue ich mich über den kleinen Luis, wenn er mit dickem Windelpack breitbeinig die ersten Schritte macht. Da geht mir von selbst das Herz auf. Und dann spüre ich Dankbarkeit und so etwas wie "Freude in Gott". Das macht mich dann die anderen Dinge vergessen, die mir die Lebensfreude nehmen wollen. 

Apropos Lebensfreude, ist sie denn etwas anderes als "Freude in Gott"? Wenn die Jungstörche klappern und der Nachbarshund herumtollt, wenn die Amsel flötet und die Wegwarte den Straßenrand schmückt - dann freuen sie sich doch auch ihres Lebens und in Gott. Also für mich ist das so und ich freue mich mit.

Und wie ist das in der Bibel? Da klatschen vor Freude sogar die Bäume in die Hände (Jesaja 44,23).

Gebet: Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert. Ein neuer Tag von deiner Liebe, Herr, ich danke dir. Amen (Gebet aus Westafrika)

Mittwoch, 11. August 2021

Mensch

Losung: Mein Leben werde wert geachtet in den Augen des HERRN, und er errette mich aus aller Not! 1. Samuel 26,24

Lehrtext: In der Nacht stand der Herr bei Paulus und sprach: Sei getrost! Apostelgeschichte 23,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Leben wird wert geachtet in den Augen des Herrn. Wäre es nicht so, wäre ich gar für meinen Schöpfer wertlos und unwürdig, er wäre nicht Gott. Er wäre dann nicht fähig, mich in meiner ganzen Komplexität zu verstehen, mit meinen Widersprüchen, mit meinen Genen , den Auswirkungen der Biochemie in meinen Gehirnzellen, den Einflüssen der Herkunftsfamilie und Gesellschaft auf mein Verhalten. 

Wäre er nicht Gott, könnte er mir nicht gerecht werden, könnte er mich nur wie ein anderer Mensch von außen beurteilen. So aber sieht er in mir den ganzen Menschen von allen meinen Seiten, inwendig und auswendig. So aber weiß er wie ich wirklich bin und was ich brauche. Er kennt mich ja besser als jeder andere und ich mich selbst, viel besser, und weiß, warum ich so bin wie ich bin. 

Vor ihm brauche ich mich nicht zu verstecken und zu verstellen und kann es auch nicht. Vor ihm bin ich, was ich bin: sein wertvolles Geschöpf, sein Kind. Darum achtet er auf mich und ist bei mir in meiner Not (Losung). Und ich muss nicht bleiben wie ich bin. Durch seine  Hilfe und meinen Glauben kann ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten ändern.

Ich bin sein Mensch, der seiner bedingungslosen Liebe bedürftig ist und ohne sie nicht leben kann. Und du bist das auch.

Gebet: Herr, ich glaube und weiß, dass ich für dich wertvoll bin und du mich nicht wieder verlieren willst. Wenn ich in Not gerate, rechne ich mit deiner Hilfe. Wenn ich unsicher werde, machst du mich wieder gewiss. Du bist ja bei mir. Das macht mich getrost. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 10. August 2021

G.O.T.T. Teil 1 hl

Losung; Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet? Hiob 21,22

Lehrtext: Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen. Römer 12,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe ein Problem mit Gott. Er ist nicht so, wie ich mir einen Gott vorstelle. Und er hat ein Problem mit mir, weil ich "nach hohen Dingen trachte" (Lehrtext) und ihn mir nach meinem Bilde schaffen möchte. Er soll ähnlich denken, urteilen und handeln wie ich, nur perfekt und vollkommen. Doch er ist eben nicht nur das Gute, sondern das Ganze, zu groß für meinen Kopf, aber nicht für mein Herz.

Ihn interessiert nicht meine Frömmigkeit und Moral. Auch keine Religion und Konfession. Auch nicht der Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Christen und Heiden, Guten und Bösen. Wo genau wäre auch die Grenze? Er ist der Schöpfer und Vater von allem, was lebt. Alle Menschen sind seine Kinder. Über allen lässt er seine Sonne aufgehen und es regnen. Ich mache Unterschiede. Er braucht das nicht.

Wenn ich die Bibel genau lese, dann entdecke ich ihn gerade da, wo er meinen Vorstellungen nicht entspricht, wo er eben nicht Mensch ist, sondern Gott:
Er, der Schöpfer des Universums, kommt in Jesus als winziges Menschenkind zur Welt, - zu mir.
Er wird nicht in einem Palast geboren, sondern in einem stinkenden Stall.
Er liegt nicht in einer goldenen Wiege, sondern in einem Futtertrog inmitten der Pisse von Ochs und Esel.
Sein Thron, von dem alle Macht ausgeht, ist nicht aus Elfenbein, sondern ein Kreuz aus rohem Holz.
Seine Krone ist nicht mit Perlen bestückt, sondern mit Dornen.
Er ruht nicht in einem Mausoleum, nicht in einer Pyramide, nicht in einem Sarkophag aus weißem Marmor. Sein Grab hatte einen Ausgang. Und nun lebt er in den Herzen derer, die ihm vertrauen.

Und weiter geht's: Er, der König, dient mir, mir kleinem Menschen, so wie ein guter Hirte. Dieser tut alles für sein Schaf, damit es ihm gut gehe. Damit mir nichts mangelt. Er bedient mich wie ein Wirt seinen Gast, bereitet und deckt mir den Tisch. Schenkt mir voll ein. Die Rechnung geht auf ihn. Ich bin eingeladen.
Und weiter: Er segnet und behütet mich von Anbeginn meines Lebens bis zum Ende, am Tag und in der Nacht, noch bevor ich ihn darum bitten konnte und ohne dass ich ihm dafür etwas geben könnte. Er ist mein Schicksal in Freude und Leid. Ihm gehöre ich in Zeit und Ewigkeit.
Er liebt mich bedingungslos. B e d i n g u n g s l o s. So wie der Vater in Jesu Geschichte seinen verlorenen Sohn liebt. Vor ihm muss ich kein schlechtes Gewissen haben, wie sehr ich auch versage.
Er ist Bruder derer, die ganz unten sind. Aber er gibt auch die Mächtigen und Reichen nicht verloren.
Er ist der Gott der Gottlosen, doch er verachtet auch die Frommen nicht. 
Er liebt seine Feinde, aber auch seine Freunde.

Ich weiß nicht, warum das alles so ist. Aber ich glaube, dass es so ist. Manches, was in meinem Leben und in der Welt geschieht und mir weh tut, verstehe ich nicht. Doch ich vertraue darauf, dass er weiß, was er tut und dass einmal alles gut wird.

Ich muss ihn nicht belehren, wie er meines Erachtens sein soll. Ich darf ihn preisen und ihm danken, dass er der ganz Andere ist und doch nicht fremd. Der um mich ist und in mir und doch bei aller Menschenliebe Gott bleibt: heilig und ewig, barmherzig, lebendig und frei.

Ich habe ein Problem mit Gott. Er ist nicht so, wie ich mir einen Gott vorstelle, sondern wie er sich mir in Jesus vorstellt. Und er? Nein, er hat doch kein Problem mit mir. Er kennt mich ja und weiß, mit wem er's zu tun hat. Gott sei Dank!

Und nun bist du dran. Widersprich meinen Gedanken mit deinen (!) guten Gründen, aber nicht mit immer denselben alten, frommen Floskeln. Oder denke selbst noch einmal neu über Gott nach.

Gebet: Mein Gott, ich habe schon so viel über dich nachgedacht und so viele Worte gemacht. Aber zuletzt bleibt mir nur sprachloses Staunen, wie herrlich und wunderbar du bist im ganz Großen wie im ganz Kleinen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr


Montag, 9. August 2021

Kleine Fische, große Wale

LosungAuf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Jesaja 11,2

Lehrtext: Sie konnten Jesus in seinen Worten nicht fangen vor dem Volk und wunderten sich über seine Antwort und schwiegen still. Lukas 20,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gottes Geist ruht auf einem Menschen und macht ihn besonnen, verständig und stark (Losung). Er ruht, wie die Bibel sagt, und flattert nicht nervös umher.

Jesus ist für mich auch in dieser Hinsicht das Vorbild. Er ruhte in sich, wie man heute zu sagen pflegt. Doch in Wirklichkeit ruhte er in Gott. Er war kein oberflächlicher Mensch so wie ich manchmal, wenn mich Kleinigkeiten nervös machen und Sorgen beunruhigen. Seine Kraft, seine Gedanken und Worte kamen aus der Tiefe von Gottes Geist. Soweit reichten die Argumente seiner Gegner nicht (Lehrtext). In Gottes Ruhe lag seine Kraft.

"In einem oberflächlichen Menschen verursachen kleine Fische der Gedanken lebhafte Wellen; in einem tiefen Geist rufen die Wale der Inspiration kaum ein Kräuseln hervor" (Paramahansa Yogananda). Mein Geist wird ruhiger und tiefer, wenn ich in Gottes Geist eintauche, wenn mir im Gebet bewusst wird, dass er mich umgibt und ich in ihm lebe und bin.

Gebet: Herr, unruhig ist mein Herz, bis es seine Ruhe findet in dir. In deiner tiefen Liebe bin ich geborgen. In deinem tiefen Geist bin ich gelassen. Amen

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Sonntag, 8. August 2021

Tyrannen

Losung: HERR, du dämpfst der Tyrannen Siegesgesang. Jesaja 25,5

Lehrtext: /Maria sprach:/ Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Lukas 1,51-52

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie gut, dass Tyrannen seit tausenden von Jahren stürzen. Doch leider wachsen immer wieder welche nach wie Lukaschenko in Belarus oder Kim Jong Un in Nordkorea.

Wie aber werden sie von Gott gestürzt? Manchmal mit Gewalt, wenn sich der Volkszorn entlädt wie bei Ceaucescu in Rumänien. Manchmal mit Friedensgebeten und Kerzen wie die SED-Tyrannis in der DDR. Manchmal durch Attentate wie bei Cäsar. Manchmal durch einen Schlaganfall wie bei Stalin oder wenn der Tyrann einen Krieg verliert wie Hitler und sich dann selbst umbringt. Manchmal sterben sie aber auch friedlich im Bett, wie der Spanier Franco.

Was Tyrannen, Unterdrücker und andere betrifft, die buchstäblich oder im übertragenen Sinn über Leichen gehen, ist die Bibel eindeutig: Sie haben Gott gegen sich. Er ist in erster Linie der Gott der Unterdrückten, der Hungrigen, der Flüchtlinge, der Machtlosen und Ausgebeuteten oder, wie Karl Marx sagt, "der Erniedrigten und Beleidigten". Bei ihnen und für sie ist er in Jesus im Stall auf die Welt gekommen und hing er am Kreuz. Da war er ohnmächtig und geschunden wie sie. In ihnen begegnet er uns noch heute, in den Geringsten seiner Schwestern und Brüder (Matthäus 25).

Was das für dich und für mich bedeutet, muss jeder von uns im Hinblick auf seinen Glauben, seinen Lebensstill, sein politisches Engagement und sein Wahlverhalten selbst entscheiden.

Gebet: Herr, ich bin dankbar, dass ich in einem Rechtsstaat leben kann, auch wenn er unvollkommen ist. Doch ich kann nirgends einen Tyrannen stürzen. Das tust du zu deiner Zeit mit deinen Mitteln. Du bist die Hoffnung für die Vielen, die unter ihnen leiden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr





Samstag, 7. August 2021

Geben und empfangen

Losung: Wer ist bereit, dem HERRN heute eine Gabe zu bringen? 1. Chronik 29,5

Lehrtext: Jeder gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang. 2. Korinther 9,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

genau so soll es sein, wie es im Lehrtext heißt: jeder gebe, spende, schenke, vererbe aus freien Stücken, ohne falsche Absicht und Hintergedanken, aber auch ohne, dass auf ihn offen oder insgeheim Druck ausgeübt wird.

Das ist nicht selbstverständlich. Wenn ich als Mensch etwas schenke, erwarte ich schon eine positive Reaktion des Beschenkten. Wenn die ausbleibt, überlege ich mir beim nächsten Mal, ob ich wieder etwas gebe. Und ein gewisser Erwartungsdruck ist wohl immer da,  wenn sich jemand eine Gabe erhofft.

Wie ist das bei Gott? Bei allem, was ich aus der Bibel von ihm weiß, glaube ich, dass er ganz und gar frei ist, etwas zu geben oder nicht. Er ist kein Mensch und hat darum keine Hintergedanken. Er erwartet auch nichts von mir. Was könnte ich ihm schon geben, das ihm nicht ohnehin gehört? 

Ihm kann ich nichts abbetteln und nichts abhandeln, auch wenn das manche biblischen Geschichten nahelegen. Ihn kann ich schon gar nicht erpressen. 

Ihm kann ich nur vertrauen, dass er mir gibt, was er sich im Herzen vorgenommen hat und was aus seiner Sicht gut für mich ist. Er bleibt immer der Gebende und ich der Empfangende, ganz so, wie ich die erste Seligpreisung von Jesus verstehe: "Selig sind, die mit leerem Herzen vor Gott stehen; er wird es füllen."

Ihm kann ich nur danken. Doch selbst meinen Dank braucht nicht er, sondern ich. Denn damit wird mir bewusst, wie großzügig Gott zu mir ist und wie reich er mich segnet. 

Gebet: Herr, was ich auch gebe und schenke, du  hast es mir zuerst gegeben. Denn alles was ich bin und habe, kommt von dir. Du bist großzügig zu mir, darum will ich nicht geizig sein. Du segnest mich, darum will ich von deinem Segen an andere weitergeben. Du wirst mir geben, was gut für mich ist. Darauf vertrauen ich und dafür danke ich dir. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr




 


Freitag, 6. August 2021

aufhellen hl

Losung: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. 1.Mose 17,1 

Lehrtext: Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Matthäus 5,16

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ich bin, weiß Gott, nicht das hellste Licht auf der Torte. Und meine guten Werke? Naja, sagen wir es mal so: sie könnten besser sein. Aber genau darum geht es nicht, dass die Leute meinen Verstand und meine Werke preisen, sondern, wie der Lehrtext sagt, Gott.

Natürlich freue ich mich darüber, wenn mich jemand lobt für das, was ich sage, schreibe und tue. Anerkennung tut mir gut. Aber es gibt auch andere, die mich offen oder hinter meinem Rücken kritisieren. So ist das eben.

Jesus sagt, dass die Leute Gott dafür preisen, was ihnen im Lauf eines Tages Gutes widerfährt, was sie aufbaut, ermutigt und tröstet. 

Da soll auch mein Verhalten ihr Leben etwas aufhellen, soll dazu einen kleinen, positiven Beitrag leisten. Und wenn es nur ein freundliches Gespräch „über den Gartenzaun“ ist oder gar nur ein Lächeln für die gestresste Arzthelferin. Am Ende des Tages wird sie sich vermutlich nicht mehr daran erinnern. Aber meine Freundlichkeit kann dazu beitragen, dass es ein guter Tag für sie gewesen ist und sie Gott dafür danken kann. 

Gebet: Herr, ich danke dir für die freundlichen Worte, die andere für mich haben, für ihre netten Gesten und den kleinen Gefallen, den sie mir tun. Du bist es doch, der in ihnen und durch sie wirkt. Ich freue mich, wenn du ihnen auch durch mich etwas Gutes tust. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 5. August 2021

Geist und Kraft hl

Losung: Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?, spricht der HERR. Jeremia 23,28 

Lehrtext: Paulus schreibt: Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. 1.Korinther 2,4-5

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

was ein Mensch von Gott predigt oder schreibt, es sei in der Bibel oder auch heute, ist im besten Fall seine ehrliche Überzeugung und redliches Bemühen. Es bleibt aber im Rahmen seiner begrenzten Fähigkeiten und Möglichkeiten. Wie aber das Gesagte und Geschriebene bei anderen wirkt, hat er nicht in der Hand. Da hat vielmehr Gott seine Hand im Spiel, da wirkt sein Geist. Doch was den einen im Glauben stärkt, bleibt bei einem anderen wirkungslos.

     Paulus hat mit seinen Briefen bis heute zweifellos eine enorme Wirkung auf den Glauben von vielen ausgeübt. Doch es war schon recht kühn, dass er von sich selbst sagte "meine Predigt geschah im Erweis des Geistes und der Kraft Gottes." Kann er das wirklich selbst beurteilen?

Bei vielem, was er geschrieben hat, stimme ich zu, doch nicht bei allem. Auch Paulus war ein fehlbarer Mensch mit positiven und problematischen Emotionen. Doch statt irgendwelcher Heiligen nimmt Gott gerade solche Menschen immer wieder in seinen Dienst, um durch ihre Worte seinen Geist und seine Kraft zu erweisen. 

Gebet: Herr, ich danke dir, dass durch das, was andere Menschen von dir gesagt und geschrieben haben, mein Glaube wächst. Es waren dein Geist und deine Kraft, die in ihnen gewirkt haben. Und darum will auch ich mir nichts auf meine Möglichkeiten einbilden. Denn nur durch deinen Geist und in deiner Kraft wirken die Worte fehlbarer Menschen. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 4. August 2021

Wohin sonst? hl

Losung: Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht. Psalm 119,162 

Lehrtext: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Johannes 6,68 

Gebet: Ja, Herr, wohin sollte ich schon gehen? Wohin als zu dir? Was du sagst, darauf ist Verlass. Was du sagst, hat Bestand. Das habe ich erfahren. Darum glaube ich keinem so wie dir. Darum komme ich nicht von dir los. Sollen andere dich verlassen und anderswo ihr Glück versuchen. Ich bleibe in Glück und Unglück bei dir. Nicht, weil ich so ein Glaubensheld wäre, sondern weil ich einfach keine Alternative zu dir sehe.

Vieles, was andere gesagt oder geschrieben haben, ist interessant. Manches fasziniert mich. Aber nichts berührt mein Herz so wie dein Wort, so wie du, wie deine Geburt, dein Leben und Sterben. Nichts lässt mich so verrückt und gegen alle Vernunft hoffen wie deine Auferstehung. Nichts bringt mir Gott näher als du.

Du hast mich für dich gewonnen, hast mich überwältigt und in deinen Bann gezogen. Nicht mit List und Gewalt, sondern mit deinem Bild am Kreuz. Du hast nichts von mir gewollt, aber mir alles gegeben, dich selbst, die Liebe Gottes mit Hand und Fuß, Herz und Verstand.

Dein Wort tröstet mich und richtet mich auf. Es gibt mir Lebensmut und neue Kraft. Es zeigt mir den Weg, den ich gehen kann. Es flößt mir Vertrauen ein. Wohin also, Herr, sollte ich gehen? Wohin? Ohne dich ist kein Weg, ohne dich ist kein Ziel, ohne dich ist kein Sinn. Ich bleibe bei dir, weil du bei mir bleibst. Woanders will ich nicht sein. Amen

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Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 3. August 2021

Engel hl

Losung: Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben. Daniel 3,28 

Lehrtext: Als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat. Apostelgeschichte 12,11 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

kommen Engel nur in der Bibel vor oder auch in deinem Leben? Das kommt wohl darauf an, wie du manche Ereignisse und Begegnungen deutest.

In der Antike, also zur Zeit der Bibel, waren Erscheinungen von Engeln und ähnlichen Wesen in den damaligen Religionen nahezu alltäglich. Wenn sich etwas Besonderes ereignete, wurde das auf sie zurückgeführt.

In der Bibel verblassen die Engelserzählungen, da Gott allein alles bewirkt und nicht noch irgendwelche himmlischen Assistenten benötigt. Nur Lukas, der das Weihnachtsevangelium geschrieben hat und die Apostelgeschichte (siehe Lehrtext), hat im Neuen Testament eine besondere Vorliebe für sie. Mit seinen Engelserzählungen macht er Gottes Wirken anschaulich. Damit ist der bis heute bei vielen erfolgreich.

Kurz und gut, die Rede von Engeln in der Bibel ist im Grunde genommen anschauliche Rede von Gott und seinem Wirken. Manche Verfasser biblischer Erzählungen haben an die Existenz von Engeln geglaubt, nicht zuletzt deswegen, weil es in der damaligen Welt normal war. Andere waren zurückhaltender. Ich halte es mehr mit den letzteren. Doch ich will mich hüten, die zu kritisieren, für deren Glauben Engelsvorstellungen wichtig sind. Man findet sie schließlich auch in unserem Gesangbuch, wo es unter anderem heißt: 

Gebet:
Deinen Engel zu mir sende,
der des bösen Feindes Macht,
List, und Anschlag von mir wende
und mich halt in guter Acht,
der auch endlich mich zur Ruh‘
trage nach dem Himmel zu. Amen
(Heinrich Albert, 1642, EG 445 Vers 7)

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 2. August 2021

Treue und Untreue hl

Losung: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. 2.Mose 14,13 

Lehrtext: Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat. Hebräer 10,23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Gott ist treu, sagt der Lehrtext. Welche Erfahrungen hast du mit Treue und Untreue gemacht?

Wenn dir jemand untreu geworden ist, hilft meines Erachtens nur eine Aussprache, in der du sagst, was du empfindest und was dir Treue bedeutet. Du musst dich entscheiden, was du ertragen willst und was nicht und dich danach verhalten. In jedem Fall sollst du derjenige / diejenige sein, die nach Möglichkeit aktiv wird und das Heft des Handelns in die Hand nimmt. Ich hoffe, dass du dann die richtigen Entscheidungen für dich triffst und mit den Folgen leben kannst. Ein Patentrezept gibt es zwar nicht. Aber es ist immer hilfreich, mit Gott darüber im Gespräch zu bleiben.

Und dann ist da noch die Hoffnung, dass das Leben auch nach einem Treuebruch gut weitergeht. Mag auch die eine Welt zusammenbrechen und dein Glück begraben, Gott kann eine neue für dich schaffen. Er bleibt dir in jedem Fall treu und schenkt neue Möglichkeiten.

Soweit die Hoffnung. Doch zu ihr gehört nun mal auch ihre Zwillingsschwester, die Geduld. Damit Wunden heilen können und Neues wachsen kann, braucht es seine Zeit. Wie viel? Manchmal drei, manchmal sieben, manchmal 14 Jahre, manchmal mehr. Manch eine/r aber richtet sich häuslich in seinem vertrauten Leid ein, sodass er es nicht mehr verlassen will. Er/sie fürchtet sich vor der unbekannten Freiheit und dem Neubeginn, den Gott ihm schenken will. 

Gebet: Herr, ich habe gelernt, dass ich loslassen muss, damit meine Hände frei werden und du Neues in sie legen kannst. Ich habe erfahren, dass ich mich nicht fürchten muss vor dem, was kommt, aber vor dem, womit ich mich nicht abfinden will. Du bleibst mir treu auch auf dem unbekannten Weg in eine neue Zeit. Denn du bist meine Hoffnung und nimmst mir die Angst. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 1. August 2021

Gottesliebe - Menschenliebe hl

Losung: Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 5.Mose 6,5 

Lehrtext: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 1.Johannes 4,19 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie soll ich denn Gott anders lieben als mit der Liebe, mit der er mich zuerst geliebt hat (Lehrtext)? Jede Art von menschlicher Liebe ist ein Abglanz von seiner. Das gilt für die Nächstenliebe, die Selbstliebe, die erotische Liebe und nicht zuletzt für die Gottesliebe des Menschen. Das gilt vor allem für die Feindesliebe. Sie ist die tiefste aller Liebe. Wer dazu fähig ist, hat Jesu Liebesgebot erfüllt.

Doch so schwer, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist auch die Feindesliebe nicht. Selbst unser Rechtsstaat lässt einen Terroristen, der bei seiner Festnahme angeschossen worden ist, im Krankenhaus behandeln. Das hat zwar vordergründig nichts mit Liebe zu tun, sondern mit der unantastbaren Würde eines jeden Menschen. Doch auch durch die Würde schimmert die Menschenliebe hindurch.

Und was der Staat kann, also selbst einem Gegner helfen, der in Not ist, das kannst auch du. Deshalb muss man jemandem, den man nur schwer erträgt, nicht gleich um den Hals fallen.

Aber kann man Gott überhaupt lieben? Kann ich als erwachsener Mann zu Gott sagen: „Ich liebe dich.“ Unbedingt. Das ist keine Frage der Scham, sondern der großen Dankbarkeit und des Glücks, das jemand empfindet, der Gott von ganzem Herzen vertraut. Und wenn du zu einem oder einer anderen sagst "ich liebe dich", ist das immer auch eine kleine Liebeserklärung an Gott, der diesen Menschen für dich geschaffen hat. Und das gilt genauso, wenn du sagt: "ich liebe mein Leben" oder "ich liebe diese Welt".

Morgengebet: Guten Morgen, lieber Gott, schön dass du da bist und ich diesen Tag erlebe. Du gibst mir alles, was ich bin und habe. Du hilfst mir auch an diesem Tag. Ich liebe dich, der du mir in Jesus begegnest und ich liebe dich in dem, was du geschaffen hast und was mich freut. Amen 

Zwei Liedverse:

Wie Gott lässt scheinen seine Sonn
und regnen über Bös und Fromm,
so solln wir nicht allein dem Freund
dienen, sondern auch unserm Feind.

Die Lieb ist freundlich, langmütig,
sie eifert nicht noch bläht sie sich,
glaubt, hofft, verträgt alls mit Geduld,
verzeiht gutwillig alle Schuld.

(Nikolaus Hermann, 1560, EG 413 Ein wahrer Glaube“ Verse 5+6)

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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