Mittwoch, 18. Januar 2023

Glauben ohne Schuldgefühle hl

Losung: Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast. 2.Mose 15,13 

Lehrtext: Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führe. .Petrus 3,18 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 „Christus, der Gerechte, hat um meiner Sünden willen für mich, den Ungerechten, gelitten, damit er mich zu Gott führe.“ So müsstest du sagen, wenn der Lehrtext für dich eine Bedeutung haben sollte. Aber jetzt mal Hand aufs Herz, ist das dein Glaube? Bist du der Ungerechte? Hat Christus um deiner Sünde willen gelitten? Ist das der einzige Weg, auf dem er uns zu Gott führen kann?

Viele, die meinen, sie müssten die Bibel wortwörtlich verstehen, sagen dazu ja, weil sie sich nichts anderes zu sagen trauen. Ich sage nein. Dieser Satz ist geeignet, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, mir die Schuld zuzuschieben, dass Jesus leiden und sterben musste. Aber das akzeptiere ich nicht, auch wenn das lange Zeit offizielle, kirchliche Lehre war und noch immer ist.

Der zweifache Grund von Jesu Leiden

Christus musste leiden, weil er den Interessen der religiösen Machthaber damals, den Hohenpriestern (Bischöfen) und Schriftgelehrten (Theologieprofessoren) im Wege stand. Und er hat gelitten, weil die römische Besatzungsmacht ihn für einen politischen Aufrührer hielt. Deswegen hat man ihn umgebracht.

Doch sein Leiden hatte für ihn selbst einen anderen Grund. Meinem Bibelverständnis und Glauben zufolge hat Christus gelitten, weil er seine Botschaft nicht verraten wollte. Sie lautet: Gott ist der barmherzige Vater aller Menschen und Lebewesen. Deshalb liebt er sie und vergibt ihnen bedingungslos. Das gilt nicht nur für die Guten und Gerechten gilt, sondern auch für die Bösen und Feinde.

Die Lust an Unterwerfung

Damit traf Jesus den Tempelkult ins Mark. Damit waren mit einem Mal alle Opfer überflüssig und mit ihnen die religiöse Betriebsamkeit. Damit hat er die Machthaber im Tempel (Kirche) entmachtet und ihre zahllosen Vorschriften außer Kraft gesetzt. Seine Feinde haben das verstanden und ihn ausradiert. Seine Freunde, die Jünger und andere, haben das teilweise nicht verstanden und versucht, seine Worte im Sinn ihrer religiösen Tradition zu ergänzen und zu deuten. So ist kurz nach seinem Tod ein neuer Kult um seine Person entstanden und bald darauf auch eine Kirche mit hierarchischen Ämtern und Vorschriften, ganz ähnlich wie es immer war. Aber vermutlich lag das nicht nur am Machtwillen einiger weniger, sondern auch an dem Bedürfnis und der Lust vieler, sich zu unterwerfen. Dabei ist es geblieben – bis heute.

Manchmal denke ich, es wäre besser, es gäbe keine Kirche, sondern nur unabhängige, freie Gemeinden. Doch auch da ist nicht alles Gold was glänzt. Denn hier wie dort, damals wie heute sind Menschen am Werk, solche wie ich. 

Gebet: Herr, du willst und du brauchst keine unterwürfigen Sklaven, sondern freie Söhne und Töchter. Du willst und du brauchst keine Menschen, die sich wegen ihres Versagens (Sünden) schuldig fühlen und ein schlechtes Gewissen haben, dass du ihretwegen hättest leiden und sterben müssen. Darum freust du dich über jeden, der seinen Weg fröhlich geht und sich dabei gerne an dir orientiert. Der dir dankbar ist und dir und deiner Botschaft vertraut. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 
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2 Kommentare:

  1. Lieber Herr Lehrer

    Vielen Dank für diese Auslegung. Mein Vater, er war ref. Pfarrer, er sagte mir als ich noch Kind war, dass Jesus uns zeigen wollte, dass es keine Opfer mehr braucht. Er sei das letzte Opfer. Als Kind konnte ich das nicht wirklich verstehen... Mit der Zeit begann ich das langsam zu verstehen. Ja, wir brauchen Gott nichts zu opfern.. Wie könnten wir auch...?
    Wir sind nicht perfekt. Das ist der Motor der Entwicklung, wäre die Entwicklung nicht, dann wären wir am Ziel der Zeit. Dies gilt für unsere persönliche Zeit auf der Erde, wie die des Universums, des Seins.
    Ich wünsche allen gesegneten Tag.
    Rahel Alexandra Wunderli

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  2. 60 Jahre warte ich nun schon auf diese Antwort, auf dieses Gebet
    Danke

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